In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Merkt auf, ihr Frau’n und Mädchen, Die ihr gen Durlach reist,
Vernehnmt von diesem Städtchen Ein Lied, das Treue preist. Es war vor langen Jahren Ein Herzog hochgeehrt, Im Buhlen wohlerfahren, In Durlach eingekehrt.
Und wie er auf der Straßen Ein reizend Weib erblickt, Da fühlt er über Maßen Sein lockres Herz umstrickt.
„Gott grüß dich, Herzlein, holdes, Willst du mein Liebchen seyn? Sieh diesen Säckel Goldes, Zum Lohne werd’ er dein!“
– „Herr Fürst von Hohenstaufen! Ein ehrsam Eheweib Ist nicht für Gold zu kaufen! Sucht andern Zeitvertreib!“ – „Schön Kind, sey nicht so blöde, So viel du nur begehrst Sey dein, du süße Spröde, So du mir Huld gewährst.“ „Herr Fürst von Hohenstaufen, Hebt euch hinweg von mir! Die Chr’ist nicht zu kaufen Um aller Kronen Zier.
„Verbannt den Schmachgedanken, Ihm folgt nur Schmach und Reu, Eh soll der Thurmberg wanken, Als teutschen Weibes Treu!“
Und wie er nun verwegen Sie um die Hüfte faßt, Da reißt sie ihm den Degen Vom Gurt mit kecker Hast:
„Herr Fürst von Hohenstaufen, Ein Gott im Himmel lebt! Mit Blut nur könnt ihr kaufen Die Gunst, nach der Ihr strebt!“ – „Was frommt die grimme Wehre In schwachen Weibes Hand? Gib mir, was ich begehre, Eh’ Kraft dich übermannt.“ – „Ein hilflos Weib nur bin ich, Verzagt und schwach fürwahr; Doch heil’gen Kampf beginn ich, Ist Ehre in Gefahr.“
Und wie sie dies gesprochen, Schwingt sie den Flamberg gut; Der Herzog sinkt erstochen Zur Erde roth von Blut.
So hielt durch Weiberhände Der Herr ein streng Gericht. – Das Liedlein ist zu Ende, Doch wahr ist dies Gedicht.
Wie alt sein Grundgedanken, Der Sinn bleibt ewig neu: Eh’ soll der Thurmberg wanken, Als teutschen Weibes Treu!