In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Wie nah die Hölle grenzt an’s Himmelreich, Im Dreisamthale kannst du leicht es schauen; Ein Felsenthor versetzt dich zaubergleich Vom Paradies in wilder Schluchten Grauen. Dort draußen lacht der Wiesen Blüthenpracht, Hier brütet Nacht im Riesenklippenschacht; Dort Sonnengold und Thaujuwelgeblitze, Hier scheint Kobold und Gnom im Landsbesitze.
Doch gleicht die Dreisam nicht dem Lethefluß, Der schlammtrüb schleichet durch der Alten Hölle, Nein, lustig stürzt sie sich im Schaumerguß
Von Block zu Block, von Fels zu Felsgerölle. Du trinkst aus ihr, anstatt Vergeßlichkeit, Nur frisches Kraftgefühl und Fröhlichkeit, Und köstlich runden dir aus ihren Wellen Zum goldnen Wein die zierlichen Forellen.
Denn einen Wirth, wie den im Höllenthal, Wirst du im Paradies vergeblich suchen. Bei seiner Küche auserlesnem Mahl Gewiß nicht deinem Pilgerloose fluchen; Sein Traubennektar vom Markgräflergau Verklärt die Hölle dir zur Himmelsau, Und statt der Herrn oder Teufelinnen Siehst du nur rosige Schwarzwälderinnen. Und lächelt dir ein solcher Engel zu, Möchst du wohl kaum die Hölle mehr verlassen, Und lieber in zweisiedlerischer Ruh Mit ihm dich nisten in die Felsenmassen; Fern von der Welt verwirrendem Gewühl, In einer Hütte traulichem Asyl, Des Tannenwalds, des Wasserfalles Rauschen, Den Hirschlein, Reh’n und wilden Tauben lauschen.
Doch brich nun ab dein träumerisches Zelt, Hier sollst du deinen Wanderstab nicht pflanzen! Zu neuem Zauber lockt des Feldbergs Welt, Hinauf die Steig, vorbei die Kriegerschanzen! Entstiegen bist du heil der dunklen Kluft, Und wiegst dich frisch in freier Höhen Luft; Wer kühn bestand der Höllen Abenteuer Hat nicht zu fürchten mehr das Fegefeuer.