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Badisches Sagen-Buch II

Kellers Bild

2 Min. Lesezeit· Eduard Brauer, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Es lag ein altes Nymphenbild Im Tannenforst begraben, Wo vormals Heiden grimm und wild Mit Blut geopfert haben. Es lag in seinem Waldversteck Wohl tausend Jahr vergessen, Bis diesen Schatz ein Junker keck Zu heben sich vermessen.

02

Einst ritt Herr Keller durch den Wald In später Nacht alleine; Da winkt ihm eine Frau’ngestalt Am Weg im Mondenscheine.

03

Ihr Auge kühn und minneklar Hat schnell sein Herz umsponnen, Doch bot er Hand und Gruß ihr dar, – Schnell war das Bild zerronnen.

04

Durchforschen ließ er drob den Platz, Wo ihn der Schein betrogen, Viel Klafter tief, so ward der Schatz Zum Licht emporgezogen. Und als das schöne Nymphenbild Nun prangt’ an jener Stätte, Da schien sein Sehnsuchtstraum gestillt, Als ob es Odem hätte. Man sah ihn still um Mitternacht Das holde Weib umfangen, Es hielt, vom Marmortod erwacht, Ihn fest mit Gluthverlangen.

05

Das hat kein sterblich Ohr belauscht, Was Die zusammen kos’ten, Die Tannen krachten sturmdurchrauscht, Des Berges Quellen tos’ten.

06

Und als des Frühthau’s erstes Naß Den Jäger rief zum Haine, Da lag Herr Keller marmorblaß, Ein Leichnam, bei dem Steine.

07

Drob war im Thal der Oos und Murg Viel Leids und ängstlich Wesen, Man ließ zu Baden auf der Burg Dem Junker Messen lesen. Zerschlagen war das Marmorweib, Der Höllenspuck vernichtet, Und an dem Ort zum Fluchvertreib Ein Kreuzbild aufgerichtet.

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Quelle zitieren

Kellers Bild, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 94, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Kellers Bild, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/kellers-bild/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-094-kellers-bild