In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
In diesen neuen Zeiten blüht manch ein alter Stamm, Geschmückt statt goldner Früchte mit Ehren wundersam, Und jedes frische Zweiglein grünt wie ein neuer Ruhm, Und aus der Krone schallet gar lauter Preis ringsum. Sanft ruht es sich im Schatten vor’m schwülen Sonnenbrand, Dabei wird nicht ermatten das Volk und auch das Land. Drum steigt man zu den Wurzeln tief in die Erd’ entlang, Und gräbt aus dunkeln Schachten die Kraft und den Gesang.
Einst wuchs im Bayerlande ein Baum von seltner Art, In zwei gewalt’gen Aesten durch Doppelkraft gepaart; Zwei Ströme rauschten drunter, die Donau und der Rhein, Zwei Völker saßen drunter in traulichem Verein.
Die Rheinpfalz hieß das Eine, das trug ein edles Reis, Herr Friedrich war sein Name; ihn schmückte mancher Preis, Es mochten Feinde drohen, so weit man Teutsche nennt, Die Sonne riß doch Keiner herab vom Firmament.
So viel auch Männer stritten mit Waffen aller Art, Nie hat er Schmach gelitten; die Pfalz war treu bewahrt; Sieghaft muß man ihn nennen bis an die fernste Zeit, Der Sieg war ja sein Panner, die Ehre sein Geleit. Auch zeugt’ er ein Geschlechte, stark bis zum jüngsten Glied, Davon soll manche Kunde euch bringen dieses Lied’; Wer nicht vom Besten singet, verliert die Kraft zum Sang, In diesen neuen Zeiten thut noth ein alter Klang.
O Markgraf Karl von Baden! O Graf von Würtemberg! Was schließt ihr feste Bünde zu einem kühnen Werk! Viel Räthe stehn beisammen und sprechen manchen Rath, – Was nützt der Rede Warnung, wenn man nicht scheut die That?
Von Würtemberg Herr Ulrich, von Baden auch der Graf, Die sprachen: „Hüt’ dich, Pfälzlein, eh dich der Hirsch noch traf, Der Hirsch hat scharf Geweihe, und wie nach frischem Quell, So dürstet er, zu baden im Pfälzer Blute hell.
Du auf dem grünen Hügel, du Heidelberger Schloß! Bald soll dein Weingelände zerstampfen unser Roß, In deine Friedenshallen zieht ein der rauhe Krieg, Dann grüßest du wohl Andre, als Friedrich, mit dem Sieg!“
Herr Ulrich sprach hinwieder: „Das ist besondrer Brauch, Daß Friedrich sieghaft heiße und Würtemberg nicht auch; Der Pfälzer mag es büßen, wer geizt so mit dem Ruhm? Dies Schwert in Schwabenfäusten bringt wohl den Pfälzer drum. Ich mag nicht gern es hören, daß man alleine spricht Vom Pfälzer nur in Ehren und von dem Schwaben nicht; Mag sich’s sein kühner Vetter in Landshut wohl versehn, Viel klüger ist’s, alleine den Waghals zu bestehn!“ Das hört ein Würtemberger, Hans Rechberg war sein Nam’, Der sprach zum Grafen Ulrich: „Eu’r Hoffen, Herr, ist lahm! Mich deucht, es geht auf Krücken, sobald’s die Pfalz betritt, Indeß das Glück und Friedrich stets halten gleichen Schritt.
Ich sag’ dies unmaßgeblich; ’s ist eines Mann’s Gedanke, Der niemals daran dachte, daß er im Kampfe wanke; Ich mein’, auf jene Hügel trat noch kein Schwabenroß, Es hat gar feste Mauern das Heidelberger Schloß!“ –
Da sprach Graf Ulrich wieder: „Hans Rechberg, laß das seyn! Wir ziehn in diesem Monde zu Heidelberg noch ein; Wir wollen dich dran mahnen, wenn wir beim Siegesmahl Dort in dem Schlosse sitzen im stolzen Rittersaal!“ –
Und es geschah im Sommer, da ritt mit Saus und Braus, Von Stuttgart hochgemuthet der Graf, Herr Ulrich, aus; Bei Pforzheim aber harrte, geborgen im Gebirg Mit Speyr’s und Badens Knechten von Metz der Bischof Jürg. So ging verstärkt nun weiter die seltne Pilgerfahrt, Bis man vom hohen Markstein die reiche Pfalz gewahrt. Das ist der Zaubergarten, worin mit stolzer Pracht Der Himmel seinen Segen aufschüttet und bewacht.
Von Rebengold und Aehren trägt die Natur den Kranz, Goldfrüchte rings verklären die Flur mit buntem Glanz, Der Rhein zeigt hell im Spiegel des Landes Wonnebild, Mit jungfräulichem Kosen umspielt die Luft es mild.
Graf Ulrich und der Bischof ersehn die reiche Zier, Da wird ihr Herz ergriffen von Neid und von Begier; Zu größrer Eile spornet die Habsucht noch ihr Roß, Und Staubgewölke wirbeln sich dicht um ihren Troß.
So gehts im Sturmesfluge voran von Ort zu Ort, Wer schirmt vor Rosseshufen der Saaten goldnen Hort? Zur höchsten Frechheit steigert ihr Uebermuth sich bald, Und haufenweise brechen sie Aeste aus dem Wald.
Und binden sie den Schweifen von ihren Rossen an, So ward zerstampft, zermalmet die Saat auf ihrer Bahn; Mit Hagelwolken schmettern sie Alles vor sich hin Es fleht das Volk nach Rettern vom völligen Ruin. Der Bischof und die Grafen sind taub für jeden Fluch, „O mög’ der Himmel strafen so höllischen Besuch!“ So ziehn die wilden Horden von Dorf zu Dorf durchs Land Mit Sengen und mit Morden bis an des Rheines Strand.
Bei Seckenheim im Felde liegt ein gewaltiger Leu, Viel Rittersleut’ in Waffen bewacht er scharf und treu; Er hat von Gold die Mähnen, und Krallen gut zum Fang, Es ist der Pfälzer Löwe! Noch wird der Pfalz nicht bang!
Ein andrer Löwe schreitet umher bei Jung und Alt, Als echter Landeshüter in fürstlicher Gestalt;
Reich unterm goldnen Helme drängt sich das goldne Haar, Die Kraft hat er vom Leuen, das Auge von dem Aar.
Es war im hohen Sommer, ein heißer Schnittertag, Als zwischen Rhein und Neckar des Pfälzers Heerbann lag; Da schritt in froher Ahnung zu einem alten Mann Der junge Pfälzer Kurfürst und sprach den Ritter an:
„O vielversuchter Ritter, Ihr tragt ein herrlich Schwert, Das manchem stolzen Degen der Schatten viel bescheert; Hört eines Manns Begehren, der gern umarmt den Ruhm, Weiht Uns zu hohen Ehren, zum edlen Ritterthum!“ Da spricht der alte Degen, Herr Wipprecht zubenannt; „Kein Herz schlägt allerwegen so stolz im teutschen Land, Als wie das meine, da ich von Euch dies Wort vernahm, Nie flog aus meiner Scheide dies Schwert so wonnesam!“ Vor ihm kniet Kurfürst Friedrich; der alte Degen spricht: „Heil mir, daß ich’s noch schaute, bevor mein Auge bricht! So schlag’ ich Euch zum Ritter und setz’ mein Leben ein: Wird man Sieghafte nennen, man nennt nur Euch allein!
Jetzt will ich freudig sterben, und bet’ aus voller Seel’: Du Gott im Himmel, löse mich rein von allem Fehl! Nach dieser letzten Ehre taugt nur mein Schwert allein Zum letzten frohen Siege, fall’ ich, senkt’s mit mir ein!“ –
Jetzt aber, wie ein Sturmwind sich durch zwei Wetter drängt, Zerbricht der Kampf die Fesseln, in die er war gezwängt. Nun Baden, bad’ im Blute, und Metz, wetz’ dein Geschoß! Ihr Hirschgeweihe zittert! – Der Leu scheut nicht den Stoß!
Das nennt man doch ein Treffen, weil viel getroffen wird: Der Hirsch und mit der Heerde der rauhe Seelenhirt. Um Gott! wer stürzt den Leuen dort in den dichtsten Kampf? Er sinkt. – Nicht mehr zu kennen ist er in Qualm und Dampf.
Herr Wipprecht sieht’s von ferne, und blutig spornt er’s Roß: „Mein Seel! des Friedrichs Rappen traf eben das Geschoß! Da stürzt sein edler Renner! schon sind die Feinde nah! O Friedrich! wackrer Pfälzer! vertrau nur, ich bin da!“ So ruft der alte Degen und eilt zu seinem Herrn, Herr Wipprecht sinkt getroffen, und spricht: „Das leid’ ich gern!“ Der Kurfürst aber schwingt sich rasch auf ein andres Pferd, Getrennt zwar von den Seinen, doch siegreich blitzt sein Schwert.
Er streckt mit eignen Händen wohl Manchen in den Sand, Da schallt’s von allen Enden: „Sieg! Sieg! du Pfälzerland!“ Nun bad’ im Blute Baden! Es ist dein eigens Blut! Der Hirsch wirft sein Geweihe! Der Leu traf ihn zu gut!
Man fing viel edle Herren und Grafen auch dabei, Von Würtemberg und Baden sind’s ihrer wackre zwei, Der junge Pfälzer Kurfürst erblickt den edlen Fang, „Ein seltnes Jagen!“ – ruft er – „Euch Füchse sucht’ ich lang!“
Da regt sich’s ihm zur Seite – es war ein sterbender Mann, Der schaut mit freudigen Blicken den jungen Sieger an; Herr Wipprecht war’s von Helmstätt: „Gott schütze meinen Herrn! Denn sieghaft wird er heißen! jetzt sterb’ ich, wahrlich, gern! Denn ich schlug ihn zum Ritter, ich alter Degen, ja! Man wird von Friedrich sprechen mit Ruhme fern und nah, Mit mir soll man begraben dies Schwert, das stets ich trug, Das war es ja, mit dem ich ihn heut zum Ritter schlug!“
Zu Heidelberg im Schlosse sitzt froh im schönsten Saal Der Pfälzer Kurfürst Friedrich beim stolzen Siegesmahl; Auch die gefangnen Grafen sie sitzen mit am Tisch, Da setzt man, köstlich duftend, vor Beide Braten und Fisch.
Es schäumt in goldnen Kannen der goldne Rebentrank: „Den Becher“ – rief der Kurfürst – „bring’ ich dem Sieg zum Dank! Sieg, sey mir treu vor allen, wie meine Pfalz so treu! Wie meint ihr, gute Grafen, ob ich verlassen sey?“
Stumm blicken beide Grafen auf’s goldene Geschirr; Gar üppig schmeckt der Braten. – „Was denkt ihr Herrn von mir?“ – So ruft der Kurfürst freundlich – „Bin ich ein schlechter Wirth? Ich hab’ euch eingeladen und sicher hergeführt.“ –
„Mit Nichten!“ – spricht Herr Ulrich – „Ihr haltet guten Tisch; Gar würzig schmeckt der Braten, gar köstlich lockt der Fisch; Nur Brod allein vermiss’ ich; das Brod würzt Speis’ und Trank …“ Da spricht im Zorn der Kurfürst: „Das nenn’ ich schlechten Dank!“ Und von dem Mahle geht er an’s offne Fenster hin, Die Gäste folgen staunend; er spricht: „Seht den Gewinn! Schaut hin auf alle Felder, die ihr zu früh gemäht; Jetzt faßt euch selbst die Sichel, die ihren Herrn verräth! Speist doch vom lockern Brode der Saat, die ihr zerstört! Ei, werdet satt vom Segen, den euer Schwert verheert! – Euch duften zwar andre Speisen, das Brot fehlt euch allein; Doch Mancher seufzt und betet: wär’ nur ein Krümchen sein!
Ihr stolzen Herrn und Grafen! Was gilt Euch Volk und Land? – Wär Gott nicht da, zu strafen, ihr legtet wohl die Hand Nicht blos an Brot und Saaten, nein, an des Volkes Mark! Doch Gott im Himmel richtet und meine Faust ist stark.
Ihr Gäst’ an meiner Tafel, laßt euch nicht stören mehr! Füllt an die goldnen Becher; der meine, seht! ist leer. Und vollgeschenkt auf’s Neue, bring’ ich’s dem Volke aus; Das Volk hat Lieb’ und Treue, der Leu bewacht sein Haus!“