In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Spielend mit des Sohnes Locken, Seinen Arm um ihren Leib, In dem Schall der Abendglocken Sitzt er neben seinem Weib. „In dem süßen Abendfrieden Blickst du düster auf dein Land, Dem du dieses Glück beschieden, Hat es sich von dir gewandt?“ –
„Nimmer meine Seele weise Nach dem kleinlichen Gebiet, Das im engen Zauberkreise Meine Kraft zusammenzieht. Was ein Auge überblicket, Stillet mein Verlangen nicht, In die Geisterwelt entrücket, Träum’ ich mich in Lust und Licht.
„Und auf hohen Thron erhoben, Als den Herrn im Heiligthum, Dem die Helden sich geloben, Schau ich sehnend nur den Ruhm. Such’ ich Lust in deinen Armen, Frieden in des Knaben Blick, Ach! ein Armer unter Armen, End’ ich ruhmlos mein Geschick!“ – Und die Gattin geht in Zähren, Nimmt den Knaben schweigend mit;
Doch er sieht sie wiederkehren Mit der Freude leichtem Schritt. Seinen goldnen Fürstendegen Bringt sie ihrer Liebe Mann, Und der Sohn jauchzt ihm entgegen, Trägt den Harnisch ihm heran.
„Was, mein Herz! du dir erwählet, Gilt als ein Gebot für mich; Lieb’ und Ehre sind vermählet, Und die Liebe waffnet dich. Meine Ehre du, ich warte Deiner mit der Siegerkron’, Wenn ich, ach! vergebens harrte, Wahr’ ich sie für deinen Sohn.“ Und sie gürtet ihm den Degen, Panzert ihn mit flinker Hand; Unter hellen Trommelschlägen Zieht sein Häuflein aus dem Land. Nach des Sultans falschen Grenzen Flattert ihrer Fahne Flug, Als der hellste Stern zu glänzen In dem teutschen Heereszug.
Seines Eisenarmes Schwere Furchet tief im Leichenfeld. Sieh, da speit die wilden Heere Flammend aus die Heidenwelt! Des Propheten Fahne mähet Wie ein Sturm die Schaaren hin; Den Vezir, von Stolz geblähet, Lüstet’s wiederum nach Wien.
Wer bestehet seine Streiche? Schwache Schaar, wer schirmt dich noch? Siehst du nicht die junge Eiche? Ueber Trümmern steht sie hoch.
Der von Baden wird dich retten, Er, dein neuer Feldmarschall; Schüttle weg des Schreckens Ketten! Er ist dir ein Hort und Wall. Vor des Lagers bunten Strecken, In der fremden Waffentracht, Seht ihr sie die Felder decken? An des Zeltes Seidenpracht Schwingt nun der Vezir den Säbel: Seine Haufen ohne Zahl, Wie die dichten Winternebel, Braußen lärmend aus dem Thal.
Kleine Schaar du, frisch entgegen! Ordne deine Glieder dicht! Du sollst sie zu Boden legen, Wie der Strahl den Nebel bricht. Deine weißen Reihen rollen In des Heeres Riesenball, Langsam erst, dann schnell im vollen Fluge, wie des Felsen Fall. Wie die Feinde mordend drücken, Immer fester wird dein Gang, Denn dein Marschall in dem Rücken. Treibt sie wie des Sturmes Drang. Und er bricht durch ihre Glieder, Wie aus seinem Bett das Meer, Tritt wie Halme Alles nieder, Mit dem kleinen Reiterheer.
Und er steht auf Waffentrümmern Im erstürmten Feldherrnzelt; Ferne Todtenklagen wimmern Vom ersiegten Waffenfeld; Blutige Gestalten wanken Zu den Feuern vor der Wacht;
Ueber den Gefangnen schwanken Blanke Flinten durch die Nacht.
Wie die Lilienhäupter schauen Nach des jungen Tages Stern, Blühn des Harems schönste Frauen Knieend um den neuen Herrn; Harren, wer ihn soll umschlingen In des Lagers weicher Ruh; Pfeifen und Trompeten klingen Ihm den Marsch des Sieges zu. Was die Wunderblumen bieten, Fesselt nicht den den edlen Sinn; Schmachtend nach der Ferne Blüthen Träumt sich seine Seele bin: Seines Knaben blonde Locken, Seines Weibes treue Brust Möcht’ er fassen mit Frohlocken In des Wiedersehens Lust.
Und der Sultan bietet Frieden. Von dem mondelangen Strauß Hat der Sieger sich geschieden, Kehrt zu seiner Väter Haus. Staunend hält er auf der Brücke Seiner Stadt mit seiner Schaar, Nimmer stellt sich ihrem Blicke Seiner Väter Wohnung dar. Wie des Ruhmes Tempel breitet Sich umher ein hohes Schloß; Seine Priesterin, sie schreitet Liebend auf den Helden los, Krönt ihn mit dem Siegerkranze, Sinkt ihm fröhlich in den Arm, Bei der Schlachttrophäen Glanze In des Volkes Jubelschwarm.
„Sieh, Herr, was wir dir bereitet! Zeuch’ in deiner Väter Haus! Treu von Lieb’ und Ruhm begleitet Lächle in dein Land hinaus!“ – ‚„Ja, der Sieger ist bezwungen Von der Liebe, treuer Hand; Was er suchte, ist errungen, Nimm mich auf, mein Vaterland!“‘