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Die Volkssagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens

Die Volkssagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens

1837 · OCR, ungeprüft

423 Min. Lesezeit· Wilhelm Johann Albert von Tettau; Jodocus Donatus Hubertus Temme

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

Ungeprüfte OCR-Arbeitsfassung. Keine manuelle Gegenlesung. Haupttext, Anmerkungen, Register und Tabellen sind nicht redaktionell getrennt; Erkennungsfehler und fehlerhafte Lesereihenfolgen sind möglich. Vollständiger Scan einschließlich Einleitung, Inhaltsverzeichnis und Anmerkungen. Technische Seitengruppen, noch keine geprüfte Trennung der einzelnen Sagen.

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DIE VOLKSSAGEN OSTPREUSSEN S, LITTHAUENS UND... Wilhelm Johann Albert Tettau (Frieherr von.), ...

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Die volksfagen.. | meren EI MUSE Oſtpreußens, EMEN En und Weſtpreußens, - / Geſammelt von VW. I. A. von Tettau und I. D. H. Temme, (= === 2,2, zmn Berlin, 1837. In der Uicolaiſchen Suchhandtlung.

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Einleitung. Tas den, wiſſenſchaftlichen - Beſtrebungen der neueſten Zeit irgend ein'Verdienſt höch anzurechnen ,'ſo iſt es ihre Viel- ſeitigkeit... So wie ſie überall, ſelbſt bis nach Indien und in: das verſchloſſene China -hinein, ſich einheimiſch machten, ſo gewannen ſie auch -intenſiv an Ausdehnung und Mannig- faltigkeit. Längſt 'bei. Seite gelegte" ja verachtete Zweige des Wiſſens wurden hervorgeholt und ſorgfältig gepflegt; Vorzugsweiſe: aber ward dieſe Gunſt dem zu Theil, das, ſeiner Entſtehung nach, gerade: der -Wiſſenſchaft entgegen- geſetzt, unter' denen zuerſt aufgewachſen iſt, welche “äller Schulbildung fremd waren! und" das: daher die Gelehrten von Fach auch bisher -:nur mit "Mitleiden' betrachten zu müſſen" geglaubt hatten == der Volksſage, dem Mährchen, dem Volksliede. = Kaum iſt ein halbes Jahrhundert 'ver- floſſen, ſeit man .zuerſt begann, dieſem Zweige: geiſtiger Thär tigkeit Aufmerkſamkeit 'zu widmen, und ſchon ſind wenige Länder , wo nicht wenigſtens etwas geſchehen wäre. Und läugnen läßt es! ſich nicht ,' daß die: -Bolksliteratur dieſer . Pflege: wohl : werth -war; : „Obgleich“. ſagt Selden (bei Peroy Reliques -of ancient englich poetry) „Manche die Flugſchriften verachten, ſo kann man doch aus ihnen ſehen, was für ein Wind. weht. - Nimm - einen Strohhalm und wirf ihn in die Luft empor, ſo wirſt du daraus entnehmen, woher der Wind kommt,'was du“nic<ht vermagſt, wenn-dü einen Edelſtein: emporwitfſt.--|Schterere -Dinge - geben den *2

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1y were menittitet de 5 fb lb pur 1 umme Geiſt der Zeiten nicht ſo fenen, als Lieder und Flug? ſchriften.“ Dies gilt nun vorzugsweiſe von den Volksſagen. Sie ſind es, die uns von dem Geiſte und der Gemüthsart der * Nation das treucſte, ſprechendſte Abbild gewähren. Denn, dem Volke entwachſen /?ttägen“ ſie * den Charakter ſeiner Individualität an ſich; und ebendieſelbe Verſchiedenheit, welche, von der Uranlage, von Clima, Bodenbeſchaffenheit, bürgerlicher Verfaſſung. „Religion ;-dern bisherigen ::Schi>- ſalen und ſonſtigen „phyſiſchen:, und“' moraliſchen ; Einflüſs " ſea: bedingt, .in - der::-geiſtigen - Befähigung »und] Rich? tung,..in der ſittlichen. Bildung und Gemüthsbeſchaffens heit..der Polksſtämme „obwaltet:, findet ſich, „auch in:ihren Sagen wieder. - So; <arakteriſirt düſtere Gluth die ſpani? ſehen , witzige. und :ſanguiniſche Heiterkeit die.:franzöſiſchen; Genialität: und Schwexmuth die britiſchen... ſinniger..Eruſt. die. germaniſchen 3; .in-“den-? nordiſchen prägt ſich: die ſtarre, großartige-Natur ihrer -Heimath. aus, in den italieniſchen die -friſc<e Ueppigkeit und; dev ewig unbewölkte Himmel -der Umgebungen, unter welchen. ſie exwachſen. lt ! Theilen nun die: Volksſagen. dieſe Seite ihres Werths weiſt; mit den -Volksliedern, und, Volksmährchen, ſo iſt doH der; welchen, ſie,.für die Geſchichte bieten, ihnen eigenthüm- lich, und je höher hinauf ihr Urſprung ſteigt, um ſo bedeut- ſamer werden, ſie in -dieſer-Beziehung, „Ueber den Urzuſtand des - Landes und Volkes verbreiten ſie ein viel helleres Licht; und bieten ein Gemälde in. viel treueren Farben, als dies ſelbſt+die,; älteſten ſchriftlichen Zeugniſſe vermögen, deren Ueberlieferer, meiſt einem fremden Volke angehdrig,/ gewöhn- lim die Dinge nicht mit unbefangenem Auge, ſondern -durc< Okulare anſchauten, welche die Farben mannigfach brachen und:.die Gegenſtände bald zu klein, bald. zu groß erſcheinen ließen. Ja, die Urgeſchichte jedes Landes beſteht mehr oder

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v minder aus Volksſagen. ' Vorzugsweiſe 'wichtig werden dieſe aber, wenn; wie bei Preußen, die Ureinwohner gar feine ſchriftlichen Denkmäler hinterlaſſen, wenn die älteſten Be- richterſtatter nach Volksſtamm, Gottesverehrung und durch Gelübde deren erbitterte Gegner waren, wenn überhaupt ältere ſchriftliche Quellen ſo äußerſt ſparſam fließen, daß ſie“ weite , zwiſchen inne liegende Gebiete ganz unberührt läſſen“und das Ganze einer großen Wüſte gleicht, wo wenige Oaſen dem Wanderer einen Haltpunkt gewähren. ". " Berückſichtigt 'man endlich noch, wie die Volksſagen in hohem Gräde geeignet ſind, den Nationalſinn zu wecken und zu fördern, ſo bedarf die Herausgabe einer Samm- kung gerade ſolcher, die ſich auf Preußen beziehen, wohl um ſo “weniger einer Rechtfertigung “als für dieſes Land in der: gedachten Beziehung m05 ſo gut wie nichts geſche- hen iſt. “' Um nun aber das fe Sammeln beobachtete Verfah- ven zu rechtfertigen, ſcheint es vor allem nothwendig, die Gränzen des“ Gebietes genau zu beſtimmen, welHes der * Volksſage angehört. Auf der einen Seite gränzt daſſelbe an "das der Ger ſchichte, auf der andern an die des Mährchens und des Volkliedes. Der Geſchichte gehört alles an, was urkund- lich bewährt iſtz die vorhiſtoriſche Zeit fällt daher: ganz in den Berei< der Sage und bildet in dieſer den Kreis der ſagenhaften Geſchichte, denjenigen Theil der letzteren, der, von den erſten Ueberlieferern dem Munde des Volks ent? nommen, in der Tradition ſein Fundament hat, mithin bei kritiſcher Sichtung von dem Hiſtoriker , als nicht vollkom- men “ beglaubigt, bei Seite geſchoben werden muß. Von der eigentlichen Sage unterſcheidet ſich die ſagenhafte Ge“ ſchichte auc namentlich dadurch, daß bei ihr das Unbe- greifbare kein nothwendiges Element iſt,

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vi Erſt von da an, wo gleichzeitige. Gewährsmänner vor- handen ſind, -gewinnt die Geſchichte vollkommen ſicheren Boden, aber neben ihr wuchert die Sage noch fort. - Hier „verwachſen beide oft ſo innig in einander, daß es ſc<wer wird zu beſtimmen, welche Sprößlinge dieſer, welche jener angehören. Denn es iſt nicht noch alles, was bei ſtrenger Kritik ungerecht? fertigt bleibt, Sage; Jrrthümer, Erdichtungen der Schrift- ſteller - gehören nicht in deren Gebiet. Jn ſo weit ſich..nun nicht wirklich ein volksmäßiger Urſprung ergiebt, bleibt hier nur Ein Kriterium: das Wunderbare, der Natur der Dinge nach Unmögliche. Wenn bei allem Uebrigen die Ver- muthung gegen eine Entſtehung aus dem Volke her ſpricht, ſo zeugt ſie hier dafür, und. nur wo andere Thatſachen, dieſe Präſumtion entkräften, es ſich, 3. B. bei den Legenden, nach- weiſen läßt, daß ſie von denen, welche ſie überliefern, ſelbſt erſonnen ſind, wird eine Ausſchließung erfolgen müſſen. Das Wunderbare, als nothwendiges Element für die Volks- ſagen der hiſtoriſchen Zeit, iſt es denn auch , was dieſelben von den geſchichtlichen Anekdoten, von denen auch gewiß viele einer vollkommen zuverläſſigen Beglaubigung erman- geln, ſc<eidet. Obwohl die preußiſchen Chroniſten deren eine große Zahl und theilweiſe nicht eben unintereſſante enthalten, ſo haben wir dennoch geglaubt, dieſelben, in ſo fern ſich nicht wirklich etwas Volksthümliches in ihnen kund that, ausſcheiden zu müſſen, ſo die Erzählungen von der Beſtrafung des ungerec<ten Richters durch den Hoch- meiſter Ludger von Braunſchweig, von der Jungfrau, die um ihre Ehre zu retten, ſich ſelbſt der Augen beraubt, von der Bekehrung des Sudauerfürſten Skomand, von dem gottloſen Wucherer und frommen Maſuren, von dem Mau- renkampfe des Hans von Bayſen , von den Preußiſchen Meſſerſchluckern u. a. m. Von dem Volksliede unterſcheidet ſich die Sage nicht

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11WOr Fowohl dadurc<;:>daß::4enes ſyriſeh'er ;-dieſe- epiſcher Natur iſt, deyn.:auch das. -Volfslied „hat ;:einen“ epiſchen Zweig: Die“ Ballade ; Fondern, daß :die-Sage :ſich beſtändig-als einen Theil -der-Geſchichte betrachtet; wiſſea will, das Volkslied dagegen ſich bewußt iſt; -ganz der Weſt. der. Dichtung an- zugehören. Jene iſt objeckivs „ſie haftet" immer an einer beſtimmten Localität; einem durch die Geſchichte geſicherten Namen; das Faktiſche; wenigſtens. das, was ſie: dafür hält, iſt ihr. ſo ſehr Hauptſache, daß ſie, wenn es ihr genommen wird; alle Bedeutung werliert..:- Das: Volkslied- iſt :fubjee- tivs-“es-iſt ſelbſtſtändig und hat “ſeinen Werth-.in ſich, es bedarf" keiner örtlichen: und. perſönlichen' Beziehungen ; für die politiſche Geſchichte der Nation'iſt es:daher auch ohne allen Werth... Denn wir ſehen, wie die“ Volkslieder von -einem Volksſtamme“ zu :auderen, ſelbſt über Meere und Ge- birge: ziehen;..ſo daß es zulſcßt unmöglich wird, ihr urſprüng- liches Vaterland auszumitteln. :So. können ſich Deutſchland Ces Knaben Wunderhorn 2h. 1. S. 19), Schottland Wercy Reliques Vol. IIL p. 427) und Ehweden vergl. Geijer in der Einleitung zu ſeiner und Afzelius Sämmlung Fchwediſcher Volkslieder)“ um die Ehre ſtreiten, die. erſte Heimath jener durc< Bürgers Leonore ſo berühmt gewor- denen Dichtung zu ſein. Die | ſc<haudervolle "altſc<ottiſche Ballade : Edward: und ſeine Mutter (Percy-Reliq. 1. p- 59) finden wir in Schweden (der Knabe im:: Roſenhain bei : Geijer und Afzelius Svenska Folk-Visor Ill. 3 =: 4) und in Finnland. (der blutige: Sohiy, in Schröters finniſchen Runen S. 424) wieder. Dieſer Uebereinſtimmung, die ſich noch. init. unzähligen „Beiſpielen . belegen“ ließe“ "und die ſich ſelbſt. bis auf kleine Nüancen erſtreckt; begegnet man nicht nur bei verwandten, ſondern ſelbſt völlig "fremden / ſv -den germaniſchen und ſlaviſchen Voſksſtämmen. ''Es "vergleicht Swoboda (Kdnigshofer Handſchrift 'S. 36) daher auch

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'vIn treffend" die: ſlaviſchen Völkslieder "mit| freundlichen Täuben, die von Einem Stamme. zu 'andern Brüderſtämmen" flogen. - „1. Anders iſt .es “mit der“ Sagez ſie'iſt ſtets :an den Bö&- den gefeſſelt. „Aus dieſer ihrer Gebündenheit" ſagt'Grimm (eutſche “Sagen: Th. 1. S.. 7).: „folgt, daß -ſie:.nicht 'gleich dem Mährchen überall zu:Hauſe ſein könne, ſondern irgend eine -Bedingung vorausſeße, ohne “welche ſie bäld "är- nicht da, bald nur unvollkommen vorhanden ſein würde. *-- --- . “Das Mährchen hat es mit dem Volksliede gemein, daß es nicht auf.beſtimmtem Boden ruht, dieſelbe Gränze ſcheidet beide von der Sage, doch ſo, daß dieſe dem Volks- hiede. noch näher liegt, wie deni: Mährc<hen. Denn letzteres reißt ſich abſichtlich von allem Concreten los; es ſetzt ſich zum Zwe, aller Wirklichkeit zu ſpotten. Entfernen “ſich Sage. und Volkslied von dieſer , .ſo.:iſt das unweſentlich; dem Mährchen aber iſt dieſer Gegenſatz. nothwendiges: Ele- ment. - Es gehört ganz :dem Reiche. der Dichtung an, und nur 'in ſo weit die poetiſche Anlage -der Nationen über- haupt von: den äußeren Einflöſſen -bedingt iſt, wird ſich bei ihm noch“ ein Merkmal: des Urſprunges kund thun. 1, Finden ſich auch Beiſpiele, daß Volksſagen faſt über- einſtimmend bei verſchiedenen Nationen angetroffen werden, wie -z. B. die Sage von der Jungfrau, welche, um ihre Unſchuld zu retten, ſich: felbſt von 'ihrem Verfolger , unter dem Vorgeben,. ihm ein Mittel, das ihn hiebfeſt mache; leh- xen zu wollen, tödten läßt; außer in Preußen auch in der Mark „Brandenbürg und ſelbſt in -Jtalien vorkommt, wie Aeneas Sylvius (Europa :c. 20) von der Umhauung. einer heiligen Eiche in: Litthauen :durch Hieronymus: den Prager ganz daſſelbe berichtet, was von der Entſtehung Heiligen- beils erzählt wird, wie ferner der preußiſche Glaube von dem Erdmännlein 'in- Deutſchland, an dem von den -Kobol- dey, Kurd Chimgen :oder Heinzchen (Prätorius Welt-

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IS Beſchreibung! 1" 345-320, Grimm deutſche Sagen“Th't S.190' fgg.) und“ im- FanzenNorden' (Voigt Geſch. Preu? ßens- Th. 1:-S: 1594) ein Seitenſtü>: hat- wie ſich «überall Sagen'von, durch Verſinken von Kirchen oder Schlöſſern gebildeten Seen (vergl. z. B. Grimm 1, c. S. 201), von Steitien, in denen des Teufels Krallen“ abgedrückt (Grimm 1-6. "Sy275); oder 'in die Brod-(Derſ. -S. 326) oder Men- ſehen (Derſ."S. 308) verwandelt ſein ſollen, finden,"*welche alle wir auch unter den preußiſchen antreffen, ſo iſt doch dürc<gängig eine 'beſtimmte Oertlichkeit, eine Begebenheit; die 'in das Gebiet der Geſchichte fällt, an die ſie angeknüpft ſind ,'vdrhanden ,' welche ſie weſentlich von dem Mährc<en unterſcheiden und ihnen im Gebiete der Sage ihren Platz anweiſen. Iſt nun aber die letztere fo innig mit dem Bodeit und den Erlebniſſen ' des Volkes verbunden, ſo müſſen auch beide auf ſie von dem weſentlichſten Einfluſfe ſein, und in der That erhält ſie von derſelben überall nicht nur ihren Stoff, ſondern äuch ihre Form. Hier zeigt ſi nun aber, daß Pretßen in doppelter Beziehung ſich “in ungünſtigen Verhältniſſen befindet. “Zu? vörderſt“ ſind- es nämlich ſtets die gebirgigen Länder gewe- ſen, in denen dieſer Zweig der Volksthümlichkeit am reich- ſten und mannigfaltigſten aufgeblüht iſt. Ein weites Tief- land“ bietet in ' ſeinen räumlichen Beſtandtheilen zu wenig Wechſel, äls"däß- das, was auf ihm emporkeimt, was das Gepräge ſeines- Urſprungs nicht verläugnen kann „-eine bes deutende Vielſeitigkeit zu zeigen vermöchte. ": Wie die Vege- tation- eines ſolchen Landes einen einfdörmigen Charakter an ſich tragen muß, ſo wird es auch mit-den Sagen der Fall ſein. 'So ſind in Deutſchland es immer nur die Gebirgs- gegenden, der Harz, Thüringen, "Tyrol; Salzburg, Schwa- ben; die Rheinthäler , welche einen Reichthum in dieſer

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x Beziehung beſitzen; die weiten Ebnen Niederſachſens, Bran- denburg, Pommern gewähren geringe „Ausbeute. und noch weniger , der „Zahl wie beſonders dem Jnhalte: nach; die Ortsſagen weniäſtens, zeigen hier überall die größte Ein- förmigkeit. : Auf die, geſchühtlichen und Geſchlechtsſagen haben. die. Bodenverhältniſſe nun zwar nicht einen ſo unbedingten Ein- fluß z--hier hat -ſich Preußen aber eben ſo wenig einer 'be- ſondern Begünſtigung zu erfreuen. Es iſt.nämlich in] eigeat- lichen Preußen kein. Volk,. vielleicht .kein „Geſchlecht -mehr vorhanden, was eine Erinnerung 'an' die Urzeit des: Landes hätte bewahren können, Mit- den Urbewohnern:mußte auch ihre Geſchichte, in ſo weit ſie in der Tradition lebte, untex- gehn; nur das, was die Einzdglinge ſchon aufgenommen und ſelbſt überlieferten, aber natürlich nach ihrer “eigenen Individualität umgeſtaltet, und was gewiß nur einen gerin» gen Theil des, wenn man nach dem Gebliebenen ſchließt, einſt großen Reichthums ausmacht, ward aufbewahrt. Aber für den ſo erlittenen Verluſt entſchädigte fein neuer. Ec- werb. Denn da die Volksſage am Boden haftet, ſo kann ſie nicht gleich „einer fahrenden Habe, mitgefährt „werden. Sie-gehört zu den unbeweglichen- Beſizthümern; eines Vol- kes. - Die Exinnerungen aus der Heimath, an die Geſthlechts:- genoſſen mußten in der Fremde verlöſchen. ;,.- .. ; „Es bleibt überhaupt“, ſagt Grimm (deutſche; „Sagai Ih; 11. S.-1X.) „bei der, Frage, auf welchem 'Boden die epiſche Poeſie „eines Volkes gedeihe und fortlebe, von Gez wicht, daß ſie ſicH-in urdeutſchen Geſchlechtsfolgen am .lieb- ſten zeigt, hingegen auszugehen und zu verfommen. pflegt; da wo „Unterbrechungen und Vermiſchungen mit fremden Bölkern, ſelbſt mit andern deutſchen Stämmen vorgegan2 gen ſind. Dies iſt der Grund, warum die in. Deutſchland eingezogenen und allmählig deutſc gewordenen ſlaviſchen Stämme keine Geſchlec<htsſagen aufzuweiſen haben, ja auch

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an, drtlichen gegen die „urſprünglichen. Länder. entblößt da- ſtehn. Die Wurzeln greifen in -das. ungewohnte Erdreich nicht gern ein, ihrem Keime und Blättern- ſchlägt die fremde Luft nimmer ,an,/ In dem eigentlichen Preußen gealteten fü ſie < die Ver- hältniſſe no< ungünſtig'r, wie, iin den „ehemals ſlaviſchen Ländern. * Denn. in.den. letteren. blieb doch, :mehr oder min- der, der Stamm des Lebens, wie ex, im 'Ablauf der Zeiten im Geiſte Wurzel geſchlagen und in. ſeinen. Veräſtungen ſich fortgebildet hatte, auch für die Zukunft“ ſtehen, und ihm ward Germanismus und Chriſtenthum- nur als eine geiſtige Beredlung - aufgepfropft, ſo daß die friſche "Jugend- kraft, welche in dem Stamm lebte ,.noch. dazu diente, das veredelte Reis zur Blüäthe und Frucht heranreifen zu laſſenz in Preußen aber ward der alte Baum ganz ausgeriſſen und an ſeine Stelle ein neuer Pflänzling geſeßt, der nun ſelbſt erſt „Wurzel :ſchlagen und ſich unmittelbar aus dem Boden ſein Mark hinaufziehen mußte, ſo daß er um ſo ſpäter zur Blüthe und Frucht zu gelangen vermochte. Wie wahr die obige Bemerkung ſei, zeigt ſich am deut- lichſten, wenn wir das eigentliche Preußen (Oſtpreußen) mit den beiden zugehörigen Nachbarländern Litthauen ,und Weſtpreußen vergleichen. Jm erſteren iſt vom . Urvolke nichts geblieben, darum fehlen auc< alle Erinnerungen an die vorchriſtliche und vordeutſche Zeit ganz; was ſich an Sagen erhalten hat, iſt entweder neuer oder ſchon .zu einer Zeit, die jenem Untergange voranging , aufgezeichnet. In Litthauen treffen wir wenioſtens Spuren der Urbewohnerz noch iſt ihre Sprache nic<t ganz verklungen, ſo iſt denn auch noch nicht jede Ueberlieferung aus der Vorzeit erlo- ſchen, obgleich der gebliebene Urſtamm wenig Anlage und Neigung für geſchichtlich-epiſc<e Poeſie zeigt, und nur das leichte, tändelnde Lied ihn anſpri<t. Am reichſten hat dieſe ſich aber in Weſtpreußen erhalten; denn hier bildet, wenig?

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XII ſtens in einzelnen Theilen / das ſlaviſche' Urvolk noch den faſt unvermiſchten Volksſtamm. Darum fehlt es hier nicht an mancherlei Stimmen, die an die frühſte Vergangenheit mahnen. Aber der Slave hat, eben ſo wie der Litthauer, wenig Anlage und Neigung für, geſchichtlich-epiſche Poeſie, und Darum iſt auch hier die Ausbeute ziemlich dürftig. So nachtheilig' nun auch- die vorſtehend-berührten Ver- Hältniſſe gewirkt haben, ſo iſt doch nicht zu läugnen, daß die Geſchichte -Preußens im Mittelalter ein höchſt eigen» thümliches Gepräge an ſich trägt. Einen geiſtlichen Krie» gerſtaat der Art finden wir ſonſt nirgends; der Kampf, wie er hier zur Verherrlichung und Ausbreitung der Kirche faſt „zwei Jahrhunderte hindur< gekämpft ward, hat nie etwas Gleiches gehäbt; nirgends begegnet man ſo vielen Beiſpielen von dem glühendſten/ alles opfernden Glaubens- eifer.-- Auf die Geſtaltung der- Volköſage konnte dies nicht 'ohne Einfluß bleiben. Wie der rothe-Faden, zieht ſi durch ſte die Glaubensſache hindurch; überall treten die Bezie- hungen auf die. Religion, auf den zu ihrer und der Schut- patronin des Ordens geführten Streit hervor. Aus allem bisher Entwickelten laſſen ſich nun die Eigenthümlichkeiten der preußiſchen Volksſagen herleiten. Meiſtens beziehen ſie ſiH auf die Einführung des Chriſten- thums -und den Kampf bei der Eroberung des Landes durch den deutſchen Orden, gehören daher in die Klaſſe der Legenden; die Ortsſagen knüpfen ſich großentheils an Na- turereigniſſe und Naturſpiele, und wie beide Gattungen Überhaupt nicht ſehr mannigfaltig ſein können, ſind auch die einzelnen, denen wir begegnen, ziemlich einförmig ; Ges ſchlechtsſagen ſind faſt gar nicht vorhanden, ſagenhafte Ge- ſchichte nur ſo weit, als ſie von den erſten <riſtlichen Berichter- ſtattern überliefert iſt. Unter den Bewohnerr ſelbſt erhielten ſich bis zur Zeit des Aufblühens der Wiſſenſchaften in Preu- ßen, d. h. bis zur Seculariſation des Landes und der Stif-

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XII tung der. Univerſität Königsberg, aus, der Urzeit her fäſe: nur;einzelne abergläubiſche Meinungen... . Nu fü --. Hiernach -zettheilen ſich die „Sagen „in folgende. Klaſſen A; 4; Hiſtoriſche. Charakteriſtiſch iſt ihnen ,: daß „ſie ſich am eine . beſtimmte Localität- entweder gar nicht. knüpfen oder: ſolche doch :vdllig außerweſentlich iſt, „Sie ſind; theils, vor; <hriſtlich und zerfallen dann in-- die -Ueberlieferungen. ;gus. der Geſchichte:- der Urzeit und in die einzelnen -abergläubi- ſchen „Meinungen , - die aus dem „Heidenthum herübergewu-, <hert. ſind; theils <riſtliche älterer Zeit, wo ſie dann. ſich. entweder. auf die Einführung des Chriſtenthums- und die; Eroberung des. Landes, oder auf ſpätere Heilige und eine, zelne Wunderzeichen, oder endlich. auf den deutſchen Orden; und „deſſen Kämpfe mit den Nachbarvölkern, beziehn ; Ferner. ſolche, die ſpäterer Zeit angehören, zuleßt Geſchlechtsſagen,; Jn die erſte Untergattung gehört insbeſondere- die ganze, Geſchichte bis zur Ankunft des Ordens, -die wenigen ſpär» lichen Nachrichten abgerechnet, welche ſich bei -den- auswär-. tigen: Geſchichtſchreibern früherer Zeit finden, insbeſondere, alſo das, was aus dex Chronik des Biſchofs Chriſtian in; die ſpäteren Schriftſteller übergegangen iſt. Wenn -dieſer Ereigniſſe erzählte, die ſic) mehr als ein halbes Jahrtau-, Fend vor ihm ereignet haben ſollten, ſo konnte nur die Sage ſeine Quelle ſein, wogegen er von: dem, was er vom Got-, tesdienſte und den Sitten berichtet, aus unmittelbarer Kunde ſprechen mochte. Letzteres gehdrt daher auch nict mehr in das Gebiet der Volksſage. Bei -den Legenden im Allgemeinen iſt wohl gewiß, daß, ſie weniger in dem Volke als in der Kirche ihre erſte. Ent-, ſtehung gefunden und von letterer dem erſteren überliefert ſind, weshalb es denn auch durchaus angemeſſen iſt, wenn ſie ſonſt nicht in die Sagenſammlungen Aufnahme erhal- ten. Anders iſt .es bei Preußen. Von ſeinen Wunder- thätern, die erſten Begründer des Glaubenswerkes, Adal-

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x1v bert und Brünko, abgerechnet, hat'die rdmiſche Kirche ſtets! ſo gut wie gar keine Kenntniß genommen; iſt es doch nicht . einmal gelungen, für die heilige Dorothea vom päpſtlichen Hofe die Heiligſprechung zu erreichen, und nur dem Volke verdankt ſie ihre Canoniſation. ' Preußen 'zur Ordenszeit- hät aber auch 'gar keine theologiſche Literatur; was von' Denkmälern jene Periode uns überliefert hat, iſt faſt durc<* gängig hiſtoriſchen Jnhalts. Ueberhaupt war der Einfluß des “Klerus hier nie von hoher Bedeutung, gewiß in keinem Staate der 'römiſch-katholiſchen Chriſtenheit geringer als in: dieſem geiſtlichen. Der Ritterorden ließ die Mönc<sorden es entgelten, daß ſie ſo lange ſeiner Entfaltung widerſtrebt, wies ihnen, als ſie nun bei ihm eine Heimath “ſuchten, eine ziemlich - untergeordnete Stellung an ,- und machte es ihnen unmöglich, irgend eine:Gewalt über das Volk. zu gewinnen? So erſcheint es denn auch wohl gerechtfertigt, wenn man die preußiſchen Legenden den Volksſagen zurechnet. Was ſeßteven nicht ' unbedingt überwieſen werden ' konnte, wie 3: B. manche Erzählungen vom heiligen Adalbert, die ſich blos! bei den Kirchenſcribenten finden, iſt“ausgeſchieden. ?7 B."Bei der zweiten -Hauptgattung, den geographiſchen oder Localſagen, iſt das örtliche Hauptelement, das Zeit- und perſönliche Verhältniß außerweſentlih. Sie verlieren im Gegenſatz gegen die hiſtoriſchen alle Bedeutung, wenn ihnen jenes "entzogen wird: Theils beſchäftigen ſie ſich mit der Entſtehung der "Ortſchaften, und hier- iſt es insbeſondere/ wo die Sage, wenn die Geſchichte ſchweigt , gern eintrittz theils knüpfen fie ſich an auffallende Naturformen. Einen See von unergründlicher Tiefe, oder auf deſſen Grundfläche ſich beſondere Geſtaltungen zeigen, glaubt man durch das Verſinken von Orten erklären zu müſſen; Steine, die einer menſchlichen Figur gleichen, hält man für verſteinerte Per- ſonen. So erklärt: es ſich, daß dergleichen Sagen nicht

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"Xv ſelten, aber in einer Gegend, wo die' Bodenverhältnife wenig Abwechſelung"bieten, meiſt- einförmig ſind.“ Wie hier die Gattungen und“ Klaſſen der Völksſagen aufgeführt ſind ; ſo: haben ſie auch bei 'der nachfolgende Sammlung zum Faden, an den die "einzelnen angereiht eite gedient; - Bei- der- geographiſchen Begränzung hielten wir ums nun zwar im Allgemeinen an der politiſchen, welche gegen? wärtig - die Provinz Preußen hatz' da jedoch Weſtpreußen; öbtvohl' dem Volköſtamm und der Geſchichte nachmeiſt' von dem übrigen'geſchieden, nicht ausgeſchloſſen ward, ſo mußte ärtch das, was, wenn auch jett 'davon geſondert, “bis? her ihm -zugehdrt hatte, wie die Länder Läuenburg und Bütow; berückſichtigt“ und ſelbſt bei der- Begränzung gegen die übrigen Länder- polniſcher Zunge zuweilen von der gegen» wärtigen adminiſtrativen Scheidelinie abgewichen werden. "'ium min der Quellen, aus denen die Sammlung“ ge? fc<höpft worden, noch zu 'gedenken, "ſo beſitzt Preußen 'bis jeht: noch fein “Werk, was ſich ſpeciell dieſem Gegenſtande widmete -aber' befonders ' die früheren Chroniſten enthalten einen nicht unbedeutenden Vorrath an Material. :' Was" die Sagengeſchichte des Ländes' betrifft; ſo ver- danken wir ſie: faſt ganz dem Apoſtel-der Preußen, dem Biſchöf.- Ehtiſtian : "von Culſm. Sein Werk iſt zwar nicht mehr! auf unſere Zeit" gekommen, hat jedoch im ſechszehnten Jahrhunderte noc< exiſtirt und iſt namentlich von Simon Grunau und Lucas David benußt. Weniges andre hierher Gehdrige'-komimt' auch bei 'Aeneas Sylvius und Erasmus Stella vor, die zwar ſchon im funfzehnten Jahrhunderte ſchrieben , "aber Biſchof Chriſtians Werk nicht kannten und daher -auch von dieſem vielfach abweichen. Für die frühere Ordenszeit iſt Hauptquelle Peter von Dügsburg , ſelbſt 'noch Zeitgenöſſe des Kampfes mit den Urbeiwohnern; für die ſpärern ſind es Simon Grunau,

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xv Lucas David und, Caspar. Schütz der Evſtere aus der Zeit, wo das Land zur weltlichen Herrſchaft äberging, die beiden Andern wenig ſpäter... Simon Grunau iſt aber in: Bezug auf ſeine Glaubwürdigkeit, beſonders in der neueſten Zeit, mit ſo. bittern Vorwürfen. und in dem Grade überhäuft, daß man alles das, was ſich an Volksſagen bei ihm, findet, geradezu für ſeine, bloßen Erdichtungen. erklärt hat, daß er. auch. nicht einmal hier .als Gewährsmann genannt wers den fkönate, wenn . ni<t der cine der Herausgeber" dieſer Sammlung es bereits in einer beſonderen. Schrift verſucht + hätte, Grunau's Glaubwürdigkeit in der vorliegenden Be- . Jiehung.zu rechtfertigen... Daß dieſelbe, von dem Geſchichts- forſcher nur mit großer Vorſicht benußt werden darf, iſt nicht. zu läugnen,- aber gerade. das, was für dieſen ſeinen Werth) ſc<mälert, der gänzliche Mangel an Kritik, verleiht ihm einen um ſo bedeutenderen für den Sammler: von Volksſagen. Wäre Simon . Grunau., bei der. Zuſammen- Häufung ſeines Materials, denn viel mehr hat er nicht ge- than, mit mehr Umſicht, Beſonnenheit und „Sichtung: zu Werke. gegangen, ſo würde er ſchwerlich eine. ſolche Aus- beute an Volksſagen gewähren. Etwas Aehnliches gilt von Henneberger, er Bäupts ſchriftſteller für das ſechszehnte Jahrhundert; da, es ihm ſelbſt keine Mühe koſtete, die allerwunderbarſten Dinge- für wahr zu halten, ſo ſtand er auch nicht an, ſie aufzuneh- men. Seine ganze Perſönlichkeit leiſtet unbedingt Gewähr, daß auch nicht die unbedeutendſte ſeiner Erzählungen ſein eignes Machwerk ſei. Die Reiſen, die er Behufs Anfertigung ſeiner großen Landtafel durH alle Gegenden des Landes unternahm, brachten ihn mit den verſchiedenſten Perſonen in Berührung. So erklärt ſim die große Anzahl volksthüm- licher Erzählungen, die ſich bei ihm findet. Einen geringeren Werth hat Löwez theils iſt er in ſei- nen Nachrichten überhaupt weniger eigenthümlich, theils

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XVII macht ihn ſeine Stellung in der' katholiſchen Kirche, als Kanonikus zu Guttſtadt etwas verfänglich. An Leichtgläubig- Peit giebt er jedoch Simon Grunau und Henneberger wenig nach. Die Ausbeute aus den übrigen älteren Hiſtorikern, Johannes von Rieſenburg, der Ordenschronik, der Daub- mannſchen und Dietmarſchen Chronik, Waiſſel u. f. w., iſt geringe; doch ſind auch ſie berückſichtigt worden. Bald nach Löwe, namentlich mit Hartknoch, beginnt die Fritiſche Bearbeitung der preußiſchen Geſchichte; die Volksſagen würden daher auch als etwas Ungehöriges bes Seite geſchoben, und nur ſelten findet ſich noch eine bei- läufige Andeutung. | Ueberall, wo wir einen Vorgänger hatten, haben wir ihn genannt. Dies ſchien durchaus nothwendig, um der Beurtheilung den erforderlichen Standpunkt anzuweiſen. Es kam natürlich nicht darauf an, alle Schriften, in welche die Erzählung ſchon hinübergenommen, änzuführen; nur die erſten von einander unabhängigen Gewährsmänner mußten angegeben werden. Die zweite Hauptquelle war die mündliche Ueberliefe- ferung; ſie möglichſt zu benutzen, haben ſich die Sammler nach Kräften angelegen ſein laſſen. Hier konnte man auch bei der Auswahl minder ſchwierig ſein. Denn theils war der volksthümliche Urſprung hier unzweifelhaft, theils ſchien auch ſelbſt das Unbedeutende um deshalb der Aufnahme werth, weil es außer dem Kreiſe ſeiner biSherigen Umgebung noc< ganz ungekannt war, und weil ſonſt bei der geringen Anhänglichkeit, die jetzt das Bolk für dergleichen Ueberlie- ferungen der Vorzeit, von deren Wahrheitsmäßigkeit es meiſt nit mehr überzeugt iſt, hegt, ſein baldiges gänzli- * <es Erlöſc<en zu befürchten ſteht. Alle die Sagen in unſerer „Sammlung, bei denen keine Quelle angeführt iſt, ſind dem Munde des Volkes unmittelbar entnommen. Einer beſonderen Erwähnung bedarf noc< derAnhang,

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XVIIT der eine Sammlung verſchiedener abergläubiſcher Meinun; gen enthält. Soll von dem Volksglauben ein vollſtändi ges Bild entworfen werden, ſo können auch ſie nicht feh-: lenz man kann ſie als die Dogmatik der Sage betrachten; in ſo enger Verbindung ſie aber auch mit der lekteren ſtehn, deren Baſis ſie gewiſſermaßen bilden, ſo ließen ſie ſic< doch in deren einzelne Rubriken nicht unterbringen. Vieles ſtammt gewiß noc: aus vorchriſtlicher Zeit, es iſt aber mit dem Späteren ſo zuſammengefloſſen, daß man es nicht mehr zu ſon-: dern und dis zur urſprünglichen Quelle zu verfolgen vermag, Zwar hat nur wirkliches Eigenthum gerade der Bewohner. Preußens Aufnahme erhalten, aber bei Vielem iſt es wahr-. ſcheinlich , bei Anderem ſogar gewiß, daß es nicht auf deſ- ſen Gränzen , ſelbſt nicht auf die Deutſchlands beſchränkt iſt. =- So mag das Gelieferte denn ein Beitrag zu einer allgemeinen Darſtellung des Volksglaubens bei den Völ- kern des Abendlandes ſein. Erſt durc< Erweiterung und Vergleichung wird * es ſeine wahre Bedeutung erhalten.. Schriftliche Quellen boten hier wenig; dem Munde des. Volkes unmittelbar wurde das Meiſte entnommenz Fein Theil unſerer „Sammlung wird aber auch ſo ſehr wie die- ſer der Vervollſtändigung. bedürfen. ! So wie wir uns dem Inhalte nach unbedingt an unſere Quelle halten zu müſſen und. von dem Unſrigen, da es kein Werk der bloßen Unterhaltung galt, auch .nicht das Mindeſte beifügen zu dürfen glaubten, ſo ſind wir. auch rückſichtlich der Form von unſern. Gewährsmännern mög»: li<ſt wenig abgewichen; wo es ohne Anſtoß geſchehen konnte; ſind ſelbſt die Worte, wenn auch abgekürzt, beibehalten. Bei Uebertragungen aus fremder Zunge und bei den früher noch: nicht mitgetheilten Sagen, bemühten wir uns in-möglichſter Einfachheit und Schmuckloſigkeit das Ueberlieferte wieder- zugeben. |

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Inhaltsverzeichniß. Sagen. ' Seite 4. Der Name Preußen, - 3 2. Die alten Preußen . - . Imm, , . . -. 3 3. Herkunft der Cymbrier nach Ulmigerien. | N 4 4. Wie Ulmigerien ein Königreich ward. , . . 6 5. Von der Zwietrac<t der Cymhrer und EGRö.. 6 6. Der Streit mit den Maſoviern um den Zins. 7 7. Wie Widewuto das Land theilt. - «+ + 8 8. König Widewuto's Ende. = + - 12 9. Nadro's Tod. ww "l)B. €€ ES . 144 40. Die Töchter Hog208 ou + 45 41. Der Tod Pomeſo's. =. - -“.- .- .»- 45 12, Ena. ou + . 46 43. Chelmo, . W- - = Mi - 17 144. Der König Waidewuttns, - .„- .»- .-".- .- 48 145. Die heilige Eiche zu Romove. . N . . N 49 146. Die Eiche zu WehlauL = . iz . ." "2 47. Der eilfjährige Krieg mit den Maſoviern. . “"“ .- * 48. Wie die Brutener um ihren Namen kämpften. 7 4. ..'5 49. Die Gain, u u ri - ZI 20. Das Geiſterheer. . - .„ .„'"-.- .- % 24. Das fiſchreiche Schloß bei Ragnit. Fei. 8.45. „NIET %*X* 2

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XX * 53. 22. Lohn der Gaſtfreundſchaft. 23. Sonne und Mond. Pv 24. Die Anbetung des Hammers. 25. Strafe der Liebloſigkeit. -„ . 26. Die Erfindung des Bratens. «+ - . 27. Wie die Preußen zuerſt Chriſten Fewöfden 28. Der heilige Adalbert in Preußen. 29. Der heilige Bonifacius. 30. Heiligenbeil. ZUE SEE 31. Thom ou + + +» 32. Mako der Pomeſanier. . 33. Das Teufelsopfer. . ü M 34. Verherrlichung des deutſchen Sehens; 35. Die Jungfrau Maria auf der Wahlſtatt. 36. Die Bekehrung der Poggeſaner. - « 37. Die Unterwerſung der Samländer, . 38. Die Bekehrung der Samländer. «= - - 39. Der Sturm auf Rehden. Nn . . 40. Der leichte Sieg. = = + + + 44. Die Teufelsplage. = «+ + 42. Sagen von Schwentipol. M | 2.7 43. Die muthige Culmerin. «+ + + + 44. Die Hülfe der heiligen Barbara. « + = 45. Das ſegnende Crucifin. « «+ + + 46. Der St. Marienritter. =. + 47. Die Lichter auf der 'Wahlſtatt. 48. Hanno's von Sangerhauſen Rettung. 49. Das Stahlhemde. 50. Volrad Mirabilis. 54. Die Hülfe vom Himmel. . 52. Die Hülfe der heiligen Jungfrau. . 7 Hercus Monte und Hirſchhals. 54. Das Nonnenkloſter zu Thorn. 55. Der Rieſe Miligedo. 66. Der Streit um den Fiſchkeſſel. - Seite

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57. 58. 60. 73. Der Läufer ohne Kopf. . ie Der ſtarke Ritter. | . Die zwei Grafen von Mark u von 1 Zülich: d Die Auferſtehung in Schöne>. n . Der weiſſagende Rabe. . Meinhard zu Querfurt. Der Biſchof von Fiſchhauſen. . . Das Todtenglölein. „ Die Belagerung von Fiſchhauſen. . Der Feuertod der beiden Brüder. . Das gerettete Marienbild. Albert von Meiſſen. . Michael Rimpiß. = - - . Die Freunde. | - Vertreibung der Juden as Preußen. 72. Anmahnung zur Buße. Heinrich von Kunzen. 74. Kraft des Gelübdes. 75. Williger von Korneburg. . Das ſchwarze Roß. N . Das Grab des Bruders Guntram. . Der Biß des Teufels. . . Der Tod Siegfrieds von Sructwangen 8 , Der Polenwürger. . Das Gelübde zur Zungfrau. . Der himmliſche Shuß. . Der Hund des Barto. Der Streit um die Jungfrau. Die Rettung der jungfräulichen Ehre. Der ruheloſe Leihnam. . . Des Teufels Gehorſam, . 88. 89. 90. 91. Der wunderbare Pfeil. Hans von Sagan. . . Herr Wolfgang Sauer. . Die Nebelſchla<t. . 75 SENPSRELBESZEZEBEB

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*XXIT SSER SBZ F Seite 92. Des Hochmeiſters Ehrentiſch. * 93. Der reiche Bauer aus- Niclauswalde. - . "8: : 94. Die hochmüthigen Bauern zu' Bchtenau. 5. |, 95. Der Bote aus der andern Welt. . . * 96. Die Tannenberger Schlacht. „MeB 97. Die Chriſtburg. =. + - - 4-1“ "365. 45 98. Der Remter zu Marienburg. -. ME . 1.840 99. Heinrich) Reuß von Plauen.“ . =. = = ui 4104 400. Der entde>te Kirchendieb. ; - - - - - 408 401. Ladung vor Gottes Gericht. ue 7 0 106 402. Die Sonntagsgeſpenſter. 3-5 407 403. Das Thornſche Faſtnachtſpie. 408 404. Der Dammbruch bei Sommerau: -. =. - . 409 405. Der Graf von Naſſau. = ee eo 140 406. Der Biſchof Dietrich von Cuba. . "5 =< 4110 407. Hans von Tiefe oo u u - M42 408. Strafe der Habgier. .- - v . - "'" .- 44% 409. Die Ueberrumpelung von Elbing. „= - 444 440. Die bewährte Unſchuld. -« „“. . .„“. 46 4414. Die Belagerung von Holland. . «= - - - 416 442. Das Teufelsbündniß . =. 447 443. Die heilige Jutta. =» M8 144. Heiligenlinde.. . =. ii 149 445. Die- Eiche des heiligen Jodocus. . 6 = 4128 446. Das Bild der heiligen Barbara. . <<. - 1422 447. Heinrich Knotte, der Teufelsbanner- =. - - = 4123 418. Das fromme Geſpenſt. „= „ „= = 124 419. Die heilige Dorothea. 125 420. Das Bernſteinreht. u. - -- - - 126 421. Strafe der Gottesläſterung. 5 - + - - 427 422. Die Luftreiſe. ooo ou u 177 423. Der beilige Andreas. oui u -- - + - 429 124. Strafe der Teufelsbeſchwörer- =. 4 - 429 1H, Die Schnabelſchuhe. 3... - - - - 1430 426, Der gute Engel. „ee - 439 .

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12 128. 129. 430. 1431, 132. 433. 434. 135; 136. 137, = 140, 441. 442. 443. 445. [4 ke 455. 456. 457. 458. 459. 460. 461. = [M] . Der. Bauer ays Plibiſchken. Die erhängten Gäſte. . . Valtin Suppli 3... vwu + Die entheiligte Chriſtna<t. . Das Nachtmahl in“Thorn. Strafe des Kirc<henraubes. :. Der Ritt auf dem Teufel. . Das Scmerlenfließ, Staſy die Weidlerin. Der. Irrlehrer Oſiander. . ea . Das Erdbeben in Thor =. 4; Die Löſung aus der Haft. ; Der. blutſchwißende Topf. Der. Schatz bej Elbing. . Der. verſchüttete Milchtopf, :.. . NOE Die geſtörten Schaggräber: . - - + u; Des. Teufels Buhlin. ..:“., . . Der. ungerathene Sohn. . Der. Verſucher. . Das Gelag des Teufels. 1S18,, Ä... . Je 7. Der. Kirchendieb. . . N . 5 , Die Sc<hmodittenſchen Mägdlein. . EE DD 1%» . Strafe des Fluchens. . . Die Mönchgeſpenſter<;,< 1,4; mmi +5 1 » Die fromme Magd zu Königösberg: - +. . Rettung der Stadt Thorn. . Der Thornſche Poltergeiſt. . , Das Blutwunder zu Rudau. Der. alte Deſſauer/in: Litthauen. *.: Die Braut des Fingerlings. ;,1:) ': y Der. Spuk im. Schloſſe zu Schlodien.... :. +, Das Licht in der Firc<he zu Jaeskendorf, Der. Schloßvoigt bei Tilſit. . 4) - 17. Der Opferſtein vom Rombinus. . , ;, .“. Die. weiße Frau. auf der; Bgierburg. -. 1 gun 5.7 XXI Seite 431 - 133 435 136 436 -„T 437: 437: 138 4392 133 4140 140 141 141 442: 142 4143 144 148 146 143 143 50 151 158 153 153 15€ 155 157: 4158 459: 153 462 465:

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XXIV 162. Der Leichenbeſuch. 463. Die Stadt Gumbinnen. 464. 465. 466. 1467. 468. 169. 470. 471. - 472. Der Name Stalluppönen. Der Kamsvikus. „8: Die Einäugigen zu Narpiſchken. . Die Kirche zu Engelſiein. Der Glomsſa> zu Memel. . Die ſingende Meeresjungfrau- Das Teufelswerder. Die Rählſche Säule. ." Die Meſſer im Dome zu Königsberg. - 473. Die wunderbare Münze. .- - . 474. 75. 476. 4 3 «<= 479. 480. 481. 482. Die Neue Sorge. . 7. 478. Die wandernde Traube zu Königsborg: Das Kreuzthor zu Königsberg- Der heilige Brunnen zu Königsberg. Die ſonderbare Leiter an dem Dome zu en . Das Bild der Eva zu Königsberg. Der Rinau. . . Die Schäße des Rinau. Das Dorf Germau. 483. Die Vierbrüder-Säule. 4184. 485. 486. 187. M 488. Das verſteinerte Mädchen. 489. 490. 191: Das Archiv zu Tapiau. Die wandernden Steine bei Retteinen. . Die Gründung von Gerdauen und 'Wartenburg. Der Bartel. . 5 : Der Glommenſche Keſſelteih. - - 7 Die 12 Ritter und die 12 Nonnen zu mea. Der Sc<loßberg bei Kreuzburg. 3 N 192. Die Schäße des Kreuzburger Schloſſes.. 493. Der unfruchtbare Eichwald. . 194. 495. 196. Die Ausländer aus Zinten. . Die bluttriefende Hoſtie. . Die Gründung der neuen Kirche zu Glottau- j Seite. 1467 168 469 469 170 171 171 472 172 473 474 175 475 176 176 177 177 178 479 480 481 181 483 483 184 184 185 185 186 188 169 191 191 * 492 492

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XXY ' Seite 197. Die Stadt Wormdit. 5 1" 4193 498. Die Krügerfrau zu Eichmedien. . - .- 1493 4199. Die Männlein zu Allenſtein. Dm 196 200. Der große Krebs zu Mühlhauſen: . . . “ * H97 2014. Der Wurf mit dem Teufel. % '- . - MN- 202. Die Kapelle auf dem Tannenberger Wahlplaß. N . “ 198 203. Die Kirche zum Leichnam Jeſu in Elbing. . . . 198 204. Die Teufelsſteine H N D . R 199 205. Der Kartenſtein. un 199 206. Die Blutſem u. WW 207. Der Seeteich bei Elbing. : =. ZW 208. Urſprung der Stadt Danzig. iu - - 204 209. Erbauung der Stadt Danzig. .- - . . . - 205 210. Der Marienbrunnen zu Danzig. . -. . .- 26 2411. Das Crucifix in der Marienkirche zu Danzig . . 206 212. Adam und Eva zu Danzig. . . E . “Ww 243. Der Brodſtein zu Danzig. . SEE SEG R 208 214. Der Brodſtein zu Oliva. .* . Wm N 209 215. Der Grundſtein der St. Matitäbiitg:" 210 216. Das Gnadenbild zu Marienburg. . vr . . 20 217. Die verſteinerten Liebenden. Ne Sim “212 218. Der Teufelsſtein: * 5“ j 242 219. Der unterirdiſche Gang im Schloſſe zu 1 Marienwerder. 242 220. Der Todtenberg bei Marienwerder. 221. Der Irrgarten bei Rieſenburg. 222. Die Pfarrkirche zu Culm. 223. Das vermauerte Thor. 224. Das flüchtende Marienbild. : 225. Der Schwedenſtein:*“ “. 226. Der heilbringende Quell. 227. Das engliſche Pahaus zü Culm. 228. Die Wanderung des Marienbildes. 229. Urſprung der Stadt Thorn. 230. Die feindlichen Brüder. 234. Die ſchwarze Jungfrau.

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XXVI 232. 233. 234. 235. 236. 237. 238. 239. 240. 241. 242. = SHEB 246. 248. 249. 251. 252. 253. 254. 235. 256. 257. . Die goldene Wiege. Die umgehenden Feldmeſſer. Urſprung des Namens Conißz. Die eingeſperrte Peſt. =. «+, + Die Hülfe. . = 5 IE 2 . Der Bauer aus Feta, .- &S- . Der Sc<wedenbrunnen. Nn Der Scloßſee bei Kenſau. . . = Das Geſpenſt in der Tuchelſchen Haide. Die Görzdorfer Gloe. Das Glo>enbruß. . .- .* Die lederne Brücke. . Das Marienbild zu Jacobsdorf. . . Die Glocken zu Jacobsdorf. : . Das Geſpenſt anf dem Droit ſgen See. . Die verſteinerten Tänzer. . Das Schmobaal. Die Sclangenberge. Urſprung der Stadt Baldenburg. . Der See Sbonkowo. Der See bei Luczmin. Die Gründung des Kloſters Volniſh 8 Krone. Der Loosſee. Der Pfaffenſee. Die Entſtehung des Namens Pelplin. . Das Grab des Rieſenweibes. . Die Bekehrung der Orhöfter. . - . Die Staroſt von Seekath. . ; . Der wilde Jäger auf dem Buſſerbörge:. 4 :. € mx . Die Jungfrauen in dem Brahefluſſe. -. . . Der Bau der evangeliſchen Kirche zu Schöne>. . . Urſprung der Stadt Berend. 19. EE uche, . Das Berendſche Wappen. . .- «+s + . Der König im Lauenburger Berge. . - =. =... Der Schloßberg bei Bütow. M: Bu "Tane Seite SEE8 SEBNBRBBRBBBEBNEBGER

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267. Die Jungfernmühle. 268. Der Hexenſee. 7 269. Das verſteinerte Ehepaar. 270. Die verſunkenen Jäger. 2714. Die verſunkene Orgel. Anhang. Meinungen und Gebräuche. 4. Litthauiſche Hochzeitsg2bräuche. 2. Das Spedopfer. 3. Die Barſtucen. 4. Die Schlangen. 5. Die Wachholderbäume. . 6. Die Entde>ung eines Diebes. 7. Der Seelentiſch. 8. Das Bocheiligen. . 9. Das Viehaustreiben. 140. Der Hexenglaube. . 41. Das Beſchwören. . 42. Die Nachtwandler. 43. Die Blutſauger. - 44. Die bedeutungsvollen Tage. . 15. Vorbedeutungen und Anzeichen. 146. Sympathetiſche Mittel und Kuren. 47. Die Todtenurnen. . . 18. Vermiſchtes. = + «+ ZNSRSBESBESNS >» [2] 7: EEE

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Druckfehler- Verzeichniß. Seite 1 Zeile 1 v. u. ſtatt Luc. David 1. ließ Luc. David 1. -“ W - 8v.u. = ECeltſche * -=- Lettiſche, = 3 - 156.0. -- Waidewnttis. = Waidewutus. -“ 4.- 1960-61 "=S. 4. “ -- 44 --“- 10v. dv. = Par, IIl c. db. ſol. -- Trakt. Ill. c. 6. -- = = 5v.u.= Switvigail * =- Swyitrigail. - 48 - 6bv.1.- historic. ==. historia. | -=- 64 == 6d.0.-=- Annetttag -=- Agnestag. "= 79 = 36v.0. = Onkaim -- Oukaim. -- 2 - 3v.1. -- Jüngingen -=- Jungingen. - 136 -- 10v. u. -- Zerneka * =- Zerneke. -- 154 =- 126v. 0. -- Zerneka - . = Zerneke. -- 174 - 11 v. u.=- Relnensl . == Rehlensi. -“ 24 - 26v.01. - Chronic. =- Conic.

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Die Volksſagen Oſtpreußens, Litthauens und Weſtpreußens.

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1. Der Name Preußen. Man hat viele Sagen und Meinungen darüber, wo- her der Name Preußen entſtanden ſei. Eine davon iſt folgende: Der Name ſtammt her von dem lateiniſchen Worte Borussia. Dieſes Wort aber iſt auf folgende Weiſe ent- ſtänden: die Preußen wohnen unterhalb den Ruſſen 3 unter- halb oder unten heißt im Polniſchen pod und im Altpreußi- ſchen po, und daraus hat man nun gemacht Porussi oder Borussi, das heißt: die unterhalb den Ruſſen Wohnenden. (Vergl. Nr. 48. unten.) Hartknoch Alt- und Neu- Preußen, Th. 3. 73. =- Voigt, Geſch. Preußens, 1. 607 flg. 2. Die alten Preußen. In dem Lande zwiſchen der Weichſel und Memel habet in uralten Zeiten viele Völker gewohnt, die allerlei Namen hatten; ſie hatten aber keine Städte, keine Dörfer, keine Häuſer. Sie waren wild und barbariſch; ſie brauchten nur Kleider; die ſie aus Schilf machten; ihre Fürſten nann» ten ſie Maſos. Dieſen gaben ſie als Steuer ihre ſchönſten Kinder. Jhre Zeit brachten ſie zu mit Schlafen. Mit den Weibern waren ſie ganz ohne Schaam, ſie vertauſchten ſie wie es ihnen gefiel; ſie hatten viele Weibet, aber ſie zeuge ten wenige :Kinder. Lucas David, 4. 40-41, =- Simon Grunait, Uractatus 2, e. 4, 4 +

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3. Zug der Cymbrier nach Ulmigerien. Nachdem die Gothen von Narſes aus Jtalien verjagt waren, zogen ſie zuerſt nach Weſtphalen und wohnten in einem Orte, der noch jetzt von ihnen den Namen Göttingen führt; aber ſie wurden auch von dort vertrieben und nach Cymbria oder Dänemark gewieſen. Es herrſchte zu der Zeit in dieſem Lande ein Fürſt Theudott genannt. Dieſem grauete vor den Gothen; und als ſie zu ihm Botſchaft geſchickt hatten, ihn zu bitten um einen Ort Landes, in welchem ſie gegen Entrichtung eines Tributes wohnen fönnten, antwortete er ihnen: wie in ſeinem Reiche eine Inſel wäre, Klein-Cymbria genannt, welche ein aus Scandia verjagtes Volk inne hätte, das ihm zum Troße darin ſäße ' und ihn nicht als Herrn anerkennen wolle; wenn die Go- then ihm einen Tribut geben und die Scandianer vertrei- ben wollten, ſo möchten ſie das Land einnehmen. Die Scandianer. aber hatten vorher in Albion geſeſſen, und wa- ren um ihrer Untreu willen von dem Könige Druſius nach Norwegen in die Verbannung geſchickt, was damals Scan- dia hieß, von dem ſie den Namen erhielten. Von dannen waren ſie nach Cymbria gezogen, und hatten zuleßt auf der Inſel Klein-Cymbria ihren Wohnſit genommen. Die Gothen gingen den ihnen von Theudott gemach? ten Vorſchlag ein, und ihr Fürſt Wißbo ſchickte zu den Scandianern nach Klein-Cymbrien und ließ ihnen ſagen, wie ihm Theudott das Land, darin ſie wohnten, verliehen hätte, dieweil ſie ihn nicht als ihren Herrn erkennen woll- ten, und die Gothen es um einen Tribut angenommenz ſie möchten ſich alſo entſcheiden, ob fie das Land gutwillig räumen, oder ob ſie darin ferner wohnen wollten und da- von zinſen, oder endlich ob ſie um ſelbiges kämpfen woll- ten. Das Bolk in Klein-Cymbria hatte zwei Herren, die

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6] es für Könige hielt, genannt Bruteno und Widewutoz dieſe hielten mit ihren Edelingen einen Rath: was zu thun; ſie, die geborne Herren wären, möchten ſich nicht entſchließen unterthan zu werden; auf einen Kampf könnten ſie ſich nicht einlaſſen, da es ihnen unmöglich war, den mächtigen Gothen Widerſtand zu leiſten z ſo beſchloſſen ſie das Land- zu räumen, und ſie machten einen Vertrag darüber mit den Gothen, welche beſchworen: daß ſie die Scandianer in den neuen Sitzen ungekränkt laſſen würden. Die Jnſel Klein - Cymbria ward nachgehends von den Gothen, die ſie einnahmen, Gothland genannt; und dieſelbigen bauten dort ein Schloß, das ſie nach ihrem Fürſten Wyesboa nanns- ten, und heißt noch heutigen Tages Wisby. Bruteno aber und ſein Brude? Widewuto ſetzten ſich auf Flöße und fuhren durch Cronus (die Oſtſee) und Hai» libo (das friſche HaF) und kamen in das Land Ulmigeria, wo ſie ein Volk fanden ganz unerfahren. Hier ſchlugen ſie ihre Gezelte auf, bauten nach ihrer Weiſe Schlöſſer und Dörfer, und warfen ſich theils mit Güte, theils mit Gewalt, theils mit Hinterliſt zu Herren des Landes auf, In ſelbigem fanden fie Honig, von dem ſie ein Getränk bereiteten, während ſie von Anbeginn Molken getrunken. Die Ureinwohner von Ulmigeria wurden auch von den Cym- brern zu ihrer Lebensweiſe geführt, ſo daß mit der Zeit beide Theile dem Trunk heftig ergeben waren und zugleich gewaltige Kriegsmänner wurden, ' - Chronik des Biſch. Chriſtian bei Simon Grunau, Tract. U., Cap. 2. (ungedrut) und Luc. -Dayid Th. 1. S, 15, 16. Waiſſel's Chronika alter Preuſſiſcher Hiſtorien ſo1. 8.. Daubmann kurker Auszug der preuſſ. Chroniken, c. .

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A, Wie Ulmigerien ein Königreih ward und einen andern Namen erhielt. Die Ulmigerier: waren dem Fürſten von der Maſau vor der Anfunft der Cymbrer tributpflichtig geweſen, letz tere aber wollten keinem denn einem ſelbſtgewählten Herrn dienen. Und deshalb verſammelten ſich zu einer Zeit alle Kriegsmänner und beſchloſſen einen König zu küren. Die Wahl aber fiel auf Bruteno. Dieſer ſprach jedoch: er könne ſolche nicht annehmen, da er ſich zum Dienſte der Götter verpflichtet habe, und brachte ſeinen Bruder Wide- wuto in Vorſchlag, der ein ſehr beherzter Mann ſei und das Volk brüderlich regieren werde, So wählten ſie let- teren und krönten ihn zum Könige, Widewuto abev mit allem Bolke verwilligten Bruteno zu haben zum Obevhcrrn, und nannten ihn Kriwe Kriwaito, das iſt: unſer Herr nächſt Gott, und“ verſprachen ohne ſeinen Willen nichts zu thun, ſondern ihn zu hören wie Gott ſelbſt; das Land aber nannten ſie Brutenia und beſchloſſen niemandem zu dienen. und zu opfern als ihren Göttern. Darauf byute Bruteno bei einer ſechs Ellen dicken Eiche für die Götter Pakollo, Potrimpo und Pikollo, für den Kriwe Kriwaito und die Waidelotten oder Prieſter eine beſondere Wohnung; die er Rikaito nannte, Widewuto aber baute zwiſchen Crono und Hailibo ein Schloß und nannte es Noytto, ſpäter Neiten- burg auf der Nerung, von welchem aus er das Land res gierte, Chron. des Biſch. Chriſtian b. Sim, Grünau Tr. 11. Cap. 2. und Luc. David Th. 1. S. 17. 5. Die Zwietracht der Cymbrer und Urbewohner. Als der König Widewuto den Meth zu bereiten er- funden, ergaben ſich die Cymbrer bald der Trunkliebe. Da

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7 Üüberhoben ſie ſid ihrer- Macht und 'hlelten die alten Bes wohner mit hartem Zwange zur Dienſtbarkeit an. Dar» Über wurden dieſe zuletzt unwillig, machten einen Aufſtänd“ und verbrannten der Cymbrer etliche hundert, fammt fhx ren Häuſern, Weib und Kind, denn ſie meinten, dies wäre nicht erſchlagen, was durch die von Bruteno aufgerichteten Satungen der Götter unterſagt war. Um dieſer Dinge: willen hielten Widewuto und Bruteno zu Rikaito vov- den Göttern einen Rath. Da wurde beſtimmt: daß niemand . den andern verachten, und auch feiner einem andern zur Arbeit verpflichtet ſein ſollte; bedürften die Edelinge frems der Hülfe, ſo ſollten ſie ſolche erbitten und zur Entgeltung dafür Meth darrcichen; zu Edelingen wurden aber die ge? macht, welche ,am ſchnellſten zu Pferde warenz dieſelben übten ſich auf Fechten und Reiten, wie bei andern Völ- kern Sitte iſt, und während ſie früher einfältig geweſen, wurden ſie nun tückiſ< und verſchlagen: Chron. des Biſch. Chriſtian bei S. Grunau Tr. 11. Cap, 3. und L. David Th. 1. S. 19-20. . 6. Der Streit mit den Maſoviern um den Zins. Als die Cymbrer ſich Ulmigeriens bemächtigt, da bes ſchloſſen ſie, dem Fürſten der Maſau, Andislaus' oder An»! thonos genannt, den bisher mit den: ſchönſten Kindern ent» richteten Tribut nicht länger zu gewähren. Da nun dies! ſer mehrmals vergeblich ſolchen in Güte gefordert,“ ſo ließ er anſagen, wie er ſelbſt kommen werde, ihn zu holen. Dies nahmen Bruteno und Widewuto an und warteten ſein an der Gränze. Anthonos war unerſchrocken und ers langte“ mächtige“ Hülfe von Roxölanien, jett Rüßland, mit welcher er die Brutener ſchlug und viele Jünglinge ges fangen hinweg. führte. Nachdem ſolche aber bei ihm die Kriegeskunſt erlernt: hatten, entflohen ſie- wieder''in“ ihre?

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8 Heimath und theilten das Erlernte ihren Brüdern mit.“ Da entbot Bruteno den ganzen Adel des Landes :nach Rikaito. Als ſie nun alle verſammelt waren, kam ein. mächtig Gewitter mit Donner und Blitzen, in welchem ſie meinten, daß Gott Perkunos vom Himmel niederſteige. Dies nahm ſich Bruteno zum Wahrzeichen, und ſagte: wie die Götter befohlen hätten, ſie alle ſollten auf Antho- nos und ſein Volk ziehen; die Götter würden -fie geleiten. Dann gab man allen, die verſammelt waren, genug des Methes zu trinken. Darauf brachen ſie in das Land des Seindes und erwürgten Anthonos ſammt Zweyboch, den Fürſten von Roxolanien, erſchlugen viel Volk in der Ma» fau, und kehrten mit reicher Beute heim. Des Anthonos Eohn, Czanwig, erkannte wohl, daß er den Brutenern im Streite nicht gewachſen ſei, und kam deshalb zu Brutcno und Widewuto, opferte den Göttern derſelben und ſchwor; daß er ſolche für ſeine gnädigſten Götter halten wolle, bat. auch um Volk, daß er zur Bezeugung ſeiner Andacht den Göttern ein großes Opfer thäte. Als ihm dies vergönnt war, ließ er auf einem freien Felde ein weißes Pferd zu - Tode rennen und danach verbrennen. Von da kam es, daß Niemand im Lande ein weißes Pferd mochte reiten, ſondern man mußte ſie für die Götter halten. So ward Friede zwiſchen dem Volke der Maſovier und Brutenerz jedoch iſt eins dem andern nicht gut bis auf dieſen Tag« Chron. des Biſch. Chriſtian bei S. Grunau Tr, I. Cap, 3. und L, David. Th. 1. S. 42 fg. * &S. Grunau's Chronik. Tract. 1. Cap. 5. Chronic. Sebast. Möleri Canonie. Gutstad. (ungedrudt). 7. Wie Widewuto das Land unter ſeine Söhne theilte. Als Widewuto 446 und Bruteno 132 Jahr alt war, da wollten ſie die Jhren verſorgen, damit jeder wohl wiſſe,

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9 was auf ihn treffe, und kein Hader über die Theilung entſtehe. So. verſammelten ; ſie alles Volk zu Rikaito und verkündeten, was geſchehen ſolle. . Zum erſten nahm der Kriwe Kriwaito einen Bo> und tödtete ihn vor der heiligen Eiche: um ihrer aller Sünde, willen; das Fleiſch brieten ſie mit den Blättern der Eiche, verzehrten es und. tranken dazu Meth. Am andern Mor» gen früh ſetzten ſich Widewuto und Bruteno vor der Eiche nieder und riefen zuvörderſt jenes älteſten Sohn herbei, welcher hieß Lytpho oder Litthuo, und ſprachen zu ihm? ' Gelobeſt du: unſern gnädigen Göttern Andacht und ihrem Kriwaito Gehorſam und daran zu ſetzen Leib und Gut, ſo jemand ſie verringern wollte in ihrer Chre? worauf Litthuo ſprach: ich gelobe es bei der Strafe meines Gottes Per».- kuno, der mich tddten ſoll durch- ſein Feuer, ſo iM meinen . Eid nicht halte. Da ſprac< Bruteno: ſo lege deine Hand auf das Haupt deines Vaters und danach rühre die hei- lige Eiche an. Und alſo that er. Danach ſprach Wide»- wuto: du ſollſt Herr ſein im Lande von Boiko (Bug) und Nyemo (Niemen), den' fließenden Waſſern bis an Tham2 ſoan den Wald. Und er nahm es mit der Zeit ein, und bauete ſich eine Feſte, die nannte er nach ſeinem Sohne . Gartho (Grodno); das Land aber erhielt von.ihm ſelbſt den Namen Litthauen. Gartho gewann auch mit der Zeit ein mächtig Land und hielt ſich ganz königlich, hatte auch viele Bajoren zu Söhnen. Danach theilte Widewuto dem Samo, ſeinem zweiten Sohne, das Land von Crono und -Hailibo bis auf Skara das Waſſer, und er nahm es mit der Zeit ein, und ward nac< ihm Samland genannt. Er bauete ſich auf einem mächtigen Sandberge, der zum Theil geſchüttet ward, die Feſte Gailgarwo (Galtgarben). Dieſer Samo Hatte mit den Seinen -eine, ſonderliche Lebenstpeiſe; . denn ſie waren

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10 andächtiger wie die übrigen Brutener und wählten auch einen beſonderen Eichwald zu ihrer Andacht aus, in wel» <hem ſie einen Haufen Schlangen zu Ehren ihrer Götter unterhielten. Samo ließ weniger Kinder als ſeine Brüs der, denn ſein Weib Pregolla ertrank in dem Fluſſe Skara, davon dieſer den Namen (Pregel) erhielt. Der dritte Sohn Sudo bekam das Land zwiſchen Erono, Skara und Curtono (das kuriſche Haff), was er zu ſeiner Zeit einnahm und nach ſeinem Sohne eine Feſte Perpeylko erbaute; das Land aber ward nach ihm Sudauen genannt. Das Volk, das darin wohnte, hielt ſich von An- beginn ehrbar und däuchten ſich alle Edelinge, weil ſie allein mit Sudo einen mächtigen König des Venederlan- des, jetzt Ruſſiſch Litthauen, beſiegt. Die Sudauer aber ſind bis auf den heutigen Tag ein luſtig Volk geblieben, das ſeine größte Freude im Trinken hat. Nadrau, der vierte Sohn, huldigte auch, wie ſeine Brüder, und ihm ward zugetheilt das Land zwiſchen Skara, Boiko und Curtono, was von ihm Nadrauen genannt ward und in dem et eine Feſte, genannt Staymto, erbaute. * Scalawo, dem fünften Sohne, ward gegeben das Land zwiſchen Pregolla, Curtono, Niemo und Rango dem Waſ- ſer. Er nannte ſelbiges Sralawonien (Sc<aläunen). Die Bewohner aber ſind von Anbeginn geweſen ein unluſtiges Bolk und ungetreu und fanden“ ihre größte Seligkeit im Schlafen, ſo daß ihre Trägheit im ganzen: Lande zum- Sprichwort ward. Natango, der ſc<ste Sohn, huldigte wie feine Brü-- der, und ihm ward zugeeignet -das Land zwiſchen Pregolla,- Alla, Baſſaro (Paſſarge) und" Hailibo, und er nahm es" mit' der Zeit ein uud wohnte auf Honeda: (Balga) dent“: Schloſſe; das Land aber ward Natangen genannt. Nax tango “hatte einen“ Sohn: Lucygo, ' dem zugeeignet ward- [|

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11 Noyto die Burg, und Crono, das Waſſer z denn ex war ein Mann, dem Fiſcherei lieb war. Dieſer fand auch zuerſt den Bernſtein, Barto, der ſiebente Sohn, erhielt das Gebiet die Alla aufwärts bis an Liko (Ly>) das Waſſer, und bis an das Land ſeines Bruders Lytpho, nannte es Bartenland und. baute darin eine Feſte Barto (Bartenſtein). Dieſer hatte viel Kinder, deren jegliches ein Kdnig war und ſich eine Feſte baute. Denn ſie waren ſehr haderhaftig und hatten viel Feindſchaft, ſonderlich mit den Erben Natango's, um Lucygo's willen, dem Widewuto etwas Beſonderes zugeeignet: hatte, da ſie doc< ſo nahe daran geweſen wären, wie Na»- tango's Sohn, “Der achte Sohn, Galindo, bekam die Lande gelehnt von Kaboſo bis an die Gränzen der Maſau; das Land hieß von ihm Galindien, und die Burg nannte er Galindo, ward auch nachgehends Galinderberg genannt. Das Bolk wurde mit dex Zeit mächtig und führte viel Kriege mit den Maſuren. Dem neunten Sohne Warmo verlich der König die Lande an der Nava (Narienſee) und Baſſora. Er baute ſich eine Feſte, die er Tolo nannte. Von ihm ward das“ Land zu lateiniſc< Warmia genannt, zu deutſch aber heißt“ es Ermeland von ſeiner Gattin Ermia. Hoggo, dem zehnten Sohne, überwies der König das Land zwiſchen Weſeke, Baſſaro, Druſino (Drauſen) dem Waſſer. Er baute ſich einc Feſte Tolko (Tolkemit?, nach- her Scafsberg genannt. Das Land aber ward geheißen das Hoggerland (Hockerland) oder auch nach ſeiner Toch- ter Poggezana Poggeſanien. Dem elften Sohne des Königs, Pomeſo, ward zuge- theilt das Länd zwiſchen Weſeke, Mokra (Oſſa) Noyta (Nojath) 'Iſtula (Weichſel) bis- an die Gränzen“ der Ma-

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142 ſau, und es 'ward na<m ihm Pomeſanien - genannt. Er hatte feine Burg, die ihm zur feſten Wohnung diente, ſon- dern wo cs ihm am beſten gefiel, da wohnte er unter ei- nem Gezelte. Er hatte ſehr viel Kinder, die alle wie der Vater Rieſen und Könige waren, und dieſe bauten ſich die Feſten zu Riſno (Riſenburg), Bolto, Weſo und Nar- goltons. Der zwölfte Sohn Widewuto's, Chelmv, erhielt das Gebiet zwiſchen Mokra, Jſtula und Driwantza (Drewenß). "Ex baute ſich eine Feſte und nannte ſie nach ſeinem Na- men Chelmo, jet Althaus Culm, und eine andere, die er nach ſeinem Sohne Potto hieß (Potterberg). Das Land aber heißt no<s heute von ihm Culmerland. Chron. des Biſch. Chriſtian bei S. Grunau Tr. 11. Cap. 4. und L. David Th. 1. S. 59 fg. 8. König Widewuto's Ende. Als König Widewuto ob ſeines hohen Alters nicht mehr wie ſonſt ſeine Heere zum Siege zu führen vermochte, da richteten des ' Landes Feinde ein großes Bündniß auf, daß ſie die Brutener mit Heeresmacht überzdgen. Als, Widewuto dies kund ward, und er gegen die großen Aus» rüſtungen der Feinde keinen andern Rath bei ſich befand, denn daß er ſic< den Göttern ſelbſt opfere, um ſo den Seinen mehr Herzens zu machen und ſie anzufeuern, ſei- nen Tod zu rächen, ſo eröffnete er ſeinem älteſten Sohne fein Vorhaben, ihm zu Gemäthe führend, wie die Benach2 barten faſt rings umher in Ausrüſtung wären, die Bru-. tener zu überziehen oder gar zu vertilgen, er aber mit ho- hem Alter beladen und unvermögend ſei, ſolchen ſchweren Krieg durchzuführen, demnach er beſchloſſen habe, ſein nun- mehr unnüßes Leben im Feuer zu opfern, auf daß er mit den Odttern ſich unterreden und Hülfe zu dieſem Kriege

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13 erbitten könne. Befäahl alſo dem: Sohne, wenn ſein feier- liches Begängniß gehalten und ſeine Aſche verwahrt ſei, den Kampf rühmlich zu beginnen und die Götter im Uebri- gen walten zu laſſen, deren Hülfe ihm dann nicht entſte- hen werde. Darauf ließ Widewuto vor der großen Eiche zu Ro- move einen hohen Holzhaufen aufrichten, auf den das Volk brennende Fackeln tbarf, ſo daß die Flamme mit großem Gepraſſel in die Luft ſtieg. Demnächſt brachten ſie die Opfer an kleinem und großem Viehe, ſonderlich Ochſen mit vergoldeten Hörnern, deren Eingeweide ſie in die Gluth warfen. Der König ſelbſt ſtand herrlich. bekleidet, eine goldne Schaaley mit Meth, den er einer großen ſc<warzen Kuh zwiſchen die Hörner goß, haltend; den rechten Fuß und den linken Arm hatte er unbekleidet, und ſprach alſo ein feierliches Gebet? „„Jhr Götter des Meeres und der Erden, ihr Götter der Nacht und Finſterniß, ihr, die ihr in dieſen Wäldern und an dieſem geheiligten Orte euren Tempel und eure Wohnung habt, die ihr den feurigen Blitz vom Himmel hinabwerfet und mit Donner der Men- ſchen Herz erſchrecket, die ihr Ungewitter und Regen aus- ſendet, die ihr unter den Wolken und bei dem lichten Monde euren Haushalt habt und -mit ſchnellen Flügeln durch die Luft fahrt, ſchauet an dies Opfer, ſc<auet an mich, der ich zur Aufopferung bei dieſem heiligen Altare geweiht werde, und nehmet mich, als den König, der ſich für ſein Volk tm Flammentode dargiebt, gnädig anz aber unter unſre Feinde ſendet Schre>en, Furcht, Flucht und Kraftloſigkeit im Kampfez verleihet meinen Brutenern Sieg, ſo will ich mich freiwillig für mein Land opfern.“ Nach dieſer Rede ſtürzte er ſich ſonder Zagen inmitten der Flammen. Darauf führten die Obriſten des Volks und die Jünglinge einen Kriegsreigen mit kläglihem Jammer und Geſchrei um den

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14 Scheiterhaufen und ſchlugen dreimal mit den Waffen an einander, daß es durch die Luft ertönte und durch die Wäl- der weit und breit erſchallte. Alſo entbrannten ihre Her- zen, daß ſie kühn wurden, und ſie ſchrieen Alle, jung und alt, zu den Waffen und verbanden ſich zuſammen, der Göt- ter Hülfe durch ihres Königs Opfer gewärtig, gegen den Feind zu ziehn. Eine andere Sage aber berichtet? daß ſich außer Wi- dewuto auch Bruteno, ſein Bruder, freiwillig im Feuer- tode geopfert, und das Volk beide nachher als Götter, je- nen unter dem Namen Jßwambrato, dieſen unter dem Wurßfkaito verehrt habe. Cagsp. Shüß Historia fol. 4 fg. S. Grunau Tr. 11. C. 5. Tr. I11. C. 3. L, David. Th. 1. S. 78 fg. 9. Nadro's Tod. - Nach dem Tode Bruteno's, des Kriwe Kriwaito,- ent? ſtand ein Zwiſt darüber, wer ſein Nachfolger ſein ſolle. Denn ein Theil der Waidelotten ſagte aus: daß die Göt- ter aus der heiligen Eiche verkündigt hätten: Brudona, der Bruder von Nadro's Weib, ſolle Kriewe ſein, Andere aber: ſie hätten Apeles, den Bruder von Lytpho's Weibe, verlangt. Nadro jedoch, in deſſen Gebiet Rikaito lag, ſetzte ſeinen Schwäher ein. Darüber entbrannte Lytpho in Zorn und b?gann ſeinen Bruder feindlich zu verfolgen, ſo daß * dleſer von deſſen Knechten in den Fluß Boyko gejagt ward, allwo er ertrank. Um dieſes Frevels willen ward Lytpho von dem Heiligthume in Rikaito gebannt, darum er in ſeinem Lande einen Kriwaito ſonderlich erwählte und eint eignes Heiligthum gründete. Doch die wichtigſten Opfer

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15 fendete man auch nachgehends no<h nach Rikaito und lei- ſtete den Geboten der dortigen Götter Gehorſam. Chron. des Biſch. Chriſtian bei S. Grunau Tr. 11. Cap, 4, und L. David. Th. 1. S. 64. Anm. und S. 79. 10. Die Töchter Hoggo's. | Hoggo hinterließ keinen Sohn, ſondern drei Töchter: Mita, Cadina. und Poggezana. Mita vermählte ſich, wohnte auf Tolko, der Feſte ihres Baters, und hatte viel Kinder. Auch Cadina vermählte ſich und hatte viele Kin- der; ſie erbaute eine Burg, die ſie nach ihrem Namen nannte. Die dritte, Poggezana, wohnte in einem Eich- walde und blieb Jungfrau Zeit ihres Lebens, Sie war eine Waidelottin und ward darum geehrt von ihren Schwe- ſtern und Schwähern, ſo daß, was ſie gebot, wie Gottes Wort gehalten ward. Noch in ſpäteren Jahren konnte das Bolk nicht genug' erzählen, wie milde ſie geweſen, und wie ſie mit den Göttern getanzt habe, welche um ihretwil- len den Leuten alles gaben, was ſie begehrten. Von Ge- ſtalt war ſie aber eine Heuninz denn ihr Hauptring, der noch im Jahre 1499 in dem Nonnenkloſter zu Elbing, das von ihrem Wohnſize nur viertauſend Schritte entfernt war, gezeigt ward, war inwendig eine Elle weit, und von der Breite einer guten Mannshand; er war von ſolchem Etoff und ſolcher Arbeit wie die Armbrüſte; vorn hatte er „ einen Stein und ein viereckiges Blech mit einem Bilde, Fingers di> und einer Spanne lang. S. Grunau Tr. 11. Cap. 4. zum Theil nach Biſch. Chriſtian. L, David Th. 1. S. 73. 11. Der Tod Pomefo's. Pomeſo und ſeine Söhne waren den Maſoviern feind um des Zinſes willen, den ſie von ihnen forderten, und

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16 ſie thaten einen Zug in die Maſau, bei dem Pomeſo mit ſeinen ſechs Söhnen gefangen ward. Doch entkam er ſelbſt bald wieder aus der Haft, die Söhne aber tödteten- die Maſovier. Nicht lange danach begab es ſich, daß, als Pomeſo's Tochtermann Quidzino, dem ſelbiger eine Burg gebaut und nach ſeinem Namen Quidzin (Marienwerder) genannt, auf der Jagd einen Eber verfolgte, letzterer über den damals ' gerade gefrornen Weichſelſtrom in das Land Welida (Pommerellen) ſeine Flucht nahm. Quidzino, nicht nachlaſſend, kam gleichfalls in dies Land und traf dort auf deſſen Fürſten, welcher ihn fragen ließ, was er da wolle, und als Quidzino eine ſpöttriſche Antwort gab, denſelben erſta<. Pomeſo, um dieſen Mord zu rächen, ſammelte die Seinen, fiel in das Land Welida ein und verheerte ſolches weit und breit. Als er aber mit dem geraubten Gute zurückfehren wollte, war der Strom aufgegangen. Darüber ereilt ihn der Fürſt von Welida, nimmt ihm al- les ab, und erſchlägt ihm ſein Volk, Mann bei Mann. Pomeſo ſelbſt ſtürzt ſich mit ſeinem Pferde in die Weich- ſel um durchzuſcwimmen, doc< der Fluß reißt ihn fort, ſo daß er ertrinken mußte. Widewuto und Bruteno, der Kriwaito, brachten darauf ihren Göttern Opfer und frag» ten an, ob ſie Pomeſo's Tod rächen ſollten an dem Für- ſten von Welida. Die Götter aber verboten es, Chron. des Biſch. Chriſtian bei S, Grunau Tr. 11. Cap. 4. und L. David Th. 1. S. 73, 12. Ermita. Warmio, der neunte Sohn Widewuto's, ſtarb noc< vor dem Vater und hinterließ ſeine Gattin Ermia mit kleinen Kindern. Da nahm ſich Ermia der Herrſchaft an, und regierte das Land lange und mit großer Klugheit, gab quch viele weiſe Geſetze, die no<h vorhanden ſind, Den

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17 Tod der Söhne des Pomeſo, ihres Mannesbruders, rächte ſie an den Maſoviern. Denn ſie fing den Sohn des Für- ſten, Lottko, mit Weibern und Kindern und ließ ſie alle- ſammt zu ſechsundzwanzig tödten. Dies machte ihr ei- nen größeren Namen. Ermia hatte aber eine Mggd von großer Schönheit. Dieſe gewann ihr Sohn lieb und be- gehrte ſie von der Mutter zum Weibe. Ermia wollte je- doch um des geringen Standes nicht darein willigen. Die Liebenden waren aber ſchon zu weit gegangen, und die Magd tödtete in der Verzweiflung ihres Herzens die Herrin. Chron. des Biſch. Chriſtian bei S. Grunau Tr. Il. Cap, 4. und bei L. David Th. 1. S. 74.. 13. Chelmo. Chelmo, der zwölfte Sohn Widewuto's, gerieth in ei- nen Zwiſt mit den Sarmaten oder Polanern, fiel in ihr Land ein, zerſtörte daſſelbe weit, und breit und trieb eine ' Menge Volks mit ſich zurück, das er in ſeinem Lande hin und her vertheilte. Um ſich vor einer Entgeltung zu ſichern, machte er Freundſchaft mit den Maſoviern, und nahm die Tochter des Fürſten der Maſau zum Weibe. Dieſelbige brachte ihn aber zur Anbetung ihrer Götter, ſo daß er die ſeines Vaters und ſeiner Brüder verachtete, Deshalb und um anderer Urſachen luden ihn Widewuto und der Kriwaito vor nach Rikaito, um den Göttern Antwort zu geben. Es begab ſich aber, daß, als er, der Ladung fol- gend, aus ſeinem Reiche abweſend war, die Sarmaten in ſelbiges einfielen, die Feſten eroberten und zerſtörten, alles Volk erſchlugen , das ganze Land verwüſteten, und, bevor Chelmo heimzukehren vermochte , unverſehrt wieder zurück» zogen. Dies legten ihm der Vater „und die Brüder als eine Strafe dafür aus, daß er ihre Götter verachtet hätte, und gewährten ihm keine Hülfe. Dadurc) ward Chelmo 2

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18 ſo arm und geringe, daß er nach dem Tode Widewuto's ſich zu den Maſuren begeben mußte, welche ihm, nachdem er ſich zu Dienſtbarkeit und einem Tribut verpflichtet, hal- fen, daß er ſich aus Sarmatien Volk und Güter wieder- holte und damir. ſein Länd beſetzte. So geſchah es, daß die Maſovier in das Land kamen, und es ſich zuleßt zu eigen machten. Chron. des Biſch. Chriſtian bei S. Grunau Tr. 11. Cap. 4. und L. David Th. LS. 77. 14. Der König Waidewuttus. Wir haben oben mehrere Sagen von Widewuto oder, wie er auch genannt wird, Waidewuttus, mitgetheilt, na- mentlich die, wie er König ward. Hierüber lebt auch noch folgende Sage: Ungefähr vierhundert Jahre nach der Ge- burt Chriſti (375) wurde das wilde Volk der Alanen, das am faspiſchen Meere wohnte, von den Hunnen geſchlagen. Sie durften Schande halber nicht in ihr Vaterland zurück- kehren, ſie zogen daher weit weg, durch, viele Länder und über viele Ströme, und ſetzten ſich endlich in dem Lande feſt, das jetzt Preußen heißt. Sie waren aber ſchr ſtreit- ſüchtig, und konnten ſich daher nicht unter ſich, viel weni- ger mit den alten Einwohnern dieſes Landes vertragen. Da war unter ihnen Einer mit Namen Waidewuttus. Der trat auf, und ſprach zu ihnen und den Einwohnern des Landes, ſie ſollten feinen Krieg unter ſich anfangen, ſon- dern friedlich zuſammentdeten und berathſchlagen, was zu thun ſei, um den Frieden unter ſich zu behalten. Das thaten ſie. Als ſie nun Alle beiſammen waren, und fei- nen Rath finden konnten, da ſprac< zu ihnen Waidewut- tus, der ein ſehr verſtändiger Mann war: Sehet an die Bienen: ſie haben alle ihren Bojotevas (das iſt König), dem gehorchen ſie, und darum iſt es ſo ordentlich und

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19 ruhig bei ihnen. Wählet auch Ihr einen Kbnig, dem Jhr Alle gehorchet: dann werdet Ihr Ruhe unter einander ha- ben! =- Das ſahen alle verſammelten Völker ein, und weil Waidewuttus den. verſtändigen Rath gegeben hatte, riefen ſie Alle mit Einer Stimme: Waidewuttus ſoll unſer König ſeyn! =- Er nahm das an, weil er dazu gerathen hatte. Kojalowitz Historia Lith. P. 1. L. 1 p. 40. ' Erasmus Stella Antiq. Borr. L. 2. 45. Die heilige Eiche zu Romove. In dem Lande Preußen, da wo nachher das Kloſter der heiligen Dreifaltigkeit ſtand, war vor Zeiten eine be- rühmte preußiſche Stadt, die hieß Romove. Den Namen hatte ſie daher: die alten Preußen hatten einen Feldzug nach Rom gemacht; als ſie nun zurückkehrten, bauten ſie eine neue Stadt, welche ſie, zum Andenken an die Stadt Rom, Roma nuova nannten, Daraus entſtand nachher der Name Romove. Jn dieſer Stadt ſtand cine uralte Eiche, welche vor allen heiligen Eichen des Preußenlandes beſon- i ders in Ehren gehalten wurde, und unter welcher ſie ihre vornehmſten Götter anbeteten. Dieſelbe Eiche iſt 6 Ellen dick zwergüber geweſen, oben ſehr breit, und ſo dicht, daß weder Schnee noch Regen hat hindurchdringen können. Was aber am meiſten zu verwundern war, ſo iſt ſie im Winter und Sommer grün geblieben. Um ſie her waren gezogen ſeidene Vorhänge, 8 Ellen hoch; dieſe wurden von den Waidelotten oder Prieſtern nicht abgezogen, es ſei denn an den größten und vornehmſten Feſttagen, oder wenn von weit her ein vornehmer Preuße mit reichen Opfern ge- fommen war... Die Götter, welc<e dort verehrt wurden, waren drei, und hießen: Perkunos, Pikollos und Potrim- pds; Perkunos wär der vornehmſte, der Gott des Don- 2*

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20 ners, er war von mittelmäßigem Alter, ſein Bart und Haar waren kraus und ſchwarz, mit Feuerflammen gekrd» net, das Angeſicht war feuerroth, aufgeblaſen und zornig. Pikollos war der Gott des Todesz er war ein alter lan- ger Mann mit einem grauen Barte; das Geſicht von blei- cer Todtenfarbe, das Haupt mit einem Tuche umwunden. er ſchaute von unten nac< oben. Potrimpes war der Gott des Getreides und des Krieges. Er war ein junger Mann und ſchaute das Bild des Perkunos an mit einem fröhli- <en lachenden Geſichte; er hatte feinen Bart, ſein Ge- ſit war mit Kornähren gekrönt. Die Götter wurden verehrt mit allerlei Gaben und Geſchenken; das ange- nehmſte Geſchenk war ihnen das Blut der Feinde, vor- nehmlich der Chriſtenz und wenn ein Chriſt in das Innere der ſeidenen Vorhänge und das Angeſicht der Götter ge- ſchaut hatte, ſo waren dieſe den Jhrigen nicht früher wie- der zum Heile, als bis ihnen das Blut deſſelbigen Chriſten geopfert war. Die Eiche ſelbſt war ſo heilig, daß ein Menſch oder ſogar ein Stück Vieh, welches von ihren- Blättern eins am Halſe trug, dadurch allem Unglücke ent- ging. Sie hat noch lange zu des Ordens Zeiten geſtan- den, und die Preußen“ beteten ſie noch heimlich an, ſelbſt nachdem ſie Chriſten geworden waren. Derohalben ließ auf Bitten des Biſchofs von Ermeland, der Hochmeiſter Winrich von Knipprode durch den Oberſten Heinrich von Schnidekopf ſie umhauen. Aber wie nun auch die Eiche zerſtört war, da wollte dom noch lange von dem Plate das Blut nicht weichen, welches von den vielen daſelbſt geopferten Menſchen herrührte, und man hörte, wahrſchein- lich auf Anſtiften des Teufels, der die Preußen wieder zum Heidenthume verführen wollte, gar oft um denſelben Ort grauſame Ungewitter, Donner und Blitz und ein Sauſen und Stürmen, als wenn die Zweige und das Laub der

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21 Eiche noc< weheten. Dabei ließen ſich allerlei unförmliche und ſchreliche Geſtalten blicken, welche bald ausſahen wie Menſchen, bald wie Waldmänner, bald wie Drachen odex Schlangen oder Feuer. Da ließ endlich Petrus Nugel von Sohr auf dem Orte das Kloſter der heiligen Dreifal- tigkeit bauen. Doch auch jeßt wollte der Satan, der dort durch die Abgöten herrſchte, aus ſeinem Sitze ſich nicht vertreiben laſſen, und er trieb in dem neuen Kloſter aller- lei Spuk und Rumor, hoffend dadurch die Diener Gottes zu erſchreken und zu verjagen, daher man genöthigt wor den, einen Teufelsbanner aus Deutſchland zu verſchreiben, welcher dem Satan das Handwerk legen möchte. Dieſer Teufelsbanner verfertigte aus xeinem Golde ein ECruzifir, etwa eines Fingers lang, und einen dreieckigen Ring, auf welchen er vielerlei Worte einſchrieb; beides vergrub er unter den Eckſtein der Kir<e. Seitdem hatte der Teufek und ſeine Abgdßen an jenem Orte keine Gewalt mehr, und es war Ruhe im Kloſter und in der Gegend. Die Stadt Romove iſt ſc<on lange zerſtört 3 auch das Kloſter und die Kirche zur heiligen Dreifaltigkeit ſind zer- trümmert. Als aber im Jahre 4708 der Herr von Killitz zu Groß - Waldeck, dem das Land gehörte, einige Mauer» ſtücke des zertrümmerten Kloſters abbrechen ließ, hat man das Cruzifix und den Ring unter den Trümmern gefunden. Der Herr von Killiß ſchenkte ſie der Stadt Königsbergz die Worte, ſo auf den Ring geſchrieben, kann niemand verſtehen. Lucas David, U 25 fg. Leo, Histor. Pruss. pag. 4. Süß, Historia pag. 4. Hartknoch, Alt- und Neu-Preußen S. 13t. Simon Grunau 11. S. 5. Erläutertes Preußen U1. S. 284 fg.

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'16. Die Eiche bei Wehlau. Eine andre heilige Eiche, ſo die heidniſchen Preußen verehrten, iſt geweſen unweit Welau, über dem Pregel, in "dem Dorfe Oppen, in einem Garten an der Landſtraße von Königsberg nac<ß Ragnit. Sie war von faſt unerhörter . Dieke und Höhe, ſo daß ein ſolcher Baum wohl ſeit der Sündfluth nicht geweſen iſt; ſie war inwendig hohl und ſo weit, daß Einer mit einem großen Gaul hineinreiten und darinnen mit dem Gaule ſich herumwerfen und tummeln konnte. Unten an der Erde war ſie 27 Ellen di>. Unter dieſer Eiche wurden viele Götter verchrt, denen man Schlan- gen hielt und Milch vorſeßte. Sie hat geſtanden bis noch vor 100 Jahren; da ſoll ſie, wie man ſich erzählt, in ei- ner Nacht plötzlich verdorrt und umgefallen ſein. Henneberger Erklärung S. 472. Hartknoc<h, Alt- und Neu- Preußen S. 408. Prätorius, Schaubühne (Handſchrift) S. 267. 17. Der elfjährige Krieg mit den Maſoviern. Viele Jahre. hatte Friede gewaltet zwiſchen den Bru- tenern und Maſoviern, da begab es ſich, daß der Fürſt der Maſau das Weib eines ſeiner Edelinge liebgewann und um ihre Gunſt buhlte. Der Edeling warnte ihn drum, daß, wo er ihn auf der That fände, er ihn erſchlagen würde, der Fürſt aber ſc<lug das in den Wind. Da traf ihn einſt der Edeling in der Umarmung ſeines Weibes, durchbohrte beide mit dem Spieße, den er, wie dies das Vorrecht der maſoviſchen Edlen war, bei ſich trug, auf der Stelle, und entfloh dann nach Brutenia zum Kriwaito, indem er im Heiligthume Schuß zu finden hoffte. Der Bruder des er- mordeten Fürſten, wie er die That erfuhr, fiel in Brutenia

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23 ein, und als er den Mörder in Rikaito fand, ließ er ihn ſelbſt grauſam zu Tode martern, während er den Kriwaito und die Waidelotten in ihren Wohnungen einſperren .und dieſe dann anzünden ließ, daß ſie alle jämmerlich verbrann- ten. Darauf verwüſtete er das Heiligthum und die ganze Gegend umher. Ueber. dieſen Frevel empört, erhoben ſich die Stämme Samo und Sudo, überfielen die Maſovier und jagten ſie in die Flucht; doch konnten ſie ſelbige nicht verfolgen, denn ſie mußten erſt einen neuen Kriwaito wählen und Waide- lotten einſezen. Nachdem dies geſchehen war, fielen ſie mit den übrigen Stämmen der Brutener in Maſovien ein und zerſtörten weit und breit das Land. Die Maſovier aber ſammelten ſich mittlerweile, brachen, ehe jene es ſich verſahen, in ihr eigen Land ein, und hauſeten dort wie die Brutener in Maſovien gethan. So währte der Kampf mit wechſelnden Einfällen elf Jahre hindurch, zulett aber wurde man beiderſeits ſeiner überdrüßig und richtete Frieden auf. Doch die Brutener konnten es nicht vergeſſen, daß man alſo ihre geweihten Prieſter getödtet hatte, obwohl die Ma- ſovier durch reiche Opfer, die ſie ihren Göttern darbrach- ten, ihre Gunſt wieder zu gewinnen ſuchten. S. Grunau's Chronik. Tr. 111. Cap. 6. L. Davids Chronik. Th. 1. S. 92 fg. 18. Wie die Brutener um ihren Namen fämpften. Die Maſovier, welche ſchon früher als ihre Nachbarn, die Brutener, das Chriſtenthum angenommen und in Folge deſſen größere Fortſchritte in der Geſittung gemacht hat- ten, nannten dieſelben um ihrer Roheit," insbeſondere aber ihrer Trunkſuc<t willen die Bruten d, i. die Unſinnigen oder die unvernünftigen Thiere. Dies verkündete ein edler

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24 Maſovier, der aus ſeinem Lande hatte flüchten müſſen, den Brutenern, die darüber ſo erbittert wurden, daß ſie den Maſoviern die Fehde anſagten. An einem vorher beſtimm? ten Orte, da wo jetzt Neidenburg liegt, kamen beide Heere zuſammen. Als der Streit ſchon lange gewährt hatte, ermüdeten die Maſovier und ſchickten Abgeordnete zu den Brutenern, um anzufragen, wie doh ihr Zorn zu beſänf- tigen ſei. Dieſen ward die Antwort: die Maſovier ſollten ihre, der Brutener, Götter ehren und den ſchmählichen Na- men nicht fürder brauchen. Sie entgegneten hierauf: ihre Abgötter “könnten ſie nicht ehren, wo ſie aber das Bild Chriſti auf die heilige Eiche nehmen würden, ſo wollten ſie derſelben Ehrfurcht bezeigen; was aber den Schmachnamen anbetreffe, ſo ſähen ſie nun wohl, daß die Brutener witzig worden und wollten ſie ferner Praescii d. h. die vorwiſ- fenden Leute nennen. Dies gefiel den Brutenern überma- ßen wohl, und ſo ſchieden beide Theile friedlich von einan- der. Aus dem Worte praescit aber iſt, wie einige ſchreiz ben, der Name: Prusci, auf deutſc< Preußen, entſtanden, wie denn auch das alt-preußiſche Wort: prussia, ſo viel bedeutet als: er wird verſtehen. Auf Bromberg ſaß dazumal ein weiſer Herr. Als der hörte, daß die Brutener ſich einen ſo ſtolzen Namen bei» gelegt, ſagte er zu ſeinen Freunden: wenn meine Hunde Rehe würden, ſo möchten ſie ſolc<e praescii auc) werden. Als dies die Brutcner vernahmen, wurden ſie übermaßen zornig, fielen in Polen ein, und verwüſteten rings weit und breit alles Land. Da der Herr auf Bromberg merkte, daß dies um ſeinetwillen geſchehe, zog er ihnen entgegen, Gnade begehrend. Aber er erlangte feine andre, denn daß ſie ihn auf ein Pferd banden und ſammt dieſem ihren Göttern zu Ehren verbrannten, S. Grunau's Chronik Tr. I1V. CE, 2.

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25 Daubmann, kurß. Auszug der preuß. Chronik Chij fgg, Hartknoch, Alt - und Neu-Preußen S. 72 fg. 19, Die Galinder. Das Land der Galinder war viele Jahre lang wüſte und ohne Bewohner, obgleich es früher ſehr volfreich ge- weſen iſt. Dies trug ſich 'folgendermaßen zu: Zur Zeit als die erſten Chriſten nac< Preußen kamen, war das Ga- linder - Land ſo bevölkert, daß es den Einwohnern darin endlich zu enge wurde, deshalb befahlen die Vornehmſten im Lande den Wehemüttern, alle Mägdlein ſo zur Welt kämen umzubringen. Die Wehemütter konnten das aber nicht über das Herz bringen; da ließen die Vornehmen den, Weibern die Bräſte abſchneiden, damit ſie nicht ſäugen konntenz darüber entſtand großes Weheklagen unter den Weibern. Sie gingen alſo zu einer Wahrſagerin, . welche im Lande lebte, und beriethen ſich mit derſelben, wie ſie an den Männern ſich rächen könnten. Die Wahrſagerin be- ſchi>te darauf die Vornehmſten im Lande, und ſagte zu ihnen: der Götter Wille ſei es, daß ſie in das Land der neuen Chriſten einfallen und dieſe berauben ſollten; ſie ſoll- ten aber keine Waffen mitnehmen. Dem Spruche der Prophetin' gehorc<ten die Heiden, und Jung und Alt ſtand auf, und fielen des Nachts in das Land Maſuren, in wel- <Hem die Chriſten wohntenz ſie machten viele Leute zu Ge- fangenen und traten dann den Rückweg an, Einer der Ges fangenen entlief aber, kehrte zurü> zu den Seinigen, und zeigte ihnen an, daß die Galinder ohne alle Waffen ſeienz da brachen die Chriſten in Maſurien eiligſt auf, überfielen die Räuber und erſc<hlugen ſie ſämmtlich. Als dieſes ihre Nachbarn, die Sudauen, hörten, fielen ſie in das Land der Galinder, in welchem ſie jezt keinen Widerſtand fanden, und trieben Weiber, Mägde, Jung und Alt, fort. Alſo

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26 - wurde das Land leer und wüſt, wie es noch hundert Jahre nac: Ankunft des deutſchen Ordens war. Duisburg, Chron. P. Il. €. 4. Simon Grunau 111. C, 2. Schütz, Chron. pag. Il segq. Henneberger, Erklärung S. 135. 465, Hartknoch, Alt- und Neu - Preußen, S. 124. 20. Das Geiſterheer. Als der Polenfürſt Boleslaw der Kühne in dem Kriege wider die Pommerellen im Jahre 4088 vor der Burg Nakel lag, zeigte ſich, nachdem die Belagerung ſchon einige Zeit gewährt, einſt, als die Nacht zu grauen begann, im Schein des Mondes den Feldwachen ein mächtiges Heer, das vom offenen Felde gegen das Lager vorrückte, gleich als wenn es ſelbiges überfallen wolle. Sobald aber die Polenvölker von den Wachen aufgerufen, auf die Wälle gerückt, das Lager gedeckt hatten, ſchienen jene den Angriff zu ſcheuen. Da es jeglichen Abend alſo geſchah, wurden die Polen zuletzt zornig, daß ſie ſo um ihre nächtliche Ruhe getäuſcht würden, und beſchloſſen, den Feinv, da er den Angriff ſcheue, ſelbſt "anzugreifen. Als“ nun am nächſten Abend die Wachen wiederum verkündeten, daß die Feinde ſich zeigten, brach das polniſche Heer mit großem Geſchrei aus dem Lager hervor und auf ſie los. Doch da ſie nahe hinzu kamen, zerſtäubten jene in der Luft, ſo daß ſich dar- that, wie man nur Schemen vor ſic) habe. Unterdeſſen hatten aber die in der Burg den Tumult vernommen, bra- <en, um ihn zu nütßen, heraus, erſchlugen die wenigen im Lager Gebliebenen, und ſteckten daſſelbe in Brand, ſo daß der von der Verfolgung der Geiſter zurückkfehrende Haupt- trupp ſelbſt die Flucht zu ergreifen gezwungen war. Dieſe Strafe war von dem Himmel über die Polen deswillen v

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27 verhängt, weil ſie in dem vorhergegangenen Kriegszuge mit Verachtung der Satzungen der Rivche die Faſten nicht ge- halten hatten. Leo, Histor. Pruss. p. 52. 21. Das fiſchreiche Schloß bei Ragnit. Nicht weit von der Stadt Ragnit an der Memel hat vor Zeiten ein Schloß geſtanden, welches ſehr feſt war und von den alten Preußen als der. lezte Zufluchtsort gegen die benachbarten Ruſſen gehalten wurde. Viele Jahre vor Anfunft des deutſchen Ordens hatten einſt die Ruſſen mit großem Bolke einen Ueberfall in Preußen gemacht; ſie hat- ten die Preußen geſchlagen und in dieſes Schloß zurückge- trieben; daſſelbe belagerten ſie nun 9 Jahre lang, und hat- ten es ſo feſt eingeſchloſſen, daß keine Maus, geſchweige ein Menſc< heraus oder hinein konnte. Gleichwohl konn- ten ſie es auf keine Weiſe erobern. Da gingen ſie endlich an die Mauern heran, und, fragten die Preußen, wovon dieſe“ denn die ganzen 9 Jahre über gelebt hätten. Wurde ihnen zur Antwort, es wäre ein Teich im Sc<loſſe, der wäre ſo fiſchreich, daß die Belagerten alle ſich davon er- nähren könnten. Darauf ſahen die Ruſſen ein, daß ſie nichts ausrichten könnten, und ſie hoben die Belagerung auf und zogen ab. =- Der Teich iſt noH unweit Ragnit, aber es ſind keine Fiſche mehr darin, ſondern nur Fröſche und Kröten, und die Litthauer ſagen: das ſeie ſo, ſeitdem blos Chriſten im Lande wären. Duisburg, Chronik 111. Cap. 176. C. Schütz, histor. pag. 39. Lucas David, Th. 5. S. 5.

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28 22. Der Lohn der Gaſtfreundſchaft. Perkunos, der Gott des Donners, und Pikollos, der Gott der Unterwelt, zogen einſt, als Wanderer verkleidet, auf der Erde umher, um ſich zu überzeugen, ob das Feuer gehdrig bewacht werde. Da gelangten ſie auc< zur Woh- nung Semas oder Seminas, der Erdgöttin, von der ſie freundlich aufgenommen und gaſtfrei bewirthet wurden. Zum Lohn dafür gewährte ihr Perkunos unvergängliche Jugend, Pikollos aber ſchenkte ihr eine Anzahl heiliger Mädchen, -die des Nachts für ihre fleißigen und keuſchen Verehrer deren Arbeiten vollenden, Rheſa Prutena S. 474, 23. Sonne und Mond. Die alten Preußen erzählten: daß die Sonne an den Mond verheirathet geweſen ſeiz aus dieſer Ehe wären die evſten Sterne entſproſſen. Als aber der Mond ſeiner Gat»- tin ſpäter ungetreu ward und dem Morgenſterne ſeine Vers lobte entführte, ward er zur Strafe von dem Gotte des Donners, Perkunos, mit einem ſcharfen Schwerdte zerhauen. Die zwei Hälften, in die er geſpalten ward, ſind noc: in den beiden Mondsvierteln zu ſehen. - Stenders Celtiſche Sprachlehre S. 266. 24. Die Anbetung des Hammers. Zur Heidenzeit ward in einer Gegend Litthauens die Sonne und ein eiſerner Hammer von ungeheurer Größe heilig gehalten. Als Veranlaſſung berichteten die Einge- bornen Folgendes: Einſt habe man viele Monate hindurch die Sonne nicht geſehen, indem ein mächtiger König ſie in einem feſten Thurm in Verließ gehalten. Endlich hätten

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29 die Zeichen des Thierkreiſes ihr Hülfe gebracht, mit dem eiſernen Hammer die Pforte des Thurms, aufgeſprengt und ſo die befreite Sonne den Menſchen zurückgegeben. Wohl wäre das Werkzeug, durch das dieſe das Licht wieder er- halten hätten, der Anbetung würdig. Aeneas Sylvius Europa cap. 26. 25. Strafe der Liebloſigkeit. Die Litthauer berichteten folgende Urſache davon, daß das Pferd, ſelbſt auf der fetteſten Weide, ununterbrochen frißt, das Rind aber, bald geſättigt, mit Gemächlichkeit wiederkäut und die Verdauung abwartet. Zu der Zeit, als die Thiere noh reden konnten, wan- delte Perkunos einſt in der Geſtalt eines Reiſenden auf der Erde umher. Er traf zuerſt auf das ſtolze Pferd und bat dieſes, ihm den Weg nach einem Fluſſe zu. zeigen. Das Pferd antwortete jedoM hochmüthig: ich habe feine Zeit, dir den Weg zu zeigen, im muß freſſen. Jn der Nähe des Pferdes weidete aber ein Rind. Das hatte nicht alſo- bald das Begehr des Wanderers vernommen, als es ihm zurief: Komm, Fremdling, iM will Dir'den Weg nach dem Fluſſe zeigen. Da ſagte der Gott. zum Pferde: weil du des Freſſens wegen dir nicht Zeit nahmſt, mir einen Lie- besdienſt zu erweiſen, ſo ſollſt du zur Strafe nimmer ſatt werden; zum Ochſen aber: du gutmüäthiges Thier ſollſt gemächlich deinen Hunger ſtillen und dann der Ruhe pfle- gen können, weil du bereitwillig warſt, mir zu dienen. Die jetzigen Litthauer aber haben das auf den Hei- land bezogen, was ihre Altvordern von Perkunos dem Don- nergotte berichtet haben.

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30 26. Die Erfindung des Bratens. Die Art, wie die Menſchen das Fleiſch zu braten er- funden haben, erzählen die Litthauer folgendermaßen. Ein reicher Mann machte einſt eine Reiſe und verirrte ſiH. Er mußte die Nacht in einem unwirthbarem Walde zubringen und auch am folgenden Tage irrte er mehrere. Stunden wegelos umher. Endlich gelangte er an eine Höhle, die von einem Waldbruder bewohnt ward, der ſein Leben in ſtiller Beſchauung und im Dienſte der Götter zu- brachte. Der Einſiedler nahm den ermüdeten und hungri- gen Wanderer gaſtlich auf, und ſetzte ihm ſeine beſte Koſt vor, die aber, da ſie nur aus Wurzeln und Kräutern be- ſtand, dem Reiſenden wenig munden wollte. Der Wald- bruder, der dies wahrnahm, dachte darüber nach, wie er ſeinem Gaſte eine Speiſe bereiten könne, die deſſen Geſchymacke zuſage. Er hatte in ſeiner Höhle ein Kaninchen, und würde, ſo lieb ihm das Thier auch war, es gern dargebracht ha- ben, wenn ihm nicht ein Topf, es zu kochen, gefehlt hätte. Doh ſein Wunſch, den Wanderer gut zu bewirthen, machte ihn erfinderiſch; er ſchlachtete das Kaninchen und machte es vermittelſt eines, aus einem Baumaſte verfertigten Spieſ- 'ſes am Feuer gar. Der hungernde Reiſende fand dieſe Speiſe ſo lecker, daß er, heimgekehrt, ſim das Fleiſch auf ähnliche Weiſe bereiten ließ und auch ſeinen Freunden das neuerfündene Gericht mittheilte, die es, weil es auf der Ta- fel eines reichen Mannes ſtand, ſehr ſchmackhaft fanden und dieſe bis dahin ungekannte Zubereitungsart allenthal- ben anprieſen, wodurch denn bald der Braten das Haupt- gericht auf jeder gut beſetzten Tafel wurde.

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31. 27. Wie die Preußen zuerſt Chriſten geworden. Dazumal, als in Jeruſalem der heilige Geiſt ſichtbar- lich über die Apoſtel kam, waren daſelbſt auch etliche Leute aus dem Lande Preußen, die da hörten und glaubten. Dieſelben kamen hernach wieder zu Hauſe, brachten das . Evangelium mit und predigten es unter den Ihrigen, was auch vielen Segen brachte. Allein es hatte der Teufel da- mals noch viele Gewalt in dieſen Gegenden, und er wußte den Sinn der Leute zu verkehren, daß ſie bald zu ihren Götzen zurückkehrten. Erſt mehr als tauſend Jahre ſpä- ter konnte der <riſtlihe Glaube hier dauernd Wurzel faſſen. Stanislaus Lubiensky Vita epise. ploc. in proem. et in vita Marruli Sec. episc. Damalevicius. Vartes de vita episc. Wladis- lav. Cap. 1. pag. 46 eq. ' 28. Der heilige Adalbert in Preußen. Nachdem der heilige Adalbert die heidniſchen" Polen - in dem <riſtlihen Glauben beſtärkt, begab er ſich zu dem- ſelben gottſeligen Zwecke in das Land Preußen. Zuerſt predigte er das Wort Gottes in dem Culmiſchen Landez von da ging cr nach Pomeſanien. Als er nun über den Fluß Oſſa ſetzte und nicht ſoviel hatte, wovon er das Fähr- geld bezahlen könnte, ſo gab ihm Einer der Schiffer mit dem Ruder einen harten Schlag über den Kopf, daß er davon ſchwer erkrankte. Dieſes war ihm kein gutes Zei- <hen, und er mußte auch in der That bald unverrichteter Sachen aus Pomeſanien weiter ziehen. Er kam zuerſt nach Danzig, von dannen er naß Saamland reiſte. Hier fand er nicht weit davon, wo jeßt die Stadt Fiſchhauſen ſteht, die glorreiche Marterkrone; denn es überfielen ihn die heid-

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32 niſchen Pfaffen, welche ihm ſieben Wunden beibrachten, und ihn alſo jämmerlich erſchlugen. Als ſolches Boleslaus Gorvin, König in Polen, erfuhr, begehrte er den Körper des Heiligen von den heidniſchen Preußen. Dieſe wollten aber denſelben nicht anders herausgeben, es ſeie denn, daß. ihnen der König dafür ſo viel Gold gäbe, als der Leich- nam ſchwer ſein werde. Das war der fromme König zu- frieden; aber wie nun der Körper gewogen wurde, da ward er überaus leicht gefunden, und keines Pfundes ſc<wer. Eine andre Sage berichtet? daß alles Gold, welches der polniſche König geſendet, noh nicht einmal vermogt habe, die Schaale, auf welcher der Leichnam des Heiligen gelegen, von der Erde zu bewegen. Es hatten darauf die Abgeſandten ſchon alles Gold in die Waage geworfen, wel- <es ſie für ſim ſelbſt mit ſim führten. Aber auch dieſes war nicht genugz da kamen noch Preußen heran, ſo Adal- bert getauft hatte, und legten auch ihr Gold hinzu 3 aber auch dieſes reichte nicht aus, und man gab ſchon die Hoff- nung auf, daß man Gold -genug herbeiſchaffen könne, um den Körper aufzuwiegen. Da kam eine alte Frau dazu, die hatte nur zwei Pfennige in ihrem ganzen Vermögen, dieſe warf ſie in die Schaale zu dem Golde, und ſiehe, es flog jeßt auf einmal die andre Schaale ſo in die Höhe, daß man alle das Gold, was der Polen - König“ geſchickt, was die Geſandten dazu gelegt und was die bekehrten Preußen gebracht, wieder herausnehmen konnte und allein die zwei Pfennige der armen Frau den Leichnam des Heis- ligen genugſam aufwogen. Matth. a Michovia, Chron. Pol. Lib, Il. Cap. 8, Hartknoch, Preuß. Kirchen Hiſtorie S, 276, Simon Grunau, Tract, 4, Cap, 11.

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33 Eine andre Sage berichtet no< Folgendes über den Tod und Leichnam des heiligen Adalbert: Nachdem dieſen nehmlich die heidniſchen Preußen am Ufer der Oſtſee er- ſchlagen hatten, zerhaten ſie ſeinen Körper in unzählige Stüde und ließen die Stücke unbeerdigt am Ufer liegen, unter andern hieb ihm ein Preuße einen Finger ab, an welchem der Heilige einen goldenen Ring trug. Den Fin- ger warf er in das Meer, den Ring aber ſteckte er zu ſich. Denſelben Finger hat hernac< ein Sperber aufgenommen, und während er über dem Meere flog in das Waſſer fal- len laſſen, worauf ihn denn ein Hecht aufgeſchluket. Da geſchahe es nun, daß der Fiſch, wo er nun hingeſchwom- men, ein ſonderbares Licht von ſich gegeben, Als die Fi- ſcher dieſes Lichtes anſichtig wurden, haben ſie den Hecht gefangen und den Finger des Heiligen in ſeinem Bauche unverſehrt gefunden. Die Fiſcher waren Chriſten und ſie erkannten bald, daß der Finger einem heiligen Manne ges hdren müſſe; daher gingen ſie an das Ufer zu ſuchen, und ſie fanden die Leiche. Die zerhauenen Stücke hatten ſich aber wunderbarer Weiſe von ſelbſt ſchon wieder zuſammen- gefügt, ſo daß bloß der Finger noh an dem Körper fehlte. Denſelben ſetzten die Fiſcher nun an, und er wuchs ſchnell feſt, alſo daß der Körper wieder ganz wurde. Der Leib hatte ſchon ganzer dreißig Tage ſo gelegen, es hatte ihn aber ein Adler die Zeit über bewacht, und es hatte kein Vogel noch anderes Thier dazu kommen können. Wieder eine andre Sage berichtet, dem Heiligen ſei bloß das Haupt abgeſchlagen worden, ſonſt aber der Kör» per ganz geblieben. Da war nun der Leichnam von ſelbſt , aufgeſtanden und hatte ſein-Haupt in ſeine beiden Hände genommen und es ſo vor ſich hergetragen, zu der Kapelle, - in welcher der Heilige gewöhnlich die Meſſe geleſen hatte. Unterweges ſang das Haupt mit lauter, ſchöner Stimme 3

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34 allerlei geiſtliches Lieder. Von der Kapelle ging der Heilige weiter, 'von einem Orte zum andern, immer ſein Haupt vor ſich hertragend und fromme Lieder ſingend, bis er in die Gegend von Danzig kam, wo jet noch die Kirche des heiligen Adalbert ſteht; dort nahmen ihn die heidniſchen Preußen, um ihn ihren Göttern zu Romove zu opfern, Allein es kaufte ihn der Polen - König Boleslav, wie dies bereits vorhin gemeldet. Hartknoch a. O. Simon Grunau a. a. O. Anonym. chron. bohem. apud Menken script. Tom. m Pag: 1618. 29. Der heilige Bonifacius in Preußen. Als ein frommer Mönch Benedictiner -Ordens, Na- mens Bonifacius, vernommen, daß der heilige Adalbert von den heidniſchen Preußen erſchlagen ſei, da bekam er große Begierde, zu demſelben Volke zu gehen, um ihm von Neuem die Lehre Chriſti zu predigen. Er ging derohalben nach Rom, um ſich vom Papſte die Erlaubniß zu holen. Dort wurde er zum Erzbiſchof eingeweiht. Von dannen begad er ſich nach Preußen, ganz barfuß, in der ſtrengſten Kälte und unter großen Mühſeligkeiten. Er trug alles mit Ge- duld und predigte mit vielem Eifer und Erfolge. Eines Tages trug es ſich zu, daß er zu einem mächtigen Fürſten des Landes kam. Demſelben predigte er ebenfalls das Wott des Herrn; der Fürſt aber, als er des Bonifacius ſchlechte Kleidung betrachtete, wollte mit ſolch einem elend ausſehenden Menſchen nichts zu ſchaffen haben. Dar- auf ging Bonifacius in ſeine Herberge, zog ſeinen biſchöfli- '<en Ornat an und trat alſo wieder vor den Fürſten; die- ſer ließ ihn jet vor ſich kommen und ſprac< zu ihm: Wenn du willſt, daß wir dir glauben, ſo mußt du mitten

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35 durc< das Feuer gehen und unverletzt bleiben. Das ſagte ihm Bonifacius mit Freuden zu. Es ließ darauf der Fürſt zwei große Haufen Holz dicht neben einander ſetzen ; die ließ er anzünden, und als beide lichterloh brannten, da war es, als wenn ſie nur eine einzige große Flamme „ausmach- ten. Durch dieſes Feuer ſollte der Heilige gehen; der war aber unerſchroen und freudig in Gott; er hob an zu be- ten, beſprengte ſich mit Weihwaſſer und beräucherte das Feuer mit Weihrauch, dann ging er durch daſſelbe, mitten durch, getroſt und unverleßt, daß auch nicht ein Härchen auf ſeinem Haupte war angeſengt worden. Als dieſes der Fürſt geſehen, iſt er mit allen den Seinigen dem heiligen Manne zu Füßen gefallen und hat ihn um Berzeihung ge- beten, und alle ließen ſie ſich taufen. Der Fürſt hatte no< zwei Brüder, welche bei ihrem heidniſchen Götzendienſte verblieben. Bonifacius ſuchte dero» halben auch ſie zu- bekehren. Allein der Eine von ihnen ließ ihn gefänglich einziehen, und ihm in Gegenwart einer großen Menge Volks den Kopf abſchlagen. Allein von Stund an ward dieſer Fürſt blind, und Alle, ſo dabei ſtan- den, erſtarrten alſo, daß ſich Niemand von der Stelle be- wegen konnte. Sie wurden auch nicht eher wieder geſund, als bis der bekehrte Bruder kam, und für ſie betete, und ſie ſic) nun Alle zum <riſtlihen Glauben bekehrten. Die- ſes -iſt geſchehen im Jahre Ein Tauſend, und in der Pro- vinz Litthauen. Wie Andre erzählen, ſoll dieſer fromme Mann nicht Bonifacius, ſondern Bruno von Querfurth geweſen ſein. Petrus Damiani in vita S. Romualdi. Hartknoch, Preuß. Kirchen - Hiſtorie. 30. Heiligenbeil. Nächſt der Eiche zu Romove war die heiligſte Eiche im Lande die, welche da ſtand, wo jeßt das Städtlein Hei- 3*

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36 ligenbeil liegt. Waidewuttis ſelbſt, der erſte König der Preußen, hatte ſie geheiligt; ſie war ſo groß wie die Eiche zu Romove, und gleich dieſer grünte ſie im Winter wie im Sommer. Unter ihr hatte ſeine Wohnung und wurde verehrt Gorcho, ein Gott des Cſſens und des Trinkens. Sein Bildniß wurde alle Jahre zerbrochen, und nachdem die Früchte eingeſammelt waren, wieder neu gemacht, ſo wie er auch nach verrichteter Ernte abſonderlich verehret wurde. Solche Abgötterei dauerte bis zu den Zeiten des Ermeländiſchen Biſchofs Anſelmus. Dieſer begab ſich an den Ort der Eiche und predigte wider dieſelbe, und ver- mahnte die. Leute, von ihrem Götendienſte abzuſtehen und die Eiche umzuhauen. Er richtete jedo<M nichts damit aus, und nun befahl er einem Chriſten, den er mitgebracht hatte, den Baum umzuhauen. Als der aber den erſten Hcb thun wollte, ſc<lug das Beil um, und verwundete den Chriſten, daß er auf der Stelle ſtarb. Da entſtand ein großes Froh- locken bei den Preußen, welche dieſes Ereigniß als eine Strafe ihrer Götter anſahen, und die Chriſten, die Anſel- mus mitgebracht hatte, entſetzten ſich ſehr und wollte fei- ner mehr Hand an die Eiche legen. Wie dieſes der fromme Biſchof ſah, wurde er im Geiſte entzündet, und er ſelber nahm eine Axt zur Hand, ging mit großem Eifer an die Eiche, und hieb getroſt hinein; und es geſchah ihm fein Leides, ſo lange er auch hieb, denn der Satan und ſeine Gdtzenbilder hatten keine Gewalt über den heiligen Mann. Darauf befahl er, Feuer herbei zu tragen, und er ver- brannte die Eiche mit ſammt dem Götzen, weil es zu lange gedauert hätte, ſie vollends umzuhauen. Nachher ließ der Biſchof an dem Orte eine Stadt bauen, und in der Kirche derſelben das Beil aufbewahren, womit die Eiche umge- hauen. Die Stadt nannte er Heiligenbeil. Das Beil ſelbſt iſt niht mehr zu ſehen, aber die Stadt führt noch jett

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37 in ihrem Wappen ein Beil zum Andenken an das Er- eigniß. Cagpar S<üß, hist. pag. 4. Henneberger, Erklärung S. 456. Lucas David 1. S. 83. Nach einer andern Sage hat Heiligenbeil Namen und Wappen davon, daß das Beil, mit welchem der heilige Adalbert getödtet worden, über das Haff und an der Stelle, wo nachher die Stadt erbaut ward, ans Land ien men iſt. Simon Grunau tractat, 9. Leo histor. Pruss, pag. 45. 31. Thorn. Eine vierte heilige Eiche ſtand an der Stätte, wo nachher die Stadt Thorn erbauet wurde. Sie war von un- glaubliher Größe, und wurden viele Götter der alten heid- niſchen Preußen darin verehrt. Herrmann von Balke, der erſte Landmeiſter in Preußen, fand ſie, als er in das Land kamz er eroberte ſie nach vielem Widerſtande der Preußen, und weil ſie ſo gar groß war, ſo ließ er ſie befeſtigen, daß ſie ihm anſtatt eines Thurmes und einer Feſtung wider die Preußen diente, welche unaufhörlich verſuchten, ſie wieder zu erobern. Er nannte ſie auch ſeinen Thurm. Hernach wurde um dieſe Feſtung herum eine Stadt gebauet, welche ebenfalls Thurm oder Thorn genannt wurde. Dies iſt aber nicht die jezige Stadt Thorn; denn jene Stadt wurde alljährlich überſchwemmt, und wurde daher die Stadt eine Meile weiter verſetzt, da,. wo noch jett die große und ſchöne Stadt Thorn ſteht. Die Rudera des alten Thorn findet man noch in der Erde. Die Sage geht | im Volke, daß es dort nicht richtig ſei, und von der Mit-

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38 ternacht bis zum Hahngeſchrei naht man nicht gern dem, gefährlichen Orte. Duisburg Chron. P. DIL C. 1. pag. 64. "Lucas David I1. pag. 46. Hartknoc<h, Alt - und Neupreußen, S. 365. 832. Der getreue Mao. Zur Zeit, als der deutſ<e Orden zuerſt nach Preußen kam, wohnte im Lande Pomeſanien ein vornehmer Häupt- ling, Pipin, der den Brüdern lange vielen Schaden zu- fügte, zuletzt aber durc< Verrath ſeines Schwähers, des Hauptmanns auf Rogau, in deren Hand fiel und jämmer- li<en Todes ſtarb. Der Sohn dieſes Pipin, Mako, wandte ſich zur <hriſtlichen Lehre und ließ ſich taufen. Der Teu- fel war aber über dieſen Abfall ſo erboßt, daß er ihm, gleich nachdem die Taufhandlung geſchehen, erſchien und ihn er- würgen wollte. Da ward dem Neubekehrten plötliM von unſichtbarer Hand ein Kreuz dargereicht, vor dem der Teufel alsbald zurüfwich, ſo daß er ihm nichts anhaben konnte. Dies Kreuz zeigte Macko hernach ſeinen Freun- den und erwgrb ſo viele Anhänger dem Orden und dem Hriſtlichen Glauben. Er ſelbſt aber blieb beiden ſtets hold und getreu, ſo daß, als im Kriege wider Swantopolk, den Pommernherzog, alle andern pomeſaniſchen Häuptlinge von den Brüdern abfielen, er allein dieſe nicht verließ und ih- nen durch ſeine männlichen Thaten eine ſonderliche Stütze im Lande ward, auch bei ſeinem Tode ihnen alle ſeine Gü- ter zueignete. I L. Davids Chronik. Th. 111. S. 18. 33. Das Teufelsopfer. Unter dem Landmeiſter Herrmann Balke ſind die Preußen, welche bereits die <riſtlihe Religion angenommen

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39 hatten, in ihren Götzendienſt zurückgefallen: Jhre Götter aber waren ihnen nicht gleich wieder gnädig, weil das Volk ihnen war abgefallen geweſen, ſondern ließen ſie ihren ſc<weren Zorn empfinden, alſo daß beſonders die Weiber ihre neugebornen Kinder den Göttern zu Ehren verzehren mußten. Um ſol<em Jammer endlich zu entgehen, bega- ben die Prieſter ſich an die heilige Eiche zu Romove und fragten dort die Götter, wie doh ihr Zorn möge abgewen- det werden. Und ſie erhielten zur Antwort: die Götter könnten nur dann verſöhnt werden, wenn ein <riſtliches Weib von deutſcher Art und Zunge, und welches hoch- ſchwanger, ſich frei- und gutwillig für ſie verbrennen licße. Als dies das Volk hörte, jammerte es ſehr, denn es ver- zweifelte, ein ſolches Weib zu finden. Doch verſuchten ſie es, und ließen es an keinem Golde und Koſten fehlen, und zuletzt fanden ſie wirklich ein armes, elendes Weib, welche aller Sünden und Laſter voll war. Die ließ ſich erkaufen durch vieles Gold, das verpraßte und verſchlemmte ſie zuerſt mit ihren “Schandbuben und ließ dann freiwillig den Göttern, oder vielmehr dem Teufel zum Opfer ſich ver- brennen. “ 34. Verherrlichung des deutſchen Ordens. Auf dem Schloſſe Rheden war ein Ordensbruder, ge- nannt Cunibert von Dagken. Dieſer hatte einen Kummer, ob die Brüder auch zu Gott kämen, dieweil ſie ſo gern Menſchenblut vergöſſen, und die Regeln ſeines Ordens min- der ſtreng wären, als die anderer, und er beſchloß darum, in einen von dieſen überzutreten. Darüber fiel ex in eine Berzückung, und da war es ihm, als wenn ex ſich im Him- mel befände, und dort von allen geiſtlichen Orden welche ſähe, aber niemand von den Seinen. Er ward darüber

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40 tief betrübt. Da kam ein Engel zu ihm und fragte ihn, weshalb er weine, und als er es erzählt, führte ihn ſelbi- ger zur Jungfrau Maria, die ein großes weißes Velum anhatte, und um die herum die Brüder des deutſchen Hau- ſes ſtanden. Sie aber ſprach zu ihm: wenn auch die Re- geln deines Ordens minder ſtreng ſind, wie die der andern, ſo iſt er doch um nichts geringer; und indem ſie die Män- tel der Einzelnen aufhob, zeigte ſie ihm die Wunden, mit welchen ſie von den Heiden getödtet waren. Dann ſprach ſie weiter: erkennſt du nun, daß dieſe deine Brüder für den Namen Jeſu Chriſti gelitten haben? Bei dieſen Wor- ten entſchwand das Geſicht. Der Bruder aber ſtellte ſich am nächſten Morgen im Kapitel dar, und bekannte, welche Vorſätze er gehegt, wie herrlich jedoch der Orden vor ſei- nen Augen verklärt worden wäre. Nicht lange darnach ward auch ihm in einer Schlacht gegen die heidniſchen Preußen die Märtyrer - Krone zu Theit. Duisburg Chronic. P. II. c. 42. p. 95. Sim. Grunau's Chron. Tract, X. Cap. 1. S. 4. 35. Die Jungfrau Maria auf der Wahlſtadt. Als nach der Schlacht am See Rondſen, wo Herzog Swantepolk die Ordensbrüder ſo aufs Haupt geſchlagen, daß ihrer nur zehn entkommen waren, ein Weib mit den übrigen Bürgern der Stadt Culm zur Beerdigung der Todten nach dex Wahlſtadt ſic begaben, fand ſie ihren Ehegatten noch halb lebend. Doch wollte ihr ſelbiger nicht zur Stadt folgen. Als ſie darüber verwundert war und ihn ſchalt, erzählte er, wie die Jungfrau Maria an ſelbi- gem Tage unter Vorgang von zwei, brennende Kerzen tra- genden Jungfrauen, mit einem Rauchfaſſe in der Hand gekommen wäre, und ſolches über jeden Gebliebenen ge- ſc<wenkt, als ſie aber an ihn gelangt und ihn noch lebend

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41 gefunden, geſagt habe: am dritten Tage wirſt du ſterben, aber freue dich, denn deine Seele .wird mit den Seelen der übrigen Erſchlagenen zur ewigen Freude eingehen. Und' in , die Stadt Culm gelangt, ſtarb der Mann am dritten Tage, wie er es voraus verkündigt hatte. Duisburg Chronie. P. II. ce. 44. | 36. Die Bekehrung der Poggeſaner. Bald nachdem der Orden die Burg zu Elbing gebaut hatte, war ſie wegen ihrer Feſtigkeit den benachbarten Pog- geſanern ſchr zum Verdruß, Sie zogen daher mit ſtarker Heeresmacht vor dieſelbe, um ſie zu zerſtören. Dieſes wollte ihnen aber nicht gelingen. Daher raubten und plünderten ſie in der ganzen Gegend, ſo viel ſie nur konnten. Wie ſie nun, mit Raub beladen, ſich auf den Zurückweg mach- ten, da dachten die Ritter in der Burg, obgleich ihrer nur Wenige waren, die Räuber würden mit ſo vielerlei geraub- ten Sachen beladen, ſich ihnen nicht ſo recht zur Wehre ſetzen können, ſie machten ſich daher auf und verfolgten ſie. = Da geſchah" ein großes Wunderz denn den Heiden war es auf einmal, als ob ein unzählbar großes Heer ge- | gen ſie anrücke, ſo daß ihnen jeder der Ordensbrüder wes nigſtens wie zehn vorkamen, und ſie ließen eilends ihren Raub im Stiche und liefen davon. Als ſie aber nachher gewahr wurden, wie wenige ihrer Verfolger geweſen, da erkannten ſie, daß Gott es mit den Brüdern des Ordens halte, und ſie boten dieſen Frieden an, unterwarfen ſich ih- nen, und wurden alſo Chriſten. Leo Histor. Pruss. p. 104. 37. Die Unterwerfung der Samländer. Als die Kreuzfahrer nach ihrer Ankunft in Preußen ſchon ſo weit gekommen waren, daß ſie das feſte Schloß

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42 Balge erbauet, haben die benachbarten Samländer, um zu ſehen, was ſie an ſolchen Nachbarn haben, Einen von ih- ren Aelteſten .na< Balge zu den deutſchen Brüdern ge? ſchicket, welcher unter dem Schein eines Geſandten ſollte auf deren Thun und Treiben und Sitten genaue Achtung geben. Die Brüder haben denſelben Geſandten auch freund- lich empfangen und ihn ihre Eßſtuben, Schlaffammern und- Küche ſehen laſſen. Da dieſer nun ſich alles deſſen, was ihm von ſeinen Landsleuten mitgegeben war, recht erkundi- get zu haben vermeinet, kehret er wieder nach Hauſe und ſpricht zu ſeinen Landsleuten dieſes: „die deutſchen Brüder haben etwas im Gebrauche, das uns den Hals brechen wird. Sie ſtehen alle Nacht aus ihrem Bette auf und kommen in ihrem Bethauſe zuſammen, darin ſie ihrem Gotte Ehre erweiſen, welches wir niht thun, Sie eſſen 'auc< Gras (er hatte ſie Salat eſſen ſehen), wie das un- vernünftige Viech. Wer könnte ihnen widerſtehen, die in den Wildniſſen ohne Mühe ihre Speiſe finden können.“ Als ſolches die Samländer gehöret, haben ſie beſchloſſen, ſich freiwillig dem Orden zu unterwerfen. Duisburg, Chronc. Par. III. cap. 69. Luc. David, Bd. 1V. S. 1-3. Leo, Histor. Pruss. p. 404. Henneberger, S. 413. 38. Die Bekehrung der Samländer. Den Göttern der -alten “Preußen waren alle Thiere verhaßt, welche eine weiße Farbe hatten, daher hielten, wie es auch jet noch in manchen- Gegenden Preußens der - Brauch iſt, die alten Preußen auf ihren Höfen kein weißes Vieh. Nun trug es ſich zu, daß, nachdem der deutſche Orden Samland ſich unterworfen hatte, daſelbſten ein

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43 Vogt war, geheißen Thammin von Gersleben. Derſelbe war nicht anders gewohnt, als einen weißen Gaul zu rei- ten. Dieſer reitet nun eines Tages nach Geilgarben, wo der preußiſ<e Fürſt Dorgo wohnte, mit dem er große Freundſchaft Hielt, und den er zu beſuchen kam. Er kam dort gegen Abend an, und blieb die Nacht zu Gaſte. Dorgo gerieth zwar in Sorge ob des weißen Pferdes, allein er ließ ſid nichts davon merken. Am andern Morgen jedoch wurde, der weiße Gaul des Vogts todt im Stalle gefun- den. Da ſprach Dorgo zum Herrn Vogt: der Unfall thut mir ſehr leid, denn du biſt zu mir in aller Freundſchaft gekommen, mein lieber Gaſt; darum nimm meinen beſten Gaul für den deinigen! J< bitte auch, daß du deinen Freund oft wolleſt beſuchen, aber daß du kein weißes Pferd mitbringeſt, denn meine Götter laſſen es hier nicht leben- dig bleiben. Nach einiger Zeit kam der Vogt wieder zum Dorgo, und ob aus Vergeſſenheit 'oder mit feſtem Fleiß, wiederum auf einem weißen Pferde. Auch dieſes wurde am andern Morgen todt im Stalle gefunden. Dorgo beklagte den Un- fall wiederum ſehr, der Vogt aber erwiederte ihm: Jc< ſage dir, wo es zum drittenmale geſchieht, werde im an deine Götter glauben. Dem entgegnete Dorgo: Und ich verſpreche dir, ſo du zum dritten Male ein weißes Pferd zu mir bringſt, und meine Götter laſſen es am Leben, ſo will ich an deinen Gott und Jeſum Chriſtum glauben, und mich taufen laſſen! =- Da nun dreizehn Wochen vergan- gen waren, reitet der Vogt wiederum auf einem weißen Roſſe zum Dorgo. Er hatte aber ſeinen Dienern befohlen, den Sattel nicht von dem Gaule zu nehmen; an den Sat- tel hatte er ein Kreuz gehangen. Wie nun in der Nacht Herren und Knechte waren zur Ruhe gegangen, da erhob ſich im Stalle ein groß Gerumpel und Getümmel, daß alle -

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44 davon erwachten, und es war nicht anders, als wenn das ganze Schloß ſollte über den Haufen geworfen werden. Wie man aber am andern Morgen aufſtand, da war das weiße Pferd ganz friſch und geſund. Da zeigte der Vogt dem Dorgo das Kreuz, welches am Sattel hing, und Dorgo glaubte von Stund" an an Chriſtum, und ließ ſich taufen mit all? ſeinem Volk. Alſo ſind die Samländer Chriſten geworden. Duisburg Chronic. Par. II. c. 2. Simon Grunau, Par. 11. c. b. fol. 39. Der Sturm auf Rheden. In dem Kriege, den die heidniſchen Sudauer wider die Ordensbrüder führten, machten ſie. einſt einen Zug ge- gen Rehden. An einem Sonnabende Morgens, während der Frühmette, langten ſie vor dem Schloſſe an und bes gannen auch alsbald den Sturm. Da nun aber die Brü- der und die Knechte, welche ſich auf der Burg befanden, gerade ſämmtli< in der Kirche waren und das Salve gancta parens zu Ehren der Gebenedeiten ſangen, ſo nah- men ſie von dem Feinde nichts wahr. Statt ihrer erſchie- nen jedo< auf den Wehren himmliſche Männer, die mit feurigen Pfeilen auf den Feind ſchoſſen und ſo eine ganze Stunde hindur< das Schloß ſchirmten, bis der Gottes- dienſt beendigt war und die Brüder nun ſelbſt den Kampf fortſetzen konnten. Luc. David Th. IV. S. 4118; vergl. auch Th. V1. S. 68, wo der« ſelbe Vorfall bei dem Angriff der Litthauer unter Switvigail auf die Ordensburg Gotteswerder berichtet wird. 40. Der leichte Sieg. Da einſt ein mächtiges Heer der heidniſchen Pogge- ſanen die Ordensbrüder aus Elbing mit wenigem Volke

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, 45 verfolgte, und es ſchon zum Treffen kommen ſollte, ergrif- fen Erſtere plößlich alle die Flucht bis auf Einen, der ge- fangen ward. Als dieſer ſo wenige Kämpfer in dem Heere der Brüder . ſahe, ſo fragte er: wo denn die übrigen wä- ren? und als ihm geſagt ward: mehrere wären nicht, ſo erzählte er: daß ſie das ganze Feld voll von bewaffneten Männern geſehen, die an Bekleidung und Rüſtung den Brüdern ganz gleich geweſen wären, weshalb ſich die Preuſ- ſen denn auch in die Flucht begeben, was die übrigen Pog- geſanen, die im Heere ſich befunden, nach ihrer Bekehrung denn auch gleichfalls öffentlich bekannten. Duisburg Chronic. P. II. c. 17. 41. Die Teufelsplage. Als im Jahre 1247 die Pomeſanen wieder vom Or- den und dem <riſtlihen Glauben abgefallen, wurden ſi zwar von dem Landmeiſter Heinricd von Weida in einer gewaltigen Niederlage, in der, wie Einige ſchreiben, an elf- tauſend von ihnen umgekommen, niedergeworfen, der Him- mel glaubte aber, daß ſie hierdur< noc< nicht hinlänglich gezüchtigt ſein möchten, und ſendete ihnen daher noch eine ſonderliche Plage. Denn es ſtellten ſich bei ihnen die Gei- ſter, wel<e Succubi oder Incubi ſonſt genannt werden, ein, maßten ſich ihrer ehelichen Lagerſtätten an, und hiel- ten mit ihren Weibern zu, darüber denn manche von den Pomeſanen, da ſie den Geiſtern nichts anhaben mochten, ſchier unſinnig wurden und ihre Weiber ſelbſt ermordeten. Darauf nahmen die Teufel ſogar menſchliche Geſtalt an, gingen umher, warfen dieſen ins Feuer, jenen ins Waſſer, etliche aber hingen ſie an die Bäume in den Wäldern und hielten hin und wieder gar ſchre>lih Haus. Jn dieſer Noth traten die Preußen zuſammen und gingen ihren ober- ſten Prieſter, den Kriwaiten an, daß er die Götter darum

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46 frage: wie ſie der Unholde ledig werden möchten. Dieſer aber antwortete: die Plage käme von ihren eigenen Göt- tern her, darum, daß ſie ihrer Vorfahren Satzung und Glauben treulos geworden, und einen andern Gott ange- nommen, und dieſelbe würde auc< nicht eher aufhören, als bis ſie zu ihren alten Göttern ganz zurückgekehrt wären. Die Leute aber glaubten den trüglichhen Worten des Prie- ſters und verſchwuren ſich mit einander, ſie wollten ſich eher alle erwürgen laſſen, denn fürderhin einen andern Gott an- nehmen, und die neuen Herren ſammt ihrem Gotte mit Hülfe der alten Götter ganz aus dem Lande treiben, auch keinen Chriſten, deſſen ſie mächtig würden, leben laſſen. Da nun aber den Chriſten der Sieg beſchieden war, ſo hatte jenes Geldbniß der Heiden den Ausgang, 'daß ſie ſelbſt zuleßt ſammt und ſonders vertilgt wurden. “ Tasp. Sc<hügß, Historia fol, 25. A2. Sagen von Schwentipol. Zur Zeit, als der fünfte Hochmeiſter des deutſchen Ordens regierte, der Landgraf Conrad von Heſſen, im Jahre 4247, lebte Schwentipol, ein Herzog in Pommern und Caſſuben. Er war ſelbſt ein Chriſt und hatte es anfangs mit den deutſchen Brüdern gehalten. Aber er war im Grunde verboßten und nicht gut <hriſtlichen Sinnes, dabei von großer Vermeſſenheit, falſch und behenden Betruges, Er fiel derohalben von dem Orden ab, machte heimlich Freundſchaft mit den Preußen, und ſuchte den Orden und die Chriſten wieder aus dem Lande zu vertreiben. Er be- feſtigte zuvor alle ſeine Burgen an der Weichſel, dann zog er- in das Land des Ordens, dem er überall und vielen Schaden that. Er tödtete die Chriſten, wo er konnte, und ging beſonders mit dem Orden auf eine gar grauſame Weiſe um. Aber einige Male wurde er dennoch angeführt,

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47 insbeſondere einmal dur; Weiber, und das andere Mal durch ſich ſelbſten. Eines Tages nämlich war er mit großem Kriegsvolke vor die Stadt Culm gerücket, ſelbige zu belagern. Weil er aber zum Sturme nicht gefaßt war, ſo ſahe er wohl ein, daß er die Stadt nur durch Liſt bekommen würde. Er 303 ſich daher von der Stadt zurück, und verſteckte ſein Volk hinter einem Moraſte, Ronſen genannt, hoffend, -die Belagerten herauszulocken ; hierin betrog er ſich auch nicht, die“ belagerten Ordensbrüder glaubten wirklich, Schwentipol fei ganz von dannen gezogen, und verließen die Stadt bis auf .wenige Mann, um neuen Proviant zu holen. Sie fie- len aber dem Schwentipol in die Hände, der ſie Alle er- ſchlug. Dieſer glaubte jekt, die Stadt 'gelzöre ihm, denn es fei kein Mann mehr darin, ſie zu vertheidigen. Aber Einer von den Belagerten war in die Stadt zurücgelau- fen, und hatte Kunde gegeben von dem Unfalle der Brü- der. Da thaten ſich alle Weiber und Jungfrauen zuſam- men, die in der Stadt Culm waren, und zogen der Män- ner Kleider und Rüſtungen an und ſtellten ſich alſo muth- voll auf die Mauern. Als das Schwentipol ſah, verwun- derte er ſich, daß noch ſo viele Männer in der Stadt ſeien, er verzweifelte, dieſe in ſeine Gewalt zu bekommen, und er zog von den Mauern ſich zurück, durch die Liſt der Wei- ber beſieget. Noc< heutiges Tages ſind die Frauen und Jungfrauen in Culm wegen ihrer Liſt und ihres Muthes wohlberühmt. Ein andermal betrog Schwentipol ſich ſelbſten. Er hatte ſich im Pomeſaniſchen an einem luſtigen Orte, nicht weit von der Weichſel gelagert, und war fröhlich und gu- ter Dinge. Dazumalen war unter ſeinen Gefährten ein Hofmann, der ſich ſehr vor den deutſchen Rittern fürchtete, ſo daß Schwentipol ihn ſchon öfters mit ſolcher Furcht

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48 aufgezogen hatte. Auch dieſesmal wollte er ſeinen Scherz mit ihm treiben. Als er daher befohlen hatte, die Mittags- tafel anzurichten, ſchite er, um über Mahlzeit etwas zu lachen zu haben, ſeinen Diener heimlich fort, mit dem Be- fehle, wenn er bemerken werde, daß ſie ſchon bei Tiſche ſeien, ſo ſolle er mit Schrecken gelaufen kommen, und ſchreien, daß die Kreuzherren im Anzuge ſeien. Den An- deren aber ſagte er, was er vorhabe, und wie er ſolchen Boten abgeſchi>t habe. Deſſelben Tages aber waren die Kreuzherren wirklich gekommen, um Schwentipol zu über- fallen, den ſie ihrer nicht zu warten wähnten. Als nun dieſer mit den Seinigen kaum angefangen hatte zu eſſen, da kam der Diener, der die Ritter geſehen hatte, mit großem Schre>en und Schreien gelaufen, die Kreuzfahrer ſeien da und folgen ißm auf den Fuße, ein Jeder möge ſi retten wie er könne. Als dieſes der furchtſame Hof- mann hörte, ſprang er eilends hinter dem Tiſche weg und lief dem nächſten Buſche zu, rettete auch damit ſein Le- ben; Schwentipol und die Anderen aber lachten ſeiner, und jemehr der Diener ſchrie, die Ritter ſeien da, deſto mehr lachten ſie, bis ſie auf einmal das Ordensvolk ganz nahe bei ihnen ſahen. Da verkehrte ſim ihr Lachen in Angſt, und ſie wollten davon laufen, allein die Ritter erſchlugen . ſie alle, bis auf Schwentipol und einen Gefährten, welche beide behende der Weichſel zuliefen, ſich hinein warfen, und ſi< dur; Schwimmen retteten. Casp, Schüß, historio, f. 22 f. 23. Duisburg, Chronic. P. III. c. 47 8qg. 43. Die muthige Culmerin. Wir haben geſagt, die Frauen und Jungfrauen zu Culm ſeien wegen ihres Muthes wohlberühmt, Hier iſt ein anderes Beiſpiel davon: Zu einer Zeit zogen die heid-

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49 niſc<en Sudauen gen Culm, um es zu belagern. Auf dem- Wege dahin pländerten und raubten ſie ſtark. Als ſie nun plößlich nahe vor Culm kamen, da gewahrte ein ſehr großer und ſtarker Sudaue eine Frau aus Culm, die in einen na-- hen Bruch flächtete. Der Sudaue eilte ihr nach und holte ſie bald ein. Wie nun die Frau ſah, daß ſie ihm nicht mehr entlaufen könne, drehet ſie ſich auf einmal um und gab dem Sudauer ſo hart ſie konnte, einen Stoß auf die Bruſt, wovon er rücklings in den dort befindlichen Moraſt fiel; darauf warf ſie ſich auf ihn, und drückte ihm mit al- ler Macht den Kopf in den Moraſt, daß er erſticken ſolle. Der grimmige Sudaue wehrte ſich heftig, faßte auch mit ſeinen Zähnen ihren Daumen und biß daran, aber die Frau ließ ihn nicht los, und drückte ihn immex tiefer, bis er erſtifen mußte, obgleich er den Daumen ihr abbiß. Darauf entkam ſie glücklich nach Culm. Duisburg Chron. P. III. c. 4157. Henneberger Erkl. S. 56. Leo hist. Pruss. S,. 112. Luc. David, Th. IV. S. 118. 44. Die Hülfe der heiligen Barbara. Unweit der Stadt Schwetz an der Weichſel ſteht ein Dorf Namens Sartowit. Dort hatte vor vielen hundert Jahren, nämlich im Jahre 1245, der Pommern - Herzog Schwentipol ſein feſteſtes und beſtes Schloß, welches er mit ſtarker Mannſchaft beſetzt hielt, und aus welchem dem Orden viel Schaden geſchah. Jn dem gedachten Jahre am Sanct Barbara- Tage rückte vor dieſes Schloß der Mar- ſchall Diedrich von Bernheim; er nahm bloß mit ſiH vier andre Brüder des Ordens und 24 Knechte. Er nahmnur ſo wenige Mannſchaft mit, weil im Geiſte ihm die heilige Barbara erſchienen war, und ihn alſo geheißen hatte. N 4 '

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50 Es war Mitternacht, als er in aller Stille vor dem Schloſſe ankam: ohne alles Geräuſch wurden die Leitern angeſeßt und die Mauern erſtiegen. Die in dem Schloſſe wurden hiervon nichts gewahr, als bis ſie ſchon unter den Streichen ihrer Feinde fielen. Die Sieger machten andert- halbhundert Frauen und Jungfrauen zu Gefangenen, dar- auf wurde die ganze Burg nach Schäßen durchſucht, und dabei kam man an ein großes Gewölbe, welches ſehr feſt mit eiſernen Schlöſſern und Riegeln verwahrt war. Darin glaubten ſie gar viele Schätze zu finden. -- Sie fanden aber darin nur ein ſilbernes Käſtchen, welches einen gar wundervdllen Schein in dem dunkeln Gewölbe von ſich gab. Wie ſie das öffneten, da fanden ſie darin das Haupt der * Heiligen Barbara und einen Zettel, der dies beſagte; da erkannten die Brüder, wem ſie ihren wunderbaren Sieg zu verdanken hatten. Und ſie trugen das Haupt in die Schloß- kirche zu Culm, von wo es nachher gen Marienburg und von da nach Danzig kam.' Dieſes Haupt hatte vorher der Papſt Jnnocentius IV. dem Könige von Dänemark zum Geſchenk beſtimmt, und er ſchickte es dieſem durch einen gelehrten Mann, Sedcnſa, den er zum Legaten in Däne- mark ernannt hatte. Dieſer aber, als er nach Pommern kam, wurde er von Schwentipol überfallen, der ihm alles, und auch das Haupt der Heiligen raubte. Schwentipol ſchickte daſſelbe na Sartowiß, aber die Heilige wollte nicht länger dort im Gewölbe liegen, und daher hatte ſie den Marſchall Diedrich von Bernheim zu ihrem Befreier auserkoren. Duisburg Chronic. P. II. c. 36. Sim. Grunau Tract. VUL. c. 4. ' Henneberger Erkl. S. 419. Leo hist. Pruss. p. 80. Luc. David, Th. 111. S. 52 fgg.

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51 45. Das ſegnende Crucifix. Auf dem Hauſe Chriſtburg ſaß zur Zeit Poppo's von Oſterna des Hochmeiſters, ein Comthur, Heinrich von Stan- gen, von großer Frömmigkeit. Als dieſer einſt in der Burg- kapelle vor dem Altare knieend, ſein Gebet verrichtete, bat er Gott, daß er ihm ein Zeichen: gäbe: ob er ſeiner Gnade theilhaftig worden ſei. Siehe, da breitete das hölzerne Crucifix, vor dem er lag, ſeine Arme aus und ſegnete ihn mit dem Zeichen des Kreuzes, zum Beweiſe, daß ſeine Bitte gewährt ſei. Bruder Heinrich, der Burgkaplan, der da- mals gerade ſelbſt ſein Gebet ſprechend, verborgen in ei- nem Winkel der Kapelle ſtand, ſaß dies und hat es nach- her kund gethan. Duisburg Chronic. P. II. c. 68. AG6. Der St.. Marienritter. Zu derſelbigen Zeit befand ſich in dem Convente zu Königsberg Bruder Hermann, der Saracene genannt, ein ſchwäbiſcher Ritter, der die Jungfrau Maria ſo hoch hielt, daß ex Niemandem, was ſelbiger um ihretwillen bat, ver- ſagte. Als er, um in den Orden zu treten, gen Marburg 309g, traf er unterweges an einem Orte ein prächtiges Tur- nier, bei dem ein Ritter durch den Herold männiglich her? ausfordern ließ, um den Preis der Waffen und des Roſſes zu Ehren ſeiner Dame mit ihm eine Lanze zu brechen. Da Niemand ſonſt es wagen wollte, ſo trat Hermann in die Schranken. Aber die Dame, welche er meinte, war die Gebenedeite, und mit deren Hülfe "warf er denn auch den Gegner beim erſten Anlauf ohne Mühe nieder. Schwert und Rüſtung, ſo er gewonnen, ſchenkte er den Armen. , . Als Bruder Hermann ſchon das Ordenskleid empfan- 4*

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52 gen hatte, und ſeine Frömmigkeit no< wunderbar ſtetig zunahm, da zeigte ſich ihm oft die Jungfrau und hielt mit ihm Zwiegeſpräch. Einſtmals erſchien ſie ihm mit unge- wöhnlich trüben Antliß, und als nun Br. Hermann nach der Urſache forſchte, antwortete ſie ihm: „Das bekümmert mich, daß meine geliebten Sdhne, deine Brüder vom deut- ſchen Hauſe, die bei ihren Mahlzeiten einſt nur von mei- nem Sohne, von mir und von den Werken der Heiligen ſprachen, ſich jetzt von nichts als von den Thaten der Kd- nige und Fürſten und von der Eitelfeit der Welt unter- halten, ſo daß meines Sohnes, meiner und des Lebens der Heiligen ſelten oder nie gedacht wird.“ Als Br. Hermann zum kuriſchen Kriege ſich rüſtete, erſchien ihm die Jungfrau wiederum, und ſprach zu ihm: „Jb lade dich, Hermann, zu dem Mahle meines Sohnes“ Dieſer nahm denn auch, als er fortzog, von ſeinen Freun- den für dieſe Welt Abſchied, wie er auch wirkli in die- fem Feldzuge ſein Leben ließ. Einem Dreſcher, einem einfältigen und gottesfürchti- gen Manne, zeigte ſich um die Zeit dieſes Auszuges, als er eines Tages vor ſeiner Thür ſtand, in der Luft ganz deutlich das Heer der Brüder, wie es mit den Litthauern kämpfte. Er rief deshalb die Seinen herbei, und ſprach zu ihnen: „Seht ihr nicht, wie unſre Brüder mit den Un- gläubigen ſtreiten? Nun flichen ſowohl die Preußen wie die Litthauer; jeßt aber die Brüder und wenige ſtehen mit ihnen, die rings von Feinden umwallt, treu im Kampfe aushalten. Wehe! jet werden ſie erſc<lagen. Nun ſehe ich die gebenedeite Jungfrau Maria und die Engelein Got- tes mit ihren Seelen in den Himmel hinaufſteigen. Unter dieſen ragen zwei über die übrigen hervor, die des Br. Hermann des Saracenen, und des Br. Glisberg.“ Und wirklich blieben nicht nur letztere beide in dieſem Feldzuge, -<«

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53 ſondern es kam auc< das ganze Ordensheer um. Glisberg aber war ein Ordensbruder im Convente zu Chriſtburg, der ein ſo heiliges Leben geführt, daß, als man einſt am Charfreitage während der Meſſe das Kreuz niedergelegt , hatte, und die Brüder der Reihe nach herantraten es zu füſſen, und Glisberg auch herzu kam, das geſc<hnitßte Cruz cifix beide Arme vom Holz und Nagel ablöſte, um ihn zu umfangen. Der demüthige Held aber weigerte ſich deſien und ſpra<: „Ac<h Herr, es geziemet ſich nicht, daß du ei- nen ſo gar großen Sünder, der deß durchaus unwürdig iſt, umfangeſt“. - Duisburg Chron. P. II. c. 78 und 82. 47. Die Lichter auf der Wahlſtatt. An der Stelle, wo im Jahre 1263 die gewaltige Schlacht bei Ldbau geſchlagen worden, in welcher der Land» meiſter Helmerich von Rechenberg mit all den auserleſen- ſten Gebietigern des Ordens ihr Leben gelaſſen, ſah. man nachher zu nächtlicher Zeit brennende Kerzen, wie ein Ein- ſiedler, der ſich auf der Wahlſtatt ſpäterhin ein Hütrtlein gebaut, oftmals geſehen, und die deutlich darthaten, wie den Erſchlagenen die Märtyrerkrone von Gott verlie- hen ſei. Duisburg Chronic. P. II. c. 418. 48. Hanno's von Sangerhaufen Rettung. Hanno von Sangerhauſen, der nachherige Hochmei- ſter, befand ſich als Wappner im deutſchen Ordensheere in der großen Tartarenſchlacht bei Liegniß. Muthig käm- pfend unterlag er endlich der feindlichen Menge, und ſank, von einem Tartarſchwerte getroffen, zur Erde nieder mit dem Ausrufe: Jeſus Maria! da ſoll eine weiße Lichtgeſtalt

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54 über ihn einen Schild gehalten haben, darob die Feinde erſchrocken entflohen. (Bergenroth) St. Marienburg S, 253. A9. Das Stahlhemde. Im Scloſſe Brandenburg befand ſich zur Zeit Han- no's von Sangerhauſen, des Hochmeiſters, Bruder Her- mann von Lichtenburg, aus hochadligem Geſchlechte ent- ſproſſen, der neben andern Abſtinenzien und Kaſteiungen, ſtatt eines leinenen, beſtändig ein eiſernes Hemde auf blo- ßem Körper trug. Als er nun, in den Krieg ziehend, dar- über die Rüſtung gelegt, und ſich, wie dies dann gewöhn- lich, ungeſtüm bewegen mußte, ſo ward ſeine Haut ſo zer- fleiſcht, als wenn er von Scorpionen zerbiſſen ſei. Wie ihn nun drob ſein Beichtiger, der Prieſter Petrus ſchalt, da er im Kriege wegen der Schwere der Rüſtung das Stahlhemde ablegen müſſe, ſo antwortete Br. Hermann, daß ihn keine Noth dazu würde bringen können, ſich le-' bend deſſen zu entäußern. Und was geſchah? Jn der näch- ſten Nacht erſchien ihm die Jungfrau Maria, berührte ihn ſanft mit ihrer Hand und heilte ihn dadurch ſo vollkom: men, daß, als ihn der Beichtiger am folgenden Tage wie: derſah, auch nicht die geringſte Spur der Verletzung au ſeinem Leibe wahrzunehmen war. Duisburg Chronic. P. III. c. 426. 50, Volrad Mirabilis. In Natangen, auf dem Schloſſe Lenzenburg ſaß Bru- der Bolrad Mirabilis als Hauscomthur. Dieſem ward hinterbracht, wie ſeine Unterſaſſen ihm nach Leib und Le- ben trachteten. Er wollte dem anfangs keinen Glauben beimeſſen, weil ex dieſelben in nichts hart behandelt hatte,

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' -65 vielmehr ein ſanftmüthiges und gelindes Regiment führte vor allen 'Gebietigern, wie dies männiglich in allen preußi- ſchen Landen bekannt war. Wie nun aber die Warnungen Häufig wiederkehrten, da beſchloß er doch erſt, bevor er ſtrafte, ſich aus eigner Wahrnehmung Ueberzeugung zu ver» ſchaffen. Zu dem Ende richtete er ein groß Gaſtgebot an, und lud dazu die Vornehmſten ſammt etlichen - Andern ein, und ermahnte ſie, als ſie nun beiſammen waren, ſich mit Speiſe und Trank wohl zu thun. Da es nun Mitternacht- geworden, und der Meth ihnen zu Kopfe ſtieg, fing die Tücke an ſich zu regen, daß ſie, ſich ſtellend als wenn ſie unter ſich einen Hader begönnen, alle Lichter auslöſchten und dann auf den Hausherrn losſtürzten, um ihn zu ex- morden. Aber dieſem, der zur Borſicht ein Panzerhemde unterm Wamſe verborgen, und der nicht ungewarnt war, glückte es, ſich mit Gewalt durchs Gedränge zu machen, und ſeinen Dienern zuzuſchrein, ſo daß ihm die Streiche der Verräther nicht großes ſchaden mogten. Da nun die Diener von Neuem Licht brachten, ſo hatte ſich jeder ſchon wieder an ſeinen Platz begeben, und obwohl ſich der Com- thur zum höchſten der angethanen Gewalt beſchwerte, ſo läugneten doch die Gäſte, ſonderlich die Vornehmſten, daß ein Anſchlag wider ihn ſtattgefunden, und behaupteten, die Lichter wäxen nur deshalb ausgeldſc<t, daß die, welche zu zanken angefangen, nicht ferner an einander kommen könn- ten; es müßten daher etliche eidesvergeſſene Böſewichter im Haufen ſein, die ſolches verrätheriſchen Stückes ſich un- terfangen. Da fragte Bolrad, was dieſelben Böſewichter wohl für Strafe verdient hätten, worauf die Gäſte, die um ſo beſſer ihre Hinterliſt zu verbergen meinten, antwor- teten: ſie wären werth, daß man ſie lebendig verbrenne. Volrad, hiermit zufrieden, ſtellte ſich, als ob er den Vor- fall nicht groß achte, weil er nicht beſchädigt worden, er-

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cb mahnte die Gäſte fürder zum Trinken und fröhlich zu ſein, ließ ſie aum leßtlich wohlbezec<t im Frieden nac< Hauſe ziehn. - . Etliche Zeit hernach, da nun Volrad ihren Anſchlägen beſſer hatte nachgeforſcht und alles genau erkundet, lud er ſie wieder zu Gaſte, ſowohl die vorigen als andre, die ne» ben ihnen im Bündniſſe waren, und da ihrer viel zuſam? men gekommen, ſo richtete er das Gaſtgebot in einem gro- ßen Hauſe aus, das vor dem Schloſſe lag, ließ genugſam auftragen und ermahnte ſtetig zu Trunk und Fröhlichkeit. “ Die Verſchwornen meinten, daß jett die günſtigſte Ge- legenheit gekommen, ihr Vorhaben ins Werk zu ſetzen, und nachdem ſie ſich tüchtig berauſcht, begannen ſie wieder wie das vorige Mal. Volrad aber, der diesmal beſſer auf der Hut war, entſprang, ſobald jene die Lichter auszulöſchen anfingen, vor die Thür, wo die Diener, die er zuvor abge- richtet, ſchon bereit ſtanden, ließ Pforten und Fenſter ver- ſchließen, verriegeln und verkeilen, ſo daß keiner derer, die drin waren, zu entkommen vermochte, ſtete nachmals das Haus in Brand und ließ darin die Böſewichter alle ver- brennen, gemäß dem Urtheil, das ſie ſich ſelbſt geſprochen hatten. Duisburg Chronic. P. II. c. 83. Cap. Schüß Historia fol. 28. 51. Die Hülfe vom Himmel. Als im Jahre 1260 die heidniſchen Preußen mit großer Heeresmacht die Stadt Elbing belagerten, da beſchloſſen die Chriſten, außer Stande in die Stadt Zufuhr zu ſchaf- fen, die Heiden durch einen Einfall in ihr eignes Land zur . Aufhebung der Belagerung zu zwingen, was denn auch ins Werk geſeßt ward. Als nun beide Heere gegenüber ſtan- den, ergriff plößlich, bevor es no<h zur Schlacht gekom-

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57 men, die Vorhut der Feinde die Flucht, ſtürzte ſich auf das Haupttreffen und riß dies mit ſich fort, ſo daß die nacheilenden Chriſten ſonder Mühe viel Volks erſchlagen mochten. Die Gefangenen bekannten nachher: ſie hätten einige mit weißen Mänteln und ſchwarzen Kreuzen beklei- dete Männer vom Himmel hinabſteigen ſehen, die mit feu- rigen Schwertern die Jhrigen angegriffen und getödtet hät ten. Dieſes Wunder ſoll der heilige Anſelmus,: der ſich in der belagerten Stadt befand, vom Himmel erfleht haben. Leo Histor. Pruss. pag. 99. 52. Die Hülfe der heiligen Jungfrau. Während des großen Aufſtandes machte der Komthur von Chriſtburg, Dietrich von Rhode, mit wenigen Rittern und Reiſigen einen Zug durch Poggeſanien, auf dem er viel glückliche Thaten vollführte. Auf der Rückkehr aber folgte ihm eine unzählbare Schaar von Feinden, die den Weg bald ſo verſtellt hatten, daß ein Kampf unvermeidlich war. Kaum hatte Dietrich die Feinde aber angegriffen, als dieſe ſchon in wilder Flucht fortſtürzten, ſo daß ihrer eine ſo große Menge erlag, daß noch nie in einem Tage von ſo wenigen ſo viele erſc<lagen worden ſind. Die Ge- fangenen bekannten nachher: daß ihnen in der Luft eine Jungfrau von wunderbarer Schönheit erſchienen, die in der Hand das weiße Banner der Kreuzritter getragen, was ſie ſo erſchre>t habe, daß ſie ni<t zu kämpfen gewagt hätten. Duisburg Chronic. P. IIL c. 436. 53. Hercus Monte und Hirſchhals. Unter den Natangern war in der erſten Zeit des Or- dens cin tapferer Oberſter, geheißen Hercus Monte. Der-

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58 ſelbe machte 'eine Reiſe nach Deutſchland, und lernte unter andern in der Stadt Magdeburg einen Edelmann Namens Hirſc<hals kennen, der ihn aus einer großen Gefahr er- rettete, wofür er ihm ewigen Dank verſicherte. Zu der- ſelbigen Zeit war Hercus Monte ein Chriſt geworden, und hatte den Namen Heinrich angenommen. Hernachmals aber, als er wieder zu ſeinen Landsleuten zurückgekehrt, fiel er vom <hriſtlichen Slauben ab, und wurde wieder ein Heide, Jn dieſer Zeit trug es ſich zu, daß die Natanger in Krieg geriethen mit den Kreuzfahrern. Hercus Monte war ihr Feldoberſter und er gewann eine große Schlacht. Jn dieſer machte er viele Gefangene und unter denſelben auch den Hirſchhals, der unterdeß ein Kreuzherr geworden war. Nach den Geſetzen der Natanger mußten die Ge- fangenen unter einander das Loos werfen, wer von ihnen ſterben und den Göttern geopfert werden ſolle. Da iſt das Loos gefallen auf den gedachten Hirſc<hals. Hercus Monte aber, eingedenk der vielen Wohlthaten, ſo er von Hirſch- hals empfangen, ließ das Loos noc< einmal unter ihnen werfen. Und ſiehe, daſſelbe traf wiederum den Hirſchhals, den jedoH Hercus Monte noc< einmal davon losgemacht. Als nun aber das Loos zum dritten Male geworfen, und nochmals denſelben getroffen, da hat Hirſchhals ſelbſt los» zukommen nicht begehret, ſondern war bereit zu ſterben, und er wurde angethan mit ſeinen Waffen, auf ſein Roß geſezet und alſo den heidniſchen Göttern zu Ehren ver- brannt. * Duisburg, Chronic. P. Ill. c. 86. Casp. Schüß Historia ſol. 29. L. David Th. IV. S. 46.

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59 54. Das Nonnenkloſter zu Thorn. Das Nonnenkloſter zu Thorn iſt zum Gedächtniß ei- nes großen, wunderbaren Sieges über die Litthauer erbauet. Nachdem nämli< im Jahre 1312 der Hochmeiſter Sieg- fried von Feuchtwangen geſtorben, fiel der Litthauer Groß- förſt Vithenes urplößlich mit 4000 Mann in das Gebiet des Ordens ein, und verwüſtete Samland und Ermeland dermaßen, daß er außer den Feſtungen nichts Ganzes ge- laſſen. Menſchen und Vieh wurden hinweggetrieben, und unter ſeinen Gefangenen. befanden ſich allein 400 Jung- frauen. Jm Abzuge lagerte ſich Vithenes mit ſeinem Volke in einem Walde. Sie waren allda fröhlid und guter Dinge, und Vithenes ließ die eroberte Beute unter ihnen austheilen. Unter dieſen war auch eine Monſtranz, mit ei- ner geweiheten Hoſtie darinnen, die hob Vithenes ſelbſt empor, zeigte ſie den gefangenen Chriſten und verhöhnte dieſe damit, ſagend: Wer iſt nun euer Gott, daß er euch und ſich ſelber beſchüßen mag? =- Er nahm darauf die Hoſtie und warf ſie zur Erde und trat mit ſeinen Füßen darauf, um zu verſtehen zu geben, welch einen gar elenden Gott die Chriſten doch hätten. Aber er ſollte für dieſen Frevel bald die Strafe des Alleinigen, Allmächtigen Got- tes föhlen, denn alsbald ſtürzte der Großcomthur Heinrich von Plößke, welcher in der Eile ein Heer gerüſtet, den * Litthauern unbemerkt gefolgt war, und durch ſeine Kund- ſchafter erfahren hatte, daß Vithenes hier an keinen Ueber- fall denke, mit achtzig Brüdern des Ordens und zweitau- ſend Knechten herbei, überfielen den heidniſchen Fant, tddte-, ten was ihnen vorkam, befreieten die gefangenen Männer, Weiber und Jungfrauen, und machten eine unermeßliche Beute. Nur Vithenes allein mit zweien Dienern kam le- 1

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60 bendig davon, aber er war heftig am. Haupte verwundet. Zur Gedächtniß dieſes Sieges und aus der eroberten Beute wurde das Nonnenkloſter zu Thorn gebauet. | Leo histor. Pruss. p. 418. Duisburg Chron. P. III. c. 303. Luc. David Th. YV. S. 170 fgg. 55. Der Rieſe Miligedo. Es lebte in Preußen, als der Orden ins Land kam, ein großer Rieſe, der hieß Miligedo, und war im ganzen Lande wegen ſeiner Größe und Stärke bekannt. Derſelbe bekehrte ſich zum <riſtlichen Glauben, und trat unter das Heer der Ordensbrüder, und that ſeinen Landsleuten vie- len Schaden. Darum, und weil er ſo ausnehmend ſtark war, fürchteten ihn die heidniſchen Preußen ſehr, und ſuch ten ihn in ihre Gewalt zu bekommen. Als nun zu einer Zeit die Kreuzherren das Schloß Bartenſtein mit vierhun- dert Mann beſetßt hatten, darunter auch dieſer Miligedo war, belagerten die Preußen das Schloß unter ihrem Ober- ſten Mattingo, und trachteten danach, wie ſie den Mili-- gedo mit Liſt aus dem Wege räumten. Sie hatten Einen unter ihrem Haufen, der auch nicht klein war, aber. dem Miligedo bei weitem nicht gleich kam. Dieſer trat ins Feld und forderte den Miligedo aus dem Schloſſe zum Zweikampf hervor. Mitigedo ließ ſich nicht lange ndthi- gen und kam ganz allein auf den Plaß. Ex trug bloß eine große Keule, deren Knopf voller ' Blei gegoſſen war. Wie er nun zu ſeinem Kampfgeſellen antritt, ehe ihn dieſer mit ſeinem Gewehre erreichen möchte, ſchlägt er ihm mit dem erſten Streiche den Hauptharniſch und den Hirnſchädel in einander. Aber jetzt ſpringen zwanzig Preußen aus dem Strauch hervor, die fallen ihn zugleim anz doch dieſer ac<- tete ihrer nicht groß und ſcharmüßelte in Kurzem ſo unter

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61 ihnen, daß ihrer funfzehn auf dem Plate blieben, die Ue- brigen aber die Fluc<t nahmen, und er ſelbſt in Frieden wieder auf die Burg zog. Bald darauf aber brachten ihn die Preußen doch in die Kluppenz denn als er gar zu kühn und ke> war, und einesmals ſchon zehn Mann beſtritten und erſchlagen hatte, da ward'er noch von funfzigen über- fallen, die ihn, weil er allein und müde war, überwältigten und jämmerlich ermordeten. Duisburg Chronic. P. II. c. 414. Cagsp. Schüß Historia. fol. 35 b. 8qq. Hartknoh Alt - und Neu-Preußen, S. 87. - Luc, David Th. IV. S. 68. - 56. Der Streit um den Fiſchkeſſel. Zu einer Zeit im Jahre 1264 hatten die Preußen ſchon drei Jahre lang das Schloß Bartenſtein belagert, in welchem der Ordensbruder Henning von Stalenberg nur Sch mit wenigen Mannen lag und ſich kaum mehr halten "fonnte, ſo daß das Schloß bald den Heiden übergeben wer- den ſollte. Da geſchah) es eines Tages, daß Einer von den Preußen, der in einem Sturmhauſe lag, gute Fiſche bekommen, aber feinen Keſſel hatte, worin er ſie kochen konnte. Er lief daher aus ſeinem Sturmhauſe in ein an- deres, darin ſeiner Mutter Schweſter war, und bat dieſe, ihm ihren Fiſchkeſſel zu leihen, Das -Weib wollte dies nicht, worauf der - Preuße den Keſſel mit Gewalt nahm, und damit fortlief. Das Weib aber rannte ihm nach mit jämmerlichem Geſchrei. Als dieſes die Preußen in dem Sturmhauſe hörten, woraus das Weib war gelaufen, da kamen ſie ihr zu Hülfe, um ihr mit Gewalt wieder zu ih- rem Keſſel zu verhelfen. Aber nun kamen dem Preußen auch die aus ſeinem Sturmhauſe zu Hülfe, und es wuchs mehr und mehr die Hülfe von beiden Seiten, bis zuleht

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62 die Preußen aus allen Sturmhäuſern zuſammenliefen und ein Geſchrei, Gezänk und Schlagen entſtand, als wenn eine große Schlacht gekämpft würde. Es hatte aber fkei- ner der Preußen Waffen in dem Streite. Als dieſes nun Henning von Stalenberg erſah, da fiel er raſch mit den Seinen aus der Burg heraus, ſchlug die verwirrten Preu- ßen, verbrannte die Sturmhäuſer und befreiete alſo das Schloß. Duisburg Chron. P. II. c. 175. Leo Histor. Pruss. p. 102. Lucas David Th. IV. S. 70. 57. Der Läufer ohne Kopf. Als im Jahre 4264 die Preußen das Schloß zu Kd- nigsberg hart belagert hatten, ſuchten ſie auch die darin liegenden Ordensbrüder durch Hunger zu zwingen. Dero- halben baueten ſie über den Pregel mehrere Brücken und auf jeder Brücke einen feſten Thurm, alſo daß ohne ihrÄ Willen auf dem Pregel nichts konnte in das Schloß ge- bracht werden. Solches litten aber die Ritter in dem Schloſſe nicht lange, und ſie fielen aus demſelben heraus, auf die arbeitenden Preußen, ſchlugen dieſe in die Flucht, und zerſtörten ihre Arbeiten. Bei dieſer Gelegenheit trug es ſich zu, daß ein Ordensbruder, Namens Gebhard, aus Sachſen gebürtig, einem flüchtigen Preußen nacheilet, und dieſem ſo geſchwinde den Kopf abhauet, daß, nachdem der Kopf ſc<on auf die Erde gefallen, der Preuße noH 29 Schritte weit ohne denſelben gelaufen, bevor er zu Boden gefallen. Duisburg Chronic. P. II. ce. 98. Luc. David IV. S, 62.

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58. Der ſtarke Ritter. Bald nach dem ſo eben erzählten - Vorfalle ſchite der Comthur von Königsberg den Ordensbruder Ulrich von Magdeburg auf einem Schiffe vor das Tief, um die dort liegenden Schiffe und Waaren vor einem Ueberfalle der Preußen zu ſchützen. Auf einmal aber kamen fünf preu- ßiſche Schiffe heran mit ſtarker Mannſchaft, die eilten ſehr auf Bruder Ulrich zu, in Hoffnung, da er nur mit weni- gen Leuten war, ihn und ſein Schiff leicht in ihre Gewalt zu bringen. Allein UlricH gerieth [wenig in Furcht, denn es hatte ihm Gott eine ſolche Stärke des Leibes gegeben, daß er damit alle Männer übertraf. So wie er daher die Gefahr ſah, und die Preußen ihm nahe gekommen wa- ren, ergriff er den Maſtbaum ſeines Schiffs, und ſchlug damit auf das nächſte Schiff der Preußen, worin funfzig ſtarke Männer waren, ſo heftig, daß das Schiff Waſſer ſchöpfte, und unterging. Da das die Anderen ſahen, nah» men ſie die Flucht. = Dieſer Ulric< hat oftmals zwei voll- ſtändig gerüſtete Männer, wenn er ſie nur beim Gürtel am Rücken erfaſſen konnte, auch wider ihren Willen mit zween Fingern in die Höhe gehoben. ' Duisburg Chron. P. I1. c. 424. . Henneberger Erklärung S. 469. Leo Hist. Pruss. p. 407. Lucas David Th. IV. S. 90. 59. Die zwei Grafen von Mark und von Jülich. Im Jahre des Herrn 1261 am Agneſentage erfoch- ten die heidniſchen Preußen einen großen Sieg über den Orden unweit der Stadt Königsberg. Darauf ſtand ein alter Preuße auf, welcher prophezeihete, daß in dem fol-

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64 genden 1262ſten Jahre auf den Tag des heiligen Vincen- tius, welcher iſt am Tage nach St. Agnes, die Preußen eine nos größere Niederlage erleiden würden. Nun trug es ſi< zu, daß in dem Jahre 1262 ein großes Preußen- heer wieder “vor Königsberg ſtand, und das Schloß der Ordensbrüder hart belagerte. Der St. Annentag war ſchon wieder gekommen, aber es war noch kein Heer da, welches den Preußen ſich entgegenſtellen, den wenigen Be- lagerten zu Hülfe kommen und die Prophezeihung des als ten Preußen wahr machen konnte. Aber Gott hatte, ohne daß die Belagerten daran dachten, das Herz zweier tapfe- ren Männer erwecket, daß ſie das Kreuz nahmen und mit großem Volke nach Preußen zogen. Dieſes waren die Grafen von der Mark und von Jülich. Dieſe kamen mit ihrem Heere am Abend des Agneſentages por dem Schloſſe zu Königsberg an. Noch deſſelbigen Abends griffen ſie die Blockhäuſer an, welche die Preußen vor Königsberg er- bauet hatten, und ſtürmten dieſelben. Am anderen Mor- gen aber, am Tage des heiligen Vincentius, fingen ſie die Schlacht an. Sie theilten ihr Volk alſo, daß der von der Mark die Reiſigen angriff, der von Jülich aber das Fuß- volk. Die Schlac<ht dauerte viele Stunden, aber ehe die Sonne untergegangen war, hatten die Preußen das Feld räumen müſſen, und 3000 Todte verloren. Alſo war die Prophezeihung des alten Preußen in Erfüllung gegangen. ' Duisburg Chrovpie. P. III, c. 93. 94. Luc. David, IV. S. 56. 60. Die Auferſtehung in Schöne>, - | Nicht weit von Danzig liegt ein Städtlein, Schöne> geheißen, wo ſich vor vielen hundert Jahren folgendes merkwürdige Wunder zugetragen : " Es kam dort eines Tages ein Mann an, welcher aus

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65 Meiſſen gebürtig war; derſelbe hatte zur Löſung eines Ge- ſübdes na< Preußen ſich begeben, um ein Jahr lang un- ter dem Orden gegen Schwentipol und die heidniſchen Preu- ßen zu ſtreiten. Das Jahr war jet zu Ende gegangen und er war nun auf dem Rückwege in ſeine Heimath. Jn dem beſagten Städtlein aber wurde er krank, ſtarb auch allda und wurde auf dem Kirchhofe begraben. Weil der Mann nun nach verlaufenem Jahre . nicht wieder in ſeine Heimath zurückkam, ſo machte ſein Sohn ſich auf gen Preußen, um ihn zu ſuchen. "Derſelbe kam auch in dieſes Städtlein Schöne>, grade an dem nämlichen Tage, als der Biſchof dort war, um die Kirche und den Kirc<hof zu weihen, Dem ſah der Jüngling zu, weil es mit ſonderlicher Pracht geſchah. Als nun der Biſchof auf den Kirc<hof kommt und im Weihen mit dem Waſſer hin und her ſprenget, da öffnet ſich plöt- ' lich vor ihm ein Grab, und der Leichnam, ſo da begraben liegt, erſtehet aus dem Grabe, geht voran und legt ſich mit dem Rücken an die Mauer der Kirche, daß der Bi- ſc<of und alles Volk ihn ſehen konnte. Der Biſchof aber trat zu dem Todten und beſchwor ihn, daß er von ſich ſa- gen ſolle, warum er im Grabe keine Ruhe habe. “Darauf antwortete der Leichnam, er habe im Leben feinen Nach- barn mit Unrecht ein Stück Ackers entzogen, und dafür müſſe er nun, da ihm zwar die Pein der ewigen Hölle wegen ſeines Kreuzzuges , gegen die Ungläubigen geſchenkt ſei, ſo lange im Fegefeuer büßen, bis ſeine Erben das un- rechte Gut zurückgegeben hätten. =- Als ſolches der Jüng- ling, der aus Meiſſen gekommen, um ſeinen Vater zu ſu- <hen, gehöret, iſt er plötzlich auf ſein Angeſicht gefallen, denn er erkannte ſeinen Vater in dem Leichname, und er ' Hat geſchworen, ſeinen Willen zu erfüllen. Worauf der 5

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66 Biſchof dem Todten befohlen, ſich wieder in ſein Grab zu legen, welches auch geſchehen. Duisburg Chronic. P. III. c. 53. Luc. David, Th. 111. S. 95. Simon Grunau, Tract. 40. Cap. 4 (der dieſe Geſchichte aber von einem mächtigen Ritter, Gilbert von Eylen, der bei der Heimkehr aus Preußen in einem Dorfe bei Frankfurt geſtorben ſei, und von dem Biſchofe von Lebus berichtet). 61. Der weiſſagende Rabe. In der Stadt Culmſee ſtand vormals ein Schwarz- mönchenfkloſter, in wel<em die Mönche einen ſehr ärger- lichen Lebenswandel führten. Der Abt dieſes Kloſters hatte einen Raben, den hatte er reden gelehret, ſo daß er viele Worte auf Polniſch, Lateiniſch und Deutſch antworten konnte, je nachdem man ihn fragte. Eines Tages, als der Abt und der ganze Convent wieder ſtark gezechet hatten, ſahe der Rabe ſeinen Herrn gleichſam als in tiefen Gedan- ken an. Das bemerkte der Abt und er fragte ihn: Rabe, was gedenkeſt du? =- Der Rabe antwortet: der ewigen Jahre deiner Verdammniß! =- Da erſchrak der Abt und ſagte, du biſt nicht ein Rabe, ſondern der böſe Geiſt! und er brachte den Raben um. Diefes aber verdroß einen Mön- <en, der ſein Kurzweil mit dem Raben zu treiben pflegte 5 er erſahe ſeine Zeit und ſta) den Abt mit dem Meſſer todt. Als ſolche Gräuel der Biſchof erfuhr, hat er die Mönche vertreiben und das Kloſter zerſtören laſſen. An- dere ſagen, der Rabe habe dem Mönche gehöret, und nicht dem Abte, und dieſes ſoll auch wohl wahrer ſeyn. C. S<üß Historia fol. 1. fol. 19 v. 25. Luc, David, Bd. 111. S. 36. Henneberger Erklärung S. 54.

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67 62. Meinhard von Querfurt. Im Jahre Chriſti 4288 iſt an die Stelle Conrads von Tierberg zum Landmeiſter in Preußen verordnet wor- den Meinhard von Querfurt, ein tapferer Herr. Deſſen Mutter war geweſen Jutta, Gräfin von Querfurt. Als zu derſelben einſtmals eine Frau gekommen, welche drei Söhne auf einmal zur Welt gebracht, hat die Gräfin nicht glauben wollen, daß dieſes natürlich zugegangen, und ges ſagt, dieſelbe Frau müßte drei Väter dazu gehabt haben. Als aber die Gräfin ſelbſt darauf ſ<wanger worden, brachte ſie neun lebendige Söhne auf die Welt. Da fürchtete ſie den Zorn ihres Eheherrn, der da auch glauben möchte, ſie hätte mit Anderen zugehalten, - und ſie gab acht der- Kinder einem Weibe, ſie zu erſäufen. Dieſem Weibe bes gegnete grade der Graf, fragte, was ſie trügez dieſe ants wortet: es hat mir die Frau acht Welfelein zu ertränken gegeben, =- der- Graf begehret dieſelben zu ſehen, und ließ davon nicht ab, bis er alles erfahren, verbot darauf dem Weibe bei Leibesſtrafe etwas zu ſagen, und ließ die acht: Kinder heimlich bis in das ſiebente Jahr erziehen. Her» nach ließ er ſie alle gleich kleiden mit dem, welches er im Hauſe hatte, ſtellte ſie eines Tages alle zugleih dex Gräs. fin vor und fragte ſie, welches unter den Neunen ihr Kind. wäre? Die Frau erſchrak ſehr, bekannte ihre Miſſethat und bat um Gnade, die ihr der Graf verlieh. Einer dieſer neun Söhne war der Landmeiſter Meinhard." Die- Gräfin blieb Zeit ihres Lebens eine Büßerin, und als ihr Sohn Mein- hard in den Orden getreten wär; folgte ſte ihm nac< Preu- ßen: und bauete das Kloſtet zu Culmſee; woſelbſt ſie“ dies nende Schweſter wurde, ihre ; ſc<were.: Sünde .abzubüßen. 5*

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68 Andere erzählen dieſe Geſchichte von Bruyo von Quer- furt. Casp. Schüß histor. fol. 46. Luc. David, Th. V. S. 78. Henneberger Erklär. S. 53. Die Geburt Meinhards von Querfurt in Preuß. Lieferungen Th. 1. S. 265 --290. 63. Der Biſchof zu Fiſchhaufen. Da wo jeßt das Städtlein Fiſchhauſen liegt, ſtand früher ein Dörflein Schönwike genannt. Daſelbſten hatte einsmaſs Heinricus, der erſte Samländiſche Biſchof, ſeinen Sitz, welcher ein ſehr frommer und gottesfür<tiger Mann war. Derſelbe hatte eines Tages nicht mehr als zwei Per- ſonen in der Burg, nämlich einen Bruder des deutſchen Ordens mit einem Knechte, als auf einmal ein ganzes Heer * „der heidniſchen Preußen ankam, die Burg zu belagern. Sie fingen auch alsbald an zu ſtürmen, obgleiM der Rit- ter und ſein Knecht ſich ihnen zur Wehre ſezten. Der Biſchof aber betete unterdeß zu Gott um Befreiung von den Heiden, und ſiehe, auf einmal wurden dieſe mit Blind- | Heit geſchlagen, ſo daß es ihnen vorkam, als wenn Taus ſende von Streitern auf den Mauern der Burg ſich ihnen entgegenſtellten. Da ergriffen ſie eilig die Flucht, und lie- fen wie toll und thöricht von dannen, denn es war ihnen nicht anders, als wenn ſie von vielen Reutern gejaget würden. Duisburg, P. III c. 129. Henneberger, S. 1434. Luc, David, Th. 1V. S. 99. 409. 64.. Das TodtenglöFlein. Vier Jahre lang hatten die Heiden ſchon vor der Burg Bartenſtein gelegen, ohne daß ſie ſol<e zu bewäl2-

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69 tigen vermocht hätten. Aber drinnen waren längſt alle Vorräthe und zuletzt ſogar die Roſſe mit ihren Fellen ver- zehrt. Da ſahen die Kreuzritter, daß ſie die Burg nicht länger halten könnten, und ſie beſchloſſen“ ſelbige zu ver- laſſen, zuvor aber dem Feinde noch eine herbe Wunde bei- zubringen. So hielten ſie ſich eine Zeitlang ruhig, daß die draußen meinten, der Hunger habe ſc<on alle drinnen ge- tödtet; und ſorglos den Thoren naheten. Da ſtürzten die aus der Burg hervor und erſchlugen der Feinde ſo viele, * als ſich in der Nähe befanden. Und alſo geſchah es zu dreien Malen, daß die Feinde ſich zuleßt nicht mehr durc< die anſcheinende Ruhe verlocken ließen. Hierauf beſchloſſen denn nun die Chriſten, durch) eine Stimme vom Himmel, den ein frommer Bruder um Rath angefleht, dazu ange- wieſen, die Burg wirklich zu verlaſſen; und als ſie noch beriethen, wie ſie unbemerkt den Feinden entkommen möche- ten, entbot ſim ein blinder Greis zurüczubleiben und re- gelmäßig zu den beſtimmten Zeiten, beim engliſ<en Gruß und an den canoniſchen Stunden das Glölein zu ziehn, daß die Feinde vermeinen ſollten, die Burg ſei noc< wie ſonſt bemannt. Und alſo ward es vollführt. Die übrigen Brüder entkamen glülich unter der Hülle des nächtlichen Dunkels, nachdem ſie ihre Todten zuvor beſtattet; der blinde Meßner aber ließ wie ſonſt Hora und Besper erſchallen, bis zuleßt das Verhallen des Glöckleins den Heiden das Zeichen gab, daß die Beſatzung vom Hungertode hinge- rafft ſei. Aber wie erſtaunten ſie, als ſie, in die Burg gelangt, fein Zeichen des Todes erblickten, bis zuleßt einige, am Altare liegend, den Glockenſtrang no< in der Hand, den Meßner fanden. Da wollte der Feldherr den Leich- nam des Greiſes die That büßen laſſen, aber als er zur Kirche kam, war dieſer verſc<wunden. Boten des Him- mels hatten ihn fortgeführt.

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4 70 Duisburg Chronic. P. II. ec. 116. Leo Histor. Pruss. pag. 406. (Vergenroth) St. Marienburg S. 241--246. 65. Die Belagerung von Fiſchhaufen. Zur Zeit Chriſtians, des zweiten Biſchofs von Sams land, verſuchten es die heidniſchen Rinauer abermals, die Burg Fiſc<hauſen einzunehmen. Als ſie vor ſelbige ge- langten, war es gerade Mittag, - und der Biſchof mit al- len, die in der Burg waren, pflegte des Schlafes. Die Pforte war nur mit einem Riegel, der durch ein Riemlein aufgezogen werden konnte, verwahrt, und dieſes Riemlein hing ſichtbar herab, ſo daß die Pforte ohne alle Mühe ge- öffnet werden fonnte. Die Preußen waren aber ſo mit Blindheit geſchlagen, daß ſie das Riemlein nicht nur nicht wahrnahmen, ſondern es ihnen ſogar ſchien, als ob die Pforte von Erz ſei. Unterdeſſen erwachte der Burgwart und rief denen drinnen zu, daß die Feinde da wären. Darob erſchraken die letzteren ſo, daß ſie eiligſt die Flucht ergriffen, indem es ihnen ſchien, als ob die Burg von ei- nem großen Haufen Kriegsvolks beſetzt ſei, obwohl ihrer nur ſehr wenige waren. Jene Pforte wurde nachmals zum ewigen Angedenken dieſer Begebenheit vermauert. Leo Histor. Pruss. pag. 101. 66. Der Feuertod der beiden Brüder. In dem Kriege, den der Orden im Jahre 1279 mit den Litthauern führte, hatten dieſe zwei Brüder gefangen, welche ſie im Feuertode opferten. Als nun aber die Kör» per von den Flammen ſchon verzehrt waren, da theilten dieſe ſich mit einem Male, und die Seele, des Einen, der an ein Roß gebunden, ſtieg zu aller Entſetzen in der Gez ſtalt einer wunderholden Jungfrau, die des Andern, der

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1 in einen geſpaltenen „und dann angezündeten Baum ge- klemmt war, als weißes Bögelein zum Himmel empor. Leo histor. Pruss. p. 113. 67. Das gerettete Marienbild. - Zu Balga war zur Zeit des Hochmeiſters Hartmann von Heldrungen ein edler Sudauer, Roſſiganus genannt, getauft worden. Aber gleich nach der Taufe fühlte er ſich krank und ließ deshalb den Schloßkaplan zu ſich kommen, daß er ihn im <riſtlichen Glauben unterweiſe. Als dieſer ihn nun aufforderte zu beichten: was er vor ſeiner Bekeh- rung für Thaten verrichtet, da ſagte jener: „Viele Chriſten habe ich erſchlagen, von einer guten Handlung weiß ich nichts, außer daß ich einmal einem Sudauer ein Bild der Jungfrau Maria mit ihrem Knäblein auf dem Schooße, das er geraubt und nach welchem er mit ſeinen Pfeilen zur Schmach ſchoß, da mir ſolches leid war, entriſſen und einem Chriſten mit den Worten/ gegeben habe: Nimm dies Bild deines Gottes und bringe es an einen Ort, wo es in gebührlicher Verehrung gehalten werden mag. In der näch- ſten Nacht erſchien mir die heilige Jungfrau in herrlicher Schönheit und Kleidung und ſagte mir: die Ehrerbietung, , die du mir in meinem Bilde erwieſen, ſoll dir in dem Reiche meines Sohnes vergolten werden.“ Nachdem der Sudauer alſo erzählt, ſ<lummerte er ſanft noch ſelbigen Tages zum ewigen Leben ein. Aehnliches wird auch von Skomand, dem befehrten Sudauerfürſten, berichtet. Duisburg Chronic. P. II. c. 202. c. 219. 68. Albert vvn Meiſſen. In Königsberg ſaß unter dem Hochmeiſter Burkard von Schweden als Comthur Albert von Meiſſen, ein ob

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72 ſeiner Frömmigkeit hochgeſegneter Mann, den in früheren Jahren, als er vom*Stachel des Fleiſches gepeinigt ward, eine Stimme vom Himmel ſelbſt belehrt hatte, auf welche * Weiſe er Widerſtand zu leiſten vermöge. Einſt verfiel ſelbiger in eine Krankheit, in welcher ihm die Haare des Hauptes, die Brauen und Wimpern gänz- lich ausfielen, ſo daß er ſchrecklich anzuſehen war und nie- mand mit ihm verkehren mochte. - Da bat er in der Be- trübniß ſeines Herzens Gott, daß er ihn von der Erde fort- nehmez aber ſiehe, in der nächſten Nacht wuchſen ihm die Haare dergeſtalt wieder, daß am folgenden Morgen keine Spur der Krankheit mehr zu erblicken war. Als er einſt im Felde lag und nun der Tag herange- fommen war, wo die frommen Brüder zum Tiſche des Herrn zu gehn gewohnt ſind, da entfernte er ſich von den übrigen und ſprach ſeufzend: O Herr Jeſus Chriſtus! wenn ich jeht daheim wäre, ſo würde ich deinen Leib empfahen. So wie er dies geſagt, erſchien ihm in der Luft ſc<webend der Leib des Herrn in Geſtalt der Hoſtie unfern ſeinem Munde. Als er dies ſah, entſetzte er ſich und ſprach: O Herr Jeſus Chriſtus, wenn dieſe Oblate dein wahrer Leib iſt, ſo möge ſie in den meinigen übergehen. Und wie er hierauf den Mund öffnete, ſchwebte zu ſeinem unbeſchreib- li<en Entzücken die Hoſtie auch wirklich in denſelben hinein. Duisburg Chronic. P. WII. c. 223. 69. Michael Rimpigt. Unter den Ordensbrüdern war zur Zeit Conrads von Feuchtwangen ein Karwensherr Michael Rimpitz genannt, der nie etwas abſchlug, wenn er um Marien willen gebe» ten ward. Als dieſer einſt über Feld ging, fand er einen Elenden am Wege, der voller Ausſaß und Schwielen war

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73 und der ihn um Marien willen bat, daß er ſich ſeiner er- barme. Da nahm er denſelben mit in ſeine Klauſe, legte ihn Abends in ſein eigen Bett, und ließ ſich, ſo oft ihn der Kranke auch des Nachts weckte, bald dies, bald jenes begehrend, doch nicht verdrießen, ihn immer freudig zu be- dienen, Am Morgen aber war der Kranke verſchwunden und an ſeiner Stelle lag ein Crucifixy, auf dem das Bild des Heilands in wunderbarem Schimmer glänzte. Dieſes Crucifix ward nachher nach Königsberg gebracht, wo es ſi< noc< 41526 neben dem Scloſſe befand; durch ſeine Hülfe ſo'len auch viel Wunder geſchehen ſein. - Simon Grunau's Chron. Tr. X. C. 4. 70. Die Freunde. In dem Convent zu Marienburg befanden ſim zur Zeit Gottfrieds von Hohenlohe, des Hochmeiſters, zwei Or» densbrüder, der Eine Heinemann, der Andre Friedrich ge- nannt, welche ſich in ſo inniger Freundſchaft zugethan wa- ren, daß ſie nicht Einer ohne den Andern zu leben begehr- ten. Nun begab es ſich, daß Friedrich auf einer Reiſe in Geſchäften des Ordens mit dem Pferde ſtürzte und auf der Stelle todt blieb. Als dies Heinemann hinterbracht ward, ſprach ſelbiger: Bruder Friedrich, das iſt nicht ge- mäß unſerem Berbündniſſe, daß du ſollteſt früher und ohne mich zur ewigen Freude eingehn, ſondern beide ſollten wir zugleiH dahin kommen. Und alsbald ließ er einen Prie- ſter zu ſich rufen, empfing Abſolution und lezte Oelung, und verſchied auch noch deſſelben Tages ſelig im Herrn, obwohl er bis auf einen leichten Ausſchlag am Körper völ- lig geſund war. Duishurg Chronic. P. II. c 27t.

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74 71. Vertreibung der Juden aus Preußen. Unter dem Hochmeiſter Ludolph König wurden die Juden aus Preußen vertrieben, welches folgenden Grund hatte. Es lebte zu dieſes Hochmeiſters Zeiten in der Stadt Schwetz ein Fiſcher, der im Fiſchfange auf der Weichſel wenig Glück hatte und daher ganz arm war. Zu dem kam eines Tages ein Jude, der lehrte ihn, wie er ſolle eine geweihete Hoſtie nehmen und legen dieſelbe in ſein Net, alsdann würde er damit ſo viel Fiſche fangen, als er ſich wünſchen könne. Der arme Mann folgte des Juden Rath; denn indem er zum Abendmahle ging, ſchluckte er den Leib des Herrn nicht hinunter, ſondern nahm ihn aus dem Munde unbemerkt wieder heraus, fing auch viele Fiſche da- mit und ward ein reicher Mann. Das Jahr darauf ward der Jude wegen anderer Miſſethaten gefänglich eingezogen, und er bekannte nun auch, was er dieſen Fiſcher gelehret. Als der Fiſcher dies hürte, warf er ſich geſchwinde in ſei- nen Kahn und entrann. Der Jude aber ward gerichtet, und alle ſeine Glaubensgenoſſen wurden aus dem Lande verbannt. Es durften ſeitdem auch feine Juden wieder ins Land Preußen kommen, als bloß nach Thorn zum hei- ligen drei Königs- Jahrmarkt, und nur mit Geleit und mit einem Zeichen auf dem Kleide, daran man ſie erkennen möge. Simon Grunau Tract. 12, Cap. 43. Henneberger Erklärung S. 431, Luc. David, Th. VI. S. 452, 72. Anmahnung zur Buße. Unter Conrad von Feuchtwangen war im Hauſe Ma- rienburg Br. Gerhard, der zur Zeit ſeines weltlichen Stan-

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75 des ſi< unter dem Hausgeſinde des Marggrafen von Bran- denburg befunden und der in Verfertigung von Kriegsma- ſchinen ſehr geſchickt war, deren er viele, mit denen Schlöſ- ſer und Städte zerſtört waren, bereitet hatte. Zu dieſem kamen eines Nachts, da er nom wachend im Bette lag, ohne daß die verſchloſſenen Pforten ſich öffneten, vier Män- ner mit brennenden Kerzen in der Hand, rückten ihm das viele Unglück vor, das er angerichtet, und verkündeten ihm, daß, wenn er nicht binnen gewiſſer Friſt ſein Leben beſſern, er ein Kind des Todes ſein würde; deß zum Zeichen be- deckten ſie ihn mit einem weißen Gewande, wie man es auf die Leichen zu legen pflegt. Gerhard, hierüber baß erſchrofen, zog, das weiße Gewand mit ſich führend, nach. Preußen, that dort Profeß und führte cin frommes Leben bis an ſein ſeliges Ende. - Duisburg Chronic. P. III. c. 238. 73. Heinrich von Kunzen. Im Jahre 1302 ſtarb zu Ragnit Br. Heinri< von Kunzen aus Thüringen. Als dieſer noh im weltlichen Stande lebte, hatte er viele Räubereien und andre ſc<händ- liche Thaten verübt. Einſt kam in der Dämmerung ein Mann auf einem ſchwarzen Roſſe zu ihm, ſprechend: Hein- rich, komm allein mit mir, ich will did nach einem Orte bringen, wo du reiche Beute erlangen wirſt. Heinrich wil- ligte ein und folgte ihm, nachdem er ſein Roß beſtiegen, auf mancherlei verſchiedenen Wegen. Als dies eine Weile ſo fort gegangen, ſtand ſein Pferd plöülich, troß alles An- ſpornens unbeweglich, bis er ihm zuletzt zornig zurief: Im Namen Gottes weiter ! Da ſprach ſein Begleiter, der der Leibhaftige ſelbſt war: Es iſt dein Glück, daß du den Na- men Gottes genannt haſt, denn ſonſt lägſt du jetzt mit zer- ſc<mettertem Gebeine in dem Abgrunde vor dir. Und wie

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76 er dies geſagt, verſ<wand er. Heinrim aber, erſchrocken, wagte es bis zu Tagesanbruch nicht, ſic) von der Stelle zu bewegen. Da ſah er zu ſeinen Füßen einen jähen Fel- ſen und eine unendlich tiefe Schlucht, an die er hätte ſtür- zen müſſen, wenn ſein Roß nur um ein Haarbreit fürder getreten. Da ſegnete er ſic) mit dem Zeichen des Kreu- zes und dankte Gott, der ihn aus ſolcher Gefahr erlöſet. Als er nun aber wieder heimziehn wollte, umhüllte ihn plötlich tiefes Dunkel, und er ſah bei Fackellicht vor ſic< einen Richter zu Gericht ſißen, und um ſelbigen her eine Menge Bolks, das alles ſ<were Anklagen und Beſchuldi- gungen wider ihn anbrachte. Und Heinri< ward vor den Richterſtuhl geführt, und der Richter fragte ihn, wie er ſich von der Schuld zu reinigen vermöge. Er aber war ſo erſchrocken, daß er nicht zu antworten im Stande war. Nachdem ihm nun: viel Strafen gedroht worden, ſo legten die Beiſitzer ein Fürwort ein, da er ſchon ſelbſt ſein Leben beſſern wolle. Heinrich gelobte denn auch in den Orden der Brüder von dem Hauſe Maria's zu treten, und wie er dieſen Schwur geleiſtet, verſchwand plötlich der Richter mit dem ganzen Haufen. Als es nun wieder hell ward, ſah er um ſich eine wildfremde Gegend und erblickte un- fern einen Gemsſchüßen, der ihm auf ſeine Frage erklärte, er wäre über Lucern am Pilatusberge im Schweißerlande;z das war mehr denn zwei und achtzig Meilen von ſeinem Schloſſe. Von dem Schütßen geleitet, kam er denn wie- der in das ebene Land und gelangte endlich naß Hauſe. Er war aber in der kurzen Zeit ſo grau, alt und unge- ſtalt geworden, daß ihn niemand erkannte; doch ſagte er ſeiner Frauen ein Wahrzeichen, daran ſie ihn kennen mußte, daß er es wäre. Darauf nahm er von ihr Urlaub, zog nach Preußen, und nahm dort den Orden Mariä an.

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77 Duisburg Chronic. P. IIL ec. 277. Sim. Grunau's Chron. Tr. Xl. C. 2. 4. 74. Kraft des Gelübde. Während des Krieges der Ordensbrüder gegen die Litthauer im Jahre 1306 ward ein Litthauer aus dem Lande Erogeln von ſeinem Könige gefangen eingeſetzt. Die- ſer gelobte auf das Anrathen eines Ruſſen, der mit ihm in demſelben Verließe war, dem Chriſtengotte ein gewiſ- Fes Gewicht an Wachs, wenn er ihn der Haft entledige. Als er dies kaum ausgeſprochen, zerbrachen plötzlich die“ Ketten, mit denen er gebunden war, und es. ſprang die Thür ſeines Kerkers von ſelbſt auf, ſo daß er dieſen un- gehindert verlaſſen konnte. Duisburg Chronic. P. II. c. 287. 75. Williger von Korneburg. Zur Zeit des Hochmeiſters Siegfried von Feuchtwan- gen kam nach Preußen Ritter Williger von Korneburg, der früher ein ruchloſes Leben geführt, den Gott aber auf wun- derbare Weiſe zur Buße gebracht hatte. Denn er war ein Raubritter im Thüringſ<en Walde geweſen, und hatte den umliegenden Städten viel Schaden gethan. Als er einſt allein war, da wurden ihn einige Knechte aus der Stadt Jena gewahr und machten alsbald Jagd auf ihn. Wie ſie ihm ſchon auf den Ferſen waren, und er einſah, daß er ihnen nicht mehr entkommen könne, wandte er ſich zur heiligen Maria, gelobend: daß, wenn ſie ihm diesmal Helfe, er nach Preußen ziehn und ihren Orden annehmen wolle. Und es geſchah. Denn ſeine Verfolger jagten an- ihm vorüber, ohne ihn gewahr zu werden. Als nun Williger heimgekehrt war, da erzählte er ſei- ner Gattin, die ein junges, adliches und köſtliches Weib,

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78 und die er erſt vor zwölf Wochen heimgeführt, was ſich zugetragen. Dieſe aber wollte niht in die Scheidung wil- ligen und ſagte: Wenn ihr ein Mönch werden wolltet, ſo hättet ihr mim nicht nehmen ſollen, ich hätte wohl andre meines Gleichen gefunden. Als nun Williger noch mit ſich fämpfte, welches Gelübde er erfüllen ſolle, ob das ſeinem Ehgemahl, oder das der heiligen Jungfrau gelobte, da- er- ſchien ihm eines Nachts der Teufel, mit königlichen Ge- wanden angethan und von einem großen Heerhaufen 'bes gleitet und ſprach zu ihm: Williger, dieſen Staat und ein würdiges Schloß und noch weit mehr will ich dir verlei- hen, ſo du mir dienſt. Als dieſer aber no< bei ſich dachte, daß es wohl herrlich ſei, einem ſo freigebigen Gebieter zu dienen, da erſchien Jeſus Chriſtus mit ſeinen fünf Wunden" und ſpra<H: Williger, iH bin' freigebiger denn jener, und dieſen Staat (auf die Wunde an der Seite zeigend) will ich dir gewähren, welcher beſſer iſt als der, den jener Ver- führer dir verſpricht. = Doch auch dieſes Geſicht vermochte die Gattin noH niht dahin. zu bringen, ihn des Ehegelöbniſſes zu. entlaſ- ſen. Da hörte man aber allnächtlih einen ſchreflichen Ton, wie wenn mit einem Hammer an die Wand geſchla- gen würde, und eine Stimme, die da rief: Williger, ſtehe auf zum Gebet, weil deine Brüder ſich ſchon erhoben ha- ben. Durch dieſe Töne und die wunderbaren Worte er-. ſchreckt, willigte die Gattin endlich darein, daß ihr Gemahl ſein heiliges Gelübde erfülle. Und wie er nun gen Preu- ßen gezogen war und Profeß gethan hatte, da zeichnete er ſis durch ſeine Frömmigkeit und ſeine Tugenden eben fo aus, wie er es vorher durch Laſter und böſe Thaten gethan.. Sim. Grunau's Chron. Tract, X1. C..2, 8. 2. Vergl. Duisburg Chronic. P. III. c. 277.

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79 76. Das ſchwarze Noß. Als die Brüder von dem Kriegszuge, den ſie 1304 gegen das Schloß Onkaim in Litthauen unternommen, heim- zogen, ſtürzte Br. Heinrich von Wolfersdorf, der ſich un- ter den vorderſten befand, zwiſchen den Verhauen zu Bo- den. So ſchmal war aber der Pfad, daß niemand den Gefallenen umgehen konnte, alle vielmehr mit ihren Roſſen über ſeinen Leib hinüber mußten. Und obwohl er zum Schutze ſeinen Schild über ſich hielt, ſo war dieſer doch in wenigen Augenblicken in unzählige Stücke zermalmt. Aber durch Gottes Hülfe erhob er ſich, als nun der ganze Zug über ihn hinweg war, unverleßt. Und wie er nun ohne Roß ſich befand, da ſahe er mit einem Male von fern einen Troß - Buben heranreiten, der ein leeres Handpferd von ſchwarzer Farbe bei ſich führte. Er ſprach dieſen daher an, daß er ihm eins von beiden Roſſen leihen möge. - Der Bube aber ergrimmte drob, ſprengte auf Br. Heinrich ein, . warf ihn wiederum nieder und ließ ihn abermals von den Hufen der Roſſe zertreten. Aber auch diesmal 'beſchirmte ſelbigen der Himmel, und es glückte ihm ſogar, den Zügel des ſc<warzen Pferdes zu ergreifen, auf das er ſtieg und ſo zu dem Haufen der Brüder gelangte. Als er dort aber fleißig nachfragte, wem ſolches gehöre, fand er Niemand, der es kennen wollte, und wie er herabſtieg, war auch ſo wie der Bube plötzlich das ſ<warze Roß verſchwunden, und niemand konnte erkunden, was aus ihm geworden ſei. Duisburg Chronic. P. II. c. 283. Simon Grunau's Chron. Tract. X1. C. 3. 8. 5 (wo der Ritter aber Wolfgang von Miſelbach heißt).

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77. Das Grab des Bruders Guntram. Im Jahre 4304 war im deutſchen Orden Bruder Guntram, der, obgleich klein von Leibe, doch ein ſehr tapfe- rer Ritter war. Dieſer zog in dem gedachten Jahre bloß mit neun Knechten von Chriſtburg nach Litthauen. Als er nun die Litthauer in der Wildniß traf, fiel er alsbald über ſie her. Er ward aber von einem ſtarken Litthauer mit einem Spieß durchſtochen, alſo daß die Eingeweide ihm aus dem Leibe herauskamen. Der fromme Guntram ſtopfte die Wunde zu und ſtritt weiter, bis daß die Litthauer alle erlegt und erſchlagen waren, darauf fiel er von ſeinem Pferde und ſtarb. Seine Diener nahmen ſeine Leiche und brach- ten ſie nach Chriſtburg, da er begraben ward. Auf dem ganzen Wege dahin flogen über ſeinem Sarge zwei weiße Taubenz wenn die Leiche voran gebracht wurde, flogen auch die Tauben voran, wenn man damit hielt, ſo ſchwebten ſie ſtill über derſelben. Auch über ſeinem Grabe, an welchem - viele Wunder geſchahen, hat man nachher oft die Tauben geſehen. | Z Duisburg, P. IIL c. 274. i Henneberger Erkl. S. 245. Luc. David, Th. V. S. 442. = 78. Der Biß des Teufels. Vor vielen Jahren lebte in dem Schloſſe zu Ragnit ein Schütze, ein Baier von Geburt. Der hatte die Ge- wohnheit, wenn er Abends zu Bette ging, ſo machte er ein kleines Kreuz vor ſich hin. Als er nun einsmals ſchläft, erwacht er von großen Schmerzen, denn er fühlet deutlich, daß ihn etwas am Geſäß beißt. Er fängt an zu ſchreien und frägt: wer beißt mi< da? darauf bekommt er zur Antwort: Jc<, der Teufel, beiße di<! = Der Baier fräg

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81 weiter? warum beißeſt du mich an dieſem Ort? Und der Teufel antwortet? du machſt das Kreuz zu kurz, wenn du dich ſegneſt. Von da an machte der Schüß, wenn er zu Bette ging, das Kreuz vom Scheitel des Hauptes bis an die Sohlen der Füße, und er iſt niemals wieder gebiſſen worden. Aber die Wunde, ſo ihm der Teufel gebiſſen, hat Zeit ſeines Lebens nicht geheilet. Duisburg Chronic, P. II. ec. 308. Simon Grunau Tract. X1. C. 5. 6. Lucas David Th. V. S. 481. 79. Der Tod Siegfrieds von Feuchtwangen. Von Siegfried von Feuchtwangen, dem Meiſter des deutſc<en Ordens, der zuerſt die St. Marienburg zum Haupthauſe erkor, erzählten die Polen: er ſei ſo gottlos und blutgierig geweſen, daß er während des Krieges um Pommerellen ſich täglich, wenn er zu Roß geſtiegen, eine große Anzahl von Stricken an den Sattelbogen habe bins» den laſſen, ſ<wörend: er wolle des Tags keine Speiſe zu ſich nehmen, er hätte denn der Polen ſo viele, als der Stricke wären, zuvor aufhängen laſſen. Zur Strafe dafür habe ihn aber endlich der böſe Feind geholt, lebendig in den Rauchfang eines brennenden Ofens geſeßt und alſo von der Gluth langſam verzehren laſſen, Casp. Sc<hüß Historia fol. 55. Luc. David. Chron. Bd. Vl. S. 48, der dies aber nicht von dem Hochmeiſter Siegfried von Feuchtwangen, ſondern von dem Comthur Siegfried von Graudenz berichtet. Vergl, auch die Sage vom Po» lenwürger Nr. 80. 80. Der Polenwürger. Im Jahre des Herrn 4410 (nach Anderen ſoll die Geſchichte ſich im Jahre 4310 zugetragen haben) lebte im 6

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82 Orden Siegfried von Weißenfels, ein tapferer Ritter, aber auch ein ſehr grauſamer Mann, weshalb er ein jämmerli- <hes Ende nahm. Jn dem damaligen Kriege des Ordens gegen die Polen nämlich, als das Heer des Ordens an der Polniſchen Grenze ſtand, ließ er an einem Morgen ſeinem Pferde ſechs Scho> Stränge aufladen, und verſchwur ſich hoch, nicht cher zu eſſen, als bis er an jedem Strange ei- nen Polen hätte aufhängen laſſen. Dieſes ſetzte er denn auch ins Werk, und er ließ an demſekben Tage 360 Polen an den Füßen aufhängen. Nachdem er alſo ſeinen Schwur erfüllet, ſette er ſim mit ſeinen Freunden zum Eſſen, und war anfangs wohl und guter Dinge. Auf einmal aber fragte er: wohin doch all* die Seelen der aufgehängten Polen hingekommen, ob auch alle in die Hölle? Es ant- wortete ihm Einer, daß man das nicht wiſſen könne. Da verdrehete er plötzlich die Augen, ward wild und ſprach: Weil ihr es mir nicht ſagen“ könnt, ſo muß ich es ſelbſt er- fahren; holla, aus dieſem Feuer in jenes Feuer, auf daß ich meine Polen ſche! =- Und er ſprang alſo in das Feuer, an welchem das Eſſen gekocht wurde, und verbrannte ſich, ſichtbarlic< von dem Herrn der- Gnade für ſeine Grauſam- keit gezüchtiget. Leo histor. Pruss. pag. 128. Simon Grunau Tract. 141. €. 7. Henneberger Erklärung S. 430. S1. Das Gelübde zur Jungfrau. Zu Waſſerburg im Baierlande ſaßen drei junge Edel- leute unſchuldigerweiſe in Haft. Dieſe hörten, wie große Gnade denen zu Theil werde, welche mit den Brüdern nach Preußen zögen. Da ſprachen ſie: O gebenedeite Jungfrau Maria, wie fröhlichen Herzens. wollten. wir, wenn wir nur unſrer Bande ledig wären, um deinetwillen in den Streit []

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83 ziehn. Und--als ſie alſo: geſprochen, entſchlummerten ſie.“ Da trat im Traume ein Jüngling zu ihnen, der ſprache Stehet auf und ziehet gen Preußen um Mariä willen. Und alſobald erwachten ſie. Da befanden ſie ſich mitten unter dem Haufen Bolks, der nach Preußen zog. Und ſie bes gleiteten ſelbigen und thaten ihrem Gelübde genug. Chron. Simon Grunau's Tract. X. C: 4. 82. Der himmliſche Schut. Jm Orden war ein Bruder, der täglich das Leiden Jeſu bedachte und ſich mit Ketten geißelte, bis ihm das Blut hinabfloß. Dem ward geboten, zu ziehn vor Jurgolo, das Schloß, das die Preußen inne hatten, um es zu er- ſtürmen. Die Mannſchaft drinnen war aber zu ſtark, ſo daß er es nicht überwältigen konnte. Als er nun davor lag und gerade einſt ſeine tägliche Kaſteiung begonnen hatte, da ſtürmten die Preußen heraus und überfielen ihn. Es kamen aber Engel vom Himmel, welche ſie mit feurigen Schwerdtern zurüjagten, und als ſie wieder drinnen wa- ren, fielen Flammen vom Himmel herab, daß das Schloß mit der ganzen Bemannung verbrannte. Simon Grunau's Chron. Tract. X. C. 4. 83. Der Hund des Barto. In einem Kriegszuge gegen Szamayten ward ein Pog- geſane, Barto, erſchlagen, der einſt mit. andern einen. Auf- ruhr gegen die Brüder erhoben, bei wel<em er den Com- thur zu Elbing fing und deſſen Kapellan nebſt einigen Die- nern erhenkte, auch dem Comthur ſammt den übrigen Ge- fangenen ein gleiches Loos bereitet hätte, ſo er ni<t wäre daran gehindert worden. Zur Strafe für dieſe Frevelthat ward ſein Leichnam von ſeinem eigenen Hunde, einem gro- 6*

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84 ßen und ſtarken Rüden, überfallen, welcher ihm das Ge- wand auf der linken Bruſt auf der Stelle des Herzens - fortriß, dann immer mit großem Geheule nac< dem letzte- ven zu nagte, bis er ſolches aus dem Leibe herausgeriſſen, worauf er es mit großem Grimme zum Schrecken aller Anweſenden- verſchlang. - Luc. Davids Chronik. Bd, V. S. 67. 84. Der Streit um die Jungfrau. Als im Jahre 1326 die Litthauer in Preußen einbra- <en, befand ſich unter den Gefangenen auch eine adlige Jungfrau von hoher Schönheit, um deren Beſitz zwei von den Bojaren ſo in Hader gericthen, daß ſie auf Leben und Tod darum zu kämpfen beſchloſſen. Dies erſah von unge- fähr der Litthauer oberſter Feldhauptmann, David von Gar- then, des Großfürſten Gedimin Marſchall. Den verdroß es ſchr, daß um ein gefangen Weib zwei tapfere Helden ſich ſelbſt unter einander verderben ſollten, legte ſich bald dazwiſchen, ſagend: ſie ſollten ihm die Sache anheimſtellen, und.als ſie nun beide darein verwilliget, hieb er die Jung- frau vor ihrem Angeſicht mitten von einander und ſprach: es möge nun jeder von ihnen ein Stück, und alſo zugleich einer ſo viel als der andre von der begehrten Maid hin- nehmen. : Duisburg Chron. P. IIL c. 354. 85. . Die Rettung der jungfräulihen Ehre. Auf demſelben Zuge hatte ein anderer Bojar eine ſchöne Jungfrau aus einem Kloſter geraubt z die konnte er weder mit Bitten noch mit Drohungen dahin bringen, ihm zu Willen zu ſein, weshalb er ſie mit Gewalt dazu zu nd- thigen ſtrebte, Da die Jungfrau ſah, daß auf die Dauer

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:85 ihre Kraft zum Widerſtande nicht ausreiche,: ſo bat ſie ihn mit weinenden Augen: er wolle ihrer ſchonen, ihm dage- gen eine Gabe verheißend, die-ihn zum glückſeligſten aller Menſchen machen würde z - und ;als er- fragte: welche dieſe ſei, antwortete ſie ihm: es wäre eine bewährte. Kunſt ; wenn ſie ihn dieſe lehrte, ſo könne er mit feinerxlei Waffen ,an ſeinem Leibe verſehrt werden. Ob er nun wohl gänzlich entſchloſſen war, ſeiner Luſt zu fröhnen, ſo verzog er "doch noch, um die Kunſt zu erlernen, ſein Fürhaben, und ſagte ihr zu: ſie bei Ehren zu behalten, wofern. ſie ihn ſolches lehren würde. Es ſind, ſagte ſie ihm, wenige Zauber-. worte, und. kannſt du ſie-felber alsbald an mir erproben, Damit kniet ſie nieder, ſegnet ſich mit dem Kreuze, und betet den Vers aus der heiligen Schrift: Jn deine Hände, Herr, befehle ich meinen Geiſt. Welches jener aber nicht 5 verſtand, meinend, es wären die Zauberworte, darauf die ganze Kunſt beruhe. Da ſprach die Jungfrau ferner, den Hals ausre>end: er ſolle nun getroſt zuſchlagen, ſo werde er gewiſſe Bewährung der Kunſt finden. Als er nun aber den Säbel zu>te, ſo flog mit einem Hieb das Haupt vom Rumpfe. Da erſt erkannte er, daß ſie e. die Ehre höher gez halten denn das Leben. Duisburg Chronic. P. III. c. 354. * 86. Der ruheloſe Leichnam, Als im Jahre 1343 die Peſt i in Preußen wüthete, ent? wich der Br. Steino von Netten, um ihr zu entgehen, von Marienburg ; aber nach Lauenburg gelangt, erlag er dem Tode, welchem er hatte entflichen wollen. Der Vogt von Lauenburg ließ ihn noch bei Abend feierlich beſtatten; am folgenden Morgen ward jedoH die Leiche außerhalb des Grabmals gefunden. Und alſo ereignete es ſich zu drei verſchiedenen Malen. Nachdem dem Hochmeiſter dies Wuns

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der berichtet worden; ſandte “er einen Comthur dorthin, welchen er den Leichnam mit "dem Schwerte ju durchſtos ßen hieß und ihn dabei- zum Gehorfam zu ermahnen, und anzubefehlen, daß er'ſich nicht ferner vom Orte bewegen ſolle, 'Erſt als dies geſchehen und die Leiche nun zum vier- ten Male beſtattet war, hatte dieſelbe Ruhe“ AD Grabe. - Sebast. Moeleri Chronic. (MS.) Leo histor: Pruss. p. 149. 87. -Des Teufels Gehorſam. Am Hofe des Hochmeiſters Conrad Zöllner von Ro? thenſtein befand ſi < ein Diener, Junker Sebald von Thar? ſen genannt, der dem Trinken und Fluchen 'unmäßig nach- hing. Wenn er des Abends berauſcht nac Hauſe kam, pflegte er ſeinen Knaben herbeizurufen, damit er ihm die Stiefel abziehe. Eines Abends aber wad dieſer ſo tief in Schlaf verſunken, daß er auf den Ruf des Gebieters nicht erwachte. Da rief dieſer nach gewohnter Art den Teufel herbei, damit der ihm den Dienſt erweiſe. Der Teufel ließ auch nicht auf ſich warten; in furchtbarer Geſtalt erſchien er und zog jenem die Stiefel aus, aber ſo, daß er zugleich die Haut von Bein und Fleiſch. mit abſtreifte. Noch ein und zwanzig Wochen brachte der Unglückliche unter gräß- lihen Schmexzen, zu, bis ex endlich den- Geiſt aufgab. Simon Grunau's eien Tract. (ZU, C. 9. "88. "Der wunderbare Pfeil. Auf der Schloßbibliothek zu .Königsberg befindet ſich an einem ſilbernen Kettlein. ein Pfeil, mit welchem cs fol» gende Bewandniß . hat: Zu Zeiten Heinrichs Reffle von Richtenberg, des drei- ßigſten Hochmeiſters, iſt Erasmus von Reizenſtein, Obriſter

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87 und Landmarſchall . in Preußen, vom „Feinde .mit dieſem Pfeile in den Hiraſchädel geſchoſſen; der Pfeil war ganz in das Haupt gedrungen und konnte 'aus demſelben nicht getrennt. «werden, ſo daß er darin vierzehn volle Jahre ſigen „blieb und von - dem Landmarſchall getragen werden mußte.» Da gelobte dieſer endlich der Kixr<e zu Sanct Adalbert an der See einen neuen Altar, und deſſelbigen - Tages fiel ihm der Pfeil zum Gaumen heraus. Darauf opferte der Landmarſchall in der gedachten Kirche reichlich, und gelobete auch den Pfeil - dahin mit ſilberner Kette und Schildlein.. Aus jener Kirche iſt der Pfeil nachher in die Bibliothek des. Schloſſes gekommen. - ag Hartknoch Dissert. de rebus Pruss. XIV.. Leo hist. Pruss. pag. 324. E Voigt Geſch. v. Preußen Th. 4. S. 665. Erläutertes Preußen 1. 762. 89. Hans von Sagan. Der ſchönſte Theil der Stadt Königsberg beſteht be- kanntlich aus dem Kneiphofe, welcher früher eine Stadt für fic war, und den Namen hatte von ihrem Erbauer, dem Hochmeiſter Winrich von Kniprode. Dieſe Stadt hat in ihrem Wappen eine Hand mit einem blauen Aermel, welche eine Krone trägt, von den Seiten 'ſind. zwei Hörner... Der blaue Aermel ſchreibt ſich her von folgender Geſchichte: In der. Rudauſchen Schlacht ging es hart her für den Or? den, und ſeine Streiter fingen an zu weichen. ' Da trat auf ein Schuſtergeſell, genannt Hans von Sagan, eines Bür- gers Sohn aus dem Kneiphof, der ergriff die ſchon niedergefal? lene Fahne, richtete ſie wieder auf und machte dadurch und durch ſein Zureden das ſchon' flächtig gewordene Ordens- volk wieder beherzt und freudig, ſo daß die Schlacht ge- wonnen und das Feld behauptet wurde. Derſelbe Schu-

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88 ſtergeſell trug aber einen blauen Aermel, deshalb verlich der Orden der Stadt in ihrem Wappen eine Hand mit einem blauen Aermel, und gab der Bürgerſchaft alljährlich am | Himmelfahrtstage auf dem Schloſſe ein groß Bankett und Abendmahlzeit, welches das Schmeckbier genannt worden. Das Lettere aber deshalb, weil Hans von Sagan, als der Hochmeiſter nach der gewonnenen Schlacht ihm befahl, ſich eine Gnade auszubltten, nichts weiter verlangte, als daß jährlich am Himmelfahrtstage den Kneiphöfſchen Bürgern zur Luſt und Freude ein Gaſtmahl im Schloß, auf Unkos- ſten der Herrſchaft, gegeben werde, Auch auf dem Schloſſe ſoll ſich fräher das Andenken an Hans von Sagan gefuns den, nämlich auf dem Thurm nach der Schloßkirch<e hin . ſoll ſein Bildniß anſtatt der Wetterfahne lange geſtanden haben. Rohde disgert. hist, de Rudaviensi proelio et 8tat. Regiom, 17214. p. 15 sq. Lucas David VI. S. 87. Erläut, Preuß. 1. S. 630, 90. Herr Wolfgang Sauer. Zu der Zeit, als faſt das ganze Land den Orden von ſeinen Schlöſſern verjagt hatte, hatten die Raſtenburger auf dem Schloſſe daſelbſten noc ihren Gebietiger, Herr Wolfgang Sauer genannt. Dieſer beſorget ſich vor den Büärgern und bauet dahero hinten in der Mauer des Schloſ- ſes ein beſonderes Thor, und von da eine Brücke über den Graben, ſo daß er nicht durch das Stadtthor ein- und auszuziehen brauchte. Auf dieſem Wege nahm er auch heim- liM viel Volk ins Schloß. Allein die Bürger waren ihm doch zu ſtark, überfielen ihn und machten ihn mit den Sei- nen gefangen. Darauf ſchrieben ſie nach Königsberg um Rath, und erhielten dieſe Antwort: vor den Anſchlägen des

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.89 Ordens ſollten ſie ſich ferner“ vorſchenz; was aber Herrn Sauer anbelange, ſo würden ſie ohne Zweifel es alſo ma- hen, daß aufs Frühjahr die Vögel etwas zu eſſen bekäs men. Auf ſolc<es führten ſie Herrn Sauer durch ſein neu gebautes Thor, auf das Eis, in welches ſie eine große Wuhne (Loch) gehauen hatten, und befahlen ihm, ſich hin» ein zu ſtürzen, weil er ſterben müſſe. Er aber verweigerte dies, und wie ihn nun niemand anfaſſen wollte, fürchtend, daß es ihnen und ihren Kindern zum Nachtheil gereiche, da ermannten ſich endlich die Schuſter, welc<e das vor- nehmſte Handwerk in der Stadt waren; ſie legten näms- lich einen Wieſebaum- mitten über die Wuhne und ſpra- <hen zum Herrn Sauer: ſo er über die Wuhne ſpringen werde, ſollte er ſein Leben damit gerettet haben. Darauf hat Herr Wolfgang Sauer einen Zulauf genommen, und den Sprung gewagetz weil aber die Wuhne zu breit war, ſo ſprang er mit dem einen Fuß auf den Wiefebaum, der in deren Mitte lag, in dem Gedanken, mit dem 'andern Fuße vollends hinüberzuſpringen. Allein in demſelben Aus genblicke ſtieß ein Schuſter mit dem Fuße den Wieſebaum fort auf dem glatten Eiſe, ſo daß der Herr Sauer rü>k- lings in die Wuhne fiel, und ertrank. Jm Zurückfallen fiel ihm auch fein Hut ab, den nahm der Bürgermeiſter, der auch ein Schuſter war, und ſette ihn auf. Das Thor in der Mauer ließen ſie darauf zumauern, und es iſt noc jet vermauert. Allein dieſer Verrath der Schuſter trug ihnen ſchle<te Früchte, denn es ſah bald Jedermann mit Verachtung auf ſie, und es konnte von der Zeit an kein Schuſter zu Raſtenburg wieder in den Rath genommen werden, welches dauerte bis in die Zeiten des Jrrlehrers Oſiander, da kauften ſie ſic) mit Gelde wieder ein. Henneberger Erklärung S, 391 fgg.

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91. Die Nebelſchlacht. - Als im Jahre 1394 der. Hochmeiſter mit dem Ordens- heere die Litthauſche Hauptſtadt Wilna belagerte, nahm der Großfürſt Witoudt in der Nähe ſeine Stellung, um ſich an die zu machen, welche den Belagerern die Zufuhr brach- ten. Da ſandre der Meiſter vierhundert Mann in vier "Bannern aus den Gebieten Balga, Brandenburg und Bar- ten und dem Bisthum Ermeland aus zum Schutze für die Zufuhr. Als. dieſe nun nac< Redemynne gelangten, da ka- men. ihnen Witoudt und der Fürſt, Karjebut von Sewe- rien mit dem ganzen Heere der Litthauer entgegen. Doch lag zwiſchen beiden Theilen noch ein Fließ und Bruch, ſo daß ſic nicht ſogleiH an einander gerathen konnten. Die Kreuzritter aber zogen um diejes herum. So ſahen ſie, daß der Frinde ſo viel waren, daß zehn auf ihrer einen kämen. Aber unverzagt ſtürzten ſie auf dieſelben und ſtell- ten ihre Sache Gott anheim. Und der verließ die Seinen nicht. Denn pldtlich erhob ſich ein ſo dichter Nebel, daß die Litthauer nicht die geringe Anzahl ihrer Gegner zu er- „kennen vermochten und in der Meinung, der Meiſter mit dem ganzen Ordensheere greife ſie an, eilig die Flucht er- "griffen. Da ward cin großes Schlagen und viele der Feinde blieben ia der Schlac<t. So lange aber der Kampf währte, vermochten die Winde nicht den Nebel zu zer- ſtreuen. i Johannes von Rieſenburg Chronik S. 95. 92. Des „Hochmeiſters Ehrentiſch. * Unter dem Hochmeiſter Conrad von Wallenrodt, wels? <cr vom Jahre 1382 bis zum Jahre 1394 regierte, wurde cin gar glänzender Ehrentiſch gehalten, von dem man Fol-

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91 gendes erzählet: Der-genannte-Hochmeiſter hatte zum Kampfe gegen die heidniſchen Litthauer aus Deutſchland. viele Für- ſten und Herren mit ihren Völkern zu Hülfe gerufen. Es kamen;zihrerauf dieſe Weiſe 46000 Mann ins Land, Et- liche um des Goldes, - Etliche cum dex Ehre, Etliche um Marien-willen.. --Dex Hochmeiſter ſelbſt hatte 418000 Mann. Mit dieſem - ſämmtlichen Volke zog er nach Litthauen bis unter Kauen. Dort wurde auf Egidi Tag der Ehrentiſch gehalten, welchen. Engelbert Rabe, der Obermarſchall, zu- gerichtet hatte. Ex wurde gehalten in der Memel auf ei- nem- Werder, auf dem der Orden zuvor ein Schloß gehabt hatte, Marienwerder genannt, welches aber zu damaliger Zeit ſchon zexſtdöret war. Gegen -Aufgang der Sonne über dem Fluſſe war der Ordens - Marſchall mit dem Heere des Ordens; auf. der andern Seite gegen Niedergang war der Groß - Comthur mit dem fremden Heere. Jn der Mitte auf dem Werder, war der Hochmeiſter mit den „Fürſten, - Herren und Rittern, unter einem herrlichen und fürſtlichen Gezelt. Unter dem Gezelt war auc< der Ehrentiſch für zwölf Perſonen gar prächtig zugerichtet. Als er fertigwar, da nahm man das Gezelt hinweg, daß ex von beiden Hees ren möchte geſehen werden. , Alles, was auf dem Tiſche war, das war golden oder-von Silber und . vergoldet, und es glänzete ſchön, daß man es weit ſehen konnte. Man trug zehn Gerichte auf und es währete die Mahlzeit. fünf Stunden lang, von neun Uhr Morgens bis um zwei Uhr Nachmittags. Zu jedem Gerichte hatte man neue ſilberne Teller und Löffel. Auch hatte man köſtliche Getränke aus fremden Landen, und zu einem jeden Getränk waren be- ſondere goldene und ſilberne Geſchirre, und wer einen Trunk aus einem gethan. hatte, der bekam ein anderes und behielt das, aus dem: er getrunken, zu eigen. : - Unter dem Eſſen wurde einem Jeden. ein großer..breiter Hut von goldenem

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92 Stoffe über dem Haupt gegen die Sonne gehalten. Auch kamen viele Herolde, welche allerlei ritterliche Thaten er- zählten. An dieſem Ehrentiſ< hatte die erſte Stelle Cirodius von Richardsdorf, ein Ritter aus Oeſterreich, denn er hatte in einem Kriege gegen die Türken ganz allein ſechszig ge- rüſtete Mann erleget und umgebracht. Die andere Stelle hatte Markgraf Friedrich von Meiſſen, denn ſein Geſchlecht hatte den Orden in Nöthen niemals verlaſſen. Die dritte Hildermundus, ein Graf aus Schottland, deſſen Vater ſich für ſeinen König tddten ließ. Die vierte Rupertus, Graf von Würtemberg, ſo zum Kaiſer erwählet, aber aus Des muth das Kaiſerthum einem Andern übergab. Die fünfte Stelle hatte der Hochmeiſter ſelbſt, Conrad von Wallen- rodt, denn, obgleich reich, und obgleich ihm eine ſchöne Jungfrau; eine Gräfin von Habsburg, zur Ehe vorgeſchla- gen ward, nahm er do< den Orden an um Marien wil- len, Die ſechste Stelle hatte Degenhardt, ein Bannerherr aus Weſtphalen, denn er hatte den Mördern ſeines Baters vergeben; da ſie ihn um Marien willen baten. Die ſiebente Hatte Friedrich von Buchwalde, der Niemanden in ſeinem Leben etwas verſaget, wenn er um St. Georg bat. Und alſo fort ſaßen auch die andern fünf, Dieſer Ehrentiſch koſtete 500,000 Mark Preußiſch. : Sim. Grunau Tract. KI. Cap. 42. Lucas David Chron. Th. VU. S. 242. Waißel Chron. S. 127. Süß Historia pag. 81. 93. Der reiche Bauer aus Niclauswalde. Unter dem Hochmeiſter Conrad von. Jüngingen hatte der Orden einen hohen Grad von. Macht und Reichthum erlanget, und auch das ganze Land war rejc<h und zufrie:

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93 den. Unter anderen lebte damals der reiche Bauer zu Niclaus- walde, der hernac<mals durc< ſeinen Reichthum berähmt geworden. Es trug ſich nämlich zu, daß etliche Gäſte und Fremde. aus Deutſchland zu dem Hochmeiſter kamen, ihn zu beſuchen. Dieſe ſahen überall Ueberfluß und Reichthum und. prieſen deshalben den Hochmeiſter glüklich in ſeinem- Regiment. Das hörte der Treßler (Schatzmeiſter zu Ma- rienburg), Bruder Heinric< von Plauen, und er ſprach zu den fremden Herren, der größte Reichthum des Hochmei- ſters ſei der Reichthum ſeiner Unterthanen, als welcher ei- nen Bauern hätte, der eilf Tonnen Goldes beſite, Das nahmen die Gäſte in „Scherz auf, da ſie in Deutſchland nicht gewohnt waren, den Bauern die Federn ſo lang wach- ſen zu laſſen. Der von Plauen aber führete die Gäſte ſei- nes Herrn darauf einige Tage ſpäter ſpazieren, und brachte ſie nach Niclauswalde, wo ſie bei einem Bauern einkehren mußten. Bei dieſem hatte er das Mittagsmahl beſtellt. Der Tiſch war für die Gäſte gedeckt, und rund um den- ſelbey ſtanden zwölf Tonnen, darauf waren die Bretter ges legt zum Sitzen für die Herren, Wie ſie nun am Spei- ſen waren, da ſagte der von Plauen, dies ſei der reiche Bauer, von dem er ihnen erzählet. Der Hochmeiſter ließ alſo den Bauern kommen, und forderte ihn. auf, : ſeinen Reichthum zu zeigen, deſſen er ſich nicht zu ſchämen habe. Der Bauer antwortete: I< weiß wohl, daß verläugnetes Gut. dem Herrn gehöret, darum habe i< nichts zurückbe- Halten, ſondern Euch Alles hingeſeßet, was mir gehöret. Er hieß ſie nun beſchen, auf was für Bänken ſie geſeſſen. Und als nun die Bretter weggenommen waren, da ſahen ſie, daß ſie auf Tonnen geſeſſen, von denen eilf voll eitel Goldes waren, die zwölfte aber war noch leer. Die Gäſte verwunderten ſich des reichen Bauern, und dem Hochmei- ſter gefiel es ſo pohl, daß er dem Bauern auch die zwölfte

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94 Tonne aus dem Schatze füllen ließ, damit es die Gäſte in Wahrheit nachſagen konnten, der Hochmeiſter habe einen Bauern, der zwölf Tonnen Goldes vermöchte. =- Allein der Bauer in Niclauswalde hatte von ſeinem Reichthum keinen Segen. Denn ſein Herz wuchs ihm an ſein Geld, - und er war der größte Geizhals im Lande, und als her- nachmals Heinrich von Plauen Hochmeiſter wurde, rupfte ihm dieſer die Federn dermaaßen, daß der reiche Bauer in feinem Alter betteln gehen mußte. Simon Grunau Tract. 44. Cap. 8, .“ 'Sc<hüß S. 97 fgg. . Henneberger Erklärung S. 336. 94. Die hochmüthigen Bauern zu Lichtenau. Zu derfelben Zeit waren aber auch die Bauern ſehr hoc<hmüthig und gottlos geworden, wie denn der Reichthum ſo gar leicht Ueppigkeit und allerlei Laſter gebiert.“ Unter andern ſind die Thaten der Bauern zu Lichtenau im großen Werder berühmt geworden. Wir wollen hier einige davon erzählen: Es kam auf eine Zeit in dieſes Dorf ein Dominika- nermön< von Danzig, zum Betteln. Nachdem dieſer das Dorf durchterminirt, kam er auch in den Krug. Weil es grade Frohnleichnamsabend war, ſo ſaßen allda viele Bauern am Zechen. Die Bauern empfingen ihn mit großer Ehrer- bietung, ſezten den Herrn oben an, und tranken ihm Einer nac<ß dem Andern zu, welches alles ihm ſehr wohl gefiel. Da nun aber der Trunk über ihn kam, glaubte er Affen- ſpiele mit ihnen treiben zu könnenz das wollten die Bauern nicht leidenz worauf er ihnen gar unnüße Worte gab, ſie ſchmähete und verfluchte, und zuletßt, kraft ſeines heiligen Ordens, ſie in den Bann that. Das -verdroß die Baucrn ſehr auf den Mönc<, und ſie beſchloſſen, ihm nichts zu

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95 ſchenken. Nun durften ſie ihn nicht ſchlagen, weil cr ein geweihetes Haupt hatte, ſie erſonnen daher etwas Anderes. Nahmen derohalben einen weiten Hopfenſack, ſpannten den- ſelben außen um die Stubenthüre, hoben dann unter ſich einen falſchen Streit an, ziehen vom Leder, und löſchen die Lichter in der Stube aus. * Da gedachte der Mönch, der auch ſeiner Haut ſich fürchtete, es ſeie nun Zeit zu gehenz er rannte daher mit gebücktem Haupte eilend der Thüre zu, um ſich davon zu machen, und läufet alſo recht den Bauern in den Sack hinein. Dieſen banden die Bauern nun zu, hängten ihn über den Heerd, und machen von aller- lei ſtinkenden Sachen ein Feuer an, welches den Mönc< von allen Seiten ſo beräuchert, daß er faſt den Athem ver- liert. Als er nun um Gotteswillen bat, ſie ſollten ihn aus dem Sacke laſſen, da reichen ſie ihm zwei Eier zu, die ſie mit allerlei eflen Sachen gekocht, die mußte er in dem - Sake eſſen. Darauf ließen ſie ihn los. Aber der Mönch hatte von der Mißhandlung einige Tage nachher ſeinen jämmerlichen Tod. | Ein andermal fam ein Pilgersmann in den Krug, da die Bauern dort am Zechen waren. Dieſer ließ zuerſt von den Bauern ſich tractiren, und als er mehr als ihm nöthig getrunken, fing er an, von ſich ſelbſten zu rühmen, was für weite Reiſen er gemacht, wie er zu Compoſtella und beim finſteren Stern geweſen, und großen Ablaß verdienet habe; aber, ſagte er zuletzt, ich habe noc< an keinem Orte ärgere und gottloſere Leute geſehen, als Cuch heilloſen Bauern in dieſem Dorfe, die ihr die fremden Pilger ſo wenig mit Almoſen labet. Dieſes ſagte er, weil er ſeines Bedünkens beim Terminircen durch das Dorf nicht genug bekommen Hatte. Die Bauern wollten es nicht gern mit ihm verder- ben, und ſetzten ihm daher zu dem Trunk nun auch Fleiſch vor, welches theils getrocknet, theils gekocht war; das wor

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96 aber dem Jacobsbruder nicht genug, und er ſagte: mit ſolchem Fleiſc könnt ihr keine Gnade erlangen bei St. Jacob meinem Herrn, etwas Gebratenes müßt ihr mir vor- ſetzen. Da dachten die Bauern ſeinen Hochmuth zu beſtra- fen, ſie beriethen ſich kurz mit einander, fielen über ihn her, banden ihm Hände und Füße, thaten ihm einen Knebel in den Mund, ſagten: Jett ſollſt du Gebratenes haben; ban- den ihn darauf nackend an einen Bratſpieß, legten ihn an das Feuer, und beträufelten ihn mit Butter. Sie wollten ihm bloß etwas heiß machen, aber mittlerweile lief plötzlich = ein Haſe durc< den Krug, welches ohne Zweifel der Teu- fel ſelbſt geweſen, dem an der Seele des Pilgers wie der' Bauern gelegen war. Dieſem Haſen folgeten die Bauern alle mit großem Geſchrei, und als ſie zurückkommen, iſt der Jacobsbruder am Spieße verſc<hmachtet und geſtorben. Ein drittes Stüc> iſt folgendes: Sie hatten einen Pfarr- herrn, Wolfgang Lindau mit Namen, einen gelehrten und gottesfürchtigen Mannz der ſtrafet ſie öfters von der Kans zel wegen ihres üppigen und böſen Lebens und bedrohete ſie mit Gottes Zorn und ernſter Strafe. Das mißfiel den hochmüthigen Bauern, und ſie warteten auf eine Gelegen- heit, wie ſie an dem Pfarrherrn ſich rächen möchten. Der Pfarrherr aber merkte ihre Abſi<t gar wohl, und er wich ihnen überall aus. Endlich aber trug es ſich zu, daß ſie die ganzen Pfingſtfeiertage hindurch im Kruge geſoffen, und zwar ſo viel Bier, daß von den Hefen, welche der Krüger in einem Troge ſammelte, eine große Sau, die von unges fähr darüber gekommen, ſich ſo voll geſoffen, daß ſie ſo- gleiH todt geblieben. Dieſe todte Sau nahmen nun die andern vollen Säue, legten ſie in einer ganz finſtern Kam- mer zu Bette, deckten ſie zu, und ſchi>ten dann zum Pfar-' rer, ihm ſagen laſſend, daß Einer von ihnen plößlich krank geworden, in den letzten Zügen liege und berichtet ſein wolle.

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97 Der Pfarrer meinet, es wäre Ernſt, und kam bald gelau- fen. Als er aber mit dem Kranken begann zu reden, da merkte er von Stund" an die Büberei, er ließ daher Je- dermann heraustreten, ging dann nach einer Weile heraus und ſagte zu den Bauern: um den Kranken ſtehe es ſchlecht, derſelbe habe ſc<on die Sprache verloren, das heilige Sa- crament könne ihm daher nichts mehr nüßen, er wolle ihm aber das heilige Oel holen, welches ihm eben ſowohl zur Seligkeit dienen werde. Die Bauern glaubten ihren Scherz noch weiter mit ihm treiben zu können und blieben. Er aber ſetzet ſich eilend auf und reitet zum Neuenteich, wo der. Pfleger des Schloſſes Marienburg war; dem er- zählet er, was geſchehen, worauf ſich derſelbe ſofort mit ſeinen Mannen rüſtet, die gottloſen Vauern zu beſtrafen. Dieſe hatten unterdeſſen, als der Pfarrer ihnen zu lange ausblieb, die von ihm zurückgelaſſene Monſtranz genommen, und als ſie darin keine Hoſtie fanden, ſich eine ſolche ge- ſchnitten. Dieſe adminiſtrirten ſie dem Kranken. Einer von ihnen hielt des Pfarrers Amt, der andere diente ihm mit einer Kuhgloc>ke, die übrigen ſaßen im Zirkel rings um- her, als wenn ſie Seelenmeſſe ſängen. Dabei ſoffen ſie * einander in Halben und Ganzen zu. Zu dieſen Sachen kam eben der Pfleger mit ſeinen Leuten. Er ließ ernſtlich auf die Bauern zuſchlagen, dieſe aber, nicht faul, nahmen den Pfleger gefangen, und jagten ſein Geſinde in die Flucht. Weil nun der Pfleger einen großen dicken Bart hatte, ſo ſteckten ſie dieſen in ein Loc< über der Thüre, und ſchlugen einen Keil dicht hinein, daß er alſo, halb an dem Barte hängend, ſtehen mußte, und trieben nun allerlei Geſpötte mit ihm. Sein Geſinde war aber na< Marienburg ge- laufen, und es kam alsbald eine große Macht des Ordens, welche den Pfleger befreieten, und die Bauern gefangen nach Marienburg führten, wo ſie in die tiefſten Gefängniſſe ein» 7

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98 geſperrt wurden. Ihre Strafe war nachmals die, daß ſie die ganze Landſtraße von dem Kruge zu Lichtenau bis in das Schloß zu Marienburg nit Groſchen belegen, ſodann mit eigenem Gelde und mit eigenen Händen einen Thurm des Schloſſes zur Nogat bauen, und demnächſt in dieſem ein ganzes Jahr lang bei Waſſer und Brod gefangen lie- gen mußten. Der Mörtel, welcher zum Bau des Thurms verwen- det wurde, ward nicht wie ſonſt, mit Waſſer, ſondern mit Buttermilch bereitet, welche die Bauern herbeiſchaffen muß- ten. Davon heißt ſelbiger Thurm noch bis auf den heuti- gen Tag der Buttermilchthurm. Eine andere Sage will dieſen Namen aber daher leiten, daß der Woyewode Sta- nislaus Koſtka einſt zu den Bauern nach etwas Butter- milch geſchikt, dieſe aber deſſen Boten verſpöttet, und Tags darauf ein ganzes Faß mit Buttermilch durch zwei Män- ner auf das Schloß geſendet hätten. Da habe 'der Mei- ſter dieſe greifen, in den Thurm ſetzen, und ſo lange in demſelben feſthalten laſſen, bis fie ſämmtliche im Faſſe 'be- findliche Milch aufgezehrt. | Simon Grunau Tract, X1V. Cap. 8. Casp. Sc<iß Historia ſol. 97 qq. Henneberger Erklärung S. 257 fgg. Grimm deutſche Sagen Th. 1. S. 260, nach" mündlicher Ueber- lieferung. Hartwich, Beſchreibung der 3 Werder S, 524. 95. Der Bote aus der andern Welt. In der nächſten Zeit vor der Schlacht zu Tannen- berg befanden ſich auf Königsberg zwei Ritterbräüder Phi- lipp von Zwiſtelen und Wigand von Qualenburg. Dieſe, - wie ſie ſich innig liebten, machten einen Bund mit einan- der: daß, wer von ihnen zum etſten ſtürbe, dem andern erſcheinen und verkünden ſolle, wie es ihm in jener 'Welt

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99 ergehe. Und es geſchah, daß ſie von Königsberg wurden fortgenommen, und der Eine ward geſeßt zum Hauscom- thur auf Labiau, der Andre aber zum Mühlmeiſter auf Oſterrode. Und letterer blieb todt in dem Streit. In der Nacht nachdem er 'verſchieden, kam Br. Wigand zu Br. Philipp, der ſich in ſeinem Kämmerlein befand, und fprach: „Aus ſonderlicher Gnade Gottes komme ich nach * meinem Tode in Gemäßheit unſeres Verbündniſſes zu dirz ſo frage was nüßlich iſt, denn ich darf nicht lange weilen.“ Bruder Philipp antwortete : Wie geht es zu in jener Welt? Der Todte ſprach: „Wie es ein jeglicher verdient, alſo hat er auch Kurzweil. Und wiſſe, daß die, welche Knechte bei uns geweſen, dort unſre Herren ſind.“ Der Lebendige fragte : Wo biſt du, in welcher Kurzweil? Der Todte ant- wortete : „Jc< bin da, wo einer ausgeht, und tauſend ein- gehen, und unſre Kurzweil iſt, daß uns eine Stunde zehn- tauſend Jahre dünket, und uns dennoch unzählige Barm- herzigkeit geſchieht.' Philipp fragte weiter: Und wie ſteht es um uns in Gottes Gerichte; werden wir gewinnen oder verlieren? der Geiſt ſprac<: „J< habe geſehen, daß man vor Gott unfere guten und böſen Werke gewogen; aber ich ſahe nicht, welche Schaale niederging, denn ich ward weggefordert, Aber eins no< zum letzten. Jn Kurzem wird es geſchehen, daß die Herren Knechte werden, und unſer Fürſtenthum werden Fremde beſißen.“ Und alſo ge- ſagt, verſc<wand er wieder. Sim. Grunau's Chron. Tract. XIV. C. 45. :96. Die Tannenberger Schlacht. < 'In "der :Nacht, die dex Tannenberger Schlacht vor- herging, zeigte ſich am Himmel ein wunderbares Zeichen, das deren Ausgang wohl verkünden mochte. In der Ge- 7*

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400 gend des .Mondes nämlich erblickte männiglich einen Mönch, der eine Zeitlang mit einem Könige kämpfte, zuleßt aber beſiegt und vom Himmel verjagt ward. Auch während der Schlacht ſelbſt ſah man einen Mann in polniſcher Klei- dung über dem Heere Jagello's ſc<weben, der die polni- ſchen Völker anfriſchte, wenn ſie zu weichen begannen, ih- nen Benediction ertheilte, . und den Sieg verſpraH. In dieſem Manne glaubte man den heiligen Stanislaus, , den Schutzpatron Polens, zu erkennen. Leo Histor. Pruss, p. 198. 97. Die Chriſtburg. - An dem- Orte, wo das Städtlein Chriſtburg liegt, hatten die alten Preußen eine Feſtung. Dieſe belagerten die Ordensbrüder lange vergeblich. Endlich. eroberten ſie dieſelbe und erſchlugen alles, was darinnen war. Und weil dieſes war geſchehen in der heiligen Chriſtnacht, ſo nann- ten ſie die Feſtung von da an die Chriſtburg. Dieſelbe wurde ein ſtarker und wichtiger Ort für den Orden und blieb ſolches wohl an zweihundert Jahre lang, bis er auf einmal im Jahre des Herrn 1410, ganz wüſte lag. Es war damals Comthur in demſelben Albrecht von Schwarz- burg, oder wie Andere ſagen: Otto von Sangerwißz die-- ſer hatte allezeit den Krieg widerrathen mit dem Könige Jagello von Polen, der nachher ſo unglücklich für den Or- den endete. Aber die Chorherren wollten den Krieg, und als nun der Comthur ins Feld zu der Tannenbergiſchen Schlacht ausrückte, und von dem oberſten Chorherrn be- fragt wurde, wem er das Schloß anvertrauen wolle, da antwortete er ungeduldig: Dir und den böſen Geiſtern, ſo zu dem Kriege gerathen haben! =- Da erſchrak der Chor- herr ſo heftig, daß er in eine hißzige Krankheit verfiel und

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101 . den andern Tag ſtarb. Alsbald mußte ſein Geiſt in dem | Schloſſe herumſpuken; und ſo wie nachher ein Kreuzherr ſtarb, der zu dem Kriege mit Jagello gerathen hatte, wurde ſeine Seele in das Schloß zu Chriſtburg verbannt, ' ſo daß ſich hier bald ſo viele Geſpenſter eingefunden ' hätten, daß 'es fein lebender Menſch darin aushalten konnte. Die trie- ben ein fürchterlich Unweſen. Wenn die Knechte wollten in den'Stall gehen, ſo kamen ſie in den Keller, und ſoffen ſich voll, daß ſie nict wußten, was ſie thaten. Wenn der Koch 'und ſein Geſinde in die "Kirc<e gingen, ſo fanden ſie darinnen die Pferde ſtehen“ und. es war“ ein Stall daraus geworden. -Wollte der- Kellermeiſter etwas -im Keller ver- richten, ſo fand er -Waſſertröge und dergleichen darin. Wenn: die Ordensbräder im Schloſſe eſſen“ wollten, ſo wa- ven die Schüſſeln voll Blut. Es kam ein neuer Comthur von Frauenburg dahin, dem ging es am allerſchlechteſten, denn einmal :ward er im Schloßbrunnen an ſeinem Barte aufgehängen. gefunden, - daß er nur mit Mühe wieder ins Leben kamz “ein :andermal fand man ihn auf dem oberſten Dache- des Schloſſes. -Darauf fing fein Bart von ſelbſt an zu brennen und- es half kein Waſſer, bis ex aus dem Schloſſe lief. - M Das Schloß ward alſo verlaſſen und blieb öde und verfiel zu Trümmern, Dieſe ſtehen noch jet, und es haus ſen nos immer die Seelen der Ritter darin, ſo den un? glücklichen Polenkrieg veranlaſſet-. Zwei Jahre nach der Schlacht kehrte ein Bürger von Chriſtburg, ein Schmied, von einer Wallfahct gen Rom heim; der ging, "um zu erfahren, was es mit dem Geſpenſte für eine Bewandniß-- habe, einſtens um Mittage na< dem Schloß und fand auf der Brücke ſtehen des Comthurs Bruder, - der auch in der Schlacht mitgeblieben war. “ Dex Schmied, dem ſelbiger einſt

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402 ſein Söhnlein aus. der Taufe gehoben, erkannte ihn alſo- bald, und meinend, daß er einen lebendigen Menſchen-.vor ſi ſehe, ſpraH er: O Herr Gevatter, ich bin erfreuet, daß ich euch friſch und geſund ſehe; man hat mich über- reden wollen, ihr wäret erſchlagen worden; ich bin froh, daß es beſſer iſt, als ich meinte, und wie ſtehet es doch in dieſem Schloſſe, davon man ſo wunderliche Dinge redet? Das Geſpenſt antwortete hierauf: Komm mit mir, ſo wirſt du ſehen, wie man allhier Haus hält. Der Schmied folgte ihm nach, die Wendeltreppen hinauf, Da ſie in das erſte Gemach gelangt waren, fanden ſie einen Haufen Bolks, die mit Würfel und Karten ſpielten, etliche lachend, etliche flußend. Die im andern Gemache verluſtirten ſim mit Eſſen und Trinken. Von da gingen ſie in den großen Saal, wo ſie Männer, Weiber, Jungfrauen und junge. Geſellen fanden; da hörte man nichts als Saitenſpiel und Singenz und ſchaute nichts denn Tanzen, Unzucht und Schande. Folglich gingen ſie in die Kirc<e; da ſtand ein Pfaff vor dem Altar, als ob er Meſſe halten wolle; die Chorherren aber ſaßen rings umher in ihren Chören und ſchliefen. Danach gingen ſie wieder zum Schloſſe: hinaus ; alsbald hörte man in demſelben ſo jämmerlich) Weinen und Heu- len, daß dem Schmied angſt und bange ward, gedachte auh, es könnte in der Hölle nicht ſchrecklicher ſein. Da ſprach ſein Gevatter zu ihm: Gehe hin, und zeige dem neuen Hochmeiſter an, was du geſehn und gehört haſt, denn ſo iſt unſer Leben geweſen, wie du drinnen geſehenz das iſt der darauf erfolgte Jammer, den du hier außen gehört haſt. Mit den Worten verſchwand. er. Der Schmied erſchrak ſehr, dennoch wollte er den Befehl verrichten, ging zum neuen Hochmeiſter, und er- zählte ihm alles, wie es ergangen. Der.aber ward zornig, ſagte, es wäre erdichtet Ding, ſeinen ho<würdigen Orden

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103 1 in Schmach zu bringen, und ließ den Schmied fahen und erſäufen. Cagp. Sc<hüß Histor. fo]. 102. 403. Hempel Denkwürdigkeiten der Urwelt IV. 407. 408. Cagp. Henneberger Erklärung s. v. Chriſtburg. Rauſchnik, Geſpenſterſagen. Nudolſt. 1817. St. 2. Sümon Grunqu Tract. X1V. Cap. 9 u. 45. Tract. XV. C. 3. . Leo hist. Pruss. p. 193. | - 98. Der Remter zu Marienburg. Das Gewölbe auf dem großen Remter des hochmei- ſterlichen Schloſſes zu Marienburg wird getragen von ei- nem einzigen ſtarken Pfeiler, ſo daß, wenn dieſer Pfeilex ſtürzet, das ganze Gewölbe zuſammenfällt. Jn dem drei- zehnjährigen polniſchen Kriege nun, als das Schloß hart belagert ward, war ein verrätheriſcher Troßbube in dem- ſelben, der beſchrieb den Polen den Pfeiler und die Beſchaf- fenheit des Remters, und verſprach ihnen, ein Zeichen mit einem ausgehangenen rothen Hut zu geben, wenn das ganze Capitel in dem Remter beiſammen ſei, und wohin dann ein Schuß gerichtet werden müſſe, um den Pfeiler zu tref- fen, damit unter dem herabſtürzenden Gewölbe alle Ritter auf einmal zerſchmettert und begraben würden. Und als darauf eines Tages der Hochmeiſter mit allen Ordensbrü- dern in dem großen Remter bei Tiſche ſaßen, da gab der Verräther das verabredete Zeichen, und der Schuß geſchah auch, aber er that keinen ſonderlichen Schaden, denn die Kugel verfehlte den Pfeiler und ſchlug bloß oben in die Mauer, wo ſie noch jezt über dem Camin, in dem Loche, welches ſie geſchlagen, zu ſehen iſt. Nach wahrſcheinli- <heren Nachrichten hat ſich dieſe Geſchichte zugetragen im Jahre 1410, nach der Tannenberger Schlacht. Casp. Süß Historia ſol. 103.

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104 Leo Histor.-Pruss, p. 205. . - Simon Grunau Tract, X1V. Cap. 44. 99. Heinrich Reuß von Plauen- Nach der unglücklichen Tannenbergiſchen Schlacht wa- ren von dem großen Adel des Ordens in Preußen nicht mehr übrig geblieben, denn ihrer drei Ritter; dies waren HeinriH Reuß von Plauen, Statthalter und Comthur zu Schwetz, Michael von Sternberg, Pfleger der Neumark, und Heinri< Reuß von Plauen, Comthur zu Danzig. Alle drei ſtrebten heimlich nach dem Hochmeiſter- Amte. Die anderen geringeren Brüder gaben die Wahl des Hochmei- ſters allein dieſen Dreien, dieſelben möchten zum Hochmei- ſter erkieſen, welchen ſie wollten. Dieſe drei beriethen ſich deswegen unter einander, da denn endlich Michael Küch- meiſter von Sternberg, und der Comthur von Danzig die Wahl einmüthig dem Statthalter auftrugen, fagend, wel? <en er erwählen würde, den wollten ſie willig für ihren Herrn anerkennen. Sie dachten dabei im Stillen für ſich, Heinrich Reuß von Plauen werde ja ſo unverſchämt nicht ſein und ſich ſelbſt erwählen. Der Statthalter aber be- merkte wohl, wohin ihre Geſinnung ging, und auf den an- dern Tag, als nun die Wahl ſollte vorgenommen werden, trat er mit den andern beiden Rittern und den geringeren Brüdern in der Kirche vor den Altar, und fraget ſie Alle, ob ſie ihm mit den andern Zweien die Wahl übergeben, welches die Brüder alle mit ja beantworten. Er fraget weiter die beiden Ritter, ob ſie ihm allein die Wahl an- heimſtellen, und ob ſie unwiderruflich den für ihren Herrn annehmen wollen, den er ihnen benennend vorſtellen werde, und ſie ſprachen beide ja. Darauf er: Wem ich den Man- tel umhängen werde, der ſoll Hochmeiſter ſein! Er nahm alſo den Mantel vom Altar, hing ihn ſich ſelbſten um und

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405 ſprac<: J<< Heinrich Reuß von Plauen, in Kraft Eurer Aller Bewilligung, erwähle mich ſelbſten zum Hochmeiſter, als den ich vor allen Andern den tüchtigſten erkenne. = Dem durfte Niemand widerſprechen, und er war Hoch- meiſter. Henneberger Erklärung S. 270. Leo Histor. Pruss. pag. 205. Sim. Grunau Tr. XV. €. 4. 100. Der entde>te Kirchendieb. In dem Jahre 1400 hatte ein Kirchendieb die Kirche zu Conradswalde erbrochen, und neben andern Dingen ein ſilbernes Büchslein weggenommen, in welchem zwei gewei- hete Hoſtien waren. Dieſes ſteckte er in ſeinen Buſen, und als er nun des Abends gen Marienburg kommt, gehet er allda in das gemeine Frauenhaus. Als er nun mit einem Weibsbilde in einer“ finſtern Kammer war, erſiehet“'das Weib' in ſeinem Buſen etwas brennen wie ein Licht, über ſeinem Haupte auch - etwas wie ein brennendes Kreuz, Darüber erſchriekt ſie, denn es waren damals viele Mord- brenner im Lande. Sie meinet, er ſei deren Einer und fängt überlaut an zu ſchreien: Zeter; Zeter! = Nun gehet gerade an dem Hauſe die Nachtwache vorüber; als die das Geſchrei hdret, fällt ſie in das Haus. Der Kirchendieb äber entſprang durch das Fenſter: Die Wächter - eileten ihm nach; und mochten ihn auch nicht aus den Augen ver» lieren, ' da das Licht in ſeinem Buſen und über ſeinem Haupte ihn immer verrieth.' Da der Dieb das merkte, warf er das ſilberne Büchslein von ſich; "er wurde aber doch gefangen und bekannte feine“ Miſſethat. Als nun ſols ches der Hochmeiſter hörte, begab dieſer ſich mit vielen von den Seinen nach" der Stelle, wo'“der Dieb das Büchslein von ſich ' geworfen. Dieſes war durch den“ Wurf“ in eine

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106 | - Goſſenrinne unter -ein kleines Brücklein gerollet. Wie. der Hochmeiſter an dieſes Brücklein kam, ſah man unter dem- ſelben zwei brennende Kerzen. Da fielen .der Hochmeiſter und alle Anweſenden auf die Knie und nahmen mit vieler Ehrerbietung das Büchslein mit den Hoſtien auf und brach- * ten es in die Pfarrkirche. Simon Grunau Tract. X1V. Cap. 4. Henneberger Erklär. S. 62. . Leo Histor. Pruss. p, 482. Luc. David Th. VU. S. 55, 101. Ladung vor Gottes Gericht. Im Jahre 1428 war Meiſter des deutſ<en Ordens im Lande Liefland. Siegfried Lander von Spanheim, welcher zu Riga ſaß. Dieſer hatte ſein Auge auf eine Dirne ge- worfen; um aber ſeinen Handel beſſer zu verſteen, ſtiftete er. eine Heirath zwiſchen derſelbigen und einem jungen Ge- ſellen, einem Kaufherra, der aber, bevor die. Trauung noch vollzogen war, entdeckte, wie ſeine Verlobte. die Buhle des Meiſters ſei, und deshalb ihr den Kauf wieder aufſagte. Dies - verdroß „die Dirne und den, Meiſter nic<t wenig, und ſie beſchloſſen an dem Geſellen drob he; Wäthehep zu kühlen. Etliche Zeit darnach ward dieſer mit einem Male von loſen Buben, die „ev-gar. nicht Fannte,. yor dem. Landmeiſter des Diebſtahls, angeklagt, auch ſofort eingezogen und ob ex gleich -leugnete und ſeine Unſchuld deutlich darzuthun ſi exbot, „ohne -Weitres zum Strange verurtheilt, Da ex nun den Tod vor . Augen ſah und. ſchr wohl erkannte, aus was für Urſache er ſolchen erleide, ſo rief er:. daß, da in dieſer Welt, keine Rettung vor dem ungerechten Richter für ihn vorhanden ſei, er an den. Richter in jener Welt. apelliren müſſe, und deshalb lade ex. den Landmeiſter. von dem, Tage

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407 ſeines Todes an über vierzehn Nächte- vor des allerhöchſten Nichters Stuhl zu exſcheinen und ihm daſelbſt Rede- und Antwort zu geben: warum ex ihn ſo ſchmählichen : Todes unſchuldigerweiſe ſterben laſſe. ' Der Landmeiſter achtete dieß nicht groß und ließ ſich gegen“ die. beſtimmte Zeit ,an Eſſen, : Trinken' und andern Freuden nichts. abgehen, 'um deſto beſſer. ſeinen Unmuth zu dämpfen. Am- dreizehnten Tage jedoch fiel ex mit einem Male in. eine ſchwere Krankheit, und indem er ſchrie; ex müſſe nun erſcheinen, er ſehe den gehängten Jüngling, der ihn vor das Gericht.geladen, ſhon auf ihn warten, ver- ſchied er plötzlich. Die Dirne aber ward bald ſelbſt des Verbrechens, deſſen der Geſelle beſchuldigt worden, ange» klagt und entfloh, um der verdienten Strafe zu entgehen, in einer Mönchskutte verſte>t, aus dem Lande. Was wei- ter mit ihr geſchehen, iſt nicht kund geworden. PEU A. Krautzii Vandalia Lib. XI, c. 2. LERA 102. Die Sonntagsgeſpenſter. Der große. Rei<thum, der während der Blüthezeſt des :Ordens ſich in vielen Gegenden - Preußens angehäufet, hatte die früheren einfachen Sitten der Bewohner in: Uep- „pigkeit und Schlemmerei verkehrt. Beſonders war - des „Trinkens und Eſſens kein Ende, und es war ſelbſt Sitte :geworden; die Sonn - und Feſttage : den Trinkgelagen „zu -widmen, "Dieſen Gräuel konnte aber Gott nicht länger -anſehn, und zur.Strafe ſendete.er gräßliche Geſpenſter, welche an Sonn 7. und Feſttagen in. den Schlöſſern, Burgen und Wohnungen ſich .am hellen Tage zeigten, die Leyte beim Eſſen und Trinken anfielen und ſir dermaßen peinigten, daß . viele während 'der Mahlzeit von Raſerei ergriffen wurden, nach Art der Hunde auf den Straßen umher liefen und ſchrieen: was. wir ſuchten, haben wir gefunden; Einige ſich

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108 . in Flüſſe und Brunnen, Andere ins Feuer ſtürzten und bei lebendigem Leibe verbrannten. Die Geſpenſter verbreiteten ein ſolc<es Entſeßen, daß an den Sonn - und Feiertagen es überhaupt niemand mehr wagen mochte, etwas zu ge- nießen. Um dieſem Leiden ein Ende zu machen, hielten die Preußiſchen Biſchöfe im Jahre 1430 eine Synode, wo bei ſtrenger Strafe angeordnet ward: daß an Sonn - und Feſt- tagen vor verrichtetem Gottesdienſte weder Bier, no< Brannt- wein, noch Wein ſollte verkauft werden. '- Von dieſer Zeit an verſchwanden die Geſpenſter 'wieder: Sim. Grunau's Chron. Tr. XV. C. 6... * 103. Das Thornſche Faſtnachtſpiel. Wie in vielen andern preußiſchen Städten, ſo hielt man im Faſching des Jahres 1440 auch in Thorn eine Mum- merei: alte Weiber jung zu machen. Jn Teufelslarven gehüllte Leute liefen auf den Straßen umher und trieben mit den Borübergehenden Kurzweil. “ So kam auch ein Bauer zur Stadt gefahren und- hatte hinter ſich feine alte „Mutter auf dem Wagen ſien. Die Teufel laufen flugs hinzu, einige an die- Pferde, einige zum :Bauer, andere: zu dem alten Weibe, welche heftig erſchrak. und gewaltig ſchrie. Der Bauer -aber,- der das Ding nicht recht verſtand, nahm einen eiſernen ' Flegel vom Wagen und gab dem ihm zu- nächſt befindlichen Teufel einen ſo heftigen Schlag, daß er ſofort todt niederſtürzte, worauf die übrigen, denen ' ſolche Kurzweil nicht behagen mochte, die Flucht ergriffen. Dar- über lief das Bolk herzu und warf dem Bauer vor, daß er einen Menſchen getödtet. Dieſer aber vertheidigte fich : nicht einen Mann, ſondern einen Teufel habe er erſchlagen, da er wohl dieſen, nie aber einen Menſchen ſo abgebildet geſehen. Aber troß ſeiner Gegenrede ward er zum Verließ

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109 geſchleppt. Als man jedo< nun den Leichnam aufheben wollte, da fand man unter der -Larveund den Kleidern nur ſtinkende Aſche. Der Bauer blieb nun um deſto mehr da- bei, er habe nur einen Teufel erſchlagen, und wurde denn auch wieder frei gelaſſen. Simon Grunau's Chronik Tr. XV, C. 21. 104. Der Dammbruch bei Sommerau. Im Jahre 1463 am Dienſttage vor Jubilate trieb ein heftiger Sturm das Waſſer im Nogatſtrome ſo hoch, daß es eine Otternhöhle in der Nähe von Sommerau erreichte, und dadurch einen ſol<en Bru im Damme machte, daß faſt alle Dörfer des Fiſchauſc<hen Werders von den Flu- then bedeckt, die Wohnungen fortgeriſſen, Menſchen und Vieh erſäuft und die Bewohner in wenigen Augenblicken um all ihre Habe gebracht wurden. Als ſich nun das Waſ- ſer endlich wieder in das Haff und den Drauſenſee verlau? fen, verſuchte man es, die entſtandene Oeffnung zuzudäm- men. Aber alle Anſtrengung war umſonſt; denn was des Tages über gemacht worden, fand man am nächſten Mor- gen jedesmal wieder verſunken. Als nun die Bauern noch eine Berathung hielten, aber feiner mehr aus noch ein Wußte, da trat plötzlich ein Unbekannter in die Verſamm- lung und eröffnete derſelben, daß es erſt dann gelingen würde, das Loch wieder zu verſtopfen, wenn zuvörderſt ein lebender Menſch in daſſelbe hineingeſtürzt wäre. Die Bauern folgten dieſem Rathe und machten einen Bettler berauſcht, der dann, als er ſeiner Sinne nict mehr mächtig war, an das Loch geführt, in den Bruch hineingeſtärzt und ſofort mit Erde beſchüttet wurde. Und ſiehe! von Stund" an ge- lang es mit leichter Mühe, die Oeffnung im Damme zu verſtopfen. b Hartwich Beſchreib, der Werder S, 491.

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110 405. Der Graf von Naſſau. - Als im Jahre 4374 am Gründonnerſtage auf dem Ordenshauſe zu Brandenburg das Nachtmahl des Herrn“ ausgetheilt werden ſollte, ward einer dev anweſenden Rit- ter, cin Graf von Naſſau, dergeſtalt vom böſen Geiſte er- faßt, daß er den Prieſter vom Altare ſtieß, das Allerhei- ligſte ergriff und zu Boden warf und mit Füßen darauf . trat. Er ward hierauf in den Thurm gebracht, wo er unter furchtbaren Qualen und Anfechtungen des Teufels feinen Geiſt aufgab. Zohannes von Rieſenburg Jahrbücher S. 314. 106. Der Biſchof Dietrich von Cuba. Unter dem Schloſſe zu Tapiau iſt ein tiefes Gewölbe, welches früher hart an die ehemalige untere Sacriſtei der Kirche ſtieß. In dieſem Gewölbe haben die Ordensritter gar viele Gräuelthaten verübt. Unter andern lebte unter dem Hochmeiſter Heinrich von Richtenberg im Jahre 1474, ein gelchrter und frommer Mann, geheißen Dietrich von Cuba, Doctor in beiden Rechten, und deshalb wohl gelitten vom Papſt Paulus dem Anderen, und deſſen Nachfolger dem Papſte Sixtus, welcher ihn derohalben auch, gegen den Willen des Hochmeiſters und des Capitels, zum Bi- ſchof in Samland machte. Darüber geriethen der Hoch- meiſter und die „Ritter in großen Zorn, und als -der Bi- ſchof gen Königsberg kam, da wurde er empfangen, wie man Einen pflegt aufzunehmen, den man nicht gerne haben will, und ſie trachteten nur, wie ſie ihn ihres Gefallens demüthigen möchten. Der Biſchof aber gab nicht viel auf den Hochmeiſter, er tröſtete ſich ſeines Beſchüßers, des Papſtes, und ſuchte nur zuvor ſein bisher verwahrloſetes

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411 Capitel zu reformiren, hoffend, es dann auch auf gleiche Weiſe mit dem damals ſehr verdorbenen Orden ſelbſt zu machen. Da ſolches ruchtbar wurde; ließ ihn der Hoch» meiſter vermahnen, von ſeinem böſen und unbilligen Vor- haben abzuſtehen. Der Biſchof aber ward nur noch ſtol» zer und hochmüthiger, beſonders zegen den: Hochmeiſterz da berief dieſer ſeine Gebietiger; legte ihnen des Biſchofs Practiken vor, und fragte ſie, was hierin nun zu thun ſei, und es ward beſchloſſen, man ſolle ihn gefänglic< anneh» men. Alſo ward er am. Montage nach Judica gefangen und gen Tapiau ins Schloß geführet. Dort hielt man ihn anfänglich in einem ehrlichen Geimache, wie einem Biſchofe gebührte. =; Es war aber zu derſelbigen Zeit zu Tapiau auf dem Schloſſe ein Capellan, ein tückiſcher, böſer Menſch. Dieſer machet ſich an den Biſchof, beſuchet ihn täglich, und redet ihm zu, daß er ſolle entfliehen, ſeine Hülfe. ihm -anbietend, Der Rath gefällt dem Biſchofe und ex willigt darein. Al- lein der Capellan verräth alles den Rittern, »und als der Biſchof ſchon glaubte, wieder fri 'zu ſein; wurde er von neuem gefangen. Der Hochmeiſter und die Ritter beriethen nun wiederum, was mit ihm atzzufangen, . und beſchloſſen endlich, ihn Hungers ſterben zu laſſen. Da wurde er durch zwei Kreuzherren heimlich in das finſtere Gewölbe unter dem Schloſſe geführt, allda mit Händen und Füßen kreuz weiſe an eine Mauer angeſchmiedet, und ohne Eſſen und ohne Trinken gelaſſen. Ac<bt Tage lang hat der : arme Greis es alſo ausgehalten, denn als es ſi< am achten Tage nachher begeben, daß unter der.:-Meſſe + die Sacriſtei unverſehens offen“ geblieben, hat 'alles Bolk in-der -Kirche den Biſchof mit. heiſerer Stimme rufen hören? Mein Gott, mein Gott, erbarme Dich meiner! == "Die Leiche . des -Bi- ſchofs ward nachher gen Königsberg gebracht, und als der

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412 ' Papſt in Rom von der Unthat, hörte. und Genugthuung verlangte, da. traten ſieben Männer, vom Orden mit Geld erkauft, vor den Papſt.mit aufgehobenen Fingern und ſchwu- ren, der Biſchof. ſei eines rechten, natürlichen Todes ge- ſtorben, wodurch der Zorn des Papſtes gelindert wurde.-- Aber man hört noch oft in dem ' Gewölbe des .Schloſſes zu Tapiau um Mitternacht die heiſere Stimme eines alten Mannes, welche mit ihren letzten Kräften. ruft: Mein Gott, mein Gott, erbarme dich meiner! Man. glaubt, daß dies die Stimme des Hochmeiſters Heinrich von -Richtenberg ſei, der 'den Biſchof ermordet, deſſen. Leichnam zwar im Dome zu Königsberg begraben liegt, deſſen Seele aber in Tapiau feine Ruhe finden kann. Denn als dieſer Hochmeiſter nach- her von einer ſchweren Krankheit ſc<on wieder geneſen war, hörte man ihn auf einmal rufen: Auf, den Harniſch her, die Gäule geſattelt, die Pfaſfen haben mic< vor Gottes Gericht verklagetz wer wird ſich meiner erbarmen! Und mit dieſen Worten ſtarb er plötzlich. Henneberger Erklärung S. 202. 449. Erl. Preuß. Th. 1. S. 471 fgg. Simon Grunau Tr. XVUU. C. 3. und mündlich. ' 107. Hans von Tieffen. Der zwei und dreißigſte und zweitletzte Hochmeiſter des deutſchen "Ordens war Hans von Tieffen, ein Edelmann aus der Schweiz. Er war vorher Pfleger zu Schaaken, und- dann Comthur zu Brandenburg geweſen. Erwar von einem ehrlichen und hohen Geſchlec<t, und wie man mei- net, -der Letzte darinnen. - Er hatte von Jugend auf ſeinen Orden ſtrenge gehalten, hat nie 'in einem Bette geſchlafen, auch kein leinenes Hemde getragen, iſt immer fromm und gottesfür<tig geweſen- Wie treu er es mit ſeinem Lande und den Unterthänen „meinte, beweiſet folgende Hiſtorie :

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113 Er ritt eines Tages von Brandenburg nach Königsberg, und wie er auf den Haberberg kam, ſahe er die Stadt Königsberg an, und ſeufzete heftig. Da ritt zu ihm Einer von ſeinen Räthen, fragend, was Ihre Gnaden ſo hart ſeufzen? Er antwortete: über die Thorheiten meiner Vor- fahren , welche das ſchöne Land verloren, und ſo viele. Schulden gemacht, die wir unſer Lebenlang nicht zu zahlen wiſſen. Darauf hat der Rath geantwortet: Gnädiger Herr, es ſind jet herrliche Jahre geweſen, und es weiß vor großem“ Ueberfluß ſchier Niemand, wie er ſich kleiden ſolle. Da iſt keine Dorfmagd, ſie hat ihre ſilbernen. Spangen und Knöpfez da iſt keine Handwerksfrau, ſie hat eine Menge von Kleidern, große Gürtel, Beutel, Paternoſter, ſilberne Becher, Löffel u. ſ. w. Und bei dem Adel iſt des Prans- . gens gar fein Maaß. Dieſelben Dinge ſollen Euer Gna- den angreifen, und eine Schaßung darauf legen, dann kom- men Euer Gnaden zu Gelde und können die Schulden be- zahlen! == Aber darauf ſpra<; der Hochmeiſter Hans von Tieffen: Nein, da behüte uns Gott vor! Sollen wir un- ſern getreuen Unterthanen nehmen, was ihnen Gott gab? Nein, aber wir wollen ſo regieren, daß man ſagen möge: der Hochmeiſter iſt ein reicher Fürſt, denn alle ſeine Unter- thanen ſind reich, und haben Geld und genung! =- Da das der Rath hörte, ſ<ämete er ſich, ſchwieg ſtille und ritt bei Seiten. Henneberger Erklärung S,. 211. Leo Histor. Pruss. pag. 335. 108, Strafe der Habgier. Unter dem Hochmeiſter Friedrich von Sachſen ſaß auf Saſſenheim ein Vogt, der unmaßen habgierig und ſehr hart gegen die Unterthanen war, und deshalb den Bauern wider ihre Verſchreibungen das Recht des Fiſchfangs im Liliss- 8

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114 ' * fenſee entzog. Aber fortan vermochten die von ihm ange- ſtellten Fiſcher auch nicht ein Fiſchlein zu fangen. Der Vogt, welcher meinte, daß dies mit Hexerei zugehe, ließ einen Taucher herbeiholen, einen Franken Namens Gabla- tus, damit dieſer erkunde, ob in dem See Fiſche wären. Der Taucher, nachdem er drei Stunden im Waſſer ver- weilt, während welcher Zeit man die Netze zog, berichtete: daß ſich zwar Fiſche in Fülle im Waſſer befänden, ſie aber ſo über die Maßen klug wären, daß ſie die Netze vermie- den. Der Bogt, der ſich hiermit nicht zufrieden gab, bes fragte eine Wahrſagerin. Dieſe antwortete ihm: daß die Fiſche in dem fiſchreichen See nicht gefangen werden könn- ten, ſei eine Schickung Gottes zur Strafe ſeiner Habgier, und dies würde auch nicht eher anders werden, als bis er ſelbſt verſtorben ſei und die Fiſche mit ihm. Der Vogt verlachte dieß als ein Altesweibermärc<en. Als er bald darauf aber auf der Jagd auf einen Bären gerieth, ſcheute ſein Roß und ſtürzte mit ihm in den See, ſo daß beide untergingen. Am andern Tage ſah man die Fiſche zahl- los auch todt auf dem Waſſer umherſchwimmen, und daſ- ſelbige Jahr war kein Fiſch im See, hernac< aber -waren Fiſche genug, ließen ſich auc) ohne Mühe fangen. Sim, Grunau's Chron. Tract. XV1. C. 6, (MS.) 109. Die Ueberrumpelung von Elbing. In dem Kriege, den der lezte Hochmeiſter des deut- ſchen Ordens, Markgraf Albrec<t von Brandenburg, mit den Polen führte, zogen Anno 1521, am Montage nach Oculi, die Streiter des Markgrafen aus, um die Stadt El- bing zu überrumpeln. Sie kamen in der Nacht vor Elbing an, ohne daß man ihrer gewahr wurde. Sie überfielen heimlich die Ziegelſcheune vor dem Thore, nahmen das

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115 Volk darinnen gefangen, und verwehrten es, daß es denen in der Stadt kein Zeichen oder Geſchrei geben konnte. Darauf verbargen ſie ſich in großen Haufen an dem Thore. Wie nun am andern Morgen um acht Uhr ein Fuder Holz in die Stadt fuhr, und um es einzulaſſen, ſonder Arg das Thor gedffnet wurde, da fingen die, ſo dem Thore am näch- ſten waren, an zu laufen, und kamen zugleich mit dem Fu- der in die Stadt hinein. Aber es wurde gleich Lärm ge- ſchlagen, und die Wache am Thore und die herzugelaufe- nen Bürger zogen die Zugbrücke auf, ſo daß nicht Mehrere von außen her in die Stadt kommen konnten. Zugleich ſchlugen jedoch die Markgräflichen draußen ihre Hellebar- den an die Zugbrücke, und zogen nun von außen, und wur» den bald den Bürgern, die von innen zogen, zu ſtark, daß die in der Stadt die Stricke losließen;z da ſchlug die Zug- brücke nieder, aber von dem ſtarken Ziehen, welches geſche- hen war, ſchnellte ſie wieder auf, und ficl aus den Haken in den Graben. Die Bürger in der Stadt machten darauf" das Thor zu und ließen das Schoßgatter vorfallen, worauf denn Der ganze Anſchlag derer des Markgrafen zu nichte wurde. Der Tag, da die Stadt Elbing alſo durch Got- tes gnädige Fürſorge gerettet, wird daſelbſten noch feier» li< begangen durch einen Lobgeſang in der Kirche und durch Austheilung von Geld und Speiſe an dürftige Leute. Zum Andenken dieſer Begebenheit ward die Form eines Spatens in einen Stein, unten am Thore linker Hand vom Eingange in die Stadt her, eingehauen, welche Vertiefung im Stein noch daſelbſt zu ſehen iſt. Das Eiſen des Spa- tens, womit das Tau des Fallgitters abgeſchnitten, ward in zwei Bleche in Spatenform ausgeſchlagen, die äber dem Eingange des Thors befeſtigt wurden. Jett ſind davon nur noc< die Bretter, auf welchem die Bleche angenagelt 8% «4

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416 geweſen, vorhanden, da der Roſt das Eiſen ganz ver- zehrt hat. Henneberger Erklärung S. 118. Fuchs Beſchreibung v. Elbing Th. 1. S. 81 fgg. 110. Die bewährte Unſchuld. Als im Jahre 1521 die Landsknechte einen heimlichen Ueberfall auf die Stadt Elbing unternommen, ward ein lahmes Weib, ſo nur auf einem Fuße und zwei Krücken ging, beſchuldigt, um die Sache gewußt zu haben, und des- halb vom Rathe, obwohl ſie beharrlich ihre Unſchuld be- theuerte, zur Strafe des Erſäufens verurtheilt. Man ſtürzte ſie in Folge deſſen von der hohen Brücke gebunden in den Elbingfluß, wobei ſie ihren Schußpatron den heiligen Ja- cob anrief, ſie zu retten und ihre Unſchuld darzuthun. An- fangs fiel ſie zu Grunde und blieb lange unten liegen, ſo daß männiglich meinte, ſie ſei ſchon ertrunken. Endlic< brachte ſie der Strom wieder in die Höhe und führte ſie bis an die großen Kiehnrahmen, deren viele über den Strom lagen, mit Ketten an beiden Ufern befeſtigt, daß“ die Feinde nicht ſtromaufwärts ſollten kommen können. Als ſie hier eine Zeitlang gehangen, trieb ſie der Strom drunter durch, wobei ſie ſtets zum heiligen Jacob rief. So ward ſie bis zur rothen Fiſcherbude getragen und dort noch lebend ans Land geworfen. Der Büttel wollte ſie zwar von Neuem in den Fluß ſtürzen, aber das Volk, das nachgefolgt war, da es den klaren Beweis ihrer Unſchuld vor Augen hatte, entriß das Weib ſeinen Händen und löſete deſſen Bande. Henneberger Erklärung S. 419 fgg- 111. Die Belagerung von Holland. - Jn dem Kriege zwiſchen Hochmeiſter Albrecht undden Polen belagerten letztere das Städtlein Holland; aber ob-

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117 wohl ſie mit 8000 Mann davor lagen und in der Stadt wenig Volks war, ſo mußten ſie do<, nachdem ſie 2000 Mann verloren, mit Schimpf wieder abziehen. Die Ge- fangenen bekannten, daß ſie beim Sturm den heiligen Georg auf den Mauern geſehen, deshalb hätten ſie weichen ' müſ- ſen. Daß himmliſcher- Schutz über der Stadt waltete, zeigte ſim auch, als eine aus einer Nothſchlange geſchoſſene Kugel in eine Wiege zwiſchen zwei Kinder fiel, ohne dieſen den mindeſten Schaden zuzufügen. Henneberger Erklärung S. 459. 112. Das Teufelsbündniß. Jn einem Dorfe bei Kreuzburg lebte einſt ein Bauer, der durch unverſchuldetes Unglück ſo verarmt war, daß er kein Saatforn und kein Brodgetraide mehr hatte, Als er nun einſt an einem Frühlingstage auf ſeinem Felde umher wandelte, und bekümmerten Herzens ſah, wie auf ſeinem Lande bloß Unkraut wucherte, während auf den Aeckern ſeiner Nachbarn die Saaten im ſchönſten Grün des Früh» lings prangten, und nun gedachte: wie ſchon jeßt daheim die Kindlein vergeblich nach Brod riefen, da geſellte ſich zu ihm eine ſtattliche, mit prächtigen Gewändern geſchmückte Frau, redete ihn freundlich an und fragte theilnehmend nach der Urſache ſeines Kummers. Als der Bauer dieſe berichtet, erwiederte ſie: wie ſie mit ſeinem Schiffale Mit- leid empfinde, und gern dereit ſei, von ihrem großen Reich- thume ihm ſo viel mitzutheilen, daß er viele Jahre davon die Seinen ernähren und ſein Feld beſtellen könne, aber zur Vergeltung begehre, daß er ſein jüngſtes Töchterlein, wenn es vierzehn Jahre geworden, ihr zum Dienſte übers eigne, und zu dieſem Zwecke an den Ort, wo ſie ſich eben befanden, bringe. Dem Bauer war es wohl ſchmerzlich,

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118 ſic von ſeinem Kinde zu trennen, und er kämpfte lange bei ſi, da er aber die Frau ſo freigebig und freundlich ſah, ſo meinte er: ſein Töchterlein werde gute Tage bei ihr haben, und ſc<lug endlich ein, worauf das Weib ihm eine Ader öffnete und ihn mit dem aufgefangenen Blute eine Schrift unterzeichnen ließ. Der Bauer empfing darauf das Geld, konnte nun ſeine Felder beſtellen und wurde bald der reichſte Mann weit und breit. Die getroffene Ueber? einfunft war längſt ſeinem Gedächtniſſe entſc<hwunden, als er eines Tages, gerade als ſein Töchterlein das vierzehnte Jahr zurückgelegt, mit demſelben auf dem Felde luſtwan- delte. Da trat jene Frau wieder zu ihm, mahnte ihn an ſein Verſprechen und wollte das Mägdlein gleich mit ſich führen. Dem Vater war es unmöglich, ſich von ſeiner Tochter, die er herzlich liebte, ſo plötzlich zu trennen, und er hielt ſie feſt und wollte ſie nicht laſſen. Da riß die Frau ihm dieſelbe fort, ſ<wang ſich mit ihr in die Höhe und eilte durch die Lüfte davon. Der Bauer aber, der, nun erſt erkannte, daß er dem Teufel ſein Kind verſchries ben, fiel auf ſeine Knie und bat Gott mit inbrünſtigem Gebete, daſſelbe aus den Händen des Böſen zu erretten. Und ſeine Bitte ward erhört. Denn es kamen Engel vom Himmel, entriſſen dem Teufel das Mägdlein und führten es in die Arme des Vaters zurück. 113. Die heilige Jutta. Im Jahre 1260 verſchied zu Culmſee die heilige Jutta, die Mutter des Hochmeiſters Hanno von Sangerhauſen, der ſie, da er no< als Comthur auf Althauſen ſaß, nach dem Tode ihres Gatten, des Freiherrn Carl von Sanger- hauſen, mit ſi aus Thüringen gen Preußen geführt hatte. Dort wohnte ſie mit vier Jungfrauen in dem Kloſter zu

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119 Culmſee, von dem Biſchofe Heinrich mit dem nothdürftig- ſten Lebensunterhalte verſorgt. Da ſie des Leſens unkun- dig war, und es deshalb ſchmerzlich empfand, daß ſie ſich nicht an frommen Büchern zu erbauen vermöge, ſo kam ein Engel vom Himmel, der innerhalb einer einzigen Stunde ſie ſo weit brachte, daß ſie alles fertig leſen konnte. Von Gott erbat ſie ſich als eine Gnade: in dieſer Welt verach- tet und verhöhnt, in jener aber erhöht zu werden. Und dieſe Bitte ward ihr gewährt. Nicht nur in ihrem eige- nen Kloſter ward ſie drei Jahre hindurc< mit unglaubli- <er Schmach angethan, ſondern es wurden ihr auch von den Kreuzesbrädern die ſchmählichſten Verbrechen vorge- rückt, ſo daß ſie ſi) durch die Feuerprobe reinigen mußte, indem ſie einen glühenden Dreifuß ohne allen Schaden trug. Einſt, als ſie mit frommer Beſchauung beſchäftigt war, kamen Engelein, die ſie dur; den Himmel trugen. Da die Fromme die Sorge für einen kranken Prieſter über- nommen und deshalb allnächtlich ihr Kloſter verlaſſen mußte, ſo erſchien immer ein helles LiHt, welches ſie hin und zu- rück geleitete. Als ſie das Herannahen ihres Todes fühlte, ließ ſie ſich in die Kirche bringen, wo ihre Seele, während Biſchof Heinri< das Todtenamt hielt, unter dem Geſange der himmliſchen Heerſchaaren in den Himmel geführt ward. Noch nach ihrem Hingange ließ Gott auf ihre Fürbitte viel Wunder geſchehen. Luc. David Chron. Bd. 1V. S. 88 fgg. Leo Histor. Pruss. pag. 99 sq. 114. Seiligenlinde. Die heilige Linde, welche nahe bei der Stadt Raſten? burg ſteht, iſt ſc<on lange als Kapelle und Wallfahrtsort berühgyt geweſen. Zur Zeit der Heiden ſtand daſelbſt eine übergroße Linde, unter welcher viele Götter verehret wurs

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420 den. Beſonders hatten unter derſelben in der Erde kleine unterirdiſche Männlein, Barſtukken geheißen, ihre Woh- nung; dieſelben erſchienen den Kranken, ſonderlich -zur Nachtzeit bei hellem Mondenſchein, und hegten und pfleg- ten ſiez auch trugen ſie dem, welchem ſie gut waren, Korn zu aus den Scheunen und Speichern :anderer Leute, die fich undankbar gegen ſie bewieſen hatten. Jhren Freunden waren dieſe Barſtukken getreue Hausmännlein, und pflegten ſie allerhand Arbeit für ſie zu verrichten. Es wurde ihnen, um ſie zu verehren, des Abends ein Tiſch geſetzt, den be» deekte man mit einem ſauberen Tiſchtuch ,- ſette darauf Brod, Käſe, Butter und Bier, und bat*ſie zur Mahlzeit. War nun am anderen Morgen auf dem Tiſche nichts mehr gefunden, dann war dieſes ein gutes Zeichen z war aber im Gegentheil die Speiſe über Nacht unberührt geblieben, ſo war das ein Zeichen, daß die Götter von dem Hauſe des Opfernden gewichen ſeien. Späterhin iſt Heiligenlinde ein <riſtlicher Wallfahrts- ort geworden und es wird dort die Mutter Gottes vereh2 ret. Dieſes hat ſeinen Urſprung auf folgende Weiſe: Vor vielen hundert Jahren war zu Raſtenburg ein Uebelthäter ins Gefängniß geſeßt, der den Tod verwirkt hatte. . Am Tage vorher, da ihm ſein Recht geſchehen ſollte, iſtihm im Gefängniſſe die heilige Jungfrau Maria erſchienen und hat ihn mit tröſtlichen Worten angeredet, ihm auch ein Stü“ Holz und ein Meſſer gegeben, mit dem Befehle, auf dem Holze zu ſchnißeln, was er wolle. Dieſes hat er gethan. Wie nun der Morgen herankommt und der arme Sünder * vor das Gericht geſtellt wird, da zeigt er das Stälein Holz vor, an dem er in der Nacht geſchnitelt. Und ſiehe, auf demſelben zeigt ſich ein wunderbar ſchönes und künſt» kic<es Marienbild, in dem Arme das Kindlein Jeſs hal- tend. Als man dieſes ſahe und der Miſſethäter dabei er

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121 zählte, wie ihm die heilige Jungfrau erſchienen, da erkannte man das Wunderwerk, ſo geſchehen, und das Raſtenbur- giſche Gericht ließ den armen Sünder los. Darauf ging nun dieſer, wie ihm gleichfalls die heilige Jungfrau befoh- len, von Raſtenburg gen Rößel, um das Bild auf die erſte Linde zu ſetzen, die er auf ſeinem Wege antreffen würde. Er iſt alſo gegangen 4 Tage in der Jrre und hat eine Linde geſucht, bis er endlich unweit Rößel Eine gefundenz auf dieſe ſette er ſein Bildchen, welches fortan große Wun- derwerke gethan. Es blieb nämlich von Stund" an die Linde grün, ſo im Winter wie im Sommer, Es geſchahe auch, daß bald darauf ein ſtoblinder Mann vorbeireiſetez als dieſer an die Linde kam, ſahe er plößlich ein hellgläns ' zendes Lic<tz; nach demſelben faßte er mit den Händenz das Licht aber kam von dem Bilde, und ſowie er das letz- tere berührt hatte, wurde er ſehend. Darauf wurde das Bild von vielen Leuten verehretz ſelbſt das Vieh, wenn es unter dem Baume hergetrieben wurde, hat vor ihm die Knie gebogen. Als ſolches die Raſtenburger hörten, gingen ſie in großer Proceſſion an den Ort, nahmen das Bild von ſeinem Orte und brachten es in die Stadt. Allein in der Nacht war das Bild aus der Stadt verſchwunden und Hatte ſim von ſelbſt wieder zu der Linoe begeben. Alsbald find die Raſtenburger mit einer größeren Proceſſion noch» mals hingegangen und haben das Bild geholt und in die Stadtkirche geſeßt. Aber am andern Morgen war es wie- derum verſchwunden und zu ſeinem akten Orte zurückge- Lehrt. Da hat man es nicht wiedergeholt, ſondern an dem Platze eine Kapelle gebaut. Noch jetzt geſchehen viele Wun- der an dev Heiligenlinde, und es iſt merkwürdig, daß alle Bäume in derſelben Gegend ihre Wipfel nach der Kapelle zu neigen, als wenn ſelbſt die Pflanzen ihre Verehrung für den heiligen Platz zu erkennen geben wollten.

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122 Acta Boruss. 1 pag. 245. Leo histor. Pruss. p. 10 seq. Clagius de Linda mariana Lib. 1. Cap. 45. pag. 84 eq. Hartknoch Kirchenhiſtorie S. 190 fgg. | ! 115. Die Eiche des heiligen Jodocus, In der Nähe der Stadt Labiau ſtand hart am Waſ- ſer in früheren Zeiten cine Eiche, welche dem preußiſchen Heiligen Jodocus gewidmet warz ſie war groß und inwen- dig hohl, jeder Schiffer, der an ihr vorbeiſegelte, unter- ließ es nicht, einen Pfennig in ihre Höhlung zu werfen, “denn der heilige Jodocus war der Beſchüßer der Gewäſ- ſer, und wer ihm opferte, hatte kein Ungemach auf dem Waſſer zu befürchten. Den Schatz wagte niemand anzu- rühren. Es hatte ſich aber ein böſer Menſch aus der Ge- gend die Sache gemerkt, und er nahm eines Tages den ganzen Schatz fort, welcher ſic auf mehr als 40 Mark belief. Der Baum iſt nachher verdorrt. Die Stelle, wo er geſtanden, iſt noc: bekannt, und gottesfürchtige Schiffer, wenn ſie vorveikommen, werfen nor: immer einen Pfen- nig hin. Hartkno<h Kirchenhiſtorie S. 194. 116. Das Bild der heiligen Barbara. Zu Marienburg auf dem Scloſſe befand ſich ein Bild der heiligen Barbara, das man während des polniſchen Krieges dorthin geflüchtet hatte. Es begab ſich aber im Jahre 1415, daß eine große Dürre eintrat, ſo daß alles Getraide auf dem Felde verdorrete. Da ward angeordnet eine große Proceſſion, um den Himmel um Regen anzufle- hen, und es ſollte das Bild der Heiligen hin gen Willen- . berg getragen werden. Als man aber mit demſelben hin- austreten wollte, begann ein Regen, der jedoch wieder inne

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123 hielt, ſo lange die Proceſſion währte, wie denn ſonſt auch die ſc<önen Chorhemden, mit denen die Geiſtlichen angethan waren, ganz verderbt ſein würden. Sobald aber die Pro- ceſſion beendigt war, fiel der Regen in Strömen herab und es regnete den halben Tag und die ganze Nacht, dem Volke zum großen Troſte. Und ſo oft es ſpäter anſing zu dürre zu werden, trug man wieder das Bild in Proceſſion, und alſobald kam auch ein gedeihlicher Regen. Johannes v. Rieſenburg Jahrbücher S. 300. 117. Heinrich Knotte, der Teufelsbanner. Zu der Zeit Dietrichs von Altenburg, des Hochmei- ſters, war zu Thorn ein Pfaffe Herr Heinrich Knotte, der ſich rühmte, den Teufel austreiben zu können. Nun wa- 'ren einſtmals viel der Pfaffen zu dem Begräbniß eines Bürgers, Nicolaus Roſſe, verſammelt. Als dieſe tüchtig gezecht hatten, und der Wein ſie übernahm, da begannen ſie mancherlei ſc<ändliche läſterliche Reden zu führen, darob ſelbſt den anweſenden Laien grauete. Während deß kommt plötzlich unter dem Tiſche ein gräulicher Hund hervorge- krochen, ſo daß jedermann ſich heftig entſette. Da rief dieſem Heinrich Knotte zu: „o Hund, du böſer Geiſt im Hunde, ich gebiete dir, hebe did hinweg!“ Der Hund aber ſegte ſich ruhig nieder und ſprac<: Wenn du fromm wäreſt, ſollre es mich nicht verdrießen, daß ich dir müßte gehorſam ſein, aber dein Leben iſt nicht geiſtlich. Wie uns terfängſt du dic denn doch ſo großer Gewalt? O bedenke, es wird Gott bald verdrießen, und iM mit den Meinen werden dann gelten. Der Pfaffe ſprach hierauf: „Es ge- ſchehe wie recht iſt, du aber verſchwinde!“ Und der Hund verſchwand alsbald. Aber den Pfaffen verließen auch ſo- fort die Sinne, ſo daß er todt zu Boden ſtürzte. Da dies männiglich für eine Strafe Gottes hielt, ſo weigerte man D

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124 ihm ehrliches Begräbniß; ein junger Prieſter jedoch, der ſein Kumpan geweſen, übernahm es, ihn zu beerdigen. Aber der Teufel kam in Geſtalt des Todten und erwürgte jenen vor allem Volke. Einige berichten auch: daß der Teufel in Geſtalt eines Hundes ſchon vor jenem Vorfalle häufig der Begleiter Heinrich Knotte's geweſen. | Simon Grunau's Chron. Tract. X11. C. 6, (MS.) Sebast. Moeleri Chronic. (MS,) , 118. Das fromme Geſpenſt. Während der Peſt im Jahre 1343 zeigte ſich in ei- nem Kloſter Preußens ein Geſpenſt, das überall umherging und von allen geſehen ward, auch: ſiH allen freundlich be- wies, jedoH mit keinem ſpraM. Wenn es ſah, daß cin Mön< in der Kirche fehle, ſo holte es ihn flugs herbeiz die aber, welche es berührt hatte, ſiechten alsbald, ſo daß ſie ihre Säumigkeit mit ihrer Geſundheit büßten. Einige Brüder des deutſchen Ordens hatten von dieſem Schemen vernommen, und famen aus Neugierde, um ihn zu ſehen, herbei, ſtanden auch nicht an ihn zu beſchwören und ver- ſchiedene Fragen an ihn zu thun. Anfangs winkte ihnen der Geiſt, daß ſie davon gehen möchten, da ſie aber nicht folgten, ſondern ungeſtümer mit Beſchwörungen auf ihn losgingen, ſo drückte er ſie fo, daß ſie zeitlebens die bis- herige Geſundheit nicht wiedererlangen mochten. Endlich machte der Prior des Kloſters der Sache ein Ende. Denn indem er das Geſpenſt eines Tages beſchwor, ſprach er: „der Herr Jeſus ſei dir und uns durch die Fürbitte der Jungfrau Maria ein gnädiger Richter !!' worauf der Geiſt: Amen? antwortete. „Bei dem Namen des Gekreuzigten,“ fuhr hierauf der Prior fort, „fordere iH dich auf zu ſagen, weshalb du ſo ſichtbar unter den Lebendigen umhergehſt.““ Gott will nicht, antwortete der Geiſt, daß dies enthüllt

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125 werde. Der Prior fragte: „Aber weshalb zürnt dir Gott, da du doch bekehrt ſcheinſt, und wir für das Heil deiner Seele Meſſe geleſen haben.“ Cure Gebete, ſagte der Geiſt hierauf, nüßen mir nicht, denn da ich ſolche andern ſchul- dig bin, ſo wendet Gott den Bortheil, den ſie mir ſonſt gewähren möchten, von mir ab, und jenen zu. Wenn ihr mir helfen wollt, ſo thut es dadurch, daß ihr ſtets Gott vor Augen habt. Das Trübſal iſt vor der Thür. Die Mönche gelobten dies und verſprachen jeder drei Meſſen für ihn zu leſen. Nachdem das Geſpenſt hierfär ſeinen Dank abgeſtattet, verſ<wand es und ward nicht mehr geſehen. Leo histor. Pruss. pag. 149 sq. 119. Die heilige Dorothea., Unter den heiligen Wunderthätern Preußens ſteht oben an die heilige Dorothea, “ die, nachdem ſie viele fromme Werke verrichtet und viele Wallfahrten gethan, den leßten Theil ihres Lebens eingeſchloſſen in einer, an die Dom- kirche zu Marienwerder ſtoßenden Zelle zubrac<te. Vor allem hatte ihr Gott die Gabe verliehn, zukünftige Dinge vorher zu ſehen, wie ſie denn auch den Fall des deutſchen Ordens vorher verkündet hat. Als ſie ihr letztes Stünd- lein nahen fühlte, ließ ſie ihren Beichtiger, den Domherrn Johannes von Marienwerder, herbeirufen, daß er ihr die lezte Oelung gewähre, und als er zögerte, fügte ſie hinzu; daß er ihr nicht ferner dieſen frommen Dienſt leiſten werde. Und wie ſie vorher verkündet hatte, geſchah es; denn um die nächſte Mitternacht umgab ſie plötzlich ein himmliſcher Glanz und es war ein lieblicher Geſang zu vernehmen, der zwei Stunden währte, und während deſſen ſie von Engeln zu Gott geführt ward. Zugleich fingen die Glocken, ohne daß irgend eine menſchliche Hand ſie bewegte, an zu tönen,

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126 und ihr Geläute dauerte eben ſo lange wie jener himm- liſ<e Geſang. Viele Wunder geſchahen auch noch nachher an ihrem Grabmale, das in dem kleinen Chor der Dom- kirche befindlih war, ſo daß zu demſelben die Schaaren frommer Pilger von weit und breit her gewallfahrtet kamen. Leo histor. Pruss. p. 255 sq. 120. Das Bernſteinrecht. Jn der früheſten Zeit war es jedem frei geweſen, den von der See auf den Strand geworfenen Bernſtein auf- zuſammeln; als aber die Brüder des Ordens das Land in Beſitz nahmen, erkannten ſie, wie großen Nutzen ſie daraus ziehen möchten, wenn ſie ſich ſol<en vorbehielten, und Br. Anſelmus von Loſenberg, der Vogt auf Samland, ließ ein Gebot ergehen, daß jeder, welcher unbefugt Bernſtein ſammle, mit der Strafe des Stranges belegt werden ſolle. Die Preußen aber, von denen viele ihren Unterhalt hieraus ge- zogen, inſonderheit die Fiſcher, denen der Bernſtein oft beim Fiſchen zu Hand kam, kehrten ſich ni<t daran. Da ließ der Vogt jeden, der beim Sammeln ergriffen ward, ohne weiteres Urtheil und Recht an dem nächſten Baume auf- Fnüpfen, ſo daß viele jämmerlich ums Leben kamen. Für dieſe That, hat aber Anſelmus feine Ruhe im Grabe ge- habt. No< mehrere Jahrhunderte herna< hat man zu Zeiten ſeinen Geiſt am Strande umherwandeln geſehen, ausrufend: O um Gott, Bernſtein frei! Bernſtein ! Jm Jahre 1523 ereignete es ſich, daß einige Strand- bauern, denen der Hochmeiſter Albrecht das Salz, was ſie ſonſt bekommen, vorenthielt, aus Noth etliche Stücke Bern- ſtein aufſammelten und an Bürger in Fiſchhauſen verkaufs tenz die Sache wurde ':aber ruchbar und die Thäter wur-

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127 den hart geſtraft. Seit der Zeit nahm die Menge des Bernſteins ſo ab, daß man kaum den tauſendſten Theil ſoviel erhielt wie früher. Wohl ſah man ihn noh in gro- ßer Menge am Ufer ſ<wimmen, wenn man aber mit den Gezeugen hinankam, ſo war er entſc<hwunden. Da mein- ten die Brüder: Gott habe ihnen die köſtliche Gabe nicht ferner gegönnt. Simon Grunau's Chron, Tract. 1. €. 5. (MS.) 121. Strafe der Gottesläſterung. Als die Bürger. der Altſtadt Königsberg im dreizehn- jährigen Kriege ſich wider den Orden erhoben und die dortige Burg eingenommen hatten, raubte Einer von ihnen aus der Burgkapelle von dem Haupte der gebenedeiten Jungfrau eine Krone, die mit köſtlichen Steinen beſetzt war. Die Ehegattin des Simon Weimann kaufte ſolche . für ihre Tochter, ſchmückte dieſe dann mit koſtbaren Ge- wändern, ſetzte ihr die Krone auf das Haupt und ſprach zum Volke: „Die Maria, die nun ein altes Weib gewor- den iſt, mögt ihr nur verbrennen; von jet ab wird meine Tochter eure Maria ſein, denn ſie iſt weit ſchöner wie jene.“ Kaum hatte ſie dieſe Worte geſprochen, als die Tochter, von einer tödtlichen Krankheit plößlich ergriffen, zu Boden ſank und binnen ein und zwanzig Stunden ihr Leben aus- hauchte. Das Bolk, durch dies Wunder erſchreckt, ſtand von der ferneren Beraubung der Kapelle ab. Simon Grunau's Chron. Tract. XV1U. Cap. 4 (MS.) 122. Die Luftreiſe. Unter dem Regimente des neunundzwanzigſten Hoch- meiſters Heinrich Reuß von Plauen befand ſich in einem Städtlein Preußens ein Schulmeiſter, welcher der ſc<war-

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' 128 zen Kunſt kundig war. Durch dieſe hatte er bewirkt, daß ihm des Bürgermeiſters Tochter, für die er entbrannt war, allnächtlich von ſeinen Geiſtern gebracht wurde, ſo daß er mit ihr der Liebe pflegen mochte. Eine Zeitlang ſchwieg die Jungfrau aus Scham, endliM aber entdeckte ſie die Sache ihrem Vater, doch konnte ſie nicht ſagen an wel- <en Ort ſie gebracht würde, außer daß er ihr nicht fern von der Kirche zu ſcin ſcheine. Die Eltern ließen hierauf die Tochter Nachts zwiſchen ſich liegen, dennoch wurde ſie entführt, befand ſich am Morgen aber wieder an der Stelle, wo ſie ſich Abends hingelegt. Da hieß der Vater die Toch- ter ein Knäul nehmen und dies bei ihrer Heimführung an dem Orte, wo ſie die Nacht zugebracht, zurücklaſſen, das ' Ende des Fadens aber in der Hand behalten. Und alſo geſchah es; da fand denn der Vater, als er früh morgens um die Kirc<e herumging, das Zeichen. Als nun die Toch- ter in der nächſten Nacht wieder davon geführt war, ging er mit. der Scharwache in das Schulhaus, und da fanden ſie beide ſchlafend; die Tochter ließ er, im Hemde, wie ſie war, in ſein Haus führen, den Schulmeiſter aber einker- kern. Als nun dieſer durc< den Flammentod ſeinen Fre- vel büßen ſollte, da bat er die Jungfrau, daß ſie ihm ver- zeihe, die Eltern aber, daß ſie ihm jene zur Ehe geben und ihn von dem Scheiterhaufen befreien möchten. Die Junge frau vergab ihm zwar ſein Vergehen, der Vater wollte ihm aber die Strafe nicht erlaſſen. Als nun der Schwarzkünſt- ler ſah, daß er dieſen durch Bitten nicht zu beugen ver- möge, da forderte er von der Jungfrau irgend ein Pfand der Vergebung, und als ihm dieſe, die gerade nichts anders zur Hand hatte, aus ihrem Täſchlein einen ſeidenen Faden ge- reicht, warf er ſolchen in die Luft und ſc<wang ſich, indem er die Jungfrau umfaßte, geheime Worte murmelnd, an

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129 dieſem mit ihr auf und verſchwand vor den Augen der An- weſenden in der Luft. Simon Grunau's Chron. Tract. XV1U1. €. 4. 123. Der heilige Andreas. Als in dem Kriege, den Biſchof Nicolaus von Thun- gen gegen die Polen führte, die letzteren die Stadt Brauns- berg belagerten, erſchien der Schußpatron des Ermelandes, der heilige Andreas, in der Luft, und führte die Bürger in einem Ausfalle, in wel<em Viele von den Polen er- ſc<lagen wurden, von den Braunsbergern aber auch nicht Einer verleßt ward, ſelbſt an. Dieſe Strafe erlitten jene. dafür, daß ſie ſo viele Heiligthümer im Ermelande verlett und entweiht hatten. Leo Histor. Pruss. p. 329, 124. Strafe der Teufelsbeſchwörer. Unter dem Hochmeiſter Hans von Tieffen gaben ſich in Königsberg ihrer Zwölf zuſammen, um dem Teufel ihre Armuth zu klagen und ihn aufzufordern, ſie reich zu ma- <hen. Sie hießen alleſammt Johannes, denn ſolchen, die dieſen Namen führen, mag, wie die Rede geht, der Teu- fel nichts anhaben. So gingen ſie hinaus auf den Glap- penberg, der jet der Rollberg heißt, und nachdem ſie ſich in einen Kreis geſtellt, beſchworen ſie mit mancherlei For- meln den Teufel herbei, daß er ihnen dreizehn Schillinge bringen ſolle, um mit deren Hülfe verborgene Schäße auf- zufinden. Der Leibhaftige erſchien ihnen denn auch wirk- li< in mancherlei Weiſe, drei Stunden hindurch, ſtets in fremden Sprachen mit ihnen redend z endlich ſind vier von den Geſellen hingeſtrürzt, daß ſie ſofort ihren Geiſt aufge- geben haben, vier andre raſend geworden, die vier letzten 9

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130 aber ergriff ein Entſeßen, daß ſie fortrannten, und ſie hat- ten nicht eher Raſt, als bis ſie eine Wallfahrt na St. Jacob gelobt. Sim. Grunau's Chron. Tract. XVI111. Cap. 13. (MS.) 125. „Die Schnabelſchuhe. Zu derſelbigen Zeit war große Hoffahrt im Lande Preußen, ſonderlic) mit den Schnabelſchuhen, die eines Fin- gers, ſelbſt einer Spanne, von Manchen ſogar einer hal- ben Elle lang getragen wurden. Damals war des Haupt- manns Sohn zu Marienburg vom Teufel beſeſſen. Als man den Teufel ausbannte, auf dem Thor vor der Jung: frau Marien Bild, ſagte derſelbe: Er wolle gern ausfah- ren, ſo man ihm nur vergönnen wollte, in die Schnäbel der Schuhe hineinzufahren. Da kamen ſie gar ab, denn forthin wollte niemand mehr ſpie Schuhe tragen. Simon. Grunau's Chron. Tract. XVUL. C. 43. (MS.) 126. Der gute Engel. Ein preußiſcher Edelmann, der von einem Zuge nach Deutſchland in die Heimath zurückkehrte, traf in einer Her- berge zu Elbing gute Geſellen, mit denen er eine fröhliche Zeche hielt. Als er ſich nun darauf zu Bette gelegt, kom- men zu ihm zwei böſe Geiſter mit Kerzen, Kannen und Gläſern in den Händen, und fordern ihn auf, mit ihnen zu zehen. Der Edelmann weigert ſich deſſen; da ſpricht nach langem Hin - und Herreden der Satan zu ihm: I< hatte geglaubt, daß ich dich mit mir hinweg würde führen können, aber du haſt da einen guten Engel, der dich be- wahrt; worauf die böſen Geiſter wieder entſc<hwanden. Lucas David's Chronik Bd. V. S. 401.

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131 127. Die erhängten Gäſte. Es war zur Zeit des Hochmeiſters Friedrich von Meiſ- ſen ein ſchr behender Dieb, der Einem ein Pferd ſtehlen konnte, wie vorſichtig er auch war. Nun hatte ein Dorf- pfarrer ein ſc<önes Pferd, das hatte er dem Fiſchmeiſter zu Angerburg verkauft, aber noHD nicht gewähret. Da wettete der Dieb, er wollte ſolches auch ſtehlen und da- nac< aufhören. Aber der Pfarrer, dem dies zu Ohren kam, ließ es ſo verwahren, daß jener nicht dazu kommen konnte. Als der Pfarrer jedoch nach einigen Tagen auf dem Pferde in die Stadt reitet, kam der Dieb auf zwei Krücken in Bettlers Kleidung, und bettelte in der Herberge, wo je- ner eingekehrt war, und als er merkte, daß der Pfarrer ſich zum Weiterritt rüſte, eilte er vorauf in das Feld, warf ſeine Krücken auf einen Baum am Wege und legte ſich ſelbſt darunter. Wie der Pfarrer nun ankommt und ihn auffordert, naM Hauſe zu gehn, da die Nacht eintrete und die Wölfe ihn zerreißen könnten, klagt der Dieb: daß ihm böſe Buben die Krücken auf den Baum geworfen und er ohne dieſe nicht heimzuziehn vermöge. Der Pfarrer will ſi) ſein erbarmen, ſpringt vom Pferde, zieht ſein Reit- wams aus und ſteigt auf den Baum, um die Krücken herab- zunehmen. Jndeß wirft ſi< der Dieb aufs Pferd und jagt auf ſelbigem mit ſammt dem Reitroc> des Pfarrers davon. Die Sache kommt aber vor den Pfleger von Leuen- burg, der den Dieb greifen und an den Galgen hängen läßt. Aber noch nach deſſen Tode erzählte man ſich viel von ſeiner Liſtigkeit und Behendigkeit. Einſtmals ritten mehrere Edelleute, die von einem Gelage kamen, bei dem Galgen vorbei, und wie ſie gerade von den feinen Stücken des 9*

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432 Diebes ſchwatßten, rief Einer von ihnen, ein unmaßen wüſter Menſc<: O du behender und kluger Dieb, du mußt ja viel wiſſen; komm auf nächſten Donnerſtag mit deinen Geſellen zu mir zu Gaſt und lehre mich auch Liſtigkeit. Deß lach» ten die Andern, und noc< mancherlei hiervon redend, ritten ſie fürder des Weges. . Des Donnerſtags aber früh neun Uhr, als der Edel» mann, der des Abends vorher ſich brav bezecht hatte, noch im Bette lag, kommen die Diebe, ſo viele dort am Gal- gen hingen, in deſſen Hof mit ihren Ketten, gehen zur Hausfrau, grüßen ſie und ſagen: wie ſie der Junker zu Gaſt gebetenz ſie möge ihn aufwecken. Dieſe entſetzt ſich, geht zu ihrem Manne und erzählt ihm, was für Gäſte ge- kommen wären, worauf der Junfer, obwohl heftig erſchrok- ken, aufſteht, ſie willkommen und ſich ſetzen heißt, und Eſſen auftragen läßt, ſo viel er in der Eile vermag. Unter- deß ſagt der Edelmann zu dem gerichteten Pferdedieb : Lieber, es iſt deiner Behendigkeit viel gelacht, aber zwar jetzt iſt mir nicht lächerlich, doch verwundert mic<, wie du ſo behend biſt geweſen, da du doch ein grober Geſelle ſcheinſt. Derſelbe antwortete : „Der Satan, wenn er ſicht, daß ein Menſch Gottes Wort verläßt, kann ihn leichtlich behende machen, ſintemal die Wahrheit geſagt hat: wie die Kinder der Welt witziger ſind in ihren Geſchäften, denn die Kin- der des Lichts.“ Als nun die Mahlzeit beendet war, ſtan- den die Gäſte auf, dankten dem Junker und ſprachen zu ihm beim Abſchiede: „So bitten wir eu) auch aus dem heimlichen Gerichte Gottes an das Holz, da wir um un- ſerer Miſſethat willen von der Welt getödtet worden, und da ſollt ihr mit uns aufnehmen das Gericht zeitlicher ScHmach 3 und dieß ſoll ſein heut über vier Wochen.“ Der Edel- mann erſchrak ſehr, getröſtete ſich aber doch noc< damit, daß er Niemandem etwas genommen, und daß jener Tag

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133 auf Allerheiligen fiel, an welchem man nicht zu richten , pflegte. Doch blieb er zu Hauſe, lud ſtets Gäſte zu ſich, - um, falls etwas geſchehen ſollte, Zeugen zu haben: er wäre - nicht ausgekommen. Nun war damals viel Räuberei. im Lande, ſonderlich von den Reutern Gregor Maternens, des Danzigers, von denen Einer den Hauscomthur Br. Eberharden von Empten erſtochen hatte. Deshalb hatte der Comthur den Befehl erhalten, ſo man Einen von dieſen ergriffe, ihn ohne alle Audienz zu richtenz der Mörder ward auch ausgekund- ſchaftet und der Comthur ſetzte ihm mit den Seinen nach. Es war gerade Allerheiligen gekommen, und der Edelmann; der da dachte, daß er“ nun frei ſei und ſich gegen den Abend auf das lange Einſißen etwas erluſtigen wollte, ritt in das Feld. Jndeß ward ſein des Comthurs Volk ge-. wahr, und da es dieſen däuchte, es ſei des Mörders Pferd. und Kleid, ritten ſie flugs auf ihn zu und wollten ihn fan- gen. Der Junker ſtellt ſich zur Wehre, erſticht einen jun- gen Edelmann, des Comthurs Freund, worüber er ergriffen und gen Leuenburg geführt, auch ohne auf ſein Ausreden. zu achten, zu ſeinen Gäſten an den Galgen gebracht wird. Sim. Grunau's Chron. Trt. X1X. C. 6. 128. Baltin Supplit. In dem Jahre 1520, als der Herr Albrecht der Ael- tere, Markgraf zu Brandenburg und der Zeit Hochmeiſter des deutſchen Ordens, mit dem Polen-Könige Sigismund in offenem Kriege lebte, und von "dieſem in große Enge getrieben war, ließen ſich auc< plötlich die Schiffe. der Polen auf der See und im Haff ſehen, und drohten einen Einfall in Samland. Dort lebte damals an dem Strande ein Freibauer, Namens Valtin Supplit, ſchr angeſehen un-

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134 ter allen ſeinen Landsleuten, denn er ſtammte ab von den alten Prieſtern des Landes und war auch im Stillen der oberſte Weideler oder Prieſter. Dieſer ſagte, daß er wohl Rath wiſſe, den Feind von dem Lande abzuhalten, wenn er nur die Erlaubniß der Obrigkeit hätte. Das wurde dem Markgrafen überbracht, welcher in der großen Noth des Landes zu. Allem ſeine Einwilligung gab. Als dies der Valtin hörte, verſammelte er die Bauern aus allen benach- barten Dörfern, dann nahm er einen ganz ſchwarzen Stier und zwei Tonnen Bier, und begaben ſich Alle damit an den Strand. Als man dort änkam, hat er den Stier geſchlach- tet und abgeſtreift, und dann zerhauen; das Eingeweide aber nahm er heraus und verbrannte es ſammt den Kno- <hen, und das Fleiſc< wurde in einem großen Keſſel ge- ko<t. Dies Alles begleitete er durch ſeltſame Geberden mit Händen und Füßen, und dabei ſprach er viele Gebete zu den alten Göttern des Landes. Darauf wurde das Fleiſ< und das Bier verzehrt, bis nichts mehr davon übrig war, wobei wiederum viele ſeltſame Gebete geſprochen wurden. Einige Tage darauf ließen ſich wieder die Schiffe der Polen ſehen; ſie verſuchten zu landen, aber es gelang ihnen nicht, weder mit großen noc< mit kleinen Schiffen, noc< mit den Boten, obgleich es das beſte Wetter war und kein Feind ſich ihnen entgegenſtellte. Das konnten nun der Markgraf und ſeine Krieger nicht begreifen. Als aber nach Beendigung des Krieges Mehrere, ſo in den Schiffen ge- weſen, na< Samland gekommen, haben ſie den Grund an- gegeben, wie ſie nämlich durch ſeltſame Verblendungen ab- gehalten worden. Bald war ihnen der Strand wie ein grauſamer und entſetlicher Abgrund vorgekommen, bald wie hohe und unerſteigliche Sandberge. So iſt es ihnen

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135 überall ergangen, bis ſie zuleßt unverrichteter Sache wie- der umgekehrt. . Allein ſeit dieſer Zeit iſt den Bauern der Gegend das Unglück wiederfahren, daß ſie keine Fiſche mehr in der See haben fangen können, ſo viel Mühe ſie ſich deshalb auch „gegeben. Das hat ſieben Jahre gedauert, und es iſt da- durch große Noth in der Gegend entſtanden. Da hat end- lich Valtin Supplit bekannt, daß dieſer Unfall aus ſeinem eigenen großen Verſehen -geſc<ehen, da er bei der Opfe- rung des Stiers Alles zurückgewieſen, was ſich dem Ufer nähere, und mit großer Unbedachtſamkeit die Fiſche aus- zunehmen vergeſſen habe. Um ihnen nun wieder zu helfen, hat er darauf eine Sau kaufen und wohl mäſten, auch zwei Tonnen Bier anſchaffen laſſen ; damit iſt er unter Be- gleitung der Bauern an den Strand gegangen. Alsdann Hat er die fette Sau mit vielerlei ſonderbaren Gebehrden geſchlachtet, ſie rein gemacht, und die abgeſchnittenen Zißen in die See geworfen, das andere aber in einen Keſſel ge? than und zum Trunk wohl geſalzen. Als dies nun gefocht geweſen, haben Alle davon gegeſſen, auch das Bier getrun- ken, bis nichts mehr. davon übrig geblieben. Darauf ſind die Fiſche wieder gekommen in größeren Haufen denn je. Der Pfarrer zu Pobethen hat zwar die Sache ange- zeigt, „und Supplit und die Bauern haben Strafe zahlen müſſen; allein dies haben ſie gern gethan, da ſie wieder Fiſche hatten. | Luc. David Bd. 1. S. 148 und 123. Vergl. Henneberger S. 351. 129. Die entheiligte Chriſtnacht. Im Jahre 1517 begab ſich in der heiligen Chriſtnacht zu Danzig bei den weißen Mönchen ein junger Mönch, Namens Gregorius, mit cinem Hunde in die Kirche hinter

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136 den Hochaltar, um den Zehnten, welchen er in Empfang genommen, nachzuzählen. Als er noch hiermit beſchäftigt war, kam der Teufel und ſchleppte -ihn, ohne Anſehn des heiligen Gewandes, womit er bekleidet war, unter dem Al- tare hervor und verbrannte ihm den Arm, mit welchem er das Geld gezählet. So ward Gregorius am folgenden Morgen von den Mönchen, als ſie zur Frühmette kamen, gefunden. Der . Arm verbreitete einen ſo unerträglichen Geruch, daß er gänzlich abgenommen werden mußte. Der Hund aber lag todt an des Mönches Seite. Danziger Chronik Albert Kattenhövers. (MS.) 130. Das Nachtmahl in Thorn. Am Zöſten März 41557, am Tage Mariä Verfkündi- gung, ward in der St. Marienkirche in Thorn zum erſten Male das Nachtmahl des Herren in beiderlei Geſtalt aus- getheilt. Dabei ereignete es ſich durch eine wunderbare Fügung des Himmels, daß ein Menſch, welcher dreißig Jahre hindurch; von Wahnſinn befangen geweſen, vollkfom- -men wieder zu Verſtand kam, ſo daß er ſich nachher noch viele Jahre ſeiner Vernunft recht bedienen konnte. Zerneka Thornſche Chronik S. 435, 131. Strafe des Kirchenraubes. Als bei der Kirchenwandelung in Danzig die dortigen Kirchen meiſt ihres Schmuckes beraubt wurden, hatte auch Jemand einen mit Gold und Seide durchwirkten Altar» vorhang entwendet und ihn zum Lailach gebrau<t. Aber nicht nur ſtarb er ſelbſt gleich nach dieſer That, ſondern auch neun andere, die ſim nach einander dieſer Bettdecke bedienten, wurden ebenfalls von einem jähen Tode wegge- rafft. Der elfte endlich glaubte die Urſache hiervon in der

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437 -Altarde>ke zu finden, und brachte ſolche in die Kirche zurück, . worauf denn auch kein Unglücksfall ſich ferner in dem Hauſe ereignete. Leo hist. Pruss. pag. 436. 132. Der Nitt auf dem Teufel. In dem Lager, das unter Herzog Albrecht dem älte- ren vor dem Haberberge bei Königsberg im Jahre 1537 von den Söldnern aufgeſchlagen war, befand ſich ein Lands- knecht, den ein Weib aus Erfurt um ihrer Tochter willen, die ſeine Liebſte war, durch den Teufel in Geſtalt eines Bockes oftmals holen laſſen und nach etlichen Stunden wie- der in das Lager geſchi>t hat. Wenn der Bock den Lands- knecht hat abholen wollen, hat ſelbiger ein groß Geſchrei gemacht. Es haben ihn auch die andern Knechte nicht halten können, denn ehe ſie es gewahr geworden, iſt ein Wind gekommen und hat ihn hinweggeführt. Wenn der Landsknecht wieder zurück geweſen, hat er ſich ſo matt und müde gefühlt, daß 'er nichts hat ſagen können, denn daß er ſic) zu Erfurt befunden und man ihn mit ſüßem Weine dort geſtärkt habe. Henneberger Erklärung S. 220. 133. Das Scmerlenſließ. Herzog Albrecht der ältere hatte einmal in einem ge- ringen Fließlein unfern Königsberg, ſo jedermann frei und gemein war, fiſchen laſſen, wobei man ſo viel Schmerlen gefangen, daß ſich männigli< verwundert hatte. Weil nun dieſer Fiſch für einen großen Leckerbiſſen galt, ſo ward, da- mit ſolc<er immer für die fürſtliche Tafel hinreichend da ' wäre, das Fließlein verboten. Aber ſoſort vergingen auch die Fiſche, daß, wenn man hernac< Schmerlen für den Herz

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138 ? zog hat fangen wollen, zwei einen ganzen Tag haben fiſchen können, und doch kaum für eine Perſon genug gehabt ; und was man fing, waren obenein meiſtens Stechbüttel. Aehnlich ſind auch an andern Orten die Fiſche pldtz- lich vergangen; ſo haben, als über die Befiſchung eines Baches einmal . Streit entſtanden und daraus ein Todt- ſchlag erfolgt, in dem Theile, um den der Hader ſich er- hoben, nachher niemals wieder Fiſche gefangen werden kön- nen, während ober - und unterhalb deren genug waren. An einem andern Orte vergingen alle Krebſe, weil der Herr die Unterthanen anhielt, alle Krebſe an ihn und für ein Geringes zu verkaufen. Henneberger Erklärung S. 344. 134. Staſy die Weidlerin. Im Jahre 1569 ward zu Königsberg ein Weib, Staſy genannt, wegen Weidelei (Zauberei) gefänglich eingezogen. Außer vielen andern böſen Stücken hat ſelbige auch mit dem Teufel zugehalten. Dieſer hat ſie denn auch, als ein feiner, ſchlanker Geſelle, in ſ<dnen Gewänden, mit geſchlit- ten Hoſen und Wams bekleidet, noh oft im Gefängniſſe beſuc<t und iſt von ihr Junker Jacob genannt worden. Die Frucht dieſes Umganges war ein gräßlicher Wechſel- balg, ſo die Staſy, nachdem ſie ſchon lange Zeit im Ver- ließ geweſen, geboren und bei dem alle Glieder verkehrt waren. Daß ſelbiges ein Kind des Teufels geweſen, hat die Staſy ſelbſt bekannt. Gefragt, wie dieſer ſich gegen ſie benommen, ſagte ſie, eben ſo wie ihr früherer Ehemann, nur daß dieſer warm, jener aber eiskalt geweſen. Die Zau- berin ward am 5. Mai 1570 verbrannt, ohne daß ihr Buhle ſie vom Tode gerettet hätte. Henneberger Erklärung S. 188.

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139 135. Der 'Irrlehrer Ofiander. In der Altſtädtſchen Pfarrkirche zu Königsberg befindet ſich auf der Erde, unweit des Altars, der Grabſtein des Doctors der Theologie Andreas Oſiander, welcher zu Kdnigsberg am 47. October 1532 verſtorben iſt. Derſelbe war in ſeinem Leben ein großer Jrrlehrer geweſen, und hatte in vielerlei Streit gelebt mit den Gottesgelahrten ſeiner Zeit. Dero- halben, obgleich er bei großer Verſammlung des Volks und unter Begleitung des Markgrafen Albrecht und deſſen gan- zen Hofſtaats begraben wurde, hörte man doch einige Tage -nach ſeinem Begräbniſſe, der Teufel habe ihm den Hals umgedrehet und ſeinen Körper ganz zerriſſen. Daher der Herzog durc< ſolch Gerücht bewogen ward, den Körper durch ' das Altſtädtiſche Gericht beſichtigen zu laſſen, um die Plauderer Lügen zu ſtrafen. Aber als der Sarg ge- öffnet wurde, fand man die Leiche Oſianders nicht darin, dagegen den Leichnam eines anderen Menſchen, welcher im Leben Nickel Balthaſar geheißen; darüber entſetzten ſich Allez; aber den Stein deckte man wieder über die Gruft. 136. Das Erdbeben in Thorn. Am 9ten Januar des Jahres 1572 nahm die Weich ſel bei Thorn plötzlich eine blutige Farbe an, die ſie auch drei Tage beibehielt. Um neun Uhr des Abends aber ent- ſtand ein furchtbares Erdbeben und es erhob ſich eine Winds- - braut, wie ſie nie vorher erlebt worden. Damit war ein ſo heftiger Wolkenbruch verbunden, daß die Regenfluthen einen großen Theil der Stadt niederwarfen, neunzehn Joch von der Weichſelbrücke fortriſſen, und an dreihandert Men- ſchen im Waſſer ertranken. Aber auch die andern beiden Elemente ſchienen in Aufruhr gerathen zu ſein, denn es

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140 hagelte zehnpfündige Steine, die viele Leute tddteten, und ein Feuerſtrahl kam vom Himmel und brannte das Korn- haus nieder. Sebaſt. Münſter Cosmograph. Bd. 1. S. 4290. 137. Die Löſung aus der Haft. Jm Jahre 1576 ward zu Waldau bei Königsberg ein junger Knecht wegen Diebſtahls eingezogen; nam wenigen Tagen war er aber, wie dies mit ihm ſchon öfters geſche- hen, ohne daß irgend eine Verletzung des Schloſſes oder der Thäre wahrzunehmen war, aus dem Gefängniß ent- ſchwunden. Als er jedoch in Folge neuer Diebereien wie- der ergriffen worden, bekannte er: daß ihn ſeine Mutter ſchon in ſeiner Jugend gelehrt, wie er mit gewiſſen Zau- berworten den Satan zu ſich rufen und dieſem befehlen könne, zu ihr zu gehn und ihr kund zu thun: daß, und wo er im Gefängniſſe ſeiz wo ſie denn kommen würde und ihn entledigen. Solches ſei denn auch oft geſchehen z ſeine Mutter ſei in der Geſtalt eines Raben erſchienen, habe vernehmliche Worte mit ihm geredet und ihn aus dem Verließe geführt. Auch geſtand er, daß ſeine Mutter ihm ein Kraut gegeben, vor dem, wenn er ſie damit berührt, verſchloſſene Schlöſſer aufgeſprungen; dies habe er aber, troß der Warnung, es gut zu bewahren, als er einſt mit einer Magd der Liebe gepflegt, verloren. Henneberger Erklärung S. 468. 138. Der blutſchwitende Topf. In der Stadt Seeburg und zwar in der Borſtadt gen Guttſtadt, wohnte ein Haffner, Namens Michal Riſch. Dieſer hatte ſih am Vorabend des Feſtes St. Lorenz des Märtyrers im Jahre 1577 Rettig mit Mil<hrahm zur

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141 Speiſe bereitet, und, da ihn ſeine Ehefrau ermahnte, die Faſten zu halten, antwortete er ihr: der heilige Lorenz, der nicht arbeitet, mag faſten. Aber kaum hatte er ſolche gott- loſe Worte geſprochen, als die hellen Blutstropfen aus dem Gefäße herausquollen, während die weiße Farbe der Milc<H drinnen ungetrübt blieb. Obwohl der Topf mit einem Tüch- lein ganz rein abgewiſcht ward, ſo drangen doch immer neue Tropfen hervor, und dies hielt mehrere Tage an, wie ſic davon alle Bürger der Stadt Seeburg überzeugt ha- ben, von denen viele zur Zeit des Guttſtädter Domdchan- ten Ldwe, der dieſes Wunder in einem langen Gedichte berichtet hat, noH am Leben waren. Leo histor, Pruss. p. 469. 139. Der Bauer aus Plibiſchken. Anno 1577 um Mariä Empfängniß iſt zu Plibiſchken, eine Meile Weges von Taplaken, ein Bauer aus dem Kruge, in welchem er ſchrecklih und gräulich auf ſeinen Pfarrherrn geſchimpft, nac) Hauſe gegangen, Als er aber vor ſeine Wohnung gekommen, hat ihn der Teufel mit gräßlichem Geſchrei hinweggeführt, und als man ihn nach einigen Tagen im Geſtrüppe gefunden, iſt ſein Leib ſo zer- riſſen geweſen, daß man ihn nur an den Kleidern, die hin und wieder an den Sträuchern zerzauſt gehangen, hat wie- der erkennen können. Henneberger Erklärung S. 349. 140. Der Schatz bei Elbing. Im Jahre 1579 hatte ſich zu Elbing ein Schwarz- künſtler, Namens Kilian Schmid, in den Eichwald bege- ben, und allda den Teufel heraufbeſchworen, daß er ihm einen Schatz verſchaffe. Der Teufel erſchien auch, - zuerſt in der Geſtalt eines großen gräulichen Bären, ſette ſich

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142 dann auf einen Baum und krähte wie ein Hahn, und ſang zuletzt mit menſchlicher Stimme, ſchüttete auch vom Baum aus den Schatz auf den Schwarzküänſtler hinab. Als die Geldſtü>e denſelben aber berührten, verwandelten ſie ſich in lauter Schwären, die ſeinen Leib über und über bede>k- ten, ſo daß er krank von der Stelle gebracht werden mußte und erſt nach langer Zeit allmälig genas. Henneberger Erklärung S. 127. 141. Der verſchüttete Milchtopf. Jm Dorfe Georgenau, unfern von Friedland, iſt vor Zeiten ein frommer Bauer, Martin Lemke genannt, der auch ein Kirchenvater und guten Vermögens, geweſen z der hat's einmal verſehen und ſich voll getrunken und trunfe- ner Weiſe einen Topf mit Milch, doh nicht mit Willen, verſchüttet 3 das hatte ihm der Teufel ſo hoch aufgemutzet, und ſo eine grauſame Sünde daraus gemacht, denn er hätte Gottes theure Gabe, deren er nicht würdig geweſen, ſc<änd- lich zunichte gemacht, darum er verloren müßte ſein, daß man auch genugſam an ihm zu tröſten gehabt hatte. Darum man ſi< vor Sünden hüten ſoll. Denn kann Meiſter Hämmerlein eine ſo gar geringe Sünde, welche doc nicht muthwillig noH vorſätßlich geſchehen, ſondern nur eines Verſehens geweſen iſt, ſo gräulich machen, was ſollte er es denen ſchenken, ſo muthwillig und vorſätlich in Sünden fortfahren. Henneberger Erklärung S, 468. 142. Die geſtörten Schatgräber. Zu Dromitten im Waldauſchen Gebiete hatten ſich einſt vor etwa drittehalbhundert Jahren einige Geſellen zu- ſammengethan, um in der Oſternacht einen Schatz, welcher

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vo 143 in dem Garten eines Nachbars lag, zu heben. Als ſie nun ſchon bis zum Schaße hinabgegraben hatten, erblickten ſie plötzlich am Zaun die Geſtalt des Gartenbeſitzers mit einem Feuerrohre auf der Schulter, gleich als wenn er nach ih- nen ſchießen wollte. Darüber erſchrecken ſie heftig, fürch- tend, er werde ſie kennen und bei der Obrigkeit angeben, ergreifen die Flucht und laufen in das Haus Eines, der mit von der Geſellſ<aft war. Der, welcher durch den Zaun geſehen, war aber der Teufel ſelbſt, welcher nur die Geſtalt des Nachbars angenommen. Er folgte ihnen denn auch in das Haus nach und nahm dort eine ſchreckliche Hantierung vor, indem er ſie immer von einer Bank auf die andere warf und grauſam zurichtete. So ging's die“ ganze Nacht hindurch bis zum erſten SIRENE wo er plötzlich verſchwand. Henneberger Erklärung S. 468. 143. Des Teufels Buhlin. Im Jahre 1587 war im Städtlein Domnau eine. Gärtnerin. Selbige ſtand eines Tages ſehr früh auf, zog ſich an und ging, nachdem ſie ihrem Manne Lebewohl ge- wünſcht, von dannen. Dem Manne fiel dies auf; deshalb erhob er ſich auch bald vom Laget, nachzuſehen, wo ſeine Frau geblieben ſeiz aber alle Mühe, dieſe aufzufinden, blieb fruchtlos. Da ging der Mann zuletzt gen Rößel zu einer Wahrſagerin, daß ſie ihm verkünde, wo ſein Weib geblie- ben ſei. Dieſe fragte ihn: ob er nicht wiſſe, wie es um ſeine Frau geſtanden, wie ſie ſich verhalten, daß ſie mit dem Teufel Buhlſchaft getrieben, und wie dieſer ſie am Weihnachtsabend um den Ring und das Rathhaus geführt habe; jeht möge er nur nach Hauſe gehen, ſein Weib ſei ſchon da. Und alſo war es; denn ſie war in dem Unter-

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144 e teiche nicht weit vom Lande auf den Knieen ſitzend; ertrun- ken gefunden. Henneberger Erklärung S. 111. 144. Der ungerathne Sohn. Im Städtlein Paſſenheim war unter Herzog Albrecht dem Jüngeren ein ungerathner Bube, der gar oft ſeine leiblichen Eltern, obwohl ſie viel Gutes an ihm gethan, gröblich gemißhandelt. Endlich aber bekommt ſelbiger eine ſo ſcheußliche Krankheit, daß er bei lebendigem Leibe ver- moderte, und niemand, auch ſein eigen Weib nicht, bei ihm aushalten konnte und man ihn in eine abgeſondert gelegene Brachſtube hat bringen müſſen. Wie er denn dort ſchon faſt todt gelegen, ſind unter ihm unzählige Schlangen ge- wachſen, -die um und über ihn hergekrohen. Unter dieſen iſt eine ungeheuer große Schlange geweſen, die ihm die rechte Hand, mit der er Vater und Mutter zu ſchlagen ge- pflegt, zerbiß und zerſtach, welches viele Leute, die ihn be- ſucht, geſehen, er auch ſelbſt anderen erzählt, und dabei ge- ſprochen, daß ihn deshalb Gott Jo ſchrecklich ſtrafe, weil er ſeine Eltern geſc<lagen und mit ſeinem Muthwillen und Ungehorſam betrübt. Nachdem er alſo jämmerlich unter den Schlangen verſtorben, ſind dieſe alsbald Vee Ginuaden und hernach nie wieder geſchen worden. Henneberger Erklärung S. 345. 145. Der Verſucher. Im Jahre 41587 hatte ein Schneidergeſell, Casper Freudenreich, auf dem Roßgarten zu Königsberg mit zwei Schuhknechten am Samstage in ſeiner Meiſterin Hauſe des Abends geze<t. Als er nach zehn Uhr vor die Thär gegangen, kommt der Teufel zu ihm in Geſtalt eines Pfer-

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145 des oder Bockes, und ſagt dem Schneider, er müſſe nun mit ihm, worauf dieſer geantwortet, wie Gott will! Darauf läßt der Teufel den Geſellen aufſiten und führt ihn zuerſt auf den Löbenichtſ<en Glockenthurm .zur Fahne; dann auf den Domthurm im Kneiphof, von dort auf den Haberber- giſchen Kirc<hof, wo. er ihn unter einer Linde niederſett, ein Geſpräch mit ihm hält, und ihm eine neue Münze und ein, vergoldetes Buch zeigt, wobei er ihm anbietet, ihm dies zu ſchenken, das Geld aber ihm mit Scheffeln zuzumeſſen und ihn zum reichen Manne. zu machen, wenn er ſich ihm ergeben wollte. Dem Casper, war es anfangs ſo, als wenn ihm der Mund verbunden, wäre, Und ex nicht ſprechen könne, bis er ein Kräutlein unter der Linde ausgerauft und daran gerochen, wo er denn dem Teufel, der auf dem Kirchhofe die Geſtalt 'eines ſ<warzen Mannes mit großen brennenden Augen wie breite Eßlöffel gehabt, geantwortet: Weiche von mir, du böſer Geiſt, du haſt keinen Theil an mir. Als nun dieſer ſah, daß er den Geſellen zu ſeinem Willen nicht bereden könne, hat er ihn zum vierten Male über die Stadt Königsberg - geführt, und hinterm Kreuzesthor, da wo jett der Roßgärtenſche Markt iſt, nicht weit von der. Meiſterin Hauſe hart niedergeſeßt. Als darauf Casper ſich aufrafft und nach Hauſe, will, kommt ein weißer Mann zu ihm, ge- leitet ihn eine „Strecke und ſagt ihm dann beim Abſchiede: er. ſolle die Magd im Hauſe, vermahnen, daß ſie der Frau das Biergeld nicht alſo abzwackez ſonſt werde es ihr ſchlecht gehen. Der Geſell iſt aber hernaM ſo matt und kraftlos geweſen, daß er umgeſunken und etliche Tage krank- ges legen. Henneberger Erklärung S. 494. M. Laurent, Curſor in einer beſonderen Drufſchrift über dieſe Geſchichte, 10

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146 146. Das Gelag des Teufels. Im- Jahre 1595 befand ſi ſis in Königsberg bei dem Schuſter Franz „Cyrus ein Lehrjunge,. Martin Ferber. aus Saalfeld, etwa von neunzehn öder ' zwanzig Jahren: Zu dem kommt in ſeines Meiſters Haus am 43ten März der leibhaftige Satan, zwei große brennende Augen im Kopfe, und ruft dem Fungen zu : "Schläfſt du? worauf dieſer ge- antwortet: Nein! Meiſter feid- ihr's? worauf. der Teufel geſagt: ja ich bin's.“ Vor ſeiner Stimme, die wie aus ei- nem hohlen -Topfe geredet, hat ſich der Junge ſo erſchrok- - ken, daß er den Kopf unter die Bettdecke geſte>t und ge- ſagt: Berathe Herr Jeſu, du Sohn Davids. |, Rach einer halben Viertelſtunde hat der Teufel ſich wieder merken laſſen, dem 'Jungeri die Bettdecke vom Kopfe geriſſen und. ihn: gefragt: öb er ihm angehören wolle, und als der Junge, dem vor Entſetzen ſchier die Sprache ver- . gangen, hierauf nichts geantwortet, weiter geſagt: daß er ſich folgenden Tages vor der Stadt einfinden ſolle, wo er bei ihm ſein würde. ' Er ſollte aber hiervon Niemandem etwas- vertrauen. Dieſer hat aber dennoch am folgenden Tage, was ſich zugetragen, ſeinem Meiſter erzählt, worauf ſelbiger gegan- gen, um einen Prediger zu holen. Als nun der Junge aber nachgeht und. bei der' Kneiphöfſchen Badſtube auf das * Bollwerk kommt, tritt ihm 'der Teufel in Hoſen und Wams, aber .mit Hahnenfüßen entgegen, ruft ihm zu: Kömmſt.du? faßt den Jungen, der nichts antworten können, und führt ihn über den Pregel nach dem Kneiphdfſchen Aſchhof in einen auf der rechten Seite den Wieſen gegenüber liegen- den Garten und dann ein Thürmc<en hinauf, wo ſie in einem runden Gemache einen Haufen Teufel, alle mit Ho-

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' 147 ſen und Wams von Sammt bekleidet ' und: mit“ goldenen Ketten „angethan, um einen runden Tiſch ſitend:: finden. Auf dieſem lag eine ſ<warze Decke, darauf eine aufgehäufte Schüſſel 'mit Braten geſtanden, und. umher viele lange Glä- fer. Die, welche da ſaßen, ließen es ſich mit Eſſen und Trinken wohl ſein, . Ein Sackpfeifer war auch da, welcher ihnen aufſpielte: Der Lehrjunge mußte ſich zu ſeinem Füh- rer ſetzen und mit eſſen und trinken. Wenn er ſein Glas nicht hat austrinken wollen, hat jener es ihm eingezwun- gen. Die, welche dort waren, haben auch viel mit-einan- der geredet, es hat aber wie durch hohle Töpfe geklungen, Endlich iſt das ſchwarze Tiſchtuch, verſ<wunden“ und ſtatt deſſen hat auf dem Tiſche ein Haufen Goldſtücke gelegen; worauf der 'Führer den Jungen aufgefordert, : davon zu nehmen, wenn er ſein wollte ſein, der aber geantwortet: „er wolle nicht.“ Als nun die übrigen von dem Golde ge- nommen und ſich ans Würfelſpiel gemacht und“ weidlich mit den Bechern geklappert, da ſucht Martin ſicH davon zu machen. Der Führer folgte ihm aber nach, ſprechend: wo willſt du hin? du kannſt doch nicht hinaus kommen; worauf jener“ geantwortet: „Gott hat mir. hineingeholfen, der wird mir wieder heraushelfen.“ Darauf iſt der Satan ergrimmt und hat ihn die hohe Wendeltreppe kopflings hinabgeſtürzt. Als Martin nac< dem ſchweren Falle wieder etwas zu ſich gekommen und gerufen: „Jeſu, du Sohn Davids, errette und erlöſe mich aus des Teufels Gewalt!“ da tritt ein ſchöner blondgelo>ter Jüngling in weißem Gewande zu ihm und fragt ihn: was er da mache, wer ihn dorthin be- ſchieden und wie er hineingekommen, worauf der Junge geantwortet: „das weiß ich nicht, unſer Herr Gott weiß es am beſten.“ Der Jüngling ſprach hierauf: du ſollſt nicht imehr hineinkommen, da du geweſen biſt; führte ihn über 10*

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' 148 die Planken:'und Gräben auf. einen. Düngerhaufen, wo :er ihm das. Koller, das nicht ſonderlich groß geweſen, .abge- ldſet ' und dabei geſagt: J< nehme es nicht deiner Hof- fahrt willen, ſondern Andern: zum Spiegel, welche die Kol- ſer: drei - und viermal größer tragen .und große Todſünde damit begehen, ' zeigte ihm“ dann den Thurm vom grünen Thore: und hicß ihn ſich: danach. richten, wo er ſich "denn wohl nach Hauſe finden. würde, und befahl ihm noch zuleßt, Andre zu: vermahnen: . die großen Koller, die wälſchen Bäuche und Hoſen und die. franzöſiſchen . Müßen abzule- gen, ſonſt ſie“der. allmächtige Gott ſchwer ſtrafen würde, auch den Herren anzuzeigen, daß ſie daneben den wucher- lien Handel abſchaffen und: ſich denen .von Danzig nicht gleichſtellen ſollten, die auch ihrer Strafe zu ſeiner Zeit nicht entgehen würden. | Als nun Martin beim Nachhauſegehen zwiſchen die Speicher. gekommen, tritt der vorige Teufel in der frühe- ven: Geſtalt wieder zu ihm, fragt ihn: wo er hin wolle, und als jener geantwortet: „Nach Hauſe“ ſagt er ihm: du kannſt nicht naß; Hauſe, du haſt mit mir gegeſſen und getrunfen, du mußt bei mir bleiben; doch willſt du. mein ſein, ſo will im dir wieder nach Hauſe helfen. Als aber der Junge geantwortet: „Unſer Herr Gott hat mir aus dem Garten geholfen, der wird mir auch zu Hauſe helfen“, da iſt der Teufel verſchwunden. Als Martin nun endlich nach Hauſe gekommen, hat er um ſeinen Arm eine ſ<warze Binde gehabt, von der er nicht gewußt, wie er dazu ge- kommen, die demnächſt verbrannt worden iſt. Der Junge iſt ſec<s Tage lang verwirrt geweſen und hat drei Tage krank gelegen; die Glieder ſind ihm wie zerſchmettert ge- weſen; eſſen hat er faſt gar nicht können. Danac< hat er na) Empfang des heiligen Nacht- mahls vierzehn Tage ziemlihe Ruhe gehabt. Am 3ten .

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N :449 April aber erſchien ihm. der Teufel von- neuem, und: wollte ihn - wieder mit -ſich fortnehmen,.-iſt aber, :als Maxtin :ihn angeredet :- „Biſt du Jeſus: Chriſtus, Gottes Sohn, ſo will ich mit?“ == wiederum verſ<wunden. Von da ab iſt;der Geſcll, obwohl er noh lange große; Beängſtigungen "pf den, unangefochten geblieben. N . M. Laurentius Curſor in. einer beſonderen Drudſchrift über dieſe Geſchichte. .. - Henneberger Erklärung S. 234 fag. “ 147; Der Kircheidieb. In. dem Dorfe Mahnsfeld bei Königsberg war vor Zeiten ein Kirchenvater, der bei ſeinem Leben der Kirche an Gold, Silberwerk und anderem. „viel entwendet hatte, und der zur Strafe dafür nach ſeißtem Tode als Geſpenſt umherwandeln mußte, Auch ſein Weib, das um den Dieb- ſtahl gewußt, hat, als ſie geſtorben war, und zum Kirch- hofe geführt ward, mit vernehmlicher Stimme gerufen: wo ſoll ich nun bleiben? Das entwendete Gut aber iſt überall, wo es hingekommen, in lichte Flammen aufgegangen, fs Haus und Hof..verzehrt, außer an einem einzigen Orte, wo nur wenig davon geweſen. Das Kirchenſilber ſelbſt iſt jedoch weder geſchmolzen, noch ſonſt vom Feuer beſchädigt worden. Honhebergät: Erklärung S. 265. 148. Die Schmöditteiſche: WMägdfein. Vor mehr. denn zweihundert. Jahren hatte einſt. in dem Dorfe Schmoditten bei Pr. Eylau ein Bauer Sonnabends wilde Birnen ſchütteln laſſen, Da die Nacht aber einge- brochen, bevor er alle hatte aufleſen können, ſo ſchickte er - am andern Morgen ein Mägdlein heraus, um die noch übrigen zu ſammeln. Das kam jedoch nicht heim und

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1450 H fruchtlos blieb "auch" alle Mühe, es "aufzufinden ;' erſt nach mehreren Tagen fand man es unter einem Buſche ſitzend. Da erzählte es; wie es- an einem Orte geweſen, wo 'ſich viel - ſtattliche Leute befunden, die mit Hahnenfedern ge- ſc<mückt geweſen, und die “gegeſſen, getrunken und allerlei Kurzweil getrieben hätten. Jhr Trank aber ſei pechſchwarz geweſen, und aus den Gefäßen, darin Speiſe und Trank, wären beſtändig Flammen herausgeſchlagen. Obwohl nun das Mägdlein zu verſchiedenen Zeiten ernſthaft zur Wahr- heit ermahnt ward, iſt es .doch. ſtets in-ſeinen Ausſagen ſim glei geblieben. * Nicht lange darauf verſchwand auch aus einem benach- barten Hofe plötzlich ein anderes Mägdlein. Als daſſelbe nach einiger Zeit ſich wiederfand, erzählte es gleichfalls wunderbare Dinge, wie es fortgeführt und“ wiedergebracht wäre, erklärte auch: daß dies geſchehen ſel, damit die Leute ſiH beſſern möchten, und gab nebenbei mancherlei Wahr- zeichen für die Richtigkeit ſeiner Erzählung, Henneberger Erflärmg, .. 435. 149. Strafe des Flüchens. Im Jahre 1622 am. elften Juni entliefen dem Dienſt- jungen des Schulzen aus Klattendorf die zwei Pferde, welche er zu hüten hatte. Da er ſich eine Zeitlang vergeblic gemüht, ſie wieder zu greifen, ſo fing er entſeßlich an zu fluchen z aber in demſelben Augenblike fuhr ein Blikſtrahl vom Himmel, der ihn nebſt den zwei Pferden erſchlug. Sobald dies geſchehen, iſt der Himmel ſofort wieder klar geworden, ſo daß ſich deutlich gezeigt: wie der Blitſtrahl nur herabgeſendet worden, um die Ruchloſigkeit des Kna2 ben zu beſtrafen. Hartwich Veſchreibung der r Werder | S. 529.

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1 151 bk» 150. Die Mönchgeſpenſter. Jm Jahre 1640, im:Monate ' Auguſt, demſelben, in welchem der große Churfürſt die Herrſchaft überkam, : hat man in mehreren: Churfürſtlichen Aemtern Geſpenſter in Geſtalt ſc<warzer. und, weißer 'Mönche, und“ zwar :am hel- len Tage geſehen. ' Sie. “erſchienen in: Häufen zu: zweihunz dert Mann, und' ſcharmütelten mit..:einander..". Die, welche ſie beiderſeits anführten, waren um. zwei. Köpfe größer als die übrigen; Zwei Jahre darauf iſt im Anfange: des Mo- nats „Juni um Mitternacht ein Geſpenſt in. Geſtalt eines Jeſuiten. in. Königsberg erſchienen.: Selbiges“ iſt . den gan- zen-Steindamm hiniaufgegangen, hat etliche Male überkaut? Wehe, Wehe!. geſchrieen; aus einem Topfe Aſche umherge» * ſtreut und an ein Haus :Blut.zangeſprengt, . welches letztere noch lange -Zeit, „wie. ſich männiglich . davon überzeugt, zu ſehen geweſen. iſt. -: m Theatr. Europaeym'ad ann, 4840. p- 161- -894.3 ad ann. 1642. P- 420. 451.. Die fromme Magd in Königsberg. Jm Jahre 1633:am 24ſten September Nachmittags zwiſchen drei und vier: Uhr trug ſich 5zu :Königsberg .in Preußen die :folgende' wunderbare: Begebenheit zu. Es wohnte allda beidem: wohlkweiſen: und 'ehvenfeſten Herrn Michael Jering, Gerichtöverwandten, eine Dienerin, Namens Barbe, von;Gut. aus.dem“Scheſtiſcheu“ gebürtig." Dieſelbe Magd war fromm und gottesfürchtig.:.:Als ſie nun zu der gedachten Zeit und Stunde' auf die Schlaffammer gegan- gen, das Bette zu machen, iſt ' ihr daſelbſt plößlich ein Grauen angekommen, und wie ſie lich umgeſehen, hat ſie einen Jüngling erblicket, in weißen. Kleidern und anzuſehen

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1452 wie ein Engel Gottes. Der hat zu ihr geredet, ſie ſolle ſich nicht fürchten, ſondern mit ihm gehen an den Okt, da man betet und ſinget. Sie hat ſich zwar entſchuldigt, daß ſie nichts um, 'auch keine Schuhe - hätte, 'er ' aber hat ſie umfaſſet und hinweggeführet zum Fenſter hinaus, durch die eiſernen“ Traillen, auf einen Wagen, davor vier weiße Pferde geſpannt geweſen. Auf dieſen hat er ſie geſetzt, und' ſie iſt nun, ohne daß ſie unterwegs hat ſehen oder hören kön- nen, weil alles .nur ein.: Augenblick geweſen, gefahren 'zu Gott dem Herrn, welcher da geſeſſen in weißen Kleidern mit einem weißen Haupt und Bart. Um ihn- haben ge- ſtanden viele Engel"und 'auch andere fromme Chriſten, die haben vor ſich auf den Tiſchen Bücher liegen gehabt und daraus geſungen. '“ Die Magd hat ſich ſehr gefürchtet, aber Gott .der Herr hat:durc<. den Engel, welcher ſie 'geführet, ihr ſagen laſſen, ſie ſolle guter. Dinge ſein, wäre 'ſie "doch ſein „Kind .und glaubte an Jeſum Chriſtum; ſie ſolle auch wieder in die Welt gebracht werden, weil ihre Herrſchaft ſiH um ſie bekümmere. Derſelben Herrſchaft ſolle fie an- melden, daß ſie von allen Kanzeln in Königsberg verkün- digen laſſe, daß die Leute von der Hoffahrt abſtehen, in- ſonderheit von den Krummflechten und den großen Drath- kollern und den'hohen abſätzigen Schühen mit . den großen Brillen darauf; wo nicht, ſo werdever- ſie hart und ſchreck- lich ſtrafen ; darauf hat derſelbige: Engel: am 26ſten Sep- tember um 3: Uhr gegen“ Morgen, alſo na< 36 Stunden; ſie zu demſelben: Fenſter : hinein durch :die eiſernen Traillen . zurückgebracht, - nac<dem. die Herrſchaft. ſie viel, aber. ver» geblich überall geſucht gehabt. " Str. Stimer wahrhaftiger Bericht: von “der Magd im Löbenicht Uu. ſ. w. Königsberg. 4633. 4to. Acta Borussica 1. 601. Hartknoc<h preuß. Kirchenhiſt. S. 684.

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453 " 152. Rettung der Stadt Thorn. : „Am 4öten Februar des Jahres 1629 wollte der ſc<we diſche Obriſt Hermann Wrangel die Stadt Thorn in der Eil überrumpeln, und ſol<es wäre ihm auch geglücket ohne den folgenden merkwürdigen Vorfall: An demſelbigen Tage ſollte nämlich vor der Stadt Thorn ein Dieb gehan- gen werden, welchem viel Volks aus der Stadt gefolgetz als nun der Henker den Dieb an dem Galgen in die Höhe gezogen, da ſiehet dieſer um ſich, und wird von weitem des Feindes gewahr, fängt alſo an zu rufen, daß er den Feind ſehe. Da fängt alles Volk an zu laufen und mit ihm auch * der Henker und der Dieb, den. jener von:, der“ Leiter fallen laſſen. Und wie ſie eben in der Stadt waren, da kam auch der Feind hinter ihnen her; aber er fand ſie ſchnell vorbereitet und gerüſtet, und hat müſſen unverrichteter Sq- <en abziehen. Dem Diebe haben ſie das Leben geſchenket. - Zernede Thornſche Chronik S. 277. 153. Der Thornſche Poltergeiſt. Im Jahre 1655, Donnerſtags. vor Quadrageſimä, hat ſich in dem Hauſe eines Kaufmanns in Thoru,. Hans Goldner, der am neuſtädtiſchen Ringe wohnte, ein „ſeltſas mes Poltern erhoben. Es begann mit einem heftigen Lärm und Werfen, bald wurden aber ſelbſt am hellen. Mittage die Speiſen vom Tiſch, die Gläſer und Schüſſeln .von den Schränken geſchleudert und zerbrochen, die Fenſter mit Steis- nen zerſchmettert und allerlei anderer Unfug angerichtet. Endlich ward ſogar dem dreizehnjährigen. Sohne des Bes ſizers mancherlei Schmerz zugefügt. Der -Poltergeiſt er- ſchien ihm bald in der Geſtalt eines Bockes oder Rehs, bald eines Bogels oder andern Thieres, warf ihn zur Erde

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154 nieder und that ihm anderes Unbill an. Nachdem der Geiſt ſo drei Monate hindurch gewirthſchaftet, gelang es endlich durch fleißiges Fürbitten in der Kirche und inbrünſtiges Ge- bet der Hausbeſiter, die Ruhe einigermaßen wieder herzu- ſtellen. Man hatte die Hausmagd in Verdacht, dies Pol» tern veranlaßt zu haben, indem ſie mit einem Windelbande ällerlei Gaukelei vorgehabt haben ſollte. Sie ward auch gefänglich eingezogen, aber da man ſie, obwohl von dieſer . Zeit an der Lärm ganz aufgehdrt, nicht überführen konnte, und ſie auch ſelbſt in der Tortur nicht bekennen wollte, ſo mußte ſie wieder auf freien Fuß geſtellt werden. Zerneka Thornſche Chron. S. 335. 154. Das Blutwänder zu Rudau. „In der Kirche des Dorfes Rudau in Samländ be- findet ſich ein Kelch, der wegen des folgenden Wunders gar hoh in Ehren gehalten wird. ' Als am Sonntage Reminiscere des Jahres 4615 der Pfarrer in der Kir<he das Abendmahl ausgetheilet, und bereits fünf Perſonen von dem Weine in dem Kelche getrunken, iſt der Sechste zum Altar getreten, ein Knabe von funfzehn Jahren, der zum erſten Male zum Tiſche des Herrn gegangen. So wie dieſer aber den Kel< an den Mund geſett, iſt aus “dem geſegneten Wein, ehe er davon genoſſen, an der Seite, da'“der Knabe hat trinken wollen, von unten eine Ader -dunkelrothes Blut hervorgequollen, welches ſich in den halben Kelch verzogen. Dieſes hat gedauert unges fähr ein Vater unſer lang, und iſt darauf der Wein wies der ganz klar und hell geworden. Der Pfarrer , der ſol- r<es mit Schrecken geſehen, hat zum Wahrzeichen ein Tüchlein, womit er nach dem Abendmahl den Kelch aus- zuwiſchen pflegte, in den Wein getaucht, und es iſt blut: roth geworden und geblieben. Daſſelbe wird ebenfalls zu

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Rudau annoch "aüfbewähret; "Daß der Knabe cin: großer Sünder geweſen, hat män nicht erfahren; und:keines Men- ſchen ' Sinn hat es bisher ergründen: können, :wäs 'der :alls mächtige Gott mit diefem:Wunder hät“anzeigen-wollen; “ ; Gad. A. Pauli, de prodigio, quod in transfig. calce Euchar. in pago Borussijae -Rudau, accidit, Gryph..4717, Jenae 1720, 4. . Erl, Preuß. 1. S. 520. EY ] 155. Der alte Deſſauer .in Litthauen. Der “König Friedrich Wilhelm hatte einmal“ ſeinen General, .den alten Fürſten von "Deſſau, näch Litthauen ges fit, um dort .große- Leute: für.“die. Garde7,zu ſuchen. Bei dieſer Gelegenheit. hatte! der .alte Deſſauer das- Land Fennen' gelernt; undals: num einige Zeit darauf. der "Kdnig einſtmals» ſagte, er habe doch viele Provinzen :4n: ſeinem Lande, mit denen. er. nic<ts.'anfängen könne, .dazu 'gehdre unter andern Litthauen, . da 'meinte der alte Deſſauer... das Hieße doch wohl : dem Lände ' Unrecht gethan „. und“ er:-be- ſchrieb nun dem Könige, :was es in Litthauen „Schönes und Gutes gebe. Dadurch wurde der König aufmerkſam auf das 'Land- und er that für :-daſſelbe viel Gutes. - Zur Dankbarkeit aber ſchenkte er dem Fürſten :die Herrſchaft Norkitten in Litthauen. Der alte Deſſauer war. bekannt- lim ein guter Wirth, und er machte auch in ſeiner. neuen Herrſchaft: allerlei neue "vortheilhafte-Einrichtungen.' . Unter andern ließ er in dem Dorfe Bubeinen. eine-.neue-. Mühle bauen. Als dieſe bald fertig war, fam eines Tagesein Litthauiſcher Müllergeſelle herbel, --welcher "bat, an der Mühle arbeiten! zu dürfen. ' Das wurde ' ihm .'aber abge- ſchlagen, weil der Fürſt bloß 'Deſſauer arbeiten ließ, und ' glaubte, daß die Ltthauer nichts könnten.> Darüber wurde der Geſell ſehr entrüſtet, und er ſc<wor,: daß. man ihn: noch zurüFholen werde. “Der Müllergeſell war ein großer Zaus |

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156 bever,/ und er brächte.es- nün zu Wege, daß an der Arbeit gar nichts. mehr voran gehen wollte, und die Mühle nicht fertig werden konnte, mochte; der Mühlenmeiſter auch ſc<im- pfen ſo viel er wollte, und mochten „die : Arbeiter auch ſchwitzen von "des Morgens früh bis- Abends ſpät. - Da ſah der Meiſter endlich ' ein, wem er dies zu verdanken habe, und er rief den Litthauiſchen Geſellen zurück, und es wurde dann die Mühle ohne beſondere Beſchwerde bald fertig, daß es die ſc<dnſte Mühle im Lande war. Wie nun aber der Geſell ſeine Bezahlung forderte, da wies ihn der Fürſt ſchndde ab, und der. Geſell bekam. nun nichts, denn der -Fürſt- war. ſelbſt ein: Zauberer, dem daher in ſei- nem Schloſſe- der Geſell nichts anhaben. konnte. "Daß der alte Deſſauer ein Zauberer war ,- iſt- ganz gewiß, denn. es. konnte ihm feine Kugel etwas anhaben; auch iſt es bekannt, daß er einmal, .als ,er tief im Sommer von Memel nach Königsberg reiſete, „mit ſeinem. Wagen und ſechs Pferden davor mitten. über das-Haff reiſete: und das Waſſer: ſo feſ hielt, als wenn: es im ſtrengſten Winter wäre. Der Gefell war .aber doch ein grdßerer Zauberer -als "der Fürſt. Als dieſer nun “einige Zeit darauf nach Königsberg reiſen mußte, Fa reiſete ihm 'der:Geſell “dahin nach, der ' wohl wußte, daß er -dem' alten Herrn. überall, nur nicht im deſſen: Schloſſe, Meiſter wär.“ -Als: er in Königsberg ankam, und vor. dem König- lichen Schloſſe -vorbeiging, lag der Fürſt gerade -im Feuſter, und rauchte. aus einer „großen Pfeife -Tabac>k. Der. Gefell ſtellte ſim. vor 'ihn. und forderte ſeinen Lohn für- den Bau der Mühle. . Der alte Deſſauer aber lachte ihn aus. Da :zauberte der. Geſell öhm auf einmal ein Elendsgeweih--qn den Kopf, das mit jedem Augenblick :größer und größer würde.'. Anfangs merkte der Fürſt nichts davon, als aber die Leute auf .der Straße. verwundert ſtehen blieben. und

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157 ihn anſahen; da faßte er' ſich an den Kopf und fühlte nun das.-große “ Geweih.::. Er wurde darüber ſehr . erſc<ro>en, „und :.wollte. in die Stube zurückgehen, aber das Geweih war zu groß, und-er fonnte den Kopf nicht aus dem Fen- ſter. ziehen. Da lachte nun der Litthauiſche Geſell, bis der Fürſt durch einen Offizier ihm das Geld auszahlen ließ, fo viel :der Geſell forderte, .worauf denn das Geweih von ſeinem Kopfe verſ<wand. Seitdem: hat der alte- Deſſauer ſich mit keinem Litthauer mehr in Zauberkünſte eingelaſſen. 156.“ Die Braut des Fingerlings. Bei dem ehemaligen Städtc<en Leuenburg, das zwar jeht nur ein Dorf iſt, deſſen Bewohner ſich aber zur Crin- nerung an die Vorzeit noch jezt Bürger nennen, liegt das Schloß Praſſen, der Stammſitz des ſonſt freiherrlich, jetzt gräflich . Eulenburgſchen --Geſchlec<ts. Hier haben vordem die Fingerlinge, Barſtucken oder Erdmännlein ihren Wohn- ſitz gehabt. Einſt erſchien vor dem Freiherrn von Eulen- burg eine Geſandtſchaft derſelben und warb für ihren Kö- nig um ſeine Tochter, ein Mägdlein von überaus großer Schönheit, im Falle der Gewährung verheißend: daß, ſs lange ſie ungeſtdrt dort hauſen würden, das Geſchlecht der Eulenburgs auf jede Weiſe reich geſegnet werden ſolle. Zum Zeichen deſſen überreichten die Abgeſandten einen Fin- gerreif mit der Anmahnung, ſolchen wohl zu bewahren, da, ſobald er verloren gehe, das Glück vom Hauſe ſcheiden werde. Als nun der Freiherr in den Antrag willigte, ba- ten die Abgeſandten weiter, daß die Braut an dem anbe- raumten Vermählungstage in ein von ihnen bezeichnetes Zimmer geführt werde, wo ihr Herrſcher dieſelbe dann in Empfang nehmen wolle; doch forderten ſie auch, daß nie- mand ihr Thun belauſche, weil ſie ſonſt das Schloß ver-

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158 laſſen :müßten.: An dem feſtgeſeßten Täge wurde nun die Jungfrau in jenes Z'mmer geführt; am folgenden Morgen war ſie verſchwunden 'und' nie iſt wieder etwas von ihr deſehefni. - Die Fingerlinge ſind aber noc< oft nachher er» ſchienen, und haben ſich daſſelbe |Wemach, das deshalb auch nie anders benußt ward, zu ihren Luſtbarkeiten erbeten. Einſt, als einer der Beſiter des Schloſſes an der Ta- fel ſaß, rief dieſem eine feine Stimme, die hinter dem Ofen vorzukommen ſchien, zu, er ſolle na< dem gedachten Zim- mer gehn und dort hineinrufen? Höre Rothöhrc<en, Gehl- öhr<en iſt todt! Als er dies verrichtet, antwortete ihm dort eine andere unſichtbare Stimme: So, iſt he todt? Jener Ring wird noc< in. dem Familienarchive aufbe- wahrt; die Fingerlinge aber ſollen, weil ſie einſt bei einem Feſtmahle belauſcht worden, fortgezogen -ſein. 157. Der Spuk im Schloſſe zu:Schlodien. Das Schloß zu Schlodien, Stammſitz eines Haupt- zweiges der Grafen zu Dohna, in dem ſc<önen Oberlande belegen, behauptet unter den Landſien Oſtpreußens eine der erſten Stellen. Jn ſeinem Jnnern aber ſoll es um- gehn. Es hat dort nämlich einſt Eine aus jenem Geſchlechte gewohnt, welche von ſolcher Habſucht beſeſſen war, daß ſie noch auf dem Todtenbette ihren Gatten wegen des Teſta- mentes beunruhigte. Zur Strafe dafür hat ſie ſelbſt keine Ruhe im Grabe. Jn dem Zimmer, wo der Gatte ſtarb, und wo ſich noch jeht das große Doppelbette befindet, deſ- ſen ſich die Ehegatten bedient haben, zeigt ſie ſich insbe- ſondere nächtlich, und wenn man ſie auch nicht ſicht, ſo hört man doM das Rauſchen ihrer ſchwerſeidenen Gewän- der, Wenn die Gräfin aber umgegangen iſt, ſo folgt bald darauf ſtets ein Todesfall in der Familie.

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'159 158. Das Licht in der Kirche zu Jaeskendorf." Jaeskendorf, im Oberlande, ausgezeichnet ſc<ön an ei- nem meiſt von waldbedeckten Höhen umgebenen See gele? gen, iſt jeht der Siß eines Zweiges der gräflichen Familie von Finkenſtein. Wenn in der letzteren ein Todesfall be- vorſteht, ſo wird dies „immer dadur< vorher verkündigt, daß. ſich auf dem Altare der dortigen Kirche eine Kerze von ſelbſt anzündet, So. ſah) der Pfarrer, noM vor wenigen Jahren, als er an einem Wintermorgen vor Tagesanbruch aufſtand, von ſeiner der Kirche gegenüber liegenden Woh- nung aus, daß dieſe erleuchtet ſei. Da er einen Einbruch vermuthete, ſo ſchickte er ſogleich den Küſter hinüber. Letz- terer fand jedo< Niemanden in der Kirche, wohl aber ein Licht auf dem Altare brennen, was um ſo wunderbarer ſchien, als die Thür verſchloſſen und Tags zuvor kein Got- tesdienſt geweſen war. Bald darauf kam die Nachricht, daß die Schweſter des Beſitzers in Königsberg verſtor- ben ſei. 159. Der Scloßvoigt bei Tilſit. In der Nähe der Stadt -Tilſit, hart am Ufer: der Memel , erhebt ſich ein. runder Berg, der Schloßberg ge- narint. Auf demſelben hat vor alten Zeiten . ein. "Schloß geſtanden, von deſſen Entſtehung , Beſtimmung und 'Unter- gange man- jedoch keine Kunde mehr hat. . Es muß. aber ſchr feſt und groß geweſen ſein ; denn es liegt“ auf dem höchſten Punkte der Gegend, und noh ſieht man deutlich die Spuren des großen Grabens und der doppelten Wälle, die es umgeben haben.. Ganz oben auf .dem runden Berge; und gerade in deſſen Mitte, ſicht man ein'.breites, dunkles Loch, deſſen Tiefe-unerzründlich ſein: muß , “deny aucb "mit

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460 . . dem längſten Seile kann man den Boden nicht erreichen, und ,njemals hört .man etwas zum Grunde kommen, was man hineinwirft. Der Sage nach ſoll das Schloß einmal plößlich verſunken, und das Loch der Schornſtein des ver- ſunkenen Schloſſes ſein; und tief unten in dem Berg, in dem Gemäuer des Schloſſes, ſollen unermeßliche Schäße verborgen 'liegen. Ein Caſtellan 'bewacht ſie, ein altes Männchen mit ſchneeweißen Haaren. Unter welchen 'Be- dingungen die Schäte zu heben ſind, iſt noch keinem Men- ſchen kund geworden, obgleich der Caſtellan ſchon einige Male geſehen iſt. Das letzte Mal hat man ihn vor no< nicht langen Jahren geſehen. Mehrere Hirtenknaben aus. dem Tilſiter Kämmereidorfe Preußen hüteten auf dem Schloßberge das Vieh. Sie ſtanden an dem tiefen Ab- grunde in der Mitte des Berges, ſahen in die dunkle, bo- denloſe Tiefe hinab, und erzählten ſich von den Schätzen, die da unten liegen. Da fiel es ihnen ein, ſie müßten et- was davon haben, und ſie holten nun ein langes Seil her- bei, daran banden ſie den jüngſten unter ihnen, ſo ſehr der Knabe, welcher große Furcht hatte, ſich auc< wehrte und ſchrie, und ließen ihn die Tiefe hinunter. Das Seil war ſo lang, wie der Thurm auf der Deutſchen Kirche in Tilſit und noc< länger, wohl noch einmal ſo lang, aber es hing noch immer ſtraff und ſchwer, und das war ein Zei- Hen, daß der Knabe noc< nicht auf dem- Grunde war, obgleich. ſie ſchon lange ſein Schreien nicht mehr hören konnten. . Auf einmal wurde es leicht und krümmete ſich. Jett war. er. auf dem Grundez die anderen Knaben riefen hinunter, aber ſie bekamen feine Antwort ; ſie legten das Ohr .an den Rand des Abgrundes; aber ſie hörten nichts, da .unten war Alles ſtill. Sie warteten lange, endlich zo- gen ſie das Seil: wieder in die Höhe , allein es war und blieb leicht, und als das: Ende .oben wieder ,ankam, war

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. 161 es leer. Da wurde ihnen entſetßlich angſt und ſie liefen davon, und als ſie am andern Morgen das Vieh wieder austrieben, da-wagten ſie niht zum Schloßberge zu gehen. Aber wie ſie noch die Straße entlang trieben und zweifel- haft waren, wohin ſie ſich wenden ſollten, da kam in vol- len Sprüngen der Knabe ihnen entgegen, den ſie todt glaubten. Alle ſeine Taſchen, ſeine Müßte, ſeine Hände waren voll Gold, und er erzählte ihnen voller Freude, wie er an dem Stricke, mit dem ſie ihn in den Abgrund des Berges hinuntergelaſſen, tief unten in eine große Küche ge- kommen ſei, wo ein heller Schein geweſen von allem dem goldenen und ſilbernen Küchengeſchirr , welches dort bei- ſammen gelegen. Auf einmal ſei ein altes, graues Männ- lein zu ihm gekommen, das habe ihn freundlich angezedet, er ſolle keine Furcht haben, ihn von dem Stricke losge- bunden, und ihn nun durch eine Menge Gemächer geführt, von denen eins ſchöner geweſen als das andere, und die alle voll Gold gelegen. Und wie er nun müde geworden, da habe das Männlein ihn zu einem Bette geführt, auf dem er die Nacht geſchlafen. Am andern Morgen aber, als er aufgewacht, habe das Männlein wieder vor ihm geſtanden und ihm die Taſchen und die Müte und die. Hände voll Gold geſte>t, ſo viel er habe tragen können, und dabei geſagt: das verehrt Dir der Schloßvogt; dann habe das Männlein von der Seite ein enges Thor gedff- net, und ihn durc< daſſelbe gehen geheißen , und wie er hinaus getreten, ſei er im Thal geweſen; das Thor und der Schloßvoigt aber waren verſchwunden. Als das die Andern hörten, und als ſie dabei den Reichthum ihres Gefährten ſahen, da gedachten ſie auch dergleichen zu erwerben, und ſie prieſen den alten Scloß- voigt und eilten alle zu dem Berg, und es wollte Jeder an dem Seile früher hinunter gelaſſen werden, als der 11

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162 Andere. Zuletzt warfen ſie das Loos, und wen' es trifft, der bindet ſich ſelbſt das Seil um den Leib und die An- dern laſſen ihn hinunter. Das Seil bleibt lange ſtraff und ſchwer. Endlich wird es leicht und ſchlaff. Sie ziehen es in die Höhe, es iſt leer. Sie gehen vergnügt nach Hauſe, und denken, der Hinabgelaſſene werde am andern Morgen wieder kommen. Kllein er kam nicht, und ſie ſahen und hörten nie wieder etwas von ihm. Da hat auch keiner mehr den Muth gehabt, in die Tiefe hinunter zu ſteigen. 160. Der Opferſtein vom Nombinus. Schräge der Stadt Ragnit gegenüber an der andern Seits der Memel erhebt ſic hart an dem Ufer des Stroms ein ziemlicher Berg, mit vielen Spitzen und Löchern und bewachſen mit Fichten. Der Berg heißt der Rombinus, Hier war vor Zeiten der heiligſte Ort, den die alten Lit- thauer hatten, denn dort war der große Opferſtein, auf welchem ganz Litthauen dem Erſten ſeiner Götter, dem Perkunos, opferte; von dort aus wurde Heil und Segen über das ganze Land verbreitet. Der Opferſtein ſtand auf der Spitze des Berges.+ Der Gott Perkunos hatte ihn ſelbſt ſich dort hingelegt. "Unter dem Stein war eine gol- dene Schüſſel und eine ſilberne Egge vergraben; denn Perkunos war der Gott der Fruchtbarkeit ; darum begaben auch bis in die ſpäteſte Zeit die Litthauer ſich zum Rom- binus und opferten dort, beſonders junge Eheleute, um Fruchtbarkeit im Hauſe und auf dem Felde zu gewinnen, Es war eine alte Sage, daß das Glück nicht von dem Lande weichen werde, ſo lange der Stein noch ſtehe und der Berg unter demſelben; der Berg aber werde zu Grunde gehen, wenn einmal der Stein von ihm genommen würde. Da begab es ſich nun im Jahre 48141, daß in

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163 dem Dörflein Barten, welches .norddſtlich am Fuße des Rombinus liegt, ein Müller Namens Schwarz zwei neue Windmöhlen anlegen wollte, wozu er zwei Mühlenſteine haben mußte. Er beſah ſich den Opferſtein auf dem Rom- “binus, und er glaubte ihn zureichend, daß er die beiden Steine daraus könne- hauen. laſſen. Der Müller war ein Deutſcher. Weil er nun wußte, daß die Litthauer im Guten . den Stein nicht hergeben würden, ging er zum Landrath des Kreiſes, und erhielt von dieſem einen ſchriftlichen Befehl, daß er den Stein nehmen könne. Die Bauern in den benachbarten Dörfern erhoben zwar ein großes Geſchrei, als er anfangen wollte, den Stein wegzunehmen; aber dem Befehle des Landraths mußten ſie gehorchen. Dennoch dauerte es lange, ehe der Müller Schwarz zu dem Steine kommen konnte; denn es wollte ſich kein Arbeiter zu dem Wegnehmen findenz die Leute fürchteten, es möge ein Unglück geſchehen, wenn man es wage, das leßte Heiligthum der Götter im Lande anzuta- ſten.- Endlich fand der Müller drei Arbeiter, ſtarke und muthige Geſellen, welche für großen Lohn bereit waren, den Stein zu ſprengen und in die Mähle nach Barten zu ſchaffen. Die Leute waren nicht aus der Gegend; ſondern Einer von ihnen war aus Gumbinnen, der Andre aus Tilſit und der Dritte aus dem Dorfe Preußen bei Tilſit. Mit dieſen Dreien begab ſich der Müller auf den Rombi- nus, und ſie fingen an zu arbeiten. Als nun aber der Mann aus dem Dorfe Preußen den erſten Schlag nach dem Opferſteine "that, flog ihm ein Stück davon ins Auge, daß er noch deſſelbigen Tages auf beiden Augen blind wurde. Der Mann lebt noch in Tilſit und iſt blind ge- blieben bis auf dieſe Stunde. Darauf fing der Geſelle aus Tilſit an zu hauen; aber nach dem zweiten Schlage zerbräch er ſich den Arm, daß er nicht weiter arbeiten 44* *

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164 konnte und nac< Hauſe zurückkehren mußte. Dem Geſel- len aus Gumbinnen gelang es endlich, den Stein zu ſpren- gen und in die Mühle zu ſchaffen. Aber als der am drit- ten Tage nachher in ſeine Heimath zurückkehrte, wurde er unfern von Gumbinnen plößli< krank; er mußte liegen bleiben, und ſtarb auf dem Wege, bevor er noch ſein Haus erreichte. ' . So rächte der Gott Perkunos die Wegnahme ſeines Opferſteines, an dem er mehr als tauſend Jahre verehrt war. Die goldene Schüſſel und die ſilberne Egge hat man nicht gefunden, obgleich genug danach geſucht iſt. Seitdem der Stein fort iſt, frißt der Memelſtrom von unten in den Rombinus hinein, und oben auf dem Berge wehet der Wind den Sand auseinander, ſo daß bald die Stelle nimt mehr iſt, wo einſt der berühmte Opferſtein war. Dann wird, ſagen die: Litthauer, großes Wehe über das Land kommen. - Mündliche Ueberlieferung ; vergl. aber auch Leo histor. Pruss. p. 49. Henneberger S. 389. Act. Boruss. 1. pag. 216. Das Obige wurde niedergeſchrieben im Jahre 4834, Seitdem, nämlich im Anfange des Monates September 4835, hörte man in einer Nacht ein großes, weit ſchallen- des Getöſe, wel<es vom Rombinus herkam. Am andern Morgen fand man einen großen Theil des Berges einge- ſtürzt; in dem vorbeifließenden Memelſtrome war dagegen eine große Erdzunge entſtanden. Das Wunderbare dabei war: daß ein Weg zwiſchen dem eingeſtürzten Berge und der Memel ganz unverſehrt geblieben war, der Berg alſo ganz in die Tiefe hinein geſtürzt zu ſein, und das Erdreich dort unten nach dem Strome zu gedrängt zu haben ſchien, ſo daß es unter dem Wege fort in dem Strome wieder

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165 zum Vorſchein kam. Die dadurc< in der Memel gebildete Erdzunge beſteht größtentheils aus harter, zerriſſener Thon- erde, und iſt überall mit vielerlei Muſcheln vermiſcht. Der Theil des Berges, auf dem der Opferſtein geſtanden, iſt für jeßt noch verſchont geblieben. Die Litthauer fürchten aber jet wieder doppelt, daß auch er bald einſtürzen und dann' die unglücksvolle Prophezeihung in Erfüllung gehen werde, 161. Die weiße Frau auf der Baierburg. An dem Ufer des Memelſtromes, gegenüber den alten Mauern des Ordenshauſes Chriſtmemel, erheben ſich einige ſchroffe Anhöhen, mit niedrigem Geſtrüppe bedeckt. In alten Zeiten ſtand hier eine Burg des deutſchen Ordens, die Baierburg genannt. Die Burg ift lange zerſtört, aber“ man ſicht noH an wenigen Mauerſtücken, die aus der Erde hervorragen, und an den Gräben, welche ſich um dieſelben , ziehen, wie die Burg beſchaffen, und wie ſie gar groß und feſt geweſen. Sie ward gebauet im Jahre 1337 von den Herzog Heinrich von Baiern, der mit ſtarker Heeresmacht dem Orden zu Hülfe gezogen war, und war zu einer Schuß- mauer gegen die heidniſchen Litthauer beſtimmt. Bon dem Herzog erhielt ſie den Namen die Baierburg. Sie follte der vornehmſte Platz in der Gegend werden, und nach dem“ Willen des Herzogs ſogar der Sit eines Erzbiſchofs. Als- lein ſie ftand nur wenige Jahre, und ihre Beſlimmung; konnte ſie nicht erreichen. Der Hochmeiſter des Ordens nämlich legte vierzig Ov-“ densritter in die Burg, denen er einen Comthur gab. Die Ritter aber dachten wenig an Gott und ihr Gelübde, und anſtatt dem Gebete und ihrer Pflicht ſich zu widmen, er-* gaben ſie ſich dem Spiele und dem Trunfke ünd aller Ueps- pigkeit. Da geſchah es einmal, daß ſie auf einem Zuge'

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4166 gegen die Litthauer eine edle Jungfrau geraubt hatten, welche ſehr ſ<ön und tugendhaft und eine Chriſtin warz anſtatt nun dieſelbe den Jhrigen zurückzugeben, wollten ſie ſie vielmehr zu ihren Sünden und Laſtern mißbrauchen, und ſie zwangen ſie, an ihren ſündhaften Gelagen Theil zu nehmen. Die Jungfrau ermahnte ſie öfters, von ihren Sünden abzuſtehenz allein ſie hörten nicht auf ſie und ſpotteten ihrer. Als nun eines Tages die Ritter alle wie- der bei einem großen Gelage ſaßen und ihren Laſtern fröhn- ten, da erhob die Jungfrau, die die vielen Gräuel nicht mehr anſehen konnte, ihre Stimme zu dem Herrn, und flehete ihn an, den Sünden ihrer Peiniger und ihrem ei- genen Elende ein Ende zu machen. Und auf einmal öffnete ſic die Erde und verſchlang die Burg mit den Rittern und mit Allem, was darin war. Auch die Jungfrau fand ih- ren Tod mit den Uebrigen z allein zum Zeichen, daß ſie der ewigen Seligkeit theilhaftig geworden, erſcheint ſie ſeitdem öfters in glänzenden weißen Kleidern, we8halb ſie auch die weiße Frau genannt wird, und iſt der Schußgeiſt der Ge- gend; ſie. thut den Leuten Gutes und wehret Unglück und Berderben von ihnen ab. So ſind es noch feine hundert Jahre, als einſtmals ein kleines Kind in den Abgrund fiel, der ſich an der Stelle befindet, wo früher die Burg gez ſtanden, Niemand konnte in die unergründliche Tiefe ſich hinunter wagen, und die armen Eltern mit ihren Nach- barn ſtanden voll Entſeßen umher, aber ohne Rath und ohne Hülfe. Da erhob ſich auf einmäl aus dem ſchwar- zen Abgrunde die weiße Frau, welche in ihren Armen das unverſehrte Kindlein hielt und es den freudigen Eltern zu- rückgabz; ehe dieſe ihr danken konnten, war ſie verſchwun- den. Auch verwahrt ſie unten in dem Abgrunde die gro- ßen. Schätze, welche die Ritter den Litthauern abgenommen und. dort aufgehäuft hatten. Sie möchte ſie gern austhei-

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167 len an die Leute in der Gegend, äber. ein ſc<warzer Teu- fel, der ihr da unten gegenüber ſißt, hindert ſie noch daran. Einſt wird aber die Zeit kommen, daß die weiße Frau über ihn den Sieg davon tragen wird, und dann wird ſie. alle die vielen Schäge den Menſchen geben, .. 162. Der Leichenbeſuch. In vielen Städten Litthauens ſind beſondere Kirc<höfe für die deutſchen und für“ die litthauiſchen -Gemeinden. Auch in „der Stadt Ragnit iſt es ſo; früher war daſelbſt für das Kirchſpiel nur ein Kirc<hof, jet ſind aber'-zwei da. Der deutſche liegt ſüdweſtlich von .der Stadt, der litthauiſche liegt öſtlich von derſelben. Aber die -Leichen der beiden Kirchhöfe, wenn ſie „ſich im Leben gut gekannt haben, kommen oft des Nachts zuſammen, beſonders wenn es ſtürmiſches Wetter iſt. Dann ſieht man ſie zu hundert "und tauſenden von einem Kirchhofe zu. dem andern fliegen, von dem litthauiſchen: zu dem deutſchen, und auch von dem deutſchen zu dem litthauiſch<en. Ein Jeder kann ſie nicht ſehen, ſondern .nur ſdl<e Leute, die in der Mitternachtſtunde eines Sonntags geboren ſind z'- die Leichen fliegen durch.die Luft, aber nicht gar ho< über der Erde und in ganz ge- rader Linie von dem einen Kirc<hofe zu dem andern. Dga- her iſt denn auch in der gräden Richtung von den beiden Kirchhöfen gar kein Gegenſtand zu ſehen, der ſie in ihrem Fliegen aufhalten könnte, fein Haus, kein Baum, keine Hecke, keine, Mauer, noch ſonſt etwas. "Vor einigen Jah- ven zog einmal ein Fremder nach Ragnit, der bautte ſein Haus an das ſüdliche Ende der Stadt; es war ein'recht hübſches und feſtes -Haus. Aber ſo wie die erſte ſtürmiſche . Nacht kam, fiel das Haus ganz in einander, mit Dach und mit Mauern. Alte, ſchon halb verfallene Häuſer in der

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168 Nachbarſchaft wären ohne allen Schaden geblieben. Dar- Über ſchüttelte zwar Mancher den Kopf, und ſal) das Haus mit beſonderem Geſichte an, allein der Fremde ließ es wohl- gemuth wieder aufbauen. Doch es dauerte nur wenige Tage, da kam wieder in einer Nacht ein Sturm und warf das Haus noch einmal um. Da kam ein alter Mann zu ihm, der war in der Mitternachtſtunde von einem Sonn- abend auf Sonntag geboren. Der ſagte zu dem Fremden, ſein Haus werde nimmer ſtehen bleiben, denn es ſtehe in der geraden Linie zwiſchen dem litthauiſchen und dem deut- ſchen Kirchhofe, und liege den Geiſtern im Wege, wenn ſie einander beſuchen wollten. Da ließ denn der Fremde das Haus etwas an der Seite wieder aufbauen, wo es noch ſteht, ohne jemals wieder Schaden genommen zu haben. =- Zum Wahrzeichen ſteht auc< noch eine Scheune am ſüdli- <en Ende der Stadt Ragnit, deren Spitze erſtreckt ſich ſo eben in die gedachte grade Linie hinein, daher kommt es denn, daß auf dieſer Spitze ſich niemals das Dach halten will; wenn der Herr der Scheune hundertmal im Jahre es wieder zurec<t machen läßt, ſo iſt es doch, ſo oft des Nachts ein Sturm iſt, jedesmal grade ſo weit niedergeriſ- ſen, als es in die Linie hineingeht und den Geiſtern in "Ihrem Wege liegt. 163. Die Stadt Gumbinnen. Der Name der Stadt Gumbinnen, die vor wenig über hundert Jahren noch ein kleines Dorf war, kommt von dem litthauiſchen Worte: Gumba, Krümmung, her. Der Ort beſtand nämlich in den älteſten Zeiten aus zwei Krügen und einigen Bauerhöfen. Jn dieſen Krügen wurde aber ſchr ſchlechtes und ungeſundes Bier verſchenkt, ſo daß die, welche es genoſſen, davon Leibſ<merzen bekamen und ſich wie Würmer krümmten. Andere leiten den Namen

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4169 daher, daß der Fluß Piſſa dort viele Krümmungen macht, noc< Andere von,» einer mächtigen Linde mit einem ſtarken Auswuchſe, von welcher die heidniſchen Urbewohner geglaubt hatten, daß ſie alſo von ihren Göttern gezeichnet-ſei, auf daß ſie ihnen unter derſelben ihre Opfer brächten. Beiträge zur Kunde Preuß. Bd. 1). S. 114 fgg. 164. Der Name Stalluppönen. Die Stadt Stalluppönen hat ihren Namen von fol? gendem Umſtande: Es befinden ſich dort mehrere kleine Teiche und Dämme. Bei einem von dieſen hat vor Zeiten eine dicke Eiche geſtanden, und darauf ſoll oben ein- Tiſch befeſtigt geweſen ſein, an dieſem haben die alten vornehmen Preußen ihre Zuſammenkünfte und Mahlzeiten gehalten, während das geringere Volk unten an der Erde, ebenfalls an Tiſchen geſeſſen, und bei dem fröhlich geweſen, was ih- nen die Vornehmen von oben herab zugeworfen. Weil nun in der alten Sprache Stahle ein Tiſch und Uppön ein Teich heißt, ſo iſt daher der Name entſtanden. 165. Der Kamsvikus. Unfern Inſterburg an dem rechten Ufer der Angerapp, nicht weit von deren Vereinigung mit der Jnſter, erhebt ſich jah ein ziemlich bedeutender Berg, der Kamsvikus, Er beſteht aus einem faſt felſcnharten Erdreich; niedriges Ge- ſtrüpp bede>t ihn; noch finden ſich Ueberbleibſel' einſtiger Bewährung. Schon vor der Ankunft des Ordens hat hier eine Burg geſtanden, deren Beſier ihr und dem Berge den Namen gegeben haben ſoll. Dieſen Kamsvikus ſc<il- dert die Sage als einen harten und wüſten Mann, der feine Unterthanen auf das grauſamſte behandelte. Zuleßt ließ ſeine eigne Gattin ihn feſſeln und lebendig in den Ge-

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470 “ wölben des Schloſſes einmauern. Aber ſie ſelbſt trieb es noc< ärger: no< wüſter und frevelvoller war das Leben auf der Burg; noc<h grauſamer . verfuhr ſie gegen das Volk. Da ſollen endlich die Götter, erzürnt, die ganze Burg ha- ben verſinken laſſen. Aber die Beſitzerin, obwohl ſo begra- ben, fand doch feine Ruhe. Sie ward verdammt, in der Geſtalt einer ſchwarzen Kuh umzugehn. Jhr Gatte, als ſchwarze wilde Kaßze,'treibt ſie: vor ſich her. Andere erzäh- len, ſi ſie werde von einem ſchwarzen Ritter verfolgt, der bes ſtändig über ihr die Geißel ſchwinge. So will man beide oft zur“ Mitternacht durch das Dickicht ſtreifen geſehen haben. Der Sohn des Kamsvikus ſoll ſich des Volkes oft gegen die Grauſamkeit ſeiner Eltern angenommen; dies ihm aber einſt das Leben gekoſtet haben. Aus Dankbarkeit ward ihm ein Denkmal errichtet. Ein Kreuz von Eiſen, das man ſpäter gefunden hat und jet in der Kirche zu Inſterburg aufbewahrt, wird für dies Denkmal gehalten. Als ſeine Grabſtätte wird ein fünfundzwanzig Fuß langer und vier- undzwanzig Fuß breiter Stein am Fuße des Berges be- zeichnet. Noch leben im Munde des Volks litthauiſche und deut- ſche Lieder, dje ſeinen Edelmath , und ſeinen Tod beſingen. 166. "Die 'Einäugigen zu Narpiſchken. Unweit der Stadt Jnſterburg liegt ein Dörflein mit Namen Narbiſchken oder Narpiſchken an einem kleinen Flüßchen, die Golbe genannt. . Dieſes Flüßchen haben. die alten Preußen beſonders in Ehren gehalten, und ihm. Ehr- furcht bezeuget, Dieß thaten die Bewohner des Dorfes auc< noh lange nachher, als ſie ſchon Chriſten geworden waren. Da begab es ſich merkwürdiger Weiſe, daß zu x

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171 einer Zeit in dem Dorfe viele Menſchen einängig wurden, Dieſes hielt lange Zeit an, denn noch vor zweihundert Jah- ren fand man in dem Dorfe viele: einäugige Leute. Henneberger Erklärung S, 327, Adlerhol? höchſt geprieſenes Preußen Th. 1. Cap. 3, Nr. 4t. 167. Die Kirche zu Engelſtein. Eine Meile von Angerburg liegt das Dörflein Engel- ſtein mit einer Kirche darinnen. Anfangs ſtanden das Dorf und die . Kirche nicht an dieſem Orte, ſondern eine halbe. Meile weiter an den See Röſau. Es hatten nämlich die erſten Stifter des Engelſteins von dem Orden ein Stück, Wald von 64 Huben gekauft. Wie ſie nun denſelben aus». rodeten, da fanden ſie mitten im Walde eine lichte Stelle, die da gleich einer Kirche ausgeſehen. Sie war 36 Fuß lang und 24 breit, und eine Sacriſtei war daran, ſo 12 Fuß in der Länge und 9 Fuß in der Breite hatte. . Die Wände der Kirche und der Sacriſtei waren ganz von ur-/ alten großen Bäumen gebildet. Da erkannten die Engel- ſteiner, daß ſie hier ihre Kirche bauen und ſich niederlaſ- ſen ſollten, ſie brachen daher ihre Wohnungen und die, Kirche an dem See ab, und trugen ſie hierher in den Wald hinein, da wo ſie noch jetzt ſtehen. Erläutert. Preußen Th. 11. S. 230 fgg. ' 168. Der Glomsſa> zu Memel. An der äußern Feſtungsbrücke zu Memel befand ſich früher ein Glomsſack, von Metall gegoſſen, welcher zwei Centner ſchwer war, und zum Aufziehen und Niederlaſſen der Brücke diente. Derſelbe hatte folgenden Entſtehungs- grund: Als nämlich Eri< König von Schweden einsmal das Schloß Memel belagerte, hat ſich die inliegende Mannſchaft ſo tapfer und ſo lange gehalten, daß zuleßt gar kein Pro-

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172 viantvorrath mehr da war, außer einem einzigen litthaui- ſc<en Glomskäſe. Da beriethen die Belagerten unter ein- ander, was 'zu thun, und ſie kamen endlich überein, den Käſe in das Lager der Feinde zu werfen, und dieſe da- durc< glauben zu machen, daß ſie noch vielen Vorrath hät- ten. Sie thaten alſo, und täuſchten den Feind dadurch wirklich, denn dieſer verzweifelte nun, die Uebergabe durch Hunger zu erzwingen, wenn die Belagerten noch ſo ſchöne Käſe muthwillig fortwerfen könnten, und er hob die Bes lagerung auf und zog ab. Darauf man denn zum ſteten Andenken dieſen Glomsſack gegoſſen und dort aufgehangen, nac< welcher Seite der Käſe über die Mauer geworfen war. Erl. Preuß. Th. IV. S. 240. 169. Die ſingende Meeresjungfrau. Zu Nidden an dem Geſtade des kuriſchen Haffs wohnt in dem Waſſer eine Jungfrau, welche mit ſüßen Klängen den Wanderer zu ſich heranloct, die Schönheit ihres Aufent- halts rühmt, und ihm, wenn er ihr folge, ein Leben vol- ler Freuden und das Glück der Liebe verheißt. Wenn nun äber der Gelockte, bethört von den Verheißungen und dem zauberiſchen Geſange, ſich in die Fluth ſtürzt, um nach dem Eilande, auf welchem er die Jungfrau vor ſich zu ſehen glaubt, hinüber zu ſc<wimmen, , ſo öffnet. ſim plößlim der Abgrund und verſchlingt den Schwimmer nebſt der Inſel. Schon viele Opfer hat die Jungfrau ſo zu ſich hinabge- zogen. Rheſa Prutena S, 74. 170. Das Tenufelswerder. In der Mitte des Spirdingſees liegt ein kleines Ei- land, das Teufelswerder. Es beſteht aus einem ſteilen und

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173 ziemlich hohen Berge, und begreift“ etwa drittehalb- preu- : fiſche Hufen in ſich. Der Boden iſt faſt durchweg ſandig und wird“ beinahe gar nicht zum Ackerbau benutzt. Den Bewohnern des gegenüberliegenden Dorfes Ekersberg zeigt es, je nachdem es näher oder entfernter ſcheint, die bevor- ſtehenden Veränderungen des Wetters an. Dieſe Inſel iſt von böſen Geiſtern bewohnt, woher ſie denn auch ihren Namen erhalten. Bald zeigen dieſelben ſich in Eeſtalt von Löwen, bald von ſchwarzen Hunden, bald unter andern For- men, necken die Menſchen, die in die Nähe kommen, und fügen ihnen allerlei Schaden zu. Der Geſchichten, die die Umwohner des Sees und vor allen die Bienenbeutner, die ihre Beuten auf dem Werder halten und Sturmes halber oft drei und mehr Nächte darauf feſtgehalten werden, hier- von zu erzählen wiſſen, ſind unzählige, Beſonders aber haben die Geſpenſter es auf die Fiſcher abgeſehen, denen ſie bald die Netze zerreißen, bald große Schäte zeigen, die, wenn jene ſie nach langer Mühe endli< heben wollen, plötzlich verſ<winden oder ſim in unbrauchbare Dinge verwandeln. | Henneberger Libell. de fluminibus etc. fol. 21, Merkwürdigkeiten des Spirdingſees 8 7, 8qq. (in den wöchentli«- <en Königsberg. Nachrichten de 4749, Nr. 37.) 171. Die Rählſche Säule. Zwiſchen Angerburg und dem Dorfe Rähl ſteht auf freiem Felde ein funfzehn Fuß hoher und ſecc<s Fuß breiter, von Ziegelſteinen ins Gevierte gemauerter und oben ſpiß zulaufender Pfeiler. Mitten in demſelben iſt auf jeder Seite eine Blende, etwa einen halben Ziegel tief. Vordem ſtand an dieſer Stelle ein kleines hölzernes Haus. Jn ſel- bigem kamen im Jahre 4564, am Tage der unſchuldigen Kindlein, zwei Knechte und zwei Mägde zuſammen, und

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174 verſchloſſen ſic, um ſich in ſündlicher Luſt zu vergnügen. Da iſt aber der Teufel hinzugekommen, hat ihnen die Hälſe gebrochen, die Angeſichter auf den Rücken gekehrt und einer Magd, Roſa geheißen, den Leib dermaßen verbrannt, daß weder Fleiſ< noc< Eingeweide von den Beinen bis zur Bruſt geblieben. Zum Andenken an dieſe Begebenheit ließ Herzog Albrecht der ältere den erwähnten Pfeiler errichten, die Geſchi<te daran abmalen und in einer Jnſchrift die Veranlaſſung kund thun. Das Haus, in dem der Vorfall ſich zugetragen, wollten die Bauern aus Rähl, da es ſie verdroß, daß "die Leute von weit und breit herkamen um es in Augenſchein zu nehmen, abbrechen; aber alle: Mühe, die ſie deshalb anwendeten, iſt umſonſt geweſen. So hat das Häuslein noch lange nachher geſtanden, und zum Wahr- zeichen haben die Werkzeuge daneben gelegen, mit denen man es hat zerſtören wollen. Heilsbergers Chronik ad ann. 45614. (Ms.) . Vera historia de calamitoso et horrendo quatuor, perso- narum interitu furoribus diabolicis e medio Sublatorum, quae accidit in pago Raehl Borussorum; conscripta a Vinc. Barfus. Dantisci 1593. Histor. patriae de Columna Relnensi specim. I. (in den Kö- nigsb. Intellig. Bl. de 1744. Nr. 48). spec, 11. (in.den wöchentlich. Königsb. Nachrichten de 4748 Nr. 49) v. L, R. v. Wi(erner). 172. Die Meſſer im Dome zu Königsberg. In der Sacriſtei der Domkirche zu Königsberg be- finden ſic) noch zwei Meſſer, die der Teufel zwei Perſonen, die ſim ihm ergeben hatten, zugeſtellt, um ſich oder Andre zu ermorden, ſo wie die- Handſchrift dieſer beiden Men- ſchen, zu deren Rückgabe den Teufel das kräftige Gebet der Geiſtlichen vermocht haben ſoll. Baczko Beſchreibung v. Königsberg S. 423, (2te Aufl.)

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“ 475 173. Die wunderbare Münze, Jn dem Münzkabinet der. Bibliothek zu-Königsberg befindet ſich eine ſc<were .goldne Denkmünze, welche 25 Ducaten Werth hat. Auf derſelben iſt von der Einen Seite ein erhabnes. Bruſtbild mit der lateiniſchen Umſchrift Effigies Hieronymi Scoti Ploc:, ':auf der andern Seite ſtehet die: Jahre8zahl 1580. Dieſe Münze "rührt her von einem berühmten Zauberer, Namens Hieronymus Scott, welcher mehrere Jahre in Preußen herumgereiſet. Als der- ſelbe nämlich einmal“ bei dem Herzoge in Preußen an der Tafel geweſen, und das Geſpräch auf das Goldmachen ge- kommen, hat gedachter Scott in Gegenwart vieler Herren ein Stück neben ihm liegenden Brodtes genommen und dar- - aus ſofort dieſe große Münze gemacht zu Aller Verwun- derung! Er hat ſie auß dem damaligen preußiſchen Kanzler Chriſtoph von Rappen geſchenkt, welcher mit bei der Tafel geweſen. Aus deſſen Familie iſt ſie. hernach in die Familie von Wallenrodt gekommen, und von da in die Bibliothek. | Erläut.. Preußen, Th. 111. S. 652, 174. Die. wandernde Traube zu Königsberg. In der Sc<loßkirhe zu Königsberg, nicht weit von dem königlichen Stuhle, ſiehet man oben am Gewdlbe eine Weintraube von Kalk. Dieſelbe hat der Maurermeiſter, ſo bei Erbauung der Kirche geweſen, nach vollendeter Ar- beit dort angebracht, zum Wahrzeichen, daß ihm von den ganzen Verdienſt nichts übrig geblieben, ſondern er den- ſelben ganz vertrunken. Dafür ſoll aber der Maurermeiſter nicht eher ſelig werden können, als bis die Traube ganz von ihren Platz abgefallen iſt. ' Einſtmals, im Jahre 4647

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476 am 16ten Februar, ging ſie mitten während der Predigt los, und man ſah ſie ſi< herunterlaſſen vom Gewölbe, und eine gute Handbreit von der Mauer in freier Luft baumeln. Darob fürchteten ſich viele Leute, und die, ſo darunter geſeſſen, ſtanden auf und gingen an einen andern Ort, meinend , die Traube werde jeden Augenblick ganz herunterfallen. Allein ſie fiel nicht, ſondern blieb ſ<weben, und am andern Morgen wurde ſie, ohne daß eines einzigen Menſchen Hand ſie angerührt hatte, an ihrem Ort wieder feſt gefunden. Erläut. Preuß. 1. p, 638. und mündlich. 175. Das Kreuzthor zu Königsberg. Am Ende der Burgfreiheit zu Königsberg, da wo der Roßgarten anfängt, befand ſich ehedem ein Thor, das Kreuzthor genannt, welches im Jahre 4705 abgebrochen iſt. Neben dieſem Thore, im Winkel zur rechten Hand, ſtand vor alten Zeiten ein Kloſter, zum heiligen Kreuz ge- nannt, in welchem gar fromme Mönche waren. Bei einer Gelegenheit wurden die Mönche vertrieben, und es wurde aus dem Kloſter ein Gießhaus gemacht, welches jedoch ſpäter an einen andern Ort nicht weit vom Holzgarten verlegt worden. Jenes Kreuzthor war früher immer be- ſonders verſchloſſen, ſeitdem aber die Mönche vertrieben waren, iſt es vom böſen Feinde beſeſſen worden , alſo daß man es niemals hat zuhalten können, ſondern wenn man es zugeſchloſſen hatte, fand man es gleich wieder offen. Daher man es zuletzt ganz weggebrochen hat. Erläut. Preuß. 1. 369. und mündlich. 176. Der heilige Brunnen zu Königsberg. "Nicht weit von der Roßgärtiſchen Kirche zu Königs- berg iſt eine ſchöne und reiche Quelle, der heilige Brunnen

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, 177 genannt, Dieſe beſaß ehemals Se" große wunderſame Heilkraft,“ ſo daß viele preßhafte Leute dadurch zur Ge- ſundheit gelanget, und derowegen angefangen .wurde, das Waſſer häufig zu gebrauchen. Als dies die Eigenthümerin des Brunnens erſah, Dorothea Gevadrov , eine reiche und ausnehnend geizige Wittwe, da ließ ſie den Brunnen ver- bäuen, um von denen, die das Waſſer gebrauchen wollten, Geld zu nehmen. Aber auf einmal hatte jeßt das Waſſer ſeine Wunderkraft verloren, und es konnte niemand mehr davon geneſen. Da bereuete die Frau ihre gehabten Un- koſten, und ſie wurde wieder arm und elend. Erläut. Preuß. Th. 1. S. 545. und mündſich. 177. Die ſonderbare Leiter an dem Dome zu Königösberg. Wie ſtark man in alten Zeiten das Mauerwerk ge- arbeitet, davon hat man ein Wahrzeichen an der Dom- kirche zu Kdnigsberg , wenn man von der Akademie nach" dem alten Collegium zu gehet. Daſelbſt iſt an der Kirchen- - mauer Ein Ziegel an den andern gelegt, ſo daß man auf“ demſelben ſtehen kann. Dieſes hat aber folgenden Grund : Als man den Arbeitsleuten, welche die Kirche baueten, das Eſſen hat hinaufreichen wollen, und es an einem Gerüſte fehlte, auf wel<em man zu den Leuten heranſteigen könnte, hat der Maurer etwas Kalk an die Mauer geworfen, und einen andern Ziegel darauf geleget, welcher alsbald derge- ſtalt angeklebet, daß von Stund" an Einer hat aufſteigen und den Arbeitsleuten das Eſſen hinaufreichen können. 178. Das Bild der Eva zu Königsberg. In der Altſtädtiſchen Pfarrkirche zu Königsberg be- findet ſich, an dem fünften Pfeiler na< Süden hin, das Grabmal Johännes Malcherns, eines Preußiſchen Kammer- - 12

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178 meiſters, welcher im Yyhre 1665 geſtorben. Auf dieſem Grabmale iſt eingehauen der Fall Adams, mit welchem Bildniß ſid im Jahre 1691 am 2öſten Sonntage nach Trinitatis folgende wunderbare Begebenheit zutrug. An dem gedachten Tage wurde daſelbſt in der Kirc<e zum erſten Male geſungen das Lied: Dur& Adams Fall iſt ganz ver- derbt u. ſ. w. Auf einmal bemerkte man während des Singens, wie das Bild der Eva, welche neben dem Adam beim verbotenen Baume ſtehet, ſich hin und her bewegte, worüber ſich viele Leute erſc<hraken. So oft nachher das beſagte Lied dort geſungen, ſoll ſich das Bild wieder be- weget haben, bis man es zuleßt mit vielen Nägeln ange- nagelt, worauf der Spuk verſchwunden. Erläutertes Preußen Th. U. S. 63. 179. Der Rinau. Der Galtgarbenberg, oder, wie ſein Name eigentlich lautet, der Rinau, iſt, wenn auch nicht der höchſte Punkt in Preußen, doch , da er ſich ziemlich vereinzelt über ſeine Umgebungen erhebt, einer der bemerkbarſten, wegen der Herrlichen Fernſichten nach der Königſtadt, dem Meere und dem Haffe aber, ſo wie wegen des dort zum Andenken an die Befreiungskriege errichteten Monuments der bekannteſte Berg des Landes. Zur Heidenzeit ſoll auf ſeinem Gipfel ein Heiligthum des Ligo, des Gottes des Frühlings und der Freude, geſtanden haben , bei dem eine immerwährende Flamme brannte, die von feuſchen Jungfrauen bewacht und unterhalten ward, Zu dieſem Dienſte ward auch einſt ein Mägdlein erkoren, das durch ſeine Schönheit das Herz eines Edlen Samlands entzündet hatte. Dieſer, troßend dem Spruche des Kriwen, ſchwur, die Erwählte dem Altare zu entreißen und als Gattin in ſeine Wohnung zu führen. Dreimal ſtürmte er das Heiligthum, dreimal

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179 wurden ſeine Schaaren von den Wächtern zurückgeworfen; endlich dringt der Jüngling durch die Pforte, ſchon um- faßt ſein Arm die Jungfrau, da erbrauſ't plötzlich eine wüthende Windsbraut, Blitze zucken, und zuſammen ſtürzen die Mauern des Heiligthums und begraben die Frevler unter ihren Trümmern. . Die heilige Flamme aber war auf ewig erloſchen. Seitdem hört man oft auf dem Gipfel des Berges Mitternachts ein wirres Getöſe wie Schlachtendrang und Raſſeln der Waſſen, bis auf ein Mal ein flammendes Licht aus dem Boden heraufflammt. Dann verſtummt plötzlich das Toben. Rheſa Prutena S. 147 -- 449. 180. Die Schäge des Rinan. Eine andere Sage berichtet, daß auf dem Rinau einſt die Nachkommen des Samo, die Herren über Samland, gewohnt hätten. Deshalb und wegen der vielen mächtigen Eichen, mit denen er bede>t war, wurde der Berg für heilig gehalten, und das Bild des Curc<o und des Wurs- faitis auf ſeinem Gipfel aufgeſtellt. Jn ſeiner Tiefe barg man die Urnen, in denen ſich die Aſche der verbrannten Leichen der Gebieter mit ihren ſchönſten Kleinodien, vielen Geldmünzen und. anderen koſtbaren Dingen befand. Von den Brüdern des deutſchen Ordens wurde nach der Erobe- rung Samlands das Heiligthum zerſtört. Die Schätze aber blieben in der Tiefe. Da traf es ſich im Jahre 4524, daß in Königsberg mehrere zur evangeliſchen Kirche übergegangene Mönche ſich befanden, die, ihres bisherigen Unterhaltes aus den Klöſtern beraubt, nicht wußten, wovon ferner leben, und deshalb den Entſchluß faßten, Shäte zu ſucHßen. Als ſie nun zu vierzehn zu dieſem Zwecke auszogen, kamen ſie an den 12*

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180 Rinau, damals der Cuhmenenſche Berg genannt, und weil ſie dort ein altes Gemäuer ſahn, von dem ein heftiger Regen die Erde, die es ſonſt bedeckt, fortgeſpült, man ihnen auch berichtete, daß dort vor Zeiten ein reicher Fürſt- gewohnt, ſo beſchloſſen ſie, hier* ihren erſten Verſuch zu machen, und öffneten das Gemäuer. Alsbald. ſtieg aber aus der Tiefe ein ſo giftiger Brodem hervor, daß fünf auf der Stelle todt niederſtürzten und von den andern noch drei am folgenden Tage ſtarben. Dir, welche übrig blieben, erzählten nachher, ſie hätten große Töpfe geſehen und auf jedem derſelben einen ſchwarzen Hund, aus deren Maule "der tddtlihe Dampf gekommen wäre. Nach einigen Tagen gingen ſie von neuem zum Berge, trugen mit ſich Bilder, die mit dem geweihten Oele be- ſtrichen waren, laſen die Meſſe, ſangen die Litanei, nahmen das Allerheiligſte, und beſchworen, ſol<hes vor die Grube haltend, die Geiſter. Da verlor ſich der giftige Brodem, und ſie kamen in die-Grube ohne Schaden, fanden ſieben große Töpfe, nahmen ſie heraus. und führten ſie mit Froh- lo>en nach Königsberg. Als man dieſe nun aber in Ge- genwart des Biſchofs und Hauscomthurs öffnete, da hatte der Teufel das Geld, welches darinnen geweſen und das er den Mönchen nicht gönnte, verwandelt, ſo daß man nichts denn kleine Kohlen, Menſchenknochen und Aſche fand. Sim. Grunau's Chron. Tract. XX11. 181. Das Dorf Germau. Der Name des Dorfes Germau ſtammt her von dem alten preußiſchen Worte gerimas, welches ſo viel heißt als Trinker; denn die Einwohnet des Dorfes haben von jeher den Trunk geliebt, und man findet noch jezt Weiber allda, deren zehn eine Tonne Bier anzapfen, und nicht eher

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181 von einander gehen, als wenn ſie dieſelbe bis auf den Grund ausgetrunken. 182. Die Neue Sorge. Die jetzt ſo genannte Königsſtraße in Königsberg hieß zuerſt die Neue Sorge. Dieſer Name aber hatte folgen- den Urſprung: denn als man dieſen Theil der Stadt er- bauet hatte,. ſchickte man zu dem damaligen Statthalter des Markgrafen, dem Fürſten Radziwil, und fragte dieſen, wie die Straße“ heißen ſoilte? der war ein gar bequemer Herr, und gab zur Antwort? Abermals eine neue Sorge! und es wurde darauf die Straße benannt: Neue Sorge. Erläut. Preuß. Th. 1. S. 547. " 183. Die Bierbrüder - Säule. In der Caporniſchen Haide unweit von Königsberg ſteht mitten auf dem Wege eine, Säule, die man die Vier- brüder -Säule nennt. Dieſelbe iſt von Holz und 24 Fuß, auc< noc< wohl etwas mehr hoch. Auf derſelben Höhe ſind auf vier herausragenden Armen ſo viele ausgeſchnißte bärtige Mannesköpfe mit Helmen aufgeſezet. Die Säule ſtehet ſchon ſeit undenklichen Zeiten, ſie iſt zum öftern um- gefallen oder verlezet worden. Alsdann muß ſie von dem Domainenamte zu Caporn wieder aufgerichtet und ausge- beſſert worden. In frühern Zeiten waren hiermit allerlei Ceremonien verbunden, die hat man aber jetzt vergeſſen, und es iſt nux noch die Eine übrig geblieben, daß der Zim- mermann, ſo ſie wieder ſetzet oder die Arme wieder an- macht, ſic vor ihr verneiget und mit lauter Stimme ihr ſeinen Wunſch zum langen Stehen abſtattet. Wie dieſe Säule entſtanden, darüber hat man mancherlei Erzählun- gen und Muthmaßungen. Einige ſagen, es ſeien an der Stelle vier Brüder geviertheilt, welche große Mörder ge-

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182 ' weſen. Andere behaupten, daß daſelbſten vier Brüder eine Reiſe durch die ganze Welt verabredet hätten und ausein- der gegangen wären, nach vielen Jahren aber an dieſer Stelle ſich wieder zuſammengefunden hätten. Wieder An» dere meinen, es habe daſelbſten früher eine alte vierzwei- gige Eiche geſtanden, welche den Göttern der alten Preus ßen heilig geweſen. Noc< Andere glauben, daß vor meh- reren hundert Jahren daſelbſt vier hohe Häupter, nämlich der Markgraf Albrecht, der König von Polen, der König von Dänemark und der König von Böhmen, bei einem großen Jagen Brüderſchaft getrunken hätten. Die wahrſte aber iſt die folgende Erzählung: Als die Ordensbrüder zum er- ſtenmale gegen die Sudauer zu Felde zogen, nahmen ſie nur wenig Volk mit. Derohalben wurden ſie mit ſammt dem Landmeiſter von den Sudauern geſchlagen. Solches wollten vier ſtarke Brüder des Ordens rächen, als Martin Golin , Conrad Entkin, Jacob Stobemel und Malachies Koblenz. Dieſe mit hundert Fußgängern fielen plötzlich in Sudauen ein, und fanden den Adel des Landes auf einem großen Bankett. Sie harreten deshalb im Walde auf die Nacht, und als nun die Sudauer lagen und ſchliefen, da machten ſi< die Brüder auf und erſc<lugen 93 Preußen von Adel, und kehrten mit großer Beute zurüs. Zum Andenken an dieſe ruhmwüärdige That wurde den vier Brüdern des Ordens in dem Walde die Säule geſeßet. Duisburg Chronic. P. III. 6. 493 sg9q. cf. Rohde Disgert. de celebri statua IV. fratrum h, v. d. berühmten Säule der 4 Brüder. Regiony. 4747. Muthmaßung von der 4 Brüder - Säule in der Capornſchen- Haide. Erläut. Preuß. Th. L S. 54 flg. - (Kowalewzki.) Eine neue Muthmaßung von dem wahren Ur» ſprung der 4 Brüder - Säule 5. 32. e. 1. Voigt Geſch. Preuß. Th. 1V. S, 589 -- 593.

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183 184. Das Archiv zu Tapiau. In dem alten Sc<loſſe zu Tapiau befand ſich vor Zeiten das <urfürſtlihe Arc<iv, worinnen auch die Privilegien des Landes Preußen waren. Die Schlüſſel dazu lagen deshalben verwahrt bei dem Regierungs - Kanzler zu Kd- nigsberg, welcher allein ſie in die Hände bekam. Da begab es ſich eines Tages im Jahre 4619, daß der Hauptmann des Schloſſes, Herr Martin von Wallenrodt, in dem Jn- nern deſſelben ſpazieren ging, und er plößlich die mit ſtarken Riegeln verſehene Thür des Archivs weit offen ſtehen ſah. Er verwunderte ſic< darüber, dachte aber endlich, es ſeien Diebe eingebrochen, und er ging hinein, um danach zu ſehen. Kaum war er aber hinein getreten, als die Thür wunderbarer Weiſe hinter ihm zuſchlug, ſo daß er nicht wieder heraus konnte. Man mußte draußen an das Fen- ſter große Leiten anſetzen und das Gegitter erweitern, um ihn zu befreien. Acht Tage darauf bekam der Hauptmann: eine <urfürſtliche Beſtallung, daß er ſollte Regierungs- | Kanzler werden, denn der alte Kanzler war zu derſelbigen Zeit geſtorben. Erläut. Prouß. Th, 1. S. 103. 1853. Die wandernden Steine. dei Netteinen. Bei dem Dorfe Retteinen., nicht weit von. der Stadt Fiſc<hauſen, war vor Zeiten ein großer Teich. Dieſer Teich wurde im Jahre 1655 abgelaſſen; und: es fand“ ſich, daß er vom Ufer ab, nach 'der Mitte hin, immer tiefer zulief. Ganz in der Mitte aber, wo es alſo: am allertief- ſten war, lagen zwei große Steine z der eine. davon. war ſo groß, daß ihn keine zehn Pferde hätten von der Stelle « zehen können. Der andere war hakb ſo groß. Da begab

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184 es ſich, daß in der Nacht, nachdem der Teich ganz abge- laſſen war, die beiden Steine plötzlich ihre Stelle verließen, und der größere nach Nordoſten, der andere aber nach Nordweſten hin bergan zum Ufer ſich bewegten, ohne daß ſie von irgend einer ſichtbaren Kraft in Bewegung geſett wurden. Der große ging 72 Fuß weit voran, der an- dere nicht ganz ſo weit; in die Erde ſchnitten ſie tiefe Spuren hinein. Darüber entſetzte ſim alles Volk, und es gab viel Geſprächs in der Gegend, und man deutete es als eine böſe Vorbedeutung. Die Regierung ließ daher durH das Stadtgericht in Fiſchhauſen die Wahrheit der Sache unterſuchen z allein der Richter fand, daß Alles wahr ſei. Die Steine liegen noch an der Stelle, auf welche ſie gewan- dert ſind, und keine Gewalt kann ſie davon fortbewegen. Erläutertes Preuß. IV. 458. Preuß. Prov. - Blätter XU. 22. 186. Die Gründung von Gerdauen und Wartenburg. Im Jahre 1325 wurde, um die Gränzen der Chri- ſtenheit auszudehnen und einen neuen Schuß gegen die * Heiden zu haben, im Bartenlande das Schloß Gerdauen und in Galindien Wartenburg gegründet. Als nun die Schlöſſer vollendet waren und feierlich durch eine heilige Meſſe eingeweiht wurden, da zeigte ſich über dem von Wartenburg eine ganz weiße Haustaube, über dem von Gerdauen aber flogen zwei dergleichen. Die Preußen, welche beim Bau zugegen waren, verſicherten : daß man in dieſen weiten Wildniſſen noc< nie Haustauben geſehen. Duisburg Chronic. P. III. co. 353. 187. Der Bartel. Neben der Stadt Bartenſtein erhebt ſid hart am“ Allefluß ein jäher Hügel, der zwiſchen Ueberreſten einer

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185 Burg einen koloſſalen Granitblo> auf ſeinem Scheitel trägt, welcher einige Aehnlichkeit mit einex menſchlichen Figur zeigt. Die Sage berichtet, daß das Schloß verſunken, das Felsſtü> aber der ehemalige Beherrſcher des Landes, Barto, ſei, der hier gehauſt und beim Untergange ſeiner Burg in einen Stein verwandelt wäre. Noch jetzt nennt das Volk dieſen Stein: den Bartel. Auch erzählt man von großen Schätzen, die im Berge liegen, und von einem Gange, der von deſſen Spitze unter der Alle weg nach einem benachbarten Kirchlein führe, 188. Das verſteinerte Vädchen. Jn Bartenſtein wird noch ein anderer großer Stein in menſchenähnlicher Geſtalt aufbewahrt, der früher in der Johanniskirche, dann auf dem Markte aufgeſtellt war, ſich . Jet aber in dem Garten des Rectors der Schule befin: det, und*von dem erzählt wird, daß ein Mädchen, Guſte Balde genannt, in ihn verwandelt worden ſei. Dieſe bes klagte ſich einſt, als ſie zur Meſſe ging, gegen ihre Mutter: daß ſie in ſo ſchlechten Kleidern erſcheinen müſſe, während anderer viel geringerer Leute Töchter weit geputter einher- gingen. Die Mutter, erzürnt hierüber, rief ihr zu: daß du -möchteſt zu Stein werden, du unverſchämte Dirne! Und alsbald ging dieſe Verwünſchung in Erfüllung. Zu Reinswein im Ortelsburgiſ<en wird auch ein Stein gezeigt, der einem Menſchen gleicht und von dem eine ähnliche Sage geht. Nach mündlicher Ueberlieferung vergl. Bo> Naturgeſch. v. Preuß. Th. 11. S, 369. 189. Der Glommenſche Keſſelteich. Etwa eine kleine Meile von Bartenſtein, auf der Gränze der Güter Kiſſitten und Glommen, befindet ſich ein Teich,

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486 dadurch ausgezeichnet, daß er, übrigens flach, in der Mitte einen Keſſel von ſolcher Tiefe hat, daß alle Verſuche, ihn zu ergründen, vergeblich geblieben ſind, woher er auch den Namen des Keſſelteichs führt. Die Sage berichtet, daß Hier einſt ein Kirchlein verſunken ſei, und noch jetzt ſoll man oft in der Tiefe deſſen Glocken hören. Auch erzählt man, daß von dieſem Kirchlein aus ein unterirdiſcher Gang nach einem ziemlich entfernten Kloſter geführt habe. Vier neben einander liegende, mit Geſtein bedeckte Hügel zwi- ſchen Kiſſitten und Korolinenhaff werden als der Ort bes zeichnet, wo das Kloſter geſtanden. 190. Die zwölf Ritter und die zwölf Nonnen zu Kreuzburg. Als in der Stadt Kreuzburg no<& der alte Markt und das uralte Rathhaus ſtand, hat ſich an jedem Neu- monde eine gar ſeltſame Erſcheinung wiederholt. Sobald die zwölfte Stunde ertönt war, iſt nämlich aus der nach den Trümmern des alten Ordenshauſes auf den Schloß- berg führenden Kirchenſtraße ein Zug von vier Wagen ge- kommen, die beſonderer Art und unverde>t waren, ſo daß . man die darin Sitzenden deutlich erkennen konnte, Jeder . Wagen war mit vier Pferden, die beiden erſten mit Schim- meln, die beiden letzten mit Rappen beſpannt, Jene ſchritten ruhig einher, die Rappen aber haben Funken aus Mauk und Nüſtern geſchnoben.. In den beiden erſten Wagen haben, je zu ſechs, zwölf Nonnen geſeſſen, in weißem Or- densfleide mit Kreuz- und Roſenkranz, aber ohne Haupt z. in jedem der beiden lezten Wagen befanden ſich ſechs Ritter, die ihren Kopf mit dem Helme unter dem Arme hielten. Dreimal hat der Zug die Runde um den Ring des Marktes gemacht, doch ohne daß von dem Rollen der Räder etwas zu. vernehmen geweſen wäre. Statt des

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187 Kutſchers hat auf dem Wagen der Nonnen ein weißes Lamm, auf dem der Ritter ein ſchwarzer Ziegenbock, gleich den von ihm gelenkten Roſſen Funken ſprühend, geſeſſen. Im alten Rathhauſe iſt der Zug verſc<hwunden, und man hat dann aus demſelben eine gar wilde, luſtige Muſik mit abwechſelnden rauhen Männerſtimmen und feinem weib- lien Geſange gehört, zwiſchen denen es oft wie Orgel- töne und Choral geklungen. Mit dem Ende der Mitter- nachtsſtunde iſt der Zug der Wagen wieder aus dem Rath- hauſe herausgekommen, hat von neuem dreimal die Runde um den Markt gemacht, iſt aber nicht zur Kirchenſtraße, ſondern zur Hof- oder Schloßſtraße hinausgefahren. Nun haben aber auf den geharniſchten Leibern der) Ritter die verſchleierten Nonnenköpfe geſeſſen, während die Nonnen mit Helmbuſch und geſchloſſenen Viſieren angethan gewes ſen ſind. Alſo iſt die Erſcheinung von den Wächtern und den Marktbewohnern an jedem Neumonde geſehen worden, bis zum Pfingſtfeſte 41818, wo Markt und Rathhaus durch eine Feuersbrunſt zerſtört wurden. Nur ein einzelnes altes Ges bäude war ſtehen geblieben. Am nächſten Neumonde nach dem Brande erſchienen auch die Nonnen und Ritter wies der, nun aber nicht mit vertauſchten, ſondern mit ihren eis genen Köpfen, und zwar ſogleich , als ſie über Schutt und Trümmer aus der Kirchenſtraße daher gerollt ſind. Neuns mal haben ſie die Runde um den rauchenden Markt ges macht und ſind dann in das ſtehengebliebene Haus einges fahren, in welchem ſi< der-frühere Jubel wiederholt; doc ſanfter hat die Muſik geklungen und Orgelton und Chor- geſang haben den wilden, luſtigen Reigen niedergehalten, fo daß er je länger je mehr verhallt iſt. Als nun auch jenes Haus in Trümmer zerfallen und abgetragen iſt, ſind die Ritter und Nonnen nicht mehr

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188 erſchienen ; aber am erſten Neumonde nachdem der Markt frei geweſen, hat ſim an der Stelle des alten Gebäudes eine gar liebliche ſanfte Muſik hören laſſen, aus der man hat entnehmen wollen, daß die Ritter und Nonnen nun endlich zur ewigen Ruhe eingegangen wären, 191. Der Schloßberg bei Kreuzburg. Am Rande eines anmuthigen Thales, das die klaren Wellen des Keiſters durchziehn, durc< eine Schlucht von der fortlaufenden Hügelreihe getrennt, erhebt ſich der Berg, auf welchem einſt die alte Kreuzburg ſtand ; aus dem Fuße deſſelben ergießt ſich durch eine hineingeſchobene Röhre. ein ſtarker Strahl des ſchönſten Quellwaſſers, oben auf der Höhe aber ſteht noM ein gemauerter Bogen, ein Ueber- bleibſel des Schloſſes der Ordensbräder, von deſſen ein- ſtiger Feſtigkeit das noc ſichtbare, tief in die Erde hin- eingelaſſene Fundament Kunde giebt. Nachdem das Schloß zerſtört war, zeigte ſich um die Zeit des Vollmondes, ſowohl um Mitternacht, als am hellen Mittage, eine weibliche Geſtalt in'weißem Gewande, entweder zwiſchen den Ruinen umherwandelnd, oder am Fuße des Berges bei dex Quelle ſißend, mit dem Kämmen ihres langen goldenen Haars beſchäftigt. Daß es keine irdiſc<e Erſcheinung ſei, erkannten Alle, die auf dem neben» hin führenden Fußſteige ihr vorüber gingen, und deshalb hatte lange Niemand es gewagt ſie anzureden. Eines Ta- ges kam aber, als die Jungfrau gerade wieder an der Quelle ſaß, ein Bauer aus dem benachbarten Dorfe Schna- kinnen vorbei, der, da er ſich gerade ein Räuſchhen ge- trunken, Muth genug beſaß, dev Jungfrau einen „guten Tag“ zu wünſchen. Ats ſie aber dieſen und einen wieder- derholten Gruß nicht erwiederte, ſo eilte er fort, ihr ver- drießlich zurufend 2 Nun, wenn du ſchöne Maid ſo unhöfs

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" 189 lich biſt, und mir auf meinen zweimaligen Gruß keinen Dank ſagſt, ſo werde ich mich nicht zum dritten. Male be- mühn. Da erhob die Erſcheinung ſich, und indem ſie zu den Ruinen zurückkehrte, vernahm man eine klagende Stimme: A<h, warum nicht auch zum dritten Male? dann wäre ich erldſ't geweſen; ſo nahe meiner Befreiung muß ic< nun für immer zu den finſtern Mächten zurückkehren! Noc< um Mitternacht hörte man die Trauertdne, dann verſtummten ſie, und ſeit dieſer Zeit hat man die weiße ' Schloßjungfrau nie wieder deutlich geſehen. 192. Die Scäte des Kreuzburger Schloſſes. Zwiſchen den Ruinen des Kreuzburger Schloßberges' zeigte ſi< früher ein jetzt verſchütteter Eingang zu einem Keller, der für das Schaßgewölbe der alten Burg gehalten ward. Bei dieſem war ein armer Handwereksmann, der das Haus voll unerwachſener Kinder hatte und oft nicht wußte, wie er deren Hunger ſtillen möchte, wenn er Holz aus dem Walde holte, mit ſeinem Weibe häufig vorbeige- kommen. Dann hatten ſie wohl den Blick ſehnſüchtig nach jenem Gewölbe gerichtet, und ſich nur cinen kleinen Theil der Schätze, die dort verwahrt ſein ſollten, ge- wünſcht, um dem Kummer der Jhren ein Ziel ſeen zu können. Da begab es ſich eines Tages, daß zwei ihrer Buben im kindiſchen Spiele in der Mittagsſtunde in jenes Gewölbe geriethen, und dort im innerſten Raume ein gar anmuthiges Frauenbild, eine Jungfrau in blauem Gewande utid mit glänzendem goldenen Haare, antrafen, welche die Erſchrec>ten freundlich herangewinkt, jedem eine Handvoll Goldgulden in die Mütze geſchüttet und ſie bedeutet hat, mit der empfangenen Gabe ſih nach Hauſe zu begeben, woſelbſt ſie den freudig ſtaunenden Eltern das Geſchenk y

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490 treulich überliefert und ſo ſich und den Jhren ein ſorgen- freies Leben bereitet haben. Die Kunde von dem unverhofften Glücke des ehrli- <hen Handwerkemannes iſt nicht verſchwiegen geblieben, und mancher arme Hausvater hat ſeine Kinder in den Schloßkeller geſchit ; aber mit leeren Händen ſind ſelbige ſtets zurückgekommen. Es hat ſich aber eine geraume Zeit hernach begeben, daß die Kreuzburger Schuhknechte eines Abends in ihrer * Herberge gezecht haben, und beim Nahen der Mitternacht, als der Meth die Gemüther aufgeregt, und mancherlei abenteuerliche Geſchichten zum Beſten gegeben worden, zwei Schuhknechte eins geworden ſind, aus dem alten Schloß- keller einen Theil der dort verwahrten Schätze zu holen. Sie ſind denn auch wirklich in denſelben eingedrungen, und haben zu ihrer Freude dort die Jungfrau in blauem Ge- wande und mit goldenem Haare angetroffen, ſißend vor einer mit funkelndem Golde gefällten Braupfanne. Als die Schuhknechte ihr Begehr vorgetragen, hat die Jung- frau mit einer ſilbernen Kelle das goldene Gebräu geſchöpft und in das Schurzfell, das jene aufgehalten, geſchüttet. Dieſe ſind froh heimgekehrt; je näher ſie aber der Her- berge gefommen, um ſo leichter iſt ihre Laſt geworden, und als ſie nun prahlend ihre Beute ausſchütten wollen, ſind die Goldgulden in lauter Fröſche und andere Bewohner des am Schloßberge -vorbeifließenden Keiſters verwandelt geweſen. Dieſe wunderbare Geſchi<te hat der jetzt zweiund- achtzigjährige Bürger Michael Krauſe in Kreuzburg, zur Zeit als er die dortige Schule beſucht, von einem da- mals neunzig Jahre alten Bürger Graumann vernommen.

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191 193. Der unfruchtbare Eichwald. Hinter dem Dorfe Krücken bei Kreuzburg ſtand vor- dem ein Eichwald, deſſen Bäume niemals Früchte trugen. Damit hat es folgende Bewandniß gehabt: Als im Jahre 1249 das Ordensvolk von Elbing und Balga ſich vor den heidniſchen Preußen in dieſes Dorf, das damals den Namen Pokarweis führte, geflüchtet, und, da die Feinde alle Wege verlegt, nicht fürder ziehn konnte, machte es eine Abkunft dahin, daß Bruder Heinrich Bozel, der Marſchall , und" einige Andere ſich als Geißeln ſtellen , die Uebrigen aber freien Abzug haben ſollten. Die Preußen hielten jedoH nicht Glauben, ſondern erwürgten vierund- funfzig Ritter. ſammt allen Chriſten, die mit ſelbigen waren. Einem frommen Bruder ſchnitten ſie den Nabel aus, na- gelten ſol<en an einen Eichbaum und trieben ihn mit Martern und Schlägen herum, daß ſich die Eingeweide herauswanden, bis er hinſtärzte und unter gräßlichen Mar- tern ſtarb. Seit dieſer Zeit hat der Eichwald keine Frucht mehr tragen wollen. Auch den Namen: Krücken, hat der Ort bei dieſer Gelegenheit erhalten, und zwar weil ein Ver- räther bettlersweiſe auf Krücken zu dem Ordensvolk hin- eingekommen und alle Gelegenheit beſichtigt hat, wodurch nachgehends dies gendthigt ward; ſich zu ergeben. Duisburg Chron. P. III. c. 65. Henneberger Erklärung S. 244. 194. Die Ausländer aus Zinten. Es hat ſich einſtmals begeben, daß einige Handwerks- geſellen aus dem kleinen oſtpreußiſchen Städtchen Zinten nach Domnau gewandert ſind. Um ſich dort ein Anſehen zu machen, hatten ſelbige ſich vorgenommen, ſich für Aus- länder auszugeben, und da die Domnauer ſonſt eben nicht KER. Iidaxren

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192 wegen ihrer Klugheit gerähmt worden und deshalb ſogar zum Sprichwort geworden ſind, meinten ſie, daß ihnen dies um ſo eher gelingen werde. Aber ſie wurden den» noch erfannt und trugen nichts als Spott und Gelächter davon. Von dieſem Vorfall her nennt man in Preußen denjenigen, der es den Ausländern in der Sprache oder dem Benehmen nachzuthun ſich zwingt, einen Ausländer aus Zinten. (Miſanski) Erläuterung einig. preuß. Sprichwörter. S. 3. 195. Die bluttriefende Hoſtie. In der Kirche zu Biſchofſtein, gleiß links vom Ein- gange, ſteht ein Altar, der zum heiligen Blute genannt wied. Die Entſtehung dieſes Namens iſt folgende: Als Heinrich Sormbom, der Biſchof von Ermeland, die neuge- gründete Kirche weihete, und an dem gedachten Altare die Meſſe hielt, da rannen von der Hoſtie, als er ſie erheben wollte, einige Blutstropfen herab. Der Biſchof verſchied wenige Tage darauf; nachher haben ſich aber. bei dem Al- tare noc< mancherlei Wunder zugetragen. Leo histor. Pruss. p. 1483. 196. Die Gründung der neuen Kirche zu Glottau. Die Kirche zu Glottau im Ermelande iſt weit und * breit berühmt wegen der vielen Wunder, die dort der Leichnam des Gekreuzigten hervorgebracht, und tauſende von Gläubigen ſtrömen dort, ſonderlich am Frohnleich- namsfeſte, zuſammen. Der Urſprung deſſen iſt folgender : Als einſt Landleute der Gegend auf das Feld zogen, um zu ackern, blieben die Ochſen plötzlich an einem Hügel ſtehn, brüllten und ſcharrten mit den Hufen die "Erde auf, bis ſich unter derſelben eine Hoſtie zeigte. Als dies den - Prieſtern kund ward, brachten ſie ſolche mit feierlicher Pro- 4

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, 193 ceſſion in die alte Kirche zu Glottau, dann in die zu Gutt- ſtadt. Aber am folgenden Morgen war die Hoſtie wieder - an ihrer früheren Stelle. Als ſich dies zu zweien Malen ereignet hatte, da erkannte man, daß der Herr ſelbſt ſich dieſen Platz zu ſeiner ſonderlichſten Berehrung erwählt habe, und- erbaute die neue Kirche an dem Hügel, wo ſie noch bis auf den heutigen Tag ſteht. Auch wird in dieſer noch die Stelle gezeigt, wo die Hoſtie gefunden iſt. Eine mit einem eiſernen .Flechtwerke bede>te Vertiefung neben einem Altare an der gegen Mitternacht liegenden Wand der Kirche bezeichnet ſie. Leo hist. Pruss. p. 152. 197. Die Stadt Wormtditt. In dem Jahre 14325 ließ der Biſchof Eberhard von Ermeland eine neue Stadt baues=, an einer Stelle, wo. da- mals eine- große. Wüſte war.. Als man nun das Rathhaus gründen wollte, fand man beim Graben allda einen gräß- lihen Wurm, der ſo. groß war, daß zwei der ſtärkſten. Pferde ihn kaum von der Stelle ſchleppen konnten.. Weil man nun noh. feinen Namen für die Stadt hatte, fo wurde ſie idanac< Wormditt genannt, welches ſo viel heißt, als. Volk des Wurms. Die Stadt fährt auc< zum Wahr-. zeichen einen großen Wurm in ihrem Wappen und Siegel, : . Luc. David Th. V. S. 244. 198. Die Krügerfrau zu Eichmedien. Eine Meile von der Stadt Raſtenburg liegt ein Dorf, Eichmedien genannt. Daſelbſten hat früher. eine gottloſe. Krügerfrau gewohnt. Auch war dort ein Schmied mit: Namen Albrecht, derſelbe iſt aber ſpäter von da fortge- zogen nach Schwarzenſtein. Da begiebt es . ſich nun, daß die Krügerſche, wenn ſie das Bier verſchenket , eine ſolche 13 .

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194 Gewohnheit an: ſich- hat" daß ſie -öfter8“zwei- Stof Vier für eins angeſchrieben. :' Wie “es nün zur Zahlung kommt und die Bauern-:das Brettchen von -ihr-fördern, "da befin» den ſie, daß ſie allezeit zwei Stof 'für eins bezahlen -ſollen/ und. ſie ſprechen ' zu ihr: Wollt ihr' zu "Gott kommen, ſo müſſet ihr recht thun.'- Andere aber ſprachen wieder: ſis hät zu -Gott- nicht Luſt, ſondern zum Teufel !-+ Auf dieſe Reden" der Bauern fanget die “Krügevſche: an-- ſich zu verflucheit? der“ Teufel ſolle ſie mit Leib: und "Seele"vov ihren Auger wegnehmen “wo: ſie“ ihnen auf ein - einziges -Stof-Untecht gethan hätte. Jn demſelben Verſchvöven“ und: Verfluchen' hat ſich auch der Teufel nicht verabſäumet, ſondern iſt ſtracks in die Stube gekommen, und hat ſe vor Aller Augen angefaſſet. | Es iſt darauf ein erſchreffliches Sauſen und; Brauſen 'in dex: Stube geſchehen:, "“däß die: Leute, die darinnen waren ,. vor 'großem Schrecken wie todt geweſen! Jnudem ..iſt der Teufel mit .der “Frau? davon geflogen, “hat! ſie; zum ſchwarzen. Gaul. gemacht, :und iſt:denſelbigen Abend- auf." ihr: geritten. nach iSchwarzenſtein: vor“ die: Schntiede:. Es' iſt aber zur: ſelbigen. Zeit ſehr "glatt :geweſen , "daß män. mit unbeſchlagenen Pferden nicht hat: können fortkommen: Da iſt ev. vor das: Fenſter dex- Schmiede geritten und-hat: angefangen:- den :Schmied-:zu- rufen :-“Hufſchmiöd/Fchläfſt- du2?. Stehe: auf,“ und: beſchlage: mir. mein 'Pfeod!?- 1:Dex; Schmied aber, ſo im erſten Schlaf geweſen, hat! ſich“nicht gleich ermuntern können; da hat der Teufel ihy.zum an- dern Male gerufen, ex ſolle aufſtehen und ſein“ Pferd be- ſchlagen." Der Schmied. “aber. hat- geantwortet: ic<-habe ſchon' das. Feuer ausgelödſchet, und“ muß: mit: meinem: Ge? ſinde ruhen! Der Teufel: aber. hat nicht. abgeläſſen / ſon*: dern zum dritten. Male- geſprochen: Stehe “auf; "Schmiedy im werde es dir doppelt bezahlen; ich :habe "Briefe „""diez muß ich noch in der Nacht zur Stelle- bringen; -wenu! du-

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195 aber nicht wirſt aufſtehen und 'meinen Klepper beſchlagen, ſo verflage im dich bei meinem gnädigſten Herrn! Als der Schmied ſolches gehdret, iſt er mit ſeinem Geſellen -aufge- ſtanden und hat angefangen zu arbeiten. Der Teufel aber hat zum Schmied geſprochen: fördere dim nur, mein Schmied, ich will dir dreierlei: Geld zum Lohne geben. Und ſo hat er immer angehalten, denn er müſſe in der Nacht noch weit reiten. Als nun zwei Eiſen fertig waren, hat der Teufel zum Schmied geſprochen , er ſolle hingehen und die Eiſen dem Pferde aufmeſſen. Worauf der Schmied mit ſeinem Geſellen hingegangen. Als, nun aber der Schmied dem Pferde die Eiſen auf den Fuß geleget, da fing das Pferd an zu reden und ſprach: ſachte, ſachte, mein Gevatter, iO bin die Krügerſche von Eichmedien! Wie der Schmied ſolches gehöret, erſchricket er, daß ihm die Zange. mit ſammt dem Eiſen aus der Hand fällt, und er läuft mit ſeinem Geſellen in das Haus. Der 'Teufel aber hat immerfort angehalten, er ſolle ſich fördern. Weil indeß: der Schmied mit ſeinem Geſellen von großem Schrecken halb todt geweſen, ſv hat ſich die Arbeit nip- gends ſchicken wollen, bis die Hähne angefangen zum erſten Male zu krähen; da iſt das Pferd: wieder zum Menſchen geworden: der Teufel aber iſt ſehr zornig geworden und hinausgegangen, und hat die Frau zu dreien Malcn auf das Maul geſchlagen, daß man alle Teufelsfinger und Klauen in den Backen gekannt, und dieſe ſind geronnen geweſen von Theer, welches ſie auch zum Wahrzeichen be- Halten; der Teufel aber iſt indem verſc<wunden. Dieſelbe Krügerſche hat noc< ein halbes Jahr lang gelebt, aber ſie iſt herumgelaufen wie ein unſinniges Menſch, und wenn man ſiehat:in ihr Haus gebracht; hat ſie nicht können darin bleiben, und wenn man ſie noch. ſo Feſt angebunden, ſo hat | " e ſich. doch losgeriſſen. Solches “iſt geſchehen in 143*

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196 dem Jahre 1473. Der Schmied hat die beiden Eiſen dem Pfarrer gegeben,. welcher ſie in der Kirche zu Schwarzen- ſtein aufgehangen. Das eine davon haben im Jahre 4657 die Polen geraubet, das andere iſt 1701 dem Könige Fried- ric< dem Erſten geſchenkt, als er ſich die Krone aufſetzte. An der Stelle derſelben ſind jetzt in der Kirche zu Schwar- zenſtein zwei Hufeiſen von Holz verfertigt, welche den rechten ganz gleich ſehen. Henneberger Erklärung S. 429. Prätorius Weltbeſchreibung 11. 362. Franciſci luſtige Schaubühne Th. 1. S. 801, Erl. Preuß. Th. 1. S. 495 und 858. 199. Die Männlein zu Allenſtein. Ja dem Städtlein Allenſtein hauſen ſeit uralten. Zeiten Eleine Männlein, welche oft von Haus zu Haus gehen; was ſie aber eigentlich machen, hat noc Niemand geſe- hen. Einſtmals lebte in Allenſtein die Frau eines reichen Rathmannes, Namens Schellendorf. Dieſe ſaß eines Abends im Winter, während die Mägde das Vieh beſchickten, in der Stube ganz allein, und auch ohne LiHt. Auf einmal geht die Stubenthür weit auf, und es treten in die „Stube eine Menge kleiner Männlein mit ſpitigen Hüten, daran hatte jeder von ihnen eine Laterne mit einem blau bren- nenden Lichte. Jedes der Männlein führte eine kleine Frau oder Jungfrau, welche ſehr wohl geſchmückt waren. Die Männlein ſahen zuerſt die Frau an, welche die Hände vor die Augen hielt, aber durch die Finger dem Treiben zuſah. Dann ſtellten ſie ſich alsbald in einen Kreis und fingen gar zierlich an zu tanzen, Plöklich aber tritt Einer der Männlein auf die Frau zu, und ſagt zu ihr: mach" deine Augen zu! Die Frau aber kehrte ſiH daran nicht z drauf ſprac< das Männlein zum andern Male: ich ſage ' |

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197 dir, mache . die Augen zu! die Frau aber kehrte ſich wie- derum nicht daran. Da ſpra< das Männlein zu Einem der andern: Mache die Fenſter zu! Und aklsbald trat dieſes Männlein zu. der Frau, und blies ihr in die Augen, davon wurde ſie zur Stunde blind, daß ſie Zeit ihres Le- bens nicht wieder ſehen konnte. Luc. David Th. 1. S. 430 ff. 200. Der große Krebs zu Mühlhauſen. Neben dem. Städtlein Mühlhauſen im Hockerkande iſt ein Teich gelegen, in welchem ein großer Krebs befind- lich geweſen ſein ſoll, . der den Bürgern lange Zeit die Mauern umfreſſen, deſſen ſie aber zuleßt mächtig geworden, und den ſie dann in dem Teiche an eine Kette gelegt hatten. Alle jedoch, die nachgehends den Krebs haben be- ſehen wollen, ſind in das Waſſer geſtürzt. Henneberger Crklärung S. 323. . 201. Der Wurf mit dem Teufel. Eine Viertelmeile von der Stadt Domnau liegt im Felde ein Stein von mittelmäßiger Größe; in demſelben ſiehet man drei vierfantige Löcher, als wenn daſelbſt drei große Würfel gelegen. Dieſe ſind aber daher entſtanden: Es war vor Zeiten eine8mals ein Zimmergeſell in Domnau, der war ſonſt fromm und gottesfürc<tig. Eines Tages aber hatte er ſich wohlberauſcht, und es kamen ihm böſe Gedanken, in denen er den Teufel zum Würfelſpiel einla- dete. Der Teufel fand ſich auch alsbald ein, und ſie gin- gen zuſammen auf das Feld an dieſen Stein. Dort wür» felten ſie um vieles Geld, welches der Teufel gegen die Seele des Zimmergeſellen ſetzte. Der Teufel hatte den erſten Wurf, und warf fofort die höchſten Augen, - Da

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198 entſeßte ſich der Geſell ſehr, er wurde plötlich nüchtern, und ſahe ein, in welchen ſchlimmen Handel er ſim einge- laſſenz und er ſeufzete zum Himmel und bat die Mutter der Gnaden um Beiſtand; dann warf er, und es geſchah, daß einer der Würfel ſich ſpaltete, und ihm ſo höhere Augen gab. Der Teufel verſchwand darauf voll Zorns z von den drei Würfeln waren aber die drei Löcher in dem Stein zurückgeblieben, die darin annoc<h zu ſehen. Erl, Preuß, Th. 111. S. 290. 202. Die Kapelle auf dem Tannenberger Wahlplat. Auf dem Tannenberger Wahlplaßz, wo einſt die Blüthe des deutſchen Ordens gebrochen ward, wurde zum An- denken an dieſe unheilvolle Begebenheit eine Kapelle errichtet. Nachdem dieſelbe ſchon verfallen, iſt ihr Ge- mäuer von den Umwohnern noch lange für heilbringend gehalten. Am zweiten Pfingſtfeiertage verſammelt ſich dort das Volk, und Kranke, Gebrechlihe und Krüppel zichen ihre Strümpfe und Schuhe aus und legen ſolche nebſt ihren Krücken an und auf die Mauer gegen Oſten, wo ſonſt der Altar geſtanden, fügen auch ein Opfergeld nach ihrem Vermögen hinzu, und ziehen dann ; baldiger Gene- ſung gewiß, wieder heim. Bo Naturgeſchichte von Preußen Th. 11. S. 519. * 203, Die Kirche zum Leichuam Jeſu in Elbing. Im Jahre. 4400 brannte zu Elbing ab die Kirche zu St. Georgen, welche gar ſc<ön und zierlich von Holz er- bauet und in Holz aufgemauert war. Als man nun den Schutt wegräumte, da fand man, daß Alles in der Kirche verbrannt war, ausgenommen das Büchslein, worin das heilige Altars-Sacrament verwahrt wurde. Dieſes Büchs-

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199 lein mit. drei kleinen: geweiheten Hoſtien darin ward -gänz und unverſehrt gefunden. „Das that man erheben. mit großem Gepränge und Herrlichkeit, An der Stelle aber; wo es gefunden, baute Bruder Hellwig Schwanz; mit Be- willigung “des Hochmeiſters eine neue Kirche' zur Ehre-des helligen Leichnams Jeſu, die- noch ſtehet und den Namen hat. Jn dieſer Kirche ſind zum öftern viele Wunderwerke geſchehen. Sa 1 Johannes v. Rieſenburg Jahrbücher S. 428. Henneverger Erklärung S. 113. Leo hist. Pruss. p. 482. 2011. Die Teufelöſteine. * Bei dem Dorfe Groß- Stoboy unweit Elbing liegen auf dem Felde zwei große Feldſteine tief in die Erde hin- ein, die Teufelsſteine genannt. Es wird erzählt, daß, als einſt die Pferdejungen des Nachts beim Hüten auf ihnen Karten geſpielt, der Teufel ſich in Geſtalt eines Thieres zu ihnen geſellt, und am Spiele Theil genommen oder wenigſtens demfelben zugeſehen habe, bis er beim erſten Geſchrei des Hahnes zwar Abſchied nahm, aber zum Zei- hen, in weſſen Geſellſchaft ſie geweſen, ſeinen Fuß in den einen Stein abdrückte. Jn demſelben iſt denn auch wirk- lich ein Eindruck, wie von einem hinteren Bärenfuße zu ſchn. . Bo> Naturgeſchichte von Preußen Th, 11. S. 383. 205. Der Kartenſtein. Zwiſchen Neu- Schönwalde und Koggenhöfen im Elz bingſchen Gebiete! liegt ein röthliches Felsſtück, fünf Fuß drei Zoll lang -und anderthalb Fuß hoch, mit einigen breiten, die Länge und Quere darüber hinlaufenden Adern, die demſelben ein Anſehn. geben, als wenn es mit Ricmen

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200 beſchnürt wäre. Zwiſchen den Adern liegen, obwohl etwas unförmlic< , Quadrate von weniger harter Maſſe und da- her etwas ausgewittert, ſo daß ſie viere>ige Vertiefungen bilden. Nac< der Sage haben einſt die Pferdejungen des Sonntags unter der Predigt Karten geſpielt, wobei ſich der Teufel zu ihnen geſellt und eine Zeitlang mitgeſpielt. Als er aber ein Spiel nach dem andern verlor, ſchleuderte er zuleßt die Karten gegen den Stein, wovon die Abdrücke zurück blieben. . Bo Naturgeſchichte von Preußen Th. UU. S. 384. 206. Die Blutſeen. Sehr verbreitet ſind die Sagen von Teichen und Flüſſen, die ihr Waſſer in Blut verwandelt oder doH we- nigſtens eine blutrothe Farbe angenommen. So wird von dem Wichmann - See bei Nidau berichtet, daß er im Jahre 14712 ac<t Tage hindurc des Morgens eine ſo dunkel kirſchbraune Farbe gehabt, daß, wenn man damit geſchrie- ben, es wie braune Kuglakfarbe ausgeſehn. Des Mittags ſei aber der See immer wieder ganz klar und farblos ge- weſen. Eine faſt gleiche Farbe, ähnlich dem Safte von rothen Rüben, nahm auc< 1715- ein kleiner Teich in Brdöske an. Wenn man aber damit ſchrieb , ſo verſchoß die Farbe bald wieder und wurde wie blaſſe Tinte. Das Waſſer des Teiches zwiſchen Königsberg und Karſchau ſoll ſiH gleichfalls einſt in Blut verwandelt haben. Hartwich Beſchreib. d. Werder S. 7. 517. 518. Preußiſch. Todestempel S. 453 fig. S. 155. Joh. Pet. Schulz de aqua zanguinea Mariaeburg. Thor. 4746. Coll. Sanit. Relation wegen eines in Preußen, zwiſchen Kö- nigsberg und Karſchau, gelegenen Dimpels, welcher ſich in Blut ſoll verwandelt haben. 4742. ef. Erl. Preuß. Th. 1V. 8 527 figg. Etwas zur Erklärung des Blutregens und Verwandlung des Waſſers in Blut. Annal. des Königr, Preuß. v. Baczko. 41793. 2tes Quart. S. 4 flgg.

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201 207. Der Seeteich bei Elbing. Etwa eine halbe Meile von der Stadt Elbing liegt ein kleiner keſſelrunder See, der den Namen des Sceteichs führt. Die Sage berichtet, daß hier einſt eine der erſten <riſtlichen Kirchen der Gegend geſtanden. Die umwoh- nenden Heiden hätten ſich jedoch verſammelt, das Gottes- haus, als gerade darin Andacht gehalten ward, geſtürmt und den Prieſter zu tödten verſu<t. Da ſei aber ein | Feuerball vom Himmel gekommen, der das Gebäude und die Gegend ringsum entzündet habe, während der Prieſter emporgehoben ward. Alles, was die Flammen berührten, verſank zuſammen mit den Frevlern in unermeßliche Tiefe, und :an der Stelle zeigte ſich die Fluth. + 208. Urſprung der Stadt Danzig. Unweit der Stelle, wo jetzt die berühmte Stadt Danzig gelegen, war vor Zeiten ein Flecken oder Dorf, die Wieke genannt. Dort war ſchon vor Alters allerlei Handlung und Ablager von Heringen, Aal und anderm tronen und geräucherten Fiſchwerk , welches von da na< Pommern, Caſſuben, Polen und Preußen weiter verfahren wurde. | Die Einwohner des Dorfes beſtanden zwar größten Theils aus Fiſchern und Kriegern, und waren ein ſehr wildes und mordſüchtiges Volk. Jnsbeſondere hatten ſie von Alters her den Gebrauch, an ihren FeiMagen in und außer dem Dorfe Freudenfeuer anzuzünden, wobei ſie tapfer zechten mit Weib, Geſinde, Fremden und Gäſten, und um das Feuer tanzten und ſprangen. Bei ſolchem Weſen trug es ſich zu, wie denn der Teufel insgemein beim Saufen und Tanzen ſeinen Höllenthron hat, daß Ha- der und Zank, und daraus zum öftern Mord und Todt- ſchlag erfolgte.

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202 Der Herr des Dorfes aber war ein ſehr ſtrenger und harter Mann. Derſelbe hieß Hagel, und wohnte nicht weit . von dem Dorfe Wieke, in einem hölzernen Schloſſe, wel- e<es deshalb Hagelsberg hieß, wie noch jetzt. die Stelle, wo es geſtanden.“ Derſelbe war zugleich ein vornehmer - Fürſt der Wenden. Dieſer Fürſt Hagel nun beſtrafte nicht bloß äuf das ſtrenäſte dergleichen wildes und unziemliches Treiben der Einwohner von Wieke, ſöndern er hielt die- felben auch ſonſt ſehr hart, verlangte von ihnen das Beſte; was ſie hatten; fie mußten feine Ae>er mit ihren Unkoſten und Arbeit pflägen und ſäen; ſie durften feine Fiſche fan- gen und kein Holz fällen, fie hätten denn vorher von ihm mit vielem! Gelde die Erlaubniß - erkauft; ihre Weiber, Töchter und Mägde mußten ihm zu Willen leben. Sol- her ſchnöden Tyrannei, nachdem ſie zehn Jahre gedauert hatte, wurden die Unterthanen endlich überdrüßig; ſie ver- ſchworen ſich daher heimlich gegen den Fürſten. Hagel, - und beriethen unter einander, -wie ſie ſeiner durch: Liſt los werden möchten. - Denn durch Gewakt ging. dies nicht an, da man damaks noch keine Geſchütze hatte und daher ſein hötzernes Schloß nicht zu erſtürmen war, Hagel aber aus ßerhalb ſeiner Burg ſich nicht ſehen ließ. | Nun hatten aber die Wieker eine Gewohnheit, daß ſie alljährlich auf einen gewiſſen Tag Abends -zu Ehren eines ihrer Be ein großes Feuer anzündeten, um welches ſie kFnzten und. fangen. Sodann gingen ſie alle mit einander mit zuſammengefaßten Händen tanzend auf den Hagelsberg hinauf, wo ſie oben auf dem Plate vor der Burg drei Tänze machten zu Ehren des Herrn und ſeines Hofgefindes, Dagegen mußte ihnen Hagel dann ein Faß Bier herausgeben, welches ſie nac) altem Brauche auf ſeine Geſundheit vertranken. Dieſe Gelegenheit hatten die Wieker zur Ausführung ihres Bornehmens auserſehen.

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203 Da nun die Zeit und der Tag herangekommen war, zogen ſie ihrer Gewohnheit nach auf den Berg hinauf und fingen an zu tanzen. Da befahl Hagel, ihnen das Bier“ herauszubringen, wie gebräuchlich , und wie nun die feſten- Thore geöffnet wurden , um das Bier herauszulaſſen, da verließen die Wieker, welche bisher dem Anſchein nach ſorglos -getanzt hatten, ihren Tanz, und ſprangen neben der Tonne vorbei durch das Thor. Unter ihren Kleidern hatten ſie kurze. Schwerter und Beile verborgen , und wie ſie in die. Burg kamen, wo -man an ſolchen Ueberfall nicht dachte, da würgten ſie ohne Mühe Alles, was ihnen 'ent- gegenkam, Herrn Hagel mit allen den Seinigen, ausge- nommen jedoch ſeine Tochter Pechtaz dieſe erhielt derjenige zum Weibe, der den Anſchlag zuerſt erfunden hatte. Als * die Reihe an. Herrn Hagel kam , daß er ſterben ſollte, da rief er aus: o Tanz, o Tanz, wie haſt du mich betrogen ! Als nun nachmals die Burg Hagelsberg verbrannt, und dorten eine Stadt gebauct wurde, da gab man dieſer zum Andenken an die That und an jene Worte Hagels, den Namen Tanz -wieke, daraus ſpäterhin Danzig geworden. == Nach einer andern- Erzählung hatte Hagel, um ſich mit den Wiekern auszuſöhnen, dem Vornehmſten von ihnen ſeine Tochter- Pechta oder Perchta zum Weibe verſprochen. Nun war es aber dort der Brauch, daß der Bräutigam am Tage der Hochzeit mit ſeinen Freunden und Bekann- ten zu der Braut ging, und ſie unter vielen Ceremonien und Feſtlichkeiten aus ihrer Eltern Hauſe auf den zur Trauung beſtimmten Platz mitten im Dorfe führte. So ſollte es aber diesmal nicht ſein; denn Hagel, der den Wiekern nicht trauete, wollte den Bräutigam mit ſeinen Freunden, deren er eine große Anzahl mit ſich hatte, nicht in die Burg laſſen, ſondern begehrte, daß ſtatt ihrer des Bräutigams - Mutter ſammt etlichen -Jungfrauen in die

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204 Burg kommen und die Braut holen ſollte, Die Wieker, welche bei dieſer Gelegenheit den Hagel umbringen wollten, ließen ſimM dadurc< nicht irre machen; es kleideten ſich - nämlich mehrere junge Geſellen in Weiber aus , verbargen ihre Waffen unter den Weiberröcken, und gingen nun als die Dienerinnen der Brautmuter, und deren Begleiterinnen mit in die Burg hinein. Herr Hagel, der ſich ſolcher ver- verkleideten Gäſte nicht beſorget, läßt ſie alle in die Burg hinein, bringet ihnen die Braut ſchön angekleidet entgegen, und nimmt nun die ſchönſte der mitgekommenen Jung- frauen, und wie es die Sitte will, fanget er einen Tanz mit ihr an. Desgleichen thun auch ſeine Hofleute mit den übrigen Jungfrauen. Wie nun aber der Tanz am beſten zu Gange, da ſpringen die verkleideten Mägde mit blanken Waffen herbei, mitten zwiſchen die Tanzenden, ermorden Hagel und ſeine Hofleute, und führen die Braut hinweg z da ſoll Hagel in ſeinem letzten Augenblike geſchrieen haben, wie vorhin iſt geſagt worden. == Andere halten nun wieder alle dieſe Erzählungen für unwahr, und ſagen, in dem Dorfe Wieke habe vor alten Zeiten ein vornehmer Däne gehauſet; derſelbe ſei ein großer Seeräuber geweſen und habe dort ſeinen Raub. verborgen, daher denn der Name Danske Wiek, Danzwieg, Danzig entſtanden ſei. Wie nun aber die Stadt Danzig zuerſt iſt gebauet worden, das hat ſich auf folgende Weiſe zugetragen: Als nämlich die Einwohner des Dorfes Wieke anfangen woll» ten, die Stadt zu bauen, da gingen ſie zu dem Herrn des Landes, und begehrten von ihm, ihnen ſo viel Platz zu der neuen Stadt zu vergönnen, als ſie mit ihren Armen um- ſpannen könnten; der wußte nicht, was er aus dieſer Bitte machen ſollte, aber er gewährte ihnen dieſelbe, und nun kamen alle Einwohner des Fleckens mit Weibern, Kinderu,

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205 Knechten und Mägden, nahmen einander bei den Händen, und begriffen alſo einen Raum, ſo weit ſie reichen und ſich ausbreiten konnten auf dem Plate, wo noch heutigen Ta- ges die alte Stadt Danzig gelegen iſt. (Vergl. hierüber die folgende Sage.) Cagp. Sc<hüß hist. fol. 7. fol. 40, Henneberger Beſchreibung 8. v. Danzig S. 61. 209. Erbauung der Stadt Danzig. Subislaus , der erſte Herzog von Pommerellen, wel- <er die Taufe empfing, war von König Waldemar von Dänemark mit Krieg überzogen, und hatte, da er in ſeinem Lande noch keine Stadt beſaß, nirgends Widerſtand leiſten können. Damit er nun nicht wieder in gleiche Noth ge- rathen könne, beſchloß er eine Stadt zu gründen, forderte die Bewohner des Fle>ens Danzig vor ſich und ſtellte ihnen. vor, wie vielerlei Nuten ihnen daraus erwachſen möchte, wenn ſie mit Aufgabe ihrer bisherigen Wohnungen an einem gelegenen Orte eine Stadt errichteten; einen ſol- <en möchten ſie ſich daher wählen; er wolle ihnen nicht nur die Bauſtelle und: das : Holz unentgeltlich hergeben, ſondern auch Graben und Planken auf ſeine Koſten machen laſſen. Die Danziger waren hiermit zufrieden, und erbaten ſich zur neuen Stadt ſo viel Raum, als ſie mit ihren Armen umfaſſen möchten. Obwohl der Fürſt nun nicht einſah, wo es mit dieſer Bitte hinauswolle, ſo verwilligte er ſelbige denno<- Da kamen auf einen beſtimmten Tag alle Bewohner des Fle>ens mit Weibern, Kindern, Knech- ten, Mägden 'und was ſonſt an Menſchen bei ihnen vor- Handen war, nahmen einander bei den Händen und um- faßten alſo einen Kreis, ſo weit ſie reichen und. ſich aus- breiten konnten, auf dem Plate, da noc: heutiges Tages die Altſtadt Danzig belegen iſt. Der Fürſt, obwohl er []

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206 nicht. gemeint, daß ihm ſein Anerbieten ſo theuer zu ſtehen kommen würde, glaubte doch, ſein Wort halten zu müſſen, und that das ganze umſpannte Land aus, Casp. S<hüß Historia. fol. 40. 210. Der Marienbrunnen zu Danzig. In dem Jnnern "des Brigirten- Kloſters zu Danzig befindet ſich ein wunderthätiger Quell, der Marienbrunnen zu Ehren der E-benedeiter genannt. Dieſe hätte nämlich ſelbſt einigen frommen Jungfräuen. die-wunderthätige Kraft des Brunnens enthüllt und den Ort al? eine geheiligte Stelle angewieſen. Es -ward daher neben dem Quell-zuerſt eine Kapelle und ein - kleines Kloſter für Schweſtern vom Orden .der Marien - Magdalenen - Büßerinnen erbaut. , Als aber im Jähre 1374 'der Leichnam der heiligen Brigitta aus Rom' über Danzig nac< Schweden gebracht und einige Tage in. jener Kapelle ausgeſtellt ward, ließ der Hochmeiſter Konrad. von Jungingen eine große Kirche bauen, und weihte ſie nebſt dem gleichfalls erweiterten Kloſter der genannten Heiligen, welche durch ihre, auf den deutſchen Orden, ſich beziehenden Prophezeiungen: in der preußiſchen . fa, berühmt iſt. Löſchin Danzig S. 402. 211.. Das Crucifix in der Marienkirche zu Danzig. * Ueber ' der. Hedwigskapelle in der Marienkirche zu Danzig befindet ſich ein in :Holz- geſchnißtes Bild des Ge- Freuzigten von ſo unübertrefflicher Schönheit, daß man es Feinem geringeren Künſtler, als .dem großen Michel Angelo glaubte beilegen zu können. Die. Darſtellung des ſchmer- zensvollen und doch ſo'ſanften Hinſcheidens iſt in der That ſo treu und wahr, "daß ſie nicht die Nachbildung . eines Jdeals, ſondern der Natur ſelbſt zu ſein ſcheint. .So wird

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207. denn auch erzählt, daß der Künſtler ,- nachdem 'er die Anz fertigung übernommen und lange - vergeblich nach. einent ihm genügenden: Vorbilde geſucht, .“ endlich ' einen' ſchönen! Jüngling gefunden habe, der; ihm in jeder Beziehung dazu geeignet :ſchien,. Dieſen habe er, verblendet von der“ Lei-' denſchaft,“ein vollkommnes Kunſtwerk zu ſchaffen / in ſeine Wohnung “gelockt und'dort lebendig ans Kreuz geſchlagen, dann aber micht Nacht „nicht Tag geruht" bis 'er das Bild vollendet, und. darauf. ſich Fſelbſt:das Leben“genommen. * “" Noch andere“ Merkwürdigkeiten “bewahrt -die Marien? kirche, an. welche“ ſich“wunderbare'" Sagen knüpfen 3'ſo eine äußerſt kunſtreiche "Uhr; ein "Meiſterwerk des' Närnbergers Hans Düringer, den man nach! der Vollendung, damit nicht auch. andere Kirchen dergleichen "Werke von ihm "erhalten" könnten, ſeiner“ Augen: beraubt 7"worauf aus Rache das Haupttriebwerk von ihm zerſtövt ſein ſollz dann“ein 'aüs Thon geformtes Bild“ der Maria, von“ welcheni- berichtet wird, daß ein' zum Tode -verurtheilter.-Verbrecher es im! Gefängniſſe verfertigt; und zum Lohn Begitadigung "erhal? ten habeo.. : we ws “% Löſchin Danzig S. 64 fgg. und mündliche Ueberlieferung. 2142.:: Adam und Eva zu Daazich. : “ZU Darntzig.' in, der Langgaſfe ſteht. ein Haus, das von dem- daran befindlichen :“Schnitzwerke den: Namen: Adam und! Eva führt. . Obwohl es <nic<t nur in. dem ' ſchönſten und. geſuchteſten Theile. der "Stadt -gelegen ;. ſondern auch: ein! Hervliches -Denkmakt.:der.. Baukunſt. unſerer ; Mtvordern iſt; fo hat es: doch lange :Jahre :hindur<H unbewohnt :und wüſte * geſtanden. weil. .es.“in dem: Hauſe umging. Früher hatte! man; -xs;: öfters zu beziehen. verſucht, doch :zwangen die Gei-: ſter ;::welche; nimt Nacht nicht Tag Ruhe Hielten, immer! Häld' viedeo, „es. zu verlaſſen; - Alſo kaur es, daß es ganz:

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208 verfallen war, als es in die Hand eines neuen Beſitzers gerieth, der es nun wieder herſtellen laſſen wollte. Aber wenn das Werk beinahe zu Ende war, ſo ward plötzlich alle Arbeit wieder vernichtet gefunden, ſo daß der Aufbau nie zum Ziel gelangte und zuletzt ganz aufgegeben wurde. Erſt in der neueſten Zeit iſt es geglückt, ihn wirklich ganz zu vollführen und das Haus bewohnbar zu machen. Noch wird erzählt, daß Jeder, der zur Zeit, als .die Geiſter dort noH hauſ'ten, darin allein eine Nacht zu ſchlafen gewagt, Morgens an ſeinem Lager eine gefüllte Börſe gefunden habe, mit der Weiſung, das darin befind-“ lie Geld, ohne es zu verſchenken, bis auf den letzten Pfennig im Laufe des bevorſtehenden Tages auszugeben, widrigenfalls ihm das Genick gebrochen : werden würde. Die Meiſten wurden dieſer Freigebigkeit, die ihnen mehr. Angſt und Mühe als Vergnügen bereitete, ſelbſt bald über- drüßig; Einige aber, die ſolche Quelle länger benutzen wollten , und ſich ihrer bedienten , um den Lüſten zu frdh- nen, wurden in ihrer Aufmerkſamkeit auf die gedachte - Bedingung bald läſſig, was denn .. ihren jählihen Tod nach ſich zog. 213. Der Brodſtein:zu Danzig. Zu einer Zeit, als eine große Hungersnoth -in Danzig war, lebte daſelbſt eine Frau, die ein ſchönes Kind hatte." Dieſes liebte ſie über alle Maaßen um ſeiner Schönheit willen. Als nun bei dieſer Theuerung die Frau ſelbſt aus- gegangen war, und Semmelbrod für ſich und ihr Kindlein geholt hatte, fand ſie bei ihrer Rückkehr, daß das Kind ſic unrein gemacht. Jn der Geſchwindigkeit hatte ſie fein Tuch. bei der Hand, wollte auch das Kind nicht ſo liegen laſſen, nahm derohalben die Krume aus der Semmel ' und reinigt mit dem Weichen das Kind. Aber zur Strafe

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209 für eine ſolc<e Sünde bei der großen Hungersnoth, die in der Stadt war, verwandelte das 'Brod ſich ſofort in Stein, ſo daß die Frau, die ſolches nicht merkte, dem - Kinde Haut und Fleiſ< weg wiſchte. Das Kind ſtarb daran, die Frau aber verfiel in ſchreflichen Wahnſinn. Der Stein wird noc< jeßt zu Danzig in Unſerer lieben Frauen Kirche gezeigt. Simon Grunau Chronic. Tract. XII. c. 41. Luc. David Th. YVI11. S. 43. 214. Der Brodſtein zu Oliva. In der Kirche des berühmten. Kloſters Oliva bei Danzig wird noch heutiges Tages ein Stein gezeigt, welcher vormals Brod geweſen. Mit demſelben hat es folgende Bewandniß: Als nämlich unter dem Hochmeiſter Conrad Zölner ein Schuhknec<t, welcher von Welau gebürtig, in dieſem Kloſter Almoſen bat und ein Brod bekam, ſteckte er daſſelbe in ſeinen Buſen und ging damit na<m Danzig. Un- terwegs trifft ihn ein armes Weib an mit zwei Kindern, deren eins ſie auf dem Arme trägt, das andere an der Hand führet. Die bittet den Geſellen um ein Stücklein Brod, damit ſie den Hunger der weinenden Kindlein ſtillen könne. Er aber ſaget, er hätte kein Brod. Die Frau aber ſah das Brod, und ſagte ihm, er hätte ja Brod im Buſen , wie man es ſehen könnte. Da ſchwor der Geſelle, das ſei nur ein Stein, um ſich der Hunde zu erwehren. Als er nun aber herna< das Brod hervorlangen will, da iſt daſſelbe zu Stein geworden, und er gehet in ſich, kehret zurück zum Kloſter, bekennet was er gethan, und hängt zum Gedächt- niß den Stein in des Kloſters Kirche. Andere berichten dies nicht von einem Schuhknecht, ſondern von einem Ja- cobs - Bruder / der im Kloſter ein Brod empfangen. Eine andere Sage berichtet, daß, als bei der Plünderung des 14

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210 Kloſters im Jahre 4617 einige lutheriſche Soldaten vom Heere Guſtav Adolphs ihre Hände an das heilige Brod legen und ſolches hatten verzehren wollen, ſelbiges vor ihren Augen in Stein verwandelt ſei, wie denn auch die Spuren des Daumens, mit dem die Soldaten in das Brod gegriffen, in demſelben noch kenntlich waren. Hartknoh Alt» und Neu - Preußen S. 435. Leo hist. Pr. p. 474. Henneberger Erkl. S. 339, Mart. Zeiler Handbuc) von allerlei nüßlihen Sachen und Denkwürdigkeiten. 1655. S, 25. Bo Naturgeſch. Preuß. Th. U. S, 372. Lucas David Th. VI]. S. 44, 215. Der Grundſtein der St. Marienburg. Als die Kreuzesbrüder Jeruſalem verlaſſen mußten und nach Deutſchland je Hin , führten ſie Trümmer der Burg, die ſie dort gehabt, und die eben das Haus einſt geweſen, in welchem der Herr das lezte Nachtmahl mit ſeinen Jüngern gehalten, mit ſich übers Meer. Dieſe wurden anfangs zu Marburg 'aufbewahrt, als der Bau des Haupthauſes zu Marienburg begann, aber dorthin ge- weiht und dem Fundamente einverleibt. Darum iſt der Bau auch ſo herrlich geworden, daß er als das ſchönſte Denkmal der Vorzeit des Landes daſteht, und ſo feſt, daß er nun ſchon ſo viele Jahrhunderte dem Zahne der Zeit und der Unbill frecher Menſchenhände getroßt hat. ergenroth) Die St. Marienburg, S. 254. 216. Das Gnadenbild zu Marienburg. An der Scloßkirhe zn Marienburg ſteht in einem blinden Fenſter ein großes, ſchönes Marienbild mit dem Chriſtuskindlein auf dem Armez es iſt zwölf Ellen lang, von ſchöner muſiviſcher Arbeit und im Feuer vergüldet.

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211 Der Hochmeiſter Conrad von Jungingen hat es dahin ſeen laſſen. Das Bild hat verfertigt ein frommer, ſchlichter Mannz der hatte viele Jahre daran gearbeitet und war alt darüber geworden und hatte greiſe Haare bekommen. Wie er es nun aber fertig hatte, «da that es ihm ſehr leid, daß er von dem lieben Bilde ſolle ſcheiden. Und in der Mitternacht vorher, als es an der Kirche ſollte auf- gerichtet werden, begab er ſich noch einmal in ſeine Werk- ſtatt, zu dem Bilde. Er zündet viele geweihte Kerzen an und kniet nieder und weinet bitterlich, daß er zum letßten Male dabei weilen ſoll. Da winket die Mutter der Gnaden ihm mit der Hand und ſiehet ihn freundlich an, und die Seele des Greiſes wird froh, er beugt in Demuth und Freude ſich nieder, und ſo ſtirbt er auf einmal eines ſanften Todes in der Nähe ſeines heiligen Bildes. Auch nachher war das Bild zum döftern wunderthä- tig: Einſtmals nach der unglücklichen Schlacht bei Tan- nenberg, hatten die Ordensbrüder ſich in das Schloß zu Marienburg zurückziehen müſſen, wo ſie hart von den Polen belagert wurden. Da trat ein Fürſt der Polen auf und ſprach zu den Seinen: Laſſet uns das Bild höhnen! und er befahl einem von ſeinen Söhnen, die Armbruſt zu nehmen und nach dem Bilde zu ſchießen. Der Sohn ge- horc<et dem Vater, allein ſo wie er den Bogen abdrücken will, erblindet er plötzlich. Darüber ergrimmt der Fürſt, und er nimmt ſelber den Bogen und zielet und drücket los 3 doch der Bolzen fliegt rückwärts und trifft ſeinen eige- nen Herrn, daß dieſer todt zur Erde ſtürzet. Noc viele andere Wunder hat das Gnadenbild verrichtet. Johannes Lindenblatt Jahrbücher S. 228. Henneberger Erklärung S. 413. Leo hist. Pruss. p. 482. (Vergenroth) Die St. Marienburg. 14*

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212 217. Die verſteinerten Liebenden. Auf dem Scloſſe zu Marienburg zeigte man fonſt zwei Steine, von denen erzählt ward, daß zwei Liebende in ſolche verwandelt worden, und daß ſie aus Betrübniß nach der Verwandlung noch häufig ſalzige Thränen vergöſſen. Fischer disput. de lapidib. in agro pruss. Sine praejudicio contempland. ' Bo> Naturgeſchichte von Preußen Th. 11. S. 368. 218. Der Teufelsſtein. In der Nähe der Stadt Marienburg befindet ſich ein Etein, von welchem die Sage geht, daß auf ihm der Teufel mit einem Bauern aus dem Werder um deſſen Seele geſpielt habe. Der Bauer war aber klüger als ſein Widerſacher, und gewann das Spiel. Drob ward der Böſe zornig, und ſc<lug mit der Hand in ſeiner Wuth ſo heftig auf den Stein, daß der Eindruck ſemer Fauſt noch bis auf den heutigen Tag zu ſehen iſt. 219. Dex unterirdiſche Gattg im Sc<loſſe zu Marienwerder. In dem alten Schloſſe zu Marienwerder, einſt Reſidenz der Pomeſaniſchen Biſchöfe, befindet ſich auf der, dem unter dem Namen des Danziger bekannten Bogengange entgegengeſeßten Seite ein unterirdiſcher Gang, von dem man nicht wußte, wo er hinführe. Es iſt in früherer Zeit von Vielen verſucht worden, hineinzudringen; wenn ſie aber noch nicht eben tief hinabgekommen waren, erſchienen ihnen Geiſter, vor denen ſie ſich ſo entſetzten, daß ſie eiligſt zurückkehrten. Es iſt daher auch niemals gelungen, das Ende des Ganges zu erforſ<en. Gegenwärtig iſt deſſen Eingang verſchüttet. j

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213 » Aehnliches wird auch von unterirdiſchen Gängen bei „andern Schlöſſern, ferner von einer unterirdiſchen Höhle in dem bei Salfeld belegenen Burgberge berichtet. Bo Naturgeſchichte von Preußen Th. Il, S. 541. und münd- liche Ueberlieferung. 1 220. Der Todtenberg bei Marienwerder. Neben der Stadt Marienwerder gegen Mitternacht liegt eine Anhöhe, welche den Namen des Todtenbfrges fährt, und zwar deshalb, weil ſie durch die Leichen der in einem, im polniſch - ſc<wediſchen Kriege hier vorgefallenen Gefechte Gebliebenen entſtanden ſein ſoll. Nach der Sage geſtatten die Geiſter der Begrabenen nicht, daß hier ein Haus gebaut werde, und als jemand vor einiger Zeit den- noc< ein ſolches errichtet und bezogen hatte, ſollen ihm dieſelben erſchienen ſein und ihn aufgefordert haben, das Haus ſofort wieder zu räumen, weil ihm ſolches ſonſt über dem Kopfe zuſammenſtürzen werde. 221. Der Irrgarten bei Nieſenburg. Die Brüder und Kreuzherren des deutſchen Ordens hatten durch ihre Ordensregel ſich eidlich verpflichtet, Je- ruſalem, die heilige Stadt, gegen die Feinde des <riſtli- <en Namens zu vertheidigen, und wenn es verloren ge- gangen ſei, wiederum einzunehmen. Um ſich nun von ſol» <hem Eide los zu machen, und einigermaßen ihr Gewiſſen zu beruhigen, ließen die Ritter in Preußen faſt bei allen Schlöſſern im Felde die Erde aufgraben, und ein Feſtungs- werk mit vielen Gängen und Laufgräben aufwerfen, wel- <hes einem Labyrinth oder Jrrgarten ſehr ähnlich ſah und . von ihnen Jeruſalem genannt wurde, Anfangs hatten ſie Hierbei ihre gottſeligen Gedanken gehabt; hernach trieben ſie aber bloß ihr Geſpötte damit, denn wenn ſie. bei ihren

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214 Schmauſereien recht luſtig ſein wollten, dann mußten die Knechte ſich in dieſes After - Jeruſalem begeben, und die Ritter jagten ſie wieder heraus, bei ſic< nun wähnend, Jeruſalem befreit zu haben. Für ſolche Frechheit iſt aber auch die Strafe nicht ausgeblieben. Es iſt namentlich ein dergleichen Jrrgarten im Felde bei Rieſenburg geweſen, er war 55 Fuß lang und 60 Fuß breit, darin befand ſich - ein Kreuz im Felde gegraben, welches 54 Fuß lang und breit war. Jn dieſem Kreuze war es geruhig, aber in dem Jrrgarten ſelbſt war öfters des Nachts ein gewalti- ges Treiben und Rumoren. Man ſahe dort feurige Ge- ſtalten mit glühenden Schwertern, - welche in den Gräben auf und nieder liefen. Die Ritter mußten zu ihrer großen Qual das Spiel treiben, welches ſie früher ſo übermüthig im Leben geſpielt hatten. Nur wurden die Rollen umge- kehrt, denn die Ritter wurden von den Knechten gejaget, und dieſe wieder von dem Teufel und ſeinem Anhange. Erläut. Preuß, Th. 1. S. 421 fgg. Th. IV. S. 363. 222. Die Pfarrkirche zu Culm. Als die Pfarrkirche zu Culm, noch jetzt eins der ehr- würdigſten Denkmale altdeutſ<er Baukunſt in Preußen, gegründet ward, war es der Plan des Baumeiſters, die- ſelbe mit zwei hohen Thürmen zu verſehen. Es hatte ſich der Meiſter aber verpflichtet , zu einem beſtimmten Tage das Werk zu vollenden. Schon nahte dieſer, und noch war der Thurm kaum bis zur Hälfte fertig. Da ließ der Meiſter ohne Unterlaß arbeiten und ſette ſelbſt nicht Sonn- nicht Feſttags aus. So gelang es ihm, den Tag einzu- halten, und ſchon war die Menge zur Einweihung verſam- melt, als ſich. ein furchtbares Brauſen in der Luft verneh- men ließ, und man einen Engel herabeilen ſah;“der mit einem flammenden Schwerte .den Thurm, an welHem des

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215 Sonntags gearbeitet war, entzündete, ſo daß dieſer bis auf den Grund niederbrannte, ohne daß jedoch .der übrige Bau verſehrt wäre. Noch einmal verſuchte man, den Thurm aufzuführen, aber auch diesmal ward er, kaum beendigt, durch einen Blitſtrahl zerſtört. So iſt der Bau denn bis auf heute unvollendet geblieben. ' 1 223. Das vermauerte Thor. - In den Mauern der Stadt Culm, auf der Seite nach Thorn, erblickt man noch deutlich an einer Stelle die Spu- ren eines vermauerten Thors. Einſt, ſo berichtet die Sage, hatten ſich ein Mönc< und eine Nonne aus dem benach» barten Benediktinerinnenkloſter liebgewonnen; nach man- <erlei vergeblichen Bemühungen glückte es ihnen endlich, zu entflichenz durch jenes Thor nahmen ſie ihren Weg. Da ward es zum Gedächtniſſe dieſer Begebenheit vermauert. 224. Das flüchtende Marienbild. Auf dem Walle der Stadt Culm, nac< dem Weich- felſtrome zu , ſteht ein lebensgroßes Bild der Mutter Got- tes in einer Niſche. Es wird erzählt, daß es einſt bei ei- ner Belagerung der Stadt ſeinen gewöhnlichen Standort, da es an ſelbigem den Kugeln des feindlichen 'Geſchützes ſehr ausgeſeßt war, von ſelbſt verlaſſen und ſich in eine andere Niſche, wo es ſich mehr im Schutze befand , bege- ben habe, und dort auch bis nach Aufhebung der Belage- rung verblieben ſei, wo es wiederum von ſelbſt an den früheren Ort zurückkehrte. Auch von den ſteinernen Ku- geln, welHe man damals von Schwetz aus auf die Stadt Culm mit Wurfmaſchinen geſchleudert, und die etwa einen Fuß im Durchmeſſer halten, ſind noch acht, zum Andenken dieſer Begebenheit in die Stadtmauer eingefügt, vorhanden.

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216 i , 225. Der Sc<wedenſtein. In dem letten Kriege, den die Schweden unter Karl Guſtav gegen die Polen führten, mußte auch die Stadt Culm eine harte Belagerung ausſtehn. Der Feind, der dieſelbe nicht mit Gewalt nehmen konnte, beſchloß ſie aus- zuhungern. Und ſchon hatte die Noth in der Stadt den höchſten Grad erreicht, da kam man auf den Einfall, zu verſuchen, ob nicht die Schweden durch eine Liſt zum Ab- zuge vermocht werden könnten. Man nahm alles noc< vorhandene Mehl, backte zwölf große Brodte davon, und ſchleuderte dieſe nebſt dem geräucherten Fleiſche, was man noc: übrig behalten hatte, in das feindliche Lager. Der König, der langwierigen Belagerung ſchon müde, glaubte die Stadt, da man noch ſo viel fortwerfen konnte, mit allem hinlänglich verſehen und zog ab. Ein großer Stein, der einſam auf unbebautem Felde, an der Stelle, wo des Königs Zelt geſtanden, liegt, und auf welchem dieſer ſeine Mahlzeiten gehalten, erinnert noch jeht durch ſeinen Na- men? der Schwedenſtein, und dur< die Gabel, Meſſer und Teller, die auf ihm eingehauen ſind, an jene Be- gebenheit. ! 226. Der heilbringende Luell. Auf der ſteilen Terraſſe, die ſich von der Stadt Culm auf der Graudenzer Seite hinabzieht, befindet ſic< eine Grotte, auf der ein kleines Thärmchen ſteht, das ein Mut- tergottesbild in ſich ſchließt. Nur bei hohem Ablaß wird die Thüre des Thürmchens geöffnet, ſo daß das Volk ſich an dem Anblicke der Gebenedeiten erlaben mag. Zwiſchen den Steinen der Grotte quillt unaufhörlich ein Waſſer hindurch, das von den Gläubigen der Umgegend aufgefan-

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247 gen wird und ſchon vielfach ſeine heilbringende Kraft, na- mentli< bei Augenübeln., bewährt haben ſoll. Vor der Grotte ſtehn vier ſchattige Linden. Die Sage erzählt, daß, als einſt ein Hirt in der Nähe derſelben im Schlafe ge- legen, die Mutter Gottes ihm in der Spitße der einen Linde erſchienen ſei und ihm verkündet habe, daß der Quell, der auf ihr Geheiß hervorbreche, heilbringend ſein werde. Als er erwachte, rieſelte ihm zur Seite wirklich eine Quelle aus dem Berge hervor. Da richtete man die Grotte ein und ſetzte das Bild darauf. 227. Das engliſche Pahaus zu Culm. In der Stadt Culm wird ein altes Gebäude gezeigt, das zur Zeit, als dieſer Ort ſich noch im Beſitze eines blühenden Seehandels befand, den engliſchen Kaufleuten zur Waarenniederlage gedient haben ſoll. Von dieſem Gebäude aus geht ein Gang tief unter der Erde fortz wie man behauptet, ſoll er ſich eine Stunde weit bis nach dem Dorfe Grubno erſtrecken. Wenigſtens befindet ſich in dem letzteren die Oeffnung . eines andern unterirdiſchen Ganges, der in der dem erſteren entgegengeſetzten Richtung ſtreicht. Häufig hat man es ſchon verſucht, von dem ei- nen Ende zum andern zu dringen, aber immer vergeblich, da , wenn man tiefer hinabkam, ſtets die Kerzen verlöſch- ten. Auch wurden die, welche ſich hinabwagten, durch ge- ſpenſtiſche Erſcheinungen in Schrecken verſetzt. Bei einer Eroberung Culms durch die Polen nämlich ſoll ein Eng- länder, Bewohner des Kaufhauſes, um ſeine Geliebte vor dem Andrange eines feindlichen Hauptmanns zu retten, mit ihr durch jenen Gang zu entfliehen verſu<t haben, aber nicht wieder an das Tageslicht gelangt ſein. Die Sage berichtet, daß, als es ihm nicht gelingen wollte, den Ausgang . zu gewinnen, er erſt ſeine Geliebte, dann ſich

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218 ſelbſt ermordet habe, und daß Beider Geiſter es nun ſind, die ſich warnend zeigen. 228. Die Wanderung des Marienbildes. Vor vielen Jahren ward einſt ein ſchönes Bild der Mutter Gottes mit großen Koſten für die Pfarrkirche in Culm angefauft und in derſelben feierlich aufgeſtellt. Am folgenden Morgen war es aber entſchwunden, und erſt nach langem Suchen fand man es auf der Stadtmauer wieder. Jm Wahne', daß eine frevelhafte Hand das Bild habe entfremden wollen, brachte man es in die Kirche zu- rück, Aber am nächſten Morgen ward es wieder an der- ſelben Stelle der Stadtmauer gefunden. Auch diesmal brachte man es, und zwar in feierlicher Proceſſion, da man ein Wunder ahnte, in die Kirche zurück, und wäh rend der kommenden Nacht wachten einige Geiſtliche in derſelben. Da ſahen ſie, wie ſich um Mitternacht das Bild von ſelbſt erhob, von ſeinem Poſtamente hinabſtieg, durch die ſich ſelbſt öffnenden Pforten hinausſchritt und ſich wieder auf jene Stelle der Stadtmauer begab. Da erfannte man: daß die Gebenedeite ſich ſelbſt dieſen Platz erforen, und erbaute dort eine Kapelle, in der das Bild aufgeſtellt ward. Beide ſind noch vorhanden. | 229. Urſprung der Stadt Thorn. Wenn gleich die Meiſten erzählen, daß die Stadt Thorn erſt von den Kreuzrittern gegründet ſei, ſo giebt es doch auch eine Sage, die ihr einen weit älteren Urſprung beilegt, und ſolchen folgender Art berichtet: Der treffliche Kriegsfürſt und edle Rdmer Thorandus, als er durch große Kriegsmacht die Preußen bezwungen, hoffend ſie ganz unter rdmiſche Botmäßigkeit zu bringen, erbaute gleich beim Eintritt des Landes eine Stadt, die er nach ſeinem Namen Thorn nannte, und wo er ſein fürſt- .

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219 liches Hoflager aufſtellte, auch ſeiner Abgöttin Venus, die er Barthenia genannt, zu Ehren und ſchuldiger Dankbar- feit einen herrlichen Tempel baute, der auch über fünf- hundert Jahre ſtehen geblieben. Jn dieſem Tempel, der rings von Gold und Edelſteinen glänzte, ward der Göttin täglich große Ehre bezeugt. Jn der Mitte deſſelben ſtand ihr Bild in Geſtalt einer Jungfrau mit holdſeligen Au- gen, ſchneeweißem Leibe, zu Feld geſchlagenen Haaren bis ans Knie. Auf dem Haupte trug ſie einen Myrtenkranz, der mit rothen Roſen umwunden war, in ihrem lächeln- den Munde eine geſchloſſene Roſe z brennende Strahlen gingen von ihrem Herzen aus, das, da die Seite offen war, deutlich zu Tage lag. Jn der linken Hand hielt ſie in Geſtalt einer Kugel die ganze Welt, ſo in Himmel, Meer und Erdreich abgetheilt war, in der rechten drei goldne Aepfel. Sie ſtand auf einem goldenen Wagen, wel- <en zwei weiße Tauben und zwei Schwäne zogen. Bei ihr ſtanden drei, mit den Armen in einander geſchränfte Jung- frauen, deren jegliche den andern zweien einen goldenen "Apfel reichte. Andere erzählen, daß die Stadt Thorn von dem nor»- diſchen Heidengotte Thor den Namen habe, der dort unter einer alten Eiche, um die eine Feſte befindlich, verehrt worden. Dieſe Feſte habe der deutſ<e Orden erobert und den Namen beibehalten. (Vergleiche hierüber die Sage 30.) Hofmannus Hiſtoriſch. Bericht vom Urſprung, Anfang und Her- fommen deß wunderſchönen =- Tempels -- Veneris, welchen der == Römer -- Thorandus -- in Thorn in Preußen hat -- bauen =- laſſen. Budiſſin 4616. Preuß. Todestempel 1. S. 42 fgg. 230. Die feindlichen Brüder. Im Culmerlande befinden ſich die Ruinen von zwei alten Ritterburgen, welche von beiden Seiten eines großen

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220 “ Sees liegen. Papovo heißt die eine und Lippinken die andere. Jn beiden ſiehet man noch unterirdiſche Gänge, welche nach dem See zu ſtreichen. Sie ſollen bis ganz unter den See gehen und dort zuſammen treffen, ſo daß man unter dem See her von einer Burg in die andere kommen kann. Schon ſeit vielen Jahren aber ſind ſie unter dem See verſchüttet. Dieſe Gänge ſind auf folgende Weiſe entſtanden: Auf ,den beiden Burgen wohnten vor Zeiten zwei Brüder, die hatten einer den andern ſehr lieb. Einſtmals aber erzürnten ſie ſich, und da thaten ſie beide den Schwur: daß ſie auf Erden einander nicht mehr an- ſehen wollten. Sie hielten lange den Eid, als ſie aber alt wurden, da kehrte auch die alte Bruderliebe in ihre Her- zen zurück, und der eine ſehnte ſi, den andern zu ſehen. Sie ließen alſo unter dem See her von ihren Burgen dieſen Gang bauen, und ſahen ſi? nun unter der Erde, da ſie ſich auf derſelben nicht ſehen durften. 231. Die ſchwarze Jungfrau. Zwiſchen den Dörfern Warlubien, Plochozyn und Bankau im Scwetßer Kreiſe iſt ein kleiner aber ſo tiefer See, daß es nicht möglich geweſen iſt, ſeinen Grund zu ' finden, Aus dieſem kommt täglih mit Sonnenuntergang eine ſc<warz gekleidete Jungfrau heraus, und wandelt, von einem gleichfalls ſ<warzen Hunde begleitet, bis Son- nenaufgang um den See herum. Traurigen Blicks ſchreitet ſie einher, aber, angeredet, beantwortet ſie freundlich die an ſie gerichteten Fragen, während das Hündlein den Fra- genden umhüpft und ihn einladen zu wollen ſcheint, ihm zu folgen. Einſt ſtand hier ein mächtiges Schloß, das den Eltern der Jungfrau zugehörte, aber wegen deren Gottlo»- ſigkeit mit den Bewohnern verſank. Die Jungfrau, die fromm war, kommt nun heraus, um Jemand zu finden,

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221 der es unternimmt, die Jhren von dem Fluche zu erlöſen. Doch vermag dies nur ein Mann, der gleich fromm und tapfer iſt, und es nicht ſcheut, der Jungfrau in die Tiefe zu folgen. Geſchieht dies einſt, ſo wird das Schloß mit den Bewohnern aus der Tiefe wieder emporſteigen. 1 232. Die umgehenden Feldmeſſer. Als in einem, links der Weichſel unfern Graudenz belegenen Dorfe vor einigen Jahren die Gemeinheitsthei- lung zur Ausführung gebracht wurde, ſollen die Conduc- teure, von einigen Betheiligten beſtochen, partheiiſch die Ländereien vermeſſen haben. Zur Strafe dafür müſſen ſie . nun allnächtlic< auf ſc<warzen, aus den Nüſtern und dem Munde Flammen ſchnaubenden Roſſen und mit einer glü- henden Meßkette in den Händen, die Flur umreiten. So wollen viele von den Bewohnern ſie mit eigenen Augen geſehen haben. 233. Urſprung des Namens Conit. | In Weſtpreußen auf der großen Straße von Berlin nach Königsberg, liegt eine anmuthige Stadt, Conitz ge- heißen. Sie iſt erbauet im Jahre 1137 von den Wenden, welche zu jener Zeit in das Land einfielen, um ſich geſun- dere Wohnplätze zu ſuchen. Als nun damals ein Theil dieſer Völker dorthin kamen, wo jetzt dieſe Stadt liegt, da fanden ſie dort eine Kuh mit einem Kalbe im Neſte liegen, und weil hier eine ſ<öne geſunde Gegend war, ſo beſchloſſen ſie, allda eine Stadt zu bauen, die ſie Kuhneſt oder Kohneſt nannten, aus welchem Namen mit der Zeit Conit, geworden iſt. Die Stadt führt auch noch einen Kuhkopf in ihrem Wappen. * Mart. Behm Constantia Chronic. 8. 2, Gödtke Geſch. der Stadt Conißz S. 7.

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234. Die eingeſperrte Peſt. Als im Jahre 1709 die Peſt in Preußen ſo äußerſt heftig wüthete, kam ſie auc? nach der Stadt „Conitz und raffte dort viele Menſchen dahin. Wie man ſchon gänzlich verzagte und beſorgte, der ganze Ort werde ausſterben, da kam ein fremder Mann, der ſich erbot, die Peſt zu bannen. Sein Erbieten ward angenommen, und er ließ in einer großen Linde, die auf dem evangliſchen Kirc<hofe ſtand, ein Lo< einſchneiden und einen Pflock bereit halten, der gerade in daſſelbe hineinpaßte. Dann zog er mit feierlicher Proceſ- ſion auf den Kirc<hof, bannte die Peſt in den Baum und ſchlug, wie ſie drin war, ſchnell den Pfloc> ein, verbot auch, denſelben je herauszunehmen, damit die Peſt nicht wieder aus ihrem Verließe entweichen könne. Seitdem hat ſie ſim denn auc< nicht mehr in Preußen gezeigt. Der Baum aber ſteht mit dem Pflock noch bis auf den heu- tigen Tag. 235. Die Hülfe. Jm Weſten von Conitz zieht ſich eine halbe Meile breit und faſt zwei Meilen lang der Lockmannſee hin. Meiſt umgeben ihn waldbedeckte Höhen, die ſich jäh in die klare Fluth hinabſtürzen. Föhren und uralte Buchen beſchatten ſie. Vom weſtlichen Ufer zieht ſich unfern des Vorwerks Hülfe ein runder Hügel in den See hinein; nur durch eine ſchmale Zunge hängt er mit dem feſten Lande zuſammen. Zur Zeit des Ordens ſtand hier ein Sattelhof z obwohl von den Buchen überwachſen, iſt do<h noch deutlich die Lage der einſtigen Werke zu erkennen. Noch jetzt führt der Hügel den Namen Burgwall. Nördlich von ihm in geringer Entfernung befindet ſim ein kleines Eiland, der

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223 Lämmerwerder genannt. Von beiden berichtet die Sage "Folgendes : Als die Burg noch ſtand, befand ſich auf dem Werder eine, dem heiligen Georg geweihete Kapelle und eine Hütte, in der ein greiſer Schildknappe wohnte, der zu Ehrey des Heiligen eine ewige Lampe unterhielt. Allgemein be- kannt durch die Weisheit ſeiner Ausſprüche, wurde von fern und nah der Rath des Alten eingeholt, und ſelbſt von dem Haupthauſe ſollen Sendboten gekommen ſein, um in wichtigen Dingen des Landes und des Ordens ſeine Meinung zu erfragen. Neidiſc< auf das Anſehn des Knap- pen, beſchloſſen einſt drei Ritter, deren Ruchloſigkeit er oft bitter getadelt, ſeinen Tod. Auf einem Nachen ſetzten ſie von der Burg nach dem Eilande über und überfielen hin- terwärts den Wehrloſen. Aber vor ſeinem Blicke ſanken machtlos ihre Schwerter nieder. Sie wollten zur Burg zurückfliehen, doch der Kahn ſchlägt umz; vergeblich tönt ihr Hülfsgeſchreiz der See verſchlingt ſie. Der Greis aber ſchleudert im Zorn die Lampe des Heiligen über den See hinüber in die Burg, daß dieſe von den Flammen verzehrt wird. Sie ward nicht wieder erbaut. Noch oft hört man aber ſeitdem es in den Fluthen : Hülfe, Hülfe! wimmern, und zum Andenken an dieſe Begebenheit ward dem ſpäter erbauten Vorwerke der Name: Hülfe gegeben. Eine andere Sage erzählt, daß, wenn man in der Nähe einer ſteinernen Treppe, von der man auf dem Burgwalle noch jetzt einige Stufen ſiehet: Cäſum, Cä- ſum, thue dich auf! ausſpricht, der unterſte Stein ſich in die Höhe hebt, und man unter demſelben verborgene Schätze erblicke.

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224 236. Der Bauer aus Konarzyn. Ein Bauer aus dem Dorfe Konarzyn pflegte ſonn- täglich die Kirche in Coniz zu beſuchen. Sein Zwe> war aber eigentlich, dem Kartenſpiele zu fröhnen, und oft blieb er, in dieſe Beſchäftigung vertieft, bis zum Mittwoc< von Hauſe. Vergeblich hatte ſeine Ehefrau gewarnt, daß ihn noc< einmal der Teufel bei dieſer Entheiligung des Sonn- tags holen werde. Einſt ging ihr Wort in Erfüllung. Der Teufel führte den Bauer über den Lo>mannſee, dann über die Wälder, die zwiſchen dieſem und Konarzyn liegen, flog aber ſo niedrig, daß der Bauer dort in das Waſſer tauchte, und hier von den Aeſten der Bäume geſtreift wurde. Da hörten ihn die Bewohner laut ſchreien und den Teufel bitten, er möge ihn etwas höher führen. 237. Der Schwedenbrunnen. Unfern von Coniß, auf dem Wege von Hennigsdorf nach Zoldan , befindet ſich auf einer kleinen Erhöhung im Walde ein Brunnen, der Sc<wedenbrunnen benannt, werth den Bewohnern der Umgegend wegen ſeines ſilberklaren Waſſers, und weil er weit in der Runde der einzige iſt. Im erſten Schwedenkriege ſoll hier bin ſc<wediſches Lager geſtanden haben. Der, Mangel an trinkbarem Waſſer zwang, den Brunnen zu graben. Lange war die Arbeit vergeblich. Plötlich ſprudelte aus der Tiefe ein Quell hervor, der ſchnell die ganze Grube füllte. Oben aber ſchimmerte ein weißes Gewand, und empor tauchte eine Jungfrau von überirdiſher Schönheit und verkündete pro- phetiſ<e Worte. Was ſie aber geſprochen, hat die Sage nict aufbewahrt. Wie ſie gekommen, entſc<hwand ſie wieder. |

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In ſpäterer Zeit verſuchte 'man-.:es einſt, 1 um den; Quell ungetrübt zu erhalten, den Brunnen auszumauern,: Aber nachdem das Werk vollendet war, ſtürzte es plöhlich: mit furchtbarem Getöſe-zuſammen.-. Fortan war die: Quelte; verſiegt. Erſt als. man die: Steine wieder hinausgeſchafft,: : fand's er ſic) von neuem in früherer Schönheit und Fälle. ; 238. Der Schloßſee bei Kenſau. Unfern von Tuchel bei dem Dorfe Kenſan liegt ein- See, der den Namen des Schloßſees führt. Die Sagei erzählt, daß da, wo jezt Waſſer iſt, einſt ein Schloß: gez; ſtanden und von dieſem der See den. Namen erhalten, habe. Der Herr des Schloſſes war ein harter und wüſter! Mann, der ſeine Unterthanen, wie er. nur konnte und, mochte, plagte, und das Erpreßte dann in üppigen-Gelagen: mit ſeinen Geſellen--vergeudete. Einſt waren dieſe, wieder: beiſammen und- es freiſ'te munter der Humpen, : als ſich! plöklich ein ſo fur<tbares Unwetter erhob, daß das Schloß: in ſeinen. Grundfeſten , erbebte. - ., Blaß:: verſtummten.; die, Gäſte , aber der -Burgherr mahnte ſie:-mit vielen gottloſen Worten. ſim nicht ſtören zu laſſen, und“ hohnlachte der: Wuth des Himmels. :-Da öffnete ſich : dex.: Schooß: der Erde und -die Burg; ſank, langſam, indie. :: Tiefe. hinab. Vergeblich ; vexſuchten- die Bewohner :-ſich zu retten / denn: ſchon war alles. von den Fluthen umgeben.., , Aber noch: jetzt will ..man., dft „die Worte: Bete, „und rette! aus- Mei ie hören. *;..- -, !Noch "ſonſt finden. fich matiche: Seen; 'von- 1/Depel die, Sage : berichtet, daß : an ihrer Stelle“ einſt“Orte /oder Ge-» bäude geſtanden: haben, durch deren Verſinken ſie.gebildet worden, | in Preußen, ſo. unter andern bei ::dem - Dorfe : Müskendorf unferit von-dem Wege nach Coniß.: Das Dorf, das:-.an 'der.Stelle:des jetzigen Bruches, geſtanden, ;:ſoll wegen, 145

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226. der; Gottloſigkeit Jeinev-:Bewwöhner“ vön einem - Engel. ver- tilgt ſein::;:Etwäs Aehnliches wird "anch von dem-Przyarczſee im'Coniter Kreiſe| berichtet. '- Hier ſind“ aber die Trümmer de8:.von: den Fluthen überdeekten "Schloſs noch jeht“ dem? li: ART dem: et ui zu erfennen: 5 I: 239. Das Geſpenſt in der Tuchelſchen Haide. In den Waldgegenden, die zwiſchen" den Flüſſen Brahe und Schwarzwaſſer liegen, unddie 'gew5öhnlich den Namen der. Tuchelſc<en Haide führen, zeigt ſim häufig- um Mitter- nacht ein Geſpenſt. Es ſißt auf einein: Wagen, welcher etwa. die Form eines römiſchen Triumphwagens "hat, und' derivon zwei ' ſchwarzen Pferden mit feurigen 'Augen gezo- gen::wird.. - Das :Goſpenſt ſelbſt -iſt- in - weiße Gewänder ge- hüllt. und! gleicht einem Carmelitermönehe,- Das. Wunder- barſte .dabei“iſt/-daß der Wagen,'ſelbſt wenn er über leich?- ten; Sand. oder Schnee hinfähet, "eben ſo-raſſelt, al8:.wenn! erin vollſter .Schnelligkeit- über Steinpflaſter rollte, und: es: ſich. dabei: wie: heftiges Kettengekliere' vernehmen läßt. Vor einiger "!Zeit ] füh! ein Landmänn"-in :der Nacht von“ Tuchel! nac "ſeinem "in "dex “Häide" belegenen “Gute. Plößlich? beginut* das] vor den Schlitten geſpännte: Pferd“ zu keuchen „ und“ fur'mit. der:“äußerſten. Anſtrengung: kann der Beſitzer. Hert deſſelben bleiven.)1?Als : er. in-“einen Hohl- weg"gelangt iſt/"fo:-enge/: daß ſonſt kaum ein... Wagen hin! durch kann. fährt .mit!"einem -Male "das iGeſpenſt,. wie -es: vorſtehend beſchrieben, in vollem Gallopp undzwar: ohne ſeinen Schlitten im. mindeſten. ' zu-herühren an- ihm vorbei. Gleich darauf ſteht das Pferd:'des- Ländmanns. ſtill ; -alle- Bemühungen.:es1fortzutveiben ſind „fruchtlos ;"'als“ jener. nun näher hinſieht ;- erblickt :er die“ beiden Rappen "mit den“ feu»: rigen Augen ſeinem" Pferde. gegenüber.: - Als ex aber durch einen derben. Flüch ſeinem-Herzen Luft gemacht hatte, ſauſt: vL

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227 dex.'Wagen, wie er) gekommen, wieder: zurück. an ihm-vor- Aber, 7 Keuchend und von Schweiß triefend ,:, gelangt das Pferd nas Hauſe ,- zittert an. allen» Gliedern und“ berührt lange:Zeit fein: Futter: Erſt nach: u ae Tageſ INE es ſich. NEE „wieder. 40298 [| „240. Die Görzdorfer Gloefe.. In dem' Dorfe; Görzdorf ,- eine: Meile. von»Conit ,“be- merkte einſt der Dorfshirt ,. daß eine' Sau der Heerde un? gewöhnlich tief und heftig in dem Boden wähle, und daß ſich unter der aufgeworfenen Erde“ etwas Schimmerndes zeige. .“ Als:-er“herzu' trat, ' ſah“ er eine große glänzende Glocke, die von dem“Thiere beinahe ſchon 'ganz herausge» wühlt. war. Man grub ſie vollends aus hing 'ſie' in dem Dorfe .auf und bediente ſich ihrer, um die Stunden der Arbeit fund -zu-thun. :Aber- der Ton“derſelben war. ſo“ un- melodiſch ;] daß- niemand ihn :hdren mochte, “ denn- er klang wie“ die. Worte: -Song. woillt us (Sau wühlt aus). Als die Gemeinde ſich. -nun:: einſt berieth ,.: welches "Mittel ':man wohl anwenden“ könne; um"der Gloke einen: beſſern. Klang zu; verleihen“, da trat ein Fremder. in ihre: Mitten und-hieß ſie an, der Stelle ,» wo 'die, , Glocke . gefunden, “eine Kirche "bauen.-und ſie; in. .dexſelben anbringen.! Alſo geſchah-:es. Und von D= an Jai; die Gehe) einen'iveinen öh Bin: ! 9 EE vI7 freien AM SES 241. '' Das Glo&enbruch. „„;-, Etwa. „auf dem halben Wege: zwiſchen den Dörfern Schlageutin: und Abrau"im :Conitſchen Kreiſe "befindet: ſich ein Moor das: Glo>kenbruch : genannt, »: “Einſt ſtand ' hier ein ſchönes Dorf, “das, ſich. zuleßt in dem "Beſige einer Wittwe:: befand. :Bei “ihrem Tode vermächte" ſie ſelbiges ihren Nachbarn.) Aber.i dieſe, die bisher friedlich mit»ein- 15*

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228 LA ander gelebt, konnten ſich über die Theilung nicht- einigen und verfielen. bald-.in bittern Hader. Theils / um ſie -hier- für zu ſtrafen, thril8'um den Gegenſtand des Zwiſtes forts zunehmen, ließ 'der:Himmel ' das ganze Gut plötzlich ver- ſinken, ſo daß man eines Morgens an der Stelle, wo'daf- ſelbe gelegen, jenen Moor fand. Da erkannten die Erben ihr Unrecht und“ verſöhnten ſich wieder. In der Tiefe des Bruches aber-will, man noch jeßt häufig ein Een wede woher ihm dann jener Name ward. ; N 242, Die lederne Brücke. Etwa ine halbe Stunde von. dem Dorfe Oſterwiek im Conitzſchen Kreiſe liegt mitten in einem See eine freund- liche Inſel. Jett unbebaut, ſoll ſie die :erſte Niederlaſſung der Chriſten in jener Gegend geweſen ſein.“ Damals be- fand ſich eine. Kirche mit mehreren Hütten darauf. : Das Waſſer. des. Sees aber war zu..jener.Zeit: von ſo 'wunder- barer Leichtigkeit; daß- jedes Fahrzeug, mit dem man: es .zu befahren verſuchte;:unterſank.: Um nun die-Verbindung mit dem: feſten Lande-ſich “offen zu halten-und- doch gegen einen plötlichen.. Ueberfall der. Heiden 'geſichert 1.zu ſein, 'verfer- tigten die Bewohner eine lederne Brücke, welche einige Fuß unter dem Spiegel des Waſſers lag, -ſo daß ſie von den Pnfundigen nicht" gefunden werden konnte, und' doc< dem Kundigen einen ſicheren Pfad bot. Bald kamen auch die Heiden, um die Chriſten zu vertilgen und ihr Heiligthum zu zerſtören. * Schon hatten ſie länge vergeblih an den Ufern "des „Sees-gelegen, da“ alle' Bemühungen, die Brücke zu findern, -erfdlglos geblieben -waren, und jeder;:.der um ſie aufzuſuchen,in die Fluth ſich-:gewagt, "darin ſtinen Tod ge- Funden hatte ,::als "die Belagerev Ines Tages ſahen, wie eine Kuh von. der: Inſel-/äus :nach idem feſten Lande::ohne Gefährde .hinüberlief. :) So entdeckten ſie die. Brücke, eilten

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229 hinüber, erſchlugen die Bewohner, zerſtörten“ die "Gebäude und warfen alles, was zur Kirche vervendet war, mit den Glocken in den See hinab, deſſen Waſſer von Stund' an allen anderen Gewäſſern gleiß ward. Die Glocken aber will man noch jetzt zu Weihnachten, Oſtern und Pfingſten in 'der Tiefe des Ovundes läuten hören. . -2A3. Das ' Marienbild zu Jagobsdorf.: In der Kirche des Minoritenkloſters zu Jacobsdorf wſrd noch jetzt ein kleines, aus Holz: geſchtißtes Marien- bild, von der Größe eines Daumens, aufbewahrt“ das zur Gründung des Kloſters Veranlaſſung 'gegeben haben“ ſoll, * - Dies Bild -fand nämlich der: Dorfhirt ünfern "dee Stelle, wo jet das Kloſter ſteht, auf dem 'Felde/ nahm es mit nach Hauſe und gab es ſeinen" Kindern zum Spiel- werk. Nach wenigen Tagen war 'es aber- entſ<wunden. Bald nachher fanden .es die Jacobsdorfer Aekersleute än derſelben Stelle, wo es zuerſt angetroffen war wieder, und der Hirt, welcher gerade herzu kam, erkannte" es als? bald, und erzählte, wic es mit dem Vilde ergangen. "is der Vorfall zu Ohren des damaligen Grundherrn ; "Potu- licki, gelangte, ließ dieſer es in' das Auguſtinerkloſter nach Conitz bringen, wo es auf dem Hochaltare aufgeſtellt ward," Aber von dort entſc<hwand es nach kurzer Friſt, 'und- zum dritten Male fand man es an jener Stelle auf einem, un- fern der Jacobsdorfer' Kirehe ſtehenden Weidenbäum, ein hellglänzendes Licht ringsumher ausſtrahlend. Da ward es- dem Pfarrer zu Görzdorf, zu deſſen Sprengel Jacobs- dorf gehörte, übergeben, welcher verhieß, einen ſilbernen - Schrein zu deſſen Aufbewahrung anfertigen zu käſſen." An-' dere Geſchäfte ließen ihn jedoch dieſes Verſprechens eine Zeit- lang vergeſſen. Da traf es ſich, daß er ſelbſt und alle ſeine Hausgenoſſen von ſchwerer Krankheit ergriffen wurden. Als er

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230 nun. „nachdachte; ,- um) welcher Sünde, willen "er “eine ſolche Heimſuchung verdient. haben- möge; fiel ihm ſein „Gelübde wieder -bei , „und -kaum- hatte ,er dies ins Werk geſetßt,-als er -ſelbſt und: ſein' ganzes-Haus auch ſofort volle .Geſund- heit zurücerxhielten. : Darin, -daß 'das Bild - ſtets an jene Stelle zurückgekehrt. war, glaubte man einen“ Wink des Himmels zu erkennen, und erbante an derſelben durch mildthätige Spenden däs Kloſter, "in deſſen Riu ſolches demnächſt aufgeſtellt. wurde. , Bald. nachher ereignete; es ſich aber, daß Räuber in dieſe. einbrachen, und, nebſt ':manchem anderen Silbergeräthe auch - das: Käſtlein, in .welc<em das Muttergottesbild“.be- findlich. wax, mit ſich nahmen. - Wie ſje-jedo<H nun mit dem Raube. entfliehen wollten, -da, vermochten ſie es :troßz aller Anſtrengung nicht, ſich -aus der Nähe. des Kloſters zu ent- fexnen, und nachdem ſie die ganze Nacht, und einen halben Tag „umhergeiert .waren,- fanden ſie ſich an .der Stelle wie? der, wo zuerſt das Bild getroffen. war. Als ſie nun dort aües Silber in Stücke zerbrachen und unter einem -Stein- haufen verbargen, ſtießen ſie auch auf das Bildlein und er- kannten, daß dies es geweſen ſei, was ihr Entkommen ge- hindert. „Da-.warfen ſie es denn gleichfalls, :unter“ einen. Steinhaufen, und-nun war es ihnen möglich zu entfliehen. +... Als der Frevel kundbar . ward, machte - ſich Caſimir Wollſchläger, der Schlohauſche, Grodſchreiber ,. auf, um die Räuber zu. verfolgen. “Den. Krug, zu Jeziorken fand- ex..voll munterer Zecher. Einer von dieſen, als er zuerſt an die Thür pochen, hörte, war ſo erſchre>t, daß er den Becher fallen ließ; als-ihm die übrigen zuſprachen? wes-. halb er - ſich ſo entſeße, da der Eintritt in den Krug ja männiglich zuſtehe? beruhigte er ſich zwar in etwas; als. nun Wollſchläger aber in das Zimmer trat, ſprach ſich in jenes. Mannes, Mienen ſo deutlich Furcht .und der , Wunſch

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23x zu “fliehen aus ,-.daß Wollſchläger! in-;ähnr:ſofobt reinen der Räuber, epfannte.<und':ihn“ verhaftete: :):7-Derſelbe geſtand denn auch ſeine Theilnahme und verſprach; ihn an “die Stelle zu führen, wo das Silber"verſcharrt ſei. Als ev-nun “aber am Orte angelangt, den rechten Steinhaufen unter meh- reren- nicht“ gleich <heväusfinden ; konnütei7'fünd? auf Tinen" fal: ſchen zuſchritt, ſo wollte Wollſchlägers Roß, ſo ſchr es der Reiter antrieb, dorthin" durchaus nicht Folgenz . eben ſo wenig war. es- dazu zu bringen, einem zweiten zu nähen. Als der Reiter es nun fich feibſt Überließ, ging es auf einen andern Steinhaufen zu, unter dem man "denn „auch älles "Silber fand. Allein d € Bild "fehlte, 'Wie“ man nan noch näher ſuchte, zeigte fich, infern ein ganz begrünter Platz, obgleich es ſchon im Spätherbſt und ſonſt alles mit . fahlem Laube bedec>t war. „Hier 'lag das Bild, „aüch wirklich wieder, und zwar 'ganz trocken, obwohl. (9:5 die Zeit vorher . fortwährend geregnet. Es wurdet darauf in die Kirche, zurückgebracht, und hat "dort noc: viele „under verrichtet, Chronic. MonasSter. Jacobsdort. M8“ b 244. "Die -GloEen zu Jacobsdorf. Nachdem“ die!reformirte Kirche in Zoldan ' verfallen war, wollte dev Beſitzer dieſes Gütes; : der Schlöchauſche Grodſchreiber , -Cäſimir: “Wollſchläger ;'- "ein' te<hkgläubiger Katholik , deren zwei"Glocen" der katholiſchen Pfarrkirche" in Conitz, .wohin Zoldan: eingepfärrk iſt, “ſchenken. Als die-“ ſelben aber auf - den Wagen gelegt-waren,- konnten ſöl-' <hen die Pferde bei aller Anſtrengung: nicht! von' der Stelle bewegen: Eben ſo vergeblich“ waren die Verſuche, die" Glocken nacM den benachbarten Kirchen von Limnau und: Mosnit zu ſchaffen. Da erkannte Wollſchläger den Wink' des Himmels ,.- und. ſchenkte: ſie dem Kloſter Jacobsdorf, wohitt die 'Pferde- dieſelben“ mit ſolcher Leichtigkeit zogen,

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232 als wenn ſie:gar keine Laſt führten. Eine jener Glocken iſt noc< inder urſprünglichen“ Geſtalt ; die 'andere, - da ſie beſchädigt war, umgegoſſen vorhanden. Chronic. Monaster. Jacobsdorf. -MS. 245. Das Geſpenſt auf dem Oſtrowittſchen See. 'Auf dem Klein - Oſtrowittſchen See im Conitſchen Kreiſe zeigt ſich von Zeit zu Zeit ein Ungethäm, ſchnee- weiß, etwa in der Größe eines Kalbes, bald auf der Fluth „umherſchwimmend, bald ſich im Rohre, das den Rand umgiebt, verbergend, um das am Ufer weidende Vieh zu er- haſchen. Die Anwohner erzählen, vor etwa hundert Jahren ſei dort der Beſiter durch Umſchlagen des Kahns ertrun- ken. Da er nun im Leben ein böſer Menſch geweſen, der Andre vielfa) um das Ihre gebracht, und ſein Tod ohne Abſolution erfolgt ſei, ſo habe er keine Ruhe, und dies bedeute jener Spuk, der erſt, wenn es jemand glüke, die Seele des Ertrunkenen. zu erlöſen, verſchwinden werde. .246. ,.Die verſteinerten Tänzer. Ettya eine halbe Meile von Bergelau im Flathower Kreiſe in Weſtpreußen ſieht- man mitten im, Walde einen Kreis von 40 großen „Steinen. Sie ſind -ſchon tief in die Erde geſunken, aber ſie ragen doch - vier ;Fuß hoch aus derſelben hervor, ſie ſind- zwei bis. vier Fuß breit, und ſte- hen in einem großen Kreiſe - ein jeder -zehn Fuß von dem andern. Jn der Mitte des Kreiſes ſind zwei Steine, die noc< größer ſind als die andern , denn ſie ſind an zehn Fuß hoch und fünf Fuß breit. Vor Zeiten wohnte in die- ſer Gegend ein wildes Rieſenvolk, das zulest ſelbſt ſeine Götter verhöhnte. . Denn obgleich „dieſe. ihnen verboten hatten, am Sonnabend äu tanzen, ſo achteten ſie doch nicht

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233 hierauf. 'So' geſchah es: denn 'an einem Sonnabend, als ſich vierzig ſolcher Rieſen zum Tanze 'in den Kreis“geſtellt hatten, . und als die Spielleute, welche 'in der Mitte. ſtan» den, anfangen wollten aufzuſpie!en, daß die Götter plötzlich erzürnten; und Alle, ſowohl die Tänzer als die Spielleute, in die Steine“ verwanidelten, "die man: noch jeßt ſieht. .; Dritter Jahres - Bericht der Geſellſchaft für Pommerſche Ge» ſchichte und Alterthumskunde, S. 84 fgg. 247. Das Schmochbaal. Unfern von dem, im Flätowſchen Kreiſe belegenen Dorfe Krummenfließ befindet ſich eine Kette- von Sandhü- geln, die ganz nahe beim Dorfe ;mit-einem, über die ande- ren hervorragenden Berge endigt, der den Namen Schmauch- oder :Schmoch - Baal führt. Es erzählt die Sage, daß einſt ein der Hexerei beſchuldigtes Weib, obwohl ſie fort- während ſtandhaft ihre Unſchuld betheuerte , lebendig habe verbrannt werden ſollen, Als ſie ſ<on auf dem Holzſtoß ſtand, hörte man durch, die lodernde Flamme hindurch, wie ſie, Gott mit lauter Stimme, anrief, daß er ein Wahr- zeichen ihrer Unſchuld möge ergehen. laſſen. Und - kaum war der Holzſtoß ausgebrannt, ſo- wuchs :an . derſelben Stelle eine ſonſt nie geſehene Pflanze, weder Baum noch Staude, nie ſich vergrößernd und abnehmend, die nun ſchon ſeit Jahrhunderten dem Zahne der Zeit und den Men- ſc<enhänden trogt. An dieſe Begebenheit ſoll jener Name evinnern, deſſen erſter Theil, wendiſchen Urſprungs / cine Brandſtätte, die letztere aber Abgott bedeutet. 248. Die Sc<langenberge. In. mehreren Gegenden Preußens findet ſich die Sage, daß dort einſt gewaltige Schlangen gehauſet hätten. So wird von dem Schloßberg bei Ragnit erzählt, daß- ſich auf

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234 ihm plötzlich 'ſo viele Schlangen gezeigt, daß. die Schloß- feute -hätten weichen .und“ das' Schloß verlaſſen “müſſen. Aehnliches. wird von“ den! Pagelauſchen Schlangenbergen in der: Nähe von Conitz“ berichtet.:* "Auch" in der nördlichen Gegenddes Schlochauſchen Kreiſes ſollen ſich “einſt Schlan- gen, vom Volke "Schleppe genannt , befunden“ haben. "Sie wären ſo"'groß, daß- ſie gewöhnlich ſechs Eilen "maßen, und ſo giftig, daß, wo ſie hinzogen, das 'Gras verdorrte. All- mählig wurden ihrer aber immer weniger und zuletzt blie- ben nur zwei, die ſich auf den ſogenannten ſpitzen Bergen beim Dorfe Stegers aufhielten. - Um ſich endlich von dieſer Landplage -:ganz zu- befreien; verſammelten . ſich. einſt : die Umwohner, umzäunten: das- ihnen 'bekannte'Neſt der Einen, während ſie ſich -drin“ befand , -in einiger Entfernung mit leicht . brennbaren Stoffen. und zündeten. ſolche dann an; Als“ die Hißze die- Schlange nün ſelbſt ergreift 'und“ſie nir- geinds einen Ausweg ſicht, da erhebt ſie ein ſchreckliches : Ges zifeh. * Die 'ändre, welche in der Nähe weilte,) eilt herbei und ' ſtärzt “ſi ich, um die Schweſter zu befrein, in-die Gluth hinein: So -kömmen-'beide -um, indem'ſie :mit 'furchtbarem Krächen aus einander“berſten. Nach DAUMEN WEBE ee vergl. mit Henneberger Erkläs rung S, 390. i „949. Urſprung der Stadt Baldeuburg. Da wo jetzt die Stadt Baldenburg unfern den Grän- zen vort Pommern liegt, beherrſchte die Gegend weit und breit einſt ein ſchönes Fräulein, Hulda genannt. Dieſe hatte eine ſolche Leidenſchaft für das Ballſpiel, und eine ſolche Kunſtfertigkeit darin erworben, daß ſie nur dem angehören wollte, der ſie hierin übertreffe.. Nachdem" ſchon Viele ver- geblich "iht Heil verſucht, -gelang es - endlich einem .Ritter, die Fürſtiii zu überwinden und ſo. dieſe. ſelbſt. und ihr Land

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235 zu gewinnen. Zum-'Angedenken baute er eine Stadt ,- die er Bal de Hulde (Ball .der 'Hulda)' nannte, woraus eine ſpätere Zeit Baldenburg machte. Das umwohnende Land- volk. aber nennt den :Ort noch jetzt: de Ball. :-Um ſeine Entſtehung zu verewigen , . führt er bis ' auf “den ' heutigen: Tag in ſeinem »Wäppen ein bob a -das in den::Hänz den Blumen hält. "mw 8 nr ! witt 250... Die. Shin Wiege. Zu" den - ſ<dnſten Denkmälern der Vorzeit, welche Preußen aufweiſt, gehört. die alte Ordensburg zu Schlo? <au. Einſt, nach dem Haupthauſe; -das bedeutendſte-Schloß: der - deutſchen Ritter, und det“ - Häuptſitz -- Pommerellens, eine Vormauer“zugleich gegen Polen und Pommern, zeu- gen die mächtigen Trümmer noch - jeht-' von der ſonſtigen! Herrlichkeit und Stärke." Jm lieblichſten Contraſt ſchließt! ſich: an ſie ein freundlicher Luſthain ,' die Kujäwe / nun die Luiſenhöhe genannt, ſo daß dieſe Stelle, -wie durch ge-i ſchichtliche Erinnerung, ſo durch maleriſche nn il elne: der intereſſanteſten Weſtpreußens iſt. Während der - Polenherrſchaft war das Schloß. deri Sitz - eines Staroſten. Zur Zeit als die Staroſtei. dem! fürſtlichen Hauſe Radziwil 'übergeben war, ward einſt in' der. Nähe deſſelben ein Baum gefällt, der inwendig ganz- hohl befunden wurde, und in deſſen. Mitte ein Pergament! lag. Der Schloßverwalter, als er davon Kunde erhielt, nahm das Pergament, ohne ſonſt jemandem Nachricht zu ertheilen, und nach vieler Mühe glückte es ihm, die: darauf befindliche faſt verblichene Schrift zu entziffern. 'Sie lautete :j Kommſt du zur erſten Bruck, ſo ſollſt du gehen rechts. : Kommſt du zur zweiten Bruck, ſo ſollſt“ du- "gehen links: Und wo drei Steine aufrecht ſtahn,- - .Da“ liegt der Schatz begraben. !- + --- 1244, - 1:20)

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236 Er verfolgte den angedeuteten Weg und fand. auch wirk- lich eine Stelle: in der Mauer, wo drei Steine ſtatt wagerecht lothre<t eingemauert waren. Als er nun die Mauer hier fortbrac< , kam er in ein Gewölbe, wo er ei» nen mächtigen “Schatz an Gold, Edelſteinen und Perlen und „unter demſelben eine Wiege ganz von gediegenem Golde und mit kunſtreichen Verzierungen bedeckt fand. Da er, hätte er ſein Glück kund gethan, den Schatz ſei- nem Herrn hätte herausgeben müſſen, ſo verſchwieg er den Fund, und es ward auch lange nichts davon bekannt. Als nun- aber - der Fürſt einſtmals das Wiegenfeſt eines Neugebornen beging, da .machte ſich der Verwalter mit zwei Reiſigen auf nach dem Fürſtenſiße und- überbrachte die Wiege als 'ein Angebinde, indem er ſo am beſten in der Gunſt ſeines Hexxn ſich feſtzuſetzen vermeinte. Aber ge- rade dies erweckte den Berdacht eines gefundenen Schatzes. Der Fürſt ließ ſofort den Verwalter in Haft nehmen, und ſendete. Leute: ab, die im Schloſſe zu Schlochau eine ſorg- fältige Nachforſchung anſtellen ſollten. Dem Verwalter glückte es jedoch, einen ſejner Begleiter zu benachrichtigen. Die- ſer-xitt Tag und Nacht, ſo daß er den Abgeſandten des Für- ſten-zuvorkam, und.ehe dieſe noch anlangten, war bereits der ganze Schatz in den Scloßſee verſenkt. Dort. ruht er no<: Dex. Verwalter aber mußte das ungenoſſene Glück mit. dem Leben bezahlen. 251. Der See Sbonkowo. Bei dem Doxfe Sadke, unfern der Gränzen Weſt- preußens, befindet-ſich ein See, Sbonkowo genannt. Einſt ſoll hier ein Dorf geſtanden haben, über deſſen Untergang eine alte Sage Folgendes berichtet: Die Bewohner dieſes Dorfes waren übermüthige Men- ſchen, die gern der Armuth, ſtatt ſich ihrer zu erbarmen,

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ſpotteten, Einſt kam ein altes: krankes: Weib dorthin und flehte um ein Almoſen. * Aber obwohl ſie faſt vor Hunger verſchmachtete, ward ſie doch überall mit Hohn und Ver? achtung zurückgewieſen. Da verfluchte ſie das Dorf. und ſeine Bewohner, daß die Erde ſie verſchlingen möge, 'Alſos bald ſank der Ort in die Tiefe, und ein großer See “brei- tete ſich da aus, wo jener geſtanden. Bei klaren? Waſſer will man noch jeßt auf dem Grunde die Kirche und die Häuſer: erkennen, ja ſogar die Bewohner, die, ihren Geiſte liHen in der Mitte, in Proceſſion um die Kirche ziehn, um (“ett wegen: ihrer Hartherzigkeit auszuſöhnen. 252. Der See bei 'Luczmin. . . Bei dem:'Dorfe Luczmin , “an- der -Gränze von; Weſt preußen und Poſen, liegt ein See, an deſſen Stelle“früher eine Stadt':geſtanden, die: aber- wegen des" gottloſen Wan- dels der Bewohner verſunken ſein . foll. : Noch “jetzt: will man in der Tiefe häufig läuten -hören... Ein Fiſcher gad 'an, : einſt «einen Stein':ins Waſſer geſchleudert und'deutlich gehört zu haben, wie dieſer auf ein Dach gefällen. und auf letzterem hinabgerollt wäre. Bei' ſtärmiſchem Wetter- wird oft Holzwerk -'von den Gebäuden ans Ufer :geworfens)Die Sage“! berichtet, - daß .die..Bewohner 'in Krebſe verwandelt worden, weshalb 'man denn auch "aus Furcht, :mit Geiſterkh in Berührung zu kommen, auf dem See, ſo viel und ſc<dne Krebſe er enthält; nicht krebſt. Wenn einſt'-die Sünden der Bewohner"äbgebüßt ſind, werden ſie wieder menſchliche Geſtalt annehmen,. und die Stadt ird -aus der Tiefe don Neuem emporſteigen.... 2 bia 7 Gi Gui : Mit. jenem 'See- hängt ein- Geittäen; auf einem nicht HE runden Berge gelegener, unter: der Erde zuſanimenz denn: ein! Fiſch; derin dieſem, ſammt dem Speer"mit :dem ex verwundet worden, dem Fiſcher 'entſc<lüpfte; kam:-gleiß

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238 davauf.;in- jenem? wieder zum "Vorſchein: Auch erſoll:-ein verſunkenes Schloß bergen. - Seine Tiefe-iſt ſo groß, daß ſie “mit einem vierzig Klafter langen Seile ,.- an dem '-ein Stein hing, nict hat ergründet werden können.“Ein Mann, der vor mehreren Jahren hinabtauchte, berichtete, die Ufer.des Sees ſeien, Eu gemaus den Zen hod er aber es eren Sinnen v. ME 253. Die Gründung des Kloſters Polniſch Krone. NUNN Das um das: Jahr, 41200. „geanändere: Eſteveienſer »Kloy ſter zu Polniſch Krone iſt ein Denkmal der Vorzeit, das „noch jeht durchdie Schönheit und“ Erhabenheit ſeines Baus Bewunderung erregt. Seine Gründung. berichtet die. Sage folgendermaßen: " ' Ein;-;wenig: bemitteſter , Mann, "Bogumil geheißen, fühlte ſich :zu einer Zeit, :wd noc< kaum-das Licht des Chri- ſrenthums über dieſen, Gegenden aufgedämmert- war, :-ge- drungen ;- zur Ehre. Gottes -ein Kloſter.: zu erbauen,.;, Aber ſchon war alles, Seinſge. verthan, und das Werk noch. weit von: der :Vollendung entfernt; fromme; Spenden: zur För- derung gingen“ nur färglich ein; bereits murrten-die .Bau- ſeute;-die „ſchon: lange Feinen, Lohn, empfangen. -.Da; wandte fich Bogumil in brünſtigem , Gebete an. den Himmel, bit- tend dieſer: möge ſelbſt ihm, die Mittel anzeigen ,, wie er det: :Bau:; vollenden: „könne, :.- Upd: ein Engelrerfchien 'ihm und fündete ,/“. was" er zu.-thun, habe.: .“ Alſobald» ſtieg Bo- gumib.in den vorüberfließenden Brahefluß.;:, Da: kamen ſo- gleich die Fiſche ſo zahm an ihn heran;:-daß/ er ſie mit.:den Händen. greifen kounte;i und.in !ſolcher, Menge, daß er nicht nur davon den. Arbeitern :Lebensunterhalt gewähren ;:. ſon- dern ; ſich" auc< das zum- Fortbau nöthige Geld. durch den Verkauf: verſchaffen, Xonnte;/!. Und! ſo oft.-es8,;an dieſem -wie-

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239 der zu debrechen' begänn/'waridte: er jenes-Mittel vo :"euemn a bis endlich! das -Kloſter vollendet wär.! *- tis ZD -Nöch jetzt "zeigt ntän“"in denſelben Über 'der !Thüre/ welche nach“ dev-Safkriſtei- 35 vr Eri "WWördüf: dieſe: Begehenheit: vitgee iſt 2 od iin ii. BE 1 254, Der ZA -» In der Mähe von“ Schbnlänke' 'böfindet ' ſich än eM zikkelrunder See,'der"Loosſee genannt ; j 'durch' fein“ dunkles faſt ſtets beiwegtes Waſſer" aus gezeichmet ; "ſelbſt: ShöffiiEläer ſtein' Himmel und" völliger Windſtille" vörürſächt er öin“dum?“ pfes, "dem' ':Rollen“ 'eines' fernen“ Donneis ähnliches" Getöſe.) Faſt ringsum wird 'er von dunklem Laube!'beſchattet: “Die Entſtehung des 'Namens' wird 'folgendermaßen- betichtet: "2 Zur Zeit des "Heidenthums" 'ward“äuf der Stelle „ies jeßt das Gewäſſer des“ Sees“ ifeh! "von frommen'Mön&heſi! ein Kloſter “erbaut: Dir. Unitbohiit , "Wenden;“ ſſtauhtei über die- Erhäbenheit des "Otbäudes/ ünd fühlten ſich an- gezogen durch das helle Glockengetäute 5“ bald“ kamen! Viele: herbei und hörten, andächtig die Worte des-.Friedens, welche ihnen von den frommen Vätern verkündigt wurden. Um ſo“ größer n ward'der Zulauf, da" dieſe ai< mancherlei Künſte lehrten, deren“ 'Nußen bald einleuchtete.' "Darüber ergtimm? tein die? 'heidniſchen Prieſter“ welche ſähen; “wie ihre Gewalt über 'die Gemäther des* Volks immer- mehr: abnahm, ! und! der „oberſte Prieſter“ verſammelte "eines" 'Tages die Bewoh? ner“der'Umgegend/“ erzählte, "wie ihm in der 'Nächt' ſammt? liche'Götter erſchietien wären, gebietend" das "Kreuz zu" vet nicßten, und' "verfütidete allen“ denen, "welche" noch" ferner? des! Umgangs" mit" den“ fremden, den“ ängeſtammten“'Götteva? fündlichen Männetn pflegen“"bitden), 'Verderben.“ Liſt“ wüßte 'er' ' beren "Bekehrungsverfuche“ mit "einer "älten"Pro* phezeiung/“"näth' welcher die Wenden “einſt“vön den “Wik?

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240 zen unterjo<ht werden ſollten, -in Verbindung zu ſeßzen.. So glückte es ihm, das. Volk zu entflammenz ſelbſt die, welche ſc<on angefangen den Samen des Chriſtenthums in ihr. Herz -aufzunehmen, . fielen wieder ab. Alle -verſchworen ſic< zur Zerſtörung des Kloſters und Exmordung der Be- wohner deſſelben. Der folgende Tag, es war der des hei- * ligen Johannes, ward zur Ausführung ängeſetzt, Die Klo- ſterglocke, wenn ſie, zur „Mette läute, „ſollte die Looſung geben. Von allen Seiten wollte, man. mit den Feuerbrän- den. hexvorſtürzen. ; Und alſo geſchah's. Als aber nun, das Kloſter. in Flammen ſtand und die Mönche-in ihrem Blute lagen, da -30g ein furchtbares Gewitter am Himmel empor;z - rings entzündeten die Blitze. den Boden, ſo daß keiner der Mörder mehr zu entkommen vermochte. Mit den, Trüm- mern des Kloſters ſanken ſie in die Tiefe hinab. Der See, welcher an der Stelle entſtand, , ward zur Erinnerung an. die Glocken, welche man noch. jeht am Johannistage in der Tiefe läuten hören will, und die das Vooſuugfpeihen kampen der. Loosſee „genannt. “' 255.* Der Pfaffenſee. In der Nähe, von Ehrbardorf, unfern. der weſtpreu-, ßiſc<en Gränze, befindet ſich ein „kleiner, faſt freisrunder. See, "den dunkles. Laub beſchattet, und den ein ſtets kla-, res, faſt nie bewegtes Gewäſſer auszeichnet, der Pfaffenſee genannt. Einſt, ſtand. hier das „Dorf, Fitfo, deſſen alte Ur-- kunden noc< als mit. Ehrbardorf gränzend erwähnen, Die. Bewohner waren - -überaus gottesfürchtig - und verſäumten, nie ;den Gottesdienſt. „Einſt hatten ſie ſi < zum Johannis- feſte, ſo zahlreich verſammelt, daß die Kirche .die Erſchie-. nenen nicht. alle zu faſſen. vermochte und „viele vor. den, Thüren | bleiben., „mußten. Da verſank, als, „eben. der Prieſter den: Segen , geſprochen, „die Kirche, mit, „allen au Lais ,

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241 und -an ihrer Stelle entſtand der See. Die Hütten, der Bewohner beraubt, - verfielen bald. An jedem Johan» niStage um die Mittagsſtunde aber hört man noch deut- liM aus der Tiefe den Klang der Glocken, und ſicht auf der Mitte des Sees den Kaſten ſchwimmen, in dem die heiligen Geräthe aufbewahrt ſind; ja man will ſelbſt ein- zelne Stimmen vernommen haben. Der See wird des- halb auch mit ſcheuer Ehrfurcht von den Umwohnern be- trachtet, und Niemand unterfängt es ſich, die Fiſche deſ- ſelben zu fangen, „Einſtmals hatte aber do< ein Bauer aus Ehrbardorf gewagt, einen Fiſch zu angeln, und froh über den ſchönen Fang, will er nach Hauſe eilen, als er plötßlic< aus der Tiefe eine Stimme vernimmt, die mit fläglichem Gewimmer ihr Kind zurückfordert, ſo daß der Fiſcher erſchrocken den Fiſc<) wieder in die Fluth wirft. 256. Die Entſtehung des Namens Pelplin. Als Sambor 1., Herzog von Pommern Danziger Linie, zuerſt und noch bei Lebzeiten ſeines Baters Subislaus, des Gründers von Oliva, den Bau des Kloſters Pelplin be- gann, ſoll Letzterer, als er die neue Anlage beſichtigte und mit der Einrichtung nicht zufrieden war, geſagt haben: Moy synie, wzis ty wypelnit? was zu deutſch heißt:. Mein Sohn, was haſt du doc da verbruddelt? Sambor nahm hiervon Veranlaſſung, ſeiner Stiftung den Namen Pelplin beizulegen. 257. Das Grab des Rieſenweibes. Der Höhenzug, der ſim an der Gränze von Weſt- preußen und Pommern hinzieht, zeichnet ſich beſonders durch die vielen, zwiſchen ſeinen Abhängen belegenen Seen ausz ſchroffe, mit dunklen Föhren bedeckte Höhen umkrän- zen ſie, und verleihen ihnen zwar etwas Wildes .und Schauer- 16

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242 liches, geben der Gegend aber auch ' ein. höchſt eigenthüm- liches Gepräge. An cinem dieſer Seen, welcher unfern des ſc<warzen Berges, eines' der höchſten Punkte der Kette, liegt, befinden ſich mehrere Steinhügel , von denen erzählt wird, daß einſt ein ſ<wangeres Rieſenweib vom jenſeitigen Ufer aus hinüber geſchwommen ſei, um den Teig, den ſie auf ihren Schultern mit ſich führte, in dem Ofen der Nach- barin zu backen. Erſchöpft jedoHh von der übermäßigen Anſtrengung, ward ſie, kaum an das Ufer gelangt, ent- bunden, gab aber auch ſofort ihren Geiſt auf. Unter jenem Steinhügel ward ſie begraben, Nach mündliczer Ueberlieferung. Vergl, Dritter Jahresbericht der Geſellſchaft für Pommerſche Geſchihte und Alterthumskunde S. 84 ſgg. 258. Die Bekehrung der Oxhöfter. Zu Orhöft an dem Strande der Oſtſee herrſchte einſt zur Heidenzeit ein Fürſt, deſſen Gebiet ſich über den jetzi- gen Neuſtädter und Karthäuſer Kreis erſtre>te. Er war ein harter Mann, der ſeine Unterthanen mit ſchweren Laſten drückte, ſo daß dieſe endlich durch lautes Murren ihren Unwillen kund thaten. Da kam von Süden her ein hei- liger Mann, Jatßk genannt, und verkündete die Lehren des Chriſtenthums. Schnell fiel ihm das Volk zu und ſtrömte herbei, um die Weihung der Taufe zu empfangen. Aber der Fürſt wollte dies nicht geſtatten, und verlangte, daß der Fremde erſt durc ein Wunder die Wahrheit ſeiner Lehre kund thue. Nun iſt die Höhe, auf welcher Orhöft belegen iſt, eigentlich eine Inſel, denn auf der einen Seite wird ſie vom Meere begränzt, auf der andern aber durc; den Kielau, die Rahmel und den Stremming von dem übrigen Lande geſchieden. Jeßt ſind dies unbedeu- tende Flüßchen, damals aber war die ganze Niederung,

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243 durc< welche ſie fließen, mit Waſſer angefüllt. Das Erſte nun, was der Fürſt verlangte, war, daß der heilige Mann, ohne ſich eines Fahrzeuges zu bedienen, trockenen Fußes zu ihm nach Oxhöft hinüberkäme. Und alſo geſchah) es; als Jaßk ſich den Fluthen. näherte, theilten ſich dieſelben , ſo daß. er auf einem tronen Pfade zur Inſel gelangte, Hierauf for- derte der Fürſt das zweite Zeichen, daß nämlich das Waſſer, welches die Jyſel von dem Feſtlande trennte, ſi ganz zu- rückziehe, damit ſein Gebiet völlig zuſammenhängend ſei, da deſſen biöherige Zerſtükelung ihm mancherlei Beſchwer- den verurſachte. Auch dies vollbrachte der Heilige. Auf ſein Gebot zog fich die Fluth in das Meer zurück und üppige Matten grünten an deren Stelie empor. Da er- kannte d& Fürſt die Wahrheit der neuverkündeten Lehre, ließ ſic) mit' allen ſeinen Unterrhanen taufen und war dieſen fortan ein milder Herr. 259. Der Staroſt von Seekatb. Neben dem Dorfe Seekath im Stargardter Kreiſe liegt ein großer See, auf dem ſich drei Inſeln befinden. Die größte von dieſen zeigt noch Trümmer eines Schloſſes, das im letzten Schwedenfriege zerſtört ſein ſoll; auch ſicht man no< die Pfähle einer Brücke, welche ſie ſonſt mit dem feſten Lande verband. Auf dieſem Schloſſe wohnte einſt ein Staroſt, der ein eben ſo kluger als milder Mann und der Vater und Rathgeber der ganzen Gegend war. Auch nach ſeinem Tode hat er ſie nicht ganz verlaſſen mögen. Degshalb ſtellt er ſich in jeder Johannisnacht ein. ' Dann ' findet man ihn auf den Trümmern ſitend und in einer Urkunde oder einem großen Buche leſend. Die, welche wagen, ſich an ihn zu wenden, entläßt er nie ohne guten Rath. . 16* «

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244 260. Der wilde Jäger auf dem Bullerberge: Jn dem zur Wyrthiſchen Forſt gehörigen, im Star- gardter Kreiſe gelegenen Walde Skrzynka befindet ſich ein hoher Berg, der Buſlerberg genannt. Aufi dieſem treibt in der Bartholomäusnacht der wilde Jäger ſein "Weſen. Schon viele Menſchen haben es vernommen, wie er dann mit furchtbarem Getöſe durc< den Wald fährt. Einſt kam der Oberförſter des Reviers in jener Nacht durch den Forſt . und hdete den Lärm. In dem Wahn, Wilddiebe zu ver? nehmen, eilt er naß, und, als es ihm aller Anſtrengung ungeachtet nicht glückte, die Jagenden einzuholen, bricht er in einen: gottloſen Fluch aus. Da erhebt ſich über ſeinem Haupte ' ein furchtbares Geſauſe, und mit den Worten: „da haſt du auch etwas von unſerer Jagd“ wird ihm der Schenkel eines Menſchen in den Wagen geſchleudert. / 261. Die Jungfrauen in dem Brahefluſſe. Jn der Tiefe des Brahefluſſes haben Waſſerjungfrauen ihre Wohnung, welche ſic) zuweilen, insbeſondere zur Zeit des Vollmondes zeigen, und gerne guten und frommen Menſchen wohlthun. Vor allen andern nehmen ſie ſich willig :unglüFlich Liebender an, weshalb ſolc<e. ſich denn auch nicht ſelten von ihnen Rath und Hülfe „erbitten. „.' "In einer, auf dem Brahefluß belegenen “Mühle wohnte einſt vor vielen Jahren ein Müller, der ein überaus ſchö- nes und holdſeliges Töchterlein beſaß... Dieſes hatte der Sohn eines benachbarten Ritters liebgewonnen und ..die Maid war. ihm wieder zugethanz aber der Bater des Jüng- lings, der nicht. ſeinen edlen Stamm durch eine Schnur aus geringem Stande verunehren wollte, weigerte ſeine Einwilligung. Da wandten ſich die Liebenden an die Bra-

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245 -hejungfrauen. Dieſe erſchienen auch dem Ritter und ver- kündeten ihm Heil und Segen, wenn er in die Verbindung „willige, aber Verderben, falls er länger widerſtrebe. Doch „auch dies vermochte nicht, ihn zu bewegen. Da führten .die..Brahejungfrauen das Mägdlein und den Jüngling mit ſiH hinab in die Tiefe, wo ſie nun mit ihnen in ihrem Kryſtallpallaſte wohnen und ſich häufig noch jetzt auf dem Epiegel des Waſſers zeigen, durch einen lieblichen Geſang ſim fund gebend. Der Ritter aber, ſeines Kindes beraubt, ward von zu ſpäter Reue ergriffen und ſtarb bald, nach- dem ihn das Schickſal noc< mannigfach verfolgt, in Ar- muth und Verzweiflung als der Letzte ſeines Stammes. 262. Der Bau der evangeliſchen Kirche zu Schöne&F. Nachdem die Kirchenverbeſſerung in Preußen Eingang gefunden, traten auch einige Bürger des Städtleins Shöne> zur neuen Lehre über. Anfangs hatten ſie ſich ein Ge- mach in einem Privathauſe zum Betſaal eingerichtet, bald aber nahm die Zahl ſo zu, daß dies nicht mehr genügte, und ſo gingen ſie den Staroſten um die Erlaubniß an, eine eigne Kirche zu bauen. Es war damals aber Staroſt über Schöne> ein Herr von Flemming, ein harter und grauſamer Mann, der ihr Begehr mit ſchnöden Worte zurückwies. Da wandten ſich die Evangeliſchen an ihren Oberherrn , den König SigisSmund von Polenz doch auch hier fonüten ſie die gewünſchte Erlaubniß nur unter der Bedingung erlangen, daß die Kir<e in vierundzwanzig Stunden aufgebaut werde. So ſuchten die Rathgeber des Königs eine abſchlägliche Antwort zu verhüllen, da ſie es füt. unmöglich hielten, in ſo kurzer Zeit ein ſolc<es Werk zu vollführen. Aber. die Schöne>er gaben deshalb ihren Plan nicht auf. In den benachbarten, zur ncuen Lehre

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246 übergetretenen Städten , ſonderlich in Danzig, ließen ſie alles Erforderliche vollſtändig zurichten, ſo daß es nur zu- Fammengefüägt zn werden brauchte. An dem feſtgeſetten Tage kamen nun alle Evangeliſchen von fern und nah, viele tauſend Menſchen, beſonders Maurer und Zimmer- leute herbei, und nachdem die Steine und das Holzwerk aus den andern Städten herangefahren, begann man die Aufrichtung. Schon war alles bis auf den Thurm vollen- det, als ein Mönch einen Riegel, der zur Verfeſtigung un- entbehrlich war, entwendete und unter ſeiner Kutte ver- barg, um ſo die gänzliche Beendigung zu verhindern. Als er nun aber mit ſeinem Raube forteilen will, ſtürzt ein Stein vom Dache hinab und ſchlägt auf ſein Haupt nieder, ſo daß er augenblicklich) todt zu Boden ſinkt. Bei Fort- ſchaffung des Leichnams fand man den Riegel, und bevor noch die vierundzwanzig Stunden verlaufen waren, ſtand das Gotteshaus fertig da. | Der Staroſt aber erhielt bald den Lohn ſeiner Grau- ſamkeit; er mußte flüchtig werden, und ſtarb in großer Dürftigkeit im Auslande. An der Stelle des Sc<loſſes, worin er gewohnt, ſteht jetzt der Salzſpeicher.- In deſſen Gemäuer ſind drei runde Steine von ziemlich beträchtlicher Größe eingemauert. Es wird erzählt: ſie hätten das Maß vorgeſtellt, was nach ſeinem Befehle das Brod ha- ben mußte. 263. Urſprung der Stadt Berend. In der Gegend, wo jeßt die Stadt Berend liegt, zeigte ſich einſt vor grauen Jahren ein Bär von unge- heurer Größe und Stärke, der rings alles verwüſtete, Menſchen und Vieh anfiel und der Schrecken der ganzen Gegend war. Endlich entſchloſſen ſich zwei beherzte Män- ner, Vater und Sohn, das Land von dieſer Plage zu be-

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247 [] freien. Sie erſpähten die Höhle des Bären, drangen in dieſelbe ein, als er ſich gerade drin befand, und tödteten ihn nach einem mörderiſchen Kampfe. Durch dieſe Hel- denthat erwarben ſich beide ſo viel Anſehn, daß alle be- nachbarten Gaue ſie zu Führern wählten. Sie bauten ſiH darauf einen Hauptort und nannten ihn zum Andenken an die Begebenheit, der ſie ihre Herrſchaft verdankten, Bär - End (Berend). Der jetzige Markt der Stadt iſt die Stelle, wo die That geſchah, 264. Das Bereudſche Wappen. Bei der Stadt Berend befinden ſich zwei Seen, welche früher mit einander verbunden geweſen ſind; gegenwärtig trennt ſie eine Wieſe. Leßtere hat das Eigenthümliche, daß in ihrer Mitte Binſen ſtehn, welche durch ihren Ab- ſtand gegen die umgebenden Gräſer genau die Geſtalt des Wappens der Stadt, und zwar mit einer ſolchen Ge- nauigkeit, bilden, daß ſelbſt die Sterne, welche das Schild deſſelben verzieren, deutlich zu erkennen ſind. So oft auch die Wieſe ſammt den Binſen gehauen werden mag, ſo zeigt doch in jedem neuen Jahre der Platz, den die letzteren ein- nehmen, dieſelbe Geſtalt. Einen Urſprung oder Grund dieſer Erſcheinung verkündet die Sage nicht; von den bei- den Scen aber berichtet ſie, 'daß an der Stelle, wo ſich der fleinere jet befindet, eine Kapelle, wo der größere, das Schloß von Berend geſtanden habe, wie denn leßterer auch noch den Namen des Schloßſees führt. Erſterer hat das Eigenthümliche, daß er, trotz ſeines nicht bedeutenden Umfanges, doch von unergründlicher Tiefe iſt. An Stelle der verſunfenen ward eine andere Kapelle auf einer Höhe am Ufer erbaut, wo ſie noch ſteht. Das Schloß ſoll we- gen der Schändlichkeit des Staroſten, der auf ihm ſaß, untergegangen ſein,

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248 265. Der König im Lauenburger Berge. Jn einem, nahe bei dem Städtlein Lauenburg in Caſ- ſuben belegenen Berge fand man im Jahre 4596 eine un- geheure Kluft. Es waren damals gerade zwei Miſſethäter zum Tode verurtheilt ; ſolchen ſchenkte der Rath unter der Bedingung das Leben, 'daß ſie dieſen Abgrund beſtiegen und unterſuchten. Hinabgefahren, erblickten ſie auf dem Grunde einen ſc<önen Garten, drin ein Baum mit lieblich weißen Blüthen ſtand, doch durften ſie nicht daran rühren. Ein Kind, das im Garten war, führte ſie über eine weite Matte zu einem Schloſſe, aus dem mancherlei Saitenſpiel ertönte. In demſelben aber ſaß ein König auf einem ſil- bernen Seſſel, mit einem goldenen Scepter in einer, einem Briefe in der anderen Hand, welchen . letteren das Kind der beiden Miſſethätern überreichen mußte. Valvaſſor Ehre von Krain 1. 247. Seyfried's Medulla pag. 482. 266, Der Sc<loßberg bei Bütow. Etwa eine halbe Stunde Wegs von Bütow gen Mit- tag befindet ſich ein, ungefähr dreißig Fuß hoher Hügel, der ſiH durch ſeine wunderbare Geſtalt auszeichnet, indem er, ganz vierſeitig, die Form eines abgeplatteten Daches hat. Augenſcheinlich iſt er fein Werk der Menſchenhand. Der Sage nach hat dort einſt ein Schloß geſtanden, das nun überſchüttet iſt. Die Seiten ſind ſehr ſteil und meiſt mit Geſtrüpp überdec>ktz auf der obern Platte aber wird geackert. Dort war früher eine etwa mannsdicke Oeffnung von unergründlicher Tiefe, die erſt vor wenigen Jahren der beſſeren Beackerung wegen verſchüttet iſt. Es ſoll dies der Rauchfang des Schloſſes geweſen ſein. Man erzählt, daß zwiſchen dieſer Oeffnung und dem noch jett vorhan-

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249 denen Schloſſe in Bütow ſelbſt eine unterirdiſche Verbin- dung ſtattfinde; ein Hund, einſt in cin, in einem Keller des letzteren befindliches Loch hinabgeworfen, ſoll durch jene Oeffnung wieder herausgekfommen ſein. Noch ſonſt manches Wunderbare wird von dem Berge erzählt. So träumte einem in Bütow ſtehenden Huſaren: daß er auf einer, ihm wohlbekannten Stelle des Hügels ſich befinde , neben ihm ein Haufen Gold. Ein Kamerad, dem er den Traum am anderen Morgen erzählt, ſchilt ihn, daß er ſo wenig ſein Glück zu benutzen wiſſe; aber erſt, als er zum dritten Male hintereinander denſelben Traum gehabt, entſchließt er ſi<, auf den Berg zu gehen. Da er aber erſt ſeinen Futterſac> hervorſuc<t, ſo verſpätet er * ſich, und es graut bereits der Tag, als er auf dem Berge anlangt. Schon ſicht er vor ſich den Haufen, als er aber Hinantritt, findet er ſtatt Gold =- Dünger. Aergerlich Über die Täuſchung, ſtößt er mit dem Fuße daran, da ver- ſchwindet der Haufen plötzlich. Ein Hirtenknabe verlor einſt auf dem Berge zwei Ochſen. Im Suchen an die Oeffnung gelangt, findet er neben derſelben einen gedeckten Tiſch, auf dem ein Bund Schlüſſel und ein Teller mit drei Butterſchnitten ſich be- finden. Obwohl ihn der Hunger die letzteren zu verzehren reizt, ſteht er doch an, geht zu ſeinem, nicht entfernt woh- nenden Brodherrn und erzählt, was ihm begegnet. Dieſer ſagt ihm, daß, wenn er ſich der Schlüſſel und Butter- ſchnitte bemächtigt, er reich und glücklich geworden wäre, und kehrt gleich mit ihm zurück. Aber ſchon war alles verſchwunden. Noch einmal fand jener Knabe den Tiſch mit den Butterſchnitten dort, doch wiederum wagte ex nicht ſie zu berühren. Die Schlüſſel fehlten diesmal. Seit- dem ward nichts wieder 'geſchen.

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250 . 267. Die Jungfernmühle. Aus dem Bütower Scloßberge ſprudelt ein, durch kryſtallgleiches Waſſer ausgezeichneter Quell hervor, und mit ſolc<er Mächtigkeit, daß er ſchon wenig unterhalb eine Mühle, die Jungfernmühle genannt, treibt. Mit letzterem Namen wird folgende Sage in Verbindung ge- bracht. Ein Bauer, der an jenem Bache ackerte, ſah oftmals zu demſelben eine Jungfrau kommen, die mit einem gol- denen Eimer Waſſer ſchöpfte und ſich wuſch. Er faßte ſich endlich ein Herz und fragte ſie, weshalb ſie ſolches thue, Da erzählte ſie, wie ſie eine Prinzeſſin und die Herrin des Schloſſes, das auf jenem Hügel geſtanden, ge- weſen, aber mit dieſem verwünſcht wäre, weshalb denn daſſelbe auc< in die Erde verſunken ſei. Sie könne aber erldſet werden, .wenn jemand, ohne anzuhalten und ohne ſi umzuſehn , ſie auf den wendiſchen Kirc<hof in Bütow . trage und dort mit voller Gewalt zu Boden werfe. Sie fordert hierauf den Ackermann unter Verheißung - von Glück und Reichthum auf, ihre Erlöſung zu vollbrin- gen, und dieſer unterwindet ſich deſſen. So mannigfache Hinderniſſe ſich auch entgegenſtellen, iſt er doch ſchon mit ihr auf den Kirchhof gelangt; bevor er ſie aber noch von ſeinen Schultern abgeworfen, greift ihm, hinten etwas in den Schopf. Darüber erſchrickt er dermaßen, daß er ſich umſicht und ſeine Laſt fallen läßt. Da fährt die Jung- frau zu den Lüften auf, wirft ihm jammernd ſeinen Mangel an Standhaftigkeit vor, und klagt, daß ſie nun noch viel härtere Qual erdulden müſſe und erſt nach hun- dert Jahren von Einem, der ſtandhafter als er das Werk vollführe, erlöſ't werden könne. So verſchwindet ſie und iſt ſeitdem noc nicht wieder geſehen.

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268. Der Hexenſee. Zwiſchen. Krämersbruch und Trzebiatowo, hart an der Gränze von Weſtpreußen, liegt ein kleiner See, der Hexenſee genannt. Von ihm wird berichtet, daß die, welche ſich in ihm baden, Zauberkraft empfangen. Etwas Eigenthüm- liches hat der See allerdings, denn troß ſeiner hohen und ſchroffen Ufer iſt er rings von Moräſten umgeben. Jn der Mitte des vorigen Jahrhunderts entſtanden dieſes Sees wegen, da mehrere Weiber ' beſchuldigt wurden, in ihm ſich gebadet zu haben und Zauberei zu treiben, ſo unruhige * Auftritte, daß die Behörden einzuſchreiten ſich gendthigt ſahen. 269. Das verſteinerte Ehepaar. , Bei Damsdorf, eine Meile von Bütow, befinden ſich zwei Steine, faſt ganz gleich, von Mannes Höhe und etwa zwei Gewende von einander entfernt. Sie haben faſt ganz menſchliche Geſtalt, Kopf und Schultern zeichnen ſich kenn- bar ab. Es wird berichtet, daß dies zwei Eheleute aus der Gegend waren, die im Hader mit einander ſich gegen- ſeitig zu Steinen verwünſcht hätten, und deren Berwün- ſchung ſofort in Erfüllung gegangen ſei. Die Farbe der Steine iſt grau, aber wenn man ſie mit einem ſcharfen Werkzeuge ritt, erſcheinen ſie blutroth. 270. Die verſunkenen Jäger. In der Nähe von Bernsdorf im Bütower Gebiete befinden ſi< zwei Seen, die durch eine, unter einem Moore hinfließende Strömung zuſammenhängen. Etwa in der Mitte deſſelben iſt ein kleines feſſelförmiges Lo<, welches nie austrocknet, und deſſen Ränder, obwohl rings von den |

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252 üppigſten Gräſern umgeben, nie bewachſen. Die Sage berichtet, daß einſt einige Weidmänner, die ſich am Sonn- tage mit der Jagd vergnügt, an dieſer Stelle, als ſie ge- raſtet, plößlich verſunken wären. Noch iet will man Nachts ihre Geſtalten dort ſchen und das Bellen der Hunde vernehmen. 271. Die verſunkene Orgel. No ein anderer kleiner, anſcheinend grundloſer See, aus deſſen Tiefe man zu Zeiten Orgeltöne vernimmt, liegt in der Nähe von Bernsdorf. . Als nämlich die Kirche an dem letzteren Orte gebaut ward, iſt an dieſer Stelle die Orgel bei der Hinfahrt plötzlich verſunken, und ſo der See entſtanden. So lange nun der Geſang in der Kirche währt, ſo lange laſſen ſich die Orgeltöne vernehmen.

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Anhang zu den preußiſchen Sagen. Abergläubiſche Meinungen und Gebräuche verſchiedener Art enthaltend.

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1.“ Litthauiſche Hochzeitsgebräuche. Die Hochzeit wird nach der Trauung, welche in der Kirche geſchicht, im Hauſe des Bräutigams gefeiert. Bevor die Braut dahin geführt wird, ladet ſie alle ihre Anver- „wandten zu einem Gaſtmahle ein. Nach deſſen Beendi- gung bittet ſie dieſelben, mit ihr ihre Jungfrauſchaft zu be- weinen. Sie ſetzen ſich dann Alle zuſammen, und die Braut fängt mik großer Wehmuth ein Klagelied an, wel-: <es immer folgenden Inhalts iſt: O Hue, o Hue, o Hue! Wer wird von nun an meinem Bater und meiner Mutter, ' das Bett machen? = wer wird nun ihre Füße waſchen ? Mein liebes Händchen, mein liebes Hühnchen, mein liebes Schweinchen, wer wird Euch nun zu eſſen geben? Darauf wird ſie von den Frauen zum Heerde geführt, dort fängt ſie ihr Klagelied von neuem mit folgenden Wor- ten an: O Hue, mein liebes heiliges Feuer, wer wird. Dir nun Holz zutragen, daß der Vater und die Mutter ſich bei Dir wärmen können? wer wird Dich nun hüten und bewahren? Darauf tröſten die Frauen die Braut, und ermahnen ſie, daß ſie nicht allzuſehr trauern ſolle, Wenn nun der Tag gekommen iſt, an dem die Braut aus ihres Vaters Hauſe ziehen ſoll, ſo ſc<i>t der Bräu- tigam ihr einen Wagen, worauf ſie ſich ſeßt. Sobald ſie darauf an die Gränze des Orts kommt, wo der Bräuti-

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256 gam wohnt, ſo kommt Einer gerannt, der in der einen Hand einen Feuerbrand, und in der andern eine Kanne mit Bier trägt. Der rennt dreimal um den Wagen, und ſagt zu der Braut: Wie Du in Deines Vaters Hauſe das Feuer verwahrt haſt, ſo wirſt Du es auc< hier thun. Darauf giebt er ihr zu trinken, und der Wagen fährt weiter bis vor das Haus des Bräutigams, wo die Hoch- zeitgäſte verſammelt ſind. So wie dieſe den Wagen ſehen, rufen ſie Alle zuſammen: Der Wagentreiber kommt! =- Dieſer aber ſpringt nun raſch vom Wagen herunter, und in demſelben Sprung auf. einen an dex Hausthür ſtehen- den und mit einem Kiſſen und Handtuch bedeckten, Stuhl. Erreicht er dieſen Stuhl in dem einem Sprunge, ſo iſt das Handtuch ſein; wo nicht, ſo bekommt er Prügel, und wird zur andern Thür aus dem Hauſe geworfen. Hat der Fuhrmann den Stuhl erreiHt, ſo bleibt er ſo lange darauf ſitzen, bis die Braut von den -Gäſten herbeigeführt wird. Dann ſteht er auf, und die Braut ſett ſich auf den“ Stuhl. .:Dort wird ihr ein Trunk Bier gereicht. Darauf wird ſie in die Käche und um-den Heerd geführt, dahin trägt der Fuhrmann ihr. den Stuhl nach. Auf dieſen ſet ſie ſich nun, und es werden ihr die Füße ge- waſchen. Mit dem Waſſer, worin dies. geſchehen, werden ſodann die Hochzeitgäſte- beſprengt, ſo wie das Brautbett, das Vieh und .das ganze Haus. .. Darauf werden der Braut die Augen verbunden, der Mund. wird ihr mit Ho- nig beſchmiert, und ſo wird ſie .nun an die Thore des Hofes geführt, und der, welcher ſie führt, ſpricht zu ihr: Stoß an, ſtoß an! Sie muß :dann mit dem Fuße an jedes Thor ſtoßen. Zugleich begleitet ſie Einer mit einem Sack, in dem allerlei Getreide iſt, als Roggen, Weizen, Gerſte, Erbſen u. ſ. w. Mit dieſem Getreide beſchüttet

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257 er ſie an jedem Thove, und ſpricht: wenn Du fleißig und treu bleibſt, ſo wirſt Du von Allem genug haben! Darauf wird ihr die Binde von den Augen genom- men, und man ſeßt ſich zum Eſſen, nach deſſen Ende ges tanzt wird bis ſpät in die Nacht. Wenn nun in der Nacht die Braut zu Bette geführt wird, ſo ſchneidet Einer ihrer nächſten männlichen Anverwandten ihr die Haare ab, und die Frauen ſeen ihr einen breiten Kranz auf, der mit einem weißen Tuche benähet iſtz dieſen Kranz muß ſie ſo lange tragen, bis ſie einen Sohn zur Welt bringt, wes- Halb die Frauen bei deſſen Aufſezung zu ihr ſagen: Die Mägdlein, die Du trägſt, ſind von Deinem Fleiſch, bringſt Du aber ein Knäblein zur Welt, ſo iſt es mit' Deiner Jungfrauſchaft aus! =- Darauf wird ſie zu Bette gelegt, aber unter Prügeln von allen Seiten, ſo daß ſie nur wohl Zurchgebläuet zu dem Bräutigam kommt. Wenn nun Braut und Bräutigam zu Bette ſind, .ſo werden ihnen Nieren von Böcken und Ochſen vorgeſetzt, die ſie verzeh- ren müſſen, damit die Ehe fruchtbar werde. Was hiervon Übrig geblieben iſt, muß am andern Morgen zu ai von den jungen Eheleuten aufgegeſſen werden. Hieron. Meletii wahrhaftige Beſchreibung der Sudauer auf GEMA ſammt ihrem. Bodheiligen, Erl. Preuß. Th. V., S. 713 - 71 Hartknoch Alt- und Neu-Preuß. S. 179. Act. Boruss. H. 405. 2. Das Spedopfer. - Ein mächtiger Gott der heidniſchen Preußen war Perkunos. Es wurde ihm ein ewiges Feuer von, Eichen- Holz gehalten. Er war der Gott des Donners und der Fruchtbarkeit. Daher wurde zu ihm gebetet im Regen und Sonnenſchein, und bei Gewittern wurde ihm eine Seite Speck geopfert. Noch jetzt, went. es donnert, nimmt 17

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258 der Bauer in Preußen eine Seite Spek auf die Schulter, geht mit entblößtem Haupte zum Hauſe hinaus, trägt ſie nach ſeinem Acker hin, und ruft: Du Gott ſchlage nicht in das Meinige, ich will dir dieſe Seite Speck ſchenken. Wenn aber das Gewitter vorbei iſt, ſo holt er die Seite ESpec>k wieder na< Hauſe und verzehret ſie mit ſeinen Hauggenoſſen. Joh: Laszikus Polonus de diis Samog. p. 300. Hartknoc< Alt- und Neu -Preußen S. 460. 3. .Die Barſtukken. (Vergleiche die Sage von der heiligen Linde.) Die Barſtukken ſind kleine Erdmännchen, welche ent- weder viel Glü>k oder Schaden bringen, je nachdem ſie bei guter oder böſer Laune ſind. Man ſucht ſchr, ſie zu Freunden zu halten. Des Abends wird ihnen in der Scheune ein Tiſch, geſetzet, den bedec>t man ſauber mit ei- nem Tiſchtuche, und ſetzet;: darauf Brod, Käſe, Butter und Bier; dann werden ſie zur Mahlzeit gebeten. Wenn nun am andern Morgen auf dem Tiſch nichts gefunden wird, dann freuet man ſich ſehr und hoffet auf großen Zuwachs im Hausweſen. Wenn aber im Gegentheile die Speiſen über Nacht unberöhrt geblieben, dann bekümmert man ſich, und vermeinet, die Barſtukken ſeien davon gezo* gen und werden nun Schaden anrichten. Dieſer Aber- glaube iſt beſonders in Samland verbreitet. Hartknoch Alt - u. N.-Preuß. S. 461. Luc. Dav. Chron. 1. S. 86. 427, Voigt Geſch. Preuß. 1. 594. Act. Boruss. T. IIL pag. 406. V. 412. A, Die Schlangen. Die Schlangen wurden von den Preußen früher für heilig gehalten; man verehrt ſie noc< jett an manchen

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259 Orten, beſonders wenn ſie unter dem Ofen oder ſönſt an einem verborgenen Platze im Hauſe ſich aufhalten. Man ſoe>t ſie dann mit beſonderen Gebeten hervor, auf einen mit einem weißen Tuche gedeckten Tiſch, wo ihnen der Wirth ſelbſt allerlei Speiſe aufgeſetzt hat. Wenn ſie hiervon ko- ſten, ſs bedeutet dies Glüc>k. Unglück kommt aber über das Haus, wenn ſie nicht hervorkommen, oder wenn ſie wieder zurückkrießen, ohne von den Speiſen etwas zu berühren. Acta Boruss, T. Il p. 407. - Hartknoch A, v. N, P. S. 462. 5. Die. Wachholderbäume. Unter den Bäumen halten die Preußen noch - jetzt in manchen Gegenden beſonders den Wachholderbaum ſehr in Ehren, indem ſie glauben, daß in demſelben gute oder böſe Geiſter verborgen ſeien; ſo erzählt man ſich Folgendes: In dem Sudermanniſchen Kirchſpiel Oſterhamingen bei dem Gute Wendel ſteht an einem luſtigen, ründen Ort ein Wach- holderbaum, der ſeine Aeſte ſchön ausbreitet, und mit vie- lem andern Geſträuch umgeben iſt. Denſelben wollte vor mehreren Jahren ein 'Knecht von dem Gute Wendel zu feines Hauſes Nothdurft umhauen, aber ſo wie er“ die Axt angeſetzt hatte, hörte er eine Stimme, welche rief: Ich ſage dir, haue den Baum nicht um! Die Stimme kam aus dem Baume ſelbſt. Der Knecht erſchrak und ließ den Baum ſtehen, hieb aber die KENNEN Bäume ohne alles Hinderniß um. . Joh.:'Loecenius Antiquit. Suev. Goth. 1. 3. Hartknoch A. u.. N. Preußen S. 464. 6. Die EntdeFung eines Diebes. Wenn etwas geſtohlen iſt, ſo wird folgendes Verfahren beobachtet, um den Dieb zu entde>en. Man nimmt zwei *47*

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260 Schüſſeln 3 indie eine legt derjenige, dem etwas geſtohlen iſt, zwei Pfennige, - einen -für ſich und den andern für .den Dieb. Dann wird Bier in die Schüſſel gegoſſen, und ein Kreuz mit Kreide auf den Boden derſelben gemacht; zu- - leßt wird die Schüſſel geſchüttelt. An welche, Seite nun des Diebes Pfennig zu-liegen kommt, nach derſelben Seite iſt der Dieb gelaufen, .und dorthin wird. der Dieb geſucht. Vorher wird noch. die andere Schüſſel. voll Bier gegoſſen, und darüber ein Gebet geſprochen. Wenn ſich nun wäh- rend des Gebets eine Blaſe auf dem Biere zeigt,- ſo iſt dies ein gutes Zeichen, daß män den Dieb finden werde, zeigt ſich aber keine Blaſe, ſo wird das Bier ausgetrun- ken und neues in die Schüſſel gegoſſen, bis ſich zuleßt eine Blaſe zeigt. Gewöhnlich ſind in einem jeden Dorfe beſon- dere Männer, welche Schaumſcher genannt werden. Erläut. Preußen Th. 1. 434. V. 719. 7. Der Seelentiſch. - Wenn ein Litthauer geſtorben iſt, ſo kommen vier Wo- <hen nach ſeinem Begräbniß ſeine nächſten Verwandten zuſammenz ſie haben Bier gebrauet und Eſſen zugerichtet, und ſeßen ſich, wenn das Eſſen aufgetragen iſt, zu Tiſche. Die erſte halbe Stunde ſien ſie ganz ſtille und ſprechen kein Wort, eſſen auch nichts. Dann knieen ſie Alle nieder und beten zu Gott, er wolle der Seele des Verſtorbenen Ruhe. geben, darauf ſetzen ſie ſic) wieder an den Tiſch und fangen an zu eſſen und zu trinken. Aber von allem, es ſei Fleiſm, Brod oder Fiſch , werfen ſie das erſte Stüc unter den Tiſch für die Seele, Ebenſo gießen 'ſie das erſte Stof Bier unter den Tiſch für die Seele. Dies Mahl nennen ſie den Seelentiſch, und ſie glauben, die Seele könne nicht ruhen, wenn ſie ihr nicht dieſen Tiſch decken. . . Erl, Preuß, Th. 1V. S. 131, Th. V. S. 746.

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261 Hartknoch Alt- und Neu- Preußen S. 488, Acta Boruss. IL 409 5qq. 8. Das Boheiligen. Die Ceremonie des Bockheiligens ſoll noc< jetzt hin und wieder in Preußen zur Verehrung und Verſöhnung der alten Götter des Landes, obgleich ſchr im Geheimen, fortbeſtehen. 'Es kommen nämlich aus mehreren Dör- fern die Bauern in einer Scheune zuſammen. Dort wählen ſie unter ſich einen alten Mann zum Waidelotten (ſo hie- ßen die alten heidniſchen Prieſter), dann machen ſie in der Mitte -.der Scheune ein großes, langes Feuer, und nun bringen die Männer einen Bock herbei, die Weiber aber Weizenmehl , welches geknetet wird. Jſt dieſes fertig, ſo ſetzet ſich der Waidelotte auf einen erhöheten Sitz, von welchem er an die Verſammelten eine Rede hält, über die Urankunft des preußiſchen Volks und das Land, über deſ- ſen Heldenthaten und Tugenden, über die Gebote der Götter, und 'was ſie von den Menſchen fordern. Dann führt er den Bock in die Mitte der Verſammlung, legt ſeine' Hände auf ihn, und ruft alle die alten Götter nach der Reihe an, daß ſie gnädig herabſchauen wollen, Darauf fallen alle Anweſenden vor dem Waidelotten in die Kniee und beichten ihm mit lauter Stimme ihre Sünden, mit wel- <hen ſie vermeinen, die Götter zum Zorne -gereizt zu haben. Darauf ſtimmen ſie einen Lobgeſang der Götter an; faſſen nun alle den Bock an, heben ihn in die Höhe, und" halten ihn ſo lange, bis der Lobgeſang zu Ende iſt. J|t dieſes geſchehen, ſo ſeßen ſie den Bock auf die Erde, und der Waidelotte ermahnt nun das Volk, das Opfer mit tiefer Demuth zu verrichten, und ſo, wie 'es von ihren Vorfahren auf ſie gekommen, - es auch auf ihre Nachkommen zu brin- gen. Alsdann ſchlachtet er den Bock, fängt das Blut in

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262 einer Schüſſel auf, und beſprengt die Herumſtehenden da- mit, giebt auch Jedem etwas davon in ein Gefäß, um es nachher dem Vieh zu trinken zu geben, welches dadurch gegen Krankheit beſchüßt wird. Darauf wird der Bock in Stücke gehauen, welche auf Brettern über das Feuer “gelegt werden, um zu braten. Während des Bratens fallen ſie Alle wieder in die Knice vor dem Waidelotten, der ſie nun für die vorhin gebeichteten Sünden ſtraft, in- dem er ſie ſ<lägt, an den Haaren reißt u, ſ. w. Doc< bald kehrt ſich dies um, und ſie fallen jetzt über den Waide- lotten her, den ſie eben ſo reißen und ſchlagen. Wenn dieſes geſchehen, ſo machen. die Weiber aus dem mitge- brachten Mehl Kuchen. Dieſe werden aber nicht in einem Backofen gebacken, ſondern ſie geben ſie den Männern, welche ſic< zu beiden Seiten des Feuers ſtellen und die Kuchen, einander durch das Feuer ſo lange zuwerfen, bis ſie gar ſind. Zulcßt geht dann das Eſſen und Trinken an, welches den ganzen Tag und die folgende Nacht dauert. Was von dem Mahle übrig bleibt, wird ſorgfältig vergraben, Durch ein ſolches Opfer glauben ſi ſie die Götter ſich beſonders gnädig zu machen. In Samland wird auf. dieſe Weiſe eine Sau gehei- ligt oder geopfert, beſonders um dadurch einen reichen Fiſchfang zu erwerben. Dieſe Opfer werden übrigens alle ſehr heimlic< betrieben; und als einſtmals zufällig ein Fremder dazu gekommen, hat er nur mit vieler Noth ſein Leben retten können. Hieron. Meletii: Wahrhaftige Beſchreibung der Sudawen ſammt ihrem Boyeiligen. Erl. Preuß. Th. V. S. 701 fgg. Hartknoch Alt- und KERL S. 171 fgg. ' Leo hist. Pruss."p. 49.

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263 9, Das Viehaustreiben. Wenn zum Frühjahre das Vieh zum erſten Male ausgetrieben wird, ſo muß der Hirtenjunge im Dorfe von Haus zu Haus laufen, an die Fenſter klopfen und rufen: Löſcht das Feuer aus, ſpinnt und haspelt nicht, aber treibt das -Vieh aus! 'Der Hirt hat unterdeſſen aus der Kirche Sand 'geholt, den er auf den Weg ſtreüuet, über den das Viel) aus dem Hofe gehen muß. Jn jeden Thorweg legt er..zugleich eine Holzart mit der Schärfe nach dem Felde hin; darüber muß das Vieh gehen. Der Hirt gehet dann voran, ſpricht aber kein lautes Wort, bekümmert ſich auch nicht um die Heerde, die nur von dem Hirtenjungen zu- ſammengehalten wird, ſondern macht allerlei Kreuze, ſegnet das Vieh und murmelt. Gebete, bis er im Felde iſt, Die Axt im Thorwege bedeutet: der Wolf ſolle vor der Heerde laufen, wie er vor der Schärfe der Axt läuft. Der Sand aus der Kirche bedeutet: das Vieh ſoll ſich auf der Weide beiſammen 'halten, wie die Menſchen in der Kirche, Been: Prov. - Bl. Th. V11U. S. 490. 10. Der Hexeuglaube. Sehr verbreitet und feſtgewurzelt iſt in Preußen in früherer Zeit der Glaube an Zauberei und Hexerei ge- weſen. Eine große Anzahl von Hexenproceſſen, von denen die Akten theilweiſe bis auf unſere Zeit gekommen ſind, geben davon einen .nur zu unwiderleglichen Beweis, Und auch bis jeßt haftet dieſer Glaube wenigſtens in einigen Gegenden beim Volke, wie dies ſc<haudererregende Vor- fälle der neueſten Zeit und ſo manche, dieſem Glauben ge? fallene Opfer dargethan haben. Die Hexen hielten au<? in Preußen auf ſogenannten Blocksbergen ihre nächtlichen VBerſammlungenz ein ſolcher -

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264 dag unter andern bei Pogdanzig im Schlochauer Kreiſe. Zweimal des Jahres, auf Volbrecht (Walpurgis) und Jo- hannis, verſammelten ſich dort Männer und Weiber. Sie ritten meiſtens auf einer Garſtell, einem Werkzeuge, deſſen man ſich bedient, um das Brod in den Ofen -zu ſchieben, oft auch auf einem ſchwarzen dreibeinigen Pferde dorthin, und zwar durch den Schornſtein und mit den Worten: „auf und davon und nirgends an.“ Wenn alles zuſammen war, ward geſpeiſt und dann auf einer geſpannten Leine unrechts (linksherum) getanzt, wozu. ein alter Mann auf einer Trommel und' einem Schweinskopfe muſicirte. Zu der Fähigkeit zu hexen gelangte man hauptſächlich durch den Beſitz eines Geiſtes. Dieſe Geiſter, welche mei- ſtens den Namen Lucifer, Nickel, Firley, Dribulte, Chim, Klaus u. ſ. w. fähren, waren zuweilen als ſchwarze Katzen, als Miſtkäfer , als ſ<warze Hündchen , - ſehr oft auch als Viferizen (Eichhörnchen) geſtaltet, bei der Ausfahrt auf den Blocsberg auc< als Böcke; die der Männer waren weiblichen, die der Weiber waren männlichen Geſchlechts, des Buhlens wegen. Erworben wurden ſie bakd durch Kauf, bald durch Schenkung; ja man gab ſie den Töch- tern als Ausſtattung mit. Wer einmal einen ſolchen Geiſt beſaß, konnte ſich ſeiner nicht entledigen, er fand denn je- mand, der ihn abnahm; warf er ihn ſonſt fort, ſo hatte er zu beſorgen, daß der Geiſt ihn ſelbſt beſchädige. Manche beſaßen auch zu gleicher Zeit mehrere Geiſter. Der Kaufpreis war meiſtens ein bis drei Gulden preußiſch (140 Sgr. bis 4 Rthlr.). Die Ueberlieferung erfolgte ges wöhnlich in einem „Dunk Hede“ eingewickelt in einem Kober. Die Geiſter wurden nun theils dazu gebraucht, um die Gebieter mit Geld, Lebensmitteln 2c. zu verſorgen, theils um denſelben an ſeinen Feinden zu rächen, auch um jenen zu hinterbringen, wie es anderswo hergehe. Auf Befehl

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265 des Herrn tödteten ſie Menſchen und Vieh. Sollte “jemand gelinde: fortkommen, ſo flogen die- Geiſter ihm an die Füße und machten ihn lahm. Dafür mußte der Gebieter ſie füttern, gewöhnlich mit Milch und ähnlichen Speiſen, zuweilen aber auch mit Hoſtien. Hin“ und wieder über- warfen ſich die Geiſter mit ihren Beſitzern ſelbſt und flogen dann letzteren an die Füße, was dann die Folge hatte, daß dieſe 'von Stund" an hinkten, ohne daß ſie davon härten geheilt werden können. Aber auch ohne den "Beſitz eines ſolchen Geiſtes gab es Mittel, vermöge welcher man zu hexen vermochte. Zu dieſen gehörte namentli< , wenn man an einem Sceide- wege, unter Herſagung von Beſchwörungsformeln und An- rufung des Teufels, Erde grub, welche dann diente, um fremdes Bieh zu beſchädigen, ihm die Milch zu nehmen u. ſ. w.z; ferner wenn man einen Trank von beſtimmten Kräutern einrührte und vor der Thüre deſſen, welchem man ſchaden wollte, ausgoß. Eine Kette, vom Hochgerichte geholt, und unter der Schwelle des Hauſes vergraben, brachte gute Nahrung; Zugnägel, aus den vom Galgen genommenen Kopfnägeln geſchmiedet, dienten gegen die Ermüdung der Pferde; der abgeſchnittene Finger des Ge- richteten, in das Bierfaß gethan, brachte guten Bierſtand z auch Oblaten, beim Genuß des heiligen Abendmahls wieder aus dem Munde genommen, in ein Stück Papier oder Leinwand gewickelt und ſo verwahrt, brachten Glück. So that man ſie z. B. beim Säen in das Säelaken, damit das Korn um ſo beſſer gedeihe. Krankheiten hexte man ſeinen. Feinden dadurH an, daß man ihnen bezauberte Haare nachwarf, oder ſolche - vor eine Thüre hinſtreute, durch welche der zu Beſchädigende hindur< gehen mußte. Auch Kränze, in welche Schlangen und Kröten hineinge- flochten waren, dienten zur Hexerei. -

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266 Vorzüglich geeignet -zur Ausübung von allerhand Zau- berei waren die E>häuſer; über ſie übte der Teufel eine beſondere Gewalt aus. Für Räuber und Diebe galten als ein. Schutzmittel die Herzen ungeborner Kinder; dieſe wurden roh, wie ſie dem Leibe der Mutter und dem Körper des Kindes ent- riſſen waren, in ſo viel Stücke geſchnitten, als Theilnehmer waren, und deren eins von jedem. derſelben genoſſen. Wer ſo von neun Herzen gegeſſen, konnte, welchen Diebſtahl oder ſonſtiges Berbrechen er immer begehen mochte, dabei nicht ergriffen werden, und wenn er dennoch durch einen Zufall in die Gewalt ſeiner Gegner gerathen ſollte, ſich unſichtbar machen und ſo ſeinen Banden ſich wieder ent- ziehen. Die Kinder mußten aber männlichen Geſchlechts ſein; weibliche taugten dazu nicht. Die Bande des Räu- berhauptmanns. König Daniel, ;: wie er von den Seinen, Kix Teufel aus der Hölle, wie er vom Bolke genannt wurde, welche in der Mitte des ſiebzehnten Jahrhunderts das Ermeland in Schrecken ſetzte, bekannte nach ihrer Er- greifung, daß ſie bereis vierzehn ſchwangere Weiber zu je- nem Zwecke - getödtet, jedo< nur in den wenigſten männ- liche Kinder gefunden habe. Ein anderes Mittel , "deſſen ſim die Diebe bedienten, um unentdeckt zu bleiben, waren Lichter oder Lampen von Menſchenfett. Denn dieſen ſchrieb man die Kraft zu, daß, wenn man ſi< damit in Wohnungen begebe, die Schla- fenden nicht aufwachten, und :daß weder der Zugwind noch etwas Aehnliches ſie auszulöſc<hen vermöge. Nur mit Milch konnten ſie ausgelöſcht werden. War eine Uhr im Zimmer befindlich, ſo mußte dieſe gleich angehalten wer- den; auc< dies ſchüßte vor Entde>ung. Hatte der Dieb das Zimmer aber bereits wieder verlaſſen und deſſen Thüre verſchloſſen, ſo mußte er durc< deren Riten Waſſer hin-

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267 eingießen. Lief dies dann. in die Stube, ſo war es eln - unfehlbares Zeichen, daß er nicht werde entdeckt werden. Aber es gab nicht nur Mittel, welche gegen die irdi- ſche Strafe ſicherten, ſondern ſelbſt ſolche, die das Gewiſſen beruhigten. Denn wer einen Andern ermordet hatte, * brauchte „nur ein Stück aus deſſen Leibe auszuſchneiden, ſolches zu braten und zu verzehren, und er gedachte fürder ſeiner Uebelthat nie wieder. Die für den Thäter ſelbſt am wenigſten gefahrvolle Art, einen Feind aus dem Wege zu ſchaffen, war das Todtbeten. Dies beſtand darin, daß man einen der Pfſal- men rückwärts las und hinter jedem Verſe den Namen des Gegners nannte. Jn Litthauen gab es eine Art Zauberer, die den Na- men Szynys führten, und die, wenn ſie von einem Men- ſchen ein Hemde oder ein anderes Kleidungsſtück bekommen konnten, machten, daß er vertrocknete oder aufſchwoll oder Reißen in ſeinen Gliedern bekam, ſo daß er nicht bei Nacht nicht bei Tage Ruhe hatte, bis er hinſtarb. Vermochten. ſie aber kein Kleidungsſtäck zu erhalten, ſo ſuchten ſie auf dem Wege, wo der, dem ſie ſchaden wollten, gegangen, die Spur ſeines Fußes auf, ſchnitten ſolche, ſammt der ſie umgebenden Erde aus, und“ begruben ſie unter allerhand Beſchwörungsformeln auf dem Kirc<hofe, wodurch ſie be- wirkten, daß derſelbe, bald nach längerer bald kürzerer Qual hinſtarb. " Nad) mündlichen Ueberlieferungen und ungedruten Hexenpro- ceßakten vergl. Preuß, Prov. - Blätt, Bd. 11. S. 405 fgg. Bd. I1V. S. 255. Zerne>ke Thornſch. Chron. S. 279. Erläut. Preuß. Th. IV. S. 50 -- 70. Leo histor. Pruss. pag. 497. Henneberger Erklärung S. 441. 11. Das Beſchwören. So wie man nun meint, daß Hexen und Zauberer Anderen zu ſchaden vermögend wären, ſo glaubt man auch,

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268 daß es eine Kunſt giebt, welche durch Anwendung über- natürlicher Mittel eine Beſchädigung, ſei ſie durch Be- hexung oder auf andere Weiſe herbeigeführt, aufheben fönne. Bor allem traut 'man den katholiſchen Geiſtli- <hen dergleichen Kenntniſſe zu. 'IJn vielen Gegenden Preu- ßens,, beſonders in Litthauen, iſt es üblich, das Vieh vom Geiſtlichen geweihte Kräuter freſſen zu laſſen. Der Lit- thauer wendet ſich deshalb aber nicht an ſeinen Prediger, von dem er behauptet, daß er das Weihen nicht verſtehe, ſondern läßt ſich zu dieſem Zwe> mit großen Koſten einen Fatholiſchen Prieſter von auswärts kommen. Auch das proteſtantiſ<e Landvolk in Weſtpreußen wendet ſich, wenn es durch unmittelbare Vermittelung des Himmels etwas erreichen will, z. B. die Entde>ung eines Dieb- ſtaßls, ni<t an ſeinen eignen, ſondern an einen katholiſchen Geiſtlichen. Ja ſogar gegen ganze Landplagen wird des Letzte- ren Hülfe in Anſpruch genommen, und es wurde, als ſich vor wenigen“ Jahren in einer Gegend Weſtpreußens eine Zeit- lang Heuſchreken in ſol<er Maſſe zeigten, daß ſie alle Felder zu vernichten drohten, dann aber plößlich wieder verſchwanden, vom Landvolke allgemein behauptet, ein Geiſtlicher habe durch ſeine kräftigen Beſchwörungsfor- meln das Ungeziefer ſämmtlich in die benachbarten Seen getrieben, in welchen es umgekommen wäre. Es giebt - felbſt noc< jeßt Leute in einigen Gegenden Preußens, die ein förmliches und ſehr einträgliches Gewerbe daraus ma- <en, „behexte Leute und Vieh von dem, was ihnen ange- than iſt, zu befreien, ja Feuersbrünſten Einhalt zu thun. Sie bedienen ſich hierzu gewiſſer feſtſtehender Formeln, wie die nachſtehenden es ſind, welche aus einem alten, bei Ge» legenheit einer kürzlich ſtattgefundenen Criminalunterſuchung indie Hände der Herausgeber gelangten, in pokniſcher Sprache abgefaßten Beſchwörungsbuche-entnommen worden.

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- 269 Beſchwörung behexten Viehes. Im Namen Gottes des Baters, des pile und des heiligen Geiſtes. Amen. . Jch beſtimme 2e. 2c. 2x. nicht mit meiner. * Macht, ſon- dern mit des Herrn Jeſu Hälfe und der heiligen Jung» frau Beiſtand. Es ging der Herr Jeſus auf den Oelbergz es nahm der Herr Jeſus ein weißes Stöckchen in ſeine Hllerheiligſte Hand, da befielen ihn tolle Hunde, ſie riſſen dem Herrn Jeſus die Kleider entzwei und "dem. heiligen Leibe geſchah nichts. So wie dieſem gerechten Herrn und dem heiligen Johannes nichts geſchah, ſo, wird. auch dieſem Bieh von der Raſerei nichts geſchehen, nicht mit meiner Macht, ſondern mit des Herrn Jeſu Hülfe. + Und die heilige Jungfrau- bittet ihren Sohn, daß nichts geſchehe. == Nicht mit meiner Macht, ſondern mit des Herrn Jeſu Hülfe, ; .Der heilige Johannes hat den Herrn Jeſum im Jordan getauft und die Maria Magda- lena war bei der Taufe. ' Der -Jordanfluß ſtand, und ſo wird auch dieſe Raſerei aufhdren, "niht mit meiner Macht, ſondern mit der Hülfe des Herrn Jeſu, der heiligen Drei- einigkeit, der allerheiligſten Jungfrau und aller Heiligen. --“ So fallen meine Worte auf dieſes von Raſerei Er- griffene, nicht aber .mit meiner Macht, „ſondern des Herrn Jeſu, der allerheiligſten Jungfrau Maria. und aller Heiligen Hülfe. + Schon habe ich. zetzt geendigt bei dieſem Brüllen, Wiehern 2c, 2c..,mit. Gott dem Vater, dem Sohne und ' heil, Geiſte. Amen. EPE „ein: Die ſämmtlichen Heiligen ſi ſind barfuß erſchienen, ſo wird auch dieſe Raſerei erſcheinen, niMt mit meiner Macht, ſondern mit der Hülfe des Herrn Jeſu, und ſo wie dieſes Waſſer fällt, ſo wird auch die Raſerei von dieſem Vieh

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270 abfallen, nicht mit meiner Macht, ſondern mit des Herrn Jeſu und aller Heiligen Hülfe. Amen. + Bei jedem Kreuze ſind zu beten: ein Vater unſer und ein engliſcher Gruß. ' - (Die ganze Formel wird hierauf mit geringer Abwei- <hung noh zweimal wiederholt.) Die nachſtehenden Formeln, auf kleine Zettel geſchrie- ben, und eingegeben oder zum Einreiben gebraucht, dienen gegen Krankheiten verſchiedener Art, die erſtere insbeſon- dere gegen die Folgen des Biſſes eines tollen Hundes. SATOR AREPO TENET j] OPERA ROTAS -------- Jran + Tiran + castan + cacasten + Eremiton + in + nomine + Patris + et + Filü et + spiri. + zanct. + Amen +.“ FEEN

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271 4 Abracadabra abracadabr äbracadab abracada abracad abraca abrac abra abr ab 1. a.“ aron + y aran + 8yran + cyron + ceraston + crisan. castan + Bastan + 8yran 7 castan + operam + catba + eron + et Stacyden + . tetragramatan + et ay + ' ab onay + ostanum + ab unos + avit + militia + et + lingua + continab +. + davin + et + verbum 4 curo + factum + et XXXXXX et habitavi + + EEXXXXXXX Aufhebung der Behexung eines Menſchen. Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geiſtes; Amen.

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272 I< beſtimme die Aufhebung der Behexung nicht mit meiner Macht, ſondern mmit des Herrn Jeſu Hülfe. So wahr als der Herr Jeſus . unter dem Kreuze geſtanden, ſo wird auch dieſe Behexung aufhören; nicht mit meiner Macht, ſondern mit des Herrn Jeſu und der allerheilig- ſten Jungfrau Maria Hülfe. Wie meine Worte fallen, ſo wird auch die Behexung fortfallen, nicht mit meiner Mat, ſondern mit des Herrn Jeſu und aller Heiligen Hülfe. Dreimal Amen zu ſagen... Dreimal Ave Maria zu beten. Beſchwörung des Natterſtichs. Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen ' Geiſtes. Amen. “ Die Schlange hat gebiſſen; der Teufel hat der Schlange das eingegeben; der Herr Gott hat dich erſchaffen, der Herr Gott hat dir die Macht nicht gegeben; du ſollſt die- ſes Gift ſchleppen über" die Wieſen, Brücher, Felder, wo es nichts ſchaden wird, nicht mit meiner Macht, ſondern mit des Herrn Jeſu Hülfe. 4 Dreimal Amen ſagen und drei Ave „Maria beten. “"Blutſtillen. ' In nomine Patris et filii et spirifus gancti. Amen. Eo wie 'der Ehebrecher in der Hölle" erſcheinen, ſo wie der Hexenmeiſter in der Hölle erſcheinen wird, ſo wird auc< das Blut aufhören," was ich beſtimme nicht mit mei- ner Macht, ſondern mit des Herrn Jeſu Hülfe. Ein Vater Unſer und drei Ave Maria zu beten. « So weit das Beſchwörungsbuch, Wenn nun auch der Aberglaube in der craſſen Form, wie er hier erſcheint,

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273 in manchen Gegenden: namentlich Oſtpreußens“ jetzt keinen Anklang mehr finden würde, ſo -iſt doch der- Glaube, daß es. möglich ſei, Krankheiten und körperliche Schäden durch Beſprechen zu -heilen,. durc< 'die ganze Provinz verbreitet, und er beſchränkt: ſich nicht einmal immer auf die unter- ſten Volksöklaſſen. Vorzugsweiſe ſpielen hier alte Weiber eine: bedeutende Rolle. «Eine: ziemlich.:gewöhnliche Heilmethode der Art iſt fol» gende.:“ Der Beſprecher ſteht mit -dem Kranken vor Son- nenaufgang oder :nac< Sonnenuntergang. unter freiem Him» mel mit -entblößtem Haupte, legt ihm die Hände auf den Kopf, murmelt die Beſprechungsformel, ſpeit dreimal auf die Erde, und geht 'dann ſtumm: davon. Gegen. das Behextwerden bedient man ſich auch. mans rberlei. Präſervativmittel, ſo des Tragens von Amuleten, beim Vieh, wie bereits erwähnt ward, des Freſſens geweih- ter Kräuter. Füllen ſchützt man dadurch gegen das -Bes -Hextwerden, daß man ſie ein rothes Band um den Hals tragen läßt. 12. Die Nachtwandler. Sehx verbreitet iſt in :Preüßen der Glaube, daß es Menſc<en gebe, welche dazu beſtimmt ſind, bei Lebzeiten Nachts ruhelos umherzuſchweifen oder Qualen zu erdulden, Einige müſſen hinaus auf das Feld, um dort mit bloßen Händen die Dornen abzureißen, andere durch große Ges wäſſer ſchwimmen , noc< andere ſich in Flammen ſtürzen. Häufig gehen hierbei mit ihnen Verwandlungen vor ,--ſo öfters tin Reifen, die meilenweit zu laufen haben, ſehr häufig auch :in Katzen, Erſt wenn der Tag, zu grauen bes ginnt, iſt.es ihnen geſtattet, heimzukehren und die. menſch» liche Geſtalt wieder anzunehmen. Während ſie ihre nächte lichen Qualen erdulden, pflegen ſie geiſtliche Lieder zu: ſingen, 18

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274 So hörte einſtmals auf einem Dorfe unfern Marienwer- der eine Frau des Nachts vor ihrem Hauſe ein: geiſtliches Lied mit heller Stimme ſingen; und äls-ſie hinaystrat, um fich zu überzeugen, wer dort 'wäre, kamen die“ Töne von einem Tonnenreif, der mit unglaubliher Geſchwindigkeit vor ihrer Thüre im Kreiſe umherlief. Sie eilte herbei, um ihn zu erhaſchenz er lief aber ſo ſchnell fort, daß er ihr bald aus den Augen war. ==. Durch die“Qualen und An- ſtrengungen, denen dergleichen Menſchen unterliegen, wer- den ſie ſo abgemattet, daß ſie ein ſc<wächliches Ausſehen haben, ſtets ſiechen und früh .dahinſterben. : Doch iſt auch zuweilen Heilung möglich. So war in einem Dorfe unfern Rieſenburg ein junges Mädchen, welches ſic<, ohne daß ſie ſelbſt. etwas davon ahnte, nächtlich in eine ſchwarze Katze verwandelte. Nur war es ihr am Morgen immer geweſen, als wenn ſie einen ſehr böſen Traum gehabt; dabei fählte ſie ſehr große Er- mattung, und täglich ſ<wand mehr die Farbe der Geſund- heit von ihren Wangen. Jn jener Verwandlung aber mußte ſie zu einem jungen Burſchen, ihrem Verlobten, und dieſen die ganze Nacht zerkfraßen und ſönſt peinigen. Einſt glückte es dieſem aber, ſie zu ergreifen, worauf er ſie in einen Sack ſteckte und leßteren “zuband: . Aber wie groß war ſeine Ueberraſchung, als er am Morgen in. dem Sacke, ſtatt der Kaße, ein unbekleidetes Mädchen fand und in dies ſem feine Braut erkannte, Da wandte er ſiH an den Pfarrer des Orts, erzählte was ſich zugetragen, und lette» rem glückte es denn auch, die Nachtwandlerin von ihrem Uebel zu heilen. > Mit dem eben geſchilderten Abergzlauben “iſt der an das Alpdrüen nahe verwandt," Es "iſt “der Mahr oder Alp 'der Geiſt eines alten Mannes odex Weibes ohne Haare, oft mit Fittigen, welcher des Nachts ſowohl Menſchen- als

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275 Vieh drückt, indem er ſich auf ſie hinhockt. Hiergegen kann man ſich aber dadurch ſichern, daß man beim Schla- fengehen die Schuhe ſo ſtellt, daß ſie mit den Spitzen nach dem Bette zu ſtehn, oder daß man einen Strauchbeſen vor das Bette hinſetzt, auf welchen der Alp ſich dann nieder- legt. = Jn Preußen giebt es auch ein Sprichwort: Die ſchwarze Kuh hat ihn gedrückt, womit man Jemanden be- zeichnet, der durch erlittenes Unglü> muthlos geworden iſt, und das wohl einem ähnlichen Glauben ſeine Entſtehung verdankt, 13. Die Blutſauger. Faſt ganz allgemein iſt noc< bis auf den heutigen Tag unter dem Landvolke Preußens der Glaube an Blutſauger. Es ſind dies Leute, die, nachdem ſie begraben worden, nächtlich wieder auferſtehn und ihren zurückgebliebenen Angehörigen das Blut ausſaugen, ſo daß dieſe hinſterben müſſen. Nicht eher haben ſie Ruhe, als dis ſämmtliche Mitglieder der Familie auf dieſe Weiſe ihnen ins Grab gefolgt ſind. Das einzige Mittel dies zu verhindern iſt, - daß man entweder vor dem Begräbniß, denn man kann den Blutſauger daran erkennen, daß er nach dem Tode die rothe . Geſichtsfarbe beibehält, oder, wenn jene Eigenſchaft erſt ſpäter bemerkt worden, nachdem die Leiche wieder aus- gegraben worden iſt, derſelben den Kopf abſchneidet und ſolchen zwiſchen die Beine legt, Fließt: dann das Blut noch, ſo iſt dies ein untrügliches Zeichen, daß der Berſtor? bene wirklich ein Blutſauger war. Dies Blut wird auf: gefangen und ſämmtliche Mitglieder. der Familie müſſen davon. trinken. Hierdurch. werden ſie vollkommen geſichert. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts - ſtarb ein Mitglied der von Wollſchlägerſchen. Familie: in Weſtpreu- ßen; mehrere ſeiner Verwandten folgten ihm ganz unver- 18 *

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276 muthet, und ohne daß die Veranlaſſung ihres Todes klar war, in Kurzem nach. Man wollte ſid auch erinnern: daß das Antlitz des Verſtorbenen die rothe Farbe nicht ver- loren gehabt, und es entſtand daher die Ueberzeugung, daß derſelbe ein Blutſauger ſei. Es ward ein Familienrath gehalten und“ darin beſchloſſen, daß der im Jahre 1820 als Landſchaftsdirektor in hohem Alter verſtorbene Joſeph von Wollſchläger, damals noch ein junger Mann, da er für den Beherzteſten und Unerſchro>enſten galt, ſeinem ver- ſtorbenen Oheim den Kopf abhauen ſolle. Von einem Mönch des Bernhardinerkloſters Jacobsdorf begleitet, begab er ſim in die Gruft dieſes Kloſters, wo der Verſtorbene beigeſeßt war, jeder mit einer Kerze in der“ Hand. Der Sarg wird geöffnet und der Leichnam emporgezogen, um den Hals auf den Rand des-Sarges zu legen. Die natür- liche Bewegung, welche das in Folge deſſen zurückſinkende Haupt macht, jagt dem Mönche ſolches Entſetzen ein, daß er die Leuchte fallen läßt und entflieht. Obwohl allein, verliert Wollſchläger. doc< nicht die Beſonnenheit; mit dem mitge» brachten Beile ſchlägt er den Kopf ab; aber ein mächtiger Strahl. Bluts ſpringt ihm entgegen und verlöſc<ht auch die einzige noch übrige Kerze. Nur mit Mühe glückt es ihm in der faſt gänzlichen Finſterniß, etwas Blut in einem Becher aufzufangen und mit dieſem heimzukehren. Aber die That, welche. die Seinen ſichern ſollte, hätte faſt dem Vollbringer das Leben gekoſtet. Gleich nac< der Rückkehr fiel er in -eine lebensgefährliche Krankheit, die ihn mehr denn ein halbes Jahr am Rande des Grabes hielt. Die Leiche . mit. dem Haupte zwiſchen den Füßen iſt bis heuti- gen Tages. in. der Gruft des Kloſters Jacobsdorf, und zwar in deren mittleren Kammer, wo ſich das Erbgewölbe der Wollſchläger befindet, zu ſehen. Als in der Gegend voa Conitz in der neueſten Zeit die

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277 Cholera zuerſt auftrat, -da zeigte ſich von neuem, wie feſt jene Sage im Volke gewurzelt ſei. An mehreren Orten wollte man die zuerſt von der Seuche Hingerafften wieder ausgraben, weil die ihnen bald nachgefolgten Hausgenoſſen glauben ließen, daß ſie Blutſauger wären, und es bedurfte durchgreifender Maaßregeln von Seiten der Behörde, um die Ausführung jener Abſicht zu verhindern. An einigen Orten iſt der Glaube, daß der Erſte, wil <er an einer Seuche ſtirbt, im Grabe aufrecht ſize und das Laken verzehre, und ſo lange er daran zu zehren habe, das Sterben nicht aufhöre, wenn man ihn nicht wieder ausgräbt und ihm mit dem Spaten den Hals abſticht. Nach mündlicher Ueberlieferung; vergl. Henneberger Erklärung GS. 324, . 14. Die bedeutungsvollen Tage. Mit vielen Tagen des Jahres, namentlich Feſttagen, verknüpft das Volk einen beſonderen Aberglauben. Der wichtigſte -unter dieſen iſt der St. Johannistag. An dem. Abende, der ihm vorhergeht, iſt es no< an vielen Orten Preußens und Litthauens üblich, große Feuer, die Johan- nisfeuer, anzuzünden. Man ſieht dergleichen dann auf allen Höhen, ſo weit das Auge reicht, flammen. Dieſe Feuer helfen . nict nur gegen Gewitter, Hagelſchlag und Viehſterben, beſonders wenn man am folgenden Morgen das Vieh über die Brandſtelle auf die Weide treibt, ſondern auch gegen allerlei Zauberei, namentlich Milchbenehmung. Darum gehen die jungen Burſchen, welche das Feuer angezündet, am folgenden Morgen von Haus zu Haus und ſammeln Milch ein. Auch ſteckt man an jenem Abende große Klet: ten und Beifuß über das Thor oder Hee, durch welches das Viel) geht, denn ſolches iſt gleichfalls gegen Hexerei gut. An der Samländiſchen Küſte fahren die Schiffer an

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278 dem Johannistage und an den nächſtfolgenden Tagen nicht zur See, weil, wie ſie behaupten, das Meer dann hohl geht und ein Opfer fordert. Aber eben ſo halten ſie es auch für verderbenbringend, am Sonntage auf Fiſchfang auszuziehn. Wenn man am Chriſtabende Erbſen und Weizen zu- ſammengemiſcht in die Ställe wirft, ſo gedeiht das Vieh gut, Gänſe .und Hühner, wenn man ſie mit Weizen und Erbſen, die man während des Gottesdienſtes am Weih» nacht5stage in der Taſche bei ſich getragen, füttert. Am heiligen Dreikdnigsabend muß man an alle Ställe, auf die Eimer und die übrigen Gefäße , welche zur Fütte- rung dienen, 'mit Kreide das Zeichen des Kreuzes malen. Am Oſtermorgen, vor Sonnenaufgang, ohne daß man dabei ſpricht, aus einem flicßenden Gewäſſer geſchöpftes Waſſer erhöht beim Waſchen die Schönheit. An man- <en Orten begießen ſi an dieſem Morgen Jünglinge und Mädchen gegenſeitig mit Waſſer, denn dies ſoll die Geſund- heit erhalten. Am Jacobitage muß alle Feldarbeit unterbleiben, widrigenfalls das Gewitter einſchlägt. Eben ſo darf am Johannistage nicht gearbeitet werden. Auch wer an einem dritten Feiertage arbeitet , wird von Unglü> heimgeſucht. Eine Arbeit, die am Frohnleichnamstage begonnen iſt, geräth) wohl. Am Tage der Beſchneidung des Herrn macht man, um zu erfahren, ob es einem entfernten Lieben wohlgeht, ſein Bild von Teig und legt es in den Ofen. Geht es hoch auf, ſo iſt es-gut, geht es nicht auf, übel mit ihm beſtellt, oder er wohl gar todt. Am Spylveſterabende legt man ſich drei aufgeſchriebene Wünſche und eine Niete unter das Kopfkiſſen; was man von dieſen am folgenden Morgen zuerſt in die Hand

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* 279 bekömmt, „geht in, Erfüllung, Sieht man an jenem Abende zun- Mitternacht in den Ofen, ſo erblickt 'man den oder die Zufünftige. Auch.iſt der Spylveſterabend beſonders geeig- net, nor auf andere Weiſe durch Glückgreifen, nachdem man. allerlej ſymboliſche „Gegenſtände aus Teig geformt, Weefen eines Schuhs oder Tuches über den Kopf, welches erſtere, je nachdem die Spitze auswärts oder einwärts ge- kehrt iſt, anzeigt, ob man im Laufe des bevorſtehenden Jahres -das Haus verlaſſen werde, oder nicht, letzteres aber durch die Geſtalt, die es bildet, den Anfangsbuchſtaben des Namens der Zukünftigen kund giebt, und durch Zinn- oder: Wachsögießen ſein zufünftiges Schickſal zu erfahren. Vergl. Sim. Grunau's Chron. Tr. X1V. C. 2. Henneberger Er- klärung S, 323. Erl. Preuß, Th. 1. S. 137. Preuß. Provinz.-Blätt. Th. VU. S. 258 fgg. 15. Vorbedeutungen und Anzeichen. Aus. der Farbe des Bruſtbeins der Gans kann man die Witterung des bevorſtehenden Winters entnehmen; denn wenn. es hell und klar iſt, ſo wird es einen ſtrengen Win- ter geben, wenn es dagegen grob und dunkel iſt, ſo ſteht viel Schnee und laues Wetter bevor. Kinder, die am Sonntage geboren ſind, müſſen an einem Werktage getauft werden, ſonſt ſehen ſie, erwachſen, Gei- ſter. .und ſelbſt den Tod, wie er Menſchen abholt. Wenn ein Mädchen und ein Knabe zuſammen getauft werden, ſo muß der Prediger an jener zuerſt die Tauf- handlung vollziehn, ſonſt bekömmt ſie einen Bart und bleibt unverheirathet. Wenn die Pathen während der Taufhandlung an Mondſucht oder ein ähnliches Uebel denken, ſo ſtößt dies ſpäterhin dem Täuflinge zu. Wenn ein Kranker auf die Frage nach ſeinem Befinden

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'280 antwortet, er ſei ſehr krank, ſo muß er in ſelbiger Krank heit ſterbenz antwortet er aber: es geht mir wie Gott mein Herr will, ſo wird er wieder geſund. Wenn die, welche eine Wöchnerin beſuchen , 'indem ſie den Neugebornen beſehen, ſprec<en? Ei, das iſt» ein ſchön Kind! ſo haben ſie es berufen und das Kind- "ukeß jung ſterben. Wenn jemand ,- zum erſten Male in einen Ott -odevr ein Haus kommend, zuerſt mit dem linken Fuß hineintritt, ſo wird es ihm darin übel, mit dem rechten <.0 wohl ergehen. Wenn der Uhu drei Nächte hinter eiänder auf einem Hauſe ſchreit, ſo giebt es darin eine Leiche, Wer von den beiden jungen Eheleuten in der Nacht nach der Trauung zuerſt einſchläft, oder auf weſſen Seite die Kerzen während der Trauhandlung minder hell bren? nen, ſtirbt zuerſt. " Wenn jemand fährt oder reitet und. ihm ein Fuchs oder Haſe über den Weg läuft, ſo wird er Schaden leiden. Schaafen begegnen, bringt Glück, Schweinen -- Un: glück. Wenn man beim Ausgehen auf einen Gebrechlichen trifft, ſo muß man heimkehren und ſich ſegnen, ſonſt bringt es Unglück. Begegnet man 'aber einem Geſunden, beſon- ders zu Pferde, und wird man mit lauter, vernehmlicher Stimme begrüßt, ſo bedeutet dies Glück. Blaſen auf der Zunge bedeuten, daß man belogen iſt, Klingen im rechten Ohre, daß Gutes, im linken, daß Bös ſes von Einem geſprochen wird. Elſtern, die an den Fen- ſtern ſchrein, verkünden ungern geſchene Gäſte, eine kakelnde Henne, oder Hunde, welche ſich beißen, daß die Nachbarin nen ſich zanken werden.

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2814 ““ So wie das Wetter 'am -Freitage iſt; ſo wird es am nächſtfolgenden Sonntage ſein. : Wenn es am Siebenbrüdertage regnet, ſo wird. es ſieben Wochen, ' wenn auf Apoſtel SI vierzehn Woher hindürch “regnen. - | Während des: Monats Decetiber darf man den Wolf nicht: beit ſeinem eigentlichen :Namen; ſondern muß ihn'das Gewürm nennen, ſonſt wird man 'von den' Wehrwölfen zevriſſen. Sonnenſchein zu: Lichtmeß. bedeutet“ einem nen 'Win2- ter; darum ſieht der Schäfer an dijeſem: Tage lieber Fei Wolf, als die Sonne im Schaafſtall. Wenn der" Hahn am' Geitner fräht, fo ſagt er Gäſte 'an. -.Des Sonntags 'vor''dem Frühſtücke nieſen, bedeutet; daß man angenehme Geſellſchaft,“ des: Montags , daß man ein Geſchenk „Dienſtags, daß: man eine traurige Nachricht erhalten, Mittwochs, daß: man ſich verlieben, Donnerſtags, daß -man: etwas Trauriges 'erleben, Freitags, daß man einen Brief empfangen oder ein Glü> haben, Sonnabends, daß das, was. man ſich “für. den .Sonntag vorgenommen , nicht in Erfüllung gehen werde. 1: Ein alter. Vers drückt : dies folgendermaßen aus: Sonntags = angenehme Geſellſchaft „Montags == geſchenkt. Dienſtags == gekränkt Mittwochs =-- verliebt. "Donnerſtags -- betrübt Freitags: -=- Glück . Sonnabends --- gehen die Wünſche zurück. Eine Frau, die mit ihrer Ausſtattung nicht vor dem Hochzeitstage fertig geworden iſt, wird au< nachher mit ihven Arbeiten nie zur rechten Zeit fertig,

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282 Welcher von beiden Eheleuten die Suppe vorlegt oder den Braten ſchneidet, hat das Regiment im Hauſe ;- um dies zu erlangen,, muß man während der Trauhßandluug dem andern. auf den Fuß treten, oder- wenn dieſelbe. auf einem gewirkten Teppich erfolgt, die Braut auf etwas.deſen Benennung:: männlichen "Geſchlecht. iſt, ſei es Thier oder Blume, der Verlobte umgekehrt--auf eine echt. weiblichen Geſchlechts, ſich “ſtellen. Drei in einem Zimmer brennende Lichte zeigen au, daß Einer der: Anweſenden. im, Gehypimen:-vepfobt iſt ,. oder daß es in Kurzem: an dem Oete eine- "Vettſethochzait. geben Weeds * Wenn jemand,- der im. Todesfampfe liegt, durch hef tiges Schreien ins Leben zurückgerufen wird, ſo ſtirbt ex naß neun Tagen unfehlbat., 'wenn/-er ſonſt auch: vielleicht durchgefommem! ſein: würde. De Läßt man-xin noch nicht jähriges Kind in des Spiegel ſehn / ſo wird.'es franf 3; reicht ;:man es durch das, Fenſter einem Andern zu, ſo. verkümmert es im Wachsthum ; nennt man .e8: Ding, ſo wächſt es die nächſten neun- Tage nicht. Was man“in dev erſten Nacht, die :nmian.:in einem Zims mer zubeingt,“träumt, 'geht in Erfüllung. 16. Sympathetiſche Mittel und Kuren. Unzählig ſind die ſympathetiſchen Mittel gegen Krank- heiten. Faſt wider jede Art der letzteren „eriſtixt ein ſolches. So hilft es gegen das Fieber / wenn man -dije drei erſten Palmen (Weidenknospen) oder die Blüthe -der drei erſten Achren, die man im Frühlinge blühen ſieht, abſtreift und genießt ; ferner, wenn man ein Butterbrod. oder eine Sem- mel, auf welche die Zeichen: Uoz Uoz Unz und darunter Vor- und Zuname des Kranken geſcht ſind, ſobald das Fieber eintritt, aufißt, Wenn jemand, beſonders wenn er

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283 ſi noch in den Kinderjahren befindet, von "der fallenden Sucht den erſten oder zweiten Anfall hat, ſo muß man ihm das Hemde ausziehn, es entzwei reißen und es. auf einen Kreuzweg werfen, ohne, ſo wenig beim- Hin-- wie beim Zurückgange bis zur Thürſchwelte, ein Wort zu ſprechen. Warzen werden. dadur< vertrieben, daß, wenn 'man zwei auf einem und demſelben Pferde vorbeireiten ſi icht; man ihnen nachruft: nehmt den Dritten mit. Vor Zahnſchmerzen bewahrt: de regelmäßige Möge abſchneiden am Freitage. ' Die Königsferze iſt eine Bſuine, die in meeöfächet Beziehung eine wunderbare Kraft hat. . Wenn ein Ange- höriger, ſelbſt wenn ein Stü Vieh frank iſt; knit .man nach dem Untergange der Sonne“ die Blume gegen Son- nenaufgang hin um , und bittet -dabei, daß ſie die verlorne Geſundheit wieder verleihen möge. Am Johannistage ziehen die Mägde die Blume aus und hängen. ſie übers Bette; die, der ſie zuerſt verwelkt, ſtirbt zuerſt. ; Kinder, welche noch nicht getauft ſind, darf 1 man u allein laſſen, denn man hat zu-befürchten, daß ſie mit Wech- ſelbälgen vertauſcht werden. Doch kann man. ſie hiergegen auc“ dadurc< ſchützen, daß man vor dem Fortgehen. 6 "bee ſie das Zeichen. des Kreuzes macht. Haarabſchneiden muß beim zunehmenden Mond: vorges nommen werden, denn dann wachſen die Haare beſſer.“ Die Strafe des' Meineides vermeidet man dadurch, daß man während des Schwörens die linke Hand. in die Seite legt, oder auch , daß man einen Knochen: von einem eigenen verſtorbenen Kinde auf bloßer Haut trägt. Kann man einen Dieb ſelbſt nicht ergreifen, ſo muß man bei ſeiner Flucht wenigſtens cins feiner Kleidungs- ſtücke zu erhaſchen ſuchen. Prügelt man dies dann, ſo

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284 ' wird der Dieb krank. - Dieſer (Glaube wurzelt ſo feſt, daß in der Gegend von Berend vor Kurzem ein Mann, der beim Honigdiebſtahl ertappt, ſich mit Zurückläſſung ſeines Rockes geflüchtet hatte, als er hörte, daß . dieſer von dem Beſtohlnen ſchrecklich zerhauen ſei, ſich hinlegte und ſtarb. Böſes Wetter glaubt man dadurch zu ſtillen, daß man mit der Axt in die Thürſchwelle haut. Ein vorzügliches“ Mittel , um zukünftige oder verbor- gene Dinge zu erfahren, iſt ein Erbſchlüſſel, beſonders wenn er.. in Verbindung“ mit einer Bibel gebraucht wird. Läßt man ihn an einem, in die letztere eingeklemmten Faden ge? knüpft "in! ein Glas. hängen, fo zeigt er z. B. durch die Zahl der Schläge an, wie viel Jahre'man noch bis zur Hoch- zeit'-warten müſſe, durch die Seite, an welche er anſchlägt: wohinaus. die- Perſon, : die etwas geſtohlen hat, ſich bes finde. u. ſ. w.- Wenn man einen zum Fenſter hinaus8ge- hängten Erbſchlüſſel . hin und her ſc<wanken läßt und da- bei ſprit: horc<, horc<, ſo hört man von der Gegend her, dahin man wird zu freien oder zu wohnen kommen, eine Stimme. : Bei der Belagerung von . Danzig im Jahre 1734 ſpieen die alten Weiber jedesmal , wenn eine Bombe ange- flogen kam, dreimal aus und riefen: Phy, phy, phy, da kömmt de Drack (Drache) getragen, in der Meinung ſich dadurch zu ſichern ; auch glaubten ſie, daß, wer etwas von einer .Bombe oder Kugel im Hauſe habe, der werde ſich von. ſolchen mehr auf den Hals ziehn. 7". Um im Karten- oder Würfelſpiele Glück zu haben, muß man während deſſelben eine Nadel, mit welcher der untere Theil dev vorderen Hälfte eines Hemdes zugenäht iſt, vor ſich in die, na) dem Erdboden BENhEie Seite dex Tiſchplatte ſtechen,

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285 17. Die Todtenurnett. Von den Urnen, welche in den heidniſchen Begräbniße pläßen gefunden werden, glauben Einige, daß ſie die Ge- fäße ſeien, deren ſich die Unterirdiſchen (Barſtucken) bedie- nen, und die ſie entweder ihren Freunden mit ins Grab geſetzt, um ſich deren fa jener Welt zu bedienen, oder die, als ſie ihre, in dem Hügel bisher innegehabte Wohnung verlaſſen, dort zurückgeblieben, Andere, daß die Erde ſelbſt, wenn ſie im Monat Mai gleichſam ſchwanger“ werde, ſie geboren habe. Wenn in dergleichen Urnen Milch aufgeſtellt wird, ſo giebt ſie mehr Butter; wenn man die Hühner daraus ſau- fen läßt, ſo nehmen ſie nicht nur ſehr zu, ſondern werden auch nie von einer Krankheit ergriffenz wenn man das Saatkorn vor dem Ausſäen in dergleichen Urnen ſchüttet, ſo giebt dies eine reichlihere Ernte. Rensch de tumul. et urn. sepulcral. Regiomont. 4724. 4. c, 3. 8. 2, 3; vergl. Erl, Preuß, Th, IV. S. 95. 18, Bermiſchtes. Die Litthauer nehmen ihre ſterbenden Angehörigen, wenn ſie im Begriff ſtehen, zu verſcheiden, aus dem Bette, legen ſie auf ein wenig Stroh auf die Diele, und öffnen Thür und Fenſter, um der Seele den freien Aus- und Aufflug zum Himmel zu bereiten. Meſſer dürfen mit der Schärfe nicht nac< oben gelegt werden, weil dorthin Gott iſt und die Geiſter wohnen. Einem Stor< darf man nichts zu Leide thun, denn er iſt anderwärts ein Menſch. Die Cicaden werden von den Litthauern für heilig gehalten, weil ſie glauben, daß dieſelben unerbittliH die ihnen angethanen Beleidigungen ahndeten und mit der hef- tigſten Rache die Kleider zernagten.

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286 Wenn am Sonnabend Nachmittage gewaſchen wird, ſo darf die Wäſche unter freiem Himmel nicht mit dem Waſchholze geſchlagen werden, da ſonſt der Hagel die Feld- früchte zerſchlagen würde. Am Donnerſtage darf nur bis zum Abendeſſen geſpon- nen werden, da ſonſt der Wolf die Heerde freſſen würde. Nach dem Abendeſſen darf der Tiſc nicht abgenom- men werden, vielmehr müſſen Tiſchtu<, Schüſſel, Löffel und Brod darauf liegen bleiben; denn wenn über Nacht der Alp oder die Mahr kommt, und einen gedeckten Tiſch findet, ſo drückt er die Menſchen nicht im Bette und das Vich nicht im Stalle. Das Waſſer, mit dem eine Leiche abgewaſchen iſt, muß vor der Hausthüre ins Kreuz ausgegoſſen werden, da ſonſt der Verſtorbene keine Ruhe hat, ſondern wiederkommen und ſpuken muß. - Preuß. Provinz.-Bl. Bd. VI11. S, 490 fgg. Gedr, bei den Sebr, Unger.

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Jm Verlage. der Nicolaiſchen.Buchhandlung:in Ber- “Tin ſind' nachfolgende empfehlenswerthe Schriften er- dite“ Deutſche Sagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2 Bände. Preis 3 Thlr. 20 Sgr. Wie das Kind ſeine ihm eigene Welt der Mährc<en hat, an die es*gläubt und in deren Wunderkreis auch der Erwachſene mit Sehn- ſucht ſich. zurü& „denkt, ſo hat das Volk ſeine eigenthümliche Welt der Sagen, die ihm mit dem Zuſammenleben in der Heimath gege- ben iſt und an der es mit inniger Liebe hängt. Dieſe ehrwürdigen und lieblichen Töne -aus einem frühern ächt volksthümlichen Leben, reden wie freundliche Begleiter zu uns, wohin wir im deutſchen Lande unſern Wanderſtab ſeßen. In dieſer von den Gebr. Grimm veran- ſialteten Sammlung iſt ihre vereinzelte Menge zuſammengeſtellt. Ge- gen 600 Sagen, von Zwergen, Rieſen, Berggeiſtern, Kobolden, Nixen, Hexen, Elfen, Prinzen, vom Drachen, vom Wärwolf, von verſunke- nen Schlöſſern. 1c.,- ſind hier aufs anmuthigſte erzählt. - Dreierlei zeichnet dieſe Sammlung ganz beſonders aus, Erſtlich Treue und Wahrheit der Erzählung, wie ſie in der Heimath er- zählt wird, ſelbſt in Ton und Wort. Zweitens größte Mannig- faltigkeit. Drittens genaue Angabe der Quellen, woher ſie ge- floſſen und der Orte, wo ſie einheimiſch ſind. Kein anderes Buch kann ſo friſch und lebendig die Angſt und Warnung vor dem Böſen, wie die innigſte Freude an dem Guten und Schönen we>en und nähren, wie dieſes ; kein anderes kann zugleich ſo in das innerſte Ge- heimniß des volksthümlichen Lebens und Webens einführen und Vie: len mag dadurch das theure deutſche Land noch lieber werden. - - Lyriſches Schatzkäſtlein der Deutſchen. Herausgegeben und mit einem Vorworte begleitet von O. F. Gruppe. Preis 4 4 Thlr., (auf Velinpapier 4 3 Thlr.) gebunden. „Der bekannte Herr Herausgeber, der ſic) namentlich als Kritiker auszeichnet, hat von dieſem ſeinem kritiſchen Talent durch.die Heraus: gabe dieſes Buches einen tüchtigen Beweis abgelegt, denn die Aus-

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wahl iſt mit Geſchma> getroffen; was keineswegs ſo leicht. iſt, wie es für den erſten Augenbli> ſcheinen mag. Die Anordnung des Buches, worüber ſic) Herr Gruppe in dem Vorworte genügend ausſpricht, iſt zu loben, Das Buch iſt allen Freunden der deutſchen Lyrik beſtens zu empfehlen. Die Ausſtattung iſt ſehr elegant.“ (Recenſ. im Ber- liner Modenſpiegel 4836.) Nibelungen-Noth und Klage nach älteſter Geſtalt in ungebundener Rede über? ſetzt von A. Zeune. . Zweite verbeſſerte Auflage, Mit Karte und geſchichtlichen und erdkundlichen Erläuterungen. Velinpapier, ſauber geheftet 43 Thir. . „Eine ſehr brauchbare proſaiſche Uebertragung. Wir haden uns ſchon bei mehr als einer Gelegenheit zu Gunſten der bisher immer noh zu ſehr mißkannten proſaiſchen Uebertragungen älterer und frem- der Dichterwerke ausgeſprohen. Die Proſa allein geſtattet eine Treue, die Gedanken und Bild unverfälſcht wiedergiebt, und auch die Wort- ſtellung möglichſt einhält; während metriſche Ueberſezungen faſt unaufhörlich, wenigſtens in Kleinigkeiten, vom Original abweichen müſſen, um das Versmaß oder den Reim zu erzwingen. Wir können daher das Zeune'ſche Werk, das auch dir Anmerkungen ſehr verdienſtlich und überdies ſehr anſtändig ausgeſtattet iſt, den Freun» den der vaterländiſchen Poeſie beſtens empfehlen.“ (Recenſ. in W. Menzels Literaturblatt 1836.) ? Wineta, oder: die Seekönige der Jomsburg. i Gedicht von W. Doenniges. „Velinpapier, ſauber geheftet 4731 Sgr. „Wer kennt nicht die altberühmte Sage von der Wineta? Wer ergößte ſich niht an den Kämpfen und Feſtgelagen der Helden der Somgburg? Hier empfängt ſie der kunſtſinnige Leſer in ein poetiſches Gewand gekleidet, in einer Sprache geſchrieben, die von dichteriſcher Begeiſterung zeugt, von einem Dichter dargeſtellt, der ſtark genug iſt, das in ſich Aufgenommene klar und würdig wieberzſäeöen: au «Meteniſ im Berliner Modenſpiegel 4837.) N

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Die Volkssagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens, in: Die Volkssagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens, 321 Scanseiten; Einzelseitenbelege im Text, 1837

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Die Volkssagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/orden-volkssagen-ostpreussen-tettau-temme-1837/textzeugen/orden-volkssagen-ostpreussen-tettau-temme-1837-volltext