In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
„Als stünde hier kein düstrer Zwinger, So jauchzt die Lerche himmelan; Ich zeig’ sie dir mit meinem Finger, Als hingen Ketten mir nicht dran;
O mach’ die Bande mit geringer, Daß ich von dieses Thurmes Brüstung Vielleicht die Kämpfer in der Rüstung, Die Hengste sehe auf der Bahn.
„Hab Dank, gestrenger Eisenmeister! Daß du es menschlich mit mit meinst; Dank, Sonne, daß du Lebensgeister Mir in die finstre Seele scheinst! Dank, alter Rhein, du weitgereister, Daß du mit deinen regen Fluthen In meine Wunden, welche bluten, In meine Heldenthränen weinst!
„O Lenz, wie bist du schön geworden, Als hätt’ ich dich noch nie geschaut! Du schlingst um diese Felsenpforten Sogar den Blüthenarm vertraut; O Maienzweig! Wenn sie mich morden Und peinigen, umschlingst du Diesen, Der in den feuchten Thurmverließen Beinah schon über Nacht ergraut? „O goldnes Abendlicht hier innen, Du schmeichelst noch dem armen Mann! Geh, lege dich um jene Zinnen, Wo mich die Gräfin liebgewann! Dort sitzt sie in verlornem Sinnen; Geh, spiegle dich in ihrem Grame, Wie einst im Hochzeitschmuck der Dame In der berauschten Burg zu Thann!
„Du aber, Vöglein in dem Riede, Du schlage fort zur Abendzeit, Und zieh mit deinem Minneliede Den Bach hinab, wo manche Maid Ihr schönes Kränzlein hoffnungsmüde Hinabwirft aus den losen Haaren, Und ruf’ ihr im Vorüberfahren: Dein Schatz ist fort, wer weiß wie weit!
„Ja, weit von hier sind jene Wochen Voll Frauen- und voll Lautenzier; Fort sind die Schwüre und gebrochen, Wie Lanzen einstens beim Turnier; Schlachtrosse fort und wundgestochen, Und Schlachten selbst und Liebesfahrten Fort, todt die treuesten Pikarden, Und ich bin selbst am Ziele hier!
„O Monthlery, du Glanz der Fehden Für mich und meines Herzogs Thron! O siegverkündende Trompeten Am Kampfestag bei Nourbillon! Das Eisen selbst ward weichgetreten, Und mitten in dem Schlachtenwunder Focht Karl, der kühnste der Burgunder, Und Hagenbach bei ihm, sein Sohn.
„Und sein Visier ist nun dies Gitter, Sein Bügel dieser Eisenstock? Statt jenes Wappenrocks der Ritter Trägt er den Armensünderrock? Er spielt mit Fesseln statt der Cither; Und dies ist Hagenbach, der gräme, Der, wenns zum Sterben morgen käme, Hingeht und legt sein Haupt auf’s Block? „Nicht ahnst du, Karl, wenn ich geendet, Wie mich dies feige Volk entehrt! Dies Volk, das, dir um Geld verpfändet, Längst an den eignen Ketten zehrt, Hat mich entrittert und geschändet, Hat, – Guter! könntest du es wissen! – Dein goldnes Vließ mir abgerissen Und auf der Folter mich verkehrt!
„Schaut her da drunten in den Schiffen! Kennt ihr den Landvogt von Burgund? Das Lied, das man euch vorgepfiffen Vom niedern, ja vom niedern Bund,
Dies einzige habt ihr begriffen? – Sie schiffen fort, es spotten Stimmen; O könnten nicht die Nachen schwimmen, Ihr lägt schon längst im tiefsten Grund! „Doch sieh! der Fluß wird fast zu enge, Es reiht sich Kahn an Kahn im Rhein; Dann drüben eine Menschenmenge, Dann Reisige dahinten drein – Was soll zur Nachtzeit dies Gepränge? Die Zahl von Männern und von Rossen? Was soll sie, die mit Schweiß begossen, Und was der grelle Fackelschein?
„Bist du’s mit deinen Siegsstandarten, Mein Bruder Stephan? o so fleug! Und meine wackeren Lombarden, Erscheint ihr, o so sputet euch! Hierher zu diesem schlechtbewahrten Gefängniß! Brecht die morschen Thüren! Hier steigt herauf! – Doch wie? sie rühren Sich nicht, und ruhig hält ihr Zeug?
„Vor ihrem Drängen, ihrem Reiten, Wird die Almende rings zu schmal. Sie schließen einen Kreis, sie streiten; Dann wieder Stille auf einmal. Nun werden sie zum Theiding schreiten, Denn rings legt sich des Volkes Murren; Es springt von den beschrotnen Gurren Manch Reiter klirrend ab zu Thal. „Sie brauchen lange; doch nun dringet Ein „Tod“ und „Ab!“ zu meinem Ohr; Ein Wort noch, das der Wind verschlinget – Drauf recken sie die Hand empor, Und plötzlich nah’n, mit Eil beschwinget, Acht Männer diesen finstern Händeln Und ziehen unter rothen Mänteln Acht nakte Schwerter lang hervor.
„Drauf dringt der Kleinste von den Achten Mit seinem Schwert heraus und zielt; Doch wo ist Jener, den sie schlachten, Das Leben wo, mit dem man spielt? Gilt mir dies geisterhafte Trachten Und diese nächtliche Verschwörung? So fordre keck dies Haupt, Empörung! Hier ist’s, nach dem du feig geschielt! „Sie wenden sich, und rasch und dichter Bewegt sich nun der ganze Zug; Beim rothen Qualm der vielen Lichter Erkenn’ ich wohl und ohne Trug Die scharfgeschnittenen Gesichter, Langbärtig, braun und strenggestaltet, In schwerer Rüstung, halbveraltet Wie die, worin einst Erlach schlug;
„Wohin sie nur auf ihren Rossen Die Nacht noch wollen? Wie, hieher? Ach Gott! Das sind die Eidgenossen! Mein letzter Lebenstag ist der! Sie haben meinen Tod beschlossen! Da weht das Banner der Lucerner, Und dorten lechzt in dem der Berner Der alte Nimmersatt, der Bär!
„Kommt an, taucht eure weiße Binde, Den reinen Armschmuck, in mein Blut! Kommt an, und zeigt es eurem Kinde, Wie süß der Mord am Feinde thut! Doch daß nun eure Ehre schwinde, Daß eure keuschen Freiheitsschlachten Vorbei, daß euch nun Fürsten pachten, Dies sagt ihm auch, und kurz und gut! „Ihr, einst der Tod der Leopolde, Und jetzt der Schutz für Siegismund! Miethtruppen jetzt im welschen Solde, Und bei Sanct Jacob einst ein Bund,
Den keiner überleben wollte! Entzweit sodann, und allen Landen Verkauft als schlachtbereite Banden, Und ehedem Ein Herz, Ein Mund!
„Wo sonst ein Vogt euch schlecht geschienen, Urphede schwor er und entwich; Wir sind nicht euer Vogt, wir dienen Dem Herzog, und ihr tödtet mich? Sey’s drum, so opfert mich denn ihnen, Die euch mit blanken Sonnenkronen Den Mord, auf fremdem Boden, lohnen: Dem Siegesmund und Ludewig! „Führt mich hinab, ich weiß zu sterben, Und euer Henker zielt genau; Doch diese That wird euch verderben, Und euer Schwert durch jeden Gau Mit eurer Kinder Herzblut färben! Schenkt meine sechszehn Hengste dorten Und diesen letzten Ritterorden Dem Kirchlein unsrer Lieben Frau!“