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Badisches Sagen-Buch II

Spinne nicht im Mondschein!

1 Min. Lesezeit· Unbekannt, August Schnezler, Creuzbauer und Kasper

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

01

Zu Gamburg saß eines Abends eine Frau in der Stube allein und spann, ohne anderes Licht als den Mondschein. Da trat ein weißes Männlein herein, legte eine Menge Spulen hin und sagte: „Diese Spulen mußt du, bis ich in einer Stunde wiederkomme, alle umsponnen haben, sonst drehe ich dir den Hals um!“ – Hierauf ging es fort; die Frau, in größter Angst, wußte sich lange nicht zu helfen, endlich aber fiel ihr doch ein Rettungsmittel ein. Sie umspann jede Spule einmal, womit sie bis zu des Männleins Rückkunft fertig wurde. Als dieses die Spulen in Augenschein nahm, sprach es: „Das hat dir Gott angerathen, daß du es so gemacht hast! Es hätte dir sonst den Hals gekostet!“ Hierauf nahm es dieselben und entfernte sich. Von der Zeit an hat die Frau nie wieder im Mondschein spinnen mögen.

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Quelle zitieren

Spinne nicht im Mondschein!, in: Badisches Sagen-Buch II, Nr. 331, Karlsruhe: Creuzbauer und Kasper: 1846

Archivfassung zitieren

Spinne nicht im Mondschein!, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/spinne-nicht-im-mondschein/textzeugen/badisches-sagenbuch-ii-331-spinne-nicht-im-mondschein