Moderne Bearbeitung · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.
Autor: Lukas Kawerau. © 2026 Lukas Kawerau · Alle Rechte vorbehalten. Moderne Balladenfassung von Lukas Kawerau, mit KI-Unterstützung erarbeitet. Dieser Auftakt umfasst die Verse 1–102 der Ausgabe von 1870, nicht das gesamte Werk. Für einen durchgehenden Vortrag wurden ein Einstieg und Übergänge ergänzt sowie ein abgebrochener Satz dichterisch geschlossen. Diese Ergänzungen sind keine Rekonstruktion verlorener Originalverse.
Die Ballade ist als Album erschienen. „Dietrich und Wenezlan“ von Lukas Kawerau können Sie hier anhören.
Inhaltsverzeichnis
Die Botschaft
Ein Bote trat vor Dietrich hin. Es war sein Freund, der vor ihm stand. Er brachte Gruß und Kampfgebot vom König aus dem Polenland:
»Man rühmt dich weit in jedem Land, dass keiner dir das Wasser reicht. So lieb dir Frau und Ehre sind: Nun zeig, ob dir auch keiner gleicht.
Er fordert dich zum Zweikampf auf. Reit hin zu ihm, sonst kommt er her. Er lässt nicht ab. Er will den Kampf. Das sagt er dir durch mich, mein Herr.«
»Wer ist der Mann, der kämpfen will? Sag, Wolfhart, wie ist er gebaut?« »Ich habe nie, solang ich leb, so einen kühnen Mann geschaut.«
Da sprach der König: »Soll ich gehn, allein? Das wäre nicht gescheit.« Da sprach ihm Wolfhart ins Gesicht: »Denk an die Treue jener Zeit.
Als du aus deinem Lande zogst, ging Hildebrand mit dir und ich. Was wir an Treue dir getan, das taten wir, mein Herr, für dich.
Nun hilf uns beiden aus der Not, sonst ist es um uns zwei geschehn. Ich kam, damit du uns befreist. Sonst wirst du uns nicht wiedersehn.«
»Für solche Dinge kämpf ich nicht.« Da brach aus Wolfhart Zorn hervor: »Du bist ein Feigling, wie du weißt. Nur keiner sagt es dir ins Ohr.
Wer einem schlechten Herren dient, weiß, was ihm seine Treue bringt. Man sagte mir’s; nun weiß ich selbst, wie bitter diese Wahrheit klingt.
Ich will dir nicht mehr dienstbar sein. Mit meinem Dienst ist es vorbei. Ich hoffe, dass ich dies besteh und mich aus dieser Not befrei.
Der Fürst aus Polen kommt mit Macht, wenn du nicht zu dem Zweikampf gehst. Sein Heer zieht dann in Etzels Land, wenn du ihm nicht entgegenstehst.«
Er bat um Gottes Schutz fürs Heer, dann wandte Wolfhart sich zum Gehn. Doch Dietrich rief ihn noch zurück. Da blieb er vor dem König stehn:
»Ich muss zurück zu Hildebrand. Sonst stirbt er dort. Ich gab mein Wort: Wenn du nicht kommst, kehr ich zurück. Ich darf nicht bleiben, muss nun fort.«
Die Männer hatten zugehört. Sie fragten ihn nach jenem Mann. Wie sah er aus, der fremde Fürst? Und Wolfhart sah die Frager an.
»Er ist kein Riese von Gestalt. Doch keiner kommt ihm jemals gleich. Das sagt, wer Mut zu werten weiß, in jedem Land, in jedem Reich.«
Da sprach der König: »Lass den Zorn. Du sollst nicht ohne Antwort gehn. Was du erbeten, will ich tun. Ich werde dir zur Seite stehn.
Ich habe nur mit dir gescherzt. Du bist mein Freund in Glück und Not. Eh ich dich je im Stiche ließ, ging ich noch lieber in den Tod.«
Zur Bearbeitung
Diese Fassung folgt der Handlung und Reihenfolge des mittelhochdeutschen Fragments in der Ausgabe von Julius Zupitza: Deutsches Heldenbuch, fünfter Teil, Berlin 1870. Der hier bearbeitete Abschnitt reicht von Wolfharts Botschaft bis zu Dietrichs Treueversprechen (V. 1–102).
Die erste Strophe führt den Boten neu ein. An den Lücken um V. 31–32 und 94–96 verbinden neue Sprecherübergänge die erhaltenen Aussagen. Der abgebrochene Satz vor V. 63–64 wird als Hoffnung Wolfharts ergänzt, seine Not zu bestehen und sich daraus zu befreien. Die beschädigte Drohung um V. 65–74 wird auf ihren erhaltenen Kern verdichtet; verlorene Einzelheiten und Zahlen werden nicht ergänzt.
Die übrigen Eingriffe sind poetische Verdichtungen und neue Formulierungen. Das historische Fragment setzt sich nach diesem Auftakt fort. Die vollständige moderne Bearbeitung entsteht noch.
Mittelhochdeutsches Original im Archiv · Digitalisat der Ausgabe von 1870
Autor und Nutzungsrechte
Autor der modernen Bearbeitung: Lukas Kawerau.
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