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Das kleine Heldenbuch

Hugdietrich

Alte neuhochdeutsche Übertragung · 1859 · Karl Simrock

47 Min. Lesezeit· Karl Simrock, J. G. Cotta’scher Verlag

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

Die zuvor vorhandenen Seiten wurden unabhängig geprüft; die ergänzten Seiten wurden erstmals am Scan berichtigt. Hugdietrich: Druck509–565 lückenlos; BSB-Ergänzung546–549 erstmals kollationiert; die 53 zuvor vorhandenen Seiten unabhängig geprüft. Der gesamte Textzeuge ist nicht als vollständig kollationiert ausgewiesen; Umfang und offene Lesarten bleiben dokumentiert.

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Erstes Abenteuer.

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Wie Hugdietrich gen Salneck kam.

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Es wuchs in Constenopel ein König auserkannt, Bieder und gewaltig, Hugdieterich genannt. Seit seiner ersten Jugend wust er wohl zu leben, Um Gott und um Ehre zu leihen und zu geben.

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Er war bei seinem Wuchse wohlgeschaffen überall, Gedreht wie eine Kerze die Hüfte hin zu Thal. Das Haar war ihm lockig, fahl dazu und lang, Das ihm von der Achsel bis auf die Hüfte sich schwang.

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Sein Vater war geheißen der König Anzius, Der Fürst in Griechenlanden; so meldet uns das Buch. An seinem Hof erzogen, hatt er, das ist wahr, Einen alten Herzogen, der lebte manches Jahr,

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Das war Herzog Berchtung geboren von Meran; Den rief der König Anzius eines Tags zu sich heran. „Ich habe dich erzogen in Ehr und Würdigkeit: Das laß mich nun genießen: ich befehl auf deinen Eid

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„Dir Hugdieterichen, den lieben Erben mein; Dazu Land und Leute laß dir empfohlen sein. Der Tod hat mich ergriffen, von der Welt nun muß ich gehn.“ Ritter und Knechte sah man traurig vor ihm stehn.

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„Nein, Herzog Berchtung, laß mich Trost an dir ersehn: Meßerwerfen lehrt’ ich dich, daß dich Niemand darf bestehn; Auch gab ich dir zu Weibe die edle Herzogin: Nur lehr Hugdieterichen, so lieb als ich dir bin.“

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Er sprach: „Lieber Herre, des sollt ihr sicher sein, Ich lehre was ich Gutes nur kann den Herrn mein. Doch getrau ich Gott vom Himmel, ihr mögt noch selbst gedeihn.“ „Nein,“ sprach der König, „das mag nimmermehr sein.“

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Darnach in kurzen Tagen der hehre König starb. Mit Züchten Herzog Berchtung ihm alsbald erwarb, Daß er schön begraben wurde wie man Königen thut. Er nahm zu sich den Jungen; gar traurig war sein Muth.

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So zog er seinen Herren bis in das zwölfte Jahr. Da begann zu ihm Hugdietrich, das sag ich euch fürwahr: „Lieber Meister Berchtung, ich suche Treu an dir, Bei aller deiner Tugend erzeigen sollst du sie mir.

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„Nach einer schönen Frauen gedenkt mir Sinn und Muth. Du siehst wohl, lieber Meister, daß ich Ehre hab und Gut. An Land und an Leuten ist weit die Herschaft mein: Wenn ich nun also stürbe, wer sollt ihr Erbe wohl sein?“

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Da war dem Herzog Berchtung die Rede nicht leid. Er sprach: „Ich hab erfahren Heiden- und Christenheit; Doch sah ich nie mit Augen Frau noch Mägdelein, Die dir zum Ehgemahle gefügsam möchte sein.

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„Hat sie es an dem Leibe, ists eine niedre Magd, Wie dir zu andern Stunden wohl manchmal ward gesagt; Hat sie es an dem Adel, ungeschaffen ist ihr Leib: Drum kann ich dir nicht finden ein wohlgefügsames Weib.“

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Da sandte Hugdietrich fern aus in all sein Land: Ihm kam zu Hof geritten manch kühner Weigand. Er sprach: „Nun rathet Alle mir um ein Ehgemahl.“ „Der Rath ziemt Meister Berchtung,“ riefen alle da im Saal.

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Er sprach: „Lieber Meister, nun gieb mir deinen Rath, Da du es bist alleine, der mir zu rathen hat. So rathe mir mit Treue zu einem Mägdelein, Die mir zu einer Frauen Genoßin möge sein.“

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Er sprach: „Lieber Herre, so thu ich dir kund: Ein König sitzt zu Salneck, der heißet Walgund; Seine Frau ist geheißen die schöne Liebgard: So schöne Tochter haben die, daß niemals schönere ward.

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„Hildeburg die schöne ist die Magd genannt. Ihres Gleichen fände Niemand, durchführ er alles Land, Weder Königstochter noch irgend andre Magd, Die zu des Landes Frauen dir billig beßer behagt.

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„Sie ist wohl edln Königen von Geschlechte gleich. Sie wohnt bei Zucht und Ehre, fürwahr das sag ich euch, Scham, Maß und Sitte, dazu Bescheidenheit, Tugend und Schöne trägt die herrliche Maid.

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„Auf einem Thurm verschloßen ist die werthe Magd: Allen Männern hat ihr Vater sie verschworen und versagt Bis an sein Ende, so lang ihm währt das Leben: Und bät um sie ein Kaiser, dem wollt er sie nicht geben.

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„Ein Wächter sie zu pflegen ist allezeit bedacht, Und auch ein Thorwärter, wenn ihr Eßen wird gebracht; Dazu eine Jungfrau, die ihr zum Dienst behagt: So ist gar wohl behütet diese kaiserliche Magd.

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„Was hilft dir, lieber Herre, was ich dir hab gesagt? Du must doch fahren laßen die wonnigliche Magd. Man mag sie nicht gewinnen, wie klug sich einer stellt, Sie muß zu Salneck bleiben, ob es dir übel gefällt.“ —

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„Du weißt wohl, lieber Meister, die blöden Kinder sind Zu Stürmen und zu Streiten kein nützes Ingesind, Noch auch zu hohen Räthen, wo man die pflegen soll. Nun rath auf deine Treue, daran so thust du wohl.

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„Nach der schönen Frauen steht mir Sinn und Muth. Ich lerne nähn und spinnen, dünkt es dich anders gut, Und feine Arbeit wirken mit Gold und seidnem Faden: Mit weiblichen Züchten will ich mich überladen.

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„Nun heiß mir gewinnen die beste Meisterin, Daß man nicht beßre findet im Lande her und hin, Die mich am Stickrahmen mit Seide wirken lehrt, Und Wild und Zahm entwerfen, wie es im Walde fährt;

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„Auch an der Haube bilden Wunder ohne Zahl, Und ringsher goldne Borten, eine breit, die andre schmal, Mit Hirschen und Hinden, als ob sie lebend sein: Ich will mit Listen werben um das schöne Mägdelein.“

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Der Meister Herzog Berchtung sah seinen Herren an, Daß er so kluge Reden zwölf Jahr alt begann. Er gewann nach seinem Wunsche ihm die beste Meisterin, Keine beßre war zu finden bei den Griechen her und hin.

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Hugdieterichen lehrte sie wohl ein ganzes Jahr Gar feine Arbeit wirken, das sag ich euch fürwahr. Was ihm vorgebildet die gute Meisterin, Das wirkten seine Hände nach mit gelehrigem Sinn.

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Zu weiblicher Stimme auch lehrt’ er seinen Mund; Das Haar ließ er wachsen, daß es ihm lieblich stund. Da ward so schön der Jüngling und ward so minniglich, Daß er oberhalb des Gürtels wohl einer Jungfrau glich.

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In weiblichem Gewande ließ er sich auch sehn, Wenn er zu Constenopel zur Kirche sollte gehn. Die oft gesehen hatten zuvor den jungen Herrn, „Wer ist die Wohlgethane?“ fragten Alle nah und fern.

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Da nun das Hugdietrich an sich selbst befand, Er sei den eignen Leuten fremd und unbekannt, Da freut’ er sich von Herzen; es schuf ihm hohen Muth: Käm er nach Salneck, dacht er, sein Werben würde gut.

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Er sprach: „Viellieber Meister, nun gieb mir deinen Rath, Da du es bist alleine, der mir zu rathen hat. In welcher Weise soll ich nun von hinnen fahren?“ Da sprach der alte Herzog: „Ich kann dich wohl bewahren.

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„Du sollst mit dir führen, Hugdieterich, Kühner Ritter funfzig gekleidet wonniglich, Und vierhundert Knechte, wohl zu der Fahrt bereit, Und sechs und dreißig Jungfraun, sie all in köstlichem Kleid.

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„Du sollst auch mit dir führen dein herrlich Gezelt; Und wenn ihr kommt zu Salneck vor die Burg auf das Feld, So heiß es aufschlagen auf dem weiten Plan, Sitz drunter mit der Krone, deine Diener um und an.

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„So wird von dem König alsbald zu dir gesandt, Durch welches Abenteuer du kämest in sein Land? So sollst du, lieber Herre, alsdann bescheiden ihn: Ich bin von Constenopel eine edle Königin.

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„Daraus hat mich vertrieben mein Bruder Hugdietrich. Einen Mann will er mir geben, der sich nicht ziemt für mich, Einen Ungetauften aus der Heidenschaft: So komm ich nun auf Gnade zu dir, König tugendhaft,

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„Daß du mich hier behaltest, König auserkorn, Bis gegen mich mein Bruder läßt von seinem Zorn. Heißt dann dich bei sich weilen der König lobesam, So bleib allda selbvierte; dein Gesinde schick hindann.

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Und halte dich aufs Beste bis in das andre Jahr: So komm ich geritten, das sag ich dir fürwahr, Und will dich dann besuchen und will dann wohl erspähn, Ob dir ein Abenteuer dort zu Salneck sei geschehn.“

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Da freute seines Rathes sich Hugdieterich. Funfzig kühne Ritter kleidet’ er wonniglich Und vierhundert Knappen schön zu der Fahrt bereit, Und sechs und dreißig Jungfraun, sie all in köstlichem Kleid.

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Dazu Gezelt und Hütten nahm der Degen mit, Und alle andre Zierde als er von dannen ritt. Sie hatten fröhlich Urlaub all daheim genommen; Am achtzehnten Morgen sah man sie gen Salneck kommen.

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Da fanden sie vor Salneck gar ein reiches Feld Und geboten aufzuschlagen ihr herrlich Gezelt. Vier Karfunkel gaben in den Knäufen lichten Schein: Den König Walgund wunderte wer die Gäste möchten sein.

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Herdegen hieß ein Ritter, der ward dahin gesandt, Um welches Abenteuer sie kämen in das Land? Der Ritter aus der Veste unter die Zelte gieng, Wo er Hugdieterichen mit den Seinen wohl empfieng.

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Als er Hugdieterichen nun vor ihm sitzen sah, Nun mögt ihr gerne hören, wie sprach er zu ihm da: „Edle Königstochter, ich bin zu euch gesandt, Um welches Abenteuer ihr gekommen wärt ins Land.“

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Da gab Hugdietrich Antwort, der Held gar unverzagt: „Ich bin von Constenopel eine königliche Magd. Daraus hat mich vertrieben mein Bruder Hugdietrich: Einen Mann will der mir geben, der sich nicht geziemt für mich,

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„Einen Ungetauften aus der Heidenschaft. Nun kam ich her auf Gnade zu dem König tugendhaft, Daß mich selbviert behalte der König auserkorn, Bis gegen mich mein Bruder wieder läßt von seinem Zorn.“

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Der Ritter gieng hinwieder, wo er den Herren fand. Er sprach: „Seltsame Gäste sind gekommen in dieß Land: Es ist von Constenopel eine edle Königin, Die ist hieher gekommen auf deiner Gnade Gewinn.

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„Das ziemt euch wohl, Herr König, da sie gekommen ist Fernher aus fremden Landen so gar ohn arge List. Es bringt dir Ehr und Frommen, König auserkoren: Die Jungfrau ist gar schön und reich, dazu auch hochgeboren.

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„Ihr ist von dir gemeldet, du seist ein biedrer Mann: So laß sie, gnädger Herre, nun deine Gnad empfahn.“ Auf hub sich König Walgund, aus seiner Burg er gieng, Hugdietrich mit den Seinen er gar tugendlich empfieng.

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Da bog sie die Kniee vor dem König lobesam. Da rief König Walgund: „Steht auf, das geht nicht an.“ Hugdietrich sprach: „Ich neige mich zu den Füßen dein: Herr, mein lieblich Grüßen laß mit deinen Hulden sein,

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„Und behalte mich selbvierte, König auserkorn, Bis daß mein Bruder läßt wider mich den Zorn. Das dankt dir selbst mit Ehren mein Bruder Hugdietrich, Wenn ich zu Hulden komme, das glaube sicherlich.“

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„Seid ihr von Constenopel eine edle Königin, So sollt ihr das vermeiden hier vor mir zu knien. Was ihr von mir verlanget, des seid ihr gewährt: Daß ihr vor mir knieet, des weiß ich mich nicht werth.

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„Euch und eur Gesinde nehm ich gern hier auf, Zu eßen und zu trinken geb ich euch vollauf, Rosse und reiche Kleider, edle Königin.“ „Nein,“ sprach Hugdietrich, „so hab ichs nicht im Sinn.

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„Mich hat von Constenopel geleitet über Meer In Herzog Berchtungs Dienste des Gesindes schier ein Heer. Er ist ein werther Herzog und hat ein weites Land: Daß ichs ihm wiedersende, steht meine Treue zu Pfand.“

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„Berchtung,“ sprach der König, „den kenn ich wohl fürwahr: Er hat mir gedienet bis in das vierte Jahr.“ Sein Heer sandt er ihm wieder, gekleidet ritterlich; Bei ihm verblieb selbvierter König Hugdieterich.

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Walgund der König nahm sie bei der Hand, Wohlgezogen führt’ er sie in seine Burg zuhand. Liebgart die alte den Zwein entgegengieng, Hugdietrich und die Seinen sie gar tugendlich empfieng.

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Da sprach König Walgund: „Liebe Herrin mein, Diese schöne Jungfrau laßt euch empfohlen sein, Und nehmt zur Tischgenoßin die Königin erkoren; Wir wären wohl ihr eigen, so hoch ist sie geboren.“

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Einen Seßel ließ da bringen die edle Königin Mit reichen Seidenkissen, den boten sie ihr hin: „Geruht darauf zu sitzen, wenn euch geliebt zur Stund.“ Sie frug ihn wie er hieß; er sprach: „Ich heiße Hildegund“

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Klein fein begann zu spinnen da Hildegund zuhand, Man fänd ihres Gleichen nicht in allem Land; Dazu geschickt zu wirken die schönen Vögelein Mit Gold und mit Seiden, sie schienen lebend zu sein.

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Als die reiche Königin die hohen Künste sah, Nun mögt ihr gerne hören, wie sprach sie zu ihm da: „Das sollt ihr mir lehren zwei meiner Mägdelein.“ Er sprach: „Ich lehr euch viere, viel edle Königin mein.“

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Sie sprach zu ihr: „So will ich euch immer bleiben hold, Ich geb euch zu Lohne Silber und Gold Und was ihr mögt begehren, das ist euch unversagt.“ Da dankt’ ihr wohlgezogen der Ritter unverzagt.

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Da lehrte Hugdietrich zwo Jungfraun, das ist wahr, Künstlich Gewirke wohl ein halbes Jahr, Schöne Tischtücher und Zwickeln weiß und breit, Wie man sie edeln Fürsten vorlegt bei festlicher Zeit.

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Sittich und Zeisig, Droßel und Nachtigall, Wo es am Einen Ende zur Erde nahm den Fall; Mitten zu Gesichte den Greifen und den Aar, Daß ihn desto beßer ein Jeder würde gewahr.

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Am andern Ende sah man den Falken wie er flog, Und ander Gevögel in Scharen mit sich zog. Den Leun am dritten Ende, dazu den Lindwurm, Als ob sie mit einander föchten freislichen Sturm.

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Hasen und Füchse um den vierten Saum, Als ob sie liefen und sprängen durch den Raum; Das Eberschwein zu Walde, voran den Hunden roth, Daß Jeder, der es schaute, dem Fürsten Ehren erbot.

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Hirsche und Hinden dabei auch ohne Zahl In rothem Gold gebildet, wie lebend allzumal. Seltsamer Wunder sah man viel daran; Das schöne Tischlaken schaute mancher Biedermann.

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Da sprach der König Walgund: „Wer hat uns das genäht? Das seltsame Wunder, das hier vor uns steht?“ Da sprach der Kämmrer Einer: „Das mach ich euch kund, Das Alles näht von Griechenland die schöne Hildegund.“

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Da wurden ihr zu Salneck alle Leute hold. Er begann hervorzusuchen sein fein gesponnen Gold: Damit wirkt’ er eine Haube mit Wundern ohne Zahl, Umher goldne Borten, eine breit, die andre schmal.

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Als er die wohlgezierte Haube fertig sah, Nach Walgund dem König senden ließ er da: Da setzt’ ihm auf die Haube das schöne Mägdelein: „Das tragt bei diesem Hofgelag, Herr, um den Willen mein.

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„Ihr sollt sie mir zu Liebe vor euern Gästen tragen, Wenn sie zu Lande kehren, daß sie dann können sagen, Ihr tragt auf euerm Haupte gar ein reiches Kleid.“ Er sprach: „Ich thu es gerne; Dank, minnigliche Maid.

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„Ihr erweist mir große Ehre, vieledle Königin. Verlangt, was euch geliebet, das wird euch zum Gewinn. Burgen, Land und Leute, oder was eur Herz begehrt, Ich geb euch meine Treue, des sollt ihr sein gewährt.“

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Sie sprach: „Lieber Herre, und haltet ihr das wahr?“ Er sprach: „Was ihr gebietet, das thu ich Alles gar.“ „So laßt vom Thurm hernieder eure Tochter zu mir gehn, So ist mir für die Haube genug Entgeltung geschehn.“

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Er sprach: „Edle Königin, des seid ihr gern gewährt; Ihr hättet andre Gabe vergebens nicht begehrt. Beides, Land und Leute, das Silber und das Gold, Das laß ich euch geben, wenn ihr es nehmen wollt.“

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Zweites Abenteuer.

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Wie Hugdietrich auf dem Thurm bei der schönen Hildburg war.

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Da sandte König Walgund über all sein Land. Zu Hofe kam geritten manch kühner Weigand, Herzogen und Grafen gekleidet schön und reich; Die Königin auch sandte nach edeln Frauen im Reich.

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Die Jungfrau gieng vom Thurme am festlichen Tag: Alsbald auf den Knieen Hugdietrich vor ihr lag. Sie umfieng ihn mit Armen und hieß ihn willkomm sein. Sie sprach: „Steht auf, Jungfrau, stellt euer Knien vor mir ein.“

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Frau Liebgart die schöne trat zwischen Beide hin, Mit jedem Arm umfieng sie eine Königin Sie auf Gestühl zu führen, das war gar wonniglich. Da sah der Held so gerne diese Jungfrau minniglich.

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Die jungen Königinnen ließ man beisammen sein, Bracht ihnen gute Speise, dazu auch klaren Wein. Da saß der werthe König bei der Jungfrau wohlgethan; Wohl blickten diese Beiden lieblich sich einander an.

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Er reicht’ ihr den Becher und schnitt ihr das Brot, Höfischer Züchte er viel der Schönen bot. Was gefiele beßer dem Herren nun als das, Da er an dem Tische bei der schönen Jungfrau saß?

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Frau Liebgart blickte manchmal hinüber nach dem Paar, Ihr Gehaben und Gebahren nahm sie fleißig wahr. Da raunte ihrer Tochter die Königin ins Ohr: „Du magst Zucht von ihr erlernen; sie thut dirs weit zuvor.“

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Herr Walgund der König das länger nicht verhieng, Wie bald er zu Hofe vor seine Gäste gieng, Die er entboten hatte zu dem Hofgelag. Zu seines Hofes Ehre nahm er Schaden diesen Tag.

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Ein Graf sprach zu dem König: „Herr, macht mir bekannt Um eurer Tugend willen: wer hat euch gesandt Die zierliche Haube? das ist ein stolzes Kleid.“ „Das hat gethan von Griechenland eine minnigliche Maid,

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„Die hier als Ingesinde meiner Tochter ist zu schaun.“ Da gieng wohlgezogen der König zu den Fraun. Da saßen bei einander die zwo Gespielen gut: Wer sie nun scheiden wollte, der hätte nicht weisen Muth.

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Da sprach die schöne Hildburg: „Lieber Vater mein, Ich bäte dich so gerne, möcht es mit Hulden sein, Daß du auf den Thurm mir ließest die schöne Hildegund: Da wollte sie mich lehren was sie kann in kurzer Stund.“

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Da sprach König Walgund: „Dafür wär ich ihr hold; Ich geb ihr zum Lohne mein Silber und mein Gold, Und mach ihr Land und Leute, wenn sie frein will, unterthan.“ „Nein,“ sprach da Hildegunde, „ich will keinen Mann.“

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Ein Ende nahm das Hofgelag, die Herren ritten fort. Da nahm König Walgund die zwo Gespielen dort, Sie auf den Thurm zu führen, wo man sie verschloß. Da ward Hugdietrichs Freude bei der schönen Jungfrau groß.

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Man schuf ihnen beiden also gut Gemach, Was sie bedurften, daß ihnen nichts gebrach. Der Thorwart und der Wächter musten draußen sein; Man reichte Trank und Speise zu einem Fenster herein.

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Da ward der Jungfrauen Hugdieterich so hold, Er lehrte sie zum Ersten wie sie spinnen sollte Gold, Darnach am Stickrahmen bilden wundersam, Und darauf entwerfen Gethier so wild als zahm.

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Nun merkt, ob der König nicht großer Züchte pflag, Daß er zwölf Wochen auf dem Thurme lag, Und sie nicht brachte inne, daß er wär ein Mann, Bis die starke Minne in ihm zu völlig entbrann.

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Da umfieng er sie mit Armen, gar schön er sie umschloß, Sein Halsen und sein Küssen das ward also groß, Daß sich die starke Minne nicht mehr verhehlen ließ. Da stahl sich sein Geselle gar schön aus seinem Verlies.

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Da sprach die schöne Hildburg: „Liebe Gespiele mein, Was bedeutet dieses Kosen? sag an, was soll das sein?“ „Nun nehmt es auf zum Besten, edle Königin, Daß ich von Constenopel der König Hugdietrich bin.

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„Ich litt um euretwillen viel Mühsal lange Zeit, Und hab es gern erlitten, viel edle schöne Maid. Ich will dir jetzo schwören, ich laße nicht von dir, Du sollst zu Constenopel unter Krone gehn mit mir.“

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Da begann sie heiß zu weinen, ihre Augen wurden roth: „Würd es mein Vater inne, so hätten wir den Tod.“ Er versöhnte sie mit Güte: ihr Weinen ließ sie da: Ihnen wurde wohl zu Muthe, und Beider Wille geschah.

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Da hatte Hugdietrich die Schöne, das ist wahr, Völliglich sechs Wochen, dazu ein halbes Jahr, Daß Niemand sein ward inne und Niemand Argwohn fieng, Obwohl die alte Königin oft zu ihnen beiden gieng.

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Da empfieng die schöne Hildburg von ihm ein Kindelein, Salneck und Griechenland, die wurden beide sein; Toskana und Apulien, Rom und Lateran, Römisch Reich ward alles diesem Kindlein unterthan.

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Als die Königstochter des Kindes nun empfand, Sie begann so heiß zu weinen, daß sie die Hände wand. Sie sprach zu ihm: „Hugdietrich, König lobesan, Unser Beider Freude muß ein Ende nun empfahn.

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„Ich empfind es, unterm Herzen trag ich ein Kindelein, Und müßen doch gefangen hier oben Beide sein. Wir können nicht hinunter, es frommt uns keine List.“ Er sprach: „Sei guter Dinge, da Gott uns nimmer vergißt.

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„Unser Beider Leben steht bei Gott allein, Der wird uns hinnen helfen und seinen Rath verleihn. Er soll uns behüten unser Leib und Leben, Das er in seinen Gnaden uns Beiden hat gegeben.“

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Drittes Abenteuer.

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Wie Hugdietrich heimfuhr.

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Frau Liebgart die alte das länger nicht verhieng; Zu ihrer schönen Tochter auf den Thurm sie gieng Zu schauen wie da lerne ihr liebes Töchterlein. So kam sie mit Frauen zu ihnen Beiden hinein.

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Da sprach die schöne Hildburg: „Liebe Mutter mein, Ich bäte dich so gerne, möcht es mit Hulden sein, Daß du uns an die Zinne eine Weile ließest gehn, Ob wir Abenteuer in der Ferne möchten erspähn.“

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Sie sprach: „Liebe Tochter, ich will dirs nicht versagen.“ Da ließ sie erschließen den Thurm und das Gaden; Hilgunden und die Tochter sie bei den Händen fieng, Mit den zwei Gespielen sie an die Zinnen gieng.

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Da sahn sie eine Fahne herfliegen auf dem Plan, Darunter ritten stattlich wohl zwölfhundert Mann. Wer die Herren wären, das war den Zwein nicht kund, Aber bald erkannte sie die schöne Hildegund.

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„Die ich dort reiten sehe, die sind mir wohl bekannt: Sie hat nach mir mein Bruder Hugdieterich gesandt. Es ist ein reicher Herzog von Meran geborn: So hat mein Bruder wider mich gelaßen seinen Zorn.“

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Da sprach die schöne Hildburg: „Liebe Gespiele mein, Thu es Gott zu Liebe, und laß die Rede sein. Sollt ich dich verlieren in so kurzer Stund, Das verwänd ich nimmer, du schöne Hildegund.“

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Da sprach zu ihr Hugdietrich: „Liebe Gespiele mein, Solltest du so lange in fremden Landen sein Als ich hier bin gewesen, und schickte man nach dir, Du freutest dich von Herzen: das Gleiche glaube von mir.“

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Es gieng an den Abend, wo man zu Eßen trug; Sie hatten aller Wirthschaft jederzeit genug. Da gieng sich schlafen legen die alte Königin heim. So that auch Hugdietrich mit der schönen Frauen sein.

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Von schweren Gedanken ward die Nacht ihm lang, Und von großer Sorge, die ihm im Herzen rang, Wie er mit Fug entkäme mit der Frauen sein, Und ihre Ehre hütete, dazu ihr Kindelein.

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Er sprach: „Edle Königin, ich verhieß euch doch, Ihr sollt zu Constenopel die Krone tragen noch. Doch müßt ihr, liebe Herrin, erst Noth erleiden hier; Das will ich euch vergüten,“ sprach Hugdieterich zu ihr.

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„Wenn nun kommt die Stunde, daß ihr zu Nöthen geht Mit unser beider Kinde, das wir von Gott erfleht, Den Thorwart und den Wächter nimm zu dir herein, Der bringt dir eine Jungfrau, die pflegt das Kindelein.

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„Heiß es eines Morgens zu der Kirche tragen, Daß ihm die Priester die Taufe nicht versagen. Ists ein Knab, so heiß es Dieterich nach mir, Ist es eine Tochter, so empfang es Namen von dir.

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„Ihr sollt es schön erziehen, es sei Tochter oder Knab; Sobald dus dann vermögest, so komm vom Thurm herab Und bring mit dir zwei Ritter und vier Mägdelein, Den Wächter und den Thorwart, dazu das Kindelein.

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„Und kommst du dann hinüber in der Griechen Land, So sorge, daß der Ritter mir Einer wird gesandt: So reit ich dir entgegen mit manchem werthen Mann, Und mache dich gewaltig über Alles was ich je gewann.“

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Sie sprach: „Lieber Herre, dem folg ich sicherlich. Nun thut so wohl, der Schande überhebet mich, Und gewinnt mir die Gevattern, die vonnöthen sind.“ Auf sprang da Hugdietrich von seinem Bette geschwind.

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Er gieng an die Zinnen, wo er den Wächter fand; Er rief ihn an ein Fenster und nahm ihn bei der Hand: „Seltsame Abenteuer wollt ich dir sagen gern, Wenn du verschwiegen und getreu wärst deinem Herrn.

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„So wollt ich erschließen mein ganzes Herz vor dir; Du solltest es genießen, stündest du treu zu mir Und hieltest es verschwiegen, Wächter, zu aller Stund.“ Er sprach: „Liebe Herrin, es kommt nie vor meinen Mund.“

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„So laß die junge Königin dir befohlen sein; Und wärs, daß sie gewänne ein kleines Kindelein, So werde sein Gevatter und halt es geheim.“ „Schweigt, schöne Jungfrau, was soll das für Rede sein?

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„Wie hätt ich dann gehütet, sollt es nun also sein, Daß Gevatter brauchte die liebe Herrin mein? Und hörte diese Dinge der König Walgund, Vor diesen Thurm erhenken ließ’ er mich gleich zur Stund.“

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Hugdieterich sprach: „Geschehen ists ohne deine Schuld; Dir soll dein Herr auch billig laßen seine Huld. Ich bin von Constenopel König Hugdieterich, Von mir trägt das Kindlein die Königin minniglich.

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„Das sollst du verschweigen, tugendreicher Mann. Und kommst du zu den Griechen, eine Grafschaft unterthan Wird dir mit Land und Leuten; sie soll dein eigen sein; Und bring mit dir die Herrin und das liebe Kindelein,

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„Den Thorwart und die Jungfrau nimm mit dir alsdann: Tausend Mark Goldes mach ich dir unterthan Und eine gute Veste, die dir beschließt das Land. Meine königliche Treue und Ehre hab dir zu Pfand.“

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So gute Verheißung vernahm der Wächter gern, Mit seinen beiden Händen gelobt’ er es dem Herrn. Er freute sich der Märe, daß er Gevatter war, Und that auch das Beste, da die edle Frau gebar.

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Hugdietrich gieng hinwieder wo er die Herrin fand. „Wenn ich von hinnen reite und räumen muß das Land, So trug ich für dich Sorge, vielliebe Herrin mein: Deine Ehr ist wohl behütet und mein kleines Kindelein.“

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Am Morgen Herzog Berchtung kam auf den Hof geritten; Sie sprangen von den Rossen nach fürstlichen Sitten. Sie führten von Golde herrliches Gewand: Da nahm man den Gästen der Pferde Zaum aus der Hand.

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Walgund der reiche König dem Herrn entgegen gieng, Wo er den Herzog Berchtung nach höfischer Zucht empfieng. Da sprang Herzog Berchtung: „Lieber Herre mein, Wie gehabt sich von Griechenland die edle Königin rein?

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„Seinen Zorn hat nun gelaßen ihr Bruder Hugdietrich: Man soll ihm heim senden die Jungfrau minniglich. Burgen, Land und Leute hat sie da von dem Herrn.“ Da sprach der König Walgund: „Ich gönne sie Niemand gern.

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„Meiner Tochter hab ich sie zum Gespiel gegeben: Bei der will sie verbleiben so lang ihr währt das Leben. Das ward mir verheißen von der schönen Jungfraun.“ Da sprach Herzog Berchtung: „Nun erlaubt mir, sie zu schaun.“

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Am andern Morgen ließen sie ihn vom Thurm herab. Es geschah wohl Keinem leider, dem man trug zu Grab Den Vater und die Mutter, als Hildburg geschah, Als sie nun ihr traut Gespiel weder hörte mehr noch sah.

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Als da Hugdietrich von dem Thurme gieng, Seinen Meister Berchtung wie schön er ihn empfieng! „Nun sage, Herzog Berchtung, auf die Treue dein, Wie gehabt sich Hugdietrich, der liebe Bruder mein?“

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Er umfieng ihn mit Armen und raunt’ ihm ins Ohr: „Die Frau hab ich erworben, so setzt’ ich mir es vor. Nun führe mich von hinnen alsbald, getreuer Mann, Sonst ist um mein Leben, das wiße sicher, gethan.“

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Da sprach König Walgund: „Liebe Herrin mein, Ihr sollt bei mir verbleiben, laßt euer Raunen sein. Burgen, Land und Leute mach ich euch unterthan, Daß ihr hier bei mir verbleibet, schöne Jungfrau wohlgethan.“

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Da sie gegeßen hatten und getrunken völliglich, Da ließ sich vor den König auf ein Knie Hugdieterich: „Nun erlaubt mir, heimzufahren, König auserkorn, Da wider mich gelaßen mein Bruder hat seinen Zorn.“

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„Wider meinen Willen mag ich euch hier nicht haben; Doch ist meiner Tochter Freude gar begraben.“ Da begann Hugdietrich zu der jungen Königin: „Tröst dich um meinetwillen, und thu dein Weinen hin.“

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Da zog sie von dem Finger ein golden Ringelein: „Das nimm mit dir von hinnen, traute Gespielin mein! Du sollst es mir zu Liebe tragen an der Hand: So oft du nach ihm blickest, so sei an Treue gemahnt.“

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Da hieß König Walgund Gewand zur Stelle tragen, Das war mit rothem Golde um und um beschlagen. Er sprach zu Hugdietrich: „Viel edles Mägdelein, Das tragt in euerm Lande und gedenkt der Tochter mein.“

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Auch ließ er aus dem Stalle vier schöne Pferde ziehn: Die gab er Herzog Berchtung und der jungen Königin. Da nahmen sie Urlaub und wandten sich hindann. Sie geleitete der König mit manchem herrlichen Mann.

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Da sprach König Walgund: „Viel edle Königin, Ich muß hier heim verbleiben, das nehmt mit Hulden hin.“ Da sprach er zu dem König: „Laßt euch empfohlen sein Meine Gespielin Hildburg, das edle Mägdelein.“

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Da ritt nun Hugdieterich heim zu seinem Land, Wo er in hohen Ehren seine Städt und Burgen fand. Da ritten ihm entgegen die Mannen allzumal, Sie empfiengen ihren Herren, wie ihre Treue befahl.

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Er blieb zu Constenopel nun wohl ein halbes Jahr, Und ward oft trüben Muthes, das sag ich euch fürwahr. So oft er anblickte das goldne Fingerlein, Da trauert’ ihm das Herze nach der schönen Herrin sein.

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So that auch zu Salneck Hildburg die schöne Maid Dort auf ihrem Thurme mit großem Herzeleid. Ihr Haar so fein wie Seide aus dem Haupte brach sie da, Daß sie nun ihr traut Gespiel weder hörte mehr noch sah.

202

Da sprach zu ihr der Meister: „Liebe Herrin mein, Thut es um Gott den guten, und laßt eur Weinen sein Nur jetzt bis zu der Stunde, daß euch kam der Tag: So helf ich euch getreulich, so gut ich kann und vermag.“

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Viertes Abenteuer.

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Wie Wolfdietrich geboren ward.

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Da verdrückt’ in ihrem Herzen die edle Königin Groß Leid und grimme Schmerzen, gar übeln Ungewinn. Sie wartet’ auch und harrte bis die Zeit gekommen war, Da die edle Königin einen schönen Knaben gebar.

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Darnach an einem Morgen, da aufgieng der Tag, Ein Knäblein, ein schönes, bei der Königstochter lag. Der Thorwart und der Wächter giengen zu ihr ein, Und brachten ihr die Jungfrau, die pflegen sollt ihr Kindelein.

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Da begann die Königstochter zu schauen und zu spähn, Ob sie kein Wahrzeichen möcht an dem Kinde sehn; Da fand sie zwischen den Schultern ein rothes Kreuzlein, Daran erkannte sie hernach ihr Kindelein.

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Als aus dem Bad gehoben ward das Kindelein, Man nahm schöne Tücher und wickelt’ es darein. Ein palmatseiden Kissen man um das Kindlein wand, Und ein Gürtel von Seide, das war sein Windelband.

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Frau Liebgart die alte das länger nicht verhieng, Zu ihrer schönen Tochter auf den Thurm sie gieng; Sie stand und harrte draußen, daß man sie ließ’ herein: Wo sollten sie nun bleiben mit dem kleinen Kindelein?

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Da sprach zu ihr der Wächter: „Liebe Herrin mein, Wie sollen wir gebahren mit dem Kindelein? Hörts eure Mutter weinen, das erst geboren ist, Unser aller Leben alsbald verloren ist.

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„Wie sollen wir gebahren? wo bringen wir es hin?“ „Ich weiß euch nicht zu rathen,“ sprach die Königin. „Der liebe Gott vom Himmel, der uns geschaffen hat, Der mög es behüten und geb uns weislichen Rath.“

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Da sprach zu ihr der Wächter: „Frau, seid wohlgemuth: Eine List hab ich gefunden, dünkt sie euch nur gut: Wir laßen von der Mauer es nieder in den Hag An einem starken Seile, eh die Königin kommen mag.

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„So ist auch wohl behütet eur liebes Kindelein.“ Da sprach sie zu dem Wächter: „Das mag das Beste sein.“ Eh da der Thurm erschloßen ward der Königin, derweil Ließ man von der Mauer das Kindlein an einem Seil.

220

Da sah man Frau Liebgart zu ihrer Tochter gehn: „Wie bist du bleich geworden? Was ist mit dir geschehn?“ „Mutter, ich hab ein Grimmen, ich weiß nicht woher; Ich wäre schier gestorben, doch ist mir beßer nunmehr.

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„Ich wollte schon verzweifeln, Mutter, an dem Leben.“ Da ließ ihr die Mutter eine kleine Speise geben. Zu eßen und zu trinken, das that der Tochter Noth: Wohl konnte sie die Alte behüten vor dem Tod.

222

Zweier Sorgen Hildegund in ihrem Herzen pflag: Die eine um ihr Kindlein, das draußen war im Hag, Von dem sie nicht wußte wie es behütet war; So war die andre Sorge, daß sein Vater ferne war.

223

Da verdrückt’ in ihrem Herzen die edle Königin Groß Leid und grimme Schmerzen, gar übeln Ungewinn, Den ganzen Tag bis Abends es an zu dämmern fieng, Und ihre liebe Mutter von dem Thurm hernieder gieng.

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Noch immer war das Kindlein verborgen in dem Hag, Vom Morgen bis zum Abend es stäter Ruhe pflag. Mit Baden und mit Windeln war ihm sein Recht gethan, Da schwieg es also stille, daß Niemand es vernahm.

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Ein Wolf nach seiner Speise im Hag derweile gieng, Wo er oftmals Hühner und Fasanen fieng. Der fand das kleine Kindlein und nahm es in den Mund: Er trug es hin zu Walde wohl in derselben Stund,

228

Zu einem hohlen Berge, darinne war sein Hohl. Der Alten waren zweene, das vernahmen wir gar wohl: Die hatten vier Junge, dreier Tage alt, Ihr Witz und der des Kindes glichen einander halt.

229

Zu ihnen trug der alte das kleine Kindelein: Der jungen Wölfe Speise sollt es gewesen sein. Da schuf es ihre Jugend, sie waren da noch blind. Das half der jungen Königin, denn es erhielt ihr das Kind.

230

Wir laßen nun das Kindlein bei den Wölfen dort, Und sagen wie die Mutter sich gehab an ihrem Ort. Sie sprach zu dem Wächter: „So lieb ich dir mag sein, Bei aller deiner Tugend, was macht mein Kindelein?“

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Auf stand der Wächter und gieng vom Thurm alsbald, Zur Mauer, wo das Kindlein sein sollt in dem Wald. Da konnt er es nicht finden, der Wolf hatt es vertragen; Er sprach: „O weh der Märe! was soll ich meiner Frauen sagen?“

234

Der Gedanken waren manche, der er im Herzen pflag. Er gedacht: „Ich will verbleiben hier außen all den Tag Bis morgen in der Frühe, da es beginnt zu tagen, Als hätt ichs taufen laßen: das will ich meiner Frauen sagen.

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„So bleibt es wohl verschwiegen um das Kindelein Sechs Wochen, bis vom Bette kommt die Herrin mein: Wenn sie es jetzt erführe, das Kindlein sei verloren, Vor Leid müßte sterben die Königin hochgeboren.“

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Früh am andern Morgen, als es begann zu tagen, Der Wächter kam gegangen, da hub sie an zu fragen. Sie sprach: „Lieber Wächter, trauter Gevatter mein, Sag mir bei deiner Güte, was macht mein Kindelein?“

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Er sprach: „Es ist geborgen, liebe Herrin mein; Ich hab es taufen laßen, eur schönes Kindelein, Ich und eine Jungfrau, wie sichs mein Herr erbat; Der Thorwart hat gehütet diese Nacht an meiner Statt.

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„Einer guten Amme vertraut’ ich es an, Die wird es wohl verpflegen; es ist so wohlgethan. Ich verhieß ihr sechs Mark Goldes, edle Königin.“ „Fürwahr, die geb ich gerne, sie soll es treulich erziehn.“

241

Zur Jagd wollte reiten Herr Walgund, wie er pflag, Da sahn des Königs Jäger den Wolf gehn in dem Hag. Da ward nach dem Wolfe gekehrt des Königs Jagd, Man jagt’ ihn nach dem Walde, dem er viel Schaden gebracht,

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Zu einem hohen Berge, der war innen hohl; Der Alten waren zweene, das vernahmt ihr wohl. So kühn war aber Keiner, sich in das Hohl zu traun. Der König sprach im Zorne: „Wir müßen die Wölfe schaun.“

243

Die Ritter und die Knechte flißen sich mit Graben, Vor und in der Höhle musten sie Arbeit haben, Bis an dem Wolf gerochen war des Kindleins Noth: Sie stachen mit den Spießen die beiden Alten zu Tod.

244

Da nun die Wölf erstochen lagen in ihrem Haus, Hinein schloff ein Jäger, und warf sie hinaus. Da fand er die vier Jungen, nicht mehr schien dort zu sein; Von dannen wollt er scheiden, da weinte das Kindelein.

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Er nahms und trugs zum Lichte, zu beschauen hub ers an. Er sprach: „Ich sah mein Leben kein Kind so wohlgethan. Schauet, von Salneck Herr König Walgund, Hier hab ich euch gefunden gar einen reichen Fund.

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„Schaut selber, lieber Herre, dieß Kindlein traf ich an, Mich dünkt, in aller Weite lebt nichts so wohlgethan.“ Da sprachen Die es sahen: „Es ist erst neu geboren.“ „Mich reut’ es,“ sprach der König, „müßt’ es also sein verloren.

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„Laßt uns die Mutter suchen,“ hub der König an, „Wenn die Wölfe nicht zerrißen Die dieses Kind gewann.“ Da man die Mutter nirgend in dem Gebirge fand, Wie bald man das Kindlein da vor dem König entband!

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Soll ein Ding sich fügen, das muß fürwahr geschehn, Des mag man an dem Kinde wohl ein Beispiel sehn. Natürliche Liebe Herrn Walgund bezwang, Daß er sein königlich Gewand über das Kindlein schwang.

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Er wollt es Niemand laßen, er nahm es in den Arm; Er sprach: „Laßt uns nach Salneck, da betten wir es warm.“ Ritter und Knechte säumten nicht länger dort, Sie führten zu der Veste das Kindlein mit dem Wilde fort.

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Da kamen sie in Eile auf den Hof geritten, Und sprangen von den Rossen nach fürstlichen Sitten. Hin trat König Walgund vor sein Gemahl alsbald: „Nun schau, liebe Herrin, welch ein Kind ich fand im Wald.“

255

Wie es die wilden Wölfe in einen Berg getragen Und wie es ward gefunden, begann er ihr zu sagen. „Es hat noch nicht die Taufe, ist neulich erst geboren: Mich müßt es immer reuen, sollt es also sein verloren.

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„Heißet es nun baden, liebe Herrin mein, So will ich taufen laßen das schöne Kindelein, Und will es wohl erziehen; wird es ein biedrer Mann, Tausend Mark Goldes mach ich ihm unterthan.“

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Da gewann er ihm zu Toten (Pathen) den Grafen Wolfswin, Dazu von Galicien eine edle Markgräfin Und St. Jörg, den Ritter; das war ein kühner Mann. Der Thorwart und der Wächter, die durften jetzt nicht heran.

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Da man das schöne Kindlein trug zur Taufe hin, Der König selber folgte und die Königin; Den Rittern und den Knechten groß Wunder schiens zu sein, Woher gekommen wäre das schöne Kindelein.

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Da man das edle Kindlein nun aus der Taufe hob, Man schöpft’ ihm einen Namen, der kam zu großem Lob: Wolfdieterich der Name ward weit und breit bekannt, König hieß Wolfdieterich hernach über manches Land.

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Eine Mark Goldes gab ihm die edle Markgräfin, Eine Mark Goldes gab ihm auch der Graf Wolfswin; Ihm gab St. Jörg der Ritter ein golden Fingerlein, Daß man desto beßer zöge das schöne Kindelein.

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Einer reichen Amme das Kind empfohlen ward, Die wußt es schön zu ziehen, sie war dem Kindlein zart. Man sah es wohl gedeihen darnach in kurzen Tagen: Von einer Burg zur andern muste man das Kindlein tragen.

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So wuchs in kurzen Tagen das Kindlein wonnesam, Und ward so schön zu schauen und so wohlgethan, Daß man Kunde hörte davon im Lande sagen; Sie musten es die Woche dreimal vor den König tragen.

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Darnach Frau Liebgart nicht länger das verhieng, Zu ihrer schönen Tochter auf den Thurm sie gieng. Da sagte sie ihr Märe von dem Kindelein: Da erschrak in ihrem Herzen die junge Königin rein.

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Wie es die wilden Wölfe in den Berg getragen, Es der König hätt gefunden, begann sie ihr zu sagen, Und wie so schön es wäre, das edle Kindelein: Da sprach die junge Königin: „Ach Gott, wem mag es wohl sein?“

269

Darnach in kurzen Stunden, als die Mutter von ihr gieng, Die junge Königstochter nicht länger das verhieng, Sie sprach zu dem Wächter: „Trauter Gevatter mein, Sag mir die rechte Märe, wie steht es um mein Kindelein?“

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Er sprach: „Aufs allerbeste, liebe Herrin mein, Ich hab es taufen laßen, eur liebes Kindelein.“ Sie sprach: „Bei dem Gerichte, das zuletzt über dich ergeht, Sag mir keine Lüge, wie es um mein Kindlein steht.“

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Da sie so hoch und theuer den Wächter hatt ermahnt, Die Augen liefen ihm über, der Mann die Hände wand. Er sprach: „Liebe Herrin, so will ich euch sagen, Ich konnt es nirgend finden, und weiß nicht wers hat hingetragen.“

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Die edle Königstochter hatte Leids genug, Mit ihren beiden Händen sie zu den Brüsten schlug. So kläglich muste klagen die Jungfrau wohlgethan, Sie klagte Gott vom Himmel, daß sie je das Leben gewann:

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„O weh, daß mich die Mutter je hat zur Welt geboren, Nun hab ich Gottes Hulden und auch mein Kind verloren, Dazu Hugdieterichen, den liebsten Herren mein: Von Gut und von Ehren muß ich geschieden sein.“

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Da sprach zu ihr der Wächter: „Vielliebe Herrin mein, Thut es um Gott den guten und laßt eur Weinen sein. Euer Vater hat gefunden eur Kindelein im Hohl: Er ziehts ohn euern Schaden: darum gehabt euch wohl.

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„Und wollt ihr mir nicht glauben, so hört was ich euch sage: Bittet eure Mutter, daß man es zu euch trage, So mögt ihr wohl beschauen das selbe Kindelein, Und werdet ihr wohl inne, ob es euer möge sein.“

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Frau Liebgart die alte nicht länger das verhieng, Zu ihrer schönen Tochter sie nach dem Thurme gieng. Als sie nun wieder sagte von dem Kindlein wohlgethan, Da sprach die junge Königin: „Liebe Mutter, hört mich an.

279

„Ich bäte dich so gerne, möcht es dein Wille sein, Daß du mich sehen ließest das schöne Kindelein.“ Sie sprach: „Dein Vater liebt es sehr, er vertraut es Niemand an.“ „So bring die Amme morgen mit dir den Thurm hinan.“

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Da brachte sie am Morgen die Amme mit zuhand. Die Junge nahm es auf den Schooß: wie bald sie es entband! Da fand sie zwischen den Schultern das Kreuz von Golde klar, Daran sie wohl erkannte, daß es ihr Kindlein war.

283

Da zog sie von dem Finger ein Ringlein schön genug, Und gab es der Amme, die das Kindlein trug, Daß sie desto beßer zöge ihr schönes Kindelein. Sie sprach: „Wär ich bei Leuten, ich wollte dir gnädig sein.“

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Fünftes Abenteuer.

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Wie König Walgund zu Hugdietrich sandte.

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Darnach als die Mutter einst wieder bei ihr saß, Und sie von Abenteuern sprachen dieß und das, Da sprach sie zu der Mutter: „Dürft ich euch gestehn Seltsame Abenteuer, die mir kürzlich sind geschehn?“

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„Tochter,“ sprach die Mutter, „mir solltest du wohl sagen Was dir ist geschehen in allen deinen Tagen,“ So sprach die alte Königin „ich kann verschwiegen sein.“ „So wißet, liebe Mutter, das Kindlein das ist mein.“

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Wie es die wilden Wölfe in den Berg getragen, Da sie es von der Mauer ließ, begann sie ihr zu sagen, Und wie sie gewonnen das schöne Kindelein. „O weh, liebe Tochter, wer mag der Vater denn sein?“

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Sie sprach: „Liebe Mutter, das thu ich dir kund. Ihr gedenket wohl von Griechenland der schönen Hildegund, Die mich lehrte wirken die Hauben wunderlich: Das war von Griechenlanden der König Hugdieterich.

294

„Von dem hab ich gewonnen das schöne Kindelein. Nun wendet es zum Besten, es mag nicht anders sein. Ich hab euch gestanden wie es um mich bewandt; Nun gebt mir Rath, wie komm ich zu ihm nach Griechenland?“

295

„So lob ich Gott vom Himmel,“ sprach die Königin, „Hast du solchen Herren: das ist kein Ungewinn. Nun schweig, liebe Tochter; ist es so um dich bewandt, So will ich dir wohl rathen, wie du kommst gen Griechenland.“

296

Darnach als die Königin bei ihrem Herren lag Und der Reden mancherlei er mit ihr pflag, Sie sprach: „König Walgund, lieber Herre mein, Wie soll man thun dem Dinge, das nun nicht anders mag sein,

297

„Und dem auf Erden Niemand mehr widerstehen kann?“ „Das soll man fahren laßen,“ sprach zu der Frau der Mann. „So gebt mir eure Treue, so soll es immer sein.“ „Davon weich ich nimmer,“ sprach er, „auf die Treue mein.“

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„Ein seltsam Abenteuer will ich euch gestehn, Das unsrer lieben Tochter kürzlich ist geschehn: Du fandest in dem Berge ein schönes Kindelein: Das gehört Hildburgen, der schönen Tochter dein.

301

„Wer nun der Vater wäre, das thu ich dir kund: Dir gedenkt von Griechenlanden der schönen Hildegund, Die sie Hauben lehrte wirken mit kunstreicher Hand: Wißt das ist Hugdietrich gewesen aus der Griechen Land.

302

„Bei dem hat sie gewonnen das schöne Kindelein. Nun wenden wirs zum Besten, es kann nicht anders sein. Ihr sollt nach ihm senden, und bietet sie ihm an: Burgen, Land und Leute macht er ihr unterthan.“

303

Mit mancherlei Gedanken König Walgund rang Bei dem großen Zorne, der seine Sinne zwang. Er dachte, seine Tochter hätte den Herrn verlogen, Den Wächter und den Thorwart in ihren Lug gezogen.

304

„Glaubt ihr, Frau, der Tochter, das heißt zuviel vertraun: Von Antlitz und Farbe glich sie zu sehr den Fraun. War sie doch so minniglich, dazu so wohlgezogen: Ich fürchte, unsre Tochter hat den Herrn nur verlogen.“

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Darauf am andern Morgen stund es nicht länger an, Den Thorwart und den Wächter hieß er beide fahn. Er sprach: „Ihr müßt mir sagen von der Tochter mein, Von Wem sie gewonnen habe das Kindelein.“

308

Da begann der Wächter zu dem Herrn zuhand: „Herr, wollt ihr mir glauben, so mach ich euch bekannt Wie es ist ergangen um die Tochter dein, Und wie sie hat gewonnen dieses schöne Kindelein.

309

„Hildegund die schöne die nahm mich bei der Hand, Auf dem Thurm an einem Fenster, das mach ich euch bekannt: Da sagte sie mir Mären, die klangen wunderlich, Sie wär von Constenopel der König Hugdieterich.

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„Das hieß er mich verschweigen, der tugendreiche Mann, So mach er mir zum Lohne eine Grafschaft unterthan, Burgen, Land und Leute sollten mein eigen sein, Daß ich die Frau ihm brächte und das liebe Kindelein.

311

„Da that ich als der Dumme und vernahm den Antrag gern: Mit meinen beiden Händen gelobt ich es dem Herrn. Sendet zu den Griechen und stimmt nicht Alles ein, So heißet mich erhenken, viel lieber Herre mein.“

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Noch sprach er: „Lieber Herre, was hatt ich Schuld daran, Daß ihr zu eurer Tochter verschloßet einen Mann? Es ist kein Wunder eben, hat sie ein Kindelein.“ Da sprach König Walgund: „Du sollst bei Hulden sein.“

315

Da sprach König Walgund: „Ich hatt es verschworen Keinem Mann zu geben die Jungfrau hochgeboren: Nun hat sie selbst genommen, das schöne Mägdelein. Nun sprecht, ob wohl ich ledig meiner Eide möge sein?“

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„Ihr seid des Eides ledig,“ sprachen sie all umher. „Nun sollt ihr nach ihm senden, dem reichen König hehr, Daß er holen komme eure Tochter wohlgethan: Er ist ein Herr und König, der viel der Lande gewann.“

317

Da sprach König Walgund: „Lieber Graf Wolfswin, Euch und St. Jörg den Ritter send ich als Boten hin. Ihr seid ihm Gevattern, das freut ihn sicherlich: Nun bringt mir her von Griechenland den König Hugdieterich.“

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Dieser Botschaft freuten die zween Gevattern sich. Vier und zwanzig Ritter kleidet’ er wonniglich; St. Jörg führte sechzig, die trugen reich Gewand. Da warben sie dem König die Botschaft in der Griechen Land.

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Berufen ließ der König nun die schöne Magd. Er fragte sie, ob Wahrheit der Wächter ihm gesagt. „Es ist also ergangen,“ sprach das Mägdelein, „Und anders nicht, euch möge mein Haupt zu Pfande sein.“

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Noch sprach die Königstochter: „Lieber Graf Wolfswin, Ihr und St. Jörg der Ritter seid Boten mir an ihn. Zum Wahrzeichen wiß er noch wohl was er mir rieth Des Nachts an dem Bette, eh er Morgens von mir schied.

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„Nun heißet ihn besenden die Herrn in seinem Land, Daß er zu sich bringe manch kühnen Weigand. Er komm uns zu Lande mit manchem werthen Mann, Daß man ihn zu Salneck für einen Herrn erkennen kann.“

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„Das will ich gerne leisten,“ sprach der Graf Wolfswin; „Gebt mir nur euern Urlaub, schöne Frau, dahin.“ Urlaub ward ihm gegeben, so haben wir vernommen. Am achtzehnten Tage waren sie gen Constenopel gekommen.

325

Da kamen sie herrlich auf den Hof geritten, Sie sprangen von den Rossen nach fürstlichen Sitten. Sie giengen vor den König von Constenopel stehn: Da empfieng sie Hugdietrich, der König außersehn.

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Da ließ sich Graf Wolfswin vor ihm nieder auf ein Knie. Er sprach: „Um euretwillen, Herr, so sind wir hie. Gebt uns, edler König, guten Botenlohn: Hildburg, eure Fraue, hat einen schönen Sohn.

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„Doch sind wir nicht gekommen nur um das Botenbrot; Ich will euch ferner melden was der König euch entbot. Kommt bald nach ihr gefahren, er bietet sie euch an, Dazu auch Land und Leute macht er euch unterthan.“

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„Wann genas des Kindes die liebe Herrin mein?“ „Vor einem halben Jahre wird es gewesen sein.“ Er sprach: „Ach Gott, wer möchte dem Kind Gevatter sein?“ „Das will ich und der Ritter und eine Markgräfin rein.“

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Da freute der Gevattern sich Hugdieterich: Mit beiden Händen Einen fieng er hin zu sich. Er führte wohlgezogen sie in den Saal hinein, Man setzt’ ihnen Seßel und schenkt’ ihnen klaren Wein.

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„Wie ward man deßen innen denn um die Fraue mein? Wie gebahrte König Walgund gegen die Tochter sein, Und die alte Königin? das hätt ich gern vernommen.“ Da sagten sie ihm Alles, wie es war mit ihm gekommen.

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Wie die wilden Wölfe das Kind hinweggetragen, Und wie es fand der König, begann man ihm zu sagen, Und wie es durch ein Wunder nur blieb unverloren. Er sprach: „Herr Gott vom Himmel, daß ich jemals ward geboren!

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„Haben die wilden Wölfe es in den Berg getragen! Wie soll es denn heißen? das sollst du mir sagen.“ Graf Wolfswin versetzt: „Das mach ich euch bekannt, Wolfdietrich soll es heißen, weil man bei Wölfen es fand.“

337

Es gieng an den Abend, daß man das Eßen trug; Sie fanden da Bewirthung zu aller Zeit genug. Man gab ihnen tausend Mark des lichten Goldes roth, Gute Roß und gute Kleider gab er hin zum Botenbrot.

338

Da kam Herzog Berchtung geritten in das Land: Sie meldeten die Märe dem Fürsten allzuhand. Er sprach: „Wir sollen reiten zu der Frauen ausersehn: Die soll zu Constenopel unter der Krone gehn.“

339

Da sandte Hugdietrich hinaus in all sein Land. Ihm kam zu Hof geritten manch kühner Weigand, Wohl fünftausend Helden kühn und ritterlich: Mit denen ritt gen Salneck der König Hugdieterich.

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Die Saumrosse wurden alle schwer beladen, Und voll die Kammerwagen, die da sollten tragen Den Wein und die Speise durch das weite Land. Das rieth ihnen mit Ehren mancher kühne Weigand.

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Dazu hieß er kleiden manchen Ritter gut, Die nahmen bei der Hochzeit ihrer Ehren wohl in Hut. Herzogen, Grafen und manchen werthen Mann, In Silber und in Golde sah man sie ritterlich nahn.

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Da sprach Herzog Berchtung: „Lieber Herre mein, Das Gold und das Silber laßt euch zu lieb nicht sein. Den Mannen und den Frauen theilt es in Milde gern, Und zeigt euch in Salneck als einen König und Herrn.“

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„Nun sorge, lieber Meister, so lieb ich dir mag sein, Daß es hier steh nach Ehren, komm ich mit Hildburg heim.“ Da nahmen sie Urlaub, so haben wir vernommen. Am achtzehnten Tage sah man sie gen Salneck kommen.

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Sechstes Abenteuer.

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Wie Hugdietrich Hildeburgen zum Gemahl nahm.

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Da hatte König Walgund geschlagen auf das Feld Fürstlich Gestühle und ritterlich Gezelt. Die Knäufe sah man leuchten, sie gaben weiten Schein: So harrten sie der Gäste, die da reiten sollten ein.

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Da kam St. Jörg, der Ritter, vor ihnen hergerannt, Und sagt’ ihm, wie sie kämen mit Ehren in das Land. Da war König Walgund alsbald dazu bereit, Entgegen ritt er ihnen wohl eine Tagreise weit.

352

Als er Hugdieterichen aus der Ferne sah, Nun mögt ihr gerne hören, wie sprach er zu ihm da: „Willkommen Herr und Jungfrau! wie habt ihr mich betrogen! Ich sehs an euerm Antlitz, der Wächter hat nicht gelogen.

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„Dem hätt ich euretwegen den Tod schier angethan.“ Hugdietrich sprach: „Ihr hättet Unrecht gethan daran. Ihr wolltet Niemand geben eur schönes Töchterlein, Mit Listen must ich werben um die liebe Herrin mein.“

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Da empfieng man die Gäste zumal gar ritterlich, Manchen kühnen Ritter und den Herrn Hugdieterich. Man hielt sie schön und würdig, so manchen werthen Mann, Die da gekommen waren mit dem Fürsten lobesan.

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So kamen sie mit Haufen in das Gestühl geritten, Und wurden wohl empfangen nach ritterlichen Sitten. Da begann Hugdieterich: „Möcht es mit Hulden sein, So möcht ich gerne sehen mein liebes Kindelein,

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„An dem mir schier so großes Leid wär geschehn. Andre seine Freunde hab ich nun schon gesehn; Nun säh ich gern mein Kindlein, das der Wolf mir nahm.“ Nicht lang, so kam die Amme mit dem Kindlein heran.

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Er nahm es auf die Arme wohl zu derselben Stund, Er halst es und küsst’ es gar oft auf seinen Mund, Und sprach zu ihm: „Wolfdietrich, mein liebes Kindelein, Constenopel soll dein eigen vor andern Erben sein.“

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Einen Mantel ließ er sinken, schön und kostbar, Nieder zu den Füßen, das sag ich euch fürwahr. Er war mit lichtem Golde um und um beschlagen: Den gebot er der Amme mit dem Kindlein hinzutragen.

363

Da empfieng die Amme die reiche Gabe gern: „Großen Dank, Herr König,“ sprach sie zu dem Herrn. „Gott in seiner Güte laß euch in Wonne leben; Ihr habt mir reiche Gabe zu dem Kindlein gegeben.“

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Frau Liebgart die Königin nicht länger das verhieng, Mit ihrer schönen Tochter sie zu dem Herren gieng. Zwei spielende Augen, ein rosenfarbner Mund, Die thaten Hugdieterichen ein lieblich Grüßen kund.

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Da sprach Liebgart die alte: „Lieber Herre mein, Das mocht ich nicht wähnen, daß es also sollte sein, Als ihr die Haube wirktet so schön und säuberlich.“ Darob erlachte herzlich der König Hugdieterich.

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Da schwur man ihm zum Weibe die Fraue wohlgethan, Land und Burgen machte man ihm unterthan, Dem auserwählten Degen, dem Herrn Hugdieterich: Nach der Beiden Tode sollt ers gewinnen für sich.

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Da sandte König Walgund nach manchem werthen Mann, Zu der Hochzeit kamen viel Ritter lobesam, Herzogen und Grafen aus dem weiten Land: Da ward Herr Hugdietrich erst recht zu Salneck bekannt.

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Den Herren allen wurden Herbergen ausersehn; Man sah den König Walgund mit seinen Gästen gehn. Eßen und Trinken ward da nicht gespart: Die fahrenden Leute berieth man wohl nach ihrer Art.

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Diese Hochzeit währte drei Wochen, das ist wahr: Da fuhren sie von dannen in mancher vollen Schar. „Wollt ihr mit mir von hinnen, Herr Walgund, Schwäher mein?“ „Das will ich in Treuen, ich fahre gern mit euch heim.“

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Urlaub nahm Hugdieterich von Herrn und Fraun zumal; So that auch Frau Hildburg, sein königlich Gemahl. Hundert schneller Mäuler waren für sie bereit: Ein jedes trug gen Griechenland eine schöne junge Maid.

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Da sandte König Walgund nach manchem werthen Mann: Wohl vierhundert Ritter er zu sich gewann. So gaben kühne Helden, zu jedem Kampf bereit, Ihm und seiner Tochter gen Constenopel Geleit.

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Da sann auch von Galicien die edle Markgräfin, Mit den lieben Gevattern gedachte sie zu ziehn. Wohl mit sechzig Jungfraun ward sie bereit zur Fahrt: Nun schauet, wie gar herrlich sie dahin geleitet ward!

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Da hub sich zu Salneck ein ungefüger Schall, Als das Gesinde aufbrach überall. Von der Mutter nahm sie Urlaub, wie ich euch melden will, Man sah da vor der Königin mancherlei Freudenspiel.

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Zu Kauf war auf der Straße was nur das Herz begehrt; Man that auch Niemand Schaden nur eines Pfennigs Werth. Sie ritten zwanzig Tage mit der Fraue wohlgethan, Bis sie an einem Morgen Constenopel ersahn.

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Da hatte Herzog Berchtung in all sein Land gesandt Und zum Geleit gewonnen manch kühnen Weigand. Er ritt dem Herrn entgegen mit manchem werthen Mann, Und empfieng ihn wohl nach Ehren mit der Frauen wohlgethan.

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Da kamen sie gar herrlich auf den Hof geritten Und sprangen von den Rossen nach fürstlichen Sitten. Sie giengen mit den Frauen auf den schönen Saal: Da hub sich allenthalben ein ungefüger Schall.

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Vierzehn Tage währte dieses Hofgelag, Man sagte weit im Lande davon noch manchen Tag. Da nahm Herr Walgund Urlaub von der Tochter sein: „Zu Salneck auf dem Thurme konnte dir so wohl nicht sein.“

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Sie ritten heim zu Lande, so haben wir vernommen; Am achtzehnten Morgen waren sie heim gekommen. Da konnt er wohl berichten in seinem Land daheim, Wie man zu Constenopel hielt sein liebes Töchterlein.

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Ihr Marschall war geworden der werthe Graf Wolfswin, Der Ritter Jörg ein Kämmerer der edeln Königin; Sie setzten ihr zur Pflegerin die Markgräfin ein; Der Thorwart und der Wächter musten auch Herren sein.

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So lebte dort die Königin in Ehren, das ist wahr; Sie gewannen zwei Söhne darauf im andern Jahr, Der eine hieß Boge, der andre Wachsmuth. Darnach in kurzen Zeiten verschied der König gut.

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Quelle zitieren

Hugdietrich, in: Das kleine Heldenbuch, S. 509–565 (PDF-Seiten 533–585), Stuttgart und Augsburg: J. G. Cotta’scher Verlag: 1859

Archivfassung zitieren

Hugdietrich, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/heldenepik-hugdietrich/textzeugen/heldenepik-hugdietrich-daskleinehelden00simrgoog-translation-de-1