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Ortnit — Simrock1859
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Erſtes Abenteuer.
Wie König Ortnit die Seinen bat, ihm treulih zu rathen, wie er nac< Ehren ein Weib nehmen ſollte.
Es ward ein Buch gefunden zu Suders in der Stadt, Da war geſchrieben Wunder gar viel auf manchem Blatt. Die übeln Heiden hatten es in den Grund vergraben; Wir ſollen von dem Buche gute Kurzweile haben.
Wer mit vollen Freuden Kurzweil haben will,
Der mag ſich aus dem Buche leſen laßen viel
Von einem reichen König, der Ortneit war genanut; Er trug die Krone herrlih dort in Lampartenland,
Es wuchs in Lamparten ein König hehr und reich,
Ihm war zu ſeinen Zeiten kein andrer König gleich
In allen welſchen Landen, das glaubet ſicherlich ;
So lang der König lebte, ſaß er gewaWgQ. Stmrod, das kleine Heldenbuch.
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Gar weit gefürchtet wurde der König und ſein Heer:
Das Land hatt er bezwungen vom Gebirge bis zum Meer. Sie brachten ihm zu Zinſe das Silber und das Gold; Auch waren ihm die Seinen um manche Tugend hold,
Man gab dem edeln König gar wohlverdienten Preis: Seine Milde bracht ihm Ehre, er war in Stürmen weis. Breiſa<ß und Berne war ihm unterthanz
Ihm dienten von Garten zwei und ſiebenzig Mann,
Als er nach Königswürden in ſeiner Jugend rang, Da halfen ihm die Seinen, daß er die Lande zwang. Zwölf Mannsftärke hatte der wunderkühne Mann; In Furcht ihm unterthänig war Rom und Lateran.
Als dem jungen Fürſten ſo weit erwuchs der Leib,
Da riethen ihm die Seinen, er ſollte frein ein Weib,
Die einem reichen König möchte wohlbehagen
Und die mit Ehren dürfte bei den Lamparten Krone tragen.
Der König ſprach: „Nun rathet, ihr All in meinem Bann, Die Treuſten die ich immer in meinem Land gewann, Wo ich die Frau mag finden, die mir Genoßin ſei,
Daß iG von ihren Sippen aller Shanten eta rra>
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Da giengen ſie zu Nathe wohl fünf Tage lang Und konnten ihm nicht ſagen, nicht eber das gelang , Wo er die Fraue fände, die er möchte nehmen, Daß ſie ſich ihres Rathes nicht hernach noch müſten ſchämen,
Da ſprach der Markgraf Helmnot von Tuskan:
„Die Fürſten in der Nähe ſind all uns unterthan,
Wir finden keinen diesſeits des Meers in allem Land, Wie reich er immer wäre, der nicht diente deiner Hand,"
Da ſprach ſein Ohm von Reußen, der König Ilias,
Der nach Ortniten die meiſte Macht beſaß :
„Eine edle Jungfrau weiß i<h, die iſt gar hochgeboreu ,- Die jemals um fie warben, haben all den Leib verloren."
Da ſprach der König Ortnit: „Nun ſage mir fürbaß : Warum iſt das geſchehen, mein Oheim Jlias ?
Von wannen iſt die Jungfrau? ift ihr Geſchleht ſo hehr , Daß ſie hier mit Züchten Königin geheißen wär?"
„Ihren Vater laß dir nennen: der heißet Nachaol; Er ſitzt zu Montabauer, iſt alles Mordes voll.
Ihm dienen mehr der Heiden als dir der ChÄAſtenhei , Sernſalem das ferne iſt ſeiner Krone rievPheeöz:
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„In Syrien zu Suders iſt ſeine Hauptſtadt.
Wer als Bote jemals ihn um das Mägblein bat,
Verlor das Leben immer um die Königin.
Was willſt du nach ihr fragen? Es bringt dir nimmer Gewinn.
„Sie leuchtet aus den Frauen hervor wie Gold ſo klar Neben bleichem Bleie: das glaube mir fürwahr.
Sie ſtralt vor allen Maiden wie die lichte Roſe thut:
Nie war ein Kind noch ſchöner; ſie ift auch, ſagen ſie, gut.“
Da ſprach von Lamparten der König Ortneit:
„Nun laßt mich erfahren ob ihr getren mir ſeid,
I< will mich getröften des Reichs, das ich gewann,
Und will ven Leib verlieren um das Mägblein wohlgethan.“
Da ſprach der Renßenkönig: „Nun ſei es Gott geklagt , Daß ich von dieſen Mären dir heute hab geſagt,
Die dir zu frühem Tode nun Urſache ſind :
Ich widerrieth! es gerne: du biſt meiner Schweſter Kind.“
„Der mir es widerriethe, dem würd ich nimmer hold;
Geſpart hab ich ſo lange mein Silber und mein Gold:
Mit dieſem Schal .Zewinnen mag ich ein kräftig Heer, Es ergeh nach Gottes Willen, doh Fahr %& Force Mex?
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„Kommſt dn gen Montabauer, ſo fieh die Zinnen an: Zweiundfiebzig Hänpter fiehſt du gefte>t daran,
Die find der Jungfrau willen den Boten abgeſchlagen :
Daß ich von ihr geſprochen, das will ih Gott nun klagen.“
Da ſprach der Lamparter: „I< laße nicht von ihr:
I< will gen Montabauer, was anch geſcheh an mir.
I< will die Burg zerbrechen und wagen meinen Leib
Und will anch nimnier ruhen, mir werde das ſchöne Weib.
„Der von deiner Rede bald großes Leid gewinnt ,“
So ſprach der Lamparter, „wie liebt er ſo ſein Kind? Nach väterlihem Rechte ſollt er löblich thun,
Sie einem Manne geben: ſo hätt er Tochter und Sohn.“
„Das iſt gar bald gerathen; doch anders ſteht ſein Muth. I< will dich auch berichten warum er das nicht thut:
Er hat ſich vorgenommen, des mag er ſich wohl ſchämen, Wenn ihm die Mutter ſterbe, ſo woll er die Tochter nehmen.
„Er ſäh auch gerne ſterben wohl ihrer Mutter Leib, Daß er die ſchöne Jungfran gewänne fich zum Weib.“ „Das ſoll ihm Gott verbieten!" ſprach der König hehr : „Vevor iG fie gewinne ruh ich nun vwmmernatye.
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„Nun will ich ihrem Vater feind ſein all mein Leben. Gott laß uns wohl gelingen und wolle Glü> uns geben, Daß wir dem Heiden wehren die Ungerechtigkeit Und bald die edle Jungfrau bringen in die Chriſtenheit.
„Ibr lieben Schargenoßen, wir wollen über See; Uns wolle Gott geleiten, wie es uns dort ergeh. Wer da erſtirbt der Chriſten, der tröſte ſich damit, Daß ſeiner edeln Seelen er ewges Heil erſtritt,“
Da ſprach der Reußenkönig, der Degen unverzagt : „Niemand kann erwerben die kaiſerlihe Magd.
Wohl wird deine Reiſe Manches jüngſter Tag; Jedoch will ich dir helſeu ſo gut ich immer vermag.“
„Wer mir zur Reiſe hilfet, dem bin i< immer hold, I< will auch mit ihm theilen mein Silber und mein Gold, Das Land und die Burgen, die Leute wie das Gut, Und will ihm immer danken, der es willigtich thut.“
So ſprach von Lamparten der König Ortneit:
„Die mir nun helfen wollen, vie rüſten ſich bei Zeit.
Laßt es euch nicht verdrießen, fahrt willig mit mix dar: Wir ſollen ilberfließen mit ritteri<her Shox,
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„Daß wir die Heiden taufen, die keine Chriſten find.“
Da ſprach der Reußenkönig: „Du biſt mein Scweſterkind : I< wage für dich billig den Leib und das Leben:
Ich will dir tauſend Ritter, dazu mich ſelber geben.“
„Gott lohne dir, mein Oheim, der Gab in kurzer Friſt: Du haft mir wohl erzeiget was du mir ſchuldig biſt. Freundes Rath und Hülfe war immer wonniglich;
So Gott mich wiederſendet will ich auch ſtreiten für dich.“
Da begann von Garten der Burggraf Engelmann: „Du haſt hier auf Garten zweiundſiebzig Mann, Denen du zum Vogte geſetzt biſt und geboren:
Sie klagten es von Herzen, wärſt du ihnen verloren,“
Mit Zorn ſprach ſein Bruder, der Markgraf Helmnot : „Was wollt ihr um Frauen reiten in den Tod?
Ihr ſolltet hier verbleiben, das brächt uns mehr Gewinn : Eines reihen Fürſten Tochter ziemte wohl zur KPöuigin,."
Da ſprach der Lamparter: „Du kannſt es mir nicht wehren : Bangt dir vor der Reiſe, ſo ſollſt du mir nicht ſchwören, Du haſt doH wohl vernommen ,/" ſprach Ornit der Held, „Viebermaunes Erbe liegt allwärts zu ver We
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Da ſprach der Beiden Vater, der Truchſeß Hüteger : „Wir ſehen deinen Willen und ſäumen dich niht mehr. Ihr habt hier auf Garten zweinndſiebzig Mann,
Giebt jeder hundert Ritter; es geht doch anders nicht an,“
Da ſprach der Lamparter: „Das heiß ich Freundegsrath! Da dieſe Burg zu Garten. ſo manchen Ritter hat,
Die immer in den Nöthen zuvorderſt ſtehn im Streit, So hütet mir der Marke ,/" ſprach der König Ortneit.
„Ihr edelu Fürſten, Grafen, Dienſtmannen oder Frein, Die ohne Die zu Garten in meinem Lande ſei'n,
Die ſollen mich der Reiſe willig gewähren ,
I< muß in die Fremde, ich kann des nicht mehr entbehren."
Da begann der Markgraf Helmnot von Tuskan: -
„So nimm von mir zur Steuer“ fünftauſend kühner Mann : Die will ich mit dir ſenden, Herr, auf das wilde Meer, Und fahr ich ſelber mit euch, vielleicht wird ihrer mehr.“
„Gott lohne dir der Gabe „" ſprach König Ortneit : „Ihr habt mir wohl geftenert zu löblihem Streit. Was i< die Andern flehe, das thuft du ungemahnt : So befehl iG deiner Treue meine Brezen vo) von Lees.
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„Das iſt, milder Markgraf, in dir gar wohl bewahrt : Wenn ich vou hinnen reite mit lieber Heerfahrt , Garten und. all mein Erbe ſoll dir befohlen ſein, I< befehl auch meine Mutter dir auf die Treue dein.“
Wieder ſprach der Markgraf Helmnot von Tuskan, „Gnade, lieber Herre, zu viel hätt ich daran,
I< kann dir ganz alleine behliten nicht dein Land: Giebſt du mir nicht Hülfe, zu ſchwach iſt meine Hand,“
Da begann von Troje der Herzog Gerwart:
„I< will dir reichlich ſtenern zu deiner Heerfahrt : Mit fünftauſend Helden; und dünkt es dich Gewinn, So fahr ich ſelber mit dir nach der edelun Königin," '
Da ſprach der Lamparter: „Das begehr ich nicht:
Ihr ſollt mir hier vermehren meines Herzens Zuverſicht, Ihr habt mir verheißen ſo manchen ſtolzen Degen:
Ihr ſelbſt ſollt hier verbleiben, meine guten Veſten pflegen."
Da ſprach von Sicilien der Herzog Zadchareis :
„I< ſitz in deinem Lande, du biſt mein höchſtes Reis.
Wes du die andern bitteft, das thu ich ungebeten :
943 will dir reiGliß fteuern, wenn du ven WE WR Were].
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„Wenn dn mit deiner Reiſe willſt fahren vom Geſtade , So will ich dir zwölf Kiele mit guter Speiſe laden, Und mit dem beſten Weine, den mau noc< Köngen trug: Wohin du fährſt, ich gebe dir auf drei Jahre genug.
„I<h will dir reichlich ſteuern, Herr König Ortneit:
Für zwanzigtauſend Helden Sammt- und Seidenkleid,
Wie man es reich mit Golde durchſchlagen mag und weben, Des will ich dir die Fülle mit zwanzigtauſend Helden geben.“
„Gott lobue dir der Hülfe ," ſprach König Ortneit: „Du haſt mir wohl geſteuert zu dem Heldenſtreit.
I< will dirs immer danken wie ich billig ſoll:
So lang wir beide leben lohn ich der Gabe dir wohl,“
Da ſprach der Lamparter: „So führ ich auf das Meer Achtzigtauſend Helden oder wohl noc< mehr.
Wenn ich mit meiner Reiſe ſoll von Lande fahren, Die hier daheim verbleiben, die möge Gott bewahren.
„Ihr edeln jungen Fürſten, uun ſeit um Gott gemahnt, Wen ich ſoll mit mir führen, der habe Sturmgewand, * Ob er nun Ritter heiße, ob Nittersgenoß:
35 nähm ihn niht zur Reiſe, wär ym &x Praz WR“
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Da ſprach der Reußenkönig: „I< bringe dir an die See Fünftauſend Helden weiß wie der Schnee :
Die ſind mit Eiſenringen alle wohlbewehrt ;
Sie entweichen mir nimmer, wohin mein Banner fich kehrt.“
Da ſprach zu Ortniten Helmnot der Markgraf werth : „I<H bringe dir zur Reiſe manch hoch Kaſtiliſch Pferd. Fünftauſend kühner Helden, das war mein erſter Gruß: Verſage mir die Treue, ſo Einem ble>t ein Fuß.“
Da begann von Troje der Herzog Gerwart:
Gern helf ich dir, König zu deiner Meerfahrt.,
Lion und Provenze, die find mir nuterthan:
Daraus will ich dir bringen kühne fünftauſend Mann
- „In lichten Stahlringen, die Degen wohlgeboren, Die ich in meinem Lande für die beſten hab erkoren. Die magſt du gerne fihren, das wiße ſicherlich: Nimmer in den Nöthen, Herr König, laßen ſie dich,"
„Gott lohn euch eure Hülfe ,/“ ſprach König Ortneit,
„Ihr habt mir wohl geſteuert zu der argen Heiden Streit. Fänd ic noc< hunderttauſend, wohl allen gäb ih Sok. Die hinter mir verbleiben, denen werv iH vat Wed.
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„Einen Thurm hab ich auf Garten, der iſt gemauert wohl, Von Gold und von Silber ift er übervoll:
Mit dieſem Schaßz gewinnen mag ich ein kräftig Heer;
Es geh nach Gottes Willen, ſo will ic< doc< über Meer,
Da ſah man Manchen drängen um Hab und großes Gut, Und Manchen ſah man eilen aus hohem Uebermuth.
Sie halfen Alle gerne dem reichen König hehr;
Darum ſahen Manche Lampartenland nimmermehr.
Roff und goldue Ringe wurden hingegeben;
Um des Gutes willen wagten fie das Leben:
Viel junge Knappen nahmen aus ſeiner Hand das Schwert. „Wohl mir,“ ſprach der König, „daß Einer mein Gut begehrt.“
„Es ſteht ein Thurm auf Garten, darinnen liegt mein Hort, Er iſt gefüllt mit Schätzen vom Boden bis zum Bord,
Ich hab es lang behalten: was hilfet mir das Gut,
Wenn ich dabei gedenke an die Königin hochgemuth!"
Da gab er alſo lange, daß wenig drin verblieb. Die ſeiner Kammer pflagen, die ſchufen, daß mau ſchrieb Achtzigtaujend Helme und auch ſo manchen Schild.
Sie hatten kein Gebrechen, das huf ver Nordy rd.
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„Oheim und Herre,“ ſprach König Ilias,
„Da du des reichen Gutes ſo große Fülle haft
Und köftlicher Gezierde, ſo wähle dir den Mann, Der dir zu rathen wiße und vertraue dich ihm an.“
Da ſprach der Lamparter: „I< bin vein S<weſterkind: Da unter meiner Fahne die Fürſten alle find,
So wähl ich dich zum Vater, du biſt der Oheim mein: * Das Heer und auch dich ſelber befehl ic<h der Treue dein,“
Da ſprach der Reußen König: „Kommſt dn auf das Meer, Da magſt du wohl ertränken dich ſelbſt und all dein Heer: Der Segelwind ift böſe, noch iſt nicht Fahrens Zeit,“
„I< fahre, wenn du gebieteſt ,“ ſprach der König Ortneit.
„Wenn uns der Mai erſcheinet mit ſeinen lichten Tagen, So bitte deine Freunde, daß ſie den Heldeu ſagen,
Sie ſollen ſich bereiten, wie es uns dort ergeh:
Laß uns mit BVogelſange fließen Über die See,“
„So merkt, ihr werthen Ritter, wes ich euch bitten will: Die bei der Fahrt mir helfen, es iſt kein Kinderſpiel,
Zu allen Zeiten ſollen die alſo ſein gefinnt,
Daß fie zurüd niht denken, nicht an Weib noH ca Wed“
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Noch ſprach von Lamparten der König Ortneit:
„Daran mag ich erkennen, ob ihr getreu mir ſeid,
Und ob ihr wollet leiſten worauf das Wort ihr gabt:
I< wills um euch verdienen ſo lang ihr das Leben habt,“
Das gelobten fie ihm Alle zu leiſten williglich;
Daß ſie es gerne thaten, das freut? ihn inuiglich.
Doh ward ihm bald der Winter mit den kurzen Tagen lanz: Das ſchuf, daß ihn die Minne und des Mägdleins Schöne zwang.
Sie thaten alles willig wes er ſie mochte bitten.
Als ſie nun Urlaub heiſchten, eh ſie von Garten ritien, - Mit minniglihem Muthe er allen Urlaub gab;
Es folgte Zucht und Ehre dem König in ſein Grab.
Mit freundlichen Grüßen ſchieden all die Herrn
Bis auf den Reußenkönig; Ortnit ließ ihn nicht gern, Noch auch den reichen Heiden: die hatt er auserwählt; Sie waren in dem Lande zu ten Beſten auch gezählt.
Da ſprach der Lamparter: „Goit lafie mich erleben,
Daß ic<h3 m euch verdiene was ihr mir habt gegeben,
Getreuer werther Heide, wes ich euch niemals bat: Ließet ihr euch taufen, ich hielt! euch m Drekra Suz2
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wUnd bin ich gleich ein Heibe, meine Treue die iſt gut: I< helfe dir no< treulich wenn cs kein Chriſt mehr thut. Meine Tren iſt unzerbrochen, wenn es den Aengſten naht: I< diene dir ſo gerne als Wer die Tauf empfangen hat.“
Da ſprach der Reußenkönig: „Wir nahen bald den Tagen, Daß wir uns rüſten ſollen: laß dir den Heiden ſagen , Wo du die Kiele findeſt, die er dir geben will:
Daß wir darnach uns richten, heiß dir geben ein Ziel,“
Da ſprach der reiche Heide: „Wo wär ein beßrer Ort, Daß ihr die Kiele findet, als zu Meſſina dort
In meinem Königreiche: da iſt der Hafen gut;
Die Seeleute ſizen da auf und ab von der Flut.“
„ Da ſprach der reiche Heide: „I< will von hinnen nun, Die Kiele zu bereiten, und ſonſt was noth zu thun, Daß tu gerüſtet findeſt was ich dir leiſten ſoll.“
Da ſprach der Lamparter: „Das vergönn ich dir wohl,“
„Nun will auch ich gen Reußen ,“ ſprach da Ilias:
„Seit ich mein Haus gemieden, ſchier ein Jahr iſt das, Mich verlangt zu Hauſe zu ſehen Weib und Kind;
34 muß auch jhaun die Helden, vie vix vechößtra Fod&
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„Gott geſegu euch beide," ſprach König Ortneit,
„Und laß euch des genießen, daß ihr getreu mir ſeid, Und ſo gerne leiſtet meine Bitt und mein Gebot;
Ich will euch nicht behindern; euer beider pflege Gott.“
So gab er ihnen beiden Urlaub und Dank,
Den nur von Hörenſägen des Mägdleins Schöne zwang. Es hätt ihm benommen ihre Minne ſchier den Sinn. Von Ortnits Abenteuern iſt jeht das erſte hin.
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Zweites Abenteuer. Wie Ortnit das Geſchmeide von Elberihen empfieng.
Da ſprach der Lamparter: „Nun bin ich bereit: Wenn jetzt der Mai erſchiene, das wäre mir nicht leid. Wir ſollen mit der Vögel Geſang iber Meer.
I< ruhe nicht, mir werde denn das Mägzdelein hehr.“
Mit Zucht ſprach ſeine Mutter, das minnigliche Weib:
„Laß ab, Sohn, du gefährdeſt das Leben und den Leib, Du ſollteſt billig hören der nächſten Freunde Rath:
Es gieng gar ſelten eben was man ohne ſie noch that."
„Mutter und Herrin," ſpracß König Ortneit,
„Du ſollſt mir nicht verwehren den Willen no< den Streit.
Was du mir ſonſt gebieteſt, das iſt alsbald gethan;
Do< hätt iG tauſend Mütter, ſo hr iQ vernaH Porn, Simrod, das kleine Heldenbuch. D
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„Ihr habt mich erzogen bis anf den heutgen Tag: I< will auch Freude ſuchen ſo lang ich leben mag. I< will gen Montabauer nach der edeln Königin, Und will auch nimmer ruhen bis ihr Kuſs wird mein Gewinn.“
„So ſoll man dich nicht irren ,/" ſprach die Köngin reich, „Dn mein Herr und Vater, Mann und Sohn zugleich.
Da dichs ſo ſehr gelüftet, ſoll es dir Niemand wehren:
Der reiche Gott vom Himmel mag dir Heil dazu beſcheren.“
Die Mutter ſprach: „I< habe nur dich, mein liebes Kind, Da alle meine Freunde bis auf dich geſchwunden ſind,
Und auf meinen Bruder, deinen Oheim Jltias,
Der nimmer dein in Güte, der Reußenkönig, vergaß.“
„Mir träumt" ein Abenteuer: vor einer Felſenwand
Da ſollt ih gewinnen ein gutes Sturmgewand.“
Mit klagenden Worten ſprach das edle Weib:
„Sohn , willſt du das nicht laßen, ſo verlierft du Leben und Leib.“
Da ſprach der Lamparter: „Frau und Mutter mein, Es mag ohn alles Unglü& ein Mann wohl nimmer ſein, „Dent iS mich befehle, der möge mich bewahren,
Gerubt hab im mich lange, ih wilt wier ere ea,
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„I<h bin auf Abentener nun lange nicht geritten:
Frau und liebe Mutter, ihr ſollt mir Heil erbitten.
I< hab euch nie erzürnet; doch alſo ſteht mein Sinn: Und wehrt ihr mir die Neiſe, ſo will ich gleichwohl dahin.
„Bringt mir meine Ringe," ſprach der kühne Mann, „I< muß auf Abenteuer reiten in den Tann.
Mir iſt ſo 1“'<t zn Muthe, gewiſs gelingt mir wohl; Auf alle Weiſ' ein Biedrer ſein Heil verfuchen ſoll.“
Da ſprach ſeine Mutter: „Willſt du in Sorgen leben Und Abenteuer ſuchen, ein Ding will ich dir geben, So werth, daß du mir immer muſt deſto holder ſein: Wenn du von hinnen reiteſt, ſo uimm dieß Ringelein.
„I< gebe dir das Ringelein, das lichte rothe Gold;
Giebſt du es anders Jemand, ſo werd ich nie dir hold,“ Da ſprach der Lamparter : „I< ſchwör euch einen Eid, I< geb es anders niemand: ich ſeh, es wär euch leid.“
Als er das kleine Ringelein empfieng und recht beſah, Er ſchaut? es an gar lange, mit Lachen ſprach er da: „Nun nimmt mich immer Wunder, (iebhe Matter wa, Warum ihr alſo liebet dieſes kleine Ringel?“
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Sie ſprach : „Du weiſt noch wenig von dem kleinen Ringelein; Gieb es nicht weg und würden auch alle Reiche dein.
Das Gold iſt wenig nütze, te iſt der Stein ſo ſtark,
Es frommt in dieſem Jahre dir wohl achtzigtauſend Mark.
„Das Ringlein iſt ſo kleine, es dünkt dich wenig werth; Doch ſuchſt du Abenteuer wie es dein Herz begehrt, Wenn du von hinnen reiteſt, ſo laß es nicht zu Haus; Du findeſt Abenteuer, die wirkt der Stein dir aus.
„Wenn du von Garten reiteſt, ſo kehr zur linken Hand, Durch Wälder und Gebirge zu Thal die Felſenwand Und merke wo die Linde auf einem Anger ſteht
Und gar ein kühler Brunnen aus der Steinwand geht.
„Grün iſt die Linde, der Anger iſt nicht ſchmal, Fünfhundert Rittern ſchattete der Baum wohl auf ein Mal. Und kommſt du zu der Linden, ſo magſt du ſelbſt geſtehn, Sollſt du Abenteuer finden, ſo muß es hier geſchehn.“
Mit Dank ſchied der Werthe da von der Mutter ſein. Sie ſprach: „Du ſollſt nicht bergen, Sohn, das Ringelein. Wohin bu immer reiteft, ſo blink es offenbar:
Du findeſt Abenteuer, es weiſt der Sten TH dan."
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Da ſchied der Lamparter gar unverzagt hindann
Von der Burg zu Garten und ſeinem ganzen Bann. Das war den Getreuen und den Biedern leid,
Daß er das verſchmähte, daß ihm Jemand gab Geleit.
Da mied er das Gefilde, wie ibn die Mutter bat,
Und wandte ſich zur Wilde wohl ohne Straß und Pfad.
Stäts hielt er vor die Sonne das Gold an ſeiner Hand, Und ritt vur< Di> und Dünne zu Thal die Felſenwand.
Er kam in eine Aue dort an dem Gartenſee,
Da entſprangen auf der Haide Blumen und ſüßer Klee, Die Vögel ſangen lieblich, ihr Scallen wurde groß: Die Nacht war ihm vergangen, des Reitens ihn verdroß.
Am Morgen über Berge die Sonne warf den Schein;
Er beſah an ſeinem Finger das Gold und auch den Stein. Da fand er auf dem Anger das grüne Gras geknikt,
Und ſah mit kleinen Füßen einen ſ<malen Pfad gedrückt.
Dem Pfade folgt er immer zu Thal die Felſenwand , Bis er den kühlen Brunnen und auch die Linde fand, Dazu die breite Haide unter dem Lindenaſt:
Da jaß auf grünem Reiſe ſo manzer wertze Det.
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"Die ſangen laut zur Wette und kürzten ſich die Zeit. „I< bin ſchon recht geritten,“ ſprach König Ortneit, Da freute ſich ſein Herze, daß er die Linde fandz
Er ſtieg von ſeinem Roſſe und nahm es an die Hand,
Den Baum beſchaut' er lange, ſein Mund mit Lachen ſprach: „Das weiß wohl Gott im Himmel, du haft ein ſchönes Dach. Es gieng von einem Baume nie ſo ſüßer Wind.“
Unter der Linde, da ſah er ein kleines Kind,
Das hatte fich gar artig hier in das Gras geſchmiegt : „Was für ein Kindlein iſt es,“ gedacht er, „das da liegt?“ Es trug an ſeinem Leibe Gewand ſo wunderſchön,
An keinem Fürſtenkinde wirds in der Welt geſehn.
Mit Gold und mit Geſteine geziert war ſein Gewand. Als er das Kind alleine unter der Linde fand: „Weh, wo iſt deine Mutter," ſprach König Ortnit, „Daß man dich unbehütet unter dieſem Baume ſieht?
„Du trägſt aun deinem Leibe Gewand , das ift ſo gut,
I< darf dich nicht erween, ich habe nicht den Muth. Deiner Kindesſchöne willen wag ich dir nichts zu thun; Gern hätt iG dih zum Sohne, wollt es rox Grit zwein.
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„In kindlicher Weiſe vier Jahre ſcheinſt du alt; Führt' ich dich von hinnen, was hülfe die Gewalt? Mir brächt es wenig Ehre, Niemand hütet dein : Wo iſt nun deine Mutter, vielliebes Kindelein?
Von Gold und von Geſteine war das Gewand ihm gar;
Der König ſtund und ſchaute ſeinen Leib und auch ſein Haar. Sein Leib und ſeine Hülle ſchien ihm gar zu ſchön.
Es kam von einem Steine, daß er es mochte ſehn:
Den trug er allerwegen mit dem Ring an ſeiner Hand, Er ſtand mit fich im Streite, da er es liegen fand.
Er ſprach: „Du biſt ſo lieblich, auch iſt dein Kleid ſo gut: Find ich dich gleich alleine , du biſt nicht ohne Hut.
„I< bin auf Abenteuer geritten all die Nacht,
Nun hat mich Gott der gute zu der Linde hier gebracht. Da ich Abenteuer ſuchend hieher geritten bin,
Und nichts anders finde, ſo muſt du mit mir hin.“
Sein Roſs band der König an den Lindenaſt;
Er ſprach: „I< muß verſuchen ob du Wen bei dir haft.
Wie lange willſt du ſchlafen ?"' der Lamparter rief.
Der Kleine ließ ihn ſhauen, daß ex ſo eſ de rt KS
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* Er wollt in Kindesweiſe zu ſeinem Roſs ihn tragen: Da ward nach ſeinem Herzen ein ſtarker Schlag geſchlagen. „Wie ſchlägſt du ungefüge,“ ſprach der König hehr, „So große Leibesftärke, wo nimmſt du, Kind, ſie her?
„Du willſt mir entrinnen, das geht nicht ſo geſ<wind.“ Es verdroß den Großen, daß er rang mit einem Kind. Doch half dem ſeine Stärke, daß er nicht weit es trug: Wie ſtark das Kind den Großen mit ſeinen Fäuſten ſchlug!
Da ſprach der Lamparter :- „Wer ſeine Feinde ſpart
Und ſeinen Freund erzürnet, der iſt nicht wohl bewahrt.
Er mag von ihnen beiden wohl großen Schaden nehmen: Kleiner Feinde, ſchmaler Wunden darf ſich ein Mann nicht ſchämen.
„Wie Liſt du ungeſüge ,/" ſprach er, „kleiner Gaſt?
Wie kommt dir ſolhe Stärke, Kind, wie du ſie haſt? Dn willſt mir entrinnen; ich halte dich mit Zwang.“ Sich ſegnet' oft der Große, da er mit dem Kleinen rang.
„Wie dünk ich dich ſo wenig,“ ſprach da Elberich,
„I< hieß ein reicher König eh ich geſehen dich.
Geſteint iſt meine Krone, das wiße uur, ſo reich, „Du magſt ſie nicht bezahlen mit deinera KhbrdzröH“*
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Da ſprach der Lamparter: „Dem ſiehſt du wenig gleich, Daß deine Krone beßer wär als mein Königreich,
Wie du auch prahlen mögeſt, es hilft dir jeht nicht mehr, Ich nehme dir das Leben," ſo ſprach der König hehr. '
Der Große war im Zorne, der Kleine ſah es froh; Der Kleine laut erlachte; dem Großen war 1uticht ſo. Ihm ſchuf zuletzt die Größe, die Länge doh Gewinn: Da betrog den Kleinen ſein allzu hoc<fährtger Sinn,
Seines Spottens willen ward ihm der Preis genommen: Er wär, wenn er nicht lachte, nicht ſo zu Fall gekommen, Der Große nahm den Kleinen und warf ihn in das Gras: Dem ward des Sieges Ehre, weil er zu ſpotten vergaß.
Zwölf Männer Stärke hatte der große Mann;
Doh zwang er kaum den Kleinen, daß er ihm nicht entrann. Da ſo er auf der Erde vor ihm bezwungen lag,
Da griff er nach dem Schwerte, und wollt ihm geben einen Schlag:
Der Schlag bätt ihm genommen Leben und Leib,
Der Kleine ſprach? „Du ſchlügeſt beßer wohl ein Weib.
Du pfändeſt mich zn theuer, willſt du mich erſchlagen:
Du magſt mi lieber fangen, wenn vu Ehre vXWK vA3e>
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Da ſprach der Lamparter: „So bin ich nicht geſinnt: Wie brächt es mir wohl Ehre, daß ich dich fieng, ein Kind? Wollt ich dich gefangen mit mir führen hin, Des ſpotteten die Leute, weil ich der größere bin,
„Will mein Schwert dich ſchneiden, ſo ift es dein Tod;
I< kam von einem Manne nie in ſo große Noth.
Du möchteſt mich verrathen, ließ? ich dich länger leben.“
„In Treuen,“ ſprach der Kleine, „ich will mich dir gefangen geben.“
Da fiel er ihm zu Füßen und fleht aus Herzenskraft: „Laß mich leben, Ortnit, bei deiner Ritterſchaft!
So geb ich dir zu Lohne das beſte Sturmgewand, Das jemals auf Erden Jung oder Alt wohl fand.
„Wohl achtzigtauſend Marken iſt die Brünne werth,
Zu dieſem Halsberge geb ich dir ein Schwert,
Das jeden Panzer ſchneidet als wär er nicht von Stahl;
Wie feſt ein Helm auch wäre, es ſc<hlüg ihm manc< ein Mal,
„IH wähne, daß auf Erden kein beßer Schwert nun ſei,
I< bracht es aus dem Lande, das heißet Almarei.
Es iſt geziert mit Golde, und lauter wie ein Glas; 95 jchufs in einem Berge, ver heiße Krke"ps.
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„Das Schwert will ich dir geben: ſeine Farbe die iſt licht; Wieviel du mit ihm ſftreiteſt, gewinnt es Sharten nicht. Es iſt geheißen Roſe, den Namen hat das Schwert;
Wo es Schwerter gilt zu ziehen, da biſt du wohlbewehrt.
„Zu dem Halsberge gehört ein Beingewand,
AU ſeine Ringe wirkt! ih mit meiner eignen Hand.
Und geb ich dir die Ringe, ſo wirſt du ihnen hold: Da iſt kein Falſch zu finden, es iſt das lautre Gold,
„Zu den lichten Ringen wird dir ein Helm ſo ſchön, Daß man auf Kaiſers Häupten noch beßern nie geſehn. Der ſolchen Helm darf tragen, wie ſelig iſt der Mann! Da man in Meilenbreite ſein Haupt erſhauen kann.
„Zu allem dem Geſchmeide geb ich dir einen Schild,
So feſten und ſo ſtarken, gewiſs, du nenuſt mich mild, Den kein Geſchoß verwundet und keines Schwertes Sc<lag; Auch keines Feuers Hitze ihn je dur<dringen mag.“
Da ſprach der Lamparter: „Wie reiche Gab es iſt,
I< laße dich doch nimmer, du ſagſt denn, Wer du biſt.“ Mit Züchten ſprach der Kleine: „I< bin ein witd Gezwerg> Wir dient in Lamparten manch Thal und rac. Datz“
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„So muſt du dich doch nennen ,/" ſprach der König reich, „Du magſt mich Elbrich rufen, ſo komm ich zu dir gleich.“ Da ſprach der Lamparter: „Noch laß ich dich nicht frei:
Dir hilft nicht dein Halsberg, dein Schwert, wie gut es ſei,
„No< was du ſonſt verheißen mir haft und denkſt zu geben, Es kann dir wenig helfen, ich nehme dir das Leben.
Unter der grünen Linden enthaupt ich dich ſogleich,
Dn hilfft mir denu gewinnen die edle Königin reich,“
„Wer iſt fte,“ ſprach der Kleine, „die da meint dein Muth? Eine edle Königstochter an Leib und auch an Gut? Mag fie wohl mit Ehren geheißen ſein dein Weib? I< gewinne dir die Hehre, oder nimm mir Leben und Leib.“
„Ihr Bater hat viel Lande jeuſeits an dem Meer;
I< kann fie nicht erwerben, ihn ſuche denn mein Heer.
Der unreine Heide will fie Niemand geben,
Niemand darf um ſie bitten, man nähm ihm denn das Leben.
„Der König iſt gewaltig über all die Heidenſchaft ,
Ueberm Meere dienen viel Könge ſeiner Kraft.
Er wohnt zu Montabauer, das glaube ſicherlich.“ „Ei, wie wohl ic< ihn kenne 1!" rah rener Where,
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„Willſt du mich nun laßen,“ ſprach der kleine Mann, „Was ich verheißen habe, das wird zumal gethan,“
„I< wähne ,“ ſprach der König, „du ſcheideſt nicht von mir Bis du mir Bürgen ſetzeſt: ſo lang behalt ich dich hier.“
„Du treibſt mich in die Enge,“ ſprach der kleine Wicht, „Du ſollteſt doch bedenken, ich habe Bürgen nicht. Laß mich um Gottes Willen /" ſprach der kieine Knabe; „Dir wird wohl geleiſtet was ich verheißen habe.“
Da ſprach der Lamparter: „Das thu ich nicht fürwahr,
I< ſehe denn mit Angen die lichten Ringe klar,“
„Im Treuen ,/" ſprach der Kleine, „ſie werden nimmer dein, So lang von- deinen Händen ich muß gefangen ſein.“
„Nun rathe gut uns beiden," hub der König an.
„Des will ich dich beſcheiden ," ſprach der kleine Mann;
„Laß mich auf meine Treue, dir mag lieb von mir geſchehn. „Nein,“ ſprach der Lamparter, „erſt muß ic< die Ringe ſehn.“
„Laß mich auf meine Treue: ſo geht dir Freude zu. Du magſt mich gerne laßen, der ein König bin wie du. Meine Genoßen wißen mich allzumal getreu; . Wieviel bu haſt der Lande, ſo hab ich mehr as vera vd.
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„Haſt du auf der Erde der Gewalt ſo viel,
So hab ich darunter alles das ich will.
I< gebe Wem mich lüftet Silber und Gold:
I< könnt ihn reich wohl machen, dem ich getreu wär und hold,
„Nun laß mich“ ſprach der Kleine, „ich ſchwöre dir den Eid, Gebe dir meine Trene und meine Sicherheit,
Daß ich die Wahrheit ſpreche /" ſprach der kleine Manu.
nI<h wags auf deine Treue," hub da der König an.
Da ließ er frei den Kleinen: vor ihm ſtand er nun
Mit Furcht und ſ<önen Züchten wie tie Gefangnen thun. Da ſprach der Lamparter: „I< halte dich nicht mehr:
Was du mir haſt verſprohen, wohlan, das bringe mir her.“
Mit Züchten ſprach der Kleine: Ein Ding gewähre mir
Bei aller Fürſten Ehre, eh du mich läſt von dir.“
Da ſprach der König Ortnit: „Was foll die Bitte ſein ?" „Gleichviel /" ſprach der Kleine, „dein Schade wird es nicht ſein.“
„Nein , erſt laß mich vernehmen was du zu bitten haſt." „I<h bin nun ſo geſonnen ,“ ſprach der kleine Gaſt, „Daß ic< all mein Leben dir will zu Dienſten ſein. Hei aller Frauen Ehre, gieb mir pieß Rrazzeiea>
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Da ſprach der Lamparter: „O weh, das darf ich nicht:
I< gäbe dir es gerne, doch wehrt es mir die Pflicht,
Was dn ſonſt verlangefſt, des will ich dich gewähren;
Das Ringlein gäb ich gerne, doch kann ich ſein nicht entbehren.“
Da ſprach der Kleine wieder: „Wozu iſt es dir gut?
Was ſoll ein reicher König, hat er nicht milden Muth? Da dich ſo ſehr erbarmet das kleine Ringelein ,
Wenn ich dein Roſs erbäte, cs würd auch nimmer mein.“
„Mein Roſs gäb ich dir eber, eine Burg und ein Land, Als daß ich dir gäbe das Gold von meiner Hand.
Da dir das Herz ſo heftig nach dieſem Golde tobt ,
I< gäbe dir es gerne; doch hab ichs nicht zu thun gelobt.
„Mir gab es meine Mutter, der hab ichs zugeſchworen: Gäb ich es dir, ſo hätt ih ihre Huld verloren.“ „Pfui „" ſprac<ß der Kleine, „was ſoll dein großer Leib, Und zwölf Männer Stärke, daß du fürhteſt ein Weib?
„Darf ein König ſcheuen eines Weibes Gertenſchlag ?
So zweifl ich, ob vor Wunden dein Leib geueſen mag.“
Er ſprach: „I< bin wohl lange mit Ruthen nicht geſchlagen: Doh lieb iG jo die Mutter, ich wollt & zecn Ye wern.
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SVV
„I< ſähe Kummer ungern in ihrem Angeſicht:
Nun lache oder zürne, das Ringlein wird dir nicht." „In Treuen „“ ſprach der Kleine: „da ſieht man ſicherlich , Wenn du mir es gäbeſt, deine Mutter ſchlüge dich.
„Ward jemals einem König ſo lieb ein Ringelein?
Laß mich es nur beſchauen bei aller Tugend dein.“
Er ſprach: „Da du ſo heftig nach dieſem Golde ſtrebſt, So gieb mir deine Treue, daß du mirs wiedergebſt.“
Er wollt es ihm: nicht laßen, erſt ſollt es Eide ſchwören;
Es griff ihm nach dem Finger, er konnt es ihm nicht wehren. Als es ihm das Ringlein gezogen von der Hand,
Er ſah nicht mehr den Kleinen, mit dem Ringlein er verſchwand,
Da ſprach der Lamparter: „O weh, wo kamſt du hin? Da ſprach der Gaſt, der kleine: „Gleichviel wo ich bin. Daß du mich haſt bezwungen, daß du mich mochteſt ſehn , Von dieſem Stein , dem kleinen, iſt dir die Ehre geſchehn.“
Er ſprac<: „Du haft ein Ringlein aus deiner Hand gegeben , Ein ſolches wird dir nimmer, dieweil du haft das Leben. IE muſte kraft des Ringes dein Diener ewig ſein;
Kun fahr, wohin du wolleſt, ſo wird & vie reer ras“
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Da ſprach der Lamparter: „Nun ift mir Recht geſchehn :
Nun mög es Gott erbarmen, daß ich dich nicht mag ſehn,
Und daß ich muß vernehmen deinen Spott und auch dein Dreun: Bis ich an dir mich räche, kann fich mein Herz nicht mehr freun.“
Da lachte der Kleine; die Rede den<t ihn gut.
Er ſprach zu dem König: „Du haſt doch Mannesmuth. No< manchem wird geſchehen, was dir geſchehen iſt, Daß man ſein Gut, ſein beſtes, ihm abgewiunt mit Liſt.“
Des erſchrak der König, ſein Herz groß Leid erlitt.
„Nun mög es Gott erbarmen, daß ich je von Garten ritt! Als du bezwungen lageſt, nahm ich dir da das Leben,
So war mir wohl gelungen und große Ehre gegeben.“
Der Kleine ſprach: „Du dünkſt mich noch keines Weibes werth, No< daß du ſollteft führen ſolchen Halsberg und ſolch Schwert. I< kann mich nicht verlaßen auf deinen großen Leib:
Du läſt dich ja erbitten re<ht wie ein armes Weib.“
Da ſprach der Lamparter: „Es wär jedoch mein Rath,
Daß du die Treue löſtefſt, die dein Mund verpfändet hat ,
Und mir wiedergäbeſt mein kleines Ringelein,“
Mit Zorne ſpracß der Kleine: „Wohl wird es viene wd Simrod, das kleine Helvenbuch. ZZ
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Da ſprach der Lamparter: „So biſt dn trenlos,
Und wirft all dein Leben keines Biedermanns Genoß,. Ich hätt es wiſſen ſollen == deine Rede klang ſo fein -- Nie hätt ich dir gegeben mein golden Ringelein.“
No ſprach von Lamparten der König Ortneit:
„Nun laßt mich des genießen, daß ihr ein König ſeid, Und daß ich ſo getrenlih nach euerm Rath gethan:
So will ich mit euch theilen was ich je Gutes gewann.“
Mit Züchten ſprach der Kleine: . „Du haft nicht weiſen Muth; Was Vater oder Mutter dir rathen, das iſt gut.
Was gabſt du aus den Händen je-folch gewonnen Spiel ?
Der Stein iſt mir ſo nüßze, daß ich ihn dir nicht geben will,“
Da ſprach der Lamparter: „So bleib ich ungewährt.
Willſt dn mir aber bringen den Halsberg und das Schwert? Was du mir haſt verheißen, das mache mir doch wahr.“
„An deine Rede kehr ich mich,“ ſprach der Kleine, „nicht ein Haar.“
Da ſprach der Lamparter: „Uebel iſt mir geſchehn. Könnt ich dich erlaufen oder möcht ich dich nur ſehn, Du müfteft das Verheißne mir her zur Seite tragen, Ober witrbeſt mit den Beinen hier vx rie Yen WShanen?
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„Was ſollten dir die Ringe?“ ſprach Elberich ſogleich : „Was frommt einem Thoren wohl ſolch ein Königreich ? Die Ringe geb ich Einem, der ihrer mehr bedarf.“ Mit ungefügen Steinen er nach dem Könige warf.
Sein Roſs begann zu gürten Ortnit der König gut, Das hatt er bald beſchritten mit grimmigem Muth:
Von dannen wollte ſcheiden im Zorn der König reich. „Guter Mann verbleibet," rief Elberich ſogleich.
„ Wem wollteſt du nun laßen dein liebes Ringelein ?
Wer ſoll dir Huld gewinnen bei der lieben Mutter dein? Du darfſt es nicht verlieren, der Stein der iſt ſo gut:
Wie erbarmen mich die Schläge, die deine Mutter dir thut!“
Da ſprach der Lamparter : „I< mag davor geneſen:
I< bin bei meiner Mutter ſo manchen Tag geweſen,
Die ich darum ſoll leiden, ich dulde gern die Noth:
Wir ſind ſo gute Freunde, fie ſchlägt mich ſ<werlich zu Tod.“
„I< will dich beßer tröſten ," ſprach Elberich ſogleich, „Gieb mir deine Treue, biedrer König reich,
Daß du mir nicht zürneft, was von der Mutter dein
9H immer möge ſprehen: ſo geb ich vir vas RrozWa?
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Da ſprach der Lamparter: „Eh ließ i< dir das Gold: Du möchteſt ſo viel reden, daß ich dir nie würd hold, Möchteſt ſo übel ſchelten das tugendreiche Weib ,
Könnt ich dich ergreifen, ich nähm dir Leben und Leib.“
Mit Züchten ſprach der Kleine: „O wohl dir, ſelig Kind: Du haft die Treu, die immer Glü> und Heil gewinnt.“
Da ſprach der Lamparter: „I< muß es dir vertragen
Was du auch von ihr redeſt: wohlau, ſo magſt du es ſagen.“
„Von deiner Mutter ſag i< dir nur die Wahrheit;
Du zürnſt wohl eine Weile; hernach iſt dirs nicht leid.
I< mach es dir ſo ſüße, daß du es hören muſt:
Doch gieb mir deine Treue, daß du mir drum nichts thuſt.“
Da ſprach der Lamparter: „Mein Wort will ich dir geben, Daß ich dir nicht zürne ſo lang mir währt das Leben. Ein Mann darf der Wahrheit ſagen noch ſo viel;
Du darfft ſo lange reden bis ich nicht weiter hören will.“
Mit Züchten ſprach der Kleine: „Dn gabſt die Treue dein: Darauf will ich vertrauen: Nimm hin dein Ningelein.“ Da jprach der Lamparter: „So bin ich dir hold :
Kiht frag iG was du klaffeſt, vort wie wox vevwort roa. Gk!
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Groß war die Stärke und die Liſt, die er beſaß.
Das Gold muſt er ihm bieten, da warf er ihn ins Gras Und bog fich zu ihm nieder: „Nun ſage, böſer Geiſt, Eh ich dich heute laße, ſag mir alles was dn weiſt.“
Das Gold der Lamparter fich an den Finger ſtieß:
Er ſah den Kleinen wieder, den er nicht von fich ließ.
Da ſprach der Zwerg, der weiſe: „Herr König, wie ihr tobt! Hütet eurer Ehre: was habt ihr mir gelobt?“
Da ſprach der Lamparter: „Zu Leid dir nichts geſchieht: Es frent fich uur mein Herze, daß dich mein Auge ſieht. Du biſt mir viel lieber als das Ringelein :
Sag was du wißen mögeſt von der lieben Mutter mein.“
„Nun ſag ich deine Mutter alles Falſches frei,
Und daß in ganz Lamparten fo werthe Frau nicht ſei.
Sie hat in ihren Tagen jedoch Ein Ding gethan:
Nun ſieh, wer iſt dein Vater ? fie hatte mehr als eine? Mann.“
Da griff er nach dem Meßer, da griff er nach dem Schwert: Er hätte nun die Freiheit dem Kleinen nicht gewährt.
Er wechſelte die Farbe, man ſah ihn bleich und xat.
Er ſpraßG: „Nun ſprich nicht weiter und aß wäh yax Refa?
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„I<h fürchte micß gar wenig," ſprach Elberich ſogleich; „Nun hüte deiner Treue, biedrer König reich.
Du wechſelſt oft die Farbe, ſo wechſelſt du den Muth; Doch iſt ſo tren dein Herze, daß deine Hand mir nichts thut.
„Wie klein ich dich dünke, wie groß dn biſt vor mir
(Du gleichſt vor allen Königen einem Rieſen ſchier) ,
Wie nach tes Leibes Gliedern wir Zwei ſo ungleich find, Wie groß du dich auch dünkeſt, ſo biſt du doh mein Kind.“
Da ſprach der Lamparter: „Nun haft du gelogen :
Bräch ich niht meine Treue, und wär nicht ungezogen --
Das Herz iſt mir grimmig, gern zahlt! ich dir den Lohn.“
Er ſprach aus zorngem Munde: „Und bin ich denn dein Sohn?“
Mit Züchten ſprach der Kleine: „Du biſt mein Kindelein.“ „So werd auf einer Hürde verbrannt die Mutter mein, Daß bei ihr ein Andrer noch als mein Vater lag;
Ergreif ich ſie zu Garten, ſo lebt ſie keinen Tag.“
Mit Zorne ſprach der Kleine: „So haft du Thorenſinn: Du biſt davon unr werther, daß ich dein Vater bin. „Dein Heil und deine Ehre, die ſind dir unbekannt:
Du haft von meiner Lehre jetzo Burgen wet Lee.
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„Da ich zum Erſtenmale bei deiner Mutter lag,
Das geſchah im grünen Maien um einen mitten Tag.
Sie weinte heiße Thränen, als ich mich Zwangs vermaß: Du darfft ihr drum nicht zürneu, ohn ihren Willen geſchahs.
„Deinen Vater, deine Mutter hört ich flehn und bitten Nach ihrer alten Weiſe mit trauriglichen Sitten ,
Daß ihnen Gott vom Himme! verlieh! ein Kindelein: Sehr bat darum dein Vater und die liebe Mutter dein.
„Wie lieb ſich beide hatten, ſo will ich dir doch ſagen, Es mochte dieſem Manne kein Kind die Frane tragen; Doch kor ſie keinen Andern, weil ſie die Treue band, Sie klagten ftäts aufs Neue, daß erblos bleib ihr Land.
„I<h dacht in meinem Muthe: ftirbt ihr mun der Mann, So wird alsbald verſtoßen die Fraue wohlgethan;
Das Reich muß ohne Erben in großen Sorgen ſchweben. Da gewann ich ſie zum Weibe: das ſoll mir Gott vergeben.
„An ihrem ſchönen Bette ſie eines Tages ſaß,
Nach einem Kinde weinend, ihre Augen wurden naß. In ihrer Kemenate ſaß die Frau allein:
Wenn fie weinen wollte, ſo ließ fie Niemand herrn.
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„I< ſtand vor ihrem Bette, ich hörte was fie ſprach: Bald hatt ich fie bezwungen, ihre Wehr war allzuſchwach. Wie ſehr fie widerſtrebte, ſo ward fie doch mein Weib: Denn wiß , ich habe Kräſte für dreier Könige Leib.
„I< mag mehr bezwingen als du und all dein Heer: Kein reicher König ſette fich wider mich zur Wehr.“ Da ſprech der Lamparter: „So muß ichs überſehn: Was ich darum ihr thäte, es iſt nun doch geſchehn.“
„Nun harr eine Weile: behalt das Ringelein ;
So will ich dir leiſten all die Gelübde mein.
I< will auf meine Treue dir keine Lüge ſagen:
I< will dir her die Ringe auf deinem Schilde tragen.“
So ſchied von ihm der Kleine und hob fich in den Berg. Da nahm er aus der Eſſen ein wonnigliches Werk, Lichtgoldner Panzerringe einen neuen Schildrand voll, Wie ſie ein Held zu Nöthen im Streite tragen ſoll.
Lauter wie ein Brunnen, licht wie ein Spiegelglas Schüttet' er die Ringe vor ihn auf das Gras,
Zu dem Halsberge einen feſten Helm ſo licht, So flart und jo gehärtet, ein Schwert verkäqpoizt Wa vit.
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Sich freute der Lamparter der ſchönen Ringe ſein; Kanm mocht er fie beſchauen, ſo licht war ihr Schein. Er ſprach: „Es ift ein Wunder afllhier vor mir geſchehn : I<h kann vor lichtem Glanze dieſe Ringe nicht beſehn.“
Als er ſie recht beſchaute , fie waren nicht von Stahl, Von diem, ſtarkem Golde, wohl fingersgroß zumal.
Er hatte fie betrachtet, uun legt? er fie fich an:
Gerecht war ihm der Harniſch: des freute ſich der Mann.
Er war von rechtem Maße, zu kurz noch zu lang, Zu weit noch zu enge, daß er drin fröhlich ſprang. Am Helme das Geſpänge gab lichten goldnen Schein; An jeglichem Ende lag ein Karfunkelſtein ,
Aber mitten inne ſtand ein Adamant ;
Die Kette war von Golde. Den Helm er überband. „Gott lohne dir die Gabe,“ hub der König an.
„Sind dir gerecht die Ringe?" ſo frug der kleine Mann,
„Mir ward bei meinen Zeiten nie ſo gemäße Tracht,“ „Eh ich dieß je geſehen, hatt ich fie dir gemacht.
Nun hab ich wohl gezieret, Lamparter, deinen Leib : Wiljt du, daß i< dir diene, ſo erzkrne wt vos Wid.
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„Bei meiner Treu, erzürnſt du darum die Mutter dein, So müßen von einander wir Zwei geſchieden ſein.“
Da ſprach der Lamparter: „Gern leiſt ich dein Gebot: Eh daß ich fie erzürnte, ich erzürnte lieber Gott.
„Gott lohne meiner 'Mutter, die Gaben dank ich ihr!
Auf Gnad in allen Dingen ergeb ich nun mich dir.
Mein Herz und mein Gemüthe ſoll wider dich nicht ſtreben; Dein genieße meine Mutter ſo lang ihr währt das Leben.“
Da griff er nach dem Roſſe mit frohem Ungeſtüm; Der Kleine war behende: den Bügel hielt er ihm. Da ſprach der Lamparter: „Hier ſteh ich einen Tag, Wenn ich dir nicht anders den Dienſt erwehreu mag.“
Das Roſs zu gürten eilt' er gar vermeßentlich;
Bis daß er ſaß im Sattel, der Zwerg ihm nicht entwich.
Da ſprach der Lamparter: „Den Schild nun reiche mir.“ „Ih ſehe“ ſprach der Kleine, „du willft nun fort von hier.“
Eh er den Schild empfangen, beſah er recht das Schwert: Er ſprach: „I< bin zum Streite für alle Noth bewebrt. Wer mit der Roſe fliehet, wie mag der Ehre lieben ?“ Er fand zu beiden Seiten ſeinen Rowen ze&yvera.
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Die Scheide war von Golde; was die Feßel ſollte ſeint, War eine Seidenborte mit Gold durchſchlagen fein. Oben am Gehilze, wo der Knauf zu ſteben pflegt , Da war ein Karfunkel zwei Fäufte groß eingelegt.
Er nahm den Schild zu Halſe und wollte nun hindann. „Dich geſegne Gott im Himmel,“ ſprach der kleine Mann. „Du ſollſt mich nicht vermeiden, bedarfſt du künftig mein; Du magſt mich nicht verlieren, haft du das Ringelein.“
Da ritt der Lamparter in einen grünen Wald
Mit fröhlichem Gemüthe: ſeine Luft war mannigfalt.
Er ſprach : „Ich bin zum Streite für alle Noth bewehrt;
Wie ſoll ich nun verſuchen meinen Halsberg und mein Schwert ?“
Er ritt den Pfad zurü&ke hin an der Felſenwand
Und ritt viel wilde Pfade, daß er nicht Streitens fand. „I< bin,“ ſprach er im Zorne, „ein unſelger Mann, Daß ich nach meinem Willen keinen Streit finden kann.“
Da ſucht! er Abenteuer bis an den dritten Tag,
Daß er im Uebermuthe keiner Ruhe pflag:
„Soll ich denn die Wunder, die Roſe thut, nicht ſehn?
Kann ic anders Streit nicht finden, e& muß vor rare Dog gare?
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Da hob fie auf Garten Jammer und Noth: Es wähnten alle Leute, ihr Herr wäre todt. Die liebe Mutter weinte und klagte ſo um ihn, Daß Niemand tröſten kounte die edle Königin.
Die ſein nicht gern entbehrten, venen fiel es ſchwer; Die ihm abhold waren, verſchmerzten ihn wohl ehr.
Da klagte ſo und weinte das tngendreiche Weib ,
Wär er nicht bald gekommen, verlor fie Leben und Leib.
Da ritt am vierten Morgen der Ritter kühn im Streit
Vor die Burg zu Garten in eine Ane breit,
Da ſchon durc< finftre Wolken brach der Morgenſtern: Seinem Helm und Schilde ſchien gleicher Schimmer nicht fern.
Dem Wächter war auf Garten der Gaſt gar unbekannt: Gleich dem Morgenlichte glänzte ſein Gewand.
Vom Sattel ſprang der König in einem grünen Hag; Als er ſein Roſs gefeſtigt, da ward es eben Tag,
Da lief der Lamparter an den Burggraben,
Als wollte der Kühne die Manr erſtürmet haben.
Sor Garten jpracß der Wächter: „Wie feurig iſt enr Schein, Dazu wie jehr ihr dränget, doc< kßt En Wewer werta>
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Da ſprach der Lamparter: „Nun ſchließt mir auf das Thor Und ſagt den Beſten allen, ihr Herr ſei davor.“
Laut rief der Wächter: „Was ſchlaft ihr all im Haus!
Es iſt heut der vierte Morgen ſeit unſer Herr ritt hinaus,
„Nun hält da vor der Mauer ein freislicher Mann , Vom Haupt bis zu Füßen breunt er wie ein Span. Er ſpricht, er ſei mein Herre, das hab ich wohl vernommen. Er iſt dem Teufel eutronnen, und aus der Hölle gekommen.“
Da erwacht in Sorgen die edle Königin:
Sie ſah durc< das Feuſter den Mann wie licht er ſchien. Sie ſprach: „Sieh, der brennet gleich einer Kerze licht; Meines Sohnes Ringe glühten ſo lauter nicht.“
In der Burg erwachten nun Alle, Weib und Mann,
Sie traten an die Zinnen des Wunders halb heran.
Da ſprach zu ihm der Burggraf: „Sagt Herr, wer mögt ihr ſein? Ihr müßt euch erſt uns nennen, ſonſt kommt ihr nicht herein.“
Da verkehrt' er ſeine Stimme, thät ſeiner Rede Zwang : Da gewann er unterm Helme - einen ungefügen Klang.
Da ſprach der Burggraf wieder: „Nun ſaget, wer ihr ſeid?“ Da jpraß der Lamparter: „I< bins , vein Hert Drea“
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„Wer gab eu< dieſe Brünne und dieſen Helm ſo licht,
Dazu den Schild, den neuen: den trug mein Lerr doch nicht.“ Da ſprach der kühne Degen: „I< will dir Wahrheit ſagen: Ih bin ein wilder Heide und habe deinen Herrn erſchlagen.
„Nun find auf dieſer Veſte zweiundfiebzig Mann:
Wollt ihr die Schmach nicht rächen, die ich euch angethan? Er hat ſie mir gerechnet all und vorgezählt :
Hier harr ich an der Pforten, ob ihrs zu rächen erwählt.“
Da ſprach der Burggraf wieder: „In Wahrheit, das ſoll ſein.“ Da ſchlug fich an die Brüfte die edle Köngin rein.
Auch thät den Getreuen des Herren Schade weh:
Sie legten ihre Ringe fich an weiß wie der Schnee.
Wie bald man auf die Thore bis an den Angel warf!
Sie zogen auf der Brü>ke zwo lichte Klingen ſcharf.
Der Wirth war ganz von Eiſen, ihn erzürnte doh der Gaſt: Er ſchnitt von ihm die Ninge, als wärs nur fauler Baſt.
Gern wehrte fich der Burggraf, doch frommte nicht ſein Schwert Auf ſeines Herren Ringen: die blieben unverſehrt. Er fiel ihm vor die Füße; er hätt ihn leicht erſchlagen.
Da ſpracß der Lamparter: „Heißt ven von Yoxowa rezpa*
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Ihm ward ans Erbarmen das Leben nicht genommen.
Nun war der andre Bruder gewaffnet auch gekommen.
Da ſprach der Lamparter: „Des Streites iſt genug,
Nun mög es Gott erbarmen, daß ich hent den Einen ſchlug.
„Hiermit wollt ich verſuchen, ob ihr getreu mir ſeid: Vergebet mir die Unart: ich bin eur Herr Ortneit.“ Als ſie ihn nun erkannten, da ließen fie ihn ein.
Da ſprach der Lamparter: „Wo ift die Mutter mein?“
Da empfiengen den König die Degen allzumal
Und wieſen zu der Mutter den Herren in den Saal. Sie mocht ibn nun erkennen, das Haupt war ihm bloß. Da war erſt vor Freuden der Frauen Weinen groß.
Da gieng er zu dem Wunden, den er ſo ſchwer geſchlagen : „O weh, daß ich heute dir einen Schlag geſchlagen :
Das möge Gott erbarmen: du ſollſt es mir vergeben,
I< will es dir vergelten ſo lang uus währt das Leben.“
„Nun ſage,“ ſprach die Mutter, „wer gab dir das Gewand ?“ „I< ritt nach deiner Lehre zu Thal die Felſenwand:
Mir hat dein Ring geholfen, daß ich hin gekommen bin.“ Bon Ortnits Abenteuern iſt uun das andre hin.
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Drittes Abenteuer.
Wie Ortnit über Meer fuhr.
„Wer gab dir all die Waffen ,/“ ſprach die Mutter da. Nun ſagt! ihr Ortnit Alles, wie es ihm geſchah.
„I< will vor dir nicht leugnen ,/“ ſprach das ſchöne Weib: „Ich ergebe deiner Gnade Ehre, Leben und Leib.“
Mit Halſen und mit Küffen erwarb ſie ſeine Huld. -- Nun uaht es ſeiner Meerfahrt. Er erharrte mit Geduld Auf Garten , ſeiner Veſte, das wechſelnde Jahr. Die ihm da helfen wollten, die kamen alle dar.
Er befahl dem Markgrafen die Mutter und das Land. Ihm ſchwuren all die Herren. Da ſchied er zuhand Mit feinen Schargenoßen von der Königin. Er fuhr mit ſeinen Holdeu in ven Haſen vxoun Weſs.
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Da empfieng ihn gütlih der heidniſche Mann.
Die Kielen lagen fertig: da fuhr er bald hindann. Ihm waren auf drei Jahre die Kiele voll geladen. Da löſte man die Anker, fie floßen von den Geſtaden.
Fröhlich fuhr von dannen der Khnig und ſein Heer. An dem zwölften Morgen, da kam er über Meer.
An des Maſtbaums Höhe ein Schiffer oben trat:
Er ſah die Burg zu Suders, des Heiden oberſte Stadt,
Er rief mit lauter Stimme: „Nun mög uns wohl geſchehn! I< habe da zu Syrien das weite Land geſehn
Und auch die Stadt zu Suders; fie kann nicht fern mehr ſein: Laßt uns behutſam fahren, daß wir ohne Sorgen ſei'n,“
Da begann der Marner, der ihm der Sciffe pflag: „Leider daß ich Gutes euch jetzt nicht rathen mag -=- Schlägt der Wind uns näher, ſo kehren wir nicht wieder." -- Er ſprach zu ſeinen Knechten: „Laßt gleich die Segel nieder!“
Da ſprach der Lamparter: „Iſt dir kund das Land? Sind wir recht gefloßen gen Suders an den Strand? Und ſagſt du nicht die Wahrheit, ich nehme dix das Wx; GSonft will iG dir zu Botenbrot zwölf goltvue Spragva Wordt Simrod, das feine Helvenbuch. UD
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„Sen Syrien in den Hafen find wir gefloßen wohl;
Doch will ich euch nicht rathen, daß man hier ankern ſoll, Mich dünkt , wir find zu nahe getrieben ſchon der Stadt, Da Suders die Beſte manche Raubgaleere hat.“
Da ſprach der Lamparter: „Hier kenn ic<ß mich nicht wohl: Wie gern ich weiter führe, ich weiß nicht ob ich ſoll,
Den ich auf der Reiſe zum Meiſter hatt erkoren,
Und der mich lehren ſollte, den hab ich leider verloren,
„IH ſollte wieder kehren : was hilft mich meine Fahrt? I< bin auf der Reiſe gar übel nun bewahrt.“
Mit traurigem Muthe der Held umfangen ſaß.
„Du muſt uns uicht untröften „“ ſprach von Reußen Ilias,
„I< möcht euch gerne tröften, weh, daß ichs nicht vermag! Nunu mög es Gott erbarmen, daß ich erlebt den Tag,
Der mir aus den Sorgen ein Helfer ſollte ſein,
Der iſt mir allzuferne, vergeßen hatt ich ſein.“
Da ſprach der Reußenkönig: „Du haft doch alle hier:
Die dir helfen wollten, die ſiehſt du auch bei dir. „Zu Sturm und zu Streite find fie gar wohl bewahrt : Abgigtaufenb Helben ftehn in den Ringen Xu"
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„Und vergaß jedoch des Beſten ,/“ ſprach er und wandte fich Mit Sorgeu um: zur Seite |tand ihm da Elberich.
Da ward der Lamparter ſo wonnereich, ſo froh;
Er vergaß der Sorgen; laut rief der König ſo:
„Tieber Herr und Vater, wer hat dich hergebracht ?
Nun will ich fröhlich lachen: das hatt ich n'<t gedacht,"
Er zog ibn in die Arme; er küſst' ihn auf den Mund.
Mit Züchten ſprach der Kleine: „Es iſt dir, Held, nicht kund,
„Wie große Treu ich hege zu dir: was iſt mein Lohn? Du haft von mir gelaßen; ich ließ di<ß nicht, mein Sohn. Du hatteft mich vergeßen, doch nicht vergaß ich dein. Empfang mich wie du wolleſt: ich will doch bei dir ſein,“
Da ſprach der Lamparter: „Um Gott, beſcheide mich:
Sag mir auf meine Treue, wo verbargſt du dich?“
Er ſprach: „In der Keibe dort auf dem Maſtbaum hoch. I< mochte mich nicht zeigen, verſuchen wollt ich dich noh,“
Da ſprach der Lamparter: „Nun ſei mir willkommen:
Daß ich dich wiederhabe, das muß mir immer frommen.
Mir war gar weh zu Muthe, weil ich dich nicht vG8+“
„ Wer iſts, mit bem du rauneſt 2" ſyracß von ReoFra Ba.
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„Du verlierft um dieſe Reiſe Leben nun und Leib:
Wehe ſei gerufen Über das ſchöne Weib!
Daß ich je von ihr geſprochen, das will ih Gott nun klagen!“ Da ſprach der Lamparter: „I< will dir gute Märe ſagen.“
„Sag ihm, auf ſeine Trene," ſprach der kleine Mann, „Daß ich dir will gewinnen das Mägdlein wohlgethau. Sein Herz iſt dir gewogen, er trägt dir keinen Haß, Wenn ihr mich beide wißet, deſto beßer dünkt mich das.“
Da ſprach der Lamparter: „Oheim, komm hieher ,
Du wirſt mir immer danken, ich weiß dir gute Mär. Glaube nicht, ih habe geraunt mit mir allein.
Willft du mehr erfahren, ſo tritt hieher zu uns Zwein.“
Da ſprach der Reußenkönig: „Wer kann da bei dir ſein? Mit ſolcher Anſpraße machſt du mich grau vor Pein.“ Wie ſchwer der Lamparter den Oheim erbat,
Daß er zu dem Kleinen und zu dem Großen trat!
Da ſprach der Schiffsführer: „Nun gebt en< ſelber Rath. Mich wundert, wie dem König ſo wenig Sorge naht. Wollt ihr mit den Heiden ſtreiten auf vem Meer, So bereitet euch zum Kampfe: vort raf Ex rebdg, Daat.
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„Mit griechiſchem Feuer (der Streit iſt uns nicht gut) Verbrennen ſie die Schiffe: wir müßen in die Flut.“ Da ftanden ſehr in Sorgen die beiven Könge reich,
„I<h weiß euch wohl zu rathen,“ ſprach Elberich ſogleich.
„Getreuer Freunde Lehre war ſtäts in Nöthen gut,“ Sich ſegnete der Reuße, erſchre>t war ihm der Muth. „Wer iſt, der uns die Lehre und ſeine Räthe beut? Willſt du dich nicht ſegnen, reicher König Ortneit?
„Von Zweien iſt es Eines, der Teufel oder Gott.
Sag an, biſt du geheuer, ſo leift ich dein Gebot,“
Da ſprach der Lamparter: „Es iſt ein wild Gezwerg;
Ihm dient in den Landen manch Thal und mancher Berg.“
Da ſprach der Reußenkönig: „Das ſprichſt du überlaut;
Doh kann ich es nicht glauben, ich hab es denn geſchaut.“
Da ſprach der Lamparter: „Hörſt du es denn nicht?" =-
„I< weiß nicht was es ſein mag, ich ſchau es denn von Angeſicht,
„Es mag mit Zauberliſten ein Geſpenſt wohl ſein.“ Willft du es gerne ſchauen, ſo nimm dieß Ringelein, Und ſtoß es an den Finger, ſo wird es dir bekannt.“ Der Reuße laut erlaßte, da er den Kiemen Faod.
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Er ſprach mit füßen Worten: „Von wannen kommſt du, Kind? * O weh, daß deine Freunde dir doch ſo ferne ſind!“
„Und dünk ich dich ſo kleine, do<ß glaube mir fürwahr,
I< trag auf meinem Rücken mehr denn fünfhundert Jahr.
„Folget meinem Rathe, das iſt en Beiden gut:
Wer nach des Freundes Räthen und ſeiner Lehre thut, Miſslingt ihm dann, ſo hat er keine Schuld daran;
Es lehrt ein Freund den andern was er von ſelber nicht kann.
„Ein König darf auch lügen, gebeut des Lebens Noth;
Gefüge Rede hilfet Manchem vor dem Tod,
Fragt man euch um Märe woher ihr kommen ſei't,
So ſprich, du wärſt ein Kaufmann, und bäteft um ihr Geleit,“
Der König ſprac<: „Wie wenig der Rath mir Heil verſpricht! I< ſpräche gern mit ihnen, ich kann die Sprache nicht ;
Sie können nicht die meine,“ ſo ſprach der König reich.
„So muß ich dich fie lehren,“ ſprach Eiberich ſogleich.
„Du wirſt mirs immer danken: hier haft du einen Stein, Der lehrt dich alle Sprachen, wie fremd fie immer ſei'n. Wenn du ihn verborgen trägſt in deinem Mund,
Was man zu dir redet, das R vie Was Frein“
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„Wie ſoll ich das glauben ?" ſprach König Ortneit ,
„Daß Gott einem Steine ſolche Kraft verleiht,
Daß man aller Völker Sprache mag durch ihn vernehmen: Du willſt mich nur betrügen, des ſollteſt du dich ſchämen,“
„Schweig ,' ſprach der Kleine, „du ſtrafft mich allzuviel. Gott thut mit Steinen und Kräutern was er will, Ihm ift nichts unmöglich , “das glaube ficherlich,
Er wirkt alle Wunder „/" ſo ſprach da Elberich.
Er ließ den Stein ſich geben: der galt wohl manches Pfund. Da ſprach der Lamparter? „Das iſt ein ſüßer Fund.“
Da wollt ihn behalten der edle König hehr ,
Bis die wilden Heiden ihm begegneten auf dem Meer.
Als er den Stein ſo heimlih verbarg in ſeinen Mund,
Er ſprach : „Laß dich verſuchen, thu deine Kraft mir kund.“ Da trat der Lamparter hin an des Kieles Bord,
Da deucht! ihn, er vernehme ſchon aller Leute Wort,
Da rief der Schiffsführer: „O weh dieſer Noth! Vierzig Raubgaleeren ſeh i< mit Bannern roth.
Was ſie damit auch meinen, ſie ſteuern auf uns her: Wer reden kann mit ihnen, der beſcheibe Pe ver Mixe"
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Die wilden Heiden ſchifften ſchnell auf der wilden See; Laut klangen ihre Segel, weiß wie der Schnee, Beiderſeits der Kiele; zern ſah es Ortneit,
Da rief ein wilder Heide: „Nun ſaget an, wer ihr ſeid.“
Da ſprach der Lamparter: „I< bin ein Kaufmann,
Der reichen Kaufſchaz führet und großes Gut gewann."
Er winkte ſeinen Leuten, das Volk verbarg fich da
Mit Helmen und mit Schilden, daß man es nicht mehr ſah.
Unterm Dede bargen fich die Herren ſo;
Daß er die Sprache konnte, des waren alle froh.
Das kam ihm von dem Steine, den ihm das Kind gegeben : Man ſah deu Lamparter in vollen Freudeu leben.
„Wer hieß euch ſo nahe zu dieſer Veſte fahren ?
Ihr hättet,“ ſprach der Heide, „davor euch ſollen wahren,“ „I< will noh näher führen mich ſelber und mein Gut:
I< weiß, die Kauſſchaß bringen, daß ihr denen doch nichts thut.
„Von Kerlingen bring ich das köſtlichſte Gewand,
Das ich zu kauſen in welſchen Landen fand.
Damit hab ich die Kiele gefüllt und beladen: Nun gebt mir Geleite, und heiſt wir ya wa QR
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„Das ſchafft dieſem Lande Frommen immerdar : Helft mir in die Mauern, dabei iſt nicht Gefahr.“ „Wer ſolche Schätze bringet, der ſoll willkommen ſein ,“ Sprachen da die Städter, und fuhren wieder hinein,
Da kam der Stadtrichter au das Geſtad heran.
Da fragte ſie um Märe der mächtige Mann.
Sie ſprachen : „Herr, von Kaufſhaßz find ihre Kiele voll, Sie bitteu um Geleite: ob man es gewähren ſoll ?“
Er ſprac<: „Wer Kaufſchaß führet, dem thne Niemand Zwang, Das will ich gebieten bei Hals und bei Strang.“
So ſprach der Stadtrichter: „I< kann ſie wohl bewahren :
Daß Niemand ſie beſchädige, will ich ſelbſt mit ihnen fahren,“
Da hieß er ſich bereiten eine kleine Raubgaleer ,
Vierzig Poſauner darin oder mehr,
Eine Fahne mit dem Kreuze er an den Maſtbaum band, Damit die Chriſten ſähen, fie hätten Frieden im Land.
Da rief der Schiffsführer, der auf dem Maſtbamn ſtand: „ Gehabt euch wohl, da unten: es ift nun wohl bewandt : Wir fließen mit den Kielen ſchön in den Hafen ein :
Der Stadtmeiſter ſelber will unſer Gelee Yea.“
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Da fuhr der Stadtrichter vor allen Heiden her;
Viel Poſaunen klangen von ſeiner Ranbgaleer.
Er brachte ſie zum Hafen und hieß ſie willkomm fein.
Er ſprach: „Wenn ihr nun wollet, ſo fahrt in Barken herein.“
Da blieb er auf dem Waßer den Tag bis an die Nacht, Bis er ſeine Kiele zuſammen all gebracht.
„Nun gieb mir Rath und Lehre, lieber Elberich , ſogleich, Wie wir die Stadt gewinnen,“ ſo ſprach der König reich.
„Die Pforte ſteht offen, und Niemand thut uns Wehr : Wir dringen, wenn ſie ſchlafen, herein mit unſerm Heer , Und laſſen fie's entgelten, daß fie Heiden ſind:
Wir ſchlagen in der Veſte fie zu Tod mit Weib und Kind.“
Im Zorne ſprach der Kleine: „Wer lehrte dich die Liſt? So wär es gar übel, daß du ein König biſt.
Willſt du ihn ſo erzürnen, der dich empfangen hat, Nicht erſt ihm widerſagen, das wär unlböbliche That.
Da ſprach der Lamparter: „Das muß man mir vertragen: So zornig iſt der Heide, wer wollt ihm widerſagen? I< ſchi> ihm keinen Boten auf feine Gnade dar :
Yu iG ihm was zu Leide, er wird & % wiſt zweit
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„Inu Treuen" ſprach der Kleine, „ſo wär die Schande dein. Eh man dich ewig ſchälte, wollt I< der Bote ſein,
Gedenke doch der Ehre; wie bift du ſo verzagt ?
Willſt du mir es danken, ſo hab ich bald ihm widerſagt."
Da ſprach der Lamparter: „So wär ich immer froh. I< will dir wieder dienen, fügt es fich einmal ſo.
Soll ich dich hier erwarten ?" ſprach der König reich. „Ih komme morgen wieder.“ Da fuhr er hin ſogleich,
Da ließ alsbald ihn ſchauen das wilde Gezwerg, Daß er wohl Kunde hatte hier von Thal und Berg, Von jeder Burg, wie ferne fie bei den Heiden lag. Er kam gen Montabauer, bevor es wurde Tag.
Er ſetzte bei der Mauer fich hin auf einen Stein:
Da muſt er lange harren, bis an des Tages Schein, Wollt er die. Botſchaft werben, die man ihn werben bat. Der Heid am frühen Morgen ob ihm an die Zinne trat.
Er dachte fich zu kählen da oben an der Luft:
Er hatte vor der Hitze geräumt der Kammer Gruft.
Mit Züchten ſprach der Kleine: „Wer iſts, der oben Cekt2 IH bäte gern um Kunde, wenn ex es vit weed.
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„Wo ift der Herr des Hauſes ?“ Da ſprach er: „Das bin I<,“ Er ſah nicht den Kleinen und fürchtete fich.
„Was iſts, das zu mir redet, das ich nicht ſehen kanu 2?“
Er ſprach : „Biſt du der Teufel ? was willſt du? ſage mir an,“
„Rein „" fprach der Kleine, „ein Bote kam ich her: Von Gott und meinem Meiſter künd ich dir gute Mär.“ „Nach deines Gottes Märe frag ich nicht fürwahr : Was er mag mir entbieten, das acht ich nicht ein Haar.
„Mich kümmert auch gar wenig ſeine Bitte, ſein Gebot.
I<h fürchte nur Apollen und Machmet, meinen Gott.
Denen dien ich gerne, ſie gebieten mir allein.“
Im Zorne ſprach der Kleine: „Wie lang willſt du unſelig ſein?
„Daß du an Den nicht glaubeſt, der Höh und Tiefe mißt, Und daß du ihn nicht fürchteſt, der allein gewaltig iſt, Der Alles hat erſchaffen, und dich ihm ſelber gleich. Machmet und Apollo, wo iſt ihr Himmelreich?“
„Es ſei wo es wolle,“ der Heide ſprach da ſo,
Mich und meine Geſellen machen fie alle froh.“
Zm Zorne ſprach der Kleine: „Du biſt an Witz ein Kind: S4 bin wohl ſelber ſtärker als alle veine Gbtzee Fx.“
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Da ſprach der Heide wieder: „Nun mache mir bekannt, Was ſollft du bei mir werben, wer hat dich ausgeſandt ?* Er ſprach: „Mich hat geſendet zu dir der Meiſter mein: Einem reichen König geben ſollſt du die liebe Tochter dein."
„O weh „" rief der Heide: „daß ich je geboren ward!" Vor Zorn und vor Leide rauft' er fich den Bart.
„Nie um meine Tochter warb ein Mann, das glaubt, I< ließ ihm niederſchlagen zur Stelle gleich das Haupt.“
Da ſprach der Kleine wieder? „Das laßen wir nun ftehn: Es hat ſich oft begeben, was nie mehr wird geſchehn.
I< ſags auf meine Treue, giebft du ihm nicht die Magd, Mit Gewalt wird er fie nehmen: dir ſei von ihm widerſagt,“
Laut ſchrie der Heide, mit Weinen ſprach er da:
Daß mir ſo große Schade im Leben je geſchah!
Nie durfte noch auf Erden ein Mann mir widerſagen :
Daß ich es nun muß hören, das will ich meinen Göttern klagen.
„Das glaube wahrlich, hätt ih dich in meiner Hand
Und wäre dein ter Himmel, ich ſchlüg dich um die Wand.“ Einen Stein ſo ungefüge ſtieß er in den Graben
Damit wollt er zu Tode den Kleinen gewwJen Yen.
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Im Zorne ſprach der Kleine: „Was hilft dir deine Wehr ? Gieb ihm deine Tochter, ſonſt nimmt fie dir ſein Heer.
Wenn du ſie ferne meineſt, ſo brechen ſie hervor:
Er nimmt ſie dir zum Troe und hängt dich auf vor dem Thor,
So laut ſchrie der Heide, es ſchallte Berg und Thal, Dazu die Burg , die weite, von ſeiner Stimme Schall, Die Heiden in der Veſte erwachten von dem Schrei: Sie kamen all verwuudert zu ſchanen was da ſei.
Da ſprach die alte Heidin: „Du muſt von Sinnen ſeiu.“
„Nicht doch „" ſprach der Heide, „man begehrt die Tochter mein. Jetzt hat mir eine Stimme ſo frevel widerſagt,
Daß ich es nicht rächen kann, das ſei Machmet geklagt."
Die alte Heidin weinte darüber zornesvoll :
„Nun helfet meinem Herren, Machmet und Apoll!
Sollt ich ſo verlieren mein herzliebes Kind,
Darüber müſt ih weinen, daß meine Augen würden blind,“
Da tröſtete, die Heidin der heidniſ>e Mann: „Von Machmet und Apollo wird uns ſchon Hülfe nahn. „Du jollft bih wohl gehaben, liebe Herrin mein,
95 will ihn bald bezwingen, des ſoUK vu Pere ar
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Da ſandt er ſeine Heiden zum Burggraben hin:
„Den ſollt ihr mir ſtellen, und laßt ihn nicht entfliehn.“ Da ließen fich die Heiden nieder in den Klee:
Sie ſchlugen und ſtaßen und thaten Elberich nicht weh.
Hinter des Heiden Rüden barg fich das Zwergelein : „Gebeut nun, daß die Deinen das Werfen laßen ſein.
Vor Schlägen und vor Würfen zu bergen weiß ich mich : Wenn ſie nach Mir nun zielen, ſo treffen fie, König, dich,“
„Laßt es „" ſprach der König, „mit Wurf und mit Schlag: Wie wollt ihr Den wohl treffen, den Niemand ſchauen mag? Was er nun klaffen möge, das muß man ihm vertragen,“ Da ſprach der Kleine wieder: „Was ſoll ich dem König ſagen?
„Möge Gott mir richten über ener Leben!
I< will dir nicht glauben: du muſt mir Briefe geben.“ „Da ich Botenbriefe nicht übergeben mag,
Hiebei gedenke ſeiner!“ Da gab er ihm einen Schlag:
Die Leute hörtens alle, ſo laut ſcholl ſeine Hand. Unſinnig ward der Heide, daß man ihn wüthend band. Niederfiel da Mutter und Tochter zum Gebet:
Sie klagten ihre Shande Apollen und Nax.
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Da hatte wohl geworben die Botſchaft Elberich: Aus dem Graben hob er zu Ortniten ſich,
Wie viel fie nach ihm warfen, ſo war er anderswo. Bon Ortnits Abenteuern das dritte endigt ſo.
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Viertes Abenteuer.
Wie Ortnit die Stadt Sunder3 gewann.
Da kam er zu den Kielen vor Anbeginn der Nacht.
Der König ſprach: „Was haft dn für Botſchaft mitgebracht ?“ „I< bringe leide Märe von der edeln Maid:
Du gewinnſt fie nimmer, du gewinnſt fie denn mit Streit.
„Sie banden ihren Vater, ſo bracht ich ihn in Wuth.“
Da ſprach der Lamparter: „Nun rathe mir gut,“ „Gewinnen wir die Veſte, ſo haben wir das Land,
Ich getrau euch wohl in Barken zu ſchaffen an den Strand,
„Die Nacht iſt jezo finſter, die Fahne ſieht man nicht; - Die Wächter auf der Mauer ſind voller Zuverſicht: Da mögen wir in Barken gar leicht zu den Geſtatrn..
Sie filräten auf bem Waßer jetzt keinen ÖISS
Gimrod, das kleine Helvenbuch.
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„Wollt ihr mit Züchten ſ<weigen und meine Lift verhehlen, So weiß ich es zu fügen, daß wir die Barken fiehlen.“ Die beiden Könge folgten gern dem kleinen Mann: Fünfhundert Barken Elberich bald bei der Mauer gewann.
Die der Barken hüteten, die wurden all betrogen :
Sie wähnten, Winde hätten ſie auf das Meer gezogen. Sie ſprachen zu einander: „Wo nur die Barken ſind? Die Ketten brechen alle: ſo entführt ſie uns der Wind.“
Sie ſprangen aus den Kielen in die Barken nieder;
Die leer gekommen waren, die kamen voll herwieder. Des Morgens früh jedweder ſein Schifflein wieder fand; Achtzigtauſend Helden trugen ſie Nachts an den Strand.
Da ſprangen von den Barken die Helden auf den Grund: Daß fie erlöſt fich ſahen, ward ihnen Freude kund.
Ortnit von Lamparten uad von Reußen Jlias,
„Die ſprangen miteinander von dem Schifflein auf das Gras,
Da ſprach der Lamparter: „Nun gieb uns Lehr und Rath,
Wie man dem reichen König zerſtören mag die Stadt.“
„Ihr ſeht wohl „“ ſprach der Kleine, „daß die Pforte offen ſteht : Wißt ihr nicht ſelbſt zu helfen, ſo kommt mein Rath zu ſpät,"
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Da ſprach der Lamparter: „Daß Er mich zwier nicht mahne, Lieber Oheim Ilias, nimm du die Sturmfahne:
Wem ich ſie ſonft beföhle, das wär nicht wohl 'bewandt ;
Sie komm in dieſem Streite nicht mehr aus deiner Hand,“
Da ſprach der Reunßenkönig: „Das erlaß mir, König hehr: Fünftauſend ſchneller Helden führt' ich mit mir hieher, Denen ich nach Kräften rathen und helfen ſoll.
Eine ſolche Menge“ bedarf ihres Herren wohl.“
Da ſprach der Lamparter: „Nicht erlaß ichs dir :
Ic habe Mir zu Hülfe dich hergeführt mit mir.
Wir Alle mögen ſtreiten unter Einer Fahne licht:
Von Allen, die uns folgten, entweicht do<ß Keiner nicht.“
„Wohlan ,“ ſprach der Reuße: „gebt mir ſie in die Hand!“ Eine ſc<were Fahne man ihm zum Arme band,
Daraus ein Löwe glänzte von lichtem Golde roth.
Die beiden Könge führten manchen Helden in den Tod.
Sie ſtanden kampfgerüſtet bevor es wurde Tag,
Laut rief ein Heide, der auf der Mauer lag:
„Wohlauf nun, wachet alle, ein Kaufſchatz iſt gekommen; - Wer zu dem Kaufe gehet, dem wird das Leben genommen.
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„Er mag es wohl entgelten mit Kind und Kindeskind: Achtzigtauſend Helden vor der Mauer ſind
In lichten Stahlringen, weiß wie der Schnee:
Bon dieſem Kaufſchaze geſchieht uns Allen noch Weh.“
Da weckt' er manchen Helden, der no<h im Shlafe lag : Zu Leid erſchien ihm heute die Sonne wie der Tag, Von dem Kaufſchaßze ward mancher Held verlorn. Ortneit drang in die Pforte und blies ein Heerhorn.
Da ſcharten ſich die Heiden, gewaltig ward ihr Heer: Das zog auf die Gäſte vermeßen bald einher,
Wohl ſechzigtauſend Helden vor einen weiten Saal, Wo der Richter wohnte, der ihnen allen befahl.
Den Gäſten er entgegen mit großer Menge ritt;
Gewaltig bei dem Reußen der Lamparter ftritt,
Bald maßen ſich die Scharen in angſtvollem Streit.
Da rief der Reußenkönig: „Wehr dich, ſrommer Ortneit!“
Da hub ſich ins Gedichte von Reußen Jlias;
Wer Chrift war oder Heide, Niemand wuſte das. Der wilden Heiden Menge Niemanden vorwärts ließ, Bis der Reußenkönig die Fahne vor den Pallas ſtieß.
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Da drang durch die Heiden der Degen anserfehn : Dem mocht im Gedränge Niemand wiberftehn. Ortneit durch die Heiden eine weite Gaße ſchlug ; Mit Gewalt der Renße die Fahne hinter ihm trug.
Da that der Lamparter manchem Heiven Schaden:
Sie hatten üble Gäſte geführt zu den Geſtaden.
Wem der Lamparter - gab einen Schlag
Mit ſeines Schwertes Schneibe, wie bald der fiel und lag!
Die Heiden wichen alle vor dem kühnen Mann:
Es wagt' ihm im Gedränge Keiner mehr zu nahn. Manchen kühnen Heiden ſchi>t' er in den Tod;
Auch die Chriſten kamen nicht ohne Schaden ans der Noth.
„Nun laßen wir dieß Streiten ,/" ſprach da Eſberich, „Sonſt fällt uns in den Rücken der Heide ſicherlich Wir ließen leider hinter uns die Pforten unbeſetzt : Die früher offen ſtanden, verſc<hloßen fiehft dn fie jeht.
„Magſt du das noc< wenden, "Ortneit, König hehr?
Sie verbrennen uns die Kiele und das Gut all auf dem Meer. Das bringt dir wenig Ehre, dazn viel großen Schaden.
Du kämſt mit Ehren nimmer heim zu römiſchen Geſtaden.“
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Wie bald der Lamparter einen Heiden zwang!
Der ſchloß ihm auf die Pforte, durch die er bald entſprang. Sie muſten vor ihm weichen, ſo ſtark war ſeine Wehr,
Er ſchlug ſie meiſt zu Tove und ertränkte fie im Meer.
Als der Lamparter ſo von dem Reußen wich,
So ſchwach vor den Heiden im Streite zeigt er ſich,
Er nahm großen Schaden, den mocht er ewig klagen:
Er verlor fünftauſend Helden und ward zu Boden geſchlagen.
Da kam auf einem Rofſe der Kleine nachgeritten.
Er ſprach zu dem Lamparter: „Hier iſt genug geſtritten. Nun kehre bald zurü&ke und räce deinen Zorn:
Du haft den Reußenkönig und ſeine Helden verlorn.“
Da ſprach der Lamparter: „Weh , Oheim Jlias! Nun mög es Gott erbarmen, daß ich dein vergaß. I< muß nach deinem Tode immer traurig ſein.“ Da wandt er ſich zurü&ke und half ihm noch gedeihn.
Wie bald der Lamparter den Schild zu Rüden warf!
Er nahm zu beiden Händen die gute Waffe ſcharf.
Mit feindlichem Toben er auf die Heiden ſchlug:
Die erſt den Reußen drängten, die ließen Raum ihm genng.
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An keine Hülfe hatte der Reuße mehr gedacht :
Mitten unter Feinden lag er in der Schlacht.
So lang er immer mochte hatt er ſich gewehrt;
Nun ihm Ortneit kam zu Hülfe, da blieb er unverſehrt.
Der Reuße trug das Banner noch in der Einen Hand, Das Schwert in der andern, als er ihn liegen fand.
Er war von harten Schlägen betänbt und ungeſund: Für todt lag er am Boden und war do nirgend wund.
Mit kläglicher Stimme ſprach der Reuße da,
Als er aus dem Helme den Neffen ob ihm ſah:
„Nun mög es Gott erbarmen, daß ich jemals ward geboren! Das Liebſte, das ic hatte, das hab ich leider verloren!“
Doch frente ſich der Kähne, daß er ihn lebend fand.
Er hob ihn von der Erde geſchwinde mit der Hand. „Es kann ſolche Reiſe nicht ohne Schaden ſein:
I< will ihn dir vergüten, getrauſt du noch zn gedeihn,“
„Wie willſt du mir vergüten was mir iſt geſchehn? Fünftauſend ſchneller Helden ſah ich zu Grunde gehn.“ Der Reuße ſprach mit Jammer? „Ich ſelbſt geneſe wohl; Doch weiß ich Unſeliger nicht was das Leben mir ſoll.“
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„Tebes und Leides," ſprach der König Ortneit,
„Des muß man fich getröſten, geht man in den Streit. Wie viel er da verliere, er klage nicht deswegen.
Du kannſt nicht mehr ſtreiten: laß mich der Fahne pflegen,“
„Nein „" ſpracß der Reuße, „die geb ich nicht von mir,
Bis die mir ſind vergolten, die mir erlagen hier.
I< will dir wieder helfen, trau mir dein Banner an:
Du fiehſt mich heut noh ſterben oder rächen meinen Baun.“
Spähend gegenüber ſtand ihm die Heidenſchaft,
Ob ſie bald wieder ſollten verſuchen ihre Kraft.
Da ſprach der Lamparter: „Wieder an ſie müßen wir: Dieſe Todten blieben ungerochen Übel hier.“
Da rannten fie zuſammen, ſich miſchte Schar und Scar; Von Blut miſsfarbig wurden die lichten Ringe klar.
Da muſten doch die Chriſten das Heldenvolk beſiegen: Man ſah viel der Todten vor dem kühnen Reußen liegen.
Sie hatten an den Boden der Feinde viel gebracht: Nun bargen ſich die Heiden und mieden fernre Schlacht. Da ſprach der wilde Reuße: „Ac<h ich unſelger Mann, Daß ich meine Helden nicht beßer rächen kann!“
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„Eh daß dn diß immer gehübſt ſo jämmerlich,
Zeigt ich dir tanſend Heiden ,/" ſo ſprach da Elberich ,
„Die fich verborgen haben: die Deinen rächſt du ſo.“
Der Renße ſprach: „O gerne, komm mit, du machſt mich froh,“
Da führt' ihn der Kleine zu einer Felſenwand,
Wo er wohl tanſend Heiden verborgen filzen fand.
Da ſtieß er mit den Füßen den Riegel von der Thür: „Unreine Sarazenen, ihr müßet all doch herfür!“
Sie fielen ihm zu Füßen: „Herr, laßt uns leben :
In eures Gottes Gnade wollen wir uns ergeben.“
„Gerne ,“ ſprac<ß der Reuße: „nur zahlt mir Mann für Maun; Mit dieſem Beſenreiſe ſchlag ich euch aus dem Bann!
„Ih ſetz en<h eine Buße, die bricht man nicht geſchwind : Man ſoll euch liegen ſehen, wie Sie erlegen find, | Wem ich mit dieſem Reiſe geb einen S<lag,
Der muß zur Buße faſten bis an den jüngſten Tag.“
Mann für Mann der Heiden er hin zu Lichte trug:
Er faßt' ihn bei dem Haare, ſein Haupt er niederſchlug. Sie muſten alle ſterben, die er darinne fand:
„Wieviel ich ihrer fände, fie erſchlüge meine Hand.“
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Da drang durc< die Todten der Reuße fürbaß:
Er kam an ein Gewölbe, das voller Frauen ſaß.
Sie fielen ihm zu Füßen: „Laßt uns Erbarmen ſ&aun;
Es bringt eun< wenig Ehre, erſchlagt ihr uns arme Fraun.“
„Gleich gilt mir Alles, Weib, Mann und Kind; Ihr müßt mir Die bezahlen, die mir erſchlagen find.“ Er nahm fie bei dem Haare, gab ihnen auch den Tod. Darob erzürnte Elberih wie ihm die Milde gebot.
Im Zorne ſprang der Kleine vor die Felſenwand
Durch der Todten Haufen, bis er den König fand.
„Dein Oheim ſchlägt die Frauen, des magſt du dich wohl ſchämen; Die gerne Chriſten würden, denen will er das Leben nehmen.“
Wie bald der Lamparter zu dem Reußen ſprang!
„Du biſt unſinnig: des ſag ich dir niht Dank,
Wes zeiheſt dn die Frauen, denen du das Leben nahmſt? Du ſollteſt doch gedenken, daß du auch von Frauen kamſt.“ .
„Willſt du keiner Güte von Frauen ſein gewährt ,
So thu es Mir zu Liebe, ftoß wieder ein dein Schwert.
Du biſt in deinem Sinne leider gar ein Kind.
Komm mit und hilf mir taufen, vie: da gerne Chriſten find,“
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Im Zorne ſprach der Reuße: „Da bin ich nicht zu Haus: Einen andern Pfaffen ſuche dir zu dem Taufen aus,
Die ich zum Waßer führe, die werden ungeſund,
Alle die ich taufe, die ſtoß ich tief an den Grund," --
Er konnt ihn kaum erbitten, daß er ſein Schwert einftieß Und die armen Frauen ungemordet ließ.
Die Chriſten wollten werden, tanfte Herr Ortneit; Dabei war ihm zu belfen der kleine Elberich bereit.
Der Reuße kehrte zornig von ihm auf das Wal: Die ſich aufgerichtet hatten, die riß er all zu Thal, Ob Chriſten oder Heiden, er trat fie in den Mund: Die wohl geneſen wären, die macht' er ungeſund.
Eiberich der kleine zu dem König ſprach:
„Wir haben vor dem Teufel heute kein Gemach,
Er will auch den Chriſten keinen Frieden geben:
Die wohl geneſen möchten, denen nimmt er das Leben.“
Wie bald der Lamparter hin zu dem Reußen ſprang!
Er ſprach wohlgezogen, wie ihn die Treue zwang:
„Wes zeihteft du die Chriften, die von dir erſtorben find? Du biſt auf meine Treue des Übeln Teufels Kind.“
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Hatt er ihm den Einen Unfug jekt benommen,
So war ihm ſchon ein andrer in den Sinn gekommen. Er lief zn dem Bethaus , wo er die Göten- fand:
Er nahm fie bei den Beinen und ſchlug fie um die Wand.
Noch ſprach der Lamparter: „Gott mag dir Sinn beſcheeren ! Wie lange ſoll ich heits dir deinen Unfug wehren?
Nun treibe fort dein Weſen wie es dich dünket gut;
Du willſt um meinetwillen nicht laßen deinen Uebermuth.“
„Nun folge mir, Lamparter ,/" ſprach da Elberich,
„Laß uns die Todten ſuchen, ſo gebührt es ſich.
Die no< geneſen möchten unter dieſem Heer,
Die ſenden wir in Barken zu den Kielen auf das Meer.“
Da giengen fie und ſuchten die Wunden auf dem Plan Und fanden da der Chriſten wohl fünfhundert Mann, Die noch geneſen mochten: die ſandt er anf die See, Da that dem Lamparter der Jammer herzlich weh.
Da ſprach zu ihm der Kleine: „Du nahmeſi großen Schaden: Hierher ward leider Man<er auf ſeinen Tod geladen.
Wie lange willſt du warten? blaſ dein Heerhorn:
Nun lache oder weine: Neuntauſend haft du verlorn.“
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GR ET SÉ Gs RA EL RG R E O LR DC D
„Das laße Gott mi büßen,“ \pra< der Kuig hehr ,
„Daß um meinetwillen erlag ſol< Chriſtenheer.
Es zieht ſi< auf den Abend, daß ih niht weiter mag,
In der Stadt muß ich verbleiben bis mir morgen kommt der Tag.“
„Nun ſieh,“ ſprah er zum Reußen, „was hülfe mi< mein Zorn?
Wie ungefüg ih wäre, ſie blieben do verlorn. “2 Es bringt ſo lange Heerfahrt Niemand Gewinn. “
Von Ortuits Abenteuern iſt nun das vierte hin,
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Fünftes Abentener. Wie Ortnit vor Montabauer kam.
Beſetzt ward die Veſte; Nachts ſchuf man gute Hut.
Was den Lamparter und den Reußen deuchte gut,
Das thaten gern die Heiden, wie ſie der König bat;
Sie ergaben ihm auf Gnade das Leben und auch die Stadt.
Sie lagen ohne Sorgen die Nacht bis an den Tag. Da ſprach der Lamparter: „In dieſen Maueru mag I< länger nicht verbleiben: wohl auf, es iſt Zeitz
I<H muß gen Moutabauer ,/" ſprach der König Ortneit.
„Wohl auf, kühner Reuße, wir rächen unſern Zorn
Und unſer Volk: wir haben hier allzuviel verlorn.
Die Todten liegen immer mir in dem Herzen mein,
Des vergeß iH; nimmer, mir werde denn das Mägdelein,“
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SERER FEEN Die no< bei ihm waren, die ſäumten länger nicht: Mancheu weißen Harniſch und viel der Helme licht, Der harten Stahlringe trugen fie zum Streit: Sie zogen aus der Veſten auf die grüne Haide breit.
Da ſprach der Lamparter: „Wohlauf, meiu kühner Baun: Nun will ich erſt ſtreiten, da ich ſie rächen kann.
I<h muß die Burg gewinnen und die darinnen ſind;
Das Leben will ich laßen, mir werde denn das ſchöne Kind.
Die mir hieher gefolgt ſind, die ruf ich alle auf,
Mit der Sturmfahne ſchreite Jlias vorauf,
Sechzehntauſend Helden zum Graben folgen ihm ,
Die Burg mag der Heide nicht wehren unſerm Ungeſtüm.“
Mit Jammer ſprach der Reuße: „I< kenne mich nicht wohl: Wie gern ich euch wieſe, weiß nicht, wohin ich ſoll. Sie führen mit mir irre wohl auf der Straße hin; Ich weiß auf meine Treue ſelber nicht wo ich bin.“
„Willft du mir es danken,“ ſo ſprach dos Gezwerg,
„So weiſ ich mit dem Heere dich über Thal und Berg
Auf des Gebirges Höhe, wo Montabauer ragt.“
„Das lohnt dir Gott vom Himmel“ ſprac<h der König unverzagt.
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„So gieb , das man dir nachzieht, das Roſs mir unverwandt : Die Fahne will ich führen bis in des Königs Land.
So dich die Leute fragen, wer auf dem Roſſe ſei,
Und Wer die Fahne führe, ſo ſprich, daß es ein Engel ſei.“
Da gab man dem Zwerglein des Roſſes Gewalt:
* Es ſprang in den Sattel, ſeine Luſt war mannigfalt. -Die Fahne trug es herrlich und ritt voraus dem Heer: So wies es die Helden die Straße ſonder Wehr.
Die Leute ſprachen alle und ſegneten ſich:
„Edler König Ortnit, willſt du nicht ſegnen dich?
Siehſt du nicht das Wunder, das Gott dir hat beſchert ? Was ifts, das mit der Fahne dort auf dem Roſſe fährt ?“
Darob erlachten heimlich die beiden Könge hehr : Sie ſahen ihn alleine und anders Niemand mehr. „Es iſt der Engel Gottes ,“ ſprach König Ortneit, „Der gen Montabauer uns geben will Geleit.
„Daran ſollt ihr gedenken: Die Todes hier verfahren, Die führt er in den Himmel: drum dürft ihr euch nicht ſparen,“ Da waren die Lamparter der Märe herzlich froh :
„Wir mögen gerne ftreiten,/“ ſprathen aW, „Kv Yar
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Da folgten ſie der Fahne; fie nahmen all ſein wahr, Und ſprachen einhellig: „Brächt er nur bald uns dar!“ Er wies die Unverzagten zu einem weiten Feld.
Laut rief der Kleine: „Hier ſchlaget auf das Gezelt.“
„Willſt du die Burg erſchaven, ſo reit her unverzagt : Jetzt will ich dir zeigen, wo Montabaner ragt.
Gieb jetzt dem Reußen wieder die Fahn in ſeine Hand: Ihr ſeht nun wohl die Höhe und auch die Felſenwand,“
Da nahm ter ſtarke Rcuße das Banner in die Hand; Als ſie die Burg erſahen, ſie freuten ſich geſamt. Der Reuße wollt im Zorne nirgend Ruhe haben: Er trug das Banner kühnlih bis an den Burggraben,
In des Berges Halde der Held das Banner ſtieß, Wo er des Königs Leute Herberge faßen hieß.
Da hütteten die Herren auf das weite Feld,
Sie ſpannten auf den Anger manches herrliche Gezelt,
Die ihm der reiche Heide zu Meſſin gegeben;
Zwei waren Gold und Seide, von köſtlihen Geweben :
Sah man fie aufgeſchlagen, ſo ſchattete das Dach ,
Daß wohl hundert Helden darunter fanden Graus. Gimrod&, bas kleine Heldenbuch.
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Von Elfenbein die Stangen, hell wie ein Spiegelglas; Auf jeglichem Giebel ein Knauf von Golde ſaß. Mitten auf dem Golde lag ein Karfunkelſtein,
Der im Gezelt des Königs gab kerzenhellen Schein.
Sie hatten fich der Veſten ein Theil zu nah gezogen: Da wollten ſie die Heiden vertreiben mit den Bogen. „Wir find der Burg zu nahe," ſprach der König reich. „Das weiß ich wohl zu wenden ,/" rief Eiberich ſdgleich.
„Ihr ſollt hier vor der Mauer ungefährdet liegen :
I< ſchaffe , daß ihr Schallen noch heute wird verſchwiegen. Was fie auf der Mauer Geſchützes mögen haben,
Das brech ich all zu Stü>en und werf es her iu den Graben.“
Da ließ er fie wohl ſchauen wie liſtig war der Zwerg:
Er nahm vom König Urlaub und hob ſich an den Berg.
Da ſucht er auf der Mauer: was er Geſchützes fand ,
Das brach er all zu Stücken und warf es vou der Felſenwanv,
Da ſprach von Lamparten Ortnit der König hehr :
„Seht, wie hier all im Graben liegt der Heiden Wehr.
Nun jhlafen wir mit Freuden bis an den Morgen fruh: Mir finb ohne Sorgen, daß wan v38 V& ws WR Ya"
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Die Heiden alle riefen: „Der Teufel iſt gekommen : Was wir zur Wehr bedurften, das hat mau uns genommen, Du ſollteſt dieſem König deine Tochter gerne geben : Wenn er dich überwindet, er nimmt uns Allen das Leben.“
Da rief des Königs Fraue, die gute Heidin:
„Giebſt du ihm deine Tochter, ſo haft du klugen Sinn. Du magſt es wohl entgelten, willſt du ſie ihm verſagen, Der Suders hat gebrohen und die Leute drin erſchlagen.“
Die Fauſt hob der Heide und ſchlug ſie an den Mund: „Und räthſt du Solches wieder, ſo wirft du ungeſund." Da ſprach die alte Königin: „Nun gebe Gott ihm Kraft, Daß er ob uns Beiden fich noch den Sieg verſchafft."
Da rief ein wilder Heide: „Nun nehmt euch weiſen Rath, Da unſre Burgveſte kein Geſchütz mehr hat."
Der Heide ſprach: „Wir haben noch vierzigtauſend Mann: Draußen vor dem Graben greif ih morgen ihn an.“
Wohl vernahm der Kleine was der König jeht gelobt.
Er ſprach zu dem Heiden: „Herr König , wie ihr tobt!
Euch hülfen nicht mehr Alle, die jeht am Leben ſind:
Er hängt di< an die Zinnen, giebſt va m räät wö Wed.
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„Hat dich wieder „“ ſprach der Heide, „ver Tenfel her gebracht ! Was ihr zu thun gedenket, wird nimmermehr vollbracht.
Daß ihr ſo nah uns kamet, das mögt ihr Gott wohl klagen : Bald ſoll meine Mauer euer aller Häupter tragen.“
„Des ſollſt du inne werden,“ ſprach Elberich ſogleich :
„Ob vor der Burg nicht läge Ortnit der König reich,
Du müſteft Mir alleine deine Tochter geben :
Niemand kann dich beſchirmen, ich benehme dir das Leben.“
Mit großen Steinen warfen fie nach der Stimme hin. E:berich verirrte dem König den Sinn.
Sie konnten ihn nicht treffen, der nicht geſehen ward ; Elberich dem König brach von dem Munde den Bart,
„Wehe „" ſprach ver König, „daß ic<h je geboren ward!
Er hat mir ausgebrohen mein Haar und meinen Bart. Daß ic< es nicht mag rächen, das will ich Machmet klagen.“ Da ſchied von ihm der Kleine und gieng die Märe ſagen.
.
Da hob ſich der Kleine von der Felſenwand
Hin wieder zu dem Heere, wo er Ortniten fand.
„Dir entbeut der Üble Heide im offnen Felde Streit." „35 begehr es ja nicht anders „" Ypraey wer Kordy, Dbwt.
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453 * Da ſc<hlief er in den Sorgen die Nacht bis an den Tag. Ortnit erwachte, da Mancher Sc<lafs noh pflag. Mit mannlicher Stimme der Lamparter rief, Da der Reußenkönig noc< immer lag und ſchlief:
„Vie lange willſt du ſc<lafen, von Reußen Jlias ?
Laß uns das Gras begießen mit dem rothen Blute naß. Wohlauf, daß wir deu Walplatz behaupten, es iſt Zeit: Vor den Burggraben ruft uns der Heide zum Streit,“
Da kleideten ſich alle in lichtes Sturmgewand
Und kamen mit der Fahne der Pforte zugerannt,
Die der ſtarke Reuße zu allervorderſt trug.
Hei, was der Lamparter bald der Heiden niederſchlug!
Die Heiden drinnen riefen: „Nun ſetzet euch zur Wehr! Unſrer Pforte nahet der König und ſein Heer." Innerhalb ver Mauer ward das Lärmen groß:
Die Heiden wollten ſtreiten, die Pforte man erſchloß.
Da drang des Kampfs begierig zuſammen Hcer und Heer: Sie wollten ſich verſuchen und Niemand ſchied ſie mehr. Da erwehrten ſich die Gäſte des Wirthes Unverzagt",
Air bie Britſte ſchlug ſih die kaiſerähe Mad.
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Das Haar glich der Seite, das fie vom Haupte brach, Als ſie den großen Jammer ſah und das Ungemach. Da fielen ihr die Thränen vor Leid in den Schooß : Sie bangte für den Vater: der Heere Streit war ſo groß.
Ihr Mund brann wie die Roſen, wie ein Rubin ſo klar; Gleich dem vollen Monde ſchien ihr Augenpaar,
Sie hatte fich mit Roſen gekränzt das ſchöne Hanpt
Und mit edeln Perlen; doc< war ihr Troſt geraubt,
Sie war von rechter Größe, zu beiden Seiten ſchmal , Gedreht wie eine Kerze von den Armen hin zu Thal. Nicht viel an Arm und Händen gebrach der Königin ; Ihre Nägel waren lauter, man ſah ſein Bild darin.
Ein ſeidenes Gebände trug fie um ihr Haar;
Das ließ hernieder hangen das edle Mägbdlein klar. Es fiel ihr von dem Nacken herab bis auf den Fuß Zerrauft und verworren ; jämmerlich war ihr Gruß.
Auf dem Haupt die Krone trug ſie von Golde roth
Elberich dem Kleinen war zu der Jungfrau Noth. „Zuoberft an der Krone ſtand ein Karkfunkelſtein, Der warf im Königsſaale wie Ume Kent dea Sta.
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Ihr Hals ſchien durch die Zöpfe weiß wie der Schnee; Da thät dem kleinen Elberih der Jungfrau Jammer weh. Die Mutter nahm die Tochter bei ihrer weißen Hand, Und führte die Schöne hin wo ihr Bethaus ſtand.
Da fielen fie vor Leide nieder zum Gebet,
Sie klagten ihre Schande Apollen und Machmet.
Gar groß war ibr Jammer und außermaßen |tark: Sie fielen auf die Kniee gar manchmal vor dem Sarg.
Sie ſchlug ſich und raufte, das Mägbdlein wonniglich :
Da fieng ihr die Hände der kleine Elberich.
Die minniglihen Hände in den ſeinen ſchloß er ihr.
Die Tochter ſprach zur Mutter: „Wer iſt denn hier bei mir?
„Befangen hat mich Eines ,/" ſprach das Mägbelein,
„Es bringt ihm immer Schande: was läßt es mich nicht ſein ? Was will es mich verhindern an meinem Gebet?
Biſt du Apollo, oder biſt du Machmet?
„So ſollſt du mir es ſagen, wenn du mein Gott biſt, ſprich!“ Der Kleine ſprac<: „Vom Himmel ein Bote bin ich.“
„Wie darfft du mich berühren vor meinen Göttern hie 2“ „Warum nit 2?“ ſpracß der Kleine: „Z& vox re Yad. DA Y8>
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„Nun ſage, was für Botſchaft du bringeſt „“ ſprach die Magd. Mit Züchten ſprach der Kleine: „Das ift dir bald geſagt : Mein Meiſter von den Himmeln hat mich zu dir geſandt, Du ſolleſt Königin werden Über alles welſche Land.“
Da ſprach die Jungfrau wieder: „Daran biſt du betrogen : I< bin in der Heidenſhaft erwachſen und erzogen
Und will darin erſterben: wo ſollt ich anders ſein
Als bei meinem Vater und bei der Mutter mein!"
Da ſprach der Kleine wieder: „Die Rede frommt dir nicht. Du wirft Schaden nehmen an deinem Angeſicht,
Den du nicht überwindeſt wie lange du noh lebſt,
Da du ſo unerkenntlih wider deinen Schöpfer ſtrebft.“
Da ſprach die ſchöne Jungſrau: „I< weiß nicht, wer er iſt, Der mich hat erſchaffen.“ Er ſprach: „Der heißet Chriſt, Ueber Erd und Himmel herſcht er gewaltiglich
Und über alle Weſen „" ſo ſpracß da Elberich.
„Was du magſt erdenken, das iſt ihm unterthan.
Willſt du den Lamparter nicht zu deinem Mann,
Verſagft du ihm den Willen, ſo dünkſt du mich dumm:
&n Händen und an Füßen macht Rh CK yx Braz Towa.
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„Er nimmt dir deine Shöne und macht dazu dich blind. Du ſollſt an ihn glauben: du biſt ja doch ſein Kind. Von ihm haſt du die Schöne und dieſe Farbe licht.“ Da ſprach die Jungfrau: „Deinen Gott fürcht ic< nicht,"
Es mocht ihn wenig frommen, wie er das Mägblein bat. Dem Streite zuzuſhauen der Zwerg aus Fenſter trat, Wer ſich dort am Beſten möcht im Sturm gehaben :
Da trieben die Chriſten die Heiden Über den Graben.
Der Lamparter Lücken zu beiden Seiten ſchlug;
Ihm riach der kühne Reuße das Kriegsbanner trug
Bis an die Burgpforte: da lehnt' ers an die Wand;
Die Helden nahmen beide die Scwerter wieder zur Hand.
Da ſprach zu der Jungfrau der Zwerg mit klugem Sinn: „Willſt du den Streit nicht ſchauen, reiche Königin ?
Was dir mein Gott gebietet, läſt du das nicht geſchehn , Du muſt in dieſem Streite deinen Vater ſterben ſehn.“ (
Da ſprach die Jungfrau: „Der Heiden ſind doch viel." -- „I< helfe meinen Freunden, das iſt mir nur ein Spiel.“ Die Mutter und die Tochter traten ihm beide nah:
Wob! konnte ſie nicht freuen der Streit, ver va WW.
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„Siehſt du,“ ſpracß der Kleine, meines Gottes Zorn?“ Willſt du dich nicht bekehren, dein Vater iſt verlorn.
Du magſt den Lamparter gern kieſen dir zum Mann, Eh heut no<h größrer Schaden eu<h allen würde gethan.“
Da ſprach die Magd in Züchten: „Zum Manne, was iſt das? Soll ich des inne werden, ſo beſcheide mich fürbaß.“ „Du erfährſt „" ſprach die Mutter, „der Männer Brauch noc< wohl: Thu was er dich bittet, eh dein Vater ſterben ſoll,“
Mit Züchten ſprach der Kleine: „Gut iſt ein Mann fürwahr; Biſt du ſein Weib geworden, ſo wirſt du's bald gewahr. Gewohnſt du's eine Weile die Nacht bis an den Tag,
Du lernſt ihn alſo lieben, daß ihn Niemand dir verleiden mag.“
„Nun ſei mirs wie es wolle lieb oder leid,
I< will mich doch nicht kehren an deine Schalkheit, Nimmer will ich leiſten deine Bitte, dein Gebot,
I< ſeh denn, daß du ſelber ftärker wärſt als mein Gott.
„Du biſt doh wohl nimmer ſo kühn noc<h ſo ſtark, Daß du meine Götter berührſt noch ihren Sarg,“ Da wurden von dem Kleinen die Särge bald erhaben, Er ſchlug fie um die Mauern und row Pt ven za ea Breken,
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„Sau ,“ ſprach der Reuße, „der Streit iſt wonniglich, Den auf der Mauer ftreitet der kleine Elberich. Wer ihm auch belfen möge, er hat den Streit erhaben : Der Heiden Abgötter liegen all im Burggraben.“
Da ſie ſah wie ſieglos die Heiden vor ihr ftritten,
Da begann die Jungfrau den kleinen Gaft zu bitten.
Sie ſprach zu dem Zwerge: „Nun ſchaff ihm Frieden erſt: Daß nicht mein Vater ſterbe thu ich was du nur begehrft.“
Mit Züchten ſprach der Kleine: „Das thut dir wahrlich Noth, Willſt du deinen Vater erretten vor dem Tod.
Und ſoll ein ſtäter Friede zwiſchen uns Beiden ſein,
So wähle den Lamparter und ſchi ihm zu dein Ringelein.
„IH hab es ihm verheißen: ſo muß es au<ß geſchehn.“ „Eh ich zum Freund ihn kieſe, zuvor laß mich ihn ſehn.“ „Siehſt du , der im Streite ſich ſo männlich hält
Und der ſo viel der Todten hat vor fich nieder gefällt ;
„Deſſen Harniſch leuchtet vor anderm Sturmgewand
Als wär im finſtern Hauſe eine Kerze hell entbrannt :
Er ficht vor ihnen allen, blutig iſt ſein Shwert."
„Er iſt wohl,“ ſpra< die Mutter: „Enes Bevern YHRQWA wera?
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Da ſprach die Jungfrau: „Nun bring ihm hin mein Gold, Und ſage dem Lamparter, ich ſei ihm treulich hold,
Bitt ihn, daß er weihe von der Burg mit ſeinem Lehn: | I< thu was er gebietet meinen Vater heil zu ſehn."
Der Rede ward der Kleine gar außermaßen froh. Sie gab ihm das Ringelein, von dannen ſchied er ſo, „Nun freue dich der Märe, König Ortneit,
Daß bald in deinen Armen liegt die herrliche Maid.“
Der König ward getröſtet, daß er des Streits vergaß.
Da ſprach der Lamparter: „Nun ſage mir fürbaß,
Was erbietet mir die Jungfrau, die edle Königin?“
„Sie entbent dir holde Minne, hier nimm ihr Ringlein hin.
„Nun heiß den Reußen enden, ihr habt genug geſtritten : Sie nd ihre Mutter laßen dich drum bitten,
Daß du die Veſte meideſt und die Heiden läßeſt leben: Sie will an deine Gnade ihren ſchönen Leib ergeben.“
Da ſprach der Lamparter: „Fürwahr, das ſoll geſchehn ;
Wär ich nur ſo ſelig, daß ich fie ſollte ſehn!"
Der Reuße ſprach im Zorne: „Laß es ohne Frieden ſein. Dir wird doch wohl das Mägdliein: 1kY roy yx Went we Wrtan
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Mit Züchten ſprach der Kleine: „Reuße, laß dich fragen: Soll fie zum Freund ihn kieſen, der den Vater ihr erſchlagen ? Er mag wohl thun mit Ehren was fich die Frau erbat: Nomine domini Amen! du wirſt nimmer Fechtens ſatt,“
Da ſprach der Lamparter: „I< will ihr nichts verſagen.“ Die Heiden wurden flüchtig vor der Chriften Jagen.
Sie wollten nicht mehr ſtreiten und ſchlugen zu das Thor: Ortnit und die Seinen blieben Alle davor.
Da blies der reiche König ſein kleines Heerhorn:
Da hatt er ſeiner Helden ein großes Theil verlorn : Von dreißigtauſend zählte ſechstauſend no< ſein Lehn; Doch wagten die Heiden die Chriſten nicht zu beſtehn.
Da wandte von der Veſte der biedre König ſich.
„Wir wollen uns verbergen ,/“ ſprach da Elberich :
„In einem Wieſengrunde weiß ich einen Bach,
Da kann uns Niemand finden: ſo haben wir gut Gemach.“
Da nahm der Reuße wieder das Banner in die Hand: Man ſah ihn traurig reiten von der Felſenwand, .
In eine Wildniſs kehrt! er, auf eine Haide breit,
Die ihm der Kleine zeigte: da ruhten fit na veea Srtbä«
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„Wir müßen hinwieder ſelbander ,/“ ſprach ver Zwerg: „Ortnit, du ſollſt alleine mit mir vor deu Berg.
So getrau ich Gott vom Himmel, dazu den Liſten mein, Eh wir herwieder reiten wird uns das Mägdelein.
„Wir kommen nicht herwieder, wir haben denn geftritten. Du ſollſt den Reußenkönig und ſeine Helden bitten,
- Daß fie, wenn ich rufe, dir zu Hülfe kommen: Säumen fie ſich lange, ſo wird die Magd dir genommen.“
Da eilten dieſe Beiden zurü> zur Felſenwand :
Sie kamen unvermeldet vor die Burg gerannt.
Mit Züchten ſpracß der Kleine: „Hier harre, König, mein.“ Ueber den Burggraben klomm er mit Liften hinein.
Oben bei der Zinnen erreicht" er bald ſein Ziel: Da fand er beieinander der Heidinnen viel.
Da war in großem Leide manch heidniſches Weib : Sie waren bei den Todten und beklagten ihren Leib,
Da ſaßen beieinander die Königinnen reich;
An ihre Seite ſc<hmiegte ſich Elberich ſogleich.
„Zu der Königstohter ſprach leis der kleine Gaſt : „Wann willſt du nun leiſten wos da ix regten kt?"
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Da ſprach das edle Mägdlein : „Wann es dein Mund befiehlt : Der Teufel hat den Heiden hier Übel mitgeſpielt. Willſt du mirs nicht erlaßen, ſo gieb mir deinen Rath, Wie ich dem Helden werde, der mich ſo kühn erſtritten hat.“
Da ſprach der Kleine wieder: „Erfüllft du mein Gebot, So ſage deiner Mutter, gekommen ſei dein Gott --“
„Ih hab es wohl vernommen ,/" fiel die Heidin ein,
„Mir bangt, wenn ich ihr helfe, mein Ende müß es ſein.“
Mit Züchten ſprach der Kleine: „Nun höret was ihr thut, Folget meinem Rathe, das iſt euch Beiden gut.
Laßt das edle Mägdlein an den Graben gehn:
Sie ſoll die Götter bitten, daß ſie wieder auferſtehn.
„Sie ſoll fie alle flehen, daß fie es rächen bald
Was euch iſt geſchehen von feindlicher Gewalt,
Und daß ſie wieder kommen zu ihrem Bethaus hin.“ „Der Gang ſei ihr verſtattet,“ ſprach die alte Königin.
Es half fie freilich wenig, wie fie die Götter batz Das Mägblein alleine hin an den Graben trat: Elberich der Kleine nahm ſie bei der Hand,
Er führte ſie von dannen, hin wo er Drtwiten ard.
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Der hatte heut im Streite ſein Schwert ſo oft gezogen,
Daß er müde war eutſchlafen auf ſeinem Sattelbogen.
Er wollt ihn leiſe weden; : als er ihm das vertrug
Und nicht erwachen wollte, mit der Fauft der Zwerg ihn ſchlug.
Er ſprach: „Willſt du verſchlafen ſo guten Zeitvertreib ? Nun wache, Fürſt, ich bringe dir ein ſchönes Weib.“ Wie erſchrak er vor Freuden! Der Schlaf verließ ihn da: „O wohl mir nun und immer, daß ich dieſen Tag erſah!
„Läg ich ſchon am Tode, ſo würd ich noch geſund.“
Er halſte ſie und küſst'-ihr wohl tauſendmal den Mund, „I<H will dir das erlauben,“ ſprach da Elberich, „Umhalſe nur und küſſe das Mägdlein minniglich ;
„Nur gewinne nicht zum Weibe die junge Königin
Bis ſie empfieng die Taufe : ſie iſt noch Heidin.
Hebe dich von hinnen, das rath ich dir, bei Zeit."
Da ſprang er in den Sattel und hob vor fich die Maid.
Bon der Burghalde ritten fie in Haſt;
Die Roſſe liefen ſchnelle; ſie hielten nirgends Raſt.
Da nedte die Heiden der Zwerg, er war ſo klug: Der Abgötter Einen in die Burg yar ex rreg.
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Das that er, mit den Heiden zu treiben ſeinen Spott. Da wähnten ſie, es ſprähe Machmet ihr Gott : Er rief aus dem Sarge, es mocht ihn Niemand ſehn (Die Heiden zu äffen war das Alles geſchehn):
„Fallet Alle nieder und ſprechet euer Gebet.
Danket der Jungfrau: hier komm i< heim, Machmet. Ihr mögt alle danken der jungen Köngin rein:
Sie hat mich erflehet und den Geſellen mein,
„Daß wir nun kehren wollen zu unſrer Felſenwand :
Seht, ich fiehe wieder, wo ich weiland ſtand.
Die Maid ſoll Niemand ſuchen, darum läßt fie euch bittenz Sie wuſt uns wohl zu flehen mit trauriglichen Sitten.“
Sie fielen vor die Gößen mit manchem harten Fall
Nach ihrem alten Glauben; in der Burg war zroß der Schall, Der Kleine ſahs mit Lachen und hob ſich bald davon.
Von Ortnits Abenteuern iſt dieß das fünfte ſchon,
Gimrod, bas kleine Heldenbuch. Dd
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Scchstes Abenteuer. Wie Ortnit die Königin entführte.
Die übeln Heiden hatt er geäfft ſo ſäuberlich :
Da hob ſich von den Zinnen der kleine Elberich Ueber StöF und Über Steine bin wo er Ortnit fandz Dem war ſein Roſs ermüdet, alſo hatt er es gerannt.
Noch ſaß der alte Heide verſperrt in ſeinem Haus,
Bor Zorn und vor Grimme rauſt' er den Bart ſich aus:
wDaß ich dem Lamparter die Schande muß vertragen!“
„Thut auf,“ rief ein Kömmrer, „ich will euch gute Märe ſagen.“
„Sag an „“ ſprach der Heide, „ſind die Mären gut.“ „IH will eur Herz erleichtern und euern trüben Muth : Ynjre Götter beide ſind wiederum herein;
Des hat ſie erbeten die junge Kbnigen x&a.*
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Im Zorne ſprach der Heide: „Ja Herr! wo iſt mein Kind?“ „Sie iſt noch vor der Pforte, wo ihre Gütter ſind," =
„O weh,“ ſprach der Alte, „wie ich unſelig bin!
Wohlauf nun zu den Roſſen, meine Tochter iſt dahin!“
Die da bei ihm waren, die ſäumten länger nicht: In manchen feſten Panzer, in gute Helme licht Wurden ſie gewappnet, ihr Leib darin bewahrt: Zwanzigtauſend Heiden in Ringen ritten geſchart,
Auf ſchnellen Roſſen ſetzten fie all den Chriften nach: Das ſchuf vem Lamparter bald großes Ungemach, Der ſah ihn fernher reiten bei hellem Mondenticht; Sein Roſs war ſo ermüdet, er konnte weiter nicht,
„Nun rath uns Zwein das Beſte, lieber Elberich.
O weh, wem ſoll ih laßen das Mägdlein wonniglich ? Nun müßen lichte Ringe von Blute werden roth.
Eh ich mich von ihr ſchiede, eh läg ich neben ihr todt.“
Mit Züchten ſprach der Kleine: „Das hab ich nicht bedacht Wie ich dich weiter bringe, du flöheft dann mit Macht. Doch weiß ich in der Nähe einen ungefügen Bach:
Willſt du hinüber weihen, wir finden jeg Vrexkt
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„Weh „" ſprach die Königstochter, „es iſt wohl nur dein Spott: Wie magſt du fo dich fürchten? Hilft dir denn nieht dein Gott? Wie bin ich dem entronnen, der mich ſo lang erzog?
Iſts ein Geſpenſt geweſen, das mich her zu dir betrog?
„Doch rath ich dir das Beſte,“ ſprach die Königin,
„Du ſollſt aus allen Kräften meinen argen Vater fliehn :
Dein Leben iſt verloren, ergreift dich ſeine Hand;
I< mag euch nicht mehr folgen, ſet mich herab auf das Land.“
Da ſprach der Lamparter : „Das thu ich nimmermehr,
Und ftünd ich ganz alleine vor deines Vaters Heer.
Bon ſolchen Dingen ſollſt du mir, ſchöne Magd, nicht ſagen. Eh ich von dir ließe, lieber ließ' ich mich erſchlagen.“
Da wies ihn hin der Kleine wo er das Waßer fand. Da ſprang der Lamparter vom Sattel auf das Land. | Das Roſs ließ er laufen, es war nicht ho< genug:
Die Magd er in den Armen über das tiefe Waßer trug.
Ferne von vem Bache ſetzt! er fie ans Land,
Und nahm den Schild zum Arme, das Schwert an die Hand: Wieviel der Feinde kamen, er ſetzte ſich zur Wehr; Hinweg ritt der Kleine und wollt. hm vragen des Qurt.
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Daß fie das Waßer fanden, das kam ihm zu Statten: Der Heiden waren wenig noch, die es durchwatet hatten. Bald aber kam der Heide im Grimm mit ſeiner Schar; Seine Güte nahm Urlaub, der vergaß er ganz und gar.
Der Zwerg dem Freund zu helfen war ſchnell und unverzagt: Er hätte gern dem Reußen die Märe gleich geſagt; Da war ihm allzuferne der König mit dem Heer: Ortnit ward beſtanden mit gar ingrimmiger Wehr,
Vom Waßer kam der Heide gezogen mit Gewalt:
Da ſchlug der Lamparter alleine Jung und Alt.
Er muſte mächtig ftreiten, das erließ man ihm nicht:
Er ſchlug ſoviel, das Waßer dämmte ſchier der Leichen Schicht.
Zuletzt bezwang ihn Müde nach alſo langer Schlacht; Ihm wich ans den Armen alle Kraft und Macht,
„I< kann nicht ferner ſtreiten: o weh, wo ſoll ich hin! Heran von allen Seiten ſeh ich die Heiden ziehn,“
Da wär der Lamparter eines Friedens gern gewährt.
Er ſprach zu den Heiden: „Nehmet hin mein Schwert,
I< gebe mich gefangen, laßt ihr mir das Leben:
Auf eure Gnad und Treue will ich vas SHjrorer. va VorrtzFber>
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„Rein, meiner Tochter willen geht es dir an den Leib.“ „Warum?“ ſprach der König, „ſie ward toch nie mein Weib.“ „Alle die da leben erretten dich nicht mehr.“
Da ſprach der Lamparter: „So ſetz ih noh mich zur Wehr,
„Ihr ſollt mein Leben gelten ſo theur ic< immer mag,“ Da ſah er Leute reiten, vernahm der Hufe Schlag: Da ſprach der Lamparter: „I< weiß nicht wie iß thu: Von allen Seiten drängen die übeln Heiden herzu.“
Sein Roſs durch das Waßer ſchwemmte mancher Held, Zuvorderſt ritt der Reuſe und ſchwang fich auf das Feld, Wo der Lamparter ter Freude gar vergaß.
„Wehr dich, Ortnit, wehr dich /" ſprach von Reußen Jlias,
Da ſprach der Lamparter: „I< bin zu ſchwach zum Streit. Ihr Helden ſollt mir helfen, da ihr geruhet ſeid.
I< fand noh all mein Leben nie größere Beſchwer. Oheim , nimm die Roſe, ich kann nicht ftreiten mehr.“
Wohl freute ſich der Reuße, da er die Roſe ſand:
Er nahm dem Lamparter das Schwert aus der Hand. Von Cyriſten und von Heiden ward der Streit noc< groß. Da fiel der Lamparter der jhdnen Mark va dea Stptd.
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Die Maid auf ſeine Bitte den Helm ihm niederband:
Einen ſeitnen Schleier nahm fie in die Hand.
Wohl war dem edeln Fürſten im Streit geworden heiß:
Sie wiſcht ihm von den Augen den Staub und auch den Schweif.
Als ihn der üble Heide im Sooß ihr liegen ſah, Daran geſchah ihm leider als ihm no< je geſchah: Aller ſeiner Sinne ward er bloß und bar,
Urlaub nahm ſeine Güte, der vergaß er ganz und gar.
Wohl fürchtete die Tochter des argen Baters Zorn;
Da ſprach wohlgezogen das Mägblein ho<geborn:
„Nun für<t ich erſt von Herzen den armen Vater mein: Siegt er in dem Streite, es muß euer Ende ſein.
„Er fieht en< gar ungern auf meinem Schooße liegen: Er martert euch zu Tode, kann er euch befiegen.“ „I< wollt, ih wär euch näher gelegen, ſchöne Maid: Was mir darum geſchähe, das ſchüfe mir wenig Leid.
Uns mag no< wohl gelingen,“ ſprach der König hehr: „Ihr ſchaut nun wohl im Leben Suders nimmermehr.
I< getraue Gott vom Himmel und den edeln Helfern mein, Shr jollt in Lamparten gewaltge Königin &a.*
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Da ſprach das ſ<öne Mägdlein: „Das ſchmerzte mich zu ſehr, Sollt ih meinen Vater ſchauen nimmermehr
Und meine liebe Mutter „“ ſprach die ſtolze Maid.
„So müſt Ich es entgelten; es wär auch Machmet leid.“
Da ſprach der Lamparter: „Edle Königin ,
Vater und Mutter ſ<lag dir aus dem Sinn:
Die will ich vir erſezen: du ſollſt mir werden hold. Du haft in Lamparten auch Silber und rothes Gold.“
„Um Gold will ich nicht klagen,“ ſprach das Mägdelein , „Doc< müßen Die mich reuen, die um mich allein
Hier vor mir das Lcben ſo jämmerlich verloren,
Drum klag ich Apollen, daß ich je ward geboren.
„Was um Meinetwillen hier Mordes iſt vollbracht, Das erbarme Machmet! Daß Mein je ward gedacht, Daß ich je ward geboren, das ſei Apollen leid!" Alſo ſprach mit Weinen dieſe kaiſerliche Maid.
Da ſprach der Lamparter: „Es wird nicht anders mehr: Du ſollſt dein Weinen laßen, Königstochter hehr.
Wird aber in dem Streite zuleht der Sieg noch mein, So ſoll der üble Heide fürwahr zeniehßta vein."
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Des ſprach ihm Dank von Herzen die herrliche Magd. Sie küſst' ibn vor Liebe, den Fürſten unverzagt. Da mochten doch die Chriften die Heiten nicht beſiegen, So viel man ſah der Todten vor dem kühnen Reußen liegen.
Auch hatt er von dem Heiden große Noth erlitten.
Da kam der Reußenkönig aus dem Streit geritten. „Bereite dich, mein Neffe, es ift wieder an der Zeit: I< kann nicht mehr fechten, hebe du dieß in den Streit.“
Da ſprach der Lamparter: „Fürwahr, das ſoll ſein!
Du ſollſt mir Heil erflehen, liebe Herrin mein.
I< weiß wohl was fie wollen: des werden fie gewährt.“
Da ſprach er zu dem Reußen : „Nun gieb mir wieder mein Schwert!“
Der edle Lamparter ſprang empor zuhand :
Mit unverzagtem Muthe den Helm er überband.
Da empſieng die Roſe wieder der Degen lobeſan:
„Man ſieht mich heut noh ſterben oder rächen meinen Bann.“
Da hob ſich bald der Degen hin an die Heidenſchaft:
Die er erreichte, ſtarben vor ſeiner Heldenkraft.
In dem harten Sturme fiel Mancher hin zu Thal;
Doch fielen auch die Chriſten vor den Heben vox Zu.
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Da ſprach der Lamparter: „O weh dieſer Noth! Es liegen meiner Helden viertauſend wieder todt!“ Da ſchlug er auf die Heiven mit wachſendem Zorn: Es muſten vor ihm weihen Die das Banner trugen vorn.
Da ſprach zu der Jungfrau der kleine Elberich:
„Jetzt muß dein Vater ſterben, das wiße ſicherlich.“ Da ward um den Vater der Jungfrau Angſt ſo groß, Ihr fielen von den Augen die Zähren in den Sc<hooß.
„Soll mein Vater ſterben, ſo ſei es Gott geklagt.
Doh kann ichs nicht verdenken /“ ſo ſprach die ſchöne Magd. „Er mag wohl kaum geneſen, ſo grimmig iſt ſein Muthz Auch weiß ers zu verdienen was er ihm zu Leide thut."
Da ſprach der Lamparter: „Nun gilt es dein Leben? Du wollteſt mir nicht Frieden auf mein Bitten geben.“ Die Heiden faßt" ein Schrecken vor ſeiner Hiebe Wucht. Sie warfen hin das Banner und nahmen jählings die Flucht,
Man ſah den Lamparter ſeinen Sc<hwäher jagen; * War nicht die Jungfrau“, ſo hätt er ihn erſchlagen. Sie flohn gen Montabauer und ſchloßen zu das Thor; Ortnit und die Seinen, vie Faren Wa davert.
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Da waren die Heiden vom Streiten fumm und taub; Die Chriften aber nahmen reichlichen Ranb,
Viel der lichten Ringe, Roſſ und Gewand.
Da eilte der Lamparter hin wo er die Jungfrau fand.
Da ſprach der Lamparter: „Nun wie gehabſt dn dich, Herrin und Freundin? ſteh auf, und küſſe mich.“
Sie ſprach: „Das thu ich nimmer: erſt muſt du mir ſagen Auf deine Treue, König: iſt mir mein Vater erſchlagen?“
„Ihr ſollt mir hold ſein“ ſprach er, „viel minnigliche Maid, I< ließ euern Vater geneſen in dem Streit;
Wenn ihr nicht wart, ich hätt ihm das Leben genommen.“
Da ſprach die Inngfrau wieder: „So ſei mir herzlich willkommen !*
Wie lieblich fie den König mit Armen umſ<loß! Daß no< ihr Vater lebte war ihre Freude groß: Sie küſste den Lamparter an ſeinen rothen Mund. Da hub ſich von dannen das Heer in kurzer Stund.
Die noch geneſen mochten, die führten ſte hindann.
Siecher und Geſunder hatt er kaum tauſend Mann;
Sie konnten ſich in Suders nicht ſchützen und bewahren: Sie muften mit den Frauen wohl nah ven Beta Zeyer.
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Da führte man fie fröhlih in Barken auf das Meer: Da hatt er vor den Heiden keine Sorge mehr; Sie mochten auf dem Waßer vor Streit wohl ſicher ſein. Elberich und der Reuße tauften ihm das Mägdelein.
Nah <riftlichem Glanben man fie ins Waßer ſtieß; Auf der Burg zu Garten Frau Sidrat man fie hieß, Eh fie zu Lande kamen, ward ein Weib die Maid; Bater und Mutter vergaß ſie Beide nach der Zeit.
Sie ſc<webten auf dem Meere wohl gegen zwanzig Tagen Eh fie zu Lande kamen, ſo hören wir ſagen.
Am zwanzigſten Morgen kamen fie gen Meſſin:
Da empfieng ihn wohl der Heide, willkommen hieß er ihn.
In Garten ihm entgegen eilte Weib und Mann, Sie empfiengen wohl die Fraue und den Kaiſer lobeſan. Auch empfieng mit Ehren ſeine liebe Mutter ihnz 1" Da ward die Königstochter eine gekrönte Kaiſerin.
Da ſandte der Lamparter Boten rings ins Land Zu Freunden und Verwandten: denen macht er das beka: Wer da ſchauen wollte das ſchöne Mägdelein ;
Dem milden König werd er 1Ueb uv vettennwes m.
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Da kamen bald die Beſten herbei aus allem Land. Eine große Hochzeit hub ſich da zuhand. Es ward an dem Hofe das Gelag ſo groß, Der Fahrenden gar Mancher dieſer Hochzeit wohl genoß.
Das Hofgelage währte bis an den neunten Tag,
Daß man an dem Hofe großer Freude pflag.
Turnieren, Stechen, Rennen, wes nur das Herz begehrt, Des würden ſie gerne von dem reichen Kaiſer gewährt.
An dem vierten Morgen ſprach die Kaiſerin :
„In großen Freuden bringen : wir, Herr, die Tage hin
So gar ohn alle Sorgen: das will ich dir geſtehn;
Wo ift dein Gott verborgen? wann läßt du mich den ſehn?“
Da ſprach der Lamparter: „Meinen Gott kann Niemand ſehn : Wer ihn will erkennen, muß ſeine Kraft erſpähn.
Er giebt mir mehr des Gutes als ich verdienen kann;
Er gab mir Gut und Ehre und Alles was ich gewann.“
Sie ſprach : „Lieber Herre, mach mir ihn doh bekannt: Eh ich dich noh geſehn in meines Vaters Land,
Hat er um mich geworben wie es dein Wille war ,
Hat au den Hals geſchlagen meinen Ueben Vekee Wxt2*
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Da ſprach der Lamparter: „Königstochter hehr:
Das iſt kein Gott geweſen, Eliberich hieß Der:
Er weiß mehr der Liſten als ich dir ſagen mag."
Sie ſprach: „Sollt ich den ſchauen, ſo hätt ich fröhlichen Tag,“
Da ſprach der Lamparter: „Lieber Eſberich,
Laß die Königstochter doch heute ſchauen dich;
Die Ritter und die Knechte, die laß dich alle ſehn: Mir kann zu dieſen Zeiten wenig Lieberes geſchehn.“
Das wollt er ihm gewähren. Er zeigt ihm manchen Stein, Der aus dem lichten Golde warf ſonnenhellen Sein.
Von Rubinen und Karfunkeln war die Krone reich genug, Die auf ſeinem Haupte der kleine Elberich trug.
Da ließ das Gezwerge fich von den Leuten ſchaun; Sie ſahn es alle gerne, die Männer und die Fraun. Ans rothem Munde ſprachen viel ſchöner Frauen da: „I< wähne, daß keine Auge ſchöner Bild noh erſah.“
Da ſprach die Königstec<hter zu ihm gezogenlich: „Wer half dir bei dem Wunder, lieber Elberich, Da du meine Götter warfeſt in den Graben ? Wie du das vollbrachteſt, ves woß wig Warker Yea
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Mit Züchten ſprach der Kleine: „Die Kraft hab ich wohl: Hätteſt du drei Kiele deiner Götter voll,
Ihrer ſetzte Keiner fich gegen mich zur Wehr :
Mit meinen beiden Händen würf ich ſie all ins Meer.“
Da ſprach die Königstochter: „So muß ichs üÜberſehn ,
Was auch meinen Göttern von dir iſt geſchehn. "
Auf der Burg zu Garten ſollft du bei mir ſein,
So vergeß ich meines Vaters und der lieben Mutter mein.“
Da ſprach mit großen Züchten der kleine Elberich:
„Dir ſißt der Lamparter zur Seite: ſicherlich ,
Es fürzt dir wohl die Weile die Nacht und auch den Tag, Der Vater und Mutter dir gar wohl erſeen mag.“
Da trug der kleine Elberich eine Harfe in den Saal: Er rührte ſo geſchwinde die Saiten allzumal,
Und mit ſo ſüßem Tone, daß ihm der Saal erſc<oll: Die ihn ſahn und hörten, ihre Freude wurde voll.
Da ſprach der reiche Kaiſer: „I< wähl euch Frauen klar, Die euch zur Seite gehen und ſitzen immerdar, Die euch den Pſalter lehren ſchreiben und leſen: So mögt ibr au der Seelen, edie Frau, wot Worwar
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EAEG RERE EE:
Sie ſprach : „Lieber Herre, das thut immerhin.“ Chriſtenglauben lehrte man da die Königin: Pfaffen und Mönche lehrten fie Gottes Wort; Dem heidniſchen Orden entſagte ſie hinfort.
„Nun rath ich „" ſprach der Kleine: „du haft hieher geladen So manchen fremden Waiſen: dem erſetze ſeinen Schaden. Silbers und Goldes geb ich dir alſoviel,
Reich machen kannſt du Jeden, der es von dir nehmen will.
„Dem die Freunde liegen um deinetwillen todt, Dem ſollſt du das vergüten mit meinem Golde roth ; Die keine Kinder ließen, gedenk an ihre Fraun,“ Da mochte man getröftet manchen Trauernden ſchaun.
Roſſ und lichte Ringe gab der Kaiſer hehr:
Froh wurde von der Gabe Der traurig war bisher. Er gab ſo viel des Goldes und alſo reih Gewand, Des Königs Hofgelage ward kund in manchem Land.
Da er ſeine Gabe ſo mildiglich gegeben,
Da ſah man die Leute gar wonniglich leben, Bis ihnen Urlaub gaben Kaiſer und Kaiſerin. Bon Ortnits Abenteuern iſt nun das ſechſte hin.
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Siebentes Abentener. Wie Ortniten die Würme in8 Land geſchit wurden.
Verſperrt ſaß der Heide in ſeinem Saal allein; Niemand auf der Erde durfte bei ihm ſein.
So hielt er fich verborgen bis an den dritten Tag, Daß er keine Freuden in ſeinem Unmuthe pflag.
Ihn durfte Niemand fragen und Niemand durft ihn ſehn; Hätt ihn Wer erzürnet, dem wäre Leid geſchehn.
Zu eßen und zn trinken durft ihn Niemand bitten;
Auch genoß er nicht des Schlafes. Da kam ein Jäger geritten,
Der fragte, wo doch wäre der liebe Herre ſein.
Man ſprach, er wär verſchloßen und ließe Niemand ein.
Da ſprach der Jäger wieder: „Meinen Herren mv& iH Paa,
Unb hätt er vor den Leuten fich in die Erbe weeggeekva>“ S/mro>, das kleine Helvenbuch. Zt
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Da wies man den Jäger zu der Kemenate Thür: Er ſprach zu dem König: „Herr! nun tritt herfür, Dein Kind iſt wohlbehalten, das darfſt du nicht beklagen; Willſt du mir es danken, ich will dir gute Märe ſagen.“
„Sage „" ſprach der Heide: „find die Mären gut, So will ich dir erfreuen das Herz und den Muth. Sagſt du mir gute Märe, ich gebe dir mein Gold Und will dir all mein Leben in Treuen bleiben hold,“
„An deiner lieben Tochter ift dir Leid geſchehn:
Soll es dem Lamparter dafür ans Leben gehn,
Und willſt du mir es danken, ich fand ein Ding nun aus, Daß es der reiche König entgelten ſoll zu Haus,
„Und ihm in kurzen Stunden das Leben wird genommen.“ 7 Mit Freuden ſprach der Heide: „Das ſoll dir immer frommen.“ Da ſ<loß er auf die Kammer und ließ den Jäger ein.
Er ſprach zu dem Wildner: „Was für ein Ding ſoll das ſein ,
„Das dem Lamparter ſo großen Schaden thut?
Mag er davon erſterben, fürwahr, dein Lohn wird gut.“
Er jpra<: „I< war den Hunden ſo ferne uachgerannt : Da kam ich unverſehens unter eine Yeheowurk:
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„Eineu ungeheuern Drachen ſah ich aus ihr gehn:
Mit tauſend Männer Stärke wollt ich ihn nicht beftehn ; Er hätte mich verſchfungen , das glaub ich heut noch feſt : Zu Wald ließ ich ihn ſchleichen und ſtahl mich in ſein Neſt,
„Wie mein Haupt, no< größer, fand ich da ein Ei. I< ſuchte lang vergebens und fand nicht mehr als zwei: Sie waren ungefüge, groß und ſchwer genug,
Daß ich fie mit Beſchwerde heim zu meinem Hauſe trug.
„Die hab ich aufbehalten in einem warmen Loch; Die Brut drin iſt lebendig: die Eier hab ich noch. I< will ſie mit mir führen gen Lamparteuland , Und will die Würme brüten in einer Felſenwand.“
Da ſprach der alte Heide: „Willſt du die Eier tragen? Wie biſt du denn geheißen? das ſollſt du mir ſagen.“ Da ſprach der weiſe Jäger? „Das mach ich dir bekännt: I< bin geheißen Velle; mein Weib iſt Rühbe genannt.
„Wenn fie zu Jahren kommen, nnd fie der Hunger zwingt, So iſt auf Erden wenig, das ſolch ein Wurm uicht ſchlingt. Veber Vieh nnd Über Leute wird dann ihr Grimm eezegx> So ihn ift ber Kaiſer, er wird die Wirwe ba.
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„Erwehrt er ſich des Einen, der Andre zwingt ihn doch; Wenn ihn der ergreifet, er trägt ihn in ſein Loch:
So muß er in dem Berge verlieren das Leben,“
Da ſprach der arge Heide: „So will ich dir geben
„Alles was du wünſcheſt: daß du den Degen ſtark Berderbeſt mit den Würmen, geb ich dir tauſend Mark.“ Da ſprach derſelbe Jäger? „Das richt ich alles aus.“ Des freute fich der Heive im Herzen ſchon voraus,
Da ſprach der weiſe Jäger: „Nun weiß ich guten Rath, Damit will ich en< dienen und dann auch mit der That. Heißet mir zwei Säumer mit Geſchmeide laden,
Dazu mit edeln Steinen, und helft mir zu den Geſtaden.
„Mit Baumwoll und Seiden füiſlet einen Schrein: Darin ſollen immer die beiden Eier ſein
In Hiß und in Kälte, ſo nehmen ſie niht Schaden: Mit großem Leide werden fie bald die Chriſten beladen.
„Du ſollſt an< Briefe ſenden der ſchönen Tochter dein, Du wolleſt hold dem König und deinem Kinde ſein. Auch ſollſt du ihnen ſenden Silber und Gold,
Damit ſie beibe wähnen, du ſeiſt ihnen hold.“
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Er folgte ſeinem Rathe: den Kiel er ihm belud
Mit Silber und mit Golde und edeln Steinen gut. Was der Jäger wollte, das muſte man ihm laden, Und bald die Anker löſen von den heidniſchen Geſtaden.
Auch gab' er ihm Geleite gen Lampartenland
Bis vor die Burg zu Garten, wo er den König fand. Hinter ſeinen Säumern ritt er in Botentracht;
Doch ward die rechte Märe dem König nicht hinterbracht.
Als der weiſe Jäger der Veſte näher kam,
Da empfieng ihn vor der Brü>e der Pförtner lobeſam ; Doch mochte ſeiner Spra<ße Niemand kundig ſein. Ohne Ortnits Willen ließ man Niemand herein,
Da ſagte man dem König, ein Bote wär gekommen;
Sie hätten all ihr Leben die Sprache nicht vernommen.
„Er treibt der Säumer zweie: die ſcheinen ſchwer zu tragen; Was ſeine Rede meine, das können wir eu< nicht ſagen.“
„So bringet mir die Säumer und auch den fremden Mann. Schließet auf die Pforte und führt mir ihn heran.“
„Was ſollſt du bei mir werben?" zum Boten ſprach er ſo. „Ih bring euch liebe Märe, der ſeid ihr billig froh.“
=.
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Da fagt' er ihm die Märe, und gab ihm einen Brief. Als den der König ſchaute, mit lauter Stimm er rief: I| ſein Zorn geſänftigt, ſo ſei Gott gelobt,
Daß der arge Heide nicht mehr ſo grimmig tobt.“
Da wies er hin den Boten wo die Königin ſaß;
Der gab den Brief der Frauen, Als fie das Schreiben las : „Er bringet liebe Märe ,“ ſprach die Köngin hehr.
„Uns entbietet holde Dienſte mein lieber Batex hieher.
„Er ſchiet dir ſeine Grüße; du dünkſt ihn mein wohl werth: Er hat von deinen Landen, von deiner Macht gehört,
Weil ihm der Eidam lebet, ſo geht ihm Freude zu:
Er ſagt, daß ihm auf Erden Niemand lieber wär als du.
Er will fich taufen laßen und kommen in dein Land;
Nun ſollft du nicht verſchmähen was er dir hat geſandt.
Wir dürſen nach dem Briefe dem Boten wohl vertraun,“
„I<h will euch „“ ſprach der Jäger, „ſeine Gaben laßen ſchaun.“
Vier ſchwere Ballen man vor den Kaiſer trug: Goldes und Seſteines lag darin genug ;
Auf edle Seide ſchüttete man manches Ringelein. Ihrem Vater dankte die edle Königin rein.
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Der Heide ſprach : „Ein Ballen liegt noch vor dir voll, Es iſt noch nicht erwachſen was ich euch geben ſoll. Edel Geſteine bringt einſt ,/“ ſo ſprach der Bote weis, „Eine abrahamſche Kröte, entſtammt dem Paradeis,
„Iſt fie erſt ausgewachſen, ſo bringt fie einen Stein,
So gut, daß Beßres nimmer noh ſah der Sonne Schein. Laßt mich nun ferner ſagen was euch ift geſandt:
I< ſoll en< auch erziehen einen ſchönen Elephant.
„Nur immer in den Bergen iſt ſo ein Thier gediehn: Weiſt mich in eine Höhle, da will ich ihn euch ziehn.“ Da ſprach der reiche Kaiſer: „Iſt es ſo bewandt,
Zu Trient dem Biſchof befehl ich dich zuhand,“
Da wies man den Jäger in eine Felſenwand Oberhalb von Trient, wo ſich Gebirge fand.
Die er da pflegen ſollte, die Brut er mit fich trug: Wes er darin bedurfte , des gab man ihm genug.
Da blieb er in dem Berge zwölf Monden oder mehr,
Und litt da von ven Würmern ſelber oft Beſchwer.
Eh fie erzogen waren, litt er oft Müh und Noth:
Wie ward er von den Würmern mit Aengſten täglich bedroht!
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Schon in dem halben Jahre wurden fie ſo groß,
Daß den Meiſter ſelber die Nachbarſchaft verdroß,
Er muſte täglich fürchten, ſie nähmen ihm das Leben; Ihnen wollt anch bald der Biſchof keine Speiſe mehr geben,
Sie achteten gar wenig alle Tag ein Rind,
Der Biſchof ſprach : „Das iſt ja des Teuſels Ingeſind ! Der Herr ließe billig von ſeinem Elephant,
Eh er ihm verſchlänge eine Stadt und ein Land!“
Da ihnen keine Speiſe mehr der Jäger bot,
Sie wären ſchier geſtorben im Berg vor Hungersnoth. 7 Da fielen fie vor Hunger ihren Pfleger an,
Der locte ſie zum Lichte froh daß er ſelber entrann.
Wer den Böſen ziehet, der ift davon betrogen.
So hatt er an den Würmern ſeine Feinde ſelbſt erzogen. Da fie ſich nähren mochten, fie hatten ſein nicht acht; Er ließ ſie ſelber nehmen, da er ſie ans Licht gebracht.
Da wütheten die Würmer vor Gier und Hungerqual,
Alles war verloren in den Bergen und im Thal.
“Was ihre Augen ſahen, das verſchlaug ihr Schlund;
Groß Leid ward der Chriſtenheit bald von ven Würmern kund,
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Sie ſchufen in dem Lande ſo grimmige Beſchwer,
Auf den Straßen gehn und reiten mochte Niemand mehr. Bis vor die Burg zu Garten ein Wurm das Land bezwang : Gern wichen alle Leute, daß ſie das Ungethüm nicht ſchlang.
Da durften ihre Ae>er die Bauern nicht mehr ſä'n,
Und durften vor dem Walde die Wieſen nicht mehr mähn. Wer fie beſtehen wollte, der büßt' es ſchwer genug:
Der Wurm in die Höhle den Uebermüthigen trug.
Da hörte man die Pfaffen in den Kirchen klagen.
Da ſprach der Lamparter : „Niemand kann ihn erſchlagen. Er ſtirbt leider nimmer, befteh I< nicht den Streit: I< muß uns von ihm löſen ," ſprach der König Ortneit.
Einſt war er bei der Königin gelegen in der Nacht, Da war in ſeinem Herzen die Sorge nen erwacht. „Miſslingt mir und verlier ih das Leben und den Leib, Weh, Wem ſoll ich dann laßen das heimathloſe Weib!
„Dem Vater und der Mutter entſagte ſie für mich; Wir beide ſind verloren, weun ich ſterbe , ſicherlich.
So muß ich meinen Kummer alleine leider tragen. Meiner Fraue darf ih von dieſem Jammer nicht ſagen.
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„Nun klag ich in Wahrheit die Burgen noch das Land;
Nur mein Gemahl beklag i<, die ich mir treu befand.
Ich darfs ihr nicht verkünden, da mir der Kampf doch nah.“ Von Ortnits Abentenern iſt nun das ſiebente da.
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Achtes Abeutener. Wie der Wurm Ortniten in die Höhle trug.
So hatt er mit fich ſelber geſprochen in der Nacht:
Er wähnte, Niemand hört! es, da war fie aufgewacht,
Sein Wort durchbrach ihr Herze, ihr Jammer ward ſo groß, Daß ſeine Bruſt der Regen ihrer Angen übergoß.
Sie drüc>kt' ihn an ihr Herze und gab ihm Knſs auf Kuſs: „Lieber Gott im Himmel, was ich vernehmen muß!
O weh mir armen Frauen: was will mit mir geſchehn ? Weh über meine Angen, daß fie dich haben geſehn!
„Weh über meine Arme, denn ſie umfiengen dich!
Lieber Herr und König, wem übergiebſt du mich?
Um dich hab ich geiaßen ,“ ſprach die Königin,
„Den Bater und die Mutter, um mit dir her zu entfliehn,
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„Und alle meine Freunde,“ ſo ſprach die Fraue hehr : „Soll ich noch dich verlieren, ſo hab ich Niemand mehr. Mein Bolk und meine Heimat ließ ich, Herr, um dich: Neicher König edel, wem willſt du nun laßen mich?“
Da ſprach der Lamparter: „Dich befehl ich Gott
Und ergebe ſelber mich ganz in ſein Gebot.
Wie mir gelingen möge, ob ich Leben und Leib
Verliere oder behalte, ſo ward mir nie ein lieber Weib.“
Da ſprach die Jammerreiche: „Haſt du auch rechten Sinn ? Bedenk es dir noch beßer : Ortnit, wo willſt du hin? Magſt du doch Raths befragen die Herrn in deinem Lehn.“ „Nein „“ ſprach der Lamparter, „ich will den Wurm beſtehn.
„Er kam von deines Vaters Liſten in dieß Land.
Hätt ich ihn gleich erſchlagen, als er mir ward geſandt! Weh , daß ich ihn verſchonte, daß ich ihn hieß erziehn!“ „Das möge Gott erbarmen ,/“ ſprach die edle Königin. --
„Er hat ſie her geſendet allein auf meinen Tod. -- „Ihm möge Gott vergeben,“ ſprach fie, „dieſe Noth, Daß jo viel der Chriſten ſind durch ihn erſchlagen, Daß ih je erſah Lampartenland , das rö& Y& VB warn Kazan!
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Da ſprath der reiche König: „Gemahl , nun tröſte dich.
I< kehr in wenig Tagen, Fraue minniglich.
Bald hab ich an dem Wurme gerochen meinen Zorn.“
Sie ſprach: „Leib und Leben haſt du, ſorg ich, verlorn,
„Da der Wurm ſo ſibel und ſo unſelig iſt,
Daß ſeine Bosheit Niemand zu leben gönnet Friſt. Oft haft du ſonſt erwieſen deine Tapferkeit ,
Dich dürfte wohl verdrießen ſolch ungeheurer Streit.“
„Das ſind die Edelſteine, die dein Vater hat geſandt :
So wollt er mir verderben mein Volk und mein Land. Einſt gilt er mir den Schaden, der mir davon geſchehn.
Du magſt mir Heil erwünſchen; ich will die Würme beſtehn.
„Du ſollſt ſo ſehr nicht weinen, liebe Herrin mein.“
Da ſprach die Königstochter : „Wie ließ' ich das wohl ſein,“ -- „Dir tadeln es die Lente, ſehn fie dich alſo klagen ;
Freundin und Fratte, du ſollſt es Niemanden ſagen.“
„So willſt du mich verlaßen, und willſt in die Gefahr ?“ Da ſprach der Lamparter: „Das will ich fürwahr.“ „So muß ich dir entſagen,“ ſprach die Königin.
„34 mertte wohl die Jahre, wie 1 hier raden Wx
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„Es iſt im fechsten Jahre, daß du mir wurdeſt kund, Mein Herz iſt ohne Waffen und ohne Schnueibe wund. Nun ſoll ich mich begeben , Ueber Herre, dein:
Du willſt nun von mir ſcheiden ,/“ ſprach die Königin rein,
„Nun mög es Gott erbarmen, daß ich dich je erſah!“
Ihr brach das Herz im Leibe, da ihr ſo weh geſchah.
„Nun bleibe hier, Gebieter /“ ſprach die Königin:
„Dir frommt nicht dieſe Reiſe, ſie bringt uns übeln Gewinn.“
Sie ſprach : „Was willſt dn alſo nach deinem Tode ſtreben? Du ſollteſt mich tröften und verwaiſeſt mir mein Leben.“ Da ſchien durc< das Fenſter das helle Morgenlicht.
- Er wollt aus dem Bette; ſie ließ ihn von ſich nicht,
Wie kühn er war von Herzen, des Zorns er doch vergaß. Von großem Jammer wurden ihm ſelbſt die Angen naß, Als ihn mit den Armen die ſchöne Frau umſchloß. Sie muſten beide weinen, -daß es ihre Bruſt begoß.
„Frau, ich will Urlaub haben, ich kann des nicht entbehren.“
„Wie ungern ich ihn gebe, ich muß ihn doch gewähren.
Du willft niht hier verbleiben: Gott möge dich bewahren.“ „Laß mich, jZöne Herrin, mit venen drin Yat
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Da ſprang er aus dem Bette, ſc<hloff in ſein Sturmgewand, Mit Weinen ihm die Riemen die ſchöne Herrin band.
Da lag vor ſeinem Bette ſein Hund, das treue Thier,
Der fuhr, wenn er allein war, mit ihm zum Waldrevier,
Da ſchied er von der Frauen und hob ſich zuhand Bor ſeine Kemenate, wo das Roſs geſattelt ſtand. Den Schild an ſeiner Seite, den Bracken hinter ſich =- Da ſprach die Jammersreihe: „Nun Gott geſegne dich.“
No< war er vou der Veſte geritten nicht gar weit,
Ein Ding hatt er vergeßen, das war ihm aber leid,
„IH muß,“ gedacht er, „wieder zu der Königin:
I< finde nicht den Kleinen, wenn ich des Ringleins ohne bin.“
Noch ſtand ſie auf der Maner und ſah ihm nach, dem Herru. Als er ſo bald ſich wandte, das ſah die Sc<öne gern.
Sie wähnt, er wolle bleiben und lief ihm entgegen,
„Du wähnſt, ich bleibe bei dir; doch kehrt' ich nicht deswegen,
„Schier hätt ic< Eins vergeßen; gieb mir mein Ringelein !“ Sie ſprach in Jammerlauten: „Wobei gedenk ich dein?“
„Bei mancher lieben Stunde gedenk an unſer Glück,“
„Da gab mit heißen Thränen die Frau vas Got Ae xd.
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Da ſprach der Lamparter: „Was dir die Leute ſagen,
Das ſollſt du nicht glanben, und ſollſt zu früh nicht klagen. Wer dir das Ringlein bringet, dem ift ein Heil geſchehn: Der bringet „dir die Märe, daß er mich todt hat geſehn.
1 Doch glaube noch den Beiten, Geliebte, nicht allein: Wer dir die Roſe bringet uud den Harniſch mein, Dazu des Wurmes Zunge, und dieſes kleine Gold, Der hat mich gerochen: dem ſei mit Treuen hold,
„Vielleicht wird er auch bringen den Helm und das Schwert: * Der ift dann der rechte, dem ſei mit dir gewährt.
BVerſprich mir, daß du Keinen willſt nehmen nimmermehr, Wie ſehr er dich beſtürme, ſchlug er den Wurm nicht vorher.“
Da wandt er von der Veſte fich nach dem wilden Berg: Unter der grünen Linde da fand er den Zwerg.
„Wohin willſt du reiten ?“ frug Elberich ſogleich,
„I<h will in nene Sorgen,“ ſprach Ortnit der König reich.
„Mit wem willſt dn ſtreiten? was ift dir geſchehn ?“
Da ſprach der Lamparter: „I< will den Wurm beſtehn.“
Fm Zorne ſprach der Kleine: „Willſt du nicht.länger leben ? Warum willſt du ſo eilig nac< deinem Leke Fuat
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497.
„Willſt du mit ihm fechten, fürwahr, das rath ich nicht!
Ein Thor iſt meiner Treue, der mit dem Wurme ficht.“
Da ſprach der Lamparter: „I< hab es unternommen :
Es ergeh nach Gottes Willen, mir zu Schaden oder Frommen.
„Um Rath will ich dich fragen, du riethſt mir manchen Tag: Wie ich dem Ungeheuer das Leben nehmen mag?“
„Nun leide," ſprach der Kleine, „was dir da Gott beſchert;
Du wirſt ſchon inne werden was von dem Wurm dir widerfährt.
„Ein Ding mag ich dir ſagen, das dich noch tröſten ſoll : Kommſt du mit ihm zum Streite, den Wurm erſchlägſt du wohl. Groß wird an dem Wurm doch ſchwerlich dein Gewinn,
Denn findet er dich ſchlafen, fürwahr , ſo trägt er dich hin.
„Drum will ich dir verbieten zu ſchlafen, bis er todt: So magſt du ihn erſchlagen; ſonſt iſt es Dir gedroht. Nun möge Gott dich ſegnen; gieb mir meiu Ringelein : Sit Gott dich heil zurü&e, fo iſt es wiederum dein.“
Ihm warf der Lamparter das Ringlein auf den Grieß.
Den kleinen Mann betrübte, daß er die Fahrt nicht ließ.
Er ſprach: „Zu ſolchen Dingen gehört viel Noth vx Yea
„Wit Gott,“ ſpraß der Große und ließ ven Klevoxa ra. ESimrod, das kleine Helvenbuch. ZJ
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Da ritt er ohne Führer dur< das Gebirge hin Wie ſein Muth ihn lehrte und ſein ſtürmender Sinn. So ritt er ohne Ruhe den Tag bis au die Nacht: , Daß ihn der Schlaf bezwänge, das hätt er wohl nicht gebacht.
Abſtieg er, Feur zu machen, das er aus Steinen ſchlug. Klein Reis und große Aeſte er zu dem Feuer trug, Damit der Wurm ihn ſähe bei ſeines Feuers Schein. Auf dem Sattel führt' er die Speiſe mit und den Wein,
Er ſetzte fich ins Grüne, der Held trauk und aß
Und gab auch dem Braen, der ihm im Sooße ſaß,
Er hatte Niemand weiter, er war da ganz allein.
Da ſaß er bei dem Feuer bis der Mond warf den Schein.
Da wollt er wieder reiten, er ſpraug zu Roſs zuhand;
Er war in großem Unmuth, daß er den Wurm nicht fand. So ritt er ohne Ruhe die Nacht bis an den Tag:
Da fand er einen Anger mit einem Roſenhag.
Unter grünem Baume vom Pferde ſprang der Degen. Da hätt er anch ſo gerne eine Weile da gelegen.
Ojzne Trank und Speiſe muſt er da leider ſein:
Er hatt auf ſeinem Sattel weder Beet wc va Diba,
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Sein Herz war voll der Sorge, er ſelbſt gar müde nun: Da neigt! er eine Weile fich hin um auszuruhn,
Nur wenig wollt er ruhen, als ihn der Sc<laf bezwang, Daß auf den grünen Anger das Haupt hernieder ihm ſank,
Der Schlaf bekam ihm übel ; doch war die Müde groß.
Da legte ſich der Bra>e in des Lamparters Schooß.
Es kam ihm von dem Schlafe, daß er den Wurm nicht ſah : Davon dem Lamparter bald großer Schade geſchah.
Er brach durch die Sträuche, die Blumen drükt' er nieder, Der Bracke lief zum Wurme nnd lief zum Herren wieter, Er boll mit lauter Stimme, doch das verſchlief der Gaſt, Des Hundes Bellen achtet? er nicht einen faulen Baſt,
Wie ihn der Bracke kraßte und in die Ringe biß,
Er lag gleich einem Thoren, der ſich um nichts befliß.
Als der Geruch des Manues kam zu dem grimmen Wurm, Da ſchoß er gradesweges auf den Müden zu im Sturm.
Der Hund wollt ihn beißen, als er den Wurm vernommen: Da konnt er vor dem Helme nicht zu dem Haupte kommen. Jetzt reckte ſeinen Schnabel das Ungethüm herfke >
Sein Mund wurde weiter als eine mäßige Dok.
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Er ſc<hlang bis an die Sporen ihn in den Sc<lund ſo tief; Das wäre nicht geſchehen, wenn er nicht lag und ſchlief.
Dem kleinen Hunde hätt er ein Gleiches gern gethan:
Er zielte mit dem Schweife, daß kaum der Hund ihm entrann.
Der Wurm fuhr von dem Baume zu ſeiner Felswand jach. Aus Treue zu dem Herren lief ihm der Bracke uach
Bis vor das Gebirge, wo ſein Geniſte war :
Da wagte fich der Bra>e aus Furcht nicht näher dar,
Die Jungen hatten drinnen , vor Hunger große Noth :
War er auch unverwundet, ſo fand er doch den Tod, .
Er trug ihn ſeinen Kindern in einen hohlen Berg:
Die ſaugten ihm das Blut aus durch das geſchmiedete Werk.
Da verlor der Lamparter mit Jammer ſeinen Leib.
Noch wuſte das auf Garten nicht ſein liebes Weib.
Man beklagt' ihn um die Ehre, die er dem Land erwarb. Das iſt das Abenteuer, in dem Ortnit erſtarb.
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Neuntes Abentener.
Da hob fich der Brake heim in ſchneller Fahrt.
Als die Königstochter des Hundes inne ward,
Da durfte fie den Jammer öffentlich nicht klagen ;
Doch gedachte fie im Herzen : „Mein Gemahl iſt erſchlagen. “
Die da den Bracken ſahen und kannten ſeinen Brauch, Die wähnten, nachgeritten käm bald ſein Herr ihm auch, Der aber muſte bleiben, leiber zwang ihn Noth.
Sie mochten lange harren: er lag im Berge todt.
Sie fragten all: „Wohin iſt unſer Herr gekommen?
Der Brace kam ; dem Herren iſt das Leben wohl benommen. So mag er von der Königin wohl verrathen ſein.
An ſeinem frühen Tode trägt fie die Shut e8&a*
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„Nicht woll es Gott vom Himmel!“ ſprach das ſchöne Weib, „Erfahrt ihr das, ſo nehmt mir Leben nur und Leib.“
Die Beſten ſprachen wieder: „Iſt dir ſein Sterben leid,
So zeig uns wo er hinritt: du weiſt davon Beſcheid,“
Da ſprach die edle Königin: „Das ſag ich enc< nicht gern: Ihm Niemand nachzuſenden gelobt ich meinem Herrn. Jedoch daß ihr nicht zürnet, ſo muß es wohl geſchehn. Wohlan, ich laß en< wißen: er ritt den Wurm zun beſtehn.“
Da begannen die Lamparter ihren Herren zu beklagen.
Sie ſprachen all: „So hat ihn der Wurm hinweg getragen. Wer ihn nun rächen wolle, der hebe ſich bei Zeit:
Es kommt zu den Lampartern nie wieder ein Ortneit,
„Der ſo kühn und bieder der Lande möge pflegen. Unſer Troſt und unſre Freude iſt uns an ihm erlegen,“ Da ſahen ſie den Jammer, den der Hund begieng, Daß er alle Leute bei ihren Rodſchößen fieng,
Er zog fie vor die Pforte, folgten ihm die Herrn:
Auf des Wurmes Fährte wollt er ſie weiſen gern.
Zu Garten ſprach ein Dienſtmann: „Er weiß ihn ſicherlich : Nun reicht mir meine Ringe : darein kleiden will ich mich
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„Und will dem Bracken folgen, bis ich den Pfad erſahz;
Wie ich den Herrn auch liebte, dem Wurm komm ich nicht uah.“ Da folgt? er vem Braen; die Straße kannt er wohl:
Da wies er den Kühnen bis nahe vor das Hohl.
[4 Als er des Wurmes Stapfen alſo blutig fand, Nicht weiter wollt er reiten und kehrte heim zuhand. Da ſagt! er böſe Märe, ſein Herr wäre todt. Da hub fich in dem Lande Jammer erſt und große Roth.
Da litt die Königstochter großen Jammers Pein. Von des Sohnes Tode ſtarb auch die Mutter ſein Vor Leid, daß ſie ihn ſchauen ſollte nimmermehr. Da war auch aller Freude beraubt die Königin hehr.
So lebte fie im Jammer bis in das dritte Jahr,
Die Lamparter nahmen der Herrin wenig wahr.
Da verlor die lichte Farbe die Fraue wohlgethan :
Sie gedachten ſie zu zwingen, daß fie wieder uähm einen Mann,
Der zn beſchüßen wiße die Leute wie das Land,
Zn dem das weite Königreich mit Ehren wär bewandt.
Da ſprach die Königstochter : „Ihr mögt mir keinen geben:
Der wird meiniMann alleine, der dem Wurme nahm das Leben.“
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Als fie nicht folgen wollte, verſtieß man fie gar.
Von -ihrem Königreiche ließ man ihr im Jahr,
Daß fie das Leben friſtete, nur Kupfers hundert Pfund; Das war ihr Leibgedinge: da ward ihr Jammer kund.
Auf der Burg zu Garten ein Thurm gemauert ſtund, Der war mit goldnem Schaßze gefüllt bis auf den Grund. Weil fie ven Mann verſchmähte, waren fie ihr gram:
Er kam ihr nicht zu Gute: die Schlüßel man ihr nahm.
Was ihr geſchah zu Leide, getren war doch ihr Muth;
Von der Hände Arbeit lebte fie, wie manc<e Frau no< thut. Ihr halfen , fiß zu friſten, ihre Mägdelein und Fraun:
Sie muſten fleißig wirken, geringen Lohn zu erſchaun,
In ſolchen Sorgen lebte die Herrin Nacht und Tag; Derweil war leider Niemand, der Land und Leute pflag, Sein Theil an ſich zu reißen war Jeglicher bedacht ,
Des Landes Ehr und Würde war ganz zu Nichte gemacht.
"Der Markgraf von Garten ſah der Herrin Pein:
„Gar leid iſt mir dein Kummer: Frau, willſt du bei mir fein?“ Da ſprach die Frau mit Jammer: „Was mir geſchieht zu Leid, Das muß ich Alles dulden; von Garten geh ich nicht weit.“
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Da ſprach der Markgraf wieder: „Doch erbarmt mich- deine Noth. Um deinetwillen rächen will ich des Herren Tod,
Wenn mein Sohn zuvörderſt erwachſen iſt zum Mann, Damit ich wißen möge, wer mein Erbe ſoll empfahn.“
Da pflegte fie der Markgraf und auch die Markgräfin: Sie ſandten Wein und Speiſe ihr nach Garten hin Und feſtliche Kleider, ihr Silber und ihr Gold;
Sie waren auch ihr Lebenlang der Frau getreulich hold,
So muſt in großem Jammer die Königin leben. Dem einſt die Königstochter zur Ehe ward gegeben, Als er den Wurm erſchlagen, der Ortniten zwang, Er war noc<h ungeboren: des Helden harrte ſie lang.
In Sorgen muſt erwachſen Der den Wurm einſt ſollt erſchlagen. Ich will euch ſein Seſchlehte und ſeinen Vater ſagen :
Seht, das war von Berne Dietrichens alter Ahn.
Ortnits Aventüre nun ihr Ende gewann.