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Belakane
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Wem Zweifel an dem Herzen nagt, Dem iſ der Seele Ruh verſagt. Geziert iſt und zugleih entſtellt, Wo Unlautres ſich geſcllt 5 Zu des kühnen Mannes Preis Wie bei der Elſter Shwarz zu Weiß. Doh oft gelangt er no< zum Heil, Denn beide haben an ihm Theil, | Der Himmel und der Hölle Schlund. 10 Wer Untreu hegt in Herzen8grund Wird {hwarzer Farbe ganz und gar Und trägt ſich nah der finſtern Schar; Doch feſt hält an der blanken Der mit ſtätigen Gedanken. 15 Dieſes flihtge Gleichniſs | 5 Den Blöden ifts zu {nell gewiſs, Sie faßen nicht der Lehre Sinn. ] Es huſcht im Saus vor ihnen hin Wie ein brünſtiger Haſe. y 20 Zinn verlöthet hinterm Glaſe y Täuſcht wie des Blinden Traumgeſicht. Sie weigern flühtgen Anbli> niht; | Doh beſtändig kann nicht ſein Dieſer trübe, leichte Schein,
25 Seine Freud iſ kurz fürwahr. Wer rauft mi< wo mir niemals Haar Wuchs, in hohler Hand ſo bloß? Der ‘hat zu nahe Griffe los. Schrei ih doh auf vor ſolcher Noth, So iſt mein Verſtand wohl unbedroht.
2 Wie werd ih Treue finden Wo ſie ſicher muß verſhwinden Wie das Feuer in dem Bronnen, Wie der Thau vor der Sonnen ?
56 Auhh kannt ih nie ſo weiſen Mann, Der nicht gerne Kunde hätt empfahn, Wie hienach zu leben frommt Und was daraus für Lehre kommt. So beſchieden wird er nie verzagen
10 Bald zu fliehen, bald zu jagen, Nun zu weichen, nun zu kehren, Jegt zu tadeln, jeht zu ehren. Wer mit dem allen umgehn kann, An dem hat Weisheit wohlgethan, 15 Der ſih niht verſizet no< vergeht Und ſonſt au< wohl Beſcheid verſteht. Des wandelbaren Freundes Sinn Führt zum Höllenfeuer hin,
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Verhagelt hoher Ehren Glanz. i 20 Seine Treue war ſo kurz von Shwanz, | Daß ſie kaum den dritten Stich vergalt,
Wenn ſie von Bremſen litt im Wald. Aber niht allein den Mann Gehn alle dieſe Lehren an; | 25 Dieß Ziel ſte> ih den Frauen : Die meinem Rath will trauen, Die wiße wohl, wohin ſie kchre Jhren Preis und ihre Ehre Und welhem Mann ſie ſei bereit Jhrer Lieb und Würdigkeit , 3 Auf daß ſie niht gereue Jhrer Keuſchheit, ihrer Treue. Von Gott erfleh ih gutem Weibe, : Daß fie dem Maß getreu verbleibe. 6 Aus Scham fließt alle gute Sitte: | Dieß Heil ifs, das ih ihr erbitte; Die Falſche lohnt nur falſcher Preis. Wie lange währt ein dünnes Eis Wenn des Auguſtmonds Sonne ſchien? 10 So fährt auch bald ihr Lob dahin. y Viel Schönen preist die weite Welt; Jt deren Herz niht wohlbeſtellt , Die lob ih wie ih loben wollt Ein blaues Glas, gefaßt in Gold. 15 Des Miſsgriff auh ift niht gering, Der in den ſ{le<ten Meſſing Verwirkt den köſtlihen Rubin, All ſeines Glückes Vollgewinn: Dem gleich ih re<ten Frauenmuth. 20 Die weiblih denkt und weibli thut, Nach deren Ausſehn frag ih niht, Noch ob ihr Herzensdach beſticht : Iſt ſie innerhalb der Bruſt bewahrt , Bleibt volles Lob ihr ungeſpart. 25 Sollt ih eu< nun Weib und Mann So gründlih ſ{hildern wie ihs kann, So würd uns3 Zeit und Weile theuer; Hört lieber dieſes Abenteuer. Es weiß von Lieb und Leide Und lehrt ſie kennen beide; À Freud und Angſt find auh dabei. Und wären hier ſtatt meiner drei,
Deren Jeder Kunſt ‘beſäße, Daß man meiner Kunſt vergäße, 5 Es brauchte doh man ſeltnen Fund, E Thäten euch die dreie kund Was ih eu< künden will allein ; Jhre Mühe ſollte ſauer ſein. Die Märe, die ih erneue,
10 Meldet von großer Treue,
Von Weibes rehter Weiblichkeit , Von echten Mannes Mannheit, Die nie vor hartem Stein ſi bog. Sein Herz ihn nie darum betrog,
15 Er Stahl! wo er zum Streite kam, Daß ſeine Hand nicht ſiegreih nahm Manchen rühmlichen Preis.
Er kühner Mann, verſuht unb weii (Der Held ifs, den ih grüße),
20 In der Frauen Augen ſüße ,
Und doch der Frauenherzen Sucht, / Im Unglü> fihre Zuflucht!
Den ich hiezu mir auserkoren,
Im Gedicht iſ er no< ungeboren,
26 Den dieſe Aventüre meint Und was von Wunder drin erſcheint.
Noch pflegt man wie man ſonſt gepflegt, / Wo man welſh Gerichte hegt ; So hälts wohl auch bei uns ein Strich, Jhr werdets wißen ohne mich. 5 Wer je da herſcht’ im Lande, Der gebot wohl ohne Schande, Es iſt die Wahrheit ſonder Wahn, Der ältre Bruder ſollt empfahn
5 Des Vaters Erbſchaft allzumal.
Das {uf den jüngern Söhnen Qual, Denn Ihnen nahm des Vaters Tod Die Rechte, die ſein Leben bot.
Das Land war allen ſonſt gemein ;
10 Der ältre hat es jezt allein.
Das rieth jedo< ‘ein weiſer Mann, Daß Alter Gut ſollt empfahn. Jugend hat viel Würdigkeit ,
Das Alter Seufzen nur und Leid.
15 Es ift wohl nichts ſo trübgemuth Als Alter bei der Armut.
Könge, Grafen, Herzogen,
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Das ſag ih euh für ungelogen, j Daß die des Guts enterbet ſind : 20 Bis auf das älteſte Kind, Das iſ gar ein ſeltſam Ding. Der _fromme, kühne Jüngling, Sehne Weigand Verlor ſo Burgen au< und Land, 26 Wo ſein Vater einſ mit Fug Scepter und Krone trug In königlicher Herlichkeit Bis ihn dahin nahm Ritterſtreit. Sie klagten ihn im Lande ſehr. Ohne Makel Treu und Ehr 6 Brat er bis auf ſeinen Tod. Alsbald der ältre Sohn entbot Des Landes Fürſten her zu ſich. Sie kamen alle ritterlih, 5 Denn große Lehen ſonder Wahn Sollten ſie von ihm empfahn. Da ſie zu Hof gekommen, E Eines Jeden Recht vernommen | War, daß ſie die Lehn empfingen, 10 Nun höret, was fie da begingen. Wie ihre Treue rieth den Biedern, . Das Volk zumal, die Hoh’n und Niedern, Beſcheiden haben fie gebeten, Daß der König Gahmureten 15 Die Brudertreu bewährte, Und ſi ſelber damit ehrte, Daß er ihn niht ganz verſtieße Und ihm in ſeinem Lande ließe Einen Edelſig, nur daß er hätte 20 Seiner Freiheit eine Stätte, Darauf ſein Name mölte ruhn. Der König wollt es gerne thun: „Ihr wißt mit Maßen zu begehren , Ich will eu< das und mehr gewähren. 25 Was nennt ihr niht den Bruder mein Gachmuret Anſchewein? Anſchau heißet dieß mein Land: | Wir beide ſein davon genannt.“ Alſo ſprah< der König hehr. „Mein Bruder wiße, daß er mehr 7 Stäter Hilfe bei mir finde
Als ih ſagen könnte ſo geſhwindc. Er ſoll mein JIngeſinde ſein. I<h laß eu< niht im Zweifel ſein
5 Ob uns dieſelbe Mutter trug. Er hat wenig, Ich genug: Drum ſoll ihm ſpenden meine Hand, Daß niht mein Heil dafür zu Pfand Steh vor Dem, der nimmt und giebt,
10 Beides ganz wie ihm geliebt.“
Als die Fürſten all umher Vernahmen, daß der König hehr Dem Bruder ganzer Treue pflag, Das war den Herrn ein lieber Tag;
15 Auch dankt’ es ihm ein Jeder ſehr. Da ſäumte Gahmuret niht mehr Zu reden, wie das Herz ihm ſann. Zum König hub er gütlih an: nHerr und lieber Bruder mein,
20 Wollt ih Jngeſinde ſein Eines Mannes auf der Welt,
So wärs hier wohl um mich beſtellt. Nun meßet daran meinen Preis, Seid ihr doch getreu und wei,
25 Und rathet nah der Dinge Stand; Darnach geht hülfrei<h mir zur Hand. Ein Harniſch nur gehört mir an; Hätt ih mehr darin gethan,
Das in der Ferne Lob mir brächte, So hofft ih, daß man mein gedächte.“ 8 Gaqhmuret ſpra<h weiter: „Noch Sechszehn Knappen hab ih doch, Davon ich ſc<s geharniſ<ht finde. Gebt ihr mir dazu vier Kinde °°. 6 Von guter Zucht, von hoher Art, © So wird an ihnen nichts geſpart, | Das ih erwerben mag mit Händen. | Jc will mich in die Fremde wenden ; "Ich hab auch früher Land dur@fahren.
10 Wenn das Glü> mich will bewahren,
So erwerb ih guten Weibes Gruß. Wenn ich dafür ihr dienen muß Und ich deſſen würdig bin,
So räth mir Herz und beſter Sinn,
15 Daß ih der reten Treue pflege. Gott leite mi des Heiles Wege!
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Wir fuhren einſt geſellt umher (Damals trug die Krone hehr Noch unſer Vater Gandein),
20 Wir litten Kummer viel und Pein | Manhmal um ein liebes Lieb. | Jhr wart ein Ritter und ein Dieb, y Jhr konntet dienen, konntet hehlen ;
Ach, könnt au< J< nun Minne ſtehlen!
25 Weh mir, hätt ih Eure Kunſt ]
Und bei der Schönen wahre Gunſt!“
Mit Seufzen \ſpra< der König da:
„O weh, daß ih dih jemals ſah,
Da du ſo mit leichtem Scherz
Mir zerſchnitten haſt das Herz 9 Und zerſchneiden wirſt im Scheiden.
Mein Vater hat uns beiden
Hinterlaßen Gut genug:
Dir ſei daran der gleihe Fug. | 5 Jc bin dir von Herzen hold: |
Licht Geſteine, rothes Gold, ;
Roſſe, Waffen , Volk, Gewand, |
Des nimm ſo viel von meiner Hand,
Daß du nah deinem Willen fährſt j
10 Und deine milde Hand bewährt. ! Deine Tapferkeit iſt auserkoren :
Wärſt du von Gilſtram geboren, | Oder kämſt von Rankulat daher, | Lieber könnt ih nimmermehr y
15 Dich haben, als ih dih gewann: ;
Du biſt mein Bruder ſonder Wahn.“ y „Herr, mich zu loben iſt eu< noth, |
Da eure Zucht es euch gebot.
Nun ſollt ihr mir auh Hülfe leihn. |
20 Wollt Jhr und auh die Mutter mein | Mir geben eures fahrenden Gutes, i So ſteig ih aufwärts frohes Muthes. i Empor i} meines Herzens Streben" Warum hat es dieſes Leben, |
25 Daß ſo mir ſ{willt die linke Bruſt ? Y Wohin, ach, jagt mi ihr Geluſt ? | Jh wills erfahren, wenn ih kann; j Nun naht der Abſchied mir heran.“ 1
Der König Alles ihm gewährte, | Er gab ihm mehr als er begehrte: |
* 10 Fünf Roſſe ſhön und auserkannt , | Die beſten in des Königs Land, | Stark, kühn und raſh von Feuer; Viel Goldgefäße theuer 6 Und manchen Kloß von Golde ſ<hwer. So milde war der König hehr, Er füllt? ihm des vier Reiſeſchreine ; Darein auh muſte viel Geſteine. Da ſie gefüllet lagen, 10 Knappen, die des pflagen, Waren wohl bekleidet und beritten. Sie weinten laut mit Jammersſitten, E Als er vor ſeine Mutter ging | Und ſie herzend ihn umfing. 15 „Fils dü Roi Gandein, Willſt du nicht länger bei mir ſein?“ Sprach das weiblihe Weib. „D weh, es trug di< doh mein Leib! Du biſt au< König Gandeins Kind. 20 Iſt Gott, daß er mir hülfe, blind Oder ließ ſein Ohr ertauben, Daß er mir ni<t will glauben ? Soll ih no< neuen Kummer haben ? Meines Herzens Luſt hab ih begraben 25 Und die Süße meiner Augen: Will er no< mehr mir rauben ? Der doch ſtäts gerecht gerichtet: So iſt das all erdichtet Was ſie von ſeiner Hülfe ſagen, Da er ſo gar mic läßt verzagen.“ 11 „Frau,“ \ſpra< der junge Anſchewein, „Gott tröft euh um den Vater mein; Wir beide ſollen um ihn klagen. Laßt eu< von Mir Niemanden ſagen 5 Was euch Sorge {<üf und Leid. I< fahr um höhre Würdigkeit Nach Ritterſchaft in fremdes Land: So iſ es, Frau, um mich bewandt.“ Da ſprach zu ihm die Königin: 10 „Haſt du Dienſt und Herz und Sinn Gewandt auf hoher Minne Lohn, So verſhmähe, lieber Sohn, Nicht mein Gut zu dieſer Reiſe. Deine Kämmerlinge weiſe
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e 15 Her, daß Ne empſahn von mir Schwerer Reiſeſchreine vier, | Breite Zeuge drin von Seiden, | Ganze, die no< zu verſchneiden, Und theuern Samt zu manchem Kleid. y 20 Süßer Mann, laß mich die Zeit Wißen, wann du wiederkehrt , Daß du meine Freuden mehrt." „Frau, das ift mir unbekannt; | Ich weiß au< niht voraus das Land. 26 Doch wo ih ſei zu jeder Zeit, | Jhr habt nah eurer Würdigkeit Ritters8ehre mir bezeigt. | Auch der König war mir ſo geneigt, Daß ich viel Dank ihm ſchuldig bin. j J<h weiß, daß Jhr ihn, Königin, 12 Darum no< mehr in Zukunft liebt, Was immer fi< mit mir begiebt.“ | Wie uns die Aventüre ſagt, | So ward dem Degen unverzagt , 6 Von Liebe3wegen zugeſandt , j Und weil er edeln Fraun bekannt , | Ein Kleinod tauſend Marken werth. | Wenn heut ein Jude Pfand begehrt , Er würd es gern dafür empfangen | 10 Und weitre Bürgſchaft niht verlangen. Das ſandt ihm eine Freundin. Ihm brachte ſtäts ſein Dienſt Gewinn, | Der Frauen Gruß und ihre Minne; Er ward doch ſelten Troſtes inne. 16 Urlaub nahm der Weigand. Mutter, Bruder, beider Land Sein Auge nimmer wiederſah; Daran do< Manchem Leid geſchah. Die ihm je gefällig waren 20 Bis er heute ſollte fahren, j Und wars mit noch ſo kleinen Dingen, Groß war der Dank, den fie empfingen; “Mehr als genug gedaucht* es fie. Sich merken ließ der Höfſche nie, 26 Daß ſie ihm nur ſein Recht gegeben; Sein Sinn war ebner noh als eben. Wer ſelber ſagt, wie werth er ſei, Da fteht Unglaube Jedem frei:
| Zuſchauer ſolltens melden | Und Die geſehn den Helden, | 13 Wenn er in der Fremde wäre, So fände Glauben wohl die Märe. | Gacmuret ohn Unterlaß : BVli>te nah dem re<hten Maß | 5 Unverlo>t von anderm Ziel ; | Seines Rühmens war nicht viel. | Große Ehre muſt er leidend leiden, | Uebermuth wollt ex meiden. | Doch wähnte der Gefüge, 10 Daß Niemand Krone trüge, Wärs König, Kaiſer , Kaiſerin, | In deſſen Dienſt er dürfe ziehn, E Er hätte denn die höhſte Macht, | Die je auf Erden ward erdacht : 16 Der Will in ſeinem Herzen lag. Ihm ward geſagt, zu Baldag Wär ein ſo gewaltger Mann, Daß ihm des Erdreichs unterthan Zwei Drittel wären oder mehr. ' 20 Er war im Heidentum ſo hehr, Daß er des Baruch 8s Namen trug. Seine Herſchaft nahm ſo hohen Flug, ' Manther König war ſein Mann, Mit gekröntem Leib ihm unterthan. 26 Des Baruchs Amt beſteht noch heut : Wie man Chriſtenre<ht uns beut Zu Rom, die wir die Tauf empfingen, Die Heiden ſo na< Baldag gingen, Ihr Pabſtreht nahmen und gedachten Stier unfehlbar ſei's zu achten. 14 Der Baru pflegt der Sünden Jhnen Ablaß zu verkünden. Brüdern zwen von Babylon, | Pompejus und Jpomidon, 6 Denen nahm der Baruch Ninive, Das ihrer Vordern war von je: Sie thaten ſtarken Widerſtand. Da kam der Anſchewein ins Land: Dem wurde bald der Baruch hold. 10 Für Dienſte nahm von ihm den Sold Gaqcmuret der werthe Mann. Nun verzeiht ihm, daß er dort gewann i Ander Wappen, als Gandein
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Ihm einſt verliehn, der Vater ſein. | 15 Der Herr trug mit beſcheidnen Eitten | Auf ſeine Kouvertür geſchnitten | Anker von lihtem Härmelin: | Dieſen ähnli führt" er ihn | Auf dem Schild und all der Tracht. | 20 Grüner no als ein Smaragd | War ſein Reitzeug und Gewand, | Das ganz aus Ahmardi beſtand: So heißt ein Zeug von Seiden, ! Daraus der Held ließ ſchneiden 25 Korſett und Wappenro> geſamt, ] Denn es iſ beßer als der Samt; Anker von Harm darauf genäht, Viel goldne Fäden drum gedreht. Seine Anker hatten niemals Land Gefaßt an eines Ufers Rand, 15 Sie wurden nie in Grund geſchlagen. Der Degen muſte weiter tragen Jn manches Land, der werthe Gaſt, Dieſe wappenliche Laſt 5 Und die ankergleichen Zeichen, Weil es nirgend in den Reichen Jhn nur zu kurzer Ruh gelitten. Wieviel er Länder durchritten Und in Schiffen hab umfahren? 10 Sollt i< ſ<wörend mi verwahren, So ſagt? ih eu< auf meinen Eid Und ritterliche Sicherheit Nur was die Aventüre ſpricht, | Denn weitre Zeugen hab ih nicht.
15 Sie ſagt, daß ſeiner Mannheit Kraft |
Den Preis nahm in der Heidenſchaft ,
Ju Perſien und in Marokko.
Seine Hand erwarb au< anderswo,
In Aleppo und Damaskus auch, j
20 Und wo nur Ritterſpiel Gebrauch, j Jn Arabien und rings umher, ¡ Daß im Turniere Niemand mehr : Mit ihm zu ſtreiten mocht heran: | So war der Ruf, den er gewann.
25 Sein Herz rang nah dem höchſten Lob: | Aller Andern That zerſtob, | Vor ſeiner ganz vernichtet. | So wurde ſtäts berichtet |
Wer gegen ihn zu ſtreiten kam. Zu Baldag man es auch vernahm. 46 Auſwärts ſtrebt’ er ſonder Wank. Von dannen gegen Zaßamank Fuhr er, in das Königreich. Da klagte Freund und Feind zugleich 5 Eiſenharten, der das Leben Einem Weibe dienend hingegeben. Dazu zwang ihn Belakane, Die reine, wohlgethane. Weil fie ihm niemals Minne bot - 10 Lag er um ihre Minne todt. Da räten ihn die Freunde bald y Offen und im Hinterhalt: | Die Frau bedrängt ihr mächtig Heer. | Sie ſtellte kräftig ſi< zur Wehr, | 16 Als Gahmuret kam in ihr Land, | Das der Schotte Friedebrand : | Von den Schiffen aus verbrannte | Eh er hinweg ſi< wandte. | Nun hört von unſers Ritters Fahrt. / 20 Vom Sturm er her verſhlagen ward; | Er büßt? es mit dem Leben faſt. | Vor der Königin Balak | Kam er geſegelt in den Hafen, Wo ihn viel Gafferbli>e trafen." | 25 Nun ſah er um ſi: dort im Feld War aufgeſhlagen man< Gezelt Rings um die Stadt bis zu dem Meere: y Da lagen zwei gewaltige Heere. Er fragte nah der Märe, Wem Burg und Herſchaft wäre; 47 Vernommen hatt ers nie bis heute, Noh Einer ſeiner Schiffleute. * Sie thaten ſeinen Boten kund, Es wäre Patelamunt. 5 Das entboten ſie ihm minnigli, Bei ihren Göttern flehentlih Um Hülf ihn bittend: die wär Noth: Sie rängen nur no< um den Tod. Als der junge Anſchewein 10 Vernahm von ihres Kummers Pein, Da bot er ſeinen Dienſt um Gut, Wie es oft ein Ritter thut,
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Daß er wißen möht um Was | Er dulden ſollte Feindeshaß. | 15 Da ſpra< aus Einem Munde | Der Sieche, der Geſunde, | Es ſollt ihm unverweigert ſein | All ihr Gold und ihr Geſtein: | Darüber möcht er ſchalten 20 Und froh bei ihnen alten. ‘ Doch bedurft er niht des Soldes : Arabiſchen Goldes Hatt er manchen Knollen mitgebracht. Leute finſter wie die Nacht 25 Waren Die von Zaßamank: Bei denen ward die Zeit ihm lang. Doeh ließ er Herberg nehmen : Da müften ſie ſich ſhämen | Wenn fie ihm nicht die beſte gaben. Noch immer in den Fenſtern lagen 18 Mägdelein und Frauen : Sie muſten Alles ſchauen, Seine Knappen, ſein Gewaffen Wie das beſtellt war und beſchaffen. 5 Sie ſahn, es trug der Degen mild Auf einem hermelinen Schild Wer weiß wie manchen Zobelbalg. Das3 Woppenbild dem Marſchalk Der Königin ein Anker ſchien. 10 Gar unverdroßen bli>t’ er hin: Da muſten ihm die Augen ſagen, Er habe ſhon geſehn vor Tagen Dieſen Ritter oder ſeinen Schein. Zu Alexandrien muſt es ſein 15 Als der Baruch lag davor: Da that es Niemand ihm zuvor. So fuhr der Hochgemuthe In die Stadt mit Volk und Gute; ! Zehn Säumer ließ ers faßen; y 20 Die keuhten dur die Gaßen, ] Und zwanzig Knappen ritten nah. | Sein Volk voraus zu reiten pflag : | Lakaien, Köche, Küchenjungen , Die kamen vorn einher geſprungen. | 26 Stolz war ſein Ingeſinde : | Zwölf hochgeborner Kinde Hinter ſeinen Knappen ritten |
Mit guter Zucht und ſüßen Sitten; Darunter waren Sarazenen. Acht Roſſe zog man hinter denen 19 An den Zäumen, allzumal Verde>tt mit gutem Zindal ; Das neunte ſeinen Sattel trug. Seinen Schild, der eu< bekannt genug, H Führt! ein muntrer Knapp herbei. | Nahh dieſem ritten in der Reih | Poſauner, die man auch bedarf. Ein Tambour ritt und {lug und warf Seine Trommel ho< empor. 10 Dem Herren kam es ſpärlih vor, Ritten Flötenſpieler niht dabei Und der guten Fiedler drei. Sie eilten alle niht zu ſehr. Er ſelbſt ritt hinter ihnen her, 15 Den Schiffmann zu der linken Hand, Den weiſen, weithin wohlbekannt. Soviel Volks au< war darinnen, Mohren und Möhrinnen Waren beide, Weib und Mann. 20 Auch ſah der Degen wohlgethan Viel Schilde da zerbrochen h Und von Speren ganz durchſtochen. e Man ſah ſie aufgehangen An Wand und Thüren prangen. 25 Sie hatten Angſt und Jammer da. | In die Fenſter , kühlen Lüften nah, | War gebettet manhem Wunden: ; Hätt er den Arzt gefunden, So konnt er doh niht mehr geneſen. Die waren vor dem Feind geweſen. | 20 So ergeht es uns, die ungern fliehn. i Sich entgegen ſah er Roſſe zichn Durchſtochen und zerhauen ; Auch viel dunkelfarbge Frauen 5 Zu beiden Seiten neben ſih: Ihr Schein der Rabenſchwärze glich. Gar freundli< nahm ihn auf ſein Wirth, Der bald no< mchr ſih freuen wird. Er war ein kraftreiher Mann: 10 Mit ſeiner Hand hatt er gethan Manchen Stich und manchen Schlag, Da er einer Pforte hütend pflag.
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Viel Ritter, die ex bei ihm fand, Hängten die Hände in ein Band, | 15 Die Häupter voller Schrunden. | So ſtands mit ihren Wunden, | Sie übten dennoch Ritterſchaft ; f Unverkürzt war ihre Kraſt. | Sein Wirth, der Burggraf der Stadt, | 20 Den Gaſt mit holden Worten bat, | Sich für daheim zu halten | Und nah freier Luſt zu ſchalten Ueber ſein Gut und über ihn. Er führt! ihn ſeinem Weibe hin, 25 Die Gachhmureten küſste, Wars auch nicht ſein Gelüſte. Dann ging es in den Speiſeſaal. Als fie gegeßen allzumal, Da ging der Marſchall hin zuhand, Wo er die Königstochter fand 21 Und heiſchte großes Botenbrot. Er ſprahh: „Herrin, unſre Noth Jf mit Freuden nun zergangen. Der hier gaſtli<h ward empfangen, “6 Der Ritter iſt ſo kühn im Streit, Wir müßen danken allezeit Ten Göttern, die ihn hergebracht , Daß ſie uns Rettung zugedacht.“ „Nun ſag mir bei der Treue dein, 10 Wer der Ritter möge ſein?“ „Frau, es iſt ein ſtolzer Degen, Dem einſt der Baru Gold ließ wägen, Ein Anſchewein von hoher Art. Avoi! wie wenig er fih ſpart, 15 Wenn er daher ſprengt zu dem Streit! Wie behende kann er jederzeit Weichen und vorwärts dringen Und Feinden Schaden bringen. Ich ſah ihn kämpfen gar verwegen, 20 Als vor Babylon die Degen Alexandrien entſeyen ſollten Und den Baruch treiben wollten | Mit Gewalt aus dem Feld. - Wie Manthen hat er da gefällt 26 Bei des Heeres Niederlage! ' Wohl beging an dieſem Tage j
y Der edle Held ſo kühne That, ¡ Sie muſten fliehn, es blieb kein Rath. Aut rühmten Alle ſo den Mann, | Man erkannte leiht daran, | 22 Daß ihm ob manthen Landen Der Preis wird zugeſtanden.“ „So ſich mir zu und ſäume niht, Daß er herkommt und mich ſpricht. E 6 Wir haben Frieden dieſen Tag, Daß er herauf wohl reiten mag Zu mir; oder ſoll ih hin? Er iſ} andrer Farbe denn i < bin: O weh, verdrießt ihn das auh niht? 10 Hätt ih darüber nur Bericht! Wenn mirs die Meinen riethen, Wollt ih ihm Ehre bieten. | Geruht er, mir zu nahen, | Wie ſoll ih ihn empfahen? | 15 IJ er ſo wohl geboren, | Daß mein Kuſs nicht ſei verloren?‘ | „Er iſt von königlihem Blut, | J<< bürg euh, Frau, mit Leib und Gut. | Frau, euern Fürſten will ih ſagen, | 20 Daß ſie reihe Kleider tragen, | Und vor eu< ſtehn nah Hofesſitten © Wenn wir kommen hergeritten ; Das ſagt auch euern Fraun zumal. E Nun eil ih wieder hin zu Thal | 25 Und bring euch her den Degen werth; | Keiner ſüßen Tugend er entbehrt.“ | | Das Alles fiel auf guten Grund: | Der Marſchall that behend ihm kund | Wes die Herrin ihn gebeten. | Snell wurden Gahmureten 23 Reiche Kleider hingetragen : Die zog er an; ih hörte ſagen, Daß fie gar köftlih wären ; Seine Anker drauf, die ſhweren , | 5 Aus arabſchem Golde fein: | Alſo wollt er, ſollt es ſein. Da beſtieg der Minne ſüßer Lohn Ein Roſs, darauf vor Babylon Ein Ritter ihn beſtand im Streit : / 10 Er ſta< ihn ab, das war dem leid.
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Ob ſein Wirth au< mit ihm war? * Er und ſeiner Ritter Schar: | Ja gewiſs, des ſind fie froh. Sie ritten miteinander ſo | 15 Und ſtiegen ab vor dem Saal. Da mar der Ritter große Zahl: | Die muſten wohlgekleidet ſein. | Seine Kinde liefen mit ihm ein Und gaben fſi je zwei die Hand. 20 Jhr Herr au< manche Frau da fand, Die wonniglih gekleidet ging. Die reiche Königin empfing Durch ihre Augen hohe Pein, Als fie erſah den Anſchewein. 26 Sein Anilig war ſo minniglih: Jhr Herz erſhloß er völlig ſih Ob es ihr lieb war oder leid; Sonſt {loß es ihre Weiblichkeit. Ein wenig trat fie ihm entgegen Und ließ fi< küſſen von dem Degen. 24 Sie nahm ihn ſelber bei der Hand. Sie ſezten ſi< zum Feind gewandt In eines Fenſters Ee Auf geſteppter Sammetdete, 5 Die über weichen Kiſſen lag. If etwas lichter denn der Tag, Dem glich nicht viel die Königin. Sie hatte weiblichen Sinn; Sonſt war die tadelloſe 10 Ungleich der thau'gen Roſe: Schwarze Farbe von ihr ſchien, ! Die Kron ein lihter Rubin, | Daß man ihr Haupt durGſcheinen ſah. j Zum Gaſte ſprah die Wirthin da, 15 Er wär ihr ſehr willkommen. nViel hab ih, Herr, vernommen Wie ritterli<h und kühn ihr ſeid. Bei eurer Zucht, ſei eu< nicht leid, | Daß ih eu< den Kummer klage, ' 20 Den ih nah am Herzen trage.“ | | „Meine Hilfe bleibt eu< unverſagt. | Frau, was eu< kümmert oder plagt, Mag das wenden meine Hand, Sei fie zu euerm Dienſt verwandt.
25 J< bin nur der Eine Mann: Wird eu< was zu leid gethan, So halt ih meinen Schild entgegen ; Doch macht den Feind das nicht verlegen.“ Da hub, ein Fürſt mit Züchten an: „Fehlt? uns niht ein Hauptmann, 25 So wollten wir den Feind nicht ſparen. Denn Friedebrand iſ heimgefahren , Er befreit nun dort ſein eigen Land: Ein König Namens Hernant , 6 Den er Herlindens halb erſ<lug, Des Freunde thun ihm Leid genug; Sie wollen es ihm nicht erlaßen: Doeh hat er Helden hier gelaßen : Den Herzogen Heuteger, | 10 Des kühne That ſhon viel Beſchwer | Uns ſchuf, und ſeine Ritterſchaft : j Jhr Streit hat Kunſt genug und Kraft. | So hat au< manchen Söldner hier Der Normanne Gaſchier , | 15 Der verſuchte Degen hehr. Noch hat hier der Ritter mehr | Nailet von Hoskuraſt, | Manqhen zornigen Gaſt. | Die alle bracht in dieſes Land 20 Der Schottenkönig Friedebrand Und die vier Genoßen ſein’; Manger Söldner zog mit ihnen ein. Gegen Weſten dort am Meer Lagert Eiſenhartens Heer: 26 Jhre Augen tro>nen nimmer fi. Nicht geheim noh dffentlich Hat man ſie anders je geſehn Als jämmerlich in Klage ſtehn. Jhr Herz zerſtrömt ſi< ſo in Güßen, Weil ihr Herr im Zweikampf enden müßen." 26 Da ſprach zu ſeiner Wirthin Der Gaſt mit höflihem Sinn: „Geruhet do< und ſagt mir an Wie dieſer Haß ſi entſpann. 5 Was ziehn ſie eu< mit Macht entgegen? Jhr habt ſo manthen kühnen Degen: Mich jammert , ſind ſie ſo beladen y Mit Feindeshaß zu ihrem Schaden.“
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„Vernehmt es, Herr, da ihrs begehrt.
10 Mir dient! ein Ritter, der war werth, Aller Tugend blühend Reis.
Mannhaft war der Held und weiſ, Der Treue wohlgediehne Frucht , Seine Zucht ging über alle Zucht.
15 Er war noh keuſcher als ein Weib, Kraft und Kühnheit trug ſein Leib. Kein Ritter über allem Land War auch no je ſo milder Hand (Wer weiß was nah uns ſoll geſchehn?
20 Da mögen andre Leute ſpähn). | Er war zu falſher That ein Thor, | Gleih mir von ſ<hwarzer Farb ein Mohr. Sein Vater hieß Tankaneis :
Der König trug auh hohen Preis ;
25 Mein Freund hieß ſelber Eiſenhart. | Meine Weibheit war niht wohlbewahrt, Mir dient’ er do< um Minnelohn, | Daß er den Wunſch nicht trug davon: ! Das muß ih ewig nun beklagen. | I< ließ ihn, wähnen fie, erſchlagen. |
27 Verrathens bin ih unerfahren,
Wie mich des zeihen ſeine Scharen. Mehr als fie ſelber liebt ih ihn, Des ih niht ohne Zeugen bin: | 5 Damit bewähr ih es wohl noch. Die rehte Wahrheit wißen doh | Meine Götter und die ſeinen. | Wie muſt i< um ihn weinen! | So zog ih mit verſhämter Strenge | 10 Seinen Lohn, mein Leid au, in die Länge. „Mein Dienſt erwarb im Rittertum Dem Helden oftmals bohen Ruhm. Jh verſucht ihn, ob er Freund zu ſein Verſtünde: bald wohl ſah is ein. 15 Er gab um mi den Harniſch hin, Der unter jenem Baldachin Nun ſteht (das herliche Gezelt BVrachten Schotten auf dieß Feld). Al3 des der Degen ledig ward, 20 Da hat er ſi nict viel geſpart, Weil ihn des Lebens ſchier verdroß : Mang Abenteuer ſucht? er bloß. Da es alſo mit uns ſtand,
Ein Fürſt, Prothißilas genannt, 25 Mein Höfling und mein Unterthan, Der unerſhro>enſte Mann, + Ritt auf Abenteuer aus Und fand des Schadens viel im Strauß. Dort im Wald von Aßagog Eine Tjoſt ihn niht um Tod betrog, 28 Die er that auf einen kühnen Mann, Der auch ſein Ende da gewann. Das war mein Freund Eiſenhart. Mit einem Sper durſto<hen ward 5 Jedweder dur< Schild und Leib. Das klag ih noh, ih armes Weib: Der beiden Tod mi ewig müht, Auf meiner Treue Jammer blüht. „I< vermählte nie mi< einem Mann.“ 10 Gahmuret erwog und ſann, Obwohl ſie eine Heidin wär, Weiblichen Sinnes ſei do< mehr Nie in ein Frauenherz gekommen. : Statt Taufe müß ihr Keuſche frommen, | 16 Der Regen auth, ver ſie begoß, | Von ihren Augen ſtrömt’ und floß E Ihr auf den Zobel, auf die Bruſt. Trauern nur war ihr Geluſt, Dazu jammerhaftes Klagen. 20 Da hub fie wieder an zu ſagen: „Nun kam mi ſuchen über Meer Der Schottenkönig und ſein Heer; Der war ſeines Oheims Sohn. Sie konnten mir ni<hts Schlimmres drohn 26 Als mir ſhon geſchehen war An Eiſenharten, glaubt fürwahr.“ Viel Seufzer ſie entſchi>te, Zwiſchen Thränen manchmal bli>te E | Sie beſchämt und ſeu hinan y Zu Gachmureten: da begann 29 Jhr Aug dem Herzen zu vertraun, Der Degen wäre ſ{hön zu ſhaun. Sie war auh eine Kennerin Lichter Farbe: früherhin 5 Sah ſie ſhon viel lichte Heiden. ; Da erwuchs zwiſchen beiden ; Getreuer Minne mehr und mehr: | Sie bli>te hin, er bli>te her.
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Schenken hieß ſie nun den Wein; 10 Dürfte ſie, ſie ließ! es ſein. Gern ſäh ſie, wenn es unterblicb, Weil es die Ritter ftäts vertrieb , Die gerne ſprachen mit den Fraun. Doch wars ſein Leben, ſie zu ſchaun; 1ò Auch hatt er Jhr den Sinn gegeben, Sein Leben war der Frauen Leben. | Da erhob er ſi< und ſprah: | „Frau, ih ſha} eu< Ungemach. | Zu lange hab ih hier geſeßen ; | 20 Da war i klugen Sinns vergeßen. Ich dien euch gern; doch ift mir leid, | Daß eure Noth ſo groß und breit. | Fran, gebietet über mich: | Wohin ihr wollt, dahin will ih. | 25 Ich dien eu< immer wo ih kann.“ | „Ih ſeh euh ,“ ſprah fie, „dafür an.“ | Alles thut der Burggraf nun, | Sein Wirth, was er vermag zu thun, | Ihm zu kürzen Zeit und Stunde. | Er frug mit höfſ<hem Munde, 30 Ob er ſpazieren wolle reiten? „So ſeht ihr au<, wo wir ſtreiten j Und wie die Pforten ſtehn in Hut.“ Gahmuret der Degen gut 5 Spra, er wünſche wohl zu ſehn, Wo ihr Kampfſpiel wär geſchehn. Hinunter mit ihm ritten | Viel Degen edler Sitten, Hier der Junge, dort der Greiſe. y 10 Sie führten ihn im Kreiſe Wohl vor ſe<8zehn Pforten, Und beſchieden ihn mit Worten, Daß keine je verſhloßen ward, aSeit ſie rä<hten Eiſenhart 15 An uns zut Zorn. Mit gleiher Macht Stritten wir faſt Tag und Nacht : Sie blieben offen all die Zeit. Vor acht Pforten giebt uns Streit Des getreuen Eiſenhartens Bann: 20 Sie haben Schadens viel gethan. Wie ſie nah Rache dürſten, Dieſe wohlgebornen Fürſten
| In des Königs Vann von Aßagog!“ Vor jegliher Pforte flog | 25 Eine lichte Fahn ob kühner Schar, | Drauf ein dur<ſtohner Ritter war, | Weil Eiſenhart ſo zu ſterben kam, | Den nun ſein Volk zum Wappen nahm. „Wir haben andern Brauch dagegen, Womit wir ſie zu tröſten pflegen: 31 Unſre Fahne wird daran erkannt, Daß zwei Finger ihrer Hand . Die Fürſtin bietet zu dem Eid, Jhr ſei no< nie geſchehn ſo leid 5 Als dur Eiſenhartens Tod; Der ſchuf ihr bittre Herzensnoth. So von des Krieges Anbeginn BVelakane ſtand die Kbnigin E In einem weißen Sammetfeld | 10 Jn ſ<warzen Farben ausgeſtellt , Seit wir des Feinds Panier erſhaut (Ihre Treue wird im Jammer laut): So ſteht ſie ob den Thürmen hoch. Von den andern acht bedrängt uns no< 15 Friedebrands des Schotten Heer, Die Getauften von über Meer. „Ein Fürſt behütet jedes Thor; Oftmals zicht er au< davor In den Streit mit dem Panier. 20 Gaſchier, dem Normann , nahmen wir Einen Grafen ab im Feld: Der bietet hohes Löſegcld. Ein S@weſterſohn is von Kailet : Was uns Der nun Böſes thät, 25 Muſte Dieſer \täts entgelten. Doch ſol<h Glü>k kommt uns ſelten. Grünes Angers wenig, Sandes Wohl an dreißig Nitte Landes Jſſt zu den Zelten von dem Graben : Da ſieht man ſie zum Kampfſpiel traben.“ 32 So gab ſein Wirth ihm Bericht. „Ein Ritter unterläßt das nicht, ; Er kommt hervor und tioſtiert. Wenn Der ſeinen Dienſt verliert 5 Bei Jener, die ihn hergeſchidt , Was hilft ihm dann, wie fre< er bli>t ? Das iſt der ſtolze Heuteger.
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J<h darf wohl ſagen, ſeit das Heer Uns der Feinde hält umſeßen, 10 Daß der Held vermeßcn Almorgentlich bereit erſchien . Vor der Pforte bei dem Baldachin; Auch weiß ih, daß der kühne Mann * Manches Kleinod hat verthan, 15 Wenn er uns durch die Schilde ſta, Tas man für koſtbar anſprach Wenn es die Knappen ausgebrochen ; Er hat uns Manqhen abgeſtochen. Der Held läßt ſih gerne ſchauen; 20 Jhn loben auch unſre Frauen. : Wen Frauen loben, wird bekannt , Er hat den Ruhm an der Hand y Und ſeines Herzens Wonne.“ Nun hatte müd die Sonne | 25 Eingeſtellt den Stralenſchein: Des Luſtritts muſt ein Ende ſein. | Der Gaſt ritt heim mit ſeinem Wirth; | Das Mal bereit er finden wird. Ich muß von ihrer Speiſe ſagen: | Die ward mit Anſtand aufgetragen: | 33 Man diente ihnen ritterlich. | Mit Gefolge kam und ſtellte ſich Tie Königin vor ſeinen Tiſch: | Hier ſtand der Reiher, dort der Fiſch. 5 Sie war herabgefahren , | Um ſelber zu gewahren Ob man fleißig pfläge ſein. : | Mit Jungfraun kam fie, nicht allein. | Sie kniete nieder (ihm wars leid): 10 Mit eigner Hand zerſchnitt die Maid Dem Ritter ſeine Speiſe ſo. ] Tie Frau war ihres Gaſtes froh. Da bot ſie ihm ſein Trinken dar Und pflag ſein gut; wohl nahm er wahr ‘15 Jhr Geberden wie ihr Wort. Unten an dem Tiſche dort Saß ihm manqer Spielmann Und gegenüber ſein Kaplan. Beſchämt empor zur Herrin ſah 20 Der Degen: ſhüchtern ſprach er da : „So hofft ihs nict zu finden hier, Wie Ihr es, Frau, erbietet mir,
| Mit alſo hohen Ehren: | Wenn ih euch dürfte lehren, | 25 So hätt i nur von euch begehrt | Eine Pflege, der ih wäre werth: . | Tann kamt ihr nict herabgerilten. | Darf ih, Königin, euch bitten, | So laßt mi in der Maße leben: | Zu viel Ehre habt ihr mir gegeben.“ | : | 34 Sie wollt auh das nit laßen, Seine Kinde, die dort ſaßen, | Bat ſie freundlich: „Eßet doh.“ , | So ehrte ſie den Fremdling noch. Ss Die Herrlein alle wie es ſchien Waren hold der Königin. Noch eins die Herrin nicht vergaß: Sie ging auh wo der Wirth ſaß Und ſein Weib die Burggräfin. 10 Den Becher hob die Königin Und ſprach: „Laß dir befohlen ſein © Unſern Gaſt: die Ehr iſt dein. Ich bitt eu< beide höhlih drum.“ So nahm ſie Urlaub, wicderum 15 Ging fie hin zu ihrem Gaſt. : Son trug ſein Herz der Minne Laſt; Ein Gleiches Jhr von Ihm geſchah, Ihr Herz, ihr Auge ſagt’ es ja: Die muſtens mit ihr eingeſtehn. 20 Mit Züchten ſpra<h die Herrin ſchön: „Gebietet, Herr: was ihr begehrt , Das ſha} ih, denn ihr ſeid es werth; Und laßt mich Urlaub haben: Wenn ſie euh fleißig laben, 25 So bin ih ihnen herzlich hold.“ Jhre Leuchter waren Gold: | Vier Kerzen trug man drauf entbrannt; | Hin ritt ſie, wo fie Ruhe fand. | Sie ſaßen auch nicht länger ſo; | Der Held war traurig und doch froh. 95 Jhn freute, daß man Ehr ihm bot; | Doch zwang ihn wieder andre Noth: | Das war die ſtrenge Minne, | Die da neiget hohe Sinne. | 5 Die Wirthin kam zu ihrer Ruh; | Viel Zeit gehörte niht dazu.
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Man bettete dem kühnen Mann; y Das ward mit allem Fleiß gethan. Der Wirth ſpra< zu ſeinem Gaſt:
‘10 „Schlafet nun in guter Raſt Und ruht die Nacht: das iſ eu< Noth.“ Den Plag zu räumen gebot Der Wirth dem Ingeſinde.
Des Gaſtes edle Kinde,
15 Jhr Bett rings um das ſeine lag,
Ihr Haupt daran , wie er es pflag. Da ſtanden Kerzen ſ{hön und groß
Und brannten hell. Den Held verdroß, Daß ſo lang war die Nacht.
20 Jhn brachte oft in Ohnmacht
Dieſe ſ{hwarze Möhrin,
Des Mohrenlandes Königin.
Er wand ſi< oft wie Weidenholz; Da erkrachten ihm die Glieder ſtolz.
25 Minn und Kampf war ſein Begchren ;
Nun wünſcht, man mög es ihm gewähren. Sein Herz von lauten Stößen ſcholl, Weil es nach Ritterthaten ſ<woll.
Das begann dem kühnen Re>en
Veide Brüſte weit zu ſtre>en ‘
36 Wie die Sehne \tre>t die Armbruſt ; x Zu heftig war da ſein Geluſt.
Der Herr ohn alles Sthlafen lag | Vis er grauen ſah den Tag. 5 Der gab noch keinen lichten Schein, Da ſtellte ſein Kaplan ſih ein Zur Meſſe nah des Herrn Gebot: Er ſang ſie ihm zugleih und Gott. | Den Harniſch trug man ihm zuhand: | 10 Hin ritt er, wo er Tjoſte fand. | Der Degen ſäumte ſi< niht lang: y Das Rojs, darauf er ſchnell ſi< ſhwang, | Das konnte ru>weis ſpringen -Und geſhwinde vorwärts dringen,
15 Bekehrig wenn mans rüd>wärts zog. Seinen Anker auf dem Helme hoch | Man zum Thore führen ſah.
Weib und Mann geſtand ihm da, y Kein {önrer ſei in allen Reichen: y 20 Jhm ſollten ihre Götter gleichen.
Man trug ihm manchen ſtarken Sper; | Wie der Held gerüſtet wär? ! Von Eiſen trug ſein Roſs ein Dach, : Das gab vor Schlägen ihm Gemach. “26 Eine andre Dede überzog Es leiht, weil ſie nur wenig wog; Die war ganz von grünem Samt. 7 Korſeit und Wappenro> geſant War auh ein grüner Achmardi; In Arabien wirkt man die. 37 Lug will mir niht geziemen; | Seine Schildriemen Waren unverblichne Borten Mit Geſtein aller Orten 5 Beſegt, das war theuer. Geläutert in Feuer War ſein Schild von rothem Gold. Sein Dienſt erwarb der Minne Sold, Weil ſcharfer Streit nur Spiel ihm ſchien. 10 Am Fenſter lag die Königin; Der Frauen ſaßen da no< mehr. Nun ſcht, da hielt au< Heuteger, Der hier oft den Preis genommen. Als der den Herrn ſah kommen 15 Galoppierend auf ſih an, Gedacht er: „Wie oder wann Kam der Franzoſ in dieſes Land? Wer hat den Stolzen hergeſandt ? Sthiene der mir ein Mohr, 20 So wär mein beſter Sinn cin Thor.“ Die das Springen doch nicht ließen, Mit Sporen ſie die Roſſe ſtießen Aus dem Galopp in die Rabbin. Voll Ritterkraft Jedweder ſchien, 25 Als ſie der Tjoſt ſich niht entzogen. Die Splitter in die Lüſte flogen : Vom Sper des ſtolzen Heuteger; Auch fällt! ihn ſeines Gegners Wehr Auf das Eras hinters Roſs, Was ihn als ungewohnt verdroß. 38 Er ritt auf ihn und trat ihn nieder; Zwar erholt’ er oft ſi< wieder Und zeigte ſich zu wehren Luſt; E Doch ſte>t' im Arm, ihm unbewuſt, 5 Schon ihm Gachmuretens Lanze:
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Der erheiſchte da Fianze. Seinen Meiſter hatt er funden. E „Wer hat mi überwunden ?“ Alſo ſprach der kühne Mann. e 10 Alsbald hub der Sieger an: | „Ih bin Gahmuret Anſchewein.“ ' Er ſpra<: „Meine Skcherheit ſei dein.“ ¡ Er nahm fie an und ſandt ihn ein. | Da muſt er hohgeprieſen ſein | 15 Von den Fraun, die es geſehen haben. : Von dort begann heranzutraben | Der Normanne Gaſchier , | Der ſtarke Degen ſtolz und zier, ' : Der verſuchte Lanzenbrecher. | 20 Gahmuret der Unbillsrächer | Hielt ſhon zur zweiten Tjoft bereit. | Seinem Spere war das Eiſen breit, y Der Schaft ſtark und feſte. « Da wägten dieſe Gäſte 25 Ungleih Gewicht einander zu. Darnieder lag" Gaſchier im Nu, Mit dem Pferde gefallen Und den Gewaffen allen. Gezwungen gab er Sicherheit Ob es ihm lieb war oder leid. ZY Gahmuret der Weigand Spra: „Mir fichert eure Hand; Doh that ſie mannlihe Wehr. Nun reitet zu der Schotten Heer 5 Und bittet, daß ſie uns mit Streit Verſchonen: ſind fie des bereit , | So kommt mir nach in die Stadt.“ i Was er gebot oder bat, | Das war allzumal vollbracht: 10 Bom Streite ließ der Schotten Macht. | Da kam geritten Kailet. | Vor dem entwih Gachmuret, | Denn er war ſeiner Muhme Sohn: | Er ſpari’ ihm gerne Spoit und Hohn. 15 Der Spanier rief ihm nac genug. Einen Strauß er auf dem Helme trug; Gefkleidet war derſelbe Mann, Soviel ih eu< berichten kann, In Pfellelſeide weit und lang. Simro >, Parzival und Titurel.
20 Das Gefilde von dem Helden klang: | Seine Stellen gaben Töne. j Dieſe Blum an Mannesſchöne! | Er behielt den Preis der Schönheit, | Nur nicht vor zwein nah ſeiner Zeit: 26 Beaukorps , Lotens Kind, , Und Parzival, die hier niht find: Sie waren jezt no< ungeboren I Und wurden dann für ſ{hön erkoren. Gaſchier ihn mit dem Zaume nahm: | „Eure Wildheit wird wohl zahm, A0 Das ſag ih bei der Treue mein, Beſteht ihr dort den Anſchewein, Der meine Sicherheit ſchon hat: Merket , Herr, meinen Rath 56 Und thut, wie ih gebeten. : Jh verhieß Gachmureten , j Jhn Kampfs mit eu zu überheben; Drauf hab i< ihm die Hand gegeben. | Nun laßt ven Ehrgeiz mir zu Lieb: | 10 Er zeigt eu< Kraft in Stich und Hieb.“ Da ſprach der König Kailet: | „Iſt das mein Vetter Gahhmuret, | Fils dü Roi Gandein? Mit Dem laß ih mein Streiten ſein. | 15 Laßt mir den Zaum.“ „Es ſoll geſchehn, | Hat mein Aug erſt erſehn | Euer unbede>tes Haupt; e | Meins hat er hier Gehörs beraubt.“ Den Helm er glei fi< niederband; 20 Gatmuret do Streit noh fand. | Es war ſchier halber Morgen. | Den Städtern \ſ<hwanden Sorgen, Da ſie dieſen Kampf geſehn. y Ruhig konnten fie nun gehn | 26 Hinter ihrer Mauer Zinnen. Er war ein Nez für fie da innen: Was drunter kam, das war beſhlagen. Ein ander Roſs, hört ih ſagen, Veſtieg alsbald der werthe Held: | Das flog und rührte das Feld A1 Kunſtre<ht nah jeder Seite, Kühn, wo es galt im Streite, | Geſchi>t und beſonnen. | Was er darauf begonnen? 2
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5 Das ren i< ihm für Großthat an. Hin ritt er, wo ihn Mohren ſahn. Die lagen dort mit ihrem Heer Gegen Weſten bei dem Meer.
Ein Fürſt war Raßalig genannt ,
10 Der jeden Tag fi unterſtand Von Aßagog der reichſte Held (Sein Geſchleht das nicht in Frage ſtellt: Das war von königlicher Art),
Er hob fi< immer auf die Fahrt 16 Und tioſtierte vor der Stadt. Jeyt mate ſeine Kräfte matt Unſer Held von Anſchau. Das beklagte eine ſhwarze Frau (Die hatt ihn dahin geſandt), |
20 Daß ihn da Jemand überwand. | Ein Knapp bot ungebeten Seinem Herren, Gahmureten,
Einen Sper mit einem Schaft von Rohr : Damit ſta< er den Mohr
25 Hinters Roſs auf den Grieß, | Wo er ihn nur liegen ließ i Bis ihm geſichert war der Frieden.
Hiemit war der Krieg entſchieden, Und ihm erworben großer Preis. ] Acht Fahnen ſah der Degen weiſ | 42 Feindlich fliegen nah der Stadt, Die er zurü> zu ſenden bat Den kühnen ſiegloſen Mann. Er gebot ihm alsdann ; 5 Jhm zu folgen, ritt’ er ein; Das that er, denn es muſte ſein. Gaſchier au< ſäumte niht zu kommen. Als von Dem der Wirth vernommen, Sein Gaſt ſei weiter noh hinaus —
10 Daß er niht Eiſen wie ein Strauß Verſchlang und Kieſelſteine, | Das maht’, er fand da keine.
Sein Zorn erhob Gebrülle Wie der Löw aus Zornesfülle.
156 Er riß ſi< aus die Haare:
„Nun hab ih meine Jahre E Zu eitel Thorheit verwandt.
Die Götter hatten mir geſandt
Einen kühnen werthen Gaſt:
| 20 UVeberlädt ſi der mit Streites Laſt , y So werd i< Werthen nie mehr werth. | Was taugt mir Schild nun und Schwert? Ein Schimpf iſts, mahnt man mi daran.“' Von den Seinen ſtob er da hindann 26 Zum Thor mit Spornſchlägen. Ihm kam ein Knapp entgegen, | Der trug einen gemalten Schild, Ein durhſto<hner Mann im Wappenbild; | Gewirkt in Eiſenhartens Land. Einen Helm auh trug er in der Hand. 43 Und ein Schwert, das Raßalig, Der kühne, bracht in dieſen Krieg; Nun muſt er von ihm ſcheiden, Dieſer kühne Fürſt der Heiden, 5 Der fih weites Lob erworben. | Jſſt er ungetauft geſtorben | So erbarme ſein \ſi< bald, Der aller Wunder hat Gewalt. Da der Burggraf das erſah; 10 Nie freut’ er fi< wohl mehr als da. Als er die Wappen hatt erkannt, Kam er vor das Thor gerannt: Seinen Gaſt ſah er da halten, Den jungen, noh niht alten, 15 Als harrt’ er einer weitern Tjoſt. Da nahm in Lachfiliroſt, Sein Wirth, und griff ihm nah dem Zügel; | Er fſta< heut keinen mehr vom Bügel. | Lachfiliroſt Shachtelakunt | 20 Spra: „Lieber Herr, maht wir kund, | Ward beſiegt von eurer Hand | Raßalig ? So iſ| dieß Land ' Vor Kampf gefihert immerdar: Ihm folgt der Mohren ganze Schar 256 Jm Lehn des treuen Eiſenhart, Davon ſo viel uns Schade ward: Zu End i} unſre Noth und Pein. Ein zornger Gott gab ihnen ein | Uns heimzuſuchen mit dem Heer: Darniéeder liegt nun ihre Wehr.“ 44 Er führi' ihn wider Willen mit. | Die Köngin ihm entgegen ritt: Seinen Zaum ergriff fie mit der Hand
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Und entſtri>t’ ihm des Vifieres Band. 5 Der Wirth muſt ihn ihr laßen; Seine Knappen niht vergaßen, : Sie ritten ihrem Herren nah. Da führte dur< die Stadt gemah ZJhren Gaft die weiſe Königin, 10 Dem erſtritten war des Siegs Gewinn. Ab ſaß fie, da fie dauchte Zeit : „Weh, wie getreu ihr Knappen ſeid! Jhr ſorgt wohl , ihr verlört den Mann: Ihm wird ſhon ohn euh Dienſt gethan. 15 Nehmt ſein Roſs und führt es hin: Sein Geſelle I< hier bin.“ Viel Fraun er auf dem Saale fand; Entwappnet mit ſhwarzer Hand Ward er von der Königin. 20 Von dem beſten Zobel ſchien Die Dede, und das Bette weich: Da erwies ſie ihm ſogleih< Eine heimliche Ehre. Zeugen waren da niht mehre. 25 Die Jungfraun gingen vor die Thür Und ſchoben Riegel dafür. Da nahm des Landes Königin Süßer Minne Hochgewinn, Und Gahmuret ihr Herzenstraut ; Sie waren ungleih doh von Haut. A5 Den Göttern opferten zumal Die von der Stadt. Was befahl Der Held dem kühnen Raßalig, Eh er ſchied aus dem Krieg? 5 Das leiſtet’ er in Treue; Doh wuchs ſein Leid aufs Neue Um ſeinen Herren Eiſenhart. Als des der Burggraf inne ward, Kam er herbei. Da hob fi< Schall: 10 Die Fürſten nahten allzumal Aus der Köngin Land von Zaßamank, Und ſagten ihm des Preiſes Dank, Den er erworben hatt im Feld. Vierundzwanzig gefällt 15 Hatt er hier vom Sattelbogen, Der Meiſten Rofſe fortgezogen ; Gefangner Fürſten waren drei: | Viel Ritter ritten au< herbei
| Mit ihnen vor den Königs8ſaal. I | 20 Geruhet und geſpeiſt zumal | Und wonniglih herausftaffiert , | Mit Kleidern herlih geziert, | War des höchſten Wirthes Leib. | Einſt hieß fie Magd, nun war ſie Weib, 26 Die ihn nun vorführt’ an der Hand . | Und ſprah: „Mein Leben und mein Land Sind dieſem Ritter unterthan, Gönnt Feindeshaß ihm Theil daran.“ | Nun folgten Alle Gahmureten ; | Sie thaten gern was er gebeten. | 46 „Herr Raßalig, ‘nun kommt heran, Meines Weibes Kuſs ſollt ihr empfahn. | Thut Jhr ein Gleiches, Herr Gaſchier.“ | Auch Heutegern den Schotten zier | 6 Bat er fie küfſen an den Mund; | Der war von ſeiner Tjoft noh wund. y Sich zu ſetzen, bat er Jeden; ¡ Er ſtand zu finnigen Reden. nI< ſh auh gern den Neffen mein, 10 Könnt es mit deſſen Hulden ſein, , Der ihn hier gefangen hat. Die Sippe giebt mir keinen Rath - Al3 ſchnell ihn frei zu machen.“ Belakanen ſah man lachen: | 156 Sie befahl ihn herzubringen. | Dort eilte vorzudringen | Der minniglihe beau Comte, Von Ritterſchaft niht unverſchont ; y Er hatt im Streite viel gethan. 20 Gaſchier der Normann Bracht ihn: gar höfiſh that er; y Ein Franzoſe war ſein Vater, Er ſelbſt Kailetens Schweſterſohn ; Seine Fahrt geſhah um Minnelohn. 26 Er hieß Killirjakag; Schön war er wie ein Mann nur mag. Kaum hatt ihn Gahmuret erkannt (In ihrem Aniliz Sippe ſtand, Sie ſahen ſehr einander glei), Er bat die Königin ſogleich, 47 Daß ſie ihn küſſe und umarme;
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„Nun komm auch her in meine Arme.“ | Da küſste ſelber ihn der Wirth. Das Wiederſehn ſie freuen wird. / 5 Gahmuret hub wieder an: i «Weh, du junger ſüßer Mann, Was ſollte hier dein ſhwacer Leib? Sag an, gebot dir das ein Weib?“ aHerr, die gebieten wenig mir. 10 Mich hat mein Veiter Gaſchier Hergebracht , er weiß wohl wie. I< halt ihm tauſend Ritter hie, Denn ih ſteh ihm gerne dienſtlich bei. Gen Rouen in der Normandei 15 Kam i zur Verſammlung. Jh brachte manchen Helden jung j Aus der Champagne mit mir hin. e Nun hat der Schade Kunſt und Sinn Verwandt, ihn zu beſchweren ; 20 Jhr wollt eu ſelbſt denn ehren: Um meinetwillen gebt ihn frei, Daß ſeine Pein geſänftet ſei.“ „Den Rath behalte nur bei dir. Geh du hin und Herr Gaſchier | 26 Und bringet mir Kaileten her.“ . | Sie erfüllten gerne ſein Begehr | Und brachten ihn wie er gebeten. y Da ward au< Er von Gahmureten Minniglih empfangen Und zu öfterm Mal umfangen A8 Von der reichen Königin; Sie küſst' ihn au< mit holdem Sinn. “ Mit Ehren durfte ſie das ſhon: Er war ihrès Mannes Muhmenſohn 6 Und von Geſchleht ein König hehr. - Lachend ſpra< der Wirth noh mehr: „Gott weiß, Herr Kailet , Nähm i eu< nun ab Toled Und euer Land zu Spanien 10 Für den. König von Gaskanien, Der oft eu< drängt mit Zornbegier, Untxeue wäre das von mir, Denn Jhr ſeid meiner Muhme Kind. Die beſten Helden mit eu ſind, = 15 In Ritterſchaft erfahren: | Wer zwang euch hex zu fahren ?“ |
Da ſprach der ſtolze Degen jung: „Mir entbot mein Vetter Schiltung, Weil Friedbrand ſeine Tochter hat,
20 J<h ſollt ihm dienen, wär ſein Rath. Seines Weibes wegen hat der hier Nur alleine von mir Sechstauſend Ritter auserkannt ; Wehrlich iſt der Degen Hand.
| 25 Noth bracht ih ihm der Ritter mehr; i Ein Theil fuhr wieder über Meer. Hier ſtritten für die Schotten Viel wehrlicher Rotten. Ihm kamen von Grünlanden Helden, die im Streite ſtanden, 49 Zwei Könige mit großer Kraft : | Eine Flut der Ritterſchaft | Brachten ſie auf manchem Kiel ; y Ihre Rotte mir gar wohl gefiel. 56 Hier war au< Morhold für ihn; Deſſen Kampf hat Kunſt und Sinn. „Dieſe ſind nun heimgekehrt. Wie jezt die Königin begehrt , So thu ih mit den Meinen.
10 Jhrem Dienſt will i< mi< einen; Des Dienſtes dankieſt Du mir nicht, Denn ſchon aus Sippe wär er Pflicht. Die verwognen Helden find nun deine:
| Wären ſie getauft wie meine
15 Und ihnen an der Haut auch glei, Kein gekrönter König wär ſo reich, :
¡ Dem ſie niht drohten Streits genug. i Mich wundert was dich her verſhlug Und wie's geſchah: das ſage mir.“
20 „Ich kam geſtern, heute bin ih hier Herr geworden übers Land.
Mich fing die Köngin bei der Hand; Da wehrt! i< mi< mit Minne:
| So riethen mir die Sinne.“
| E
25 „Wohl hat dir deine ſüße Wehr
! Bezwungen hier und dort das Heer.“ „Du meinſt wohl, weil ih dir entrann?
| Du riefſt mich ja ſo heftig an: Was wollteſt du von mir erzwingen ? Laß mich alſo mit dir dingen.“
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50 „Ich erkannte niht den Anker dein: Meiner Muhme Mann Gandein Führt’ ihn niemals mit fi< au3. „Doch Jh erkannte deinen Strauß, 5 Im Schild ein Sarapandrateft ; i y Dein Strauß ſtand hoh und ohne Neſt. | | „Ich ſah gar wohl an Mann und Roſs, Daß dich die Sicherheit verdroß, Die zwei Helden mir gelobt : 10 Die hatten erſt fi< wohl erprobt.“ „Wie ihnen wär auh mir geſchehn. Dem Teufel ſelbſt müſt ih geſtehn, Werd ih auch ſeiner nimmer froh: Hätt er den Preis erworben ſo 15 Wie du an freveln Helden, traun, Für Zu>er äßen ihn die Fraun.“ | „Dein Mund des Lobs zuviel mir ſpricht.“ „Nicht doh, ſ{hmeicheln kann ih nicht; ! Rimm anders meiner Hülfe wahr.“ ' 20 Sie riefen Raßaligen dar. | Mit Züchten ſprah da Kailet : „Euch hat mein Vetter Gachmuret | Mit ſeiner Hand gefangen.“ | „Ja Hetr, ſo iſs ergangen. | 26 Jc hah ihn wohl dafür erkannt, Daß nun Aßagog das Land Treu in ſeinem Dienſt verharrt , Da unſer König Eiſenhart Dort nicht ſollte Krone tragen. : Er ward in Jhrem Dienſt erſchlagen , 51 Die fih euerm Vetter hat ergeben: Ihre Minne koſtet! ihm das Leben; Die Rache hat mein Kuſs verſhworen. Ich habe Herrn und Freund verloren. 5 Will nun eurer Muhme Kind Thun was Ritterpflichten find, Daß er uns will entſhädgen ſein, So falt ih ihm die Hände mein. © So hat er Reichtum und Preis 10 Und Was fi< nur von Tankaneis | Auf Eiſenhart vererbet hat, ' Der gebalſamt ſteht an jener Statt. Seine Wunden ſah ih jeden Tag, j Seit dieſer Sper ſein Herz zerbrach." |
| 15 Den zog er aus dem Buſen ſein | Hervor an ſeidner Schnur ſo fein, | Und wieder ſahen ihn die Degen | Ihn an bloße Bruſt ſich legen. „Es iſt jezt frühe noh am Tag: 20 Will mein Herr Killirjakag | Im Heere meine Botſchaft melden, So folgen ihm hieher die Helden.“ | Ein Ringlein ſ{hi>t' er ſeinen Scharen, Die nah der Hölle farbig waren: 26 Die Fürſten kamen allzumal | Durch die Stadt in den Saal. | Da lieh mit Fahnen ſeine Hand : Den Fürſten Aßagog das Land. Jeglichen freute wohl ſein Stüd>; i Der beſte Theil blieb do< zurü> 52 Jhrem Herren, Gahmureten. Die Erſten waren abgetreten : Nun kamen die von Zaßamank Mit Gepränge zum Empfang: 5 Sie erhielten nah der Frau Beſchluß Von ihm ihr Land und des Henuß, Ein Jeglicher ſein Gebiet. Die Armut ihren Herren mied. | Nun hatte Prothißilas , 10 Der auch einſ Fürſtenrang beſaß, e | Hinterlaßen ein Herzogtum: ' Das lieh er Dem, der hohen Ruhm | Oft mit ſeiner Hand erjagt | (Nie war er vor dem Streit verzagt): 15 Lachfiliroſt Schachtelakunt | Nahm es mit Fahnen gleih zur Stund. Von Aßagog die Fürſten hehr Nahmen den Schotten Heuteger Und Gaſchiern den Normann 20 Und traten vor den Herrn heran: | Der gab ſie frei wie ſie gebeten; Das dankten alle Gahmureten. . Heutegern, den Schotten, Baten fie ſonder Spotten: 25 „Laßt unſerm Herrn das Prachtgezelt Seiner Kühnheit zum Vergelt. j Es raubt uns Eiſenhartens Leben, Daß unjres Landes Zier gegeben, Sein Harniſch, wurde Friedebrand.
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Seine Freude ſtand zu Pfand;
53 Er ſelber leider liegt hier todt ; | Unvergoltner Dienſt huf ihm die Noth.“ Die Welt niht beßre Wehr beſaß:
Der Helm war von Adamas, 6 Dicht und großer Härte, Der beſte Streitgefährte. Da gelobte Heuteger , Wenn er daheim in Schottland wär, ] Wollt ers erbitten von dem Herrn
10 Und wiederſenden dann von fern.
5 Das verhieß er frei und ohne Zwang. Zum König Urlaub bittend drang | Nun der edeln Fürſten Zahl : |
. - Alſo räumten fie den Saal. |
15 Wie verwüſtet war ſein Land,
Doch konnte Gahmuretens Hand Schwenken ſolher Gabe Sold Als trügen alle Bäume Gold. Große Gabe ward vertheilt.
20 Freund! und Mannen unverweilt | Nahmen hin des Helden Gut;
Da war der Köngin wohl zu Muth. : Zu Stande kam die Hochzeit Nun nah manchem harten Streit. "25 Doch ward er ſo geſchlichtet , Jh hab es nicht erdichtet : | Man ſagte mir, daß Eiſenhart | Königlich beftattet ward Von Freund und Mannen insgemein. Der Zins, den ſein Land ihm ein 54 Trug in einem Jahre, Ward erlegt bei ſeiner Bahre; Das thaten fie aus freiem Muth. Gachmuret das große Gut 56 Seine Holden ließ behalten; Sie mochten drüber ſchalten. Am Morgen vor der Veſte Schieden aus dem Land die Gäſte. : Sich trennten Die da waren, 10 Und führten viel der Bahren. Der Herbergen ſtand das Feld Entblößt bis auf des Königs Zelt; Das hieß er au< zu Schiffe tragen.
Seinem Volke ließ er ſagen, 15 Er brä<ht es nur gen Aßagog: Mit der Red er fie betrog.
Dieſen kühnen ſtolzen Mann Fiel nun bald das Heimweh an. Seine Freude war der Sorgen Pfand,
20 Als er niht mehr zu kämpfen fand. Jedoch war ihm das ſhwarze Weib Lieber als ſein eigner Leib.
Nie war ein Weib ſo rein wie ſie: Vergeßen mo<ht ihr Herz es nie:
26 Keuſchheit und zarte Weiblichkeit War ihr das wertheſte Geleit.
Aus Sevilla der Stadt War geboren, den er bat Daß er mit ihm enteile.
Er hatt ihn manche Meile
55 Gefahren ſhon, ihn auh zuvor Hieher gebracht; er war kein Mohr. Der Steurer ſprach, der weiſe: aHehlt es vor ihnen leiſe,
6 Die ſo ſ<hwarze Haut hier tragen. Meine Schiffe können jagen: Nimmer holen fie uns ein,
Wir wollen bald von dannen ſein.“ Er ließ ſein Gold zu Schiffe tragen. 10 Nun muß ih eu< von Scheiden ſagen.
Bei Naht fuhr ab der werthe Mann; Das ward verſtohlen gethan. Als er entrann vom Weibe, Trug ſie ſhon im Mutterleibe 16 Ein zwblf Wochen altes Kind. Ihn entführte raſh der Wind.
Die Frau in ihrem Beutel fand Einen Brief von ihres Mannes Hand. Auf Franzöſiſch, das ſie konnte,
| 20 Zu ſagen ihr die Schrift begonnte:
j (Hier entbeut ein Lieb dem andern Lieb: Wohl bin ih dieſer Fahrt ein Dieb; -
| Jh muß ſie Jammer fürhtend ſtehlen. Jc kann dir, Frau, nit verhehlen,
26 Wär dein Glaube glei< dem meinen, Immer müſt' ih um dih weinen;
Und hab ſhon immer nach dir Pein.
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Wird unſer beider Kindelein
- Von Anbli> einem Manne glei, Fürwahr, ſo wird er tugendrei<h.
DG Er iſt von Anſchau geboren;
Mim ift ihm zur Frau erkoren. Er wird ein Blig in Streit und Fahr, Dem Feind ein übler Nachbar. 5 Wißen ſoll der Sohn mein, ' “ Sein Ahnherr war genannt Gandein 5 Und fand im Ritterſtreit den Tod. Des Vater litt die gleiche Noth; Er war geheißen Addanz; 10 Sein Schild verblieb gar ſelten ganz. Addanz war ein Breton; Er und Utepandragon Waren zweier Brüder Kind, : Die beide hier geſchrieben ſind: 5 15 Der Eine war Laßaließ; Brifkus der Andre hieß, Und beider Vater Maßadan. Ihn führt? eine Fee gen Feemorgan, Die Terre de la joie hieß,
20 Und ganz ihr Herz ihm überließ. e Mein Geſchle<t entſprang von dieſen zwein, Und immer giebt es lihten Schein. Jeglicher noh die Krone trug | Und hatte Würdigkeit genug.
25 Herrin, läßt du taufen dich, | Wohl noch erwerben magſt du mich.“
Seinem Glauben trug ſie keinen Haß: (O wie bald geſchähe das! Käm er glei zurüd>geeilt , e Ich vollbrächi' es unverweilt. . 57 Wem hat hier ſeine edle Zucht Gelaßen ſeiner Minne Frucht? Weh liebliche Genoßenſchaft ! Soll mir nun der Trauer Kraft 5 Immer zwingen Seel und Leib? Seinem Gott zu Ehren,“ ſprah das Weib, «Ih gern mi taufen wollte Und leben wie ih ſollte.“ Ihr gab dieß Leid manch harten Streich;
10 Jhre Treue fand den dürren Zweig,
Wie noch die Turteltaube thut; Die hatte ſtäts den gleichen Muth:
| Trug ſie um Minne Kummers Laſt, | Jhre Treue kor den dürren Af. | 15 Die Frau zu rechter Zeit gebar | Einen Sohn, der zweier Farben war. | Ein Wunder legte Gott an ihn: Weiß und ſhwarzer Farb er ſchien. | Die Köngin küſst! ihn tauſend Male 20 Als8bald auf ſeine blanken Male. Die Mutter hieß ihr Kindelein Feirefiſs Anſchewein. | Der ward ein Waldſchwende, ' Da die Tjoſte ſeiner Hände 25 Manes Speres Schaft zerbrachen , j Der Schilde viel dur(ſtachen. Wie die Elſter ganz und gar | Trug ihm Farbe Haut und Haar. Nun war es über Jahres Ziel, Seit Gahmureten man ſo viel "58 Geprieſen dort in Zaßamank, | Wo ſeine Hand den Sieg errang. Noh immer ſ{hwebt* er auf der See: Ihm thaten ſchnelle Winde weh. 5 Ein ſeiden Segel ſah er fern: Das trug ein Schiff, und auch die Herrn, Die als Boten Friedebrand Frau Belakanen zugeſandt. Er bat ſie, daß ſie ihm verzeihe, 10 Wie auch ſein Freund erſchlagen -ſeie, Daß ſein Heer je ihre Stadt umſaß. Da braten ſie den Adamas, Halsberg, Schwert und Hoſenpaar. Ein großes Wunder wars fürwahr , | 15 Daß ihm das Schiff entgegenfuhr Wie mir die Aventüre ſ{hwur. Sie gabens3.- ihm: er gab ſein Wort, Daß er ihre Botſchaft dort | Vermelde, käm er heim zu ihr. | 20 Sie ſchieden fi; man ſagte mir, 5 Daß ihm das Meer den Hafen gab; In Sevilla ſtieg er ab. Mit Gold der Degen wohlgethan Lohnte ſeinem Steuermann 25 Reichlich ſeine Arbeit. Sie ſchieden ſih; das war dem leid.
Herzeleide
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Dort zu Spanien in dem Land War ihm der König wohlbekannt; Das war ſein Vetter Kailet; Zu dieſem eilt’ er gen Toled. 59 Der war nah Ritterſchaft gefahren , Wo es galt den Schild nicht ſparen. Da läßt auch er bereiten ſih (So lehrt die Aventüre mi) | 6 Mit Speren, die von Buntheit ſtralen | Und mit grünen Zindalen: Denn jeder hatte ſein Panier, | Härmeline Anker drauf ſo zier! Daß man ſie köſtli<h pries und reich; 10 Sie waren lang und breit zugleich, © Und reichten nieder auf die Hand, Wenn man ſie zur Spitze band Oder tiefer eine Spanne. Deren ward dem kühnen Manne 15 Einhundert da zure<t gemacht Und durch die Lande nahgebracht Von ſeines ‘Vetters Hausgetreuen. Ehren und mit Dienſt erfreuen
| Konnten ſie ihn nah Würdigkeit;
| 20 Das war auch ihrem Herrn niht leid.
| Ex ſirih ihm nah wer weiß wie lang, Bis er Herberg ſi errang Jn dem Lande Waleis.
| Geſhlagen war vor Kanvoleis
25 Manqher Pavillon auf einen Plan.
Ich ſag es nicht nach eitelm Wahn; Gebietet ihr, ſo ift es wahr. Halten ließ da ſeine Schar Der Herr, und ſandte vor ihm ein
| Den klugen Meiſterknappen ſein:
| 60 Er ſollte, wie ſein Herr ihn bat, Herberge nehmen in der Stadt. Der eilte ſich, er war kein Träumer; Man zog ihm hinterdrein die Säumer.
6 Rein Haus mot er gewahren, Des Dach niht Schilde waren; Auch die Wände ſah er all behangen Und mit Speren rings umfangen. Die Königin von Waleis
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10 Hatt angeſagt zu Kanvoleis | Ein Turnier von ſolcher Strenge, Manchem Zagen wird es enge Ums Herz, wo er dergleichen ſieht;
Auf ſein Gebot es niht geſchieht.
- 15 Eine Jungfrau war ſie, niht ein Weib, Zwei Länder und den eignen Leib y Bot fie Dem, der Sieger wäre.
Manqen fällte dieſe Märe y Hinters Roſs auf den Sand. | 20 Wer ein ſol< Gefälle fand, Viel Glü> ward dem niht nachgeſagt. | Des pflagen Helden unverzagt, Sie zeigten Muth zur Ritterſchaft : | Mit hurtiglicher Schenkel Kraft
256 Ward da manches Roſs erſprengt, | Und der Schwerter viel erklängt.
Ueber einen Fluß geſ<hlagen | Eine Brüdce ſah man ragen, | , Mit einem Thor beſcloßen , | Das ein Knappe unverdroßen | : 61 Aufthat, wenn man ihm befahl. | Darüber ſtand der Königsſaal. | Aueh ſaß des Landes Königin | In den Fenſtern darin | 5 Mit Maägdelein und Frauen, | Die ſah man ſpähn und ſchauen Was die Knappen drüben thaten. | Sie hatten fi berathen Und ſchlugen ein Gezelt hier auf. |
10 Zu ungewährter Minne Kauf
* Ward des einſt ein König ledig, ¡ Dem Belakane war ungnädig.
Mit Mühen ward aufgeſchlagen , Das dreißig Säumer muſten tragen,
15 Ein Zelt von höchſter Koſtbarkeit. | Auch war der Plan wohl ſo breit , | Daß ſi die Schnüre ſtre>ten dran. Gachmuret der werthe Mann Nahm im Freien erſt den Jmbiß,
20 Darauf mit Fleiß er fi befliß, ] Wie er höfiſh käm geritten.
Verzug ward niht gelitten; | Die Knappen hatten ihm zumal Gebunden ſeiner Spere Zahl, |
| 26 Jedweder fünf mit Einem Band; | Den ſehſten führt! er in der Hand | Mit dem Anker im Paniere: | So zog heran der Ziere. | Vor der Köngin ward vernommen, y Daß ein Fremdling kommen | 62 Sollt aus einem fernen Land, Der hier Niemand wär bekannt. | „Höfiſh iſt ſein Volk, aus beiden | Gemiſcht, Franzoſen und Heiden Y 6 Manqher mag ein Anſchewein | Wohl nah ſeiner Sprache ſein. Ihr Muth ift ſtolz, ihr Gewand iſt klar, ! Wohl geſchnitten au< fürwahr. Seiner Knappen ſprach ih einen; 10 Die werden ni<t um Mangel weinen. Sie ſagen, wer um Habe flehe, Wenn er zu ihrem Herren gehe, So ſcheid er ihn von Kummers Schwere. Bei ihnen fragt! i< nah der Märe: 15 Da ſagten ſie mir ſonder Wank, Der König wärs von Zaßamank.“ Die Kunde bracht ihr ein Garzon. „Avoi! wel< ein Pavillon! Eure Krone ſtünd und euer Land 20 Wohl niht halb dafür zu Pfand.“ „So ſehr zu loben brau<|t du's nict. Mein Mund dir das nicht widerſpricht , Es gehört wohl einem reihen Mann, | Der wenig Armut je gewann.“ 26 Alſo ſprah die Köngin hehr. aWeh, was kommt er ſelbſt niht her ?“ | Das zu erfragen bat ſie ihn. Durch die Stadt höfiſh ziehn | Sah man nun dieſen Ke>en | Und die Schlafenden wed>en. - | 63 Viel Schilde fand er hangen. Poſaunen ſhmetternd klangen | Voraus auf ſeinen Wegen; Mit Wurf, mit mähtgen Schlägen | 5 Zwei Trommeln gaben lauten Shall: Ueber all die Stadt erſholl der Hall. Es war jedo der Ton gemiſcht, Mit Flötenſtimmen ſüß erfriſcht.
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Es war ein Marſch, den fie blieſen. 10 Vergeßen wir niht über dieſen, - Wie ihr Herr gekommen ſei; | Dem ritten Fiedelſpieler bei. Da legte der Degen werth Ein Vein vor ſi< übers Pferd, 15- Zwei Stiefel an den bloßen Beinen. Den Mund ſah man ihm röthlih ſeinen : Wie ein glühender Rubin ; x Die Lippen di> und nicht zu dünn. Sein Leib war allenthalben klar, 20 Schön gelo>t das lichte Haar So weit es ſehen ließ der Hut; Köſtlich war auh der und gut. Grün ſamten war der Mantel ſein; Der Pelz davor gab ſhwarzen Sein 25 Auf einem Hemde fein und blank. Von Gaffern war da großer Drang. Die Frage viel vernommen ward, Wer der Ritter wäre ſonder Bart, | Der ſolchen Reichtum möge zeigen ? Sie brauttens Niemand zu verſchweigen: | 64 Man ſagt' es ihnen ohne Trug. | Nach der Brü>e nahm den Zug | Ander Volk und auch das ſeine. | Von dem lichten Sheine, | 5 Der ausging von der Königin, | Vis in das Bein durhzu>t' es ihn. Auf richtet fich der Degen werth | Wie ein Federſpiel , das gehrt. Die Herberge daucht ihn gut ; | 10 Alſo ſtand des Helden Muth. | Sie empfand au< wohl, die Wirthin, | Von Waleis die Königin. ; Der König Spaniens erfuhr, Es ſtünd auf der Löwenflur 15 Ein Gezelt, das Gachmureten Von Raßalig erbeten Einſt wurde vor Patelamunt : Das that ihm ein Ritter kund. Auf ſprang er hurtig wie der Wind; _ 20 Er war der Freuden Ingefind. Noh ſprach derſelbe Ritter da: „Eurer Muhme Sohn ih ſah
Kommen in alier Ziere: Es ſind hundert Paniere 25 Bei einem Sild ins grüne Feld Geſtoßen vor ſein Prachtgezelt; y Die Fähnlein alle grüne. y Endlich hat der Kühne | Von Harm drei Anker licht und {hön | Auf jeglichem Zindal ftehn.“ | 65 „If er unterm Helme hie? | Avoi ! ſo ſoll man ſchauen, wie | Er die Scharen weiß zu mengen | Und im Sturm einher zu ſprengen! | 5 Der ſtolze König Hardeiß : Hat mit Zorn ſeinen Fleiß | Nun lang genug auf mi gewandt; | Den ſoll hier Gachmuretens Hand | Mit ſeinen Tjoſten neigen. | 10 Nun will mein Glü> ſich zeigen!“ Seine Voten ſandt er glei<h hindann, | Wo Gaſchier der Normann Mit großem Ingeſinde lag, Und der lichte Killirjakag:
15 Die waren da, von ihm erbeten. Zum Pavillone mit Kaileten Gingen die zwei Helden gut.
Da empfingen fie mit frohem Muth Den werthen König von Zaßamank.
20 Die Weile dauchte ſie zu lang Bis ſie ihn wiederſahen :
Das geſtanden fie beim Nahen. Da fragte ſie der Held um Märe, Wer zum Turnier zugegen wäre.
25 Da ſprach ſeiner Muhme Kind: „Aus fernem Land gekommen ſind Ritter, die die Minne jagt,
Viel kühner Helden unverzagt. (Hier hat manchen Breton i Roi Utepandragon. | 66 Dieſen ſtiht es wie ein Dorn, y Daß er ſein Weib hat verlorn, | Die Artuſen ihm gebar. | Ein Pfaffe, der ein Zaubrer war, 5 Hat die Frau ihm entwandt; Dem iſ Artus nacgerannt.
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: Es geht ins dritte Jahr nun {<on, | Daß er Weib vermiſst und Sohn. | Hier iſ auch ſeiner Tohter Mann, |
10 ‘Der Waffenſpiel wohl ſpielen kann, | Lot von Norwäge, | Zu falſher That dex träge, | Geſchwind jedo< zum Preiſe, | Der kühne Degen weiſe. |
15 Hier ift au< ſein Sohn Gawan, So ſhwa< noh, daß er nie gethan Ritterſchaft im Ehrenfeld. Er war bei mir, der kleine Held :
E Er ſagte, könnt er einen Schaft
20 Zerbrechen, fehlt? ihm nicht die Kraft, So thät? er gerne Rittersthat. Wie es früh ſein Muth begonnen hat! Auch der König hat von Patrigalt Von Speren einen ganzen Wald;
25 Doch heißt noh nichts ihr Weſen all
Gegen Die von Portugal. Die nennen wir die Frechen, Die dur<h Schilde wollen ftehen. Hier laßen Provenzalen Silde von Helle ſtralen. 67 Hier find endlich die Waleiſe, Die da reiten ihre Kreiſe Durch die Haufen nah Gelüſten, Mit ihres Landes Kraft ſih brüſten. 5 Noch Viel find hier um Weibesgruß , Deren Namen ih verſhweigen muß. Von denen i ſie kund gethan, Wir alle liegen ſonder Wahn Mit großem Aufwand in der Stadt, 10 Wie die Königin geboten hat. „Nun hör au< Wer im Felde liegt Und unſre Stärke leicht beſiegt. Der werthe König Askalons | Und der ſtolze König Arragons , |
15 Cidegaſt von Logrois
Und der König au< von Punturtois;
Der heißt Brandelidelein ;
Da iſ auch der kühne Lähelein; * | Da iſ Morhold von Jrland: |
20 Der raubt uns hier gar manches Pfand. Drüben liegen auf dem Plane |
| Auch die ftolzen Allemane: Der Herzog von Brabant Kam gefahren in dieß Land 26 Für den König Hardeiß. Seine Schweſter Aleiß - Gab ihm der König von Gaskon: Sein Dienſt empfing voraus den Lohn. „Die ſtehn mit Zorn entgegen mir; Jedoch vertrauen will ih dir. 68 Gedenke nun der, Sippe dein; Bei Lieb und Treue, warte mein.“ | Da ſpra< der Held von Zaßamank : | „Von Dir begehr ih keinen Dank, | 5 Was dir mein Dienſt zu Ehren thut: Wir haben billig Einen Muth. | Steht dein Strauß noh ſonder Neſt ? | Du ſollſt dein Sarapandrateſt Wider ſeinen halben Greifen tragen. | 10 Mein Anker wird in Grund geſchlagen Bei ſeines Antritts ſchnellſtem Hurt: | Er ſelber ſuche die Furt | Hinterm Roſs auf dem Grieße. | Wenn man uns zuſammen ließe, | 15 Jh fällt’ ihn, oder Er mi, y Bei meiner Treu verſihr ih dich.“ , Heim ritt da Kailet erfreut ; Bei ſeiner Freude war kein Leid. Jetzt erhob fi<h Kampfgeſchrei 20 Von erlau<hter Helden zwei : | Von Poitou Schiolarz Und Gurnemans de Graharz, Die tioſtierten auf dem Plan. Da hob das Vesperſpiel ſih an: 25 Hier ritten ſe<ſe, dorten drei; Da geſellten leicht ſi< Haufen bei. Sie begannen rete Ritter8that ; Es gab nun auh niht andern Rath. Noch war es um den mitten Tag; Der Held in ſeinem Zelte lag: 69 Da erfuhr der König von Zaßamank, Die Ritite wären weit und lang Auf dem Feld geworden Nach rechtem Rittersorden. 5 Da fuhr auh hin der Kühne
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Mit manchem Banner grüne. j Noch ſollte niht3 von ihm geſchehn:
Er wollte nur in Muße ſehn
Wie es ſtünd auf beiden Seiten.
10 Seinen Teppich ließ er ſpreiten Wo die Haufen ſi< verwirrten,
Und geſtohne Roſſe kirrten. Von Knappen war umher ein Ring, Dazu von Slhwertern Klinge Kling.
15 Wie nach Preis die Helden rangen, | Deren Klingen alſo klangen! Die Spere krachten auh wohl ſo, Man brauchte niht zu fragen wo? Geſchwader waren ſtatt der Wände;
20 Da wirkten Wunder Rittershände.
Dieſes Kampfſpiel war ſo nah,
Von dem Saal hernieder ſah Manche Frau der Helden Streit. Doch wars der Königin leid,
25 Daß von Zaßamank der König hehr | Sich niht drängte mit der Andern Heer. | „Weh, wohin iſ er gekommen, | Von Dem i< Wunder viel vernommen?“ |
Nun war auh Roi de Franze todt, y Des Weib ihn oft in große Noth
70 Gebra<t mit minniglihem Sinn. | Die erlauchte Königin Hatte Boten aus8geſandt ,
Ob er niht wieder wär ins Land |
5 Gekommen aus der Heidenſchaft : | Sie zwang dazu der Liebe Kraft. |
Da ward im Streite viel gethan y Von manchem kühnen armen Mann; | Doch jagten Die dem Ziel niht nah,
10 Das die Königin verſprach : |
Jhre Hand und beide Länder; Sie begehrten andrer Pfänder. | Nun war au< Gachmuretens Leib In jener RüſtunF, die ſein Weib 15 Einſt der Sühne hatt ermahnt, Der ſie der Schotte Friedebrand Zur Gabe ſchi>te für den Schaden, Womit ſein Streit fie überladen. Die Erde Beßres nicht beſaß.
¡| 20 Da ſchaut’ er nun den Adamas, / | Den Helm. Darüber man ihm band | Einen Anker, der beſtand | Aus verbundnen Edelſteinen, Großen, nict zu fleinen; | 25 Das war doch eine ſchwere Laſt: , | So gehelmziert war der Gaſt. | Wie der Schild geſ<hmüdt ihm war? | Aus arabſchem Golde klar, | Eine theure Budel drauf geſchlagen, Schwer von Gewicht, die “muſt er tragen. | 71 Sie gab von Röthe ſolchen Glanz, ; Drin ſpiegeln mochte man ſi ganz. - E Ein Anker ftand von Zobel drauf. y Ich lüde gern mir ſelber auf 6 Womit der Held ſi hat beſhwert, Denn manche Mark war es werth. Sein Wappenro> war räumig weit, Ich wette, daß man in den Streit So guten ſelten führte, 16 Der lang den Teppich rührte. Er glänzte, wenn is kenne, Wohl ſo als ob da brenne y Bei der Nacht ein que>es Feuer ; Verblichne Farbe war da theuer. 16 Sein Schimmer mied die Bli>e nict, Doch mied Jhn gern ein ſhwa<h Geficht. Er war von Gold gebildet , das Am Gebirge Kaukaſas Greifenklauen aus dem harten 20 Felſen zerrien und bewahrten, . Und noch bewahren heute. Aus Arabien kommen Leute, Die erwerben es mit Liſt - (Beßres nicht zu finden iſt) | 26 Und bringens heim gen Arabie, | Wo man die guten Ahmardi | Wirket und die Pfellel reich : | Kein Gewand kommt dieſem gleich. | Den Schild der Held zu Halſe nahm. Da ftand ein Roſs gar lobeſam, 72 Gewappnet ſcier bis an den Huf; | Dabei von Knappen Ruf auf Ruf. | Er ſprang hinauf, als er es fand.
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Da verſchwendete des Helden Hand 5 Mang ſtarken Schaft im Lanzenſpiel , Der Haufen auh zertrennt' er viel, Immer durch, und jenſeits wieder aus; Dem Anker folgte nah der Strauß. « Gaqhmuret ftah hinters Roſs 10 Poitewin de Prienlaskros Und ſonſt no< manchen werthen Mann, ij Von dem er Sicherheit gewann. | Wenn er bekreuzte Ritter ſah, Die genoßen ſeiner Stärke da: | 15 Die erkämpften Roſſe gab er ihnen; i Sie mothten viel an ihm verdienen. Gleicher Paniere Ihm entgegen fuhren viere (Darunter ſah man Rotten reiten; 20 Au wuſte wohl ihr Herr zu ſtreiten): Auf jedem eines Greifen Schweif. Zahlloſen Rittern war vom Greif Dieſer Schwanz ein Wappenbild; Den vordern Theil auf ſeinem Schild 25 Der König von Gaskone trug, Den halben Greif, ein Ritter klug. | Gerüſtet war der Held zu ſchauen, Daß er wohl gefiel den Frauen. Er hob fi vor den Andern aus, Als er auf dem Helm erſah den Strauß; 73 Doh kam der Anker erſt an ihn. Da fta ihn hinters Roſs dahin Der werthe Fürſt von Zaßamank Und fing ihn. Groß war da der Drang: 5 Furchen wurden glatt getennt, Mit Shwertern wirres Haar gekämmt; Da ward verſchwendet der Wald, Daß zur Erde Manger niederprallt. Die wandten ſi (ſo hört ih ſagen) 10 Nag hinten, wo da ſtehn die Zagen. Das Kampfgetümmel war ſo nah, : Die Frauen ſahen wohl, wer da | Sich erwarb des Ruhms Gewinn. Vom Sper des minnenden Riwalin À 15 Von Splittern ſ{neit' ein neues Gleis, | Das war der König von Lohneis : | Laut krachte ſeiner Stöße Schall. Einen Ritter ihnen Morhold ſtahl, |
Den er aus dem Sattel zu ſih hub 20 Das war ein ungefüger Schub. Der Ritter hieß Killirjakag. Von Dem hatte König Lah Zuvor empfangen ſolchen Sold, | Den man fallend an der Erde holt; | 26 Aug hatt er ſonſt noh viel: gethan. | Da gelüſtete den ſtarken Mann, | Ihn zu bezwingen ohne Shwert: ' Alſo fing er den Degen werth. Zu Boden ſtach Kailetens Hand Den Herzogen von Brabant, TA Der hieß mit Namen Lämbekein. Was thaten da die Degen ſcin? Sie beſchirmten ihn mit S<hwerten , Die eitel Kampf begehrten. 56 Der König ſtach von Arragon Den alten Utepandragon Hinters Roſs auf den Plan, Dieſen König von Bretan. Es ſtunden Blumen viel um ihn. 10 Seht, wie höfiſh ih doh bin, | Daß ih den werthen Britaneis | Bette ſo {ön vor Kanvoleis, h Wohin nie eines Bauern Fuß | (Wie i< in Wahrheit ſagen muß) | 15 Noth trat, vieleiht au< nimmer tritt — Da er doch einmal niederglitt | Von dem Roſs, drauf er geſeßen. Doh ward ſein länger niht vergeßen: | Ihn beſchirmten , die da um ihn ſtritten. 20 Da wurde manqher Stoß erlitten. | Nun der König kam von Punturteis, | Der ward allhier vor Kanvoleis Auf ſeines Roſſes Spur gefällt, | Daß er dahinter lag im Feld. ' 26 Das that der ſtolze Gachmuret, Tret ihn nieder, trete, tret! Im Streite fanden fie zu treten. Seiner Muhme Sohn, Kaileten , Fingen die Punturteiſe: Da wurde rauh die Reiſe. T5 Als man ihnen Brandelideleinen, Ihren König nahm, die Seinen
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Einen andern König für ihn fingen. Hin und wieder liefen, gingen 5 Helden viel in Eiſenſchienen. Mich dünkt, da ward der Braten ihnen Zermürbt mit Schlegela und mit Keulen; Jhre Haut trug ſhwarze Beulen. Von Quetſchung mohten melden 10 Die wohlgethanen Helden. Lautre Wahrheit bleibt mir Pflicht : Ruhe liebte man hier nicht. Die Werthen führte Lieb ins Feld, Manthen Schild von Kunſt erhellt 15 Und man hochgekrönten Helm: Hier lagen fie in Staub und Melm. Im Felde ſah man Blumen blühn Und kurzes Gras ſo ſaftig grün: Darauf fiel mancher werthe Mann, £0 Dem ſolche Ehre ward gethan. | Mein Ehrgeiz ward beſcheidner längſt: | Jh ſitze lieber auf dem Hengſt. | Hin ritt der Held von Zaßamank | Aus des Kampfgetümmels Drang, | 25 Wo ein geruhtes Roſs ihm ſtand. | Man band ihm ab den Diamant, | Daß Wind ihn kühle von der Hige, Sonſt aus keinem Aberwige. Man ſtreift? ihm ab ſein Härſenier ; Ihm war der Mund ſo roth und zier. 76 Ein Weib, die ih genannt vorher, Hier kam nun ihr Kaplan daher Und kleiner Jungherren drei, Nebſt ſtarken Knappen, welche zwei 5 Säumer führten an der Hand. Die Boten hatte hergeſandt Anſliſe, Frankreihs Königin. Der Kaplan mit klugem Sinn Algbald erkannt er ſeinen Mann 10 Und ſprach ihn auf franzöfiſh an: („Bien ſoi veni, beau Sir, Meiner Frauen ſo wie mir. Es ift die Reine de Franze: Die traf deiner Minne Lanze.“ 15 Einen Brief ihm gab er in die Hand, Darin der Degen Grüße fand
Und ein kleines Ringelein: Das ſollt ein Wahrzeichen ſein; Empfangen hatt es ſeine Frau 20 Einſt von dem Helden von Anſchau. Er neigt, als er die Schrift erſieht : Nun höret, wie ihn die beſchied. „Dir entbietet Minn und holden Gruß Mein Herz, das immer trauern muß 26 Seit es deine Minn empfand. SL Deine Minn if Schloß und Band Vor meines Herzens Herzensluſt, Deine Minn erſti>t mir die Bruſt. Bleibt mir deine Minne fern, | So glänzt mir nie der Minne Stern. | T7 Komm her, und nimm von meiner Hand | Krone , Scepter und ein Land: | Da fie mir find anerſtorben Hat ſie deine Minn erworben. 5 Aul nimm zum Soldimente Die reichen Präſente In den vier Saumſthreinen. Als mein Ritter foll du auch erſcheinen In dem Lande zu Waleis 10 Vor der Hauptſtadt Kanvoleis. Sieht es au die Königin: | Das bringt mir wenig Ungewinn. | Schöner, reicher bin ih ſicher, Dazu kann ih minniglicher | 15 Minn empfahn und Minne geben. Willſt du na< werther Minne ſtreben, | So nimm meine Krone | Deiner Minne zu Lohne.“ | | Das wars, was in dem Briefe ſtand. | 20 Das Härſenier des Knappen Hand | Wieder ihm zu Häupten zieht. Gahmureten Kummer mied. | Man fegt’ ihm auf den Adamas, Der di> und hart war ohne Maß. 26 Da wollt er wieder ſtreiten. | Die Boten ließ er leiten | Sich au3zuruhn in ſein Gezelt. Wo Gedränge war, das ſchied der Held. Dieſer verlor und der gewann. Rahholen mote wohl ein Mann
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© 78 Was er verſäumt an kühner That; Hier war dazu genugſam Rath. / Die Einen ſah man tioſticren , Y Die Andern rottenweis punieren. ] H Sie begaben ſi der Schliche, | Die man nennet Freundesſtiche ; Trauliche Gevatterſchaft Ward zunicht vor Zorneskraft. 7 So wird die Krümme ſelten ſlit. 10 Man ſaß nicht lange zu Gericht: Wer was gewann behielt ſich das Sorglos um des Andern Haß. Aus manchen Landen ſtammten fie, Die mit Rittershänden hie ! 15 Scildesamtespflichten übten , | Sih um Sthaden niht betrübten. ' Da geſhah von Gahmureten Was Anfliſe ſi erbeten, Daß er ihr Ritter wäre; 20 Jn dem Brieflein ſtand die Märe. Avoi! nun ließ er erſt fih los! Thats Minne oder Kühnheit bloß ? Große Lieb und ſtarke Treu Schuf ihm ſeine Kräfte neu. 25 Nun ſah er wie der König Lot Den Schild dem Sturm entgegenbot ; Schier hätt er ſi< zur Flucht gewandt: ' Das wehrte Gahmuretens Hand. Die Haufen er im Anritt bra<h Und Arragoniens König ſta 79 Hinters Roſs mit einem Rohr; Der König hicß Schaffilor. | Der Sper hatte kein Panier, Mit dem er ſtah den Degen zier; 6 Er bracht ihn aus der Heidenſchaft. Die Seinen wehrten ihn mit Kraft; Er fing jedo< den Degen hehr. Vom innern ward das äußre Heer i y Zurüd> geſchlagen tief ins Feld. 10 Jhr Vesperſpiel war wohl beſtellt : Wohl dürft es heißen ein Turnei ,- Denn manqher Schaft lag hier entzwei. Da begann zu zürnen Lähelein : | „Sollen wir ſo entehrct ſein? 15 Das ſchuldet Der den Anker trägt.
| Unſer Einer heut noch legt Den andern wo er unſanft liegt: Schier haben ſie uns ſchon befiegt.“ Raumes {huf ihr Anlauf viel: 20 Da ging es über Kinderſpiel. . Ihre Hände ſchufen bald, Daß verſhwendet ward der Wald. Sie trugen beid ein glei< Begehr: „Spere her, her neuen Sper !“ 25 Doch muſte dulden Lähelein Eine ſhmählihe Pein: Ihn ſta< der Held von Zaßamank Hinters Roſs, des Speres lang, Der in das Rohr geſchäftet ſaß. Seine Sicherheit er an fi las; 80 Doq lä}' ih licber ſüße Birn, Wie die Ritter vor ihm niederſhwirr’n. Von Vielen ward der Ruf erhoben E Die vor ſeiner Tjoſt entſtoben: 6 „Hier kommt der Anker, fliech, o flieh!“ Entgegen ritt dem Helden hie Ein Fürſt des Landes Anſchau (Trauer trug er jeyt zur Schau), Des Schildes Spit empor gekehrt: 10 Das hatt ihn Jammersnoth gelehrt. Der Held die Wappen bald erkannte: Warum er ſi<h da von ihm wandte? Wollt ihr, ih beſheid eu< des: Dieß Wappen gab ihm Galoes, 15 Fils dü Roi Gandein, Der vielgetreue Bruder ſein, Eh Minne dem das Looß erwarb, Daß er von einer Tjoſt erſtarb. Da band er nieder ſeinen Helm. 20 Weder Gras no< Staubes8melm Sein Kampf noch eben bahnte, Weil ihn großer Jammer mahnte. Mit ſi ſelber lag ſein Sinn im Streit, Warum ers nicht erfragt zur Zeit 26 Von ſeiner Muhme Sohn Kailet, Was ſein Bruder do< wohl thät, Daß er nicht turnierte hie. Leider wuſt er no< nicht, wie Der vor Montorie geſtorben. | Viel Leid hatt er erworben:
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81 Einer reihen Königin Minne zwang ihm Herz und Sinn. E Die kam darauf um Ihn in Noth: Ihr gab der Treue Schmerz den Tod. 5 . Wie Gachmuret nun ſtand in Klage, Doh hatt er an dem halben Tage So manqhen Sper verſtochen, Wär des Turniers Tag angebrochen, Verſhwendet würd ein Wald zumal. | 10 Hundert war der farbgen Zahl, Die verthan hatt? dieſer Ziere. Seine ſhimmernden Paniere Y Waren den Krieurs geworden ; | Wohl gefiel das ihrem Orden. 15 Da ritt er nah dem Pavillon; Der Waleiſin Garzon Folgte ihm dahin in Eil, Wo der theure Wappenro> zu Theil Ihm ward, durſtohen und zerhauen ; | 20 Den trug er hin zu ſeiner Frauen. Er war von Gold und noch ſo gut, | Er glänzte wie in glühnder Glut. ] Man ſah daran, wie rei er war. | Da ſprach die Königin: „Fürwahr, 26 Dich hat ein werthes Weib geſandt Mit dieſem Ritter in dieß Land. Nun muß is klug zum Ziele lenken, Die Andern alle niht zu kränken , Die Aventüre hergebracht ; Glüd hätt ih Jedem zugedacht, | 82 Denn mir ſind Alle Sippe, Die entſtammen Adams Rippe. Doſh if es Gachmuretens That , ] Die den Preis erworben hat.“ S | 5 Die Andern übten Ritterſchaft Noh mit ſolchen Zornes Kraft, Daß ſie walkten bis zur Nacht. Die Aeußern ſtieß der Jnnern Macht Zurü> bis an ihr Pavillon; 10 War nicht der Fürſt von Askalon Und Morholt von Jrland, ] Man wär ihnen dur< die Schnur gerannt. Da war gewonnen und verloren: Die Einen hatten Shmah erkoren, Simro >, Parzival und Titurel. C
| 15 Die Andern Preis und Ehre. | Nun ift Zeit, daß man fie kehre y Von einander : Niemand ſieht hier mehr. Der Pfandner giebt kein Licht mehr her. Wer trieb’ im Dunkeln gern das Spiel ? 20 Den Müden wird es ſo zuviel. | Leicht der Finſternifs vergaß / Man dort, wo Gahmuret nun ſaß ' Als wär es Tag. Das war es nicht; Doh leu<htend ſchien manch großes Licht | 26 Von kleiner Kerzen großer Zahl. Auf Oelbaumlaub ſah man im Saal Zum bequemen Sig für Viele Reiche Polſter auf der Diele Und breite Teppiche davor. An die Schnüre ritt die Köngin vor 83 Mit Mägdelein und Frauen : Sie wollten gerne ſchauen E Den werthen König von Zaßamank ; Ihre Ritter Müdigkeit bezwang. 6 Das Tiſhtu<h war ſhon abgenommen Eh ſie zu dem Zelt gekommen. Der Wirth erhob ſi glei vor ihr Mit gefangner Könge vier; Etliche Fürſten ſah man auch. 10 So empfing er ſie nah höfſhem Brauch. Er gefiel ihr wohl , als fie ihn ſah. Die Waleiſin ſprah mit Freuden da: , „Ihr ſeid hier Wirth wo ih eu< fand, Und ih bin Wirthin hier im Land: e 1ö Wollt ihr, daß ih euh küſſen ſoll, So geſchiehts mit meinem Willen wohl.“ Da ſprach er: „Euer Kuſs ſei mein, Wollt ihr dieſen Herrn ihn auch verleihn : Soll Fürſt uud König des entbehren, 20 So darf auh ih es niht begehren.“ „Wohl habt ihr Recht; es ſoll geſchehn ; Die Herren hab ih nie geſehn.“ ' Sie küſste, die es waren werth: Das hatte Gahmuret begehrt, | 26 NMun lud er fie zu figen ein. Der König Brandelidelein | Ihr höfiſh dort zur Seite ſaß. | Grüne Binſen, thauig naß,
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Dünn auf den Teppich ausgeſtreut, Da ſaß er drauf , des hier ſi freut | 84 Der Waleiſen Königin. Seine Minne zwang ihr do< den Sinn. So nahe ſaß er wohl bei ihr, j Sie hob ihn auf und zog ihn hier h 5 Zur Seite neben ſih genau. | Eine Jungfrau war ſie, keine Frau, Die ihn ſo nahe ſitzen ließ. Wollt ihr nun hören wie fie hieß? Die Köbngin Herzeleide. 10 Jhre Baſe hieß Riſcheide, y Vermählt dem König Kailet, Dem Muhmenſohn von Gachnuret. Frau Herzeleid gab ſolhen Schein, Erlöſchen all die Kerzen ſein, 15 Es wär doch hell von ihr genug. Wenn ſeiner Freude hohen Flug Nicht hemmte bittres Herzenleid, Seine Minne wär ihr wohl bereit. Sie ſprahen manches höfſhe Wort. 20 Run traten Schenken ein von dort, Und Gezier von- Aßagog, Dran großer Reichtum Niemand irog, Das irugen Jungherren ein. Theure Näpfe muſtens ſein 25 Vom edelſten Geſteine, Weite, niht zu kleine; Sie waren allzumal von Gold, Einſt erworben von des Landes Sold, Das Eiſenhart ſo man<hmal hot Belakanen in der Minne Noth. N 85 So reihte man das Trinken dar | In manchem Steine hell und klar, j Smaragden und Sardinen; Darunter au< Rubinen. | 5 Zu ſeinem Zelte ritten dort | Zwei Ritter auf ihr Ehrenwort. | Die Aeußern hatten fie gefangen. Hier kamen fie herein gegangen ; Der Eine war Herr Kailet. 10 Der ſah wié König Gachmuret Da ſaß, als wär er unfroh. Da ſprach er: „Wie gebahrſt du ſo? Dein Preis if do< dafür erkannt,
Frau Herzeleiden und ihr Land 1òö Haſt du dir errungen, So geſtehn hier alle Zungen: Es ſci Breton, ſei Jriſhmann, Oder Wer hier welſ<he Sprache kann, Aus Brabant oder Frankreich, 20 Einhellig ſagen Alle gleich, Es komme dir bei ſolhem Spiel Voraus kein Andrer an das Ziel. Des leſ ih hier den wahren Brief, Da deine Kraft fürwahr nicht ſchlief, 26 Als fie dieſe Herren bra<t in Noth, Deren Hand nie Sicherheit enthot : Der König Brandelidelein, Und der kühne Lähelein, Hardeiß und Schaffilor. O weh, Raßalig der Mohr, 86 Der dir vor Patelamunt | Auch einſt that Fianze kund! j So bedarf dein Preis im Sireite | * Der Höhe wie der Breite.“ 5 „Die Köngin denkt gewiſs du tobſt, | Daß du alſo mich belobſt. | Verkaufen wirſt du doh mic niht: Leicht fieht der Käufer , wo's gebricht. Du haſt den Mund zu voll genommen. 10 Doch wie biſt du hieher gekommen?“ „Das werthe Volk von Punturtois Hat mich und dieſen Champanois Freigelaßen dieſes Mal. Morholt , der meinen Neffen ſtahl, 15 Von dem ſoll er entledigt ſein, “Wenn Herr Brandelidelein Ledig wird von deiner Hand. Wir ſtehn noch beide ſonſt zu Pfand, Ich und meiner Schweſter Sohn: 20 Du löſeſt uns, das weiß ih ſchon. Ein Vesperſpiel nur gab es hier; Es kommt nun gar niht zum Turnier Dieſe8mal vor Kanvoleis, Wenn ih die re<hte Märe weiß. 25 Der Aeußern Stärke ſitet hie: So ſage ſelbſt, wie könnten ſie Vor uns das Feld noch halten? Großen Preiſes magſt du walten.“ E
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Da wandte fih die Königin Zu Galhmureten bittend hin:
87 „Was mein Recht nun an euh ſei,
Ich flehe, laßet mich dabei: Gern wär ih eurer Huld auh werth. Könnte, wenn ihr dieß gewährt, 5 Euer Preis zu Schaden kommen, So würde mir Entſagung frommen.“ Anſliſe, der Königin, Der weiſen mit beſcheidnem Sinn, Auf ſprang ihr Kapellan alsbald.
10 Er ſpra<h: „Nicht doh, Sein hat Gewalt Meine Frau, die in dieß Land i Um ſeine Minne mich geſandt.
Schon lang verzehrt ſie ſich um ihn: Ihrer Minne hat er ſi verliehn,
15 Sie ſoll ihn auch behalten, traun, Denn ſie liebt ihn über alle Fraun. Jhre Boten find hier Fürſten drei, Kinder alles Tadels frei.
Der eine heißet Lanzidant
20 Von hoher Art aus Grünland:
Der ift gen Kärlingen gekommen Und hat die Sprache angenommen ; Der andre heißet Liadarz
Fils dü Comte Schiolarz.“
25 Wer denn nun der dritte wäre, Davon vernehmet au< die Märe. Seine Mutter hieß Belleflur Und ſein Vater Panſamur:
Die waren von der Feien Art; Das Kind hieß Liachturiteltart.
88 Die liefen alle drei vor ihn E Und ſprachen: „Herr, haſt du nun Sinn (Dir zollt la Reine de Franze Der werthen Minne Schanze), \
5 So magſt du ſpielen ſonder Pfand, | Deine Freud ift Kummers frei zuhanv.! | Als dieſe Botſchaft ward vernommen, | Kailet, der näher war gekommen , | Spra heimlih mit der Königin ; |
10 Da wandte ſie das Wort an ihn: | „Sag an, iſ dir no< mehr geſchehn ? | Jc habe Blut an dir geſehn.“ h
Da begriff ſie ihm zur Stunden x Seine Quetſhungen und Wunden 15 Mit ihren linden Händen weiß, | Auf die verwandt war Gottes Fleiß. - Da hatt er manhen Schaden, «+ War mit Schrunden überladen An Hüfte, Kinn und an der Naſe. 20 Vermählt war ihm der Köngin Baſe, Die ihm dieſe Ehr erzeigte, Sich ſo nahe zu ihm neigte. Da ſprach ſie, wie die Zucht ſie hieß, Zu Gachmureten nur noch dieß: 26 „Der Franzoſen Königin Entbeut eu< minniglichen Sinn. Nun ehrt an mir die Frauen all - Und bringet niht mein Recht zu Fall. Bleibt hier bis i< mein Re<t genommen ; Ihr laßt mich ſonſt zu Schaden kommen.“ 89 Das verſprah der werthe Mann; Mit Urlaub ſchied ſie da hindann. Sie hob Kailet , der Degen werth, Ohne Schemel auf ihy Pferd. - 5 Wieder trat er dann herein, | Wo er fand die Freunde ſein. | Er ſprach zu König Hardeiß: „Eure Schweſter Alciß Bot mir einft Minne, die i< nahm. 10 Da nun ein Andrer fie bekam Und ein Beßerer als ih, So erlaßt do< eures Zornes mich. Sie hat den Fürſten Lämbekein ; Soll ſie auh niht gekrönet ſein, 15 Sie herſcht doh als gewaltge Frau. Brabant und Hennegau Dient ihr, und mancher Ritter gut. Grüßt mich nun wieder frohgemuth, Laßt mich in euern Hulden ſtehn: 20 So ſoll mein Dienſt eu< niht entgehn.“- Gasfoniens König ſprah dagegen Ernſtlih, wie Männer pflegen: Eure Rede ſtäts war ſüße: Wenn ih euh wieder grüße, 25 Dem ihr ſo manhe Shmah gethan, So ſcheint es, Furcht wär Schuld daran.
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: Mit fing hier eurer Muhme Sohn; Der wägt zwar Niemand übeln Lohn.“ „Euch giebt wohl ledig Gahmuret: Das ſei zuerſt von ihm erfleht. 90 Wenn ihr dann ungezwungen ſeid, So erlebt mein Dienſt wohl no die Zeit, Daß ihr mih zum Freunde nehmt; Ihr habt euh nun genug geſchämt. 6 Was mir auch von euch geſchicht, | Eure Schweſter ſhlüge mih doh nicht.“ Der Rede lachten ſie zumal; Bald ward getrübt der Freude Schall : Verſunken ſaß aufs Neue 10 Der Wirth in Leid und Reue, Denn Jammer iſ ein ſcharfes Reis. Sie ſahen Alle rings im Kreiß Wie er {wer mit Kummer rang | Und ſeine Freude Leid bezwang. 15 Seiner Muhme Sohn hub zürnend an ¡ Und ſprach: „Du thuſt niht wohl daran.“ | aNein, ih weiß warum ich traurig bin: Aus Sehnſucht nah der Königin. Jch ließ zu Patelamunt , 20 Um die mir no< das Herz iſt wund, ] : Von reiner Art ein ſüßes Weib. Jhre Reinheit legt mir Seel und Leib In des Minnekummers Band. Sie gab mir Leute, gab mir Land. 25 Mannliche Freuden meinem Sinn y Belakane raubt die Königin: Scham geziemt dem Mann doch gut Um der Minne Wankelmuth. Da mich ihre Zärtlichkeit Hütete vor Kampf und Streit, 91 Da wähnt ih, daß mir Ritterſchaſt Sänſftete des Unmuths Kraft; Hier hab ih do genug gethan. Wohl denkt man unverſtändger Mann, 5 Daß ihre Schwärze mich vertrieb: | Die war mir wie die Sonne lieb. Mir ſchaft der Werthen Preis dieß Leid: Sie hat die höchſte Würdigkeit. „Ich muß das Ein und Audre klagen : 10 Meines Bruders Wappen ſah ih tragen
| Mit emporgekehrtem Ende.“ Weh dieſem Elende! Wie laut der Jammer da erſcholl! Die Augen wurden Waßers voll 15 Auch dem kühnen Spaniole: : „O weh, Königin Fole, : Um deine Minne ſtarb den Tod : Galoes : das ift die Noth, Die treulih klagen ſollten | 20 Alle Frauen, wenn ſie wollten, | Daß es ihrer Sitte brächte | Ruhm, wo man des gedächte. Ja, Averrens Königin, Rührt es dir au< nicht den Sinn, 25 Den Freund verlox i< do< durch dich, Dem das Ende ritterlih - | Gab eine Tjoſt, die ihn erſhlug ! Als er deine Farben trug. Nun wollen Fürſten, die ihm waren Genoßen, keine Klage ſparen. 92 Sie haben ihres Schildes Breite, Als zum Trauergeleite , Zu der Erden gekehrt, Wie fie großer Kummer lchrt. 5 Alſo thun fie Ritterſchaft. | Sie überwältigt Jammers Kraft , x | Da Galoes,, meiner Muhme Sohn, Nicht Dienſt mehr thut um Minnelohn.“ Als er vernahm des Bruders Tod, 10 Das ſchuf ihm neue Herzen3noth. Da ſprah der Degen jammerhaſt: „Wie hat nun meines Ankers Haft | Grund erfaßt bei einem Grab!“ ; Da legt' er dieſes Wappen ab. | 15 Das Herz ihm ſchier vor Jammer bra. Der Held aus wahrer Treue ſprach: „Von Anſchau Galoes! 5 Wohl verſichert ſind wir des: Nie wurde ſo mannliche Zucht 20 Geboren; wahrer Milde Frucht | Dir aus dem Herzen blühte: | Nun erbarmt mich deine Güte.“ y Da begann er zu Kailetten: : „Wie ergeht es nun Schoietten, 25 Der Mutter mein, der Freudenarmen?“
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„So daß Gott es mag erbarmen : Da ihr erſtorben war Gandein , Und Galoes, der Bruder dein, Und fie auh dich niht bei fih ſah, Im Tode bra das Herz ihr da.“
93 Da \prah der König Hardeiß:
„Nun kehrt auf Mannheit euern Fleiß. Wenn ihr Mannheit wißt zu tragen, Sollt ihr das Leid mit Maßen klagen.“
5 Sein Kummer leider war zu groß: Ein Guß ihm von den Augen floß. Er {huf den Rittern gute Ruh; | Er ſelbſt ging ſeiner Kammer zu, y Ein kleines Zelt von Samt: die Naht y
10 Ward mit Jammer zugebracht.
Als der andre Tag erſchien | Vereinten Alle ſi dahin, | Das innre wie das äußre Heer:
Wer zum Streit zugegen wir,
15 Sei er alt oder jung, : Sei er ſhwach, ſei ſtark genung, i Sie tioſtierten heute nicht. Y | Da ſchien der mitte Morgen licht. | Sie waren auch ſo aufgerieben, |
20 Die Pferde ſhon ſo abgetrieben ,
Daß die Ritter kühn im Streit Doh übernahm die Müdigkeit.
Selber ritt die Königin
Zu Felde nah den Werthen hin
25 Und nahm fie mit ſih in die Stadt, |
Wo fie die Allerbeſten bat,
Daß fie zum Löwenplane ritten.
Da geſhah nah ihren Bitten:
Sie kamen, als man Meſſe ſang
Dem traurgen König von Zaßamank. |
94 Danun gegeben ward der Segen,
Frau Herzeleide war zugegen. Nun ſpra< ſie Gahmureten an: Ihr Necht erkannte Jedermann. 5 Da ſprach er: „Frau, ih hab ein Weib, Die i mir lieber als der Leib. Wenn ih der ledig wäre, Waiſt ih no< andre Märe, E
| Damit entging! ih eu< fürwahr, | 10 Nähm Jemand meines Rechtes wahr.“ „Sie ſprah: „Die Möbhrin laßet | Und nach meiner Minne faßet; | Die Taufe hat viel beßre Kraft. | Begebet eu< der Heidenſchaft , 15 Nach unſerm Glauben Mich zu minnen; | Eure Minne liegt mir in den Sinnen. | Oder bringt mir Ungewinn * Der Franzoſen Königin? Ihre Boten haben ſüß geſprochen 20 Und nie habt ihr ſie unterbrochen.“ „Ja, Die iſt mir Gebieterin! In Anſchau ſchuf ihr Rath Gewinn Mir an Zucht und ſittgem Muthe; Jhre Hülſe kommt mir noh zu Gute: 26 Sie bildete mi< erſt zum Mann, Denn fie floh, was Fraun entſtellen kann. Wir waren Kinder beide no< Und ſahn wir uns, es freut’ uns doch. Anſliſe hat , die Königin, An allem Frauenpreis Gewinn. E 95 Was ihr ſteuern mot ihr Land Gab ſie mir mit milder Hand | (Ih war da noch ein armer Mann): | Das nahm ih Alles willig an. 6 Zählt mich jezt no< zu den Armen. Ihr ſolltet, Frau, eu< mein erbarmen; Mir if mein werther Bruder todt : Erlaßt mir gnädig andre Noth. Kehrt Minne hin, wo Freude wohnt; | 10 Mein Herz hat Jammer niht verſchont. | „Soll ih noh länger mi verzehren ? | Sagt, womit wollt ihr eu< wehren ?“ ' „Vernehmt Beſcheid der Frage: Ein Turnier ſollt an dem Tage 15 Hier ſein: es hat niht Statt gefunden ; Das können Zeugen viel bekunden.“ „Ein Vesperſpiel hat das erlähmt; Die Kühnſten ſind ſchon jezt gezähmt: | Davon verdarb das Turnier.“ | 20 „Eure Stadt nur wehrt? ih hier | Mit Andern, Siegern in der Fehde. Erlaßt mir weiire Gegenrede;
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Hier thaten Viele mehr als ich. j Ihr ſcht, ihr habt kein Re<ht an mi; | 26 Nur euer Gruß geziemt mir wohl, | Wenn ih Den noh haben ſoll.“ Wie mir die Aventüre ſagt, Da nahm der Ritter und die Magd Schiedsrichter über ihre Klage; E8 nahte {hon dem mitten Tage. j 96 Man ſprach dieß Urtheil zuhand: | „Wer hier den Helm fi< überband, ] Wenn zum Turnier er war gekommen, Hat er den höchſten Preis genommen, 6 Dem vermähle ſi< die Königin.“ Die Folge ward dem Spruch verliehn. | Da ſprach fie: „Herr, nun ſeid ihr mein. JI<< will eu< Huld und Dienſt verleihn, Geb euh an Freuden ſolchen Theil, 10 Daß ihr vom Jammer werdet heil.“ Er hatte do< von Jammer Pein. Nun war \<on des Aprilen Schein 1 Zergangen und das ganze Feld Von kurzem grünen Gras geſhwellt. j 15 Man ſah es überall ergrünen. i Das mag ein blödes Herz erkühnen h Und verleihen Hochgemüthe. ; Man ſah die Bäum in Vlüte Von der ſüßen Luft des Maien. : 20 Vom Geſchle<ht war er der Feien: E Das muß minnen oder Minne gehren ; Seine Freundin wollt ihm die gewähren. Frau Herzeleiden bli>t' er an, Mit Zucht ſein ſüßer Mund begann : 25 „Frau, ſoll Jh bei euh gedeihn, So müßt ihr niht mein Hüter ſein. Läßt ab von mir des Jammers Kraft, So thät ih gerne Ritterſchaft. Laßt ihr nicht turnieren mi, So kann ih noh den alten Sglich, 97 Womit ih meinem Weib entrann, Die i< au< mit Ritterſchaft gewann: Weil ſie Streitens mih entband, Ließ ih ihr Volk und ließ ihr Land.“ 5 Sie ſprach: „Herr, nehmt euch ſelbſt ein Ziel ; Jh laß eu< eures Willens viel.“ |
„Viel Spere bre< ih no< entzwei. Alle Monat ein Turnei: Wenn ic die beſuchen will, 10 Darüber, Herrin, \hweiget ſtill.“ Sie verſpra<hs , ward mir geſagt : Er empfing die Länder und die Magd. Anfliſens kleine Junker drei Stunden woh! ſo nah dabei, 15 Und der Königin Kaplan, Da Folg und Urtheil ward gethan, Daß er wohl Alles hört’ und ſah. Zu dem König ſpra<h er heimlich da: „Meiner Herrin wurde kund, 20 Jhr hättet vor Patelamunt Den höchſten Preis erhalten, Dürſtet zweier Kronen walten. Sie hat au< Land und ſolhen Muth, Daß ſie eu< Leben giebt und Gut.“ 25 „Seit ſie mir gab die Ritterſchaft, Muſt î< nah des Ordens Kraft, Und wie des Schildes Amt mir ſagt, Dabei mich halten unverzagt. Durch Sie hab ih den Schild gewonncn ; Ich hätt es ſonſt wohl nie begonnen. 98 Es ſei mein Schade, ſei mein Glü>, Mich hält hier Ritters Spru<h zurü>. Nun ſagt ihr meinen Gruß daheim, Jh woll ihr Ritter dennoh ſein. $ Wären alle Kronen mir bereit, E Nach Ihr hab ih mein höchſtes Leid.“ | Da bot er ihnen große Gabe; Doh fie verſ<hmähten ſeine Habe. Die Botſchaft fuhr zu Lande 10 Ohn ihrer Frauen Schande. Um Urlaub hielten ſie niht an, Wie es im Zorn wohl wird gethan. Den Fürſten ſah man, dieſen Kinden, Die Augen ſcier vor Leid erblinden. 15 Die im Feld den Schild verkehrt getragen Hörten ihre Freunde ſagen: (Frau Herzeleid die Königin | Iſt des Anſcheweins Gewinn.“ „Wer war von Anſchau hier am Ort ? 20 Mein Herr ift leider längſt ſhon fort
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Um Rittersehre zu den Heiden: Das it hier unſer gröſtes Leiden.“ aDer hier den Preis erwarb im Feld, Der ſo manqhen Ritter hat gefällt, * 26 Derſelbe, der ſo ftah und ſchlug, Und der den theuern Anker trug Auf dem Helme lithtgeſteinet , | Der iſt e3, den man meinet. j Mir ſagt der König Kailet, Der Anſchewein war Gachmuret. 99 Dem iſt hier wohl gelungen.“ Zu den Roſſen ward geſprungen. | E Jhr Kleid ward von den Augen naß s Als fie hinkamen wo er ſaß. 5 Sie empfingen ihn, er empfing auch ſie: Freud und Jammer ſah man hie. Da küſst' er die Getreuen all: | „Ihr ſollt eu< meines Bruders Fall Nicht allzuſehr zu Herzen ziehn: 10 J<h hoffe, ih erſey eu< ihn. Kehrt auf den Schild nah alter Art, | Nach der Freude Brauch gebahrt. y Meines Vaters Wappen will Jh tragen: Mein Anker hat ſein Land beſchlagen. 15 Der Anker ſei ein freies Ziel: Den nehm und trage Wer da will. Ich muß nun wie ein Lebemann Gebahren, da i< Gut gewann. Jh ſoll des Volkes Herſcher ſein : 20 Dem ſchüfe leiht mein Jammer Pein. Frau Herzeleide, helfet mir, Daß wir bitten, J< und Jhr, ! Könge und Fürſten in8gemein, Daß fie mir zu Willen ſei’n, 26 Und bleiben, bis Jhr mir gewährt Was Lieb von ſüßem Lieb begehrt.“ Die Bitte bat da beider Mund: Da verſprachens jene glei< zur Stund. Ein Jeder fuhr zu ſeiner Ruh. Die Köngin raunt dem Freunde zu: 100 „Verlaßt eu< nur auf meine Pflege." Da wies fie ihn geheime Wege. Der Gäſte ward do< wahr genommen, Wohin der Wirth auch ſei gekornmen. 6 Beider Ingeſinde ward gemein;
| Den König ſah man ganz allein, Nur mit zweien Jungherrn, ziehn.
| Jungfrauen und die Königin
| Ihn führten, wo er Freude fand
| 10 Und all ſein Kummer gar verſ<hwand.
| Seine Trauer lag darnieder , Hochgemüthe kam ihm wieder: Das hat die Liebe ftäts verliehn. Frau Herzeleid die Königin
15 Jhres Magdtums ohne ward.
¡ Die Munde blieben ungeſpart, Mit Küſſen wurden die verzehrt , Und dem Leid mit hoher Luſt gewehrt.
Eine höfſhe Zucht ward da begangen :
20 Er gab fie frei, die er gefangen.
Hardeißen und Kailet,
Seht, die verſöhnte Gachmuret.
Da erging eine ſole Hochzeit , Wer Gleiches huf nach ſeiner Zeit,
25 Wohl hatt er Reihtum und Gewalt. Gachmuret entſchloß ſi< bald,
* Seiner Habe ward nicht viel geſpart. Arabiſh Gold geſpendet ward Dürftgen Rittern in8gemein;
Den Köngen manchen Edelſtein
101 Scenkte Gahmuretens Hand, Und allen Fürſten , die er fand. Da ward das fahrende Volk ihm hold, Sie empfingen reiher Gaben Sold.
6 Mun laßt die Gäſte reiten heim
| Mit Urlaub von dem Anſchewein. Den Panther, den ſein Vater trug, Auf den Schild man ihn von Zobel \<lug.
Von ‘weißer Seide lind und fein
| 10 Der Königin ein Hemdelein,
| Das ihr berührt den bloßen Leib, Die nun geworden war ſein Weib, Das ded>te ſeinen Hal3berg da.
| Ihrer achtzehn man durchſtochen ſah
| 16 Und mit Schwertern ganz zerhauen ,
| Eh er ſchied von der Frauen. Sie legt' es auf die bloße Haut, Wenn aus dem Streite kam ihr Traut, Wo er zerbrochen manchen Schild.
20 Ihre Minne war der Treue Bild.
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Sr halle WüUrdigleil genug, | Als ihn ſeine Mannheit trug | Zum andern Mal über Meer. | Mich jammert dieſe Reiſe ſehr. | 26 Ihm kam gewiſſe Botſchaft , Der Baruch wär mit Heereskraft Ueberfallen vor Babylon. Der Eine war Jpomidon, : y Pompejus der andre hieß ; | : Die Aventüre meldet dieß. | 102 Das war ein ſtolzer, werther Manu (Nicht jener, der von Rom entrann Julius Cäſarn hiebevor); Der König Nabuchdonoſor 5 Seiner Mutter Bruder war, Der in verlognen Büchern gar Las, er wäre ſelber Gott: Das wäre nun der Leute Spott. Sie ſhonten weder Leib no< Gut. 10 Edel war der Brüder Blut : Von Ninus, der der Herſchaſt pflag Eh geſtiftet wurde Baldag; Er ſtiftete au< Ninive. Ihnen that ein Schimpf, ein Schade weh: 16 Der Baruch ſprah fie an für eigen; Drum muſte ſinken Glü> und ſteigen Im Krieg zu beiden Seiten: Man ſah die Helden ſtreiten. ' Nun {<i}t’ er wieder über Meer 20 Und mehrte ſeines Herren Wehr. Mit Freuden er empfangen ward Wie mich auc jammert ſeiner Fahrt. Was da geſchah, wie's da ergeh, | Wie es um Gewinn, Verluſt da ſteh:
26 Das weiß Frau Herzeleide niht. | Sie war als wie die Sonne liht | Und hatte minniglihen Leib.
Jugend und Gut beſaß das Weib | Und Freuden mehr noch als guviel : Sie überflog der Wünſche Ziel.
103 Zhr Herz ſann nur auf gute Kunſt, Das erwarb ihr aller Leute Gunſt. | Frau Herzeleid die Königin Erwarb durch Sitte Lobs Gewinn;
6 Jhre Reinheit ward mit Preis erkannt.
| Drei Lande dienten ihrer Hand: “ Waleis und Anſchau, Die beherſchte ſie als mähtge Frau; Auch trug ſie Krone zu Norgals 10 In der Hauptſtadt Kingrivals. Ihr war auh wohl ſo lieb ihr Mann, Wenn nimmer eine Frau gewann So werthen Freund, was that ihr das? Dawider trug fie keinen Haß. 15 Als er außen blieb ein halbes Jahr, Seines Kommens harrte fie: es war Ihr Wunſch, der Leben bringe. "Dog ihrer Freuden Klinge | Era mitten in dem Heft entzwei. | 20 Weh o weh und heia hei! ¡“Daß Güte ſolchen Kummer trägt | Und immer Treue Jammer regt! | Seht das Looß der Menſchheit! | Heute Freude, morgen Leid. 25 Die Frau um einen mitten Tag | In ängſtlihem Sghlafe lag. | Plöglih ſchre>te ſie empor | Als ob ein Blitz, ſo kams ihr vor, | In die Lüfte ſie entführte , | Wo fie mit Schlägen rührte [104 Mangher feurge Donnerſtral. | Ringsher flogen ſie zumal | Nach ihr: mit Kniſtern ſengte Glut | Ihres langen Haares Flut. 6 Der Donner mit Gekrah erſol, | Sein Guß von heißen Zähren {woll Als fie Befinnung wieder fand Griff ihr ein Greif die re<te Hand. Das Vild mit Eins verwandelt ſi, 10 Da ſah fie Dinge wunderlich : Wie ſie mit einem Wurme kreiße, Der ihr den Mutterſchooß zerreiße, Ihr ein Drach die Brüſte ſöge, Und dann plöglih von ihr flöge, 16 Daß fie ihn nimmer wiederſah. Das Herz im Leibe brach ihr da Der Sqre>en, den ſie muſte ſehn. Wohl nie if einer Frau geſchehn Im Slaf ein Unheil dieſem glei.
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20 Bis dahin war ſie freudenreih ; j Ath leider , das verkehrt fih gar, | Sie hat nun Jammer immerdar. | Ihr Schade wird no lang und breit, | Ihr droht ein nahend Herzeleid.
25 Die edle Frau begonnte | Was fie bisher nicht konnte,
Im Sglaf die Glieder zu rühren,
Ein laut Geſchrei zu verführen.
Vier Jungfrauen ſaßen hie,
Die ſprangen hin und we>ten fie. N 105 Da kam geritten Tampaneis,
Jhres Mannes Meiſterknappe weiſ
Und kleiner Jungherren viel.
Ihre Botſchaft gab der Freud ein Ziel:
5 Sie klagten ihres Herren Tod.
Da kam Frau Herzeleid in Noth,
Sie ſank befinnungslo3 dahin.
Die Ritter ſprachen: „Den Gewinn Nahm unſer Herr im Harniſhkleid? 10 Er ritt do< wohlverwahrt zum Streit.“
Wie den Knappen Jammer plagte, Die Helden ſah er an und ſagte: „Kein langes Leben Gott ihm gab. Er zog das Härſenier fih ab;
15 Die Hite zwang ihn zu der Frift. Verfluchte heidniſche Liſt Hat uns geraubt den Ritter gut.
Ein Ritter hatte Boksblut Genommen in ein langes Elas;
20 Das ſchlug er auf den Adamas: 5 Da ward er weicher denn ein Shwamm. Den man oft gebildet als ein Lamm
5 Und ihm ein Kreuz zu tragen gab, Den erbarme was ſi< da begab.
25 „Als die Scharen auf einander ritten,
Avoi ! wie wur da. geſtritten ! | E Des Baruches Ritterſchaft |
Wehrte fich mit Muth und Kraft.
Vor Baldag auf dem Gefilde |
Dur@hſtochen wurden viel der Schilde |
106 Da fie ſi treffen mochten. Wie die Haufen fih verflochten, Panier fi< wirrte mit Panier! !
Da fielen viel der Helden zier. 5 Hier wirkte meines Herren Hand, Daß aller Andern Preis verſhwand. Da fuhr heran Jpomidon: Mit Tod er meinem Herren Lohn Gab; er ſta ihn nieder da, 10 Daß er man<< Tauſend Ritter ſah. „Vor Alexandrien der Stadt Hatt er ohne falſchen Rath E Sich dem König zugekehrt , Des Tjoſt ihn Sterben hat gelehrt. 15 Der Sper durchſchnitt ihm Helm und Stirn, Das Eiſen fuhr -dur< Haupt und Hirn, Daß man den Splitter drinne fand. ! Noch ſaß zu Roſs der Weigand; | Sterbend ritt er aus dem Streit | 20 Auf einen Plan, der war breit. - | Ueber ihn da kam ſein Kapellan. Er hob mit kurzen Worten an | Zu beichten, und ſandte her | Dieß Hemde und denſelben Sper, ' 25 Der ihn von uns geſchieden hat. | Er ſtarb ohn alle Miſſethat. | Euch, Frau Königin, befahl Er Kind’ und Knappen allzumal. | „Zu Baldag ward der Held beſargt. | Da hat der Baruch nicht gekargt: 107 Mit Golde ward das Grab geſhmüdt, | Des Reichtums Siegel drauf gedrüdt; j Auch glühn viel edle Steine | Wo beſtattet iſt der Reine. | 56 Gebalſamt ward ſein junger Leib. Jammer faßte Mann und Weib. Es dedt ein köſtliher Rubin Sein Grab: durchſcheinend ſieht man ihn. Nach Chriſtenſiite ließ man auh 10 Ein Kreuz ihm, na< der Marter Brauch, Durch die uns Chriſti Tod erlöſte, Daß es ſeine Seele tröſte | Und ſchirme, bilden auf ſein Grab. Der Baruch gern die Koſten gab. 15 Es iſt von fköſtlihem Smaragd. Ohne der Heiden Rath ward dieß vollbracht , Die nicht das Kreuz zu ehren pflegen, Daran Chriſt uns ſterbend ließ den Segen.
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Ihn ſelber beten ſonder Spott
20 Die Heiden an als ihren Gott, Zwar niht dem Kreuz zur Ehre, Noch nach der Taufe Lehre,
Tie uns einſt am jüngſten Tag Von Höllenſtri>en löſen mag.
25 Die ritterlihe Treue ſein Giebt ihm im Himmel lihten Schein Und ſeine reuge Beichte,
Den Falſchheit nie erreichte. - „In ſeinen Helm, den Diamant,
Ein Epitaph geſchrieben ſtand,
108 Das man ins Kreuz verſenken ließ. Die Buchſtaben melden dieß: „Eine Tjoſt dur dieſen Helm erſchlug Den Werthen , der Mannheit trug.
6 Gahmuret war er genannt;
Drei Reiche dienten ſeiner Hand. Sein Haupt trug dreier Kronen Zier Und reiche Fürſten folgten ihr. Er war von Anſchau geboren
10 Und hat vor Baldag verloren Das Leben für den Baruch.
Seine Tugend nahm ſo hohen Flug, Kein Anderer erreicht das Ziel, Man prüfe Ritter noh ſo viel.
15 Von der Mutter iſt no< ungeboren , Dem er als Dienftmann Treu geſhworen, Uebt' er anders Schilde8amt.
Doch lieh er Hülf und Rath geſamt Mit Stätigkeit den Freunden ſein.
20 Von Fraun erlitt er ſcharfe Pein. Er war getauft na<h Chriſtenbrauh; Der Sarazene klagt ihn auh:
Das iſ ohne Lüge wahr. Seit er bei vollen Sinnen war
25 Hat ſeine Kraft nah Preis geworben Vis er mit Ritterpreis geſtorben. Der Falſchheit hat er obgeſiegt.
So wünſ<ht ihm Heil denn, der hier liegt.“ Alſo ſprah der Knappe da; Der Waleiſen viel man weinen ſah. 109 Die hatten Grund zu klagen. Schon hatt ein Kind getragen
| Die Frau, das ihr im Leibe ſticß, | Die man hier hülflos liegen ließ. 5 Schon lebi' es ahtzehn Wochen lang, | Des Mutter mit dem Tode rang, Frau Herzeleid die Königin. Die Andern hatten Thorenfinn, Daß man niht half dem Weibe, 10’ Denn ſie trug in ihrem Leibe Der aller Ritter Blume wird, Wenn ihn der Tod daran niht irrt. Da kam ein altgreiſer Mann E Klagend zu der Frau heran, 15 Die da mit dem Tode rang: Ihre Zähn er von einander zwang, Man goß ihr Waßer in den Mund: Alsbald ward ihr Beſinnung kund. „O weh, wo iſt mein Herzenstraut ?“ 20 Sie beklagt’ ihn überlaut. . ſ „Vor Freude ward das Herz mir weit | Ueber Gahmuretens Würdigkeit. Sein Hochſinn ließ ihn mir niht mehr. Jh war viel jünger als Er 25 Und bin ihm Mutter do< und Weib: Trag ich hier niht ſeinen Leib Und von ſeinem Fleiſh den Samen? Wir gaben ihn und nahnien | Durch unſer beider Minne. Hat nun Treue Gott im Sinne, 110 Laß er ihn mir zu Reife kommen. E Zuviel Schaden hab ih ſhon genommen . An meinem ſtolzen werthen Mann. Wie hat der Tod an mir gethan! 5 Ward je ihm eines Weibes Minne, Ihre Freuden freuten ſeine Sinne, Ihr Leid ſein Herz betrübte, Weil er immer Treue übte, Denn alles Falſches war er leer.“ 10 Nun vernchmet andr® Mär y Was die edle Frau beging: ' Kind und Mutterſhooß umfing Sie mit Armen und mit Händen. Sie ſpra<: „Gott ſoll mir ſenden 165 Die werthe Fru<ht von Gahmuret: | Das erfleht mein herzliches Gebet.
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Gott wahre mi< vor dummer Noth: Da3 wär Gachmuretens andrer Tod, Wenn ih mich ſelber ſchlüge 20 Dieweil ih bei mir trüge Was ich von ſeiner Minn enypfing, Der immer Treu an mir beging.“ Unbekümmert wer es ſah Das Hemd vom Buſen riß ſie da, 25 Jhre Brüſtlein lind und weiß h Pflegte fie mit Mutterfleiß, Und hob fie an den rothen Mund: Weiblich Gehaben thät ſie kund. Alſo ſprach die weiſe: i „Du wirſt meines Kindes Speiſe: y 1411 Die hat es ſi voraus geſandt, Seit i<s im Leibe lebend fand!“ Es huf der Frau kein Ungemach, | Daß ihr überm Herzen lag i 5 Die Milch in ihrem Tüttelein : y Die drü>te draus die Köngin rein. Sie ſprah: „Du kommſt von Treue her. Wär ih noch ungetauft bisher , Mit Dir ich gern mich taufen ließe; 10 Jh weiß, daß ih mi oft begieße Mit Dir und mit den Augen mein Oeffentlih und in8geheim: S Venn Gachmureten will ih klagen.“ Sie ließ ein Hemd zur Stelle tragen, 15 Das von Blut geröthet war, Darinnen vor des Baru<s Schar Das Leben Gahmuret verlor, | Der ein herli< Ende kor | Mit rechter mannhafter Wehr. 20 Da fragte ſie auh na< dem Sper, Der Gahmureten {huf das Weh: Jpomidon von Ninive Gab alſo wehrlihen Lohn, Der ſtolze Held von Babylon; 25 Jn Fetzen hing das Hemd von Schlägen. Die Herrin wollt es an ſi legen Wie fie ſon au< wohl gethan, Wenn vom Turnieren kam ihr Mann: Sie nahmen ihr es aus der Hand. Die Fürſten allzumal im Land
112 Begruben Sper und auh dás Blut | Jm Münſter, wie man Todten thut. Da ward in Gahmuretens Land | Allwärts Jammer bekannt. 6 Darauf am vierzehnten Tag Ein Kindlein bei der Frauen lag, y Ein Sohn, der hatte ſole Glieder, | Kaum erholte fie fi< wieder. Hier beginnt der Aventüre Spiel: 10 Wir ‘ſtehn an ihres Anfangs Ziel; Nun iſ er erſt geboren Dem die Märe ward erkoren. - Seines Vaters Freud und Noth, Sein Leben und zumal ſein Tod, 15 Davon vernahmet ihr bisher. So habt ihr Kunde denn, woher Dieſer Märe Held entſprang Und wie man ihn bewahrte lang: _/ Man barg ihn vor Ritterſchaft : 2 Bis er erwu<s zu Sinn und Kraft. Als die Köngin zu ſich kam Und ihr Kindlein wieder nahm, Mit den dienenden Frauen Begann fie nahzuſhauen 26 Was es zwiſchen den Beinen trug. ; Geliebkoſt ward ihm genug ‘Y Als er männli< war von Glieden. | Mit Schwertern lernt’ er ſ{mieden: - Den Helmen Feuers viel entſ<hlug, y Des Herze Kraft und Mannheit trug. 113 Die Köngin kannte kein Gelüſte N “Als daß fie ihn fleißig küſste. Sie ſprach viel tauſendmal gewiſs: „Bon Fils, ſher Fils, beau Fils.“ 56 Die Köngin ohne lange Wahl | Nahm das rothbraune Mal, | Ihres Brüſtleins Zutſcherchen | Und ſchob es in ſein Lutſcherchen. Selber wollt ihm Amme ſein, 10 Die ihn trug im keuſchen Schrein: Sie erzog ihn an der Bruſt, I Der aller Falſh war unbewuſt.
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Sie dauchi’, als wär ihr Gahmuret In ihren Arm zurü> erflcht.
15 Sie legte ſi< auf keinen Trug; Demuth hatte fie genug.
Frau Herzeleide ſpra<h mit Sinn:
„Die allerhöchſte Königin Jeſu ihre Brüſte bot,
20 Der für uns den ſcharfen Tod Am Kreuze menſhli< empfing Und ſeine Treu an uns beging. Ter eignen Seele Schaden bringt,
Wer ihn nun zum Zorne zwingt, 25 Wie verſtändig ſonſt er wäre: Des weiß ih fihre Märe.“ Sich begoß des Landes Frau Mit ihres Herzen3 Jammerthau. Jhre Augen regneten auf das Kind; Getreuer war fein Weib geſinnt. 114 Seufzen , Lachen konnt ihr Mund Beides wohl in Einer Stund. | Des ‘Sohns Geburt erfreut’ ihr Herz; h In der Klage Furt ertrank ihr Scherz. e
Gurnemans
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6 Wer nun von Frauen beßer ſpricht, Fürwahr, ih haß ihn darum nict; | Jh vernehme gern was ſie erfreut.
Nur Einer bin i< unbereit | Hinfort zu dienſtliher Treu, |
10 Zhr- iſt mein Zorn immer neu; | Jhr Fehltritt ſhaft mir Ungemach. | J<< bin Wolfram von Eſchenbach,
Nicht unerfahren im Geſange, | Und halte feſt wie eine Zange h 15 Meinen Zorn wider ein Weib, h Denn fie hat mir Seel und Leib Betrübt dur< ſol<he Mifſethat , Sie zu haßen, anders i kein Rath. Trifft mi darum der Andern Haß,
20 O weh, warum denn thun fie das?
Sei mir au< ihr Haßen leid, | Es beweiſt do< ihre Weiblichkeit, Da ſi< mein Mund verſprochen hat , Und mir ſelber Schaden that; :
25 Es geſchieht au< wohl ſo leiht niht mehr. Doch mögen fie ſich niht zu ſehr | Veeilen , mir das Haus zu ftürmen:
Ich weiß mi< wehrli<h zu ſchirmen. Auch hab ihs nicht vergeßen , Ich kann no< wohl ermeßen 115 Wie ihre Zucht und Sitte ſei: Wohnt einem Weibe Reinheit bei , Deren Kämpe will i ſein, Mich jammert herzlih ihre Pein. 5 An der Krüde hinkt ſein Ruhm, Der das ganze Frauentum S@mäht um Seiner Frauen Shmah. | Die mich re<ht beachten mag, , Zugleich mit Schaun und Hören,
10 Die werd ih niht bethören. | Zum Sthilde8amt bin ih geboren : | Sind Kraft und Muth an mir verloren — Die .mih um Sang will minnen,
Dünkt mi niht klugen Sinnen.
15 Trag ih edler Frau Begehr,
Mag ih niht mit Schild und Sper Erwerben ihrer Minne Sold, So ſei ſie mir mit Nichten hold.
Es ift doh ho< genug geſpielt 20 Wer mit Ritterſchaft na< Minne zielt. Stiens S<meicheln niht den Frauen, Jh ließ euh ferner ſchauen An dieſer Märe Neues viel Bis an der Aventüre Ziel. 25 Wer deren Kunde will empfahn, Der ren es für kein Buh mir an: Ich kenne keinen Buchſtaben. « An Büchern mag wer will fi< laben: Dieſen Abenteuern Sollen Bücher nicht ſteuern. 116 Eh man fie hielte für ein Buh, | Lieber wär i< ohne Tuh Nadt, wenn i< im Bade ſäße, Des Büſchels freilih niht vergäße. | | : 5 Es betrübt mir Seel und Leib, | Daß ſo Manthe heißet Weib. | Die Stimme lautet Allen hell, Doch Viele ſind zum Falſche ſchnell, : Andre frei von falſhem Wandel : 10 So theilt ſich dieſer Handel. Daß Die mit gleihem Ramen prangen, Das hat mein Herz mit Scham befangen. Weibheit , dein ordentliher Brauch, Treue hielt und hält der auch. 15 Viele ſprehen, Armut Sei zu keinem Dinge gut; e | Wer fie um Treu will leiden, y Mag doch die Hölle meiden. Die trug ein Weib um Treue. 20 Da ward ihr ſtäts aufs Neue Jm Himmelreich gegeben. Run werden Wenge leben, Die jung der Erde Reichtum Ließen um des Himmels Ruhm. | 26 Jc kenne keinen , der das will, | Mann und Weib ſind mir gleichviel, Sie gleichen Alle ſi< darin. Frau Herzeleid die Königin | Floh ihren dreien Landen fern: | Sie trug der Freuden Mangel gern.
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117 Aller Fehl ſo ganz an ihr verſ<hwand, Daß ihn niht Ohr no< Auge fand. Ein Nebel war ihr die Sonue; Sie mied die weltliche Wonne. 5 Auch war die Nacht ihr wie der Tag, Ihr Herz nur ſtäten Jammers pflag. Sie zog ſih vor des Grams Gewalt Aus ihrem Land in einen Wald | In der Wildniſs von Soltanc; j 10 Nicht um Blumen auf dem Plane: | Ihr Herz erfüllte Leid ſo ganz, Sie kehrte ſih an keinen Kranz Ob er roth war oder fahl. Sie flüchtete dahin zumal 15 Des werthen Gachmuretes Kind. Leute, die da bei ihr ſind, h Müßen reuten und pflügen. Ihre Pflege konnte wohl genügen | Dem Sohn. Eh Der Verſtand gewann, 20 Rief ſie ihr Volk zu ſih heran, Wo fie Mann und Weib zumal Bei Leib und Leben anbefahl , Daß von Rittern {hwieg' ihr Mund: „Denn würd es meinem Herzlieb kund 25 Was ritterlihes Leben wär, So hätt i< Kummer und Beſchwer. Nun legt die Zunge klug in Haft Und hehlt ihm alle Ritterſchaft." Das {huf den Leuten Sorgen. Der Knabe ward verborgen 118 Jn der Wüſte von Soltan erzogen, ‘Um königlichen Brauch betrogen Außer in dem Einen Spiel: 1 Bogen und Bolzen viel 5 Sqnitt er ſi< mit eigner Hand “Und ſchoß die Vögel, die er fand. Wenn er jedo< das Vöglein {<oß, | : Dem erſt Geſaûg ſo hold entfloß, y So weint’ er laut und ftrafte gar Mit Naufen ſein unſhuldig Haar. Sein Leib war klar und helle: Auf dem Plan an der Quelle Wuſch er fih alle Morgen. Ihm ſchuf nicht3 anders Sorgen
| 16 Als über ihm der Vöglein Sang, Der ihm da8s Herz ſo ſüß durhdrang: Das dehnt’ ihm ſeine Brüſtlein aus. Mit Weinen lief er in das Haus. Die Köngin ſprah: „Wer that dirs an? 20 Du warſt ja draußen auf dem Plan.“ Da wuſt er ihr kein Wort zu ſagen. So gehts Kindern noh in unſern Tagen. Das macht? ihr viel zu ſchaffen. Da ſah ſie einſ ihn gaffen 25 Nach einem Baum, von dem es ſcholl. Sie ward wohl inne, wie ihm ſ{hwoll Von dem Geſang die junge Bruſt; -In ſeiner Art lag ſol< Geluſt. Frau Herzleid trug den Vögeln Haß Seitdem, fie wuſte niht um Was: 119 Sie ſandte Knecht und Enken E Jhr Singen zu beſchränken, Vöglein mit Rey und Stangen Zu würgen und zu fangen. 56 Die Vöglein waren gut beritten | Daß fie den Tod niht all’ erlitten: | Etliche blieben wohl am Leben, | Die hört man neuen Sang erheben. | Der Knabe ſprah: „Bei eurer Huld, | Was giebt man doh den Vöglein Schuld ?“ | Er erbat ihnen Frieden gleih zur Stund. | Seine Mutter küſst? ihn auf den Mund. Sie ſprah: „Was bre< i< Sein Gebot, Der doch iſt der höchſte Gott ? 15 Sollen Vöglein trauern meinethalb ?“ | Der Knappe ſpra< zur Mutter bald: ¡ „Höre Mutter, was iſ Gott 7“ „Das ſag ih, Sohn, dir ohne Spott: Er iſt noh lichter denn der Tag, 20 Der einſt Angeſichtes pflag Nah der Menſchen Angeſicht. Sohn, vergiß der Lehre nicht, Und fleh ihn an in deiner Noth, Deſſen Treu uns immer Hülfe bot. 26 Ein Andrer heißt der Hölle Wirth, Der ſ{hwarz Untreu niht meiden wird “ Von dem kehr die Gedanken Und auch von Zweifels Wanken.“
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Seine Mutter unterſchicd ihm gar Was finſter iſ, was liht und klar.
120 Dann eilt’ er wohl waldein zu ſpringen. Das Gabilot auch lernt’ er ſ<hwingen, Womit er manchen Hirſh erſhoß,
Davon der Mutter Volk genoß. - 5 Ob man Grund ſah oder Schnee, Dem Wilde thät ſein Schießen weh. Hört aber fremde Märe: . Wenn er erſhoß da3 ſhwere, Einem Maulthier wär die Laſt genug, 10 Die er unzerlegt nah Hauſe trug. Er kam auf ſeinem Waidegang Eines Tages einer Hald entlang, Und brach zum Blatten manchen Zweig. In ſeiner Nähe ging ein Steig: © 15 Da vernahm er Schall von Hufſchlägen: | Er begann ſein Gabilot zu wägen. j „Was hab ih da vernommen? | Daß nun der Teufel kommen | Wollte grimm und zorniglich! y 20 Je beſtünd ihn ſicherlich. e Meine Mutter Shre>en von ihm ſagt; Mich dünkt, ſie iſt au< zu verzagt.“ So ſtand er da in Streits Begehr. Seht , da traben dortenher 25 Drei Ritter in der Rüſtung Glanz | Von Haupt zu Fuß gewappnet ganz. Der Knappe wähnte ſonder Spott Jeglicher wär ein Herregott. Wohl ſtand er auch niht länger hie, Er warf ſi< in den Pfad aufs Knie; 121 Mit lauter Stimme rief er gleich: „Hilf Gott, Du biſt wohl hilfereich !“ Der Vordre zürnte drum und ſpra<h Als ihm der Knapp im Wege lag: 5 „Dieſer täppiſhe Waleiſe Wehrt uns ſchnelle Weiterreiſe.“ Ein Lob , das wir Baiern tragen, Muß ih von Waleiſen ſagen: Sie ſind täppiſcher als Bairiſh Heer 10 Und leiſten doh gleih tapfre Wehr. Wen dieſer Länder Eins gebar, Wird der gefüg, iſts wunderbar.
Da kam einher galoppiert, An Helm und Harniſh wohl geziert © 15 Ein Ritter, welhem Zeit gebrah: Streitgierig ritt er jenen nah, Die ihm ſchon voraus gekommen. | Zwei Ritter hatten ihm genommen | Eine Frau aus ſeinem Lande: | 20 Das daughte dieſen Schande. Der Jungfrau Leid betrübt! ihn ſhwer , | Die erbärmlich ritt vor ihnen her. Dije Dreie ſind ihm unterthan. : Er ritt ein \ſ{hönes Kaſtilian; 26 An ſeinem Schild war wenig ganz. Er hieß Karnachkarnanz, Le Comte Ulterleg. Er ſpra<: „Wer ſperrt uns hier den Weg ?“ So fuhr er dieſen Knappen an; Dem ſchien er wie ein Gott gethan: 122 Er ſah noch niemals lihtre Schau. Sein Wappenro> benahm den Thau. Mit goldrothen Schellen klein Waren an jedwedem Bein 5 Ihm die Stegereif' in Klang gebracht E Und zu rechtem Maße lang gema<ht. Sein re<ter Arm von Schellen klang, Wenn er ihn rührt’ oder ſ<hwang ; Er war von Schwertſchlägen hell. 10 Der Degen war zur Kühnheit ſchnell. Alſo dieſen Wald durchſtrih Der Fürſt gerüſtet wonniglih. Aller Mannes8ſhöne Blumenkranz , Den fragte da Karnachkarnanz: 15 „Knapp, ſaht ihr hier vorüberfahren Zwei Ritter , die niht können wahren Das Geſey der Rittergilde ? Sie tragen Raub im Schilde | Und find an Würdigkeit verzagt : | 20 Sie entführten eine Magd.“ | Was er auch ſprah, doch hielt ihn noh Der Knapp für Gott: ſo malt’ Jhn doh Die Königin Frau Herzeleid, Die vom lichten Schein ihm gab Beſcheid. /_26 Da rief er laut ſonder Spott: | „Nun hilf mir, hilfreicher Gott.“ | Niederwarf ſi< zum Gebet
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Le Fils dü Noi Gahmuret. | Da ſprach der Fürſt: „Ih bin niht Gott; Dog leiſt i< gerns ſein Gebot. | 123 Vier Ritter möchteſt du hier ſehn, . Wenn du beßer könnteſt ſpähn.“ Der Knappe fragte fürbaß: «Du nenneſt Ritter: was iſ das? 5 Haſt du ſelbſt niht Gotteskraft, So ſage, Wer giebt Ritterſchaft?‘ «(Die theilt der König Artus aus. Junker, kommt ihr in ſein Haus, So mögt ihr Ritters Namen nehmen, 10 Daß ihrs eu< nimmer habt zu ſhämen. Ihr ſeid wohl ritterliher Art.“ Von den Helden er beſhauet ward: Da ſahn ſie Gottes Kunſt und Fleiß. Von der Aventür ih weiß, 15 Die mih mit Wahrheit des beſchied, Daß Manne3antliy nie gerieth y So \hön wie ſeins von Adams Zeit: Drum lobten Fraun ihn weit und breit. | Da hub der Knappe wieder an, 20 Daß ſein zu lahen Der begann: «Ei Ritter gut, was ſoll dieß ſein? Du haft ſo manches Ringelein An den Leib gebunden dir, Dort oben und auch unten hier.“ 25 Der Knapp befühlte mit der Hand : Was er eiſern an dem Fürſten fand. eeLaßt mich den Panzer ſchauen: Meiner Mutter Jungfrauen Wohl an Schnüren Ringlein tragen, © Die nicht ſo an einander ragen.“ 124 Noc ſprach der Knappe wohlgemuth Zum Fürſten: „Wozu iſ dieß gut, e Was fi<h ſo wohl will ſhi>den? Kanns nicht herunterzwi>en.“
5 Da wies der Fürſt ihm ſein Schwert: aNun fich, wer Streit mit mir begehrt, Des erwehr ih mi< mit Schlägen ;
_ Gegen ſeine muß ihs an miq<h legen: Dieß und der Schild behütet mi 10 Vor dem Schuß und vor dem Stich.“ | Wieder ſprach der Knappe {nell : Simro>, Parzival und Titurel.
nTrügen die Hirſche ſoles Fell,
Sie verſehrie niht mein Gabilot ;
So fällt do< mancher vor mir todt.“
15 Die Ritter zürnten, daß er ſprah
Mit dem Knappen, welhem Sinn gebrah. | Da ſprach der Fürſt: „Gott hüte dein! | O wäre deine Schönheit mein!
N Dir hätte Gott genug gegeben, 20 Beſäßeſt du Verſtand daneben ; | Mun halte Gott dir Kummer fern.“ | Da ritt er weiter mit den Herrn. e | Sie gelangten alle bald | Zu einem Feld im tiefen Wald. | 26 Da fand er an der Pflugſchar | Frau Herzeleidens Bauernſchar. | Dem Volke nie ſo leid geſchah.
Die man künftig ernten ſah,
Sie muſten ſän und egen,
Starken Ochſen dräun mit Schlägen. /125 Der Fürſt ihnen guten Morgen bot | Und frug fie: „Sahet ihr niht Noth
Eine Jungfrau leiden ?“ | Da konnten ſie's niht meiden, | 6 Sie ſagten ihm, was er gefragt:
„Zwei Ritter und eine Magd
Sahn wir reiten heute Morgen. | Das Fräulein hien in Sorgen. | Kräftig mit den Sporen rührte 10 Die Pferde, der die Jungfrau führte.“ | Es war Meliakanz ,
Dem naqhritt Karna<hkarnanz
Und ihm im Kampf die Jungfrau nahm:
Sie war an aller Freude lahm.
_Þ Sie hieß Jmäne
| Von der Bellefontäne.
; Die Bauern waren ſehr verzagt,
| Da dieſe Helden fie befragt. .
| Sie ſprachen: „Wie iſt uns geſchehn!
" 20 Hat unſer Junker erſehn
| An dieſen Rittern ſhartges Eiſen,
| So dürfen wir das Glü> nicht preiſen. Uns trifſt darum mit Recht fürwahr Der Zorn der Köngin immerdar,
25 Weil er mit uns zu Walde lief E
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Heute früh, da Sie noh ſchlief.“ Glei galts dem Knappen, Wer nun ſchoß Im Wald die Hirſche klein und groß; | Heim zur Mutter lief er wieder Und ſagt? es ihr. Da fiel ſie nieder, 126 Seiner Worte fie ſo ſchr erſchrak, Daß fie bewuſtlos vor ihm lag. Als darauf die Königin Bewuſtſein wieder fand und Sinn,
5 Wie ſie zuvor au< war verzagt, ] Doch ſprach ſie: „Sohn, wer hat geſagt Dir von ritterlihem Orden?
Wie biſt dus inne geworden ?“ „Mutter, ih ſah vier Männer licht , 10 Lichter iſt Gott ſelber nicht: Die ſagten mir von Ritterſchaft. Artuſens königliche Kraft Soll nach ritterlichen Ehren . Mich Sqildespflichten lehren.“ 15 Das war ihr neuen Leids Beginn. Die Königin ſann her und hin ' Wie fie eine Liſt erdächte Und ihn von ſolhem Willen brächte. | Der einfältge Knappe werth | 20 Bat die Mutter um ein Pferd. ] Das begann ſie heimlich zu beklagen. | Sie gedacht: „Ih will ihm nichts verſagen; Aber grundſhlc<t muß es ſein. | Es giebt noh Leute,“ fiel ihr ein, | 25 „Die gar loſe Spötter ſind. j Thorenkleider ſoll mein Kind y An ſeinem lichten Leibe tragen: Wird er gerauft und geſchlagen , So kehrt er wohl in kurzer Friſt.“ O weh der jammervollen Liſt! 127 Sie wählt! ein grobes Sadtu<h aus Und huf ihm Hemd und Hoſen draus, Aus Einem Stück geſchnitten Zu des blanken Beines Mitten;
H Eine Kappe dran für Haupt und Ohrcn: So trugen damals ſi die Thoren.
Zwei Ribbalein ſtatt Strümpfen auh
Aus Kalbshäuten friſ< und rauh
Maß man ſeinen Beinen an. : 10 Da weinten Alle, die es ſahn.
Die Königin mit Wohlbedacht | Bat ihn zu bleiben noh die Nacht: | „Du darſfſt dih niht von hinnen heben , Ich muß dir erſt no< Lehren geben: 15 Du ſollſt auf ungebahnten Straßen | Dich niht auf dunkle Furt verlaßen ; | Iſt ſie aber ſeicht und klar, | So hat der Durchritt niht Gefahr. Du ſollſt au< Sitte pflegen, 20 Jeden grüßen auf dcn Wegen. | Will dih ein grauweiſer Mann | Zutht lehren, wie ein Solcher kann, So folg ihm gerne mit der That, : Und zürn ihm nit, das iſt mein Rath. 26 Ein3 laß dir, Sohn, befohlen ſein: Wo du guter Frauen Ringelein Erwerben mögeſt und ihr Grüßen, Da nimms3: es kann dir Leid verſlüßen. Magſt du ihren Kuſs erlangen, . Und herzend ihren Leib umfangen, 128 Das giebt dir Glü> und hohen Muth, Wenn ſie keuſch iſt und gut. n Deinen Fürſten, wiße, Sohn mein, Hat der ſtolze kühne Lähelein 5 Zwei Länder abgefochten, Die dir ſonſt nun zinſen mochten: Waleis und Norgals. Deiner Fürſten Einer, Turkentals, Den Tod von ſeiner Hand empfing: 10 All dein Volk er {<lug und fing.“ „Das räh i< Mutter, will es Gott, Jhn verwundet no< mein Gabilot.“ Da Morgens ſchien des Tages Licht , | Der ſtolze Knappe ſäumte nict: | 15 Artus ihm im Sinne lag. | Sie küſst' ihn oft und lief ihm na@. Der gröſte Jammer da geſchah, Als fie den Sohn nicht länger ſah. Der ritt hinweg: wen mag das freun 20 Da fiel die Fraue Falſches rein Zur Erde, wo ſie Jammer ſchnilt | Bis fie den Tod davon erlitt. | Ihr getreuliher Tod | Bewahrt ſie vor der Hölle Noth.
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25 O wohl ihr, daß fie Mutter ward! So fuhr die lohnergiebge Fahrt Dieſe Wurzel aller Güte, Aus der das Reis der Demuth blühte. Weh uns, daß uns niht verblieb Jhre Sippe bis zum eilften Glied!
129 Drum muß man ſo viel Falſchheit ſchaun. Dog ſollten die getreuen Fraun | Heil erwünſchen dieſem Knaben,
Den fie hier ſehen von ihr traben. | 5 Da fuhr der Knappe wohlgethan . | In den Wald von Briziljan. Er kam an einen Bach geritten, Den ein Hahn hätt überſchritten. Da ſtunden Blumen hell und klar; 10 Doch weil ſein Fluß ſo dunkel war, Fiel ſeiner Mutter Rath ihm bei: Er ritt tagüber dran vorbei , Wie es ihm denn im Haupt niht ſonnte. Die Nacht verbracht er wie er konnte; 15 Dog als der lihte Tag erſchien Hub er zu einer Furt ſi< hin, Die lauter war und wohlgethan. Auf jener Seite war der Plan Mit herlihem Gezelt geſhmüdt, - 20 Viel Reichtum ward daran erbli>t. Das Zelt war hoh und weit dabei, Der Samt von Farben dreierlei; Auf den Näten lagen Borten gut. Von Leder hing dabei ein Hut, 25 Den man drüber ziehen ſollte Jmmer wenn es regnen wollte. Dük Orilus de Lalander, Des Weib darunter fand er E Wonnigli<h ruhen, wie es ſchien, Eine reihe Herzogin, 130 Ihres Ritters liebſtes Pfand; Jeſchute war fie genannt. Entſchlafen war die Fürſtin werth.
- Sie trug der Minne ſhärfſtes Schwert:
6&6 Einen Mund durthleuchtig roth, | Verliebten Ritters Herzensnoth. Während die Schöne {<lief, | Der Mund ihr von einander lief :
Das huf der Minne Glut und Feuer. | 10 So lag das ſchönſte Abenteuer. - i | Schneeweiß, wie von Elfenbein, | Zuſammen dit gefügt und klein, So ſtanden ihr die lihten Zähne. Mich gewöhnt man nicht, i< wähne, 15 An ſo hochgelobten Mund; e Sol Küſſen wird mir ſelten kund. Von Zobel eine Dee fein Sollt ihr verhüllen Hüft und Bein, Die ſie vor Hize von ſich ſtieß, 20 Wenn ſie der Wirth alleine licß. Sie war geſhmüd>t na< Hofes Art, An Jhr war keine Kunſt geſpart : Gott ſelber huf den ſüßen Leib. Es trug das minniglihe Weib 26 Langen Arm und blanke Hand. Ein Ringlein dran der Knappe fand, Das ihn nah dem Bette zwang, " Wo er mit der Fürſtin rang. | Ihm rieth ja die Mutter ſein | Zu der Frauen Ringelcin. 131 Snell ſprang der Knappe wohlgethan © P Von dem Teppich an das Bett heran. i | Das reine Weib unſanft erſchrak | Da der Knapp ihr in den Armen lag: | 5 Sie muſte wohl erwachen. | Beſchämt und ſonder Lachen | Sprach die man keuſche Zutht gelehrt : | „Wer iſ es, der mich ſo entehrt ? Jungherr , es iſ euch allzuviel : | 10 Wählt euh doh ein ander Ziel.“ Wie laut ſie ſich beklagte, | Er frug niht was ſie ſagte, i | Ihren Mund er an den ſeinen zwang. Auch bedacht er ſih niht lang, 15 Er drü>t? an fih die Herzogin, Jhr ein Ringlein abzuziehn ; Eine Spange ſah er ihr am Hemd: Die brach er nieder ungehemmt. Die Frau war nur ein Weib zur Wehr, 20 Seine Kraft war ihr ein ganzes Heer; Sie wandt ihn doh mit Ringen ab. Seinen Hunger klagte jezt der Knapp:
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Da war ſie frei der ſchweren Pflicht. Sie ſprah: „Mich eßen ſollt ihr nicht.
25 Wärt ihr ein wenig weiſe, Ihr nähmt euh andre Speiſe. y Dahinten ſtehen Brot und Wein | Und zwei Rebhühner obenein, | Die eine Jungfrau brachte, | Nicht euh fie zugedachte.“ |
132 Er frug niht wo die Wirthin ſaß:
Einen guten Kropf er aß. Darnath er ſhwere Trünke trank. Die Frau bedauchte gar zu lang
5 Sein Weilen in dem Pavillon. Sie wähnt’, er wär ein Garzon, Dem Verſtand und Sinn entkam. Der Angſtſhweiß bra< ihr aus vor Scham. Doch ſpra<h zu ihm die Fürſtin rein:
10 „Jungherr, ihr ſollt mein Ringelein Hier laßen und den Fürſpann. Hebt euch hinweg: denn kommt mein Mann, So müßt ihr Zorn erleiden, Den ihr lieber möchtet meiden.“
15 Da ſprach der Knappe wohlgeborn : „Was fürcht i< eures Mannes Zorn ? | Doch kränktis eu< an den Ehren, : So will ih hinnen kehren.“ | Da ſchritt er zu dem Bett heran : j
20 Ein andrer Kuſs ward da gethan; | Gar leid war das der Herzogin. So ritt er ohne Urlaub hin; Er ſprach jedo<: „Gott hüte dein, Denn alſo rieth die Mutter mein.“
25 Der Knappe war des Raubes froh; Eine gute Weile ritt er ſo, Richt fehlt? ihm an der Meile viel: Da kam von dem ih ſprehen will. Bald erſpürt' er an dem Thau Den Beſuch bei ſeiner Frau ;
133 Der Schnüre hatt ein Theil gelitten:
Da war der Knapp durchs Gras geſchritten. Der werthe Herzog au3erkannt Sein Weib im Zelte traurig fand.
5 Da ſprach der ſtolze Orilus: „Wie hab ih, Frau, um euern Kuſs Meine Dienſte {le<t verwendet;
y Geläſtert und geſchändet
Iſt all mein ritterliher Preis:
10 Einen Buhlen habt ihr: ih weiß.“
Sie ſ{hwur, was mocht ihrs taugen?
Mit waßerreihen Augen
Daß fie unſhuldig wäre,
Denn er glaubte niht der Märe.
15 Sie ſprah jedo< mit Angſt und Pein:
„Es kam ein Thor zu mir herein:
Was jemals meine Augen ſahn,
Nie erbli>t i< ſ{hönern jungen Mann. | Mein Ringlein und den Fürſpann hier | 20 Nahm er wider Willen mir.“
„Ei, wie er eu< ſo wohl gefällt: | Gewiſs, ihr habt eu< ihm geſellt.“
Da ſprach fic: „Das verhüte Gott!
Seine Ribbalein , ſein Gabilot
25 Sind mir ſhon zu nah gekommen. Wie mag die Red eu< frommen? Es miſsftünde Königinnen , So niedrig zu minnen.“ Der Herzog wieder begann:
„Frau, nähmt ihr guten Rath nur an, 134 So ließt ihr Eine Sitte fahren:
Statt der Köngin Namen zu bewahren,
Hießt ihr nah Mir nun Herzogin.
Mir bringt der Handel Ungewinn.
5 Meine Mannheit iſt do< wohl ſo ke>,
Daß euer Bruder Ere>,
Mein Schwager, Fils dü Roi Lak,
Euch wohl deswegen haßen mag.
Auch erkennt der Degen weis,
10 Wohl if mein ritterliher Preis
Von jedem andern Fle>en rein,
Als daß er mi vor Prurein
Im Tjoſte hat bezwungen.
Doch hab J< an ihm errungen
15 Hohen Preis vor Karnant.
In rechter Tjoſt ſtah meine Hand ! Ihn vom Roſs und heiſchte Fianze.
Durch den Schild hat meine Lanze j Ihm euer Kleinod gebracht.
20 Eure Huld, hätt ih da nicht gedacht, Käm' Andern je zu Gute, . | Meine Herrin Jeſchute.
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„Ueberzeugt auch ſeid ihr des, | Frau, daß der ſtolze Galoes, 25 Fils dü Roi Gandein, | Im Tod erlag der Tjoſte mein. Ihr ſelber hieltet nah dabei, y Wo mir Plihopliherei Entgegen tioſtierend ritt Und mi< im Streite da beſtritt. 135 Hinters Roſs mein Sper ihn züdte, Daß kein Sattel mehr ihn drückte. So hab ih manchen Preis errungen, Viel Ritler hinters Roſs geſchwungen. 5 Das kam mir nit zu Gute hier: y Die höchſte Schande wehrt' es mir. „Sie haßen mi< mit Grunde, Die von der Tafelrunde. Jhrer a<te ſta< ih nieder da 10 Wo es mante Jungfrau ſah, Bei dem Sperber dort zu Kanedig. Ich behielt eu< Preis und mir den Sieg, Wie ihr bei Artus wohl erſaht , Der meine Schweſter bei ſi hat, 15 Die Süße, Kunnewaren. Jhr Mund kann nicht gebahren Mit Lachen, eh ſie Den erſehn, Dem den höchſten Preis fie zugeſtehn. - Ach käm mir doch derſelbe Mann! 20 So würd ein Streiten hier gethan Wie heute Morgen, da i< kämpfte Und eines Fürſten Hohmuth dämpfte, Der mir ſein Tioſtieren bot: Da gab ihm meine Tjoſt den Tod.“ | 25 „I< will von ſolchem Zorn nichts ſagen, Daß manger hat ſein Weib geſchlagen | Um geringere Schuld. | Sollt ih euch verliebte Huld | Im Ritterdienſt noch bieten , 5 So gewännt ihr nur die Nieten. 136 J< will niht mehr erwarmen In euern blanken Armen, Wo ih wohl ſonſt in Minne lag | Manthen wonniglihen Tag. 5 Jh mah euch bleih den rothen Mund, Euern Augen thu ih Röthe kund; y
Eurer Freude will i< wehren, Euer Herze Seufzer lehren.“ Die Fürſtin ſah den Fürſten an, 10 Jhr Mund da jämmerlih begann: „Nun ehrt an mir die Ritter all. Weiſ und getreu ſeid ihr zumal Und wohl auch ſo gewaltig mein, | Ihr könnt mir ſchaffen hohe Pein; 15 Nur geht erſt weislih zu Gericht. Bei allen Fraun, verſäumt es nicht! Verdien is, trag ih gern die Noth. E Fänd ih von andrer Hand den Tod, Daß es Euch niht Shmah erwürbe, 20 Wie gern ih dann erſtürbe! Das wär mir eine ſüße Zeit, Da Ihr mir doch erzürnet ſeid.“ | Wieder brach der Zornge los : | „Frau, euer Hochmuth wird zu groß, : 26 Dem ſei ein Maß beſchieden. | - Geſellſchaft wird vermieden | Mit Trinken und mit Eßen, | Beilagers gar vergeßen. | Euch wird kein anderes Gewand N Als dieß, worin ih heut euh fand. 137 Sei euer Zaum ein Seil von Baſt, Der Hunger lad eur Pferd zu Gaſt; Allen ſeinen Shmu> verliert Euer Sattel wohlgeziert.“ 6 Hurtig zerrt und riß er da Den Samt herab. Als das geſchah, Und der Sattel brach, den fie geritten ' (Ihre keuſchen reinen Sitten , Hatten ſeinen Haß erfochten): e 10 Mit dem Stri>, von Baſt geflohtcn, Richtet! er ihn wieder zu; Sein Haß benahm ihr gar die Ruh. ö Der Herzog ſpra< na ſol<hem Thun: „Herrin, laßt uns reiten nun. 15 Wie wär ich froh, erreicht i< ihn, Der eure Minne nahm dahin. Ich beſtünd das Abenteuer , Gäb auqch ſein Athem Feuer Wie eines wilden Drachen.“ 20 Mit Weinen ſonder Lachen
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Sthied aus dem Zelte trauriglih | Die edle Frau, und härmte ſi. Sie hing dem eignen Leid niht nah, ) Nur ihres Mannes Ungemach. | 25 Sein Trauern {uf ihr ſolche Noth, Jhr wäre lieber wohl der Tod. Nun ſollt ihr treulih ſie beklagen, Sie muß nun hohen Kummer tragen. Wär mir aller Frauen Haß bereit, ; Mich härmte do< Jeſchutens Leid. 138 So ritten ſie auf ſeiner Fährte. | Der Knapp ſein Roſs auh Eile lehrte ; | Nur wuſte niht der Unverzagte Daß man hinterdrein ihm jagte; 6 Doch Wen ſein Auge wahr nahm, Sobald er ihm ſo nahe kam, | Der gute Knappe grüßt? ihn fein Und ſprach: „So rieth die Mutter mein.“ Alſo ritt der täppſhe Knab 10 Einen Berghang hinab. Als er vor den Felſen kam, Eines Weibes Stimm er dort vernahm. Vor Jammer ſchrie ſie manchen Sthrei; Jhr war die Freude gar entzwei. 15 Der Knappe ritt ihr eilends nah: Nun hört, was that die Jungfrau da? In ihres Herzleides Drang Riß die braunen Zöpfe lang Sigune jammernd aus der Haut. ] 20 Als der Knapp ſi< umgeſchaut, Sthionatulander In der Tjoſt erſchlagen fand er Liegen in der Jungfrau Schooß, Die aller Freuden nun verdroß. 26 „Mag er traurig oder fröhlich ſein, Ihn grüßen hieß die Mutter mein: Gott wahr euch,“ ſprah des Knappen Mund. „Ich habe jämmerlihen Fund In euerm Schooß gefunden ; | Wer {lug ihm ſolhe Wunden?“ | 139 Der Knapp ſprah unverdroßen Noh: „Wer hat ihn erſhoßen ? | Geſhahs mit einem Gabilot ? | Mich dünket , Frau, er liege todt.
5 Wollt ihr mir davon nicht ſagen Wer euch den Ritter hat erſchlagen? Kann ih ihn noch erreiten, Jc will gerne mit ihm ſtreiten.“ Da nahm der preiswerthe Knab 10 Einen Köcher herab, Drin er ſcharfe Gabilote fand. Ex trug auh noh in ſeiner Hand Was er Frau Jeſchuten nahm, Zu der er in der Einfalt kam. "15 Wär ſeines Vaters Brau ihm kund, Der doch ſein angebornes Pfund, Er hätte wohl den Schild geſchwenkt, Doch nicht die Herzogin gekränkt , Die er von aller Freude ſchied. 20 Mehr denn ein ganzes Jahr vermied Sie mit Gruß und Kuſs der Mann; | Unrecht ward der Frau gethan. Nun hört auh von Sigunen ſagen : Die konnt ihr Leid mit Jammer klagen. 25 Sie ſpra< zum Knappen: „Du haſt Tugend ; Geehrt ſei deine ſüße Jugend Und dein Antlig minniglih: Fürwahr, das Glü> erwartet dich. - Dieſen Ritter mied das Gabilot, ¡ Er empfing von einer Tjoſt den Tod. 140 Dir wurzelt Treu im Herzen, Ï Daß er di ſo kann {merzen.“ j Eh die Beiden Abſchied nahmen, y Frug fie ihn na< dem Namen | 5 Und geſtand, daß Gott ſich an ihm fliß. „Bon Fils, {her Fils , beau Fils, Alſo hat mich ſtäts genannt, | Der ih daheim bin bekannt.“ Da geſprochen war das Wort, | 10 Jhn erkannte ſie ſofort. | Nun hört ihn endlih nennen, Daß ihr hinfort mögt kennen Dieſer Aventüre Held, Der dort noch bei der Jungfrau hält. 15 Da ſpra< ihr rother Mund zumal: „Fürwahr du heißeſt Parzival. Der Name ſagt: Jnmitten dur. Die Liebe ſchnitt wohl ſolhe Fur
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In deiner Mutter treues Herz; 20 Dein Vater hinterließ ihr Schmerz. Richt ſag i<s mir zum Ruhme: Deine Mutter iſt mir Muhme. Vernimm auch ohne falſche Liſt | Die rehie Wahrheit wer du biſt. | 25 Dein Vater war ein Anſchewein; Ein Waleis von der Mutter dein Viſt du geborn zu Kanvoleiß, Wie ih mit ganzer Wahrheit weiß. Tu biſt au< König zu Norgals: | In der Hauptſtadt Kingrivals | 141 Soll dein Haupt die Krone tragen. | Für Dich ward dieſer Fürſt erſchlagen, | Der ftäts dein Land dir wehrte, : Seine Treue nie verſehrte. 5 Junger ſchöner ſüßer Mann, Zwei Brüder thaten Leid dir an. Zwei Länder nahm dir Lähelein ; Dieſen“ Ritter hier, den Oheim dein, Sélug Orilus im Einzelſtreit ; 10 Der ließ au< mi<h in dieſem Leid. Mir dient’ ohn alle Schande Dieſer Fürſt von deinem Lande, Wo deine Mutter mich erzog. Lieber Vetter, höre doch, 15 Wie ihm ſol< Ende ward zu Theil ; Ihm ſchuf ſol< Leid ein Braenſeil. Jn unſern Dienſten hat den Tod Der Held erjagt, und Schnſuchisnoth | Mir nach ſeiner Minne. | 20 Wohl hatt ih kranke Sinne, ; Daß ih ihm Minne niht geſchenkt: Drum hat Der Alles ſha} und lenkt Jede Freude mir verboten : Nun minn ih ſo den Todten.“ 25 Da ſprach er: „Baſe, mir iſt leid Meine Schande wie dein Herzeleid. Mag ih das künftig rächen, Will ih mi<s niht entbrechen.“ Da wollt er ſhon zum Streit hinweg; Doch wies fie ihn den falſchen Weg, 142 Daß Er das Leben nicht verlöre Und Sie noch größern Schaden köre. Er gerieth auf eine Schneiſe,
Die führt’ ins Land der Bretaneiſe;
5 Sie war gar breit und wohlgebahnt. Wen er zu Fuß und Roſs da fgnd, Ritter oder Kaufmann,
Die ſprach er alle grüßend an, Y Denn das wär ſeiner Mutter Rath; 10 Die gab ihn auh ohn Uebelthat. Da die Dämmerung begann Große Müde fiel ihn an. Da ſah der Einfalt Spielgenoß Ein Haus, das war nicht eben groß: :
15 Darinnen ſaß ein karger Wirth,
Wie der Bauer ſelten höfiſ< wird. Dieſer war ein Fiſchersmann, Der auf keine Güte ſann.
| Den Knappen Hunger lehrte,
20 Daß er bei ihm einkehrte Und klagte ſeines Hungers Noth.
Der ſpra<h: „Jh gäb ein halbes Brot Euch noh niht in dreißig Jahren. Wer meine Milde zu erfahren
| 25 Harren will, wie ſäumt der ſi! Ich ſorg um Niemand als um mic, Demnächſt um meine Kindelein : E Hier kommt ihr heute niht herein. Hättet ihr Pfennig oder Pfand, Ich behielt’ eu< gleih zu Hand.“
443 Was bot der Knappe da ihm an? e Frau Jeſchutens Fürſpann. Wie der Bauer das erſah, Lachendes Mundes ſprach er da: _
5 „Willſt du bleiben , ſüßes Kind,
Dich ehren alle, die hier ſind.“ — „Kannſt du heut Naht mich ſpeiſen, Den Weg mir morgen weiſen Zu Artus (dem bin ih hold),
10 So mag verbleiben dir das Gold.“
„Das thu ih,“ \ſpra< der Villan. | „Ich ſah nie Kind ſo wohlgethan: y Ich bring dih als ein Wunder
Vor des Königs Tafelrunder.“
15 Die Naht verblieb der Knappe dort;
| Frühmorgens zog er wieder fort. | Er hatte kaum des Tags erharrt ;
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Der Wirth auch balde fertig ward Und lief voraus; der Junggeſell 20 Ritt nach: fie waren beide ſchnell. Mein Herr Hartmann von Aue, Ginover eurer Fraue, Und Artus euerm König hehr, Y Ihnen kommt von mir ein Gaſt daher. 25 Seht, daß man ſein niht ſpotte. Er iſ} Geige niht no< Rotte, | Laßt ſie ein ander Spiel ſi< nehmen: : So muß fih ihre Zucht nicht ſhämen. Sonſt wird eure Frau Enide Und ihre Mutter Karsnafide 144 Dur<h die Stampfmühl auh gezüdt , Mit Hohn ihr Lob all überbrüd>t. Sollt ih den Mund mit Spott verſchleißen, * Meinen Freund wollt ih dem Spoit entreißen. | 5 Da kam mit dem Fiſchersmann Unſer Knappe wohlgethan e Des Landes Hauptſtadt ſo nah, E Daß man Nantes wohl erſah. Da ſprach er: „Kind, Gott hüte dein. | 10 Nun ſich, dort muſt du reiten ein,“ | Der Knappe guten Sinnes bar | Sprach: „Weiſe mi<h no< näher dar.“ „Das laß ih bleiben, liebes Kind: So ſtolz iſt all das Hofgeſind, 15 Käm ihm ein Villan zu nah, | Der fände übeln Lohn allda.“ | Da ritt der Knapp allein voran, Auf einen nicht zu breiten Plan Von bunten Blumen überzogen. 20 Kein Kurvenal hatt ihn erzogen. Er wuſte nihts von Kurtoiſie : Der Ungereiſte weiß das nie. Von Vaſt geflohten war ſein Zaum, Sein armes Röſslein trug ihn kaum, 25 Strauchend thät es manchen Fall. Auch war ſein Sattel überall Von neuem Leder unbeſhlagen. y Von Härmelin und ſamtnen Kragen Trug er kein zu ſhwer Gewicht ; | Mantelſchnüre braut er nicht: 145 Für Sufkni und für Sürkot
Hatt er nur ſein Gabilot. Der nie der reinſten Zucht vergaß, Sein Vater einf geſ<mü>ter ſaß | _6 Auf vem Teppich dort vor Kanvoleis. Dem Furt nie mate kalt noh heiß, “Einem Ritter, der da kam geritten, y Bot er Gruß nach ſeinen Sitten : „Gott wahr euch, rieth die Mutter mir. 10 „Gott lohne, Junker, eu< und ihr,“ Sprach Artuſens Baſenſohn , Den erzogen Utepandragon; Auch ſpra< derſelbe Weigand ' Als Erbtheil an der Brittcn Land. 15 Es war Jther von Gahevieß, Den man den rothen Ritter hieß. All ſeine Rüſtung war ſo roth, Daß fie den Augen Röthe bot. Sein Roſs war roth aber ſchnell. 20 Allroth war ſein Gügerel, Seine Kovertür von rothem Samt, Sein Schild ein Feuer roth entflammt, Roth ſein Korſett , laßt eu< melden, Und wohlgeſhnitten an dem Helden, e 25 Roth war ſein Schaft, roth war ſein Sper; Roth auch hatt auf ſein Begehr Sein Schwert der Schmied geröthet, Doch die Schärfe nicht verlöthet. Der König von Kukumerland Roth von Gold in ſeiner Hand 146 Stand ein Becher reich geziert, Den er der Tafelrund entführt. Mit blanker Haut, mit rothem Haar E Zum Knappen ſprach er, freundlih zwar: $ „Geſegnet ſei dein ſüßer Leib, | Dich trug im Schooß ein reines Weib. | Der Mutter Heil, die di gebar! | Niemand war je ſo ſ{ön und klar. Du wirſt der Minne Brand und Krieg, 10 Jhre Niederlage wie ihr Sieg. Du wirſt der Frauen Wunſch und Luſt, Du wirſt ihr Jammer, ihr Verluſt. Lieber Freund, willſt du zur Stadi, | So grüße doh, wie ih dvi bat, | 15 Den König Artus und die Seinen i Und ſag: nicht flüchtig zu erſheinen
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Woll ih hier warten und beſhaun Wer ſih- zum Kampfe wird getraun. „Es nimmt ſie, hoff i, all niht Wunder. 20 J<< ritt hin vor die Tafelrunder Und machte Anſpruh auf mein Land. Dieſen Kopf mit ungefüger Hand Erhob ih, daß der Wein entfloß Frau Ginoveren in den Schooß. 25 Das that ih, Anſpruch zu erheben; e Verbrannten Strohwiſh übergeben , | Davon wird ruſſig leicht die Haut: Drum mied is,“ \ſpra<h der Degen laut. „Auch um Raub bin ih nicht hergefahren , | Meine Krone kann mir das erſparen. 147 Nun ſage, Freund, der Köngin an, Richt Ihr hab ihs zur S<hmach gethan, Nur den Werthen , die da ſaßen Und der re<hten Wehr vergaßen. | 5 Seins Könge, ſeiens Fürſten, | Soll dort ihr Wirth verdürſten? | Holen fie ſeinen Goldnapf nicht, Jhr hoher Preis wird all zunicht.“ | Der Knapp ſprah: „Ich beſtelle dir ! 10 Was du geſprochen haſt zu mir.“ | Er ritt von ihm, zu Nantes ein. | Ihm folgten viel der Junkerlein | Auf den Hof vor den Saal: Da war ein Leben, war ein Schall! | 15 Bald entſtand Gedräng um ihn; Jwanet ſprang zu ihm hin: Dieſer Knappe Falſches ſrei | - Vot ihm ſeine Kompanei. | Der Knappe \prah: „Gott wahre di; 20 Meine Muiter lehrie mih Eh ih von ihr ſchied, den Gruß. Hier ſeh i< manchen Artus: Welcher ſoll mi Ritter machen?“ Jwanet begann zu lachen: 26 „Du haſt den reten niht geſehn; Doch es ſoll ſogleih geſchehn." Da trat er mit ihm in ven Saal Zu den Tafelrundern allzumal. So viel vermo<ht er in dem Shall, Er ſprah: Bewahre Gott euch all,
| 148 Zumal den König und ſein Weib. Meine Mutter rieth, daß ih beileib | Die begrüßte glei< zur Stunde, - Und Wer hier an der Tafelrunde 6 Mit Ehren Sig erworben hakt, Die alle ſie mi< grüßen bat. An Einer Kunſt mir noh gebricht: e | Wer hier der Wirth iſt, weiß ih nit: ' Ein Ritter ihm dur mich entbot 10 (Den ſah ih allenthalben roth), Er harre ſeiner vor dem Thor ; Mich dünkt, er ſoll zum Kampf hervor. | Jhm iſ auh leid, daß er den Wein Verſchüttet auf die Köngin rein. 15 O hätt ih doc, ſein Streitgewand Empfangen von des Königs Hand! Aller Freuden rühmi' ih mit, | Denn es ſteht ſo ritterlich !“ Únſer Jungherr unbezwungen i; 20 War von Leuten ſo umrungen, Jhn trieb bald hin bald her die Schar. Sie nahmen ſeines Ausſehns wahr. Da mar es leiht zu ſchauen: An Herren no< an Frauen 25 Sah man nie holder Angeſicht. In übler Laune war es nict, Daß Gott Parzivaln erdachte, Dem kein Schre>en Schre>en brachte. So ſtellte fich Artuſen vor y Den Gott zu einem Wunder kor. 149 Haßen konnte Niemand ihn. Da beſchaut’ ihn auh die Königin Eh ſie aus dem Saale ſchied, Wo ihr Gewand der Wein niht mied. 5 Artus ſah den Knappen an; Zu ſeiner Einfalt ſpra< er dann: | „Habt , Junker, eures Grußes Dank; 7 Jch vergelt ihn gerne lebenslang | Mit Herzen und mit Gute: 10 Traun, ſo iſ mir zu Muthe.“ | „Wollte Gott , das würde wahr! Vis dahin dünkt mi< wohl ein Jahr. Daß ih niht Ritter werden ſoll, Das thut mir übler viel als wohl;
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15 Nun haltet mi nit länger hin:
Sei Rittersehre mein Gewinn." | Der Wirth ſprah: „Jh bin gern bereit, Gebricht mir ſelbſ| ni<t Würdigkeit.
Du biſt ſo edel wohl von Art,
20 Mit vollen Händen ungeſpart Will ih dir meine Gabe ſchenken; Fürwahr, i< darf mih nicht bedenken.
Gedulde di bis Morgen, So will ih für. dih ſorgen.“ 25 Der wohlgeborne Knappe Stand gaggernd wie ein Trappe. Er ſpra<: „Jh will niht mehr erbitten: | Der mir entgegen kam geritten, Kann ich niht Deſſen Rüſtung haben, So frag ih nihis na< Königzgaben. ' 150 Mir giebt wohl no die Mutter mein; | Die ſoll doh eine Köngin ſein.“ Artus hub zum Knappen an: „Die Rüſtung trägt ein ſol<er Mann,
5 Ich wag es niht, fie dir zu geben. | Ih ſelber muß in Kummer \ſ{hweben y Sonder alle meine Schuld,
Weil ih darbe ſeiner Huld. Es ift Jther von Gahevieß, 10 Der Leid mir durch die Freude ſtieß.“ | „Ihr wärt unmilde, König hehr „ Schien euch ſol< Geſchenk zu ſ{wer. Gebts ihm immer,“ ſpra< Herr Keie, „Und laßt ihn zu ihm in das Freie. 15 Wollt ihr zurü> den goldnen Kopf,- y Hier iſt die Geiſel, dort der Topf: Gönnts dem Kind, ihn umzutreiben ; Man wird es Fraun mit Ruhm beſchreiben. Er muß no< manchen Stoß ertragen , 20 Noh mante Ruthe wird ihn \ſ{lagen. Ich ſorg um ihrer Keines Leben: Man ſoll Hund’ um Eberköpfe geben.“ „Ungern wollt ih ihm verſagen, Ich fürchte nur er wird erſchlagen, | 26 Den ih zum Ritter machen ſoll,“ | Spra Artus aller Treue voll. Der Knapp empfing die Gabe doch. Wie nahe ging das Manchem noch! .
Der Jüngling eilends aufbra<; Alt und Jung drang ihm nah. 151 Jwanet zog ihn an der Hand Vor einer Schaulaube Rand. Sein Auge vor und rü>wärts flog: Auch war die Laube nicht zu hoch, - 56 Daß er gar wohl darauf vernahm Was bald ihm Kummer {huf und Gram. | Da wollte ſelb die Königin An das Laubenfenſter hin Mit Rittern und mit Frauen. 10 Sie wolltens Alle ſchauen. | Da ſaß au< Kunneware, | Die ſtolze und die klare: Die lachte weder laut noh leis Vis Der kam, der den höchſten Preis 15 Erworben oder ſollt erwerben; i Lieber wollte ſie erſterben. Alles Lachens blieb ſie frei ; Doh als der Knappe ritt vorbei , Da erlaht ihr minnigliher Mund: 20 Dafür ward ihr der Rücken wund. Da faßte Kei der Seneſchant E Frau Kunnewaren de Lalant Bei ihrem lo>igen Haar. Jhre langen Zöpfe klar | 25 Wand er ſi< um ſeine Hand: y Er ſpängte ſie ohne Spängelband. Ihrem Rü>en ward kein Eid geſtabt; Doch ward ein Stab ſo dran gehabt Vis ſein Sauſen ganz verklang, Daß es Kleid und Haut durhdrang. 152 So ſprah der Unweiſe: „Ihr habt nun euerm Preiſe Mit Schmach den Abſchied gegeben: | I< fing ihn im Vorüberſhweben 6 Und will ihn wieder in eu< {mieden , | Daß ihrs empfindet in den Glieden. Mich dünkt, dem König Artus wär Zu Haus und Hofe ſhon bisher Geritten mancher werthe Mann; 10 Doch Jhr lactet ihn nict an, Und lacht um jenen Mann ſo laut, Der Ritterſitte nie geſchaut.“
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Was auch im Zorn geſchehen mag, Das Reich hätt ihm doh keinen Schlag 15 Zucrkannt auf dieſe Magd, Die ſehr von Freunden ward beklagt. . Dürfte ſie der Schildrand tragen , | Sein Unfug würd ihm heim geſchlagen. | Jhr fürſtlih Blut ift re<t und rein: 20 Orilus und Lähelein, Ihre Brüder , hättens die geſehn, Manqher Schlag wär nicht geſchehn. Der verſhwiegne Antanor, Der um ſein Schweigen daucht ein Thor, 25 An gleichen Schicſalsfäden Hing Jhr Lachen und Sein Reden: Er wollte nie ein Wörtlein ſagen Bis Sie gelacht, die Kei geſchlagen. Als ihr Lachen nun geſchah, Sein Mund ſpra< zu Keien da: 153 „Gott weiß, Herr Seneſchant, Daß Kunneware de Lalant Um den Kuappen ward miſshandelt , Freud in Leid wird eu< verwandelt 5 Noch dafür von ſeiner Hand, Wenn erſt ſih Zeit und Stunde fand.“ „Da euer erſtes Wort mir dräut, So ſorg ih, daß es euh nicht freut.“ Zermürbt ward ihm der Braten, 10 Zugeflüſtert und gerathen Viel dem {innbegabten Thoren | Mit Fauſtſhlägen um die Ohren. Das that Herr Keie vor dem Saal, Daß der junge Parzival 15 Die Beſchimpfung mochte ſchauen Antanors wie der Frauen. ] Leid war ihm herzlih ihre Noth; Er griff wohl oft zum Gabilot: Vor der Königin war ſolcher Drang, | 20 Daß er es darum niht ſhwang. Urlaub nahm da Jwanet Vom Fils dü Roi Gahmuret. Alleine hub ſi< Der ſodann Hinaus zu Jthern auf den Plan. 26 Dem bracht er dort die Märe, Daß in Nantes Niemand wäre,
Der Luſt mit ihm zu ſtreiten habe. : „Mich gewährte Artu3 einer Gabe, Ich ſagt! ihm, wie dein Auftrag war, | Daß es dein Wille ganz und gar 154 Nicht war, die Köngin zu begießen: Dich werde Unfug ſ\täts verdrießen. Sie gelüftet niht des Streites. Das Roſs gieb, drauf du reiteſt | 5 Und deine Rüſtung allzumal: Jh empfing ſie auf dem Saal, | Weil ih drin Ritter werden muß. ' Verſagt ſei dir mein Gruß, | Wenn du mir es ungern giebſt: 10 Nun gieb mir, wenn du Klugheit liebſt.“ Der König von Kukumerland Sprach: „Hat dir Artuſens Hand Meine Rüſtung gegeben? Er gäbe dir mein Leben, 15 Könnteſt du mirs abgewinnen: | So fkann er Freunde minnen. War er dir {on früher hold? Dein Dienſt erwarb ſo ſchnell den Sold.“ „Jh mag erwerben was ih will. | 20 Wohl ift es wahr, er gab mir viel. Gieb her und laß dein Landrecht: Ich will niht länger ſein ein Knecht, Jh ſoll nun Schilde8amt bekommen.“ Schon hatt er ihn beim Zaum genommen: 25 „Am Ende biſt du Lähelein, Von dem mir klagt die Multer mein.“ Der Ritter wandte ſeinen Schaft, Und ſtieß den Knappen ſo mit Kraft, Daß er mit ſeinem armen Roſs Nieder auf die Blumen ſchoß. e 155 Ihn ſlug der Zornerhigzte, Daß ihm vom Schafte ſprigte Aus der Haut ſein rothes Blut. Parzival der Knappe gut 5 Stand hier zornig auf dem Feld. | Sein Gabilot ergriff der Held: Wo der Helm und das Viſier Sich ſcheiden ob dem Härſenier | Traf ihn dur<s Aug das Gabilot 10 Und dur den Naten, daß er todt
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E Hinfiel,, der Falſchheit Gegenſay. | Seufzern, Klagen machte Play | Ithers Tod von Gahevieß, | Der Frauen naße Augen ließ. |
15 Die ſeine Minne je empfand, Der war die Freude fern gebannt , Der war verſcherzt der heitre Scherz, Verwandelt in der Trauer Schmerz. Parzival war no< ſo dumm, 20 Er kehrt? ihn hin und wieder um, Ihm die Rüſtung abzuftreifen ; Doch konnt ers nicht begreifen. : Das Helmband und man< Schinnelier Mit ſeinen blanken Händen zier E 25 Wuſt er niht aufzuſtri>en , | Noth ſonſt herab zu zwi>en; , Jedoch verſucht ers oft genug, Der weder weiſe war no klug. Das Streitroſs und das Pferdelein Huben an zu wiehern und zu ſchrein. 156 Da vernimmt es Jwanet, Der vor der Stadt am Graben ſteht, Vetter und Knapp der Königin: Da er hörte wie die Pferde ſchrien, 5 Und da er Niemand drauf erſah, Der Liebe Willen that ers da, Die er zu Parzivalen trug, Daß zu ihm lief der Knappe klug. Da fand er Jtheren todt, 10 Und Parzival in Dümmlingsnoth; Wie bald er ihm zu Hülfe ſprang! Da ſagit’ er Parzivalen Dank, Daß den Preis erworben ſeine Hand An dem von Kukumerland. 15 „Gott lohns. Doch rathe was ih thu. Jh kann hier gar nicht re<t dazu: Wie brings ih von ihm und an mi<?“ „Sei nur getroſt, ih lehr es dich,“ Sprach der ſtolze Jwanet 20 Zum Fils dü Roi Gachmuret. | Entwappnet ward der todte Mann Da vor Nantes auf dem Plan, | Das Kleid dem Sieger angelegt , | Der noh der Einfalt Zeichen trägt.
25 Iwanet ſprach: „Die Ribbalein Dürfen niht unterm Eiſen ſein: Du ſollft nun tragen Ritterskleid. Das Wort war Parzivalen leid. Da begann der gute Knab: 5 | „Was mir meine Mutter gab, 157 Das foll niht von mir kommen, Mag es ſchaden oder frommen.“ Das dauchte wunderli< genug JIwaneten (der war klug); 5 Dennoth folgt’ er ihm getroſt, Und war ihm niht darum erboſt. Er ſ{uht? ihm über die Ribbalein Zwei Eiſenhoſen liht von Schein; Mit edeln Borten ohne Leder - 10 (Sie gehörten zu jedweder) Fügt! er ihm Sporen golde8roth. Eh er ihm den Halsberg bot, Band er ihm um man< Schinnelier. Nieht lange mehr, ſo ſah man hier 15 Von Haupt zu Fuß in blankem Stahl Den ungeduldgen Parzival. y Gern hätt der Knappe wohlgethan Seinen Köcher umgethan. nI<h reiche dir kein Gabilot, 20 Weil dieß die Ritterſchaft verbot | Spra Jwanet der Knappe werth; | Er ſchnallt’ ihm um ein ſharfes Schwert : Das lehrt’ er ihn vom Leder ziehn Und widerrieth ihm zages Fliehn. 25 Näher zog er dann heran Des todten Mannes Kaſtilian ; Es war von Beinen ho< und lang. ! Der gewappnet in den Sattel ſprang, | Stegereife brauchi? er nicht, y Von deſſen Raſchheit man noch ſpricht. 158 Nog ließ Jwanet niht nach, Er lehrt’ ihn unter Schildesdach Nach Kunſtgebrauh gebahren Und des Feindes Bruſt nicht ſparen. 5 Er gab ihm in die Hand den Sper. Darnath verlangte den nicht ſehr; Doh fragt’ er: „Wozu ſoll das frommen 2‘ aDie gegen dich tjoſtierend kommen , Auf die ſollſt du ihn brechen,
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10 Durch ihren Schild verſtehen. * Wer das ret zu treiben weiß, Der hat vor den Frauen Preis.“ Die Aventüre giebt Bericht , Nicht zu Köln no< Maſtricht ‘15 Könnt ihn ein Maler ſhöner malen A13 mán ihn ſah vom Pferde tralen. Zu Jwaneten hub er an: „Lieber Freund und Kumpan, Jh hab erworben was ih bat: 20 Meinen Dienſt nun magſt du in der Stadt Dem König Artus ſagen : Und ihm meine Schande klagen. Bring ihm zurü> den Goldnapf hier. Ein Ritter bra<h die Zucht an mir, 25 Daß er die Jungfrau ſlug ſo ſehr, Die mein gelaht von Ohngefähr. Mir liegt ihr Jammer ftäts im Sinn, Es rührt mein Herz niht obenhin: Wohl muß inmitten drinne ſein Der Jungfrau unverdiente Pein. 159 Nun thus, weil wir uns gerne ſehn, Und laß den Schimpf dir nahe gehn. Gott hüte dein; i< will nun fahren: Der mag uns Beide wohl bewahren.“ 5 Jämmerlich da liegen ließ Der Held Ithern von Gahevieß. Der war im Tod noh minniglih, Im Leben lebt? er ſeliglih. Hätt ihn getödtet Ritterſchaft, 10 Ein Sperſtoß ihn dahingeraft , Wer klagte vann ſo ſeltne Noth? Er ftarb von ejnem Gabilot. Viel lihte Blumen ihm zum Dah : Jwanet darnieder brach. | 15 Er ſtieß des Gabilotes Stiel In die Erde, wo er fiel; . | Dann in Kreuzesform ein Holz ! Stach der ſinnge Knappe ſtolz h Durch des Gabilotes Schneide. i 20 Daß er dieß auh nicht vermeide, Er mahl’ es in der Stadt bekannt , hj Wo manthe Frau verzagend ftand, Und mancher Ritter weinte,
| Seine Treue ſo beſcheinte. 25 Da ward der Jammer allgemein. | Man holte {ön den Todten ein: Die Königin ritt aus dem Thor; | Man trug das Heiligtum ihr vor. Ob dem König von Kukumerland, | Gefällt von Parzivalens Hand, 160 Frau Ginover die Königin | Sprach jammervoller Worte Sinn: . „Weh, o weh und heia hei! Artuſens Würdigkeit entzwei "5 Muß brechen dieſes Wunder: Der aller Tafelrunder - | Höchſten Preis ſollte tragen, Wo der vor Nantes liegt erſchlagen. | Sein Erbtheil nur begehrte | 10 Den man hier ſterben lehrte. | Er war doch lange Jngefind | Allhier , daß weder Mann noh Kind Uebles je von ihm vernahm. | Aller Falſchheit war er gram, : | 15 Ueber allen Trug erhaben. | Nun muß ic allzufrüh begraben | Des höchſten Preiſes Siegel. : Sein Herz, der Tugend Spiegel, | Der Treue Grundfeſte , | 20 Rieth immer ihm das Beſte, | Wo man nac Frauenminne | Mit feſtem Muth und Sinne Sollt erweiſen Mannestreu. - Den Frauen wuchert immer neu | 25 Des hier geſäten Leides Kraut, | Aus deiner Wunde Jammer thaut. Dir war do< wohl ſo roth dein Haar, Daß dein Blut die Blumen klar Nicht röther konnte machen. Du verbieteſt weibli<h Lachen.“ 161 Jtiher der lobesreihe Held Ward königlich der Gruft geſellt. Sein Tod die Frauen ſeufzen lehrte, Als ihm die Rüſtung den beſcherte: 6 Das Ende gab ihm ja na< Jhr Des blöden Parzivals Begier; Als er mehr Verſtand gewann, Da hätt ers lieber niht gethan.
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Dieſer Sitte pflag das Roſs, | 10 Daß keine Arbeit es verdroß: Ob es kalt war oder heiß, | ‘Es gerieth vom Laufen nie in S<hweiß, | Obs über Stein und Wurzeln ging. Das Gürten war an ihm gering: | 15 Ein Loch ſhnallt’ es nur hinauf | Wer zwei Tage ſaß darauf. | Gewappnet ritts der kindſhe Mann Den Tag ſo weit, ein Kluger kann Es nicht in zweien reiten 20 Stlind er“ auh auf bei Zeiten. Er ließ es rennen, ſelten traben Und wuſt ihm wenig anzuhaben. „Da der Abend anbrah - Gewahrt’ er eines Thurmes Dach. Ï 25 Da wähnt in ſeinem Sinn der Thor, Der Thürme wühſen mehr hervor; Ihrer ſtunden viel auf Einem Haus. Er dachte, Artus \äe fie aus. Das ſchrieb er ihm für Wunder an Und dacht, er wär ein heilger Mann. | 162 Alſo ſprach der blöde Held: „Meiner Mutter Volk baut {<le<t ihr Feld: So hoch ja wächſt ihr nie die Saat, Die ſie in dem Walde hat, 5 Wo es doch ſelten tro>en wird.“ Gurnemans de Graharz hieß der Wirth In der fern erſhauten Veſte. Ein Linde wiegte breite Aeſte Davor auf grüner Wieſe. 10 Zu breit no< lang war dieſe, Nur in dem rc<ten Maße. Da trug ihn Roſs und Straße Dahin, wo er ihn fißen fand, Dem die Burg war und das Land. 15 Ermüdung war es, die ihn zwang, Daß er den Schild nicht rihtig {<wang, Zu ſehr vor, zu ſehr zurüd, | Und nimmer nach der Sitte Schi>, | Die da galt für re<tes Maß. | 40 Fürſt Gurnemans alleine ſaß. | Die Linde gab mit Wonne | Schatien vor der Sonne |
Dem Hauptmann aller wahren Zucht. Des Sitte Tadel zwang zur Flucht, 256 Der empfing den Gaſt: ſo war es recht; y Nicht Ritter war bei ihm no< Knccht. Parzival alsbald begann, In ſeiner Einfalt hub er an: e „Meine Mutter hieß mi< Deſſen Nath Erflehn, der graue Loden hat. 163 Dafür will ih eu dankbar ſein , f Da fo mir ricth die Mutter mein.“ | „Kommt ihr guten Nath zu hören Hieher, fo müßt ihr es verſhwören ! 5 Mir zu zürnen un: den Rath ! Und immer thun wie ih euh bat.“ | Da warf der edle Fürſt zuhand Einen jährgen Sperber von der Hand, : Der gleih ſi< in die Veſte ſ{<wang, "10 Daß ſeine goldne Schelle klang. Das war ein Bote: Jungherrn gleich | Kamen in Kleidern ſhön und reich. | Die bat er: „Führt hinein den Gaſt | Und entledigt ihn der Eiſenlaſt.“ 15 Der ſprah: „Meine Mutter ſprach wohl wahr, | Altmannes Wort bringt niht Gefahr.“ | Da führten fie ihn ein zuhand, Wo er viel werthe Ritter fand. Auf dem Hof war eine Statt, 20 Wo man ihn abzuſteigen bat. y Der warf in ſeiner Thorheit ein: „Mich hieß ein König Ritter ſein; E Was mir darauf auh widerfährt, | Ich komme niht von dieſem Pferd. 26 Euch zu grüßen rieth die Mutter mir.“ | Sie dankten beiden, ihm und ihr. Da ſo das Grüßen war gethan (Das Roſs war müd und auch der Mann), Manches Grundes fie gedachten Eh fie vom Roſs ihn brachten 164 Zu einer Kemenaten. Da hört! er Alle rathen: „Laßt den Harniſch von euch thun, Daß ſih die müden Glieder ruhn.“ 5 Sie entwappneten ihn insgemein. Als fie die rauhen Ribbalcin
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Und die Thorenkleider ſahen, Da erſchraken Die ſein pflagen. Mit Scheu ward es am Hof geſagt;
10 Der Wirth war ſchier vor Scham verzagt. Ein Ritter ſprah mit höfſher Zucht : aGleihwohl, ſo edle Frucht Erſah nie meiner Augen Licht;
Er hat was Glü> und Heil verſpricht 15 Jn reiner hoher ſüßer Art. Wie iſ ſo der Minne Stolz bewahrt? Mich jammert immer, daß ih fand An der Luſt der Welt ſo ſhle<t Gewand. | Wohl doh der Mutter, die ihn trug, |
20 Der aller Gaben hat genug. j Sein Helmſhmu> iſ wohlgethan, | Die Rüſtung ſtand ihm herlih an Eh wir fie niederbanden ,
Und von Quetſchungen fanden
25 Manche Schramme roth von Blut,
Die an ſi trug der Knappe gut.“ | Zu dem Ritter ſprach der Wirth: „Gieb Acht, |
Ein Weib gebot ihm dieſe Tracht.“
nNein Herr, er hat noh ſolhe Sitten, ]
Er wüſte wohl kein Weib zu bitten,
165 Ihn zum Diener zu erwählen; | Sonſt möcht ihm nichts zur Minne fehlen.“ i Der Wirth ſprah: „Laßt uns zu ihm gehn Und ſeine fremde Tracht bejehn.““
5 Die Herren gingen hin zu Stund Und fanden Parzivalen wund Von einem Sper; der blieb do< ganz.
Sein uniterwand ſi< Gurnemans.
Der war ſol< ein Unterwinder, 10 Daß ein Vater ſeine Kinder,
An Treue Theil zu haben,
Richt beßer könnte laben.
Seine Wunden wuſ<h und band
Ihm der Wirth mit eigner Hand.
15 Run war auch aufgelegt das Brot. Des war dem jungen Gaſte Noth: Hungrig war er überaus. | Nüchtern war er Morgens aus Geritten von dem Fiſchersmann.
20 Die er vor Nantes dann gewann,
| Die Wunde, und der Harniſh ſhwer, Macht? ihn müd und hungrig noch viel mehr. | Dazu die weite Tagereiſe “ Von Artus dem Bretaneiſe, | 26 Wo man ihn allwäris faſten ließ. Der Wirth ihn mit fih cßen hieß; Da mocht erlaben ſi< der Gaſt: Jn den Gaumen ſob er ſol<he Laſt, | Viel Speiſe ward zu niht gemacht. y Des hatte do< der Wirth niht Acht: 166 Ihn ermahnte ſtäts aufs Neue Gurnemans der Vielgetreue , Daß er wa>er äße Und der Müdigkeit vergäße. 6 Man hob den Tiſh hinweg zur Zeit. „Ich wette, daß ihr ſ<läfrig ſeid; Jhr wart früh auf am Morgen doh.“ „Meine Mutter, Gott weiß, \hlief wohl noh Sie pflegt niht früh zu wachen.“ 10 Der Wirth begann zu lachen ° Und führt! ihn zu der Schlafftait hin: | Da bat er ihn ſi< auszuziehn; e | Er thats nicht gern, do< muſt es ſein. Von Härmelin ein Laken fein 15 Bede>te ſeinen bloßen Leib; Nie gebar ſo werihe Frucht ein Weib. Wie ihn Schlaf und Müde lehrte, | Auf die andre Seite kehrte | Sich der Held niht man<es Mal, : 20 So lag er bis zum Morgenſtral. ' Der edle Fürſt gebot bei Zeit, Daß ein Bad ihm wär bereit Vor dem Teppich wo er lag, Eh höher ſtiege der Tag. | 25 Alſo muſt es Morgens ſein; - | Viel Roſen warf man ihm hinein. | Ob Niemand ihn bei Namen rief, Der Gaſt erwachte, der da {lief: Der werthe, ſüße Jüngling In die Kufe ſigen ging. | 167 I< weiß nicht, wer ſie darum bat: Jungfraun in reihem Staat Und von Anſehn minniglih, Kamen zu ihm fittſamlih: | 5 Die wuſchen ihm und ſtrichen ſanft
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Seiner Quetſchungen Ranft | Mit blanken linden Händen. | Das durft ihn niht befremden, | Dem Wiy noh wenig Hülfe bot. | 10 Alſo trug er Freud und Noth, Und entgalt der Einfalt niht bei ihnen, Da ihn mit holden Mienen Jungfrauen ſo hantierten. Wovon ſie parlierten , 15 Zu Allem ſ<hwieg er ſtille fein, Es dürft ihm doh zu früh nit ſein, Denn ſie ſchienen wie ein zweiter Tag. Als ſo ihr Schein im Wettſtreit lag, - Da löſcht’ Ex ſelb das Doppellicht: 20 Verſäumt an Weiße war er niht. Sie boten ihm ein Laken dar; Doch nahm er des mit Nichten wahr. So konnt er fi< vor Frauen {ämen: Er wollt es niht vor ihnen nehmen. 25 Die Jungfrauen muſten gehn, Sie durften da nicht länger ftehn. : Sie hätten gern vielleiht geſehn, Ob tiefer ihm was wär geſchehn. So getreu iſ Weiblichkeit , Des Freundes Schaden if ihr leid. 168 Da ſchritt der Gaſt ans Bett und fand Für ſih bereit ſ{hön weiß Gewand. Von Gold und edler Seide fein Einen Hoſengürtel zog man drein. 5 Auch gab man roth ſcharlahne Hoſen Dem nimmer Kraft- no< Muthloſen. Avoi! wie ſeine Beine ſtanden! Da war der rehte Schi> vorhanden. Scharlahbraun von ſhönem Schnitte 10 Und wohlgefüttert na< der Sitte Waren Ro> und Mantel lang, Von Härmelin inwendig blank. S<hwarz- und grauer Zobel ſtand Als Beſatz vor jedem Rand; 15 Die warf er über ſogleich. Mit einem Gürtel ſ{hön und reih | Muſi er den Leib verzieren, | Und dazu ſih affiſchieren | Einen theuern Fürſpann; Y 20 Sein Mund dabei vor Röthe brann. |
Da kam der treue Wirth daher, Ihm folgten Ritter ſtolz und hehr. Der empfing den Gaſt. Als das geſchehn, Die Ritter muſten all geſtehn, 26 Sie ſahen niemals ſ{hönern Leib. Getreulich prieſen fie das Weib, Die ſolhe Frucht der Welt gebar. Aus höfſcher Zucht, und weil es wahr, Sprachen fie: „Jhm wird gewährt, | Wohin um Huld den Dienſt er kehrt. 169 Minn und Gruß ſind ihm bereit , | Ergehts nah ſeiner Würdigkeit. | Das geſtanden Alle da | Und Jeder, der ihn künftig ſah. j 6 Der Wirth ergriff ihn bei der Hand Und führt! ihn mit fi< unverwandt. | Unterweges fragt' ihn der, | Wie ſeine Ruhe wär Bei ihm geweſen dieſe Nacht? | 10 „Herr, lebend wär ih niht erwachi! | Ein Glüd>, daß mir die Mutter rieth, | Euch zu beſuchen, als i< ſchied.“ | „Nun Gott lohn es euh und ihr; | Herr, zu gütig ſeid ihr mir.“ | 15 Hin ging der Held, an Wig noch krank, | Wo man dem Wirth und Gotte ſang. Der Wirth ihn bei der Meſſe lehrte, Was der Seele Heil ihm mehrte: Opfern, und ſegnen \ih 20 Und rüſten vor des Teufels Schlich. Sie gingen wieder auf den Saal: : Da ſtand der Tiſh gede>t zum Mal. Der Wirth bei ſeinem Gaſte ſaß, Der ungeſhmäht die Speiſen aß. 25 Da ſprah der Wirth mit Höflichkeit: „Wär euch die Frage, Herr, nicht leid, So hätt ih gern vernommen Wannen ihr wärt gekommen ?“ Er ſagt’ ihm Alles ungelogen, Wie er von der Mutter war gezogen, 170 Vom Ringlein und vom Fürſpann, Und wie er Harniſh gewann. Der Wirth erkannte den Ritter roth: Er ſeufzte, denn es {uf ihm Noth.
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6 Dem Gaſt er nun den Namen ließ Und ihn den rothen Ritter hieß. Da man hinweg die Tafel nahm, Da wurde wilde Sitte zahm. Der Wirth ſpra< zu dem Gaſte ſein: 10 „Jhr redet wie die Kindelein: Was geſhweigt ihr eurer Mutter nicht Und gebt uns anderlei Berichi ? / Haltet eu< an meinen Rath, | Der ſcheidet eu< von falſhem Pfad. ]
15 „So heb i< an: „Legt nimmer hin Tie Scham, die aller Zu<ht Beginn. Schamloſer Mann, wie taugte Der ? | Als ob er in der Mauße wär | So rieſelt von ihm Würdigkeit |
20 Und weîſt ihn zu der Hölle Leid. | * „Ihr tragt ſo edeln Schikes Schein, Wohl mögt ihr Volkes Herre ſein.
Iſt hoh und höht ſi eure Art, | Seht, daß ihr ſiäts im Herzen wahrt |
25 Erbarmung gegen dürftgen Mann; y Wider deſſen Kummer kämpfet an y Mit Gut und milden Gaben:
Solche Demuth ſollt ihr haben. | Der kummervolle werthe Mann, Der vor Scham niht betteln kann 4171 (Das iſt ein unſlülßes Leid), Dem ſeid zu helfen gern bereit. Wenn ihr deſſen Kummer ſtillt, Das iſt zu lohnen Gott gewillt. |
S Er iſ übler dran, als der da geht |
Zur Thüre, wo das Fenſter ſteht. / | „Ihr ſollt verſtändig überein Wißen arm und reich zu ſein. Denn wo der Herr zu viel verthut,
10 Das iſ niht herrliher Muth, | Und will er Scha nur mehren, | Das mag ihn auh nit ehren.
„Das rechte Maß ſei euer Orden. Ich bin wohl inne geworden , 15 Daß ihr rathbedürflig ſeid: Nun meidet Unfug jederzeit. S imro>, Parzival und Titurel.
| „Ihr ſollt ſo viel niht fragen; | Doch dürft ihr niht verſagen | Bedachte Antwort, die gemeßen | 20 Ziemet auf die Frage deſſen, | Der eu< mit Worten will erſpähn. Jhr möget hören , möget ſehn, Erwittern , koſten, merken: Das wird den Sinn euch ſtärken. 25 „Laßt Erbarmung bei der Kühnheit ſein: Dem Rathe ſollt ihr Folge leihn. ' Wer im Kampf euch bietet Sicherheit, | That er eu niht ſolhe3 Leid, | Das Herzleid müſte geben , | Nehmt fie und laßt ihn leben. 172 „Ihr legt oft Harniſh an euh: Legt ihr ihn ab, ſo reinigt glei Euch an Händen und Geficht Vom Roſt des Eiſens, das iſt Pflicht. 5 So ſchaut ihr wieder hell und klar: Des nehmen Frauenaugen wahr. nSeid mannli<h und wohlgemuth, ‘ Das iſt zu werthem Preiſe gut. : Die Frauen haltet lieb und werth: | 10 So wird ein junger Mann geehrt. Gebt keinem Wankelmuth euch hin: : Das iſ re<ter Mannesſinn. Wenn ihr ſie thören wollt mit Lügen, Wohl mögt ihr ihrer viel betrügen: 15 Lohnt treuer Minne falſche Liſt, Das bringt cu< Lob gar kurze Friſt. Da wird des Sthleichers Klage Das dürre Holz im Hage, Denn es kniſtert und kracht, 20 Daß der Wäqhter erwacht. | Strauchweg und verbotner Schlich | Führen übeln Streit mit ſich. Dieß meßet gegen wahre Minne. | Die werthe hat au< kluge Sinne 25 Wider Falſchheit und Betrug. Haßte ſie eu< je mit Fug, So müſtet ihr geſchändet ſein Und immer dulden Scham und Pein. „Dieß ſollt ihr nah dem Herzen tragen: Ich will eu< mehr von Frauen ſagen. 6
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173 Mann und Weib, die ſind geeint Wie die Sonne, die heut ſcheint, Und der heut genannte Tag, Die beide Niemand ſcheiden niag. 5 Sie blühn hervor aus Einem Kcrn: Das merket und erwäget gern.“ Dem Wirthe dankt’ er für das Wort. \ Der Mutter ſ{hwieg er hinfort [Mit Reden, doh im Herzen niht; 10 Das if getreuen Mannes3 Pflicht. | Der Wirth ſpra< was ihm Ehre ſuf: „Lernt auh: Kunſt, eu< iſts Beruf, An ritterlichen Sitten. Wie kamt ihr her geritten!
15 Glaubt mir, i< ſah ſhon manhe Wand, Wo der Schild an ſeinem Band | Beßer hing als eu< am Hals. | Es iſt wohl Zeit noch allenfalls:
Laßt uns hinaus zu Felde, 20 Daß ih von Kunſt euh melde. Bringt ſein Roſs und mir das meinc, ! Und jedem Ritter das ſeine. | Auch ſollen Junker mit zuhand: Ein jeder führ! an ſeiner Hand 25 Einen ſtarken Schaft und neu durhaus; | Den bring er uns aufs Feld hinaus.“ | So kam der Fürſt auf den Plan: Da ward mit Reiten Kunſt gethan. Er unterwies ſeinen Gaſt | Wie er das Rofs in voller Haſt 174 Mit des Sporengrußes Pein, Bei fliegender Schenkel Schein Auf den Gegner ſollte ſ<hwenken, Den Schaft gehörig ſenken,
5 Und den Schild tjoſtierend vor ſi< halten:
„So müßt ihr Schilde8amt verwalten.“ So trieb er Ungeſchi> ihm aus
Wie ein ſ{hwankes Reis im Saus
Unartgen Kindern gerbt das Fell.
10 Dann ließ er kommen Ritter ſ{hnell,
Daß er mit ihnen tioſtierte. j Seinen Gaſt er ſelber führte i
| Ihnen entgegen in den Ring. Da brachte dieſer Jüngling e 15 Seinen erſten Tjoſt dur< einen Schild, | Daß es wohl für ein Wunder gilt, | Und daß er hinters Rofs verſhwang i Einen ftarken Ritter groß und lang. | Ein andrer Gegner war gekommen. - 20 Da hatt auh Parzival genommen Einen ſtarken neuen Schaft. Seiner Jugend blühte Muth und Kraft. ‘ | Den jungen ſüßen ſonder Bart Lehrte Gahmuretens Art 25 Und angeborne Mannheit: Das Rofs erſprengt’ er wohl zum Streit In geſtre>tem Laufe wie man ſoll, Und zielt! auf die vier Nägel wohl: Des Wirthes Ritter hielt niht Bügel So daß er fallend maß den Hügel. 175 Viel kleiner Stü>lein wohl zerſchellt ® Von Splittern ſah man auf dem Feld. Alſo ſta er fünfe nieder. Da nahm der Wirth ihn zu ſi< wieder; 5 Erhalten hatt er hier den Preis ; Er ward im Streit no< klug und weis. Die ſein Reiten hier geſehn, Die Kundgen muſten all geſtehn, Es wohne Kunf|t und Kraft ihm bei. 10 „Mein Herr wird ſeines Jammers frei. Nun verjüngt ſih wohl ſein Leben. - Er ſoll zu Weib ihm geben h Seine Tochter, unſre Frauen. | Iſt er klug, ihr ſollt es ſchauen, . 16 So liſt ihm ſeines Kummers Noth. Für der dreien Söhne Tod Ritt ihm nun Erſatz ins Haus: | Nun endlich blieb ſein Heil niht aus." So kam der Fürſt am Abend heim 20 Gede>t die Tafel muſte ſein. | Seine Tochter ließ er kommen Zu Tiſch, ſo hab ih es vernommen. Da das Mäÿgdlein kam heran, Nun höret wie der Wirth begann 26 Zu der ſ{höncn Liaßen: | „Du ſollſt vi küſſen laßen
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Dieſen Ritter, biet ihm Ehre; Ihn beräth des Heiles Lehre. Euch aber macht i<s zum Beding, Daß ihr der Magd den Fingerring 176 Ließet, wenn ſie einen hätte; Sie hat ihn niht, noh Spang und Keite. Wer ſchenkt’ ihr einen Fürſpann Wie der Frauen dort im Tann?
5 Tie hatte Einen, der ihr gab Was ihr der Schönen nahmet ab. Liaßen könnt ihr wenig nehmen!“
Der Gaſt begann ſi des zu {hämen; Er fküſste fie do< auf den Mund: 10 Dem war wohl Feuerfarbe kund. Liaße war gar minnigli, Voll wahrer Keuſche ſicherlich. Der Tiſch war nieder und lang; Man ſah an ihm nicht großen Drang. 15 Am Ende ſaß der Wirth allein; Den Gaſt ſezi? er mitten ein = Zwiſchen ſich und ſein Kind. Jhre blanken Hände lind Muſten ſchneiden wie der Wirth gebot, 20 Den man hieß den Ritter roth Was der zu eßen trug Begehren. Niemand würd es ihnen wehren, Vli>ten fie ſi< heimlih an. Das züchtge Mädchen wohlgethan 25 That gern des Vaters Gebot. Sie und der Fremdling blühten roth. Vald ging das Mägdlein hinaus. So pflegte man den Gaſt im Haus Bis an den vierzehnten Tag. In ſeinem Herzen Kummer lag, 477 Um anders nichts als weil ihm ſcien, Ihm müß erſt Ruhm im Streite blühn Eh er daran würde warm Was man da heißet Frauenarm.
5 Jhn dauthte, werthe Brautſchaft ! Sei ein Glü> von hoher Kraft | Für dieſes Leben wie für Dort. Ungelogen iſ das Wort.
Eines Morgens er um Urlaub bat: | 1O Da räumt’ er Graharz die Stadt.
| Der Wirth gab ihm ins Feld Geleit; | Da hob ſih neues Herzeleid. | Da ſprach der Fürſt aus Treu erkoren: | „Mir geht der vierte Sohn verloren, 15 Da ih mich eniſchädigt glaubte | Dreier, die der Tod mir raubte. | Nur dreifah war bisher mein Schmerz; | Wer mir aber jezt das Herz | Mit der Hand in Viere ſhlüge, ' 20 Jedes Stü> von dannen trüge, | Das dauthte mi<h ein Hochgewinn. i Eins für eu (ihr reitet hin); | Für meine Söhne drei, die lieben, | Die muthig ſind im Kampf geblieben. 25 Doch ſolchen Lohn giebt Ritterſchaft ; y Jhr End umſtri>t mit Jammers Haft. „Mir lähmt ein Tod die Freude gar, ' Meines Sohnes, der ſo blühend war; Er hieß mit Namen Schentcflur. Da Kondwiramur 178 Leib und Land niht wollt ergeben, ; Verlor ihr Helfer er das Leben Von Klamide und von Kingraun. Mir ift dur<löchert wie ein Zaun 6 Das Herz von Jammersſchnitten. Nun zu früh ſeid ihr geritten Von mir troſtloſem Mann. O weh, daß ih niht ſterben kann, Da Liaße die ſ<höne Magd 10 Und mein Land euch nict behagt. „Mein andrer Sohn hieß Komte Laskoit: Den hat mir Jder Fils de Noit Erſchlagen eines Sperbers halb: Davon i} meine Freude falb. 15 Mein dritter Sohn hieß Gurzgri, Dem Mahaute verlich Jhren blühenden Leib, y Denn es gab ſie ihm zum Weib Jhr ſtolzer Bruder E>unat. 20 Gen Brandigan der Haupiſtadt Kam er um Schoidelakurt geritten; Da hat au< Er den Tod erlitten: E Jhn erſhlug Mabonagrein. Mahaute ließ den lihten Schein.
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26 Seine Mutter au<, mein Weib, iſ todt | Vor Leid um ihn und Sehnſucht8noth.“ | Wohl ſah der Gaſt des Wirthes Qual; Der unterſchied fie ihm zumal. Da ſprach er: „Herr, ih bin niht weiſe; Doch komm i je zu Ritters Preiſe, 179 Daß ih wohl Minne mag begehren, Liaßen ſollt ihr mir gewähren, Eure Tochter, die ſchöne Magd.
Ihr habi mir allzuviel geklagt : 6 Kann ih des Jammers euch entſhlagen,
| Des laß ih eu<< ſo viel niht tragen.“ | Urlaub nahm der junge Mann | Von dem getreuen Fürſten dann | Und von dem Ingeſind zumal. | 10 Die Dreizahl in des Fürſten Qual
Stieg traurig nun zur Vierzahl auf. | Die vierte Einbuß iſ ſein Kauf. —
D
Kondwiramur
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So ſchied von dannen Parzival, Der mit Freuden nun zumal 15 Ritters Kleid und Sitte führte, O weh, nur daß ihn rührte Mande unſüße Strenge.
Ihm war die Weite zu enge,
Und auch die Breite gar zu ſhmal, 20 Alle Grüne daucht ihn fahl,
Sein rother Harniſh daucht ihn blank:
So thät ſein Herz den Augen Zwang.
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Seit er der Einfalt ledig ward, | Da wollt ihn Gahhmuretens Art | 26 Sehnens nicht erlaßen | Nath der {hönen Liaßen , ! Dieſer tugendreichen Maid, Die ihm mit Geſelligkeit Ehre geboten ohne Minne. Wohin ſein Roſs zu laufen ſinne, 180 Er kann den Zügel niht gehaben Vor Leid, mags ſpringen oder traben. Kreuzen und umhegter Flur, Tiefer Wagengleiſe Spur : 5 Blieb ſein Waldweg ungeſellt : Er ritt auf ungebahntem Feld, Wo wenig Wegerich ſtand, Ihm war niht Berg noh Thal bekannt. Man hört den Spruch in Weit und Breite: 10 Wer irre geh oder reite, / Da wohl den Sqhlegel find er. 5 Sélegel fänd ein Blinder In ſolchem Wald nicht ſelten, ' Wenn für S<hlegel Knorren gelten. 15 Dennoch ritt er wenig um. Auf geradem Weg niht krumm, | Kam er des Tages von Graharz In das Königreich Brobarz Durch Gebirge wild und hoch. 20 Da ſchon der Tag zum Abend bog, Kam er an ein Waßer ſchnell Und von Geplätſcher laut und hell: Die Felſen ſchi>ten es einander. Er ritt daran herab. Da fand er 26 Die Stadt zu Pelrapäre, Die König Tampentäre Vererbt hatte ſeinem Kind, Vei der viel Leute traurig ſind. Snell fuhr das Waßer wie ein Bolz, Der wohlgeſchnitten iſt von Holz, 181 Wenn ihn geſpannter Sehne Drang Gefiedert von der Armbruſt ſ{<wang. Eine Brüe drüber hing, An die einſ mancher Holzſtoß ging; 5 Darunter floß der Strom ins Meer. ! Pelrapär ſtand wohl zur Wehr. :
Wie Kinder ſhaukelnd ſi< vergnügen, _ Die ſih auf Schaukeln dürfen wiegen, So fuhr die Brü> hinauf, hinunter; 10 Vor Jugend war ſie niht ſo munter. Auf jener Seite ſtunden, Die Helme aufgebunden, Dreißig Ritter oder mehr. Sie riefen: „Wags und komm hieher!“ 16 Mit aufgehobnen S<hwerten | Die Schwachen Kampf begehrten. | Sie wähnten, es wär Klamide, | Den ſie oft geſehen eh, | Als ſo fköniglih der Held | 20 Zur Brücke ritt auf breitem Feld. Da ſie ſo den jungen Mann y Mit lauten Stimmen riefen an, Ob der dem Roſs die Sporen gab, Die Brüd>e ſcheut’ aus Furt ſein Trab. 25 Den Verzagtheit immer floh, Der ſprang herab und führte ſo Sein Roſs hin auf die Brüd>e ſhwank. Eines Zagen Muth wär allzukrank Um in ſolhe Fahr zu gehn; Auch galt es wohl ſi<h vorzuſehn : 182 Er fürchtete des Roſes Fall. Nun ſhwieg auch jenſeits der Schall. Die Ritter trugen wieder ein - Helm und Schild, der Schwerter Schein; 6 Auqh verſchloßen ſie ihr Thor Beſorgt, es zög ein Heer davor. So zog hinüber unſer Held, Und kam geritten an ein Feld, Wo Manger ſeinen Tod erkor, | 10 Der um Ruhm den Leib verlor | Vor der Pforte bei dem Saal, j Der hoh und prächtig war zumal. | Einen Ring er an der Pforte fand, ' Den rührt? er kräftig mit der Hand. | 15 Seines Rufens nahm do< Niemand wahr | Als eine Jungfrau {<ön und klar ——_ | Aus einem Fenſter ſah die Magd * ¡ Den Ritter halten unverzagt. Da ſprach das zühtge Mägdlein gut: 20 „Seid ihr mit feindlihem Muth
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Gekommen, Herr, des iſt niht Noth, Da uns Haß genug ſchon bot Ohne eu zu Land und Meer Ein ergrimmtes ſtarkes Heer.“
25 Da ſpra<h er: „Frau, hier hält ein Mann, Der euch dient, wofern er kann.
Euer Gruß nur ſei mein Sold; | Jch bin euch dienſtbereit und hold.“ | Da ging die Magd mit klugem Sinn | Hin vor ihre Königin ' 183 Und {<uf, daß ſie ihn ließen ein,
Der ihnen wandte hohe Pein. j
So war er eingelaßen. | Rechts und links der Straßen |
5 Stand das Volk in dichter Schar, |
Das zur Wehr gekommen war: | y Sgleudrer und Jußſoldaten,
Die in langem Zuge nahten, |
Wurfſhügen au in großer Zahl.
10 Bei ihnen ſah er zumal | Viel verwegener Sarjande, N Der Beſten aus dem Lande,
Mit langen ſtarken Lanzen, 1 Geſchlifſfenen und ganzen.
15 Da war auc, hat mir kund gethan | Die Märe, mancher Kaufmann Mit Aexten und mit Gabilot, | Wie ihre Herrin gebot. |
Das Volk war \<la} und ſhmäctig all.
20 Der Königstochter Marſchall Führt! ihn dur die dichte Schar Auf den Hof, was mühſam war.
Der war zur Wehr berathen: Thürm über Kemenaten,
25 Wichhäuſer, Thürme, Erker auh
Waren da ſo viel im Brauch, Er ſah im Leben wohl niht mehr. Da kamen allwärts Ritter her, Die ihn begrüßten und empfingen; Einige ritten, andre gingen. 184 Auch war die jämmerlihe Schar All wie Aſche grau fürwahr Oder wie ein falber Leim. Mein Herr, der Graf von Wertheim,
| 6 Wär ungern Landskuecht da geweſen: : | Wie möcht er bei dem Sold geneſen ? | Jhnen {uf der Mangel Hunger3noth. | Sie hatten Käſe, Fleiſh no< Brot : | Sie ließen Zähnſtochern ſein; " 10 Sie ſ{malzten wohl auh ſelten Wein Mit dem Munde, wenn ſie tranken. Die Wiänſte ihnen niederſanken; Hochſchlanke Hüften hatte Jeder; Eingeſchrumpft wie ungriſh Leder 15 Auf ihren Rippen lag die Haut; Der Hunger hatt ihr Fleiſch verdaut. Dem Mangel waren ſie befohlen, Ihnen iroff es ſelten in die Kohlen. Sie zwang hiezu ein werther Mann, _ 20 Der ſtolze König von Brandigan, Weil vergebens Klamide geworben. Nicht oft verſchüttet no< verdorben War der Meth hier in der Kanne. Keine Truhendinger Pfanne 25 Mit Krapfen hörte man erſchrein, Zhnen huf der Miſslaut ſelten Pein. Wollt ih ihnen das verdenken, Das hieße wohl mi ſelber kränken, - Tenn wo ich oft bin eingekehrt , Und wo man mich als Herren ehrt, 483 Daheim in meinem eignen Haus Freut auh ſi ſelten eine Maus. Die Maus muß ihre Speiſe ſtehlen; Die brau<ht man niht vor mir zu hehlen, 6b Jc finde keine offen. Zu oft hat das betroffen Mich Wolfram von Eſchenbah, | Zu erdulden jol< Gemach. Meiner Klage ward genug vernommen; 10 Nun mag die Märe wieder kommen | Wie Pelrapär ſtand Jammers voll: Da gab das Volk von Freuden Zoll. | Die der Treue ſi ergeben, Tie Helden muſten ſpärlih leben; | 15 Doh Mannheit wars, die das gebot. | Erbarmen ſollt eu< ihre Noth, Denn ihr Leben ſtcht zu Pfand, | Sie löſe denn die höchſte Hand.
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Hört mehr noch von den Armen: E 20 Sie ſollten eu< erbarmen. ' Sie empfingen roth vor Sham i Den edeln Gaſt, der ihnen kam. Sie ſahn, er war ſo rei< und werth: Aus Nothdurft nicht hatt er begehrt 25 Herberge hier zu ſolcher Zeit: . | Er kannte nicht ihr tiefes Leid. - Ein Teppich ward geſpreitet , Wo geſtügt war und geleitet Eine ſchattenreiche Linde. ¡ Da entwappnete ihn das Geſinde. 186 Andre Farb er bald als fie gewann, Da er des Eiſens Roſt hindann Sich wuſch mit klarem Bronnen. Sgier hätt er da der Sonnen 5 Ueberſtralt den lihten Glaſt; Drum dauht er fie ein werther Gaſt. Man bot ihm einen Mantel gleich, Geſchnitten aus demſelben Zeuch Wie der Ro>, den er zuvor getragen. 10 Wildneu roh der Pelz am Kragen. Sie ſprachen: „Wollt ihr ſhaucn Die Köngin, unſre Frauen ?“ Da ſprach der Ritter zu den Herrn, - Ja, er ſähe ſie wohl gern. 15 Sie gingen zu des Saales Thor (Es führten Stufen viel empor), Daß ihn ein lieblich Antlig grüße, Künftig ſeiner Augen Süße. Von der Königstochter ging 20 Ein Lichtglanz ch ſie ihn empfing. Von Katelangen Kiot Und der werthe Manfilot . (Die beide Herzoge ſind) Braten ihres Bruders Kind, 25 Dieſes Landes Königin. Sie hatten Gott zu Liebe hin | Gegeben ‘Harniſch, Schild und Schwert. | Da gingen die Fürſten werth, Blühend, ob von Haaren grau, | Und brachten ihm des Landes Frau 187 Mit Zucht bis an die Thür entgegen. | Da küſste fie der werthe Degen;
| Die Munde warcn beide roth.
Die Königin die Hand ihm bot: 5 Ein ſührte ſie Herrn Parzival: Sie ſezten nieder ſich zumal.
| Die Frauen und die Ritterſchaft
Hatten alle ſ<hwache Kraft, Die da ſaßen oder ſtunden.
10 Die Freude war verſhwunden Dem Geſinde wie der Wirthin. Kondwiramur die Königin Hat zwar ihr Liebreiz au8geſchieden, Denn Jeſchuten und Eniden
15 Und Kunnewaren de Lalant,
Und die man je preiswürdig fand,
| Wo es Frauenſ\<öne galt, Die überſchien ſie mit Gewalt, Und der Jſolden Lob, der beiden. 20 Ja, ihr muß man den Preis keſcheiden ,
FF Ihr, Kondwiramor :
i Die trug den wahren beau korp® ; Das heißt im Deutſchen: {öner Leib. Jedwede war ein nütes Weib,
25 Die uns die Zwei gebaren, Die hier beiſammen waren.
y Da thaten Alle, Weib und Mann, Nichts als daß ſie ſpähend fahn Auf die Zwei beieinander.
Viel guter Freunde fand er.
188 Der Gaſt gedachte, höret wie: „Liaße dort, Liaße hie.
Will Gott der Sorgen mi entbinden ? Soll ih Liaßen wiederfinden,
| 56 Das Kind des werthen Gurnemans8?“
| Doh war Liaßens Schönheit8glanz
| Nichts gegen ſie, die vor ihm ſaß,
| An der Gott keinen Wunſch vergaß. - Alſo ſaß des Landes Frau, :
10 Wie erqui>t von ſüßem Thau Die Rof aus zarter Hülle Hebt friſhen Schimmers Fülle, Der zumal if weiß und rolh; Das ſ<huf dem Gaſte große Noth. 15 Inne hatt er Zucht ſo ganz, Seit der werthe Gurnemans Ihn von ſeiner Einfalt ſchied
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Und ihm Fragen widcrricth, Außer wo es nöthig wär — 20 Bei der Königin hehr Saß er flumm und ohne Wort, Und ſaß do< nah, nicht ferne dort. Doch ſieht man Manchen Rede ſparen , Der mehr zu Frauen iſt gefahren. 25 Da ſpra<h die Königin bei ſich: aDieſer Mann verſ<hmähet mi, Jh bin ihm nicht mehr {ön genug. Nein, er thut daran wohl klug. y Er iſ Gaſt, i< Wirthin hier: . : Die erſie Rede ziemet mir. ' 189 Er hat mich gütli< angeſchaut | Seit wir hier ſigen ohne Laut, y E Und ſeine Zucht wohl offenbart. ! Meine Red iſſt all zu larg geſpart: 6 Hier ſoll niht mehr geſhwiegen ſein." Zu dem Gäſte ſpra<h das Mägdelein : | „Weil ih als Wirthin reden muß — | Mir erwarb ein Kuſs, Herr, euern Gruß: | Auch habt ihr Dienſt mir angetragen, 10 So hört ih eine Jungfrau ſagen: Das that uns ſelten no< ein Gaſt; Drum trägt mein Herz der Sorge Laſt. Herr , ih hätte gern vernommen, Von wannen ihr hieher gekommen?“ N 15 „Frau, ih ritt am frühen Tage Von einem Mann, den ih in Klage Ließ; der trägt der Treue Kranz ; Des Fürſten Nam i} Gurnemans: Von Graharz iſ} er genannt. 20 Von dort heut ritt ih in dieß Land.“ Dawider ſpra< die werthe Magd: „Herr, hätt es anders Wer geſagt, Ich würd ihm ſ<hwerlih zugeſtehn, Es ſei in Einem Tag geſchehn. 25 Mein ſ<hnellſter Bote mochte jagen, Doch ritt ers niht in zweien Tagen. Seine Schweſter war die Mutter mein, Eures Wirthes. Seiner Tochter Schein Bleicht ſich wohl au< vor Ungemach. Wir haben manchen ſauern Tag 190 Mit naßen Augen verklagt ,
| Jh und Liaße die Magd. | Schenkt ihr euerm Wirthe Huld, | So nehmt vorlieb hier in Geduld 5 Wie wir hier lange, Weib und Mann: Ihr dienet ihm zugleih daran. | Ich will eu<h unſern Kummer klagen: ' Wir müßen bittern Mangel tragen.“ Da ſprach ihr Oheim Kiot: 10 „Frau, i< ſend eu< zwölf Laib Brot, Schultern und Schinken drei; Acht Käſe liegen au< dabei Und zwei Legel mit Wein. So ſoll eu< auh der Bruder mein 15 Heute ſteuern; wohl ifts Noth.“ Da ſprach der Herzog Manfilot: „Ich ſend euh, Frau, wie er geſagt.“ Da ſaß in Freuden da die Magd: Sie dankte, die ſo viel gelitten. 20 Sie nahmen Urlaub und ritten Zu ihrem Jägerhauſe. In der Wildniſs lag die Klauſe, Wo die Alten ſaßen ohne Wehr; f Sie hatten Frieden vor dem Heer. | 25 Ihr Bote kam zurü> getrabt : Da ward das {wache Volk gelabt. Verzehrt war all der Bürger Koſt: Nur dieſe Speiſe war ihr Troſt. Doſch lag vor Hunger mancher todt Eh ihm ward von dieſem Brot. 191 Das vertheilte nun das Mägdelein , | Dazu die Käſe, Fleiſh und Wein, An ihr Volk, das hunger3matte, Wie Parzival gerathen hatte. 5 Kaum ein Schnittchen blieb den Zwein Sie theilten ohne Zank fi drein. | Der Vorrath war bald verzehrt Und Manchem Tod damit gewchrt , Den noch der Hunger leben ließ. 10 Dem Gaſte man nun betten hieß ' Sanft, wie i< wohl glauben will. Wären die Bürger Federſpiel, So überkröpfte man es niht: | Wohl bezeugts ihr Tiſchgericht.
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15 Sie waren all von Hunger fahl Vis auf den jungen Parzival. Zum S<hlafgang nahm er Urlaub. Waren ſeine Kerzen Schaub ? Nein beßer wars damit beſtellt, : 20 Da ging der junge blühnde Held An ein Bette ſ{ön und rei, Einem königlichen gleich, Nicht nah der Armut Braut bereitet ; Y Ein Teppich lag davor geſpreitet. | 25 Er bat die Ritter heimzugehn Und ließ ſie da niht lange ſtehn. Ihn entſhuhten Kinde, er entſchlief y Bis ihn der wahre Jammer rief Und liter Augen Herzensregen : Die wed>ten bald den werthen Degen. 192 Das kam wie ih euh ſagen will; Es bra niht der Weibheit Ziel. Stäte Keuſchheit trug die Magd, | Von der hier Manches wird geſagt. 5 Ihr zwang des langen Krieges Noth | Und der lieben Helfer Tod Das Herz in ſolhes Ungemach, | Daß ihre Augen blieben wah. | Da ging die reihe Königin | 10 (Nicht zu ſolher Luſt Gewinn, | Die aus Mädchen Frauen macht Unverſehns in einer Naht), j Sie ſuchte Hülf und Freundes Rath. | Sie trug au< wehrlihen Staat: 15 Ein Hemd von weißer Seide fein. | Wie könnte ſtreitbarer ſein, Wenn fie zum Manne geht, ein Weib? | Auch ſhwang die Frau um ihren Leib Von Sammet einen Mantel lang: 20 Sie ging wie ſie der Kummer zwang. Jungfrauen und Geleiterinnen , | So viele bei ihr lagen drinnen, E Die ließ ſie ſhlafen allzumal. Da {li< fie leis, ohn allen Shall, -. 25 Zu einer Kemenaten. Der Köngin war verrathen, Daß Parzival alleine lag. Von Kerzen hell wie der Tag
| War es vor ſeiner Slafſtatt. Zu ſeinem Bette geht ihr Pfad, 193 Auf den Teppich kniet ſie fich. | Sie hatten beide ſicherlich, Er und auch die Königin, Verbuhlte Minne niht im Sinn. 5 Anders ward hier geworben : An Freuden verdorben War die Magd; ſie zwang der Gram. Ob er ſie niht zu ſi< nahm? Leider das verſteht er nicht; 10 Doch geſhahs zulegt nah Vorbericht , ' Und mit ſo bedungnem Frieden, Daß fie im Bett geſchieden Die Glieder niht zuſammen brachten; Des ſie auh wenig gedachten. .
16 Der Jungfrau Jammer war ſo groß, Daß manche Zähre niederfloß Auf den jungen Parzival. *
| Der hörte ihres S<hluhzens Schall: Da waht’ er auf: als er ſie ſah, 20 Lieb und Leid geſchah ihm da. Sich erhob der junge Mann, Der zu der Königin begann: Herrin, bin ih euer Spott? Knieen ſollt ihr nur vor Gott.
26 Geruht, und ſezt eu< zu mir her (Das war ſein Bitten und Begehr), Oder legt euh hieher wo ih lag Und laßt mi bleiben wo ih mag.“ Sie ſprah: „Wollt ihr euh ehren, Mir ſolhe Zucht bewähren
194 Nit zu rühren meine Glieder, Leg ih mi zu euh nieder.“ Den Frieden gab er feierlich : Da barg ſie in das Bette ſich. 568 War es glei ſchon ſpäte, Da war kein Hahn, der krähte. Die Hahnenbalken ſtanden ledig, Keinem Huhne war der Mangel gnädig. Das Fräulein unter Jammerslaſt " 10 Frug mit Zucht den werthen Gaſt: — „Wollt ihr hören meine Klage ? | Ih fürchte, wenn ihs ſage, | Euh flieht der Schlaf: es thut eu< weh.
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Mir hat der König Klamide 15 Und Kingron ſein Seneſchant Verwüſtet Burgen und Land Bis gen Pelrapäre. Mein Vater Tampentäre | Ließ mi< arme Waiſ im Tod | 20 In einer ſchredlichen Noth. | Vettern, Fürſten, mancher Mann, h Reih und Arm, mir unterthan War ein kräftiges Heer : Die find erſtorben in der Wehr 25 Halb, wo nicht die gröſte Zahl. Wes tröſt i< Arme mi einmal ? Jh bin gekommen an das Ziel, Daß ih mich felber tödten will : Eh i< Magdtum und Leib E Ergebe und Klamides Weib 195 Werde: ſeine Hand erſchlug Mir Schentefluren , der da trug | Im Herzen ritterlihen Preis. Der Mannesſhön' ein blühend Reis, 6 Alle Falſchheit mied er gar, Der Liaßen3 Bruder war.“ ! Da Liaße ward genannt, ; Neuer Kummer war geſandt Dem dienſtbereiten Parzival. 10 Sein hoher Muth fiel in ein Thal; Liaße gab ihm den Gewinn. Da ſprach er zu der Königin: „Sagt, Frau, wie man euch tröſte." „Herr, wenn man mich erlöſte 15 Von Kingron dem Seneſchant. Er fällte mir mit ſciner Hand y Jn der Tjoſt viel Ritter nieder. Nun kommt er morgen wieder Und wähnt, ſein Herr ſolle warm 20 Liegen in meinem Arm. Ihr habt wohl meinen Saal geſchaut : Wie hoch der iſ empor gebaut, Lieber ſpräng ih in den Graben Eh Klamide ſollt haben * 25 Mit Gewalt mein Magdtum: So wollt i< wehren ſeinem Ruhm.“ Da ſprach er: „Herrin, ſei Kingron Tranzoſe oder Breton,
Mir: gilt gleihviel aus welchem Land, | Wehren ſoll eu< meine Hand 196 So gut ih es vollbringen mag.“ | Die Nacht war hin, nun kam der Tag. Auf ſtand die Königin mit Neigen; Sie wollt ihm ni<t den Dank verſchweigen. 5 Hin ſ<li< fie wieder leiſe. Da war Niemand ſo weiſe, Der ihres Gehens ward gewahr Als3 Parzival der Degen klar. Der ſ<lief niht länger mehr darnah. 10 Die Sonne flomm zur Höhe jah: Jhr Schimmer dur die Wolken drang. Da lud zum Münſter Gloenklang, Wo ſih mit Gott das Volk berieth, Das Klamide von Freude ſchied. 15 Da erhob ſi< auh der junge Mann. Der Königstohter Kappelan Sang Gott und ſeiner Frauen. Da durſt ihr Gaſt ſie ſchauen Bis gegeben ward der Segen. 20 Nath ſeiner Rüſtung frug der Degen Darin er bald gewappnet ſtund. Wohl that er Ritterſtärke kund Mit re<hter mannliher Wehr. Da fam Klamides Heer 25 Mit manchem Banner gezogen. - Kingron war voran geflogen All dem übrigen Heer Auf einem Roſs von Jſerterre; So hab ih vernommen. Vors Thor war au gekommen 197 Fils dü Roi Gahmuret ; Mit ihm der Bürger Gebet. Dieß war ſein erſter Ritterſtreit. Er nahm den Anlauf wohl ſo weit, 6 Daß von ſeiner Tjoſte Stoß Beide Roſſe wurden gürtellos. Die Riemen brachen, niht die Fleſen; Die Roſſe ſaßen auf den Hächſen. | Da durften Die darauf geſeßen | 10 Jhrer Schwerter niht vergeßen ; In den Scheiden wurden die gefunden. ' Kingron trug ſhon Wunden
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Durch den Arm und in der Bruſt. Gelehrt hatt ihn die Tjoſt Verluſt |
15 Alles Preiſes , des er durfte pflegen |
Bis ſeine Hoffahrt {wand vor dieſem Degen. Hoch pries man ſeine Streitergaben : Ses ſollt er abgeworfen haben, y Die zu ihm ritten auf ein Feld; 20 Doſh ſo bezahlt’ ihn unſer Held
Mit ſeiner kraftreichen Hand, Daß Kingron dem Seneſchant
: Zu Muthe ward in ſeinem Sinn Als ob ein Sghleuderwerkzeug ihn
25 Mit ſhweren Würfen erreichte.
Ein andrer Streit wars, der ihn neigte: Ein Shwert ihm durch den Helm erklang. Parzival ihn niederzwang ; Er ſett? ihm auf die Bruſt ein Knie: Da bot er ihm was er noh nie
198 Einem Mann geboten, Sicherheit. Die wollte nicht ſein Herr im Streit: Er gebot, daß er Fianze 5 Brähte Gurnemanze.
5 „Nein Herr, gieb lieber mir zum Lohn Den Tod. Jh ſlug ihm ſeinen Sohn, Sthenteflurn nahm ih das Leben.
Viele Ehre hat dir Gott gegeben : Wenn man künftig ſagt von dir | 10 Wie du Kraft erwieſen haſt an mir. y Da du mit haſt bezwungen, So iſ dir wohl gelungen.“ y Da ſprach der junge Parzival : j © „I< will dir laßen andre Wahl: | 15 Bring der Köngin Sicherheit, Der dein Herr ſo großes Leid | Hat gethan in ſeinem Zorn.“ | „So wär ih fiherlih verlorn : ' Mit Schwertern ſchnitten ſie mich klein 20 Den Stäubghen gleih im Sonnenſchein: | Solch Herzeleid hab ih gethan | Ta drinnen manchen kühnen Mann.“ „So bringe denn von dieſem Plan Mit dir in das Land Bretan 25 Deine ritterlihe Sicherheit Einer Magd, die meinethalben Leid
Erlitt , das fie niht hätt erlitten, Wenn Kei beſcheiden war von Sitten. Sag ihr, was mir geſchehe, Daß fie mich niht fröhlich ſehe 199 Bis ih ihm den Sghild dur@ſteche ' Und ihre Unbill räche. | Artus und ſeinem Ehgemahl : Melde meinen Dienſt zumal 5 Und der ganzen Tafelrunde: Nicht käm ich vor der Stunde, Da ich der Shmah mi entſhlage Die ih geſellig trage Mit Jener, die mir Lachen bot; 10 Sie kam dadurch in große Noth. Sag ihr, ih ſei ihr Dienſtmann , Mit Dienſt ihr dienſtli< unterthan.“ Der Andre ſpra< zu Allem ja; Ï Die Helden man fi ſcheiden ſah.
15 Zu Fuß kam heimgegangen, .
Da ſein Roſs war gefangen, Der Bürger Troſt im Streite, Die er bald ganz befreite.
Muthlos war das äußre Heer,
20 Weil Kingron troßg ſeiner Wehr
So gekommen war zu Fall. Die Innern führten Parzival Zu ihrer jungen Königin.
Die empfing umarmend ihn:
25 Sie drüdt ihn feſt fih an den Leib Und ſprah: „Jh werde nimmer Weib Eines Mannes auf der Welt Als den mein Arm umfangen hält.“ Sie half, daß er entwappnct ward: Ihr Dienſt blieb nicht dabei geſpart.
200 Nag ſeiner großen Arbeit War wenig Labung bereit. Ihm war ſo hold die Bürgerſchaft, Sie ſhwor ihm Treu aus Herzenskraft,
5 Er müß ihr Herr und König ſein. Die Köngin willigte darein Ihn zum Amis zu haben,
Da er ſo hohe Gaben An Kingron bewieſen. | 10 Zwei braune Segel fließen | Sah man von der Mauer Thurm.
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Die verſchlug in ihren Hafen Sturm. Um der Kiele Ladung ſtand es ſo, Daß all die Bürger wurden froh:
15 Sie führten nichts als Speiſe;
So fügt! es Gott der weiſe.
Sie ſtoben von den Zinnen Die Beute zu gewinnen Den Kielen zu, ein hungrig Heer.
20 Am Fleiſche trugen ſie nicht wer: | Wie die Läuber mochten fliegen, y Die magern, und ſi bien, i Nicht bauchſait ſtrozend bis zum Kinn. | Der Marſchall der Königin |
25 Ließ den Schiffen Frieden geben: | Er gebot bei Leib und Leben, | Niemand ſolle fie berühren. ! Die Verkäufer hieß er führen | In die Stadt vor ſeinen Herrn. | Der bezahlte doppelt gern |
201 Ten Werth all ihrer Habe: ; Ihnen ſchien das große Gabe. | Sie ließen ihre Waare theuer: | Den Bürgern troff es nun ins Feuer. |
E \ 5 Jezt wär ih gerne Söldner hier, | Denn da trinkt nun Niemand Bier, | Sie haben Wein und Speiſe viel. | Da that wie ih eu< ſagen will | Der edle Ritter Parzival. | 10 Zuerſt in Bißen klein und {mal y Theil! er die Koſt mit eigner Hand, | Zumal den Beſten all im Land: y Er wollte ſpci38entwöhnte Magen Nicht Ueberfülle laßen tragen. | 15 Sein Maß erhielt ein Jeder ſo; Sie wurden ſeines Rathe3 froh. Zu Nacht beſchied er ihnen mehr, Der nicht zu loſe war noh hehr. Ums Beilager frug man da: 20 Er und die Köngin ſprachen Ja. So mäßig hielt er fich die Nacht, E83 wüird ihm ſicherlih verdacht Vei mancher Frau in unſrer Zeit. Daß ſie ſo an Lüſternheit 25 Sitt und Zucht verlieren
| Und doch ſich gerne zieren! -
| Sie zeigen Gäſten keuſche Sitte;
y Doch wohnt in ihres Herzens Mitte
j Das Widerſpiel der Geberde.
| Dem Freunde heimlihe Beſchwerde
202 Stafft ihre Zärilihkeit.
Sich ſelbſt bezwingt zu jeder Zeit Ein getreuer ſtäter Mann, / Der auch der Frauen ſchonen kann.
5 Er denkt wohl, und es iſt au< wahr: ; „Um Minne ſah mich manches Jahr Dieſem holden Weibe dienen;
Nun iſt der Tag erſchienen, Da ſie mir lohnt: nun lieg ih hier.
10 Genügt auf ewig hätt es mir,
Wenn ih mit meiner bloßen Hand ” Rühren durft an ihr Gewand.
Ließ! i< nun von edler Scheu,
So ſchien ih \elbſ|t mir ungetreu.
15 Soll ih im Slaf ſie ſtören Und uns beide ſo entehren? Y Holde Kunde vor dem Schlaf Vernimmt, wer Frauenkeuſche traf.“
So lag auh der Waleiſe, E 20 Der fi fürchtet keiner Weiſe. Den man den rothen Ritter hieß Der Königin ihr Magdtum ließ; Sie wähnte doh, ſein Weib zu ſein: Fhr Haupt trug bei des Morgens Schein 25 Seiner Minne halb ein Band. Da gab ihm Burgen und Land Die Frau mit magdlihem Siun; Längſt war ihr Herz ſhon ſein Gewinn. Sie waren bei einander ſo - In unſchuldger Liebe froh 903 Zwei Tage bis zur dritten Nacht. y Ans Umfangen hatt er oft gedacht, | Zumal es ſeine Mutter rieth; | Gurnemans3 ihn auh beſchied, | 5 Daß Mann und Frau untrennbar ſein: Sie verſlo<hten Arm und Bein. | Wenn ih euh berichten ſoll, | Ihm gefiel die Nähe wohl: | Den alten, immer neuen Brau 10 Uebten da die beiden auh. d
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Wohl war ihnen, war niht weh. | Nun höret au, wie Klamide, | Da er die Heerfahrt begann, | Unfrohe Botſchaft gewann. 15 Einen Knappen hört’ er ſagen, Des Röſslein Sporen wund geſ<hlagen, Daß auf dem Plan vor Pelrapär | Ritterſchaft geſhehen wär Scharf genug, von Heldenhand: 20 „Bezwungen iſ der Seneſchant ; Des Heeres Führer Kingron Fährt zu Artus dem Breton. Das Krieg3heer liegt no< vor der Stadt Wie ſcheidend er befohlen hat. 25 Euch und euerm Doppelheer Steht no< Pelrapäxr zur Wehr. Die Stadt verfiht ein Ritter werth, Der anders nihts als Streit begehrt. Von euern Söldnern hört i< Kunde, Zu Hilfe von der Tafelrunde 204 Sei der Königin geſandt Jther von Kukumerland. Des Wappen zog für ſie zu Feld, Uñd ohne Tadel trugs der Held.“ 5 Der König warf dem Knappen ein: „Kondwiramur begehrt ja mein, Und Jh will Sie und auch ihr Land. Kingron mein Seneſchant Mir mit Wahrheit enlbot, 10 Die Stadt bezwinge Hunger3noth; Mir aber werde zum Gewinn Die Huld der werthen Königin.“ Der Knapp erwarb da ni<hts als Haß; E Mit dem Hecr der König zog fürbaß. 15 Ein Ritter ihm entgegen ritt, Der auh ſein Roſs mit Sporen ſchnitt: Der ſagt’ ihm gleihe Kunde. Klamide gewann zur Stunde Einen unmuthſhweren Sinn: 20 Es daucht ihn großer Ungewinn. | Ein Fürſt ſprach in des Königs Bann: | Was Kingron auch hat gethan, Uns vertrat er niht im Streit, | Nur ſeine eigne Mannheit.
25 Sollen, wär Er erſchlagen, Zwei Heere drum verzagen, Dieß und jenes vor der Stadt ? Den Herrn er Muth zu faßen bat: nVerſuhen Wir es noch einmal; Und wehrt \ſi< ihre Minderzahl, 205 Sie werden ſo von uns bekriegt , Daß ihre Freude bald erliegt. Freund’ und Mannen ſollt ihr mahnen, Die Stadt bedrohn mit zweien Fahnen. 5 Wir mögen Wi im Weiten Wohl zu Roſs mit ihnen ſtreiten; Zu Fuße nahen wir den Thoren: So iſt ihr Gegenſtreit verloren.“ Den Rath gab Galogandres, 10 Der Herzog von Gippones: | Die Bürger brachte Der in Noth; y Er fand auch vor der Stadt den Tod. | Mit ihm auch der Graf Narant; | Er war ein Fürſt aus U>erland; / 15 Und von den Söldnern manther Mann, ' Den man erſhlagen trug hindann. | Nun höret andre Märe, j Wie die Bürger vor dem Heere Schügzten des Walles Räume. | 20 Sie nahmen lange Bäume Und ſtießen ſtarke Ste>en drein: | Das ſ<huf den Stürmenden Pcin, ¡ Wenn die Stämme niedergingen | An Seilen, die in Rädern hingen. | 25 Das wurde Alles fertig, eh | Zum Sturm heranzog Klamide | Nath des Marſchalls übelm Abenteuer. | Sie hatten griechiſhes Feuer j (Mit der Speiſe kam cs in das Land): Der Feinde Rüſtzeug ward verbrannt , 206 Ihre Ebenhöhn und Mangen, Was auf Rädern kam gegangen, Jgel, Katzen und dergleihen, Die muſten vor dem Feuer weichen. 5 Kingron indes, der Seneſchant, Kam zu Bretagne in das Land Und traf den König Artus an Im Jägerhaus in. Briziljan; Das hieß mit Namen Karminal.
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10 Da thät er, wie ihn Parzival Geheißen, der ihn hin geſandt; Kunnewaren de Lalant Bracht er ſeine Sicherheit. Das Fräulein war hoch erfreut , 15 Daß ſo getreulih ihre Noth Zu Herzen nahm der Ritter roth. Die Mär ward allwärts bald E Als vor den König war gekommen | Der bezwungne werthe Mann, — 20 Ihm und den Seinen ſagt? er an, | Was Parzival dur< ihn entbot. Kci erſchrak und wurde roth. | „Viſt du es,“ ſpra< er, „Kingron? | Avoi, wie manchen Breton | 25 Hat überwunden deine Hand, | Du Klamides Seneſchant! | Mag mirs dein Sieger nie verzeihn, | Dein Amt ſoll dir Empfchlung ſein. M Der Keßel iſ Uns unterthan, | Mir hier, und dir zu Brandigan. | 207 Hilf mir, daß Kunnewar die Maid | Um breite Krapfen mir verzeiht.“ | | Er bot kein ander S<hmerzengeld. ' Wollt ihr nun hören, was im Feld | 5 Vor Pelrapär geſchehen ſei ? | Mit dem Heer zog Klamide herbei. ; Da wurde bald zum Kampf geſchritten: Die Jnnern mit den Aecußern ſtritten. Sie hatten Troſt und friſche Kraft, | 10 Man fand die Helden wehrhaſt: y So behielten ſie das Feld. y Ihr Landesherr, der junge Held, Stritt den Seinen weit vorauf, Da ſtanden alle Pforten auf. | 15 Wenn er die Arme fehtend ſhwang, - Sein Schwert dur harte Helme klang," | Die Ritter, die er niederſchlug, | Die fanden Marter genug: ' Man fſta< mit Schwerterſpizen | 20 Sie durch des Halsbergs Schlitzen. Y Die Bürger thaten Rahſucht kund | An Manchem, der ſhon fährlih wund: Drum wollt es Parzival nicht leiden; | Er ſalt: da muſten fie es meiden. |
26 Zwanzig fie lebend fingen, Eh aus dem Streit fie gingen. Parzival ward wohl gewahr, Daß Klamive mit ſeiner Schar 5 Nicht kämpſte vor den Pforten | Vielmehr an andern Orten. 908 Da ritt der junge kühne Held Hinaus auf ungebahntem Feld : Das Heer umreitend kam er da Des Königs Kriegsfahne nah. 5 Da wurden erſt mit großem Schaden Die in des Königs Dienſt beladen. : So kühn die Bürger ſtunden, Daß ihnen bald verſchwunden Die Schilde waren vor der Hand; 10 Auch Parzivals Schild verſhwand Von Schüßen und von S<hwerterſchlägen. Frommt' es wenig gleih die Degen, Die Feinde muſten doh geſtehn, Daß ſie nie kühnern Mann geſehn. 15 Galogandres die Fahne trug, Das Heer ermahnt’ er wohl genug; : | An des Königs Seite lag er todt. : Klamide kam ſelbſt in Noth; Ihm und den Seinen wurde weh: 20 Den Kampf verbot da Klamide. | Da hatte muthig ſich verſchafft | Des Sieges Preis die Bürgerſchaft. | Parzival der werthe Degen e Ließ die Gefangnen wohl verpflegen | 26 Vis an den dritten Morgen. Das äußre Heer war in Sorgen. Da ließ der junge Wirth bei Zeit j Die Gefangnen frei auf ihren Eid. | „Sobald ih Botſchaft \ci>e, h Lieben Freunde, kehrt zurüd>e.“ 209 Man behielt nur ihre Eiſenwehr; y Entwappnet kehrten ſie ins Heer. | Die Aeußern ſprachen, ob fie roth | Von Trünken waren: „Hungersnoth 5 Trugt ihr dort, ihr Armen.“ — | „Nein, \ſparet das Erbarmen ,“ Sprachen die gefangnen Helden: | „Sic. haben Speiſe, laßt eu< melden,
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Lägt ihr hier no< ein volles Jahr, 10 Für fi< und eu< genug fürwahr. Die Köngin hat den ſhönſten Mann Der jemals Schilde8amt gewann. Er i} gewiſs von hoher Art, Der aller Ritter Ehre wahrt.“ 15 Da dieß erhörte Klamide, Da that ihm erſt ſein Kummer weh. Da ſ<hi>t’ er Boten in die Stadt Und ließ entbieten: „Wen ſih hat Die Königin zum Mann genommen , 20 Wagt es Der zum Kampf zu kommen, „Und hat fie ihn dafür erkannt, j Daß er fie ſelber und ihr Land y Mir im Kampfe dürfe wehren, y So biet i< Frieden beiden Heeren.“ Y 25 Als das Parzival vernahm Und ihm ſolche Botſchaft kam, Daß ein Zweikampf ſollt entſcheiden , Der Unverzagte ſpra<h mit Freuden : „Meine Treue ſteh zu Pfand: : Im innern Heer rührt keine Hand - 210 Sic um meinethalben mehr.“ Zwiſchen dem Graben und dem äußern Heer ' - Ward geſchloßen dieſer Friede. i Da bewehrten ſi< die Kampfesſchmiede.
6 Da beſtieg der König von Brandigan Ein gewappnet Kaſtilian, ! Das hieß mit Namen Guverjorz; | Von ſeinem Neffen Grigorz,
Dem König von Jpotente,
10 Mit manchem reichen Präſente Hatt es erhalten Klamide Von Norden übern U>erſee.
E Jhm brat es Graf Narant daher, Und tauſend Söldner in der Wehr; 15 Nur den Schild nehm ih aus. Ihnen war die Löhnung auch voraus Gefichert bis ins vierte Jahr, Spricht die Aventüre wahr. Grigorz ihm ſandte Ritter klug,
20 Fünfhundert: jeglicher trug Den Helm aufs Haupt gebunden, Die im Kampfe furchtlos ſtunden.
Da hatte Klamides Heer Pelrapär zu Land und Meer 25 So umſeßen und umlegen, Die Bürger muſten Kummer hegen. Hinaus ritt Parzival der Held Auf das entſcheidende Feld, Wo Gott bezeigen ſollte, Ob er ihm laßen wollte 211 Das Kind des Königs Tampentär. Stolzlich fuhr er einher | Eh aus dem Galopp entſ{<loß Zum vollſten Rennen fi< das Roſs. "6 Gewappnet wars für alle Noth; Von Sammet eine Dede roth Auf der eiſernen lag. An ſi ſelber zeigt’ er dieſen Tag Rothen Schild und rothes Kleid. 10 Klamide begann den Streit. Einen kurzen unbeſchabten Sper Bracht er zur Tioft daher, Und nahm damit den Anlauf lang. Guverjorz gewaltig ſprang. 156 Wohl getioſtieret ward Von den beiden jungen ohne Bart, y Und ſonder Falieren. Von Leuten noh von Thieren Geſhah wohl nie ſo harter Kampf; 20 Von den müden Roſſen ſtieg der Dampf. Sie hatten ſo gefochten, Daß die Roſſe niht mehr mochten : Die ſtürzten von der Arbeit, Zumal, niht zu verſchiedner Zeit. 25 Da begannen beide mit Behagen Den Helmen Feuer zu entſchlagen; Sie durften fih niht lange ruhn: Hier war vollauf für ſie zu thun. Die Silde ſplitterten ſo ſehr Als ob mit Federbällen Wer 212 Spielend würfe in den Wind. : Doch ſpürte Gahmuretens Kind Müdigkeit an keinem Gliede. h Da wähnte Klamide, der Friede | 5 Würd ihm gebrochen von der Stadt. | Seinen Kampfgenoßen bat Der Held, daß er ſi ſelber ehrte
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Und den Mangenwürfen wehrte, Denn Sghläge gingen auf ihn ſhwer 10 Wie ein Mangenſtein geweſen wär. Jhm ward von Parzival entgegnet : „Nicht Steine find es, was hier regnet, E Dafür iſ meine Treue Pfand. Gäbe dir Frieden meine Hand, | 15 Dir brähe niht der Mangen Shwenkel | Haupt und Bruſt, dazu den Senkel.“ | “Klamiden zwang Müdigkeit; Die kam ihm noh zur Unzeit. Wer Sieg verloren , Sieg gewonnen, 20 Das bringt der Kampf nun an die Sonnen. Doch brachte Niederlage ' : Hier Klamide in Klage. Zu Boden lag er gezü>t, | Von Parzivals Hand gedrüd>t , 25 Daß Blut ihm {<oß aus Ohr und Naſen; Das färbte roth den grünen Raſen. Das Haupt entblößt? ihm Jener hier . Vom Helm und von dem Härſenier. Entgegen ſah dem Todesſchlag Der bezwungne Mann. Der Sieger ſprah: 213 „Nun bleibt mein Weib wohl von dir frei: Lerne jezt was Sterben ſei.“ „Richt doh, kühner Degen werth. Dir ift jego gemehrt 5 5 Der Preis ſhon dreißigfaltig, Da du meiner biſt gewaltig. Wie kann der Ruhm di höher tragen? Nun mag Kondwiramur wohl ſagen, Daß Jh der Unſelge bin, 10 Und du erwarbſt des Glü>8s Gewinn. Du haſt dein Land nun erlöſt, Wie Der ſein Schiff vom Riffe ſtößt: Von hinnen trägts die Welle flott. Meine Macht wird zu Spott; 15 Mannesſtolz und hoher Sinn Weicht von mir und fährt dahin. | Was hülfe dir mein Sterben ? Ih muß Schande doch vererben Auf alle Na<hkommen. : 20 Du haſt Preis und Frommen: Thuſt du mir mehr, das if niht Noth. JI<h trage den lebendgen Tod, Simro>, Parzival und Titurel.
j Da ih von Jhr geſchieven bin, | Die das Herz mir und den Sinn | 26 Mit Gewalt gefangen nahm, | Ob es mir nie zu Gute kam. Nun muß dir ſieglos meine Hand Sie überlaßen und ihr Land.“ Da gedachte Dem Gott Sieg beſchied , Wie einſt Gurnemans ihm rieth, [214 Daß zu kühner Mannheit i Gezieme Barmherzigkeit. ¡ Dieſem Rathe folgt! er nah; ¡ Zu Klamide der Degen ſprach: 5 „Dem Vater von Liaßen, J<< will dirs nicht erlaßen, Dem bringe deine Sicherheit. „Nein, Herr: dem hab ih Herzeleid | Gethan: ih ſ<lug ihm ſeinen Sohn: | 10 Da wägteſt du mir übeln Lohn. | Wegen Kondwiramur Focht mit mir Shenteflur ; Auch wär ih todt von ſeiner Hand, Half mir niht mein Seneſchant. 15 Es hatt ihn in das Land Brobarz * Gurnemans de Graharz : Geſandt mit ſtarken Heeres Kraft. Da thaten gute Ritterſchaft Neunhundert Ritter , die wohl ſtritten 20 Und geſchiente Roſſe ritten: Fünfzehnhundert Söldner auh, Gewappnet all nah Krieg8gebrauch , Nur den Schild nehm ih aus: Bloß der Same kam davon nah Haus. | 26 So vernichtet! ih ſein Heer; ' Du nahmſt mir jezt der Helden mehr. Ich muß Ehr und Freud entbehren: Was willſt du noh begehren ? „Ich will di ſanftre Wege weiſen : Fahre zu den Bretaneiſen 215 (Kingron if vor dir hingeritten) | Zu König Artus dem Britten. Dem ſoll du Grüße von mir ſagen. | Vitt ihn, daß er mir helfe klagen ¡65 Eine Schande, die ih dort gewann. | Miqh lachte eine Jungfrau an: | Daß man die deshalb zerbleute, 6
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Daz reut mi< wie mi ni<ts noh reute. Sag ihr, es ſei mir leid; : 10 Bring ihr deine Sicherheit Und leiſte willig ihr Gebot, | Oder nimm von mir den Tod.‘ | „Soll dieſes Urtheil gelten, Ich will es nicht beſchelten ,“ | 16 Der König ſpra<s von Brandigan: | „Dieſe Fahrt wird gethan.“ | > Das gelobt! ihm eh er ſchied Y Den ſeine Ho<hfahrt verrieth. | Parzival der Weigand | 20 Sein müdes Roſs wiederfand. | Er hob den Fuß darnah nicht auf, | Ohne Stegreif ſprang er drauf, Daß umwirbelten mit Schall Des zerhaunen Schildes Scherben all. ' 25 Die Bürger hatten frohe Zeit, : Die Aeußern nicht als Herzeleid Und in allen Gliedern Weh. y Man brachte König Klamide | Hin wo ſeine Helfer waren. Die Todten ließ er aufbahren- Y 216 Und bringen zu des Grabes Raſt. Das Land räumte mancher Gaſt. Der werthe König Klamide Ritt gen Löver an die See. | 5 Die von der Tafelrunde Waren zu der Stunde Verſammelt in Dianasdron Mit König Artus dem Breton. Sag ih euch keine Lüge dran, | 10 Zu Dianasdron der Plan j Muſſte Zeliftangen tragen Mehr als im Speſſart Stämme ragen. | So zahlrei< war das Hofgelag, Womit Artus den Pfingſtentag | 15 Beging und all die Frauen. y Da maren auh zu ſchauen ] Paniere viel und manher Schild, Jeder mit eignem Wappenbild, | Vor manchem ſchön geſhmüd>ten Zelt. | 20 Es nähme Wunder jezt die Welt: Wer könnte all die Zeltlachen |
| Solchem Heer von Frauen machen? | Da wähnt’ auh jede Frau fürwahr, | Sie verlör den Preis der Schönheit gar, | Wenn ſie nicht ihren Ritter hätte. Käm ich ſelbſt an ſolhe Stäite y (Da waren ſo viel junge Herrn), | So brät ih doh mein Weib nicht gern | In ein ſo groß Gemenge! Jch ſcheue Volk3gedränge. 217 Vielleicht, daß Einer zu ihr \prähe, Daß ihn ihre Minne ſtäche, Er könne nie geſunden: : Wenn ſie heile ſeine Wunden, H Er woll ihr dienen ewiglih. j Mit ihr von dannen höb ih mi. | Genug geſprochen iſt von Mir: Nun hört, wie König Artus hier | Sein Zelt mit Schnüren hatt umzogen. | 10 Davor mit Freuden ungelogen F Aß mit ihm das Ingeſind, y Manch werther Mann zu Falſchheit blind, - j Und manqhe ſtolze Fürſtin, | Die nichts als Tjoſte trug im Sinn. 1s Sie \<hoß den Freund dem Feind entgegen : | Kam zu Schaden da der Degen, | So zart war ihr Gemüthe, | Daß Sie's vergalt mit Güte. | | Klamide der Jüngling 20 Ritt mitten inden Zeltbering. y Verde>tes Roſs, umſtählten Leib | Sah an ihm Artuſens Weib, | Doch Helm und Schild verhauen. j Das ſahen all die Frauen, 25 Wie er zu Hofe war gekommen; Jhr habt zuvor wohl ſhon vernommen y Wer zu ſolcher Fahrt ihn zwang. : Nun ſtieg er ab. Dur groß Gedrang ¡ Muſt er, eh er figen fand Frau Kunnewaren de Lalant. 218 Da ſpra< er: „Herrin, ſeid ihrs wohl, Der. ih willig dienen ſoll? - Zum Theile zwingt mih zwar die Noth. | Euch entbietet Dienſt der Ritter roth: $6 Eur Schimpf ſoll eu< niht grämen,
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Er will ihn auf ſich nehmen; Auch hofft er, Artus wirds beklagen. Ihr wurdet Seinethalb geſchlagen. ' Frau, ih bring eu< Sicherheit, ] 10 So gebot der Sieger mir im Streit. Gern leiſt i<3, wenn es eu gefällt. Mein Leben war dem Tod verfällt.“ | Kunneware de Lalant Führt? ihn an der Eiſenhand 15 Hin wo Frau Ginover ſaß, Die ohne den König mit ihr aß. Keie von dem Tiſch erftund, Da ihm die Märe wurde kund: Sie kam ihm ſ{<re>li< ungelegen; 20 Kunnewaren freute fie dagegen. Da ſprach er: „Frau, daß dieſer Mann Die Reiſe hat hieher gethan, Dazu hat ihn die Noth bewogen; Doch wähn ich, hat man ihn betrogen. 25 J< war mit jener Prügeltracht Eu zu beßern bedacht : Zum Lohne wird mir euer Groll. Jedoh, wenn-ih euh rathen ſoll, Gönnt dem Ritter abzulegen; Zu ſtehn verdrießt den Degen.“ 219 Jhm ließ die Jungfraue zier Löſen Helm und Härſenier. Als man die von ihm ſtreift und band, Klamide ward bald erkannt. 5 Au ſein Seneſchant Kingron Erkannt ihn und erſchrak davon. Er ſah den Herren überwunden: Seine Hände wurden gewunden, | Sie huben an zu krachen 10 Wie die dürren Spachen. Den Tiſh zurü>e ſtieß zuhand Klamides Seneſchant. Er frug den Herrn um neue Mär, Und fand ihn aller Freuden leer. | 15 Er ſpra<: „I< bin zu Schaden geboren: | Mir ging ſol herlih Heer verloren: | Rimmer ſog der Mutier Bruſt, | Der erlitten \hmerzlihern Verluſt. | Doch ſhmerzt mih meiner Leute Tod ;
| 20 No< minder: Minnemangelsnoth ' Läſtet auf mi ſolche Laſt,
' Mir ift Freude fremd und Frohſinn Gaſt. Kondwiramur macht mich greis. Pontius Pilatus weiß
25 Nicht von ſolher Höllenqual, Der arme Judas niht einmal, Der unſern Heiland Jeſus
| Verrieth mit treuloſem Kuſs. Wie das ihr Schöpfer rächte,
Die Noth ih tragen möhte,
[226 Wär von Brobarz die Königin :
y Und ihre Huld mein Gewinn,
Daß ih ſie ſanft umfinge, !
' Wie es mir dann auch ginge.
5 Jhre Minne leider hofft niht mehr
| Der König von Jſerterre.
| Land und Volk von Brandigan .
y Mag ftätes Leid davon empfahn.
| Meines Oheims Sohn Mabonagrein
| 10 Litt auh dort zu lange Pein.
| Nun bin ih, Artus, König hehr,
| *Geritten in dein Land hieher ,
| Bezwungen von Ritters Hand.
Du weiſt, daß dir in meinem Land
| 15 Viel zu Leide ward gethan.
| Das vergiß nun, werther Mann,
| Dieweil ih hier gefangen bin Und gieb dich ſolhem Haß niht hin. Kunneware, hoff ih, werde
20 Mich bewahren vor Gefährde, Die meine Sicherheit empfing, Als ih gefangen vor ſie ging.“ Artus verzieh ihm ſeine Schuld,
| Der Vielgetreue ſenkt’ ihm Huld.
|
| 26 Da erfuhr Weib und Mann,
y Der König von Brandigan Sei geritten vor das Zelt.
Da gabs ein Drängen auf dem Feld! Es erſholl die Märe weit und breit. Höflih um Geſelligkeit
221 Bat der freudenloſe Mann:
„Ihr ſolltet, Frau, mi< Herrn Gawan Empfehlen, bin i<s anders werth; y Ich weiß wohl, daß ers ſelbſt begehrt.
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6 Euh ehrt er und den Ritter roth, | Wenn er leiſtet eur Gebot.“ | Artus bat ſeiner Shweſter Sohn | (Ohne das geſhäh es ſhon), | Sich dem König freundlich zu erweiſen.
10 Willkommen wurde da geheißen Von der Tafelrunder Reihe | Der bezwungne Falſchesfreie. |
Zu Klamide ſpra< Kingron: ;
„Weh, daß dih jemals ein Breton
15 Sah in ſeinem Haus bezwungen! Mehr Reichtum als Artus errungen Und' mehr der Helfer hatteſt du, | Und deine Jugend dazu! | Muß Artus Preis dadur< empfangen,
20 Daß Kei im Zorn ſi hat vergangen An einer edeln Fürſtin, Die aus unſchuldigem Sinn Sich den mit Lachen hat erwählt , Den man wahrlih ungefehlt
25 Mag frönen mit dem höchſten Preiſe! Wohl wähnen jeht die Bretaneiſe Ueber allen andern hoch zu ſtehn; Doh ohn ihr Zuthun iſts geſchehn, Daß in den Tod hier ward geſandt Der König von Kukumerland,
222 Und daß mein Herr den Sieg Ihm ließ,
Der ſchon jenen niederſtieß. Der Selbige bezwang auh mi Ohne verhohlnen Schlich:
5 Man ſah aus Helmen Feuer wehn,
In den Händen fich die Schwerter drehn.“ Da ſprach die Tafelrunde, Reih und arm aus Einem Munde, Unrecht habe Kei gethan. 10 Begnügen wir uns jezt hieran | Und gehn zurü> auf unſrer Spur. Das wüſte Land ward blühnde Flur, Wo Parzival die Krone trug; Da war au< Freud und Luſt genug. 15 Gelaßen hatt auf Pelrapär | Ihm ſein Shwäher Tampentär Licht Geſtein und rothes Gold. ;
Das vertheilt? er ſo, daß man ihm hold Ward um ſeine Milde.
20 Paniere, neue Schilde Sah man ſein Land verzieren Und fleißiglih turnieren Ihn und all die Seinen.
Oft ließ die Kraft erſcheinen
25 An ſeines Landes Grenzmark Der junge Degen kühn und ſtark. Da prieſen für die beſte Stäts ſeine That die Gäſte.
Nun hört auh von der Königin: Wie käm ihr größerer Gewinn? 223 Die junge ſüße Werthe y Hatte was ihr Herz begehrte. Jhre Minne blühte wonnigli<h, Nicht Wank no< Wandel zeigte ſi. 5 Sie hat des Mannes Werth erkannt; Jedweder an dem andern fand: Er war ihr lieb, ſie ihm no< mehr. | Wenn nun melden ſolt die Mär, Daß fie ſich muſten ſcheiden,
10 So wächſt ‘Leid den beiden. : Auch dauert mi das werthe Weib: Jhr Volk, ihr Land, ja Seel und Leib
Schied ſeine Hand von großer Noth; | Dagegen Sie ihm Minne bot.
15 Eines Morgens ſpra<h der Werthe, Daß es manqher Ritter hörte: „Mags euch gefallen , Fraue,
| So erlaubt mir, daß ih ſhaue
| Wie's um meine Mutter ſteh.
| 20 Ob ihr wohl ſei oder weh, Das iſ mir völlig unbekannt. Ich treffe, reit ih in ihr Land, Wohl auh Abenteuer an.
y Wenn ih darin euch dienen kann,
25 So bleib ih eurer Minne werth.“ 7 So hatt er Urlaub begehrt.
Er war ihr lieb, die Märe ſprichts, Darum verſagte ſie ihm nichts. Von allen ſeinen Mannen
Schied er allein von dannen.
Anfortas
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224 Wer nun will hören wo er bleibt, | Den Aventür von Haus vertreibt , ' Der mag großer Wunder viel ' Vernehmen eh er kommt ans Ziel. y
5 Laßt reiten Gahmuretens Kind. y Wo nun getreue Leute find, ¡ Die wünſchen Heil ihm und Gedeihn:
Er muß nun leiden hohe Pein; Dazwiſchen Freud und Ehre.
10 Eins {uf ihm Herzensſhwere: Er mied ein Weib, die er beſaß,
. So edel, daß kein Mund je las Oder meldete die Märe,
Daß Eine ſ{bner, beßer wäre.
15 Gedanken an die Königin
Trübten ihm den frohen Sinn: Er hätt ihn längſt {hon ganz verloren, Wär er niht herzhaft geboren. Selbſt trug das Roſs den Zaum empor | 20 Ueber Blö>e, Sumpf und Moor; | Nicht führt’ er ſeines Reiters Hand. | Uns maht die Aventür bekannt, j Er ritt denſelben Tag ſo weit, |
Ein Vogel hätte Arbeit , 25 Wollt ers auf einmal überfliegen. Will mich die Märe nicht betriegen , So glich ſein Ritt kaum ſo dem Flug Des Tages, da er Jthern ſlug, Und ſpäter, als er von Graharz Ritt in das Königreih Brobarz. 225 Hört nun wo er Herberg nahm. An einen See er Abends kam, Fiſcher ankerten daran; Jhnen war das Waßer unterthan. 6 Wohl hören mochten fie ſein Fragen: Unfern vom Geſtade lagen | Sie noh, da fie ihn reiten ſahn. Einen ſah er in dem Kahn : In ſo herlihem Gewande, « 10 Dienten ihm alle Lande, Es wäre ſ{werli< no ſo gut. Von Pfauenfedern war ſein Hut. An dieſen Fiſcher wandt er ſih, | Und ermahnt? ihn bittendlich, 15 Daß er ihm ricthe, Gott zu Ehren Und ſeine Zucht zu bewähren,
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Wo er träfe Herberg an. Zur Antwort gab der traurge Mann. Er ſprah: „Herr, niht bekannt iſ mir, 20 Daß dreißig Meilen weit von hier Das Land bewohnt und urbar ſei. Ein Haus nur kenn ih nahebei ; | Zur Herberg darf ih es empfehlen ; Ihr könnt kein andres heute wählen. 25 Dort wo die Felſen enden Müßt ihr zu Rehten wenden. Kommt ihr dahin, der Graben Lößt eu< niht weiter traben. So heißt die Brüde ſenken, Wollt ihr zum Burghof lenken.“ 226 Er that wie ihm der Fiſcher rieth; Mit Urlaub er von dannen ſchied. Der ſpra<: „Wenn ihr eu< niht verirrt, So bin ich ſelber euer Wirth; 5 So danket wie wir eu verpflegen. : Nur hütet eu< vor falſhen Wegen: Jhr könntet bei der Halde Irr reiten leiht im Walde; Unlieb geſhäh mir doh daran.“ 10 Da hub \ſi< Parzival hindann Und fand mit wa>erm Traben Den Weg bis an den Graben. | Da war die Zugbrü> aufgezogen, Die Burg um Feſte niht betrogen , 15 Wie auf der Drechſelbank gedreht. Beſchwingt nur oder windgeweht Dränge man hinein mit Sturm. Manqher Saal und mancher Thurm . Stand da in wunderbarer Wehr: ' 20 Und zögen alle Völker her, Sie gäben drin um ſolche Noth In dreißig Jahren noh kein Brot. Ein Knappe hatt ihn wahrgenommen, Und frug ihn wo er hergekommen, 25 Und was er ſuche vor dem Wall ? „Der Fiſcher ,“ ſpra< da Parzival, „Hat mich zu euh hergeſandt. Ich neigte dankend ſeiner Hand, Da fie mir Herberg hier geſchenkt. Er will, daß ihr die Brüde ſenkt,
[227 Daß ich reite zu eu< ein."
| „Herr, ihr ſollt willkommen ſein.
| , Da der Fiſcher es verſprah,
Man beut eu< Ehr und Gema, 6 Ihm der euh ſandte zu Gefallen ,“ Sprach der Knapp und ließ die Bride fallen. In die Burg ritt der Kühne , Auf weiten Angers Grüne Unzerſtampft im Ritterſpiel ;
10 Kurzen Graſes ſtand da viel.
Da ward nicht oft turniert , geſtritten, | Mit Panieren hin und her geritten
| Wie auf dem Anger zu Abenberg. Selten war ſol< fröhli<h Werk
16 Da geſchehn in langer Zeit: Sie hatten Noth und Herzeleid. Der Gaſt jedo< des niht entgalt: Jhn empfingen Ritter jung und alt; Kleine Junker volle Zahl 20 Sprang ihm na< dem Zaum zumal; | Ein Jeder thäte gern das Beſte.
; Sie hielten ihm den Stegreif feſte, Dieweil er abſtieg von dem Roſs. Ritter führten ihn ins Schloß
25 Wo fie ihm ſhufen gut Gemach. Unlange währt! es darnah Vis er mit Zucht entwappnet ward. Da ſie den Jungen ohne Bart Erſahen alſo minniglihh, Glüdlih pries in Männiglith.
228 Um Waßer bat der junge Mann:
y Da er den Roſt fich hindann Gewaſchen von Geſicht und Händen,
È Da ſchien er Jung und Alt zu blenden
5 Wie eines zweiten Tages Helle: So ſaß der wonnige Geſelle. Ein Mantel ward ihm hingebra<ht , Aus arabſhem Stoff gemacht Und alles Tadels ledig gar: 10 Den legt er an, der Degen klar. Die Schnur blieb unverbunden dran: | Da gefiel er Allen, die ihn ſahn. Da ſprah der Kammerwärter klug: | nRepans de Schoi wars, die ihn trug,
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15 Meine Frau, die Königin. Er ſei eu< von ihr geliehn,
Denn eu iſ noch kein Kleid geſchnitten. Wohl mocht ih fie's mit Ehren bitten, Denn ihr ſeid ein werther Mann,
20 Wenn is re<t ermeßen kann.“
„Gott lohn euh, Herr, daß ihr mir traut. Wenn ihr re<t mi beſchaut,
So war das Glü> mir immer hold: Gottes Kraft giebt ſolhen Sold.“
26 Man ſchenkt? ihm ein und pflegt! ihn ſo, Die Traurgén waren mit ihm froh;
Ein Jeder bot ihm Lieb und Ehr. Auch war da aller Fülle mehr Als er zu Pelrapäre fand,
Das von Kummer ſchied des Helden Hand. 229 Sein Rüſtzeug war beiſeit getragen: Das wollt er jego ſcier beklagen,
Da er Sherzes hier fi< niht verſah. Allzu vorlaut mahnte da 6 Ein immer wortreiher Mann Den edeln Fremdling wohlgethan E Zum Wirth, als ſpräh er es im Zorn. Das Leben hätt er ſchier verlorn Von dem jungen Parzival.
10 Da er ſein S<hwert von lihtem Stahl Nicht mehr bei ſi liegen fand,
Da zwang er ſo zur Fauſt die Hand, Daß den Nägeln Blut entſhoß Und ihm den Aermel übergoß.
15 „Nicht doch, Herr,“ ſprach die Ritterſchaft , „Dieſer Mann uns gern zu lachen ſaft, Wie traurig wir auch anders ſei’n;
So mögt ihr wohl ihm freundlich ſein. | Jhr habt nichts andres vernommen |
20 Als der Fiſcher ſei gekommen.
Geht hin, ihr ſeid ſein werther Gaſt; | Sqchüttet ab des Zornes Laſt.“ '
Hundert Kronen niederhingen ! In dem Saal, zu dem fie gingen, |
25 Mit vielen Kerzen beſte>t ; y So war auch rings überde>t | Mit kleinen Kerzen die Wand.
Hundext Ruhbetten fand
Man an den Seiten aufgeſchlagen, : Darauf hundert Kiſſen lagen. . 230 Je vier Geſellen trug ein Sig; Die Plätze unterſchied ein Schlitz. Davor ein Teppich bilderhell : | Le Fils dü Roi Frimutel 5 Beſaß do< Reichtum unermeßen. | Eines- Dings war niht vergeßen, | Sie hatte niht das Gold gedauert: j Von Marmor waren aufgemauert | Drei viere>ge Feuerrahmen. 10 Da brannt ein Holz, daß man mit Namen | Nannte lignum aloe. | Wer hat fo große Feuer je y Hier geſehn zu Wildenberg? | Es war fürwahr ein koſtbar Werk. 15 Der kranke Wirth ſelber hat E Vor der mittlern Feuerſtatt Auf einem Spannbett Play genommen. Zum Bruche wars gekommen | Zwiſchen ihm und der Freude; | 0 Sein Leben war ein morſ< Gebäude. | : | In den Saal gegangen Ward da gar wohl empfangen Von dem, der ihn dahin geſandt, Parzival der Weigand. 25 Ihn ließ der Wirth niht lange ſtehn, Er bat ihn, nah heran zu gehn Und zu ſigen: „hier an meine Seite: | Wieſ' ih euh in größre Weite, ! Das hieß’ eu< allzu fremd gethan.“ ; So ſprach der jammersreihe Mann. 231 Des Wirthes Siechtum heiſchte leider Große Feur und warme Kleider. Weit und kang, von Zobel fein, So muſte aus und innen ſein 5 Der Mantel und der Pelz darauf. Der geringſte Balg war theur zu Kauf. Schwarz- und Grauwerk fand man da. Um das Haupt des Wirthes ſah Man die geſtreifte Müye gehn, 10 Von Zobel, theuer zu erſtehn. Arabſche Borten gingen | Oben in goldnen Ringen,
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Und von der Spitze nieder ſchien Als Knopf ein leuchtender Rubin. 15 Ritter ſaßen da genug, Als man Jammer vor fie trug. Herein zur Thür ein Knappe ſprang, Eine Lanze trug er, die war lang, h (Die Sitte war zur Trauer gut); 20 Die Schneide nieder tropfte Blut Und lief am Schaft bis auf die Hand, Wo es am Aermel verſhwand. Da ward geweint Überall Und geſchrien in dem Saal, : 25 Daß dazu mit Kehl und Augen Kaum dreißig Völker möchten taugen. Alſo trug er den Sper | An den vier Wänden umher Í h Bis wieder zu des Saales Thür, | Wo der Knappe ſprang hinfür. 9232 Da war des Volkes Noth geſtillt, Das erſt von Jammer ſtand erfüllt, Da es die Lanze hatt erkannt, Die der Knappe trug in ſeiner Hand. 5 Mag es euh nict verdrießen , , Will ih die Mär erſchließen , Daß ihr vernehmet und erfahrt, Wie herlih da gedienet ward. Zu Ende an dem langen Saal 10 Auf ging eine Thür von Stahl: Zwei werthe Kinder traten ein; Vernehmt, wie die geſchaffen ſei'n: Daß fie wohl gäben Minneſold, Wem fie um Dienſte würden hold. 15 Das warcn Jungfrauen klar, Kränzlein über bloßem Haar: | Die Blumen hielt ein lihtes Band. Jedwede trug in der Hand Einen Leuchter von Gold. 20 Jhr Haar in blonden Loken rollt. Auf jedem Leuchter brennt ein Licht. Vergeßen wollen wir niht Von der Jungfraun Kleid zu ſagen, Das ſie vor den Rittern tragen. 25 Die Gräfin von Tenabro>, Von braunem Scharlah war ihr Ro;
So war auch ihr Geſpiel geziert. E Das weite Kleid war affiſchiert i Mit zweien Gürteln, da wo ſlank Die Frauen find und ſ<mal und ſ{hwank. 233 “Hinzu tritt eine Herzogin Und ihr Geſpiel. Sie trugen hin | Kleiner Stollen zween von Helfenbein. Jhr Mund gab feuerrothen Schein. 5 Alle Viereo neigten ſih; Nun ſetzten zwo behendiglih Vor den Wirth die Stollen hin; Das war ihr Dienſt, wie es ſchien. Dann traten fie gepaart zurü> . 10 Und waren klar und hell von Blik. Die Viere trugen gleiches Kleid. Nun verſäumen niht die Zeit Andrer Frauen zweimal vier. Was hatten die zu {haffen hier? 15 Vier muſten große Kerzen tragen; E Die andern durftens nicht verſagen, Sie trugen einen theuern Stein, Die Sonne warf hindur< den Schein. Sein Namen iſ} uns wohl bekannt: | 20 Es war ein Granatjacant , Lang und breit und leicht: das litt, Daß ſo dünn ihn zerſchnitt, Der zum Tiſchblatt ihn zerſägte, An dem der Wirth zu eßen pflegte. | 25 Die Jungfraun traten alle aht | Vor den Wirth, indem ſie ſacht Wie zum Gruß ihr Haupt bewegten. Die Viere dann die Tafel legten Auf der Stollen ſchneeweiß Helfenbein , Das zuvor getragen war herein. 93A Man ſah fie züchtig wieder gehn y Und bei den erſten vieren ſtehn. Rö>e grün wie Gras zu ſhauen Trugen dieſe aht Frauen 5 Aus edelm Samt von Aßagauch, | Lang und weit, ſo wars Gebrauch. | Ein theurer Gürtel , ſ<hmal und lang E In der Mitte fie zuſammen zwang. | Dieſer a<t Jungfrauen klug / 10 Auf dem Haupt Jegliche trug
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Ein Blumenkränzlein wohlgethan. Von Nonel der Graf Jwan Und YJernis, der Herr von Reile, . Jhre Töchter über manche Meile 15 Hatte der Gral in Dienſt genommen. Man ſah die Jungſrauen kommen | Jn gar wonniglihem Staat. Zwei Meßer, \hneidig wie ein Grat, Trugen die Jungfrauen hehr 20 Auf zwo Zwi>eln daher. Von Silber iſ die Kling und weiß, Und nicht verſäumt von Künſtlerfleiß, Geſchärft, gewetzt zu ſolcher Glätte, Daß es wohl Stahl geſchnitten hätte. 25 Vor dem Silber trugen Frauen werth, Die auch der Gral zum Dienſt begehrt, Lichter , daß es heller ſei, Vier Kinder alles Tadels frei. So gingen dieſe Seſe nun: Höret, was fie ſollen thun. : 235 Sie grüßten. Zwei Jungfräulein Trugen auf der Tafel Schein Das Silber, legten es da nieder. Dann gingen ſie mit Züchten wieder 5 Zu den erſten Zwölfen hin. Wenn ith recht berichtet bin, Hier ſollen achtzehn Frauen ſtehn. Nun ſieht man neue ſeſe gehn Jn Kleidern , die man ſchwer bezahlt; 10 Es war zur Hälfte Plialt, - Zur Hälfte Pfell von Ninnive. Sie und die Seſe, der ih eh Erwähnt, getheilt war ihre Tracht, Jeder Theil aus anderm Stoff gemacht. 15 Nag dieſen kam die Königin. Ein Glanz von ihrem Antliy ſcien, Sie wähnten all es wolle tagen. Ein Kleid ſah man die Jungfrau tragen Von Pfellel aus der Arabie. 20 Auf grünſeidnem Achmardi Trug ſie des Paradieſes Fülle So den Kern wie die Hülle. Das war ein Ding, das hieß der Gral, |; Irdſchen Segens vollſter Stral. 25 Repanſe de Schoie hieß
Von der der Gral ſih tragen lie. Der Gral war von ſolcher Art : "Sie hat das Herz fih rein bewahrt, i Der man gönnt des Grals zu pflegen: Sie durfte keine Falſchheit hegen. | E . 9236 Litter kamen vor dem Gral: Die waren {ön und rei zumal. Ses lange Gläſer hell und flar, Drin brannte Balſam wunderbar. 5 Da fie gemeßnen Sqhritts herfür Zur Tafel kamen von der Thür, Die Königin verneigte fih Und jede Jungfrau züchtiglih, | Die da Balſamgläſer trug. | 10 Die Köngin ohne Falſh und Trug | Segyte vor den Wirth den Gral. y Die Märe ſpricht, daß Parzival Sie hab andächtig lang beſchaut, | Der der Gral war anvertraut; ' 15 Ex hatt auh ihren Mantel an. | Die Sieben gingen ſacht hindann Zu den achtzehn Erſten. Sie nahmen all die Hehrſte | Zwiſchen ſich: Zwölf ſtanden ihr " 20 Zu beiden Seiten, ſagt man mir. | Da ſtand die Magd die Krone tragend ¡ Schön aus den Geſpielen ragend. All den Rittern zumal, Die da ſaßen in' dem Saal, | 25 Ließ man von den Kämmerlingen Jn goldnen Be>cn Waßer bringen. Je vier bediente Einer Und ein Junker, ein kleiner, | Der eine weiße Zwi>el trug. 937 Man ſah da Reichtum genug. y Der Tafeln muſten hundert ſein, Die man zur Thüre trug herein. Man ſette jegliche hier Vor der werthen Ritter vier: 5 Tiſchlachen blendend weiß Legte man darauf mit Fleiß. Der Wirth nun ſelber Waßer nahm; Er war an frohem Muthe lahm. Da wuſch ſih Parzival zugleich.
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10 Eine ſeidne Zwi>el bilderreih Hielt ein Grafenſohn ihm hin; j Den ſah man hurtig niederknien. j Wo eine Tafel war geſtellt, | Vier Knappen ſah man da geſellt, j 15 Daß fie zu dienen niht vergäßen Denen, die an ihr ſäßen. Zweene muſten knieend \hneiden; | Die andern durftens niht vermeiden, ] Sie trugen Speiſ und Trank herbei 20 Und dienten ihnen nah der Reih. Hört mehr von Reichtum ſagen. Vier Karoſſen muſten tragen Manchen Becher goldenklar Jedem Ritter , der zugegen war. 25 Die wurden rings umher gerollt; Von vier Rittern ward das Gold Auf die Tafeln hingeſetzt. Ein Schaffner folgte zuletzt; Dem war es aufgetragen , Alles wieder in den Wagen 238 Zu ſeyen, wenn gedienet wäre. Nun vernehmet andre Märe. Hundert Knappen man gebot, Daß fie in weiße Zwi>eln Brot 5 Knieend nähmen vor dem Gral. Zurü> dann traten fie zumal Und veriheilten vor die Tafeln ſih., Man ſagte mir, ſo ſag auh ih Auf euern eigenen Eid: 10 Vor dem Grale war bereit (Sollt ih damit betrügen, So helfet Jhr mir lügen) Wonaq einer bot die Hand, Daß er alles ſtehen fand, 15 Speiſe warm, Speiſe kalt, Speiſe neu und wieder alt, | Fiſh und Fleiſch, Wild und Zahm. Es iſt kein wahres Wort daran, Hör i< Manchen ſprechen; | 20 Der will ſi viel erfrehen, | Denn der Gral war alles Segens Born, Weltlicher Süße volles Horn: |
Es that es dem beinahe glei Was man erzählt vom Himmelreich. 25 In kleine Goldgefäße kam Was man zu jeder Speiſe nahm, Pfeffer, Salz und Agraß. Der Genügſame, der Fraß, 5 Alle fänden da genug; Höflih man es vor ſie trug. 239 Moraß, Wein, Sinopel roth, Wonath den Napf ein Jeder bot, Was er Trinkens mote nennen, Das konnt er drin erkennen, , 6 Alles dur des Grales Kraft. Die herlihe Genoßenſchaft Ward bewirthet von dem Gral. | Wohl bemerkte Parzival y Den Reichtum und das große Wunder; 10 Doch nicht zu fragen unterſtund er. | Er gedathte: „Treulich rieth | Mir Gurnemans, bevor ih ſied, | Viel zu fragen ſollt ih meiden; ; Man wird mich hier wohl au beſcheiden | 15 Wie es dort bei ihm geſhah. i So hör ih ohne Frage ja E | Wie es um dieſe Leute ſteht.“ Y Wie er ſo dachte, fieh, da geht f Ein Knappe her und bringt ein Schwert, 20 Die Scheide tauſend Marken werth; | Das Gehilz war ein Rubin; Auch war die Klinge wie es ſchien, Großer Wunder Thäterin. | Seinem Gaſte gab der Wirth es hin /_2 Und ſprah: „Es half mir in der Noth y Manqhesmal , bevor mi Goit So ſhwer am Leibe hat verlegt. e Ich hoffe, daß es euh erſet Was hier fehlt an eurer Pflege; Führt es künftig allewege: 240 Ihr ſeid, erkennt ihr ſeine Art, Im Streite wohl damit verwahrt." Weh, daß er da vermied zu fragen! Das muß ih noh für ihn beklagen. 6 Denn da das Schwert ihm ward gegeben, Das mahnt! ihn, Frage zu erheben.
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5 Auth jammert mi<h ſein edler Wirth, | °, Daß er der Qual nit ledig wird, | Der ihn enthoben hätte Fragen. 10’ Nun war hier ſattſam aufgetragen. . \ Die's anging, griffens wieder an Und trugen das Geſchirr hindann. Die vier Karoſſen lud man da; Jedes Fräulein ſeinen Dienſt verſah, 15 Erſt die lezten, dann die erſten. Sie traten alle mit der Hehrſten Wieder hin zu dem Gral. Vor dem Wirth und Parzival Verneigte fih die Königin 20 Und all die Jungfraun wie vorhin E “Und trugen wieder aus der Thür \ Was fie mit Zucht gebracht herſür. Parzival bli>t ihnen nah: Da ſieht er in dem Vorgemah 25 Eh fie die Thüre zuthun, Auf einem Spannbette ruhn | Den allerſchönſten alten Mann, Des er Kunde je gewann. Jh greif es traun niht aus der Luft, | ' Er war noch grauer als- der Duft.
241 Wer der Greis geweſen, ; Das hört ihr künftig leſen, i Dazu der Wirth, die Burg, das Land, Die werden eu< von mir genannt
5 Künftig, wenn es an der Zeit, \ Beſcheidentlich , ohn allen Streit, | Und ſogleich, unverzogen.
Die Sehne ſag ih ſonder Bogen. Die Sehne dient zum Gleicniſs hier. | 10 Behende {eint der Bogen dir, Doch if ſchneller was die Sehne jagt. Hab is niht unbedatht geſagt , | So gleicht die Sehne ſ{li<ten Mären, : Womit wir gern zufrieden wären ; 15 Denn wer die Krümme wandelt viel, Der führt uns allzuſpät ans Ziel. Wenn ihr den Bogen ſpannen ſaht , Erft war die Sehne {<li<t und grad; Sie muß ſi dehnen, muß ſi biegen, 20 Soll der Schuß zum Ziele fliegen.
Doh Wer die Märe ſchießt dem Thoren, Der hat ſein Dehnen auch verloren: Sie findet nirgend eine Statt Und gar geräumigen Pfad 26 Zu einem Ohr ein, zum andern aus. | Lieber bleib ih zu Haus | Als daß ih den mit Mären dränge, j Denn ih ſagte oder ſänge ' Beßer wahrli<h einem Bok | Oder einem morſchen Sto>. 242 Ig will eu< ferner doh bedeuten Von den jammerhaften Leuten, | Die hier beſucht hat Parzival. Man vernahm da ſelten Freudenſchall, 6 Weder Tanz noch Ritterſpiel. Jhrer Trübſal war ſo viel, y Sie dachten auf Erholung nicht. Oft wohnt die Volkszahl minder dicht , Doh thut ihr man<hmal Freude wohl; 10 Hier waren alle Winkel voll Und auch der Hof, wo man ſie ſah. Der Wirth ſpra< zu dem Gaſte da: „Nun iſ eur Bette wohl bereit, Drum rath ih, wenn ihr müde ſeid, 15 Eu zur Ruhe zu begeben.“ Nun ſollt ih Zeterſchrei erheben Um ihr ſo gethanes Scheiden! Hier wähst Unheil ihnen beiden. Vor des Wirthes Bette trat 20 Auf den Teppich hin und bat. Um den Urlaub Parzival ; Gute Nacht ihm bot der Wirth zumal. Auf ſprang die Ritterſchaft in Eil; Ihn zu geleiten kam ein Theil. 256 Da führten ſie den jungen Mann In ein Schlafgemah hindann : Das war alſo ausſtaffiert , | Mit einem Bette geziert , | Daß mich die Armut ſ{<merzli< müht, | Da der Erde ſolcher Reichtum blüht. 243 Dem Bett war Armut theuer; | Als glüht! er im Feuer | Gab drauf ein Pfellel lihten Stral. | Die Ritter bat da Parzival ,
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5 Sie möchien auh zur Ruhe gehn; Denn Ein Beit ſah er hier nur ſtehn. « Mit Urlaub gingen ſie hindann. - Hier hebt ein andrer Dienſt ſih an. y Viel Kerzen und ſein klar Geficht 10 Wetteifernd gaben helles Licht : Wie möchte heller ſein der Tag? Vor ſeinem Bett ein andres lag, Ein Polſter drauf; da ſeht", er fih. Jungherren gar behendiglih 15 Entſhuhn ihm Beine, die ſind blank: Manger ihm zu Hülfe ſprang. | Auqh zog ihm ſeine Kleider ab » Mancher wohlgeborne Knab: Es waren ſ{hmud>e Herrlein. 20 Zur Thüre traten jezt herein Vier klare Jungfrauen, | Die man geſandt zu ſhauen Ob man ihn wohl verpfläge, | Und ob er ſanft gebettet läge. 26 Die Märe meldet ſonder Trug, Eine helle Kerze trug Ein Knappe Jeglicher voran. - Parzival ver ſnelle Mann Sprang unters Deelachen. ' Sie ſprachen: „Jhr ſollt wachen 24A Uns zu Lieb noh eine Weile.“ Verborgen in der Eile Hatt er unterm Bett ſih ganz; Nur ſeines Antliyes Glanz 5 Gab ihren Augen Hochgenuß Eh fie empfingen ſeinen Gruß. Ihnen ſchufen au< Gedanken Noth, Daß ſein Mund ihm war ſo roth Und daß vor Jugend Niemand wahr 10 Da nahm auch nur ein halbes Haar. 4 Dieſe vier Jungfrauen klug, Hört was Jegliche trug: Moraß , Wein und Lautertrank Trugen drei auf Händen blank; i 15 Die vierte Jungfraue weiſ Trug Aepfel aus dem Paradeis Auf blanker Zwi>el hin vor ihn. | Dieſe ſah man niederknien. Er hieß das Mägdlein ſigen:
20 Sie ſprach: „Laßt mih bei Witzen; e Ich könnt euch ſitzend niht bedienen, Und darum find wir hier erſchienen. Süßer Red er niht vergaß; | Der Herr trank, einen Theil er aß, | 25 Dann gingen ſie mit Urlaub wieder. Da legte Parzival ſi< nieder. Die Junker ſegten vor ihn | Die Kerzen auf den Teppich hin, Da fie ihn entſhlafen ſahn: | Alſo eilten fie hindann. 245 . Parzival lag nicht allein: i | Geſellt bis zu des Morgens Schein i War ihm ſtrenges Herzeleid. Alles künftige Leid 6 Hat Voten ihm vorausgeſandt, Daß Sthre> den Blühnden übermannt; . Seine Mutter bracht einſ ſo in Noth | Der Traum von Gachmuretens Tod. So verbrämt war ihm der Traum, 10 Mit Schwertſchlägen um den Saum, Mit Tjoſten oben rei geſti>t: Von Lanzen auf ſein Herz gezü>kt y Litt er im Schlafe man<mal Noth. Lieber zwanzigmal den Tod 15 Hätt er dulden mögen wah: . So gab den Sold ihm Ungemah. Der Aengſtigungen Strenge Muſt ihn we>en auf die Länge. Ihm ſ{hwiyten Adern und Gebein. 20 Aut drang der Tag durchs Fenſter ein. Da ſprah er: „Weh, wo ſind die Kinde, Daß ich fie niht vor mir finde? | Wer ſoll mir reihen mein Gewand?“ y So erharrte ſie der Weigand | 25 Bis er abermals entſ<lief. } Niemand ſprah, Niemand rief, | Sie blieben all verborgen. | Wieder zu Mitte Morgen | War erwacht der junge Mann; . | Vom Bette ſprang er ſhnell hindann. 246 Auf dem Teppich ſah der Werthe Seine Rüſtung liegen und zwei Schwerte: Eins das der Wirth ihm geben ließ, 8
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Das andre war von Gahevieß. | 5 Da hub er zu ſi ſelber an: Y „Weh, wer hat mir dieß gethan? j Gewiſs, i< ſoll mi wappnen drein. J< litt im Schlafe ſolhe Pein; | Wachend i mir Arbeit y 10 Heute ficher auh bereit. | Wenn dieſen Wirth ein Feind bedroht, | So leiſt ih gerne ſein Gebot, | Und Ihr Gebot mit Treuen, y Die den Mantel, dieſen neuen, | 16 Mir geliehen hat aus Güte. y Stünd alſo ihr Gemüthe, | Daß ſie Dienſt von mir begehrte, | Wie gern ih den gewährte! | Doch niht um Minnelohns Gewinn, | 20 Denn mein Weib die Königin | __ JAffſt von Anilig wohl ſo klar | Wie ſie, und klarer, das iſt wahr.“ | Er hilft ſi ſelber, weil er muß, | Wappnet fi< von Haupt zu Fuß, | 25 Daß er fertig ſei zum Streite; y * Zwei Schwerter ſchnallt er an die Seite. Der werthe Degen ging hinaus; Da war ſein Roſs vor dem Haus Angebunden , Schild und Sper Stand dabei; das freut’ ihn ſehr. 947 Eh Parzival der Weigand Sich des Roſſes unterwand, Der Held in manche Kammer lief, Wo er nach den Leuten rief. 5 Niemand hörte, ſah er da, Daran ihm großes Leid geſchah. Der Degen kam in übeln Zorn. Da lief er in den Burghof vorn, Wo er geſtern ſtieg vom Pferde. 5 10 Da war Gras und Erde : Von manchem Hufſchlag berührt h Und der Thau hinweggeführt. Der junge Mann mit lautem Rufen | Kehrte zu des Hauſes Stufen. | 15 Mit manchem Scheltworte Sprang er zu Roſs. Die Pforte | Fand er weit offen ſtehn E
| Und große Stapſen aus 1yr gyn. Die Brü>e war hinab gelaßen: | 20 Hinüber riit er ſeiner Straßen. Ein verborgner Knappe zog das Seil: Der Sglagbrü>e Vordertheil Brachte \hier ſein Roſs zu Fall. | Das Haupt wandte Parzival: 256 Da wollt er gerne fih befragen: „Der Sonne Haß ſollt ihr tragen ," Sprach der Knapp. „Ihr ſeid 'ne Gans. Hättet ihr gerührt den Flans Und hättet den Wirth gefragt! Nun bleibt eu< großer Preis verſagt.“ DAS Der Gaſt rief um Erklärung: . Da ward ihm niht Gewährung. Wie viel ‘er bat , wie lang’ er rief, Der Knappe that, als ob er \<lief' 6 Und ſlug die Pforte vor ihm zu. Allzu früh für ſeine Ruh Sqhied da hinweg, der nun mit Leid Entgalt ſeiner frohen Zeit : | Die blieb ihm jezt verborgen. 10 Er hatt um ſ<hwere Sorgen Gedoppelt, als den Gral er fand, | Mit ſeinen Augen, ohne Hand Und ohne Würfel zumal. | Wed>t ihn Kummer nun und Qual, | 15 Des war er früher ungewohnt ;- | Jhn hatte Trübſal noh verſchont. | Parzival verfolgte da Die Hufſpur, die er vor fih ſah. | „Die vor mir,“ dat er, „reiten, 20 Die werden mannlih ſtreiten | Heut um des Wirthes Ehre. | Sie verſhmähns, ſonſt wäre | Jhre Schar mit mir auh nit geſ<hwächt : | J< wollt in keinem Gefecht 26 Von ihnen weichen in der Noth, Daß i verdiente mein Brot, Und dieß wonniglihe Schwert, | Das ihr Herr mir hat verehrt , Und das ih unverdient noh trage. Sie wähnen wohl, ih wär ein Zage.“ DAY Der aller Falſchheit that entgegen, Hielt fich an den Hufſchlägen.
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Daß er ſo ſcheidet, jammert mih; „ | Nun erſt aventürt es fich. 5 Die Fährt allmählih ihm zerrann: | Hier ſchieden, die ihm ſind voran, Die Spur ward ſ<mal, erft war fie breit , Er verlor ſie ganz: das war ihm leid. Da erſt erfuhr der junge Mann, | 10 Davon er Herzeleid gewann. Der kühne Degen ohne Zagen j Hört? eine Frauenſtimme klagen. - Naß von Thau noh war das Gras. - Vor ihm auf einer Linde ſaß 15 Ein Weib, die Treu gebracht in Noth. Gebalſamt lag ein Ritter todt | Ihr zwiſchen beiden Armen. Wollt es Einen nicht erbarmen, Der fie ſo ſäh in Schmerzen, y 20 Das geſhäh aus falſhem Herzen. Sein Roſs da zu ihr wandte, Der ſie no< nit erkannte: | Sie war do< ſeiner Muhme Kind. Was irdſhe Treue nur erfinnt, y 26 Das ward vor ihrer Treu zunicht. ; Nun grüßt ſie Parzival und ſpricht : „Herrin, mir iſt herzlich leid, Daß ihr ſo bekümmert ſeid. Könnt euh mein Dienſt davon befrein,
Zu euerm Dienſte wollt ih ſein.“
250 Sie dankt’ ihm mit des Jammers Sitten Und frug: „Wo kommt ihr hergeritten ?“ Sie ſprach: „Es folgte ſ<hlimmem Rath Wer noch je die Reiſe that
5 Her in dieſen dden Wald, Unkundem Gaſte mag da bald 7 Großen Schadens viel geſchehn; Gehört oft hab i< und geſehn Von Leuten, die den Tod hier nahmen 10 Und wehrlih doch zu ſterben kamen. Flieht, wenn ihr das Leben liebt ! Nur ſagt, wo dieſe Nacht ihr bliebt ?“ „Eine Meile nur von hier, niht mehr, Steht eine Burg, wie keine hehr 15 Duri alle Prat und Herlichkeit: Die ließ ih erſt vor kurzer Zeit.“
i Sieſprach: „Der eu< Vertraun will ſchenken, Den ſollt ihr niht mit Lügen kränken. | Eur Sgzild muß euch als fremd bekunden; 20 Jhr hättet Wald zuviel gefunden E Von gebautem Lande hergeritten. | Dreißig Meilen weit ward nie verſchnitten | Zu einem Hauſe Holz noh Stein. Nur eine Burg ſteht dort allein, 25 Reih an Allem was die Erde preiſt. Wer die zu ſuchen fi befleißt, Der kann ſie leider niemals finden: Doch find Viele, die ſi<s unterwinden. Es muß unwißend geſchehn Soll Jemand die Burg erſehn. E 251 Die iſt euh, Herr, wohl nicht bekannt. Monſalväſch iſt ſie genannt. Terre de Salväſch geheißen wird Das Reich, wo Krone trägt der Wirth. 5 Vererbt einſt hat es Titurel Seinem Sohn, dem König Frimutel : So hieß der werthe Weigand; Den Preis erwarb oft ſeine Hand. Auth gab ihm eine Tjoſt den Tod, 10 Den ihm die Minne gebot. * Vier werthe Kinder ließ er nah: Drei haben Gut, doh Ungemach; Der vierte wählte Armut: y So büßt er ſeinen ſündgen. Muth; | 15 Er heißt mit Namen Trevrezent. Anfortas ſein Bruder lehnt, | Denn ſizen kann er niht no< gehn, | Auch weder liegen noh ſtehn, Der auf Monſalväſche wohnt ; | 2 Groß Unheil hat ihn niht verſchont.“ | Sie ſprah: „Wenn ihr gekommen wärt Zu der Schar, die Gram beſchwert, Vielleiht wär nun der Wirth befreit Von ſeinem lang getragnen Leid.“ 25 Zu der Jungfrau ſpra<h der Waleis laut: | „Groß Wunder hab ih da geſchaut Und viel Frauen wohlgethan.“ | An der Stimm erkannte ſie den Mann. } Da ſpra<h ſie: „Du biſt Parzival. | Nun ſage, ſaheſt du den Gral | 252 Und den Wirth, den Freudeleeren ?
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Laß liebe Kunde hören. | Fſſtt ſein Jammer noch zu ſtillen, | Wohl dir, der ſelgen Reiſe willen! | 5 So weit die Lüfte Land umfangen, So weit ſoll deine Hoheit langen. Dir dienet Alles, Zahm und Wild, Aller Erdenwunſch iſ dir geſtillt.“ Parzival der Weigand 10 Spra: „Woran habt ihr mih erkannt ?“ Da ſpra< fie: „Sieh, ih bins, die Magd, Die dir ihr Leid ſchon hat geklagt , Dir deinen Namen nannte. Verſhmäh niht die Verwandte: 15 Deine Mutter iſt mir Muhme, Aller Erdenreinheit Blume , Ob lautern Thau ſie nie empfing. Gott lohns , daß dir ſo nahe ging Mein Freund, den eine Tjoſt mir ſlug. 20 Hier hab ih ihn. Noth genug Hat mir Gott an ihm gegeben, Daß er niht länger ſollte leben. Er war rei<h an Manne8güte: | Aus ſeinem Tod mein Leid erblühte ; ] 25 Auch hat ſi< mir von Tag ‘zu Tage | S<hmerzlih um ihn erneut die Klage.“ y „O weh, wo blieb dein rother Mund! Viſt dus, Sigune, die mir kund | That ſo getreulih, wer ih war? j Dein lo>ig langes braunes Haar, - 953 Das iſ von deinem, Haupt geſ<wunden. Da ih dih in Briziljan gefunden, Da warſt du no< ſo minniglih, Obwohl ſhon Jammer warb um dich. 5 Jegzt verlorſt du Farb und Kraft. Dieſer traurigen Geſellſchaft Verdröße mich, ſollt ih ſie haben: Laß dieſen Todten uns begraben.“ Die Augen näßten ihr das Kleid. 10 Auch hätt ihr wohl zu keiner Zeit Lunete ſolhen Rath gegeben. Die rieth der Herrin: „Laßt am Leben Dieſen Mann, der euern ſlug: Er giebt eu< wohl Erſa genug.“ 15 Sigune wollte kein Erſetzen
Wie Fraun, die Wechſel mag ergeyen,
Die mir zu nennen nict behagen.
Hört mehr von Siguns Treue ſagen.
Die ſprah: „Soll mir noh Freude werden,
20 Die wird mir, wenn Jhn die Beſchwerden
Laßen, den unſelgen Mann.
Sollt er von dir Hülf empfahn,
Fürwahr , ſo biſt du Preiſes werth;
| Du trägſt am Gürtel auh ſein Schwert.
| 25 Kennft du denn des Schwertes Gaben?
Du magſt zum Kampf wohl fur<htlos traben. Ihm liegen ſeine Schärfen ret. Ein Schmied von edelm Geſchlecht,
| Trebüſchet, \hufs mit eigner Hand.
| Ein Brunnen ſteht bei Karnant;
254 Drum heißt des Landes König Lach. Das Schwert beſteht den erſten S<hlag, : Doh von dem andern brichts entzwei. . Bringſt du's zum Brunnen, wieder neu
5 Wird es von des Waßers Guß. Doh von der Quelle nimm den Fluß, Am Fels, eh ihn beſchien der Tag. Der Brunnen heißt auth ſelber Lach. Wenn niht verſplittert ſind die Stücken, 10 Man muß fie re<t zuſammendrüd>en Indem der Brunnen ſie benetzt ; Ganz und no< viel ſchärfer jetzt Wird glei< ihm Falz und Schneide ſein Und jedes Mal behält den Schein. 15 Doch das Schwert bedarf ein Segen3wort: Das fürcht ih, ließeſt du dort. 5 Hats jedo< dein Mund gelernt, So gedeiht und wächſt und kernt Des Heiles Fülle ſtäts bei dir. 20 Lieber Vetter, glaube mir, So dienet immer deiner Hand Was Wunders dort dein Auge fand; So muß dir die Krone Des höchſten Heils zum Lohne 26 Ob allen Würdgen werden; Was man wünſchen mag auf Erden | Wird dir völlig gegeben: So reih mag Niemand leben, | Der ſih dir vergleichen kann, | Haſt du der Frag ihr Recht gethan.“
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255 „Keine Frage,“ ſprah er, „that ih da.“ „O weh, daß eu< mein Auge ſah,“ Sprach die jammersreihe Magd,
„Da ihr zu fragen habt gezagt! 5 So große Wunder wie ihr ſaht, Daß eur Mund da keine Frage that! Ihr ſaht do< den hehren Gral, Saht edler Frauen reihe Zahl, Die werthe Garſchiloie 10 Und Repans de Schoie, Sóneidendes Silber, blutgen Sper. O weh, was kommt ihr zu mir her? J Unſeliger , verfluhter Mann! | Jhr tragt des giftgen Wolfes Zahn, | 15 An dem die Galle bei der Treue So früh fih zeigt zu ſpäter Reue. “ Euch hätt eur Wirth erbarmen ſollen, | * An dem Gott Wunder wirken wollen: | So fragtet ihr nach ſeiner Noth. 20 Jhr lebt und ſeid am Heile todt.“ Da ſprach er: „Liebe Baſe, zeigt Beßer, daß ihr mir geneigt. Ich büß es, wenn ih was verbrach.“ „Das ſei eu erlaßen , ſprah 25 Sigune. „Mir iſ wohl bekannt, In Monſalväſh an euh verſhwand Ehr und ritterlicher Preis. Ihr findet nun in keiner Weiſ Antwort fernerhin bei mir.“ : So ſchied Parzival von ihr. 256 Daß er zu fragen war ſo laß, Als er bei dem traurgen Wirthe ſaß, Das muſte da in Treuen Den kühnen Degen reuen. 5 Seine Noth war groß, der Tag war heiß, Er begann zu triefen von Schweiß. Den Helm, fi zu lüften, band Er ab und trug ihn in der Hand; Au) eniſtri>t’ er die Vinteilen ſein; 10 Dur Eiſenroſt war liht ſein Schein. Er kam auf eine friſhe Spur: Vor ihm, wenig Schritte nur, Ging ein Roſs gar wohl beſchlagen, Und ein barfuß Pferd, das ſah man tragen Simro>, Parzival und Titurel.
| 16 Eine Frau, die vor ihm ritt In einem hinkenden Schritt. | Von Mangel ſ{hien das Pferd gequält, | Man hätt ihn dur< die Haut gezählt Seine Rippen allzumal : 20 Wie in Härmlein war es fahl. | Eine Halfter trugs von Baſt, | Zu den Hufen fiel die Mähne faſt, | Die Augen tief, die Gruben weit. Der Gaul war von langem Leid 26 Abgequält und abgehezt; Oft we>t' ihn Nachts der Hunger jezt. Er war dürr wie Zunder ; Sein Gehn war ein Wunder, . Zumal die Werthe, die er trägt, Wohl ſelten no< ein Pferd gepflegt. | 257 Das Reitgeräthe allzumal War ohn alle Breite ſ{hmal, Schellen, Sattelbogen Zerſtli>t und verbogen. 6 Sie hatt an Ueppigkeit niht Theil; Jhr Obergurt war ein Seil: Dem war ſie do< zu wohlgeborn. Hier ein Zweig und dort ein Dorn E Hatt ihr das Kleid zerrißen. 10 Wo's von Zerren war zerſplißen, E | Da wars gefli>t mit Stri>en; Darunter ſah er bli>en Ihre Haut no< weißer als ein Schwan. , Sie hatte nichts als Hadern an: 15 Wo ihr die geſhügt die Haut, Da wurde fie ſo blank erſchaut ; Das Uebrige litt von Sonne Noth. Wie es auh kam, ihr Mund war roth: Den ſah man ſole Farbe tragen, 20 Man hätte Feuer draus geſchlagen. Wo man ſie mot anreiten, . : Stäts wars zur bloßen Seiten; Nennte fie Einer Vilan Der hätt ihr Unrecht gethan, 25 So wenig hatte fie an ihr. Unverdient, das glaubet mir, : Trug die Frau ſo großen Haß, Die nie der reinſten Zucht vergaß. | Noch viel von ihrer Armut Fd
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30 Sagt’ ih leiht; es iſ ſhon gut: Jh nähm doch ihren bloßen Leib Für manches wohlgeſhmüd>te Weib. 258 Da Parzival den Gruß ihr bot, Sie erkannt’ ihn glei< und wurde ro:h. Er war der ſ{önſte Mann im Land, Drum hatte ſie ihn bald erkannt.
5 Sie ſprah: „Jh hab euh einſt geſehn; Groß Leid iſ mir davon geſhchn. Mdöt<ht eu< mehr Freud und Ehren Gott immerdar gewähren Als ihr verdient habt an mir.
10 Nun hat mein Kleid nicht ſolhe Zier Als da ihr mich zuerſt erſaht.
Herr, wenn Ihr mir nicht genaht Wiäiret zu derſelben Zeit, So hätt ih Ehre ſonder Leid.“
15 Da ſpra<h er: „Frau, bedenkt es wohl, Wer euern Unmuth dulden ſoll. Nimmer ward (ſo viel ih weiß)
Euch noh andrer Frau mit Fleiß Schande zugefügt von mir
20 (Es wär mir ſelber keine Zier)
Seit ih den Schild zuerſt gewann Und auf Waffenthaten ſann.
Doch muß mich euer Kummer peinen.“ Sie ritt dahin mit lautem Weinen,
25 Auf die Brüſte rann es ihr, Brüſte, wie gedreht ſo zier,
Sie ſtanden ho< empor und weiß;
Es könnte keines Drehslers Fleiß
Sie ſchöner bilden ſicherlich.
War ſie gleih ſo minniglih, 259 Sie muſt ihn do erbarmen.
Mit den Händen, mit dcn Armen
Begann fie ſih zu de>en
Vor Parzival dem Reen.
5 Da ſprach er: „Herrin, nehmt um Gott, Denn ih biet es ohne Spott,
An cuern Leib mein Ueberkleid.“ „Herr, und wär das außer Streit, Daß all mein Glü> daran hinge,
10 So wagt’ ih niht, daß i<hs empfinge. Wollt ihr uns Tödtens maqhhen frei, So reitet {nell an mir vorbei:
Obwohl ih minder meinen Tod Beklagen würd als eure Noth.“ 1ö „Frau, wer nähm uns wohl das Leben? j Das hat uns Gottes Macht gegeben. Und heiſcht? es auch ein ganzes Heer, | So ſtünd ih doh für uns zu Wehr.“ | Sie ſprach: „Es heiſhts ein werther Degen: 20 Der if ſo tapfer und verwegen, | Daß eurer Sechs ihn niht beſtreitct : Mir iſ leid, daß ihr hier bei mir reitet. J<< bin einmal ſein Weib geweſen; Jett taugte mein verkümmert Weſen 25 Des Helden Dirne nicht zu ſein: So ſchaf er mir mit Zürnen Pein.“ Da hub er zu der Frauen an: „Sagt an, Wer iſt bei euerm Mann? Denn flöh ih jezt nah euerm Rath, Das däucht eu ſelber Miſſethat. 260 Bevor ih fliehen lerne, Jh ſterbe wohl ſo gerne.“ 1 Da ſprah die bloße Herzogin: „Ich bin hier ganz allein um ihn: 5 Das hilft eu< nicht, wenn Streit ſich hübe.“ Nichts als Hadern und die Schicbe War an der Frauen Hemde ganz. Bei Armut trug fie den Kranz Weiblicher Zucht in Blüte. 10 Sie pflag ſo reiner Güte, Daß aller Falſh an ihr verſhwand. Er verſtri>te der Vinteilen Band, Den Helm er mit den Schnüren, y Zum Kampf ihn zu führen, E 15 Auf dem Haupt zurecte rü>te. y Das Roſs, das ſih büd>te, | Sqhrie dem Pferde zu mit lautem Schall. | Der da ritt vor Parzival Und vor der bloßen Frauen, 20 Vernahms, und wollte ſhauen Wer bei ſeinem Weibe ritte. Das Roſs mit Zornesſitte Warf er herum mit aller Kraft. Mit eingelegtem Lanzenſchaft 25 Hielt der Herzog Orilus ! Zur Tjoſt bereit, mit feſtem S<hluß Und rechter mannliher Wehr.
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Von Gahevieß war ſein Sper: Die Farben zeigt' er oft genug, Die er auch in ſeinem Wappen trug. 261 Seinen Helm wirkte Trebüſchet. Der Schild war zu Toled, In König Kailetens Land, Geſchmiedet dieſem Weigand; 5 Rand und Budel hatten Kraft. Zu Alexandrien in der Heidenſchaft War gewirkt ein Pfellel gut , Davon der Herzog hohgemuth Trug ſo Kleid als Wappenro>. 7 10 Seine De>te war zu Tenabrock Aus harten Ringen geſchaffen. Sein Stolz war ſihlbar in den Waffen. Der Eiſende>e Bezug War ein Pfellel , man {lug 15 Jhn an, daß er niht wohlfeil wär. Ihm waren reih und doh niht ſhwer Hoſen , Halsberg, Härſenier. In manches Eiſenſchillier War gewappnet dieſer kühne Mann, 20 Gewirkt zu Bealzenan, In der Hauptſtadt von Anſchau. Die Kleider dieſer bloßen Frau Glichen Seinen niht in Stoff und Schnit, Die hinter ihm ſo traurig ritt, 25 Und es leider jezt niht beßer hatte. Von Soiſſons war die Harniſchplatte; Sein Roſs war von Brumbane De Salwäſh bei der Montane; - In einer Tjoſt Roi Lähelein Erwarb es da, der Bruder ſein. 262 Parzival war auh bereit: Galoppierend ritt er in den Streit Gegen Orilus de Lalander. | Auf deſſen Schilde fand er | 5 Einen Wurm, als ob er lebte. Ein andrer Drache ſhwebte Auf ſeinen Helm gebunden ; + Drachen wurden auch gefunden Goldgetrieben, zierlich klein 10 (Mit manchem koſtbaren Stein War ein jeder ausgeſ<hmüdt , Von Rubin ihm Augen eingedrü>t)
Auf dem Helm und auf dem Kleid. | Den Anlauf nahmen da weit 15 Die beiden Helden unverzagt. | Von keincm ward erſt widerſagt, | Weil ſie der Treu ſchon ledig waren. | In die Lüfte ſah man fahren | Starke Splitter von den Schäſten. 20 Mein Hohmüth käm zu Kräften, Hätt ih ſolche Tjoſt geſehn | Wie hier die Märe läßt geſchehn. | Da ward in vollem Lauf geritlen Und eine neue Tjoſt geſtritten. | 25 Sich geſtand Frau Jeſchute e Nie ſah ſie Tjoſt ſo gute. Die hielt da, rang die Hände; Die freudenlos elende Gönnte beiden keinen Schaden. Im Schweiß ſah man die Roſſe baden. 263 Sie wollten beide Preis erringen. Den Glanz der blitenden Klingen, Das Feur, das aus den Helmen ſprang Bei manchem kräftigen Schwang, 5 Sah man leuten fern und nah. Die beſten Kämpfer waren da Im Kampf zuſammen gekommen, Mög es ſchaden, möge frommen Den Kühnen kampferfahren. 10 Wie bereit die Roſſe waren, Darauf ſie beide ſaßen, | Des Sporns fie niht vergaßen, Noch des S<hwerts von lihtem Stahl. | Preis verdient hier Parzival, 15 Daß er ſih alſo wehren kann Vor hundert Drachen, Einem Mann. Der Drachen Einer ward verſehrt, Mit mancher Wunde beſchwert: Der auf Orilus Helme lag. £0 So durgthleuthtig, daß der Tag Hindurh warf ſeinen vollen Schein, Stob nieder mancher Edelftein. Das erging zu Roſs und niht zu Fuß. Jeſchuten ward des Mannes Gruß 25 Wieder erobert mit dem Schwert Dur dieſen Degen kühn und werth. | Jm Anritt ſie einander ſ<hoben,
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Daß die Ringe von den Knien zerſtoben, | Ob fie glei< von Eiſen waren. | Sie wuſten kampſlih zu gebahren. 264 Dem Einen reizt? es den Zorn, | Daß ſeiner Frauen wohlgeborn | Jüngſt Gewalt war geſchehn, | Die ihn zum Vogt doch hatt erſehn; | 5 Ihm war ihr Schug und Schirm verliehn. Er wähnt’, ihr weibliher Sinn Hätte fi< von ihm gekehrt, _ Alſo daß fie hätt entehrt Keuſchheit und Reine 10 In verbotenem Vereine. Das verzieh er ihr nicht; Auqh erging ſein Gericht So über fie, daß größre Noth Kein Weib noch litt, bis auf den Tod, 15 Und Alles do< ohn ihre Schuld. Er durft ihr freilih ſeine Huld Verſagen, wenn er wollte; Niemand ihn hindern ſollte, Da der Mann des Weibes Meiſter iſ. 20 Doh unſer Held, der das vergißt, Jeſhuten mit dem Schwerte Oriluſens Huld begehrte. Sonſt pflegt mans gütlich zu erbitten; | Doh Er vergaß der Schmeichelſitten. | 25 Unrecht haben Beide nicht. | Der was krumm iſ und was {li<t Erſchuf , der möge beiden Den Kampf ſo gnädig ſcheiden, | Daß es ohne Tod ergehe; Sie thun doch ſonſt fi wehe. | 265 Nun ſtieg der Kampf zur Härte. Sie wehrten mit dem Schwerte Kühn den Preis einander. Dük Orilus de Lalander | 6 Stritt nah früh erlernten Sitten. | Wo hat ein Mann ſo viel geſtritten? | Er hatte Kunſt genug und Kraft; | Drum war er manchmal fieghaft | Geworden, wie es heut auch ging. | 10 Das gab ihm Muth: er umfing y Den jungen- ſtarken Parzival. Doch der ergriff au< ihn zumal |
Und hob ihn aus dem Sattel ſo: - Wie eine Garbe Haferſtroh 15 Hielt er ihn untern Arm geſhwungen , Und ſchnell mit ihm vom Roſs geſprungen Drüd>t' er ihn über einen Kloz. Da ließ beſiegt von ſeinem Troß, | Der ſolher Noth war ungewohnt. 20 „Du büßeſt, daß ſo übel lohnt | Dieſer Frau dein blöder Zorn. | Sieh, nun biſt du verlorn, | Wenn du ihr deine Huld nicht ſchenkſt.“ „Das geht ſo {nell niht als du denkſt ,“ 5 | 26 Spra der Herzog Orilus: | „Noch zwingt mich nihts zu ſolchem Schluß.“ | : | Parzival der werthe Degen Drüd>t' ihn, daß -des Blutes Regen | Aus dem Helme kam geſprungen. : Da war der Fürſt bezwungen, 266 Man mote viel von ihm erwerben: Er wollte do< niht gerne ſterben. y Der Held zu Parzival begann: | „Weh, du kühner ſtarker Mann, 5 Wie verdient! ih ſole Noth, Durch dich zu ſterben den Tod?“ ! „I< will di gerne laßen leben ,“ Sprach Parzival, „do< muſt du geben y Dieſer Frauen deine Huld.“ 10 „Das thu ih nimmer: ihre Schuld Iſt ſo, daß man ſie nie verzeiht. Sie war ſo rei< an Würdigkeit : Die hat ſie ſelber gekränkt : Und mich in tiefes Leid geſenkt. 15 Jh leiſte was du ſonſt begehrſt , : Wenn du das Leben mir gewährt. Das war mir ſonſt von Gott verliehn: Nun brat es deine Kraft dahin, | Daß ichs danke Deinem Preiſe.“ 20 So ſprach der Fürſt, der weiſe. „Mein Leben kauf ih theur von dir. In zweien Landen trägt die Zier , | Der Königskrone würdiglih Mein Bruder ; reicher viel als ich. | 25 Nimm dir, welches dir gefällt, i Daß ih dem Tod nicht ſei geſellt.
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Ich bin ihm lieb, er löſet mih Wie is bedinge gegen dich. Auch nehm ih dann mein Herzogtum Von vir. Dein preisliher Ruhm 267 Erwarb hier neue Würdigkeit. : Rur erlaß mir, Degen kük,n im Streit, Dieſem Weibe hold zu werden: Alles magſt du ſonſt auf Erden 5 Mir gebieten immerhin. Mit der entehrten Herzogin Will ih nicht verſöhnt mih ſehn, Mag mir was da will geſehn.“ Parzival mit hohem Muth 10 Sprath: „Leute, Land, noh fahrend Gut, Nichts kommt dir zu Gute hier, Es ſei denn du gelobeſt mir Gen Britannien zu fahren, Und die Reiſe länger niht zu ſparen 15 Zu einer Magd: die ſ{hlug um mih Ein Mann, ih rä<h es ficherlih, Wenn Sie's niht wehrt: das iſt geſchworen. Du ſollſt dem Mägdlein wohlgeboren Sichern und meinen Gruß ihr ſagen: 20 Wo nicht, ſo wirſt du hier erſchlagen. Artus und ſeinem Ehgemahl Bringe meinen Gruß zumal: Sie lohnen meinen Dienſt damit , Wenn ſie Jhr vergüten, was ſie litt. ; 25 Dazu will ih ſchauen, ¡ Daß du verzeihſt dieſer Frauen y Ohn Argliſt und Gefährde, | Sonſt muſt du ſtatt zu Pferde Auf einer Bahre hinnen reiten, ] Willſt du mirs widerſtreiten. | 268 Merk da3 Wort und thu die Werke; | Deine Hand mirs eidlih beſtärke.“ Da ſprach ver Herzog Orilus | Zu Parzival mit Verdruß: | 5 „Mag dem Niemand widerſtreben, So leiſt ihs, denn ih will noh leben." In der Furcht für ihren Mann Jeſchute dachte kaum daran, Daß noh zu ſcheiden wär der Streit: 10 Jhr war des Feindes Kummer leid. Parzival. ihn auſſtehn ließ,
| Da er Verzeihung ihr verhieß. Der Bezwungne ſagte da: nFrau, da dieß um euh geſchah, "16 Daß ich den Unſieg hab erlangt, : Wohl her, daß ihr den Kuſs empfangt. Mir geht viel Preis dur< euch verloren : Was thuts? das hab ih au< verſhworen.“ Die Frau mit dem zerrißnen Kleid 20 War zum Sprunge ſhnell bereit Von dem Pferd auf den Raſen. | Wie das Blut aus der Naſen Noch den Mund ihm mate roth, | Sie küſst" ihn, als er Kuſs gebot. | 25 Die dreie ritten unverwandt | Vor eine Klaus in felſger Wand, | Weil Parzival der König da | Eine Heiltumskapſel ſah; | Ein bemalter Sper danebcn lehnt. Der Einſiedel hieß Trevrezent. 269 Parzival getreu verfuhr, Auf das Heiltum that er dieſen Shwur ; Er ſelber ſtabte \ſi< den Eid Und ſprah: „Hab ih Würdigkeit — 5 Ob ich ſie habe oder ‘nicht, Wer mit mir unterm Schilde ficht, Der erfährt wohl meine Ritterſchaft. Dieſes Namens ordenilihe Kraft, Wie uns des Schildes Amt beſagt, 10 Hat ofimals hohen Preis erjagt; Es iſt au< no< ein hoher Nam. Ieh aber will verzagter Sham Stäts vor aller Welt verfallen, Und meinen Preis verlieren allen. 16 Dieſen Worten ſteh mein Glü> zu Pfand Vor der Allerhöhſten Hand; Ich. zweifle niht, die trage Gott. Mög ih denn Verluſt und Spott In beiden Leben fiäts empfangen 20 Durch Seine Kraft, wenn ſi< vergangen Hat dieſe Frau, da ſis begab, Daß ih ihr nahm den Fürſpann ab: | Noch führt! i< Goldes mehr hindann. |< Jh war ein Thor und no<h kein Mann, 26 Zu klugen Sinnen niht gediehn. | Ich ſah ſie weincn und ſi< mühn,
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Vor Jammer ſ{<wigtt ihr all der Leib: Sie iſt wahrli< ein unſhuldig Weib. J<h nchm es nimmermehr zurlü>, Zu Pfande ſtell i< Ehr und Glü>. 270 „So laßt ſie denn unſchuldig ſein. Seht, gebt ihr hin ihr Ringelein; Jhr Fürſpann wurde ſo verthan, Meine Thorheit ſah man wohl daran.“ 5 Die Gab empfing der Degen gut. Da ftrih er von dem Mund das Blut | Und küſste ſie, ſein Herzenstraut; Auch bede>t' er ihre bloße Haut. Jhr {ob der Degen auserkannt 10 Das Ringlein wieder an die Hand | Und legt! ihr an ſein Ueberkleid. Das war von theuerm Pfellel , weit, Und von Heldeshand zerhauen. Noch ſelten hab ih Frauen 7 15 Wappenrö>e ſehen tragen, Die im Streite ſo zerſchlagen. | Ihr Ruf hat auh nicht oft Turnei | Geſammeliert no< Sper entzwei j Gebrochen, wo es ſollte ſein. | 20 Der gute Knapp und Lämbekein | : Wüſten beßer wohl Beſcheid. So ward die arme Frau befreit. | Der Herzog Orilus begann Zu Parzival dem kühnen Mann: | 25 „Held, mir ſhaft dein freier Eid ] Große Freud und kleines Leid. Die Niederlage, die ih litt, Macht mich alles Kummers quitt. Wohl mit Ehren darf ih nun Der werthen Frau Genüge thun, 271 Die ih aus meiner Huld verſtieß. . Als ih die ſüße einſam ließ, Wars Jhre Schuld, was ihr geſchehn? Doh weil ſie ſprah, du wärſt ſo \hön, 6 So wähnt ih, wäre mehr dabei. Gott lohn dir, Sie iſt Falſches frei: Jh hab ihr Unrelht gethan. Aus dem Wald zu Briziljan 7 Ritt ih dir nah dur jeune Bois.“ 10 Parzival nahm den Sper von Troyes y
| Und führt' ihn mit fich hindann. | Den vergaß der wilde Taurian, | Dodines Bruder, dort. | Nun ſpre<t wie und an wel<hem Ort 15 Uebernachten woÿl die Helden? i Von Helm und Schilden kann ih melden, | Man ſah ſie ganz verhauen. | Der Held nahm von der Frauen Urlaub und von ihrem Herrn. 20 Der edle Herzog nähm ihn gern | Mit ſi an ſeine Feuerſtatt: Es half ihm nit, wie viel er bat. , Die beiden Degen ſchieden hier, So ſagt die Aventüre mir. 26 Als Orilus der werthe Held Wieder heimkam an ſein Zelt, Wo er ſein Jagdgefinde fand, Die Freud in Aller Augen ſtand, Daß ihr Herr verſdhnt erſchien Mit der liebreihen Herzogin. 272 Das blieb nun länger niht geſpar!: Orilus entwappnet ward; Auch wuſch er Roſt ſich ab und Blut. Er nahm die Herzogin gut, 6 Sie an die Sühnſtatt zu geleiten; Zwei Bäder ließ er auch bereiten. Da lag Frau Jeſchute Weinend bei ihm, die gute, Vor Freude, niht von Leide8wegen, 10 Wie no< wohl gute Frauen pflegen. | Auch iſ das Sprichwort Vielen kund: | Weinende Augen, ſüßer Mund. : Davon zu ſagen wär no< mehr. | Die Lieb hat Freude wie Beſchwer. | 15 Wer der Liebe Freud und Qualen Legi! in verſhiedne Wagſchalen, ; Hielt! er ewig ſi< am wägen, i Sie bleiben gleich ſ{<wer allerwegen. Zur Sühne kams hier ſicherlih; | 20 Dann gingen ſie zu baden ſi. y Zwölf klare Jungfrauen | Moghte man bei ihr ſchauen, | Die ſie gepflegt, ſeit ſie den Mann Ohne Sgtuld zum Feind gewann.
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25 Sie theilten Nachts ihr De>en mit, | Wie bloß ſie oft am Tage ritt. Sie jezt zu baden freute ſie. Wollt ihr nun gerne hören (wie Orilus des inne ward) Aventüre von Artuſens Fahrt?
273 So begann ein Ritter ihm zu ſagen: „Auf einem Plan ſind aufgeſchlagen Tauſend Zelte, wo niht mehr.
Artus , der reiche König hehr,
6 Den die Britten nennen ihren Herrn, Lagert dort, von uns niht fern, | Mit wonnigliher Frauen viel; y Eine Meile Wegs iſts an das Ziel.
Da iſ} auch von Rittern großer Schall.
10 Sie liegen den Plimizöl zu Thal | Dieß- und jenſeits vom Geſtade.“
In Eil fuhr aus dem Bade | Orilus der Herzog froh; Er und Jeſchute thaten ſo:
15 Die ſüße Herrin wohlgethan Ging zu ſeinem Bett heran j Aus dem Bad: ſie hatten frohe Zeit.
Sie verdiente wohl ein beßer Kleid Als lange ward der Armen.
20 Mit engem Umarmen Gab Minne freudigen Gewinn Dem Herzog und der Herzogin.
Die Fürſtin zogen Jungfraun an; Die Rüſtung bra<hte man dem Mann. 25 Jeſchuten3 Kleid war wohl zu loben. E Vögel gefangen auf dem Kloben Die Zwei mit Freuden aßen, Die vor dem Bette ſaßen. Frau Jeſhute manchen Kuſs Empfing; den gab ihr Orilus. - 27A Da ‘brate man der Fraue werth ' Ein ſchönes ſtarkes Zelterpferd; Gezäumt iſts und geſattelt wohl. Man hebt ſie drauf, die reiten ſoll 6 Von hinnen mit dem Kühnen. Sein Roſs trug Eiſenſchienen, Wie er es heut im Streit geritten. Das Schwert, mit dem er früh geſtritten ,
Vorn vom Sattel niederhing. 10 Von Haupt zu Fuß gewappnet ging Der Herzog zu dem Pferde hin Und ſprang drauf vor der Herzogin. . Eh er mit ihr fuhr hindann, Gebot er ſeinem ganzen Bann 15 Gen Laland heimzukehren; Nur ein Ritter ſollt ihn lehren Wo König Artys weile, Sein harrn das Volk derweile. Sie waren Artus ſhon ſo nah, 20 Daß man ſeine Zelte ſah Meilenlang am Waßer nieder. Da ſendet’, er den Ritter wieder Heim, der ihn dahin geleitet. Frau Jeſchut die ſhöne nur begleitet 25 Jhn als Geſind, und Niemand mehr. Artus der reihe König hchr | War nah dem Eßen Auf einem Plan umſeßen y Von der Tafelrunder Reihe. j Orilus der Falſche8freie 275 Kam da in ihren Kreiß geritten; Sein Helm, ſcin Schild war ſo verſchnitten, Man ſah da keiner Zierde Mal: Die Sqhläge \<lug ihm Parzival.
5 Vom Roſſe ſprang der kühne Mann; Frau Jeſchute hielt es an. : Mangher Junker näher ſprang;
Um ihn und ſie war großer Drang: „Laßt Uns der Rofſe- pflegen.“
10 Orilus der werthe Degen Legt! aufs Gras des Schildes Scherben Und begann nah Jhr, der hier ſein Werben Galt, zu fragen allzuhand. Kunneware de Laland
15 Ward ihm gezeigt, wo ſie ſaß,
Die nichis an edler Zucht vergaß. Gewappnet er ſo nahe ging, : Daß ihn das Königspaar empfing. Er ging und brachte Sicherheit | 20 Seiner Schweſter, der ſhönen Maid. Bei den Drachen am Gewand | Hatte ſie ihn glei erkannt.
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Sie ſpra<: „Du biſt der Bruder mein, Orilus oder Lähelein. 25 Nicht nehm ih eure Sicherheit : Jhr wart mir beide ſtäts bereit Zu jedem Dienſte, der mir Noth. Ich wär an aller Treue todt , : E Sollt ih mit euch kriegen, Mich ſelbſt um Zucht betriegen.“ 276 Der Herzog kniete vor der Magd. Er ſprah: „Du haſt wahr geſagt : Dein Bruder Orilus bin i. So zwang der rothe Ritter mich, 6 Dir Sicherheit zu geben; So erkauft ih mir das Leben. Nimm fie an: ſo thu ih nur Was ihm verheißen hat mein Shwur.“ Sie empfing die Treu in weiße Hand 10 Des, der trug den Serpant, Und gab ihn frei. Als das geſchah, Aufſtehend ſpra<h der Kühne da: „Nun zwingt die Treue mich zu klagen: O wehe, wer hat di geſchlagen? 16 Deine Schläge thun mir au< niht wohl: Wird es Zeit, daß ih fie rächen ſoll, So ſieht, wer Luft hat, es zu ſehn, Mir ſei groß Leid daran geſchehn. Auqh hilft der kühnſte Mann mirs klagen, 20 Den je ein Mutterſhooß getragen : Der nennet fich der Ritter roth. König und Köngin, er entbot Euch ſeine Dienſte williglih, Und meiner Schweſter ſonderlich. 25 Jhr lohnt ihm ſeinen Dienſt damit , Jhr zu vergüten was fie litt. Au hätt is ſiherli<h genoßen Bei dem Helden unverdroßen , Wüſt er wie nahe fie mir ſteht, Und mir ihr Leid zu Herzen geht.“ 277 Keie erwarb da neuen Haß Von Rittern, Fraun und Wer da ſaß Am Geftad des Plimizöl. Gawan und Jofreit, Fils Jdöl, 5 Und von deſſen Noth ihr hörtet eh, | Den gefangnen König Klamide Und ſonſt no< manchen werthen Mann
(Deren Namen ih wohl nennen kann, Doh will ih es nit längen), 10 Sah man ſi< um ſie drängen. Jhr Dienſt ward höfiſ< angenommen. E Jeſchute muſte näher kommen Ï Auf ihrem Pferd, wo fie noh ſaß. Der König Artus nicht vergaß, 15 Und ſein Weib die Königin, Sie gingen grüßend zu ihr hin. Von den Frauen mancher Kuſs geſchah. Zu Jeſchuten ſpra< Herr Artus da: „König Lach von Karnant, 20 Euer Vater, war mir ſo bekannt, Daß ih euern Kummer klagte, Al3 man davon mir ſagte. Auqh ſeid ihr ſelbſt ſo wohlgethan : Wie that der Freund eu< Solches an? 26 Denn euer minnigliher Glanz Erwarb zu Kanedig den Kranz: Weil ihr trugt der Schönheit Krone Ward der Sperber eu< zum Lohne, Er ritt auf eurer Hand hindann. Was Orilus mir auch gethan, 5 278 Euch gönnt ih niht des Leids Beſchwer , e | Und gönne ſie eu< nimmermehr. Mir ift lieb, daß ihr verſöhnet ſeid | Und wieder herlihes Kleid “6 Tragt nah eurer großen Noth.“ La y Sie ſprah: „Herr, das vergelt eu< Gott: So wird auch euer Preis gemehrt.“ Jeſchuten und den Herzog werth Nahm da mit fi< an der Hand | 10 Frau Kunneware de Laland. In des Kreiſes Befang, Wo ein Brunnen laut entſprang, | War ihr Pavillon zu ſchauen: : Da {lug ein Wurm die Klauen | 15 Halb um einen Apfelknauf. Vier Seile zogen den Drachen auf Als ob er lebend flöge, Ï In die Luft das Zelt ihr zöge. Der Fürſt erkannt es an dem Vild; 20 Denn er irugs in ſeinem Wappenſchild. Entwappnet ward er in dem Zelt;
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. Die ſliße Schweſter bot dem Held Ehre ſattſam und Gema. All das Ingeſfinde ſprach, 26 Des rothen Ritters Kraft und Muth Wär zum höchſten Preiſe gut. So ſpra< man unverhohlen. Kei bat Kingron verſtohlen , oDient Orilus an meiner Statt!“ Er konnt es wohl, den er da bat, 279 Denn er hatt es oft gethan Vor Klamide zu Brandigan. Warum er ſelbſt den Dienſt vermied? Weil ihm einſ ſein Unſtern rieth 5 Des Fürſten Schweſter hart zu {lagen : Drum muſt er ſolhem Dienſt entſagen. Auch wollt ihm niht die Schuld verzeihn Das wohlgeborne Mägdelein. Doh ci>t’ er Speiſe hin genug: 5 10 Kingron fie Oriluſen trug.
Kunnewar , die löbli< weiſe, | Schnitt dem Bruder ſeine Speiſe | Mit ihrer blanken linden Hand. j | Frau Jeſchute von Karnant 15 Bei ihm beſcheiden ſaß und aß. | Artus der König nicht vergaß, | Er kam hin wo Beide ſaßen, | Freundlich beiſammen aßen. Ï / Er ſprah: „Dient man euch übel hie, 20 Mein Wille ficher war es nie. Ihr aßi noh keines Wirthes Brot, Der es mit beßerm Willen bot: Das iſt ſiherlih wahr. N | Nun ſollt ihr, Frau Kunnewar, | 26 Eures Bruders gütlich pflegen; | Gute Naht leih Gottes Segen.“ Da ging Artus zur Ruheſtätte; Oriluſen wurde ſol< ein Bette, Daß ſein Frau Jeſhute pflag Geſelliglih bis an den Tag. LJ
Artus
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280 Wenn ic euh nun ſagen ſoll, Wie Artus von Karidol Und von ſeinem Lande ſchied, ¡ Wie ihm ſein JIngeſinde rieth —: | 5 Er ritt, ſo thut die Mär uns kund, i
| Auf ſeinem und auf fremdem Grund Nun ſchon den achten Tag umher, | Jenen aufzuſuchen, der Sich nennen ließ den Ritter rolh 10 Und ihm ſo viel Ehre bot.
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Denn ihn ſchied von langem Gram Der Jthern das Leben nahm, Und Klamiden und Kingronen Sandte zu den Bretonen 15 An ſeinen Hof zu guter Stunde. Er wollt ihn an die Tafelrunde | Ziehn, ihr Genoß zu werden : | Drum ſcheut’ er nicht Beſchwerden. | 4 l Er ſui! ihn über Perg und Thal. ! 29 Es hatten Alle zumal, | Die jemals Schilde3amt erprobt , \ Dem König Artus angelobt: | Wo fie ſähen Ritterſchaft , : | Daß ſie, bei ihres Eides Kraft, | 25 Nur dann mit Jemand föhten, | Wenn ſie's erbitten möchten, | Daß er fie ließe ſtreiten. | Er ſprah: „Wir müßen reiten | In manches Land, das kühne Degen | Zählt, die uns beſtreiten mögen: | + 281 Da droht uns manqer ſcharfe Sper. | Wollt ihr dann rennen kreuz und quer | Wie freche Rüden, deren Vand ! Abgeſtreift des Meiſters Hand, | 5 Das geſhäh mir niht zu Willen; | Den Tollmuth will i ſtillen. | I< geb euh Urlaub, thut es Noth; ! Vis dahin haltet m:in Verbot.“ ] Dieß Gelübde habt ihr wohl vernommen. | 10 Nun hört, wohin uns ift gekommen y Parzival der Waleis. | Ueber Nacht der Schnee war leis ; Doch dicht auf ihn herab geſchneit. E3 war jedo< niht Sneiens Zeit , : 15 Wenn ich die Kunde re<t vernahm. | Artus der maienhafte Mann, | Was man je von ihm ſang und ſprah, |; Das geſchah an einem Pfingſtentag , Oder in des Maien Blütenzeit. 20 Wie man mit ſüßer Luſt ihn freut! Meine Märe hat viel andern Brau: Sie kleidet ſich in Schnee wohl auh. Seine Falkner von Karidöl Ritten Abends an den Plimizöl
25 Beizen. Shade traf ſie dort: Ihnen flog der beſte Falke fort; Der hob hinweg ſi< balde | Und blieb die Naht im Walde: i Ueberkröpfung verbrod>te, ¡ Daß kein Köder mehr ihn lodte. l 282 Er blieb die Nacht bei Parzival. Ihnen war der Wald unkund zumal; Au litten beide ſehr an Froſt. Als der Tag erſchien im Oſt, 5 War ihm ganz verſhneit der Weg. Da ritt er dur<h das Waldgeheg Pfadlos über Sto> und Stein. Der Tag gab immer lihtern Schein, Auch hellte ſich des Waldes Raum; 10 Doi lag gefällt ein mächtger Baum Auf einem Plan, zu dem er bog : (Und Artus Falken nah fih 30g), Wo wohl tauſend Gänſe lagen: | Da vernahm man ihr Gagagen. 15 Hurtig flog er unter fie, Der Falk, und traf die Eine hie, Daß ſie ihm mit Noth entging, Unterm A des Baumes Schug empfing. | Ihrem hohen Flug geſchah da Weh. 20 Aus ihren Wunden auf den Schnee Fielen drei Bluistropfen roth: Die ſchufen Parzivalen Noth. Seine Treue ſah man da: Als er die Blutszähren ſah 25 Auf dem Stnee, der war ſo weiß, Da gedacht er: „Wer hat ſeinen Fleiß Gewandt auf dieſe Farben klar? Kondwiramur, Dir fürwahr Nur gleichen dieſe Farben. Mig läßt Gott an Glü> nicht darben, 983 Da ih hier Dein ein Gleichniſs fand. y Geprieſen möge Gottes Hand Und ſeine ganze Schbpfung ſein! ' Kondwiramur, hier liegt dein Schein. | y Da der Sq<nee dem Blute Weiße bot, j Das Blut den Schnee gefärbt ſo roth, | Kondwiramor , | Dem vergleicht fich dein beau Korps: Das erlaß ih dir nicht.“
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10 Ihm {webte vor ihr Angeſi@t, | Wie ers jene Nacht ſah prangen, | Zwei Zähren an den Wangen,
Das dritt an ihrem Kinne. Er pflag getreuer Minne 15 Zu ihr ohn alles Wanken. So verſank er in Gedanken, Daß er da hielt mit Unbedatht: Ihn zwang der ſtarken Minne Macht. Solche Noth gab ihm ſein Weib.
20 Dieſer Farbe gli< der Leib " Von Pelrapär der Königin:
Die nahm ihm die Beſinnung hin. So hielt er da als ob er ſ<hlief". Erkennt ihr ihn, der zu ihm lief?
26 Kunnewars Garzon war ausgeſandt : Er ſollte gegen Laland A\8 er vor dem Wald gewahrte Einen Helm mit mancher Scharte, | Und einen Schild arg verhauen Und zwar im Dienſt ſeiner Frauen.
284 In voller Rüſtung hielt ein Held | Wie zur Tjoſt hier aufgeſtellt h Mit hoh empor gekehrtem Schaft.
Der Garzon lief heim aus aller Kraft.
5 Sicher hätt ihn niht verſchrien i Dieſer Knapp, erkennt? er ihn, | Daß er ſeiner Herrin Ritter wär. | Als träfe Bann und Acht ihn ſhwer,
Heyzt! er das Volk hinaus an ihn:
10 Er wollt ihm ſchaffen Ungewinn. | So verging er fi< an höfſhem Brau; |
‘ Nun, los war ſeine Herrin auch.
Höret wie der Knappe ſchrie: «Fi, 0 fil Fi, o fil 15 Fi, verzagte Tafelrunder! Zählt man Gawanen für ein Wunder, Und dieſe Ritter allzumal Zu ehrenwerther Degen Zahl, Und Artuſen, den Breton?“ y
20 Alſo rief der Garzon.
„Die Tafelrunde ſteht entehri!
Die Schnüre hat man euch verſehri.“ | Die Ritter hoben großen Schall : j Man hörte fragen überall |
25 Welh Waffenwerk da wär gethan. Nun hörten fie, ein einzger Mann Halte dort , zur Tjofſt bereit. e Da gereute ſie der Eid, Den jüngſt Artus hatt empfangen. So ſchnell, es war niht mehr gegangen, 285 Lief hinaus oder ſprang | Segramors , der ſtäts na< Streiten rang. | Wo der glaubte Kampf zu finden, ! Mit Stri>ken mußte man ihn binden, 5 Sonſt wollt er bei dem Tanze ſein. | Rirgend iſ ſo breit der Rhein, E Säh er jenſeits am Geſtade Kämpfen, würd er na<h dem Bade Niet taſten, ob es warm ob kalt, 10 Ins Waßer ſpräng der Held alsbald. Eilends lief der Jüngling Zu Artuſens Zeltbering, ¡ Da noth der werthe König \<lief. y Segramors ihm dur die Schnüre lief. E 15 Zu des Zeltes Thüre drang er ein, Von Zobel eine De>e fein F Entriß er ihnen, die da lagen Und noch ſüßen Schlafes pflagen, So daß ſie muſten wahen y 20 Und ſeines Unfugs lachen. Seiner Baſe rief er: „Königin, Ginover, Gebieterin , E83 weiß die Welt, wir find verwandt; Auch iſ es kund im ganzen Land, 25 Um Fürſprache fleh ih dich. | So hilf mir, Herrin, und ſprih Ein Wort bei Artus, daß dein Gaite Eine Gnade mir geſtatte: Ein Abenteuer ift niht fern; Ih wär zur Tjoft der Erſte gern.“ 286 Zu Segramors Herr Artus ſprach: „Du weiſt, wie mir dein Mund verſprach, Nach meinem Willen zu verfahren Und dich vor Vorwig zu bewahren. 56 Wird von Dir hier eine Tjoſt gethan, Darna<h will man<her andre Mann, Daß ich ihn laße reiten, Sich auh Preis zu erſtreiten. Doh damit ſ<wächt fi< unſre Wehr.
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10 Wir nahn uns Anfortaſens Heer, Das von Monſalväſche fährt Und ſeinen Wald mit Kämpfern wehrt. Da wir niht wißen, wo die ſtehn, So kann uns Schade viel geſchehn.“ 15 Ginover bat Artus ſo, Daß Segramors wurde froh. E Da ſie ihm das Abenteur erwarb, Daß er da niht vor Freude ſtarb War viel, ſo hatte ſi<h der Held. 20 Da hätt er wahrli< um kein Geld Belaßen all des Ruhmes Zoll, Den dieſe Fahrt ihm bringen ſoll. Der junge Stolze ſonder Bart, Sein Roſs und Er gewappnet ward. “25 Aus fuhr Segramors roi | Galoppierend über jeune Bois, Sein Roſs ho< über Stauden ſprang. - Mange goldne Schelle klang An der De> und an dem Mann: Man hätt ihn wohl nah dem Faſan 287 Geworfen in ein Dornicht. Wer ihn zu ſuchen wär erpicht, | Der fänd ihn wieder an dem hellen | Klang der läutenden Schellen. | 5 _ So fährt der unberathne Held . | Zu dem, den Minnezauber hält. | Dog ſ<lägt und ſticht er keinen S<hlag | Bis ihm ſein Mund den Frieden bra. ; Befinnungslos hielt Parzival. | 10 Jhn zwang des Blutes dreifah Mal, h Dazu die ſtrenge Minne, Die au<h mir oft raubt die Sinne Und mir das Herz unſanft bewegt. Ach ein Weib iſts, die mir Noth erregt : 15 Will fie mic alſo zwingen Und mir nimmer Hülfe bringen, So wird ſie ſelbſt der Schuld geziehn: I< muß von ihrem Troſte fliehn. Nun hört auch von jenen Beiden, 20 Von ihrem Kommen, ihrem Scheiden. Segramors ſprach alſo: „Ihr gebahret, Herr, als wärt ihr froh,
| Daß hier ein König liegt mit ſeinem Heer. | Die beiden wiegen eu< niht ſ{wer: 26 Dafür müßt ihr ihm Buße geben | Jch verliere denn mein Leben. | Ihr ſeid auf Streit zu nah geritten; | Doh will ih erſt eu< höflich bitten: | Ergebt eu< meiner Gewalt, Sonſt wäg ih ſolchen Lohn euch bald, e 288 Daß euer Fallen rührt den S<hnee. Beßer, ihr ergebt eu< eh.“ Parzival der Drohung ſ<wieg ; Frau Minne gab ihm andern Krieg. 6 Die Tjoſt zu bringen warf ſein Pferd Segramors der Degen werth. Auch wandte ſih das Kaſtilian, Drauf Parzival der kühne Mann Noch der Beſinnung ohne ſaß 10 Und das Blut mit Augen maß. Da ward ſein Bli> davon gekehrt Und der Preis ihm neuerdings gemehrt: Dem als er niht mehr ſah das Blut, Zu fih ſelber kam der Degen gut. 15 Hier ritt Segramor3 Roi. Parzival nahm den Sper von Troyes, i Der zäh war und feſte, Dazu bemalt aufs Beſte, Wie er ihn vor der Klauſe fand: 20 Den ſenkt? er nieder mit der Hand. Eine Tjoſt empfängt er dur< den Schild, Die er mit einer Tjoſt vergilt, Daß Segramors der Rede Lag auf der \hnee’gen Dee, e 25 Und der Sper doch ganz verblieb, Der ihn aus dem Sattel trieb. Parzival ritt ohne Fragen Hin, wo die Tropfen lagen: ; Als die ſein Auge wieder fand, . | Frau Minne knüpft? ihn an ihr Band. 289 Er ſprach dabei niht das noh dieß; Beſinnung wieder von ihm ließ. Segramors Kaſtilian / Hob fih zu ſeinem Stall hindann; 5 Er ſelbſt au< muſte ſih erheben, | Wollt er ſich zur Ruh begeben.
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Sonſt legt man fi< um aus8zuruhn, | Das pflegt* ihr ſelber wohl zu thun. Welche Ruhe fand er in dem Schnee? 10 Darin zu liegen thät mir weh. Zum Schaden ftäts geſellt fih Spott; Dem Glüd>lichen half immer Gott. Des Königs Heer lag wohl ſo nah, Daß es Parzivalen ſah 15 Und was mit ihm geſchehen war. Er ließ den Sieg der Minne gar,
y Die Salomonen auch bezwang. | Jeto währt? es niht mehr lang | Bis Segramors ins Lager kam; |
20 Ob ihm Einer gut war oder gram,
Er empfing fie Alle gleich : | Austheilt er \heltend manchen Streih. Er ſprah: „Habt ihr no< niht gewuſt, Daß der Kampf Gewinn hat und Verluſt 25 Und Einer meiſt bei Tjoſten fiel ? Im Sturm ſinkt halt der beſte Kiel. Ihr hört mi< wohl nicht ſagen, Mein zu harrn werd er niht wagen, Wenn er erkenne meinen Schild. Zu übel hat mir mitgeſpielt 290 Der noh da draußen Tjoſt begehrt : Der Degen iſ wohl Preiſens werth.“ Keie der kühne Mann Bracht es bei dem König an, 5 Daß Segramors verloren habe: Draußen halt! ein übler Knabe, Der Tjoſt begehre wie vorher: „Mir läg es auf der Seele \hwer, Ging! es ungeſtraft ihm hin!
10 Wenn ih euh ſo würdig bin, '
So laßt mi fragen wes er gehrt, Der dort den Sper emporgekehrt Noth hält vor euerm Weibe. Verſagt ihr mirs, ih bleibe
.15 Jn euerm Dienſt keine Stunde. Beſchimpft iſt all die Tafelrunde ,
_ Wenn man ihm nit bei Zeiten wehrt. Seine Kraft an unſerm Ruhme zehrt. Gebt mir zu ſtreiten Urlaub:
20 Wären wir alle blind und taub.
Jhr müſtets wehren, es iſ Zeit !“ Artus erlaubte Kei'n den Streit. Gewappnet ward der Seneſchalt. | Da wollt er ſ<hwenden den Wald 25 In der Tjoſt auf dieſen künftgen Gaf:. Der trägt ſhon von der Minne Laſt, Da ihn bezaubert Schnee und Blut; Sich verſündigt wer ihm mehr noh thut. Auch höht es niht der Minne Preis, Die ſo ihn bannt in ihren Kreiß. 291 Frau Minne, wie thut ihr ſo, Daß ihr den Traurgen machet froh Mit ſchnell verrauſchter Freude, Jhn verkommen laßt im Leide? 56 Wie ſteht eu< das, Frau Minne, Daß ihr mannhafte Sinne, Des hohen Muthes Zuverſicht Zu Schanden mahet und zuniht ? Das Geringſte wie das Beſte, - 10 Was auf der Erde Veſte Widerſtreitet eurer Macht, Ihr habt es bald zu Fall gebracht. Wir müßen eure Meiſterſchaft Erkennen, groß iſ eure Kraft. 15 Ein Ding, Frau Minne, ehrt euh ſchr, Ein einziges; das achtet mehr: | Frau Freude ſei euh beigeſellt , | Sonſt iſt es ſ<hwa< um euh beſtellt. | Frau Minne, ihr ſeid ungetreu; | 20 Die Unart iſ} ſo alt als neu. ; Manches Weib habt ihr entehrt, Die des verwandten Manns begehrt. Durch Euch hat an dem Lehensmann Oft der Lehn8herr miſsgethan , 25 Oft der Freund an dem Geſellen, Solche Sitte muß euch fällen, Oft der Dienſtmann an dem Herrn. | Frau Minne, das ſei euh fern, | Daß ihr den Leib der Gier ergebt, Wofür die Seele Schmerz durchbebt. 292 Frau Minne, daß ihr mit Gewalt | So die Jugend maghet alt,
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Die noch an Jahren dürftig ift, y Das iſt Tüte, die man nicht vergißt. | 5 Dieſe Rede ziemte keinem Mann, Der jemals Troſt von eu< gewann. Wär mir eure Hülfe kund, So ſäumig lobi? eu< niht mein Mund. Ihr habt mir Mangel nur zum Ziel geſetzt, 10 Meiner Augen Schärfe ſo verwett, Daß ih eu< niht mehr trauen kann; Nie nahmt ihr meiner Noth eu< an. Denno ſeid ihr mir zu hehr Als daß ih ſo thöriht wär 15 Euch zu ſchelten in des Zornes Higze: Ihr drüd>t uns mit ſo ſcharfer Spitze, | Belaſtet uns, wir tragens kaum. | Heinrih von Velde> unterm Baum | Hat ſchön von eurer Art gedichtet : | 20 Hätt er uns lieber unterrichtet | Wie man eure Gunſt behalten ſoll! | Er gab uns Unterweiſung wohl | Wie man eu< mög erwerben. Dur Einfalt muß verderben 25 Mantes Thoren hoher Fund. Wird mir ſelber ſolches kund, | Des zeih ih eu<, Frau Minne: | Ihr helft zu allem klugen Sinne. ' Wider Euch hält weder Schild noh S<hwert, Snell Roſs, nah Vefte thurmbcwehrt: | 293 Jhr werdet Meiſter aller Wehr. | Auf der Erd und auf dem Meer Was entrinnet euerm Kriege Ob es fließe, ob es fliege? 5 Frau Minne, Ihr wart auch zugegen, | Da Parzival der kühne Degen : \ Dureh eure Kraft den Sinn verlor; Er ward durch große Treu ein Thor. Die ſüße klare Königin 10 Sandt Euch als Botin her an ihn, Die Sein gedenkt zu Pelrapär. Kardeißen, fils Tampentär , Ihrem Bruder, nahmt ihr au< das Lebcn. Muß man ſol<hen Zins eu geben, 15 Wohl mir, daß ihr mir nichts geborgt, Wenn ihr ſo für eure Schuldner ſorgt.
Für uns Alle nahm ih hier das Wort; Nun hört , was ſi begeben dort. Kei, der kraftreihe Mann, | 20 Gewappnet ritt er ftolz heran, Als er den Kampf begehrte; Auch mein ih, Kampf gewährte Ihm König Gachmuretens Kind. Wo nun zwingende Frauen ſind, 25 Die ſollten Heil ihm erflehn: | Durch ein Weib iſts ihm geſchehn, Daß ihm Minne nahm die Sinne. Vor dem Anritt hielt Kei inne, Zu dem Waleiſen ſprach er da: „Da es Herr, euh geſchah, 294 Daß ihr den König habt geſchändet , So ifs am Beſten wohl bewendet Nach meinem Rath zu euerm Heil, Nehmt ihr ſelbſt eu< an ein Hundeſeil , 5 Und laßt euh vor ihn ziehen. Ihr könnt mir niht entfliehen, J<h bring eu< doh bezwungen hin: So wird euh übler Lohn- verliehn.“ Den Waleiſen zwang der Minne Kraft ‘10 Zu \ſhweigen. Keie zog den Schaft Zurüd> und ſtieß ihm einen Schwang Ans Haupt, daß laut der Helm erklang. Er ſprach: „Ich bringe di< zum Wachen. Willſt du ohne Leilahen 15 Hier {lafend halten deinen Stand? Anders fügt es meine Hand: Auf den Schnee wirſt du gelegt. Der Sä>e von der Mühle trägt, E Wollte man ihn alſo bleuen, 20 Seiner Trägheit würd ihn reuen.“ Frau Minne, ſeht fein beßer nac: Dieß geſchicht zu eurer Schmal. | Ein Bauer ſprit, wenn fie ihn \ſchelten: i „Meinem Herren ſoll dieß gelten.“ | 25 Er gehts ihm flagen, darf er ſprechen. | Frau Minne, gönnt ihm ſi< zu rächen, Dieſem werthen Waleiſen. | Laßt ihn aus euern Zauberkreiſen , y Enthebt ihn eurer ſhweren Laſt, | So wehrt fi, wett ih, dieſer Gaſt.
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295 Kei, der heftig auf ihn {oß, Kehrt ihm um und um das Roſs: Als ihm vor Augen niht mehr lag Sein ſüßes, ſaures Ungema<h, 5 Das ſeinem Weib zu gleichen ſcien, Von Pelrapär der Königin, J<h meine den gefärbten Schnee, Beſinnung kehrt? ihm da wie eh, Er wurde ſein bewuſt aufs Neue. 10 Galoppieren ließ ſein Roſs Herr Keie, Tioſtierend ritt er her; | Jm Anlauf ſenkten ſie den Sper. y In der Tjoſt brah Kei dem Helden jetzt, Wie er fich zielend vorgeſetzt, 15 Ein weites Fenſter durh den Schild. | : Den Stoß der Waleis ihm vergilt: Kei, Artuſens Seneſchall, Nahm vom Gegenſtoß den Fall Auf den Stamm, zu dem die Gans entrann, 20 Daß das Roſs und der Mann Beide litten harte Noth: - Der Mann ward wund, das Roſs lag todt. Zwiſchen dem Sattel und einem Stein Den rechten Arm, das linke Bein | 25 Zerbrah Herr Kei von dieſem Fall. Sattel, Gurt, die Schellen all Î Zerſhlug ihm dieſe Niederlage. | So vergdlt zwei Schläg' in Einem S<hlage Der Waleis: den von Kunnewaren, | Und den er ſelber hatt erfahren. y 296 Dem nichts von Falſchheit war bekannt , Ihn lehrte Treue, daß er fand | Schneeigen Blutes Zähren drei, Die ihn machten Sinnes frei. E 5 Seine Gedanken an den Gral Und das der Köngin gleihe Mal, Beides {huf ihm gleiche Noth; ' Doch war ſtrenger , die ihm Minne bot. j Trauern und Minne 10 Zerbriht die zähſten Sinne. Sollen dieß Abenteuer ſein? Sie hießen beßer beide Pein. Kühne Leute ſollten Keiens Noth Beklagen: Mannheit ihm gebot 15 Sich zu erdreiſten manchen Streit.
Man ſingt in manchen Landen weit ,
Kei, Artuſens Seneſchant,
Wär ein arger Höllenbrand. | Des ſagt ihn meine Märe los. | 20 Er war der Würdigkeit Genoß:
Stimmen mir au< Wen'ge bei,
Ein getreuer, kühner Mann war Kei, | Das Zeugniſs giebt ihm mein Mund. | Ich thu eu< mehr wohl von ihm kund. 25 Artuſens Hof war ein Ziel
Für der fremden Leute viel | Von verſchiednem Thun und Trachten; | Nicht Alle konnte man achten.
Wer nur zu betriegen ſann,
Kei ſah ihn mit dem Rüden an; 297 Doch welcher Kurtoiſfie beging,
Nur werthe Kompagnie empfing,
Einen Solchen konnt er ehren,
Ihm jeden Wunſch gewähren.
6 Zugeſtanden ſei es zwar,
Daß Herr Kei ein Merker war.
Er meint’ es gut mit ſeinem Herrn,
Schirmt' ihn dur ſeine Rauheit gern;
Den Le>er und den falſhen Wicht
10 Litt er bei Ehrenmännern nict:
Ein Hagelſchauer war er ihnen e
Und ſta ſie ſchärfer als die Bienen.
Seht, die verſhrieen Keiens Preis ;
Weil er getreu war und weiſ,
15 Fiel ihn ihr Haß verleumdend an.
Von Thüringen Fürſt Herman,
Wie ih dein Jugeſind befinde,
Ein Theil hieß beßer Ausgeſinde.
Dir wär auch eines Keien Noth,
20 Da wahre Milde dir gebot
Deinen Hof ſo bunt zu miſchen, | Daß zu den Werthen , Höfiſchen Aug viel Verächtliche dringen. | Darum muß Herr Walther ſingen | 25 „Gut und Böſe, guten Tag.“ | Wo man alſo fingen mag,
, Da find die Falſchen geehrt. | Das hätt ihn Keie niht gelehrt, ; Noch Herr Heinrih von Rispach. | Nun höret zu, ih trage nah
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298 Was ſi< am Plimizöl begab. Da holten ſie Herrn Keien ab | Ihn zu Artuſens Zelt zu tragen. | Seine Freunde kamen ihn zu klagen, | 5 Frauen viel und manher Mann. So kam auh mein Herr Gawan In das Pavillon, wo Keie lag. | Er ſpra<h: „O weh, unſelger Tag! | Daß jemals dieſe Tjoſt geſchah, | 10 Denn einen Freund verlor ih da.“ Er klagt’ ihn herzli<h und gut. Keie ſpra< im Unmuth: („Herr , wollt ihr mir Beileid ſagen? So ſollten alte Weiber klagen. 15 Jhr ſeid der Neffe meines Herrn: I< wollt euh ferner dienen gern; | Nie {lug ih einen Dienſt eu< ab Als mir Gott geſunde Glieder gab. Da ließ ih mi< nicht lange bitten; 20 So hab ih viel für euch geſtritten, Und thät es künftig, ſollt es ſein. Nun klagt niht mehr, laßt mir die Pein. Euer Ohm, der König hehr, Trifft nimmer ſolchen Keien mehr.
25 Ihr ſeid zur Rache mir zu hochgeboren ; Doch wär ein Finger euch verloren Gegangen, hätt ih gern mein Haupt Daran geſezt: ſeht ob ihrs glaubt.“
aKehrt eu<h niht an mein Heten. Er weiß unſanft zu leßen, 299 Der noch unflüchtig draußen hält; Richt trabt noch galoppiert der Held. Auch iſ} wohl hier kein Frauenhaar So mürbe weder no ſo klar, S5 Es wäre doch ein feſtes Band | Am Streit zn hindern eure Hand. | Ein Mann, der ſolche Demuth übt , ' Zeigt wohl, daß er die Mutter liebt; i Zum Kampf hielt ihn der Vater an. 10 Der Mutter folgt doh, Herr Gawan: Vor ſcharfen Schwertern werdet blei, | Mannlich zu ſtreiten hütet euh. “ So fiel den ho<hbelobten Mann An der unbewehrten Seite an 15 Sein Wort; der konnt es niht vergelten;
Der Wohlgezogne kann das ſelten, Denn ihm verſchließt die Sham den Mund, Die nie dem Schamloſen kund. | Gawan zu Keien ſprah: | 20 „Wo man {lug oder ſta, Ward ih je dabei geſehn, Wer meine Farbe wollt erſpähn, Der ſah wohl nie, daß ih erblih, Nicht vor S<hlag noh vor Stich. 25 Du zürneſt mit mir ohne Noth: Ich bins, der ſtäts dir Freundſchaft bot.“ | So ‘ſchritt Herr Gawan aus dem Zelt : | Bringen hieß ſein Roſs der Held: | Sonder Schwert , ohne Sporen | Beſtiegs der Degen wohlgeboren. 300 Als er den Waleiſen fand," Des Sinn noh war der Minne Pfand, Drei Tjoſte dur< den Schild der trug, Die zweier Helden Hand ihm ſ<lug; 5 Auch hatt ihn Orilus verletzt. Heranritt Herr Gawan jezt e Sonder Galoppieren ; Auch wollt er niht tjoſtieren: Er wollte gütli< nur erſehn 10 Mit Wem denn Kampf hier wär geſchehn. Den Fremdling grüßte Gawan zwar, Der aber ward des niht gewahr. Wie konnt e3 wohl au< anders ſein? Frau Minne nahm ihn völlig ein, 15 Den Frau Herzeleid gebar: Wie es angeſtammt ihm war | Muſt er vom Sinne ſcheiden Kraft angeerbter Leiden . Von des Vaters und der Mutter Art: 20 Der Waleis wenig inne ward Was des Herrn Gawanens Mund Ihm da mit Worten mate kund. König Lotens Sohn begann: „Herr, ihr thut zu viel daran, 25 Daß ihr mir den Gruß verſagt. Ich bin doch nicht ſo ganz verzagt, Daß ihs wohl anders fügen kann. Jhr habt den Freund mir und den Mann ¡ Und den König ſelbſt entehrt,
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Unſre Schande hier gemehrt; 301 Doh erwerb ih euh die Huld,
Daß euch der König ſchenkt die Schuld, Wollt ihr na< meinem Rathe leben Und wir Geſellſchaft zu ihm geben.“
5 Den Gahmuret erzeugte, Nicht Flehn no< Drohn ihn beugte. Der höchſte Preis der Tafelrunde Hatt auh von Liebesnöthen Kunde : Unſanft hatt er ſie erkannt,
10 Da er fi<h das Meßer dur< die Hand Stach: das {huf der Minne Kraft Und weibliche Genoßenſchaft. - | Au war er von des Todes Banden | Dur eine Königin erſtanden ,
15 Da Lähelein der kühne Held | In ſtolzer Tjoſt ihn einſt gefällt. | Zu Pfande ſezte da für ihn | Ihr Haupt die ſüße Königin; | Die getreue Schöne hieß -
20 Reine Ingüſ de Bachtarließ. ; Da dachte mein Herr Gawan: nVielleiht, daß Minne dieſen Mann Bezwingt ſo wie ſie mih einſt zwang, | Daß ſie feſt ſich um ihn ſlang, |
25 Sinn und Gedanken ihm beſtri>te.“ | Er gab Acht, wohin der Waleis bli>te, Wohin er \täts das Auge trug. y Ein Sureiner Seidèntu<h Gefüttert mit gelbem Zindale, S&hwang er auf die blutgen Male.
302 Der Stleier barg das ſ{hnee'ge Blut;
Nicht ſah es mehr der Degen gut.
“ Da gab zurü> ihm Wig und Sinn Von Pelrapär die Königin;
5 Sein Herz jedo< behielt ſie dort. Wollt ihr vernehmen nun ſein Wort?
Er ſprah: „O weh, Herrin und Weib,
Wer benahm mir deinen ſhönen Leib? Erwarb im Kampfe meine Hand
10 Deine werthe Minne, Kron und Land? Bin is, der di<h von Klamide Erlöſte? Jh fand A< und Weh Und ſeufzend heiße Herzensbrunſt
In deiner Hülfe. Augendunſt
15 Hat dich bei liter Sonne hie Mir entführt, ih weiß niht wie.“
Er ſprach: „O weh, wo blieb mein Sper, Den ih mitgebracht hieher ?“ Da ſpra< mein Herr Gawan:
20 „Ihr habt ihn in der Tjoſt verthan.“ „Mit Wem?“ ſprach der Degen werth, „Habt Ihr doh weder Schild no< Schwert. Wie ſollt i< Preis an euh erjagen? Doch muß ih euern Spott ertragen:
25 Ihr lernt vielleiht mich beßer kennen : Ich war auh wohl bei Lanzenrennen. Find ih an Euch auch keinen Streit , Doh ſind die Lande wohl ſo weit,
JI< mag den Drang im Kampfe kühlen,
Noh Beides, Angſt und Freude fühlen.“ 303 Da ſprah zu ihm mein Herr Gawan:
„Die Rede, die ih hier gethan,
War lauter und minniglih,
Mit keiner Tüte trübt fie ſich.
5 Jch verdiene no< was ih begehre.
Ein König liegt hier mit dem Heere,”
Viel ſhöônen Fraun und edeln Herrn.
Geſellſchaft leiſt ih eu< gern,
Geliebts eu< hinzureiten, “*
10 Und bewahr euh auh vor Streiten.“
„Dank euh, Herr; ihr redet fein: Ih will dafür erkenntlich ſein. Jhr bietet Kompagnie mir ; | Wer i} euer Herr und Wer ſeid Ihr ?* | 15 „Ic heiße Herren einen Mann, Von dem ich große Lehn gewann, | Die mein Mund euch nit verſhweigt. | Er war mir immer ſo geneigt, Daß er mirs ritterlich erbot.
20 Seine Schweſter hat der König Lot,
Die mi zur Welt hat gebracht. Was mir von Gott war zugedacht , Das dienet Alles ſeiner Hand:
König Artus i er genannt.
25 Meinen Namen trag ih unverſtohlen , Er bleibt au< keinem Land verhohlen; Leute, die mi kennen,
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Pflegen Gawan mich zu nennen. Ich und mein Name dient’ eu gern, Bleibt nur üble Deutung fern.“ 304 „Biſt Du es,“ \prah er da, „Gawan?
Wie wenig ih mi< rühmen kann, Daß du ſo wohl hier thuſt an mir! Sagen hört’ i< ſtäts von dir,
5 Du haft no< Allen wohlgethan. Doch will ih deinen Dienſt empfahn, Vielleicht, daß is vergelte. Sag an, wes find die Zelte? E Dort iſt ſo manches aufgeſchlagen.
10 Liegt Artus hier, ſo muß ih klagen, Daß ih niht mit Ehren ihn Darf ſehen, no< die Königin, | Ich räche denn zuvor die Schläge,
Die ih im Herzen trauernd hege
15 Seit ih ſchied; aus dieſem Grund:
Mir lachte cines Mägdleins Mund; |
Die {lug darum der Seneſchalt , |
Daß von ihr niederſtob ein Wald.“ a„Unſanft iſ das gerochen ,“
20 Sprach Gawan, „ihm if zerbrochen y Der re<hte Arm, das linke Bein. . Reit her, ſich Roſs und auh den Stein. | Hier no< Splitter auf dem Schnee | Des Spers, nah dem du fragteſt eh.“ |
25 Da Parzival die Wahrheit ſah,
Weiter frug und ſprach er da: | „Ih verlaße mih auf dih, Gawan, Ob dieß war derſelbe Mann, Der ſolhe S<hmath beging an mir: | So reit ih wo du willft mit dir. — | 305 „Ih will niht lügen deineiwegen. | In einer Tjoſt ift au erlegen | Segramor3, ein kühner Held; | Seiner That war immer Preis gefellt. | 5 Das geſchah, eh Keie ward bezwungen: | An Beiden haſt du Preis errungen.“ Zuſammen ritten ſie hindann, Der Waleis und Gawan. | Viel Volk zu Roſs und auh zu Fuß
10 Vot ihnen ehrenvollen Gruß,
Gamwanen und dem Ritter roth, |
ais C A
Wie es ihre Zucht gebot. Er führt? ihn in ſein Zelt zuhand. . Frau Kunneware de Lalant ,
16 Ihr Zelt ſchier an das ſeine ging: Die ward froh, mit Freud empfing Die Magd den Ritter, der gerochen Was Keie hatt an ihr verbrochen. Ihren Bruder nahm ſie an die Hand
20 Und Frau Jeſchuten von Karnant. So ſah ſie kommen Parzival; Dem wars dur< manches Eiſenmal Wie thauge Roſen angeflogen. Den Harniſch hatt er abgezogen.
25 Er ſprang auf, als er die Frauen ſah: Zu ihm ſpra<h Kunneware da:
„Gott zuerſt, darna<h au< mir Sollt ihr willkommen ſein, da ihr Euch ſo mannlih habt bewährt.
Mir war zu lachen gar verwehrt : 306 Eh Euch mein BVli>, mein Herz erkannt;
Alle Freuden hat mir da gebannt
Kei, der mih deswegen ſlug;
Gerochen habt ihr das genug.
6 Ich küſst’ euh, wär ih Küſſens werth.“ „Das hätt ih ſelber jezt begehrt ;“ Sprach Parzival, „wenn ihrs erlaubt ; Eures Grußes bin i< froh, da3 glaubt.“
Sie küſst' und ließ ihn niht mehr ſtehn.
10 Jhrer Jungfrauen Eine hieß ſie gehn, - Daß ſie ihr reiche Kleider brächte: Geſchnitten waren fie zurehte Aus Pfellel von Ninive, e Da fie König Klamide,
15 Ihr Gefangner, ſollte tragen. Die Jungfrau brachte fie, mit Klagen, Dem Mantel fehle no< die Schnur. An ihre blanke Seite fuhr Kunnewar: ein Schnürlein
20 Fand fie dort, das zog fie drein. Er bat um Urlaub, daß cr ſi< ° Den Roft abſpüle: ſicherlich | Seine Haut war licht und roth ſein Mund. Als er angekleidet ſtund,
25 Da war er lauter und klar; Wer ihn ſah, der ſprach, fürwahr
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Recht eine Blume ſei der Mann. Seine Farbe hohes Lob gewann. Herlich ſtand ihm ſeine Tracht; Einen grünen Smaragd 307 Sob ſie ihm vor ſein Halsgewand; Aug gab ihm Kunnewarens Hand Eines theuern Gürtels Zier. Auf der Borte ſah man manches Thier | 5 In edeln Steinen erglühn; Die Sthnalle war ein Rubin. Wie ſtands dem Jüngling ſonder Bart, | Als er damit gegürtet ward? Die Märe meldet, ſhmu> genug. 10 Das Volk ihm holden Willen trug. Wer ihn ſah, Weib oder Mann, Jhn werth zu halten begann. Al83 die Meſſe war gethan, König Artus kam heran 15 Mit der ganzen Tafelrunde, Die Niemand rieth mit falſchem Munde. Sie hatte Alle wohl vernommen, Der rothe Ritter wär gekommen Zu Gawanens Pavillon. 20 Dahin ging Artus der Breton. | Der zerbleute Antanor ] Sprang dem König immer vor, Daß er den Waleis ſehen möchte. Er frug: „Seid Ihr es, der mich rächte, 26 Und Kunnewaren de Laland? Viel Preis erwarb eure Hand. Keien wird es nun gereun, Es ift gethan mit ſeinem Dräun; Ich fürchte wenig ſeinen Schlag: Der rechte Arm iſt ihm zu ſhwach.“
308 Da ſah der junge König rei | Ohne Flügel Engeln glei, j Wie er blühend auf der Erde ging.
Mit ſeinem Jngeſind empfing 5 Ihn Artus minnigli< und wohl. Gutes Willens waren voll Alle die ihn hier erſahn. Sein Urtheil würden ſie bejahn, Zu ſeinem Lob ſpra<h Niemand Nein; 10 Er hatte minniglihen Schein.
Artus hub zum Waleis an: „Ihr habt mir Lieb und Leid gethan. Doch habt ihr mir der Ehre mehr Geſendet und gebracht hieher | 16 Als ih je von einem Mann empfing; y Ich dient eu< noh mit keinem Ding. Und hättet ihr niht mehr gethan Als daß die Herzogin gewann, Jeſchute, ihres Mannes Huld. 20 Gern auch hätt ih Keies Schuld Vergolten ungerochen , | Hätt ih früher eu< geſprochen." | Artus ſagt’ ihm ihre Bitten, | Um die ſie Alle ſei’n geritten | 25 So fern her über Berg und Thal. | Da baten fie ihn allzumal | Bis er mit Hand und Munde | Verhieß der Tafelrunde . Genoßenſchaft auf alle Zeit. | Der Herrn Geſu war ihm nicht leid, 309 Er mot es wohl zufrieden ſein: Drum gab er ſeinen Willen drein. Höret, urtheilt nun und ſprecht, _Ob die Tafelrund ihr Recht 5 Bewahrte heut. Seit manchem Tag Hing Artus dieſer Sitte nach: Kein Nitter durfte mit ihm eßen, Wenn Aventüre noh vergeßen | War, an ſeinen Hof zu kommen. 10 Aventür genug ward heut vernommen, - Man darf zur Tafelrunde gehn. Blieb ſie gleih zu Nantes ſtehn, | Man ſprach ihr Recht auf blumgem Feld; | Nicht ſtörte Staude noh Gezelt. | 15 So hatt es Artus geboten, Der den Ritter chren wollt , den rothen, Seiner Würdigkeit zu Lohn. Ein Pfellel aus Akraton, Fern aus der Heidenſchaſt gebracht , 20 Ward zum Tiſchtu<h gemacht, Nit breit, doh rund geſchnitten Nach der Tafelrunde Sitten. : Denn ſo höfiſh waren fie, | Vom Ehrenſitze ſprah man nie, 25 Die Sitze waren alle glei.
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Auch gebot Artus der König rei, | Daß man Herrn und Frauen An dem Kreiße dürfe ſhauen. ij Alles was3 da Preis beſaß, | Magd, Weib und Mann zu Hofe aß. | - 310 Da kam die Köngin Ginover Mit ſhöner Frauen viel daher , Man edle Fürſtin in den Reihn; | Sie hatten minniglihen Schein. 5 5 Auch war der Tafel Kreiß ſo weit, Daß ungedrängt und ſonder Streit Mange Frau bei ihrem Freunde ſaß. Artus, zu aller Falſchheit laß, Führte den Waleis an der Hand. 10 Frau Kunneware de Laland Ging ihm zur andern Seite, Die er von Harm befreite. Artus ſah den Waleis an; Hört, wie der König da begann: 156 „I< will euern klaren Leib Küſſen laßen mein Weib. Jhr würdet Niemand zwar drum bitten, Ihr kommt von Pelrapär geritten: Da ift des Küſſens ſchönſtes Ziel. 20 Nur um Eins ic bitten will: Daß ihr vergeltet dieſen Kuſs In euerm Hauſe,“ ſprah Artus. „Ih thu wie Jhr mich bittet, dorten ,“ Sprach der Waleis, „und aller Orten. | 25 Ein wenig trat fie ihm entgegen | Und empfing mit einem Kuſs den Degen. | „So ſei verziehen,“ ſprach fie da, „Das Leid, das mir von euh geſchah: | Viel Kummer habt ihr mir gegeben , | Da ihr Itheren nahmt das Leben.“ Z11 Dieſe Sühne {höpfte Thränenthau Ins Aug der königlichen Frau, | Denn Jthers Tod that Frauen weh. Man ſezte König Klamide 5 Ans Ufer zu dem Plimizöl. Vei ihm ſaß Jofreit fils Jdöl. Zwiſchen Klamide und Gawan j Der Waleis ſeinen Play gewann. Wie die Aventüre weiß,
10 Niemand ſaß in dieſem Kreiß, Der je Mutterbrüſte ſog, y Deſſen Zucht ſo wenig trog. Kraft und Tugend trug fürwahr Der Waleis und ein Antlig klar. 15 Wer Männer kennt, der muß geſtehn, Manche Frau hat ſi beſehn y In trüberm Spiegel denn ſein Mund. Von ſeiner Farbe ſei eu< kund Am Kinn und an den Wangen, , 20 Sie wär zu einer Zangen | Wohl gut: ſie wüſte feſtzuhalten Und ließe Unbeſtand niht walten. Ich meine Fraun, die wanken, Von Dem zu Jenem ſ{hwanken: 25 Die Frauen feßelte ſein Glanz. Ihr Unbeſtand verſ<hwand da ganz, Jhr Bli> getreulih an ihm hing, | Durch die Augen in ihr Herz er ging. | Ihm waren Mann und Weib ergeben : j So lebt’ er würdigliches Leben ‘312 Vis an das klagen8werthe Ziel. ö Hier kam, von der ih ſprehen will, Eine Maid, um Treue hoh zu loben, | Sqheint ihre Zucht uns glei zu toben: 5 Ihre Botſchaft in viel Herzen ſchnitt. E Nun höret wie die Jungfrau ritt: Ein Maulthier wie ein Kaſtilian, | Fahl, do< ſhe>ig um und an, Geſchlizter Naſe, und verbrannt 10 Wie ein Pferd au3 Ungerland. Ihr Zaum und all ihr Reitgeräth Mar ſchön geſti>t und wohl genäht, y Dazu koſtbar und rei. Das Maul ging eben und gleich. 15 Fräulih war niht ihr Erſcheinen. Weh, was mag ihr Kommen meinen ? | Sie kam jedo<, das muſte ſein: Sie brat Artuſens Heere Pein. Die Jungfrau war der Künſte voll, 20 Alle Sprathen ſprah fie wohl, | Franzöſiſh , Heidniſh und Latein. Sie hatt erlernt obendrein : Dialektik und Geometrie; | Auch von Aſtronomie LJ
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25 War ihr Alles wohlbekannt: Kondrie wurde fie genannt. 7 " Sorziere war der Zunamen Der am Mund fürwahr niht Lahmen, Denn er ſprah ihr genug, Die viel hoher Freuden niederſhlug.
313 Dieſe Magd an Künſten reih | Sah doh Denen wenig gleich, | Die man gerne beau gens nennt.
Ein Brautlaken wars von Gent, | 5 Lazurfarben und noh blauer, Das trug der Freuden Hagelſchauer Als einen Mantel wohl geſchnitten Nach franzöſiſchen Sitten : Darunter ſah man Pfellel gut. | 10 Von Lunders ein Pfauenhut | Unternäht mit Plialt | (Der Hut war neu, die S<hnur nicht alt), | Hing ihr nieder auf den Rüden. | Jhre Botſchaft glih wohl einer Brüden, 15 Die Jammer über Freude trug: Behagens raubte ſie genug. Ueber den Hut ihr Zopf ſich ſhwang | Bis auf das Maulthier: der war lang, Schwarz und feſt, niht allzu klar, 20 Lind wie der Schweine Rüenhaar. Genaſet war fie wie ein Hund; So ragten au< ihr aus dem Mund Zwei Eberzähne ſpannenlang. Jedwede Augenbraue ſhwang' 25 Sich in langen Zöpfen nieder. Wahr ſpre< ih, ob der Zucht zuwider , Daß ih ſo muß von Frauen ſagen; Keine andre darf es von mir klagen. Kondrie hatt Ohren wie die Bären; Zu ſcheuchen zärtlihes Begehren
314 War ihr Antliy rauh genug. |
Eine Geiſel in der Hand ſie trug; Die hatte ſeidner Shwenkel viel; Ein Rubin war der Stiel.
5 Von Farbe wie des Affen Haut Trug Hände dieſe ſhöne Braut ; Die Nägel waren niht zu licht, Denn die Aventüre ſprit ,
| Sie ſahn wie Löwenklauen aus. | 10 Um Sie gabs ſelten Kampf und Strauß. So ritt fie zu des Kreißes Rund, Des Leids Beginn, der Freuden Schlund. Sie hatte bald den Wirth erkannt. | Kunneware de Lalant 15 Aß mit König Artus; Die Königin von Janfus Mit Frau Ginoveren aß. Artus der König herlih ſaß. Kondrie ritt vor den Britten hin: 20 Anſprach fie auf franzöſiſ< ihn; Wenn ichs im Deutſchen ſagen ſoll, Ihre Botſchaft thut mir au< niht wohl: Fils dü Roi Utpandragon, Dir ſelbſt| und manchem Breton 25 Haſt du geworben Schande. Die Beſten aller Lande : Säßen hier, ein würdger Kreiß, Fiele niht dieß, Gift in euern Preis. Hin ift die Tafelrunde: Ein Falſcher iſt im Bunde. 315 König Artus, hoh erhob Ueber deine Genoßen ſi dein Lob; Dein ſteigender Preis nun ſinkt, | Deine ſnelle Würde hinkt, | 5 Dein hohes Lob wird tief geneigt, | Da Falſch an deinem Preis ſi zeigt. - Der Preis der Tafelrunde i Muß erlahmen ſeit der Stunde, | Daß ihr aufnahmt Parzivalen, : 10 An dem die Ritterzeichen pralen. Jhr nennt ihn nah dem Ritter roth, Der vor Nantes fand den Tod; | Doh ungleih ſind die Zwei geweſen: Von Niemand ward noh je geleſen, * | 15 Der ſo höchli<h wär zu preiſen.“ Von dem König ritt ſie zum Waleiſen. | Sie ſprach zu ihm: „Jhr ſollt mir büßen, | Daß ih verſagen muß mein Grüßen | Artuſen und den Rittern ſein. | 20 Verflucht ſei euer lihter Schein * Und eures Wuchſes Männlichkeit. Hätt ih Heil und Seligkeit,
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So blieben fie euh theuer. Jh dünk eu< ungeheuer 26 Und bin geheurer doh als Jhr. Herr Parzival, nun ſaget mir Wie ſih das begeben hat: Da ihr den traurgen Fiſcher ſaht | Freudlos ſigen, ungetröſtet, | Daß ihr des Leids ihn nit erlöſtet? Z16 „Er zeigt eu< ſeines Jammers Laſt: O ihr ungetreuer Gaſt! Da ſollt eu< ſeine Noth erbarmen. Möcht auh der Mund verarmen, y 5 Der Zunge, mein ih, drinne, Wie eur Herz iſt re<ter Sinne! Der Hölle hat eu< vorbeſtimmt Der im Himmel giebt und nimmt: So ſoll eu< au< auf Erden 10 Der Guten Abſcheu werden. Jhr Glü>8verwiesner, Heilverbannter, Vom Preis verlaßner, ungekannter, Jhr ſeid an Ehre lahm und {hwank Und an der Würdigkeil ſo krank, 1ó Euch fann kein Arzt mehr Heil gewähren. Jc will auf euerm Haupte ſhwören, Stabt mir Jemand ſolchen Eid, Nie ſah man größern Trug bis heut | An cinem alſo“ ſchönen Mann. : 20 Jhr tüdſche Angel, Natterzahn! Gab euch niht der Wirth das Schwert, | Des ihr niemals wurdet werth? | Doch ſtatt zu fragen, \hwiegt ihr ſill; | Ihr ſeid des Höllenhirten Spiel. | 26 Ehrloſer Mann, Herr Parzival! ! Trug man nicht vor euh hin den Gral, Sthneidendes Silber, blutgen Sper! ' Jhr Freudenziel, des Leids Gewähr! j („Hättet Jhr zu Monſalväſch gefragt , | Eine Stadt im Heidenlande ragt. Z17 Tabronit , die jeden Wunſch erfüllt: Hier häit eu< Fragen mehr enthüllt. Feirefiſs Anſchewin Hat jenes Landes Königin 5 In ſcharfem Ritterkampf erworben. An dem iſ nicht die Kraft verdorben,
| Die euer beider Vater trug. | Euer Bruder iſ} ſeltſam genug: | Wohl iſ {<warz zumal und blank | 10 Der Köngin Sohn von Zaßamank. | „Nun gedenk i< au< an Gahmureten, i Das Herz nie Falſchheit hat betreten. Von Anſchau euer Vater hieß, Der euh ein ander Vorbild ließ, 15 Denn wie ‘ihr habt geworben: ; Jhr ſeid am Preis verdorben. Hätt eure Mutter je geſündigt, So hätte mir eur Thun verkündigt, Daß ihr ſein Sohn nict könntet ſein. 20 Doh nein, ſie lehrte Treue Pein. Glaubt von ihr das Allerbeſte i Und daß eur Vater ehrenfeſte y War, zu aller Treue weiſe, Und weitfängig hohem Preiſe. 25 Die Welt erfüllt? er rings mit Salle; y Großes Herz und kleine Galle, Darob war ſeine Bruſt ein Dach. | Er war Reuſ und Ney und fängig Fah: ¡ Seine Kraft, ſein hoher Muth Stellten nah dem Preiſe gut. 318 Nun i} eur Preis zu Fall gekommen. O weh mir, hätt ihs nie vernommen, Daß der Sohn von Herzeleiden Sich vom Preiſe mochte ſcheiden!‘ 5 Kondrie war ſelbſt des Kummers Pfand, Daß ſie die Hände weinend wand, Eine Zähre ihr die Andre ſlug: Groß Leid ſie in den Augen trug. Treue lehrte ſo die Maid - 10 Klagen ihres Herzens Leid. : Sie kehrte wieder zu dem Wirth, Wo ſie no< Andres melden wird. Sie ſprah: „Iſt hier kein Ritter werth, Des kühner Muth nah Preis begehrt | 15 Und nach hoher Minne Zier? | Jh weiß der Königinnen vier | Und vierhundert Jungfrauen, | Die man gerne möchte ſchauen. | Zu Chatel Merveil iſts wo ſie ſind. | 20 All' Aventür iſt nur ein Wind
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Der fände hoher Minne Beute.
Schafft mir die weite Reiſe Pein,
Jh will doh heunte dort noch ſein.
25 Traurig war die Magd, niht froh:
E Ohn Urlaub ſchied ſie dannen ſo. I Die oft no< weinend um ſi ſchaut, : aWeh!“ ruft ſie endlih überlaut ,
„Weh Monſalväſh, du Jammers Ziel, Weh, daß di< Niemand tröſten will!“ 319 Kondrie la Sorziere,
Die unſüße , gleihwohl fiere,
Den Waleis ſ{<hwer bekümmert hat.
Was half ihm kühnes Herzens Rath,
5 Und wahre Zucht und Mannheit ?
Der Beſchämung blieb er nicht befreit ,
All ſeines Thuns gereut’ ihn doch.
Wahre Bos3heii mied ihn noh,
Denn Scham giebt Preis zu Lohne
10 Und wird einſt der Seele Krone;
Scam will alle Zucht bewahren.
Weinen ſah .man Kunnewaren,
Daß Parzivaln, den Degen werth, y
Kondrie beſchimpft hatt und entehrt ,
15 Ein Geſchöpf ſo wunderlich. * Vor Herzeleid ergoßen ſi<h Der Augen viel der werthen Frauen, Die man weinend muſte ſchauen. e | Kondrie hats ihnen angethan. 20 Die ritt hinweg: da ritt heran
Ein Ritter, der trug hohen Muth.
All ſeine Rüſtung war ſo gut
Vom Fuß empor bis an das Haupt,
Daß man ſie theur und koſtbar glaubt.
25 Reich iſt der Helmſhmu>, den er führt;
Ritterlicher Harniſch ziert
Das Roſs wie auh des Helden Leib.
Er fand fie alle, Mann und Weib,
Bekümmert in dem Kreiße hie;
Dem ritt er zu; vernehmet wie:
320 Sein Muth ſtand ho<, do< Jammers voll. Wie kann das ſein? Jh weiß es wohl: Mannheit gab ihm hohen Sinn;
Den Jammer lehrte Herzleid ihn.
EE int Tal N ainia ia E ade EO EE NNE EEE" NEE 3 affigntthadietin! * Nadia Ward da der Degen wohl gedrängt ? Viel Knappen ſprangen näher gleich: Da empfingen ſie den Degen rei. Sein Schild wie er war unbekannt ; 10 Den Helm er niht vom Haupte band. Dem alle Freude war verwehrt, Er trug in ſeiner Hand das Schwert, - Dog bede>t von der Scheiden. Da fragt? er nah den beiden: 15 „Wo iſ Arlus und Gawan ?“ Die zeigten ihm die Junker an. Da ging er dur die weite Schar. | Sein Wappenro> war rei und klar, Mit lihtem Pfellel wohl geſhmüd>t. 20 Als er den Wirth hatt erbli>t Stand er till und ſprach alſo: „Gott mache König Artus froh! Dazu den Herrn und Frauen, Die meine Augen ſchauen, 26 Biet ih dienſtbereiten Gruß, y Den ih Einem nur verſagen muß: Dem will ih nit zu Dienſten ſtehn, Sein Haß mag wider mich ergehn : Was er mit Haßen leiſten kann, Mein Haß iſ ſeinem Haße Mann. 321 „Wer Der ſei, will {< euch ſagen. Wohl bin i< Armer zu beklagen, h Daß er ſo verwundet hat mein Herz: | Dur Ihn ift allzugroß ſein Schmerz. 6 Das iſt hier der Herr Gawan, | Der ſonſt wohl hohen Preis gewann. | Er hatte Würdigkeit errungen ; y Doch Unpreis hat ihn jezt bezwungen, Da ſeine Gier ſo weit ihn trug, 10 Daß er meinen Herrn im Gruß erſchlug: Judas küſſender Verrath Verführt' ihn zu der Miſſethat. Es geht viel tauſend Herzen nah. Meuchelmörderiſ<h war da 15 An meinem lieben Herrn gethan. Läugnet das Herr Gawan, | Mit Kampf er ſi< befreien mag Von heut am vierzigſten Tag Vor dem Könige von Ascalon
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20 Jn der Hauptſtadt Schamfanzon. | Kampflich fordr ih ihn heraus Mit mir zu fehten Kampf und Strauß. „Daß er \ſihs niht entſhlage, | Und des Schildes Amt dort trage, | 25 Will ih ihn ferner mahnen Beim Helm und bei den Fahnen, S Und allem Brauch der Ritterſchaft. - Die hat zwei Schätze großer Kraft: Rechte Scham und ſtäte Treu; - Der beiden Preis iſ alt und neu. 322 Von Sham ſoll ſich nicht ſcheiden Gawan, will er befleiden Noth die edle Tafelrunde, Die hier ſteht zu dieſer Stunde, 5 Denn um ihr* Ret wärs gethan Säß ein Treuloſer dran. J<< bin zu ſchelten niht gekommen; | Glaubt mir, denn ihr habts vernommen, Jch fordre Kampf für Schelten. y 10 Da ſoll der Tod nur gelten Oder Leben mit Ehren, Wenn vas Glü> es will gewähren.“ | Der König {hwieg und war unfroh; Doch entgegnet er der Rede ſo: | 15 „Herr, Gawan iſt mein Schweſterſohn : | Wii er todt, ih ginge ſhon Selbſt in den Kampf, eh ſein Gebein - Beſchimpft und ehrlos ſollte ſein. | Wills Gott, ſo maht eu< Gawans Hand | 20 Wohl im Kampfe dort bekannt, Daß er Treue hält und ehrt Und ſi aller Bosheit hat erwehrt. | Hat euh anders Jemand Leid y Gethan, ſo wärs niht an der Zeit, 25 Daß ihr Ihn ſ{hmähtet ſonder Schuld. Denn erwirbt er eure Huld Und beweiſt, daß er unſchuldig ift, So habt ihr hier in kurzer Friſt Von ihm geſagt was euerm Preiſe Sqadet, ſind die Leute weiſe.“ Z2Z Beaukorps, der ſtolze Mann (Deſſen Bruder war Gawan), Der ſprang empor und ſprach zuhand:
(Herr, ih ſtelle mi<h zum Pfand, e 6 Wohin ihr immer Gawan fodert. - | Sein Shmähn hat mich mit Zorn durlodert. i Laßt ihr ihn der Shmach nicht frei, Haltet eu< an mich, ſein Pfand ih ſei, j J< will für ihn den Kampf beftehn. | 10 Es kann mit Worten niht geſhehn, - Daß man höhern Preis erniedre Als den Gawan trägt, der Biedre.“ - | Er ging zu ſeinem Bruder hin, Fußfällig bat er ihn; | 15 Hört wie er zu dem Bruder ſprach: | „Gedenke, daß du manhen Tag Mir half zu großer Würdigkeit. Laß mich für Dich in dieſem Streit Ein kampflihes Geiſel ſein. | 20 Soll ih dann im Kampf gedeihn, Ï Stäts wird dirs Ehre bringen.“ Er wollt ihn flehend zwingen Bei Bruderlieb und Ritterprei8. Gawan ſprah: „J<h bin ſo weiſ, 26 Daß ich dir, Bruder, niht gewähren Kann dein brüderlih Begehren. Was mir der Sireit ſoll, weiß ih niht, E y Auch bin ich. niht auf Streit erpicht. Ungerne wollt ih dir verſagen; - Doch müſt i<s ewig Schande. tragen.“ 324 Beaukorps fuhr zu bitten fort ; Da ſprah der Gaſt an ſeinem Ort: „Hier bietet Kampf mir ein Mann, Des ih Kunde nie gewann. 5 Was hätt ih wider ihn zu klagen? Stark, kühn, ſonder Zagen, Reich, getreu und minniglih, | Iſſt er das Alles völliglih, So taugt er wohl ‘zum Bürgen; 10 Doch ich will ihn niht würgen. | Mein Herr und nächſter Vetter ifs, y Des Tod mich mahnet ſolchen Zwiſts. Unſre Väter Brüder hießen, Die nichts einander ließen. 15 Kein gekrönter König iſt ſo hehr, | Dem ich nict ebenbürtig wär, | Jhm kampflih Rede zu ſtehn, E
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Der Rache Pflicht zu begehn. J J<h bin ein Fürſt aus Askalon, 20 Der Landgraf von Schamfanzon, Und heiße Kingrimurſel. ! Tönt Herrn Gawans Lob ſo hell, | So kann er nimmer ſi< entſhlagen | Gegen mi<h den Schild zu tragen. 2 Ich geb ihm Frieden dur< mein Land, Nur nicht von meiner eignen Hand. Der Friede, den ih ihm verheiße, Gilt allwärts außerm Kampfeskreiße. : Gott nehm eu< All in Schug und Hut; E Nur Einen nicht: ihr kennt ihn gut.“ 325 So ſchied der wohlgelobte Mann Von des Plimizöls Plan. Da Kingrimurſel ward genannt, Da war er Allen wohlbekannt: 5 Voll von ſeines Namens Preis . War das Land in weitem Kreiß; Sie ſprachen Alle, Herrn Gawan Dürf im Kampf wohl Sorge nahn; Kraft genug und Mannheit habe 10 Der Fürſt, der dort von hinnen trabe. Auch ſhuf es Manchem große Noth, Daß man ihm hier niht Ehre bot ; Doh ſolche Botſchaft iſt gekommen, Ihr habt es ſelber wohl vernommen, 15 Daß leiht ein Gaſt des Wirthes Gruß Dieſen Tag entbehren muß. : Von Kondrieen erſt vernahm man ret Parzivals Namen und Geſchleht , Daß eine Köngin ihn gebar, 20 Und der Anſchewein ihr Gatte war. Da hub wohl Manqther an: „Jh weiß Daß er ſie vor Kanvoleiß Ritterlih erworben hat Mit mancher Tjoſt, die er that, 25 Und ſeine Mannheit unverzagt Ihm erwarb die wonniglihe Magd. | Anſliſe, die geehrte, | Au<h Gathmureten lehrte Kurtoiſie und reine Sitte: Nun freue fi< ein jeder Britte, 326 Daß der Held uns iſ gekommen, Da ſo viel Preiſes ward vernommen
E Von ihm, und Gachmureten auh; Würdigkeit war ſtäts ſein Brauch.“" 56 Artuſens Heer war an dem Tage Gekommen Freude ſo wie Klage: Ein ſo gezweites Leben War den Helden hier gegeben. Sie ſtanden auf überall : 10 Man ſah ſie trauern allzumal. Die Beſten gingen wo im Kreiß : Sie Gawan und den Waleis Beieinander fanden ſtehn: Sie wollten fie zu tröſten ſehn. 15 Klamide, den Degen wohlgeboren, Gedaucht’, er hätte mehr verloren Als Einer, der da möchte ſein; Allzuſcharf war ſeine Pein. Da hub er an zu Parzival : 20 „Wärt ihr au< König bei dem Gral, Doch müſt ih \prehen ſonder Spott: Das Heidenland Tribalibot ; Und des Kaukaſas goldreiher Grund, | Was je von Reichtum las ein Mund, 25 Dazu des Grales Herlithkeit , Die erſchten niht das Herzeleid, | Das ich vor Pelrapär gewann. | Ich armer, unſelger Mann! Mich ſchied von Freuden eure Hand. Hier iſt Kunware de Laland: 327 Auqh iſt als ihrem Ritter euh So zugethan die Fürſtin reih, Daß ſie andern Dienſt niht will, Mag ſie auch lohnen Rittern viel. 6 Doch verdröß es billig ihren Sinn, Daß ih ihr Gefangner bin So lange Zeit geweſen. Soll ih zum Glü> geneſen, | So helft, daß ſie ſih ſelber ehrt, ‘10 Mir ihre Minne des gewährt Ein Theil, das eure Kraft mir nahm, Als der Freude Ziel mir ferne kam. Getroffen hätt i<s, ſäumtet Jhr! Nun helft mir zu dem Mägdlein hier.“ 15 „Das thu ih,“ \pra< der Waleis, „Wenn ſie Bitten zu erhören weiß. Ich tröſt eu< gern: denn Die iſ mein,
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- Um Die ihr wollt unſelig ſein, Sie, die da trägt den beau korps, | 20 Kondwiramor.“ | Von Janfus die Heidin, Artus und die Königin, Kunneware de Laland Und Frau Jeſchute von Karnant , 256 Die traten tröſtend hinzu. Was wollt ihr, daß man weiter thu? Kunwaren gab man Klamide: Dem war nach ihrer Minne weh. ; Er gab ſi< ihr zu Lohne Und ihrem Haupt die Krone.
Z28 Als das Die von Janfuſe ſah, | Zu dem Waleis ſprach die Heidin da: aKondrie nannt uns einen Mann, | Der als Bruder wohl euh freuen kann. !
6 Seine Kraft reicht weit und breit.
Zweier Kronen Herlichkeit
Dient mit Furcht ſeiner Hand : Auf dem Meer wie auf dem Land, | Aßagog und Zaßamank,
10 Zwei mähtge Reiche weit und lang. Seinem Reichtum vergleicht Sich nur des Baruchs vielleicht ,
Oder auch Tribalibot. Er wird angebetct als ein Gott.
15 Seine Haut if. wunderlich:
Nicht weiß noh ſhwarz, wie Jhr und Jh, Nein, er iſt ſhwarz und weiß zugleih. - Jh fam gefahren durch ſein Reih:
Wohl große Mühe wandt’ er an,
20 Von der Fahrt, die ih hieher gethan, Mich abzuzichn; do< niht vermo<ht er. Seiner Mutter Muhmentochter Vin ih: er iſt ein König hehr.
Vernechmt von ihm der Wunder mehr. 26 Nie hielt Wer Siy vor ſeinen Tjoſten;
Er läßt ſich ſcinen Preis auch koſten:
Kein mildrer Mann ward je geboren.
Die Falſchheit hat das Spiel verloren
Bei Feirefiſs Anſchewein ;
Oft litt er Fraun zu Ehren Pein.
329 „Zwar hatt ih wenig Freunde hier, i Doqh reiſt ih her aus Neubegier |
| Nach Aventür und Ritterwerke. Mun ſeh ih, blüht die höchſte Stärke 5 In Euch, daß alle die Getauften “ Dur Euern Preis ſi< Lob erkauften, * Wenn euh edler Anſtand zählt, Und wie ſi< Schönheit vermählt i Jn Euch mit mannlihem Brauch; “10 Der Kraft geſellt Jhr Jugend auch.“ ‘Der reichen weiſen Heidin Gab Unterweiſung den Gewinn, Daß fie gut franzöſiſh ſprach. Der Waleis begann darnach: ‘116 Alſo ſprach er zu ihr: e „Gott lohn euch, Herrin, daß ihr hier Mich ſo freundlich tröften wollt; E Mir zahlt do< Kummer nur den Sold: Warum, laßt eu< beſcheiden. 20 Jh mag das Leid niht leiden, 5 Das ſi< mir angekündigt: Daß fi<h Mancher nun verſündigt An mir, der meinen Schmerz niht räth, Und mich mit ſeinem Spott belädt. 26 In Frieden ſicht mi< Niemand mchr Erſah ih niht den Gral vorher, | Es währe kurz oder lang. y Mitch jagt dahin der Seele Drang; Auch wendet nihts mir den Entſchluß So lang ih bin und leben muß. /330 „Erug Beſcheidenheit und Zucht y Mir den Spott der Welt als Frucht , | So traf es wohl ſein Rath niht ganz: Mir rieth der werthe Gurnemans, 5 Daß ih unbeſcheidne Frage miede, Und mi von allem Vorwig ſchiede. Viel werther Ritter ſeh ih hier: Bei eurer Zutht, nun rathet mir, y Wie erwerb ih wieder eure Huld? 10 Man warf mir eine ſhwere Schuld Hier mit ſtrengen Worten vor. Weſſen Huld i< drum verlor, Der iſ} mir ohne Grund nicht gram. Wenn i zu Preis einſ wieder kam, 15 So ſeht, ob ihr darna<h mich ſ{hätt: Von euch zu ſcheiden eil ih jeht. Jhr gelobtet mir Genoßenſchaft,,
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Wieweil 1h blüht in Preijes Kraſt: | Deren ſeid nun frei. Hin zu dem Orte,
20 Wo meine grüne Freude dorrte!
: Mein Herz ſoll tiefen Jammers pflegen, Den Augen geb es immer Regen Seit ih auf Monſalväſh verließ : Was mi vom wahren Heil verſtieß,
25 O Gott, wie manche klare Magd! |
Was je von Wundern ward geſagt, Viel größre Wunder hat der Gral. Der Wirth trägt ſeufzerreihe Qual. Ach hülfeloſer Anfortas , Was half dir, daß ih bei dir ſaß!“ 331 Was ſollen fie hier länger ſtehn? Es muß nun an ein Scheîden gehn. Da begann der Waleis : Zu Artus dem Bretaneis, 5 Den Rittern und den Frauen, Ihren Urlaub woll er ſchauen Und Heil erwünſchen Allen. Niemand wollt es gefallen, Daß er ſo traurig ritt hindann. 10 Leid war fein Scheiden Weib und Mann. Artus gelobt! ihm in die Hand, Käm je in ſol<he Noth ſein Land Wie es von Klamide gewonnen , | So woll er ihm zu Hülfe kommen.
15 Auch bedaur' er, daß ihm Lähelein
Nahm zweier reihen Kronen Schein.
Viel Dienſte Mancher no< ihm bot;
Den Helden trieb hindann die Noth. | Kunnewar die ſ{öne Magd
20 Nahm den Degen unverzagt Und führt! ihn an der Hand hindann.
_ Da küſst’ ihn mein Herr Gawan.
Auch ſprah der Held verwegen Zu dem fkraftreihen Degen:
25 „Ith weiß wohl , Freund, du muſt nun fahren, Darfſt dich in manhem Kampf nicht ſparen. Gebe Gott dir Glü> im Streit,
Und mir noh einſt Gelegenheit | Dir zu dienen wie ih es begehre. | Daß ſeine Kraft mir das gewähre!“ |
doe Ver Wale!83 |pra<: „Weh, was ift Gott ? / Wär Der gewaltig, ſolhen Spott i Gäb er uns beiden niht fürwahr! Wär er nicht aller Kräfte bar. 5 Ih war mit Dienſt ihm unterthan ' So lang ih bin und beten kann. Ich will ihm künftig Dienſt verſagen: Hat er Haß, den will ih tragen. Freund, kommt deine Kampfeszeit , 10 Ein Weib beſhüge di<h im Streit. | Die müße ſegnen deine Hand, | An der du Keuſchheit haſt erkannt | Und weibliche Güte, ¡ Ihre Minne di behüte. | 15 Weiß niht, wann ih dih wieder ſehe; | Ih wünſche, daß dir Heil geſchehe.“ y Zu Nachbarn gab ihr Scheiden Nun Trauer dieſen beiden. | Kunneware de Laland 20 Führt! ihn wo das Zelt ihr ſtand. Sein Geräth ließ ſie ihm bringen: Ihre linden Hände hingen Es um dem Gachmuretens8-Sohn. Sie ſprah: „Ih {huld euh ſolhen Lohn, 25 Da der König mih von Brandigan Euerthalb zur Braut gewann. Sonſt giebt mir eure Würdigkeit | Noth und ſeufzerreihes Leid. Wenn Jhr eu< Trauerns niht ¿rwehrt , | Eure Sorg an meiner Freude E '333 Nun war ſein Roſs mit Stahl verde>t, | Ihm ſelber neue Noth erwe>t. y Auch hat der Degen wohlgethan | Lichtweißen Eiſenharniſch an, “5 Theuer, aller Mängel bar; Korſett und Wappenro> ihm war | Geſhmüd>t mit Geſteine. | Seinen Helm alleine | Hatt er niht aufgebunden. | 10 Da küſst’ er unumwunden Kunnewar die klare Magd; Alſo ward mir geſagt. Da geſchah ein traurig Scheiden Von den liebenden Beiden.
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15 Wir laßen reiten unſern Helden; Was die nächſten Abenteuer melden, “Das geht ihn ſo genau nit an; Doch hört ihr einſ was er begann, Wohin er fuhr und wo er blieb. 20 Wem Kampf und Ritterſpiel nur lieb, E Denk unterdeſſen niht an ihn, Räth ihm das ſein ſtolzer Sinn. Kondwiramor , Dein minniglicher beau korps, 26 Wie oft der Degen ſein gedenkt, Was er dir Aventüren ſchenkt ! Stqhilde3amt um den Gral Uebt nun der Held, den mit Qual Einſt Frau Herzeleid gebar , Der auch des Grals Anerbe war. 3ZZ4 Da fuhr des Jngeſindes viel Zu einem mühvollen Ziel : Das Stloß zu erſchauen, Wo vierhundert Jungfrauen 5 Und vier Königinnen hehr Gefangen hielt ein Zauberer. Das Sthloß heißt Schatelmerveil. Was ihnen dort ward zu Theil, Nicht beneid ih ihnen da3; 10 Jh bin doh Frauenlohnes laß. Da ſprach der Grieche Klias : „Ich bins, der da den Boden maß.“ Tas geſtand er öffentlich: „Der Türkowite fällte mih 15 Hinters Roſs zu meiner Schmach. | Von vier Königinnen ſprach | Er mir, die da gefangen ſind; | Zwei ſind alt, und zwei noh Kind. Die Eine heißet Jtonjè, 20 Die andre heißet Kondriê, Die dritte heißt Arnive, Die vierte Sangive.“ Die Neugier trieb ſie hinzugehn ; Doch konnt’ es anders nicht geſchehn, “25 Sie muſten Schaden dort erjagen ; Den Schaden will ih mäßig klagen. Wer um Frauen duldet Noth und Streit, Dos giebt ihm Freude, wenn auh Leid
Wohl mitunter überwiegt : So geht es wo die Minne kriegt. 335 Auqh Gawan maqhte ſich bereit, Er wappnete ſi für den Streit | - Vor dem König von Askalon. | Leid war es manchem Breton; i 5 Von mancher Frau und manher Magd Ward es herzlih auh beklagt, Daß er zum Kampf ſollt reiſen. An Würdigkeit verwaiſen Sah man die Tafelrunde. | / 10 Gawan erwog zur Stunde, Womit er möchte ſiegen. | Harte Schilde wohlgediegen |” (Glei galt ihm wie die Farbe war) Brachten Kaufleute dar“ 15 Auf Säumern, doh niht wohlfeil : Dreie wurden ihm zum Theil. Auch erwarb der Degen hochgemuth Sieben Rof\ zum Kampfe gut; Zwölf ſcharfe Spere von Angram 20 Sic der Held zu Freunden nahm, Starke Rohrſchäfte drein Von Oraſte Genteſein, | Aus einem Moor im Heidenland. | Gawan nahm Urlaub zuhand 26 Und fuhr hinweg mit Mannheit. | Artus gab willig und bereit Zu der Fahrt ihm reihen Sold, Licht Geſtein und rothes Gold Und Silbers manchen Sterling; Viel Mühen er entgegen ging. 336 Nag der Heimat ſchiffte da | Sich ein die junge Ekuba; | Die reiche Heidin mein ich. Allwärts hin zerſtreute \ſih 56 Das Volk von dem Plimizöl. Artus fuhr gen Karidöl ; Doch nahmen von ihm Urlaub ch Kunnewar und Klamide. Orilus der Herzog auserkannt 10 Und Frau Jeſchute von Karnant Nahmen Urlaub auch ſofort; Doch verblieben fie no< dort Bis zum dritten Tag bei Klamiden:
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Des Hochzeit ſollte da geſchehn ;
15 Jedoch nicht laut, nur insgeheim: Sie wurde größer bald daheim. Denn wie ihm ſeine Milde rieth, | Viel Ritter, welhe Reihtum mied, Nahm er mit in ſeiner Schar;
20 Die Fahrenden noh alle gar. Daheim in ſeinem Lande Mit Ehren ohne Schande | Vertheilt! er ihnen ſeine Habe, Verſagte Niemand karg die Gabe.
25 Auch Frau Jeſchute fuhr zumal, Und Orilus ihr Gemahl, Klamiden zu Lieb gen Brandigan. | Das ward zu Ehren gethan y
E Kunnewar , der Königin: | Der ward die Krone da verliehn. 337 Nun hoff ih, ſinnge Frauen gut, Haben fie getreuen Muth, | Die dieß einſt geſchrieben ſehn, Sie werden mir wohl eingeſtehn, 6 Daß ih Frauen beßer \ſhildern mag
Als ih einſt von Einer ſprach.
Belakane, die Königin, - Tadel8ohne war ihr Sinn Und zu aller Falſchheit laß,
10 Da ein todter König fie umſaß. Frau Herzeleiden füllt’ ein Traum Mit Seufzern aus des Herzens Raum. y Wie groß war Ginoverens Klage An Itherens Todestage!
15 Auch fühlt ih ihren Kummer mit, Da Jeſchute ſolhe Schmach erlitt, Des Königs Tochter von Karnant,
- Eh ihre Unſchuld ward erkannt. Miſs8handelt wurde Kunnewar
20 Und gerauft ihr ſ{<önes Haar: Das ſeht ihr Beiden wohl erſeyt; Sie haben Preis für Schande jetzt.
Dieſe Märe führe fort ein Mann,
Der Aventüre {lihten kann
25 Und Reime weiß zu ſprechen, Zu paaren und zu brechen. Ich thäts eu< gerne weiter kund, Geböt und lohnt? es mir ein Mund,
| Den aber kleinre Füße tragen | Als die mein Roſs mit Sporen ſchlagen.
Obilot
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338 Der Stande floh bis in den Tod, Eine Weile ſoll ihm zu Gebot Dieſe Aventüre ſtehn, Gamwan, dem Degen auserſehn. ' 6 Manchen Helden rühmt fie gern |
Neben oder vor dem Herrn
Dieſer Märe, Parzival.
Wer ſeinen Freund in jedem Fall
Auf den höchſten Thron will tragen, 10 Muß Andern billges Lob verſagen.
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Doch Dem alleine glaubt die Welt,
Des Lob ſih an die Wahrheit hält; | Sonſt, was er ſpriht und was er ſprach, Vleibt ſeine Rede ſonder Dach.
15 Wer ſoll des Sinnes Haus erhalten, y Will die Weisheit ſein niht walten? Verlogne, falſhe Märe,
Bedünkt mich, beßer wäre Die dach- und fahlos auf dem Schnee, 20 So daß dem Munde würde weh, Der für Wahrheit ſie verbreitet : So hätt ihn Gott dahin geleitet Wo ihn der Gute gerne ſicht, Dem oft um Wahrheit Leid geſchieht. |
25 Wer ſi zu ſoler That beeilt,
Der Unglü> billig Lohn ertheilt , |
Vill Den ein werther Dichter preiſen, |
Des müſt ihn Thorheit unterweiſen.
Er meidets, weiß er ſh zu ſhämen:
Den Brauch ſoll er zum Vogte nehmen. 339 Gawan trug den re<ten Muth:
Seine Tapferkeit hielt ſolche Hut,
Daß Verzagtheit ſeinem Preiſe
Schaden mochte keinerweiſe.
5 Jm Felde war ſein Herz ein Thurm,
Und doch ſo raſh im Kampfesſturm,
Daß man ſtäts ihn im Gedränge fand.
Freund und Feind ihm zugeſtand,
Sein Schlachtruf laute löblih hell,
10 Wie gern ihm au Kingrimurſel
Hätte ſolchen Preis benommen.
Nun war von Artus gekommen ,
Ich weiß nicht, ſhon wie manchen Tag Gawan, der aller Mannheit pflag.
15 So ritt der Degen wohlgeſtalt Seines Wegs aus einem Wald Mit dem Gefolg dur< einen Grund.
Da ward ihm auf dem Hügel kund Ein Ding, das Angſt wohl lehrte,
20 Dog ſeine Mannheit mehrte.
Da ſah der Held wohl unbetrogen, Unter Panieren zogen Volle Scharen mit Gepränge. „Hier wird es,“ dacht er, „mir zu enge:
26 Kehr ih wieder in den Wald.“
Da ließ der Degen gürten bald Ein Roſs, das Orilus ihm ließ; Zwei rothe Ohren ſenkte dieß. Gringuljet ſcin Name war: Er empfing es ohne Bitte gar. 340 Es war von Monſalväſh gekommen; Da hatt es Lähelein genommen Bei Brumban, ſo hieß der See. : Seine Tjoſt that einem Ritter weh, 6 Den er todt herunter ſtach: So erzählte Trevrezent herna<h. “* Gawan gedathte: „Wer verzagt Flieht bevor ihn Einer jagt, | Das iſ} zu früh für ſeinen Ruhm: / 10 Stapf ih näher hin darum, | Was mir davon au< mag geſchehn. Die Meiſten haben mi geſehn; | Doch wird Rath zu Allem werden.“ Da ſchwang er ſi< zur Erden 15 Als wollt er raſten fi< einmal. Die Haufen waren ohne Zahl, Die da rottenweiſe ritten. Er ſah viel Kleider wohlgeſchnitten Und manchen Schild mit ſolchen Zeichen , 20 Daß er noh nie geſehn dergleichen , Noch die im Fähnlein an dem Sper. „Fremd bin ih ſicher dieſem Heer ,“ Sprach der werthe Gawan, „Da ih Jhrer Kunde nie gewann. 25 Will man mir das zum Argen kehren, Einer Tjoſt wohl will i< ſie gewähren Mit eignen Händen, Gott weiß, Eh ih ſcheid aus ihrem Kreiß.“ Ta war auch Gringuljet bereit , Der oft in ängſtlihen Streit 3Z41 Tioſtierend ward gebracht. Das war ihm jeyt auh zugedacht. Gawan ſah da rei floriert, Mit manchem Wappenbild geziert 5 Koſtbarer Helme viel. Sie führten vor ihr Kriegsziel | Neuer Spere manche Garbe. y Sie waren bunt von Farbe, Junkern in die Hand gegeben; 10 Jm Banner ſah man Wappen ſhweben.
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Gawan Fils du Roi Lot | Sah von Gedränge große Noth. Mauler muſten Rüſtzeug tragen, Roſſe zogen volle Wagen; 16 Zur Herberg eilte Maul und Roſs. Hinterdrein der Krämertroſs Zog gar wunderlih daher; Es geht halt anders nimmermehr. Auch Frauen ſah man da genug; : 20 Manthe den zwölften Schwertgurt trug Zu Pfande für verkaufte Luſt. Nicht Königinnen warens juſt: Solche Buhlerinnen Nannte man Marketenderinnen. 2b Dabei Hallunken mannigfalt , Der eine jung, der andre alt: Sie liefen fich die Glieder krank. Manchem ziemte mehr der Strang Als daß er hier das Heer vermehrte | Und werthes Volk verunehrte. | Z42 Die hier Gawan traf, die Haufen Waren vor geritten und gelaufen; So begab es fih da, Daß Wer den Helden halten ſah 5 Meint’, er wär deſſelben Heers. Weder dieß- noh jenſeits Meers Fuhr jemals ſtolzre Ritterſchaft ; Sie hatten hohen Muth und Kraft. Dicht hinter ihnen fuhr | 10 Eilends folgend ihrer Spur Ein Knapp gar alles Tadels frei ; Ein ledig Roſs ging nebenbei. : Er führte einen neuen Sthild; Die Sporen ſtieß er unmild 15 Dem Roſs in die Seiten, | Denn ihn lüſtete zu ſtreiten. ' Sein Gewand war wohlgeſcnitten. Gawan hatt ihn bald erriiten Und frug ihn na< dem Gruß um Märe 20 Wes das Jngeſinde wäre? Der Knapp ſprach: „Herr, ihr ſpottet mein. Hätt ih ſolher Züchtgung Pein Von euh verwirkt dur< mein Betragen? Lieber wollt ih andre Noth ertragen: Simro>, Parzival und Titurel.
26 Sie beſchimpfte mi< niht ſo wie vas. Um Gott, beſänftigt euern Haß.
Ihr ſeid bekannter hier als ih: Warum alſo fragt ihr mih? Sicher tauſendmal ſo gut Kennt ihr dieſes Heeres Flut.“
343 Gawan ihm hoc und theuer ſ<hwur, Alles Volk, das vor ihm fuhr, Sei ihm unkund völliglich.
| Der Degen ſprah: „I< ſhäme mih;
6 Doch hab ih Alle nie geſehn,
Wie ih in Wahrheit muß geſtehn, Vor dieſer Zeit an keinem Ort,
Dient! ih gleih bald hier bald dort.“ Der Knappe ſprah zu Gawan:
10 „So that ih Unre<ht, Herr, daran, Daß ih euh niht Beſcheid geſagt :
Da war mein beßrer Sinn verzagt. | Richtet über meine Schuld Nath eurer eigenen Huld: 15 Herna<h will ih eu< Alles ſagen; Erſt ziemts, mein Unrecht zu beklagen.“ „Nun ſagt mir, Junker, wer fie ſein, Wollt ihr ſo gefällig ſein.“ nHerr, ſo heißt der vor eu< fährt 20 Und dem die Reiſe Niemand wehrt: | Roi Poidikonjonz , | Mit Dak Aſtor de Lanveronz. Bei ihnen fährt ein wüſter Mann, Der Frauenminne nie gewann. 25 Er trägt der Unfitte Kranz Und heißt mit Namen Meljakanz. Ob es Weib war oder Magd, | Von der er Minne je erjagt, | So nahm er fie mit Nöthen: f Man ſollt’ ihn drum ertödten. 3Z44 Poidikonjonzens Sohn iſ Er Und will au< kämpfen mit dem Heer. E Oftmals hat er Ritterſchaft / Gethan mit unverzagter Kraft.
5 Was hilft ſein mannliher Brau? Ein Mutterſhwein wehrt ſich au< Tapfer, wenns dem Ferkel gilt.
Der Mann verdient, daß man ihn ſilt, 9
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EL ZIE Uy MLLE ouee UY 10 Jhr bezeugt mir, daß mein Mund nicht lügt. nHerr, no< meld i< Wunder viel: Merket , was ih ſagen will. - Uns folgt mit großer Heeres8macht, Den Unart hat in Leid gebracht,
15 Von Li Meljanz der König hehr. Sich ſelber {huf er viel Beſchwer Durch Zorn und Ho<hfahrt ohne Noth. Verſhmähte Lieb es ihm gebot.“
Noch ſprah der höfſhe Knappe da:
20 „Herr, ih ſag eu< was ih ſelber ſah. König Meljanzens Vater, : Auf dem Todbett ‘zu ſih bat er Die Herrn in ſeinem Lande.
Unlöslich zu Pfande
25 Stand ſein tugendreiches Leben:
Es muſte ſich dem Tod ergeben. Da ſolches Leid ihm widerfuhr
Bei ihrer Treu er ſie beſhwur
Und befahl Meljanz den klaren Den Fürſten , die da waren.
345 Aus dieſen wählt’ er Einen dann, | Der war ſein höchſter Lehen8mann ; | Er hatte ſtäts fi< treu bewährt, | Von aller Falſchheit abgekehrt. |
5 Den bat er, ſeinen Sohn zu ziehn. | Er ſprah: „Bewähre gegen ihn Deine Treu aufs Beſte. Lehr ihn, daß er die Gäſte ] Und die Heimſchen halte werth. |
10 Wenn der Dürſtige begehrt, | So lehr ihn milde ſein mit Gaben.“ i So befahl er ihm den Knaben. * '
„Da that der Fürſt Lippaut Was ſein Herr, der König Schaut ,
15 Ihm befohlen hatt im Sterben.
Er ließ kein Wort verderben, Richtet! Alles treulih aus.
Er nahm den Knaben in ſein Haus. Zwei liebe Kinder hatt er dort,
20 Er liebt fie wohl no< immerfort : Eine Tochter, welcher nichts gebräche Als das Alter, daß man ſpräche,
LL LOE TLT LLL LT LITILE 2TLYU, Obie heißt das Töchterlein; 25 Jhre Schweſter heißet Obilot. i: Obie ſ<haffflff uns dieſe Noth. „Eines Tags es fih begeben hat, Daß fie der junge König bat Für ſeinen Dienſt um Minne. Sie verfluchte ſeine Sinne 346 Und fragt! ihn was er dächte, Daß er ſi< von Sinnen brächte? Sie ſpra< zu ihm: „Wärt ihr ſo alt Daß ihr gefochten, wo es galt, 6 Den Helm aufs Haupt gebunden Unterm Schild in würdgen Stunden, In Gefahr und hartem Drang | Fünf volle Jahre lang; Hättet ſtäts den Preis gewonnen 10 Und wäret dann zurü> gekommen, Mir zu Gebot geweſen da, Und ich ſpräche dann erſt Ja Zu dem was ihr ſchon heut begehrt , Noh hätt i<s eu< zu früh gewährt 15 Jhr ſeid mir lieb (wer leugnet des?) Wie Annoren Galoes, Die den Tod um ihn erwarb, Da Er in einer Tjoſt erſtarb. »Ungern, Frau, ih muß bekennen, 5 20 Seh ih euch ſo in Liebe brennen , | Daß euer Zorn fi auf mich kchrt. | Dienſt,“ ſprach er, „iſt do< Gnade werth, So mag man Minne wohl erproben. Frau, ihr habt euh überhoben 25 Als ihr mih von Sinnen ſchaltet ; Da hat Klugheit niht gewaltet. | Wenig dachtet ihr daran, | Daß euer Vater iſ mein Mann Und daß er hat von meiner Hand Burgen viel und all ſein Land.“ 347 „Dem ihr was leiht, verdien ers auh,“ Sprach fie; „doh höher zielt mein Braut. Von Niemand nehm ih Lehen an. Meine Freiheit iſ ſogethan, | 6 Jeder Krone hoch genug, | Die ein irdiſ< Haupt no trug.“
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SL pny. 1 YU MU Lay Yer gut Daß ihr ſo die Hochfahrt mehrt. Da éuer Vater gab den Rath, 10 So büß er mir die Miſſethat. Jch will hier Wappen alſo tragen, Geſtochen werd und geſchlagen. Ob es Krieg heißt ob Turnei: Hier bri<t man<her Sper entzwei. 15 „Im Zorne ſchied er von der Magd. Sein Unmuth wurde {wer beklagt Von all der Maſſenie; | Wohl klagt’ au<h drum Obie. | Auf des Herrn Beſchuldigung | 20 Drang auf Unterſuhung y Und erbot zum Eid fi< gar Lippaut, der unſchuldig war. Ob es krumm wär oder {hli<t, Von Genoßen heiſh! er ein Gericht, 25 Wenn die Fürſten all bei Hofe wären, Denn er käm zu ſol<hen Mären Ganz ohn alle ſeine Schuld. Er bat um gnädiglihe Huld Inſtändigſt ſeinen Herrn ; Den hielt der Zorn von Freuden fern. 348 „Es wär niht angegangen, Daß Lippaut hätt gefangen Seinen Herrn: er war ſein Wirth; Das wär von Treue weit verirrt. 5 Der König ohne Urlaub ſchied Wie ſein bethörter Sinn ihm rieth. Da weinten mit Geſtöhne Seine Knappen, Fürſtenſöhne , Die mit dem König dort geweſen: 10 Sie ließen Lippaut gern geneſen. Getreulih hatt er fie erzogen, Um edle Sitte niht betrogen. Meinen Herrn nur lo>t ehrgeizger Sinn; Wohl pflegte doh der Fürſt auh ihn. 15 Mein Herr der iſt ein Franzais, Le Scatelier de Veauvais ; Er heißt Liſavander. | Alle Knappen miteinander hi Muſten dem Fürſten widerſagen; | 20 Sie ſollten Schildesamt hier tragen. |
URL UR SLUT DEL Lag | Zu Rittern Meljanz heut genug. | „Des vordern Heeres pflegt ein Mann, | Der ſcharfen Streit wohl kämpfen kann, . 26 König Poidikonjonz von Groſs; Er führt man< wohlgewappnet Roſs. Meljanz i} feines Bruders Sohn. Hochfahrt verſtehen Beide ſchon, Der Junge wie der Alte. Daß denn der Unfug walte! 349 „So hat der Zorn ſi< vorgenommen, Daß die Könige gezogen kommen, Beide vor Beauroſch : da muß | Uns Kampf erwerben Frauengruß. | 5 Mangher Sper wird da zerbrochen, | Gerannt wird und geſtochen. | Doch ſteht Beauroſche wohl zu Wehr : | Hätten wir zwanzigmal dieß Heer Und größer als wirs haben, 10 Wir füllten niht den Graben. ' „Dem hintern Heer bleibt verhohlen | Meine Fahrt: ih trug verſtohlen | Dieſen Schild weg vor den andern Kinden, Ob mein Herr möge finden 15 Eine Tjoſt dur ſeinen erſten Schild, j Die ſeinen jungen Ehrgeiz fillt. j Da ſah der Knappe hinter fich: | Sein Herre folgt’ ihm hurtiglih. Zwei blanke Spere und drei Roſſe 20 Wurden ihm nachgebraht vom Troſſe. y An ſeiner Haſt verrieth ſi klar, | Er fann, vorauf der ganzen Schar, Die erſten Tjoſte zu erjagen; Die Aventüre hört is ſagen. ' | 25 Der Knappe ſprah zu Gawan hier: j nHerr , euern Urlaub gönnet mir.“ Y | Er wandte ſeinem Herrn ſi zu. | Was wollt ihr nun, daß Gawan thu? ' Soll er niht bei dem Tanze ſein? Ein Bedenken {uf ihm ſcharfe Pein: 350 Er datte: „Soll ih kämpfen ſehn, Und ſolls von mir niht auh geſchehn, So. iſts um meinen Preis gethan. Und fang ih erſt zu kämpfen an,
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D UND DETIGLIIE IReS e y H So muß i< mit Grunde | Auf allen Preis verzichten. f
: Nein, ih bleibe hier mit Nichten; , | Jh folge meinem Kampfgebot."“ |
10 Verwi>elt wurde ſeine Noth: | Zu bleiben bis ſein Tag erſchien, | Allzugefährlih daucht' es ihn;
Und doh war hier niht dur<zukommen. | „Nun mag mir Gottes Hülfe frommen,
15 Daß ih beſtehe wie ein Mann.“ | Gen Beauroſche ritt Gawan.
So vor ihm lagen Burg und Stadt, Daß Niemand beßern Wohnſiß hat. | Er ſah ſie glänzend gläften , |
20 Eine Krone aller Veſten, |
Mit ſtarken Thürmen wohlgeziert. Son war das -äußre Heer quartiert | Vor der Stadt auf den Plan. | Da erſah Herr Gawan | 26 Man rei geſhmü>ten Zeltbering. | Die Ho<hfahrt war da nicht gering! Von Panieren mannigfalt | Sah er einen ganzen Wald, | Und fremden Pöbel aller Art. Mit Zweifel war ſein Muth gepaart; 351 Der legt’ ihm ſcharfe Foltern an: Mitten hindur< ritt Gawan. | Eine Zeltſchnur die andre drang Das weite breite Heer entlang. | 5 Da ſah er wie fie lagen,
Was der, was jene pflagen.
Wer zu ihm ſpra< Bien ſois venü, |
Dem gab er Antwort Grand Merzi. |
In großer Rotte dorten lag |
10 Ein Söldnerheer von Semblidag; | _ Von Bogenſchützen lag dabei
Ein Geſchwader au< aus Kahetei. |
Unbekanniſchaft zeugt oft Haß,
An König Lotens Sohn bewies fi das:
15 Da ihn zu bleiben Niemand bat,
Gawan wandte fi zur Stadt.
Ex dachte: „Muß ih Schmuggler ſein, |
So berg ih vor Verluſt was Mein
| 20 Auf Gewinn will i< niht finnen, | Rur das Meine zu erhalten , y Will das Glü> mir freundlih ſchalten.“ | Zu einer Pforte ritt er hin: y Was er da ſah, bekümmert’ ihn. | 95 Die Bürger hatt es niht gedauert, _ | Jhre Pforten waren all vermauert. | Die Thürme ſtehen wohl verwahrt: e | An jeder Zinne gewahrt Einen Schügen er, die Armbruſt | Gerichtet auf der Feinde Bruſt; 352 Sie flißen ſi< zu trogger Wehr. y Bergauf ritt der Degen hehr. | War er gleich dort unbekannt , Er ritt bis er die Veſte fand. 5 Da durften edler Fraue | Seine Augen viel erſchauen. | Gekommen war des Wirths Gemahl | Sich umzuſchauen auf den Saal | Mit ihren ſhönen Töchtern zwein; 10 Ihre Farbe hatte lichten Schein. | Wohl hat er ihr Geſpräch vernommen: | „Wer mag uns da zu Hülfe kommen ?“ | Spraq die alte Herzogin: | „Wo will er mit den Säumern hin?“ | 15 Da hub die ältre Tochter an: | „Mutter, es iſt ein Kaufmann.“ — „Er führt do< manchen Schild daher.“ — | „Das thun der Kaufleute mehr.“ | Die Jüngere verſetzte da: | 20 „Du zeihſt ihn was wohl nie geſchah, | Schweſter , deſſen ſchäme dich: Er war nie Kaufmann ſicherlich. Er i} ſo minniglih und hold, Zum Ritter ih ihn haben wollt. : £5 Er mag um Dienſt hier Lohn begehren: y J< will ihm Lieb und Lohn gewähren.“ Da ſah ſein Jngeſinde, | Daß bei Oelbäumen eine Linde y Unten an der Mauer ftund: | Das dauhte ſie ein licber Fund. 353 Was meint ihr, daß geſchehen werde ? | Herr Gawan ſhwang fich vom Pferde,
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Wo er willklommnen Schatten ſah. Sein Kämmrer ſäumte nicht, ihm da 5 Matraz und Kiſſen hinzulegen : Drauf ſette ſich der ſtolze Degen; Ein Heer von Frauen ſah3 von Oben. | Von den Saumthieren hoben Die Knappen Rüſtzeug und Gewand. 10 Wo fſi ſonſt ein Baum noch fand, : Da nahmen Herberg im Schatten Die ihn dahin begleitet hatten. i * Die alte Herzogin begann : „Tochter , welher Kaufmann | 15 Wüſte ſo ſi zu gehaben? Du unterſhäßteſt ſeine Gaben.“ Da ſprach die junge Obilot: | „Unart ihr no< mehr gebot: Durch Hochmuth verlezte ſie 20 Den König Meljanz von Li, Der fie um Minne wollte bilten: Das ſind unfeine Sitten.“ Obie ſprach dagegen, Unmuth mote ſie bewegen : 25 „Ih kann ſo viel niht an ihm finden: | Ein Weéhsler figt dort an der Linden; Er wird ein gut Geſchäft hier machen. | Den Goldſchrein hütet glei<h den Drachen Dein Ritter, närrſhe Schweſter mein : | Er will ſein Wähter ſelber ſein.“ 354 Jn Herrn Gawans Ohren | Ging kein Wort verloren. Nun laßen wir die Rede bleiben | Und ſehen was die Städter treiben. | 5 Ein ſchiffbar Waßer floß vorüber ; ] Von Stein ging eine Brü>e drüber : j Dort war noch unverheert das Land, 5 Da der Feind der Stadt im Rüd>en ſtand. Ein Marſhall angeriiten kam, 10 Der vor der Brü>e Herberg nahm Auf einem Felde groß und breit. Sein Herr kam auch zur rechten Zeit Und die Andern, die noh ſollten kommen. Ich ſag euh, habt ihrs niht vernommen, 15 Wer dem Wirth zu Hülfe ritt, Und wer für ihn mit Treue ftriit: -
| Ihm kam von Brevigariez | Séin Bruder Dük Marangliez ; | Und dem zu Lieb zwei Ritter ſ{hnell, | 20 Der werthe König Schirniel , | Der die Krone trug zu Lirivoin , | Und ſein Bruder, Herr zu Avendroin. Als die Bürger ſahen, | Ihnen folle Hülfe nahen, 26 Was mit Aller Willen war geſchehn , | Sqhien ihnen jezt ein groß Vetkſehn. Da ſprach der Herzog Lippaut: „Weh daß Beauroſh den Tag erſchaut , | Wo ihm vermauert find die Pforten. Doh wenn ih meinem Herren dorten : /355 Im offnen Feld entgegen ſtünde, | So würde Tapferkeit zur Sünde. Mir ziemt’ und frommte ſeine Huld | Mehr als ſein Haß ohn alle Schuld. 5 Eine Tjoſt ſteht meinem Schilde ſhle<t, “Die mein Herr mir fößt im Zwiegefeht; | Ungern auch verleyt mein Schwert Den Schild ihm, meinem Herren werth! | Wenn ein kluges Weib das lobt, 10 Die hat ſi< allzulos erprobt. e Geſegt, ih hätte meinen Herrn In meinem Thurm: i löſt’ ihn gern | Und ginge mit in ſeinen. Wie er mi wollte peinen , 15 Jh ſtünd ihm gänzlih zu Gebot. Danken gleihwohl muß ih Gott, Daß ih noc ungefangen, Da Lieb und Zorn ihn zwangen, Daß er mich hier umlagert hat. E 20 Gebt mir einen weiſen Rath : Sprach er zu den Bürgern nun, | „Was in ſolcher Noth zu thun‘ Wohl ſpra<h da mancher werthe Mann : „Säh der König eure Unſchuld an, . | 25 So ftünd es anders hier zur Stundc.“ Sie riethen ihm aus Einem Munde, Daß er die Pforten aufthäte, | Und -die Beſten alle bäte y Zur Tjoſt hinaus zu reiten. | „Laßt uns offen ſtreiten, 356 Statt von den Zinnen uns zu wehren,
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Mit Meljanzens beiden Heeren. Es ſind doh meiſt nur Kinde In des Königs Heergefinde.
5 Vielleicht, daß wir ein Pfand uns fangen: So ift oft ſhon großer Zorn vergangen. Wenn er Ritterſchaft hier thut,
So legt fi< wohl ſein Unmuth, Daß er aus dieſer Noth uns nimmt
10 Und ſeinen Zorn herunterſtimmt. In der, Feldſchlacht lieber ſterben Als vermauert hier verderben.
Es3 ſollt uns wohl gelingen Vor ihren Zeltberingen,
15 Wär Poidikonjonz niht ſo ſtark: | Dem folgt des Heeres Kern und Mark. | Dann müßen wir zumeiſt erbangen |
: Vor den Britten, die er hält gefangen: Sie führt der Herzog Aſtor,
20 Der kämpft im Streit den Andern vor. ' Dann if} ſein Sohn Meljakanz: M Hätte Den erzogen Gurnemans,
So mehrte \ſi< ſein Preis erſt re<ht , Und ſo ſchon ſcheut er kein Gefecht.
25 Doch auh Uns i} Hülfe jezt gekommen.“ Nun habt ihr ihren Rath vernommen.
Der Herzog that wie man ihm rieth: Die Maur er aus den Pforten ſchied. Um Kraft und Muth unbetrogen Die Bürger aus den Pforten zogen,
357 Hier Eine Tjoſt, die Andre dort. Auch zog das fremde Heer ſofort Der Stadt zu mit hohem Muth; Jhr Vesperſpiel wurde gut.
5 Zu beiden Seiten zahllos Heer:
Die Knappen riefen hin und her; Wälſh und Schottiſch her und hin Und durcheinander ward geſchrien. Von Ritterthat wär viel zu melden:
10 Waidlich verſuchten fih die Helden.
Es waren meiſtens wohl nur Kinde ] In des Königs Heergeſinde,
Die doch viel kühne That begingen , Die Bürger auf dem Saatfeld fingen. |
15 Der ein Kleinod nie von einem Weibe Verdiente, mo<ht an ſeinem Leibe y
Beßer Gewand niht tragen.
Von Meljanz hört' ih ſagen,
All ſeine Rüſtung wäre gut; i 20 Er trug auch ſelber hohcn Muth,
Und ritt ein {öne3 Kaſtilian,
* Das einſt Meljakanz gewann,
Als er Kei'n ſo ho< herunter trieb, Daß er am Aſte hängen blieb. 25 Das dort Meljakanz erfſtriit, Meljanz von Li wars, der es ritt. Er war voraus ſ{on ſo bekannt , 5 Obiens BVli> hing unverwandt E Vom Saal an ſeinem Ritterſpiel , Wo fie zuſah mit der Frauen viel.
358 Sie ſprahzur Schweſter: „Sieh doch, Kleine, Fürwahr , mein Ritter und der deine Begehn hier ungleiche That.
Der deine wähnt, daß wir die Stadt 5 Und die Burg verlieren ſollen; Andre Wehr wir ſuchen wollen.“ Die Junge muſt ihr Spotten tragen. Sie ſpra<: „Man ſoll an niht3 verzagen: Ich trau es ſeiner Kraft noh zu, 10 Er ſchaff vor deinem Spott fih Ruh.
| Mag er mit ſeinem Dienſt mich ehren, Dafür will ih ihn Freude lehren:
| Da du ſagſt, daß er ein Kaufmann ſei,
| Meinen Lohn erhandeln mag er frei.“
15 Von dem Streit der Jungfraun über" ihn Ließ Gawan fi< kein Wort entfliehn. Ohn einen Laut zu ſagen
« Muſt ers geduldig tragen.
| Soll ſih ein lauter Herz niht ſ{ämen,
20 Das muß der Tod von hinnen nehmen.
; Das große Heer noch ftille lag,
| Deſſen Poidikonjonz pflag.
' Nur Ein werther junger Mann Nahm Theil am Streit mit ſeinem Bann:
25 Der Herzog von Lanveronz. Da kam Poidikonjonz ; Auch nahm der altweiſe Mann Sie allzumal mit ſi< hindann: Vorüber war das Vesperſpiel , Um werthe Fraun geſtritten viel.
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359 Da ſpra< Poidikonjonz | Zum Herzogen von Lanveronz: | «Was harrt Ihr mein niht, wie's gebührt, Wenn Ehrgeiz in den Kampf eu führt ?
56 Wähnt ihr, das ſei wohlgethan ? } Hier iſt der werthe Lahduman | Und mein Sohn Meljakanz : | Kommen die zwei in den Tanz, ' Und ih, ſo mögt ihr Streiten ſehn, y
10 Wenn ihr Streit könnt prüfen und verſtehn. J< komme niht von dieſer Statt,
I< mah eu< All noh Kämpfens ſalt, Es ſei denn, daß ſih mir mit Beben Weib und Mann gefangen geben.“ }
15 Da ſprah der Herzog Aſtor: ' „Euer Neffe, Herr, ſtritt vor dem Thor, | Der König, und ſein Heer von Li: h Und die Euern, ſollten ſie y Sich inzwiſchen ſhlafen legen ?
20 Wann lehrtet Jhr das eure Degen? ! So ſ<hlaf ih wo man ſtreiten ſoll; | Den Sireit verſhlafen kann ih wohl. | Doch glaubt mir, wär ih niht gekommen, | Die Bürger hätten Preis und Frommen |
25 Davon getragen bei der Fahrt:
Vor Schanden hab ih euh bewahrt. | Um Gott, beſänftigt euern Zorn: | Hier iſt mehr gewonnen als verlorn Von eurer Maſſenie, 5 | Wills geſtehen Frau Obie.” | 360 Wohl muſte Meljanz, ſeinen Neffen, | Poidikonjonzens Zorn noh treffen, | Doch trug der werthe junge Mann | Manthe Tjoſt dur ſeinen Schild hindann. 6 Sein neuer Preis darfs nit beklagen. y Run höret von Obien ſagen. Die erwies nun Haß genug Gawanen, der ihn {uldlos trug; Sie erwürb ihm Schande gern und Hohn. 10 Sie ſandte einen Garzon Hin zu Gawan unterm Saal. Sie ſprach: „Geh hin und frag einmal Ob die Roſſe zu verkaufen ſein, Und ob er wohl in Kiſt und S)hrein
16 Führe gutes Kramgewand ? | Wir Frauen kaufens allzuhand.“ l Der Garzon kam gegangen: : Mit Zorn ward er empfangen. | Kaum hat ihn Gawan angebli>t, 20 Als ſein Herz zuſammenſhri>t. ¡ Der Garzon wurde ſo verzagt: | Ungefragt und ungeſagt i Blieb was ſie ihn beſtellen ließ. | Gawan die Rede doh nicht ließ: 26 Er ſprah: „Hallunke, pa>e Dich, | Maulſhellen fürchterlih | Sollſt du haben kreuz und quer, | Kommſt du noh einmal hieher.“ | Der Garzon lief was er konnte; Nun höret, was Obie begonnte : 361 Einen Junker ſchi>t ſie wieder f Zu dem Burggrafen nieder, ' Welcher Sqherules hieß. | „Bitt ihn," \ſprah ſie, „daß er dieß 6b Thu zu meiner Ehre Und ſeine Mannheit dran bewähre. Sieben Nofſe dort am Graben Unterm Oelbaum ſoll er haben, Und noch andern Reichtums viel. e 10 Einen Kaufmann, der uns trügen will Soll er des Gutes pfänden. Jc< getrau es ſeinen Händen , Sie nehmens unvergölten; Auch behält ers unbeſcholten.“ 15 Der Knappe ging hinab und ſagte Worüber ſeine Herrin klagte. „Gilis vor Trug uns zu bewahren ,“ Spra Sqherules , „jo will ih fahren.“ | Da ritt er hin wo Gawan ſaß, 20 Der ſelten hohen Muths vergaß. j Da fand er jedes Fehls Verluſt, | Lichtes Antlig, hohe Bruſt | Und einen Ritter wohlgethan. Sqerules bli>i? ihn prüfend an, 25 Er ſah den Arm, jedwede Hand, Wie Alles ihm ſo adlig ſtand. - „Herr ," ſprach er , „Unſer Gaſt ſeid Ihr; Nicht wohl bei Sinnen waren wir,
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Waß 19r ni<i Herberg längſi empſhingt, | Unſre große Schuld ifs unbedingt. | 362 Jh will nun ſelber Marſchall ſein ; Leut und Gut, und Was nur mein, Das ſoll eu< ganz zu Dienſten ſtchn. Keinen Wirth hat je ein Gaſt geſehn, 5 Der ihm ſo gern iſ unterthan.“ „Großen Dank, Herr,“ ſprah Gawan. „Richt verdient!’ ih Solches noh; Gerne folg ih eu< jedoch.“ Scherule3, den Tadel mied, 10 Sprach wie ihm die Treue rieth: „Da cs Mir zu thun verbleiben muſte, Y Wohlan, ih {üg eu< vor Verluſte, Es beraub eu< denn das äußre Heer: Dann ſteh ih mit eu< wohl zu Wehr.“ 15 Er ſpra< mit frohem Munde Zu den Knappen in der Runde: „Hebt auf das Rüſtzeug allzumal: Wir wollen nieder in das Thal.“ Gawan fuhr mit ſeinem Wirth. 20 Obie, auh hiedur< ungeirrt , @ Shi>t’ ein Spielweib als Geſandte Zu ihrem Vater, der ſie kannte: „Geh und ſag ihm Wort für Wort: Ein Falſhmünzer reite dort 26 Und führe bei ſi< großes Gut. Bitt ihn (da er do die Flut Von Knechten habe, deren Sold Roſſe ſei’n, Gewand und Gold), Ihnen Dieſen Preis zu geben: | Jhrer Sieben hätten ſo zu leben.“ 363 Sie ging und ſagt’ ihm unverhohlen Was ſeine Tochter ihr befohlen. Wer in Fehden i} befangen, Kann Der reiche Beute fangen, 6 Die nimmt er ohne Weigern an. Lippaut, den getreuen Mann, Die vielen Söldner drängten ihn: Da dacht er wohl in ſeinem Sinn: „Ih muß dieß Heil gewinnen, 10 Er ſoll mir niht entrinnen.“ Alsbald verfolgt’ er den Degen. | Da kam ihm Stherules entgegen |
' UND [TUg (n. „Wert, DOIN 19 1E „Einem Betrüger reit ih nach: 16 I< höre von ihm ſagen, Falſ<h Geld hab er geſchlagen.“ Squldlos war Herr Gawan ganz; Nur ſeinen Roſſen galt der Tanz, Seinem Gold und ſeinen Sachen. 20 Stherule3 muſte lachen. Da ſpra<h er: „Herr, ihr ſeid betrogen, Wer es euch ſagte, hat gelogen, Ob es Weib ſei oder Mann. Unſchuldig iſ mein Gaſt hieran; 26 Lernet jetzt ihn anders preiſen : Keine Münze hat er aufzuweiſen. Wollt ihr der re<ten Märe lauſchen, Er kann niht we<ſeln, kann niht tauſchen. Seht ihn nur an, vernehmt ſein Wort; Er iſ in meinem Hauſe dort. 5 364 Kennt ihr ritterlihes Weſen, | So mögt ihr hier nur Gutes leſen : | Er war auf Falſchheit niemals aus. | Wer ihn des zeihen will durhaus, 5 Wärs mein Vater, wärs mein Kind, | Alle die ihm feindgefinnt, | Mein nähſter Freund, mein Bruder, | Müſte des Kampfes Rudcr | Wider mi ziehn: ih will ihn wehren, / 10 Alle Unbill von ihm kehren, | Wenn Ihr mich, Herr, niht drum verdammt. | In ‘einen Sa> aus Schildezamt | Wollt ih mi<h lieber ziehen, In eine Wüſte flichen 7 15 Zu unbekanntem Lande Eh ihr eure Schande Solltet, Herr, an ihm begehn. | Gütlih, würd euh beßer ſtehn : Sie zu empfangen, die da kommen, 20 Weil ſie von eurcr Noth vernommen, Als daß ihr ſie berauben wollt ; Das meidet, Herr, ih bin euh hold.“ Da ſprach der Fürſt : „Laß mich ihn ſehn. | Ihm ſoll nihts Arges geſchehn.“ 26 Sie ritten wo ſie Gawan fanden: | Zwei Augen und ein Herz geſtanden | (Tie kamen Lippaut zugeſellt), i : |
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Daß der Gaſt ein edler Held, Und rechter mannliher Sinn Aus ſeinen Geberden ſcien. 365 Wen jemals wahrer Liebe Drang Zu herzliher Minne zwang — Herzlieb? iſt wohl dafür bekannt, Daß fie .das Herz als Minnepfand 5 So verſezet und verpfändet , Kein Mund es je vollendet y Was Minne Wunder wirken kann. | Es ſei Weib oder Mann, Sie ſhwächt an klugem Sinne ; 10 Oft herzliche Minne. | Obie und Meljanz, | Die beiden liebten fi ſo ganz | Und gar mit ſol<hen Treuen , Sein Zorn ſollt eu< niht freuen, 15 Der fie verzürnt hat und entzweit. Nun gab ihr Trauer ſoles Leid, Zum Zorne ſtimmt’ es ihre Huld. Das büßte Gawan ſonder Schuld Und andre, die es mit ihm litten. 20 Sie fiel aus weiblichen Sitten, Jhre Sanfſtmuth trübte ſich mit Zorn. Es war ihr beider Augen Dorn, Wo fie den werthen Mann erblidte. Ihrem Herzen , das Meljanz entzüte, 25 Sollt er durchaus der Höchſte ſein. Sie dachte: „Bringt er mi in Pein, Für ihn will ih fle tragen — Der ganzen Welt entſagen Für den werthen jungen ſüßen Mann: Das hat das Herz mir angethan.“ 366 Da oft aus Zorn die Minne ſprit, - So tadelts an Obien nicht. | Nun höret ihren Vater an: Al8 er den werthen Gawan 5 In ſeinem Land willkommen hieß, Zu ihm begann und ſprach er dieß: E nHerr, daß ihr hergekommen, Mag uns zum Heile frommer. Jc bin gefahren manche Fahrt, 10 Kein Antlig hab ih je gewahrt, Das mir ſolche Freude bot. In dieſer ängftlihen Noth
Soll uns eurer Ankunft Tag | Tröſten, der wohl tröſten mag.“ 15 Er bat ihn: „Thut hier Ritterſchaft. Fehlt eu<h Harniſh, Schild und Schoft, | Das laß ih euh bereiten, | Herr, wollt ihr für uns ſtreiten.“ Da ſprach der werthe Gawan: 20 „Jh wär dazu ein willger Mann; . Jh bin geſund und wohlgerliſtet — Doth ſtreiten darf ih, wie mi lüſiet, Nicht vor beſtimmtem Tage. Sieg oder Niederlage 26 Wollt ih für eu< erleiden ; - Doch muß ih es vermeiden, | Herr, bis der Kampf geſchlihtet, | Dem ih theuer bin verpflichtet , Wo ih bei aller Werthen Gruß Mich mit dem S<hwerte löſen muß 367 (Mich führt dahin die Straße), Wenn ih nicht das Leben laße.“ Das war Lippaut ein Herzeleid. uHerr, bei eurer Würdigkeit, 6 Eurer höfſhen Zucht und Huld, Vernehmet meine Unſchuld. | Zwei Töchter hab ih, ſie find | Mir lieb; wer liebte niht ſein Kind? Was mir an denen Gott gegeben, 10 Damit will i< in Frieden leben. Wohl mir, auh des Kummers wegen, Den ich jezt um ſie muß hegen! Den trägt jedo< die Eine- Mit mir in engerm Vereine; 15 Nur find wir darin entzweit: Ihr thut mein Herr mit Minnen leid Und mir mit Unminne. Wenn ih mich recht befinne, | So thut mein Herr Gewalt mir an, 20 Weil ih keinen Sohn gewann. j Mir ſollen Töchter lieber ſein; ! Was thuts, erleid ih dieſe Pein ? | Ich will fie mir zum Heile zählen. y Wer mit der Tochter einſt ſoll wählen, ! 26 Jt ihr verboten glei< das Schwert, y Sie weiß {hon wie ſie ſonſt ſi< wehrt | Sie wird ihm würdigli<h erwerben
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Einen wa>ern Sohn zum künftgen Erben. Darauf iſ au< mein Sinn geſtellt,“ „Das gewähr eu<h Gott,“ ſo ſprach der Held. 368 Lippaut der Herzog bat ihn ſehr: „Um Gott, Herr, bittet mih niht mehr,“ Spra da König Lotens Sohn, aBei eurer Zucht, laßt ab davon, 5 Daß ih niht Treue müß entbehren. Eins jedo< will ih gewähren: Es zu erwägen dieſe Nacht; Dann hört ihr wie i< mi< bedacht.“ | E Der Fürſt ihm dankt? und ging zur Hand; 10 Zu Hof er ſeine Tochter fand, Und. des Burggrafen Töchterlein ; Die beiden ſhnellten Ringelein. Da ſprach er Obiloten zu: „Von wannen, Tochter, kommſt du?“ — | 15 „Zur Stadt, Vater, will ih. ! Er gewährt mirs ſicherlich: E ' I< will den fremden Ritter bitten, | Daß er mir dient na< Ritters\ſitten.“ „So ſei dir, Töchterlein, geklagt: 20 Er hat mir zu- no abgeſagt; Doh unterſtlize meine Bitte.“ Sie lief zum Gaſt mit ſchnellem Sqhritte. Da ſie in ſeine Kammer ging, | Aufſpringend Gawan fie empfing; , 25 Hin zu den Süßen ſet er ſh, | Und dankt’ ihr, daß fie minniglih Ihm bei der Schweſter Beiſtand bot. Er ſprach: „Litt je ein Ritter Noth Um ein ſo kleines Fräulein , So ſollt ihs auh geſonnen ſein." 369 Die junge ſüße klare Maid Spra da ohne Schüchternheit : „Wie mir Gott bezeugen kann, So ſeid ihr, Herr, der erſte Mann, 5 Der je mein Sprechgeſelle ward. I} meine Zucht dabei bewahrt Und au< mein verſhämter Sinn, | Das giebt mir freudigen Gewinn, | Denn meine Meiſterin ſpra<, 10 Die Rede wär des Sinnes Dach.
| uHerr , ih fleche Eu< und Mich; | Wahrer Kummer nöthigt mich: | JI will ihn nennen , wenn ihr wollt. Seid mir darum niht minder hold; 15 J< wandle do< des Maßes Pfad, | Da ich zugleih mich ſelber bat: | Jhr ſeid in der Wahrheit Jh, Scheiden au< die Namen \<h. Nehmet meinen Namen an, 20 So ſeid ihr Maid zuglei< und Mann. Drum hab i< Euch und Mich begehrt. Laßt ihr mi, Herr, nun ungewährt Und beſchämt von hinnen gehn, So muß dafür zu Rede ſtehn 25 Euer Preis vor eurer wahren Zucht, Daß eine Magd umſonſt geſucht Euch zur Hülfe zu bewegen. It euh, Herr, daran gelegen, Ih will euch geben Minne Mit Herzen und mit Sinne. 370 „Habt ihr mannlichen Brauch, ' So weiß ih, Herr, ihr dient mir au; | Seht, i bin wohl Dienens werth. Wohl hat mein Vater {on begehrt , | 6 Daß ihm Freund’ und Vettern Hülfe ſenden: Das braut eu< doh niht abzuwenden, Nein, dienet uns um meinen Lohn.“ Er ſpra<h: „Frau, eures Mundes Ton Will mich von Treue ſcheiden : | 10 Wollt ihr mir Treu verleiden? | Da ih Treu zum Pfande bot, | Löſ ih ſie niht, ſo bin ih todt. | Doth ſet auch, daß ih Dienſt und Sinne Richten wolli auf Eure Minne — 5 15 Eh ihr Minne möhtet geben, Müſtet ihr no< fünf Jahr leben; Das iſt für eure Zeit die Zahl.“ Da gedacht er doh, wie Parzival Sich mehr auf Fraun als Gott verließ. : 20 Ihm war als ob der Freund ihn hieß’, Er ſoll’ ihr zu Gebote ſein. Er verſpra< dem Fräulein , Helm und Schild für fie zu tragen. | Sthcrzend hörte ſie ihn ſagen: 25 „In eurer Hand ſei mein S<hwert,
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So jemand Tjoſt von mir begehrt , y Ihr müßt den Buhurd reiten, Für mich tjoſtierend ftreiten. Ob Mi Alle kämpfen ſehn, Doch muß der Kampf von Euch geſchehn.“ 371 Sie ſprah: „Des bin i< gern gewillt: I< bin eur Schirm, ih euer Schild, Ich euer Herz, ih die euh tröſtet, Wie ihr vom Zweifel mich erlöſtet. 5 Jh bin für alle Fälle Eur Geleit und eur Geſelle, Wider Unglü>s Sturm ein Dach, Im Ungemach ein ſanft Gemach. Meine Minne ſoll eu< Frieden geben, 10 Vor Sorge fihernd eu< umſhweben , Daß eure Kraft nichts ſtört noh irrt, Sich zu wehren troy dem Wirth. Jh bin Wirth und Wirthin, - Bin eu< im Streit Begleiterin. 15 Bleibt Jhr deſſen eingedenk, Wird Heil und Kraft eu< zum Geſchenk.“ Da ſprah der werthe Gawan: „Um Beides, Herrin, halt ih an. Da ih eu< ſoll zum Wunſche leben, | 20 Jhr müßt mir Troſt und Minne geben.“ ; Derweil lag ihre kleine Hand ! In der ſeinen feſtgebannt. | Da ſprach ſie: „Herr, ih will nun gehn, Was meines Amts iſ, zu verſehn. 25 Wie zögt ihr ohne meinen Sold? Dazu wär ih eu allzuhold. Meine Sorge ſei, bei Zeiten Euch mein Kleinod zu bereiten: Wenn ihr das tragt, in keiner Weiſe | Weicht euer Preis dann anderm Preiſe.“ 372 Aufbrah die Magd und ihr Geſpiel. Sie erboten ſi< zu Dienſten viel Jhrem Gaſte Gawan. Dankend ſprach der kühne Mann: 5 „Werdet ihr erſt a<tzehn alt, Trüg dann Spere nur der Wald, Der jezt viel ander Holz noch hat, Das iſ eu< Zwein geringe Saat. Da ſo hon eure Jugend zwingt,
| 10 Wenn ihrs zu vollen Jahren bringt, | Eure Minne lehrt no< Rittershänden e Schild und Spere viel verſ<wenden.“ | Mit Freuden ſonder Leide | Fuhren hin die Mägdlein beide. | 15 Des Burggrafen Töchterlein Sprach: „Nun ſagt mir, Herrin mein, Womit wollt ihr ihn begaben? Da wir nichts als Dod>en (Puppen) haben. Wenn meine ſ{höbner wären, 20 Gebt die, i< wills niht wehren, | Und verſchmerze ſie auh balde.“ j Mitten in des Berges Halde Kam Lippaut der Fürſt geritten. | Obiloten und Klauditten | 25 Sah er ſi entgegen gehn: | Er bat ſie beide, ſtillzuſtehn. | Da ſprach die junge Obilot : ! „Vater, mir war nie ſo noth Deiner Hülfe noh; au< gieb mir Rath. Der Ritter thut, wie ih ihn bat.“ 373 „Toter, was dein Sinn begehrt, Das wird dir, hab ih es, gewährt. Heil dem Tag, der di< mir brachte: Wie da das Glü> mir freundlih lachte!“ 5 „So will ih, Vater, dir es ſagen, Dir meinen Kummer heimlih klagen; So thu an mir dann gnädiglih.“ Er hob fie auf ſein Pferd zu ſich. Sie ſprach: „Wo bleibt dann mein Geſpiel ?“ 10 Der Ritter hielten bei ihm viel: Die ſtritten Wer ſie nehmen ſollte, Da ſie ein Jeder haben wollte, Vis endlich Einer fie gewann. Klauditte war au< wohlgethan. | 15 Unterwegs ihr Vater ſpra< zu ihr: | a„OQbilot, nun ſage mir, | Was haſt du für große Noth?“ Sie ſprah: „Ih hab ein Kleinod Dem fremden Ritter angelobt. 20 Da hab ih, fürcht ih jezt, getobt. Hab ih ihm nihts zu geben, Was ſoll mir dann das Leben, Da er mir zu dienen ſi erbot?
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Scham und Schande färbt mich roth, | 25 Wenn ih ihm ni<ts geben kann; Einer Magd war nie ſo lieb ein Mann.“ Da ſprach er: „Tochter, zähl auf mih: | Des nicht darben laß ih dich. Da du Dienſt von ihm begehrſt , | So ſorg ih, daß du ihm gewährſt, | 37A Deine Mutter müſt es denn verdrießen. Möcht uns Heil daraus entſprießen ! O der ſtolze, werthe Mann, Wie zieht er Herz und Sinn mir an! 5 Geſprochen hatt ih nie ihn noh; Da ſah ih heut im S<hlaf ihn doh.“ Lippaut ging zur Herzogin, Obiloten führt? er zu ihr hin. Da ſprach er: „Herrin, helft uns zwein. 10 Laut vor Freude möcht ih ſchrein, Daß Gott mich dieſer Magd berieth, Die mi< von Sorg und Unmuth ſchied.“ Die alte Herzogin begann: („Was heiſht ihr meines Gutes dann?“ 15 „Frau, da ihr uns willfährig ſeid, Obilot begehrt ein beßer Kleid. Sie meint au< wohl, ſie wär es werth, Da ein Solcher ihrer Minne gehri; | Da er ihr zu dienen denkt | 20 Und das Kleinod will, das ſie ihm ſchenkt.“ Da hob des Mägdleins Mutter an: „Der gute, herlihe Mann! J<< weiß, ihr meint den fremden Gaſt; Er glänzt wie Maienſonnenglaſt.“ 25 Sammet von Ethneiſe | Trug da herbei die weiſe; Man bracht’ au< andre Zeuge mit: Pfellel von Tabronit Aus dem Land Tribalibot. Das Gold vom Kaukaſas iſt roth, 375 Daraus die Heiden ſ{<ön Gewand Wirken; mit Kunſtverſtand Legen fie das Gold in Seiden. Da muſte man das Kleid ihr ſhneiden 6b Nach des Herzogs Gebot. Er miſste gern für Obilot Das beſte wie geringſte Tuch. /
Einen Goldſtoff feſt genug Schnitt man an das Fräulein. 10 Jhr muſt ein Arm entblößet ſein: Y Ein Aermel ward davon genommen, Den ſollte Gawan bekommen. Das war ihr Kleinod, ihr Präſent, Pfellel von Naurient, . 15 Fern aus der Heidenſchaft geführt. Jhren re<hten Arm hatt er berührt; Doch noh dem Ro> nicht angenäht : Nie ein Faden ward dazu gedreht. Klauditte bracht ihn alſobald 20 Gawan dem Degen wohlgeſtalt : Da ward er aller Sorgen frei. Seiner Schilde waren drei: Auf einen ſchlug er ihn zuhand. All ſein Kummer verſhwand; 256 Auch entbot ihr großen Dauk der Degen. ! Heil erfleht' er Weg und Stegen : Wo die Jungfraue ging, Die ihn ſo gütlih empfing, | Und ſein wahrnahm minnigli, | Daß aller Kummer von ihm wich. 376 Der Tag war hin, nun kam die Nacht. Veiderſeits ſtand große Macht, Manth wohlbewehrter Ritter gut. | Wär des äußern Heers nicht ſolche Flut, |S Die Innern hätten Wehr genug. | Sie ſte>ten ihrer Legen Zug Ab bei lihtem Mondenſchein. Sie motten wohl erledigt ſein Aller Furcht und Zagheit. 10 Da hatten fie vor Tag bereit Der Zingeln zwölf, von großer Weite ; Die ſhüßten Gräben vor dem Streite. Jede Zingel muſte haben Drei Barbigan, hinauszutraben. 15 Kardefablets von Jamore | Marſchall nahm da vier Thore, | Wo man am Morgen ſah ſein Heer E Kämpfen mit entſhloßner Wehr. i Der Herzog erprobte \i< 20 Selber auh gar ritterlih; Die Wirthin war ſeine Schweſter.
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Er war entſchloßener und feſter Als manther ſtreitbare Mann, i Der ſi<h im Streit wohl tummeln kann. | “25 Drum litt er gern im Streiten Pein. Sein Heer zog über Nacht herein. Er kam aus fernem Land gefahren, Denn ſelten pflegi' er ſi< zu ſparen, Wo es Kampfgetümmel galt. Vier Thore wehrt! er mlt Gewalt. 377 Was der Brüde jenſeits lag, Die Scharen zogen ſih vor Tag Zu Beauroſch in die Stadt, Wie Lippaut der Fürſt fie bat, 56 Wogegen Die von Jamor Ueber die Brüde ritten vor. Die Pforten wurden ſo bemannt, Stark genug zum Widerſtand Sah man fie beim Morgenſcheine. 10 Serules erkor ſi eine: Mit Gawan dem Degen gut y Ließ er die niht aus der Hut. Man hörte da von Gäſten | (Das waren traun die Beſten) | 15 Beſchwerde, daß ſhon Kampf geſhehn | Wär, von dem ſie nichts geſehn, | Da man das Vesperſpiel gefochten Eh ſie mit tjoſtieren mochten. Gar überflüßig war die Klage: 20 Ungezählt am ſelben Tage Bot man es Allen, die Gelüſten Trugen, ſi< zum Kampf zu rüſten. In den Gaßen ſah man groß Gewühl: Flatternder Paniere viel 256 Zogen allenthalben ein, | Immer noh bei Mondenſchein; Auch manqher Helm, koſtbar verziert (Am Morgen ward damit tjoſtiert) Und manqher Sper von lihtem Stahl. Ein Regensburger Zindal 378 Würde nicht ſehr geprieſen Vor Beauroſh auf den Wieſen: Da fah man Wappenrö>e tragen, Deren Kaufpreis hatte mehr betragen.
56 Die Nacht hielt ihren alten Brauch: Die Tage wich fie endlich auh. Man erkannt’ ihn niht am Lerchenſang; Dröhnend {oll hier andrer Klang ; Das kam vom Kampfgetümmel : 10 Spergekrah, als ob am Himmel Eine Wolk am Playen wär. Da war von Li das junge Heer Im Kampf mit Denen von Lirivoin Und mit dem König von Avendroin. 15 Da erſcholl ſo manche laute Tjoſt | Al3 würfe man auf glühnden Roſt | Kaſtanien , daß fie ſprängen. Avoi , wie ſie ſi< mengen! Wie von den Gäſten ward geritten 20 Und von den Bürgern geſtritten! Der Burggraf und Gawan, Der Seele Heil zu empfahn, Eh ſie zum Kampfe gingen Ließen eine Meſſe fingen; 25 Die ſang ein Pfaffe Gott und ihnen: | Da molten fie wohl Preis verdienen, Denn fie hielten ihr Geſeze. Sie ritten hinter ihre Letze: Die Zingeln nahmen wohl in Hut | Viel der werthen Ritter gut. 379 Das waren Serules Leute; Wader ſtritten die heute. . Was bericht! i< nun no< mehr ? , Poidikonjonz war ſtolz und hehr. 6 Der kam mit ſolcher Heereskraft E Wär im Schwarzwald jedes Reis ein Schaft, Da könnte dihtrer Wald niht ſtehn Als in ſeiner Schar zu ſehn. Er kam ſe<s Fähnlein ſtark geritten: 10 Von denen wurde bald geſtritten. Poſaunen hört man krachend tönen, So pflegt der Donner zu erdröhnen, Wenn er die Welt in Schre>en ſet. Wirbelnd ſtimmten Trommeln jezt 15 Jn der Poſaunen Blaſen. Blieb noh ein Halm am Raſen Unzerſtampft, ſo weiß ichs nicht. Der Erfurter Wingert ſpricht
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Noch von ſolcher Tritte Noth, | 20 Dem manqher Huf Verwüſtung bot. ; Da kam der Herzog Aſtor ! Im Kampf an Die von Jamor. Da fſtahen Spere ſharf geweßt; Da ward manch werther Mann entſetzt 25 Hinters Roſs auf den Aer. Sie ſtritten ſ<harf und water. Da ſcholl viel fremdes Feldgeſchreì , Manch Röjſslein lief im Felde frei, | Des Herr auf ſeinen Füßen ſtund; | Mich dünkt, Dem war Gefälle kund.
380 Da erſah mein Herr Gawan | Sich verflehten auf dem Plan | Die Freunde mit der Feinde Reihn : | Da ſhwang au< Er ſi< mitten drein.
5 Ihm zu folgen hielt da ſ{hwer; Die Rofſe ſhonten doh nicht ſehr - Stherules und die Seinen: Gawan zwang fie ſi< zu peinen. Was er da Ritter niederſtach , 10 Und was er ſtarker Spere brach! Dieſer werthe Tafelrunder , y Lieh? ihm die Kraft niht Gottes Wunder, Des höchſten Preiſes wär er werth; ; Da ward erſhwungen manches Schwert. | 15 Er fragte niht, von wel<hem Heer, y Seine Hand traf Beide ſchwer, Tie von Li und Die von Groſs. Man ſah ihn manch erbeutet Roſs Von der wie jener Seiten 20 Zu des Wirths Panier geleiten. Ob es Jemand wolle, frug er da; Jhrer Viele ſprachen Ja. Manchem wurde Gut verſchafft | Dureh ſeine Kampfgenoßenſchaft. 25 Da kam ein Ritter angefahren, | Der auch niht Spere konnte ſparen ; Von Beauvais der Kaſtellan Und der höfiſhe Gawan : Geriethen aneinander , Daß der junge Liſavander
381 Hinterm Roſs auf Blumen lag:
In der Tjoſt cmpfing er ſolhe Shma<h.
Das thut. mir um den Knappen leid, Der geſtern erſt mit Höflichkeit 5 Gawanen ſagte Märe, | Wie der Zwiſt entſponnen wäre: | Der bog auf ſeinen Herrn ſi nieder. Ihn erkennend, gab ihm Gawan wieder | Das Roſs, das er dem abgejagt. 10 Dank ſpra< der Knapp, ward mir geſagt. Nun ſeht wie dort Kardefablet Selber auf dem Ader ſteht, Auf den- ihn eine Tjoſt gerannt, Gezielt von Meljakanzen3 Hand. 15 Die Seinen hoben ihn empor. Vielſtimmig ward da Jamor Zu hartem Schwertſhlag geſchrien. | Enger ward es rings um ihn, | Da Anlauf wieder Anlauf drang : 20 Und manther Helm betäubend klang. | Zu Hülfe kam ihm Gawan. | Kräftig ſprengt! er heran: | Ueberde>t hatt er ſchier Mit ſeines Wirthes Panier 26 Von Jamor den edeln Mann. Mit ihm wurden auf dem Plan Kühner Ritter viel gefällt. Glaubets , wenn es euch gefällt: | Zeugen ſind mir gar verſagt; Mir hats die Aventür geſagt. 382 Le Komte de Montan erſah Zum Gegner fi< Gawanen da. Eine ſ{höne Tjoſt ward gethan, Davon der ſtarke Lahduman 5 Hinterm Roſs lag auf der Flur. y Sigherheit bezwungen ſhwur y Der ſtolze Degen auserkannt: Die gelobt' er in Gawanens Hand. Zunächſt vor der Zingeln Thor 10 Stritt der Herzog Aſtor: Da gabs Getös und Lanzenſtreit. | Nantes ward oft laut geſchreit : Das war Artuſens Heerzeichen. Man ſah da ſtehen und niht weichen | 15 Man)h vertriebnen Bretaneis; | Die Söldner auh von Deſtrigleis
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UUuU2 Komg Sreden3 Land Matten ſi< da wohlbekannt: Sie führte Duk de Lanveronz. 20 Auch dürfte jcgt Poidikonjonz : Die Bretonen ledig laßen gehn, Die er ſo tapfer heut geſehn. Dem König Artus waren Sie am Berge Klus vor Jahren 1 25 Genommen und hiehergebraht ; Das3 war geſchehn in heißer Schlachk. Sie riefen Nantes nah ihren Sitten Hier und wo fie immer ſtritten ; ¡ Das war ihr Ruf na< altem Brauch. | Son grauen Bart trug Mancher auch. | 383 Dann führte jeder Breton Zum Kennzeichen ein Gampilon Auf dem Helm und auf dem Schild, Alinotens Wappenbild : 5 Der war Artuſens Sohn geweſen. Wie ſollte Gawan hier geneſen? Er ſeufzt’, als er das Wappen ſah, E Weil ihm im Herzen weh geſchah. Seines Oheims Sohnes Tod
10 S<huf Gawanen Herzensnoth.
Er erkannte wohl der Wappen Schein: Seine Augen füllten fi<h vor Pein. Die Bretonen ließ der Held Unbeſtritten auf dem Feld; 15 Mit ihnen kämpfen mocht er nicht; | So ehrt man noch der Freundſchaft Pflicht. | Er ritt zu Meljanzens Heer. ' Die Bürger ſtanden dem zur Wehr, | Man ſagt’ es ihnen billig Dank;
20 Wiewohl es dießmal nicht gelang ' Das Feld der Uebermacht zu wehren : : Da ſah man ſie zum Graben kehren. | Der hier den Bürgern Tjofſte bot,
Der Held war allenthalben roth; 25 Er hieß der Ungenannte, E Weil hier ihn Niemand kannte. Dieß iſts was ih vernommen. Her zu Meljanz gekommen War er erſt vor dreien Tagen. Die Bürger mo<tens wohl beklagen, 384 Daß er Meljanzen ſi verſprach.
Wer gad tm da von Semditdag Zwölf Knappen, bei der Tjoſt ſein wahr Zu nehmen, und in dichter Schar :
5 Was er Spere mot aus ihren Händen Empfahn, die ſah man ihn vèrſhwenden. Seine Tjoſte {hollen hell,
Al3 er den König Sthirniel . Und ſeinen Bruder nahm gefangen. 10 Doch ward no< mehr von ihm begangen, Da er dem Herzog Marangließ ! Gefangenſchaft auh nicht erließ. | Die fing er Alle vor dem Heer; Noth lange ſtand ihr Volk zur Wehr. 15 Meljanz ritt ſelber in den Streit. j Ob er Lieb Wem over Leid y Gethan, ſie muſten All geſtehn: Selten ſah man mehr geſchehn Von einem alſo jungen Mann 20 Als von ihm hier ward gethan. Seine Hand man feſten Schild zerklob, Man ſtarker Sper vor ihm zerſtob , Als Haufen ſi in Haufen ſchloß, Sein junges Herz war ſo groß, 25 Stäts muſt er Kampf begehren. Niemand konnt ihm gewähren Voll und ſatt, das {huf ihm Noth, Vis ihm Gawan Tjoſtieren bot. Gawan zu ſeinen Knappen nahm | Der zwölf Spere Einen von Angram, 385 Die er erwarb am Plimizöl. Meljanzens Ruf war Barbigöl, So hieß die werthe Haupiſtadt Li's. Gawan ſeiner Tjoſt ſi< fliß; 5 Da lehrte- Meljanzen Pein “ Von Oraſte-Genteſein y Der ſtarke Schaft, der gerohrte , Der ihm Schild und Arm durchbohrte. Eine ſ<öne Tjoſt geſhah da wieder: 10 Gawan ſta< ihn flüglings nieder; Dot brach ſein hintrer Sattelbogen , Daß beide Helden ungelogen Hinter den Roſſen ſtunden. E | Da ſhlugen fie ſfi< Wunden | 15 Mit den Schwertern, den hellen. Da ward zwei bäuriſchen Geſellen
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Gedroſchen mehr als genug. | | Des andern Garbe Jeder trug; Die Stüd>e wurden hingeſchlagen. | 20 Einen Sper auh muſte Meljanz tragen: | Der ſtak dem Helden im Arm; Ihm war von blutgem Schweiße warm. Da zog ihn mein Herr Gawan In der Brevigarier Barbigan 25 Und zwang ihn, Sicherheit zu geben: | Die gab er, denn er wollte leben. ! “ Wäre der junge Mann nicht wund, So bald gelobte wohl ſein Mund Sich keinern Helden unterthan; Das ſtünde länger wohl no< an. 386 Lippaut, des Landes Fürſten, Sah man nach Ehre dürſten, Da er mit dem König fo<ht von Groſs. Da muſten beide, Leut und Rofs, 6 Von Geſchüy erleiden Pein, Als die Söldner von Kahetein Und von Semblidag die Schergen Jhre Kunſt niht wollten bergen. Die Schügen ſah man ſ<nell fich {<hwenken; 10 Die Bürger muſten erdenken | Was den Feind von ihren Leyen ſchied. | Sie hatten Schergen a pied: Ihre Zingeln {hügßten die ſo gut | Als die allerbeſte Hut. | 15 Die das Leben dort verlor’n | Entgalten ſhwer Obiens Zorn: | Ihre junge Thorheit | Brachte Manchem Herzeleid. Wes entgalt der Fürſt Lippaut ? | 20 Sein Herr, der alte König Schaut, Häits ihm erlaßen fürwahr. | Müdigkeit befiel die Schar. | Wader ſtritt no< Meljakanz: | War der Shild ihm no< ganz ? ¡ 25 Kaum handbreit war er ihm geblieben. Ihn hatte weit zurüdgetrieben Der Herzog Kardefablet Bis jetzt ihr Spiel zur Neige geht Auf einem blumigen Plan. Da kam dahin au< Herr Gawan.
387 Das brachte Meljakanz in Noth, Daß ſelbſt der werthe Lanzelot | Ihm ſchärfer niht entgegentrat , | Al3 er von der Schwertbrü>e Pfad | 5 Kommend mit ihm hob den Streit. Dem war die Gefängniſs leid, Die Frau Ginover erlitt, | Der die Freiheit er erſtritt. Lotens Sohn kam angeſprengt: | 10 Da war wohl Meljakanz gedrängt, Den Gaul entgegen ihm zu führen. Viel Leute ſahn ihr Tioſtieren. | Wer da hinterm Roſs gelegen? : | Den Der von Norwegen | 15 Geworfen hatte auf die Au. Der Ritter viel und manche Frau, Die dieſe Tjoſt mit angeſchaut, Prieſen Gawan überlaut. Leicht konnten es die Frauen 20 Vom Saal hernieder ſchauen. | Meljakanz ward geſtampft: | Den Rot betrat ihm unſanft Manch Roſs, dem nie mehr Hafer ſhme>te: Schweiß und Blut ihn überde>te. 26 Heut iſ der Roſſe Schelmetag, | Der wohl die Geier ſättgen mag. Da nahm der Herzog Aſtor Meljakanzen Denen von Jamor: Die hätten ihn gefangen ſchier. Vorüber war das Turnier. : 388 Wer da am Beſten hat geritten | Und um der Frauen Lohn geſtritten? Darüber kann ih niht erkennen: | Sollt ih die Beſten alle nennen, 5 Das wär ein allzuweites Feld. | Im innern Heer ſtritt ein Held Ï Für die junge Obilot ; y Im äußern ein Ritter roth: | Die Zween errangen da den Preis | 10 Und gönnten Niemand nur ein Reis. Da der Gaſt im äußern Heer | Gewahrle, daß er Dank niht mehr | Von ſeinem Dienſtherrn mocht empfangen , (Die Städter hielten ihn gefangen),
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15 Ritt er bis er die Seinen ſah. y Zu den Gefangnen ſprah er da: „Ihr Herren gabt mir Sicherheit ; Nun widerfuhr mir hier ein Leid: Von Li der König iſ gefangen. 20 Nun ſeht ob ihr es mögt erlangen, Daß fie für Euch ihn befrein; : So kann ih ihm do< nüglich ſein,“ | Sprath er zum König von Avendroin Und zu Schirniel von Lirivoin 25 Und dem Herzogen von Marangließ, Die er mit dem Gelübde ließ | Zu den Bürgern reiten , | | Daß fie Meljanz befreiten , Wo nict, ihm hülfen zu dem Gral. Da konnten fie ihm allzumal | 389 Nicht ſagen wo der wäre | Al3 daß Anfortas ihn wehre. Da dieſe Rede geſchah, | Wieder ſprach der rothe Ritter da: | 5 „Kann niht geſchehen mein Begchr,
. So fahrt gegen Pelrapär Und bringt der Köngin Sicherheit. | Da ſagt , Der einſt für fie den Streit | Focht mit Kingron und Klamide, |
10 Dem ſei nun na< dem Grale weh | Und zugleih nac ihrer Minne; | Darnalh tra<t ih ſtäts und ſinne. | Al3 meine Boten mögt ihrs melden. | Bewahre nun euh Gott, ihr Helden!“
15 Mit Urlaub ritten ſie hinein.
Da ſprach er zu den Knappen fein: „Uns blieb Gewinn hier unverſagt; Nehmt was von Roſſen ward erjagt Und laßt Mir ſelbſt nur eines, 20 Jhr ſeht wohl, wund i meines.“ Da ſprachen die Knappen gut: „Großen Dank, Herr, ihr thut An uns mit großer Mildigkeit : Wir ſind nun rei für alle Zeit.“ 25 Da wählt' er Eins für ſeine Fahrt, Mit den kurzen Ohren Ingliart, Das Gawanen war entgangen Als er Meljanzen nahm gefangen; Simro<>, Parzival und Titurel.
Hin zogs3 des rothen Ritters Hand: i | Das büßte manhher Schildesrand. 390 Mit Urlaub ſchied der Degen hehr; | Funfzehn Roſſe wo niht mehr | Ließ er den Knappen ohne Wunden:
Sie mochten ihm wohl Dank bekunden.
5 Zu bleiben baten ſie ihn viel;
Doch fern geſte>t war ihm das Ziel.
Hin fuhr der getreue Mann,
Wo er niht oft Gemach gewann,
Denn er ſuchte nur zu ſtreiten.
10 Mich dünkt, zu ſeinen Zeiten Stritt kein Mann ſo viel als Er. Da vertheilte ſfi< das äußre Heer
. Wo es Herberg hoffte’ zu gewinnen. Lippaut unterdes dort innen
15 Frug wie Alles wär gekommen:
Denn er hatte wohl vernommen,
König Meljanz wär gefangen.
Da war es ihm na< Wunſch ergangen ;
Auch ſollte jezt ihm Freude nahn.
20 Den Aermel löſte Gawan
Von dem Sqilde ſonder Zerren .
(Es blühte neuer Preis dem Herren)
Und gab ihn Klauditten.
Am Rand und in der Mitten
25 War er durchſtochen und durhſchlagen:
Sie ſollt ihn Obiloten tragen.
Da ward des Mägdleins Freude groß.
Jhr blanker Arm war noch bloß:
Darüber ſob ſie ihn zuhand.
Sie ſprah: „Wer hat mir dieß geſandt?
391 Wenn ſie vor ihre Schweſter ging,
Die dieſen Scherz mit Zorn empfing.
Den Rittern war Erholung Noth Nach großer Müdigkeit Gebot. 5 Scherules nahm Gawan | Und den Grafen Lahduman | Und was er da der Ritter fand, | Die Gawan mit ſeiner Hand | Des Tags gefangen hatt im Feld, | 10 Wo Manchen niederwarf der Held. Der Burggraf ſegte ſie zumal 10
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Vor ein ritterlihes Mal. : So müd er war, und all ſein Lehn. Man ſah ſie vor ihm dienend ſtehn , 156 Während Meljanz aß, der König; Seiner Haft entgalt der wenig. Das dauchte Gawan allzuviel : nWenn der König es geſtatten will, Herr Wirth, ſo ſizt: was ſollt ihr ſtehn?“ 20 Spra<h der Degen auserſehn Wie ihn edle Zucht bewog. Der Wirth verſagt? es ihm jedoch: „Mein Herr iſt des Königs Mann: Dieſen Dienſt hätt Er gethan, 26 Wenn dem König beliebte, Daß er den Dienſt wieder übte. Aus Zucht vermied mein Herr zu kommen, Weil ihm des Königs Huld benommen. ' Sühn und Freundſchaft ſtifte Gott, . | Und Alle thun wir ſein Gebot.“ | | 392 Da ſprach der junge Meljanz: | a„Jhr bewahrtet ſtäts die Zucht ſo ganz | Als ih hier Wohnſiß hatt erwählt; | Nie hat mir euer Rath gefehlt. | 6 Wie ihr mir riethet, that ih o, | So ſähe man mich heute froh. | Helft mir nun, Graf Scherules, 5 Wohl geirau ih euh des, Bei dem Herrn, der mich gefangen hat * | 10 (Sie thun wohl gern nah Euerm Rath), | Und Lippaut, dem zweiten Vater mein, | Daß ſie mir Gnad und Gunſt verleihn. | JI<< wär in ſeiner Huld geblieben ; Doch hat Obie mit mir getricben 15 Poſſenhaften Thorenſcherz : Das zeigt unweibliches Herz.“ Da ſpra<h der werthe Gawan: ; „Eine Sühne wird hier bald gethan, Die Niemand ſcheidet als der Tod.“ 20 Da kamen, Die der Ritter roth Den Städtern abgefangen, Vor den König hingegangen. Sie ſagten ihm wie Alles kam. Als Deſſen Wappenſchild vernahm
25 Gawan, Der fie beſiegt! im Streit , Und Dem fie gaben Sicherheit , Und ſie ihm ſagten von dem Gral, | Da ſah er wohl, daß Parzival Es war, der Alles dieß gethan. | Seine Augen auf zum Himmel ſahn 393 Und dankten Gott, daß er ſie heut Von einander hielt im Streit. Es war beſheidner Zucht ein Pfand, Daß Beide blieben ungenannt. 5 Sie kannte Niemand hier zur Zeit, | Doth kennt die Welt ſie weit und breit. | Zu Meljanz Scherules begann: „Herr, wenn ih euch erbitten kann, So geruht ihr, meinen Herrn zu ſchauen, 10 Und der Freunde Urtheil zu vertrauen Was beiderhalben gelten ſoll. _ Tragt ihm ferner keinen Groll.“ E Sie billigten den Rath zumal. Da ritten zu des Königs Saal 15 All die Krieger aus der Stadt Wie ſie des Fürſten Marſchall bat. , Da ſpra< mein Herr Gawan Zu dem Grafen Lahduman Und den Andern, die er heut gefangen 20 (Sie kamen All dahin gegangen): nBringet eure Sicherheit , Die ihr mir angelobt im Streit, Meinem Wirthe Scherules.“ Niemand ſäumte fih des: 25 Die Entboinen eilten allzumal Gen Beauroſch auf den Saal. Meljanzen reiche Kleider trug | Die Burggräfin , dazu ein Tuch, Den rechten Arm hineinzuhangen, In den er Gawans Tjoſt empfangen. 394 Gawan dur< Stherules entbot : Seiner Freundin Obilot, Daß er wünſche ſie zu ſehn, Um ihr mit Wahrheit zu geſtehn , 5 Er ſei ihr treulih unterthan; Auth halt! er um den Urlaub an: | „Ih laß’ ihr au< den König hie: | Sie möge ſi bedenken, wie
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Sie alſo mit ihm ſchalte, 10 Daß fie Ruhm davon behalte.“ Die Rede hörte Meljanz : „Obilot wird re<t ein Kranz : Weiblicher Güte. Es leiht mir froh Gemüthe,
15 Daß ih ihr Sicherheit ſoll geben Und in ihrem Frieden leben.“
„Euh fing hier , ſeis eu< nur bekannt, Niemand als des Mägdleins Hand,“ Fiel der werthe Gawan ein;
20 „Ihr gehört mein Preis allein.“
Sqherules kam vorgeritten. |
Man ſah bei Hof nach höfſhen Sitten Weder Mann, Magd no< Weib, Die nicht ſo geziert den Leib,
25 Daß man in ärmlihem Gewand h Des Tages ſelten Jemand fand. | Mit Meljanz zu Hofe ritten | Die ſeine Freiheit zu erbitten Waren in die Stadt geſchi>t.
Schon ſaßen droben wohlgeſ<müd>t 395 Lippaut mit Töchtern und Gemahl.
Die da kamen, traten in den Saal.
Der Wirth dem Herrn entgegenſprang. Groß im Saale ward der Drang 5 Als er Freund und Feind empfing;
Neben Gawan Meljanz ging.
„Konnte fie's von euch erlangen,
Küſſend möcht eu< gern empfangen
Eure alte Freundin:
10 Das iſ mein Weib die Herzogin.“
Zum Wirlhe hub da Meljanz an: „Sern will i< Gruß und Kuſs empfahn Zweier Frauen, die mein Aug erſieht; Der dritten Sühne nicht geſchicht.“ 15 Die Aeltern weinten bitterlich; Obilot nur freute ſi. « Mit Kuſs der Fürſt empfangen ward Und noh zwei Könge ſonder Bart, Dazu der Herzog Marangließ ;
20 Aut Gawanen man ihn nit erließ.
Seine Herrin ward ihm vorgeführt : |
Er zog das ſchöne Kind gerührt Wie eine Do> an ſeine Bruſt ; Dazu zwang ihn freundliches Geluſt. 25 Zu Meljanz ſprah er von der Maid: „Eure Hand verſprah mir Sicherheit: | Die gebet dieſem Mägdlein jezt. Alles was mein Herz ergeht Sigtet zu der Rechten mein: | Ihr Gefangner ſollt ihr ſein.“ 396 Als da Meljanz näher kam, Gawanen bei der Hand fie nahm: Das ſahn viel Ritter kühn im Streit. 5 „Herr König, Unrecht thatet ihr, | Wenn ein Kaufmann i} mein Ritter hier, | Wie meine Schweſter hat gewollt, Daß Jhr Fianz ihm habt gezollt.“ : So ſprach die junge Obilot. 10 Meljanzen fie darauf gebot , Er ſolle Sicherheit geloben, | Und zwar Hand in Hand geſchoben, | Jhrer Schweſter Obie. | „Zur Herrin und Amie 15 Habt ſie mit Gottes Segen; Zum Ami und Herrn dagegen | Soll Sie euh haben immerfort: Gehorchet Beide meinem Wort.“ Gott ſprah aus ihrem jungen Munde. 20 Jhr Gebot geſchah zur Stunde. | Da meiſterte Frau Minne (Wohl hat die Kraft und Sinne) | Im Bund mit herzlicher Treu Der Beiden Minne wieder neu. 25 Obiens Hand dem Kleid entſhlüpfte, Meljanzens Armbinde lüpſte: Mit Weinen küſst? ihr rother Mund Ihn, der von der Tjoſt no< wund. Mane Zähre ſeinen Arm begoß, Die ihr aus lihten Augen floß. 397 Wer macht ſie vor dem Volk ſo dreiſt? Die Lieb ermuthigt allermeiſt. Lippaut ſah ſeinen Wunſch vollbracht : Er hatte Liebres nie erdacht, 5 Da ihm Gott die Ehre zuerkannte, Daß er die Tochter Herrin nannte.
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Wie man die Hochzeit beging Fragt Den, der Gabe dort empfing, Und Die beim Feſte ritten.
10 Ob fie ruhten oder ſtritten, Das if mehr als i< berichten kann. Man ſagte mir, daß Gawan Auf dem Saale Urlaub nahm, Zu dem er Urlaubs willen kam.
15 Wohl weinte Obilot da viel.
- Sie ſpra<: „Nun führt mi<h mit euh hin.“
Da ward der jungen ſüßen Magd Von Gawan dieſer Wunſch verſagt.
' Die Mutter kaum ſie von ihm brach, | 20 Als er des Abſchieds Worte ſprach. , Nippaut, der holdes Herz ihm trug, | Der bot ihm Dienſte da genug. | Scherules, ſein ſtolzer Wirth, | Mit den Seinen nict verſäumen wird, | 25 Den Helden zu geleiten: | Es ging dur< Walde3weiten. | Drum ſandt' er Jäger vor mit Speiſe | Ihn zu verſorgen auf der Reiſe. Urlaub nahm der Degen werth: Mit Kummer war Gawan beſchwert.
Antikonie
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398 Wer auch gen Beauroſh war gekommen, Doch hatte Gawan da genommen Den Preis allein auf beiden Seiten; Nur Ein Ritter könnt ihn ihm beſtreiten, 5 Bei rothen Wafſen unbekannt, Des Preis die höchſte Höhe fand.
Gawan hatte Ehr und Heil, An beiden ſeinen vollen Theil ; Nun naht’ auh ſeines Kampfes Zeit. 10 Lang war der Wald und weit, | Den er hatte zu dur<ſtreichen, Dem Kampf nicht zu entweichen ,
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Zu dem er ſchuldlos war erwählt; Da Ingliart ihm leider fehlt, 15 Sein Roſs mit kurzen Ohren: Zu Tabronit von Mohren Ward nie ein beßer Roſs erſprengt. j Nun ward der Wald bunt gemengt, Hier ein Buſh und dort ein Feld, 20 So ſhmal no< manches, daß ein Zelt Plag kaum fände dazuſtehn. Gebautes Land dann ſollt er ſehn, Das hieß mit Namen Askalon. Da fragt’ er nah Schamfanzon 25 Alle Leute, die er fand. Hoch Gebirg und ſumpfig Land Hatt er ſhon durhmeßen viel. Eine Burg ihm in die Augen fiel, Die glänzte ſhön im Sonnenſchein ; y Da kehrte dieſer Fremdling ein. ] 399 Nun hört von Avenlüre ſagen | Und helft mir auh dabei beklagen | Gawanens großen Kummer. | Ob ih weiſer ſei ob dummer, | 5 Doch thut es aus Geſelligkeit | Und trauert mit mir um ſein Leid. | O weh, nun ſollt ih ſhweigen; Dog nein, laßt ihn \i< neigen, ] Der ſonſt das Glü> herbeigewinkt, ] 10 Und jezt in Ungemach verſinkt. ] Die Burg war ſo ſtolz und hehr, y Daß Karthago nimmermehr So herlih vor Aeneas ſtand, Als Tod um Minne Dido fand. 15 Meld ih euh wie mancher Saal Da prange, all der Thürme Zahl ? Sie genügten wohl für Akraton, E Die Stadt, die nah Babylon Den weitſten Umfang gewann, 20 Wenn man den Heiden glauben kann. Sie war ſo ho< im Kreiß umher | Und wo ſie abſhoß na< dem Meer, y Sie brauchte keinen Sturm zu ſheun Notch ungefügen Haßes Dräun. y 2ö Meilenbreit lag ein Plan Vor ihr: darüber ritt Gawan.
| Fünfhundert Ritter oder mehr | (Einer war vor Allen hehr) Entgegen kamen ihm geritten In lichten Kleidern wohl geſchnitten. 400 Wie mir die Aventüre ſagte, Jhr Federſpiel den Kranich jagte Oder was vor ihnen flog. Ein ſpaniſh Streitroſs ſchnell und hoh 5 Ritt der König Vergulacht ; Sein Bli> war Tag wohl bei der Nacht. Sein Geſchleht entſandte Mazadan | Aus dem Berge Feimorgan ; FF Denn er ſtammte von den Feien. | 10 Als ſähe man den Maien | Vlühen in der Roſenzeit , | So war des Königs Lieblichkeit. y Wohl bedauhte Gawan, Da er ſo blühend ritt heran, 15 Es wär der andre Parzival, Oder Gachmuret dazumal Als er, wie dieſe Märe wciß, Einzug hielt in Kanvoleis. Zu einem ſumpfgen Weiher 20 Vor Falken floh ein Reiher. Der König der die Furt nicht fand, Als er den Falken beiſtand, Wurde naß in dem Moor. Sein Roſs er no dazu verlor 25 Und ſeine Kleider allzumal (Doch die Falken ſchied er von der Qual); y Die Falkner nahmen Alles hin. | War ihnen ſol<hes Recht verliehn? h Es war ihr Recht, ſie ſolltens haben, Es ließ ſi aus dem Recht nicht ſchaben. 401 Ein ander Roſs ward ihm gelichn; Auf immer gab er ſeins dahin. Man zog auch ander Kleid ihm an, Da ſeins die Falknerzunft gewann. 5 Da kam Gawan herzugeritten. .Türwahr, da ſah man höſſche Sitten: Man empfing ihn beßer wohl Als man einſt zu Karidol ! Ere>en ſah empfahen, | 10 Da er Artuſen nahen Wollte nah dem Streite
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Und Enit an jeiner Seite War ſeiner frohen Ankunft Zier. Ein Zwerg hait ihn, Malikliſier, 15 In Ginoverens Gegenwart Geſchlagen mit der Geiſel hart: Zu Tulmein muſt er das rächen, Wo im weiten Kreiß ein Stechen Ward um den Sperber angeſtellt. 20 JIder Fils Noit der kühne Held | Wars, der ihm da Fianze bot, Denn anders mied er niht den Tod. Doh laßt es dort und horchet her: j Sicher habt ihr nimmermehr | 25 Schönern Empfang vernommen. : | Weh, das wird \ſ{limm bekommen König Lotens werthem Sohn. Wollt ihr, ſo ſteh ih ab davon i | Euch das Weitre zu berichten: Aus Mitleid will ih drauf verzichten. 402 Dogh vernehmet noh aus Güte, E Wie ein lauter Gemüthe : Fremde Falſchheit konnte trüben. Soll ihs noch ferner üben j 5 Dieſe Mär euch zu ſagen, Werdet ihrs mit mir beklagen. Da ſprach der König Vergulacht: - „Herr, ſo hab ih mirs bedacht : Reitet Jhr zur Burg herein. 10 Kanns mit euern Hulden ſein, | Möcht ih euh weiter niht begleiten. Kränkt eu< jedo< mein Weiterreiten, | So ſei mein Jagen eingeſtellt.“ Da ſpra< Gawan, der werthe Held: - 15 „Herr, Was ihr zu thun geruht, Recht ift immer, daß ihrs thut: Ich ſpare darum meinen Haß, Mit gutem Willen thu ih das.“ Der König ſpra< von Askalon: 20 „Herr, ihr ſeht wohl Schamfanzon. Meine Schweſter wohnt dort, eine Magd: Was je von Schönheit ward geſagt , Davon hat Sie das vollſte Theil. Rechnet Jhr es eu< zum Heil, 26 So wird: mein Bote ſie bewegen,
Euch an meiner Statt zu pflegen. e | Jh komme früher als ih foll, y Denn gern entbehrt ihr meiner wohl, Wenn ihr meine Schweſter ſeht: Ihr klagt niht, komm ih noh ſo ſpät.“ 403 „Ich ſeh Euch gern und gerne Sie. | Doch haben Königinnen nie | Wirthespfliht an mir gethan ,“ i | So ſprach der ſtolze Gawan. © 5 Einen Ritter ſandt er mit ihm ein Und gebot der Schweſter ſein, Ihn zu pflegen, daß die längſte Weile In bedünke kurze Eile. Gawan that wie er gebot. 10 Wollt Jhr, no< \<weig ih großer Noth. Nein, ih will eu< weiter melden. Pferd und Straße trug den Helden Hin zu des Séloßes Thor, - Wo der Pallas ſi verlor. 15 Wer je ein Haus hat aufgeſchlagen, Der wüſte beßer wohl zu ſagen i: Von dieſes Baues Feſte. Welch eine Burg! die beſte, : Die wohl je die Erde trug. 20 Auch war ihr Umfang weit genug. Laßen wir des Schloßbaus Preis, Ob ih mehr zu ſagen weiß Von des Königs Schweſter, einer Magd. Von Jhrem Bau ward viel geſagt; 25 Ich beſchreib ihn wie i ſoll. War ſie \ſ{hön, das ſtand ihr wohl; Hatte ſie den re<hten Muth, Das war zu ihrem Preiſe gut: So mochte ſie an Sitt und Sinn | Wetteifern mit der Markgräfin, A404 Die oftmals von dem Heitſtein | Warf über all die Mark den Schein. | Wohl ihm, ders traulih dort bei ihr Erfahren ſoll! Glaubet mir, 5 Der Kurzweil ſo viel als dort Findet er an keinem Ort. J<< will nur Frauentugend loben, Die ih mit Augen konnt erproben — Die ih rühmen ſoll und preiſen
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2 ZU n>< nitjam erweijen. | Nun vernehm dieß Abenteuer | Ein lautrer Mann, ein treuer.
Was ſoll der Ungetreue? | Mit durhbohrender Reue 15 Verliert er ſeine Seligkeit : Seine Seele duldet ſcharfen Streit. j Auf den Saalhof ritt Gawan Zu der Geſellſchaft heran, Der ihn der König ſendete, 20 Der fih ſelber an ihm ſhändete. Der Ritter führt? ihn zu ihr ein: Da ſaß fie in der Schönheit Schein, Antikonie die Königin. Iſt Frauenehre Hochgewinn, 25 Stäts hat ſie ſolhen Kauf geſ<hloßen, Zu aller Falſchheit ſa verdroßen, Daß fie der Reinheit Preis erwarb. O weh, daß uns ſo früh erſtarb Von Velde> der weiſe Mann! Wer if nun, der ſie loben kann? 405 Als Gawan die Jungfrau ſah, Der Bote ging und ſagt’ ihr da Was ihr der König laße melden. Ungeſäumt ſprach zu dem Helden 5 Die Königin: „Herr, tretet ein. Jhr ſollt mir ſelbſt Zuchtmeiſter ſein: ! Ihr mögt gebieten, mögt mich lehren. Mag ih eu< Kurzweile mehren, Das ſoll wie Jhr gebietet ſein.
10 Da euch mir der Bruder mein Anempfohlen hat ſo wohl, | Ich küfſ eu<, wenn ih küſſen ſoll.
Nach euerm Sinn gebietet nun Ueber mein Laßen und mein Thun.“
15 Mii großer Zucht fie vor ihm ſtund. „Frau,“ \prah Gawan, „euer Mund Sieht ſi< gar ſo kuſslih an,
Euern Gruß und Kuſs will i< empfahn.“ Ihr Mund war heiß und voll und roth,
20 Zu dem Gawan den ſeinen bot. | Der Fremdling küſste fie niht fremd.
Zu dem Mägdlein ungehemmt | Segte fich der werthe Degen. |
Sie durſien ]üßer Rede pflegen 25 Beiderſeits mit Treuen. Oft muſten fie erneuen Er ſein Geſuch, Sie ihr Verſagen; Herzlih wollt er das beklagen. Um Gewährung bat er viel; Sie ſprach wie ih euh ſagen will: 406 „Herr, wofern ihr anders klug, | So bedünk euch dieß genug. | Weil mi der Bruder drum gebeten Vot ih eu<s ſo, daß Gahmureten 5 Anſliſ es nimmer beßer bot, y Meinem Ohm. Wohl um ein Loth | Schwerer wöge no< mein Pflegen, | Wollte man es gründli< wägen. Weiß ih doh, Herr, niht wer ihr ſeid, | 10 Der ihr nach ſo kurzer Zeit i Meine Minne ſchon begehrt.“ j Da ſpra< Gawan der Degen werth: „Wollt ihr das wißen, Königin? Ich ſag euch, Herrin, ih bin 15 Meiner Vaters\<weſter Brudersſohn. Wollt ihr mir ſchenken Minnelohn, ; Meiner Herkunft halb ſäumt niht damit: Die hält mit eurer ſo den Shritt , Daß beid auf gleicher Höhe ſtehn 20 Und Hand in Hand wohl dürfen gehn.“ Die Magd, die ihnen eingeſenkt , Hatte ſchon den Schritt hinaus gelenkt ; Die Fraun, die erſt bei ihr geſeßen, Durften länger niht vergeßen 25 Was ſie draußen muſten pflegen ; Aug der Ritter war niht mehr zugegen, Der ihn der Köngin vorgeſtellt. Da gedachte der Held, Da ſie alle waren draußen, N Daß oft den großen Straußen E 407 Fangen mag ein kleiner Aar. Er griff ihr untern Mantel gar, Die Hüfte rührt! er ihr, ih glaube: Da ward er großer Pein zum Raube. 5 Von der Liebe ſolhe Noth gewann - So die Magd wie der Mann, Daß ſchier ein Ding da wär geſchehn, Hättens üble Augen nicht erſehn.
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Sie waren beide faſt bereit : 10 Sieh, da naht’ ihr Herzeleid! | Herein zur Thüre trat alsbald Ein Ritter blank , weil grau und alt. Jm Waffenrufe nannt er Gawanen: Den erkannt er. 15 Er ſchrie dazu mit lautem Schrei : „Weh o weh und heia hei Meinem Herrn, den eure Hand erſhlug! Doh dünkt eu< das noh niht genug: Seiner Tochter thut ihr hier Gewalt.“ 20 Dem Waſffenrufe folgt man bald: Das war es was auch hier geſchah. Zur Königin ſpra<h Gawan da: „Nun rathet , Herrin, ſaget an: Wie wehren wir uns, wenn ſie nahn? 25 Hätt ih do< nur mein Schwert !“ | Da begann die Jungfrau werth: „Wir müßen ‘uns zur Wehre ziehn, | Dort auf jenen Thurm entfliehn, ' Der bei meiner Kammer ſteht: Vielleicht, daß Gnade noh ergeht.“
408 Hier den Ritter, tort den Kaufmann, | Son hörte fie die Jungfrau nahn, y Und all das Volk aus der Stadt,
Da ſie zum Thurm mit Gawan trat.
5 Noth muſt ihr Freund erleiden. | Sie bat ſie oft, es doh zu meiden: Sie ſchrien und lärmten all ſo toll, Daß es ungehört verſcholl.
Zur Thüre drang der Feinde Heer:
10 Gawan ſtand innerhalb zur Wehr Und hielt vom Leibe ſi< den Troſs. Einen Riegel, der den Thurm verſchloß Brach er aus, ſih zu bewahren.
Seine übeln Nachbaren 15 Zwang er oft, vor ihm zu fliehn. Die Königin lief her und hin Ob fie was fände dort im Thurm Wider der Ergrimmten Sturm. Endlich fand die Reine 20 Eines Scha<hſpiels Steine
Und ein Brett, ſ{<ön und weit:
- Gawanen brate ſie's zum Streit.
y Es hing an einem Eiſenring, Mit dem es Gawan empfing. 20 Auf dieſem viere>gen Schild | War ſchon manchmal Schach geſpielt : | Er ward ihm ſehr verhauen. | Nun hört au< von der Frauen. | Ob König oder Thurm es war, E Sie warf es in der Feinde Schar. 409 Die Bilder waren groß und {hwer ; ' Wohl zu denken i}s daher, Wen ihres Wurfes Schwang getroffen, | Der ſtürzte wider ſein Verhoffen. 5 Wohl ſtritt die reihe Königin Bei Gawanen da ſo kühn, Sie warf ſo ritterlih darein, Daß die Kauffraun nie zu Tollenſtein Zu Faſsna<ht tapfrer ſtritten. 10 Sie thuns nah Narrenſitten Und ermüden ohne Noth den Leib. Wenn eiſenroſtig wird ein Weib Iſſt fie ihres Rechts vergeßen , Weiß ih Frauenzu<ht zu meßen ; 15 Es ſei, daß fie's aus Treue thut. Antikonie war treu und gut: Sie hats zu Schamfanzon gezeigt ; Doch ward ihr hoher Muth geneigt , Im Kampf vergoß fie Zähren. 20 So motte ſie's bewähren, y Daß Liebe ftät und tapfer iſt. Was Gawan that zu ſelber Friſt ? Ließ man ihm nur Muße da, Daß er die Jungfrau recht beſah, 25 Jhre Augen, Mund und Naſen: So wohlgegliederten Haſen : Am Spieße ſahet ihr wohl nie Als ſie dort war und hie, | Um die Hüften, an den Brüſten. | Minnegehrendes Gelüſten 410 Konnt ihr Liebreiz wohl erregen. Jhr wißt wie Ameiſen pflegen Um die Mitte ſ<hmal zu ſein: Noch ſchlanker war das Mägdelein. 5 Das gab ihrem Kampfgeſellen Muth, der Feinde viel zu fällen : Sie beſtand mit ihm die Noth.
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Sein ſihres Looß war der Tod, Und anders kein Entkommen.
10 Ihm war die Furt benommen Vor Feindeshaß, wenn er ſie ſah:
Das büßten viel der Feinde da. Da kam der König Vergulacht Und ſah die ſtreitbare Macht 15 Wider Gawanen kriegen. Ich will eu< niht betriegen Und beſchönen kann i<hs ni<t, Daß er der wirthlihen Pflicht | An ſeinem werthen Gaſt vergaß.
20 Der wehrte fi< ohn Unterlaß.
Da miſchte ſo der Wirth ſih drein, Daß es mir leid iſt um Gandein, Den König von Anſchau,
Daß eine doch ſo werihe Frau,
25 Seine Tochter, je den Sohn gebar, i Der ſeines Volks untreue Schar | Nicht zurü>rief aus dem Streit.
Gawanen ließen ſie nur Zeit ; Bis der König fih gerüſtet Den ſelbſt zu kämpfen jeßt gelüftet. 411 Gawan muſte wohl entweichen,
Es3 fann ihm niht zur Schmach gereichen : - Die Thurmthür gab ihm Schuy fortan. | Nun ſeht, da kam derſelbe Mann,
6 Der ihn kampflih angeſprochen Bei Artus vor einer Wochen, Kingrimurſel der Landgraf. Gawanens Noth ihn \<wer betraf, Daß er die Hände rang und wand,
10 Denn ſeine Ehre ſtund zu Pfand, Daß er Frieden und Geleit Finden ſollte bis im Streit Ihn ein Einzelner bezwungen. Die Alten wie die Jungen
15 Trieb er im Zorne von dem Thurm ;
Doch befahl der König neuen Sturm. Kingrimurſel hub da an
Indem er aufſah zu Gawan:
„Held, laß mi friedlih zu dir cin,
20 Daß ih geſelligli<h die Pein Mit dir trage dieſer Noth.
| Schlage mi der König todt, | Ich erhalte dir das Leben.“ | Da ihm der Friede ward gegeben, | 25 Der Landgraf ſprang in den Thurm. : | Das äußre Heer ließ ab vom Sturm: | Er war auch Burggraf alldort, Drum hatte Jung und Alt ſofort | Sich des Kämpfens abgethan. | Ins Freie wieder ſprang Gawan; 412 So that au Kingrimurſel : Sie waren beide kühn und ſchnell. Die Seinen mahnte Vergulacht : „Wie lange ſtehn wir hier auf Wacht 6 Vor zweien Männern, die uns drohn? Unterfängt fi<h meines Oheims Sohn Zu beſchirmen dieſen Mann! Der mir Schaden hat gethan, Den er ſelber rächen ſollte, 10 Wenn er Kühnheit zeigen wollte.“ Da ſchi>lten fie aus treuem Sinn Einen zu dem König hin: „Herr,“ ſo ließen ſie ihm ſagen, „Der Landgraf bleibt unerſhlagen 15 Hier von unſern Händen. Mödg eu< Gott auf Dinge wenden, Die der Ehre beßer frommen. Aller Preis wird eu< benommen So ihr erſhlagt euern Gaſt: 20 Das belädt eu< mit der Schande Laſt. Der Andre iſt eu< nah verwandt, Mit deſſen Hülf er kam ins Land: Darum ſtehet ab davon; Es bringt eu< ni<ts als Fluh und Hohn. 25 Geht einen Waffenſtillſtand ein So lange währt des Tages Schein | Und dazu die nächſte Nacht. | Was ihr alsdann euch habt bedacht, | Tas ſteht eu< immer no<h frei | Ob es eu< Ehr ob Schande ſei. 413 „Unſre Frau Antikonie, | Die von Falſchheit wuſte nie, | Seht ihr dort weinend bei ihm ſtehn. | Kann euh das niht zu Herzen gehn, 6 Da Euch do< Eine Mutter trug, .
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So bedenkt, Herr, ſeid ihr anders klug : Jhr ſelber ſandtet ihn der Maid. Gäb auch ſonſt ihm nichis Geleit, So ſollt er Jhrethalb gedeihn.“ 10 Der König ging den Frieden ein Bis er beßer ſih beſprochen, Wie ſein Vater würd gerochen. Unſchuldig war Herr Gawan; Ein andrer Mann hatt es gethan, 15 Denn der ſtolze E>unat Gab einer Lanze dur< ihn Pfad, 5 Da er gegen Barbigöl | Führte Jofreit Fils Jdöl, | Den er fing von Gawans Seite: 20 So kam Der zu dieſem Streite. Kaum war der Friede kundgethan, | Aus dem Felde ſah man Jedermann | Zu den Herbergen ziehn. Antikonie die Königin | 25 Herzte ihres Oheims Sohn: | Sie gab ihm manchen Kuſs zum Lohn, | Daß er Gawanen Schuy gewährt | Und ſelbſt der Unthat ſich erwehrt. Sie ſprah: „Du meines Oheims Kind | Viſt gegen Niemand falſ< geſinnt.“ 414 Hört nur zu, ſo thu i< kund, . Wovon geſprochen hat mein Mund, Daß lauter Gemüthe trübe ward. Unſelig heiße dieſe Fahrt 5 Vergulahts auf Schamfanzon. Es ſtammte ſol<hes Thun dem Sohn | Nicht von Vater no< von Multer an. Gefoltert ward dem jungen Mann Von Schamgefühl der beßre Sinn, 10 Da ſeine Schweſter jeht, die Königin, Ihn zu ſelten begann; | Um Erbarmen fleht! er oft ſie an. | . Alſo ſpra< die Jungfrau werth: „Herr Vergulacht , trüg ih ein Schwert 15 Und wär ein Mann nah Gottes Willen Das Amt des Schildes zu erfüllen, ] Ihr wärt am Kampf mit mir verzagt; Nun bin i< wehrlos, eine Magd: Jedennoh führ ih einen Schild
| 20 Mit ehrenvollem Wappenbild.
I< will das Wappen nennen, Daß ihr es lernet kennen: Reinheit und gere<t Betragen, .
| Die treuen Beiſtand nie verſagen.
25 Den hielt i< Eu<, zum Schirm dem Degen, Den ihr mir ſendetet, entgegen: : Kein andrer Schild war mir verliehn. Büßt ihr die Schuld auch gegen ihn, Ihr habt eu< do< an mir vergangen,
- Soll Frauenpreis ſein Recht erlangen.
415 J< hörte ſtäts: wo es geſchieht, Daß in den Schug der Frauen flieht Ein Mann, ſo ſollen Die ihn jagen Der Verfolgung entſagen: 6 So ziem es männlicher Zucht. Herr Vergulacht , des Gaſtes Flucht Zu mir, daß er dem Tode wehre, Belädt mit Shmach eure Ehre.“
E Der Landgraf ſpra< ihm ins Gewißen :
10 „Herr, es geſhah mit Euerm Wißen, Daß ih dem Herren Gawan Auf des Plimizöls Plan Frieden gab in euer Land. : Hatt ih doh euer Wort zu Pfand:
15 Trüg ihn her ſein kühner Muth,
So ſtünden wir dafür ihm gut, Nur Einer ſollt ihn hier beſtehn. Herr, das ließt ihr niht geſchehn. Meine Genoßen mögen das bedenken
20 Ob ihr ſo un3 dürfet kränken. Wißt Jhr der Fürſten niht zu ſchonen, So achten wir niht mehr der Kronen. Soll man euh ehrli<h nennen,
Ehrlih müßt ihr bekennen, 25 Daß ich euer Veiter ſei. Wär ein Kebsſ<hli< dabei Meinerſeits, wär das erwieſen, Ihr hättet mih ſhon längſt verwieſen. JI<< bin ein Ritter, hoff ih doh, | An dem man niemals Tadel noh. 416 Fand, und wills erwerben, Des ledig auch zu ſterben. Zu Goit hab ich die Zuverſicht, Er verhängt mir Solches nicht.
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5 Dot von Wem die Märe wird vernommen, | Artuſens Neffe ſei gekommen : In meinem Schug gen Schamfanzon — | Sei's Franzoſe, ſei's Breton, : Provenzale , Burgondois, i
10 Galizier oder Punturiois, | Hören Die von Gawans Noth, | Hab ih Preis, der if dann todt. y Mir mat ſein ängfilicher Streit | Schmal das Lob, den Tadel breit.
15 Es nimmt mir alte Freude hin . Und giebt mir Schande zum Gewinn.“
Als dieſe Rede geſchah, | Stand ein Mann des Königs da, Der Liddamus den Namen trug; ]
20 So nennt ihn Kiot oft genug.
Kiot le Chanteur, dem war Wohl die Kunſt offenbar | So zu ſingen und zu ſprechen, | Daß nie der Dank ihm darf gebrechen. * 26 Kiot iſ} ein Provenzal, Der die Mär von Parzival Fand in arabiſhem Buch. : | Wie ers franzöfiſh übertrug, So wirds, wenn mir der Sinn niht fehlt, Von mir im Deutſchen nacherzählt. 417 Fürſt Liddamus brach zornig aus: „Was ſoll in meines Herren Haus ! Der ſeinen Vater erſchlug, | Und ihm ſo nah die Schande trug? 5 Hält mein Herr auf ſeinen Werth, Er muß es rihtcn mit dem Schwert. So vergilt Ein Tod den andern Tod: | Gleich ſei hier wie dort die Roth.“ | Nun ſeht wie dort Herr Gawan ſtand:
10 Da ward ihm Sorge erſt bekannt.
Da ſpra< Kingrimurſel : | („Wer ſi< im Drohen zeigt ſo ſhnell, Der ſollt au< eilen in den Streit. | Der Raum ſei eng oder weit,
15 Man erwehrt fi< Euer leicht. | Herr Liddamus, vor Euch vielleicht |
Wär noch zu retten dieſer Mann : Hätt er eu< noch ſo viel gethan, Ihr ließeis ungerochen. 20 Jhr habt hier zu viel geſprochen; Man würd euh eher glauben, Daß eu< Niemands Augen Noch zuvorderſt ſahn im Streit. Stäts war eu< Kampf ein Herzeleid 25 Jhr bliebt gern weit davon entfernt. Ihr habt au< wohl no< mehr gelernt: Wo ihr Kampf ſaht beginnen Floht ihr wie ein Weib von hinnen. Ein Fürſt, der Euerm Rathe glaubt , Dem ſteht die Krone ſchief zu Haupt. E „Wohl hätt ih ohne Schanden y Jm Kreiße beſtanden Gawan den Degen unverzagk: Das hatten wir uns zugeſagt. , 6 Auch hätten wir den Kampf gefochten , Wenn wir vor dem Könge mochten. Dem zürn ih nun, ih ſag es laut; Jch hätt ihm Beßres zugetraut. Gelobt, Herr Gawan, mir fürwahr, / 10 Daß Jhr von heut na< einem Jahr | Mir im Kampf wollt Rede ſtehn, | Falls es nämli< kann geſchehn, Daß mein Herr euh läßt das Leben : So wird eu< Kampf von mir gegeben. 15 Jh ſpra< eu< an am Plimizöl; ¡ Nun ſei der Kampf zu Varbigöl Vor Meljanz dem König hehr. Der Sorgen ein ganzes Heer Trag ich bis zu jenem Tag, 20 Da ih mit eu< fehlen mag: | Da wird mir Angſt und Noth bekannt | Dureh eure wehrlihe Hand.“ Da gab Gawan der Degen werth. Wie der Landgraf begehrt , 25 Sein Wort und ſeine Sicherheit. | Zu neuer Red indes bereit | War der Herzog Liddamus. Er hait in ſciner Rede Fluß ' Die Worte wohl verflo<ten Wie Alle hören mochten.
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419 Er ſprah, es war ihm Sprechens Zeit : „Komm ic je zu einem Streit , Ob ih Fechtens mich befleiße, Oder ſ{mähli< ausreiße, 5 Ob ich verzagt da zage, Ob Preis und Ruhm erjage, Herr Landgraf, ohne Schonen Laßt nah Verdienſt mich lohnen. Verſagt Jhr mir dann euern Sold, 5
10 So bin ih mir do ſelber hold.“ -
So ſprach der reihe Liddamus : | „Wollt Jhr ſein Herr Turnus, Wohlan, ſo will i< Tranzes werden: Straft mic, habt ihr erſt Beſhwerden, |
15 Und überhebt eu< niht dergleichen.
Wenn Ihr der Fürſten meine8gleichen | Der Höchſte wärt, was niht ſein wird — Ih bin au< Fürſt und Landes3wirth.
I< hab in Galizia
20 Manthe Burg fern und nah
Bis hinaus na< Vedron.
Was Jhr und jeder Breton
Mir da zu Schaden mdb<htet thun, Da flöh doh nie vor Euch ein Huhn.
25 „Von den Britten iſ hieher gekommen Gegen Den ihr Kampf habt übernommen: So räht den Blutsfreund und den Herrn; | Mir aber bleibt mit Kämpfen fern. |
© Euerm Ohm (Ihr wart ſein Mann), | Der dem das Leben abgewann, y
420 Rätht es an Dems; ih that ihm nichts, |
Und wenn mir ret iſ, Niemand ſprichts. | Euern Oheim brau< Jh nicht zu klagen: Sein Sohn ſoll jezt die Krone tragen,
j 5 Der iſ zum Herrn mir ho genug. j Die Köngin Fleurdamur ihn trug; Sein Vater war Kingriſein, Sein Ahne König Gandein. Aug kam es hier niht in Vergeß,
10 Daß Gachmuret und Galoes
Ihm Oheime waren.
Vor Lug will i< mi< wahren :
J<< darf mit Ehren wohl mein Land Zu Lehn empfahn von Seiner Hand.
16 „Wen zu fehten lüſtet, thu er das. Bin ic ſelbſt zum Streite laß, Doh iſ mir unverhohlen: Wer im Kampfe Preis kann holen, Dem dankt es manches ſtolze Weib. 20 I< will um Niemand meinen Leib Verleiten in zu ſharfe Pein. | Was ſollt ih ſol< ein Wolfhart ſein ? Mir ift zum Kampf der Weg verſperrt, | Die Kampfgier hat mich nie genärrt. 25 Würdet Jhr mir nimmer hold, Ich folgte eher Rumold, Der dem König Gunther rieth, Da er von Worms gen Heunland ſchied: Lange Schnitten bat er ihn zu bähn, Im Keßel fleißig umzudrehn.“ A21 Da ſprah der Landgraf mulhesreich: „Euer alten Sitte thut ihr glei, Die wir Alle fürwahr An euch gewohnt ſind manches Jahr. : 56 Ihr rathet mir zum Streit, und doh Thut ihr wie da rieth ein Koh Den kühnen Nibelungen , Da fie zogen unbezwungen Hin, wo an ihnen ward gerochen, 10 Was fie an Siegfried einf verbrochen. Herr Gawan gebe mir den Tod Oder fühle meiner Rache Noth.“ „Da thut ihr ret ,“ ſpra< Liddamus. „Doch was ſein Oheim Artus 15 Beſigt, und Die von Jndia, Was man da je von Schägen ſah — Wer mir das all zu eigen brächte, Ich laß es ihm eh daß ih fechte. Nun behaltet euern Ruhm und Preis: " 20 Segramors bin ih ni<t, Gott weiß, | Den man um Fechtgier binden muß; Ich erwerbe doh der Könge Gruß. . Sibich hat nie ein Schwert gezogen: Er war ſtäts bei Denen, die da flohen. 25 Dennoch muſte man ihn flehn: Großer Gab und ſtarker Lehn Schenkt’ ihm Ermenrih genug Ob er nie ein Schwert dur< Helme ſlug. Für Euch, Herr Kingrimurſel, ſchaut
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Jhr keine Schramm auf meiner Haut: | 422 So bin ih gegen Euch geſinnt.“ | König Vergulacht beginnt: | „Schweiget eurer Wehſelreden. Unbeſcheiden find i< eu< Jedweden, 5 Daß Ihr mit Worten ſeid ſo frei. Allzunah bin ih dabei Zu ſothanem Wortgefe<ht : - Es ſteht ſo Euch als Mir niht ret.“ Das geſchah auf dem Saal 10 Wo ſeine Schweſter war. zumal; Neben ihr ſtand Herr Gawan Und manch andrer werthe Mann. : Der König ſprah zur Schweſter ſein : „Nun nimm den Geſellen dein 15 Und den Landgrafen au mit dir. Die mir Gutes gönnen, folgen mir, | Daß fie mir rathen was ih thu.“ „Deine Treue,“ ſprach fie, „nimm dazu.“ Da ging der König Raths zu pflegen. 20 Die Königstochter nahm dagegen Ihres Oheims Sohn und ihren Gaſt; Das dritte war der Sorgen Laſt. Wie es ihr gar trefflich ſtand, Nahm fie Gawanen bei der Hand 25 Und führt? ihn in ein nah Gemach. „Wärt Jhr niht heil,“ die Schöne ſprach, „Alle Lande hätten Ungewinn.“ __An der Hand der Königin Ging da König Lotens Sohn. Ohne Schande durft ers ſchon.
A2Z Zu der Kemenaten ein y Trat die Köngin mit den Zwein; | Von den andern blieb ſie leer:
Dafür ſorgten Kämmerer; | . 5 Nur der klaren Mägdelein |
Durſten viel bei ihnen ſein. |
Die Königin in Ehren pflag
Gawans, der ihr am Herzen lag.
Zugegen war der Landgraf auth;
10 Der ſchied fie niht von ſolchem Braut. Viel Sorge trug die werthe Magd Für Gawan, wurde mir geſagt. :
So moqhien nun die Deiden Bei der Königin verbleiben 15 Bis der Tag ließ ſeinen Streii; Die Nacht kam: da war Eßenszeit. Moraß, Wein, Lautertrank | Brachten Jungfraun um die Mitte ſhwank. | Und Speiſe zu dem Tiſche: 20 Faſan, Rebhühner, Fiſche y 5 . Und manqhen Kuchen blank und hell. | Gawan und Kingrimurſel “Waren ledig großer Noth. | Da es die Königin gebot 25 Aß Jeder was er ſollie y Und was er eßen wollte. | Vergebens wehrten die Degen Antikonien vorzulegen. | Soviel man kniender Schenken fand, | Keinem bra der Hoſen Band: 424 Mägdlein warens, in den Jahren Wo ſie die Reize friſ< bewahren. Darob bin ih unerſchro>en , Trugen ſie gekrauſt die Loden 5 Wie der Falke ſein Gefieder : | Jch ſtreite nicht dawider. | Nun hört, bevor der Rath’ ſih ſied E i Was man dem Herrn des Landes rieth. Ihm war man weiſer Mann gekommen, | 10 Den hatt er in den Rath. genommen. Ein Jeder ſprah wie ihn gedäuchte, y Daß ihn ſein beſter Sinn erleuchte. j Da erwogen ſie es hin und her; Ums Wort auh bat der König hehr. 15 Er ſprah: „Jüngſt ward mit mir geſtritten. J< kam um Aventür geritten In den Wald Lächtamreis. | Ein Ritter , der zu hohen Preis Wohl an mir ſah in dieſer Wochen, 20 Flüglings hatt er mich geſtochen ' Hinters Roſs ohn alle Wahl. Da zwang er mi, daß ih den Gral | Ihm gelobte zu erwerben. | Wollt ih nicht erſterben , 25 So muſt ich leiſten Sicherheit | Wie er mi zwang im Ritterſtreit.
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Nun rathet, denn es iſ mir Noth. Mein beſter Schild war für den Tod, Daß ih zum Schwure hob die Hand, Wie is frei eu< eingeſtand. 425 „Er ift dur< Kraft und Mannheit hehr. Noch gebot der Held mir mehr: Daß i ſonder arge Liſt Innerhalb Jahresfriſt, 5 Wenn ih den Gral nicht hätt erworben , Zu Ihr käm, der angeſtorben Die Krone ſei zu Pelrapär Von ihrem Vater Tampentär. | Hätt ih zu der mein Aug erhoben , | 10 Jh ſollt ihr Sicherheit geloben. | Er entbot ihr, dähte Sie an ihn, Das gäb ihm freudigen Gewinn: Er ſei's, den fie befreit hab eh Von dem König Klamide.“ | 15 Als dieſe Rede kam zum Séluß, | Wieder ſpra< da Liddamus: „Erlauben mir die Herrn ein Wort; Die Reihe kommt an ſie ſofort. | Was Jhr gelobt habt jenem Mann, 20 Das mag erfüllen Herr Gawan, Der's Gefieder ſhlägt auf euerm Kloben: Vor uns allen mög er hier geloben, Daß er euh den Gral gewinne. So laßt mit guter Minne 25 Ihn denn von hinnen reiten, Den Gral euch zu erſtreiten. __ Vir müſten All die Shmaqh beklagen, Würd er in euerm Haus erſchlagen. Nun vergebt ihm ſeine Schuld Und behaltet eurer Schweſter Huld. 426 Er erlitt hier große Noth Und muß nun reiten in den Tod. „So weit die Erd umwogt das Meer, { Stand nie ein Haus ſo wohl zur Wehr 5 Als Monſalväſch; niht eben breit Führt hin ein rauher Pfad dur Streit. Laßt ihn ſchlafen dieſe Naht; Sagt ihm Morgen was wir hier erdacht.“ Beifall ward dem Rath gegeben. 10 So behielt Herr Gawan hier das Leben. |
| Man pflag des kühnen Helden | Die Naht ſo, hört ih melden, Daß er ruhte wohlgeborgen. Als andern Tags um mitten Morgen 15 Aus der Meſſe kam die Menge, | War im Saale groß Gedränge Von Pöbel und von werther Schar. | Der König, wies beſhloßen war, | Ließ Gawanen vor ſi< bringen. 20 Er wollt ihn zu nihts Anderm zwingen | Als man ſchon vernommen hat. Nun ſeht, wie dort ſi< mit ihm naht Antikonie die höne Maid; ._ Jhres Oheims Sohn gab ihr Geleit - 25 Und Manther aus des Königs Bann. Die Köngin führte Gawan Vor den König an der Hand; Ein Blumenkranz ihr Haupt umwand. Den Blumen nahm den Preis ihr Mund: In dem Kränzlein keine ſtund, 427 Die ſo glühend war und roth. Wem den Kuſs ſie güilih bot, Der mochte wohl den Wald verſhwenden Mit Lanzenbrechen ſonder Enden. 5 Nun folgt mir, wenn ih grüße Mit Lob die reine, ſüße Antikonie, Die von Falſchheit wuſte nie, Denn fie lebt’ in ſolher Weiſe, 10 Nie ward ihrem Preiſe Ein zweifelnd Wort verwoben. | Die ſie hörten loben, Jeder Mund erwünſcht? ihr ſroh, | Daß ihren Preis immer ſo 15 Verſchone Tadels trübe Lauge. Weitreichend wie ein Falkenauge War des Balſams lihter Schein an ihr. Dieß rieth ihr würdige Begier : ! Die ſüße wonniglihe Maid | 20 Sprah mit Wohlgezogenheit : | „Hier bring ih, Bruder , dir den Degen, Den du mir ſelbſt befahl zu pflegen: | Laß ihms zu Gute kommen; Gewiſs, es wird dir frommen. 25 Treue ſteht dir beßer an
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Als den Haß der Welt empfahn, Und meinen, könnt ih haßen: : Den lehr mich, zu dir laßen.“ 428 Da ſprah der werthe junge Mann: „Das thu ih, Schweſter, wenn ih kann; | : Dazu gieb ſelber deinen Rath. Dich dünkt, ih habe Miſſethat 5 Meiner Würdigkeit verwoben, Al mein Preis ſei zerſtoben : | Wie taugt’ ih dann zum Bruder dir? ; Und dienten alle Kronen mir, Die gäb ih hin auf Dein Gebot:
10 Dein Haß wär meine höchſte Noth. | Jh verſhmähe Freud und Ehre,
Wird ſie mir niht na< Deiner Lehre. | Herr Gawan, laßt euch bitten: Jhr kamt um Preis geritten:
15 So thut es um des Preiſes Huld | Und helft mir, daß um meine Schuld Schwinde meiner Schweſter Groll.
Eh ich ſie verlieren ſoll, Verzeih ih eu< mein Herzeleid, |
20 Wollt ihr mir geben Sicherheit , ! Daß ihr mir treuli< werbt ſoglei< i Um des Grales Königreich.“ |
So ward der Zwiſt geendet , Gawan hinaus geſendet ,
25 Daß er mit des Schwertes Blitz | Werbe nah des Grals Beſitz. | Auhh verzieh der Landgraf jeyt Dem König, der ihn ſhwer verletzt ,
Daß ſein Geleit er niht geehrt :
Das geſchah vor all den Fürſten werth. 429 Die Waffen waren aufgehangen.
Da kamen auch daher gegangen
Gawans Knappen, ihm ein lieber Fund:
Jm Streite ward ihm keiner wund.
5 Ein gewaltger Mann der Stadt,
Der ihnen Frieden erbat,
Fing fie, um ſie zu ſhonen:
Die Franzoſen und Bretonen,
Oder aus wel<hem Land ſie ſind,
10 Ob ſtarker Knapp, ob kleiner Kind, Die wurden frei zurü>geſandt
| Gawan dem Degen auserkannt. | Als ihn die Kinde wiederſahn, Geſchah groß Küſſen und Umfahn: 15 Wie ſie fich weinend an ihn hingen! Doch mit Thränen , die der Freud entſpringen. | Da war bei ihm von Kornewal ' Komte Laiz Fils Tinal. | Dann war ein edel Kind dabei, 20 Dük Gandilus, Fils Gurzgrei, Der um Soi de la Kour erſtarb, Wo manche Frau noh Leid erwarb. Liaße war des Kindes Baſe. Ihm waren AUgen, Mund und Naſe 25 Recht aus der Minne Kern geſchnitten ; Bei aller Welt wars wohlgelitten. Dazu ſe<s andre Kindelein. Dieſe aht Jungherren fein Alle von edler hoher Art, Hatte Geburt {<hon wohlbewahrt. 430 Sie waren ihm als Neffen hold Und dienten ihm um ſeinen Sold: Was er zu Lohn gab? Würdigkeit Und gute Pflege jederzeit. 5 Gawan ſprach zu den Kindelein: „Wohl eu, ſüße Neffen mein: Mich dünkt, ihr würdet mich beklagen, Hätten fie mih hier erſhlagen.“ Zutrauen mot ers ihnen wohl : 10 Sie waren ſo no< Jammers voll. Er ſprah: „Ich hatt um Euch viel Leid: i Wo wart ihr, da mir kam der Streit ?“ Sie ſagtens ihm und Keiner log. „Ein junger Sperber entflog, 15 Da ihr ſaßet bei der Königin; | Da liefen wir und jagten ihn.“ | Die da ſtunden , ſaßen, | Und zu ſpähen nict vergaßen, Die ſahen wohl, Herr Gawan 20 War ein tapfrer, höfſcher Mann. | Der König ihm gewährte, Da er Urlaub begehrte, Dazu das Volk allgemein, Bis auf den Landgraf allein. 26 Die Beiden nahm die Königin
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Und Gawans Junker mit ſi< hin. Sie führten ſie, wo von Jungfrauen Sie gute Pflege ſollten ſchauen: Mit Zucht nahm ihrer dienend wahr Manthe Jungfrau ſ{hön und klar. 431 Als ſih vom Mal erhob Gawan, (Wie Kiot mir bezeugen kann) Aus herzlicher Treue Y Erwuchs groß Leid aufs Neue. | 5 Der Held begann zur Königin: „Frau, behalt i< klugen Sinn | Und ſchenkt mir Gott das Leben, Muß i dienſiktih Beſtreben Und riiterlih Gemüthe | 10 Eurer weiblihen Güte | . Zu Dienſten immer kehren. Ihr hört des Heiles Lehren, Aller Falſchheit habt ihr obgeſiegt , Euer Preis all andre überwiegt:
15 So muß das Glü> eu< Heil gewähren. Urlaub laßt mi, Frau, begehren :
Den gebet mir und laßt mich fahren; i Eure Zucht mög euern Preis bewahren.“ | Sein Scheiden {huf ihr Herzenspein.
20 Jn ihr Weinen ſtimmten ein
Viel ſ{höner Jungfrauen klar.
: Die Königin ſpra< offenbar : „Hätt ih mehr eu< mögen frommen, So wär mir Freude niht benommen;
25 Doch blüht euh hier kein beßrer Frieden. Glaubt mir, wird eu< Pein beſchieden, Oder bringt eu< Ritterſchaft
Simro>, Parzival ynd Titurel.
| In ſorgenvollen Kummers Haft, | So wißet, mein Herr Gawan, | Mein Herz hat immer Theil daran, /432 Am Verluſt wie am Gewinn.“ | Die viel edle Königin Küſ8te da Gawanens Mund. Der ward an allen Freuden wund, b Daß er ſhon muſte ſcheiden. Leid war es fiher Beiden. Die Knappen hattens wohl bedacht , Seine Pferd' ihm vor den Saal gebracht, Daß er auf dem Hof fie finde, 10 Wo Schatten gab die Linde. Auch war dem Landgraf gekommen Sein Gefolge (ſo hab i< vernommen): Da ritt er mit ihm vor die Stadt. Gawan ihn draußen freundlich bat, 15 Daß er ſi< bemühe Und mit ſeinen Leuten ziehe Gen Beauroſh: „Scherules iſt dort: Sie bitten ihn, daß er ſie fort Geleite gen Dianas8dron. 20 Da wohnt mancher Breton: Der bringt ſie wohl dem König hehr Oder der Köngin Ginover.“ Das verſprah Kingrimurſel: ¡ Urlaub nahm der Degen ſchnell. | 26 Gringuljet nah kurzer Zeit | Stand wie ſein Herr im Eiſenkleid. y Seine Neffen , die Kindelein, Küſst' er, und die Knappen ſein. - Nach dem Grale, wie ſein Eid gebot, | Ritt er allein zu großer Noth. 11
Trevrezent
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433 „Thut auf!“ Wem? Wer ſeid ihr? „Ich will ins Herz hinein zu dir.“ So begehrt ihr engen Raum. „Was thut es, faßt er mi<h auh kaum; * 5 Veber Dru> wirſt du nicht klagen, Ich will dir nun viel Wunder ſagen.“ Seid Ihrs3, Frau Abenteuer ? © Was macht der Degen theuer ? | Ich meine den werihen Parzival,
10 Den Kondrte nah dem Gral | Mit unſüßen Worten jagte; ; Man ſhönes Weib beklagte, ] Daß unerläßli<h wär ſein Reiſen.
Von Arius dem Bretaneiſen 15 Sthied er da: wo iſt er nun? Die Märe eilt uns kund zu thun: Ob er an Freuden ganz verzagte Oder hohen Preis erjagte. ¡ Blieb heut ihm ſeine Würdigkeit |
20 Noch ganz wie ſonſt, ſo lang und breit , Oder ward fie kurz und {mal ?
Sagt uns Alles auf einmal |
Was8 noch von ſeiner Hand geſchah; Ob er Monſalväſh nun ſah 25 Und Anfortas den klagenswerthen, Dem Seufzer das Herz beſhwerten? Gebt Troſt uns aus Barmherzigkeit Ob er des Jammers ward befreit. Laßt hören, gebt uns Kunde, - Iſt da Parzival zur Stunde,
434 Der uns beiden zu gebieten hat? Ag, erhellt mir ſeinen Pfad: Gachmurets Sohn, was beginnt
| Der ſüßen Herzeleide Kind,
5 Seit er von Artus Abſchied nahm? Hat er Freude, hat er Gram Seitdem erkämpft im Streite? Stürmt er noh in die Weite
- Oder liebt er fih zu ruhn?
10 Sagt mir ſein Ucben und ſein Thun. | Aventüre macht uns nun bekannt, Erkundet hab er manches Land
Zu Roſs, in Schiffen au< zu Meer;
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Lands8mañn, Blutsfreund, oder Wer | 15 Sich ihm tjoſtierend ſtellte, | Daß er den ſiegreih fällte. | So kann ſi< ſeine Schale neigen, So weiß ſein Preis empor zu ſteigen Und der Andern Preis zu dämpfen. | 20 Er hatt in harten Kämpfen y Der Niederlage ſih erwehrt, ] Sich ſo verſu<t mit Lanz und Schwert , Wer Preis von ihm zu borgen Gedachte, thats mit Sorgen. . 25 Das ihm Anfortas verehrt Vei dem Grale, jenes Schwert , Da ers im Streite ſhwang, zerbrach : Bei Karnant der Brunnen Lach Macht! es dann ihm wieder ganz; Stäts mehrt' er ſeines Ruhmes Glanz. 435 Wer es nicht glaubt, der ſündigt. Die Aventür verkündigt, Daß Parzival der kühne Held * Geritten kam in ein Gewäld, 5 Zu wel<er Stunde, -weiß-ih._nihi:— Da ſtand er vor ſeinem Angeſicht Eine neuerbaute Klauſe; Ein Quell lief dur< mit Brauſe: Sie war darüber au3gehöhlt. 10 Der junge Degen muthbeſeelt | i Suchte Abenteuer dort: Da kam er zu der Gnade Port. __ Er fand da eine Klausnerin ; E Gott zu Liebe gab fie hin 15 Magdtum und alle Erdenluſt. Jhrer weiblichen Bruſt Entblühte Trauer, ewig neue, Doh aus der Wurzel alter Treue. Schionatulander 20 Und Sigunen fand er. Begraben lag der Held und todt; | Sie erlebt’ auf ſeinem Sarge Noth. | Sigune la Düſcheſſe | Hörte ſelten Meſſe; ] 25 Doh all ihr Leben war Gebet. Jhr rother Mund von Glut gebläht , Nun war er blaſs, ſo ganz erblichen Scit alle Weltluſt ihr gewichen.
Keine Maid litt je ſo hohe Pein: Um zu trauern will fie einſam ſein. 436 Da der Fürſt fie niht erwarb, | An ihm die Minne ihr, erſtarb, | Sie minnte ſeinen todten Leib. | Wir ſie wirklich jezt ſein Weib, 5 Frau Lunet hätt ihr im Leben | Solchen Rath wohl nie gegeben | Wie fie gab ihrer Frauen. | Man mag noh Frauen ſchauen, Bei denen eine üble Statt. 10 Fände Frau Lunetens Rath. | Ein Weib, die um des Lieben willen | Und der Zucht Gebot zu erfüllen, Sich enthält fremder Minne, Täuſcht mir kein Trug die Sinne, 15 Läßt ſie's bei ihres Mannes Leben, | Dem ward an ihr ein Heil gegeben. | Kein Faſten kleidet ſie ſo wohl: Das beeid i< wenn ih ſoll. | Hernah mag fie beliebig ſchalten; | 20 Kann ſie auh dann noh ſi enthalten, | Das ziert ſie, keinen ſ<önern Kranz y Trägt ſie je beim Freudentanz. h Vergleich i< Freude mit der Noth, | Die Sigunen ihre Treu gebot ? 2 Das ſollt ic lieber laßen. Ueber Blöde ſonder Straßen Ritt Parzival dem Fenſterlein | Allzunah: das {uf ihm Pein. “Er wollte nah dem Walde fragen Und wohin der Weg ihn werde tragen. 437 Beſcheid zu finden hofft' er da. „Iſt Jemand drin?“ Da ſprah ſie: „Ja.“ Als er die Frauenſtimm erkannte, Auf unzertretnen Raſen wandte | 5 Der Held zurü> das Röſſelein ; Schon daucht es ihn zu ſpät zu ſein: Daß er nicht gleih war abgeſtiegen , E Fühlt! er Sham ſi überfliegen. An des gefällten Baumes Aſt 10 Band ſein Roſs alsbald der Gaſt Und hing des Schildes Scherben dran. Der beſcheidne kühne Mann
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Las Schwert au<< von der Seite band: So trat er zu des Fenfters Rand 15 Nathzufragen wo er wär. Die Klaus war aller Freuden leer Und aller Kurzweil bar und bloß: Nur Jammer fand er, der war groß. Er bat, daß fie ans Fenſter trete. 20 Da erhob ſi< vom Gebete Mit Zucht die Jungfrau bleich und fahl. Noch immer war ihm dazumal Wer ſie wäre völlig fremde. Sie trug ein hären Hemde 25 Unter grauem Ro> zunächſt der Haut. Großem Jammer war fie angetraut: Der halt ihr hohen Muth geſenkt, Ihrem Herzen Seufzer viel geſchenkt. Mit Zucht die Magd zum Fenfter ging, Wo ſie den Fremdling wohl empfing. 438 Den Pjalter trug fie in der Hand. Parzival der Weigand . Sah ſie ein kleines Ringlein tragen, Dem fie im Leid niht mocht entſagen; 5 Sie behielts nah treuer Minne Rath. Das Steinlein war ein Granat: Das ſah man aus dem Dunkel glühn, Recht wie Feuer Funken ſprühn. Sie trug ums Haupt ein ſ{warzes Band. 10 Sie ſprah: „Da draußen bei der Wand Seht ihr eine Bank geſtellt : Sett euh, wenn es euh gefällt Und vergönnt die Muße. Daß ich zu euerm Gruße ] 15 Kommen durfte, lohn eu< Gott; Der hilft getreulih in der Noth.“ Der Degen folgte gern dem Rath; Vors Fenſter ſekt er ſich und bat: Y „Sitet ihr da drinnen auh.“ | 20 Sie ſprah: „Gar ſelten wars mein Brauch, Daß ich hier ſaß bei einem Mann.“ | Da hub der Held zu fragen an | Was fie der Sitte pflege, | „Daß Jhr ſo fern dem Wege. 25 Wohnet in der Wildnis hier. Große Unbill ſcheint es mir,
FE Herrin, was ihr hier begeht, | Da rings kein Haus euh nahe ſteht.« 7 | Sie ſprach zu ihm: „Mir wird vom Gral | Der Koſt genug geſandt zum Mal. 439 Kondrie la Sorzier ¡ Bringt mir von dorten her | Jeden Samstag in der Nacht (Den Vorſaz hat fie ſfih gemacht) 6 Was ich die Woche haben ſoll.“ y Sie ſprah: „Wär mir nur anders wohl, : - Um die Nahrung würd ih wenig ſorgen; | In dieſem Stü> bin ih geborgen.“ | Da wähnte Parzival, ſie löge, | 10 Und daß ſie ſonſt ihn gern betröge. | Er ſpra< im Spott zu ihr hinein: | „Von wem habt ihr dieß Ringelein? | Stäts hab ih ſagen hören, Í | Liebſchaft müſten verſhwören | 15 Klausner und Klausnerinnen.“ | „An der Rede werd ih innen, Y Ihr zeihtet mi der Falſchheit gerne. | Wenn ih jemals Falſchheit lerne, e l Merkt ſie wohl, ſeid ihr dabei; 20 Wills Gott, ih bin der Falſchheit frei: ' Aller Fehltritt widert mir.“ Noth ſprach ſie: „Dieſen Mahlſchag hier E Trag ih um einen lieben Mann. Seine Minne nie gewann y 25 I< zwar mit menſglicher That. Magdtumlichen Herzens Rath Rieth mir zu ſeiner Minne.“ Sie ſprah: „Er ift hier drinne, Deſſen Kleinod ih trug Seit ihn Orilus im Kampf erſchlug. 440 „I< will ihm Minne geben All mein jammerreiches Leben, Rechte Minne muß ih ihm gewähren, Da er mit Schwert, Schild und Speren 56 Um meine Minne wehrlih warb Bis er in meinem Dienſt erſtarb. Reines Magdtum blieb mir noh; Er iſt vor Gott mein Mann jedo<. : Rechnet Gott Gedanken an 10 Für That, ſo ſind wir Weib und Mann
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Verbunden in der rehten Ehe. . Sein Tod that meinem Leben wehe. Vor Gott ſoll dieſes Ringelein Uns wahrer Ehe Zeugniſs ſein. | 15 Es bindet meine Treue feſt , Mit Herzensthränen: oft genäßt. | „Hier bin ih ſelbander : | Schionatulander, Und die andere bin Jh.“ 20 Nun erſt überzeugt? er ſi, Daß es Sigune war, die Maid. | Zhr Kummer {uf ihm Herzeleid. Eh er weiter ſprach zu ihr, Zog er herab das Härſenier, | 25 Daß fie ſein bloßes Haupt erſchaue. Da ſah an ihm die Jungfraue ] Dur Eiſenroſt die Haut ſo licht. E Jett erkennt fie ihn und ſpricht: „Wie, ſeid Jhrs, Herr Parzival ? Y Sagt an, wie ſteht ihr mit dem Gral? 441 Habt ihr nun ſeine Kraft erkannt ? ) * Wie iſts um eure Fahrt bewandt ?“ Er ſprach zur Jungfrau wohlgeboren: , „Ich habe Freud und Glü> verloren, 5 Der Gral giebt Sorgen mir genug. | Das Land, wo ih die Krone trug, Ließ ih, dazu das ſchönſte Weib. ! Geboren ward ſo ſhöner Leib Auf Erden nie von Menſchenfrucht. 10 Jh ſehne mi< nach ihrer Zucht , Um ihre Minne traur ih viel; Doch mehr noh nah dem hohen Ziel, Wie ih Monſalväſche mög erſehn Und den Gral: das iſt noh ungeſchehn. 15 Baſe, du vergehſ dih ſchwer, \ Sigun, an mir: ich leide ſehr, ' Und doch feindeſt du mich an.“ Da ſprach ſie: „All mein Zorn fortan, Vetter, ſei auf di verſhworen, ] 20 Du haſt doh Freude viel verloren, Da die Frage unterließ Dein Mund, die dir ſo viel verhieß, | : Als dir der edle Anfortas Dein Wirth, dein Glü>, zur Seite ſaß. | 25 Da hätt dir Fragen Heil erjagt;
| Doch nun iſt Freude dir verſagt
| Und all dein hoher Muth gelähmt. Sein Herz hat Sorge nun gezähmt,
y Die ſtäts dir fremde wäre,
| Erfrugſt du dort die Märe.“
442 „Ich that wie der ſih ſchaden ſoll. Nun, liebe Baſe, rath mir wohl: Nahverwandt ja biſt du mir;
Und ſag mir auch: wie ſtehts mit vir ? 6 Dein Leid ſollt ih beklagen, Müſt ih nicht größres tragen Als je war eines Mannes Looß: Meine Noth iſ allzugroß.“ Sie ſprah: „Dir helfe Deſſen Hand, 10 Dem aller Kummer iſ} bekannt. Vielleiht, daß es dir noh gelingt, Daß ein Pfad dahin di bringt, Wo du Monßglväſh erſiehſt Und deinem Herzen Troſt entſprießt. 15 Kondrie la Sorzier ritt noh Nicht lange fort: hätt ih ſie doh Gefragt, ob ſie dahin will ziehn Oder anderswohin. Ihr Maulthier läßt ſie dort wohl halten, 20 Wo der Brunnen fließt aus Felſenſpalten. Maſh di auf und folg ihr unverweilt Vielleicht daß ſie vor dir nicht eilt: So holſt du ſie in Kurzem ein.“ Da durſte niht gezögert ſein: 25 Mit Sigunens Urlaub folgt’ er bald | Den friſchen Stapfen dur< den Wald. Doch ritt ihr Maulthier ſolhe Wege, Daß bald im dichten Waldgehege Die Spur verſhwand, die er erkoren. | So war der Gral aufs Neu verloren. 443 Da vergaß er Freud und Luſt. Beßer hätt er jeyt gewuſt Zu fragen, wär er hingekommen, Als damals, wie ihr habt vernommen. 6 Nun laßt ihn reiten; do< wohin? Dort ſi entgegen ſieht er ziehn Einen Ritter, der ſich bloßhaupt trug. Sein Wappenro> war theur genug, | Der Harniſch drunter ſtralt von Glanz,
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C e oa a fr M Der ritt auf Parzival einher Und ſprahh: „Herr, ih rn euch ſehr, Daß ihr dringt in meines Herren Wald. | Fort, ſonſt ermahn ih fo euh bald, | 15 Daß euer Herz ſi ferne ſehnt. H Monſalväſch ift nicht gewöhnt , | Daß ihm wer ſo nahe ritt, | Es ſei denn, daß er fiegreih ſtritt | Oder ſolche Buße bot, | 20 Die fie vor dem Walde heißen Tod.“ | Einen Helm in der Hand Sah man ihn tragen, deſſen Band | War von ſeidenen Schnüren; | Einen ſcharfen Sper auh führen; | 25 Von friſchem Holze war ſein Safi. / Der Held band mit Zorneskraft | Sic den Helmhut feſt aufs Haupt: | Man hätt es gerne geglaubt, | Er wolle zu den Zeiten y Nicht vergebens dräun mit Streiten. 444 So ſhi>t' er zu der Tjoſt fich an. Spere hatt auch viel verthan Parzival wie dieſe reich : Er gedacht: „Jh wär des Todes glei, 5 Ritt’ ih dem Manne dure ſein Korn: Wie gerieth' er dann wohl erſt in Zorn? Hier tret ih nur auf wilde Haide. Verſagt ihr Arme mir nicht beide, So löf ih mi mit ſolhem Pfand, 10 Daß mit niht bindet ſeine Hand.“ Sie brachten ihre Pferde drauf Beiderſeits in vollen Lauf Und trieben ſie mit Sporenſchlägen ; Einander pfeilgeſ<wind entgegen. - | 15 Die Tjoſt miſsrieth au< Keinem jezt; Doch in mancher Tjoſt blieb unverlegt Parzivals hohe Bruſt. h Den lehrte Kunſt und ſein Geluſt, ‘ Daß ſeine Lanzenſpitze fuhr 20 Relht in den Stri> der Helmſchnur. Er traf ihn, wo man hängt den Sqild, Wenn es Tioſtieren gilt, Daß der Templer von dem Gral - Vom Roſs herabfiel in ein Thal
| 25 Und ſank die Hald hinunter tief: | Wohl ſcheints daß unſer Held niht ſchlief. | | Der Sieger folgt des S<wungs Gewalt; | Umſonſt gebot dem Roſs er Halt: | Es fiel hinab, zerbrah im Fall, Den Aſt ergriff no< Parzival 445 Einer Ceder mit den Händen. y Es wird ihn wohl nict f<änden, Daß er ſih ohne Schergen hing. Mit den Füßen glü>lih fing 6 Er fih auf feſtem Felſengrund. Im unerreihbaren S<lund E Lag ſein Roſs da unten todt. Der Templer aus der Leben8noth Floh zu der andern Thalwand hin. 10 War er ſtolz auf den Gewinn, Den er erwarb an Parzival , So frommt’ ihm méhr daheim der Gral. Da ſi Parzival hinauf begab, | Des Templers Zügel hing herab " 15 Vom Roſs, das ſi darin verfangen: Drum war es weiter nict gegangen | Als es der Ritter dort vergaß. | Da Parzivak im Sattel ſaß, © | Hait er den Sper nur eingebüßt : | 20 Der Verluſt war dur den Fund verſüßt. | Gewiſs, der ftarke Lähelein , y | Noch der ſtolze Kingriſein, Noh der König Gramoflanz, | Noch Komte Laskoit Fils Gurnemans - 25 Hatten nimmer beßre Tjoſt geritten Als womit er dieſes Roſs erſtritten. Da ritt er weglos immerdar, Und der Monſalväſcher Shar Bot ihm weiter keinen Streit. Ihm gebrach der Gral, das war ſein Leid. 446 Wers hören will dem geb ih Kunde Was ihm widerfuhr nach dieſer Stunde. Doch weiß ih nicht der Wochen Zahl, Wie lang herna< noh Parzival 5 Auf Abenteuer ritt wie eh. 5 y Eines Morgens war ein dünner Snee, y Doh wohl ſo dit herabgeſhneit , i Daß Froſt daraus ward prophezeit.
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Es war in einem tiefen Wald: 5 7/10 Da begegnet! ihm ein Ritter alt. Dem war ergraut des Bartes Haar, Jedoch das Anilig liht und klar; Klar und liht au< war ſein Weib. Die Beiden auf dem bloßen Leib
15 Trugen Röt>e rauhbehaart Auf ihrer Buß- und Bittefahrt. Ihre Kinder, zwei Jungfrauen ,
Die man gerne mochte ſhauen, Gingen auh in ſolchem Kleid. 20 Jhnen rieth Beſcheidenheit © Daß fie barfuß waren allzumal. Seinen Gruß bot Parzival Dem grauen Ritter, der da ging, Von dem er ſelgen Rath empfing.
26 Er mocht ein Landesfürſt wohl ſein. Den Frauen folgten Hündelein. Demüthig ſchritten, niht zu hehr, Ritter noh und Knappen mehr Sittig auf der Gottesfahrt,
Noh Manger jung und ohne Bart. 447 Parzival der Weigand
Trug am Leibe ſol< Gewand,
Daß ſein reiches Ritterkleid
Ihm herlih ſtand wie allezeit.
6 Er fuhr ſo ſtolz gerüſtet ,
Daß er fih anders brüſtel?
Als jener graue Mann fi trug.
Aus dem Wege früh genug
Wandt er mit dem Zaum ſein Pferd.
10 Gern hätt er fragend \ih belehrt Ueber der frommen Leute Fahrt;
Sie beſchieden ihn mit guter Art. Das war des grauen Ritters Klage, Daß er die heiligen Tage
16 Nicht alſo ehrte nah der Sitte,
Daß er ungewappnet ritte, | Oder barfuß ginge | Und des Tages Feſt beginge.
Da gab ihm Parzival Beſcheid:
20 „Herr, ih weiß zu keiner Zeit An welchem Ziel das Jahr nun ſteht Und wie der Wochen Zahl vergeht. | Wie die Tage ſind benannt, j
Das iſ} mir Alles unbekannt. 25 Jh diente Einem, der heißt Golt, Eh ſeine Ungunſt ſolhen Spott, Mir gab und ſolhen Ungewinn, | Da doch nie von ihm gewankt mein Sinn. {Man ſagte mir, er helfe gern; Doch bleibt mir ſeine Hülfe fern.“ 448 Da ſprach der Ritter grau von Haar: „Meint ihr Gott, den eine Magd gebar ? | Glaubt ihr, daß er Menſh geworden Und heut für uns am Kreuz geſtorben, 5 Weshalb wir dieſcn Tag begehn, So muß ſol< Kleid eu< übel ſtehn. Denn es if Karfreitag heut, Des alle Welt ſich billig freut | Und doch in Leid befangen iſt. 10 Sprecht ob ihr höhre Treue wißt Als die Gott an uns beging, Da man für uns ans Kreuz ihn hing? Habt ihr die Tauf empfangen, So muß eu Leid umfangen: 15‘ Er hat ſein heiliges Leben Um unſre Schuld dahingegeben; Sonft wär der Menſch verloren, Zu der Hölle Pein erkoren. Wofern ihr niht ein Heide ſcid, 20 Herr, ſo heiligt dieſe Zeit. Reitet eures Weges fort: Nicht ferne wohnt von dieſem Ort Ein heilger Mann: der giebt eu< Rath Wie ihr büßet eure Miſſethat. 25 Wollt ihr ihm Reue künden, Er ſpricht eu< los von Sünden.“ Seine Töchter huben an zu ſprechen: „Was willſt du, Vater, an ihm rächen? So böſes Wetter wie nun iſt, Was räthſt du ihm zu ſolcher Friſt? 449 Hilf ihm vielmehr, daß er erwarme. Seine geharniſhten Arme, Wie ritterlih und ſtark ſie ſind, Doh iſt die Kälte nicht gelind: 5 Er erfrör und wär er ſeiner drei. 7 Haſt du doch hier nahe bei Gezelt und Kleiderkammer ſtehn; Käm Artus und ſein ganzes Lehn.
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So gebräh dir au< die Speiſe niht. i 10 So übe denn des Wirthes Pflicht | Und nimm dich dieſes Ritters an.“ Da ſprach alsbald der graue Mann: Herr , meine Töchfer \ſprehen wahr. Mit Zelt und Hütten jedes Jahr 15 Fahr ih dur dieſen wilden Wald, Ob es warm ſei oder kalt, Naht uns Teſſen Marterzeit Der ſtäten Lohn für Dienſt verleiht: Was ich Gott zu Liebe hergebracht 20 Das iſt eu< willig zugedacht.“ Die beiden Jungfrauen Ließen guten Willen ſchauen. Sie baten ihn zu bleiben; Ihn ſolle niht3 vertreiben, 26 Sprachen ſie mit holden Mienen. Parzival erſah an ihnen, Obgleich das Wetter Froſt nur bot, Munde heiß und voll und roth. Sie hatte Trauer niht entſtellt Um den Heiland der Welt. ¡ 450 Hätt ih mit ihnen mich entzweit, Jh nügte die Gelegenheit E Den Kuſs der Sühne zu empfahn, Nähmen fie die Sühne an. 5 Frauen find do< immer Fraun: Wo fie den tapfern Mann erſhaun Da find ſie bald bezwungen; Das bezeugen tauſend Zungen. Mit ſüßem Wort, mit holden Sitten 10 Hörte Parzival ſie bilten, Kinder und Aeltern beide. * Er gedachte: „Wenn ich bleibe, Gern zieh ih niht in dieſer Schar. Die Mädchen ſind ſo ſhön fürwahr, 15 Mein Reiten würde übel ſchn, Da Mann und Weib zu Fuße gehn. Es fügt ſih beßer, daß wir ſcheiden, Da Haß mir Jenen muß verleiden, Den Sie von Herzen minnen 20 Und auf ſeine Hülfe ſinnen. Mir hat er Hülfe ftäts verwehrt, Nur meiner Sorgen Zahl gemehrt.
„Herr und Frau,“ hub er an, „Laßt euern Urlaub mih empfahn. “ 26 Das Glül> verleih euh volles Heil , : Und Freude werd euh ſäts zu Theil. ! Jhr ſüßen Jungfraun beide, ' Eure Zucht eu< Lohn beſcheide, - i Daß ihrs ſo gut gemeint mit mir. Nun gebt mir euern Urlaub hier.“ 451 Da neigt er fi< und Jene neigen; | Sie konnten Klage nicht verſchweigen. Hin reitet Herzeleidens Frucht. Den lehrte mannlihe Zucht : "5 Demuth und Barmherzigkeit. Dem die junge Herzeleid Angeboren Treu und Güte, Traurig ward ſein Gemüthe. 5 Jett zuerſt gedaht er Seiner Macht, 10 Der die Welt aus Nichts gemacht, Der ihn erſchaffen und erhalten, Wie Der gewaltig müße walten: „Wie, wenn Gott doch ſendete Was meinen Jammer wendete? 15 Ward er jemals einem Ritter hold, Erwarb ein Ritter ſeinen Sold, ‘ Hält er ſeiner Hülfe werth Die da führen Schild und Schwert Unverzagt und mannhaft, 20 So löſ er mih aus Sorgenhaft: Iſt heute ſeiner Hülfe Tag, So helf er wenn er helfen mag.“ Er ritt zurü> daher er kam. Noch ſtanden jene, wie im Gram, 25 Daß er ſo von ihnen ſchied. Wie ihr getreuer Sinn es rieth, Bli>=kten ihm die Jungfraun nach. Doch auh das Herz des Ritters ſprach, Daß er ſie gerne möge ſehn, | Denn fie waren hold und ſchön. 452 Er ſprah: „Iſt Gottes Kraft ſo groß, y Daß ſie beide, Mann und Rofs, Mag rechte Wege weiſen, Seine Hülfe will ih preiſen. 5 Kann von Gott uns Hülfe nahn, | So weiſ er dieſes Koaſtilian,
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Daß meine Reiſe glü>lich ſei: | Seine Güte ſtch mir hülfreih bei. | Nun geh nach göttlihem Beſcheide. '* | 10 Zaum und Zügel legt' er beide | Frei zu des Rofſes Ohren | Und. trieb es mit den Sporen. | Gen Fontän ſauvaſhe wars gegangen, Wo den Eid hatt Orilus empfangen. 15 Der fromme Trevrezent dort ſaß, Der manchen Montag wenig aß Und auch den Reſt der Wochen. Sich hatt er abgebrochen Moraß, Wein, dazu das Brot. - 20 Strenger war noch ſein Gebot: Fiſh und Fleiſh, und was nur Blut - Trüge, mied ſein keuſher Muth. So war ſein heiliges Leben. Gott hatt ihm ſolchen Sinn gegeben. 25 Zu des Himmels Herlichkeit - Matht' er übend ſi bereit , Indem er faſtend Noth erlitt, Der Freud entſagend widerſtritt. Von Dem erfährt nun Parzival Die verhohlne Märe von dem Gral. 453 Wer mi früher drum gefragt Hätt, und weil i<s niht geſagt, Mir Feindſchaft bieten wollen, Verſchwendet wär ſein Grollen. 5 Zu hehlen bat mis Kiot, Weil ihm die Aventür gebot Es heimli< no< zu wahren; Niemand ſollt es erfahren Bis im Verlauf der Märe 10 Davon zu ſprehen wäre. Kiot, der Meiſter wohlbekannt, ] Zu Toled verworfen liegen fand, Und in arabiſcher Schrift, Die Märe, die den Gral betrifft. 2 15 Der Charakter ABC Muſt er innehaben eh Ohne nigromantiſhe Kunſt. Ihm half dabei der Taufe Gunſt, Sonſt wär die Mär no< unvernommen. 20 Heidenkunſt mag nimmer frommen
Zu künden was uns offenbart Jſſtſt von des Grales Kraft und Art." Ein Heide, Flegetanis, Den man um ſeltne Künſte pries, 25 Hatte manche Viſion. Er ſtammte von Salomon, | Aus iſraëliſhem Geſchle<ht erzielt [- | Von Alters her, eh unſer Schild | | Die Taufe ward vor Höllenqual. i | Der ſchrieb der Erſte von dem Gral. | 454 Ein Heide war er vaterhalb , | j Flegetanis , der no< ein Kalb Anbetete, als wär es Gott. Wie darf der Teufel ſolchen Spott | | 6 Doch an ſo weiſen Völkern thun? | Will ſie zu wahren niht geruhn | Davor des Allerhöhſten Hand, Dem alle Wunder ſind bekannt ? | Flegetanis den Heiden 10 Mote ſeine Kunſt beſcheiden Vom Lauf aller Sterne s Und ihrer Heimkehr aus der Ferne, Wie lang ein jeder hat zu gehn Bis wir am alten Ziel ihn ſehn. 15 Menſchliches Geſhi> und Weſen Iſt in der Sterne Gang zu leſen. Flegetanis der Heid erkannte, | Wenn er den Bli> zum Himmel wandte, Geheimniſsvolle Kunde. 20 Er ſpra<h mit ſheuem Munde Davon: „Ein Ding wird Gral genannt; Im Geſtirn geſchrieben fand | Er den Namen, wie, es hieß. Eine Schar îhn auf der Erde ließ, : 25 Die zu den Sternen wieder flog, - Ob Gnad ob Unſchuld heim ſie zog. 1 Dann pflegte ſein getaufte Frucht Mit Demuth und reiner Zucht. - / Die Menſchheit trägt den höchſten Werth, * Die zum Dienſt des Grales wird begehrt.“ 455 So ſchrieb davon Flegetanis. Kiot der Meiſter, den ich pries, Suchte dann aus Wißensdrang In lateinſhen Büchern lang,
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i ad a A de Je werth geweſen wäre, | Daß es des Grales pflege, Demuth im Herzen hege. Er las der Lande Chronika 10 Jn Jrland und Britannia, In Frankreich und manch anderm Land Vis er die Mär in Anſchau fand. | Da mot er leſen ſonder Wahn | Vom erſten Ahnherrn Mazadan, | 15 Und die von ihm den Urſprung nahmen ; Fand er geſchrieben all mit Namen. | Und andrerſeits, wie Titurel | Und ſein Sohn Frimutel | Den Gral Anfortas überwies, ] 20 Des Schweſter Herzeleide hieß, Die Gachmureten trug den Helden, Von welchem dieſe Mären melden. Der ritt nun auf der neuen Fährte, Von der der graue Ritter kehrte. 25 Er erkennt die Statt, obwohl nun Schnee /* Da liegt, wo Blumen blühten eh: (6s war vor jener Berge8wand, Wo ſeine mannlihe Hand Einſt Jeſhuten Huld erwarb, | Und ihres Gatten Zorn verdarb. SS 456 Dog nicht verlor der Weg ſich dort: Fontän ſauvaſche hieß der Ort, | Zu welchem ſeine Reiſe ging: | Er fand den Wirth, der ihn empfing. | 5 Da ſprach der Einſiedel gut: „O weh, Herr, daß ihr alſo thut In dieſer heiligen Zeit! Hat euh fährlicher Streit In dieſen Harniſch getrieben y 10 Oder ſeid ihr ohne Streit geblieben ? Euqh ſtünde beßer ſonſt ein Kleid, : Ließet ihr Vermeßenheit. y Geruht nun, Herr, und ſteigt vom Pferde (Mich dünkt , daß es eu< wohlthun werde) 16 Und erwarmt bei einem Feuer. Seid ihr auf Abenteuer Ausgeſandt um Minneſold, Seid ihr re<ter Minne hold, | So niünnt wie nun die Minne will,
| 20 Dieſes Tages Minne nehmt zum Ziel; | Ein andermal dient Frauen wieder. | Iq bitte, ſteigt vom Pferde nieder.“ y Parzival der Weigand | Stieg vom Pferd glei zur Hand; “2 Mit großer Zucht er vor ihm ſtund. | Er that ihm vor den Leuten kund, | Die ihn dahin gewieſen, Seinen Rath ihm angeprieſen. - Da ſprach er: „Herr, nun gebt mir Rath; Ich bin ein Mann der Sünde that. 457 Als dieſe Rede geſchah, Wieder pra der Gute da: „Euch zu rathen bin ih wohl geneigt: Nun ſagt mir, Wer euh hergezeigt." "$ „Herr, im Wald begegnet" ih | Einem Greiſen; wohl empfing der mi, | Und Die da mit ihm waren. y Der, in Falſchheit unerfahren , | Wars, der mi euch finden lehrte: * | 10 Jh ritt hieher auf ſeiner Fährte.“ . Der Wirth pra: „Das war Kahenis, ' Den man um Tugend inimer pries. Der Fürſt iſt ein Punturteis: Es hat der König von Kareis . 15 Seine Schweſter zum Gemahl erkoren. Reinere Frucht ward nie geboren Als ſeine Töchter beide, Die ihr fandet auf der Haide. Er ſtammt aus königlichem Hauſe; 20 Jährlich beſu<ht er meine Klauſe.“ Zum Wirthe ſprach der Fremdling da: | „Als ih euh vor mir ſtehen ſah, Hat euh Furt da übernommen? y Erſchrakt ihr als i< angekommen?“ 25 Das ſprach der Alte: „Glaubt mir, Herr, | Der Hirſh erſchre>t mi und der Bär Wahrlich öfter als ein Mann. | Mit Wahrheit ich eu< ſagen kann, Ih fürchte niht was menſchli iſt: Ich hab auh Menſchenkunſt und Liſt. 458 Selbſtruhm ſei fern; doh in dieß Leben Hätt ih aus Furt mich nicht begeben. i Nie iſ mir ſo das Herz erkrankt,
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Daß ih von tapfrer Wehr gewankt.
5 Jn meiner wehrlihen Zeit
War i ein Ritter wie ihr ſeid,
Der auh nah hoher Minne rang.
Manch ſündiger Gedanke {lang |
Sich dur mein keuſches Leben. | 10 Es war mein höchſtes Streben,
Daß ein Weib mir gnädig wär;
Vergeßen bin ih des nunmehr.
„Gebt den Zaum in meine Hand.
Dort unter jener Felſenwand 15 Soll euer Roſs fih ruhend ſtehn.
Nath einer Weile laßt uns gehn
Und brechen Grün und Farrnkraut ab,
Da ich kein ander Futter hab;
Ich hoffe do<, daß wirs ernähren.“
20 Da wollte Parzival fi< wehren,
Daß er den Zaum nicht ſollt empfangen. „Die Zucht kann nicht von euh verlangen Wider euern Wirth zu ſtreiten:
. Laßt Unfug nicht die Zucht verleiten.“
25 Alſo ſprah der gute Mann:
Da ließ er ihn den Zaum empfahn. Der zog das Roſs nun vor den Stein, Den ſelten traf der Sonne Schein: Das war ein wilder Marſtall ; Hindurch ging einer Quelle Fall.
459 Parzival ſtand auf dem Schnee: Einem kranken Manne thät es wh, Wenn er Harniſch trüge Und der Froſt ſo an ihn ſhlüge.
5 Jhn führt der Wirth in eine Gruft, | Die nie dur<hwehten Wind und Luft; Hier lagen glühende Kohlen,
Da mote ſih der Gaſt erholen. Eine Kerze ward auh angebrannt:
10 Da entwappnete ſi< der Weigand. | Unter ihm lag Reis und Stroh. | Da erwarmten ihm die Glieder ſo,
Daß ſeine Haut gab lichten Schein. j Er mochte wohl waldmüde ſein :
16 Lang war er Straßen ferne, | Nur die lihten Sterne | Sein Obdach, Nachis umher geirrt : | Hier fand er nun getreuen Wirth.
Da lag ein Ro>, den zog ihm an 20 Der Wirth, und führt’ ihn mit ſi<h dann Zu einer zweiten Gruft, wo aufgeſchlagen Des Einſiedel Bücher lagen. Entblößt ſtand na< des Tages Brauh Der Altar: jene Kapſel au< 25 Darauf, die ihm gar wohl bekannt ; Sie wars, auf der einſt ſeine Hand Schwur den ungefälſhten Eid, Der Jeſchuten3 langes Leid | Jn Freude verkehrte , | Jhr neues Glü> gewährte. e 460 Zum Wirthe ſpra< der Held ſofort: „Herr , die Heiltumskapſel dort Erkenn ih, weil ih einſ drauf ſ{wur, Da ich hier vorüber fuhr. 5 Einen farbgen Sper, der bei ihr ſtand, Herr, den nahm hier meine Hand; Viel Preis hab i< damit erjagt , Zum mindſten ward es mir geſagt. Der Gedanke wars an mein Gemahl, | 10 Der mir die Beſinnung ſtahl ; | Zwei Tjoſte rannt ih do< damit, | Die unbewuſt ih beide ſtritt. E Gleichwohl fand ih Sieg und Ehr; | Ach, jet hab ih der Sorgen mehr 15 Als wohl je zuvor cin Mann. | Bei eurer Zucht ſagt mir an, Von jener Zeit wie lang is her, y | Daß ih hinwegnahm jenen Sper?“ | Da ſpra< zu ihm der gute Mann: | 20 „Den Sper vergaß hier Taurian; Mein Freund erhob darum auh Klage. Fünfthalb Jahr iſts und drei Tage Seit ihr den Sper eu< nahmt zu eigen: Glaubt ihrs nicht, i< wills euh zeigen.“ 25 Da las er ihm im Pſalter all Der Wochen und der Jahre Zahl, Die ſeitdem vergangen waren. Er ſprah: „Nun hab ih erſt erfahren Wie lang ih irre weiſungslos Und aller Freuden bar und bloß,“ 461 Spra er: „mir iſt Freud ein Traum; Ich trage Kummers ſhweren Saum.
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„Herr, ih thu eu< mehr no< kund. Wo Münſter oder Kirche ſtund, 5 Darin Gott Ehre foll geſchehn, Da’ hat kein Auge mich geſehn Jn allen dieſen Zeiten. Ich ſuchte nihts als Streiten. Zu Gott auch trag ih Haß und Zorn, 10 Denn Er if meiner Sorgen Born, Er hat ſie allzuho< erhaben ; Lebendig iſt mein Glü> begraben. Wollte Gott mir Hülfe leihn, So ankerte die Freude. mein 15 So tief niht in des Kummers Grund. Mir ift mein mannli<h Herz ſo wund! - Wie wär es wohl auch heil und ganz, Da Trübſal ihren Dornenkranz Mir drü>t auf alle Würdigkeit , 20 Die mir Schildesamt erſtritt im Streit Wider wehrlihe Degen. Das darf ih Dem zu Laſt wohl legen, Der aller Hülfe mächtig iſt Und hülfreih Hülfe nie vergißt; | 256 Mir alleine half er niht, Was man von ſeiner Hülf auh ſpricht.“ Mit Seufzen ſah der Wirth ihn an. „Herr,“ ſprach er, „laßt von ſolhem Wahn: Lernt beßer Gott vertrauen : Jhr ſollt no< Hülfe ſchauen. 462 Gott mög uns helfen beiden. Herr, wollet mich beſcheiden y (Aber ſegt eu< doch dabei) Und ſagt mir unumwunden frei | 5 Wie dieſer Zwieſpalt ſi< entſpann, Da Gott euern Haß gewann. ' Vei eurer Zucht, hört mit Geduld Von Mir erſt ſeine Unſchuld Eh ihr über ihn mir klagt: : 10 Seine Hülf iſt Allen unverſagt. „Ob ich gleih ein Laie bin, Mir blieb wahrhafter Bücher Sinn Nicht fremd, die Alle ſchreiben Wie der Menſch getreu ſoll bleiben 15 Jn deſſen Dienſt, des Hülfe groß Stäter Hülfe nie verdroß,
| Daß unſre Seele niht verſank. | Seid getreu ohn allen Wank, Da Gott ſelbſt die Treue iſt. 20 Verhaßt war ſäts ihm falſche Liſt: Das ſoll bei uns zu Gut ihm kommen _ Und was er that zu unſerm Frommen, | Da der Allerhöchſte mild | Uns3 zu Liebe ward zum Menſchenbild. 26 Gott heißt und iſt die Wahrheit , Drum bleibt ihm Falſchheit ewig leid: Das bedenket immerdar. Er verläßt uns nicht fürwahr: Lehrt Jhr au< die Gedanken | - Nicht mehr von Jhm zu wanken.
E Ihr nöthigt Gott nichts ab dur< Zorn. | Wer ſieht, ihr habt ihm Haß geſhworn, Wähnt eu< gewiſs am Hirne krank.
Bedenkt , wie Lucifern gelang 6 Und ſeinen Genoßen alle. Sie waren do< ohne Galle: Wo nahmen ſie die Bitterkeit, Für die ihr endloſer Streit * Erwirbt der Hölle bittern Lohn? : | 10 Aſfftiroth und Belcimon, Belet und Rhadamant, | “ Und andre, die mir wohl bekannt: Das lichte himmliſche Geleit | Ward höllenſhwarz dur< Zorn und Neid. ¡156 „Da Lucifer zur Hölle ſank, Da nahm der Menſh den Anfang. y Gott bildete von Erdenthon Adamen, ſeiner Hände Sohn. Aus Adams Fleiſ<h er Even bra, 20 Von der uns kommt das Ungemach, Die den Schöpfer überhörte Und unſer Heil zerſtörte. Von Beiden kam gezweite Frucht: Dem Einen rieth die Eigenſucht , 25 Daß er in blinder Leidenſchaft Seiner Ahnfrau nahm die Jungfrauſchaft. Hier hebt nun Mangher an zu fragen, Wird dieſe Mär ihm vorgetragen, Wie das möglich könne ſein ? y Durch Sünde mögli< wars allein.“
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464 Parzival verſegte da: i nHerr , ih zweifle doh, ob das geſchah. Wer hat den Vater ihm geboren,
Von dem die Ahnfrau hat verloren | 5 Die Jungfrauſchaft, wie Jhr gewähnt ? | Jhr hättets beßer niht erwähnt.“ | Der Wirth entgegnete ſogleich: n„Aus3 dieſem Zweifel nehm ih euh. Wenn ih niht Wahrheit ſage, 10 Führt über Trug dann Klage. Die Erde Adams Mutter war: Gott bildet’ ihn aus Erde zwar; Dennoch blieb die Erde Magd. Nun hab ih eu< noh niht geſagt, 15 Wer das Magdtum ihr benahm. ; Den Kain zeugte Adam, Der Abeln ſ<lug um eitel Gut. Als auf die reine Erde Blut Fiel, ihr Magdtum war entflohn : 20 Das benahm ihr Adams Sohn. Da hub ſi< Menſchenzorn und Neid; Sie währen fort von jener Zeit. „Nichts Reinres do< auf Erden iſ Als die Jungfrau ſonder arge Liſt. 25 Nun ſeht wie rein die Maide find: Gott ſelber war der Jungfrau Kind. Von Maiden ſind zwei Menſchen kommen : Gott ſelber hat Geſtalt genommen Nach der Frucht der erſten Maid: So erwies er hohe Mildigkeit.
465 Unheil und Wonne kamen |
Uns aus Adams Samen. Er will gefippt uns angehören, | Des Lob erklingt von Engelscören; 5 Doh muſt aus Sipp uns Sünde blühn, Daß wir der Sünde nie entfliehn. Erbarme drob fi< deſſen Kraft, In dem Erbarmen wirkt und {haft , | Der im Menſchenbild Unbilde litt | 10 Und getreuli<h wider Untreu ſtritt. | E „Ihr ſollt den Zorn vergeßen: | Jhr verwirkt das Heil vermeßen. | Für Sünde ſollt ihr Buße thun Und laßt verwegne Rede ruhn.
15 Wer ſein Leid will rächen
Mit ungezähmtem Sprechen, Von deſſen Lohne ſei eu< kund, Ihn richtet der eigne Mund. Nehmt zur neuen alte Märe,
20 Daß fie eu< Treue lehre. Jener Redner Platon Sprach zu ſeinen Zeiten ſhon Und Sibylle hat, die Seherin, Mit untrüglichem Sinn
26 Vorausgeſagt ſo manches Jahr, Uns werde kommen fürwahr Für die Schuld ein hohes Pfand. Aus der Hölle nahm uns Gottes Hand Und die göttliche Minne;
| Die Frevler ließ fie drinne.
466 „Aus des wahren Minners Mund Ward uns frohe Botſchaft kund. Der iſ} ein durchleuchtig Licht Und wankt in ſeiner Minne niht.
56 Wem er Minn erzeigen ſoll, Dem wird mit ſeiner Minne wohl. Die Botſchaft kündet zweierlei : Aller Welt zu kaufen ſei Gottes Haß und Gottes Minne:
10 Welches wählt ihr zum Gewinne? Der Sündige ſonder Reue Flieht die göttlihe Treue;
y Wer aber büßt ſeine Schuld,
| Der verdient des Höchſten Huld.
15 „Dem Höchſten wehrt keine Schranke. Dem Bli> der Sonne wehrt Gedanke: Gedank iſt ohne Schloß verſte>t, Vor aller Kreatur verde>t,
Gedank ift finſter ohne Schein;
20 Doch Gottes Klarheit bligt hinein. Sie leu<htet dur die finſtre Wand, Sie kommt verhohlnen Sprungs gerannt, Der nict toſet, der niht klingt, Wenn er in die Herzen dringt.
26 Sei Gedanke noh ſo ſnelle,
Eh er vor des Herzens Schwelle Kommt, iſt er durhgründet: Gott wählt, die er würdig findet.
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“Da Gott Gedanken ſelbſt dur<ſpäht , ¡ Weh Dem, der ſündge That begeht ! 467 Wer mit Werken ſeinen Gruß Verwirkt , daß Gott fich ſhämen muß, Was hilft dem weltliche Zucht? | Wo if ſeiner Seele Zuflucht? | 5 Wenn ihr Gott entgegen ſeid, : Der zu beidem ift bereit , | Zur Minne wie zum Zorne, | So ſeid ihr der Verlorne. | Nun wendet eur Gemüthe, y 10 Daß er euh dankt, zur Güte.“ Parzival verſetzte ſo: „Herr, von Herzen bin ih froh, Daß Ihr mich über Den beſchieden, Der nichts läßt ungelohnt hienieden, * 15 Das Laſter noh die Tugend. Mit Sorgen meine Jugend Hab i< bis dieſen Tag durghlebt , Mit Treue Jammer nur erſtrebt.“ Der Wirth \ſpra< zu dem jungen Herrn: 20 „Verhehlt ihrs niht, ſo hört ih gern Was eu für Sorgen drüdten. Entde>t ſie meinen Blicken, F Vielleicht daß ihr dann guten Rath, Den ihr niht habt, von mir empfaht.“ 26 Wieder ſpra< da Parzival : „Meine höchſte Noth iſt um den Gral, Und dann um mein ehli< Weib: Auf Erden lebt kein ſhönrer Leib, Der jemals ſog der Mutter Bruſt; — Nath den Beiden ſehnt ſi< mein Geluſt.“ A68 Der Wirth ſprah: „Herr, ihr ſprehet wohl. Das ift Kummer, den man haben ſoll, Wenn ihr um euer Ehgemahl Jm Herzen tragt der Sehnſucht Qual. 5 Lebt ihr in rehter Ehe, y Träf eu< der Hölle Wehe, | Zu Ende wäre bald die Pein: Aus ſolcher Banden Noth befrein Würd Euch Gottes Hülfe gleich. | 10 Doch nah- dem Gral auch ſehnt ihr euh; Jhr dummer Mann, das muß ih klagen. i Den Gral kann Niemand erjagen |
Als der im Himmel wird ernannt | Und in den Dienſt des Grals geſandt. 15 Das laßt vom Gral euh offenbaren : | Ich weiß es, hab es ſelbſt erfahren.“ Parzival ſpra<h: „Wart ihr da?“ „Hexr,“ gab der Wirth zur Antwort, „ja!“ | Parzival verſhwieg ihm gar, 20 Daß auch Er einſt bei ihm war: Er frug ihn um die Märe Wie es mit dem Grale wäre? | Der Wirth ſprach : „Mir iſt wohl bekannt, | Es wohnt man wehrliche Hand 25 Zu Monſalväſche bei dem Gral. Auch pflegen über Berg und Thal | Dieſelben Templeiſen | Auf Abenteur zu reiſen , | Die fie als Sündenbuße tragen, | Ob ſie da Leid, ob Preis erjagen.“ | | 469 „Die wehrliche Ritterſchaft, Höret, was ihr Nahrung ſchafſt : Sie leben von einem Stein, Deſſen Art muß ede] ſein. 6 Jf eu der noh unbekannt, Sein Name wird euch hier genannt : Er heißet Lapis exilis. | Von ſeiner Kraft der Phönix Verbrennt, daß er zu Aſhe wird 10 Und dann der Glut verjüngt entſhwirrt. | Der Phönix ſchüttelt ſein Gefieder | Und gewinnt ſo lihten Schimmer wieder, j Daß er {öner wird als eh. | Wär einem Menſchen noh ſo weh, 16 ‘Doch ſtirbt er nicht denſelben Tag, ! Da er den Stein erſhauen mag, Und noch die nächſte Woche nicht ; | Auth entſtellt fich niht ſein Angeſicht: Die Farbe bleibt ihm klar und rein, 20 Wenn er täglih ſaut den Stein, Wie in ſeiner beſten Zeit Einſt als Jüngling oder Maid.
Säh er den Stein zweihundert Jahr, E Ergrauen würd ihm niht ſein Haar. 25 Solche Kraft dem Menſchen giebt der Stein,
Daß ihm Fleiſh und Gebein
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Wieder jung wird gleih zur Hand: Dieſer Stein iſ Gral genannt. | „Dem kommt heut eine Botſchaft , y In der liegt ſeine gröſte Kraft; . 470 Denn heut if der Karfreitag, - Da man der Sendung warten mag: Eine Taube ſi< vom Himmel ſ{wingt, Die dem Stein hernieder bringt 5 Eine Oblat weiß und klein. Die Gabe legt ſie auf den Stein: | Dann hebt mit glänzendem Gefieder N Die Taube fi< zum Himmel wicder. Alle Karfreitage 10 Bringt ſie was ih euh ſage. Davon empfängt der Stein genug, Was Gutes je die Erde trug Von Eßen und von Trinken, ( Was im Paradies mag winken, 15\ Die Erde mag gebähren. Jhnen ſoll der Stein gewähren Was Wildes unterm Himmel lebt, Was läuft, fliegt oder ſhwebt : Die Pfründe giebt des Grales Kraft | 20 Der ritterlichen Bruderſchaft. | „Doch Die zum Grale ſind benannt , Hört wie ihr Name wird bekannt. | An dem Grale ring8herum | Erſcheint ein Epitaphium , 25 Das ſie und ihr Geſchleht benennt, Denen Gott die ſelge Fahrt vergönnt , j Ob es Mägdlein ſind ob Knaben. Hinweg läßt ſich die Schrift niht haben; Doch wenn der Name geleſen ift Verſhwindet ſie zur ſelben Friſt. 471 Sie kamen all dahin als Kind, Die nun dort erwachſne Leute ſind. Wohl der Mutter, die das Kind geboren, |; Das zum Dienſt des Grales wird erkoren! 5 Ob ſie arm ſind oder rei, Darüber freun ſi< Alle gleich, Wenn ſie ihr Kind zu rufen kommen, | Das in die Schar wird aufgenommen. Man holt ſie her aus manchen Landen; 10 Sie ſind vor ſündlichen Schanden Dort immerdar behütet
Und im Himmel wirds vergütet : Scheiden ſie aus dieſem Leben Wird ihnen dort das Heil gegeben. 15 „Die ſi< niht entſcheiden mochten, Als Kampf ward gefochten Zwiſchen Trinitas und Lucifer, | All das himmliſche Heer ' Mit leuchtendem Gefieder, 20 Zu dem Steine muſt es nieder | Dort zu dienen dieſem Stein: | Wohl muß der hehr und edel ſein. Ob ihnen Gott die Schuld erließ, | Ob er ſie ſpäter ganz verſtieß — | 26 Er mote thun was ihm genehm. Dem Steine dienen ſeitdem | Die Gott dazu benannte, | Seinen Engel ihnen ſandte. Herr, ſo ſteht es um den Gral.“ | Wieder ſpra< da Parzival: 472 „Da Ritterſchaft des Leibes Preis : Und doch der Seele Paradeis | Erwerben mag mit Schild und Sper, So war mir Ritterſchaft Begehr. 5 Jh firitt wo ih nur Streiten fand, Und meine wehrliche Hand Näherte \ſi< oft dem Preis. Wenn Gott nun Kampf zu würdgen weiß, So ſoll er Mi zum Gral benennen , 10. Der, ſie werdens bald erkennen, Sich nie dem Kampf entziehen wird. Demüthig ſpra< jedo< ſcin Wirth: „Erſt müſtet ihr vor Hochfahrt : Behütet ſein und wohlbewahrt. 15 Euch verführte leiht die Jugend, Daß ihr brät der Demuth Tugend. Stäts muſte Hochmuth fallen.“ Seine Augen ſah man wallen Beim Gedanken an die Kunde, 20 Die da ging aus ſeinem Munde: nHerr, ein König einſt den Gral beſaß, Der hieß und heißt noh Anfortas. Immerdar erbarmen | Soll Eu und mi Armen 26 Seine bittre Herzen8noth,
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Die Ho@hfahrt ihm zu Lohne bot. Seine Jugend und ſein reihes Gut Verlo>ten ihn zum Uebermuth, So daß er warb um Minne Mit ungezähmtem Sinne. i 473 „Dem Gral iſ ſolher Brauh nicht recht: Da muß der Ritter und der Knecht | Behültet- ſein vor Leichtſinn; Demuth giebt beßern Gewinn. 5 Des Grales werthe Bruderſchaft Hält mit wehrlicher Kraft . Tas Volk aus allem Land umher Stäts ſo fern dur ſeine Wehr, Daß keinem wird der Gral bekannt, 10 Den er nicht ſelbſt dazu ernannt Jn Monſalväſh dem Gral zu dienen. Ungenannt kam einer doh zu ihnen: Das war ein cinfältger Mann Und ſchied mit Sünden auh hindann, 15 Daß er niht zum Wirthe ſprah Und frug nah ſeinem Ungemach. Jh ſollte Niemanden \chelten; Doch Dieſer muß der Sünd entgelten, Daß er nicht erfrug des Wirthes Schaden. 20 Er war mit Leid doh ſo beladen, Die Erde kennt niht höhre Pein. Vor ihm ſhon war Roi Lähelein An den See Brumban geritten. Eine Tjoft hat da mit ihm geſtritten 25 Libbeals der werthe Held, Auch ward er in der Tjoſt gefällt ; Er war geboren von Prienlaskro\s. Lählein zog des Helden Roſs An ſeiner Hand als Beute fort: So beging er Raub zuglei<h und Mord. 474 „Herr, ſeid ihr niht Lähelein? Ihr brachtet zu dem Stalle mein Ein Roſs, den Roſſen völlig glei, Die fie reiten in des Grales Reich. 5 Auf dem Sattel ſteht die Turteltaube : Es kommt von Monſalväſh, ih glaube. Das Wappen gab Anfortas ihnen Als ihm noh alle Freuden ſchienen. | Sie führtens früher ſhon im Schilde: 10 Da bracht es Titurel, der milde, | Simro>, Parzival und Titurel.
Auf ſeinen Sohn Frimutel. Unter ihm verlor der Degen ſchnell Auch von einer Tjoſt das Leben. Seinem Weibe war Der ſo ergeben, 15 Daß wohl von keinem Manne mehr Geminnet ward ein Weib ſo ſehr; Ich mein in re<hten Treuen. Den Brauch ſollt Jhr erneuen - Und minnt von Herzen eur Gemahl. x 20 Beſfleißt eu< ſeiner Sitten all; Ihr ſeht von Angeſicht ihm glei. E Einſt war er Herr im Gralesreih. Ach Herr, wie iſ do< eur Geſchlecht ? Wo ſtammt ihr her? Das ſagt mir ret ? 25 Einer ſah den andern an; | Zum Wirthe Parzival begann: | „Ih ward einem Mann geboren, | Der im Kampf das Leben hat verloren Dur ſein ritterli<h Gemüthe. Sqließt ihn, Herr, bei eurer Güte 475 Künftig ein in eur Gebet. Mein Vater hieß Gahmuret , | Von Geſchleht ein Anſchewein. Herr, ih bin niht Lähelein : 5 Hab ih den Mordraub je genommen, Wars eh i<h zu Verſtand gekommen. Es iſt jedo< von mir geſchehn, | Die Sünde muß ih eingeſtehn: | Jthern von Kukumerland | 10 Slug meine ſündhafte Hand: | Ich fſtre>t ihn todt dahin aufs Gras | Und nahm ihm was er nur beſaß.“ „Weh dir, Welt, wie thuſt du ſo!“ | Spra der Wirth; er war der Mär niht froh. 15 „Du giebſt uns Trübſal und Beſchwer, Kummer und Sorge mehr | Als wahrer Luſt: was iſ dein Lohn? So endet deines Liedes Ton!‘ | Da ſprach er: „Lieber Neffe mein, 20 Wie mag dir nun zu rathen ſein? Du haft dein eigen Fleiſh erſchlagen. Willſt du vor Gott die Blutſchuld tragen (Ihr ſtammt beid aus Einem Blut), Wenn Gott gere<t als Richter thut 25 So koſtet es dein eigen Leben. 12
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Was willſt du zum Erſaye geben Für Jthern von Gahevieß? Der nie der Ehre Pfad verließ. Gott {uf an Jhm was höhre Zier Dem Leben leiht auf Erden hier. | 476 Nur Andrer Freude mocht ihn freuen, | Der ein Balſam war der Treuen. Alle Schande floh ihn weit, Sein Herz bewohnte Würdigkeit. 5 Nie ſolltens werthe Fraun vergeben , Daß du nahni|t ſein holdes Leben. Er ergab ſi< ihrem Dienſt ſo ganz, Der Frauen Augen ſtralten Glanz, Wenn ſie ihn ſahn, von ſeiner Süße. 10 Daß es Gott erbarmen müße! . Warum \<hufſ du ſolche Noth ? Meiner Schweſter gabſt du au< den Tod, Herzeleid, der Mutter dein.“ „Nicht doch, guter Herr, ah nein! 15 Was ſagt ihr da?“ ſpra< Parzival, „Und wenn i< König wär vom Gral, Das Leid vergliten möcht es nicht, Davon mir euer Mund nun ſpricht. Vin ih eurer Shweſter Kind, | 20 So zeigt, daß ihr mir treu geſinnt | Und macht mir wahrhaft offenbar: | Sind dieſe Dinge beide wahr?“ | Dawider ſpra< der gute Mann: „Ich bin es niht, der trügen kann. 5 Deine Mutter, da du ſchiedeſt, ſtarb; Die Treu ihr ſol<hes Looß erwarb. Du warſt das Thier, das ſie da ſog, Der Drache, der da von ihr flog. : Im Traum es ihr beſchieden war Eh noh die Süße dich gebar.
A77T „Meiner Geſchwiſter zwei noh ſind. Meine Schweſter Tſchoiſian? ein Kind Gebar; die Fru<t gab ihr den Tod.
Der Herzoge Kiot :
5 Von Katelangen war ihr Mann; Keine Freud er au ſeitdem gewann. Sigunen, beider Töchterlein, Befahl man der Mutter dein. | Mitten in meinem Herzen
10 Muß mih Tſchoifiane \ſhmerzen: h
Jhr weibli< Herz war ſo gut, Ein Wehr vor aller Sünden Flut. Meine andre Schweſter lebt; die Magd Hat aller Eitelkeit entſagt. 15 Repans de Schoie pflegt den Gral: Jhr ift er leiht, ein Federball; Doch nimmer von der Stelle trägt Ihn Wer im Herzen Falſchheit hegt. Unſer Bruder iſt Anfortas, 20 Der nun beſigt und längſt beſaß Des Grals ererbte Herlichkeit. Von dem iſ leider Freude weit , Nur daß er von der Hoffnung zehrt Sein Kummer werde dort verkehrt 26 Jn Wonne ſonder End und Ziel. Wie ich dir , Neffe, künden will Jſſt es wunderbar ergangen, Daß ihn Jammer hält befangen: Hegſt du dann Treu im Herzen, So muß ſein Leid dih ſhmerzen. A478 „Meinen Vater Frimutecl verloren © Wir früh: da ward nah ihm erkoren Der ſeiner Söhne ältſter war Zum Vogt des Grals und ſeiner Schar. 5 Anfortas wars, der Bruder mein: Ihm ziemte wohl der Krone. Schein, Obgleich wir Kinder waren. Als mein Bruder zu den Jahren Kam, daß ihm der Bart entſprang, 10 Solcher Jugend thut die Minne Zwang. Sie pflegt ſie allzuſehr zu plagen: Das muß man ihr zum Tadel ſagen. : Als Herr des Grals na< Minne ſtreben , Die ihm die Schrift niht na<hgegeben, | 16 Jt fträflihe Vermeßenheit , Die Seufzer bringt und Herzeleid. „Mein Herr und Bruder wählte fih | Eine Freundin minniglih Und hehrer Sitten, daucht es ihn; 20 Wer ſie war, das fteh dahin. In ihrem Dienſt hielt er ſi ſo, Daß ihn alle Zagheit floh. Da ward von ſeiner ſtarken Hand Zerbrochen mancher Schildesrand. 26 Zu manchem Abenteuer
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aL LR ZLEVESTEUETr:
Ward Einer öfter noh beſtanden In allen ritterlichen Landen, Solches Willens war er frei. Amor war ſein Feldgeſchrei :
479 Der Feldruf iſt zur Demuth
j Eben auch niht ‘allzugut.
„Einſt ritt der König allein j
(Den Seinen allen huf es Pein)
6 Aus nah Abenteuern : ' Minne ſollt’ ihm Freude ſteuern, j Denn noh zwang ihn Minne ſehr. | Mit einem giftigen Sper | Ward er in einer Tjoſt ſo wund, |
10 Daß er nimmermehr geſund | Wird, der ſüße Oheim dein. |
| Getroffen war ſein Sqambein. | Ein Heide wars, der mit ihm ſtritt, | Wider ihn tjoſtierend ritt, i
15 Geboren von Ethniſe, | Wo aus dem Paradieſe j Gefloßen kommt der Tigris. | Der Heide meinte für gewiſs | Den Gral ſollt er gewonnen haben. | 20 Jn den Sper ſein Name ſtand gegraben. |
Er ſuchte ferne Ritterſchaft : |
Einzig um des Grales Kraft |
Strich er über Meèr ‘und Land. |
Von ſeinem Streit un ‘Freude ſhwand.
25 „Man muſte wohl als tapfer preiſen | Deines Oheims Kampf; des Speres Eiſen j Führt? er in ſeinem Leib hindann. |
i Da der junge werthe Mann | Heimkam zu den Seinen, | Da ſah man kläglih Weinen. | 480 Den’ Heiden hatt er dort erſchlagen; |
Devo wollen wir mit Maßen klagen. | „Als der König kam, erblichen |
Und alle Kraft von ihm gewichen, ,
6 Da griff ein Arzt ihm in die Wunde |
Und fand das Eiſen dort zur Stunde. Die Spige war von innen hohl: ' Draus floß das Gift zur Wunde wohl. Aus zog der Arzt die Splitter wieder.
10 Da fiel i< zum Gebete nicder Und gelobte Gott aus Herzensfraft, Daß ich aller Ritterſchaft Hinfort entſagen wollte, | Daß Gott doch helfen ſollte 15 Meinem Bruder aus der Noth. | Fleiſch verſ<wur ih, Wein und Brot, | Und was man blutger Speiſen wüſte, y Daß ihrer nimmer mich gelüſte. y Da hub das Volk erſt an zu klagen, | 20 Lieber Neffe, laß dir ſagen, y Daß ih des Schwerts mi abgethan. Sie ſprachen: „Wer wird fortan | Dem Gral zum Schirmer taugen?“ | Da weinten lichte Augen. 26 „Man trug der König vor den Gral, Ob Gott ihm hülfe von der Qual. Da den Gral der König ſah, Ein neuer Jammer wars ihm da,. Daß er nicht konnt erſterben. y Tod durft er niht erwerben, 481 Da Ih mig hait ergeben ' In dieſes arme Leben, | Und des Grales Herſchaft Ruht’ auf Seiner {wachen Kraft. "6 Von Gift war ſeine Wunde naß. Was man Arzneibücher las, Die gaben keiner Hülfe Lohn. Wider Aspis, Ecidemon, Ehkontius und Lifis, 10 Jecis und Meatris, Der argen Schlangen heißes Gift, Was man dafür verordnet trifft, Und andre giftge Würme, Was ein Arzt dafür zum Schirme 15 An Kräutern weiß und Würzen (Laß den Bericht dir kürzen), Nichts ſollte helfen können: Gott wollt es niht vergönnen. i „Da ſchi>ten wir zum Geon 20 Boten, und zum Fiſon, | Zum Euphrates und Tigris, E | Den vier Flüßen aus dem Paradies, | So nah ihm, daß ſein Ruch ſo fein | Noh niht verflogen könnte ſein:
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25 Ob ein Kraut geſhwommen käme, ] Das uns aus der Trauer nähme. Das war verlorne Arbeit : Erneut war unſer Herzeleid. „Wir verſuhtens no< in mancher Weiſe. Da griffen wir zu jenem Reiſe, h 482 Das Sibylle dem Aeneas bot Wider alle Höllennoth, Wider des Phlegetons Dunſt und Rauch, Und andrer Höllenflüße auh:
6 Mit Mühn und Sorgen mancherlei
Safften wir das Reis herbei , Ob der grauſame Sper Vielleicht im Höllenfeuer wär Vergiftet und gelöthet,
10 Der uns viel Freud “ertödtet. -
„So war es niht mit ihm bewandt. Ein Vogel, Pelikan genannt , Wenn er junge Brut gewinnt, Allzuſehr die Kleinen minnt :
15 Wie ihn ſeiner Treu Geluſt Zwingt, dur<hbeißt er ſich die Bruſt, Läßt das Blut den Jungen in den Mund; Er aber ſtirbt zur ſelben Stund.
Da nahmen wir des Vogels Blut, 20 Ob ſeine Treu uns käm zu gut, Und ſtrihens auf die Wunden So gut als wirs verſtunden : „Das half uns keine taube Nuß. Ein Thier heißt Monicirus :
25 Das dünkt der Jungfrau Reinheit groß: Es ſ{<lummert ein in ihrem Schooß. Wir verſchafften uns des Thieres Herz Wider des Königs Schmerz;
Wir nahmen den Karfunkelſtein Aus des Thieres Hirnbein,
483 Der da wächſt unter ſeinem Horn. Wir beſtrichen ihm die Wunde vorn, TauŸhten drein den Stein ſogar;
Doch blieb ſie giftig wie fie war.
5 „Das that uns mit dem König weh. Wir nahmen ein Kraut, heißt Trachonte (Von dem Kraute hört man ſagen, | Wo ein Drache werd erſchlagen i
| Aus dem Blute wach) es auf. 2 “ 10 Das Kraut hat zu der Sterne Lauf ! Unerforſhlihen Bezug), Ob uns vielleicht des Drachen Flug Noch im Kraute möchte frommen Bei der Sterne Wiederkommen 15 Und des Mondes Wandeltag, | Der der Wunde Schmerz zu mehren pflag : Des Krautes edle Eigenſchaft | Erwies mit Nichten ihre Kraft. | „Wir knieten betend vor dem Gral. 20 Da ſtand daran mit Einem Mal Geſchrieben, daß ein Ritter käme: Wenn deſſen Frage man vernähme, So wär das Uebel abgethan; | Hätt aber Kind, Magd oder Mann 25 Ihn gewarnt, der Frage zu gedenken, | So möge ſie niht Hülfe ſchenken: | Der Schade währe fort wie eh, | Und brächte nur no< ſ<härfres Weh. ; Die Schrift ſprach : „Habt ihr das vernommen ? Aus Warnung kann nur Schade kommen. 484 Au frag er in der erſten Nacht; | Hernach zergeht der Frage Macht. | Hört man zur re<hten Zeit ihn fragen, | Soll Er des Grales Krone tragen 5 Und \ſih der Kummer enden: | Die Hülfe will Gott ſenden. | Das mag Anfortas Heil verleihn ; j Doh ſoll er niht mehr König ſein.“ | „Alſo laſen wir am Gral, | 10 Daß Anfortajens Qual | Damit ein Ende nähme, : | Wenn uns die Frage käme. È Wir brachten an die Wunden, : Wovon wir Lindrung oft empfunden, 15 Nardenſalben , Theriak Und was von ihm empfing den Shma>, Nebſt dem Rauch von lignum Aloe: N Ihm war doch allewege weh. : Damals zog ih hieher ; 20 Ich finde wenig Freude mehr. Der Ritter iſ ſeitdem gekommen: Daraus erwu<s uns wenig Frommen ; Schon hab ih dir von ihm geſagt.
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Nur Unpreis hat er dort erjagt,
26 Daß er das bittre Ungemach | Erfah, und zu dem Wirth nicht ſprach: „Herr, wie ſtehts um eure Noth?
Da ſeine Einfalt ihm gebot , Daß er ſolche Frage mied, Wie großes Heil darum ihn flieht!“
485 Sie klagten lange ſi ihr Leid. Inzwiſchen ward es Mittag3zeit. Der Wirth ſprach : „Gehn wir Nahrung holen ; Dein Roſs iſ übelm Stall befohlen:
5 Ich weiß uns ſelber niht zu ſpeiſen, Will uns nicht Gott die Mittel weiſen. Meine Küche rauchet ſelten:
Des muſt du heut entgelten, Und ſo lang du willſt bei mir verkehren.
10 Viel Wurzeln zwar dich kennen lehren Wollt ich, ließ es zu der Schnee:
Gott gebe, daß er bald zergeh! Nun brechen wir ihm Eibenſproßen ; Dein Roſs hat beßre Koſt genoßen
15 Zu Monſalväſche oft als hie;
« Gleichwohl trefft ihr beide nie Den Wirth, ders lieber gönnte, Wenn mans hier haben könnte.“
Sie gingen aus, der Nahrung nah.
20 Parzival des Futters pflag;
Wurzeln grub der Wirth, der weiſe:
Das war ihre beſte Speiſe. ' Seiner Regel nicht vergaß
Der Wirth: wie viel er grub, er aß
25 Kein Würzlein vor der None. | Um der nächſten Stauden Krone | Hing ers und ſuchte mehre. | Manten Tag zu Gottes Ehre War er nüchtern gegangen, | Fand er nirgend Wurzeln hangen.
486 Die zwei Geſellen niht verdroß, Sie gingen wo der Brunnen floß, | Und wuſchen Wurzeln rein und Kraut. Jhr Mund ward ſelten Lachens laut.
5 Dann wuſchen ſie die Hände fi.
An einem Stri>te ſäuberlich | Trug Eibenzweige Parzival |
| Fürs Roſs. So gingen fie zumal | Zu ihrem Sit heim vor die Kohlen. 10 Mehr Speiſe konnte Niemand holen: Da war geſotten noh gebraten; y Ihre Küche war gar unberathen. Parzival in ſeinem Sinne, Bei der herzlihen Minne, 15 Die er zu ſeinem Wirthe trug, | Meinte doch, es wär genug Und ſo gut als einſt bei Gurnemans, Und da zu Monſalväſh im Glanz S{höner Jungfraun Zug vorüberging 20 Und er die Koſt vom Gral empfing. | | Sein getreuer Wirth, der greiſe, Sprach zu ihm: „Sieh dieſe Speiſe, Lieber Neffe, niht verſhmähe: ; Du tri den Wirth nicht in der Nähe, " 26 Der dirs ſo gerne gönnte, | Wenn er di laben könnte." „Herr,“ \ſprah Parzival dawider, „Gott ſeh nie huldreih auf mich nieder, | Wenn je mich beßer hat geletzt | Was ein Wirth mir vorgeſetzt.“ 487 Die Speiſe, die man auftrug hier, Wuſchen ſie fi niht nach ihr, Das ſchadet? ihren Augen nicht, Wie man von fiſhigen Händen ſpricht. 5 Man könnte mit mir beizen Ohne mich viel zu reizen (Wenn ih Habicht oder Sperber hieße), Daß ih auf die Beute ſtieße, Hätt ih keinen vollern Kropf; 10 Der Hunger blähte mir den Schopf. Was ſpott ih der Getreuen hier ? Meine alte Unart rieth es mir. Jhr wißt do< wa3 den Frommen Den Reichtum hat benommen, 15 Warum ſie waren freudenarm , Oftmals kalt und ſelten warm. Aus gottgetreuem Herzen Trugen fie die Shmerzen y Jn erwählter Armut Stand, | 20 Von des Allerhöchſten Hand
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Empfingen ſie dafür den Sold; Gott war und ward no< Beiden hold. Zum Stall ging nah dem kargen Mal Mit dem guten Manne Parzival, : 25 Der nah dem Roſs noh niht geſchaut. Mit betrübter Stimme Laut. - Der Wirth zum Roſs ſprach: „Mir iſt leid Deines Kummers Bitterkeit e Des Sattels wegen, der dich ziert, N Und der Anfortas Wappen führt.“ A488 Da dem Roſs geſchehen war ſein Recht , Da hub ſi< erſt der Jammer ret. — Parzival zum Wirth begann: „Herr und Oheim, hört mi an. 6 Dürft i<hs vor Beſhämung ſagen, So wollt ih eu< mein Unglü> klagen. Doch eure Güte wird verzeihn: Zu Eu muß meine Zuflucht ſein. * Solche S<huld hab i< mir aufgebürdet , 10 Wenn Jhr darum mich haßen würdet, Müſt ih dem Troſt entſagen In allen meinen Tagen Unerlöſt von Reue. “Ihr ſollt mit Rath der Treue 15 Beklagen meine Thorheit. Der auf Monſalväſch zu jener Zeit Sah des Königs Ungemah Und doh keine Frage ſprach, Das bin Jh unſelger Mann! 20 So hab i< Armer miſsgethan.“ Der Wirth ſpra<: „Neffe, was ſagſt Du? Wir müßen alle beide zu . Herzlicher Trauer greiſen , Die Freude laßen ſhweifen, 25 Da dich Einfalt ſo ums Heil betrog. Gab dir Gott fünf Sinne doh: Die haben übel di berathen. Sprich, welchen Beiſtand fie dir thaten Jn der entſcheidenden Stunde Dort bei Anfortaſens Wunde? 489 „Doch will ih Rath dir nicht verſagen: | Aug zu tiefes Leid ſoll du nicht tragen. |
| Do ſollſt in re<hten Maßen y Klagen und Klage laßen. 5 In der Menſchheit iſ ein wilder Zug: Oft wird zu früh die Jugend klug; Will dann das Alter Thorheit liben Und ſeine lautre Sitte trüben, - i Sd wird das Weiße ſ{hwarz zumal , 10 Wird die grüne Jugend fahl, - Und weder hier no< dort gedeiht [ Rechter Sinn und Würdigkeit. | Könnit ih dih noch ergrünen, Und das Herz dir ſo erkühnen, 156 Daß du Den Preis erjagteſt , | An Gott nichtmehr verzagteſt, O So möcht es dir gelingen * E | Solche Würde zu erſhwingen, ; | Daß es Erſatz wohl hieße. e , Ï 20 Gott ſelbſt dih niht verließe. S | „Gott will di< dur< mi belehren. Lieber Neffe, laß mi hören, Sahſt du zu Monſalväſh die Lanze? E Wenn ſih der Stern Saturn im Glanze 25 An ſein Ziel zurüd>gefunden, Das war zu ſpüren an den Wunden Und an dem ſpäten Frühlingsſchnee. Dann that der Froſt ihm grimmig weh, . Dem ſüßen Oheime dein. Der Sper muſt in die Wund hinein, 490 Daß Eine Noth der andern Noth : Half: der Sper war blutigroth. „Einiger Sterne Rüd>kehrtage Brachte Monſalväſch in Klage: e 6 Wenn fie ob einander ſtehn, Feindſelig ſich vorübergehn. 5 Auch bleibt die Wunde niht verſchont - Wenn im Wechſel ſteht der Mond. In der jezt benannten Zeit 10 Faßt den König grimmes Leid: Ihm thut der ſcarſe Froſt ſo weh, - Sein Fleiſch wird kälter als der Schnee. . | Da man ein Gift nun, glühendheiß, | An der Sperſpize weiß, : 1ó So wirds den Wunden aufgelegt: Der Froft glei< aus der Wunde ſ{lägt
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nr gr ie Glas < um den Sper; | Das alsdann nur Niemand mehr Von dem Eiſen löſen kann. 5 20 Trebüſchet wars, der weiſe Mann, Der zwei Meßer {uf mit Eilberklingen: Mit denen läßt es fi vollbringen. Die Kunſt hatt ihn ein Spruch gelehrt An tuſtes Königes Schwert. - © 26 Man hört wohl ſagen om A3beſt Daß er ſih niht verbrennen läßt; i Dog fiel von jenèm Glas darauf, : - Gleih ſchlugen helle Flammen auf 5 Und der Asbeſt verbrannte gar: - “Wie iſ dieß Gift ſo wunderbar! y 491 „Er kann nit reiten, kann niht gehn, | Der König, liegen nicht noh ſtehn, ! Nicht figen: er muß lehnen . - ] Mit Seufzen, unter Thränen. | - 6 Veim Mondes3weſel wird- ihm weh. | Brumbane heißt ein naher See: | : Da tragen ſie ihn hin: ‘beim Fiſchen i Soll ihn da milde Luft erfriſchen. 4 Das nennt er ſeinen Waidetag; | “10 Dot was et dort erbeuten mag | : Bei ſo \<merzliher Beſhwer, Er bedarf zu Haufe mehr. | Davon erſholl die Märe, | Daß er ein Fiſcher wäre. y | y 15 Das Märchen. läßt er walten. . Er hat doch feilgehalten . “| Nie Sglmen noh Lampreten; | Könnt er vor Schmerz fih retten!“ ‘ : Da unterbrach ihn Parzival : 20 „I< fand den König auch einmal Ankern auf” den Wellen, : Den Fiſchen nachzuſtellen , Oder zur Kurzweile. y © Ich. ritt manche Meile E 26 Den Tag auf waldgen Straßen. y Pelrapär hatt ith verlaßen E Erſt um den mitten Morgen. Am Abend trug ih Sorgen E * Wo meine Herberg möchte ſein: Da bot fie mir mein Oheim.“
492 „Nicht gefahrlos war die Fahrt ,“ ' Sprach der Wirth, „denn wohlverwahrt Von den Templeiſen wird der Wald. Weder Liſt no< Gewalt "6 Mag da den Reiſenden frommen. | Mit Sthre>en hat das oft vernommen | Wer da den Tod empfing im Streit: y Sie nehmen Niemands Sicherheit, | Sie ſegen Leben gegen Leben. | 10 Zur Buß iſts ihnen aufgegeben.“ „Denrtdh kam ih ohne Streit y Dureh den Wald zu jener Zeit, . : Wo ih am See,“ ſprach Parzival, „Den König fand. Deſſen Saal 15 Sah ih am Abend Jammers voll. Ach wie laut der Wehruf ſoll ! Ein Knapp herein zur Thüre ſprang: Von Jammer gleih der Saal erklang. : Der trug in ſeinen Händen 20 Einen Schaft zu den vier Wänden; Der Sper daran war blutigroth: Das huf dem Volke Jammers Noth.“ Der Wirth pra: „Heftiger als je War dazumal des Königs Weh, 25 Denn ſo kündigte ſein Nahn Uns der Stern Saturnus an. Der pflegt mit großem Froſt zu kommen. Drauf legen mochte da niht frommen, Wovon wir Lindrung ſonſt empfunden : | Man ſta den Sper ihm in die Wunden. “ 493 Saturnus ſteigt ſo ho< empor; E Die Wund empfand den Froſt zuvor: | Die Kälte kam erſt hinterdrein. | Es eilte ſich niht ſo zu ſ<hnein, 6 Die andre Naht erſt fing es an | Obgleich mit ihr der Lenz begann. | Groß Leid alles Volk beſchwerte, Da man ſo dem Froſt des Königs wehrte.“ | Da ſprach der fromme Trevrezent: 10 „Jhres Jammers war kein End, | Als den Sper die Wunde heiſchte, | Der ihr eigen Herz zerfleiſchte ; | Jhrer Klage Jammerton | Glich einer neuen Paſſion.“
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15 Zum Wirthe \ſpra< da Parzival: ' „Fünf und zwakzig an der Zahl Sah ih Maide vor dem König ſtehn, Mit großer Zucht den Dienſt begehn.“ | Der Wirth ſpra<: „Mägdlein follen pflegen 20 (Das Recht verkieh ihm Gottes Segen) Des Grals , ihm dienen für und für. Der Gral iſ ſtreng in ſeiner Kür: Sein ſollen Ritter hüten Mit entſagenden Gemüthen. 25 Wenn dann die hohen Sterne kehren, Muß Jammer all dieß Volk beſchweren, Die Jungen wie die Alten. Gott ließ den Jngrimm walten Allzulange wider ſie: Wird ihnen Troſt und Freude nie? 494 „Neffe, nun bericht ih dir, Jh weiß, du zweifelt niht an mir, Von der Templeiſen Leben. Sie empfangen und ſie geben. 5 Sie nehmen junge Kinder an Von hoher Art und wohlgethan, Auserwählt von Gottes Hand. Wird dann herrenlos ein Land, Das eines Königs begehrt 10 Aus der Scar des Grals, das wird gewährt. Wohl wird des Volks ein Solcher pflegen , Denn Ihn begleitet Gottes Segen. | „Gott haf die Männer heimlich fort; | Die Jungfraun giebt man offen dort. 16 Darum war kein Hinderniſs, Als der König Kaſtis / Herzeleidens hat begehrt: hj Mit Freuden ward ſie ihm gewährt. | Deine Mutter ward ihm angetraut ; \ £0 Doch nicht genoß er ſeiner Braut: | Es kam der Tod und grub ſein Grab. | Zuvor er deiner Mutter gab ] Waleis und Norgals Mit Kanvoleis und Kingrivals : 25 Das ward ihr öffentlih gegeben. Der König ſollt unlange leben: Zu ſeiner Heimat fuhr er wieder; Da legt’ er ſi< zum Sterben nieder.
Die Köngin und ihr Doppelland Erwarb da Gachmuretens Hand. 495 „Der Gral giebt Jungfraun unverſtohlen, Die Männer giebt er hin verhohlen. Jhre Frucht dereinſt nimmt er zurü>, BVlüht ihren Kindern auh das Glück | 5 Des Grales Schar zu mehren: Das wird die Schrift dann lehren. n„Frauenminne muß verſhwören | Wer zur Schar des Grales will gehören. ' Nur dem König allein 10 Gebührt ein Weib, an Tugend rein, Und jenen, welhe Gott geſandt Zu Herren herrenloſem Land. Die Vorſchrift ließ ih unbeachtet , Da das Herz na< Minne mir getrachtet. 15 Mir rieth die blühnde Jugend | Und werthen Weibes Tugend, Daß ih in ihrem Dienſte ritt | Und oft in blutgem Kampfe ſtritt. Mich dauchten ſo geheuer 20 Die wilden Abenteuer , | Daß ih niht mehr turnierte. | Ihre Minne führte | Mir ins Herz der Freude Schein: Da wollt i< ernſten Kampf nicht ſcheun. 25 Zu ferner wilder Ritterſchaft 5 Zwang mi ihrer Minne Kraft, Daß ih ihre Gunſt erkaufte. Der Heid und der Getaufte ; Galten mir im Streite gleich: Ich dachte, Sie wär lohnesreih. 496 „Ich trug um Sie Beſchwerde In drei Theilen der Erde, In Europa und in Aſia, Und im fernen Afrika. 5 Wollt ih {höne Tjoſte reiten, | So muſt i< vor Gaurivon ſtreiten ; | Auch ih hab manche Tjoſt gethan | Vor dem Berge Feimorgan. | Manch ſchöne Tjoſt ward mir verliehn 10 Vor dem Berg Agremontin. | Wer des Jnnern Troy will dämpfen, Der muß mit feurgen Männern kämpfen;
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Die äußern Völker brennen nicht Wie Manther dort den Sper auh brit.
15 Als am Rohas ih im Steierland
Abenteuer ſucht’ und fand, Da kamen tapfre windſhe Männer Entgegen mir als Lanzenrenner. „Ich fuhr von Sevilla y E £0 Auf dem Meere gen Sicilia, Durch Friaul bis gen Aglei. Weh, 0 weh und heia hei! Daß ih jemals deinen Vater ſah! Denn ic fand und ſah ihn da. 25 Zu Sevilla zog ih ein | Al3 der werihe Anſchewein Eben Herberg genommen. Seine Fahrt macht mir das Herz beklommen Die er that gen Baldag, Wo er in einer Tjoſt erlag, Y 497 Wie ih dich ſelber hörte ſagen. Ewig muß ih ihn beklagen. E „Mein Bruder iſ ein reiher Mann. Er ſah die Koſten nicht an,
5 Wenn er mi heimli<h von ſi ſandte. Wenn ih von Monſalväſh mih wandte, | Sein Jnſiegel nahm ih da | Und führt! es gegen Karkobra : | Da fällt ins Meer der Plimizöl |
10 In dem Bistum Barbigöl. | Auf ſeinen Siegelring berieth | Mich da der Burggraf, ch ih ſchied,
Mit Gefolg,, und was ih nöthig fand Zu einem Zug ins Heidenland 1ö Oder anderm Abenteuer; Da war ihm nichts zu theuer. Ich kam allein gen Karkobra; Bei der Heimkehr ließ ih wieder da Das Geſind und alle andern Stücke 20 Und ritt gen Monſalväſh zurüd>e. | „Nun höre, lieber Neffe mein : Da der werthe Vater dein Zuerſt mi in Sevilla ſah, Anſprah er mi als Bruder da 26 Seines Weibes Herzeleid , Und hatte do< zu keiner Zeit
Mein Angeſicht zuvor geſehn. Auch war i<, muſte man geſtchn, Schön wie kein Mann geſehn no< ward; Noch hatt ih damals keinen Bart. 498 Als er in mekne Herberg fuhr, Da verneint ih es und {wur Manthen ungeſtabten Eid. Er hielt fi< drauf mit Sicherheit ; | 6 Zuletzt geſtand i<s in3geheim. | Mit großen Frouden fuhr er heim. Sein Kleinod verehrt! er mir; Was Jh gab, nahm er mit Begier. Da ſaheſt meine Kapſel hie; 10 Grüner als der Klee ift ſie: Jh ließ fie aus dem Steine Vilden, den mir gab der Reine. Zum Knappen ließ er mir Jtherey: Das Herz gab ſeinem Neffen Lehren, 15 Daß aller Falſh an ihm verſhwand, - Dem König von Kukumerland. Wir durften Fahrt niht länger meiden Und muſten von einander ſcheiden. Da zog er in des Baruchs Land; 20 Zum Rohas fuhr ih ſelbſt zuhand. Von Cilli kam ih hingeritten. Drei Wochen hatt ih dort geſtritten, Da ſchien es mir genug gethan. Zunächſt von Rohas ritt ih dann | 25 In die weite Stadt Gandein: | Sie iſts, nah der der Ahnherr dein Einft Gandein ward genannt. y Da matte ſi< Ither bekannt. Dieſe Stadt liegt dort genau, | Wo die Greian in die Drau, 499 Ein goldreih Wakßer, rinnet. | Da ward Ither geminnet , Als3 er deine Muhme fand. E Sie beherſchte dieſes Land;
6 Jhr Vater, Gandein von Anſchau, Gab ſie dieſem Land zur Frau. Lammire wurde fie genannt ;
| Aber Steier heißt das Land. Duréhſtreifen muß der Lande viel 10 Wer Schilde8amt verwalten will.
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„Nun dauert mi<h mein Knappe roth, Um Den fie mir viel Ehre bot. Jther war dir nah verwandt ; Vergaß der Sippe deine Hand,
15 Gott hat ihrer niht vergeßen; : Er kann ſie wohl na< Gliedern meßen. | Willſt du mit Gott in Frieden leben, Sollſt du dafür ihm Buße geben.
J< muß dir jammernd künden : |
20 Du trägſt zwei Todſünden. | Ithern haſt du erſchlagen; | Auch deine Mutter ſoll du klagen,
Der ihre große Treue rieth, Daß ſie aus dieſem Leben ſchied, 25 Da Du von ihr geſchieden. E Nun folge mir, hienieden
Büße deine Miſſethat , Daß wenn einſt dein Ende naht, Irdſche Drangſal dir erwirbt, Daß dort die Seele niht verdirbi.“
500 Weiter ohne Zornes Haſt Frug der Wirth ſeinen Gaſt : | „Noch hab ich, Neffe, niht vernommen: Wie biſt du an dieß Roſs gekommen ?“
6 „Herr, dieß Roſs hab ih erſtritten, |
Da ih von Sigunen kam geritten, Die ih vor ihrer Klauſe ſprach. Einen Ritter flüglings ſtach 7
J<< dann herab und zogs hindann;
10 Von Monſalväſche war der Mann.“ F Der Wirth ſprach: „Blieb er denn am Leben, Dem es Anfortas hat gegeben ?“
„Herr, ih ſah ihn heil entgehn . Und fand dieß Roſs mir nahe ſtehn,“ y
15 „Des Grales Volk berauben Und dabei doh glauben Seine Freundſchaft zu gewinnen, | Das if} thöriht Beginnen.“ nHerr, ih nahms in offnem Streit.
20 Wer de8halb mi<h der Sünde zeiht,
Der prüf erſt näher wie es kam:
Er erſchlug das meine, dem i<s nahm.“ Wieder \pra< da Parzival :
„Wer war die Jungfrau, die den Gral
| 25 Trug? den Mantel lieh ſie mir.“ | Der Wirth ſpra<h: „Neffe, war er ihr ! (Sie iſt au< deine Muhme)? Sie lieh ihn niht zu eitelm Ruhme: Du ſollteſt dort Gebieter ſein Des Grals und ihr, niht minder mein 501 Dein Oheim gab dir auh ein Schwert, Das dir mit Sünden nun gehört, Da leider keine Frage kund That dein wohlberedter Mund. 6b Laß die Sünde bei den andern ftehn; Zeit i}s, daß wir zur Ruhe gehn.“ Nicht Beit noh Kiſſen ward gebracht: Sie lagen auf dem Stein zu Nacht; | Jhrem herlihen Geſchlecht E | 10 War ſol< ein Lager niht gerecht. So blieb er bei ihm vierzehn Tage. E | Sein pflag der Wirth wie ih euh ſage Kraut und Wurzeln allein | Muſten ihre Speiſe ſein. | 15 Der Held trug die Beſchwerde, Daß ſein ſüßer Troſt ihm werde, Da ihn der Wirth von Sünde ſchied, Mit gutem Rath ihn wohl berieth. „Wer wars,“ ſo frug einſ Parzival, 20 „Der in der Kammer lag beim Gral, Grau von Haar, von Antlig hell?‘ Der Wirth ſpra<: „Das war Titurel. Der iſ deiner Mutter Ahne: Zuerſt ward des Grales Fahne 26 Zum Sqchuz befohlen ſeiner Hand. Ein Siechtum, Podogra genannt, Hält ihn gelähmt ans Bett gebunden. Seine Farb if nimmer doh geſhwunden. Den Gral erbli>t ſein Angeſicht; Drum mag er auch erſterben nicht. 502 Der Greis giebt ihnen guten Rath. In ſeiner Jugend manchen Pfad Ritt er zu tioſtieren. Willſt du dein Leben zieren 5 Und immer würdiglih gebahren , Die Fraun zu haßen muſt du ſparen. “Fraun und Pfaffen, wie bekannt, Unbewehrt iſ beider Hand; Doch ſchirmt die Pfaffen Gottes Segen.
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10 Dein Dienſt ſoll ihrer treulih pflegen,
So wird dereinſt dein Ende gut.
Der Pfaffheit zeige holden Muth:
Wás auf Erden ſieht dein Angeſicht ,
Das vergleicht ſih do< dem Prieſter nicht. 15 Sein Mund verkündet uns das Wort, “Das unſer Heil iſt, unſer Hort;
Auqch greift er mit geweihter Hand |
An das allerhö<ſte Pfand, |
Das je für Schuld verliehen ward. y 20 Ein Prieſter, der ſi<h ſo bewahrt,
Daß er fih ganz ihm hat ergeben, Wer könnte heiliger leben ?“ Das war der Beiden Scheidetag. 5 Ihn küſste Trevrezent und ſprach: 25 „Deine Sünden laß mir hier: Gottes Huld erfleh ih dir. Leiſte was i dir geſagt Und halt feſt dran unverzagt !“ Von einander ſchieden fie; Ihr mögt euh ſelber denken wie.
Orgeluse
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503 Wir nahn ſeltſamen Mären, | Die der Freude können wehren Und wieder Hohgemüthe bringen: | Sie ſhwanken zwiſchen beiden Dingen. 5 Gekommen war des Jahres Friſt, Auf den der Zweikampf, wie ihr wißt,
Vertagt ward, den am Plimizöl
Gawan erwarb. Gen Barbigöl
War der von Schampfenzon geſprochen. 10 Doh auh jezt blieb ungerochen
Kingriſins des Königs Mord.
Wohl hatte ſi< Gawanen dort
Vergulacht, ſein Sohn, geſtellt.
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Jhre Sipp erkannte da die Welt 15 Und den Kampf verbot der Sippe Macht, Zumal der Graf E>kunacht Den Mord begangen hatt allein, Des Gawan ſchuldig ſollte ſein. Da ward verſöhnt Kingrimurſel 20 Mit Gawan dem Degen ſ{nell. Geſchieden ritten fie hindann, Vergula<ht und Gawan. / Beide wollten nun zumal | Geſondert forſhen na< dem Gral. | 25 Da muſten mit den Händen | Sie Tjoſte viel verſenden. | Wer des Grals begehrte, Der muſte mit dem Schwerte Sich hohen Preis erſhwingen. So ſoll man Preis erringen. 504 Wie es Gawan ergangen ſei, Ihm der alles Tadels frei, Seit von Schampfenzon er ſied; Ob er unterwegs auf Streit gerieth, 5 Das fraget, Die es ſahen: Jett ſoll ihm Streiten nahen. Eines Morgens ritt Herr Gawan Hin zu einem grünen Plan: Einen Schild mit lihtem Glanze - 10 Sah er durchbohrt von einer Lanze, Und ein Pferd, das Frauenreitzeug trug; Zaum und Sattel reih genug. Gebunden zu dem Schilde | War das Roſs an eine Linde. | 15 Da dacht er: „Wer dieß Weib wohl iſt, | Die ſolcher Kühnheit ſih vermißt, | Daß ein Schilde8rand ihr frommt ? ¡ Wenn ſie mit mir zu ſtreiten kommt, Wie ſoll i< da mih ſhüyen? 20 Mir möht ein Fußkampf nügyen. Will ſie mit mir ringen, Sie mag zu Fall mich bringen: Auf einen Fußkampf will ih ſinnen, Ob es mir Haß bringt oder Minnen. 25 Und wenn es Frau Kamille wär, Die mit ritterliher Wehr Vor Laurentum Preis erſtritt,
| Wär fie ſtark, wie Die dort ritt,
Jh verſucht es do< mit ihr,
Böte fie mir Kampf allhier.“
505 Der Schild war auch zerhauen:
Gawan moqht ihn beſchauen,
Als er näher kam geritten.
Der Tjoſte Fenſter war geſchnitten
56 Mit dem Lanzeneiſen weit.
Alſo malt ſie der Streit ;
Den Shildrern würd es nicht vergolten,
Die ſie alſo malen wollten.
Hinter der Linde breitem Stamm
10 Saß eine Frau, an Freuden lahm,
Auf dem grünenden Klee.
Der that groß Herzeleid ſo weh,
Keinem Troſte gab fie Raum.
Gawan ritt zu ihr um den Baum:
15 Da lag ein Ritter ihr im Schooß,
Um den ihr Jammer war ſo groß.
Er grüßte ſie gar minnigli:
Da dankte ſie und neigte fih. -
Heiſer war ihre Stimme ,
20 Harſh von des S<hmerzens Grimme.
Vom Roſſe ſprang Herr Gawan:
Dem dur<ſtohenen Mann
Lief das Blut in den Leib.
Gawan frug des Ritters Weib -
25 Ob der Ritter lebe, E
Ob ſchon im Tode ſ<hwebe?
Da ſprach fie: „Herr, er lebt wohl noch:
Unlange, dünkt mi, währts jedoch.
Mir zum Troſte ſandt eu< Gott:
Nun rathet treulih, ſonder Spott; 506 Jhr habt ſol< Leid ſhon mehr geſehn. | Laßt die Wohlthat mir geſchehn,
Daß ih eure Hülfe ſchaue.“
„Gerne,“ ſpra<h er, „Fraue.
5 „Dieſem Ritter ſpart’ ih Sterben, I< mö<ht ihm Heilung wohl erwerben, Hätt ih eine Röhre:
Sehen und hören
Möthtet ihr ihn noh geſund,
10 Er ift nicht ſo gefährlih wund:
Das Blut iſt ſeines Herzens Laſt.“
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Da riß er von dem Lindenaſt Den Baſt, und krümmt’ ihn wie ein Rohr | (Er war der Heilkunſt niht ein Thor), 15 Und ſ{hobs dem Wunden in den Leib. | Zu ſaugen bat er dann das Weib Bis ihr das Blut entgegen floß Und dem Ritter neue Stärke ſproß, Ihm auh die Sprache wieder ward. 20 Er gewahrte Gawans Gegenwari: Da dankt’ er ſehr dem Degen, Und es bräht ihm Gottes Segen, Daß er ihn {ied von Unkraft. Er frug, ob er um Ritterſchaft 25 Gekommen wär gen Logrois ? aI<h kam auch fern von Punturtois. Hier Aventüre zu erjagen. E Nun muß ihs immerdar beklagen, | Daß ih ſo nah geritten bin. Ihr ſollts au< meiden, habt ihr Sinn. 507 „Jh date mir niht ſolchen Sluß. Es war Liſchois Giwellius, Der mich ſo übel hat verlegt. Er hat mi hinters Roſs geſezt 5 Mit einer Tjoft untadellith. Die ſauſte mir ſo hurtiglih x Durch den Schild und dur den Leib. Doh half mir dieſes gute Weib Auf ihrem Pferd an dieſe Statt.“ 10 Gamwanen er zu bleiben bat; Doh Gawan ſprach, er wolle ſehn Wo ihm der Schade wär geſchehn: „Erreih i< Logrois Thor, Oder ereil ih ihn davor, 15 So fteht er Rede mir dafür. Ich frag ihn, Was er rächt’ an dir.“ „Das thu nicht,“ ſprah der wunde Mann: | „In Wahrheit ih dir ſagen kann, | Kein Kinderſpiel iſ ſol<h Erke>en; : 20 E3 mag wohl heißen Angſt und Schre>en.“ Gawan die Wunde verband | Mit der Frauen Kopfgewand; Er ſpra< zur Wunde Wundenſegen, Und bat der Beiden Gott zu pflegen. 25 Mit Blut war ihre Spur begoßen Als ob ein Hirſh da wär geſhoßen; |
Das ließ nict irr ihn reiten. Er ſah in kurzen Zeiten | Logrois die ſtolze Veſte: Die lobten alle Gäſte. 508 Die Veſte ſien ein löbli<h Werk. | Shraubenartig war ihr Berg: Aus der Ferne geſehn, i Sqheint fie ſi< im Kreiß zu drehn. 5 Der Burg läßt man noh heut die Ehre, Daß Sturm auf fie vergeblih wäre. Ihr bangte niht vor ſolher Noth, | Wer immer ihr ſein Haßen bot. : Den Berg umgab ein Garten, | 10 Edler Bäume drin zu warten. Granaten , Feigen, Oel und Wein, | Und andre Früchte ſüß und fein Zog man in der Fülle drin; / | Da Gawan auftritt, kreuzt? er ihn. 15 Da ſah er unter fi< zumal Y Seines Herzens Freud und Qual. | Ein Brunnen aus dem Felſen {oß: | Da fand er was ihn nicht verdroß, | Eine Frau ſo ſ{ön und klar, | 20 Daß er entzü>t vom Anbli> war, | Aller Frauenſchöône Blütenflor. | Außer Kondwiramor | Sah die Welt ſo ſhöne nie. | Lauter, klar und ſüß war ſie, ' 25 Dazu gefüg und kurtois: | Orgeluſe hieß ſie de Logrois. Die Märe ſagt, man ſah an ihr | Reizung ſehnender Begier, Augenweide ſonder Schmerzen, Einen Spannerv aller Herzen. 509 Gawan grüßte ſie mit Neigen. Er ſprah: „Wenn ih vom Pferde ſteigen Darf mit euern Hulden, Fraue, Wenn ih euch ſo geſonnen ſchaue,
56 Daß Jhr mich gerne bei euh habt, So hat mi Freude rei begabt ; Mehr mag kein Mann erwerben.
Ih will damit erſterben, Daß mir kein Weib ſo wohl gefällt.“ 10 „Nun meiß.- ih wie's mit euh beſtellt ,“
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Sprach ſie zu ihm und ſah ihn an. | Ihr ſüßer Mund darauf begann: |
„Mit euerm Lobe haltet ein; | Zu Schanden möcht es euch gedeihn.
15 Jh will niht, daß ein jeder Mund : Mir ſein Urtheil mace kund. | Wär Jeglichem mein Lob gemein,
Die Würde dauhte mich gar klein — Den Weiſen wie den Dummen,
20 Den Geraden wie den Krummen:
Wo blieb! ihm wohl zu trachten Zeit : Nach dem Preis der Würdigkeit ?
Jh will mein Lob behalten,
Daß die Weiſen ſein nur walten.
2ò Herr, ih weiß niht wer ihr ſeid;
Doh daß ihr reitet, dünkt mih Zeit. i „Mein Urtheil läßt eu< drum nicht frei:
Ihr wohnt meinem Herzen bei |
Weit davor, niht darinne.
Begehrt ihr meiner Minne,
510 Was mat’ eu< Minnelohns gewiſs?
Manher ſeine Augen ſ{miß, Y
Auf Schleudern möts gelingen
Sie zu ſanfterm Wurf zu bringen,
6 Wenn er zu ſehn niht meidet
Was ihm das Herz zerſchneidet, - Laßt walzen eure tolle Gier Rach andrer Minne denn zu mir.
Dient nah Minne eure Hand,
10 Hat eu< Aventür geſandt Nah Minnelohn für Ritterthat,
Den Lohn ihr niht von mir empfaht ; - Ihr mögt wohl Schande hier erjagen, | Soll ih eu< die Wahrheit ſagen.“ i
15 Da ſprach er: „Frau, ihr redet wahr : Die Augen bringen mir Gefahr, j Da fie ſo viel an Eu erſehn, | Daß ih mit Wahrheit muß geſtehn,
Daß ih eur Gefangner bin. 20 Nun zeigt mir weiblihen Sinn. Wars glei niht euer Wille, | Ihr fingt mich in der Stille. Nun löſet oder bindet, Da ihr mi willig findet,
25 Hätt ih eu< wo ih wollte,
Daß ih Alles gern erdulden ſollte.“
Sie ſprah: „So führt mich mit euch hin. Í Rechnet ihr auf den Gewinn,
Den ihr bei mir erwürbt mit Minne, © Mit Schanden würdet ihr des inne. 911 J< wüſte gern ob Ihr der ſeid,
Der meinethalb ſi< wagt in Streit ;
Thut es niht, es frommt euh ſehr.
Wollt ihr meines Raths noh mehr,
5 Und will mir folgen euer Herz,
So ſu es Minne anderwärts.
Wenn ihr meine Minne wollt,
Entgeht eu< Freud und Minneſold.
Wollt ihr mich hinnen führen,
10 Wird euh Angſt das Herz umſchnüren.“
| Da ſpra<h mein Herr Gawan:
| „Ohne Dienſt wer möchte Minn empfahn? Ich darf eu< wohl verkünden, Der erwürbe ſie mit Sünden.
| 15 Zu edler Minne Gewinnt
| Gehört vorher und naher Dienſt.“
; Sie ſpra<h: „Mir Dienſt zu geben,
| Mügßt ihr wehrlih leben,
| Und mögt doh Schande wohl erjagen ;
20 Mein Dienſt bedarf keines Zagen. Nehmt jenen Pfad (es iſ kein Weg)
| Ueber jenen hohen Steg,
Zu jenem Baumgarten,
Meines Pferdes dort zu warten.
25 Ihr ſeht und hört da Leute viel, 5
Tanz, Geſang und Saitenſpiel,
Flöt und Trommekt nimmer ruhn.
Geht hindur<, was ſie auh thun,
- Zu meinem Pferde, das da ſteht
Und löſt es, daß es mit euh geht.“ 512 Gawan von dem Roſſe ſprang.
Bei ſich erwog der Degen lang,
Wo er bleibe mit dem Pferd die Zeit.
Der Born gab niht Gelegenheit
6 Es anzuheften mit dem Riemen:
Ob ihm die Bitte wohl geziemen
Möchte, daß ſie es nähme
Vis er mit ihrem käme.
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„Ich ſehe wohl was euh beſchwert ,“
10 Spra ſie: „laßt mir hier ſtehn das Pferd: Jh verwahr es bis ihr wieder kommt; Obgleich der Dienſt eu< wenig frommt.“
Da bot mein Herr Gawan Jhr ſeines Roſes Zügel an:
15 „Nun haltet mir es, Fraue.“ „Wie thöriht i< eu< ſhaue!“ | Sprach ſie: „wo eure Hand geruht, | Griff Jh dahin, das ziemte gut 1“ Da ſprach der minnegehrende Mann:
20 „Dieß Ende griff ih niemals an.“ „So will ih es empfangen. Erfüllt nun mein Verlangen, Und holt mir ſchnell hieher mein Pferd: | So reit ih mit, wie ihr begehrt.“
25 Das ſchien ihm freudiger Gewinn.
Eilends ging er von ihr hin /
Ueber den Steg zur Pforten.
Viel Frauen ſah er dorten
Und der jungen Ritter viel
Bei Tanz, Geſang und Saitenſpiel. 513 Nun hatte mein Herr Gawan
So reichen Helm und Harniſh an, *
Daß ſein Kommen Niemand freute:
Denn es waren treue Leute,
5 Die des Baumgartens pflagen. |
Ob ſie ſtanden oder lagen,
Oder ſaßen in Gezelten ,
Da vergaß doh Einer ſelten, Sein nahes Unheil zu betrauern:
10 Man hört’ es Mann und Weib bedauern.
Auch ſprachen ihrer genug: „Unſrer Herrin liſtger Trug Will dieſen Mann verleiten In große Fährlichkeiten: _15 O weh, daß er ihr folgen will Zu ſo kummervollem Ziel!“ Manqh ein Edler ihm entgegen ging, Der mit Armen ihn umfing Um ihn freundli< zu empfahn.
20 Man ſah ihn einem Oelbaum nahn Und dem daran gebundnen Pferd.
Auch war tauſend Mark wohl werth
Das Reitzeug ſamt dem Zaume. Mit breitem Bart am Baume, 25 Wohl geflo<htenem und grauen, Moght er einen Ritter ſhauen Í Auf einer Krüd>e lehnen : | Dem entſhoßen helle Thränen , | Daß Gawan zu dem Pſerde ging, Obwohl er freundlih ihn empfing. 514 Er ſprah: „Iſt guter Rath eu< werth, | So laßet ab von dieſem Pferd. Hier wills eu< Niemand vorenthalten; Doh laßt ihr gerne Klugheit walten, 56 So begebt euh ſelber ſein. Verflucht ſoll unſre Herrin ſein, Daß fie ſo manhen werthen Mann Um ſein Leben bringen kann.“ Gawan ſprach, er ließ’ es niht. 10 „Weh, ſo ergeht ein Schre>gericht 1“ - Sprach der graue Ritter werth. Die Halfter löſt’ er von dem Pferd Und ſprah: „Ihr ſollt niht länger ſtehn: Laßt dieß Pferd denn mit euh gehn. 15 Der das Meer geſalzen hat, Der geb in eurer Noth eu< Rath. Seht zu, daß eu< niht höhne Meiner Herrin Schöne: | Die iſt bei der Süße ſauer : 20 Wie bei Sonnenſchein ein Regenſchauer.“ „Nun walt? es Gott,“ ſpra<h Gawan, Und nahm Urlaub von dem grauen Mann Und den Uebrigen all; Sie beklagten ihn zumal. 25 Das Roſs ging einen ſ{hmalen Weg | Zum Thor aus über jenen Steg. Seines Herzens Herrin fand Er dort; ihr diente dieſes Land. Wie ihr ſein Herz entgegenflog, Viel Leid ſie doh ihm drin erzog. 515 Unterm Kinne das Band Hatte ſie mit der Hand Gelöſt und auf das Haupt gelegt. Wenn ein Weib ſi alſo trägt, 5 Die hat Scalkheit im Sinne Und denkt nur wie ſie Streit beginne.
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Wie ſie ſonſt gekleidet war ? | Mathi’ ih das euch offenbar, | Und nennte jedes Kleidung8ftü> — | 10 Das erläßt mir wohl ihr lihter Blick. Da Gawan zu der Frauen ging, | Ihr ſüßer Mund ihn ſo empfing: | Sie ſprah: „Willkommen denn, ihr Gans! Eure Thorheit zeigte fi< im Glanz, | 16 Da ihr durhaus mir dienen wolltet: | Ihr miedets gern, wenn ihr niht tolltet 1“ | Er ſprah: „Wie hart ihr euh geberdet, Ich weiß, daß ihrs" erſeyen werdet. Es ehrt euch, einſt dieß Schelten 20 Mit Güte zu vergelten. So. lange dien eu< meine Hand Vis ihrs zu lohnen Muth gewannt. Wollt ihr, ih heb euh auf das Pferd.“ Sie ſprah: „Das hab ih niht begehrt: . 25 Eure unbewährte Hand Greife nah geringerm Pfand.“ Sie wandte fi, ergriff den Zügel, Aus den Blumen ſprang fie in die Bügel. i Sie bat ihn: „Reitet vor im Trab: Es wäre Schade, käm ih ab 16 Von jo würdigem Geſellen“ Sprach fie: „Gott mög euh fällen.“ Wer meinem Rathe folgen will, Mit ihrem Tadel ſchweig er ſtill, | 5 Daß er fih niht verſpreche Vis er weiß, was fie verbreche Und bis er wahrhaft hat erkannt Wie es um ihr Herz bewandt. | Rache nehmen könnt auh ih | 10 An der Frauen minniglih | Für Alles was ſie an Gawan | In ihrem Zorn hat miſsgethan, Oder was fie künftig no< verbriht; Ungerochen laß ihs niht. 15 Da gehabte ungeſfelliglih Die reiche Orgeluſe ſich: * Auf Gawan kam ſie geritten Mit ſo zornigen Sitten, Daß Jh vom gleihen Fall betroffen 20 Wenig Troſt mir würd erhoffen. Simro>, Parzival und Titurel.
JF Von dannen ritten beide Alsbald auf lichte Haide. Gawan nahm eines Krautes wahr, Des Wurzel Wunden heilſam war. 25 Eilends von ſeinem Pferde Shwang er ſich zur Erde: s Er grub fie, ftieg dann wieder auf. y Sie ließ dem Spotte freien Lauf | Und ſprach: „Kann der Geſelle mein y Arzt zugleich und Ritter ſein, 317 Er mag ſi Nahrung wohl erjagen, y Verſteht er, Büchſen feil zu tragen.“ ' Da ſprach zu ihr Gawanens Mund: | „Einen Ritter fand ih wund 5 Unter einer Linde. Wenn i ihn wieder finde, | Soll ihn die Wurzel heilen, Sein Uebel all ertheilen.“ Sie ſprah: „Das ſeh ih gerne: | 10 Vielleiht, daß is erlerne | Ein Knapp ritt hinter ihnen her; Der Botſchaft willen eilt er ſehr, Die er beſtellen ſollte. Gawan ſein harren wollte; 15 Nicht ganz geheuer ſchien er ihm, Malkreatür hieß das Ungethüm, y Dieſer Knappe, der fiere. | Kondrie la Sorziere | War ſein {önes Shweſterlein. | 20 Jhr Ebenbild auh würd er ſein, | Wär er niht männlichen Geſhlehis. | Hauzähne trug er links und rechts | Wie der Eber hat, der wilde, Ungleih einem Menſchenbilde. 25 Auch war das Haar ihm minder lang — Das Kondrien auf das Maulthier ſank — Gleich Igelsborſten , {arf wie Glas. “Bei dem Waßer Gangas, Zu Tribalibot im Land der Jnden Sind ſolcher Leute mehr zu finden. 518 Unſer Vater Adam, Dem von Gott die Einſicht kam, Gab allen Thieren Namen, Den wilden wie den zahmen. 6 Auth kannt er eines Jeden Art,
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Dazu der Himmelsſterne Fahrt, Der Planeten all, der ſieben, E Und welchen Einfluß ſie üben, Und wuſte aller Wurzeln Kraft 10 Und einer jeden Eigenſchaft. * Da ſeine Kinder zu den Jahren Kamen , daß fie ſelbſt gebahren Und erzeugten Menſchenfrucht , Vor Unmaß warnt' er fie mit Zucht. 15 Wenn ſeiner Töchter Eine trug, Die ermahnt' er oft genug: y Den Rath er ſelten unterließ, ¡ Daß er ſie Kräuter meiden hieß, j Die Menſchenfrucht verkehrten 20 (Einſt ſein Geſchleht entehrten) : | „Anders denn uns Gott erſonnen, | Da er mich zu bilden hat begonnen“ | Sprach er: „Darum, liebes Kind, | Sei zum eignen Heil niht blind.“ | 25 Die Frauen waren Frauen halt: y Etliche muſten mit Gewalt | Das Verbotene vollbringen ; | Sie konnten ihr Geluſt nicht zwingen. | So ward entſtellt die Menſchheit : Adamen war es {<merzli< leid; | 519 Doh rein verblieb ſein Wille. | Die Köngin Sekundille, | Die Feireſiſs mit Rittershand | Erwarb, ihr Herz und auch ihr Land, | 6 Die hait in ihrem Königreich, Die lautre Wahrheit meld ih euh, Der Leute viel ſeit alten Tagen, | Die ſo entſtellt das Antliz tragen * Von manchem fremden Muttermal. 10 Da ſagte man ihr von dem Gral In Anfortas Königreiche, Daß ſih ſeinem Reichtum nichts vergleiche. Das ſchien ihr wunderbar genug. Mangher Strom in ihrem Lande irug 16 Statt Sand und Kieſel edle Steine. Gebirge hatte fie, nict kleine, Von lauterm Goldgeſteine darin. Da ſprach die edle Königin: „Wie gewinn i< Kunde von dem Mann, 20 Dem der Gral if unterthan ?“
Geſchenke ſhi>te ſie alsbald, | Zwei Menſchen ſeltſam von Geſtalt, Kondrien und ihren Bruder, hin. | Noh mehr ſandt ihm die Königin, 26 Das Niemand wüſte zu vergelten; | Zu Kaufe findet man es ſelten. Dann ſandte Anfortas der gute, | Der immer war von mildem Muthe, y Orgeluſen de Logrois Dieſen Knappen kurtois; - : 520 Weiblicher Gelüſte Mal ' Schied ihn aus der Menſchheit Zahl. : Der Wurzeln und der Sterne Sohn Bot Gawanen Schmach und Hohn, 5 Der ſein geharrt mit holden Sitten. Malkreatüre kam geritten Auf einer Mähre ſ<hwah und krank, An allen Vieren lahm von Gang: Sie ſtrauchelt? oft zur Erde, 10 So daß auf beßerm Pferde Selber Frau Jeſchute ritt, Da ihr Parzival erſtriit Von Orilus die alte Huld, Die fie verloren ſonder Schuld. 15 Der Knappe bli>te Gawan an, Malkreatür im Zorn begann : „Seid ihr, Herr, von Ritters Art, So ließt ihr klüglih dieſe Fahrt. Ihr dünket mih ein dummer Mann, 20 Daß ihr meine Herrin führt hindann. Jhr werdet unterwieſen , Daß euch die Leute prieſen, y Führet ihr dabei niht ſhle<t. Doh ſeid ihr ein gemeiner Knecht, | 26 Klopft man euh ſo den Rüden aus, | Daß ihr gerne miedet ſolhen Strauß." | Gawan ſprah: „Wohl nie empfand Solche Züchtigung mein Ritterſtand. So ſoll man. dumme Jungen bleun, | Die vor tapferm Kampf ſi ſheun ; 521 Mir erläßt man ſolche Pein. Wollt Jhr vor der Herrin mein | Mit ſchnöden Worten mir begegnen, So ſoll eu< Antwort niederregnen, 5
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9 wo0J! Jur Bürnen gilt. Wie ſcheuſsli< Ihr auh ſeid und wild, | Mir zu dräuen mögt ihr ſparen.“ y Da griff ihn bei den Haaren Gawan und ſ<wang ihn unters Roſs. 10 Der Knappe, den ſein Fall verdroß, Warf Bli>e grimm und fürchterlih. Seine Jgelborſten räten ſih Und verſchnitten Gawan ſo die Hand, Daß er ſie blutigroth befand. 15 Jhn verlachte drum die Fraue: : - Sie ſprah: „Wie gern i<8 ſchaue, Thut ihr zwei euh alle Schmah !“ | Sie ritten fort; das Pferd lief nach. Sie kamen hin, wo er den wunden 20 Ritter kurz zuvor gefunden. | Getreulich auf die Wunde band E Ihm die Wurzel Gawans Hand. Der Wunde ſprah: „Wie ging es dir | Seit du geſchieden biſt von mir? 25 Die Frau iſt, die du mitgebracht, Auf deinen Schaden nur bedacht : Dur ihre Schuld iſt mir ſo weh. In aive étroite malvoié Half ſie mir zu ſtarken Tjoſten, Die mih Blut und Leben koſten. 522 Behältſt du Leben gern und Leib, So laß dieß trügeriſhe Weib Und wende dich hinweg von ihr. Ein warnend Beiſpiel \hau an mir. 5 Doch nähms noh gutes Ende, Wenn ih wo Ruhe fände: Hilf mir dazu, getreuer Mann.“ “Da ſprach mein Herr Gawan: „Gern helf ih dir, nah deiner Wahl.“ 10 „Jn der Nähe ſteht ein Hospital“ Fuhr der wunde Ritter fort: „Wär ih in wenig Stunden dort, Da fänd ih Ruhe lange Zeit. Meiner Freundin Roſs ſteht dort bereit, 15 Das uns beiden wohl den Rüden lieh: Heb ſie drauf, mic hinter ſie.“ Da band der wohlgeborne Gaſt Dieſer Frauen Pferd vom Aſt Und zog es näher hin zu ihr.
| 20 Der Wunde rief: „Hinweg von mir! \ Ihr tretet mich, o Ungemah !“ | Er zogs ihr fern: die Frau ging nah | Sanft und mit gemeßnem Schritt; | Sie war im Einverſtändniſs mit. 25 Gawan auf das Pferd ſie ſ<wang, y Derweil der wunde Ritter ſprang | Auf Gawanens Kaſtilian: | Wohl dünkt mich, das war miſsgethan. | So ritt er mit der Frauen hin: : Das war ein ſündliher Gewinn. [923 Darüber klagte Gawan ſehr; | Die Frau jedoch belaht’ es mehr | Als der Scherz ihn dauchte werth. | Da ihm benommen war das Pferd, | 5 Jhr ſüßer Mund verſezte da: | „Als ih eu< zuerſt erſah, | Schient ihr vom Ritterorden; | Dann ſeid ihr Arzt geworden, | Und ein Fußkneht gar zulegt. : 10 Dog nigt verzweifeln dürft ihr jezt: y Ihr habt der Künſte ſo viel inne. y Gelüſtet euh noh meiner Minne ?“ ' „Ja, Herrin,“ ſpra< Herr Gawan: | „Eure Minne, möcht ih die empfahn, ' 15 Nichts Liebres wüſl’ ih auf der Welt. | Sei Einer noh ſo hoh geſtellt, | Er möge Kron und Scepter tragen, | Der Erde höchſtes Glü@> erjagen, | Böt er mir das für Den Gewinn: | 20 So räth mir meines Herzens Sinn, | Daß ih ihm Alles laßen wollte, | Wenn mir Eure Minne blühen ſollte. | Kann ih ſie niht erwerben, So muß ein bittres ‘Sterben 25 Sich bald an mir erzeigen. Ihr verwüſtet euer Eigen: ‘Vin ih glei ein freier Mann, | Für euer Eigen feht mi an: Das ift eur wohlerworben Recht. Nennt mi Ritter oder Knecht, 524 Garzon oder Vilan. Es iſt fürwahr niht wohlgethan, | Verſhmäht ihr meinen Dienſt mit Spott: Ihr verſündigt eu< vor Gott.
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6b Käme mir wein Dienſt zu gut, Ihr ließet ſpöttiſhen Muth. Geſezt, er thäte mir nict leid, Er {mäht do< eure Würdigkeit.“ Nun ritt zurü> der wunde Mann ! 10 Und ſprah: „Biſt dus, Gawan? | Was ich dir noh ſhuldig war, ; Das iſt dir nun vergolten gar: | Da deine mannliche Kraft Mit fing in harter Ritterſchaft, 15 Und mich gefangen brachte heim Zu Artus , Deinem Oheim: Vier Wochen, noch iſs unvergeßen , Muſt ih da mit den Hunden eßen.“ „Du biſt es,“ ſprah er, „Urjan? 20 Jetzt wünſcheſt du mir Schaden an, Den trüg ih ſonder alle Schuld: Jh erwarb dir no< des Königs Huld. Dein ſ{nöder Sinn dich ſo berieth, Daß man von Schilde8amt dih ſchied; * 25 Man nahm dir das gemeine Recht, Weil du eine Magd geſchwächt Friedbrüchig dur< verruhten Zwang. + König Artus mit .dem Strang Hütt es ſiherlih gerochen, Hätt ih niht für dih geſprochen.“
525 „Was dort geſchah, du ſtehſt nun hier. Kund if wohl au< das Sprichwort dir: Wer dem Andern rettete das Leben,
Nie wird es Jener ihm vergeben;
5 Dem folg ih, weil ih kluggeſinnt. Es \hid>t ſi< beßer, weint ein Kind Als ein vollbärtger Mann. Dieß Roſs behalt ih, weil ih kann.“ Spornſtreichs ritt er ſo von hinnen;
10 Leid war Gawanen ſein Beginnen. )
„Herrin, dieß war der Verlauf: |
Der König Artus hielt ſich auf | In der Stadt Dianasdron Und mit ihm mancher Breton.
15 Da ward als Botin ſeinem Land
, Eine Jungfrau zugeſandt.
Auf Abenteuer kam da au< Hergeritten dieſer Gauch:
Er war hier fremd und fie niht minder. 20 Da rieth ſein wüſter Sinn dem Sünder, Daß er mit der Jungfrau rang Und ſie zu ſeinem Willen zwang. Am Hof vernahm man das Geſchrei: Laut rief der König: heiahei! 26 Es war geſchehn vor einem Wald; Wir eilten Alle hin alsbald. Der ic voraus den Andern fuhr, Ich fand des Miſſethäters Spur: + Gefangen führt’ i< hin al3dann Vor den König dieſen Mann. [526 „Mit uns geritten kam die Maid. | Ungeberdig war ihr Herzeleid, | Daß mit Gewalt ihr hatt enitrißen | Der fih nie in ihrem Dienſt beflißen, 5 Das unbefle>te Magdtum. Auqh erwarb er kleinen Ruhm, Denn wehrlos iſt der Frauen Hand. Zum Zorne war mein Herr entbrannt, Artus der getreue Mann: | 10 „Die ganze Welt ,“ ſo hub er an, „Muß die verruhte That beklagen. Weh, daß der Tag je muſte tagen, | Bei deſſen Licht ſie ward vollführt ; Weh, daß das Urtheil Mir gebührt 15 Und daß ih heute Richter bin.“ Er ſpra<h zur Jungfrau: „Habt ihr Sinn, So nehmt Fürſprechen an und klagt.“ Das war der Jungfrau leicht geſagt , Sie that wie ihr gerathen war; 20 Da ftand der Ritter große Schar. | „Urjan der Fürſt aus Punturxtois | Stand da vor dem Bretanois Angeklagt auf Ehr und Leben: Da kam fie Klage zu erheben, 25 Daß es Alle mochten hören. Sie begann den König zu beſhwören, Daß er aller Frauen wegen Ließ’ ihre Schande ſi< bewegen, Und aller Jungfraun Ehre willen. Auch bat ſie ihn ihr Leid zu ſtillen 527 Bei dem Ruhm der Tafelrunde Und der Botſchaft, deren Kunde Sie als Geſandtin überbracht :
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Hätt er hier zu rihten Macht, 5 Daß er mit Gerechtigkeit Richten möge dieß ihr Leid. Sie bat der Tafelrunde Schar: : „Nehmt meines Rechtes wahr ,“ S Da was der Räuber ihr genommen - 10 Nimmer möge wieder kommen, Unbeſle>te Jungfrauſchaft: Daß fie All aus Herzenskraft Um Recht den König bäten Und mit Worten fie verträten. 15 „Einen Anwalt nahm der ſhuldge Mann, E Den ih erſt jegt re<t würdgen fann; | Der ſprach zu ſeinen Gunſten viel, ¡ Es half ihm aber niht zum Ziel. | Man ſprah ihm Leben ab und Preis, | 20 Und daß man winden ſollt ein Reis: | Ohne blutige Hand | Ward der Tod ihm zuerkannt. | Er ſchrie zu mir in ſeinem Leid: | Ih hätt ihm doh für Sicherheit | 25 Das Leben wollen ſchenken. « | Meine Ehre ſiens zu kränken, | Verlör er Leben dort und Leib. | I< bat das fklaghafte Weib, | Da fie geſehn, wie im Gefecht | Ih mannlih ihre Shmach gerächt, | 528 Daß fie mit Weibes8güte | Möchte ſänften ihr Gemüthe: | E3 wär doch ihre Liebe8huld, | Die ihn verleitet zu der Stuld, | 5 Und ihr wonniglicher Leib. Wenn je ein Mann von einem Weib | Gekommen ſei in Herzensnoth, | „Die dann ihm gnädig Hülfe bot: Der Hülfe thuts zu Ehren, 10 Laßt euerm Zorne wehren.“ Ich bat den König und die Seinen, Jezo möht er mirs beſcheinen Ob ich je ihm Dienſt gethan, Indem er aus der Schande Bann 15 Mich dure ſeine Hülfe nähme, Und zu Hülfe dieſem Ritter käme. Ich bat ſein Weib, die Königin, . Der i nah befreundet bin
I NA (Da mich der König hat erzogen, 20 Sie ftäts mir treulih war gewogen), Daß Sie mir hülfe: das gefhah. Beiſeit zog Sie die Jungfrau da: Das Leben dankt er Ginoveren; Doch ſollt ihn bittre Schmath beſchweren. 25 Für ſein verwirktes Leben | Ward Buß ihm aufgegeben : | Aus Einem Troge aß ſein Mund | Mit dem Bra>en und dem Leithund | Vier volle Wothen: : So ward die Maid gerochen. 529 „Frau, das iſt ſein Zorn auf mit.“ „Es beſchimpft ihn,“ ſprach fie, oſiherlich. Werd ih euh auh nimmer hold, Er empfängt dafür doh ſolhen Sold 6 Eh er kommt aus meinem Lande, Daß er es zählt für Schande. Da es der König nicht gerochen Was er an der Maid verbrochen , So iſ das Urtheil billig mein; 10 Euer Beider Richter will ih ſein, Weiß-ich gleih niht Wer ihr Beide ſeid, Ih ſtraf ihn drum u ſeiner Zeit, Der Jungfrau Pein zu ſtillen, Dot niht um Euretwillen. 15 Mit Stlagen und mit Stechen Soll man ſolchen Unfug rächen.“ Gaman zu der Mähre ging, Die er mit leichter Mühe fing. Da kam der Knappe hinten nah, 20 Zu dem fie auf arabiſh ſprah | Was fie zu melden ihm gebot. Nun nahet bald Gawanens Noth. Der Knappe lief zu Fuß hindann. | Da ſah fi< Gawan näher an | 25 Des Knappen Roſs: mit Spat und Dampf | War es zu \<wah für einen Kampf. | Der Knappe hatt es dort genommen, | Eh er den Berg herabgekommen, | Einem armen Vilan; Y Nun ſollt es aber Gawan 330 Für ſein Roſs behalten: | Solchen Tauſches muſt er walten.
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Sie ſprah zu ihm mit Spott und Haß: „Nun ſagt mir, wollt ihr fürbaß?“ y 5 Da ſprah mein Herr Gawan: „Meine Fahrt von hinnen wird gethan Wie es euer Mund mir räth.“ + Sieſprah: „Mein Rath, der kommt cuch ſpät.“ „Nun, ſo dien i< doh darum.“ 10 „Daran thut ihr eben dumm. Wollt ihr das nicht meiden, Müßt ihr von Freude ſcheiden Und euch zur Trübſal kehren, Euer Kummer muß ſi< mehren.“ 15 Da ſprah der Minnegehrende: „In euerm Dienſt der währende Vin ih, obs Freude bringt, ob Noth. / Seit eure Minne mir gebot ' Muß ih euh zu Gebote ſtehn, 20 Jh möge reiten, möge gehn.“ So ſtand er bei der Frauen, Sich das Roſs zu beſchauen. Wohl chiens zu raſchen Tjoſten Zu wenig Geld zu koſten: | 25 Steigriemen hingen dran von Baſt; Dieſer herlihe Gaſt War beßer Sattelzeug gewohnt. Mit Reiten ‘hätt ers gern verſchont , Denn er ſorgte, daß dabei Riem und Sattel bräh entzwei. ] 531 Der Mähre war der Rüden jung; Hätt er darauf gethan den Sprung, Zerbrochen wär er ſicherlich; Darum enthielt er deſſen ſich. 5 Er hätt es ſonſt nicht leiht gethan: Er zogs am Zaum und ſchritt voran, Den Sthildrand tragend und den Sper. Seiner peinlihen Beſchwer Begann die Frau zu lachen, 10 Die ihm Kummer wollte machen. Den Schild er auf die Mähre band. Da ſprach ſie: „Führt ihr Kramgewand Feil hier in meinem Lande? | Die Begleitung bringt mir Schande: 15 Ein Arzt und ein Krämer! | Bedenkt den Zolleinnehmer , |
| Daß euh niht auf dieſen Wegen Das Handwerk meine Zöllner legen!“ Wie ſcharf ihm auh ihr Spotten ſchien, 20 So nahm er doch es willig hin I | Und kehrte ſi niht weiter dran. | Sah er fie dann wieder an, | So war verſhwunden all ſein Leid. Sie war ihm eine Maienzeit, 25 Ein Blütenflor vor ſeinen Bli>en, - | Ein herzenbittres Augerqui>en. Stäts war ein Fund hier beim Verluſt, Davon genas die kranke Luſt: So ward er immer wieder frei Und blieb gebunden doh dabei. 532 Mig lehrte mancher Meiſter ſo: Amor und Cupido Und Venus, Mutter dieſer zwein, | Pflegten Minne zu verleihn 56 Mit Geſchoßen und mit Feuer. ; Solche Minne dünkt mih nicht geheuer. | Hat ein Herz getreue Sinne, So wird es nimmer frei von Minne, Seis zur Wonne, ſeis zur Pein; 10 Wahre Minn ift Treu allein. | Cupido, nimmer triſt | Mith deines flüchtigen Pfeiles Gift; | Stäts verfehlt mi<h Amors Sper. Seid ihr beiden über Minne hehr, 15 Und Venus mit der Fadtel Brand, y Solcher Kummer i| mir unbekannt. Soll ih in wahrer Minne glühn, | So muß fie mir aus Treue blühn. - | Könnt ih mit klugem Sinne 20 Wem helfen wider Minne, Herrn Gawan wär ih wohl ſo hold, Ich wollt ihm helfen ohne Sold. Zwar bringt es ihm niht Schande, Halten ihn Minnebande , 25 Wenn ihn Minne überwindet, Vor der die ſtärkſte Wehr verſhwindet. Er war ſo wehrlih do< fürwahr. Der Wehr ſo mächtig immerdar, Daß niht bezwingen ſollt ein Weib Seinen wehrlichen Leib.
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cfa ATS DML DT AOL M DIRE DRAE * Des Die Freude rauft ihr uns ſo lang . - Vis dünn die Saat der Freude ſteht, Und der Weg des Kummers drüber geht. | : 6 Allmählih geht da Kunmers mehr; | Wenn ſein Ziel ein andres wär | Als in des Herzens hohen Muth, Das käm der Freude noch zu gut. Zu leichtfertgem Sinne 10 Dünkt mi<h zu alt die Minne. Oder ſchiebt ſie's auf die jungen Jahre , Daß ſie mit Unart gebahre ? Der Unart gönnt ih lieber Jugend Als wenn das Alter miſste Tugend. 15 Uebels hat ſie viel gethan; Wem von beiden re<n i<s an? © Will fie mit jungen Streichen Von den alten Sitten weichen, Das wird ihren Preis niht mehren; 20 Eines Beßern ſoll man ſie belehren. Mur lautre Minne preiſen Mag ih, und auch die Weiſen: Weib und Mann, in8gemein Stimmen alle mit mir ein: 25 Wo da3 Herz dem Herzen Minne giebt, So lautre, daß kein Hauch ſie trübt, Und der Herzen keins verdrießt, Wenn fie der Minne Schlüßel {ließt Jn untvandelbarem Sinne, Die Minn iſ} über alle Minne. 534 So gern ih ihn befreite, | Herr Gawan kann doch heute Der Minne niht verwehren, Sie muß ſein Herzleid mehren. 5 Was frommte mein Vermitteln darm - Und was ih drüber ſprechen kann? Es wehre ſi< kein Mann der Minne: Sie hilft ihm erf zu re<htem Sinne. Gawanen gab ſie dieſe Buße; 10 e Herrin ritt, er ging zu Fuße. Orgeluſe mit dem Degen kühn | Kam zu einem Walde grün. Da zog der unberiitne Mann Sein Pferd zu einem Blo> heran : 15 Seinen Schild, den er darauf gelegt,
zi e NU edt DUE izelbit Zprlizitizibrt Ubilla Ub TREN, D Eitel “EE dl Nahm er zu Hals und ſtieg zu Pferde; Die Mähre trug ihn mit Beſchwerde Wieder auf gebautes Land. 20 Bald halt er eine Burg erkannt, | So ſtattlich daß er nie geſehn, j Wohl muſt es Aug und Herz geſtehn, | Eine Veſte, die ihr glich. Ringsum war ſie ritterlih. 25 Sie zählte manchen Saal, vor Sturm Schütte ſie man feſter Thurm; | Auch mot er viel der Frauen Schn aus den Fenſtern ſchauen, Wohl vierhundert oder mehr; Vier ſchienen vor den andern hehr. 535 Eine vielbefahrne Straße trug An ein Waßer, breit genug, Sthiffbar, mit raſhen Wellen, Die Frau und den Geſellen. : 5 Eine blühnde Wieſe lag daran; Auf der ward mancher Sper verthan. Jenſeits ragte das .Kaſtell. Da ſah Gawan, der Degen ſchnell, Einen Ritter ſich entgegen fahren , 10 Der Sthild und Sper niht wollte ſparen. | Orgelus die Königin | Begann zu ihm mit ſtolzem Sinn : „Ob es euer Mund auch ſpricht , e Ich breche meine Treue nicht: | 15 Jh hab es euh voraus geſagt, Daß ihr hier Schande nur erjagt. Wehrt euh, wenn ihr eu< wehren könnt, Kein ander Heil iſt eu< vergönnt. ; Der hier einherſprengt, in den Sand 29 Seyt euh unſanft ſeine Hand. Playt eu< dabei das Niederkleid, Das ſei eu< um die Frauen leid, Die droben ſ\igend niederſpähn: ' Wie wenn die eure Stande ſähn? “WW Ein Schiffmann fuhr von drüben her Auf der Herzogin Begehr; Daß der ſie in den Nahen nahm, Das war Gawanen neuer Gram. Orgelus die Wohlgeborne
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Spracy aus dem Kayn zu 19m mil Zorne: 536 „Ich nehm euch niht zu mir hinein; Jhr müßt zu Pfand hier hüben ſein.“ Nath rief der Held ihr trauriglih: „Frau, warum verlaßt ihr mich? 6 Soll ih eu< nie mehr wiederſehn?“ Sie ſpra<: „Das könnte noh geſchehn: Wenn ihr ſiegt, ſollt ihr mih ſhaun; Doch das iſ eu< niht zuzutraun.“ Sie ſchied von ihm der breite Fluß, 10 Da kam Liſchois Giwellius. Ich weiß wohl daß ih löge, Wenn ich ſagte daß er flöge; Doh berührt" er kaum die Erde; I< rühm es an dem Pferde: Y 156 Das bewies Geſchwindigkeit Auf dem grünen Anger breit. Ï Da gedachte Herr Gawan: „Wie erharr ih dieſen Mann? | Welches mag gerathner ſein? | 20 Zu Fuß oder auf dem Röfſelein? j Will er ſein Roſs nicht ſparen, Kommt er ſpornſtreihs angefahren, Zu Boden ftürz ih ſicherlich : | Doh au Sein Roſs, wie hält es ſih, | 25 Daß es über meins niht fällt ? Wenn er dann auf blumgem Feld | Mit mir kämpſen will zu Fuß, | Und erwürb i< nimmer ihren Gruß, Die mich verlo>t' in dieſen Streit , Jh biet ihm willig Kampf und Streit.“ | 537 Der Kampf war unvermeidlich : | Doch kämpft der Nahnde weidlih, | Wie auch der Harrende ſtreitet ; Schon hat er ſi< zur Tjoft bereitet. 5 Er ſezte ſeiner Lanze Knauf : Dem Filzbeſay des Sattels auf; So hatt er ſih es ausgedacht. Als ihre Tjoſt nun ward gebracht , Die Spere brachen beid in Splitter, * 10 Zu Boden fielen beide Ritter. Der beßer berittne Mann Strauqchelte, daß er mit Gawan Auf die Blumen kam zu liegen. Wie ſollten ſie nun kriegen? .
40 RUſpringend, mil den SQwerlen , | Die noch beide Kampf begehrten. Die Schilde hatten viel zu leiden : | Zerſchnitten wurden ſie, daß beiden Kaum ein Span blieb vor der Hand, 20 Denn der Schild ift ſtäts des Kampfes Pfand. | Dabligt das Schwert, der Helm ſprüht Fener. Er beſtand ein glü>li<h Abenteuer, y Der den Sieg davon ſoll tragen ; Doch muß er erſt ſi<h weidlih ſ<lagen. 25 Alſo lange währt’ ihr Streit Auf dem blumgen Anger breit , Es würden wohl zwei Schmiede, Wie ſtark ſie wären, müde Von all den mächtigen Schlägen: So rangen um den Preis die Degen. 538 Wer aber wird ſie preiſen, Daß die unweiſen Sich ohne Feindſchaſt ſchlagen Nur um Preis zu erjagen? 5 Keiner hat am Andern Theil : Was boten ſie ihr Leben feil ? Sie thaten nie ſi< was zu Leide: Das muſten ſie geſtehen beide. Ein ſtarker Ringer war Gawan, 10 Zu Boden warf er Jedermann, Konnt er unters Schwert ihm ſpringen- Den ſeine Arme befingen Zwang er wozu er wollte. Nun er ſi< wehren ſollte, 15 Wollt er wehrlih gebahren. Der Held, im Kampf erfahren, Ergriff den Jüngling mit Gewalt , Der auh mit Kraft die Kraft vergalt , Und zwang ihn hurtig unter ſi. 20 Er ſprach zu ihm; „Held, nun verſprih Sicherheit, willſt du noh leben.“ Doch wollte ſih ihm niht ergeben Liſchois noch; bis dieſe Zeit pS | Hatt er noch nie geboten Sicherheit. | 25 Es daucht ihn wunderlich genug, Daß ein Mann die Stärke trug, | Die ihn zwänge zu bedingen Was er nie ſi ließ entringen :
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Sicherheit ihm abgebrüngen, Die er nur ſelbſt im Kampf erzwungen. 539 Hier wars ihm ſ{limm ergangen; Oft hatt Er empfangen Was er niht weiter mochte geben : Statt Sicherheit bot er ſein Leben 5 Und ſpra<h: Geſhäh was immer, Fianze böt er nimmer: Er hätt es auh niht nöthig, y Er wär zum Tod erbötig. Da ſprach der Unterliegende: 10 „Biſt Du nun, Held, der Siegende ? Jc wars ſo lang Gott wollte, | Daß Preis mir bleiben ſollte. ! Nun hat mein Preis ein Ende Durch die Kraft deiner Hände. 15 Hört nun Mann und Männin, - Daß ih überwunden bin, Des Preis ſo ſiegreih ftrebt' empor, Den Tod zu ſterben zieh ih vor Eh meine Freund? und Lieben | 20 Solche Botſchaft ſoll betrüben.“ Ihm zu fihern, mahnte Gawan ihn; Doch ſtand ſein Will und all ſein Sinn Nur auf de3 Leibs Verderben Oder ein jähes Sterben. 25 Da dachte mein Herr Gawan: „Was ſoll ih tödten dieſen Mann? | Wollt er mir zu Gebote ſtehn, Gern ließ’ i< ihn geſund entgehn.“ | Er macht! ihm ſol< Gedinge kund; Doch nicht gelobt? es Jenes Mund. 540 Auf ließ er do< den Weigand Ohne ſichernde Hand. Sie ſezten beide ſi< aufs Gras. Gawan des Leides nicht vergaß, 5 Daß ſein Pferd ſo elend ſei. Da fiel ihm der Gedanke bei, Mit Sporn und Schenkel zu erproben Ob des Beſiegten Roſs zu loben. Wohlgewappnet wars zum Streit; 10 Der Couvertire Ueberkleid War aus Samt und Pfellel zugeſchnitten. Da ers im Kampfe hatt erſtritten Was ſollt er es nicht reiten ?
Sein Recht wer kanns beſtreiten ?
15 Der Held beſtiegs: da ging es ſo,
Seiner weiten Sprünge ward er froh. „Gringuljet ,“ rief Gawan,
„Biſt dus , das mit Verrath Urjan,
Er weiß wohl wie, von mir erwarb
20 Und ſeinen Preis damit verdarb. Wer hat di< nun gewappnet ſo? Gewiſs du biſts, Gott ma<ht mi froh, Der mir ſo {ön dih wiederſendet , Wie er Manchem Kummer wendet.“
25 Der Degen ſtieg herab und fand Des Grales Wappen eingebrannt , Eine Turteltaube, ſeinem Bug. Lählein gewanns, denn er erſhlug Tjoſtierend Den von Prienlaskroſs. Dem Orilus ward dieſes Roſs,
541 Der es dann Gawanen gab An des Plimizöls Geſtad. Darob gewann der Degen gut Wieder fröhlihen Muth; 5 Doch zwang ihn Minne bald aufs Neue Und die dienſtbare Treue, Die er zu ſeiner Herrin trug, Nah der, that ſie ihm gleih genug Zu Leid, all ſein Gedanke rang.
10 Liſchois indes, der Stolze, ſprang Und hob vom Boden auf ſein Schwert , Das Gawan der Degen werth Jhm entwunden. Viel der Frauen Wollten ihr ander Kampfſpiel ſchauen.
15 Die Schilde waren ſo zerſchlagen:
| Man ließ ſie liegen wo fie lagen Und eilte bloß in den Streit. Jedweder drang bei guter Zeit Heran zu herzhafter Wehr.
20 Ob ihnen ſaß ein Frauenheer In den Fenſtern auf dem Saal Den Kampf zu ſhauen allzumal.
Da hob ſi erſt ein grimmer Zorn. Jedweder war ſo hochgeborn, 26 Sein Preis es ungern litte, Wenn ihn Jener niederſtritte. Da kamen Helm und Schwert in Noth, :
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Die allein ſie ]hirmten vor dem Tod. | Wer ſah, wie ſie die Hiebe ſhnellten, | Der ließ es gern für Arbeit gelten.
542 Liſchois Giwelljus wehrte ſich, Der ſ<höne Jüngling, ritterlich: Kühnheit und vermeßne That | War ſeines hohen Herzens Rath. |
5 Er ſhlug man ſchnellen Shwerte8ſ{<wang, Indem er bald von Gawan ſprang, | Bald wieder heftig ein auf ihn.
Gawan hielt es feſt im Sinn, Er dachte; „Krieg i< dih zu faßen, y
10 J< will es dih ſhon büßen laßen.“
Da ſah man Funken ſprühen Und geſ<hwungne Schwerter glühen In der ſtarken Männer Hand.
Sie trieben ſi< von ihrem Stand 15 Vorwärts, rü>wärts und zur Seite. Rache rief ſie niht zum Streite,
Auqh trieb ſie keine Feindſchaft an. Da ergriff ihn Herr Gawan Und warf ihn unter ſi< mit Kraft: 20 So möht ih ungern Brüderſchaft Mit Umhalſung ſ{<ließen; Sie würd auh eu verdrießen. Gawan heiſhte Sicherheit : Dazu iſt jezt ſo unbereit 25 Liſchois , den er niederhält , Als da er ihn zuerſt gefällt. Er ſprach: „Du ſäumſt dih ohne Noth: Statt Sicherheit biet ih den Tod. Aller Preis, den je ih fand, Nun tilg ihn deine werthe Hand.
543 Da ih in Gottes Haß verfiel, | Damit hat doh mein Preis ein Ziel. Seit ih um Minne dienſtbar bin Orgelus , der edeln Herzogin,
5 Muſte mancher werthe Degen | Seinen Preis in meine Hände legen: Kannſt du mi nun erſterben,
Magſt du viel Preis ererben.“ Da dachte König Lotens Kind: 10 „Nein, das bin ih niht geſinnt, |
Denn ich verlör des Preiſes Huld, Erſhlüg ih ohne ſeine Schuld Den unverzagten Helden jetzt. Sie hat ihn ja auf mich gehegt, 15 Deren Minne mi auh zwingt Und mir ſo viel Kummer bringt: - Ihr zu Lieb will i< ihn ſhonen. Soll ſie mir künftig lohnen, Er kann es doh niht wehren 20 Will mirs das Glü> gewähren. Hat ſie unſern Kampf geſehn, So muß ſie mir wohl eingeſtehn, Daß ih um Minne dienen kann.“ Da ſprah mein Herr Gawan: "25 „Wohlan, der Herzogin zu Ehren, j Will ih dih nicht ſterben lehren.“ Sie waren müd, niht wunderts mi. Er ließ ihn auf; ſie ſezten ſi< Beide von einander fern. Da ſahen fie des Kahnes Herrn 544 Vom Waßer ſteigen auf das Land. Er ging und trug auf ſeiner Hand * h Einen jährgen Falken grau. | Dieß Recht beſaß er an der Au 6 Zu Lehn: wenn man da tioſtierte, | Daß ihm deſſen Roſs gebührte, ' Der da den Unſieg fände. | Und der ihn überwände , | Dem ſollt er dankend neigen, | 10 Seinen Preis nicht verſchweigen. Y Oft hait er ſolhen Zins genommen: Es war ſein einzig Einkommen, Wenn einer Lerche niht etwa Von ſeinem Falken Leid geſchah. 15 Jhm ging zu Feld kein andrer Pflug; Doch daucht ihn dieß Beſitz genug. Er war zum Ritterſtand geboren Und früh zu edler Zucht erkoren. Nun trat er hin zu Gawan: 20 Um den Zins von ſeinem Plan Bat er mit Beſcheidenheit. Da ſprach der Degen kühn im Streit ; uHerr, ih bin kein Kaufmann, , Daß ih euh Zoll entrichten kann.“ | !_25 Der Herr des Schiffs verſetzte da: |
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„Herr, der Fraun ſo manche ſah Euch hier den Preis erlangen; | Laßt au< Mich mein Recht empfangen: y Mein Recht nur ſei mir zuerkannt. | In rechter Tjoſt hat eure Hand y 545 Mir dieſes Roſs erworben. | Euer Preis ift niht verdorben , y Denn eure Hand hat Ihn gefällt, | Dem den höchſten Preis die Welt ' 5 Mit Wahrheit gab bis dieſen Tag. Euer Preis und de3 Geſchi>es Schlag Hat ihm des Sieges Luſt genommen ; Doch euh if großes Heil gekommen.“ Gawan ſprah: „Er ſta<h mich nieder; 10 Doch erholt’ ih mi< wieder. Gebührt eu< Zins von Tjoſten, Geh der Zins auf ſeine Koſten. Hier ſeht ihr, Herr, die Mähre, Die des Siegers billig wäre. 15 Nehmt ſie, wenn es euh gefällt; Der dieſes Roſs für ſih behält, Vin ih: es muß mich hinnen tragen, Solltet ihr nie ein Roſs erjagen. Jhr ſpraht von Recht; ſoll Recht entſcheiden, 20 So dürft ihr ſelber es niht leiden, Daß Jh zu Fuß von hinnen geh. Gewiſs, es thäte mir zu weh, Sollte Dieß Roſs euer ſein. Es war ganz unbeſtritten mein 25 Noch heute Morgen in der Frühe. Glaubt ihr, ihr nähmt es ohne Mühe, | Ihr rittet ſanfter einen Stab. | Der mir dieß Roſs zu eigen gab | War Orilus der Burgondois. | Urjan, der Fürſt aus Punturtois, 546 Hat es mir heut geſtohlen. Eines Mauleſels Fohlen Möchtet ihr eh gewinnen. - Auf Erſay do< will ih ſinnen. 5 Ihr haltet jenen Mann ſo werth: Statt des Pferds , das ihr begehrt, Nehmt Jhn, der's ritt in dieſem Streit. Ob es ihm lieb iſ oder leid, Jch kehre wenig mi daran.“ 10 Da freute ſich der Schiffmann.
Er ſprah mit lachendem Mund: „Nie ward mir reihre Gabe kund, Wenn das Glü> nur wollte,
Daß ih ſie haben ſollte.
15 Wenn Jhr ſie, Herr, im Ernſt gewährt Das if weit mehr als ih begehrt. Fürwahr, ſtäts klang ſein Lob ſo hell, Fünfhundert Rofſe ſtark und ſchnell
| Nähm ich ficher niht für Jhn:
20 Auch wärs mein großer Ungewinn.
; Jhr macht mi< zum reihen Mann.
| Nur um eins noch halt ih an, Genügt eu< anders die Kraft: Daß Jhr in meinen Kahn ihn ſhaft;
25 So ſeid ihr mild und hohgeſinnt.“ Da ſprah König Lotens Kind:
„In den Kahn und hinaus Und hinein in euer Haus Schaff ih gern ihn euch gefangen.“ „So werdet ihr wohl empfangen ,“ 547 Sprach der Schifſmann. Nicht verſhweigen Wollt er großen Dank mit Neigen.
Da ſprach er: „Lieber Herre mein, Geruht auch ſelbſt mein Gaſt zu ſein
5 In meinem Hauſe dieſe Nacht.
| Größre Ehre zugedacht Ward keinem Fergen je wie ih. Glüdlih preiſt mih männigli<, Bewirth ih ſolhen werthen Mann.“
10 Da ſpra< mein Herr Gawan:
„Ich wollt euh ſelber ſhon drum bitten. So müde hab ih mi< geſtritten,
Daß mir wohl Ruhe wäre Noth.
Die mir dieß Ungemach gebot ,
15 Weiß ihre Süße wohl zu ſäuern, Dem Herzen Freude zu vertheuern; An Sorgen macht ihr Dienſt es reich : So iſt ihr Lohn ſi ſelbſt nicht gleich. O weh dir, Fund, du biſt Verluſt:
20 Du ſenkeſt mir die Eine Bruſt,
Die ſonſt empor begehrte, ï Da mir Freude Gott gewährte. : Da ward ein Herz gefunden : | Nun, fürcht ih, ifs verſhwunden. 26 Wie ſoll i< Troſt nun finden,
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Muß ih mic unterwinden Solcher Sehnſuht na< Minne? Folgt fie weiblihem Sinne, Sie ſoll mir Freude ſchenken Statt mic in Leid zu ſenken.“ 548 Der Schiffmann hörte, daß er rang Mit Sorg und daß ihn Minne zwang. „Das i} hier Brauch, Herr,“ hub er an, „In dem Forſt und auf dem Plan, . 5 Soweit Klinſchor Gebieter if. Ob ihr Muth habt oder miſst, Anders geht es nict als ſo, Heute traurig, morgen froh. Euch iſts vielleiht no< unbekannt : 10 Nichts als Wunder iſ dieß Land, Das währt hier immer, Naht und Tag; | Nur Glü> bei Mannheit helfen mag. Die Sonne ſeh ih niedrig ſtehn: Laßt un3, Herr, zu Schiffe gehn.“ 16 Alſo bat der Schiffmann. Liſchoiſen führte Gawan | Mit ſih an des Schiffes Bord. Da folgte ſonder Widerwort Ihm der Held geduldigli<h. 20 Der Shiffmann zog das Roſs mit ſi. Sie fuhren über. Am Geſtad Der Fährmann Gawanen bat: „Seid ſelber Wirth in meinem Haus,“ Das war ſo herlih überaus, 25 Daß zu Nantes kaum, wo Artus ſaß, Sich ſein Haus mit dieſem maß. Liſchoiſen führte Gawan ein. Der Wirth und das Geſinde ſein Nahmen ſi< des Gaſtes an. Zu ſeinem Töchterlein begann 549 Der Wirth und \pra<h zur holden Maid: „Gut Gema und frohe Zeit ' Schaff meinem Herren, der hier ſteht ; Mir i} lieb, wenn ihr beiſammen geht. 5 Nun ſo dien ihm unverdroßen: Durch ihn iſ Heil uns zugefloßen.“ Seinem Sohn befahl er Gringuljeten. Was er das Mägdlein gebeten,
Das ward mit großer Zucht gethan. 10 Mit der Maid darauf Gawan
Zu einer Kemenaten ging,
Wo den Eſtrich überfing | Binſ und Blumen friſh geſchritten
Al3 Geſträuſel nah des Landes Sitten. 15 Da entwappnete ſie ihn.
„Würd eu< der Dank von Gott verliehn!“ | Sprach Gawan. „Frau, es ſha} mir Noth; | Es ift des Vaters Gebot,
Sonſt dientet ihr mir allzuſehr.“
20 Da ſprach ſie: „Jh dien eu< mehr
Daß ih eure Huld erringe,
Herr, als um andre Dinge.“ | Des Wirthes Sohn, ein Knappe, trug
Weicher Betien genug
256 An die Wand der Thür entgegen,
Und ging dann einen Teppich legen: | Da ſollte figen Gawan.
Der Knappe ging und brachte dann
Ein Kiſſen von lihtem Glanz, | Aus rothem Zindal war es ganz;
550 Aug ward dem Wirth ein Sig gelegt. Ein andrer Knappe kommt und trägt Linnen auf den Tiſh und Brot;
| Beides nah des Wirths Gebot.
6 Die Hausfrau kam um na<hzuſehn:
y Al3 ſie den Gaſt ſah vor fi ſtehn,
| Herzli< willkommen hieß fie ihn.
Sie ſprah: „Ihr habt uns viel verliehn; | Die Gabe hat uns rei<h gemacht: | 10 Jh ſch, daß unſer Glü>k no< wacht.“ | Da nun der Wirth war gekommen | Und das Waßer Gawan ſhon genommen, | Da that er eine Bitte kund ¡ Seinem Wirth mit holdem Mund:
15 „Laßt mit mir eßen dieſe Magd.“
„Herr, es iſ ihr unterſagt ,
Daß fie mit Herren äße
Und ſo nah bei ihnen ſäße:
Sie überhebt ſi ſonſt zu ſehr.
20 Dog gilt mir euer Wunſh no< mehr:
Tochter, thu all ſein Verlangen ;
Es ſei dir im Voraus verhangen.“
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Wohl ward vor Scham die Süße roth; | Doch that ſie was der Wirth gebot. 25 Da ſaß bei Gawan Bene. ] Starker Söhne zweene Hatt außer ihr der Wirth erzogen. Sein jährger Falke hatt erflogen Am Abend drei Galander: Die ließ er miteinander 551 Gawañen bringen alle drei, Und eine Brühe dabei. Mit Anſtand legt! ihm vor die Maid. Sie wuſt ihm au< mit Freundlichkeit 6 Gute Bißen auszuſuchen, Die ſie auf weißem Kuchen y Jhm bot mit klaren Händen. „Wollt ihr meiner Mutter ſenden Der gebratnen Vögel einen? 10 Sie bekommt ſonſt heute keinen ,“ * Sprach die Jungfrau zu Gawan. | Er ſpra< zum Mägdlein wohlgethan, - Daß er ihren Willen thäte Hierin, und Was fie ſonſt ihn bäte. 156 Ein Galander ward geſandt Der Wirthin. Seiner milden Hand Ließ ſie großen Dank vermelden, Und Dank entbot der Wirth dem Helden. Da wurde noh in Eſſig 20 Portula> und Lattich Von einem Sohn des Wirths gebracht. Nicht hilft zu großer Leibesmacht Auf die Länge ſolhe Nahrung; Auch matt fie bleich, lehrt die Erfahrung. | 26 Solche Farbe thut die Wahrheit kund | Wenn fie verſhlu>en will der Mund;
Doh falſh find aufgelegte Farben: Die müßen alles Lobes darben. Ergiebt der Treu ein Weib ſi ganz, Die, dünkt mi, trägt den ſ{önſten Glanz. 552 Genügte Gawan guter Willen, So motht er hier den Hunger ſtillen: Keine Mutter gönnt dem Kind das Brot So gern als ihm der Wirth es bot. | 6 Die Tiſche wurden weggebracht; Die Wirthin wünſ<ht ihm gute Nacht. Zur Stelle trug man manches Bette Zu des Helden Ruheſtätte: 5 | Von Flaum das Eine ganz und gar,
10 Ein grüner Samt die Ziehe war;
Kein Samt zwar von der höchſten Art, \ Es war ein Sammiet-Baſtard.
Ein leichtes Kiſſen dient! als Dede,
Daß ſi< Gawan darunter ſtre>e;
15 Der Ueberzug ſchien lautres Gold, Fern aus der Heidenſchaft geholt , Geſteppt auf Palmenſeide.
Jedoch zum Ueberkleide Zog man zwei weiße Linnen auf. E 20 Auch kam ein Ohrkiſſen drauf, . Und ein neuer Mantel, ihm geliehn | Von der Magd, aus reinem Härmelin. Urlaub nahm von ſeinem Gaſt Der Wirth, bevor er ging zur Raft; 26 Gawan verblieb, ward mir geſagt, Allein zurü>, mit ihm die Magd. | Hätt er mehr von ihr begehrt, | Sie hätt es ihm vielleicht gewährt. Doh ſ{laf au< Er, wenn ers vermag; i Gott hüte ſein bis an den Tag.
Arnive
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553 Die Augen zog ihm Müde zu, Er genoß bis an den Morgen Ruh: Da war erwacht der Weigand. Viel Fenſter ſah er an der Wand 5 Des Zimmers, lichtes Glas davor. | Auch fand er ein geöffnet Thor | Nath einem Baumgarten gehn: y
y Er trat hinein, fi<h umzuſehn; Auch wohl um Luft und Vogellieder. 10 Da ſah er bald die Veſte wieder, Die er Tags zuvor geſehn, y Vor der ſein Kampfſpiel war geſchehn. Viel Frauen ſah er auf dem Saal, Und manche {öne in der Zahl.
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16 E3 wundert! ihn, daß auf dem Sqhloß ] Die Fraun des Wachens niht verdroß, Denn er ſah, fie ſhliefen nicht, Y Da kaum noh ſcien des Tages Licht. Er dachte: „Daß fie ſchlafen mögen 20 Vill ih mi auh noh \hlafen legen.“ Wieder an ſein Bett er ging. y Der Jungfrau Mantel Überfing Ihn als ſeine Dee. Ob ihn niht Jemand we>e ? | 25 Nein: das wär dem Wirthe leid. | e Da dachte ſein die junge Maid, | Die an der Mutter Seite lag. | Die Gute ſih des Schlafs entbrah | Und ging hinauf zu ihrem Gaſt, | Der wieder {lief in ſüßer Raſt. | 994 Weil ſie gern bedient ihn hätte, | Auf den Teppich vor ſein Bette | Sette ſih die Jungfrau klar. Y | Nicht oft geſchieht es mir fürwahr, | 5 Daß mir Abends oder frühe | Solch Abenteuer blühe. Als drauf Gawan erwachte, Sah er fie an und late: „Gott lohn eu,“ ſprach er, n„Dräulein, | 10 Daß ihr ſo von wegen mein | Euern Slaf unterbrecht , | Und es an euch ſelber rät, H Daß ih eu< niemals Dienſt gethan.“ | Da ſprach die Jungfrau wohlgethan : | 15 „Euern Dienſt entbehr ih gern, | Wär mir nur eure Huld niht fern. | Herr, gebietet über mi: | Was ihr gebietet, thu ich. All die bei meinem Vater ſind, Y 20 Die Mutter und ein jedes Kind, | Wir ſehn als unſern Herrn euch an, So Liebes habt ihr uns gethan.“ | Er ſprach: „Seid ihr ſhon lang gekommen? Hätt ih es eher nur vernommen, 25 Eine Frage hätt ih eu< geſtellt, Wenn es euch anders gefällt Mir Beſcheid darauf zu ſagen. Ich ſah in dieſen Tagen
| Viel Fraun auf mi hernieder blid>en. | Seid ſo gut, wenn es fich ſhi>en 5995 Will, und ſagt mir, wer ſie ſein?“ Da erſchrak das Mägdelein: „Ach, Herr begann fie, „fragt das niht, Denn ich geb euh niht Bericht. 5 Jhr werdets niht von mir erfragen; Weiß ich es glei, ih darfs niht ſagen. Jhr dürft es niht übel nehmen ; I< laß euh Alles gern vernehmen, Nur \<weigt hievon, folgt meinem Rath.“ 10 Doh Gawan neue Frage that Und forſchte nah der Märe Wie es mit den Frauen wäre, Die er auf dem Saale figen ſah. Das treue Mägdlein weinte da, 15 Jn helle Thränen brach ſie aus, Ihr Jammer ſcholl durs ganze Haus. Es war noh früh an der Zeit: Da kam der Vater der Maid. Ohne Zorn ließ ders bewenden, 20 Ob er mit ſtarken Händen Sein Töchterlein bezwungen Oder doh mit ihr gerungen. Das züchtge Mädchen wohlgethan Stellte ſich niht anders an, 25 Zumal ſie vor dem Beite ſaß; E Das ließ der Vater ohne Haß. „Tochter ,! ſprach er, „weine niht: Was man wohl ſcherzweis thut und ſpricht, Segzt das auh Anfangs böſes Blut, Hernach iſ Alles wieder gut.“ 596 Gawan ſprah:. „Hier ift nihts geſchehn, Das wir nict offen eingeſtehn. Ich frug das Kind nah Einem Theil: Das dauchte ſie mein Unheil 5 Und bat, daß ich die Frage ließe. Wenn ih nun Euch niht auch verdrieße, Und euh mein Dienſt bewegen kann, ' So geruht, Herr Wirth, und ſagt mir an f Wie if es mit den Frauen dort ? | 10 J< weiß in aller Welt den Ort | Nicht, wo man ſchöner Frauen | So viel möchte ſchauen, | Mit ſo lihtem Gebèände.“
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Da rang der Wirth die Hände 15 Und ſprah: „Herr, fragt das niht, um Gott, | Denn hier iſt Noth ob aller Noth!“
„So will i< ihren Kummer klagen ,“ | Spra Gawan. „Wirth, ihr ſollt mir ſagen, Warum iſ} eu< mein Fragen leid?“
20 „Herr, wegen eurer Mannheit. Könnt. ihr der Frage nicht entbehren, So werdet ihr au< Kampf begehren. j Der bringt eu< tödliche Gefahr, Und ma<ht uns aller Freude bar, 26 Mit, und alle meine Kinder, Die euch zu Dienſten ſind, niht minder.“ „Fhr ſollt mirs ſagen,“ \ſprah Gawan; „Wenn ih es hier niht hören kann, - Daß Eure Kunde mir entgeht, Ich erfahre do< wohl wie es ſteht.“ | 5597 Da ſprah der Wirth mit Treuen: „Daß ihr das Fragen ſcheuen Nit wollet, Herr, das ſha} mir Pein. Einen Sthild will ih euch leihn; 6 Wappnet eu zu neuem Streit. Zu Terre merveille iſts, wo ihr ſeid, Denn das Lit merveil iſ hie. Herr, beſtanden ward noh nie Auf Schatel merveil die Noth: 10 Euer Leben will nun in den Tod. i Wieviel auch ſtritt eure Hand, Wieviel fie Abenteuer fand, | Das war noh Alles Kinderſpiel : Hier trefſt ihr Angſt und Schre>ens viel.“ | 16 Gawan ſprah: „Es wär mir leid, | Ritt ih aus Gemägliqchkeit | Unthätig hin von dieſen Frauen, Ohne recht die Sache zu beſchauen. | Ich hatte längſt davon vernommen; | 20 Nun i ſo nah ihr bin gekommen, So darf ih nicht verzagen | Für die Frauen mi< zu wagen.“ | Der Wirth beklagt? ihn, der getreue. Er ſprach zu ſeinem Gaſt aufs Neue: j 26 „Alle Noth iſt Kleinigkeit , | Die man finden mag im Streit, Gegen dieß Abenteuer : |
Es ift ſharf und ungeheuer | Fürwahr und ſonder Lügen: Glaubts, Herr, ih kann niht trügen.“ 558 An Furt und Sthre>en kehrte Sich Gawan niht, der Kampfbewährte. Er ſprach: „Nun gebt zum Kampf mir Rath: y Wenn ihrs verhänget, Ritter8that 5 Werd ih hier leiſten, will es Gott. Euern Rath und eur Gebot y Nehm i immer“ willig an. Herr Wirth, ih thäte übel dran, Von hinnen ſo zu ſcheiden: | 10 Die Lieben und die Leiden | Hielten mich für einen Zagen.“ | Nun erft begann der Wirth zu klagen, | Dem größer Leid wohl nie geſchah. Zu ſeinem Gaſte ſprach er da: | 15 „Wenn es Gottes Willen if , | Daß ihr den Tod nicht leiden müßt, So wird zu Theil eu dieſes Land. | Viel Frauen ſtehen hier zu Pfand, | Die Zauberei gefeßelt hält | 20 (Erlöſen mochte ſie kein Held), Dazu viel edle Ritterſchaft ; Kann ſie befreien Eure Kraft , | So iſt eu< Preiſes viel gewährt. Euern Namen hat Gott hoch geehrt : | 25 Das Glü> läßt eu< gewaltig ſein Ueber Schönheit, lihten Schein, Fraun aus manqhen Landen. | Es gereiht? eu< niht zu Schanden , Wär zu ſcheiden eur Entſchluß, | Da Liſchois Giwellius 999 Seinen Preis an euch verloren hat, Der mane ritterlihe That Zuvor vollbraht, der holde Mann, Wie ih wohl ihn nennen kann. 6 Kühn war ſeine Ritterſchaft : So manche Tugend Gottes Kraft Noch aus Keinem Herzen blühen ließ, ; Nehm ih Jthern aus von Gahevieß. „Mein Schiff Jhn geſtern über trug, 10 Der Jthern vor Nantes \<lug. | Fünf Roſſe hat er mir gegeben (Laß ihn Gott mit Freuden leben),
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Die Fürſten ſonſt und Könge ritten. Sie müßen wie fie mit ihm ſtritten 15 Nun ſelbſt zu Pelrapär- vermelden : Das gelobten fie dem Helden. Sein Schild trägt mancher Tjoſte Mal; Er ritt hier forſhen na< dem Gral.“ | „Herr Wirth, wo if er hingekommen? 20 Und hat er,“ ſprah der Gaſt, „vernommen Als er ſo nahe ritt vorbei, | Wie es mit dieſen Frauen ſei ? „Er hats, Herr, niht erfahren. Die Rede konnt ih ſparen 25 Ihn Deſſen zu beſcheiden: Den Unfug wollt i< meiden. “Hättet Ihr die Frage niht erdacht, Ich hätt eu< niht darauf gebracht Was hier beſtanden werden ſoll: Ein Abenteuer ſchre>envoll. S60 Laßt ihr mis nicht verhindern, So iſ mir und meinen Kindern |] Wohl nimmer leider geſchehn, Wenn ihr fallen müßt und untergehn. 5 Sollt ihr den Sieg behalten, Dieſes Landes künftig walten, So muß meine Armut enden, Denn ih getrau es euern Händen, E Daß ihr mir Reichtum verleiht. 10 Mit Freuden Lieb ohne Leid Mag euer Preis hier erben, Müßt ihr nict erſterben. „Nun wappnet eu< zu ſcharfem Streit.“ Noch trug Gawan kein Eiſenkleid: | 15 Er ſpra<: „Bringt mir die Rüſtung her.“ Der Wirth erfüllte ſein Begehr. Von Fuß auf wappnet? ihn alsbald Das ſüße Mägdlein wohlgeſtalt, Da nach dem Roſs der Vater ging. 20 An ſeiner Wand ein Schildrand hing, Der war di> und alſo hart, Daß er Gawans Erretter ward: Ihm wurden Schild und Roſs gebraht. Nun hatte ſih der Wirth bedacht, 256 Und als er wieder vor ihm ſtund, Begann er: „Herr, ih thu euh kund, | Simro>, Parzival und Titurel.
Wie ihr ſollt verfahren , Euer Leben zu bewahren. „Meinen Schild ſollt ihr tragen: Er ift niht durchſtohen noch zerſchlagen, 561 Denn ih kämpfe ſelten: Wes ſollt er denn entgelten? | Herr, wenn ihr vor das Burgthor kommt, | Ich weiß, was euerm Roſſe frommt: 6 Es ſigt ein Krämer an dem Thor, | Dem übergebt das Roſs davor. Kauft von ihm was euh gefällt, Nur daß er euh das Roſs behält , Wenn ihr es ihm zu Pfande ſegzt. 10 Bleibt ihr im Kampf dann unverlegt, Mögt ihr das Roſs zurü> empfahn.“ Da ſpra< mein Herr Gawan: nReit ih niht zu Roſs hinein ?“ ' „Nein, Herr. All jener Frauen Schein 15 Bleibt vor eu< verborgen. Es naht nun Angſt und Sorgen. e „Im Saale ſeht ihr eu< allein: Ihr findet weder Groß noch Klein, Das da leb und Athem habe. 20 Nun ſtärk eu< Gottes Gabe, Wenn ihr in die Kammer geht , Darin das Lit merveil ſteht. Das Beit und die vier Rollen ſein Von Marokko der Mahmumelein, 26 Wollte Der mir allen Schägen Kron und Land dagegen ſetzen, Das reichte niht an ſeinen Werth. | An dieſem Bette widerfährt Euch dann was Gott euch zugedacht: Lenk es gnädig ſeine Macht. 562 Merkt eu< Herr, und ſeid belehrt : Dieſen Schild und euer Schwert, Laßt fie niht aus den Händen. Denkt ihr, nun ſolle enden 5 Eure ſhre>hafte Pein, Da bricht die Noth erſt re<t herein.“ Als Gawan fi zu Roſſe ſhwang, Da ward dem armen Mägdlein bang. Alle klagten, die’ da waren | 10 Mit ängſtlihem Gebahren. 14
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Er ſpra< zum Wirth: „Gott gönne nur,
: Was mir hier Gutes widerfuhr | Dureh eure treue Pflege, | Daß is einſ vergelten möge.“ |
16 Urlaub nahm er von der Maid, | Die er zurüließ im Leid. | Dort ritt er hin; hier ward geklagt. Wenn euh zu hören nun behagt | Was fi<h mit Gawan zugetragen,
20 Defto lieber will i<s ſagen.
Ich ſag es wie ih es vernahm: Als er vor die Pforte kam, Er fand davor den Krämer wohl, Und ſeinen Kram der Schätze voll. 25 Feil lag ſol< Gut darinne, : Stäts hätt ih frohe Sinne, Wüär ſolcher Reichtum mir beſchert. Da ſhwang ſi< Gawan ab vom Pferd. Nie hatt er reihern Markt geſehn y Als er hier ſah vor ſi ſtehn. 563 Die Bude war ein ſamtnes Zelt, | Im Viere> ho< und weit geſtellt. Was da feil war und zu Kauf? So leiht wohl wög es Niemand auf. 56 Der Baruch von Baldag Bezahlt! es niht was drinne lag; Das thät au< niht von Rankulat Der Katholiko. Der Griechenſtaat , Als man in dem noh Schätze fand,
10 Da bezahlt! es do< des Kaiſers Hand Nicht mit Hülfe jener Zween : ] So köſtlih Gut war hier zu ſehn.
Den Krämer grüßte Gawan Und als er ſah, was der Mann
15 Feil bot für Wunderdinge, | Er erwies ihm niht geringe y Ehre, und ließ mit Neigen Si Spang und Gürtel zeigen.
Der Krämer ſprah: „Hab ih fürwahr
20 Dog hier geſeßen manches Jahr, | Daß es kein Mann zu ſchauen | Gewagt, nur edle Frauen,
Was mein Kram für Schätze beut. Nährt euer Herz nun ‘Mannheit , Y
26 So iſ eu< Alles zugedacht. |
Es ward aus fernem Land gebracht... Wenn ihr den Sieg errungen habt | (Falls ihr zum Kampfe kommt getrabt, | Und euch hier ſoll gelingen), . So iſ leiht mit mir dingen, 564 Denn was in meinem Krame liegt, Das gehört eu< Alles, wenn ihr ſiegt. Zieht weiter und vertraut auf Gott. Hat eu< Plippalinot , 5 Der Fährmann, hergewieſen ? Noch von mancher Frau geprieſen Wird euer Kommen in dieß Land, Wenn ſie erlöſt eure Hand. | „Wollt ihr das Abenteur beſtchn, 10 So laßt das Roſs hier bei mir ſtehn: | Vertraut mirs, ih bewahr es euch.“ | Mein Herr Gawan verſetzte gleich: | „Wüſt ih, wenn ichs eu ließe, y Ob ich wider euh verſtieße! 15 Mit ſchre>t euer köſtlih Gut: In ſo reihen Marſchalls Hut Kam es nie, ſeit J<8 geritten.“ | Der Krämer ſpra< mit holden Sitten : „Herr, Ich ſelbſt mit allen Schägen 20 (Was ſoll i<s auseinanderſegzen ?) | . Bin euer, wenn das Glü>k euh lacht. | Wem wär ih anders zugedacht?“ Gawan war ſo verwegen, Zu Fuß der Noth entgegen 25 Ging er kühn und unverzagt. | Wie ih eu voraus geſagt, y Das Schloß war großer Weite, Und ſtand an jeder Seite Mit Mauern wohl zur Wehre. Um Sturm niht eine Beere 565 Gäb es in dreißig Jahren. Was hätt es zu befahren? In der Mitte lag ein Anger; Das Lechfeld i langer. 5 Viel Thürme ragten ho< empor. Die Märe meldet uns: als vor | Dem Saale Gawan draußen ſtand, Da war das Dach bis an den Rand Bunt wie der Pfaun Gefieder: 10 So ſchillernd bli>t' es nieder.
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LEE Négen noh der Schnee That dem Glanz des Daches weh. Innen war die Burg geziert, Mit allem Reichtum ausftaffiert ; 15 Die Fenſterſäulen wohl zu loben, ; Ein hoh Gewölbe drauf erhoben. Ruhebetten ohne Zahl An den Wänden überall; Steppde>en drauf von manqher Art 20 Wie man fie ſchöner nie gewahrt. | Der Fraun, die da geſeßen , | War keine jegt vergeßen, ¡ Sie waren All gegangen. ] Von keiner ward empfangen | 25 Der doh Heil und Freiheit brachte, | Wie Gawan zu thun gedachte. | Sie hatten ihn do< wohl geſehn : Y Konnt ihnen Lieberes geſchehn ? | | Unrecht iſts wohl von Allen: | Er kam ihnen zu Gefallen. | 566 Dog hatten fie niht Schuld daran. | Nun ging mein Herr Gawan In dem Saale hin und her, | Zu ſhaun was da zu ſhauen wär. | 5 Da ſah er dort an jener Wand — | Ob zur reten oder linken Hand — i Eine Thür weit aufgethan: | Da ſollt ihm die Entſcheidung nahn | Ob er hohen Preis erwürbe, | 10 Oder um den Preis erſtürbe. | | Nun trat er u dem Zimmer ein: | Dem war des Eſtrihes Schein | Wie Glas ſo ſhlüpfrig und ſo klar. | Das Lit merveil darinne war, | 15 Das wunderbare Bette. | Dem liefen auf der Glätte | Von Rubin vier helle Seiben; j Kein Wind kann ſhneller treiben ' Als die Rollen wurden fortgeſhoben. | 20 Den Eſtrih muß ih euch loben: Von Sardinen, Jas8pis, Chryſolith Getäfelt, wie es Klinſchor rieth, Der dieſes Werk hatt erdacht Und durch weiſe Zaubermacht
| 25 Geholt aus manchen Landen Die Steine, die da ſtanden. : So ſ<lüpfrig war der Eſtrich, | Auf den Füßen konnte fih | Herr Gawan kaum erhalten. y Wenn er das GElü> ließ walten | 567 Und hin ging zu dem Bette, Snell fuhr es von der Stätte | Darauf es Plag genommen. | Wohl fühlt! er fih beklommen, | 5 Zumal der Schild ihm läſtig wird, | Den ſo dringend ihm empfahl der Wirth. [ „Wie komm ih,“ dalt er, „denn zu dir? | Springſt du hin und her vor mir, Ich will dih innen bringen, Í 10 Daß ih auh weiß zu ſpringen.“ y Jego ſtand es vor ihm eben, Da eilt’ er fich zum Sprung zu heben Und ſprang auh glüdlih mittendrein. Der Sqnelle mag kein Gleichniſs ſein, 15 Wie das Bette fuhr bald re<ts bald links. Wider die vier Wände gings, | Hier ein Stoß, dort wieder Stöße: Die Burg erſholl von dem Getöſe. So ritt er manchen Ritt, der Ritter. 20 Furthtbarer donnert kein Gewitter; Die Poſaunen alle - Zumal in Einer Halle, Vlieſen ſie aus Hungersnoth Um das legte Stüd>chen Brot, 26 Nit ärger könnt es krachen. Gawan muſte wachen, E Lag er gleih im Bette. E Wie fi der Held nun rette? Er hätte gern den Lärm geſtillt; Doh zog er über fih den Schild, 568 Lag da und ließ den walten, Der ſih Hülfe vorbehalten, ' Und den der Hülfe nie verdroß, | Wenn ihm fromm das Herz erſhloß | Der ſeiner Hülfe Noth gewann. | Der weiſe herzhafte Mann, Wird dem Kummer bekannt, | Zu Hülfe ruft er Gottes Hand, Des ftäts an Hülfe reichen :
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10 Der wird ihm Hülfe reichen. Das ward an Gawan neu bewährt : Der ſeinen Preis noh ſtäts gemehrt Dureh ſeine Kraft und ſeine Güte, Den bat er, daß er ihn behüte. 15 Das Krachen nahm ein Enve. Von jeder der vier Wände Gleich entfernt war die Stätte, Wo das wundervolle Bette Blieb auf dem Eſtriche ſtehn.
20 Noth ſollt er größre Noth beſtehn: Fünfhundert Wurfſhwingen An verborgnen Federn hingen:
Die wurden jeyt gezogen. Da kamen Steine geflogen 25 Auf das Bette wo er lag: Der Schild, vem Härte niht gebrah, | Schütte de>end ſein Gebeine. | Es waren Waßerſteine, Hart genug, ſ{hwer und rund; | Der Schild ward hier und da do< wund. | 569 Die Steine waren auch verthan. | Nie empfunden hatt er bisheran So ſcharfe Würfe wie da flogen. Nun waren auh zum Schuße Bogen 6 Geſpannt, fünfhundert oder mehr. Die zielten allzumalen her Auf das Beite wo er lag. Wer ſole Noth beſtand, der mag Wohl reden über Pfeile. 10 Doh währt' es kurze Weile, Sie waren bald verſtoben. Wer ſi< Gemach will loben, Gerath' in ſoles Bette nicht, Das ihm nicht viel Gemachs verſpricht.
15 Jugend wohl möcht ergrauen, | Das Gemach zu ſchauen, | Das Gawman in dem Bette fand. | Doh fühlt? er noh in Herz und Hand Sich keine Shwäche regen.
20 Der Stein und Pfeile Regen War nicht gänzlich abgeglitten:
Gequetſcht, wohl auh geſchnitten War Gawan dur die Ringe. Schon wähnt" er, hiemit ginge
25 Nun ſeine Noth zu Ende:
Da muſten ſeine Hände . Noch Preis erwerben im Streit. Denn ſieh zu derſelben Zeit
: Erſhloß fi< vor ihm eine Thür; Ein ſtarker Bauer trat herfür,
570 Ein entſeyliher Mann.
Von Fiſchhäuten hatt er an Eine Mütze und ein Oberkleid, Und deſſelben Stoffs zwei Hoſen weit. 6 Einen Kolben in der Hand er trug, Die Keule di>er als cin Krug. Der {ritt gerad auf ihn daher; Nicht war es eben ſein Begehr:
| Seines Kommens ihn verdroß.
| 10 Gawan date: „Der i} bloß;
Da hab ih beßre Wehr und Hut.“
| Er richtete fih auf ſo gut Als ſeine Müdigkeit es litt.
| Zurüd> trat Jener einen Schritt
15 Als wollt er fliehen aus dem Haus,
| Und rief in ſeinem Zorn doch aus: „Von Mir ſoll eu< kein Leid geſehn; Doch will ih glei zu ſorgen gehn, Daß ihr zu Pfand das Leben gebt.
20 Der Teufel weiß wie ihr noh lebt: Hat der euh vor dem Tod bewahrt, Doch bleibt eu< Sterben ungeſpart : Des bring ih eu< wohl innen; Laßt mich nur erſt von hinnen.“
25 So trat der Bauer aus dem Haus. Mit dem Schwerte ſhlug im Saus Gawan vom Silde fich die Schäfte. Die Pfeile waren durch die Kräfte Des Schußes meiſt hindur< gegangen, So daß ſie in den Schienen klangen.
571 Gebrüll füllt jezt die Hallen, Wie wenn zwanzig Trommeln ſchallen Zum Tanz bei einem Feſte.
Sein kühner Muth, der feſte,
6 Den noch nie der Zagheit Schwert Verwundet hatte noh verſehrt , Dathte: „Was ſoll jezt geſchehn ?“ Hier könnt es übel wohl ergehn. Will ſi< mein Leid no< mehren?
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10 Hier gilt es fith zu wehren.“ |
Er bli>te na< des Bauern Thür: Ein ſtarker Löwe ſprang hexfür , Einem Roſſe glei<h an Höhe.
Gawan, der ungern flöhe,
15 Ergriff den Schild beim Riemen, |
Wie zur Wehr ihm mochte ziemen, Indem er auf den Eſtrich ſprang. Der ftarke Löwe hatte lang
. Gefaſtet, Hunger macht ihn grimm;
20 Und doh erging es hier ihm ſ{<limm; Zornig ſprang er auf den Mann:
Zur Wehre ſtellte ſi< Gawan.
- Er hätt ihm ſchier den Schild entrungen; Durch den Schild war gedrungen
25 Veim erſten Griff ſeine Tage.
Den Griff hat ſelten eine Katze
Durch ſolhe Härte gethan.
Mit Zud>en wehrte ſi< Gawan,
Der ihm ein Bein vom Leibe ſhwang.
Der Leu auf dreien Füßen ſprang; 572 Jm Shilde blieb ſein vierter Fuß.
Niederſhoß des Blutes Guß,
Daß es den Eſtrich näßte :
Nun ſtand Gawan erſt feſte.
6 Oft ſprang der Leu empor an ihm, Seine Naſe ſhnaubte ungeſtüm, | Wenn er zähneble>end ſtöhnte.
Wenn man ihn ſo gewöhnte, Gute Leute zu verſhmauſen,
10 Mögt ih niht mit ihm hauſen. | Im Kampf um Tod und Leben auh | Miſsfiel Gawanen ſolcher Braut. i
Er hatt ihn ſhon ſo ſhwer verlegt : y Allenthalben war benetzt i
15 Das Gemach mit ſeinem Blut. ; Aufſprang der Leu mit zorngem Muth Und wollt ihn zu>en unter ſi: Gawan gab ihm einen Stich Durch die Bruſt bis an die Hand,
20 Davon des Löwen Zorn verſhwand: Er ſtürzte nieder und war todt. So hat Gawan die große Noth Ueberwunden im Streit. | Nun gedacht? er um die Zeit |
25 Bei fi: „Was wäre mir nun gut? Ich ſäß niht gern in dieſem Blut: Auch will ih vor dem Bett mih wahren: Es weiß ſo toll umher zu fahren, Ih lege mi niht wieder drein: Da müſt i< wahrli< unklug ſein." 573 Dog ſo betäubt und ſinnberaubt | Von den Würfen war ſein Haupt, | Auch war ihm dur die Wunden Des Bluts ſo viel geſ<wunden, 5 Daß ſeine trozige Kraft Jetzt allmählih war erſchlafft, Und er ſ{hwindelnd nun zuſammenbra<h. Das Haupt ihm auf dem Löwen lag, Der Schild fiel nieder unter ihn. I 10 Beſaß er jemals Kraft und Sinn, Jett find ihm beide weit entführt: Wer hat ſo unſanft ihn berührt ? Der Sinn verließ ihn völliglich. Sein Kopfkiſſen glih 15 Nicht jenem, das Gimele | Von Monte Ribele, Die in Liedern wird geprieſen, | Unterſchob Kaheniſen, Daß er den Preis verſchlief in Ruh: 20 Der Preis lief dieſem Manne zu. | Denn Jhr habt ja wohl vernommen Wie er von Sinnen iſ gekommen Daß er dalag ohne Leben, Wie fi< Alles hat begeben. 25 Heimlih lauſhend wards beſchaut, Wie mit Blut war überthaut Der Kemenaten Eſtrich, Und Jedweder Leichen gli, Der Löwe und Herr Gawan. Eine Jungſrau wohlgethan 57A Lugte ſcheu von oben ein: | Da erblich der lihte Schein | Der Jungen, die verzagte, | Daß drob die Alte klagte, : | _5 Arnive die weiſe. y Doch gereicht es ihr zum Preiſe, Daß ſie dem Ritter Hülfe bot Und ihn ſhüßte vor dem Tod. |
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Sie ſelber ging nun ſchauen. 10 Da ward von der Frauen Durch das Fenſterlein geblid>t. Was iſt es, daß der Himmel ſchi>t? Sinds künſtge Freudentage , | Iſt es währende Klage? 15 Der Ritter, ſorgte ſie, if todt, Der Gedanke {huf ihr Noth, | Da er ſo auf dem Löwen liegt Und auf kein ander Bett ſih ſchmiegt. | Sie ſpra<h: „Mir iſ von Herzen leid, 20 Wenn deine treue Mannheit Dein werthes Leben hat verloren: | Haſt du den Tod allhier erkoren | Für uns Heimatloſe, y Gab dir Treue das zum Looße, | 25 So erbarmt mi deine Tugend, / Du habeſt Alter oder Jugend.“ | _Zu allen Frauen ſprach ſie da, | Da ſie ſo den Helden liegen ſah: | „Ihr Frauen , die die Tauf empfingen, | Fleht Gott, ihm Hülfe noh zu bringen.“ | 575 Sie ſandte zwei Jungfrauen | Hinunter , nahzuſhauen; | Daß ſie leiſe zu ihm ſchlichen | Und nicht eher von ihm wichen | 5 Bis ſie wüſten ſihre Märe | Ob er am Leben wäre, | Ob verfallen ſhon dem Tod; Beiden gab ſie dieß Gebot. Die reinen ſüßen Maide, y 10 Ob ſie niht weinten beide? | Ja, Jedwede weinte, y Jedwede Jammer peinte, Da ſie ihn ſo gefunden, Daß von ſeinen Wunden | 15 Der Schild im Blute ſchwebte. ! Sie beſahn ihn ob er lebte? Der Eine jeyt mit klarer Hand | Jhm den Helm vom Haupte band Und entſhnürt! ihm die Fintalen ſein. Í 20 Sie ſah ein leichtes Schäumelein Vor ſeinem rothen Munde- Sie lauſchte nah der Kunde | Ob ſie ſeinen Athem ſpüre, |
| Kein Leben mehr \ſi< rühre: | 25 Das lag no< mit dem Tod im Streit. i Von Zobel ſtand auf ſeinem Kleid Ein gedoppelt Gampilon, \ Wie Jlinot der Breton : Mit großem Preis das Wappen trug- | Der brate Würdigkeit genug, 576 Ein Jüngling, an ſein Ende. Da rupften ihre Hände Zobel aus, und hielt ihn ſacht | Vor ſeine Naſe, gab dann aht, 5 Ob fih ſein Athem regte, i Daß er fih leis bewegte. Da fand fich Athem genug. Nun hieß fie ohne Verzug Nach dem Hofe ſpringen . 10 Und lautres Waßer bringen: Jhr Geſpiel wohlgethan Bracht es eilends heran. Da ſob die Magd ihr Ringelein Zwiſchen ſeiner Zähne Reihn: 15 Sie wuſt’ es gar geſhi>t zu thun. Des Waßers goß die Gute nun Ein wenig nach, und mählih mehr: Zu gießen brauhte ſie niht ſehr Vis er die Augen aufſ<hwang- “20 Da dot er Dienſt und ſagte Dank Den holden Jungfrauen: „Daß Ihr mi muſtet ſchauen, | Hier ſo ungezogen liegen! | Wird es von euh verſchwiegen, WW Für Güte rehn ih das eu an: Eure Zucht bewährt ihr dran.“ i Da ſprach ſie: „Ihr lagt und liegt Wie Der den höchſten Preis erſiegt. Ihr habt den Preis hier ſo behalten, | Daß ihr mit Freuden möget alten: e | 577 Der Sieg iſt eure Beute. | Tröſtet auh uns arme Leute: | Steht es um eure Wunden ſo, | Daß wir mit eu< werden froh?“ | H Er ſprach: „Säht ihr mi gerne leben, | So ſollt ihr mir Hülfe geben.“ | So bat er die Frauen:
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«Laßt meine Wunden ſchauen Aerzte, die ſih drauf verſtehn.
10 Soll ih der Kämpfe mehr beſtehn, | So geht und reiht den Helm mir her; Mein Leben ſ<hüy ih gern mit Wehr.“
Sie ſprachen: „Kampfes ſeid ihr ledig. Herr, laßt uns bleiben , ſeid ſo gnädig. |
15 Doh geh Eine fi< gewinnen | Bei vier Königinnen | Das Botenbrot , daß ihr am Leben.
Auch ſoll man gut Gemach euh geben | Und bereiten Arzenei:
20 Mit Salben pflegt man euch dabei
Getreulich, die ſo heilſam find,
Und ſo ſanft und gelind,
Daß von Quetſchungen und Wunden Ihr als3bald müßt geſunden.“
25 Die Eine {nell von dannen ſprang,
Nicht mit lahmendem Gang: Die trug zu Hof die Märe, Taß er am Leben wäre, nSo den Lebendigen glei, Daß er uns noh freudenreih 578 Mit Freuden matt, geliebt es Gott. Nur iſ} ihm guter Hülfe Noth.“ Sie riefen alle: „Dieu merzis.“ Die alte Königin ließ
5 Ein Bette glei bereiten Und davor den Teppich ſpreiten Bei einem guten Feuer.
: Heilſame Salben theuer, Gemiſcht mit kundigem Sinn, y
10 Bratt herbei die Königin, ' Daß ſie ſeine Wunden heile. | Auch gebot fie in Eile Vier Frauen, daß ſie gingen Seinen Harniſch ihr zu bringen;
15 Doch ſollten ſie ihn leiſe Entkleiden ſolcher Weiſe,
(Daß er ſich niht braucht zu ſhämen. | Einen Pfellel mögt ihr um eu< nehmen, Und ihn entwappnen ungeſehn. |
20 Kann er ſhon vor Schwäche gehn,
So geh er, oder tragt ihr ihn Zu Bette, wo ih bei ihm bin;
| Ih ſorge, daß er ſanft mag liegen. Wuſt er ſo im Kampf zu kriegen, 26 Daß er niht ward von Herzen wund, So mach ih ihn wohl bald geſund. Eine Wund in ſeinem Herzen, | Die müſt uns Alle ſchmerzen: So wären wir mit ihm erſchlagen, Müſten den Tod lebendig tragen. “ 579 Nun, dieß Alles ward gethan. | Entwappnet wurde Gawan, Alsdann zu Bett geleitet Und ihm Beiſtand bereitet 6 Von ſolchen, die 's verſtunden. Da waren ſeiner Wunden An funfzig oder gar no< mehr. Da fand man dur<h des Panzers Wehr Die Pfeile niht gar tief gedrü>t, 10 Weil er den Schild davor gerüdt. Die alte Königin nahm Warmen Wein und Diktam: Mit einem blauen Zindal \trih Sie aus den Wunden ſäuberlih 15 Sein geronnen Blut , und verband Sie ſo, daß bald ſein Leiden ſhwand. Wo der Helm war eingebogen , | Das Haupt mit Beulen überzogen Von den Würfen und Schüßen — | 20 Dieſe Quetſchungen müßen | Nun weichen vor der Salbe Kraft Und der Aerztin Meiſterſchaft. L „I< erleicht'r euh,“ ſprach die Hehre. „Kondrie la Sorziere 25 Beſucht mich hier zuweilen: i Was Arznei vermag zu heilen, | Das lehrt ſie mi<h. Seit Anfortas i So ſchwer verwundet wurde, daß j Man auf Hülfe für ihn ſann, Hat dieſe Salb ihm wohlgethan; 580 Von Monſalväſche kommt ſie her,“ $a Gawan der Degen hehr Monſakväſh aus ihrem Mund Vernahm, da ward ihm Freude kund. * 6 Er wähnt’, es wäre nahcebei. Da ſprach der Degen falſchesfrei, :
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Gawan zu der Königin: „Bewuſtſein , Herrin, und Sinn, | Die ih beide ſhon verloren, | 10 Habt Jhr zurü>beſhworen In mein Herz mit Einem Mal; Auch lindert ſchon ſi< meine Qual. Hab ih Kraft nun und Sinn, So verdankt eu< den Gewinn | 15 Euer Dienſtmann ganz allein.“ y Sie ſpra<: „Eu dankbar zu ſein Müßen wir alle ſtreben Und uns treuli< Mühe geben. Folgt mir nur und ſpre<t nicht viel. | 20 Eine Wurzel ih eu< geben will, Daß ihr erqui>lih ſchlafen müßt. Eßens , Trinkens kein Gelüſt Sollt ihr haben vor der Nacht. Kehrt eu< dann wieder Leibesmacht,, 25 So trag ih ſo viel Speiſ euh zu, Daß ihr wohl harrt bis Morgen fruh.“ Da legte ſie in ſeinen Mund Eine Wurzel: er entſhlief zur Stund. In Ded>en hüllte fie ihn tief, Daß er des Tages Reſt verſchlief. 581 Der Ehrenreiche, Schandenarme Lag ſanft und warm in Schlafesarme; Nur fiel zuweilen Froſt ihn an, Daß er zu nieſen begann: 5 Das war der Salbe Wirken. Man ſah ihn Fraun umzirken; Sie gingen aus und wieder ein | Und trugen lichter Schönheit Schein. Doch muſten alle halten 10 Arnivens Rath, der alten, Daß keine ſpräch und riefe So lang der Held da ſcliefe. | Verſchließen ließ ſie au< den Saal, | Daß die Ritter allzumal, | 15 Die Bürger und die Knechte, ] Vom beſtandenen Gefechte ' Ni@ts erführen vor dem andern Tagk. | Da kam den Frauen neue Klage. |
y So lief der Held bis an die Nacht. 20 Da war die Königin bedacht Jhm die Wurzel aus dem Mund zu thun. Er erwahte: trinken ſollt er nun; | Getränk und ſüße Speiſe | Schafft! ihm herbei die weiſe. " 26 Er richtete fi< auf und ſaß: Auch ſhme>t’ ihm wohl was er aß. Manch ſ<höne Frau da vor ihm ſtand: Nie ward ihm beßrer Dienſt bekannt; Er ward mit großer Zucht gethan. | Da ſpähte mein Herr Gawan | 582 Bald nach dieſen bald nach jenen; Doch muſt er ftäts fi< ſehnen Nach Orgelus, der klaren. | Ihm war in ſeinen Jahren 6 Noh kein Weib ſo nah gegangen, | Ob er Minne hatt empfangen, Ob ihm Minne blieb verſagt. j Da ſprach der Held unverzagt Zu der alten Königin, 10 Arniven, ſeiner Aerztin: „Frau, es kränkt mir meine Zucht , Und ſchiene großen Hohmuths Frucht , Ließ’ ih die Frauen vor mir ſtehn: Gebietet, daß ſie ſigen gehn; 16 Oder laßt ſie mit mir eßen.“ „Herr , hier wird niht geſeßen | -Von ihrer Einer bis auf mich: | Schämen müſten Alle ſi, D Dienten ſie eu< niht gar gern, 20 Denn Jhr ſeid unſrer Freude Stern. Jedoch was ihr gebieten wollt, Das leiſten ſie, ſie ſind eu< hold.“ Die hochgebornen Frauen Ließen ihrer Zucht wohl ſchauen, 25 Denn ſie baten ihn zumal Mit holdem Mund, daß er beim Mal, Wenn es ihn niht verdrieße, Sie vor ihm ſtehen ließe. Nun das vorbei iſt, gehn ſie wieder; Zum Sglafe legt ſich Gawan nieder.
Cidegast
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583 Wer ihm nun Schlummer nähme, | Wenn jetzt ihm S<lummer käme, | Der würde ſi verſündigen. | Wir hörten uns verkündigen |
5 Welche Drangſal er beſtanden , E | Wie ſeinen Preis viel Landen Kund that ſeines Kampfes Noth.
Was der werthe Lanzelot Auf der Schwertbrüde litt |
10 Und als er Meljakanz beſtritt , | Das vergleicht ſi dieſen Schre>en niht, | Noch wa3 von Garel man ſpricht,
Dem reichen König unverzagt, Der es ritterli<h gewagt, 15 Den Leu zu werfen vor den Saal Zu Nantes, vor den Herren all. Das Meßer holte au< Garel; Doch büßt! es ſhwer der Degen ſchnell In der marmornen Säule. 20 Trüg ein Maulthier die Pfeile, Es wär ihm allzuſhwere Laft, Die Gawan der muthge Gaſt Auf ſein Herz abſhnurren ließ, Wie ihn ſeine Kühnheit hieß.
25 Ligweiß Prellius die Furt,
Und Ere>8s Noth, der Schoidelakurt Von Mabonagrein erſtritt, Squf nicht ſol< Leid, wie Gawan litt, Auch Jweins nicht (der ſtolze Degen Ließ den Guß nicht unterwegen
584 Auf der Aventüre Stein): Fügt in Eins all dieſe Pein, Noch größre Noth beſtand Gawan, Wer Ungemahh ermeßen kann.
6 Welche Noth mag ih nun meinen? | Wills nicht zu früh eu< ſcheinen, | So mach ih eu< bekannt damit. | Orgeluſe kam mit ſchnellem Schritt | In Gawanens3 Herz gegangen,
10 Wo er Zagheit nie empfangen, | Nur hohen Muth und kühnen Sinn. | Wie geſchahs, wie barg ſi drin | Die große Frau in kleiner Statt? | Sie kam ſo einen engen Pfad |
15 Jn Gawans beklommnes Herz, |
Daß all ſein übriger Schmerz Neben dieſer Noth verſhwand.
“ Es war doch eine niedre Wand, Die ſol< hohes Weib verde>te,
20 Der zu dienen nichts erſhre>te Sein dienſtlihes Wachen.
Niemand ſoll drüber lachen, Daß alſo wehrhaften Mann Ein Weib ſo überwinden kann. 25 Alle Welt, was ſoll das ſein? Nun lehrt der Minne Zorn ihn Pein ' Der hohen Preis ſih hat erjagt. | Wehrlich und unverzagt | Hat ſie ihn doh befunden. Gewalt zu thun den: Wunden, 585 Kanns ihrer Ehre frommen? Sollt ihm zu Gut niht kommen, Daß ſie ihn bei voller Kraft Wider Willen zwang in ihre Haft? 6 Frau Minne, wollt ihr Preis erjagen, So laßt beſchcidentlih eu< ſagen, Ehre kann euch dieß niht bringen. Da Gawan in allen Dingen That nach eurer Huld Gebot,
10 Desgleichen auch ſein Vater Lot, Und all ſein mütterlih Geſchlecht Euch zu Dienſten war gere<t Schon ſcit jenem Mazadan, Welchen gegen Feimorgan
15 Terredelaſchoi entführte,
Da eure Macht ſein Herz berührte. Von Mazadans Nachkommen Hat man noch ſtäts vernommen,
“ Daß Keiner jemals von euch ließ.
20 Jther auh von Gahevieß Hat euer Wappenkleid getragen: Hört? eine Frau nur von ihm ſagen, Die bedachte ſih nicht lang,
Auf ſeines Namens bloßen Klang
25 Sich überwunden zu geſtchn:
Wie jene denn , die ihn geſehn?
Der war frohe Zeit gekommen.
An dem ward euh viel Dienſt benommen. Nun gebt Gawanen auh den Tod
Wie ſeinem Vetter Jlinot ,
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Z86 Den eure Macht ſo lange zwang | Bis der Junge, Süße rang Nach der Liebſten günſtgem Blik; | Florîe wars von Kanedi>. 56 Früh muſt er ſeine Heimat flichn; Ihn erzog die Königin; Er ſah Britannien niht mehr. Mit Minne lud fie ihn ſo {hwer, Es trieb ihn au< aus Jhrem Land. “ 10 Zuletzt in ihrem Dienſte fand Man ihn todt; ihr habts vernommen. Gawans Geſchlecht iſ oft gekommen Dur Minn in herzlihe Beſchwer. Ich nenn euch ſeiner Vettern mehr, 15 Denen auh von Minne wurde weh. Wie zwang der blutige Schnee Parzivals getreuen Sinn? Das huf ſein Weib, die Königin. Galoes und Gahmureten 20 Habt ihr zu Boden ſo getreten, Daß ſie auf der Bahre lagen. : Itonjê die junge muſte tragen, Die ſhöne Schweſter Gawans, Mit Treuen um Roi Gramoflanz 25 Der Minne peinlichen Streit. Frau Minne, {uft ihr niht au< Leid y Sürdamur 'um Alexandern ? y Dem Einen wie dem Andern, Die Gawanen zum Verwandten hatten, Wolltet ihr es nie geftatten 587 Eure Feßel niht zu tragen : Nun wollt ihr Preis an Ihm erjagen. | Ihr ſolltet Kraft der Kraft erwiedern | Und ließet Gawan frei, den Biedern. | 5 Ihn \hmerzen noh die Wunden: Bezwingt erſt die Geſunden. Schon Mancher viel von Minne ſang, Den Minne nie ſo ſehr bezwang; Ich möcht es in Geduld ertragen: 10 Verliebte Herzen ſolltens klagen Wie ihr Den von Norweg ſchlagt in Banden; Die Aventür hatt er beſtanden: | Da traf den Armen allzubitter Der Minne ſhauriges Gewitter.
15 „Weh,“ ſprah er, „daß zur Ruheſtätte Mir ward dieß ruheloſe Bette! Das eine hat mi< wund gemacht; Das andre quält mir über Nacht Mit Liebesſehnen Herz und Sinn. j 20 Orgelus die Herzogin Muß Genad an mir begehn, Soll ih no< frohe Tage ſehn.“ Wie er vor Ungeduld fi< wand, Zerriß ihm mancher Wundverband. 25 In ſolhem Ungemache lag Der Held bis ihn beſchien der Tag: Den hatt er unſanft erharrt. : Ich weiß, daß oft ihm wohler ward In manchem ſcharfen Schwerterſtreit Als heut in ſeiner Ruhezeit. 588 Soll ein Leid an ſeines reichen | Will ſeins ein Minner ihm vergleichen , Von Minne werd er erſt geſund, Und dann wie Er von Pfeilen wund: 6 Das ſ<hmerzt vielleiht ihn ſchon ſo ſehr Als all ſein Liebesſhmerz vorher. Gawan trug Minn und andre Noth. Da ſchien des Tages Morgenroth, Daß ſeiner großen Kerzen Schein | 10 Stier verdunkelt muſte ſein. Vom Bette ſprang der Weigand: Da war all ſeine Leinewand Von Blut und Eiſenroſt befle>t. Doch war ein Stuhl für ihn bede>t 15 Mit Hoſ und Hemd von Bueram: Dem Weſel war er gar nicht gram. Dann war ein Marderhut bereit, Von gleichem Pelz ein Unterkleid; ' Darüber kam ein weit Gewand 20 Von Zeuch aus Arras hergeſandt. | Zwei Stiefeln ſtanden auh dabei, | $ Nicht zu eng, doh ſchön und neu. Die neuen Kleider legt? er an: | Da ſchritt mein Herr Gawan 26 Zu des Zimmers Thür hinaus. ¡ Nun ging er hin und her im Haus | Vis er den reihen Pallas fand. -
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. Sein Auge hatt in keinem Land | Solche Pracht noh erſchaut , | Wie hier verwandt war und verbaut. J
589 Zu einem Bau von mäßger Weite Gings auf im Saal an Einer Seite: Stufen führten in der Runde Zu der herlihen Rotunde. 5 In Jhr ſtand eine Säule ſtolz, Nicht etwa aus faulem Holz, Nein ſ{ön und li<t, dabei ſo ſtark E Und groß, der Frau Kamille Sarg Hätte wohl darauf geſtanden. 10 Aus Feirefifſens Landen Brachte Klinſchor der weiſe | Was hier prangt’ im Kreiſe. Runder ſah man Zelte nie. . Einem Meiſter der Geometrie, 15 Der es ſchaffen wollen, Hätte Kunſt gebrechen ſollen: | Geſchaffen hatt es Zauberliſt. Diamant und Amethiſt (Die Märe hat es uns verrathen), 20 Topaſen und Granaten, | Chryſolithen und Rubinen, Smaragden und Sardinen Schmüdten alle Fenſter rei. | Weit und hoh, den Säulen glei, 25 Die ſih zwiſchen Fenſtern hoben, War verziert die De>e droben. Doh keine Säule zeigte ſi, Die der großen Säule glich, Die in des Raumes Mitte ftund: Die Aventüre thut uns kund, 590 Viel Wunder zeigte ſich daran. Scauluſtig ſtieg Herr Gawan Auf dieß Warthaus allein ; Zu manchem koſtbaren Stein. |
5 Da fand er Wunder übergroß, | Daß ihn des Schauens nicht verdroß. | Ihn dauchte, daß er Fern und Nähe | In der großen Saul geſpiegelt ſähe. y Die Länder drehten ſich im Kreiſe,
10 Es drängten wie in Kampfesweiſe Die großen Berg einander. In der Säule fand er
Leute reiten, Leute gehn, Dieſen laufen , jenen ftehn.
15 Jn ein Fenſter ſezte ſi< Gawan
Und ſah das Wunder ſtaunend an. Da kam die alte Arnive
Mit ihrer Tochter Sangive
Und ihren beiden Enkelinnen:
20 Ihm nahten die vier Königinnen. Gawan ſprang auf, als er ſie ſah. Arnive ſprah, die alte, da: E nHerr, ihr ſolltet noh der Ruhe pflegen. Wollt ihr der Ruh eu< ſchon begeben,
25 Jhr ſeid dazu noh allzuſhwach;
Ihr braucht niht neues Ungemach.“ Da ſprach er: Frau und Meiſterin, Mir hat ſo viel Kraft und Sinn Eure Kunſt zurückgegeben, j Ich wills eu< danken all mein Leben.“ 591 Die Köngin ſprah : „War es niht Tand, Daß ihr mi< Meiſterin genannt, So laßt es dur die That mi ſchauen, . Indem ihr küſſet dieſe Frauen. 5 Jhr könnt niht Schimpf davon gewinnen: Sie find geborne Königinnen.“ Dieſer Bitte freut! er ſich: Die Frauen küſst’ er minnigli<h, | Sangiven erſt, dann JItonjé * 10 Und die ſüße Kondriê; | Selbfünfter ſett" er dann ſih nieder; | Prüfend bli>t? er hin und wieder ' Auf der Jungfraun klaren Leib. y Doch bewirkte das ein Weib, 15 Die in ſeinem Herzen lag, Daß all ihr Glanz ein Nebeltag Ihm gegen Orgeluſe war. Ihm ſchien ſo minnigli< und klar Von Logrois die Herzogin, : 20 Sie benahm ihm Herz und Sinn. Nun, auch dieß war abgethan : Mit Kuſs empfangen war Gawan Von den Frauen allen drein. Die trugen alſo lihten Schein, 25 Es mochte wohl ein Herz verwunden, | Das nicht für Andre ſhon empfunden.
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Seine Meiſterin frug er da | Nah der Säule, die er vor ſh ſah, Daß ſie ihm ſagte Märe Wie es damit do< wäre. 592 Da ſpra<h ſie: „Herr, dieſer Stein Warf bei Tag und Nacht den Schein, Seit er zuerſt mir ward bekannt, | Sechs Meilen weit umher im Land 5 So daß man drin geſpiegelt ſah Was binnen dieſem Raum geſchah Auf dem Waßer, auf dem Felde: Von Allem giebt er Melde. Den Vogel wie das Säugethier, 10 Den Gaſt und Den vom Waldrevier, In ſeinem Spiegel ſhauet man Den heimſhen wie den fremden Mann. | Sein Schimmer reiht ſc<8s Meilen weit; Er hat auch ſolche Feſtigkeit , y | 15 Von ſeiner Stelle rüd>te , Wie er Hau und Hammer züdte, Ihn nicht der allerſtärkſte Schmied. j Er ward geraubt zu Thabronit Der Köngin Sekundille, N 20 Denn gewiſs wars niht ihr Wille.“ In der Säule ſah Gawan Da einen Ritter heran Reiten mit einer Frauen: | Die mocht? er deutlih ſchauen. | 25 Die Frau bedaucht ihn {ön und klar, | Mann und Roſs gewappnet war, Und der Helm ſchön verziert. © Sie kamen haſtig galoppiert Durch den Hohlweg auf den Plan: , Seintwegen ward ihr Ritt gethan. | 593 Die beiden rilten aus dem Holze Die Straße, wie Liſchois , der ſtolze , Den er vom Roſs tjoſtierte. | Die ſ<höne Fraue führte ' 5 Den Ritter an dem Zaume her: Tioſtieren wollt au< Er. | Zum Fenſter kehrt ſich Gawan um, : Nicht mindert ſih ſein Leid darum. Die Säule hatt ihn niht betrogen: 10 Denn dort ſieht er ungelogen
y Orgeluſen de Logrois | Und einen Ritter kurtois Reiten auf den Kampfeswaſen. | Wie die Nieswurz in der Naſen ' 15 Scharf wirkt und ſtrenge, | So in des Herzens Enge Fuhr ihm die Herzogin mit Pein Durch die Augen oben ein. : Weh, ein hülfloſer Mann | 20 Jf gegen Minne Herr Gawan. . e y Al8 er den Ritter kommen ſah, x | Zu ſeiner Meiſterin ſprach er da: y „Dort fährt ein Ritter einher, Herrin, mit gezü>tem Sper. 26 Er will fich Suchens unterwinden: - So ſoll er wa3 er ſucht denn finden. | Da er Ritterſchaft begehrt , So ſei ihm Streit von mir gewährt. | Doch welche Frau geleitet ihn?“ Sie ſprah: „Es iſ die Herzogin 594 Von Logrois, das ſ{höne Weib. | Wem will fie feindlih an den Leib? Den Türken ſeh ih mit ihr kommen, I y Von dem man immer hat vernommen, 6 Sein Herz. ſei kühn und unverzagt. | Er hat mit Speren Preis erjagt, Es zierte dreifah wohl ein Land. | Wider ſeine ſtarke Hand : Sollt ihr no< Kampf vermeiden: | 10 Ihr mögt niht Kampf erleiden , Ihr ſeid zum Kampf noch allzuwund. - Und wärt ihr völlig auh geſund, y Ich rieth' eu< Kampf mit Jhm niht an.“ Da ſprah mein Herr Gawan: 6 „Ihr ſagt mir, daß ih Herr hier wäre: Wer denn wider meine Ehre Ritterſchaft hier ſuhen kommt, Heraus, wofern ihm Kämpfen frommt! | Frau, laßt mi meine Rüſtung ſehn.“ 20 Groß Weinen ſah man da geſchehn e | Von den Frauen allen vieren. | Sie ſprachen: „Wollt ihr zieren Euern Ruhm mit neuem Preiſe, | So kämpft in keiner Weiſe. 25 Fändet ihr vor ihm den Tod,
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Sqre>lih wüchſ erſt unſre Noth. Und ob ihr Ihm das Leben nähmt, : Wenn ihr in den Harniſch kämt, Stürbt ihr an den alten Wunden : Uns würde nimmer Heil gefunden.“
595 Gawan mit großem Kummer rang, | Jhr hört wohl ſelber was ihn zwang. Als Beſchimpfung hatt er aufgenommen Des kühnen Türkowiten Kommen;
6 Jhn ſhmerzten au< die Wunden ſehr | Und die Minne noch viel mehr, | Dazu der Jammer dieſer Frauen:
Denn ihre Güte war zu ſhauen. Er bat, daß fie das Weinen mieden;
10 Sein Mund begehrte doh entſchieden Harniſch, Roſs und Schild und Schwert. Die vier klaren Frauen werth Wollten in den Saal ihn bringen.
Er bat fie, daß fie vor ihm gingen
15 Hinab, wo die andern waren,
Die ſüßen und die klaren. Als Gawan zu ſeiner Fahrt Von den Fraun gewappnet ward, Lichte Augen weinten da; 20 Obwohl es ſo geheim geſhah, Daß es Niemand erfuhr Als der gute Krämer nur, Der ſein Roſs befahl zu ſtreichen. Hinaus ſah man den Helden ſhleihen,
26 Wo Gtinguljet das Roſs ihm ſtund.
Doch war er noh ſo {hwa< und wund, Daß er den Schild mit Mühe trug; Dur@löchert war der auh genug. Da ſ<wang fi< Herr Gawan zu Roſs
Und wandte ſih von dem Schloß
596 Zu ſeines treuen Wirthes Haus, Der ihm willig überaus
: Alles gab was ſein Begehr. Von ihm empfing er einen Sper |
5 Unbeſchabt und wohl zu loben.
Er hatte manchen aufgehoben | Jenſeits auf ſeinem Wieſenplan. | Da bat ihn mein Herr Gawan: | „Schafft mich hinüber balde.“ !
| 10 In einer breiten S<{alde | Fuhr der ihn über an den Strand, | Wo er den Türkowiten fand, | Den werthen Helden hohgemuth. Der war vor Schand in ſolcher Hut , | 15 Daß Niemand Tadel an ihm fand; Auch ward der Preis ihm zuerkannt : : Wer eine Lanze mit ihm bra, Daß der hinterm Roſſe lag : Von ſeiner Tjoſt mit jähem Fall. 20 Alſo hatt er ſie noh all, | Die wider ihn geritten, | Mit Tjoſten überſtritten. | Auch gab ſi aus der Degen werth, | Mit der Lanze wollt er, ſonder Schwert, 26 Hohen Preis erwerben Oder ſeinen Preis verderben: Und wer den Preis erränge , Daß er vom Roſs ihn ſ{hwänge, Dem wollt er ſih niht weiter wehren, Er wollt ihm Sicherheit gewähren. 597 Das erfuhr Herr Gawan | Von dem, der manes Pfand gewann. Plippalinot nahm alſo Pfand: | Ward ihm bei der Tjoſt bekannt, 6 Daß Einer fiel, der Andre ſaß, | So empfing er ohne Beider Haß | Des Verluſt und des Gewinn: | Das iſſt das Rofs, das zog er hin | Gleichviel, ob ſie ſih ſatt geritten. 10 Wer ſi< Preis, wer Schmach erſtritten , Das entſchieden ihm die Frauen; Die mochten manchen Zweikampf hauen. Den Held er feſt zu figen bat, | Er zog das Roſs ihm ans Geſtad, * ' 16 Er bot den Schild ihm und den Sper. Nun fuhr der Türkowit einher Galoppierend wie ein Mann, Der ſeine Tjoſt wohl meßen kann, Nicht zu hoh und nict zu tief. 20 Hurtig ihm entgegenlief Von Monſalväſche Gringuljet , Das nah Gawans Wilten thät , Wie der Zaum ihm Weiſung gab: y So lief es auf den Plan im Trab.
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265 Hurtig, tibſtiert geſhwind! Einher fährt König Lotens Kind Kühn und unerſchro>en igt. ' Wißt ihr, wo die Helmſchnur ſigt? y Da traf ihn hin der Türkowite. Gaman lehrt! ihn andre Sitte,
598 Er traf ihn dur des Helms Viſier. Offenkundig ward es hier | Wer der Beſiegte wäre. :
An dem kurzen ſtarken Spere | 6 Empfing den Helm Herr Gawan: | Fort ritt der Helm, dort lag der Mann, So lang der Mannheit Blume, Bis er hier zu Gawans Ruhme Das Gras gede>t mit jähem Fall, 10 Daß ſeines Helmſhmu>s Zierden all Im Thau mit Blumen ſtritten. Gawan fam hingeritten, Wo er Sicherheit von ihm gewann. | Da ſprach das Roſs der Fährmann an: ' 15 Das war ſein Recht: wer ſtreitet drum? „Ihr freut eu< (wißt ihr auh warum ?)“ Spra Orgelus die Schöne, Daß ſie Gawanen höhne, | „Weil des ſtarken Löwen Fuß 20 Euch im Schilde folgen muß; Und wollt hier neuen Preis empfahn, Da dieſe Frauen alle ſahn Wie ihr tioſtieren könnt: Sei euch die Freude denn gegönnt. 25 Wohl dankt ihrs billig euerm Heil, Daß fi< an Euch das Lit merveil So wenig hat gerochen. Zwar iſ euer Schild zerbrochen Als wär eu< do< was Streit heißt kund. Doch ſeid ihr fiherlih zu wund 599 Zu neuem Lanzenbrechen, Wärs auch nur Gänſeſtechen. Gleiht euer Schild nun einem Sieb, So its eu< rühmenshalber lieb, 56 Daß ihn ſo- mancher Pfeil zerbrach. Flieht klüglih neues Ungemah Nach ſo viel Schüßen , ſo viel Pfeilen: | Laßt euch erſt den Finger heilen. Reitet wieder zu den Frauen: 10 Wie dürftet ihr eu< wohl getrauen |
| Neuen Kampf noch zu beſtehn, | Wär euch ſelbſt zum Lohn erſehn Meiner Minne Gewinn ?“ | Da ſprach er zu der Herzogin: 1656 „Herrin, meine Wunden Haben Hülfe ſchon gefunden. Wenn Jhr mir nun zu Hülfe kämt, | Daß ihr meine Minne nähmt, So kennt’ ih niht ſo große Nöthe, 20 Darin ih euh nicht Dienſte böte. Sie ſprah: „Ih laß euh reiten | (Neuen Preis zu erſtreiten) | Neben mir, geliebt es euh.“ Aller Freuden ward da reih 26 Der ſtolze werthe Gawan. | Den Türken ſandt er gleich hindann Mit ſeinem Wirth Plippalinot, Durch den er auf der Burg entbot, Es möchten gütig ſeiner wahr | Nehmen dort die Frauen klar. 600 Gawans Sper war ganz geblieben, | Wie heftig ſie zum Kampf getrieben . | Die Roſſe mit der Schenkel Kraft. | In ſeiner Hand führt’ er den Schaft 6 Von der blühnden Aue. Wohl weinte manche Fraue, Die ihn von dannen reiten ſah. | Arnive ſprach, die Köngin, da; | „Unſer Troſt traf eine Wahl ' 10 Den Augen ſüß, des Herzens Qual. | Wir ſehn ihn folgen mit Verdruß | Gen Ligweiß Prelljus | Orgelus der Herzogin. y Seinen Wunden bringt es Ungewinn.“ 15 Vierhundert Frauen ſah man klagen; | Hin ritt er, neuen Preis erjagen. | Wie ſ{hwer er no< verwundet war, Der Noth vergaß er ganz und gar | Ueber Orgeluſens Glanz. “ 20 Sie ſprah: „Ihr ſollt mir einen Kranz Von eines Baumes Reiſe Holen. Seht, ih preiſe Euch um die That, wollt ihrs gewähren : Meine Minne dürft ihr dann begehren.“
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25 Da ſprach er: „Herrin, wo das Reis h Auch ſtehe, das ſo hohen Preis | Mir ſoll zum Heile tragen,
Daß ih, Frau, eu< dürfe klagen Erhörung hoffend meine Noth, | I< bre es, wehrt mirs niht der Tod.“ | 601 Wohl ſtanden da viel Blumen licht, Doch glichen ſie der Farbe niht, Die er an Orgeluſen ſah. Gedacht? er ihrer, ihm geſchah 5 So wohl, ſein altes Ungemach : Ließ mit allen Schmerzen nah. So ritt ſie mit dem Gaſte Von der Burg wohl cine Raſte, Grad war die Straße und geraum, 10 Vor eines grünen Waldes Saum. Tämris und Priſin Waren all die Bäume drin; Man nannt ihn nur den Klinſchors-Tann. . Da ſprach der kühne Held Gawan:
15 „Wo bre ih, Herrin, nun den Kranz,
Von dem mein wundes Herz wird ganz?“ Was ſtieß er fie niht nieder,
Wie es wohl hin und wieder
Geſchehn iſ {önen Frauen?
20 Sie ſprah: „Jh laß euh ſhauen Wo ihr Preis erwerbt zur Stunde.“ Feldüber tiefem Schlunde So nahe ritten ſie heran,
Daß ſie den Baum des Kranzes ſahn.
25 Sie ſpra< zu ihm: „Herr, jenen Stamm,
Den heget Der mir Freude nahm: Bringt ihr mir davon ein Reis, So ward um Minne höhrer Preis Nie einem Ritter zum Gewinn.“
Alſo ſprach die Herzogin.
602 „J<h kann niht weiter mit euch reiten; Wollt ihr fürbaß, mög eu< Gott geleiten: So dürft ihrs länger niht verhängen:
Das Roſs von dieſer Höhe ſprengen 5 Müßt ihr nah kühnen Herzens Schluß Ueber Ligweiß Prellius.“ Stille hielt ſie auf dem Plan; Weiter ritt Herr Gawan. - Da vernahm er jähen Waßers Fall: |
10 Durchbrochen hatt es fi< ein Thal Weit, tief, ſchier unzugänglich. Da nahm Gawan nicht bänglih Das Roſs mit Schenkeln und mit Sporen: So triebs der Degen wohlgeboren, 15 Daß es jenſeits das Geſtad Mit zweien Füßen betrat. ! Nach dem Sprunge ſtürzte Roſs und Mann; Die Herzogin ſahs weinend an. | Voll und reißend ging die Flut; | 20 Gawanen fam die Kraft zu gut, | Doh drüdt’ ihn ſeiner Rüſtung Laſt. Da ſah er eines Baumes Aſt ' Ragen zwiſchen Felſenriffen : | Der Starke hatt ihn bald ergriffen, | 25 Denn er lebte gern no< mehr. An ſeiner Seite ſ<hwamm ſein Sper: | Den ergriff der Weigand Und ſtieg hinauf an das Land. | | Gringuljet ſhwamm auf und nieder: | Ihm hülfe gern der Degen bieder; [603 Doch wie der Strom es mit ſh riß | Folgt! er niht ohne Hinderniſs. Schwer drü>t der Harniſch, den er trug; | Wunden hatt er auch genug. | 6 Nun trieb es ihm ein Wirbel her, Daß ers erreihte mit dem Sper Hier, wo der Regen weiten Fluß Gebrochen hatte ſeinem Guß Durch einer tiefen Halde Saum. 15 Des geſpaltnen Ufers Raum Kam dem armen Roſs zu gut: Mit dem Spere zog ers aus der Flut So nahe zu ſi< an den Strand, Daß den Zaum ergriff des Helden Hand. 16 So zog mein Herr Gawan : Das Roſs hinaus auf den Plan. Es ſchüttelte ſih: der Schild glitt nieder, Er gürtete dem Rofſe wieder Und nahm den Schild an ſeinen Arm. 20 Wen niht grämen will ſein Harm, Den tadl ih niht; do< hatt er Noth: Das ſchuf der Minne ftreng Gebot. Der ſchönen Orgeluſe Glanz ©
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Trieb den Degen nah dem Kranz. | 25 Doh verwegen war die Fahrt : | Der Baum war alſo bewahrt, J Es müſten um den Kranz ihr Leben | Seine8gleichen Zwei wohl geben: | Ihn hegte König Gramoſlanz. | Gawan brach jedo< den Kranz. | 604 Jenes Waßer hieß Sabins. | Gawan holte bittern Zins | Als er drein fiel mit dem Pferde. Wie hold ſi< Orgelus geberde, | 5 Jh ränge niht na< ihrer Minne: ! Ich weiß zu wohl was ih beginne. ] Als das Reis ſi< Gawan brah Und der Kranz ward ſeines Helmes Dach, Da ritt zu ihm ein Ritter kühn: 10 Den ſah er in den Jahren blühn, Nicht zu jungen, noh zu alten. Jhn lehrte Hochmuth ſol< Verhalten : Wie vfl zu Leid ihm ward gethan , Doch ſtritt er niht mit Einem Mann: 15 Es muſten Zwei ſein oder mehr. Sein ſtolzes Herz war ſo hehr, Was ihm Einer that zu Leid, Darum erhob er keinen Streit. Le fils dü Roi Jrot 20 Gamanen guten Morgen bot; Das war der König Gramoflanz. Da ſpra<h er: „Herr, auf dieſen Kranz Hab ih no< niht ganz verzichtet. Mein Gruß hätt anders euch berichtet , 25 Wenn eurer zweie wären, Die ihren Preis zu mehren y Sich kühnlih unterfangen, ' Meines Baums ein Reis zu langen. | Die ſollten mir zu Rede ſtehn: | So aber muß ih es verſ<hmähn.“ ] 605 Ungern au< Gawan mit ihm ſtritt, | Da der König wehrlos ritt; | Doch trug der Sperverderber | Einen jährigen Sperber: j _… 5 Der. ſtand auf ſeiner weißen Hand; | Itonje hatt ihn ihm geſandt , Simro>, Parzival und Titurel..
Gawanens holde Schweſter. Ein -Pfaunhut von Sinzeſter Wars, der ihm zu Haupte ſaß, 10 Von Sammet grün wie das Gras War der Mantel den er führte; Vom Pferde hangend rührte Rechts und links die Erde ſchier Des Hermelinbeſatzes Zier. E 15 Nicht zu groß, doch ſtark genug War das Pferd, das ihn trug, Um Pferdesſhöne niht betrogen, Am Zaum aus Tänmark hergezogen ; Oder kam es auf dem Meer? 20 Der König ritt ohn alle Wehr; Auch ſein Schwert führt? er nicht. | „Von Kampf giebt eucr Schild Bericht ,“ Sprach der König Gramoflanz, | „Wenig blieb des Schildes ganz: | 25 Dur ſolhen Kampf ward eu< zu Theil, i Seh ih wohl, das Lit merveil. | Jhr habt das Abenteur vollbracht , | Das mir wurde zugedacht, | Wenn au Klinſchor immerdar, Der weiſe, mir befreundet war , E 606 Und ih mit Jhr nur kriege, e Die dur der Minne Siege * | Hat die Oberhand behalten. : | Sie läßt den Zorn noh ſchalten 5 Wider mih. Auch zwingt ſie Noth: — Cidegaſten ſ<lug ich todt, Selbvierten, ihren werthen Mann. Sie ſelber führt i< ſo hindann. Jh bot die Kron ihr, bot mein Land; : 10 Doch wie ihr Dienſt bot meine Hand, . Haß bot ihr Herz mir immerdar. . So hielt ih flehend ſie ein Jahr Und konnte Minne nicht erjagen. Ich muß mein Herzeleid euch klagen : 15 Jh wciß, daß ſie euh Minne bot, Weil Jhr hier ſinnt auf meinen Tod. Wüärt ihr ſelbander nun gekommen, Mir das Leben hättet ihr benommen, Oder Jhr wärt beid erſtorben: 20 Den Lohn hätt eu< ihr Dienſt erworben.
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„Doch jet nah andrer Minne geht Mein Herz, das Eu< um Gnade fleht, Da ihr zu Terre merveile ſeid Geworden Herr. Durch kühnen Streit 26 Habt ihr dort den Preis behalten. Laßt ihr nun Güte walten, So helfet mir bei einer Magd, Nach der mein Herz ſi ſehnend klagt. | Sie iſt König Lotens Kind: Alle die auf Erden ſind,
607 Zwangen nimmer mich ſo ſehr. | Sie ſandte mir ihr Kleinod her. ' Gelobt von mir der ſhönen Maid Getreue Dienſtbeflißenheit.
56 Wohl hoff ih auch, fie ift mir hold; Sie hat mir Noth genug gezollt : Seit Orgelus die Herzogin Mit feindſelger Worte Sinn Jhre Minne mir verſagte:
10 Wenn ih Preis ſeitdem erjagte, So ward mir nimmer wohl no< weh | Al3 um die ſ{höne Jtonjê. | Leider ſah ih fie no< niht. Wenn eure Gunſt mir Troſt verſpricht,
15 So bringt dieß kleine Ringelein Der klaren ſüßen Herrin mein. Kampf findet ihr hier niht fürwahr, | Ihr kämet denn in größrer Schar, | Zu zweien oder mehren gleich. |
20 Wie ehrt’ es mich, erſhlüg ih euh, | Oder erzwänge Sicherheit | Von euch? ſtäts mied ih ſolhen Streit.“
„Ich dächte doch, ſpy Herr Gawan,
„Ich wär ein wehrliher Mann.
25 Wenn Jhr damit niht Preis erjagt, So ihr im Zweikampf mi erſchlagt;, So mehrt es auh niht meinen Preis, Daß meine Hand ſih brach dieß Reis. Aber ehrt’ es mih wohl ſehr Erſhlüg ih hier eu< ohne Wehr ?
608 Euer Bote will ih ſein:
Gebt mir her das Ringelein Und laßt mich euern Dienſt ihr ſagen Und eures Herzens ſehnlih Klagen.“
6 Der König nahm es dankend an.
Da frug ihn aber Gawan: | „Da ihr mit mir verſ<hmäht den Streit , | So ſagt mir, Herr, wer ihr ſeid?“ i | „Euch iſts mit Nichten läſterlich ,‘ 10 Sprach Gramoflanz, „ih nenne mich: | Mein Vater hieß Jrot ; Den erſchlug der König Lot. J< bin der König Gramoflanz. Meines Herzens Muth war ftäts ſo ganz, 15 Daß ich zu keinen Zeiten Wegen Kränkung mochte ſtreiten, y Die mir that ein einzger Mann. | Von Einem nur, er heißt Eawan, ", Hab ih ſo viel Preis vernommen, * 20 Mit ihm zu ſtreiten würd ih kommen. So wird mein altes Leid gerochcn: Sein Vater hat die Treu gebrochen , “Jm Gruß er meinen Vater ſchlug. Zu rächen hab ihs Grund genug. 25 Dieweil iſt Lot geſtorben; Doch Gawan hat erworben Solchen Preis aus aller Munde, Daß Niemand an der Tafelrunde Sich ſeinem Preis vergleihen mag. Mir kommt zum Kampf mit ihm der Tag!“ 609 Da verſezte König Lotens Kind: „Zeigt ihr ſo eu< holdgefinnt Eurer Freundin, wenn fie's iſt , Daß ihr ſo arge Hinterliſt 5 Mögt von ihrem Vater ſagen, | Und ihr den Bruder wollt erſhlagen? | So it fie eine üble Magd, | Wenn ihr der Braut an euch bchagt. Kennt ſie der Tochter, Schweſter Pflicht, | 10 So nimmt ſie ſharf eu< ins Gericht, | Daß ihr entſaget ſolhem Haß. | Wie ſtünde euerm Schwäher das, | Hätt er die Treu gebrochen ? Habt ihrs als Eidam niht gerochen, 15 Wie ihr dem Todten \prachet Hohn? | So erkühnt es fi< der Sohn: Keine Müh wird ihn verdrießen; Und ſoll er niht genießen Dabei der Schweſter Beiſtand, 20 So beut er ſelber fich zum Pfand.
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* Herr, ih heiße Gawan: Was euh mein Vater hat gethan, Das rächt an Mir, denn Er if todt. Gern will ih, eh ihm Schande droht , 25 Hab ih würdiglihes Leben, Es eu< im Kampf zu Geiſel geben.“ Der König ſpra<h: „Seid Jhr der Mann, Dem ih ungeſühnten Haß gewann, So iffſt mir eure Würdigkeit Beides , lieb und auch leid. 610 Ein Ding gefällt mir an eu< wohl. Taß ih mit euch ſtreiten ſoll. Euch trägt es hohen Preis ſhon ein, Daß ich verſprach, mit euch allein 5 Woll ih zum Kampfe kommen. : Uns wirds zum Preiſe frommen, y Wenn wir edle Frauen | Unſern Kampf laßen ſchauen. Funfzehnhundert bring ih dar; 10 Jhr habt auch cine kleine Schar Dort zu Schatel merveil. Andre bringt zu Euerm Theil Artus euer Oheim mit Aus dem Land, das er erſtritt ! 15 Und das Löver iſ genannt. | Euch ift wohl die Stadt bekannt | Vems an der Korka ? All ſein Ingeſind if da, | So daß er nah dem achten Tag | 20 Von heut mit Freuden kommen mag. | Von heut am ſe<8zehnten Tage | Komm ih zur Sühnung alter Klage Auf den Plan von Joflanze, h Und weil ihr grifft nah dieſem Kranze.“ | 25 Obwohl der König Gawan bat: Y „Folgt mir nah Roſchſabins der Stadt, | Keine andre Brüd>e trefft ihr an,“ Doch entgegnet! ihm Gawan: „I< will niht anders hin als her; Sonſt thu i< willig eur Begehr.“ 611 Sie gaben fi< Fianze Daß ſie gen Joflanze Mit Rittern und mit Fraungeleit Veide kämen zu dem Streit
| 6 Und dem benannten Tagedinge, E | Sie Zwei allein zu Einem Ringe. | Alſo ſchied mein Herr Gawan Für heute von dem kühnen Mann. | Mit dem Kranze, der den Helm ihm zierte, | 10 Der Ritter freudig galoppierte. | Er verhing dem Roſs den Zaum | Und ſpornt’ es an des Ufers Saum. | Gringuljet nahm bei Zeit Dießmal ſeinen Sprung ſo weit, 15 Daß niht zu Falle kam der Degen. Ihm ritt die Herzogin entgegen, Al3 auf das grünende Feld Geſprungen war vom Roſs der Held, Weil ihm der Gurt war losgegangen. 20 Huldigend ihn zu empfangen Eilends auf das thauge Grün 5 Sprang die reihe Herzogin. | Zu ſeinen Füßen warf fie ſih | Und ſprach: „Herr, ſolher Noth, wie ‘ih | 25 Zu meinem Dienſt von euh begehrt, - | Ward nimmer meine Würde werth. Nun ſcha} mir ſolches Herzeleid Eurer Mühſal Fährlihkeit, Wie um den geliebten Mann Ein getreues Weib nur fühlen kann.“ 612 „Frau,“ ſprach er, „wenn dieß Wahrheit iſt, Grüßt ihr mich ohne Hinterlift , So naht ihr eu< dem Preiſe. Jch bin do< wohl ſo weiſe: 56 Soll der Schild ſein Reht empfangen, So habt ihr eu< an ihm vergangen. Des Schildes Amt iſ} hoher Art, Und immer blieb vor Spott bewahrt y Wer es mit Ehren hat getragen. ' 10 Frau, geziemt es mir zu ſagen, : Wer mich geſehen hat dabei, Der geſtand, daß ih ein Ritter ſei: Das wolltet Jhr nicht zugeſtehn, Da ihr zuerſt mi habt geſehn. | 15 Das laß ih ruhn: nehmt hin den Kranz. Doch mög euh eurer Schönheit Glanz Nicht verleiten mehr, ſo bitter Mitzuſpielen einem Ritter.
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Eh ic ertrüge ſolhen Hohn | 20 Entſagi ih wohl dem Minnelohn.“ | Mit herzlichem Weinen | Sprach die Schöne zu dem Reinen: j „Wenn ich die Noth euch klage, Die ih, Herr, im Herzen trage, 25 Ihr geſteht, daß i< unſelig bin. Zeig ih Wem unholden Sinn, Er mag es billig mir verzeihn. Nie büß ih wieder ſo viel ein An Freuden , gegen die verlornen An Cidegaſt, dem auserkornen. 613 „Mein ſüßer Freund, ſchön und klar, Sein Preis ſo durhleuhtig war, Er rang nah Würdigkeit ſo ſehr, Daß ihm dieſer ſo wie Der, 5 Die je in unſern Tagen Einer Mutter Schooß getragen, Geſtand, mit Seiner Würdigkeit - Wage Niemands Preis den Streit. e (8 war ein Born höfiſher Tugend, 10 In unerſchöpflicher Jugend Litt er des Falſches Trübung niht. x ‘Aus der Finſterniſs zum Licht Hatt er ſich hervorgethan Und trug den Preis ſo hoh hinan, 15 Daß Niemand ihn erreichte, Den Falſchheit je erweichte. Sein Preis war hoh emporgetrieben , Daß all die andern vrunten blieben, Aus ſeines Herzens Kernen: 20 So kreiſt ob allen Sternen Der ſnelle Saturnus. Getreu wie der Monocirus , Wenn ih die Wahrheit ſprechen kann, So war mein erwünſhter Mann. E 25 Das Einhorn ſollten Jungfraun klagen: | Jhrer Reinheit halber wirds erſchlagen. } J< war ſein Herz, er war mein Leib; | Den verlor ih armes Weib. | Jhn erſchlug der König Gramoflanz, | Von dem ihr führet dieſen Kranz. | 614 „Herr, ſprah ih jemals euh zu nah, Wißt , daß es darum geſchah,
Weil ich verſuchen wollte Ob ih mit Minne ſollte 5 Lohnen eure Würdigkeit. Mein Sprechen, weiß ih, that eu< leid; Doch verſucht? euh nur mein Mund. Thut nun cure Milde fund, Indem ihr euerm Zorn beſchlt 10 Und mir verzeiht, wenn ih gefehlt. Jh befand euh tugendreih: Recht dem Golde ſeid ihr glei, Das man läutert in der Glut: So iſ} geläutert euer Muth. 15 Den zu beſtreiten ih euh brachte, | Wie ih denke, wie ih dachte, Der hat mir Herzeleid gethan.“ Da ſpra<h mein Herr Gawan: | „Frau, mir wehr es denn der Tod, | 20 Den König lehr ih ſolhe Noth, N Daß ſeine Hohfahrt endet. Meine Treue ſteht verpfändet, : Jc will in kurzen Zeiten | Mit ihm zum Kampfe reiten: 25 Da gilt es, Mannheit kfundzuthun. y Frau, verziehen iſt euh nun. i Wenn ihr aber nicht verſ<hmäht ! Was mein einfältger Sinn eu< räth, | So wäre weibliche Ehre | Und Würdigkeit meine Lehre. 615 Hier iſ Niemand jeyt als Wir: | Zeigt eu< gnädig, Frau, an mir.“ | „An gcharniſchtem Arm," i Sprach ſie, „ward ih noc ſelten warm. | H Dog will ihs nicht beſtreiten, i Ihr mögt zu andern Zeiten Wohl Lohn bei mir erjagen. Eure Mühjal will ih klagen | Vis ihr von allen Wunden 10 Mothtet völliglih geſunden, So daß aller Schade heil. + Gen Schatel merveil - Will ich euch jegt begleiten.“ „Freude wollt ihr mir bereiten ,“ 15 Sprach der minnegehrende Mann. Er hob die Fraue wohlgethan
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GI LU) DLULLCUO UN 12 Prev | Deſſen hatt er ihr niht werth E Geſchienen, an den Brunnen dort; | 20 Da gab fie ihm manch queres Wort. h Gawan ritt froh von hinnen; | Sie ließ die Thränen rinnen Vis er mit ihr klagte. Er bat, daß ſie ihm ſagte, 25 Warum fie Thränen vergicße? Daß ſie um Gott das Weinen ließe. Da ſprach ſie: „Herr, ih muß euch klagen Von dem, der mir ihn hat erſchlagen, Den werthen Helden, Cidegaſten. . Nun darf ins Herz mir Jammer taſten; 616 Sonſt wohnte Freude drinne Durch Cidegaſtens Minne. Doch war ih ſo no niht verdorben , Ich hab ihm Schaden viel geworben, 5 Was es auh mochte koſten. Mit manchen \harfen Tjoſten Stellt? ih ihm nah dem Leben. Vielleicht ſollt Jhr mir Hülfe geben, Die mich rächt und mir vergütet 10 Das Leid, das no< mein Herz dur<hwüthet. „Ich empfing auf Gramoflanzens Tod Dienſt, den mir ein Tegen bot, Der jeden Erdenwunſch beſaß; Sein Name, Herr, war Anfortas3. 15 Von ihm als Minnekleinod nahm E Ich jenen Tabroniter Kram, Der noch vor eurer Pforte ſteht , Und den man theuer wohl erſteht. Von dem Lohn, den er erworben, 20 Jſſt auch meine Freud erſtorben: Da ih ihm Minne ſollte ſchenken, Muſt ih neuen Jammers denken. | Sein Lohn war grimmige Beſchwer. Gleichen Jammer oder mehr ' 25 Als mir Cidegaſt gegeben Ließ mi Anfortas Wund erleben. Nun ſaget ſelbſt, wie ſollt ih Arme ¡ Veſonnen thun bei ſolhem Harme? | Hieß es niht von Treue wanken? Muſt i ſelber niht erkranken,
VIR UL Ii Ui Li DELLDLEN Den ih nach Cidegaſt erkoren Mich zu tröſten und zu rächen? Herr, nun höret ſprechen 5 Wie Klinſchor zu dem reihen Kram Vor cuerm Thor, der Zaubrer, kam. - „Als Anfortas , meinem Lieb, Freud und Minne ferne blieb, Der jene Gabe mir gegeben, | 10 Da ſorgt? ih, Schande zu erleben. | Klinſchor wuſt ih, dankt der Gunſt Der negromantiſhen Kunſt, Daß er mit Zauber zwingen kann i Wen er will, Weib und Mann. | 15 Weiß er irgends werthe Leute, Die werden ſeines Zaubers Beute. Da ward mein reiher Kram um Frieden | Klinſchorn mit dem Beding beſchieden: Wer ſein Abenteur beſtände | 20 Und den Sieg im Kampfe fände, | Den zu minnen wär mir Pflicht ; Wollt er meine Minne niht, | So wär der Kram von Neuem mein; | Jetzt ſollt er unſer beider ſein. | 25 Das beſhwor mir Wer zugegen war. y Verlo>en wollt i< in Gefahr Gramoflanz mit ſolcher Liſt, Die leider nicht gelungen ift. Hätt ex die Aventür gewagt, So blieb der Tod ihm unverſagt.- 618 „Klinſchor iſt höfiſh und klug: Willig vergönnt? er mir Fug, Durch ſein Land nach allen Seiten Darf mein Ingeſinde reiten : 5 Mit manchem Stich und manchem Sghlag. Die ganze Woche jeden Tag, Die Wochen all im ganzen Jahr 5 Drohn wechſelnd Rotten ihm Gefahr, Die bei Tag und die bei Nacht. 10 Die Koſten hab ih nie bedacht, Galt es dem kühnen Mann zu ſchaden: Er if mit ihrem Kampf beladen. Was ihn wohl beſchützen mag? Seinem Leben ſtell ih nach.
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10 WE ZU LEI NTS MEIS WOOL, Oft wurden die umſonſt mir hold: Um Minn ih manchen dienen ließ, : Dem ih doh niemals Lohn verhieß. : „Selten ſah mi< no< ein Mann, 20 Von dem ih Dienſt niht bald gewann; Nur Einer, Waffen trägt er roth, Brachte mein Geſind in Noth. Er kam vor Logrois geritten, Da hatt er glei< den Sieg erſtritten. 25 Mein Volk er nieder ſtreute, Daß ih mi< niht drob freute. Zwiſchen Logrois und euerm Plan Griffen ihn fünf der meinen an: Die ſtach er alsbald zur Erde . Und gab dem Fährmann die Pferde. i 619 Als er meine Ritter niederſtach, | Ritt ih ſelbſt dem Helden nach. | Jc bot mein Land, bot Hand und Leib: Er ſprach, er hätt ein {{höner Weib 6 Und die ihm lieber wäre. Unlieb war mir die Märe; Wie fie heiße, frug ih ihn. „Von Pelrapär die Königin, - Das iſ die Schöne meiner Wahl; 10 J@j Jelber heiße Parzival. Mich kümmert nicht ob ihr mich liebt; Der Gral mir andern Kummer giebt.“ y So ſpra< der Held im Zorne;. Hin ritt der Auserkorne. 15 That ih daran Unrecht, Laßt es mich erfahren, ſpreht, Daß ih in meines Herzens Noth Dem werthen Ritter Minne bot? Bringt es meiner Minne Schmach?“ 20 Gawan zu Orgeluſen ſprach: (Frau, i< weiß, er war es werth, Von dem ihr Minne habt begchrt. Euer Preis wär unverloren Hätt er eure Minn erkoren.“ | 26 Gamwman, der Held kurtois | Und die Herzogin von Logrois | Blid>ten ſi< einander an. | Da ritten fie ſo nah heran,
H DLL LUUT UTR VU VLL DUL TLLURILL | Wo er das Abenteur beſtand, 620 Da ſprach er: „Frau, hört mein Begehren, Ihr werdets hoffentli<h gewähren. Laßt meinen Namen unbekannt, Den euch der Ritter hat genannt, 5 Der mir entwandte Gringuljeten. Leicht thut ihr wie ih euh gebeten. Sollt eu< Jemand darnach fragen Mein Geſelle, mögt ihr ſagen, IJ} mir unbekannt von Namen, 10 Den meine Ohren nie vetnahmen.“ Sie ſprach zu ihm: „Es bleibt verhohlen, Da ihrs zu hehlen mir befohlen.“ Er und die Herrin wohlgethan Ritten zu der Burg heran. 15 Die Ritter hatten jezt vernommen, Daß ein Ritter wär gekommen, Der ‘die Aventür beſtand, Den grimmen Löwen überwand Und den Türkowiten au< herna<
20 In rechter Tjoſt vom Sattel ſtach.
| Eben ritt da Herr Gewan
I Auf des Kampfſpiels blumgen Plan:
j Auf der Zinne ſah man ihn.
| Die Ritter zogen gleih dahin
| 25 Aus der Burg mit Schalle;
Da führten ſie Alle
Reiche Banner an den Schäften. Er ſah fie mit Kräften
Die ſchnellen Roſſe reiten: Wollten ſie mit ihm ſtreiten?
621 Als er von fern ſie kommen ſah, Zur Herzogin begann er da: E oZiehn Die uns feindli<h wohl daher?“ Da ſprach ſie: „Es iſt Klinſchors Heer,
56 Die euch nicht erwarten mögen: Sie reiten fröhlih eu< entgegen Und empfangen ihren neuen Herrn. Jhren Gruß vernehmet gern,
Den ihnen Freude nur gebot.“ 10 Nun war auch Plippalinot
Mit ſeiner Tochter wohlgethan
Angekornmen in dem Kahn.
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O Jie FYEgER ging | Die Magd, die freudig ihn empfing. | . 15 Gawan bot ihr ſeinen Gruß; | Sie küſst’ ihm Stegereif und Fuß Und hieß die Herzogin willlommen. S Sie hatte ſeinen Zaum genommen Und bat Gawanen: ſteigt vom Pferd. 20 Die Herrin und der Degen werth Gingen zu des Schiffleins Bord. Teppich und Polſter ſah man dort Liegen als zum Shmud> der Stelle, Wo, ſo wollt es ihr Geſelle, 25 Die Herzogin bei Gawan ſaß, Während Bene nicht vergaß y Ihn zu entwappnen. Jn das Stiff getragen War auch der Mantel, hört! ih ſagen, Der ihn gede>t in jener Nacht, Die er bei dem Fährmann zugebracht: 622 Der kam ihm jeyt zur re<ten Zeit. Ihren Mantel und ſein Oberkleid Legte da der Degen an; | Sie trug die Rüſtung hindann. S8 Hier nahm die Herzogin klar Erſt ſeines Antlizes wahr, Da fie ſaßen beieinander. Zwei gebratene Galander, | Dazu ein Glas gefüllt mit Wein | 10 Und zwei Kuchen blank und fein | : Die ſüße Magd zur Stelle trug Auf einer Zwid>el blank genug. | Die Speiſe war des Sperbers Beute. y Orgeluſ und Gawan muſten heute | 15 Vor dem Male ſi bequemen Das Waſchwaßer ſelb zu nehmen ; Was ſie do< wohl gerne thaten. Er war mit Freude reichberathen, Daß er mit ihr eßen ſollte, 20 Mit der er theilen wollte e So die Freude wie die Noth. So oft fie ihm den Becher bot, Î Den berührt jegt hatt ihr Mund - y Ward ihm neue Freude kund, | 26 Daß er nach ihr ſollte trinken. Seine Trauer muſte ſinken, | Hochgemüthe ward ihm fund. |
Ihre lichte Farb, ihr ſüßer Mund Trieb alles Leid aus ſeinem Herzen, | Er fühlte keine Wunde \<hmerzen. 623 Ihre Malzeit ſchauen | Motten auf der Burg die Frauen. y Jenſeits zu dem Kampfplay kam : | Manger Ritter lobeſam: 6 Man ſah fie kunſtvoll Buhurt reiten. - | Herr Gawan dankt’ auf vieſer Seiten Dem Fährmann und der Tochter fein (Orgeluſe ſtimmte gern mit ein) Gütlih für Trank und Speiſe. 10 Orgeluſe \prah, die weiſe: „Wo iſ der Ritter hingekommen, Der geſtern vor den Sper genommen | Ward, eh ih von hinnen ritt? Wenn ihn Jemand niederſtritt, ' 15 Blieb er am Leben oder todt?“ | Da ſprah Plippalinot :
; „Frau, ih ſah ihn heut noch leben. | Er ward mir für ein Roſs gegeben. Wollt ihr dieſen Mann befrein,
20 So ſei dafür die Shwalbe mein,
Die Sekundille ſonſt beſaß, Und die eu< ſandte Anfortas : E Wird die Harfe mir, ſo ſei Von Gowerzein der Herzog. frei.“ 25 Sie ſprah: „Die Harf und was noh mehr Zum Kram gehört, das möge Der : Verſchenken oder behalten, j Der hier ſigt: Jhn laß ih walten. y Zu zeigen, daß er hold mir ſei, | Maq er mir Liſchoiſen frei, / 624 Den Herzogen von Gowerzein, - | Und auch den andern Fürſten mein, y Von Jtolak Floranden, Der mir Wache Nachts geſtanden. 6 Er war mein Türkowit, und ſo Werd ih nimmer ſeines Kummers froh.“ Gawan ſprach zu der Frauen: „Ihr ſollt ſie ledig ſchauen Beide, eh uns kommt die Nacht.“ 10 Sie hatten ſih derweil bedacht
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“ Und fuhren an das Ufer hin. Da hub die ſhöne Herzogin Herr Gawan wieder auf ihx Pferd. Mangzher edle Ritter werth | 15 Empfing ihn und die Herzogin. Sie wandten zu der Burg ſi hin. Da ward mit freudgen Sitten Künſtlih Buhurt geritten Mit Stich und Lanzenbrechen. 20 Was ſoll ih" weiter ſprechen? Als den werthen Gawan Und die Fürſtin wohlgethan Empfingen ſo die Frauen, Sie mochtens gerne ſchauen, 25 Auf Schatel merveil. Nun gercih? es ihm zum Heil Was ihm Liebes hier geſchah. An ſein Gemach führt! ihn da Arnive: ſeine Wunden Wurden ihm geſchi>t verbunden.
625 Zu Arniven ſpra<h Gawan: | „Frau, einen Boten ſha} mir an.“ | Eine Jungfrau ward hinausgeſandt : : Einen Fußlneht brachte die zuhand, |
5 Der war mannli< und klug | Für einen Fußkne<ht genug. . ' Der Knappe ſhwur ihm einen Eid,
Würd ihm Lieb oder Leid, Doch verrieth' er3 weder dort 10 Noch anderwärts , als an dem Ort j Wo er es beſtelle. Gawan bat, daß man ſnelle Dinte holt’ und Pergament. Da ſchrieb die Botſchaft, die ihr kennt,
15 Lotens Sohn mit fertger Hand: | Er entbot gen Löver in das Land Artuſen und Frau Ginoveren,
Jhnen treue Dienſte zu gewähren Sei er bereit in alter Weiſ; 20 Und hab er je beſeßen Preis,
| Der ſei an Würdigkeit nun todt | Ohn Jhre Hülf in dieſer Noth: Wenn ſie der Treu niht dächten Und gen Joflanze brächten | 25 Der Ritter und der Frauen Schar. Zum Kampfe komm er ſelber dar Und löſe ſeiner Ehre Pfand. Dann macht er ihnen noch bekannt , Daß ſi< die Kämpfer vorgenommen | Mit Gepräng zum Kampf zu kommen. 626 Auth entbot da Herr Gawan Und erſuhte Weib und Mann, Artuſens ganzes Jngeſind, | Wären ſie ihm holdgeſinnt, 5 So riethen ſie dem Herrn zu kommen. Es würd auc ihrer Ehre frommen. All den Würdigen entbot Er Gruß und ſeines Kampfes Noth. Obgleich der Brief kein Siegel trug. 10 Wahrzeichen ſtanden drin genug, Daß man ſah Wer ihn geſchrieben. „Nun ſollſt dus länger nicht verſchieben , - Mein Knappe, deines Wegs zu ziehn. Der König und die Königin 15 Sind zu Bems an der Korka. Frau Ginoveren ſollſt du da Zu ſprechen ſuchen glei<h am Morgen : Tu wirſt es, hoff ih, wohl beſorgen. | Der Liſt vergiß mir nicht dabei : 20 Verſchweig, daß ih hier Herre ſci. | Daß du hier JIngeſinde biſt, 5 / Gedenke des zu keiner Friſt.“ Der Knappe eilends aufbrach; Arnive ſ{li< ihm leiſe nah 25 Und frug, wohin er wollte : Und was er beſtellen ſollte. E Er ſpra<: „Es wird eu<, Frau, nicht kund y Ein Eid verſiegelt mir den Mund. ' Behüt eu< Gott, i< muß nun fahren.“ | Da ritt er hin zu tapfern Scharen.
Klinschor
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627 Zorn Arniven übermannte, Da ihr der Knappe niht bekannte Wo er hin geſendet wäre, Jhr verhohlen blieb die Märe. 5 Sie bat den, der der Pforte pflag: „E38 ſei Nacht oder Tag Wenn der Knappe kehrt zurüde, E Laß ihn niht von der Brü>e Eh ih heimli< mit ihm ſprach:
10 Deine Kunſt ſich hier bewähren mag.“ Dem Knappen kann ſie's nicht verzeihn. Neugier trieb fie jezt herein Wieder zu der Herzogin;
Doch trug auch die ſo klugen Sinn,
15 Daß ihr Mund es niht geſtand
Wie der Ritter wär genannt. Seiner Bitte that ſie volles Recht, Varg ſeinen Namen, ſein Geſchlecht.
Poſaunen- und Drometenklang
20 Hörte man den Saal entlang
S<hmettern jet und ſchallen. An den Wänden ſah man allen Tapeten aufgehangen ;
Im Saal ward niht gegangen
25 Als auf Teppichen heut; h Das hätt ein armer Wirth geſcheut. ' Ringzum an den Seiten Sah man den Gäſten breiten Flaumpolſter ſanft genug,
Darauf man reiche Deen trug. |
628 Nag ſeinen Arbeiten lag | Gawan und ſchlief am hohen Tag. | Ihm waren alle Wunden ; Mit ſolcher Kunſt verbunden:
5 Hätt er Minne zu pflegen Seiner Freundin beigelegen ,
Er hätt ihm Schaden niht gebracht.
Er \<lief au< beßer als die Nacht, Da ihm die {bne Herzogin
-10 Mit Sehnſucht füllte Herz und Sinn. So erwacht’ er niht vor Ve3perzeit. > Doch auch dießmal hatt er Streit
| Geſtritten mit der Minne: Ihm lag die Herzogin im Sinne.
15 Neu für ihn geſchnittne Trat , Kleider ‘reich an goldner Pracht Bracht ihm ein Kämmerer getragen Von lichtem Pfellel, hört ih ſagen. Da ſpra<h Gawan, der Dogen hehr:
| 20 „Der Kleider brauchen wir no< mchr, y Und die niht minder koſtbar ſein: : Für den Herzog von Gowerzein Und Florand den klaren; Er hat man Land durchfahren 25 Und erworben Würdigkeit: - Sorge, daß ſie ſein bereit.“ Durch einen Knappen entbot | Er ſeinem Wirth Plippalinot, Liſchoiſen wünſch er- dort zu ſehn. | Da ward mit ſeiner Tochter ſhön 629 Zhm Liſchois hinauf geſandt; | Bene führt? ihn an der Hand, | Die Gawanen gerne ſchaute, Ihm wie ein Kind vertraute, 5 Der ihrem Vater Wohl verhieß, Al3 er die Weinende verließ Des Tages, da er von ihr ritt Und ſeine Mannheit Preis erſtritt. Auch der Türkowite war gekommen:
10 Von Gawanen aufgenommen
Wurden ſie mit Freude ; Ihm zur Seite ſaßen beide Vis man die Kleider ihnen trug.
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W116 WARTEN LONLVAT genug, 15 Beßre mochten ſ{hwerlih ſein: Die dreie kleideten ſi drein. Ein Meiſter hieß Sarant E | (Sares ward nah ihm genannt), Er ſtammte von Triande. 20 Jn Sekundillens Lande Jſſt eine Stadt , heißt Thasme, Die größer iſ al3 Ninive x Oder als die weite Afraton. Da trug Sarant viel Preis davon, 25 Jndem er einen Stof erfand, Auf den er große Kunſt verwandt, | Der Saranttha8me ward geheißen. | Ob er prächtig mochte gleißen ? | Das nehmet ohne Fragen an: Man verwandte große Koſten dran. 630 Solche Kleider legten an Die Beiden und Herr Gawan. Er ging mit ihnen auf den Saal: Hier ſaß der Ritter große Zahl 5 Und viel der klaren Frauen. Wer prüfend konnte ſchauen, Von Logrois wars die Herzogin, Die ihm die Allerſhönſte ſchien. Da trat der Wirth mit ſeinen Gäſten 10 Vor ſie, die ſie ſahen gläſten, Die Orgeluſe war genannt. Dem Türkowiten Florand Und Liſchois dem kühnen Mann Ward Freigebung kund gethan, 15 Den beiden Fürften kurtois, Zu Liebe Der von Logrois. | - Da ſagte ſie Gawanen Dank, | Die zu aller Falſchheit krank, | Geſund doh war und weiſe 20 Zu weiblihem Preiſe. Da dieſe Ledigung geſchah, Bei der Herzogin ſah Gawan vier Königinnen ſtehn. Die beiden hieß er näher gehn, | 25 So ließ er Kurtoiſie ſchauen : Die jüngern drei Frauen | Hieß er küſſen dieſe Zwene. y Nun war auh Fräulein Bene ¡
Ki Sawan in den Saa: gegangen : y Die ward da wohl empfangen. 631 Der Wirth niht länger wollte ſtehn, y Er hieß die beiden ſigen gehn Bei den Frauen, wo ſie wollten. | Sie thatens ungeſcholten , | _5 Denn ſol< Geheiß thut Niemand weh. | „Welche heißt Jtonjè?“ Sprach der werthe Gawan jeht: „Zu der hätt i< mi gern geſeht.“ So frug er Benen leiſe. 10 Sie ſah ſi< um im Kreiſe Und wies ihm dann das Mägdlcin klar: „Die den rothen Mund, das braune Haar Jhr ſeht bei hellen Augen tragen. ! Wollt ihr heimli< ihr was ſagen, | 15 Das thut mit gutem Fuge ,“ | Sprach Bene da die kluge. Sie wuſt Jtonjes Minnenoth, Daß ihrem Herzen Dienſte bot | Der werthe König Gramoflanz ; | 20 Er weiht! ihr ſeine Treue ganz. i Sich ſete Gawan zu der Magd (Ih ſag eu< was man mir geſagt), Und ſprach wie ers gar wohl verſtund | Sie an mit klug beredtem Mund. "25 Auth ſah er ſie ſo fein gebahren: | Bei den wenigen Jahren | Die Jtonjè, die junge, trug, ; Bewies ſie edler Zucht genug. Mit der Frage hatt er es begonnen Ob ſie no< Minne nie gewonn-n ? 632 Sie ſpra<h mit klugen Sinnen: . uHerr , Wen ſollt i< minnen? +“ | Seit mir mein erſter Tag erſchien | Kam es niemals dahin, | 5 Daß ich mit einem Ritter ſprach | Mehr als mit eu< an dieſem Tag.“ | „So mot eu< do< wohl Kunde werden, Wie Mannheit trägt für eu< Beſchwerden Und Preis erwirbt dur< Ritterſchaft, 10 Und Wer mit herzlicher Kraft Um Minne Dienſt erzeigen kann.“ ; Alſo ſprah mein Herr Gawan; i
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Zur Antwort gab die klare Magd: | „Mir iſ um Minne Dicnſt verſagt. | 15 Der Herzogin von Logrois | Tient mancher Ritter kurtois Um Minne wie um andern Sold. Zu Tjoſten ward ihr Mancher hold, | Daß es unſer Auge ſah; 20 Doch kam uns Keiner je ſo nah Als Jhr uns gekommen ſeid; Euch ward der höchſte Preis im Streit.“ Da hub er zu der Schönen an: „Wen bekriegt der Fürſten Bann, 25 So mancher Ritter auserkoren ? Wer hat ihre Huld verloren ?‘“ Sie ſprah: „Ten König Gramoflanz, Der doch alles Lobes Kranz Trägt , wie jeder Weiſe ſpricht; Herr, ih weiß es anders nit “ 633 Da ſprah mein Herr Gawan: „So ſollt ihr ferner Kund empfahn Von ihm, da er ſi< naht dem Preis Und Preis erſtrebt mit ganzem Fleiß. 5 Aus ſcinem Mund hab ih vernommen, Es ſei ſein Herz dahin gekommen Taß er ſih euerm Dienſt geſellt ; Scin Troſt ſci ganz allein geſtellt Auf euer Helfen, euer Minnen. 10 Ein König von Königinnen Empſängt wohl billig Herzensnoth. Herrin, hieß eur Vater Lot, So ſeid Jhrs, die er meinet, Nah der ſein Herze weinet; | 15 Und iſt eur Name Jtonjèê, So thut ihr ſcinem Herzen weh. „Wenn ihr Treue wißt zu tragen, So wendet ſeines Herzens Klagen. Euer Beider Bote will ih ſein: y 20 Fräulein, nehmt dieß Ringelein , Das ſendet eu< der werthe Held: Heimlich wirds von mir beſtellt; Jch weiß zu hehlen, zweifelt nicht.“ Scham übergoß ihr Angeſihht: 25 Die Farbe, die erſt trug ihr Mund, Ward ihrem ganzen Antlig kund; |
Doch gleich darauf erblih die Magd, Nach dem Ninglein griff ſie ganz verzagt. Sie hatt cs Augenbli>s erkannt Und empfings in ihre klare Hand. 634 „Nun ſeh ih wohl, Herr,“ ſprach ſie glei, „Wenn ih ſo ſprechen darf vor eu, © Daß ihr von Dem mir Kunde bringt, Nach dem mein Herz verlangend ringt. 5 Verſchwiegenheit geziemt eu<h nun, Denkt ihr der Zucht ihr Recht zu thun. Schon öfter ward n:ir dieß geſandt Von des werthen Königs Hand: Sein Wahrzeichen ſollt es ſein, 10 Er empfing von mir dieß Ringzelein. Was er Kummers je gewann, Gar ohne Schuld bin ih daran, Denn immer hab ih ihm gewährt In Gedanken was er nur begehrt. | 15 Er hätt es von mir ſelbſt vernommen, | Wär ich ihm je ſo nah gekommen. | „Iq küſste heut die Herzogin, | -Tie ſcinen Tod nur hat im Sinn: | Das war ein Kuſs wie Judas Kuſs, | 20 Von dem man heut no< ſprehen muß. Alle Treu an mir verſhwand, Da der Türkowit Florand Und der Herzog von Gowerzein : Von mir’ geküſst hier muſten ſein. 25 Ich vergeb es ihnen doh nicht ganz, Die dem König Gramoflanz So ſtäten Haß im Herzen tragen. Meiner Mutter ſollt ihr das nicht ſagen, Noch meiner Schweſter Kondriê.“ So bat Gawanen Jtonjè. 635 „Herr, es geſchah auf euer Bitten, Daß ich ihren Kuſs gelitten, Doch ohne Sühn, auf meinen Mund; Mein Herz davon iſ ungeſund. 5 Ob je uns eint ein ſelig Band, Das liegt nun, Herr, in eurer Hand. Ich weiß, der König minnet mich Vor allen Frauen ſicherlich. | Dafür geb ih ihm den Sold: 10 Jh bin wie feinem Mann ihm hold.
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Golt lehr eu< Hülfe, lehr eu< Rath, Daß mir dur< Euch die Freude naht.“ Da ſprach er: „Frau, nun lehrt mich wie: Er hat euch dort, ihr habt ihn hie, 15 Mag euh auh Ferne ſcheiden. Wüſt ih nun euch beiden Mit Treuen ſolchen Rath zu geben, | Der euh zu würdiglihem Leben Frommte, ſollt es gern geſehn, 20 Jh ließe mirs nicht leicht entgehn.“ Sie ſprah: „Ihr ſollt gewaltig ſein Des werthen Königs und mein. Eure Hülf und Gottes Segen | Mög unjer beider Minne pflegen, 25 Daß. er frei wird dur<h mi<h Arme Von ſeinem Kummer, ſeinem Harme. Da bei Mir ſteht ſeine Freude, | Wenn ih Untreue meide, ' . So iſt mein Wunſch und mein Begehren Ihm meine Minne zu gewähren.“ ] 636 Dos Fräulein, hörte wohl Gawan, War dem König zugethan; Dabei war auh nit allzulaß Zu der Herzogin ihr Haß: 5 So trug ſie Minne, trug ſie Haß. Schier Verſündung ſchien ihm das An der Einfalt der Magd, Die ihm den Kummer hat geklagt, Daß er ihr no< vermied zu ſagen 10 Wie Eine Mutter ſie getragen! Auch war ihr beider Vater Lot. Dcr Magd er ſeine Hülfe bot: Sie dankte heimlih ihm mit Neigen, Daß er ſih hülfrei< wollt erzeigen. 15 Nun war es Zeit auh, daß man trug Man Tiſchlaken weiß genug Und das Brot zum Mittag8mal Zu den klaren Frauen in den Saal. Man hält es mit den Plägen 20 So, daß fih die Ritter ſegen | Dort an Eine Wand im Haus. Die Size theilte Gawan aus. - Der Türkowite bei ihm ſaß; | Liſchois mit Gawans Mutter aß, |
| 25 Der klaren Sangive. Mit der Königin Arnive ; Aß die ſhöne Herzogin. 5 ij Seine \ſ{hönen Schweſtern ſett? cr hin ö Ihm zu Seiten überm Mal: . y Sie thaten gern wie er befahl. | 637 Meine Kunſt giebt mir niht halb Bericht Solcher Küchenmeiſter bin ih niht, Daß ih die Speiſen könnte ſagen, Die mit Zucht da wurden aufgetragen. 5 Ten Wirth und all die Frauen gar Bedienten Mägdlein {ön und klar; E Den Rittern dort an ihrer Wand Gingen Knappen auh zur Hand. Zucht hatte ſol<hen Brauch gerathcen, 10 Daß drängend nicht die Knappen nahten Den dienenden Maiden. Nun ließen ſie ſich ſcheiden . : Ob ſie Speiſe brachten oder Wein: Damit verblieb die Sitte rein. 15 Sie ſahen heut ein Feſtmal hie Wie es gewiſs die Fraun noch nie Geſehen, noh die Ritterſchaft, : Seit ſie Klinſchors Zauberkraft Hielt in dieſes Schloß gebannt. 20 Sie waren ſi< no< unbekannt. y Obgleich Ein Thor ſie alle dort Verſchloß, ſie hatten nie ein Wort E Noch gewe<ſelt, Weib und Mann. Nun ſchuf es heute Herr Gawan 25 Daß dieß Volk einander ſah, | Daran ihm Freude viel geſchah. Ihm war auth ſelber Lieb geſchehn; Doch oftmals heimlih anzuſehn Seine klare Herzogin | Zwang ſie das Herz ihm und den Sinn 638 Zu finken nun begann der Tag, Daß ſein Schein beinah erlag; Auch glitt ſhon dur< die Wolken ſat, : Die man für Boten hält der Nacht, 5 Manther Stern, der freudig blinkte Da ihm der Nacht Herberge winkte. Nach der Nacht Standarten Ließ ſie ſelbſt niht auf ſi< warten.
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Von der Dede nieder hold 10 Manthe Krone hing von Gold Ringsum in dem ſchönen Saal; Die Kerzen warfen lihticn Stral. Auf die Tiſche ring8umher Trug man der Kerzen wohl ein Heer. 15 Die Aventüre hehlt un3 nicht, Die Herzogin erſchien ſo licht, Und ſchien? der Kerzen keine hier, Es wär doh nirgend Nacht bei ihr: Ihr Glanzſchein konnte ſelber tagen, 20 So hört ih von der Schönen ſagen. Gawanen muſte man geſtehn: Selten habe man geſehn Einen Wirth ſo freudenvoll. Sie thaten wie der Frohe ſoll. . 25 Da ward mit freudigem Begehr, Die Ritter hin, die Frauen her, Sich ins Angeſicht gebli>t. | Das noh vor Blödigkeit erſhri>t, | Lernt ſi dieß Volk nun beßer kennen,
Das will ih ihm von Herzen gönnen. | 639 Saß ein Fraß nicht mit zu Tiſh, ; So aß man ſait nun Fleiſh und Fiſch.
Die Tiſche trug man all hindann. Da fragte mein Herr Gawan 5 Ob nicht gute Fiedler dort Zu finden wären an dem Ort? E Da waren edler Knappen viel Wohlgelehrt im Saitenſpiel. Doch konnten fie die Kunſt nicht ganz, 10 Sie ſtrihen all nur alten Tanz: Neuer Tänze ward nicht viel vernommcn, Wie von Thüringen uns find gekommen. Nun dankt es All dem Wirth Gawan: Er ließ der Freude freie Bahn. 15 Viel der Frauen ſ{ön und klar Tanzten vor ihm in der Schar. Alſo ſchmüd>t fi jezt ihr Reigen: | Viel der kühnen Ritter zeigen Sich untermiſht dem Frauenheer : 20 So ſtehen ſie dem Gram zur Wehr. ] Auch mochte man da ſchauen Stäts zwiſchen zweien Frauen
Einen klaren Ritter gehn: | Sie freuten fi<, das war zu ſehn. / 25 Wars einem Ritter ſo zu Sinne, | Daß er Dienſt verhieß um Minne, | Das vernahm man ohne Harm. | An Freuden reich, an Sorgen arm Vertrieben fie die kurze Stunde | Mit ſüßem Wort aus licbem Munde. 640 Gawan und Sangive Und die Königin Arnive Saßen bei dem Tanz in Ruh. Da trat die Herzogin hinzu. 5 Zu Gawan ſetze ſi< die Feine, Ihre Hand empfing er in die Seine. Da ward man<h treues Wort vernommen: Er war froh, daß ſie zu ihm gekommen. Schmal ward ſein Harm, ſeine Freude breit: 10 So verſ<hwand ihm all ſein Leid. War groß am Tanz der Fürſtin Luft, Ihm war no< minder Gram bewuſt. Die Königin Arnive ſprach: uHerr, nun denkt auf eur Gemadq): 15 Ruh wird eu< wohl bekommen, Und euern Wunden frommen. | Hat ſich die Herzogin bedacht, Daß ſie mit De>en dieſe Nacht | Euch beſorgen will und hegen? / 20 Die kann mit Rath und That euch pflegen.“ „Fragt ſie ſelber,“ ſpra<h Gawan: y „Was ihr Zwei gebietet, wird gethan.“ | Da ſprach die Herzogin darein: „Er ſoll in meiner Pflege ſein. 25 Laß dieß Volk zur Ruhe fahren. Jh will ihn ſo bewahren, Daß nie ein Weib ſein beßer pflag. | Floranden von Jtolak | Und den Herzog von Gowerzein | Laßt in der Ritter Pflege ſein.“ 641 Bald ein Ende nahm der Tanz. h Jungfraun in blühnder Farbe Glanz Sah man ſigen dort und hie, | Sich Ritter ſeyen zwiſchen ſie. {6 Wer nun mit Freude Leid vertrieb, | Um Minne bat ſein holdes Lieb,
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Er fände holde Antwort wohl. Al8 jezt des Wirths Gebot erſcholl Jhm den Nachttrunk aufzutragen,
10 Das muſten Werbende beklagen.
Der Wirth warb wie ein andrer Gaſt: Trug niht au< Er der Minne Laſt? Ihr Sigzzen daucht ihm allzulang,
Da Sein Herz auh die Minne zwang.
15 Der Trunk beſchloß ihr Minneſcherzen. Vor den Rittern viel der Kerzen Trugen Knappen aus dem Saal. Floranden und Liſchois befahl i Der Wirth den Rittern allen:
20 Denen muſt es wohlgefallen. | Liſchois und Florand Gingen ſchlafen gleih zur Hand. | Die Herzogin mit Wohlbedacht | Wünſchte beiden gute Nacht. ij
256 Da erhob fich auh der Frauen Schar Und nahmen ihrer Ruhe wahr.
Sie wuſten wohl mit Neigen
Beim Abſchied Zucht zu zeigen.
Sangive mit Jtonjé
Brachen auf ; und ſo au< Kondriéê. | 642 Da matten Bene und Arnive,
Daß der Wirth gemächlih ſchliefe, |
Alles fertig und bereit.
Es war der Herzogin niht leid,
5 Sie ſtand den Beiden gerne bei.
Gawanen führten dieſe drei
Hin, wo ihm Liebes bald geſchah.
In einer Kemenaten ſah
Er zwei geſellte Betten liegen.
10 Doch wird eu< ganz von mir verſhwiegen, Wie ſ{hön geſhmüd>t fie wären: | Wir nahen andern Mären.
Zur Herzogin Arnive ſprach: „Nun ſollt ihr ſchaffen gut Gemach
15 Dem Ritter, der hier bei eu< ſteht. Wenn er um eure Hülfe fleht,
“Helft ihr ihm, das ehrt euh ſehr. Hierüber ſag ih eu< nihts mehr. Doch wißt, ſeine Wunden
20 Sind ſo künſtili<h ihm verbunden, Er dürfte jezt wohl Waffen tragen.
Doch mögt ihr ſeine Schmerzen klagen: Wenn ihr die lindert, das iſt gut. Lehrt ihr ihn wieder hohen Muth, | 26 Wir Alle werdens mitgenießen, | Darum laßis eu< niht verdrießen.“ | Die Königin Arnive ging | Da Jener Urlaub ſie empfing: y Ein Licht trug Bene ihr voran. | Die Thür verſhloß Herr Gawan. 643 Ob nun die Beiden Minne ſtehlen, | Das wird mir ſchwer euh zu verhehlen. | Was dort geſchah, i< machi’ es kund, Träfen Flüche niht den Mund, 56 Der dem Geheimniſs Stimme leiht. Es ift den Guten immer leid: Sein eigen Unglü> wirkt er auch. Zucht verräth niht Minnebrau<h. Nun ſuf der Minne Hochgewinn 10 Und die ſ{öne Herzogin, Daß Gawans Glü> vollkommen war. Unſelig blieb? er immerdar, Heilt! ihn nict ſein ſüßes Lieb. Wer je geheime Weisheit trieb, 15 Und Alle, die da forſhend ſaßen Und verborgne Kräfte maßen, | Kankor und Thebit , | Oder Trebüſchet der Schmied, | Der Frimutellens Schwert geſchaffen 20 (Groß Wunder wirkte dann dieß Waffen) Dazu auh aller Aerzte Kunſt, Erwieſen ſie ihm holde Gunſt Mit Salben und Gebräuden : Ohn ein Weib und Minnefreuden " 25 Hätt er ſeine ſcharfe Noth | Gebracht bis an den bittern Tod. : Daß ih die Märe mathe kurz, | Er fand den rehten Hirſchenwurz, j Der ihm half, daß er genas | Und der Schmerzen ganz vergaß; / 644 Bei der Weiße braun war der. | Der Britte von der Mutter her, | | Gawan fils dü roi Lot, | Durch ſüßen Balſam bittrer Noth | 56 Fand er die Hülfe, der er pflag .
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Mit der Liebſten Hülfe bis zum Tag- | Doh ſolche Hülfe gab ſein Lieb, | Tie allem Volk verſchwiegen blieb. | Dann ließ er fich ſo fröhlich ſchauen y 10 Vor den Rittern all und vor den Frauen, | Daß ihre Sorge gar verdarb. | Nun hört auh wie der Knappe warb, | Welchen Gawan ausgeſandt Hin gen Löver in das Land 15 Nah Bems bei der Korka. Der König Artus war allda Und ſein königlih Gemahl, Lichter Frauen viel zumal Und des Ingeſindes eine Flut. 20 Nun hört auh, wie der Knappe thut. Vei früher Morgenſtunde Wollt er bringen ſeine Kunde. Vor dem Kreuze las die Königin Den Pſalter mit andähigem Sinn: 25 Da fiel ihr zu den Füßen Der Knapp mit freudgen Grüßen. Sie empfing cinen Brief aus ſeiner Hand, Darin ſi< Schrift geſchrieben fand, Die ſie gleich erkannte Eh ſeinen Herrn ihr nannte 645 Der Knappe, den ſie knieen ſah. Zu dem Briefe ſprach die Köngin da: „Heil der Hand, die di geſchrieben! E Ohne Sorge bin ich nie geblieben 5 Seit ih zulegt die Hand erbli>te, Die dieſe Züge ſchrieb und \chidte." Sie weinte ſehr und war doh froh: Darauf zum Knappen ſprach ſie ſo: „Du biſt ein Knecht in Gawans Sold.“ 10 „Ja Frau, Der iſt eu< herzlih hold: Er entbeut eu< Treue ſonder Wank, | - Und daß all ſeine Freude krank, Wird ſie nicht dur< Euh geſund. Niemals kümmerlicher ſtund ! S 15 Es noch um ſeine Ehre. | Auch entbeut euh, Frau, der hehre, : Daß ihn Freude wieder labe, | Exfahr er eures Troſtes Gabe. ! Ihr mögt wohl mehr im Briefe finden 20 Als ih wüſte zu verkünden.“ |
Sie ſpra<: „Ih hab aus ihm erkannt Warum du zu mir biſt geſandt. Wohlan, ihm dienend bring ih dar Wonniglicher Frauen Schar, .
25 Deren Preis den Sieg bchält Zu unſrer Zeit in aller Welt: Parzivals Gemahl allein, Und Orgeluſens lichter Schein, " H Sonſt darf in allen Chriſtenreichen " Sich ihrer Schönheit nichts vergleichen. 646 Seit Gawan von Artus ritt | Ward ih der Sorge nimmer quitt. | Wie hat das Leid mein Herz zerquält! E Meljanz von Li hat mir erzählt, H Er ſah ihn dann zu Barbigöl. O wh mir,“ ſprach ſie, „Plimizöl, | Daß dich mein Auge je erſah! | Wieviel mir Leides da geſchah!
Kunnewaren de Laland,
10 Die von mir ſied an deinem Strand, | Mein hold Geſpiel, ſah ih niht mehr. | Mit Reden ward da allzuſehr | Der Tafelrunde Re<ht gebrochen. | Fünfthalb Jahr und ſehs Wochen | 15 JZſts, ſeit der werthe Parzival | Vom Plimizöl ritt na< dem Gral.
; Da wandte ſich auh Gawan
| Gen Asfkalon , der werthe Mann. | Jeſhuten und Ekuba
| 20 Sah ih zum Leyztenmale da.
Große Sehnſucht nah den Lieben
| Hat mir die Freude weit vertrieben.“ Die Königin fiel Trauern an;
Zu dem Knappen ſie begann:
26 „Nun folge meiner Lehre: Heimlich von hinnen kehre Vis ſich höher hob der Tag,
- Daß alles Volk zu Hof ſein mag, Knappen, Ritter allzumal, Des Ingeſindes volle Zahl.
647 Dann komm du auf den Hof getrabt , Nicht frage wer dein Pferd dir habt, Sondern eile hinzugehn Wo die werthen Ritter ſtehn.
5 Die fragen vih um Abenteuer:
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Als entſprängſt du einem Feuer So ſei dein Reden, dein Betragen. Sie möchtens gar zu gern erfragen Was du für Märe bringeſt ;
10 Du ſchau nur, wie du dringeſt
Durch die Menge zu dem Wirth, Der freundlih di< empfangen wird.
„Gieb dieſen Brief ihm in die Hand, | So wird ihm bald daraus bekannt |
15 Deine Mär und deines Herrn Begehren ;
Ich zweifle niht, er wirds gewähren. „Ih rathe dir no< mehr: an Mich
Wende dann dich öffentlich,
Wo i< mit andern Frauen
20 Dich hören mag und ſchauen.
Wirb, willſt du dem Herren nügen, Daß ſein Geſuch wir unterſtügen.
-Doch ſage mir, wo iſt Gawan?“
„Das fragt nicht," hub der Knappe an,
25 „Ich darf nicht ſagen wo er weilt;
Doch hat das Glü> ihm viel ertheilt.“
Dem Knappen ſchien ihr Rath Gewinn;
Da ſchied er von der Königin.
Gerne folgt’ er ihren Lehren
Und kehrt’ auh als er ſollte kehren. G48 Recht um den mitten Morgen
Oeffentlih und unverborgen
Ritt der Knappe auf den Hof.
Die Höfſchen gaben ihm das Lob,
5 Sein Kleid ſei re<t na< Knappenſitten. Mit Sporen war dem Roſs zerſchnitten Die Haut zu beiden Seiten. | Nach der Königin Bedeuten | Sprang er eilends von dem Roſs:
10 Da ward um ihn das Drängen groß. Schwert und Mantel, Roſs und Sporen, Hatt er allzumal verloren ;
Er kehrte wenig fi< daran. Eilends hub er \i< hindann,
15 Wo er viel werthe Ritter ſah. Aus Einem Mund frug Jeder da, Was er für Abenteuer bringe ? Am Hofe ſei es Brauch, es ginge Zu Tiſche weder Weib no< Mann
Simro>, Varzival und Titurel.
| 20 Bevor der Hof ſein Recht gewann: | Aventüre, und ſo reiche ,- | Daß ſie rehter Aventüre gleiche. © Der Knappe ſprah: „Jh ſag euh nichts; Mich entbindet Eile des Berichts. | 25 Nehmts niht krumm zu dieſer Friſt Und ſagt mir wo der König iſt: Den ſpräch ih gern vor allen Dingen | Wie mich die kurzen Stunden zwingen. Dann hört ihr was man ihm entbot; Gott lehr eu< Hülfe bei der Noth.“ 649 Dem Knappen, den die Botſchaft engte, War es gleichviel wie man ihn drängte, Bis ihn der König ſelber ſah, Ihm froh Willkommen bot allda. 5 Der Knappe gab ihm einen Brief, E „ Der tief ins Herz Artuſen rief, Denn als er ihn geleſen hatte, Da fühlt! er wie ſi< in ihm gatte Die Freude mit der Klage. 10 „Wohl dieſem ſüßen Tage, Bei deſſen Licht ih dieß vernahm, Mir endlich ſihre Kunde kam Von meinem Schweſterſohn , dem kühnen! Kann ih mannlih ihm dienen 15 Wie ich als Freund, als Oheim ſoll, Zahlt? ih der Treue je den Zoll, So leiſt ih jeyt was mir Gawan Entboten hat, wofern ih kann.“ Zu dem Knappen ſprach er ſo: 20 „Nun ſage mir, iſt Gawan froh?“ „Ja Herr, ſobald es Euch gefällt Iſt Er den Frohen zugeſellt , Sprach der Knapp, der weiſe; „Doch ſcheidet er vom Preiſe, 256 Wenn Ihr ihn ohne Hülfe laßt. Wie blieb? er fröhli<h und gefaßt ? Jhr flügelt ſeine Freud empor: | Hinaus weit vor des Kummers Thor | & Aus ſeinem Herzen flieht das Leid, Wenn Jhr ihm no< gewogen ſeid. 650 Der Köngin läßt er Dienſt hieher Entbieten; au< wär ſein Begehr, Daß all der Tafelrunde Schar 16
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PALA Seiner Dienſte nähme wahr, 5 Daß ſie ihrer Treue dächten , y Seine Freude niht verderben möchten, Und eu< zu kommen rathen.“ - Die Werthen all den König baten. ; Lieber Freund ,“ hieß Artus ihn, | 10 „Bring dieſen Brief der Königin, | Daß ſie ihn leſ und Allen ſage | Was unſre Freud ift, unſre Klage. | Wie übt do< König Gramoflanz | Hochfahrt und alle Tücke ganz, | 15 Wo er den Meinen ſchaden kann! ] Er wähnt mein Neffe Gawan y Sei Cidegaſt, den er erſhlug, | Was ihm no< Kummers bringt genug. J< will ihm Kummer mehren, | 20 Ihn neue Sitte lehren.“ Der Knapp kam gegangen Und ward da wohl empfangen. y Er gab der Königin den Brief. | Manches Auge über lief, y 25 Als laut es las ihr ſüßer Mund | Was darin geſchrieben ſlund: | Gawans Klag und ſein Geſuch. | Auch ſäumte nicht der Knappe klug- | So zu flehen all die Frauen, | Daß ſeine Kunſt wohl war zu ſhauen. | 651 Gawans Ohm, der König rei, Warb mit großem Eifer gleich Sein Ingeſind zu dieſer Fahrt. Die vor Vecſäumniſs ſi< bewahrt, y 5 Ginover die höfiſh weiſe Trieb die Fraun zu dieſer ſtolzen Reiſe. Keie ſprah in ſeinem Zorn: „Ward je auf dieſer Welt geborn Ein ſo würdiger Mann | 10 Als von Norweg Gawan? Nur geſhwinde, holt ihn ein, | Er möchte ſhon entſhwunden ſein. | Springt er wie ein Eichhorn, h Am Ende habt ihr ihn verlorn!‘ f 15 Der Knappe ſpra< zu Ginoveren: „Frau, nun will ih wieder kehren | Morgen zu dem Herren mein: |
| Sorgt für ihn, es ſteht euh fein.* | Ihrem Kämmrer ſprach fie zu: 20 „Schaff dieſem Knappen gute Ruh. j Nath ſeinem Roſſe ſollſt du ſchauen : | Iſt es mit Sporen arg verhauen, Gieb ihm das beſte, das hier feil. Hat er an anderm Kummer Theil, 26 Fehlt ihm Barſchaft oder Kleid, Das ſei ihm allzumal bereit." ' Sie ſprah: „Nun ſage Gawan, y Jc ſei ihm dienſtlih unterthan. y Urlaub beim König nel, m ih dir; | Deinen Herren grüß von ihm und mir.“ 652 Artus betrieb nun ſeine Fahrt. Tafelrunder - Sitt und - Art, | Völlig war ihr heut genügt. i; Sie waren allzumal vergnügt, 5 Daß Gawan, der werthe no< zur Stund Am Leben war und wohl geſund, Und fie des inne find geworden. Da ward der Tafelrunder Orden Erneut dur dieſe frohe Kunde. 10 Artus ſaß an der Tafelrunde Und Wer daran zu ſigen hat Und ſih Preis erwarb dur kühne Thal. | Allen Tafelrunderhelden Kam zu Gute ſein Vermelden. 15 Nun laßt den Knappen heimwärts kehren, Da kund am Hofe ſind die Mären. ¡ Er bra<h am Morgen auf bei Zeit: | Der Kämmerer der Köngin beut | Ihm Barſchaft , Roſs und gut Gewand: | 20 Mit Freuden ritt er heim zu Land, | Da er bei Artus hatt erreicht | Wodur< Gawanens Sorge weiht. | Er kam zurü> nah wenig Tagen, | Wie wengen, weiß ih nicht zu ſagen, “25 Gen Satel merveil in Klinſchors Reich. | Arnive wurde freudenreih, Da der Pförtner ihr entbot, Mit ſeines Roſſes großer Noth ; Sei der Knappe jegt zurüde. y Da ſchlich fie an die Brüde, 653 Wo der Knappe hielt, der weiſe, | Und frug ihn na der Reiſe,
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Was man zu melden ihm befohlen? Der Knappe ſprah: „Das bleibt verhohlen, 5 Frau, ih darf es euh nicht ſagen: Mich ſchweigt ein Eid auf ſolche Fragen. Wohl wär es meinem Herren leid, Sagt’ ihs und bräche meinen Eid. Er hielte mi< gewiſs für dumm: 10 Fragt ihn, Herrin , ſelbſt darum.“ Sie triebs mit Fragen lange fort; Der Knappe blieb bei ſeinem Wort. „Frau, ihr ſäumt mi ohne Noth: Ich leiſte was mein Eid gebot,“ 15 Er ging wo er den Herren fand. ] Der Türkowite Florand Und der Herzog von Gowerzein , Von Logrois auch die Fürſtin rein Saß mit vielen ſhönen Frauen. 20 Wie der Knappe fi ließ ſchauen, Auf ſtand Herr Gawan hocherfreut. i Er nahm den Knappen gleich beiſeit Und hieß ihn willflommen ſein. | Er ſprah: „Sag an, Geſelle mein, ¡ 25 Sei es Freude, ſei es Noth, f Was man von Hofe mir entbot. : „Fandeſt du den König da?“ „Herr,“ \ſprah der Knapp, „ih fand ihn, ja, Den König und auch ſein Gemahl, Und werthen Volkes große Zahl. 654 Sie entbieten Gruß und wollen kommen. Eure Votſchaft ſah ih aufgenommen So gut von allen Leuten, Daß Reih und Arm ſi< freuten, 5 Denn ich that ihnen kund Daß ihr heil wärt und geſund. Da war ein Heer, ein Volksſpiel jeyt! “Die Tafelrunde ward beſetzt Durch eure frohe Botſchaft. 10 Wenn jemals in der Ritterſchaft Muth und Kühnheit Preis erlangten, | So muß vor Allen, die da prangten, ; Eur Preis die Krone tragen, | Ob allem Preiſe ragen.“ | 15 Er ſagt? ihm auch wie es geſchah, Daß er die Köngin ſprah und ſah,
| Und wie ſie ihm getreulich rieth. Aug von dem Volk er ihn beſchied, Von Rittern und von Frauen: 20 Daß er fie ſollte ſchauen Zu Joflanze vor der Zeit , Die ihm beſtimmt war zu dem Streit. Da ſhwanden Gawans Sorgen, | Seine Freude war geborgen ; 26 Statt Sorgen ward ihm Freude eigen. Den Knappen bat ers zu verſchweigen. Sein Leid vergaß er freudiglih. Er ging zurü> und ſetzte \ſih, Und hielt hinfort hier freudig aus Bis Artus und ſein Heer von Haus 655 Zu ſeiner Hülfe kam geritten. Nun hört wie Lieb und Leid ſi ſtritten. Gawan war allewege froh. Eines Morgens kam es ſo, 5 Daß man auf dem reihen Saal Sah der Fraun und Ritter große Zahl. In einem Fenſter ſah der Held Fröhlich über Strom und Feld. y Arr. iv ihm gegenüber ſaß, | 10 Die zu erzählen nicht vergaß. Da ſprach zur Königin Gawan: „O liebe Herrin, hört mich an: | Wär euh die Mühe niht verhaßt, | Und meines Fragens Ueberlaſt, * | 1s So ließ’ i< mir die Mären | Dieſes Schloßes gern erklären. ; Daß ih noch bin, iſ eure Gabe, | Und daß ih Heil und Freuden habe. | Hatt ih mannlih kühnen Sinn, 20 Den hielt die edle Herzogin Mit Gewalt in ihrem Zwang: Eurer Hülfe ſag ihs Dank, 5 Daß mir geſänſtet ift die Noth. Von Minn und Wunden wär ih todt, 26 Wär mir ni<t Euer Troſt gekommen, Der mich den Banden hat entnommen. Euch ſchuld is, daß ih lebend bin. * Nun erklärt mir, edle Königin, Das Wunder, das hier war und iſ: i Warum hat ſolche Zauberlifſt
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656 Hier der weiſe Klinſchor offenbart ? Tenn ich ftarb daran, wenn Jhr nicht wart.“ Arnive ſprach, die weiſe (Mit ſo viel weiblihem Preiſe 5 Kam Jugend in das Alter nie): aHerr , all ſeine Wunder hic Sind gar kleine Wunder doch: | Vick größre Wunder ſchuf er no< | In fremden Landen weit und breit. j 10 Wer uns darum der Lüge zeiht, Der kann ſi< nur verſündigen. Seinen Brauch laßt mich verkündigen , Der Manchem übel ward bekannt. Terre de Labeur, ſo hieß ſein Land; 15 Es war aus dem Geſchle<t entſprungen, > Dem auch viel Wunder ſind gelungen, Virgils, des no< Neapel froh. Seinem Neffen Klinſchor ging es ſo: ¿(Hauptſtadt war ihm Kapua. 20 So hohen Preis erwarb er da, Er war um Preis wohl niht betrogen. Von Klinſchor dem Herzogen Sprachen Alle, Weib und Mann j Vis er Schaden ſo gewann: 25 In Sicilien herſ<t' ein König werth, Der war geheißen Jbert; Aber Jblis hieß ſein Weib. Die trug den minnigli<ſten Leib, “ Der je von Mutterbruſt gekommen. Ihr zu dienen hatt er unternommen 657 Vis ſie ſeiner Minne lohnte, Und ihr Gemahl ihn nicht verſchonte. „Von ſeiner Heimlichkeit zu ſagen, Muß ih euch erſt um Urlaub fragen, 6 Da ſonſt mir dieſe Märe Nicht wohl geziemend wäre, Wie ihm kam des Zauberns Laune. Mit einem Schnitt zum Kapaune Wurde Klinſchor gemacht.“ 10 Darüber wurde ſehr gelacht Von Gawan dem Tegen hehr, Da fuhr ſie fort und ſagt’ ihm mchr: „Auf Kalot Embolot Erwarb er ſo der Leute Spott;
15 Man kennt die Veſte weit im Land. | y bert bei ſcinem Weib ihn fand: (Klinſchor lief in ihrem Arm. | Lag er da geborgen warm, Das büßt? er do< mit theuerm Pfand: 20 Er wurde von des Königs Hand Zwiſchen den Beinen ſchliht gemacht. Das ſei ſein Recht, hat Der gedacht. - Er verſchnitt ihn an dem Leibe, Daß er keinem Weibe 25 Mehr zur Freude mote frommen; Tas iſt Manchem ſchlimm bekommen. y „Nicht im Land zu Perſia, y In der Stadt mit Namen Perfida, Ward Zauberei zuerſt erdacht. Dort hatt ers bald dahin gebracht, | 658 Daß er wohl ſhaft was er will: Seines Zaubers iſ} kein Ziel. Turch die Shmach an ſeinem Leib Ward ſein Herz niht Mann no< Weib 6 Mehr geneigt no< wohlgeſinnt; | Zumal die gut und edel find: | Kann er Die in Roth verſeyzen, Das i} ihm herzliches Ergeyen. | „Von ihm beſorgte gleihe Noth | 10 Ein König Namens Jrot; | Sein Reich iſt Roſchſabins genannt. | Der bot ihm an von ſeinem Land | So viel er nehmen wollte, | Daß er Frieden haben ſollte. | 15 Klinſchor empfing von ſeinen Händen | Dieſen Berg mit ſteilen Wänden ; Dazu aht Meilen rings herum | Gab er ihm zum Eigentum. | Klinſchor {huf auf dieſem Berg 20 Was ihr hier ſcht, dieß ſhöne Werk. Alles Reichtums , aller Pracht Iſt hier was je ein Sinn erdacht. Droht dem S<hloß Belagerung, | Zu dreißig Jahren wohl genung 25 Faßt es Speiſe mannigfalt. Auch beherſcht er mit Gewalt Alle Geiſter, die man kennt Zwiſchen Erd und Firmament,
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Ob ſie bös find oder gut, E | Es nehme fie denn Gott in Hut. | 659 „Herr, da eure grimme Noth | Euch vorbei ging ohne Tod, | So ſteht ſein Reich in eurer Hand. | Dieſe Burg und dieß gemeßne Land, | 5 Keinen Anſpru<h mat er mehr daran. | Seinen Frieden ſollt ihr auh empfahn, | Denn das gelobt’ er offenbar (Und was er ſpricht, das macht er wahr), | Wer ſein Abenteur beſtehen könne, y 10 Daß er Burg und Land ihm gerne gönne. | Die er aus chriſtlihem Land | Hier dur Zauber hielt gebannt, Sei es Magd, Weib oder Mann, Die ſind eu< All nun unterthan. 15 Viel Heiden au<h und Heidinnen Hielt ſeine Kunſt gebannt hiebinnen. Nun laßt uns Arme wieder ziehn Zur Heimat, die wir muſten fliehn. Von Heimweh iſ mein Herz gequält : 20 Der ‘die Sterne hat gezählt, Der mög euh Hülfe lehren, Daß wir zu Freuden kehren. „Eine Mutter Frucht gebar, Die dann der Mutter Mutter war. 26 Von dem Waßer kommt das Eis: Sqheint darauf die Sonne heiß, So kommt vom Eis au< Waßerflut. So denk ih im bedrängten Muth, Wie mir aus Freude Leid erblühte: Daß Freude bald mein Leid vergüte! | 660 So giebt Frucht zurück die Fru<ht: | O helft dazu, das wäre Zucht. | „Schon lang iſts, daß mir Freud entfiel. Séhnell mit dem Segel geht der Kiel, | 5 Sneller der Mann, der auf ihm geht. f Wenn ihr das Gleichniſs ret verſteht, / Wird euer Preis au< hoh und ſchnell. | Machet unſre Freude hell, j Daß wir fie heim zu Lande tragen, | 10 Nach dem wir lang ſchon Heimweh klagen. | „Freuden hatt ih einſ genug: | J< war ein Weib, das Krone trug; |
So war au< meiner Tochter Haupt y Der Königskrone S<hmu> erlaubt. | 15 Wir hatten beide Würdigkeit. | Herr, nie rieth i< Jemands Leid: Alle ließ ih, Weib und Mann, Jhr gebührend Recht empfahn. Zu einer reten Volkesfrauen 20 Motte man mi auserſchauen , Die ih Niemand, will es Gott, Mit Wißen je Unehre bot. Doch wie getreu ein Weib auch ſei, | Wohnt ihr au< Ehr und Reinheit bei, * 965 Wie gut ſie's guten Leuten bietet, y Sie iſt nie vor ſolchem Leid behütet, © Daß ihr nicht leicht ein armer Knabe | Brächte reicher Freude Gabe. | So lang ih, Herr, hier weilte, | Nie zu Roſs, zu Fuß noh eilte 661 Einer her, der mich erkannte | Und meine Sorge wandte.“ E Da ſprach zu ihr der Degen werth: „Frau, wenn mir das Leben währt, 5 So kommt euch Freude noh und Frommen.“ Deſſelben Tages ſollt auh fommen © Mit dem Heere Artus der Breton , | Der klagenden Arnive Sohn, | Dem Neffen zu Gefallen. | 10 Viel neue Banner wallen | Sah Gawan mit freudgem Schre>en, | Da3 Feld die Rotten überde>en | Von Logrois die Straße her Mit manchem farbigen Sper. 15 Gawanen that ihr Kommen wohl: | Wer fremder Hülfe harren ſoll, j Den läßt Verzögrung meinen, | Nie ſoll’ ihm Hülf erſcheinen. Den Zweifel nahm Artus Gamanen: 20 Avoi! wie zog er an mit Fahnen! | Gawan enthielt ſi< des mit Nichten, Seine Augen, die lichten, i Muſten weinen lernen: Zu einer Ciſternen 25 Taugen ſie ihm beide nict, e : Denn ſie ſind nicht waßerdicht. Vor Freudcn muſt er weinen,
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Da er Artus ſah erſcheinen. . Von Kind an hatt er ihn erzogen ; Beider Treu war ungelogen 662 So ſtät einander ſonder Wank, Daß Falſchheit nie hindurh ſi< ſ<lang. Des Weinens ward Arnive innen: „Jhr ſolltet freudig nun beginnen 5 Und ließet Freude ſchallen, Herr , das wär ein Troft uns. Allen Dem Kummer leiſtet tapfre Wehr. : Hier kommt der Herzogin Heer: Das ſollt euh freuen, dünket mi.“ 10 Paniere, Zelte wunderlih Sah Arnive mit Gawan | Zahlreih führen auf den Plan. | Darunter war ein einzger Schild: Der hatt ein ſol<hes Wappenbild, 15 Daß ihn Arnive wollt erkennen Und Jſages den Ritter nennen, Marſchall bei Utepandragon. Doch wars ein anderer Breton, Der ſhöngeſchenkelte Maurin, 20 Marſchall jezt der Königin. Utepandragon und Jſages , Arnive nicht verſah ſich des, SS Sie waren längſt geſtorben; Maurin hatt erworben 25 Seines Vaters Amt kraft alten Rechts. Auf den Anger des Gefechts Ritt das große Heergeſinde. Die Frauen, Kämmerer und Kinde Nahmen Herberg auf der Wieſe, Die jede Frau wohl prieſe, 663 Bei einem Bächlein ſ{hnell und klar, Wo eilends aufgeſhlagen war Manes herliche Gezelt. Dem König abſeits auf dem Feld 5 Ward mancher weite Kreiß genommen, Und den Rittern, die mit ihm gekommen. Sie hinterließen , wo ſie fuhren Von ihrer Reiſe breite Spuren. Gawan dur Bene gleih entbot 10 Seinem Wirth Plippalinot, Daß er Kähn und Salte Angeſhloßen halte,
! Damit ſie dieſen Tag bewahrt Wären vor des Heeres Ueberfahrt. 15 Zugleih als erſte Gabe nahm Sie aus Gawanens reihem Kram Die Schwalbe, noh in Engelland Als theure Harfe wohlbekannt. Bene eilte froh hindann. 20 Verſchließen ließ da Herr Gawan Die Thore vor Belagerung. Willig hörten Alt und Jung Weſſen er ſie freundlich tat: „Auf jener Seiten ans Geſtad 26 Legt ſih ein großes Heer: Nicht zu Land no< auf dem Meer Sah ich je Rotten fahren Mit ſo zahlreichen Scharen: Iſt auf uns das abgeſehn, Helft mir, wir wollen ſie beſtehn.“ 664 Das verſprachen Alle gleich. Man frug die Herzogin rei Ob dieß Heer das ihre wäre? | „Glaubt mir,“ ſprach die Hehre, 6 „Ich kenne weder Schild no< Mann. | Der oft mir Schaden hat gethan, | Iſt etwa in mein Land geritten | Und hat vor Logrois geſtritten. | Das ſtand ihm wohl nicht ſhle<t zur Wehr: | 10 Gewahſen ſind ſie, ſol< ein Heer | Vor Thor und Zingeln zu empfahn. | Hat da Ritterſchaft gethan Der zornge König Gramoflanz, So wollt er rächen ſeinen Kranz; 15 Oder wer ſie ſci’n, wohl manhen Sper Brach mit ihnen dort mein Heer.“ Gelogen hatte niht ihr Mund. Artuſen wurde Schaden kund Bevor er kam gen Logrois : 20 Da nuſte mancher Bretanois Jn rechter Tjoſt den Sattel räumen. Artus vergalt au< ohne Säumen In dem Handel, den man dort ihm bot: Sie kamen beiderſeits in Noth. 26 Man ſah die Streitmüden kommen, Von denen man ſo oft vernommen,
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Daß ſie gern der Haul nq Wie ſie's in manchem Streit bewährten: Sie hatten Schaden hier wie dort. Garel und Gaherjet ſofort, | -665 Dann Roi Meljanz de Barbigöl , | Zuleyt auh Jofreit fils Idöl, | Wurden in die Stadt gefangen i Eh das Kampſſpiel war zergangen. | 6 Die Britten fingen von Logrois | Dük Friam de Vermendois | Und Graf Ritſchart de Navers. | Der bedurfte ſtäts nur eines Spers; | Doch wider Wen er den erhob, | 10 Der lag am Voden ſonder Lob. | Artus fing mit eigner Hand | Dieſen Helden auzerkannt. | Da wurden unverdroßen - | Die Rotten ſo geſhloßen , | 15 Einen Sperwald mot es koſten; | Von ungezählten Tioſten | Die Splitter niederregneten. Die Britten auh begegneten y Mit mannlih unerſhro>nem Sinn ) 20 Dem tapfern Heer der Herzogin. Da muſt Artus zum Streiten Die Nachhut ſelbſt bereiten. Man reizte ſie den ganzen Tag y ‘ Vis eine Flut des Heers erlag- 26 Billig hätt es wohl Gawan Der Herzogin erf kund gethan, | Daz jene, Hulf ihm zu gewähren, Jn ihr Land gezogen wären: i : So hätten fie fi ſchon vertragen. 5 Doch wollt ers Fhr noh ſonſt Wem ſagen 666 Bis fie es ſelbſt erkunde. Er ſchi>te ſi zur Stunde | Auſh nun ſelber an zu reiſen h Zu Artus, dem Bretaneiſen, ' 5 Mit koſtbaren Zelten. i Niemand ſollt es entgelten War er ihm auh unbekannt: Y Gawan begann mit milder Hand | So reihli< Jeglichem zu geben 10 Als gedächt er länger nit zu leben. Knappen, Ritter ſo wie Fraun
| Und beſchenkte ſie ſo reich, | Daß fie ſprachen alle glei, | 15 Ihnen ſei der Hülfe Tag erſchienen. | Da ward auch Freude kund an ihnen. l | Er ließ den Rittern Wehr und Waffen, . | Den Frauen ſchöne Pferde ſchaffen | Und manches Saumroſs ſtark und gut. 20 Der Knappen eine ganze Flut Sah man auh im Eiſenkleid. Vier werthe Ritter beiſeit Nahm darauf mein Herr Gawan. Alſo ordnet? er es an, “05 Daß der Eine Kämmerer Und der Andre Schenke wär, Der dritte Truchſäße , | Und der vierte niht vergäße Des Marſchallamis. So ſtund ſein Sinn; ! Die Vier willfahrten ihm darin. [667 Nun ſeht Artuſen drüben liegen: | Dem blieb heut Gawans Gruß verſchwiegen; | Doh unterdrüd>b" er ihn mit Müh. | Mit Schall bra auf des Morgens früh | H Gen Joflanz Artuſens -Heer. | Eine Nachhut ordnet’ er zur Wehr; | Doch als nirgends ſie ein Feind beſtand, | Folgte ſie ihm unverwandt. | Nun zog aufs Neue bei Seile 10 Gawan die Amtileute. - } Er wollt es länger niht verziehn ¡ Und befahl dem Marſchall, daß er hin y Auf den Plan vor Joflanz möge traben. | „Geſondert Lager muß ih haben; | 15 Schon liegt davor ein großes Heer. | J< berg es länger niht mehr, f Ihren Namen muß ih nennen, Daß ihr ſie mögt erkennen: ' Artus mein Ohm iſts ungelogen, 20 Der mich von Kind an hat erzogen j An ſeinem Hof, in ſeinem Haus. ' Nun rüſtet mir jo fiatilih aus | Meine Reiſe, und ſo prächtig au, Daß man es nenne reichen Brauch.
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aF MRL LUNI YES Ve bas SLL ie Daß Artus meinthalb iſt gekommen.“ | : Da leiſteten ſie ſein Gebot. | Der Fährmann Plippalinot Hatte da vollauf zu thun. Müßig durften nimmer ruhn 668 Die Nahen und die Schne>en, Da mit den Rotten, den queden, So zu Roſs wie zu Fuß Der Marſchall über führen muß 5 Die Knappen und Garzonen. Sie folgten dem Bretonen, Des Heer unweit von ihnen fuhr, Mit dem Marſchall Gawans auf der Spur. Sie führien, hört ih für gewiſs, 10 Au jenes Zelt, das Jblis Aus Minne Klinſchorn einſt geſandt , Und das zuerſt als Liebespfand Verrieth der beiden Heimlihkcit ; Gar groß war ihre Zärtlichkeit. 15 Nichts war geſpart an ſeiner Pracht, Nur eins ward ſhöner no< gemacht : Das Zelt , das Eiſenhart beſaß. | Nun ward dieß Zelt auf grünem Gras | Neben Artus aufgeſchlagen. ¡ 20 Manth Gezelt, ſo hört ih ſagen, ! Slug man umher in weitem Ring; Der Reichtum dauchte nicht gering. | Bei König Artus ward vernommen, Gawanens Marſchall wär gekommen 265 Das Heer zu bergen auf dem Plan; Und der werthe Gawan Käm noch am ſelben Tage: So war gemeine Sage Bei all dem Jngefinde. ; Da hob Gawan geſhwinde 669 Vit den Rotten ſich von Haus. y Seine Reiſe ziert’ er alſo aus, Man mote Wunder ſagen. Manch Saumroſs muſte tragen 5 Kirchenſhmu> und Hau8gewand ; Harniſh und Schienen allerhand Wurden aufgeſäumt gefunden,
aa add dba ad! DIE Vada abn iadindi dad Zu manchem Schikde wohlgethan. 10 Manches ſchöne Kaſtilian Sah man bei dem Zaume ziehn, Schöne Fraun und Ritter kühn . | Geſellig reiten hinterdrein. Meilenlang wohl möchte ſein
| 15 Der Zug, würd er gemeßen.
| Gaman hatte niht vergeßen :
Jeder ſchönen Frau zur Seiten Muſt ein tapfrer Ritter reiten.
| Die wären niht bei Sinne,
20 Sprächen ſie niht von Minne. Der Türkowite Florand
| Ward zum Geſellen auserkannt Sangiven von Norwegen.
| Bei vLiſchois dem nimmer trägen
25 Ritt die ſüße Kondrié. Seine Schweſter Jtonj@ * Sah man bei Gawanen reiten; Arniven zu denſelben Zeitcn Mit der ſchönen Herzogin Geſelliglih die Straße ziehn.
670 Zu Gawans Zeltbering zu kommen Hatten ſie den Weg genommen Durch Artuſens Heer in langem Zug. Zu ſchauen gab es da genug!
5 Doh eh ſie ganz hindurh geritten , Gedachte Gawan höfſcher Sitten: Dem Ohm zu Ehren ließ der Held | Außen von Artuſens Zelt Die erſte von den Frauen halten; 10 Der Marſchall, ſeines Amts zu walten, Hieß dann die zweite zu ihr reiten, Darauf die dritte zu der zweiten Bis ſie hielten all im Kreiſe, Hier die junge, dort die greiſe, 15 Ein Ritter jeder an der Hand, Der willig ihr zu Dienſten ſtand. | Artuſens Zeltbering, den weiten, | Sah man da nah allen Seiten | Von Frauen ganz umfangen. 20 Da ward Gawan empfangen, | Der freudenreiche, dünket mi, | Von König Artus freudiglih.
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Gawan ſtieg ab, niht minder Arniv, Sangiv und ihre Kinder, 25 Von Logrois auh die Herzogin, Der Herzog von Gowerzin Und der Türkowite Florand. Dieſen Fürſten auserkannt Ging entgegen Artus aus dem Zelt: Freundlih empfing ſie all der Held, 671 So aug die Köngin, ſcin Gemahl : Die empfing Gawanen und zumal Alle, die mit ihm gekommen, Und hieß fie herzli< willkommen. 6 Da wurde mancher Kuſs gethan Von vielen Frauen wohlgethan. Artus ſpra< zu dem Neffen ſein: „Wer find ſie, die Geſellen dein ?“ Gawan verſetzte: „Küſſen | 10 Wird ſie die Königin müßen: | Da unterbliebe wider Recht : | Zu hoch iſt beider Geſchlecht.“ Der Türkowite Florand Wurde da geküſst zuhanv, 15 Und der Herzog von Gowerzin, Von Ginover der Königin. j Sie gingen mit ihr ins Gezelt | (Manqhen dauchte, daß das weite Feld Voll der ſ{hönen Frauen wäre). 20 Nicht ſo Artus. Bei ſeiner Schwere | - Sprang er auf ein Kaſtilian: Zu all den Frauen wohlgethan | Und den Rittern neben ihnen Ritt er im Kreiß mit heitern Miencn. 25 Willkommen hieß zur Stunde Sie Artus mit höfſhem Munde. E8 war Gawancns Wille, i Daß fie draußen ſtille Hielten bis er weiter ritte: So wollt -es höfiſche Sitte. 672 Artus ſtieg ab und ging hinein: e Zu dem Neffen ſezt! er fich allein Und bat, ihm Kunde zu gewährn Wer die fünf Frauen wären. 5 Da hub mein Herr Gawan Mit den älteſten an;
So ſprach er zu dem Breton: | „Kanntet ihr Utepandragon? | So iſt Arnive dieß, ſein Weib; “10 Euh ſelbſt geboren hat ihr Leib, Dann ſeht ihr Norwegs Köngin hier : Daß Jh da3 Licht ſah, dank i< ihr; Meine Schweſtern ſeht in dieſen Maiden: | Wie ſie <mu> ſind, die beiden!“ 1s Da hob ein neues Küſſen an. | Rührung und Freude ſahn | All die es wollten ſehn; Ihnen war viel Liebes geſchehn. Lachen und Weinen 20 Konnt ihr Mund vereinen: 5 . Von Freude kam der Thränenguß. Da ſpra< zu Gawan Artus: : „Nefffe, gieb mir no< Bericht: Die ſhöne Fünfte kenn ih nicht.“ 25 Da verſegzte Gawan le kurtois : „Die Herzogin iſts von Logrois; In ihren Gnaden bin ih hie. Heimgeſucht habt ihr ſie: Was dabei ſi< zugetragen, Wollt davon uns Kunde ſagen. 673 Der Wittwe ſchaden ziemt' euh nicht.“ ; „Deiner Muhme Sohn,“ gab er Bericht, aGaherjeten fing fie dort Und Garel,, der immerfort 5 Sich kühn bewährt im Streite. Mir ward von der Seite | Der Unerſchro>ene genommen. | Unſrer Haufen einer war gekommen Im Lauf bis dicht vor ihr Thor ; 10 Hei! wie ſ<lug fi< ſ<hön davor Der werthe Meljanz von Li! Ein weißes Banner führten ſie, Die uns den Kühnen abgefangen : Als Wappenzeichen ſah man prangen 16 Darauf ein blutendes Herz | Als zu>t’ es im Todesſhmerz, / | Von einem ſhwarzen Sper durchbohrt. Lirivoin war ihr Loſungswort, Die unter dieſem Banner ritten, 20 Und der Stadt den Sieg erſtritten. Auch meinen Reffen Jofreit 0
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Fingen ſie: das iſt mir leid. | Geſtern war die Nachhut mein: | Da widerfuhr mir ſolche Pein.“ | | 25 Der König klagte Ungewinn; Lächelnd ſprach die Herzogin : nHerr, es bringt eu< keine Schmach; Ich griff niht an an jenem Tag: Der Schaden, den ihr mir gethan, | Ich hatte keine Schuld daran. 674 Vergütet nun, was ihr mir nahmt, Da ihr mi< heimzuſuchen kamt. Dem ihr zu Hülfe kommt geritten, Als der hat mit mir geſtritten, 5 Da ward i< wehrlos erkannt, Vei der bloßen Seite angerannt. Wenn er no< weitern Kampf begehrt, Wir kämpfen ihn wohl ohne Schwert.“ Zu Artus ſpra< da Gawan : | 10 „Sollen wir dieſen Plan Noch mehr mit Rittern füllen ? Es fteht in unſerm Willen: Die euern läßt wohl ledig ziehn - Mir ‘zu lieb die Herzogin | 15 Und befiehlt, daß ihre Ritter her Bringen manchen neuen Sper.“ Artus ſprah: „Das rath ih, ja.“ Nah den Werthen ſandte da Die Fürſtin Boten in ihr Land. 20 Schönere Verſammlung fand Selten wohl auf Erden Statt. Da Gawan nun um Urlaub bat Zu ſeiner Herberg einzukehren , Der König muſt es ihm gewähren. | 2 Tie mit ihm gekommen waren | Sah man alle mit ihm fahren. Seiner Herberge Zelt j Fanden fie ſo wohl beſtellt, Daß es köſtlih war und hehr Und von aller Armut leer. 675 Zu den Herbergen eilen Sah man da Manchen, dem ſein Weilen | Schon zum Verdruß geweſen. Herr Kei war nun geneſen | E
6 Von jener Tjoſt am Plimizol. Er ſah Gawanens Aufzug wohl Und ſprach: „Artuſens Schwager Lot Schuf uns ſelten ſolche Noth Gleicher Pracht und eignen Ringes.“ 10 Dazu verdroß ihn no< des Dinges, Daß ihn Herr Gawan nicht gerochen, Als ſein re<ter Arm ihm war zerbrochen. „Gott mit den Leuten Wunder thut: Wer gab Gawan die Frauenbrut?“ | 15 Spra Herr Kei in ſeinem Eifer; | Dem Freund miſsgünſtig war ſein Geifer. Der Freunde Glü> ma<ht Edle froh; Zeter \hreit und Mordio Der Ungetreue, wenn er ſieht, 20 Daß ſeinem Freunde wohl geſchieht. | Gawan war glü>li< und geehrt; Wenn noch Einer mehr begehrt, Wo will der mit Gedanken hin? Darob iſ} ihm nur kranker Sinn 26 Des Haßes und des Neides voll. Den Tugendhaften thut es wohl, Wenn bei dem Freunde Preis verweilt Und Schande flühlig von ihm eilt. Dà Gawan ohne Falſ< und Haß Mannlicher Treue nie vergaß, 676 So geſchieht Unbilde nicht daran, Daß er nun Heil und Glü> gewann. Wie der von Norwegen Seines Volks mit Speiſe konnte pflegen 5 Die Ritter und die Frauen? | Da mochten Reichtum ſchauen | Artus und ſein Geſinde Von König Lotens Kinde. | Mun laßt ſie ſhlafen nah dem Mal, ' 10 Jhre Ruhe bringt uns keine Qual. Vor Sonnenaufgang kam geritten Volk mit wehrlihen Sitten, Orgeluſens Ritterſchar. Ihrer Helmzierden wahr 15 Bei des Mondes Scheinen Nahm Artus mit den Seinen, Denn fie zogen zwiſchen her, Wo jenſeits Gawan und ſein Heer.
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In weitem Zeltberinge lag. |
20 Wer folhe Hülf entbieten mag Mit ſeiner ma<htvollen Hand, Dem wird billig Ehre zuerkannt. Seinen Marſchall bat Gawan: Wei! ihnen Raum zur Herberg an.
25 Doch rieth der Fürſtin Marſchall, Daß von Logrois die Ritter all Eigne Zeltberinge zierten. | Eh ſie die all logierten . | War es {hon ho< am Morgen. Nun nahen neue Sorgen.
677 Seine Boten ſandte Artus der Auserkannte Gen Roſchſabins in die Stadt. Den König Gramoflanz er bat : 5 Da er nicht anders wolle
Als daß der Kampf geſchehen ſolle „Zwiſchen ihm und meinem Neffen, So mög er den im Kamyfe treffen. Bittet ihn alsbald zu kommen,
10 Denn er hat ſi< vorgenommen, Daß ers niht vermeiden will. Einem andern Manne wärs zu viel.“ Die Boten fuhren hindann. Floranden nahm da Gawan
15 Und Liſchois an ſeine Seite, Daß ſie ihm aus Näh und Weite Kund die Ritter thaten, Die als Minneſoldaten Der Herzogin um hohen Sold
20 Waren dienſtbereit und hold. Dann ritt er und empfing ſie ſo, Daß fie alle ſprachen froh, Fürwahr, der werthe Gawan Wär ein höfiſcher Mann. |
25 Von ihnen kehrt! er wieder heim Und that das Weitere geheim. Zu ſeinem Zeltgemach er {li<, In volle Rüſtung ſezt? er \ih, | Den Helm aufs Haupt gebunden, | Daß er äh, ob ſeine Wunden 678 So vollkommen heil nun ſein, ? Daß ihm keine Schramme {<üfe Pein. Zu üben dacht er ſeinen Leib, Da do< Alle, Mann und Weib, 6 Seinen Kampf ſollten ſehn, y Daß die Kenner möchten ſpähn | Ob ſeiner ‘unverzagten Hand | Der Preis heut würde zuerkannt. | Einen Knappen hatt er ſhon gebeten, 10 Daß er ihm brächte Gringuljeten. | Den ließ er galloppieren, | Denn er wollte ſi< movieren, ¡ Daß Er wär und das Roſs bereit. | Nie ward mir’ ſeine Fahrt ſo leid. 15 Alleine ritt mein Herr Gawan Fern von dem Heer auf den Plan. | Mag das Glü> ſein walten! | Einen Ritter ſah er halten | Wo ſi des Sabins Fluten wälzen, 20 Ihn, den wir wohl hießen Felſen Aller mannlichen Kraft. | Er Wetterſturm der Ritterſchaft , Dem Falſchheit nie: im Herzen lag! Er war in ſeiner Kraft ſo ſ<hwah, 25 Was man da nennt Verzagen, Das konnt er nimmer tragen Weder halben Zoll no< Spanne. Von demſelben werthen Manne Habt ihr wohl früher ſhon vernommen: Die Mär if an den Stamm gekommen.
Gramoflanz
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679 Wenn von dem werthen Gawan Eine Tjoſt hier wehrlih wird gethan, , So bangt ih wahrli< nimmermehr Für ihn bei einem Kampf ſo ſehr.
5 Zwar geht mir auh der Andre nah, Doch keine Sorge hab ih da: Der war Einem Mann ein Heer. Aus3 der Heidenſchaft fern über Meer
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War ſeines Helmes Schmu> gebracht. 10 Röther als Rubinenpracht War Jhm das Kleid und ſeiner Mähre. Auf Abenteuer ritt der Hehre; Sein Schild war ganz durhſtochen. Auqh hatt er ſich gebrochen 15 Von dem Baum, den Gramoflanz Hegte, einen lichten Kranz: Das Reis erkannte wohl Gawan. Er ſorgte, Schande würd ihm nahn, Wollte hier der König mit ihm ſtreiten. 20 Säh er ihn ſi< entgegen reiten, So müſt auh hier der Kampf geſchehn, Sollt ihn der Frauen Keine ſehn. Ihre Roſſe beideſamt Sind von Monſalväſh entſtammt | 25 Die ſi hier mit Schnaufen | In der Tjoſt entgegenlaufen, Wie der Ritter Sporn ſie mahnt. Grüner Klee, nicht ſtaubger Sand, | Stand thauig wo ſi< hub ihr Streit. Mir wäre Beider Schade leid. | 680 Sie ritten ihren Anlauf recht: | Aus tjoſtierendem Geſchle<ht | Gezeugt ſind beide und geboren. Wenig gewonnen, viel verloren E | 5 Hat wer hier den Preis erringt; | Nur Klag iſis, was der Sieg ihm bringt. Nah befreundet ſind die Helden ; | Von keiner Scharte wär zu melden, | Die ihre Treue je empfing. y 10 Nun höret wie die Tjoſt erging: | Hurtiglih und denno<h ſo, Des Erfolgs war Keiner froh. y Nahe Sippe, traute Brüderſchaft War da mit ſcharfen Haßes Kraft 15 Im Kampf zuſammen gekommen. Von Wem der Preis auh wird genommen, Seine Freud iſ drum der Sorge Pfand. Die Tjoſte brate beider Hand, Daß die Freunde, die Geſellen 20 Einander muſten fällen Mit Roſs und Zeug zur Erde. Beid erwarben ſie Beſchwerde. Jett die Schwerter ſchnell gezü>t y
Und der Schilde Rand zerſtüt! | | 25 Grünes Gras und Schildes Scherben | Sah man vermiſcht den Boden färben | Seit ſie da kämpften beide.
Sie harrten deſſen, der ſie ſcheide
Zu lang ; ſie hattens früh begonnen:
Sie zu ſcheiden wollte Niemand kommen. 681 Niemand war noch da als ſie.
Wollt ihr nun vernehmen, wie
Da fie im Kampfe ſtanden
Artuſens Boten fanden
5 Gramoflanzen und ſein Heer?
Auf einem Plan wars bei dem Meer:
Diesſeits floß der Sabins,
Jenſeits der Poinzaklins,
Die hier fi< beid ins Meer ergoßen.
10 Die vierte Seite ward geſhloßen Von des Landes Hauptſtadt,
Die Roſchſabins den Namen hat. Sie ſtand mit Mauern und mit Graben Und manchem Thurme hoch erhaben.
15 Sein Heer die Voten lagern ſahn Wohl Meilenlang auf dieſem Plan Und wohl in halber Meilen Breite. Auch ſahn ſie ſih entgegen reiten Manchen Ritter unbekannt,
20 Bogenſchützen, Knappen allerhand, Deren jeder Lanz und Harniſh trug. Hinter Dieſen ſ{loß den Zug Unter mangherlei Panieren Manche Rotte von Soldieren.
25 Bei der Poſaunen lautem Krachen Begann das Heer fih aufzumachen : Man ſah es ſi bereiten Gen Joflanz zu reiten.
Hört die Frauenzäume klingeln! Den König Gramoflanz umzingeln 682 Edle Fraun in weitem Kreiß. | Wokfern ih zu erzählen weiß, So meld i< wer auf grünem Gras Sich ‘hier die Herberge maß. “6 Wer dem König war zu Hülf gekommen, 5 | Habt ihr das no< niht vernommen, / Wohlan, ſo mach i<s jezt eu< kund. | Aus der waßerfeſten Stadt zu Punt
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Bratt ihm der werthe Oheim ſein, y
10 Der König Brandelidelein,
Sechshundert klare Frauen.
Auch mochte Jede ſhauen
Jhren Ritter, der erſchienen
War ihr um Minneſold zu dienen.
15 Die kühnen Punturteiſe
Waren gern bei dieſer Reiſe. Da war auh, glaubt ihr mirs, Der klare Bernaut de Riviers; Sein reicher Vater Narant 20 Hinterließ ihm Uerland. Er führt' in Schiffen über Meer Ein ſo klares Frauenheer, Daß man viel von ihrer Schönheit ſprach; Ihnen ſagte Niemand Andres nah. |
26 Deren wurden zweihundert Noch als Maägdelein bewundert, - Zweihundert hatten ſhon den Mann.
Wenn is re<t ermeßen kann, Bernaut Fils dü Comt Narant, Fünfhundert Ritter auserkannt 683 Zählt! er in ſeinen Scharen, | Nicht gewohnt den Feind zu ſparen. | So wollte König Gramoflanz Im Kampfe rächen ſeinen Kranz, 5 Und hier den Preis erbeuten Vor ſo viel werthen Leuten. Seines Landes Fürſten waren Dort mit kühner Ritter Scharen Und mit Frauen wohlgethan; 10 Man ſah da manchen ſtolzen Mann. Da nun Artuſens Boten nahn, Hbrt, wie ſie den König ſahn: Ein hohes Polſter von Palmat Zum Sig er ſi< erkoren hat,
15 Geſteppt mit breitem Seidentuch. Jungfrauen ſchön und klar genug ! Schuhten Eiſenkolzen Dem König an, dem ſtolzen. | Ein köſtli<h Pfellel hoh zu loben *
20 Jn Ecidemonis gewoben Hoch über ihn ſih breit und lang Vor der Sonne ſchattend ſhwang,
An zwölf Schäfte genommen.
| Als die Boten vor ihn kommen, 256 Zu dem, der aller Hochfahrt Hort Trägt, beginnen ſie ſofort: * „Herr , uns hat hieher geſandt Artus, der wie eu< wohl bekannt , Oft den Preis von hinnen trug; Er hat au< Würdigkeit genug. 684 Die wollt ihr jet ihm kränken. | Wie mögt ihrs nur erdenken, |, Daß ihr ſeiner Schweſter Kind j Ernſten Kampf zu bicten finnt? 5 Hätt eu< der werthe Gawan ' Größer Herzeleid gethan, So ſollt ihm do< zu Statten kommen, Daß ihn geſellig aufgenommen Hat die werthe Tafelrunde 10 Und er ein Stolz iſt dieſem Bunde.“ nDen Kampf, den ih ihm zugeſagt ,“ Sprach der König, „kämpf i< unverzagt Noch dieſen Tag, mag nun Gawan Schmahl oder Preis davon empfahn. 15 Wohl hab ichs für gewiſs vernommen, Artus ſei mit Gefolg gekommen Und ſein Weib, die Königin; „ Die ſei willkommen immerhin. Ob nun wider mih zum Zorne 20 Die arge Herzogin ihn ſporne, So hab i< Volk mir beizuſtehn. Mein Entſchluß bleibt dóh beſtehn, Daß ih dem Kampf mich ſtellen will. Ich habe Ritter wohl ſo viel, 25 Jh brauche niht Gewalt zu ſheun. Die mir von Einem mbge dräun, Die Noth will ih erleiden. Sollt i< das nun vermeiden Wes ih mi<h wider ihn vermaß, Ich wär im Minnedienſt zu laß. 685 In deren Gnad ih mein Leben, All meine Freude hab ergeben, | Gott weiß, was der ihr \huldig ift. | Jh verſhmähte bis auf dieſe Friſt | 5 Kampf wider Einen Mann; | Doh da der werthe Gawan | So viel gethan ſie zu befrein, So kämpf ih wider Jhn allein.
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Hier beugt fi< meine Mannheit , 10 Denn ih fo<t no< nie ſo leihten Streit. Gefochten hab ih, darf ih ſagen, Jhr mögt eu< wenn ihr wollt befragen, Mit Helden, die es meiner Hand Bezeugten, daß fie kühn beſtand. 15 Mit Einem kämpft ih no< mit Nichten; Auch will ih gern darauf verzichten, Daß mich Frauen loben, ſieg ih heut. Es3 hat im Herzen mich gefreut, | Daß fie erledigt ward der Banden, | 20 Für die heut Gawan wird beſtanden. | Artus, der König weit erkannt, | Des Gebot in fernem Land Ehrerbietig wird vernommen, Vielleicht if fie mit ihm gekommen, 25 Der ih bis an meinen Tod Dienen will in Freud und Noth, | Möcht ihr nur mein Dienſt genligen. y Wie konnt es ih mir beßer fügen, Wenn mir das Heil ſoll geſchehn, Daß fie meinen Kampf geruht zu ſehn.“ 686 Benen {huf der Kampf niht Harm (Die ſaß hier an des Königs Arm): Da fie des Königs Mannheit Oft bewährt geſehn im Streit, 5 So fochten Sorgen fie niht an. Doch wüſte fie, daß Gawan Ihrer Herrin Bruder wäre, Und der es war, der mit dem Heere ¡ Wider den König kam gezogen, 10 Um die Freude wär auh ſie betrogen. Ein Ringlein brachte ſie dahin, | Das Jtonjé, die Königin, Jhm als Minnezeichen zugeſandt , Und jüngſt ihr Bruder auserkannt 15 Geholt hatt über den Sabins. Bene war den Poinzaklins j In einem Kahn herabgeſ<hwommen. Dieſe Märe ließ fie niht verkommen: „Meine Frau mit Frauenſcharen 20 Jf von Schatelmerveil gefahren.“ y Sie mahnt? ihn mehr von Jtonjê An Lieb und Treue als wohl je Einem Mann ein Kind entbot,
Und daß er dähhte ihrer Noth, 25 Da ſie jeglihem Gewinne Vorzöge ſeine Minne. Das mat den König wohlgemuth, Obwohl er Gawan Unrecht thut. | Entgält ih ſo der Schweſter mein, Lieber wollt i< ohne Schweſter ſein. 687 Man bracht ihm Waffenſhmu>: der war | So herlih und ſo koſtbar, ” Wen je die Minne ſo bezwang, | Daß nah der Frauen Lohn er rang, 5 Gahmuret oder Galoes, Oder der König Kilikrates, Den ſah man nimmer für ein Weib | So köftlih ſhmüden ſeinen Leib. ” Von Jpopotitikon 10 Oder aus der weiten Akraton, | Oder von Kalidomente, Oder Agatirſiente 5 Ward nimmer beßrer Stoff gebracht Als ihm verwandt war zu der Tracht. | 16 Da küſst’ er jenes Ringelein, Das IJtonjs , die Köngin rein, Als Minnezeichen ihm geſandt. | Jhrer Treue Kraft war ihm bekannt: Hätt er ein Unglü> zu befahren, 20 Jhrer Minne Schild würd ihn bewahren. Gewappnet ſtand nun Gramoflanz: Jungfrauen zwölf, ein ſhöner Kranz, | Sah man auf edeln Roſſen ragen. Jhnen war es aufgetragen, 25 Der blühenden Genoßenſchaft : Jegliche hatt an einen Schaft Den theuern Baldachin genommen, Unter dem der König wollte kommen. Sqhattend trugen fie hindann Jhn über dem beherzten Mann. 688 Von hohem Wuchs zwei Mägdelein | (Sie trugen dort den \hönſten Schein), Ritten in des Königs Hut. Den Boten ſchien Verzug nicht gut; | 5 Zu Artus fuhren ſie hindann | Und trafen auf der Heimfahrt an | | Gawanen, der da focht den Streit. | Das war den Knappen wunderleid :
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Sie ſchrieen laut um ſeine Noth 10 Wie ihnen Treue das gebot. | Dahin gekommen wars beinah, Daß den Sieg erfohten da Hätte Gawans Kampfgenoß. N Seine Obmacht war ſo groß, 15 Daß Gawan vor ſeinen Streichen, Der werthe Degen, wollte weihen, Als klagend ſeinen Namen nannten Die Knappen, da fie ihn erkannten. Der zum Streit erft war mit ihm bereit, 20 Vermied da wider ihn den Streit. Fern aus der Hand warf er das Schwert: aUnſelig bin i< und entehrt ,“ Sprach mit Weinen der Gaſt, | „Allem Glüd>e ganz verhaßt , 25 Daß meine ſhuldige Hand Jemaîs ſolchen Streit beſtand. Zu große Shmach muß ih erleben , Ih will mich ſelber ſchuldig geben; Mein Unheil riß mi< wieder fort Und ſchied mich von des Heiles Hort. 689 Mein altes Wappen iſ dieß Leid, Das oft und aber fih erneut. e Daß mit dem werthen Gawan Ich ſolhen Kampf allhier begann! 5 Mein eignes Glü> hab ih beſtritten, Von mir ſelber Niederlag erlitten. Mir waren Heil und Glü> entronnen, Da ich dieſen Kampf begonnen.“ Gawan die Klage hört und ſah, 10 Zu ſeinem Gegner ſprach er da: „O ſagt mir, Herr, wie heißet ihr ? Jhr redet gnädiglih von mir. Was ſprachet ihr niht fo zuvor ] Eh ih no< meine Kraft verlor: , | 15 So wär niht all mein Preis zerronnen; | Jhr habt den Preis allhier gewonnen. Gern möht ih euern Namen wißen: Wär ih zu ſuchen dann beflißen Meinen Preis, ſo wüſt ih wo. 20 Eh mich mein guter Stern noch floh, Erlag ih niemals Einem Mann.“ „Mein Name ſei dir kundgethan
Freundli<h nun und allemal: Jh bin dein Vetter Parzival.“ 25 „Recht,“ ſpra<h Gawan , „ſo werden grade ¡ Kurzſihtger Thorheit krumme Pfade. | Zwei treuer Herzen Einfalt That fih haßend hier Gewalt. Uns beide überwand dein Streit: Das ſei dir für uns beide leid. 690 Dich ſelber haſt du überwunden, | Wird Treue noh bei dir gefunden.“ | Da dieſe Rede war gethan, Vor Ohnmacht konnte Herr Gawan 5 Auf ſeinen Füßen niht mehr ſtehn: Man ſah ihn ſhwankend, ſhwindelnd gehn. Ihm war das Haupt betäubt von Streichen, Aufs Gras hin ſank er mit Erbleichen. Artuſens Junker eilte hin 10 Sein Haupt in ſeinen Schooß zu ziehn. y Da band den Helm das ſüße Kind | Ihm ab und wehte kühlen Wind Mit dem Pfauenhut , dem weißen , Ihm ins Geſicht. Des Kinds Befleißen 15 Ließ die Kraft ihm wiederkehren. Da nahte ſi von beiden Heeren Des Volkes viel. Denn dort und hier | War abgeſte>t das Kampfrevier | Und wurden Schranken eingeſtoßen 20 Mit Bäumen, ſpiegelglatten, großen. y Gramoflanz beſtritt die Koſten Für den Kampſplayg und die Pfoſten. Der Bäume waren hundert , Um lichten Glanz bewundert: | 25 Dazwiſchen durfte niemand kommen. Sie ſtanden, ſo hab i<s vernommen, | Von einander vierzig Rennen, In Farben, die da glänzend brennen , | Funfzig auf jeder Seite; | Dazwiſchen Raum zum Streite. 691 Das Heer ſoll draußen Frieden haben Als ſchiedens Maur und tiefe Graben: So gelobten ſih es an Gramoflanz und Gawan. 56 Zu dem unverheißnen Streit | Kam großes Volk zu gleicher Zeit
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Aus beiden Heeren, daß es \ähe, | Wie der verheißene geſchähe. Wunder nahm fie, wer Da ſtriite 10 Mit ſo ſtreitbarer Sitte, Und wie der Streit wär angefacht. | Seine Kämpfer hatte doh gebracht | Zu dieſem Kampfe keins der Heere; Drum dauchte ſeltſam ſie die Märe. 16 Als der Kampf war gethan Auf. dem blumigen Plan, | Da kam der König Gramoflanz Und wollte rächen ſeinen Kranz. Er vernahm, hier ſei ein Kampf geſchehn, 20 So heftig, daß man nie geſehn Schärfern Streit mit Schwerten. Die fi dieſen Kampf gewährten, Die waren ohne Schuld daran. Gramoflanz von ſeinem Bann - 26 Ritt zu den Stxeitmlüden hin Und beklagte herzli<h ihre Mühn. Aufgeſtanden iſt Gawan é Obgleih er kaum ſih regen kann. Nun ſtehn hier dieſe Zwene. Da war au< Fräulein Bene 692 Mit dem König in den Kreiß geritten, : Wo dieſer Kampf ward geſtritten. Da ſie ſah, wie der die Kraft verloren , Den fie vor aller Welt erkoren 6 Zu ihrer höhſten Freudenkrone , Mit des Herzens Jammertone Sie von dem Pferde ſchreiend ſprang: Mit den Armen fie ihn feſt umſhlang Und ſprach: „Verflucht ſei deſſen Hand, 10 Der dieſes Leid eu< hat geſandt Und euerm ſ{önen Leibe klar. Verfluht der Welt! Das ift wahr, Ihr ſchienet ſtäts der Mannheit Spiegel.“ Sie ſeyt? ihn auf den Raſenhügel; 15 Mit Weinen ward er lang beklagt. Aug ſtreichelt’ ihm die ſüße Magd Aus den Augen Blut und Schweiß. Noh war ihm in dem Harniſch heiß. j Gramoflanz der König ſprach: 20 „Mir if leid, Gawan, dein Ungemah, Simro>, Parzival und Titurel.
; Da J es dir nicht angethan. : | Willſt du morgen wieder auf den Plan | Mir zum Kampf entgegen reiten, | So will ih gerne mit dir ſtreiten. 25 Jh beſtünde lieber jezt ein Weib j Als deinen kraftloſen Leib. | Wie erwürb ih an dir Preis Bevor ih di bei Kräften weiß? e | Ruh dieſe Nacht: das iſt dir Noth h Eh du vertritiſt den König Lot.“ 693 Der ſtarke Parzival no< trug Von Shwäh und Müde keinen Zug; Auch war er ohne Wunden. Er ſiand des Helms entbunden, 6 Da ihn der werthe König ſah; Zu dem begann er höfiſh da: @ „Herr, was mein Vetter Gawan Euch zu Leide hat gethan, Nehmet mi dafür zum Pfand. 10 Wehrli noh iſt meine Hand. Euern Zorn auf Jhn zu kehren , Das will i< eu< mit Schwertern wehren.“ Da pra der Wirth von Roſchſabins: nHerr „. er zahlt mir Morgen Zins 15 Und vergilt mir alſo meinen Kranz, Daß dèr ergrünt in friſhem Glanz; Wo niht, ſo muß es ihm gelingen Mig auf der Schande Bahn zu bringen. Ihr mögt wohl anders ſein ein Held; 20 Hier ſeid ihr niht zum Kampf beſtellt.“ Im Zorn ſpra<h Benes ſüßer Mund: „Pfui, ihr ungetreuer Hund! Euer Herz hat Der befreit, Dem euer Herz trägt Haß und Neid! 26 Der ihr eu< minnend habt ergeben, Die dankt ihm Freiheit, dankt ihm Leben. So habt ihr ſelbſt den Sieg verſhworen , An Minne jedes Recht verloren; Und trugt ihr jemals Minne, So wars aus falſhem Sinne.“ E [694 Als Gramoflanz fie zornig ſah, | Beiſeite zog er Benen da Und bat fie: „Freundin, zürnet nicht: Dieſen Kampf gebeut mir Pflicht. 17
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6 Verbleib hier bei dem Herren dein; Jtonjen ſag, der Schweſter ſein, Ich ſei und bleib ihr Dienſtmann Und woll ihr dienen wo ih kann.“ Da Benen dieſe Kunde kam, 10 Und ſie's aus Seinem Mund vernahm, Ihrer Herrin Bruder wär Gawan, Der da ſolle kämpfen auf dem Plan, Da zog des Jammers Ruder In ihr Herz wohl ein Fuder | 15 Der herzlichen Schmerzen, h Da Treu ihr wohnt' im Herzen. | Sie ſprah: „Fahr hin, verfluhter Mann, Der Lieb und Treue nie gewann.“ | Hin ritt der König mit den Seinen. | 20 Artuſens Junker, die kleinen, Fingen beider Kämpfer Pferde Noch müde von des Kampfs Beſchwerde. | Parzival mit Gawanen | Und Benen, der wohlgethanen , 25 Ritten heim zu Artus Heer. Parzival mit kühner Wehr Den Preis errungen hatt er ſo, Seiner Ankunft war man froh. Von allen die ihn ſahen kommen, Ward ſeines Lobes viel vernommen. : 695 J<h ſag euh mehr noh wenn ih kann. Hier ſprachen von dem Einen Mann | In beiden Heeren alle Weiſen: | Jeglicher begann zu preiſen | 5 Seine ritterlihe That. ] „Der hier den Preis gewonnen hat, Es war, geſtehn wirs, Parzival.“ ‘Er war doh auch ſo ſ{ön zumal, Wie nie ein Ritter wohlgethan ; 10 Das geſtand ihm Weib und Mann, Da er mit Gawan trat ins Zelt. Eins verſäumte nicht der Held: Er bat ihn, ſi< umzukleiden. i Da brachte man dieſen beiden 15 Gleiches köſtlihes Gewand. Da ward es überall bekannt , = Parzival wär angekommen, Von dem ein Jeder oft vernommen ,
Daß er hohen Preis errungen : 20 Die Alten ſagtens und die Jungen. Gawan ſprah: „Willſt du hauen
Vier auch dir verwandte Frauen,
| Und andre Frauen klar und ſchön,
y So will ih gerne mit dir gehn.“
25 Da verſegte Gachmuretens Kind: „Wenn hier werthe Frauen find, Mit Mir beſchwere du ſie niht,
| Da Jede ungern mit mir ſpricht,
| Die an des Plimizöls Geſtad : Meine Läſterung vernommen hat.
696 Gott mög ihrer Ehre pflegen: Allen Fraun erfleh ih Heil und Segen; Doch ſchäm ih mic in ihrer Nähe So ſehr, daß ih fie ungern ſähe."
5 „Es muß doch ſein,“ ſpra< Gawan.
Da ließ er Parzival empfahn Der vier Königinnen Ehrenkuſs. Wohl {ufs der Herzogin Verdruß, Daß ſie Den küſſen ſollte,
10 Der von ihrem Kuſs nichts wißen wollte, Da ſie Hand und Land ihm bot (Darüber {uf nun Scham ihr Noth), Al8 er vor Logrois geſtritten Und ſie ihm weit war nahgeritten.
15 Parzival der Degen klar,
Wie befangen erſt er war, Als ein Wort das andre gab Ließ davon allmählih ab; Die Scham aus ſeinem Herzen floh, | 20 Er wurde wieder frei und froh. Herr Gawan mit Wohlbedacht Gebot bei ſeines Willens Macht | Frau Benen, daß ihr ſüßer Mund ' Es niht Jtonjen machte kund, 25 „Daß der König Gramoflanz | So mi<h haßt um ſeinen Kranz, | Und daß wir morgen neuen Streit | Kämpfen zu des Kampfes Zeit: Meiner Schweſter ſollſt du das nicht ſagen; Und laß mit Weinen ab und Klagen.“ 697 Sie ſprah: „Ih habe Grund zu weinen | Und zu klagen, ſollt ih meinen,
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Denn Wer auh morgen unterliegt, | Meiner Frau wird Unheil zugefügt:
6 Jhr Glü> iſt jeden Falls erſchlagen; | Meine Frau und mi< muß i< wohl klagen. Was hilfts, daß Jhr ihr Bruder ſeid ?
Mit ihrem Herzen kämpft ihr Streit.“ Das ganze Heer war heimgekehrt.
10 Gawan und ſeinen Freunden werth War bereit das Mittagsmal. Da ſollte mein Herr Parzival Mit der Herzogin eßen : Gawan durft es niht vergeßen,
15 Er befahl den Degen ihr. „Befehlen,“ ſprach er, „wollt ihr mir Ihn, der der Frauen ſpotten kann ? | Wie ſollt ih pflegen dieſen Mann ? ] Doeh dien ih ihm weil ihrs gebietet,
20 Ob er den Dienſt mit Spott vergütet.“ Gahmurets Sohn ſpra< zu ihr: „Frau, ‘wie Unrecht thut ihr mir! Mir wohnt wohl ſo viel Weisheit bei, Die Frauen laß ih Spottes frei.“ |
25 Eßens3 gab man da genug: Mit großer Zucht mans vor fie trug. Mit Freuden aß Magd, Weib und Mann. Doch JItonje ſah es Benen an, | Sie konnt in ihren Augen leſen, | Daß fie von Weinen feucht geweſen.
698 Da ward fie au< vor Jammer bleich,
Alle Speiſe mied fie gleich. Sie dachte: „Wie kommt Bene her? | Sandi? ih fie niht zu Jenem, der |
5 Dort mein Herz gefangen trägt
Und mich ſo unſanft hier bewegt? Was hab ih wider ihn verbrochen? Hat fih der König losgeſprochen Meines Dienſtes, meiner Minne?
10 Mit mannlih ſireitbarem Sinne | Mag er an mir niht mehr erwerben Als daß i< Arme muß erfterben In ſehnſüchtiger Klage,
Die ih ſhon lang im Herzen trage."
15 Da das Mal ward aufgehoben War ſchon der mitte Tag verſtoben.
Da ritt Artus der König hehr - Und ſein Gemahl Frau Ginover, Mit den Rittern all und Frauen , 20 Hin, wo der Degen war zu ſchauen j Unter werther Frauen Zahl. Da ward empfangen Parzival : Von viel Frauen wohlgethan Muſt er Gruß und Kuſs empfahn. 26 Viel Ehre bot ihm Artus dort Und dankt! ihm au< mit holdem Wort, Daß ſeine hohe Würdigkeit | Die Welt erkenne weit und breit, | Und er den Preis vor Jedermann Zu Lohne billig ſollt empfahn. 699 Zu Artus ſpra< der Waleis da: nHerr , als ih zuleyt eu< ſah, ; Ward mir die Ehre ſchwer verlegt: | So viel Preis hab i< zu Pfand geſetzt, | 6 Sthier wär ih ganz darum gekommen. Nun hab ih, Herr, von eu< vernommen, Wenn ihr die volle Wahrheit ſprecht , Jh habe no< am Preis ein Recht. | Ob ich das zweifelnd lerne, | 10 So glaubt’ ih doh euch gerne, | Wollt es auch glauben jener Orden, Aus dem ich dort verſtoßen worden.“ Die Ritter all geſtanden, Weit hab er in den Landen | 15 Den Preis mit ſol<hem Preis erworben, Daß ſein Preis wär unverdorben.. Die Ritter auh der Herzogin Kamen allzumal dahin, : Wo Parzival bei Artus ſaß. 20 Der werthe König nict vergaß, Er empfing ſie in des Wirthes Kreiſe. . Artus, der höfiſhe und weiſe, Wie weit au< war Gawans Gezelt, Er ſezte fih davor aufs Feld. 25 Sie ſaßen all im Kreiß umher, | Verſammelt ward ein buntes Heer. Y Wer dieſer oder jener wäre, y Wohl gäb es eine lange Märe, | Sollt ih fie namentli< erwähnen, | Die Chriſten und die Sarazenen. | 700 Wie hießen die in Klinſchors Heer?
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ALZA a a tA Wie jene, die ſo wohl zur Wehr So oft von Logrois ſind geritten, Wenn ſie für Orgeluſe ſtritten ? 5 Wer waren, die mit Artus kamen ? Der euh Aller Land, Geſhle<t und Namen Nennen ſollte, wie die hießen , Den müſte keiner Müh verdrießen. Doch ſie geſtanden in83gemein,
10 Der Preis ſei Parzivals allein:
Der ſei ſo klar und {<ön zu ſchauen, Daß ihn wohl minnen dürften Frauen, Und daß ihm keine Tugend fehle,
Die man zu hohem Preiſe zähle.
15 Da erhob ſi< Gacmuretens Kind Und ſprah: „Ihr Alle, die hier ſind, Helft mir jezt zu einer Ehre,
Die i< ungern entbehre. Mich vertrieb ein ſeltſam Wunder
20 Aus der Schar der Tafelrunder.
Ihr verhießt mir einſ Genoßenſchaft: Helft mir mit vereinter Kraft Nun dazu.“ Gern gewährte - Artus ihm was er begehrte. 26 Mit Wenigen beiſeite trat er; Eine zweite Gunſt erbat er: e Daß Herr Gawan ihm den Streit Ließe, den zur Kampfe3zeit Er am Morgen ſollte kämpfen. Ih möchte gern den Stolz ihm dämpfen, 701 Der fi nennt Roi Gramoflanz. Heute Morgen einen Kranz Brach ih mir von ſeinem Baum, Daß er zum Streit mir gäbe Raum. 56 Zum Streit nur kam ih in ſein Land, Zu ſtreiten wider ſeine Hand. Dein, Freund, hatt ih mi nit verſehn ; Auch if mir nie ſo leid geſchehn: Jch meinte, daß es Jener wäre, 10 Der mir Kampf mit ſi< gewähre. Nun laß mi, Freund, ihn noh befſtehn. Soll er den Sieger jemals ſehn, Ich hoff ihm Schaden zuzufügen, Der ihm billig mag genügen. 15 Mir iſ mein Recht zurü>gegeben, Ich darf nun geſellig leben,
Y: ait tE ei a | Lieber Vetter, mit dir. | Gedenke, Blutsfreund bift du mir, | Und überlaß mir den Streit: | 20 Jh will da zeigen Mannheit.“ | Da ſpra< Gawan der Degen hehr: ¡ «Vettern, Brüder hab ih mehr | Beim König von Bretagne hier; | Doch ihrer Keinem noh dir | 25 Geſtatt ih, daß er für mich fete. | Ich vertraue meinem Rechte, Das Glü> werd alſo walten, Daß der Sieg mir bleib erhalten. Gott lohne dir den guten Willen, Doch muß i ſelbſt die Pflicht erfüllen.“ [702 Als Artus hörte was man ſprach, Ihr Geſpräch er unterbrah | Und nahm mit ihnen Plag im Kreiſe. Gawans Schenke höfſher Weiſe | 6 Schi>te Junker viel umher, . | Die Becher trugen goldenſhwer , Beſegt mit edelm Geſtein. Der Schenke diente nicht allein. Da das Schenken war geſchehn, 10 Das Volk brach auf, zur Ruh zu gehn. Mählich ſank herab die Nacht. Parzival mit Vorbedacht Sah ſein Rüſtgeräthe nah. | Wo ein Riemen ihm gebrah, 15 Das ließ er glei beſorgen, | Daß es fertig wär am Morgen; | Aug einen neuen Schild gewinnen, | Da ſeinen außen und innen | Zerſchlagen hatten Feinde8waffen. | 20 Man muſt ihm einen ſtarken ſchaffen. | Den bra<hten aus fremdem Land | Söldner, die ihm unbekannt ; Etliche darunter Franzen. | Das Roſs, darauf zum Spiel der Lanzen | 25 Er einſ ſi< ſah den Templer nahn, | Ein Knappe nahm fih deſſen an, | Daß es ſ<mu> wär und bereit. | Nun war es Nacht und Shlafenszeit. Schlafen ging auh Parzival ; ! Sein Rüſtgeräth lag vor ihm all. ! 7
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703 €Es kränfi’ au< König Gramoflanz, | Daß ein andrer Mann für ſeinen Kranz | Denſelben Tag gefochten. | Die Seinigen vermochten
5 Nicht zu beſhwichtigen ſein Trauern. Er konnt es nie genug bedauern, Daß er zu ſpät kam auf den Plan. Was der Held da begann? Der oft {on Preis erjagte, 10 Hier war er, als es tagte, Gewappnet ſamt dem Roſs zu ſchaun. Ob wohl überreihe Fraun Zu ſeiner Rüſtung gaben Steuer ? Sie war auch ſo ſhon rei< und theuer. 15 Er ſ{<müd>te fich für eine Magd: Der zu dienen war er unverzagt. So ritt er auf die Wart allein. / Dem König {ufs niht wenig Pein, Daß der werthe Gawan 20 Nit al3bald kam auf den Plan. Nun hatte fi< au< verhohlen Parzival hinaus geſtohlen. Der Held von einem Banner nahm Einen ſtarken Sper von Agram; 26 Augh hatt er volle Rüſtung an. So ritt er ganz allein hindann Zu den Bäumen ſpiegelhelle , Der erwähnten Kampfe3ſtelle. Der König, ſah er, hielt* ſhon dort. Eh der Eine noh ein Wort 704 Zu dem Andern geſprochen, Hatte Jeder ſhon geſtochen Den Andern dur< den Silde8rand, Daß die Stü>e von der Hand 5 Wirbelten in der Luft Revieren. Sie waren beid im Tioſtieren Stark, und in anderm Streite. | Auf des Angers Weite | * Ward der Morgenthau zerführt , | 10 Die Helme unſanft oft berührt i Mit ſcharfgewezter Schneide. Ohne Zagen ſtritten beide. : Zertreten ward die grüne Au, An manqher Statt verwiſht der Thau. | E =]
15 Auch reuen mi die Blumen roth, Roh mehr die Helden, die da Noth Litten ohne Zagheit.
Wem wär das lieb und nict leid, | Dem fie niemals weh gethan? | 20 Nun mate fich au< Herr Gawan | Bereit zu ſeines Kampfes Sorgen. Es währte bis zum mitten Morgen | Eh man erfuhr die Märe | Daß verſchwunden wäre 25 Parzival der kühne. Betrieb er dort die Sühne ? So ſtelli’ er wahrlih fi< niht an, | Denn er ſtritt wie ein Mann | Mit Dem, der au< wohl ſtreiten mag. : Nun war es hoh {hon am Tag. ‘705 Indes ein Biſchof Meſſe ſang | Gawmanen, gab es großen Drang | Von Rittern und von Frauen, Y | Die man zu Roſſe ſchauen 6 Mote vor Artuſens Zelt Während man die Meſſe hält. Artus ſelbſt im Shmu> der Waffen Stand bei den ſingenden Pfaffen. | Da man den Segen hatt empfahn, | 10 Wappnete fih Herr Gawan; | Man ſah zuvor den Stolzen Schon tragen Eiſenkolzen An wohlgeſhaffnen Beinen. Da ſah man Frauen weinen.
15 Das Heer zog aus übcrall Hin, wo fie hörten Schwerterſchall Und Funken ſahn aus Helmen ſpringen Und Schwerter kräftiglih erſhwingen.
| König Gramoflanz verſ<mähte Streit | 20 Mit Einem Manne lange Zeit; f Doch daucht es ihn niht anders nun, | Mit Sechſen hätt ers hier zu thun. Es war do Parzival allein, | Deſſen Kampf ihm {uf die Pein. 25 Ihn lehrte Der Beſcheidenheit, | Die noh empfiehlt in dieſer Zeit. | Er fühlte künftig kein Gelüften | Mit der Rede fih zu brüſten,
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Als bôt er zweien Mannen Kampf; Der Eine bracht ihn ſhon in Dampf. 706 Die Heere ſtanden links und rehts Vor den Schranken des Gefechts Auf dem grünen Anger breit Und ſahn der beiden Kämpfer Streit. 5 Die Roſſe ſeitwärts ſtanden Den kühnen Weiganden, Während in der Mitten Zu Fuß die Helden ſtritten Einen Kampf, der lange währte. | 10 Hoch aus der Hand die Schwerte | Warfen oft die beiden: | Sie wechſelten die Schneiden. So empfing der König Gramoflanz Sauern Zins für ſeinen Kranz. 15 Doh hati es auch bei ihm nicht gut Ï Seiner Freundin nahverwandtes Blut. Parzival entgalt im Streit Itonjs, der ſhönen Maid, Die ihm zu Gute müſte kommen, E 20 Wär nicht dem Recht ſein Re<ht benommen. Mit Hieb auf Hieb befleißten Um Preis ſi die Gepreiſten: Der Eine für des Freundes Noth; Der Andre folgte dem Gebot 25 Der Minne als ihr Unterthan. Da kam auh mein Herr Gawan, Als es ſchier dazu gekommen, Daß den Sieg dahin genommen Der ſtolze kühne Waleis. Brandelidelein von Punturteis 707 Und Bernaut de Riviers Und Affinamus de Klitiers, Näher zu dem Kampf herbei Ritten barhaupt dieſe drei. 6 Artus und Gawan Ritten jenſeits heran Zu den kampfmüden Zwein. Dieſe fünfe kamen überein , Sie wollten ſcheiden dieſen Streit. 10 Steiden3 daucht es hohe Zeit i Gramoflanzen, denn ſein Mund | That den Sieg des Helden kund, |
Den er zu ſ{<wa< war zu beſtehn ; | Das muſten Andre auch geſtehn. 15 Spöttiſh ſpra< Herr Gawan nun: | „I< will eu< heut, Herr König, thun | Wie ihr mir geſtern habt gethan, | Da ihr mir Ruße riethet an. | Nun ruhet heut: das iſt eu< Noth. | 20 Der euch dieſen Kampf gebot, | Der hätt euh jezt zu ſhwa<h erkannt, Kampf zu bieten meiner Hand: Ich beſtünd eu< wohl allein; Ihr fechtet freili<h nur mit Zwein. 25 Allein wag ih es morgen; Für den Au8gang mag Gott ſorgen.“ Zu den Seinen ritt der König fort: Doch erft verpfändet? er ſein Wort, Daß er am Morgen mit Gawan | Zu ſtreiten käme auf den Plan. © 708 Zu Parzival ſpra< Artus da: 1Nefffe, wenn es gleich geſchah, Daß du dir den Kampf erbateſt, Mit dem du gern den Freund vertrateſt,, 6 So hatt es Gawan doch verſagt: Du haft es laut genug beklagt. Nun haſt du doh den Kampf geſtritten Für ihn, der ſi< nict ließ erbitten, Ob es uns leid war oder lieb. 10 Du ſ<li<ſ\ di< von un3 wie ein Dieb: Wir hätten ſon wohl deine Hand Von dieſem Zweikampf abgewandt. Nun zürne dir Herr Gawan niht, Wieviel man dir zum Lob auch ſpricht.“ 15 Da ſpra< Gawan: „Mir ift niht leid Meines Vetters hohe Würdigkeit. Morgen kommt mir noch zu früh Dieſes Kampfes Sorg und Müh. Erließe Jener mir den Strauß, 20 Das legt? i< ihm für Tugend aus3. Das Heer ritt ſharweis von dem Plan. Man ſah da Frauen wohlgethan, | Und ſo manchen Mann im Eiſenkleid, ¡ Kein Heer gewann wohl nach der Zeit | 25 Von Waffenſhmu> ſol<h Wunder. Alle die Tafelrunder
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Und das Jngeſind der Herzogin, | Von ihren Wappenrö>en ſchien | Seidenſtoff von Cinidonte | Und Pfellel von Pelpionte. | 709 Licht ſind die Ueberde>en. Parzival den Ke>en Prieſen beide Heere ſo, Seine Freunde hörtens froh. y 5 Man ſprach in Gramoflanzens Heer, Geſtritten habe nimmermehr | Wohl ein Ritter noh ſo kühn, Den je die Sonne überſchien; Was auf beiden Seiten auh geſchehn, j 10 Jhm ſei der Preis zuzugeſtehn. Doh noch erkennen ſie ihn nicht, Dem jeder Mund zum Lobe ſpricht. Gramoflanzens Ritter riethen Jhm, Artuſen zu entbicten, 15 Der König möchte ſorgen, Daß kein Andrer morgen Käme, wider ihn zu fechten; Daß er ihm ſendete den rechten: König Lotens Sohn, Gawanen 20 Woll er zum Zweikampf mahnen. Als Voten ſandte man geſhwinde Zwei kluge, höfiſche Kinde. Der König ſprah: „Nun ſollt ihr \ſpähn, Wem ihr den Preis wollt zugeſtehn 25 Von all den klaren Frauen. Auch ſollt ihr ſie beſchauen, Die ihr ſcht bei Benen figen. Gebt Acht darauf mit Wiyen, Wie ſih geberden wird die Maid, Mit Freuden oder Traurigkeit : 710 Erforſcht mir heimlih all ihr Weſen. Ihr mögts in ihren Augen leſen Ob Kummer um den Freund ſie preſst. Seht auh daß ihrs nicht vergeßt, | 5 Benen gebt, der Freundin mein, j Dieſen Brief und dieſes Ringelein. Die weiß, an Wen das weiter ſoll. | Beſtellt es klug, ſo thut ihr wohl.“ Nun war es drüben ſo gekommen, 10 Jtonjê hatte jezt rernommen, Daß ihr Bruder und der licbſte Mann,
Den je ein Mädchenherz gewann, Miteinander kämpfen ſollten, Und das mit Nichten laßen wollten. 15 Da überwand ihr Leid die Scham. Wen nun freut des Mägdleins Gram, | Das Niemand was zu Leide that, | Der thut es wider meinen Rath. | Mutter und Großmutter beide, " 20 In ein kleines Zelt von Seide Führten ſie das Mägdelein. Da verwieſ Arniv ihr dieſe Pein, | Sie ſchalt ſie um die Miſſethat. | Da blieb ihr auch kein andrer Rath, 25 Sie geſtand hier offenbar f Was ihnen lang verborgen war. ' Da ſpra< das Mägdlein aus3erkannt: „Soll mir nun meines Bruders Hand | Des Liebſten Herz zerſchneiden, Das möcht er lieber meiden.“ | 711 Da ſprach zu einem Junkerlein | Arnive: „Sag dem Sohne mein, | Daß er eilends kommen ſolle, | Allein, weil ih ihn ſprechen wolle.“ 65 Der führte bald Artuſen hin. | Arnive dacht in ihrem Sinn, : Wenn er Alles von ihr höre, | Vielleicht, daß er dem Kampfe wchre, | Um den ſo bittres Herzeweh | 10 Trug die \ſhöne Jtonjè. | Nun kamen Gramoflanzens Kinde | An bei Artus Heergeſinde: Sie ſtiegen nieder auf dem Feld. Vor dem kleinen Seidenzelt 15 Der Eine Benen ſigen ſah. Jhr Geſpiel begann zu Artus da: „Iſt das der Herzogin zur Luſt, Wenn mein Bruder mir des Freundes Bruſt Durchbohrt auf ihren loſen Rath? 20 Das ſchien? ihr killig Miſſethat. Was hat der König ihm gethan? Das ren er meinthalb ihm nicht an. Jſſt mein Bruder ret bei Sinnen (Er weiß, wie wir uns beide minnen, 25 Ohne Trübe klar und lauter),
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So gereut ihn ſelb mein Trauter. Soll mir ſeine Hand erwerben Nach des Königs Tod ein bittres Sterben,“ Sprach zu Artus die ſüße Magd, Das ſei euh, edler Herr, geklagt. 712 Bedenkt, daß Ihr mein Oheim ſeid, Und ſcheidet treulih dieſen Streit.“ 7 Da ſpra< aus weiſem Munde Artus zur ſelben Stunde: y 6 „O weh, geliebte Nichte mein, ; Daß du ſo früh der Minne Pein y Empfandſt! das muſt du bitter büßen. Deiner Schweſter Sürdamur der Süßen Gab Tod der Griechen Kaiſer. 10 Süße Magd ſei weiſer! Dieſen Kampf wohl mö<t ih ſcheiden, Wüſt iſt das von euch beiden, | Daß eure Herzen einig find. | Gramoflanz, Jrotens Kind, | 15 Iſt ſo mannlih von Sitten, | Dieſer Kampf wird geſtritten, | Hemmt ihn deine Minne niht. Sah er dein holdes Angeſicht “Bei Freunden nie zu einer Stund, 20 Und deinen ſüßen rothen Mund?" | Da ſprah ſie: „Das if nie geſchehn: | Wir minnen uns noh ohne Sehn: Doch hat er mir als Liebeszeichen, | Daß er niht wanken will no< weichen, | 26 Manes Kleinod zugeſandt. Er empfing au< von Meiner Hand Was zum Minnetroſt gehört Und Minnezweifel wohl zerſidrt: Mir if des Königs Herz beſtändig, In Falſchheit nie abwendig.“ 713 Da erkannte Fräulein Bene, Jene Knappen, die zwene, Kbnig Gramoflanzens3 Kinde, Geſandt zu Artus Heergeſinde. : 5 Sie ſprah: „Hier ſollte Niemand ſtehn; Erlaubt , das Volk nur heiß ih gehn Hinweg aus unſern Schnüren. Hört man euh hier vollführen Solchen Jammer um eur Traut , |
10 Die Märe würde leicht zu baut. Bene ward hinau8geſandt.
Da {ob ein Kind in ihre Hand Den Brief mit dem Ringelein. Sie hatten au< die hohe Pein
15 Jhrer Herrin wohl vernommen,
Und ſprachen, ſie ſein hergekommen ,
Daß Artus fie ſprechen ſollte:
Ob fie das fügen wollte?
Sie ſpra<: „Bleibt aus dem Kreiße 20 Vis ih euh kommen heiße.“
Von Benen ward, der ſüßen Magd,
Den dreien im Gezelt geſagt,
Gramoflanzens Boten wären dort
Und fragten, an welchem Ort
26 König Artus ſi befände?
„Wohl dünkt mi, daß es übel ſtände, Hörten ſie was wir hier ſprechen.
| Wofür ſollt i< mi< wohl rächen
| An meiner Frau, ließ! ih ſie ſehn
| Wie ihr die Thränen niedergehn ?“
714 Artus \pra<: „Sind es die Knaben, Die ih mir hinterdrein ſah traben? Es find zwei Kinde hoher Art, Vor aller Miſſethat bewahrt,
5 Und ſo höfiſh, daß wir ohne Schaden Sie wohl zu dieſem Rathe laden. Jedweder hat ſo kluge Sinne,
Daß er von ſeines Herren Minne Zu Jtonjê bei Niemand ſpricht.“ 10 Bene ſprah: „Das weiß ih niht. Herr , mag3 mit Euern Hulden ſein, Der König hat dieß Ringelein Dahergeſandt und dieſen Brief. Da ih vor das Zelt nun lief, 15 Gab ihn eins der Kinde mir. Herrin, ſeht, den nehmet ihr.“ Wohl ward der Brief geküſst mit Luſt: Jtonjéê drüdt' ihn an die Bruſt. Da ſpra<h ſie: „Herr, hieraus erſeht 20 Ob der König mi<h um Minne fleht.“ Den Brief nahm Artus in die Hand, y Darin er denn geſchrieben fand | Von dem, der Minne hegte,
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Was in den Mund ſich legte
25 Gramoflanz der treue Mann. Artus ſah dem Brief wohl an, Daß fie der König minne Mit ſo minniglihem Sinne Wie er es ſelten no< vernommen. | Da ſtand was mag zur Minne frommen: |
715 „Ich grüße der i< ſhulde Gruß,
Jhren Gruß mit Dienſt erwerben muß. Fräulein, ih meine di, Da du mit Troſt willft tröſten mich.
5 Unſre Lieb ift niht zu ſcheiden: | Sieh da die Wurzel meiner Freuden ! Kein Troſt ift, der dem Troſte gleicht , y Daß ſih dein Herz zu meinem neigt. Du biſt der Schlüßel meiner Treue ;
10 Nun flieht mi Kummer, flieht mih Reue. Deine Minne giebt mir Hülf und Rath, Daß keiner unlautern That | Gedanke wird an mir geſehn.
Zu deiner Güte will ih flehn
15 So ftät und ſo unwandelbar
. Wie der Polarſtern immerdar Y Nach dem Südpol ſi< dreht ; Und nimmer von der Stelle geht: | So ſtät ſoll unſre Minne ſtehn |
20 Und nimmer außZeinander gehn | Run bedenke, ſüße Magd,
Den Kummer, den ih dir geklagt , Und ſei zu helfen nimmer laß. Hegt mir Jemand ſolchen Haß,
25 Daß er dih von mir will ſcheiden, So bedenke, daß uns beiden Einſt no< Minne Lohn gewähre.
5 Thus allen Fraun zur Ehre, Und laß mi<h ſein dein Dienſtmann : Ich will dir dienen wo ih kann.“ 716 Artus \prah: „Jh weiß genug: Der König grüßt di<h ohne Trug. ' So viel thut dieſer Brief mir kund, Daß ih ſo wunderbaren Fund
5 Jn Minneſachen ſelten fand.
Nun ſorge, daß ihm wird gewandt Sein Ungemath: Er wendets dir. Ueberlaßt das Beide mir:
Dieſen Kampf will ih verhindern; 10 Das mag derweil den Schmerz dir lindern. Doch warſt du niht gefangen? Sprich, wie i} das ergangen, Daß ihr euh beide wurdet hold? y Gieb ihm deiner Minne Sold 15 Bis ihn ſein Dienſt vergelten mag.“ | *Itonjs, Artus Nichte, ſprach: y „Sie iſt hier die das betrieben ; | Wir hielten heimlich unſer Lieben. Wollt Ihr, ſie fügts, daß ih ihn ſchaue, 20 Dem ic mein ganzes Herz vertraue.“ Artus ſprach: „Die zeige mir. Kann ich, ſo füg ihs Jhm und Dir, Daß es nach euerm Willen geht | Und ihr am Ziel der Wünſche ſteht.“ 25 Jtonjs ſprah: „Es iſ Bene. Auch ſind hier ſeiner Knappen zwene : Wollt ihr eu< dafür verwenden, | (Mein Leben ſteht in euern Händen), y Daß der König zu uns kommt, , Der mir allein zur Freude frommt ?“ 717 Artus der weiſe höfſhe Mann Traf vor dem Zelt die Knappen an. Er grüßte fie, als er ſie ſah. „Herr, ſprach Eins der Kinde da, 5 „Euch bittet Gramoflanz, zu walten, Daß das Gelübde wird gehalten, Das der König hat gethan Euerm Neffen Gawan: Das wird euch ſelber ehren. 10 Er erſuht euh, vorzukehren, | Daß kein andrer mit ihm fete mehr. | Allzugroß iſt euer Heer: E | Sollt er mit allen fechten, Zuwider wärs den Rechten. 15 Stellt ihm keinen als Gawanen: Den ſollt ihr zu dem Zweikampf mahnen.“ | Der König zu den Kindern | Spra: „Das will ih hindern. | Meinem Neffen war es {merzli< leid, | 20 Daß er niht ſelber kam zum Streit. Den man euern Herren ſah bekriegen , | Dem iſ es angeſtammt, zu ſiegen:
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Er iſt Gahmuretens Kind. | Die hier in dreien Heeren ſind | 26 Von allen Seiten hergekommen, | Die haben Alle nie vernommen | Kühnern Kampf von einem Helden: | Von ſeiner That i Preis zu melden. | Es ift mein Neffe Parzival: Jhr ſeht den Kühnen wohl einmal. 718 Schon um Gawanens Willen Werd ih des Königs Wunſch erfüllen.“ Artus und Bene Und die Knappen , die zwene, 6 Ritten dur< das Heergeſinde. Da nahmen wahr die Kinde Viel der herlichen Frauen. Auch mohten ſie da ſchauen Viel S<hmu> auf Helmen blinken. 10 Sollt es zu theuer dünken Den reihen Mann, in Bildern Seine Freundſchaft abzuſchildern ? Von den Pferden kamen ſie niht mehr; Artus ließ im ganzen Heer 15 Die Knappen all die Beſten ſehn: Da moqhten fie nah Wunſch erſpähn Ritter, Frauen und Maide, Manch {hönes Weib im ſ{hmud>en Kleide. Das Heer beſtand aus dreien Stüden , 20 Dazwiſchen zwei Lücken. Auf den Plan weit von dem Heer Mit den Kinden ritt der König hehr. Da ſpra<h er: „Bene, ſüße Magd, Du hbrteſt was mir hat geklagt 25 Jtonje, meiner Schweſter Kind: Sie weint ſi< ſchier die Augen blind. Wohl glauben dürfen fie es mir Meine kleinen Geſellen hier: Itonjêèn hat Gramoflanz | Stier verlöſht den lihten Glanz. | 719 Nun helfet mir, ihr zwene, Und du auh, Freundin Bene, | Daß der König zu uns reite Bevor er morgen ſtreite. 6 Meinen Neffen Gawan Werd ih ihm bringen auf den Plan. | Kommt der Kbnig heute her,
Das frommt ihm morgen wohl zur Wehr. Hier giebt ihm einen Schild die Minne
10 Seinem Kampfgenoß gum Ungewinne: Jh meine, hohen Liebesmuth,
Der oft dem Feinde Schaden thut. Er ſoll die Fürſten mit fi< bringen : Zu ſühnen mag mir hier gelingen
15 Jhn und die ſ{höne Herzogin.
| Das beſtellt mit klugem Sinn,
j Ihr Lieben: es ehrt euh ſehr.
| Klagen muß ih eu< no< mehr:
Was hab Jh unſelger Mann 20 Dem König Gramoflanz gethan, Daß er wider mein Geſchle<ht (Vielleicht bedenkt er es niht re<t) Mit Minne und mit Haß gebahrt? Ein jeder König meiner Art
25 Sollte mein billig ſhonen. e Will ers ‘ihrem Bruder lohnen Mit Haß, daß er die Schweſter minnt ? Sein Herz, wenn er ſi< re<t beſinnt, Muß ihm von Minne wanken,
Nährt es ſolcherlei Gedanken.“
720 Der Kinde Eins zum König ſprach: „Herr , was Eu< zum Ungemah Gereicht, davon ſoll meiner laßen:
Es will fi< wenig für ihn paſſen.
56 Doch kennt ihr wohl den alten Groll: Drum dünkt mi, daß er bleiben ſoll, Und heute nicht herüber ziehn.
Noch zürnt die Herzogin auf ihn, Sie hat ihm ihre Huld verſagt,
10 Jhn bei man<hem Mann verklagt.“ „Mit wenig Leuten komm er doch,“ Sprach Artus. „J<h ſtift ihm heute noh Sühne für den alten Zorn Bei der Fürſtin wohlgeborn ;
15 Und {af ihm gut Geleit zuvor: Meiner Schweſter Sohn Beaukorps Harre ſein auf halbem Wege.
Fährt er ſo in meine Pflege, Darin darf er keine S<hmach erbli>en :
20 Ich will ihm werthe Leute ſhi>en.“
| Mit Urlaub fuhren fie hindann; Allein blieb Artus auf dem Plan.
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Bene mit den Junkerlein Ritt zu Roſchſabins hinein 26 Und zu dem Heer, das draußen lag. Noh erlebte niemals liebern Tag « Gramoflanz, da ihm bekannt Die Botſchaft ward. Sein Herz geſtand, Selig müß es dieſe Stunde | Preiſen, da ihm kam die Kunde. 721 Er ſprach, er wollte gerne kommen. Geſellſchaft hatt er bald genommen: Seiner Landesfürſten drei Geſellte fi der König bei. | 5 Sein Oheim wollt au< mit ihm ſein, Der König Brandelidelein, Ferner Bernaut de Riviers Und Affinamus de Klitier3. Der Sechſe Jeder nahm ſi< weiter 10 Einen ſhi>lichen Begleiter , Daß auf zwölfe ſtieg die Zahl. Viel Junker wurden au< zumal, Und mancher Knecht, der Waffen trug, Auzs8erkoren zu dem Zug. 16 Wie die Herrn gekleidet ſein? In Pfellel, die viel lihten Schein Von des Goldes Schwere gaben. | Des Königs Falkner ſah man traben Mit ihm zu der Vogeljagd. | 20 Nun hatt es Artus wohl bedacht: Beaukorps den ſ{<önen Degen Sandt er halbweg3 entgegen | Dem König zum Geleite. Durch des Gefildes Breite | 25 Sah er ſi< Bäume reihn und Sträuhe, | - Obs am Bach war oder Teiche: | Da ritt der König beizend her, Doch um der Minne willen mehr. Nun empfing ihn Beaukorps da, Daß ihm Freude dran geſchah. | 722 Mit Beaukorps als Geſinde Kamen mehr als funfzig Kinde; y Ihr Geſchleht gab lichten Schein, Herzogen meiſt und Gräfelein, 5 Auch Königsſöhne drunter. Der Empfang ward munter
| Von den Kinden beiderſeits begangen: | Man ſah fie freundlih fi umfangen. y Ein ſ<höner Jüngling war Beaukorps. | 10 Da befrug der König fl< zuvor: Bene ſagt’ ihm Märe, Wer der klare Ritter wäre. „Beaukorps iſt es, Lotens Sohn." : Da datt er: „Herz, du findeſt ſhon 15 Auth Sie, die gleihen muß dem Degen, | Der ſo minnigli< mir kommt entgegen. Traun, ſie iſt ſeine Schweſter, Die den Hut von Sinzeſter | Mir mit dem Sperber hat geſchi>t. 20 Wenn mir Ihr Auge freundlich bli>t, Alle irdſhe Herlichkeit,, | Und wär die Erde zwier ſo breit , J<h nähme Sie dafür wohl an. | Sie ſei mir treulih zugethan. 25 Auf Jhre Gnade komm ih her; | Getröftet hat fie mih ſo ſehr, E I< getraue, daß fie an mir thut y Was mir noch hbher hebt den Muth.“ Ihren klaren Bruders Hand nahm ſeine; | Die fand man auch in lihtem Stheine. 723 Unterdeſſen hatt im Heer Artus mit dem König hehr Au3geſöhnt die Herzogin. Ihr war erſeyender Gewinn 6 Gefommen jetzt für Cidegaſt, y Um den ſie Jenen lang gehaßt. Jhr Zürnen war verdorben : Die bei Gawan erworben Manqeh zärtlihes Umfangen, - 10 Jhr war der Zorn vergangen. Nun nahm Artus, der Britte, Die klaren Frauen edler Sitte, So Mägdelein als Frauen, Die da wonniglih zu ſchauen. 15 Zu einem Zelte bracht er hundert Der ſchönſten, die man meiſt bewundert. i Liebres konnte nihts geſchehn, | Da ſie den König ſollte ſehn, Itonjèên, die auh da ſaß. | 20 Jhre Freude kannte kaum ein Maß:
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Doch zeigte ihrer Augen Schein, Daß fie die Minne lehrte Pein. Schöner Ritter ſah man auh genug; Der werthe Parzival do< trug | 25 Den Preis davon vor allem Glanz. | Vor die Schnüre ritt da Gramoflanz: | In Gampfaſſaſh gewoben | War ſein Ro> und wohl zu loben: Er war auc rei< dur<wirkt mit Gold Und weit den Schimmer warf er hold. 724 Ab ſaß er mit dem Heergefinde. Kbnig Gramoflanzens Kinde Sprangen zahlrei< ihm voraus Und eilten in das luftge Haus. 5 Die Kämmrer ohne Säumen Ließen weite Straße räumen Vor der Britten Königin. Sein Oheim Brandelidelin Schritt vor dem Könige daher: 10 Mit Kuſs empfing ihn Ginover; Auch den König ſelbſt empfing ihr Kuſs. | Bernaut und Affinamus Sollten au< den Kuſs empfahn. 5 Zu Gramoflanz hub Artus an: | 15 „Eh ihr einen Stuhl gewinnt, Scauet, ob ihr Eine minnt Dieſer Fraun: die mögt ihr küſſen: Wir gönnen euch, die Luſt zu büßen.“ Ihm verrieth wo ſeine Freundin ſaß 20 Der Brief, den er im Felde las: Jhren Bruder hatt er dort geſehn, | Die ihm, nun darf ſie's frei geſtehn, Geheim verliehn der Minne Glü>. Da erkannte Gramoflanzens Bli> 25 Die Schône, die ihm Minne trug, Da freute \ſi< ſein Herz genug. Artus hatt es eingeräumt, Daß fie einander ungeſäumt Durften ohne Haß empfangen: Jtonjen küſst' er Mund und Wangen. 725 Der König Brandelidelin | Sezte ſich zur Königin. | Aug ſaß der König Gramoflanz |
Det Der, die oft den lihten Glanz 5 Getrübt ſi< hat mit Thränen, Da fie zwang der Liebe Sehnen. Will er dieß nicht an ihr rächen, So muß er freundli< zu ihr \prehen Und ihr Dienſt für Minne bieten. 10 Wie ihr des Herzens Sinne riethen , Dankte fie ihm für ſein Kommen. Sonſt ward ihr Sprechen niht vernommen; Sie ſahn einander gerne. Wenn ich einſ reden lerne, 15 So meld i< was ſie ſprachen da, Jedes Nein und jedes Ja. Artus zu Brandelidelein Begann: „Jhr habt der Frauen mein Schönes nun genug geſagt.“ 20 Darauf dem Degen unverzagt Winkt’ er in ein kleines Zelt, Kurzen Weg übers Feld. Gramoflanz blieb ſtille | Siyzen (das war Artus Wille) 26 Mit allen den Geſellen ſein. | Da gaben Frauen klaren Schein, ' Was wohl die Ritter niht verdroß. ¡ Jhre Kurzweil war ſo groß, Wohl litte fie ein Mann noch heute, Der fi<h na< Sorgen gerne freute. | 726 Der Senke vor die Köngin trug | Das Trinken. Tranken fie genug, | So wars den Rittern und den Frauen | Wohl am Roth der Wangen anzuſchauen. 56 Zu trinken trug man auch hinein Zu Artus und Brandelidelein. Da der Schenke wieder ging Herr Artus an zu reden fing: „Herr König, ſeht, es hätte ſhon 10 Der König, eurer Schweſter Sohn, Meiner Schweſter Sohn erſchlagen : | Wollt er alsdann no< Minne tragen Meiner Nichte, jener Magd, Die ihm dort ihr Leid noch klagt, 15 Wo wir fie ließen minnen — Wär Sie bei klugen Sinnen, : Sie würd ihm nimmer wieder hold,
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Und gäb mit Haß ihm ſolchen Sold, Daß es den König wohl verdröße,
20 Wenn er gern noh ihrer Huld gendße. Wo Haß die Liebe unterbricht , Wird treuer Herzen Wunſch zuniht.“
Der König ſpra<h von Punturtois
Zu Artus dem Bretanois :
26 „Herr, fie find unſre Neffen, Die im Kampf ſi< wollen treffen : Drum laßen Wir ihn nicht geſchehn. Nichts Andres mag daraus entſtehn | Als daß fie zwei ſi< minnen . Mit Herzen und mit Sinnen.
727 Itonje, eure Nichte, ſoll
Meinem Neffen dräun mit ihrem Groll, Daß er dem Kampf entſage, Wenn er Minne zu ihr trage. i
6 So wird fürwahr der Kampf vermieden,
: Der Streit geſhlichtet ſein im Frieden; Nur ſorgt , daß von der Herzogin e Meinem Neffen ſei verziehn.“ Artus ſprach: „Das thu ih ſhon. 10 Gawan, meiner Schweſter Sohn, Hat wohl ſo viel Gewalt bei ihr, Daß fie Jhm zu Lieb und Mir | Dem König ſeine Schuld verzeiht. Verſühnt ihr andrerſeits den Streit.“ 15 „Ich thus,“ ſpra<h Brandglidelein. Sie traten beide wieder ein. Sich ſegte Der von Punturtois | Zu Ginover; die war kurtois. | Dork ſaß Parzival bei ihr:
20 Der trug no< ſolher Schönheit Zier, Daß kein Auge ſhönern Mann noch ſah. Von hinnen hob ſi< Artus da Zu ſeinem Neffen Gawan.
Dem war zu wißen ſhon gethan,
25 Roi Gramoflanz wär angekommen.
Artus , wurde jezt vernommen,
Halte draußen vor dem Zelt :
Ihm entgegen ſprang er auf das Feld. Die beiden brahtens nun dahin,
Daß Sühne gab die Herzogin;
| 728 Doh anders nicht, als wenn Gawan, Ihr Freund und vielgeliebter Mann, Dem Kampf entſage Ihx zu Ehren: So wolle Sühne fie gewähren; 6 Und wenn der König ſeiner Klage, Der angemaßten , ganz entſage, Wider ihren Shwäher Lot: Das war es was ſie ihm entbot. Dieſe Märe bracht ihm dann 10 Artus, der weiſe höfſ<he Mann. Da muſte Kbnig Gramoſlanz Wohl verſchmerzen ſeinen Kranz. Sein alter Haß auch gegen | König Lot von Norwegen - 15 Der zerging wie in der Sonne Schnee ; Um die klare Jtonjs ; Lauterlih ohn allen Haß. | Das geſchah, indem er bei ihr ſaß: Er bewilligte was Sie ihn bat. 20 Nun ſeht , wie dort Herr Gawan naht Mit herlichen Leuten. Jh könnt euh niht bedeuten Wie fie all genannt ſind, und von wannen. Da muſte Liebe Leid verbannen. 26 Orgeluſe die fiere Und ihre kühnen Soldiere, Dazu au Klinſchors Degen (Nicht alle find zugegen), i Sah man mit Gawanen kommen. Artufens Zelte ward genommen 729 Der Lufthelm von dem Hute. | Arniv auh kam, die gute, Sangiv und Kondriè zum Sihluß: Gebeten hatte fie Artus 6 Bei dieſer Sühne zu ſein. Wen Solches unwerth dünkt und klein, Der größe, was er meint von Werthe. Jofreit , Gawanens Gefährte, Führte die ſchöne Herzogin 10 An ſeiner Hand zum Zelte hin. Doch ſah man fie di e Zucht beginnen: Dieſe drei Königinnen Ließ ſie vor ſih gehn hinein. Die küſste Brandelidelein;
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15 Seinen Kuſs auh Orgeluſ empfing. | Des Sühnekuſſes willen ging Ihr au< Grgmoflanz entgegen, | Wo ihr ſüßer rother Mund den Degen | Zum Pfande der Verſöhnung küſste, | 20 Wie ſehr au< Weinens fie gelüſte. | Sie dacht an Cidegaſtens Tod. Da zwang zu weibliher Noth Sie die Trauer um den Degen gut; Daran erkennt getreuen Muth. 25 Zwiſchen Gawan und Gramoflanz Machi? auch ein Kuſs die Sühne ganz. Artus gab Jtonjô Gramoflanzen dann zur Eh; Er hatte lang gedient der Schönen. Da das geſchah, das freute Benen. 730 Den auch die Minne lehrte Pcin, Dem Herzogen von Gowerzein, | Liſchois , ward Kondriè gegeben : Alle Freude fehlte ſeinem Leben 5 Eh er ihre Minn empfand. | Dem Türkowiten Florand Zur Eh Sangiven Artus bot, | Die vermählt einſ war dem Kbnig Lot. Wie der Fürſt ſie gerne nahm! 10 Solcher Gab iſt Minne niemals gram. | Milde war Artus mit Frauen, Gern ließ er ſol<he Gabe ſhauen. | Das geſhah mit Rath und Wohlbedacht. Da dieß Alles war vollbratht , y 15 Da geſtand die Herzogin, Daß Gawan mit kühnem Sinn Jhre Minne hätt errungen, Ihr Herz, ihr Land bezwungen { Und beider Herr nun wäre. | 20 Nicht wohl gefiel die Märe Y Jhren Söldnern, die der Spere viel Verthan nah ihrer Minne Ziel. | | Gawan, und die da mit ihm ziehn, | Arnive und die Herzogin 26 Und viel der Frauen wohlgethan , Auch Parzival der kühne Mann, Sangive dann und Kondriê
Nahmen Urlaub: Jtonjé Verblieb allein bei Artus dort. Nun ſagt niht, daß an anderm Ort 731 Shbnre Hochzeit je geſchah. In die Pflege nahm Ginover da Itonjen und ihr werth Gemahl, Den König, der ſo man<hesmal 6 Den Preis erlangt im Ritterſpiel, Als Jtonjes Minne war ſein Ziel. y Der Herberg ritt da Mancher zu, Dem hohe Minne nahm die Ruh. | Wie fie zu Naht gegeßen ,* 10 Das darf ih wohl vergeßen : Wer da auf Minne war bedacht, | Der zog dem Tage vor die Nacht. Da erbot der Kbnig Gramoflanz | (Sein Stolz erwünſchte hö<ſten Glanz) 15 Zu Roſchſabins den Seinigen. | Sie ſollten es beſchleunigen, Das Gezelt abbrechen bei dem Meer Und vor Tag no< kommen mit dem Heer; | „Und daß mein Marſchall auf dem Plan 20 Raum nehme, der es faßen kann. Mir ſorgt für hohen Staat mit Fleiß, Jeglichem Fürſten eignen Kreiß.“ Der König ſann auf hohe Pracht. Da die Boten fuhren war es Nacht. 25 Da war auh mancher traurge Mann, Dem hattens Frauen angethan: Wem ſein Dienſt ins Leere ſ{hwindet, Daß er nie Erhbrung findet, Der muß in Sorgen leben Vis ein Weib will Hülfe geben. 732 Da gedachte wieder Parzival An ſein wonnigli< Gemahl, Ihre ſüße Keuſche huf ihm Noth. ‘Ob er niemals Andern Dienſte bot, 5 Und mit unſtätem Sinne , Warb um fremde Minne? Solche Minnen wird von ihm geſpart. / Die Treue hielt ihm ſo bewahrt Sein mannlih Herz und auh den Leib, 10 Daß wahrlih nie ein ander Weib | Seine Minne nahm dahin
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Als allein die Königin Kondwiramur, Der ſ{hönſte Flor der Minneflur.
15 Er gedachte: „Seit ih minnen kann, Wie hat die Minne mir gethan? Aus Minne ward ih doh geboren : | Wie hab i< Minne ſo verloren ? Soll ih nah dem Grale ringen, |
20 So muß mi< immer Sehnſucht zwingen, Daß mich Jhr keuſher Arm umfange, | Von der ih ſchied, es if zu lange! Soll mein Auge Freude ſehn | Und Jammer doh mein Herz dur<wehn,
26 Die Dinge ſehn ſi< wenig gleich. Leider hohen Muthes rei< | Wird Niemand dur< Verzichten. | Mag mich das Glüd> berichten | Was für mich das Beſte ſei.“ Sein Harniſch lag ihm nahe bei. |
733 Er dachte: „Da fi< Mir entzieht | Was allen Glüdlichen blüht, y Jh meine die Minne, - Die manches Traurgen Sinne 5 Fröhli<h mat und freudenrei,
| Da dieß mein Looß, ſo gilt mir gleich | Alles andern Leids Beſchwerde. | Gott will niht, daß mir Freude werde. Die mir zur Minne zwingt die Sinne, | 10 Stünd es ſo um unſre Minne, Daß ſi ein Scheiden ließe denken, Uns je ein Zweifel könnte kränken, 5 Wohl möcht ih andre Minne finden ; Doch Unſrer Minne muß verſhwinden | 15 Andre Minne, fremde Luſt: Drum flieht der Harm nie meine Bruſt. - ' Das Glü> mög Allen Freude geben, Die nah voller Freude ſtreben. Gott ſchenke Freud all dieſen Scharen: 20 I< will aus dieſen Freuden fahren.“ Hin griff er, wo die Rüſtung lag, Der fi allein wohl rüſten mag, : Und wappnete ſi< bald darein. Nun will er ſuchen neue Pein. 25 Da der freudenflühtge Mann Seinen Harniſch angethan, ‘ | Das Roſs allein auch ſattelt' er; Bereit ſhon ſtand ihm Schild und Sper. Am Morgen hörte mans beklagen. | Er ſchied, als es begann zu tagen.
Feirefiss
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734 Es hat der Leute viel verdroßen , Denen dieſe Märe war verſchloßen ; Die konnte Mancher nie erfahren. Nun will ih das nit länger ſparen, 5 Ich thu eu kund die re<hte Sage
Da ih ihn im Munde trage, Den Sélußſtein dieſer Abenteuer, Wie der ſüße Held geheuer Anfortas wieder ward’ geſund.
10 Uns thut die Aventüre kund,
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Wie von Pelrapär die Königin Den keuſchen weiblihen Sinn Behielt bis ihr zum Lohne Ward die höchſte Erdenkrone. 15 Die ſoll ihr Parzival erwerben, Mir müſte denn die Kunſt verderben. Noh ſcharfen Kampfs erſt muß er pflegen: Was er bisher gekämpft, hiegegen Hieß Alles nur mit Kindern ſtreiten. 20 Dürft ih dieſen Kampf beſeiten, Meinen Helden wollt i< ungern wagen; I< würd ihn willig ledig ſagen. Seinem Herzen will ih denn befehlen Sein Glü, ſo kann es ihm nicht fehlen! 25 Da iſt Milde bei Verwogenheit. Niemals zagt’ es ihm im Streit: Da3 mdg ihm Stärke geben, Daß er behält das Leben. Denn nun kommt es an die Zeit, Ihn beſteht ein Fürſt ob allem Streit ‘735 Auf ſeiner unverzagten Reiſe. | Dieſer Höfiſche und Weiſe War ein heidniſher Mann, Der die Taufe nie gewann. 5 Parzival ritt balde Vor einem großen Walde Auf wüſt gelichteten Wegen Einem reihen Gaſt entgegen. Ein Wunder, wenn i< armer Mann 10 Den Reichtum euh vermelden kann, Den der Heid an ſeiner Rüſtung trug. Sag ih davon mehr als genug, Doch muß ih mehr davon erzählen , Will ih das Meiſte nicht verhehlen. 15 Wie großen Zins Artuſens Hand Bretagne zollt und Engelland, Damit bezahlt? er nit die Steine, Die der Held mit lihtem Scheine Auf ſeinem Wappenkleide trug. | 20 Köſtlih war er, ſonder Trug. Rubinen, Chalcedonen Mochte der Bli> gewohnen: Der Wappenro> gab lihten Schein. Im Berge zu Agremontein 25 Hatten ihn Salamander Simro>, Parzival und Titurel.
Gewirkt miteinander Jn des heißen Feuers Brand. Edelſteine bis zum Rand Lagen dunkel drauf und licht: Ihre Art benennen kann ih nicht. 736 Auf Minne ſtand des Helden Sinn Und auf hohen Ruhms Gewinn. | Das Meiſte hatt ihm auh ein Weib Geſchenkt, womit des Heiden Leib | 5 Sich ſo köfilih hat geſhmüdt. Daß ihn der Minne Gunſt beglüdt, | Das lich ihm Kraft und hohen Muth, | Wie fſtäis ſie Minnenden thut. | AuŸh trug er al3 des Preiſes Lohn | 10 Auf dem Helmſ<hmu> ein Ecidemon. Alle giftigen Schlangen | Sieht man vor dem Thierlein bangen: Ihr Leben muß verſiehen Wenn ſie's von Weitem riechen. 15 Thopediſſimonte | Und Aſſigarzionte, | Thasme und Arabia Entbehren Pfellel wie man ſah An ſeines Pferdes Dee. 20 Der ungetaufte Re>e Warb um den Lohn der Frauen, Drum war er ſ{mu> zu ſchauen. Sein hoher Sinn wars, der ihn zwang, Daß er nah edler Minne rang. 26 Der kühne Knabe, den wir trafen, Hatt in einem wilden Hafen o Bei dem Wald geankert auf dem Meere. Er hatte fünfundzwanzig Heere, Keins fann das andere verſtehn: Wie weit muß ſeine Herſchaft gehn! 737 So groß auh iſ der Länder Zahl , Die ihm dienen allzumal ; Mohren, Sarazenen meiſt, . Deren Haut in manchen Farben gleiſst. 56 In ſeinem weitgeſammelten Heer Sah man viel wunderliche Wehr. Allein auf Abenteur hindann Von ſeinem Heer ritt dieſer Mann, Im grünen Wald fi umzuſchaun. 18
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10 Da ſie ſi ſelber ſo vertraun , : Laß ih die Könge reiten, Sich Preis allein erſtreiten. Zwar Parzival ritt niht allein, Denn ihm waren im Verein 15 Er ſelbſſt und auh ſein hoher Muth, Der ſeine Wehr ſo mannlih thut, : Daß es die Frauen müßen loben, Sie wollten freveln denn und toben. [ Hier rennen auf einander blind n
20 Die an Demuth Lämmer find
Und Löwen an Verwegenheit.
O weh, die Erd iſt doh ſo breit, Daß fie ſi< wohl vermeiden mochten, Die hier ohne Feindſchaft fochten.
26 Für meinen Helden muß ih bangen; Doh ift ein Troſt mir aufgegangen: Ihm wird des Grales Kraft wohl nügzen; So ſollt ihn auh die Minne ſchützen: Den beiden war er dienſtergeben Ohne Wank mit dienſtlihem Beſtreben. |
738 Meine Kunſt verleiht mir niht den Sinn, Daß ich dieſen Kampf von Anbeginn Recht zu beſchreiben tauge. Ein Schimmer fiel in Beider Auge, 6b Daß es den Andern kommen ſah.
Wie lieb Jedwedem dran geſchah, Nicht fern iſt do< das Leid fürwahr Den Lautern, aller Trübe bar: Sie hatten Herz und Blut gemein;
10 Sie find ſi< kund, wie fremd fie ſein!
Nun kann ich dieſen Heiden
Von dem Getauften niht mehr ſcheiden; Die Zwei erweiſen ſi< nun Haß. Ihnen Freude neigen ſollte das,
165 Die zu guter Frauen Zahl gehbren, ; Denn ihren Fraun geſhahs zu Ehren, | Daß die Bruſt dem Feind Jedweder bot. | Schied? es das Glü> nur ohne Tod! |
Todt wird der Leu zur Welt gebracht , |
20 Der von des Vaters Ruf erwacht.
So leben die vom Schäftekrachen , Die in der Tjoſt zum Preis erwachen.
Sie können wohl fi< Tjoſt gewähren, e Einen Wald verthun von Speren. 25 Den Zügel kürzend mit Bedacht Rennen ſie und haben Acht, Indem fie tioſtieren, - Das Ziel nicht zu verlieren. Da ward genau gemeßen, Da wurde feſt geſeßen, 739 Alles wohl zur Tjoſt geſchi>t, Die Roſſe mit dem Sporn gezwi>t. Dieſe Tjoſt ward ſo geritten, Daß ſie die Koller ſich verſchnitten 6 Mit ſtarkem Sper, der fich niht bog, Und mancher Splitter aufwärts flog. Der Heide war verdrießlih daß Ihm Jener no< im Sattel ſaß: Ihm war noh Keiner feſtgeſeßen, | 10 Mit dem er ſi< im Kampf gemeßen. | Ob ſie niht Schwerter ſchwenkten, | Als ſie zuſammen ſprengten? | Ja doch, mit Klingen ſcharf und breit. | Ihre Kunſt und Mannheit 16 Mögen ſie erweiſen hier. Ecidemon dem Thier Wurden Wunden viel geſchlagen; Der Helm darunter muſt es klagen. Den Roſſen ward vor Müde heiß: 20 Sie verſuhten manchen neuen Kreiß Bi3 ſie vom Roſs nun ſpringen; Da ſauſten erſt die Klingen. ' Dem Getauften thät der Heide weh. Sein Feldgeſchrei war Tha3me: 26 Und wenn er ausrief Thabronit , | So that er vorwärts einen Schritt. ; Hier zeigt auh wie er wehrhaft if Bei manchem Ausfall der Chriſt, Den ſie auf einander thaten. Man ſah den Kampf ſo gerathen , 740 JI@ kann mirs niht verſagen, Schmerzlih muß ihs beklagen, Daß Ein Fleiſch und Ein Blut Sich ſo viel zu Leide thut, 6 Die man als Geſchwiſter kennt , Lautrer Treue Fundament.
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Dem Heiden gab die Minne Im Kampfe Kraft und “Sinne. Er rang nach Preis um Jhretwillen, 10 Der Königin Sekundillen, Die das Land Tribalibot | Ihm gab: fie war ſein Schild in Noth. | Der Heide nahm an Kräften zu: | Was wollt ihr , daß der Chriſt nun thu? 16 Auf Minne richt er die Gedanken : Die läßt im Kampf ihn nimmer wanken. | Sonſt muß ein bittres Sterben | Ihm des Heiden Kampf erwerben. | Du hehrer Gral, das wende Du, 20 Konwiramur, das gieb niht zu: - Hier ſeht ihr euern Dienſtmann | In der gröſten Noth, die er je gewann. | Hoh wirft der Heid empor das Sqweri, Seiner Schläge Mancher niederfährt: 26 Schon finkt ihm Parzival aufs Knie. Man ſagt mit Recht, ſo ſtritten ſie, Wenn man als Zwei fie will betrachten, Die do für Eins nur find zu achten. Ich und mein Bruder find Ein Leib Wie guter Mann und gutes Weib. 741 Dem Getauften thät der Heive weh. Sein Schild beſtand aus Aspinde, As8beſt, das weder fault no< brennt. Daß fi ſeine Freundin nennt, | 6 Die den ihm gab, das glaubt gewiſs. Chryſopraſs und Türkis, Smaragd und Rubin | Und noch von andern Farben ſchien Mangth edler köſtlicher Stein | 10 Um die Budel rings in lichten Rein. | ® Auf dem Bud>elhauſe ſtund - | Ein Stein, ſein Nam i| mir wohl kund: | Antrax ward er dort genannt, Als Karfunkel hier bekannt. | 15 Ihm hatt als Minneſchug und Zier | Ecidemon das reine Thier Zum Wappenbild ein Weib gegeben, In deren Gnad er wollte leben, Die Köngin Sekundille: 20 Dieß Wappen war ihr Wille.
| Hier firitt der Treue Lauterkeit : Große Treue foht mit Treue Streit. | Um Minne haben ſie ihr Leben An des Kampfs Entſcheidung hingogeben, 25 Der ihnen Gottes Urtheil ift. Wohl vertraute Gott der Chrift, Seit er bei Trevrezent verweilt, Der ihm ſo herzli<h Rath ertheilt, Er ſoll’ auf deſſen Hülfe denken, | Der in Sorgen Freude möge ſchenken. 7TAÁ2 Stark war der Heide, der hier ſtritt: Wenn er ausrief Thabronit, Wo die Köngin Sekundille ſaß Vor dem Berge Kaukaſas, | 6 So ward ſein hoher Muth erneut Wider den , der nie bis heut Erlegen war vor Feinde8hieben ; | Unſieg war ihm fremd geblieben. Er hatt ihn nie empfangen, | 10 Und ließ ihn Manchen doch erlangen. Die Arme ſ{hwangen ſi< mit Kunſt, | Aus den Helmen. lohte Brunſt, | Von ihren Schwertern fuhr der Wind. Gott ſhüze Gachmuretens Kind! | 15 Der Wunſch gilt ihnen beiden, | Dem Getauften und dem Heiden : Denn ich rene ſie für Einen. Sie würdens ſelber meinen, Wären ſie fich re<t bekannt: | 20 Sie ſezten nicht ſo viel zu Pfand, Denn niht minder gilt ihr Streit Als Ehre, Freude, Seligkeit. Wer auch hier den Preis gewinnt, Doh hat er, wenn er Treue minnt, | 25 Die Freue hieſer Welt verloren Und dauernd Herzeleid erkoren. | Warum ſäumſt du, Parzival, | Daß du an dein ſ{<ön Gemahl Richt denkſt, die dir ſo treu ergeben, | So du behalten willſt dein Leben? 743 Dem Heiden ſind zwei Dinge nüge, Die waren ſeine ſtärkſte Stüge: Erſtlich, daß er Minne pflegt, Die ſein Herz mit Stäte hegt;
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56 Zum andern führt" er Steine Edler Art mit lihtem Scheine, Die ſeine Stärke mehrten, Ihn Hochgemüthe lehrten. Mir iſ leid, daß der Getaufte f 10 Sih Müde ſchon im Streit erkaufte: Seinen Sqglägen iſ die Kraft benommen. Wenn ihm nun nicht zu Hülfe fommn Kondwiramur no der Gral, Wehrlicher Parzival, | 15 So laß den Wunſch dich laben, Daß die klaren ſüßen Knaben | Nicht ſo früh verwaiſet ſein, | Kardeiß und Loherangrein , Die ſein Gemahl empfangen hatte | 20 In der Naht, da von ihr ſchied der Gatte. Kinder, keuſcher Eh entblüht, | Wohl laben die des Manns Gemüth. Neue Kraft gewann der Chriſt. | Er dachte (noh zu rehter Friſt) | 25 An die Köngin ſein Gemahl, | Wie er ihre Minne dazumal Sich im Schwerterſpiel errang, | Als von Sthlägen Feur aus Helmen ſprang Vor Pelrapär mit Klamide., | Thabronit und Thasme, | 744 Denen war ein Gegenruf erſonnen: Nun hat es Parzival begonnen | Mit dem Feldruf Pelrapär. | Ueber vier Königreiche her e
5 Kommt Kondwiramur, dem Degen | Der Minne Kräfte beizulegen. | Wohl ſprangen da, ih wähne, i Von des Heiden Schilde Späne Mehr als hundert Marken werth.
10 Von Gahevieß das ſtarke Schwert Brach auf des Heiden Helm ein Schlag, Daß vor ihm auf den Knicen lag Der reiche kühne Gaſt ermattet.
Gott hatt es länger nicht geſtattet ,
15 Daß Parzival das Schwert no führte, Das ihm zu rauben nicht gebührte: | Itheren , der es vor ihm trug, | Nahm ers aus Einfalt wider Fug. | Den nie zuvor ein Schwert gefällt, |
20 Sénell auf die Füße ſprang der Held. Noch iſt ihr Zweikampf unzergangen: Fhr Urtheil ſollen fie empfangen “ Noch von des Allerhöb<ſten Händen: Möge Der ihr Sterben wenden! | 26 Der kühne Fürſt der Heiden | Sprach da beſcheiden E | Auf franzöſiſ<h, das er wohl verſtund, | Aus ſeinem heidniſchen Mund: (Wohl ſeh ih, wehrliher Mann, | Dein Streit würd ohne Shweri gethan: 245 Wie erwürb ih dann wohl Preis an dir? Steh ſtill und ſage mir | Wer du ſeiſt, wehrliher Held. Fürwahr , du hätteſt mich gefällt | 6 Und mir den alten Preis entrungen, Wär dir niht dein Schwert zerſprungen. Ein Friede gelt uns beiden nun, Daß wir uns die Glieder ruhn.“ Sie ſezten nieder ſi< aufs Gras. 10 Jedweder Kraft und Zucht beſaß, Die au< zum Kampf niht waren Zu jung, zu alt an Jahren. Zum Getauſten ſpra< der Heide da: - „Glaube, werther Held, ih ſah 15 Nie im Leben, daß ein Mann Würdger war, dem Preis zu nahn, Den man im Streite ſoll erjagen. Held, nun geruhe mir zu ſagen Deinen Namen , dein Geſchlecht: 20 So freut mih meine Fahrt erſt recht.“ y Herzeleidens Sohn verſetzt: | „Nenni? ih die aus Furcht dir jeht? Das darfſt du niht von mir begehren: | Gezwungen werd ih nihts gewähren.“ | 25 Doch von Thame ſprach der Heide: „Ich will zuerſt dir nennen beide; | Sei immerhin die Schande mein. | Jh bin Feirefiſs Anſchewein | Und wohl ſo rei, daß meiner Hand Zinsbar dient manches Land.“ 7AG Als dieſe Rede geſchah, Zu dem Heiden ſprah der Waleis da: y „Woher ſeid ihr ein Anſchewein?
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Anſchau heißt das Erbe mein | 5 Mit Burgen, Land und Städten. Darum ſeid, Herr, gebeten, | Andern Namen zu erküren. | Sollt i< mein Land verlieren | Und die werthe Stadt Bealzenan, ! 10 Das hieße mir Gewalt gethan. If Einer hier ein Anſchewein , Von Geburt ſoll J<< es ſein. Doch ward mir für gewiſs geſagt , Es wohn ein Degen unverzagt 15 Fern dort in der Heidenſchaſt, i Der ftäts mit ritterliher Kraft Gewonnen habe Preis und Minne Und allewege noh gewinne. Der iſ zum Bruder mir geboren 20 Und dort zum höchſten Preis erkoren.“ y Parzival fährt fort und ſpricht : nHerr, euer Angeſicht Ließt ihr mi das erſhauen, So wollt ih eu< vertrauen 25 Wie mir ſeins beſchrieben ift. Wenn es, Herr, euh niht verdrießt, So entblbßet euer Haupt. Euh verſchont derweil , das glaubt, Meine Hand mit allem Streit Bis ihr aufs Neu gehelmet ſeid.“ | 7A7 Da ſprach der heidniſhe Mann: j „Wenig ficht dein Streit mih an. | Und wär ih na>t, ih hab ein Schwert: Der Unſieg wär dir doh gewährt , | 6 Da Dein Shwert zerbrochen iſ. | Weder Kühnheit, Kunſt noh Liſt Y Kann dich vor dem Tod bewahren, Will ih niht ſelbſt dein Leben ſparen. Wollteſt du mit mir ringen, 10 Mein Schwert ließ! ih klingen y Dir dur Eiſen, Bein und Mark.“ Dieſer Heide {nell und ſtark, Edle Sitte zeigt? er hier: Dieß Schwert ſei weder Dir no<. Mir.“ 16 Der kühne Degen warfs alsbald Ferne von ſih in den Wald. | Er ſpra<: „Nun if auf beiden Seiten Gleich die Gefahr, wenn wir noch ſtreiten.“
y Der reiche Feirefiſs begann: 20 „Held, bei deiner Zucht, ſag an, Da dir ein Bruder leben ſoll, Wie fieht der aus? du weiſt es wohl. Beſchreibe mir ſein Angeſicht ; N Seine Farbe hehlte man dir nicht.“ 26 Da ſprah Den Herzeleid gebar: | „Wie beſchrieben Pergament fürwahr, | S<hwarz und weiß dort und hier; Ekuba beſchrieb ihn mir.“ „Der bin Jh,“ verſezt der Heide. | Nicht lange ſäumten fie da beide, | 748 Feirefiſs und Parzival, | Von Helm und Härſenier zumal | Eniblößten fie ſih gleih zur Stund. Parzival fand lieben Fund, | 6 Den liebſten, den er jemals fand. | Den Heiden hatt er bald erkannt: | Sein Antilig zeigte Elſternfarben. | Haß und Groll im Kuſs erſtarben Dem Getauften und dem Heiden. 10 Freundſchaft ziemt' auh beßer Beiden Denn ihnen ſtünde Haß und Neid. Treu und Liebe ſchied den Streit. | Mit Freuden ſprach der Heide da: y „O wohl mir, daß ih dich erſah, | 156 Sohn Gachmurets, des werthen Degen! | Dank meinen Göttern allerwegen! Meiner Göttin Juno Preis und Dank, Sie fügt? es ſo! Mein ſtarker Gott Jupiter, | 20 Von Ihm kommt dieſes Heil mir her. | Götter all und Göttinnen, Eure Stärke will i< immer minnen ! Hochgeprieſen ſei der Stern, Bei deſſen Schein hieher ſo fern 25 Meine Reiſe ward gethan Zu dir, du \hre>li< ſüßer Mann, Die mich dur deine Kraft gereute. Heil der Luft, dem Thau, der heute Niederfiel und kühlte mich, Minneſchlüßel wonniglih! 749 Dem Weibe Wohl, die dich ſoll ſehn: Wie iſt Der ſhon ein Heil geſ<hehn !“
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oIhr \ſprehet wohl: ohn allen Haß | Spräth ih gern beßer, könnt ih das. 6 Dog bin ih leider niht ſo weiſ, Daß ih eurer Würde Preis Mit Worten noch erhöhen könnte: Gott weiß, wie gern i<s eu< vergönnte! Was Herz und Auge nur vermag, 10 Sie ſprechen euerm Preiſe nah: Eur Preis ſpricht vor, nah ſprechen ſie. Von Rittershand geſhah mir nie So große Noth, gar wohl i<hs weiß, Al3 von euch ,“ \ſpra< Der von Kanvoleiß. 16 Der reiche Feirefiſs ſprah mehr: „Fleiß und Kunſt hat Jupiter Werther Held , verwandt auf dich. | Nicht länger ihrzen ſollt ihr mich: Hatten wir do< Einen Vater.“ 20 Mit brüderliher Treue bat er, Daß er Ihrzens ihn erließe, Von nun an Du ihn hieße. Die Rede war dem Waleis leid: „Bruder , eure Herli<hkeit 26 Vergliche Der des Baruchs ſi; Aelter ſeid ihr auh als ich. Meine Jugend, meine Armut ſei Solcher Untugend frei, Daß ih Du zu euh ſpräche Und mich ſo der Zucht entbräche. “ 750 Der von Tribalibot, Jupiter ſeinem Gott Gab er mit Worten manchen Preis. Hoch pries er au< in mancher Weiſ 5 Seine Göttin Juno, Daß fie das Wetter fügten ſo, Daß Er und ſein gewaltig Heer Sich zu Lande fanden von dem Meer Und Grund am Ufer nahmen, 10 Wo ſie zuſammen kamen. Sie ſezten nieder ſich aufs Gras, Wo Jedweder nicht vergaß, | Er bot dem Andern Ehre. | Der Heide ſprach, der hehre: | 15 „In meine Heimat komm mit mir: |
Zwei reihe Länder geb ih dir, Die unſer Vater fi< erwarb, Als Eiſenhart, der König, ſtarb: Zaßamank und Aßagog. 20 Seine Mannheit Niemand trog, Als da er mi verwaiſen ließ. Unverziehn von Mir i dieß | Meinem Vater no< fürwahr. Sein Gemahl, die mi gebar, 25 Iſt vor Minneleid geſtorben, Da der Minne Glü> ihr war verdorben. Ich ſäh doh gerne dieſen Mann: Mir iſt zu wißen gethan, : Nie beßern Ritter ſah der Oſten; Ihn zu finden ſpar ih keine Koſten.“ 751 Parzival verſegte da: „Ach, daß au< Jh ihn niemals ſah! Doſch viel Gutes immerfort Hör ih von ihm an manchem Ort. b Er verſtand es wohl , im Streit Zu mehren ſeine Würdigkeit: Seinen Preis erhöhte jeder Strauß ; Alle Schande wih ihm aus. e Er war den Frauen unterthan, 10 Und alle guten, die ihn ſahn, Lohnten3 ohne falſche Liſt. Daß es der Stolz der Chriften ift, So getreulih lebt? er vor den Heiden. Er wuſt’ au< Andern zu verleiden 15 Alle unedle That: | Ihm gab ſein ftätes Herz den Rath. So hört’ ih es aus Aller Mund, Denen dieſer Mann war kund, Den ihr ſo gerne möchtet ſehn. 20 Selbſt müſtet ihr ihm zugeſtehn Den Preis, wenn er noch lebte, | Der ſtäts den Preis erſtrebte. | So warb er um der Frauen Lohn | Vis der König Jpomidon 26 Kam und Lanzen mit ihm brach: Die Tjoſt geſhah zu Baldag. Da ward ſein würdiglihes Leben Um Minne in den Tod gegeben. In rechter Tjoſt ging uns verloren Dur den wir beide ſind geboren.“
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752 „O weh der ungeſtillten Noth,“ Spra der Heide: „iſt mein Vater todt? So iſt die Freude mir zerronnen, Und hatte Freude kaum gewonnen! 6 Jh hab in wenig Stunden | Glüd verloren, Glü> gefunden. Es iſt die Wahrheit ficherlich, Er, mein Vater, Du und Ih, Wir find niht Dreie, wir ſind Ein3, 10 Und Dreie nur kraft leeren Scheins. Wohl fieht der weiſe Mann es ein, Sippe findet er allein Zwiſchen Vater nur und Kindern, | Will er der Wahrheit Ret niht mindern. 15 Mit dir ſelber haſt du hier geſtritten, In den Kampf mit Mir kam i geritten, | Mich ſelber hätt ih gern erſchlagen. Du aber {hüßteft ohne Zagen Vor mir ſelber mi in Dir. 20 Sieh Jupiter, dieß Wunder hier! Zu Hülfe kam uns deine Kraft Und löſt! uns aus des Todes Haft.“ | Er lai’ und weinte ſtill für fi. Thränen überflüßiglih | 2 Entträufelten dem Heiden; Ein Getaufter möht es neiden. Denn die Taufe lehrt uns Treue, ' Da unſer Bund, der neue, Nach Chriſti Namen wird genannt Und man an Chriſto Treue fand. 753 Der Heide ſprah, ih ſag eu< wie: „Laßt uns nicht länger ſizen hie. Reit do< mit mir an den Strand, So befehl ih, daß zu Land, 56 Dich zu ſchauen, von dem Meer Sich begiebt das reichſte Heer , Dem Juno Fahrwind mochte leihn. Mit Wahrheit ohne falſchen Schein Zeig ih dii manchen werthen Mann, 10 Der mir zu Dienſt iſt unterthan. Lieber Bruder folge mir.“ Der Waleis \prah: „Und wäret ihr Wohl ſo gewaltig eurer Leute, | " Daß fie eurer harrten heute, 15 Und ſo lang ihr ferne ſeid?
Da ſprah der Heide: „Sonder Streit: Und blieb ih aus ein halbes Jahr, Mein harrte Reih und Arm fürwahr; Keiner dürfte von dem Ort. 20 Speiſe haben ſie an Bord Genug, kein Mangel ficht fie an. Von den Schiffen darf niht Roſs no< Mann, Als ſi< mit Waßer zu verſehn Und ſi< am Strande zu ergehn.“ 265 Parzival zum Bruder ſprach: „Wohlan, ſo folget Mir denn nah Zu großer Pracht, Fraun wonneſam, Und von euerm edeln Stamm Manchem Ritter kurtois. | Artus der Bretanois - ¡754 Liegt hier mit reichem Hofgelag (Ich verließ es erſt vor Tag), y Mit großer minnigliher Schar: | Da ſehn wir Frauen ſhön und klar.“ | 6 Der-Heid, als er von Fraun vernahm | (Den Frauen war ſein Herz niht gram), Da ſpra<h er: „Führ mih hin mit dir. Lieber Bruder, ſage mir Wen wir finden an dem Ort ? 10 Sehn wir unſrer Freunde dort, Wenn wir zu Artus kommen? Von ſeinem Hof hab ih vernommen, Daß er prächtig ſei und reich; | Nichts komme ſeinem Glanze gleich.“ | 16 Parzival hub wieder an: | „Wir ſehn da Frauen wohlgethan. | Nicht umſonſt iſ unſre Fahrt, | Wir finden unſres Stammes Art, Leute, die uns angeboren, 20 Und manches Haupt zur Kron erkoren.“ Sie ſprangen beid empor zumal. Nicht verſäumi' au< Parzival , Er holte ſeines Bruders Schwert : Das ſtieß er dem Degen werth 2b Wieder in die Scheide. Da entſagten ſie wohl beide Allem Haß und allem Streit Und ritten hin in Einigkeit.
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Eh fie bei Artus angekommen, | Hatt Er von ihnen ſchon vernommen. |
755 Dort wars an dieſem Tage Des Heers gemeine Klage, | Daß Parzival der Held verwogen So von dannen war gezogen.
6 Artus beſhloß da mit den Seinen, Daß man auf Parzivals Erſcheinen Acht Tage harren ſolle Und die Stait niht räumen wolle. Als Gramoflanzens Heer gekommen,
10 Ward ihm man weiter Kreiß genommen, Und mit Zelten wohl geziert : Der König ward darin logiert Und ſeine ſtolzen Leute. Man mote die vier Bräute 15 Nicht {öner ehren als geſchah. Von Scatelmerveil her reiten ſah Man einen Mann zur ſelben Zeit: Der ſprah, man hab einen Streit Auf dem Warthaus in der Säul erſehn: 20 Was je mit Schwerten wär geſchehn, Vergleiche dieſem Streit fich nicht. Gawanen bracht! er den Bericht (Bei Artus ſaß der Degen hehr): Die Ritter riethen hin und her, 26 Wer die Kämpfer wohl geweſen ſei’n. Artus der König ſprach darein: „Zur Hälfte wett ih, daß i<hs treffe: Hier hat von Kanvoleiß mein Neffe, Der heute von uns \<hied, geſtritten.“ Da kamen auch die Zwei geritten.
756 Ihrem Kampf wohl bracht es Ehre, Wie vom Schwert und von dem Spere Helm und Schild die Spuren trug. Geſchi>t war deſſen Hand genug |
5 (Da auh der Kämpfer Kunſt bedarf), | Der dieſe Schilderei entwarf. | Sie wandten fi< zu Artus Zelt.
Hin bli>te ſtaunend alle Welt Als er geritten kam, der Heide; 10 Viel Reichtum trug der Held am Kleide. | Voll von Hütten ſtand das Feld. Sie ritten vor das Hochgezelt | In Gawans Zeltberinge.
Ob man fie inne bringe, 16 Sie würden gerne geſehn? Ganz gewiſs iſ das geſchehn. Gawanen fah man eilends kommen, Da er bei Artus wahrgenommen, Daß fie zu ſeinem Zelte ritten: 20 Er empfing ſie mit der Freude Sitten. | Sie hatien noh die Rüſtung an: Gawan der höfiſhe Mann | Ließ fie al3bald entkleiden. Wohl hait im Kampf zu leiden 26 Ecidemon das Thier genug. | Dem Korſette, das der Heide trug, Ward wohl au< von S<hlägen weh. Es$ war ein Sarantha8me; Darauf ſtand mancher theure Stein. Darunter mit ſchneeweißem Schein 757 Von reichem Bildwerk war das Kleid; Theure Steine drauf verſtreut Beleuchteten einander. Dieß hatten Salamander 5 Gewoben in dem Feuer. Sie wagt’ auf Abenteuer Minne, Land und Leben, Die ihm ſol< Kleid gegeben (Gern vollbracht er ihr Gebot 10 So in Freude wie in Noth), Die Königin Sekundille. Wohl war es ihres Herzens Wille, | Daß fie ihm ihre Schäze lieh; | Durch hohen Preis verdient! er ſie. 15 Gawan bat der Knappen Schar: | „Habt Acht, daß an der Rüſtung klar f Nichts verſchoben und verrücd>t Werde, oder gar zerſtü>t An Sthild, Helm oder Ueberleib.“ 20 Zuviel wärs einem armen Weib Zur Gabe, ſhon das Kleid alleine: So köftlih waren die Steine An den Stü>en allen Vieren. Hohe Minne kann wohl zieren, 256 Geſellt fih Reichtum nur zur Gunſt Oder eine edle Kunſt. Da der ftolze reihe Feirefiſs 5 Sich ſtäts mit treuem Dienſt befliß
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Um Frauenhuld, ſo gab ihm willig Eine Lohn dafür wie billig. 758 Als fie die Rüſtung abgethan, Da ſchauten dieſen bunten Mann Alle mit Verwunderung, | Denn Wunders ſahn ſie da genung: | 6 Der Heide trug man ſeltſam Mal. | Gawan ſpra< zu Parzival: | „Freund , Wer iſ der Geſelle dein? | Er trägt ſo wunderlihen Schein, | Daß ich nie dem Gleiches ſah.“ | 10 Zu dem Wirthe ſpra< der Walei3 da: „Bin ih dein Freund, ſo iſts auh Er, h Des ſei dir Gahmuret Gewähr : | Der König iſs von Zaßamank. | Mein Vater dort mit Preis errang | 15 Seine Mutter, Belakanen.“ | Da ward er ſat!ſam von Gawanen | Geküſst. Viel hwarz und weiße Fle>en | Sah man Feirefiſſen de>en All die Haut, nur daß der Mund 20 Halber Röthe machte kund. Beiden brate man Gewand, Das für koſtbar ward erkannt ; Man trugs aus Gawans Kammer her, Da kamen Frauen ſ{hön und hehr. 25 Orgeluſe läßt ihn Kondris Und Sangiven küſſen, eh Mit Arniven fie den Mund ihm beut. Feirefiſs war hoh erfreut, Als er ſo klare Frauen ſah; Viel Liebes ihm daran geſchah. 759 Gawan zu Parzivalen ſprach: „Freund, dein neues Ungemach Verräth dein Helm und auh dein Schild. Euch zwein iſt übel mitgeſpielt , 5 Dir und auh dem Bruder dein: Bei Wem erwarbt ihr dieſe Pein?“ — „Nie ward mir härtrer Streit bekannt ,“ Sprach der Waleis: „meines Bruders Hand Zwang mic zur Wehr in großer Noth: | 10 Wehr iſt ein Mittel für den Tod. | Auf dieſem Fremdling nahverwandt Zerbra< das Schwert mir in der Hand. |
| Zeigt! er da Furcht, ſo war es kleine: Fern aus der Hand warf er das ſeine. 15 Nicht wollt er ſi< an mir verſünden Und wuſte niht wie nah wir ſtünden. Jett hab ich ſeiner Huld Geſchenk, Sie zu verdienen eingedenk.“ Da ſpra< Gawan: „Mir ward geſagt 20 Von einem Streit gar unverzagt : Zu Scatelmerveil erfieht Man was ſe<s Meilen weit geſchieht : Die Spiegelſäule zeigt es dort. Gleich ſpra< mein Ohm Artus das Wort: 26 Der dort gekämpft des ſelben Mals, _ Du wärſt es, Held von Kingrivals. Du haſt Gewiſsheit erſt gebracht ; Doch hatten wirs uns hier gedacht. Nun glaube mir was ih dir ſage: Wir hätten dein geharrt aht Tage 760 Mit großer reicher Luſtbarkeit. e Mir if euer Zweikampf leid: Ruht davon bei Mir euh aus. ! Da doth geſchehen ift der Strauß, 65 So habt eu< künftig um ſo gerner ; | Den Haß vergüte Freundſchaft ferner.“ | Früh aß man heut in Gawans Zelt, | Da von Thaëme der werthe Held, | Feirefiſs Anſchewein, 10 Ungeſpeiſt war, glei< dem Bruder ſein. Da lagen Polſter ho< und lang Im Kreiß, umher auf mancher Bank. Weiche De>en aller Art, Von Palmat , wurden niht geſpart. 15 Die Polſter rei< damit gede>t; | Darauf war theure3 Tuch geſteppt, Zu vollem Maße lang und breit. Klinſchors ganze Herlihkeit Ward da zur Schau hervorgetragen. 20 Al3 Tapeten, hört ih ſagen, Wurden De>en aufgehangen; Da ſah man köſtlih prangen An vier Seiten des Raumes. Darunter Polſter ſanften Flaumes 26 Mit weichern Kiſſen überde>t , Die Vorhänge drauf geſte>t.
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Der Kreiß begriff ein weites Feld, Se<hs Zelte hätte man geſtellt Ohne Gedränge der Schnüre. Doch weil ih unklug verführe, 761 Laß is hiebei bewenden. Da ließ Herr Gawan ſenden Zu Artus, der no< niht vernommen Was für ein Gaſt ihm war gekommen: 5 Der reihe Heide wäre da, Den die Heidin Ekuba So geprieſen an dem Plimizöl. Jofreit, Fils Jdöl, War 3, ders Artuſen ſagte, | 10 Dem ſolche Märe wohlbehagte. | Jofreit bat ihn, glei< zu eßen - Und nah Tiſh nicht zu vergeßen , | Daß er mit Rittern und mit Fraun | Höfiſh käm den Gaſt zu ſchaun, | 156 Denn alſo würde Zucht begangen Und würdiglih bei Hof empfangen Gahmuretens ſtolzes Kind. „So viel hier werthe Leute find, | Die bring ich,“ ſpra< der Bretanois. 20 Jofreit \ſpra<: „Er iſt ſo kurtois, Ihr mögt ihn alle gerne ſehn, | Und Wunder viel an ihm erſpähn. i Er kommt aus großer Herlichkeit : Seine Rüſtung und ſein Kleid | 26 Niemand möcht es erſetzen ; Noch wdg ers auf mit Schägzen. Bretagne, Löver, Engelland, | Von Paris bis na< Witſand, E Dazwiſchen all die reihe Welt, ' Gäb ihm fkeine8weg3 Entgelt.“ 762 Jofreit war zurli>gekommen Als Artus von ihm vernommen Wie er gebahren ſollte, Wenn er begrüßen wollte 6 Den reichen Heiden unverweilt. Die Size wurden nun vertheilt * An Gawans3 Tafelkreiſe Gar in höfſher Weiſe: | Daß der Bann der Herzogin 10 Und Die ihr Dienſt um Minne liehn, Gawan zur Rechten ſaßen,
Ihm zur Linken fröhlih aßen Die Ritter all aus Klinſchors Bann. Gawan genüber gab man dann 15 An des Tiſches andrer Spitze Klinſchors gefangnen Frauen Size: Die waren ſ{hön und klar zumal. Feirefiſs und Parzival Saßen mitten zwiſchen Frauen: 20 Da mochte man wohl Klarheit ſchauen. Der Türkowite Florand Saß Sangiven zugewandt, Wie der Herzog auh von Gowerzein Und Kondrièê, die Gattin ſein, | 25 Einander gegenüber ſaßen. Auch dießmal , wett ih, nicht vergaßen | Gawan und Jofreit Jhrer alten Geſelligkeit ; Sie aßen fäts beiſammen. Mit den Augen voller Flammen 763 Aß die edle Herzogin Bei Arniven der Königin. Zu freundlicher Geſelligkeit, j Waren ſi die Zwei bereit. | 6 Seine Ahne ſaß bei Gawan dort, | Orgeluſe weiter von ihm fort. | Wohl herſhte da die wahre Zucht Und alle Unart nahm die Flucht. Den Rittern und den Frauen ward 10 Speiſ und Trank mit guter Art ; Gebracht und freundlich hingeſtellt. | Feirefiſs der reihe Held Hub zu ſeinem Bruder an: | (Jupiter hat wohl an mir gethan, 15 Daß er mi in dieſes Land Hat geführt und hergeſandt Jn meiner werthen Freunde Kreiß. Villig geb i< wohl den Preis Meinem Vater, den ih längſt verlor: | 20 Der ſproß re<t aus dem Preis hervor!“ Der Waleis ſprah: „Preiswerthe Leute | Sollt ihr viel no< ſchauen heute | Bei Artus dem König hehr, | Mannlither Ritter ſchier ein Heer: | £6 Wenn das Mal ift aufgehoben,
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Unlange bleibt es dann verſchoben Vis her die Werthen kommen, : Deren Preis weit wird vernommen. Hier find drei Ritter nur vom Bunde Der weitberühmten Tafelrunde: : 76A Der Wirth und Jofreit; Auch ih verdient' es einſt im Streit, Daß man mi dazu begehrte, Was ic den Helden gern gewährte." 6 Nun war es Zeit, daß man hindann Das Tiſchtu<h hob vor Weib und Mann. Als die Malzeit war geſchehn, Da eilte Gawan aufzuſtehn: | Die Herzogin ſamt ſeiner Ahnen 10 Sah man ihn bitten und ermahnen» Daß fie Frau Sangiven doh, Und Kondris die ſüße noh, | * Zu fi< nähmen und mit beiden Gingen zu dem bunten Heiden: | 156 Dem ſollten fie re<t freundlich ſein. Feirefiſs Anſchewein | Sah dieſe Frauen zu fi gehn: Vor ihnen eilt’ er aufzuſtehn ; | So auch ſein Bruder Parzival. 20 Die ſ{höne Herzogin zumal Nahm Feirefiſſen bei der Hand; Fraun und Ritter, die fie ſtehen fand, Bat fie, fi< zu ſeen all. Sieh, da zog mit lautem Shall 26 Artus mit ſeinem Heer heran. Poſaun und Trommel hörte man, Der Hörner und der Flöten Ton. | Der Königin Arnive Sohn | Zog mit großem Sall einher. | : Des freute fi< der Heide ſehr, 765 Der ſolche Kunde gern empfing. So ritt zu Gawans Zeltbering Artus mit ſeinem Ehgemahl, | Und werther Leute großer Zahl 5 Mit Rittern und mit Frauen. y Der Heide mochte ſchauen, Daß da auch junge Leute waren, | Von deren blühenden Jahren j Sprach des Angeſichtes Glanz. 10 Au war der König Gramoflanz
| Noch in Artuſens Pflege; Mit Jhm auf gleihem Wege . | Ritt Jtonjs ſein ſüßes Lieb, | Die aller Falſchheit rein verblieb. 15 Ab ſtieg der Tafelrunder Schar, Dazu viel Frauen \ſ{hön und klar. | Ginover ließ Jtonjs | Den reihen Heiden küſſen, eh Sie ſelber näher zu ihm ging 20 Und küſſend Feirefiſs empfing. | Gramoflanz und Artus, Mit getreuliher Liebe Kuſs | Empfingen ſie den Heiden. Da ward ihm von den beiden | 25 Viel erboten Dienſt und Ehr; Auch fand er no< Verwandte mehr, Die ihm gewogen wollten ſein. Feirefiſs Anſchewein ! War zu guten Freunden nun gekommen, | Das hatt er hier gar bald vernommen. | 766 Nieder ſaßen Weib und Mann | Und viel Mägdlein wohlgethan. Da mochte mancher Ritter finden, | Wollt er fi des unterwinden, 5 Süßes Wort von ſüßem Munde, | Taugt’ er ſonſt zum Minnebunde. Um ſol< Geſu trug keinen Haß Man klares Fräulein, das da ſaß. | Ein gutes Weib ficht Zorn nicht an, 10 Fleht ſie um Hülf ein werther Mann, Sie mag gewähren, mag verſagen. Kann ein Ding als Zins uns Freude tragen, “Solchen Zins muß wahre Minne geben: So ſah ih ftäts die Werthen leben. 16 Nun ſaß der Dienſt hier bei dem Lohn. Es iſt ein hülfreiher Ton, / Wird der Freundin Wort vernommen, Das dem Freunde ſoll zu Statten kommen. Artus ſaß zu Feirefiſ3, | 20 Wo Jedweder ſi befliß, Auf des Andern Fragen | Freundlih Antwort zu ſagen. ; Artus ſprach: „Gelobt ſei Gott, | Daß er dieſe Ehr uns bot,
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256 Daß wir Dich hier bei uns ſahn. | Aus der Heidenſhaft fuhr nie ein Mann | Her in der Getauften Land, ; Dem ih mit dienſtbereiter Hand So gerne Dienſt gewährte Wenn dein Wille des begehrte.
767 Feirefiſs zu Artus ſprach:
„Vorbei if all mein Ungemah, Seit Juno meine Göttin Mir den Segelwind verliehn
6 Her in dieſes Weſtenreich. Du ſiehſt fürwahr dem Manne glei, : Deſſen Matt und Würdigkeit Der Ruhm poſaunte weit und breit. Viſt du Artus genannt, e
10 So iſ dein Name fern bekannt.“
Artus ſprah: „Selber ehrt’ er ſh, Der Dir und Andern über mi< Rühmliches berichtet hat. Jhm gab die eigne Zucht den Rath
15 Mehr, als daß i<hs würdig bin;
Er thats au3 höfiſhem Sinn.
Jh bin e3, den fie Artus nennen Und möcht es gründlih wohl erkennen Wie du kamſt in dicſes Land.
20 Hat ein Weib dich ausgeſandt,
Die iſt gewiſs geheuer , ] Da du auf Abenteuer
Dich ſo weithin haſt verſtiegen.
Bleibt ihr Lohn dir unverſchwiegen, |
25 Den Dienſt der Fraun empfiehlt uns das, | Denn jeder Frau wohl müſt in Haß Jhr Diener wandeln ſeine Liebe, | Wenn Dir ungclohnet bliebe.“
„Auch wird es anders wohl vernommen,“ Sprach der Heide: „hört wie i< gekommen. 768 J<< führe ſol< ein mächtig Heer, | Der Trojaner Landwehr | Und die ſie einf umſaßen, Die müſten mir die Straßen
5 Räumen, wenn ſie noh lebten Und mit Mir zu kämpfen ſtrebten :
Sie könnten nimmer uns beſiegen y Und müſten ſhimpfli< unterliegen , '
Meiner Obmacht allzuſhwach.
10 J< hab in manhem Ungemah
Verdient mit ritterliher That, Daß nun Erbarmen mit mir hat Die Köngin Sefkundille;
* Jhr Wunſch iſt mein Wille.
15 Die Richtſchnur gab fie meinem Leben, Sie hieß mi mildiglih zu geben Und guter Ritter viel zu halten;
So ſollt ih ihr zu Liebe ſchalten. Da that ih wie fie mir befahl:
20 Unterm Schild von hartem Stahl Nennt ſih dienſtbar meiner Hand Manhh werther Ritter auserkannt.
Jhre Minne giebt ſie mir zum Lohn; Auth führ ih ein Ecidemon | 26 Im Schilde, wie ſie mir gebot. Seitdem erfuhr ih in der Noth, i Sobald ih nur an ſie gedachte, _ ! Daß ihre Minne Hülfe brachte: y So dank ih ihr des Troftes mehr | Al3 meinem Gotte Jupiter.“ | 769 Artus ſpra<: „Von dem Vater dein, Gachmuret , dem Neffen mein, Js die dir angeſtammte Art: Im Dienſt der Frauen weite Fahrt. 5 Du magſt von Dienſt auh Kund empfahn | Bei Uns ¡denn größrer ward gethan | Auf Erden ſelten einem Weib | Um ihren wonniglichen Leib. | Ich meine hier die Herzogin: 10 Um ihrer Minne Gewinn Ward des Waldes viel verſchwendet. Jhre Minne hat gepfändet | An Freuden manchen Ritter gut | Und ihm geraubt den hohen Muth.“ y 16 Da ſagt’ er ihm was Gawan Und was die Ritter all gethan, Die er ſah zu allen Seiten ; | Und von den beiden Streiten, Die ſein Bruder um den Kranz
20 Auf dem Feld geſtritten bei Joflanz. „Und wie er ſonſt die Welt durchfahren, 5 Wie er ſih nirgend wollte ſparen, / Das macht cr dir wohl ſelber kund.
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Er ſut einen hohen Fund,
25 Nach dem Grale ringet er. Von eu< Zwein iſt mein Begehr, Daß ihr mir nennet Land und Leute, Die ihr im Kampf erprobt bis heute.“ Der Heide ſpra<h: I< nenne dir Die ih gefangen führe hier:
770 „König Papiris von Trogodjente Und Graf Behantins von Kalomidente, Herzog Farjelaſtis von Afrid>e Und König Liddamus von Agrippe,
5 König Tridanz von Tinodonte | Und König Amaspartins von Schipelpjonte, Der Herzog Lippidins von Agremontin | Und König Milon von Nomadjenteſin,
Von Aßagarzionte Graf Gabarins
10 Und von Rivigitas König Translapins, Von Hiberbortikon Graf Filones | Und von Centrion König Killik-ates, | Graf Lyſander von Jpopotitikon | Und Herzog Tiridê von Elixodjon, |
15 Von Oraſtegenteſin der König Thoaris : Und von Satarchjonte Herzog Alamis, Der König Aminkas von Sotofeititon | Und der Herzog von Duskontemedon, | Von Arabien König Zoroaſter
20 Und Graf Poſſizonjus von Thiler , Der Herzog Sennes von Narjoklin Und Graf Ediſſon von Lanzeſardin , | Von Janfuſe Graf Friſtines | Und von Atropfagente der Herzog Meiones,
25 Von Naurjente der Herzog Archeinor
Und von Panfatis der Graf Aſtor,
Die von Aßagog und Zaßamank
Und von Gampfaſſaſh der König Jetakrank, Der Graf Jurans von Blemunzin
Und Herzog Affinamus von Amantaſin.
774 - „Eins zählt’ i< mir zur Schande:
Man ſprah in meinem Lande, ; Kein beßrer Ritter möchte ſein | Als Ga<hmuret Anſchewein,
5 So Viele je beritten waren. Da beſchloß i< auszufahren Und zu ſuchen bis daß ih ihn fände: Da lernt! i< Kampf an manchem Ende.
Von zweien Landen auf das Meer 10 Führt’ ih ein kraftvolles Heer. Mir ſtand na Ritterſchaft der Muth: Wie ftark ein Land, wie ſhön und gut, Jh unterwarf ſie meiner Hand Vis fern zu unbetretnem Strand. 15 Da gelobten mich zu minnen Zwei reihe Königinnen, Olympia und Klauditte; Sekundill iſt nun die dritte. » Um Frauen hab ih viel gethan; 20 Nun hab ih heut erſt Kund empfahn, Mein Vater Gachmuret ſei todt. Mein Bruder meld auh ſeine Noth.“ | Da ſprach der werthe Parzival: „Seit ih geſchieden bin vom Gral 25 Hat meine Hand mit Streite Jn der Näh und in der Weite “Sich oftmals ritterlich erzeigt Und Manchem auch den Preis geneigt , Der ni<ht gewohnt war an den Fall. __ Die will ih euch benennen all: 772 „Von Lirivoin König Schirniel Und von Avendroin ſein Bruder Mirabel, Der König Serabil von Roßokarz “ Und König Pibleſon von Lorneparz, 6 Von Sirnegonz der König Senilgorz | Und von Villegaronz Strangedorz, Von Mirnetall Graf Rogedal Und von Pleyedonze Laudunal, | König Onipriß von Jtolak ¡ 10 Und König Zyrolan von Semblidak, | Von Jeroplis Herzog Jerneganz Und von Zambron Graf Plineſchanz, Von Tutelêonz Graf Longefieß | Und von Privegarz Herzog Marangließ, | 15 Von Piktakon Herzog Strennolas | Und von Lampregon Graf Parfoyas, | Von Askalon König Vergulacht , Und von Pranzile Graf Bogudacht, | Poſtefar von Laudondrechte 20 Und Herzog Leidebdron von Redonzechte, | Von Literbe Kolleval , Jovedaſt von Arl der Provenzal, | Und von Tripparon Graf Karfodyas.
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In rechter Tjoſt begab fih das 26 Als ih na< dem Grale ritt. | , Nennt’ ih ſie all, die ih beſtritt, | So käm ih nimmer an das Ziel, * Drum muß ih euh verſchweigen viel. Die mir mit Namen ſind bekannt, Die hab ih eu< wohl meiſt genannt.“ 773 Von Herzen freute ſonder Neiden Seines Bruders Preis den Heiden, : Daß ihm ſeine Hand im Streit 5 Erwarb ſo hohe Würdigkeit:
- 6 Wohl dankt’ er ihm dafür gar ſehr;
Ihn ſelber ehrt’ es noh viel mehr. | Da ließ Gawan des Heiden Wehr,
Als geſhähs von .Ohngefähr ,
Jn des Kreißes Mitte bringen.
10 Man legt’ ihm Werth bei, niht geringen.
Die Ritter und die Frauen,
Die kamen all zu ſhauen
Schild, Korſett und Wappenkleid;
Nicht zu eng der Helm und nicht zu weit.
15 Alle ſtaunten ob dem Scheine F Der theuern edeln Steine,
Die. darin verlöthet lagen. Man darf mic nah der Art nicht fragen, ' Der fie angehbren,
20 So die leichten als die ſhweren.
__ Beßer wohl beſchied? eu< des Eraklius oder Herkules Und der Grieche Alexander;
Oder noch ein Andrer,
25 Der weiſe Pythagoras, ' Der die Sqrift der Sterne las: | Der war ſo weiſe ſonder Streit, |
._ Daß Niemand ſeit Adams Zeit Noch ſo weiſen Sinn getragen; Der konnte wohl von Steinen ſagen.
77A Die Frauen raunten: „Hab ein Weib
Ihm damit geziert den Leib,
. Wenn er fih Der niht treu erweiſe, Das ſchade ſeinem Preiſe.
6 So hold war Manche hier dem Heiden, Sie würde ſeinen Dienſt wohl leiden,
Juſt weil ihn ziert man< fremdes Mal. Gramoflanz, Artus , Parzival Und der Wirth Herr Gawan, 10 Die gehen nun allein hindann; j Den reichen Heiden vertrauen Sie unterdeſſen den Frauen. | Artus berieth ein Feſtgelag , Y Das man ſ{<hon am andern Tag ' 15 Auf dem Feld begehen ſollte, Weil er damit empfangen wollte Seinen Neffen, Feirefiſſen: Das zu beſtellen ſeid beflißen Mit euerm beſten Wige, 20 Daß Er mit uns ſige An der edeln Tafelrunde.“ 5 Sie verſprachen3 all aus Einem Munde Zu thun, wofern e3 ihm nicht leid. Da verhieß Geſelligkeit 26 Ihnen Feirefiſs der Degen reich. Nach dem Nachttrunk fuhr ſogleih | Zu ſeiner Ruhe Jedermann. Die Freude bra< für Manchen an Am Morgen, darf ih alſo ſagen, Da der ſüße Tag begann zu tagen. 775 Da hielt es ſo Artus, der Sohn Des Königs Utepandragon : Bereiten ließ er, rei genug, Der Tafelrund ein Tafeltuh 6 Aus einem Trianttha3me fein. Euch wird no< in Erinnrung ſein Wie an des Plimizöls Geſtad Man Tafelrund gehalten hat : Nach jenem Tuche maß man dieß, 10 Rund geſchnitten, Jeder pries | Wie es rei< und köſtlih wär. | Abgeſte>i ward rings umher | Ein Kreiß auf thauig grünem Gras, Der wohl fieben Morgen maß 15 Vom Scaufig bis zur Tafelrunde. War es die re<te niht im Grunde, Den Namen ließ fie fich niht nehmen. | Wohl mö<ht ein feiger Mann fi< ſchämen, | Wenn er hier bei den Werthen ſaß 20 Und ſein Mund die Koſt mit Sünden aß.
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Der Kreiß ward bei der ſhönen Nacht Abgeſte>t, und wohl mit Pracht Geziert von dem zu jenem Ziel. Einem armen König wärs zu viel 26 Wie man die Runde fand geſhmüd>t Al3 der Morgen war herangerücdt. Gawan und Gramoflanz allein Standen für die Koſten ein. Artus war hier zu Lande Gaſt; | Doch trug er mancher Koſten Laſt. | T76 Und würde noh ſo ſ<warz die Nacht, Doch iſts von Alters hergebraht, | Die Sonne bringt den Tag zurü>. Auqh heute widerfuhr dieß Glü>:- 6 Schon ſcien er lauter, ſüß und klar. | Manten Ritter ſtri< da wohl ſein Haar, Und ſ<müd>t' es ſ{hön mit Blumenkränzen. Da ſah man Frauen lieblih glänzen Ungeſchminkt mit rothem Mund, | 10 Thut Kiot anders Wahrheit kund. | Man ſah an Herrn und Fraun Gewand, | Nicht na< dem Schnitt in Einem Land; | Hohen, niedern Kopfpuy auh e Wie es in jedem Land Gebrauch. 16 Sie kamen her aus manchen Reichen, Die ſih in Sitt und Schnitt niht gleichen. Den Fraun, die keinen Ritter hatten, Wollte man es nicht verſtatten e In der Tafelrunde Kreiß zu kommen. 20 Hat ſie Wen in Dienſt genommen, Dem fie Lohn verhieß mit Hand und Munde, So kam fie an die Tafelrunde. Meiden muſten ſie die Andern | Und nach den Herbergen wandern. 265 Nun Artus Meſſe hat vernommen, Sieht man mit Gramoflanzen kommen Den Herzogen von Gowerzein Und Florand den Geſellen ſein. Die wären gern erhoben worden In der Tafelrunde Orden: 7TT7 Da ward na< ihrem Wunſch gethan. | Fragt eu< Weib nun oder Mann Wer der reichſte wär der Reen, Die je aus allen Länderſtre>en | 5 Saßen an der Tafelrunde,
Dem gebet nur getroſt die Kunde, Es war Feirefiſs Anſchewein: Laßt e3 dabei bewendet ſein. Mit feſtlichem Gepränge 10 Ritt man zu des Kreißes Enge. Manthe Frau kam in Gefahr, : Wenn ihr Roſs niht wohl gegürtet war, | Sie wär gewiſs gefallen. Mit reiher Banner Wallen 16 Kamen fie von allen Seiten. | Da ſah man ſie den Buhurd reiten | Rings um den abgeſte>ten Kreiß. Es3 war höfiſ< und wei, Daß Keiner in den Sehranken ritt : 20 Der weite Raum da draußen litt, y Daß fie die Rofſe wohl erſprengten, | Die Haufen ſi< im Anlauf mengten; | Auch mochten fie ſo künſtlich reiten, | Daß fis die Fraun zu ſchauen freuten. 26 Als die Zeit des Mals gekommen, Ward an der Tafel Play genommen. Truwhſeß, Kämmerer und Schenken Hatten Manches zu bedenken, Daß mans mit Zucht zur Stelle trug. Wohl gab man Jeglichem genug. 778 Die Frauen ehrt' es, die man da An des Freundes Seite ſah; Für Manche hatt au< kühne That Vollbracht verliebten Herzens Rath. 6 Feirefiſs und Parzival Muſterten mit ſüßer Qual Bald eine bald die andre Frau. Auf A>er oder Wieſenau Sah man noch zu keiner Stunde 10 So lite Haut bei rötherm Munde Als an dieſer Tafel Ringe: | Da ward der Heide guter Dinge. Heil der nahenden Stunde! Willkommen ſei die ſüße Kunde, 15 Die von der Jungfrau wird vernommen. Denn eine Jungfrau ſah man kommen In theuern Kleidern, wohl geſchnitten , Koſtbar na< Franzoſenfitten ; | Ein reiher Samt ihr Oberkleid,
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20 S<hwärzer noch als ein Geneit. Manch Turteltäubchen ſchien da hold, Gewoben aus Arabiens Gold, Das Wappenbild des Grales. Sie ward deſſelben Male3 25 Beſtaunt von allen Leuten. “Laßt fie zur: Stelle reiten. Die Kopfzier trug fie ho< und blank; Mit manchem dichten Ueberhang War ihr Angeſicht bede>t Und vor jedem Bli> verſte>t. 779 Sat und doh in Zelterſchritten Kam fie über Feld geritten. Jhr Zaum, ihr Sattel und ihr Pferd . Unſtreitig hatten hohen Werth. 5 Jn den Kreiß ließ man ſie gern Zu den Frauen und den Herrn. Nicht die Thörichte, die Weiſe Ritt da rings umher im Kreiſe. Man zeigt! ihr an wo Artus ſaß, | 10 Den fie zu grüßen niht vergaß. | Franzdfiſh hub fie an zu ſprehen : Und flehte, niht an ihr zu rächen Wie fie geſcholten einſt den Helden, | Dem ſie nun Frohes wolle melden. | 15 Den König und die Königin 5 Bat fie, daß die ihr Beiſtand liehn. | Von dieſen wandte fie ſich da | Zu Parzivalen , den ſie nah Bei Artuſen ſigend fand. 20 Sie ſ<wang ſi eilends, unverwandt, Von dem Pferd auf das Gras. | Mit aller Zucht, die ſie beſaß, | Fiel fie Parzival zu Füßen Und bat ihn weinend um ſein Grüßen, 25 Daß er ihr die Schuld verzeihe Und ohne Kuſs die Huld ihr leihe. Für fie zu bitten befliß Ta Artus fi< und Feirefiſs. Noch hegte Parzival ihr Haß, Den er getreuli<h do< vergaß 780 Und ihr der Freunde halb verzieh. Die Werthe, ſhön wohl war ſie nie, Schnell wieder auf die Füße ſprang, Und ſagte Beiden großen Dank,
5 Die ihr wiederum zu Huld - Verholfen nah ſo großer Schuld. Herab nun riß ſie ſo geſhwinde | Jhres Hauptes Shmu> und Binde, ; Daß die Haube wie die Schnur | 10 Vor ihr auf die Erde fuhr. Kondriîe la Sorziere : Ward da erkannt im Heere, ' Und des Grales Wappen, das fie trug, Beſah, beſlaunte man genug. | 15 Sie ‘war auh no< ſo wohlgethan Wie ehmals, da ſie Weib und Mann | An den Plimizöl ſah kommen; Wie ſ{ön ſie war, ihr habts vernommen Ihre Augen hatten noh dieſelbe 20 Topaſenähnliche Gelbe; Die Zähne lang, der Mundes Schein Glich einem blauen Veigelein. Sie trug ihn wohl aus eitelm Muth: Was ſollt ihr ſonſt der fheure Hut 25 An des Plimizöls Geſtaden ? Die Sonne würd ihr do< niht ſhaden: Jhre Stralen konnten nimmerdar Die Haut ihr ſhwärzen dur< das Haar. : Nun ſtand fie höfiſh da und ſprah: Für hohe Märe galt3 herna<h, 781 Was ſie zur ſelben Stunde Kund that aus fahlem Munde: „O wohl dir, Sohn von Gahmuret , An dem Gott Gnade nun begeht, 6 Du der von Herzeleiden erbte; Feirefiſs der buntgefärbte Soll mir auh willkommen ſein. Sekundille war die Herrin mein; Auch erwarb ſi< hohe Würdigkeit 10 Von Jugend auf dein Preis im Streit.“ | Zu Parzivalen ſprach ſie ſo: | „Nun ſei demüthgen Sinnes froh | Des dir beſchiednen Theiles, | Der Krone menſchlichen Heiles! | 15 Die Inſchrift wurde geleſen: | Du biſt zum Herrn des Grals erleſen. | Kondwiramur , die Gattin dein, y Und dein Sohn Loherangrein
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Sind mit dir dazu benannt.
20 Seit du Brobarz geräumt, das Land, _Gebar zwei Söhne dir ihr Schooß; Das Reich, das Kardeiß bleibt, iſt groß.
- Und wär kein ander Heil dir kund | Als daß dein wahrhafſter Mund !
25 Den unſeligen , den ſüßen E : Mit froher Botſchaft ſoll begrüßen! 5 Den König Anfortas erlöſt | Die Frage deines Munds und flößt
* Jhm Freud ins Herz, dem Jammerreichen:
“ Wer mag an Seligkeit dir gleichen !“ |
782 Sieben Sterne jet benannte Sie arabiſh. Jhre Namen kannte Feirefiſs der Heide rei; Der ſaß da ſhwarz und weiß zugleich.
5 Sie ſpra<h: „Ermiß nun, Parzival,
Der höchſte Planete Zwal : Und der ſchnelle Almuſtri , Almaret und der lichte Samſi, Erweiſen Seligung an dir.
10 Der fünfte heißt Alligafir Und der ſe<ſte Alkiter Und uns der nächſte Alkamer.
Ich ſag es nicht aus einem Traum: Sie ſind des Firmamentes Zaum,
15 Die ſeine Sthnelligkeit zu hemmen
Kämpfend ſi entgegenſtemmen.
An dir hat Sorge niht mehr Theil.
Was des Planetenlaufes Eil | Umkreißt, ihr Schimmer überde>t,
20 So weit iſt dir das Ziel geſte>t, | Da ſollſt du Macht erwerben. y Dein Kummer muß verderben. Unenthaltſamkeit allein Soll dir nicht geſtattet ſein;
25 So wehrt dir auh des Grales Kraft Der Sündigen Genoßenſchaft.
Du hatteſt junge Sorg erzogen : - Nun dir Freude naht, ift fie betrogen. | Du haſt der Seele Ruh erworben, | - Dir Freud erharrt im Drang der Sorgen.“ | 783 Die Mär verdrießt den Degen niht; | Vor Freud aus ſeinen Augen bricht | Simro>, Parzival und Titurel.
| Waßer aus des Herzens Bronnen. Da ſprach er: „Herrin, hohe Wonnen 5 Hat mir euer Mund genannt. Vin i ſo vor Gott erkannt, Daß ih ſündiger Mann Und wenn i< Weib und Kind gewann, Sie Alle mit mir Gnad empfahn, 10 So hat Gott wohl an mir gethan. Daß ihr mic gern entſhädgen mögt, | Das zeigt mir, daß ihr Treue hegt. Doh hatt ih fiherlih gefehlt , Sonſt blieb mir euer Zorn verhehlt ; 15 J< wandelte no< niht im Heil. Des gebt ihr jezt mir ſolhen Theil, Daß ſich endet all mein Leid. Für die Wahrheit bürgt mir euer Kleid: Da ih zu Monſalväſche ſaß | 20 Bei dem traurgen Anfortas, | Alle Sqilde, die ih hangen fand, | Waren gemalt wie eur Gewand: | Viel Turteltauben tragt ihr dran. Nun ſagt mir, Herrin, wie und wann | 25 Jh ſoll zu meinen Freuden fahren, | Und laßt mih das niht lange ſparen.“ | Da ſprach ſie: „Lieber Herre mein, | Ein Mann ſoll dein Geſelle ſein, | Den wähle. Jh geleite dich; | Daß du ihm helfeſt, ſpute dich.“ | | 784 Da wards im ganzen Kreiß vernommen: | „Kondrie la Sorzier iſ kommen“ Und was ihre Botſchaft meinte. Vor Freuden Orgeluſe weinte, 6 Daß des Anfortas lange Qual, Wenn ihn früge Parzival, Bald ein Ende ſollt empfahn. Artus, der weitgepriesne Mann, | Zu Kondrien höfiſh ſprach: E | 10 „Frau, gedenkt auf eur Gema: Laßt euh pflegen, lehrt uns wie.“ Da ſprach ſie: „Iſt Arnive hie? Wel<h Gema mir Die verleiht , Damit genügt mir dieſe Zeit 15 Bis mein Herr von hinnen fährt. Iſt ſie ihrer Haft erwehrt, So erlaubt mir ſie zu ſchauen, 19
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Und all die andern Frauen, x Die manthes Jahr in ſtrenger Haft 20 Klinſchor hielt dur Zauberkraft.“ | Zwei Ritter hoben fie zu Pferd: y Zu Arniven ritt die Jungfrau werth. | Stier zu Ende ging das Mal. ' Bei dem Bruder ſaß no< Parzival: 25 Da bat er Den um ſein Geleit. Feirefiſs war gern bereit Mit gen Monſalväſch zu fahren. Da fie nun geſättigt waren, Sie ſtanden auf vom Tafelringe- Der Heide dachte hoher Dinge: 785 Er bat den König Gramoflanz, Ob noch die Liebe voll und ganz | Zwiſchen ihm und ſeiner Nihhten, „Laßt mirs die That berichten. | 6 Ihr und Freund Gawan helfet mir, Daß alle Könige und Fürſten hier, Barone, Ritter und ſofort, Jhrer Keiner laße dieſen Ort Eh ſie mein Geſchenk erſehn. 10 Mir wäre hier ein Schimpf geſchehn, Vlieb' Einer meiner Gabe frei. So viel auch fahrenden Volks hier ſei, Die müßen meine Gab empfangen. Herr Artus, ſu es zu erlangen, 15 Daß die Hohen fi nicht ſhämen, Gab aus meiner Hand zu nehmen. - y Nimm für ſie den Schimpf auf Dich: | Der Reichſte bin ih ſicherlich; l Und gieb mir Boten an das Meer: 20 Die holen die Geſchenke her.“ Da gelobten ſie dem Heiden, Sie wollten ſi nicht ſcheiden Von dem Felde vor vier Tagen: Da ward er froh, ſo hört i ſagen.
25 Artus gab kluge Boten her, Die er ſollte ſenden an das Meer. Feirefiſs, Gahhmuretens Kind, Nahm Dint und Pergament geſhwind. Sie ließen ſeine Schrift wohl gelten; So viel erwarb ein Brief noh ſelten. 786 Die Boten fuhren bald hindann. | Parzival derweil begann: y Franzöfiſh ſagt’ er Allen laut y Was einſt ihm Trevrezent vertraut , 5 Daß den Gral zu keinen Zeiten | Jemand möcht ihm erſtreiten, Den niht Gott dazu ernannt. j Da ward es kund in allem Land, Kampf mög ihn nicht erzwingen. 10 Die ihn gedacht zu erringen , Ließen es von dieſer Friſt, | Daher er noch verborgen iſt. | Von Feirefiſs und Parzival 5 | Kam da den Frauen neue Qual. 15 Den Urlaub wollten fie niht laßen : | Sie ritten dur< des Lagers Gaßen Und grüßten ſcheidend Jedermann. | Mit Freuden ſchieden fie hindann | In Stahl gewappnet wohl zur Wehr. | 90 Am dritten Tag kam von dem Heer | Des Heiden ſolche Habe, : | Nie vernahm man größre Gabe. Auf ewig halfs des Königs Land, Der Gab empfing aus ſeiner Hand. 25 Nach Standsgebühr ward Jedem da, Daß er nie reihre Gabe ſah, Den Frauen All ein rei Präſent y Von Triant und Naurient. Weiß niht wie ſi< das Heer geſchieden; | X Kondrie, die Zwei, ziehn hin in Frieden.
Loherangrin
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787 Anfortas mit den Seinen trug Leid und Jammer noh genug. | Jhre Treue ließ ihn in der Noth: Er bat fie oftmals um den Tod.
6 Dem Tod auch könnt er niht entgehn, Dog ließen ſie den Gral ihn ſehn: i Da friſtet! ihn des Grales Kraft. | Er ſprach zu ſeiner Ritterſchaft : |
. | „Ih weiß wohl, wär eu< Treue kund, |
10 Mein Leid erbarmt’ eu< glei< zur Stund. Wie lange ſoll die Qual mir währen? Sicher, Rechenſchaft gewähren | Müßt ihr dafür dereinſt vor Gott. : Stäts war i gern euh zu Gebot i
15 Seit ih zuerſt die Waffen trug.
Entgolten hätt i<8 nun genug
Was Uebles je von mir geſchah, Wenn euer Einer das erſah.
Wollt ihr der Untreu eu< erwehren,
20 So erlöſt mi, bei des Helmes Ehren Und bei des Schildes Orden:
Inne ſeid ihr oft geworden, Sqhien3 eu< werth darauf zu achten, Daß die mit mir vollbrachten |
25 Manes ritterliche Werk. ' Jh habe manchmal Thal und Berg y In Tjoſten überritten | Und mit dem Schwerte ſo geſtritten, ] Es mote wohl den Feind verdrießen: j Des laßt ihr wenig mic genießen. ;
788 J< aller Freude waiſer | Traun vor dem Himmelskaiſer Verklag ih einſ eu< Alle. Ihr kommt zu ewgem Falle, 6b Wenn ihr mich niht bald befreit. Mein Jammer wär euch billig leid. Jhr habt geſehn und au< vernommen Wie mir dieß Unglü> iſt gekommen :
| Wie taugt’ i< eu< zum Herren noh? ' 10 Viel zu früh erfahrt ihrs doch, Wenn ihr das Heil verwirkt an mir. O weh, wie übel handelt ihr!“ Sie würden endlich ihn erlöſen, Wär eine Hoffnung nicht geweſen. 15 Euch mahte Trevrezent bekannt Was dort am Gral geſchrieben ſtand. Sie erharrten abermals den Mann, Dem dort die Freude gar zerrann, Und der hülfreihen Stunde, | 20 Da die Frage käm aus ſeinem Munde. | Auf Eine Liſt ſann Anforía3: | Das er geſhloßnen Auges ſaß; | Vier Tage ſenkt’ er oft die Lieder. | Trug man ihn zum Grale wieder, | 25 E3 mot ihm lieb ſein oder leid, | Da zwang ihn ſeine Shwachheit , | Daß er offen that die Augen: | Da muſt er Leben ſaugen Und konnt im Tode nicht erkalten. | So pflegten ſie's mit ihm zu halten 789 Bis an den Tag, da ‘Parzival, Der bunte Feirefiſs zumal, : Froh gen Monßglväſche ritten. Auch kam die Zeit mit ſchnellen Schritten, 5 Daß Mars oder Jupiter Wie zornglühend zog daher Und fih der Stelle wieder nahten (Dann war der König ſ{<limm berathen), Wo ſie zu Anfang ſtunden. 10 Das that an ſeinen Wunden “ Anforta3 weh mit ſolcher Qual, 4 Die Fraun und Ritter allzumal É , Hörten ſein Geſchrei ertönen. | Mit Jammerbli>en und mit Stöhnen / 16 Gab er ſeinen Jammer kund.
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Er war ohn alle Hülfe wund, Helfen konnten ſie ihm niht; Jedoch die Aventüre ſpricht, Nun ſei die wahre Hülf ihm nah. 20 Beim Mitleid ließen ſie es da. Wenn die ſcharfe bittre Noth Jhr ſtrenges Ungemach ihm bot, Den Geruch zu mindern ward die Luft Erfüllt mit ſüßer Kräuter Duft.
26 Man legt’ ihm auf den Teppich hin Dann Pigment und Terpentin,
Moſchus und Aromata.
Die Luft zu reingen lag auh da
Ambra und Theriak genug:
Das war ein ſüßer Wohlgeru<h. 790 Sobald man auf den Teppich trat,
Jeroffel , Kardemon , Muskat
Lag, die Lüſte zu dur<ſüßen,
Gebrochen unter ihren Füßen.
5 Wie das mit Tritten ward zerdrüd>t, So war die Naſe glei erqui>t. Von Lignum Aloe war ſein Feuer; Das ſagt! eu< ſchon ein Abenteuer.
Als Stollen an dem Spannbett prangen
10 Sah man aus Horn gedrehte Schlangen. Daß das Gift beruhigt ſei Waren Wurzeln mancherlei Auf die Kiſſen ausgeſät. Nur geſteppt und niht genäht
15 War das Pfellel, drauf er lehnte, Ein Seidenſtof von Rauriente ; Das Polſter drunter war palmaten. Das Spannbett war auch ſonſt berathen Mit theuern Edelſteinen
20 Und mit anders ‘keinen. e Stränge haltens aneinander Vom Geweb der Salamander:
Das ſind die Borten darunter. Ihn machte Freude niht zu munter.
26 Reih wars nach allen Seiten: | Es möge Niemand ſtreiten | Als hab er Beßres je geſehn. | Es war koſtbar und \ſhön ' Von edeln Steinen aller Art; i Jhre Namen find uns aufbewahrt: |
791 RKarfunkel und Selenit, Balagius und Jerathit , Onix und Chalcedon, e Korallis und Beſtion, | 5 Unio und Ophthallmius , . Epiſtites Keraunius , | Gagatrom, Heliotropia , | Panterus , Androdragma, | Praſem und Sagda, | 10 Hemathites, Dionyſia, h Acates und Chelidon, ; Sardonix und Chalkophon, Karneol und Jaspis, Echites und Jris, 15 Gagates und Lyncurius, Abeſto und Cecolithus, Galafktida , Hyacinthus, Orites und Enydrus , Abſinth und Alabandina, 20 Chryſoelekter, Hiennia, Smaragd und Magnes, | Sapphir und Pyrites. | Daneben ſtanden hier und da Türkiſſen und Lipparea, 25 Chryſolithen und Rubinen, Paleiſen und Sardinen, Adamas und Chryſopras, Diadoch und Topas, Medus und Malaqhit , | Berillus und Peanit. 792 Einige lehrten hohen Muth; Zum Heil und zur Geſundheit gut | War der andern Eigenſchaft. y Sie verliehen hohe Kraft, 5 Wers zu erproben wuſte. So künſtlich friſten muſte © Man Anfortas: der ſhuf dem Herzen Seines Volkes große Schmerzen. Doch bald wird Freude hier vernommen. 10 Schon ift gen Monſalväſh gekommen, Von Joflanz geritten heut, Dem alle Sorge war zerſtreut, | Parzival, ſein Bruder und die Magd. Man hat mir nit genau geſagt 15 Wie viel es Meilen waren.
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Sie hätten Kampf erfahren; : Doch weil Kondrîe ihr Geleit , Blieben ſie davon befreit. Sie waren einer Vorhut nah: 20 Auf ſchnellen Roſſen kamen da. Y Viel Templeiſen angefahren, Gewappnet , die ſo klug do< waren, Daß ſie am Geleite ſahn, Ihnen ſolle Freude nahn. 25 Wohl rief ihr Rottenmeiſter da, Als er die Turteltauben ſah / : Glänzen von Kondriens Kleid: | „Ein Ende hat all unſer Leid: | Mit des Grales Wappen eingetroffen y - - Iſt, auf den wir tägli hoffen | 793 Seit uns Angſt und Noth umſtri>en. | - Gebt acht: nun will uns Freud erquid>en.“ | Feirefiſs Anſchewein Ï i Mahnte Parzival, den Bruder ſein, j j 5 Wider Jene zu reiten, . 5 i Und wollte ſelber ſtreiten. : Kondrîe erfaßte ſeinen Zaum: h Da war zu ſeiner Tjoſt niht Naum. | SS Die rauhe Magd begann zumal ; 10 Zu ihrem Herren Parzival : „Solche Schilde, dieß Panier Sollt ihr kennen lernen hier. Sie zählen zu des Grals Geleit Und find eu< immer dienſtbereit.“ 15 Da ſprah der werthe Heide: Den Streit ih gern nun meide.“ Da {i>te Parzival -Kondrîen Voraus, zu den Templeiſen hin. Sie ritt und brate ihnen Märe 20 Welch Heil für ſie gekommen wäre. : Da ſprangen die Templeiſen Vom Pferd vor dem Waleiſen, Vor dem ſie grüßend ſtunden Den Helm vom Haupt gebunden. 26 Sie empfingen Parzival zu Fuß: Ein Segen dauchte ſie ſein Gruß. Sie begrüßten au< mit Fleiß Dieſen Heiden ſhwarz und weiß,
Und ritten weinend, ob in Freuden, Gen Monſalväſh dann mit den Beiden. 794 Da fanden ſie zahlloſe Schar, . Manth ſ<hönen Ritter grau von Haar, | Knappen und edle Kinde. : Das traurge Jngeſinde 6 Sqien ihre Ankunft doh zu freun. Feirefiſs Anſchewein | Und ſein Bruder Parzival, An der Stiege vor dem Saal Wurden fie wohl empfangen. , 10 Jn den Saal ward gegangen. . Da lagen nach des Hauſes Sitten Hundert Teppiche, rund geſchnitten; Ein Bett auf Jedem, weih genug, Mit geſtepptem -Sammetüberzug. 15 Da muſten Beide zum Empfang : Niederſizen, nur ſo lang Bis fie die Rüſtung abgethan. Dann kam ein Kämmerer heran, E - Der Kleider brachte, reiche, FS 20 Ihnen beiden gleiche. , Auch all die Schar der Ritter ſaß. Man trug von Gold (es war niht Glas) Man theuern Becher in den Saal. Feirefiſs und Parzival 25 Tranken und gingen dann Zu Anfortas dem traurgen Mann. y Jhr habt wohl ſhon vernommen, daß Er lehnte und gar ſelten ſaß; Auch wie das Bett geſ<hmü>t ihm war. Die Zwei empfing Anfortas , zwar 795 Fröhlih , do< mit Kummers Klage: „Mit Schmerz erharri? i<s lange Tage, Werd ih künftig von euh froh. Wohl war euer Abſchied ſo, 6 Daß ihr es billig jetzt bereut, Wenn euh mir zu helfen freut. Ward jemals Preis von euch geſagt, Hier iſt mancher Ritter, manche Magd: Bittet, daß man mir den Tod : 10 Vergönnt, ſo endet meine Noth. Iſt euer Name Parzival, . So entziehet meinem Bli> den Gral
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Sieben Na<t nur und acht Tage, So hat ein Ende meine Plage. | 15 Euch anders warnen darf ih niht: Heil eu, wenn Hülf euh nicht gebricht. Eur Geſell iſt hier ein fremder Mann, Deſſen Stehen ih niht dulden kann. Was ſorgt ihr niht für ſein Gemach?“ 20 Parzival miti Weinen ſprach: „Sagt mir, wo der Gral hier liege. Ob Gottes Gnade an mir ſiege, Des werdet ihr wohl inne werden.“ Da warf er betend \ſi< zur Erden 26 Dreimal zur Dreifaltigkeit , i Daß des traurgen Mannes Leid - Jegt ein Ende mö<ht empfahn. ; Der Held ſtand auf und ſpra< al3dann: „Oheim , was fehlet dir?“ Der für St. Silveſtern einen Stier 796 Vom Tode lebend wandeln hieß, E Der Lazarum erſtehen ließ, - i Derſelbe half, daß Anfortas 7 - Alsbalv zu vollem Heil genas: H Was der Franzoſe nennt Florie, Den Glanz er ſeiner Haut verlieh. Parzivals Schönheit war nun Wind, Und Abſalons , Davidens Kind, So Aller, die wie Vergulacht : 10 Die Schönheit erblih hergebraht , Auch Gathmuretens Schönheitspreis, Als er dort zu Kanvoleis Einzug hielt ſo wonnigli< — All ihre Schönheit Dieſer wich, 15 Die Anfortas aus Siechheit trug. Gott kann der Künſte no< genug. Da braut? es weiter keine Wahl: Durch die Schrift an dem Gral | War ihnen ſhon ein Herr benannt. 20 Parzival ward anerkannt | Als König und Gebieter dort. Man fände wohl an anderm Ort So leiht niht Zwei ſo reihe Männer (Von Reichtum bin ih zwar kein Kenner) 25 Als Parzival und Feirefiſs. | Zu Dienſt fich Männiglich befliß | Dem Wirth und ſeinem Gaſt zumal.
Jh weiß niht der Raſten Zahl, Die Kondwiramur geritten kam | Gen Monſalväſh wohl ohne Gram. 797 Sie hatte Alles ſchon ‘vernommen: Jhr war die Botſchaft gekommen, Ein Ende hätt all ihre Noth. | Von dem Herzogen Kiot 6 Und no< manchem werthen Degen War fie auf waldgen Wegen Gen Monſalväſh geführt, bis dort Wo Segramors3, ihr kennt den Ort, Aus dem Sattel war gewichen, 10 Und Jhr der blutge Schnee geglichen. Da ſollte Parzival ſie finden: Des mocht er gern ſi< unterwinden. Ein Templer bracht ihm jeyo Märe: - Mit der Königin gekommen wäre. | 15 Höfſcher Ritter große Zahl. Nicht lang befinnt ſi< Parzival : | Mit Eingen von des Grales Heer | Zu Trevrezenten reitet er. E | Den Klausner freute herzlih, daß ,_ 20 Es alſo ſtund um Anfortas, Daß er von jener Tjoſt niht ſtarb | Und ihm die Frage Heil erwarb. „Gottes Kraft iſ unermeßen! | © Wer hat in ſeinem Rath geſeßen ? 25 Wer weiß ein Ende ſeiner Macht ? Zu Ende wird es nie gedacht Von allen Himmel8<hören dort. y Goit iſt Menſh und ſeines Vaters Wort. | Gott iſt Vater und Sohn zugleih, | Sein Geiſt iſt aller Hülfe rei.“ | 798 Zu Parzival begann er da: „Ein Wunder iſts wie nie geſchah, . Da ihr mit Zorn zum Himmel ſaht, |. Daß ſein dreieinig ewger Rath 5 Euer Trahten ließ gelingen. y Ich log, euch abzubringen Vom Gral, wie's um ihn ſtünde (Gebt mir Buße für die Sünde; 5 | Gehorſam will ih jet euh ſein, | 10 Schweſterſohn und Herre mein): Daß die vom Weltenmeiſter Aus8getriebnen Geiſter
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Harrend ſ{webten um den Gral, Ob ihnen Gnade würd einmal. |
15 Alſo ſprah ih dort zu euch.
5 Doch Gott iſt fäts ſich ſelber gleich, Er ſtreitet ewig wider ſie Und Gottes Huld wird ihnen nie. Wer ſeinen Lohn davon will tragen,
20 Der muß dem Böſen widerſagen : Ewiglich find ſie verloren,
Sie haben ſelbſt den Fall erkoren. Ihr mühtet euh, das war mir leid, Umſonſt in ganz vergebnem Streit.
25 Daß Wer den Gral ſi< möht erſtreiten War unerhdrt zu allen Zeiten ;
Ich hätt eu< gern der Müh entnommen.
Doch anders iſt es nun gekommen,
Euch kam von Oben der Gewinn;
Zur Demuth wendet nun den Sinn.“ 799 Zum Oheim \pra< der Waleis da:
„Ih ſoll ſie ſehn, die ih nit ſah
Innerhalb fünf Jahren.
Da wir beiſammen waren
5 War fie mir lieb; das iſt ſie noc.
Jh wünſche deinen Rath jedoh
So lang uns noh nicht ſchied der Tod:
Du riethſt mir einſt in großer Noth.
Ich ziehe meinem Weib entgegen :
10 Die zog daher auf waldgen Wegen
Vis an des Plimizöls Geſtad.“ Der Held um ſeinen Urlaub bat.
Da befahl ihn Gott der gute Mann; Nacht war €83, als er fuhr hindann.
15 Den Geſellen war der Wald wohl kund. | Am Morgen fand er lieben Fund, | Man Gezelt aufgeſchlagen:
Aus dem Lande Brobarz, hört ih ſagen, | War manches Banner eingeſenkt
20 Und mancher Schild davor gehängt :
Seines Landes Fürſten lagen dort. Der Waleis frug, an welhem Ort Die Köngin ſelber läge
Und ob eigner Kreiß fie hege ?
25 Da zeigte man ihm wo ihr Zelt Mit eignem Umkreiß ſtand im Feld,
Von andern Zelten rings umfangen. Herzog Kiot von Katelangen
War heut erwacht bei Zeiten:
Da ſah er dieſe reiten.
800 Noh war des Tages Schimmer grau; Kiot erkannte do< genau Des Grales Wappen an der Schar: Sie führten Turteltauben klar.
5 Der alte Mann erſeufzt von Herzen, Da er Scoiſianens denkt mit Schmerzen: Die er zu Monſalväſh erworben War bei Siguns Geburt geſtorben. Entgegen ging er Parzival
| 10 Und empfing ihn mit den Seinen all.
| Den Marſchall der Königin,
| Durch einen Junker bat er ihn,
| Den Rittern gut Gemach zu ſchaffen,
| Die er da halten ſah in Waffen.
| 15 Ihn ſelber führt? er an der Hand Wo er der Köngin Kammer fand,
; Ein klein Gezelt von Bu>eram,
| Wo man die Rüſtung von ihm nahm.
E Noch ahnte nichis die Königin.
| 20 Kardeiß und Loherangrin
| Fand bei ihr liegen Parzival (Wer zählt da ſeiner Freuden Zahl? In einem hohen weiten Zelt,
Und rings umher ihr zugeſellt
25 Lagen klarer Fraun genug. Kiot die De>e von ihr ſchlug, Er hieß die Königin erwachen, Sie ſollte fröhlih ſein und lachen. Sie bli>t’ empor und ſah den Mann; Sie hatte nur das Hemde an.
801 Die De>e hurtig um ſi ſhwang, Auf den Teppich vor dem Bette ſprang Kondwiramur , das {bne Weib;
Ihr Gemahl umfing ihr auh den Leib. 5 Man ſagte mir, ſie küſsten fi.
Sie ſprah: „So hat das Glü> mir dih
Geſendet, Herzens8freude mein!“
Sie hieß ihn willkommen ſein.
„Nun ſollt ih zürnen, kann nicht, ah! 10 Heil ſei der Stunde, Heil dem Tag,
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Die mir brachten dieſen Kuſs, Davon mein Trauern ſhwinden muß. Nun hab ih was mein Herz begehrt, Allen Sorgen iſ| der Sieg verwehrt.“ 15 Nun erwachten auch die Kindelein, Kardeiß und Loherangrein: Die lagen auf dem Bette bloß. Wohl war des Vaters Freude groß, Da er fie küſste minniglih. | 20 Nicht lang bedachte Kiot ſich, | Er befahl die Knaben fortzutragen ; y Man hört! ihn au< den Frauen ſagen, Daß fie aus dem Zelte gingen. Das thaten ſie, do< erf empfingen 25 Sie ihren Herrn nach langer Reiſe. j Kiot der höfiſhe und weiſe j Befahl der Köngin ihren Mann; : Die Jungfraun führt’ er all hindann. | Noch begann es kaum zu tagen; Die Winden wurden zugeſchlagen. 802 Nahm ihm einſt bewuſten Sinn Schnee und Llut gemiſcht dahin (Die fand er liegen hier im Hain), Für ſol<hen Kummer ſteht nun ein 5 Kondwiramur , die Beides hat. Nie hatt er Hülf an andrer Statt Empfangen für der Minne Noth Ob mane edles Weib ihm Minne bot. In ſüßer Kurzweile lag 10 Er bis zu vollen Morgens Tag. Neugierig nahte Kiots Schar: | Sie nahmen der Templeiſen wahr. Von Hieb und Stoß zerſhlagen Sah man fie Helme tragen; 15 Ihr Schild hat Lanzenſtöß erlitten, Von Shwertern war er auch zerſchnitten. Von Sammet oder Seidentuh War das Kleid, das Jeder trug. y Keinen Harniſch trugen mehr die Stolzen, | 20 Nur an den Füßen Eiſenkolzen. Nicht mehr zum Schlafen ſtand ihr Sinn. Der König und die Königin |
Standen auf. . Ein Prieſter Meſſe ſang. | Da ward im Lager groß der Drang 26 Von dem tapfern Kriege8heer , i: | Das Klamiden einſt ſtand zur Wehr. | Als die Meſſe war begangen
Wurde Parzival empfangen
Würdiglih von ſeinem Bann,
Manghem Ritter kühn und wohlgethan. 803 Des Zeltes Winden nahm man ab.
Der König ſprah: „Wo iſ der Knab,
Der König ſein ſoll euerm Land?“
Allen Fürſten machi? er da bekannt:
56 „Waleis und Norgals,
Kanvoleiß und Kingrivals
Gehört zu vollem Recht ihm an
Mit Anſchau und Bealzenan.
Erwächſt er einſ zu Mannes Kraft ,
10 So helft, daß ihr ihm Die verſchafft. / Gatmuret mein Vater hieß,
Der mirs als re<tes Erbe ließ.
Da mir das Glü> verhalf zum Gral, E So empfanget ihr an dieſem Mal
15 Eure Lehn von meinem Kinde,
Wenn ih euch treu befinde.“
h Das geſchah von Herzen gern. | Viel Fahnen brachte man dem Herrn: | Da liehn zwei kleine Hände 20 Weiter Lande manches Ende. | Gefkrönet wurde da Kardeiß; | Er bezwang auch ſpäter Kanvoleiß Und mehr von Gachmuretens Land. . An des Plimizöls grünem Rand 26 Ward ein weiter Kreiß gemeßen, | Wo fie zu Mittag ſollten eßen. | Sie nahmen eilends Trank und Speiſe Und ſhi>ten ſi zur Heimreiſe. i Die Zelte bra< das Heer darnieder ;
Mit dem jungen König fuhr es wieder. 804 Das Ingefind und viel Jungfrauen | Ließen großen Kummer ſchauen, | Da fie ſieden von der Königin.
h Die Templer nahmen Loherangrin | 5 Und ſeine Mutter wohlgethan:
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Alſo ritten fie hindann | Gen Monſalväſche balde.
„Eines Tags in dieſem Walde
Sah i eine Klauſe ſtehn “
10 Sprach Parzival, „und drinne gehn ; Einen klaren Brunnen ſnelle: y Wenn ihr fie wißt, weiſt mi zur Stelle.“ Sie wüſten eine, ward geſagt Von den Gefährten: „eine Magd |
15 Wohnte klagend auf des Freundes Sarg; | Ihr Herz die lautre Güte barg.
Unſer Weg geht nah vorbei;
Ihr Herz iſ ſelten Jammers frei.“
Der König ſprah: „Jh will fie ſehn.“
20 Die Andern ließens gern geſchehn.
Sie ritten vorwärts trabend
Und fanden ſpät am Abend
Sigunen auf den Knieen todt:
Da ſah die Köngin Jammers Noth.
25 Dur den Felſen bra< man zu ihr ein.
. Seiner Baſe halber ließ den Stein Parzival vom Sarge heben. Schbn gebalſamt wie im Leben Lag Schionatulander da. Man legte fie dem Helden nah, 805 Die ihm magdtumliche Minne gab Im Leben, und verſhloß das Grab. Kondwiramur begann zu klagen Jhres Oheims Tochter, hört! ih ſagen, 6 Mit großen Schmerzen unerlogen: … Sqoiſiane hatts fie erzogen, Die Mutter der geſtorbnen Maid, Als Kind, drum trug fie um ſie Leid, Die Muhme nannte Parzival , y 10 Wenn Wahrheit ſpriht der Provenzal. Noch wuſt um ſeiner Tochter Tod Nit der Herzog Kiot, | Der Kardeißen hatt erzogen. | Es ift niht krumm wie der Bogen, 15 Die Wahrheit ſag ih re<ht und {hle<ht. Da thaten fie der Reiſ ihr Recht Gen Monſalväſh in tiefer Nacht. Die Stunden harrend zugebra<t Hatte Feirefiſs mit freudgem Herzen.
| 20 Man entzündete viel Kerzen | Als wär entbronnen rings der Wald. | Einen Templer von Patrigalt
Sah man bei der Köngin reiten.
Der Hof war räumig: an den Seiten
25 Stand harrend manch geſondert Heer: | Sie empfingen all die Köngin hehr,
Den Wirth und auh ſein Söhnelein.
Da trug man Loherangrein
Zu ſeinem Oheim Feirefiſs:
Da Der ſi< ſhwarz und weiß erwies, [806 Wollt ihm das Kind den Mund niht leihn; | Den Kleinen muß man Furcht verzeihn. | Das beluſtigte den Heiden. | Da begann man ſih zu ſcheiden
6 Auf dem Hofe, wo die Königin
War abgeſtiegen ; Hochgewinn
War Allen ihre Kunft fürwahr.
Man führte ſie, wo Frauen klar
Sie zu empfangen ſi beflißen.
10 Anfortas und Feirefifſen
Mochte man bei den Frauen e
An der Stiege hdfiſ< ſchauen.
Repanſe de Schoie,
Von Grünland Garſchiloie
15 Und Florie von Nonel
Trugen klare Haut und Augen hell,
Dazu magdtumlichen Preis.
Da ſtand auch, ſhwanker als ein Neis,
Der Güt' und Schönheit unverloren
20 War, zur Tochter Jhm geboren,
Ril, dem Herrn von Jerniſe,
Die reine Magd Anſliſe.
Von Jhr ſtand Klariſchanz nicht weit, j
Von Tenabro> die ſüße Maid,
26 An liter Farbe unverkürzt , | Trog Ameiſen ſ{lank geſchürzt. | Die Königin von Feirefiſs
Zum Willkomm gern fi küſſen ließ,
Von Anfortaſen ebenſo ;
Auch war fie ſeiner Heilung froh.
807 Der Heide führte ſie an der Hand,
Wo fie des Wirthes Muhme fand,
Repanſen de Schoie, ſtehn.
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Noch muſten Küſſe viel geſchehn. 6 Jhr Mund, {hon zuvor ſo roth, e Litt nun von Küſſen ſolche Noth: e Daß J<h für ſie ſo man<he Maid Nicht küſſen kann, das iſ mir leid, Statt der reiſemüden Königin. : 10 Da führten fie die Jungfraun hin. : Die Ritter blieben in dem Saal: Da ſah man Kerzen ohne Zahl : Wonniglih entbronnen. \ Da ward mit Zucht begonnen 15 Ein Feſtmal mit dem Grale. . Nicht bei jedem Male Pflag man ihn vorzutragen, : (Nur an feſtlihen Tagen. Sie hatten damals Troſt zu finden ‘20 Gehofft, da ihre Freude ſhwinden Der blutge Sper ließ jenen Abend: . Weil er lindernd iſt und labend, Trug man da hervor den Gral; Dog ließ in Noth fie Parzival. : 25 Heut trug man ihn zur Freude vor, _Da all ihr Kummer ſi verlor. * Da des Reiſekleids entledigt war Die Köngin, und gekränzt ihr Haar, Da trat fie wiederum herfür ; E Der Heid empfing fie an der Thür. 808 Nun, da mar es ohne Streit, Es hört’ und ſprach zu keiner Zeit ” Niemand von ſhönerm Weibe. Aug trug fie an dem Leibe 5 Seidenzeug von Meiſterhand Gewirkt, ein Stoff, den einſt Sarant Mit großer Kunſt erfunden hat : Dort zu Tha3me in der Stadt. | Feirefiſs Anſchewein 10 Führte ſie, der lihter Schein Entſtralte, mitten dur< den Saal. E An großer Feuer .drei’'n zumal Gab Aloeholz Geruh und Hiye. Vierzig Teppiche und Sigze o = 15 Sah man heute mehr, als da E Zuerſt den Gral der Waleis ſah. Vor allen war Ein Sig geziert ,
Wo mit Anforta3 der Wirth : Sitzen ſollt und Feirefifſen. 20 Wohl war der Zucht beflißen - Wer da dienen wollte, Wenn der Gral erſcheinen ſollte. Wie man vor Anfortas ihn trug, Davon vernahmt ihr einſt genug: 25 Sie halten es nah gleihem Brau Vor des werthen Gahmuret Sohn auh Und König Tampentärens Kind. | Die Thür geht auf; im Zuge ſind | Da ſchon die Jungfraun allzumal , 5 | Fünf und zwanzig an der Zahl. |809 Die erſte ſien dem Heiden klar | Und ſ{ön, mit langem Lo>enhaar , : © Die andern ſ{öner, die er da Auf die erſte folgen ſah, 6 Jhre Kleider koſtbar all und reich; Minniglih und {ön zugleih War all der Jungfraun Angeſicht. Die legte war vor Allen licht, Repans de Schoie, eine Magd. / 10 Tragen ließ, ſo wird geſagt, | Sich der Gral von Jhr allein; ' | Keine andre durft es ſein. | Demuth wohnt! in ihrem Herzen; | Den Snee ſchien ihre Haut zu ſ{hwärzen. | | 15 Wollt ihr no<mals Kunde haben | Wie viel Kämmerer das Waßer gaben, | Wieviel man Tafeln vor ſie trug (Heut wären hundert niht genug), Wie Unordnung floh den Saal, 20 Dann der Karoſſen große Zahl Mit den theuern Goldgefäßen , Beſchrieb! ih wie die Ritter äßen, So käm iq allzuſpät ans Ziel, - Drum nehm ih Kürze mir zum Ziel. 26 Mit Zucht man von dem Grale nahm Alle Speiſe, Wild und Zahm, Hier den Meth und dort den Wein, y | Wie es Jeden mo<ht erfreun , e Sinopel , Moraſs und Klaret. | Le fils dü Roi Gahmuret
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810 Fand Pelrapär nicht ſo beſtellt Al8 es zuerſt erſah der Held. . Der Heide frug verwundert, Wie die Becher alle hundert 56 Vor der Tafel würden voll ? Ihm gefiel das Wunder wohl. Da ſpra<h der klare Anfortas, Der ihm an der Seite ſaß: „Herr, ſeht ihr vor eu< niht den Gral?“ |
10 Der bunte Heide ſpra< zumal :
I< ſehe nur ein Ahmardi;
Eine Jungfrau bracht es, Sie
Die gekrönt dort vor uns ſteht ; Ihre S<hönheit mir zu Herzen geht.
15 J< wähnte doch ſo ſtark zu ſein,
Daß mir kein Weib no< Mägdelein Frohen Muth mehr rauben könnte. Wenn je mir werthe Minne gönnte Ein Weib, mir widert all ihr Minnen.
20 Wohl iſts unziemlihes Beginnen,
Daß ih euch künde meine Noth,
Der ih noh nie eu<h Dienſte bot.
Was hilft nun all die reihe Habe
Und was ih um Fraun geſtritten habe?
26 Was frommt mir, daß ih mild gegeben, | Wenn ich in ſol<her Qual ſoll leben?
Mein ſtarker Gott Jupiter,
Schi>teſt du mih zur Marter her ?“
Man ſah vor Schmerz die weißen Stellen
Seiner Haut fi bleichend hellen: 811 Kondwiramur die Schöne ſah
Jhren Schein ſo liht beinah
Als der Jungfrau Weiße prangen.
In ihrer Minne Stri> gefangen
ÿ War Feirefiſs der werthe Gaſt.
Andre Minne ward ihm ſo verhaßt,
Er vergaß ſie ganz mit Willen.
Was half da Sekundillen
Ihre Minne, was Tribalibot ?
10 Eine Magd {uf Ihm ſo ſtrenge Noth: Olympia und Klauditte, / Sekundille dann die dritte, | Und wo ihm Lohn in andern Landen Ein Weib für Dienſte zugeſtanden,
15 Aller dieſer Frauen Minne Sghlug ſich Gahhmurets Sohn aus dem Sinne. Da ſah der klare Anfortas, | Daß ſein Geſell gefoltert ſaß, | Wie ſeine blanke Farbe bli, | 20 Jhm aller hohe Muth entwich. | Da ſprach er: „Herr, die Schweſter mein, Leid wär mir, ſhüfe Die eu< Pein, Die Niemand noc von ihr erlitten. Kein Ritter hat für fie geſtritten, 25 Auch empfing no< Niemand Lohn von ihr; Sie theilte großes Leid mit mir. Ihre S<{bnheit muſt es auh entgelten, Daß man fie fröhlih ſah ſo ſelten. Euer Bruder iſ ihr Schweſterſohn, Der {<a} vielleicht eu< Hülf und Lohn.“ 812 „Die Magd ſoll eure S<weſter ſein | Sprach Feirefiſs Anſchewein, ' „Die die Kron auf bloßem Haupte hat ? | Gebt mir zu ihrer Minne Rath; | 6 Nach Jhr nur hat mein Herz Begehr. Erwarb mir jemals Preis der Sper, Wär das allein für Sie geſchehn, Und ließ Sie mich den Lohn erſehn! Fünf Stiche zählt man zum Turnier: 10 Wie oft gelangen alle mir! Der erſte beim Entgegenreiten; A Travers3 nennt man den zweiten; Der dritte lehrt entweichen Den Tapfern, die uns gleichen; 15 Auch hurtigli< hab ich geritten, Und auh zur Folge wohl geſtritten: Seit der Schild mir De>ung bot, Empfand ih heut die gröſte Noth. Einen feurgen Ritter glühn 20 Sah ih vor Agremontin: | War niht mein Salamanderkleid, | Von Asbeſt mein Schild zu jener Zeit, j J< wäre von der Tjoſt verbronnen. Hab ich Preis je mit Gefahr gewonnen 26 Jn ſolhem Kampf, was ſandte mih Nicht eure Schweſter minniglih? Ihr Bot im Kampf noh wär ih gern. Meinem Gotte, Jupitern,
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Will ih ewig Haß im Herzen tragen, Scoafft er kein Ende bittern Klagen.“
813 Hieß Frimutel ihr Vater nicht,
Daß ſo gleihe Farb und Angeſicht Anfortas wie die Schweſter trug? Der Heide ſah ſie an genug,
6 Und ſah dann wiederum auf Ihn. Wieviel man Speiſen her und hin Da trug, ſein Mund davon nicht aß, fi Obgleich er ſheinbar eßend ſaß. ]
Anfortas ſpra< zu Parzival:
10 „Herr, euer Bruder hat den Gral, ' Wie mic dünkt, noh niht geſehn.“ | Da muſt ihm Feirefiſs geſtchn, Vom Grale würd er nihts gewahr; Das ſchien den Rittern wunderbar.
15 Da vernahms auth Titurel der Greis, Der gelähmt zu Bette lag ſhneeweiß. Der ſprach: „Is ein ungläubger Mann, So gedenk er nicht daran , | Daß des Ungetauften Augen |
20 Zu ſolcher Gnade taugen, | Daß er je den Gral erſchaut: | Da ſind Schranken vorgebaut.“
In den Saal entbot er das. Da ſpra< der Wirih und Anfortas:
25 Was die Riiter hier im Kreiſe Labe mit Trank und Speiſe,
Bevor ein Heide ſi bekehrt,
Wär ihm das anzuſchaun verwehrt.
Sie riethen, daß er dur< die Taufe | Sich ewigen Gewinn erkaufe.
814 „Wenn ih die Taufe denn gewinne, | Die Taufe, hilft fie mir zur Minne?‘ Spra Gachmuretens Sohn, der Heide: „Es that mir ſonſt niht viel zu Leide
6 Ob Streit mih oder Minne zwang. Es ſei kurz oder lang, Seit mich der erſte Schild umfangen, Nie ließ mich ſol<he Noth erbangen. Es ziemte, Minne zu verhehlen; 10 Doh kann mein Herz fie niht verſtehlen.“
„Wen meinſt du?“ ſpra< Parzival. „Die Maid mit lihter Schönheit Stral, Meines Nachbarn Schweſter hier. Verhilfſt du, Bruder, mir zu ihr, 15 Viel Reichtum bringt ihr meine Hand, | Ihr dienſtbar wird man< weites Land.“ Der Wirth ſpra<h : „Läßeſt du dich taufen, So magſt du ihre Minne kaufen. Wohl duzen jeyo darf ih dich, 20 Denn unſer Reichtum gleichet fi, Da der Gral mir ward zu Theil.“ „Hilf mir zu meinem Heil Sprach Feirefiſs Anſchewein , „Bruder, bei der Muhme dein. e 25 Wenn man die Tauf im Streit gewinnt, In Streit nur ſchaffe mi geſhwind: Gern leiſt i< Dienſt um Jhren Lohn. Ih hörte gerne ftäts den Ton, | Wenn von der Tjoſt die Splitter ſprangen, | Séwerter laut auf Helmen klangen.“ 815 Der Wirth der Rede late ſehr y Und Anfortas noh viel mehr. | „Hier richteſt du nichts aus mit Streit | Spra der Wirth; „doh kommt die Maid | 6 Kraft rehtier Tauf in dein Gebot. Jupitern , deinem ‘Gott, Muſt du um fie entſagen, Sekundillens di< entſhlagen. Morgen früh geb ih dir Rath, 10 Der führt dih auf den re<hten Pfad.“ Anforias, eh ihn Siehtum band, E Mit Ruhm erfüllt’ er manches Land Dur kühne That um Minne. In ſeines Herzens Sinne 15 Wohnte Güt und Mildigkeit ; Auch erwarb er oft den Preis im Streit. Da ſaßen hier dem Grale bei Der allerbeſten Ritter drei, Die je Schilde8amits gepflogen ; 20 Sie waren kühn und verwogen. Geliebts , ſo end ih hier das Mal. Die Tafeln trug man aus dem Saal
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Und das Geräthe wonniglit, Mit höfſchem Gruße neigten ſ< 25 Vor ihnen all die Jungfräulein. Feirefiſs Anſchewein Sah fie aus dem Saale gehn: Um ſeine Freude wars geſchehn. Seines Herzens Schloß trug hin den Gral; Urlaub gab ihnen Parzival.
816 Wie die Wirthin ſelber ging hindann Und was man weiter no< begann; i Daß man ſein wohl mit Betten pflag, y Der unſanft do< dur< Minne lag;
5 Wie die Templeiſen allzumal Ausruhten von der Unruh Qual, - Auf Den Beſcheid muß ih verzichten: J<h will eu< von dem Tag berichten. ' Bei des Morgens lihtem Schein | 10 Kam Parzival überein | Mit Anfortas dem Helden, Worin? das werd ih melden. f Sie ließen Den von Zaßamank 7 Kommen, den- die Minne zwang, 15 Jn den Tempel vor den Gral. Die weiſen Templer allzumal y Lud man auch dazu. Schon war ; Von Rittern, Knappen große Schar | Verſammelt, als der Held erſchien. | 20 Der Taufnapf war ein Rubin, | Eine runde Stufe ſein Geſtell Von Jaspisſtein : Titurel Hatt ihn ſo köſtlich hergeſtellt. ; Da ſprach zum Bruder unſer Held: | 26 „Minneſt du die Muhme mein, All den falſchen Göttern dein Muſt du um Sie entſagen, Und Haß dem Böſen tragen, Der widerſagt dem hdö<ſten Gott, Getreulich leiſten Des Gebot.“
817 „Wodur ih ſie erwerben kann,“
Sprach der Heide, „das wird all gethan Und getreulih bald vollendet.“ Ein wenig ward gewendet
5 Der Taufnapf hin zu dem Gral:
| Da ward er Waßers voll zumal, Nicht zu warm noch zu kalt. Da ſtand ein grauer Prieſter alt, Der manch heidniſ< Kindelein 10 Schon getaucht hatte drein. | Der ſprah: „Ihr ſollt glauben, | Wollt ihr dem Feind die Seele rauben, j An den höchſten Goit alleine. | Dreifaltig iſ der Eine, 15 Doch Eins und einig immerfort. Gott ift Menſch und ſeines Vaters Wort. Da er Vater if und Kind, Die beide glei< gewaltig find Und an Macht dem Geiſte gleich, 20 In der dreien Namen wehret euh Dieſes Waßer Heidenſchaft Durch der Dreieinigkeit Kraft. Die Tauf im Waßer mied er nicht, Der Adam lieh ſein Angeſicht. 25 Vom Waßer kommt der Bäume Saft, BVefruchtend giebt das Waßer Kraft Aller Kreatur der Welt, Vom Waßer wird das Aug erhellt, Waßer giebt mancher Seele Schein , Daß kein Engel liter möchte ſein.“ 818 Feirefiſs zum Prieſter ſprach: „Lindert es mein Ungemahh, So glaub i< was ihr mir befehlt. Wenn Jhre Minne mir niht fehlt, 5 So leiſt ih gerne ſein Gebot. Bruder, an der Muhme Gott Will ih glauben und an Sie (So große Noth empfand ih nie): Meinen Göttern all ſei abgeſhworen, | 10 Sekundille hat verloren y Jede Forderung an mich: Dem Gott der Muhme taufet mi.“ Da ſpra< man mit Handauflegen | Ueber ihn der Taufe Segen. | 16 Als der Heide die bekam h Und dann die Pathengabe nahm, Was ihm nur zu lange währte, E Die Maid wars, die man ihm verehrte: Man gab ihm Frimutellens Kind.
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20 Den Gral’ zu ſchauen war er blind : Geweſen vor der Taufe Feier: : Gehoben jeyo war der Schleier,
Daß er den Gral mochte ſehn. Als die Taufe war geſchehn, 25 Am Grale man geſchrieben fand: | Welchem Templer Gottes Hand | Fremdem Volk zu helfen aufgetragen , Verbieten ſoll’ er dem, zu fragen Nah ſeinem Namen und Geſchlechte So lang er ihnen Hülfe brächte. i “819 Wenn ſie die Frage niht vermeiden, | Muß er ſi von ihnen ſcheiden. | Seit der gute Anfortas So lang in bittern S<hmerzen ſaß, 5 Weil die Frage nicht geſchah ſo lange, Jt ihnen jezt vor Fragen bange. All des Grales Dienſtgeſellen Darf man keine Frage ſtellen. Der getaufte Feireſiſs 10 Sich der Bitte ſehr befliß, * Daß ſein Shwager mit ihm fahre, Und ſein reihes Gut nict ſpare | Daheim bei ihm in Zaßamank. Dog abgelehnt mit großem Dank 15 Ward ſein Geſu< von Anfortafſſen : „Ih möchte niht verderben laßen Zu Gott den dienſtbereiten Muth. / Des Grales Krone war ſo gut, | Durch Hochfahrt ging ſie mir verloren; 20 Nun hab i< Demuth auserkoren: Reichtum und Frauenminne Bleiben fern von meinem Sinne. Jhr führet heim ein edles Weib: Den Dienſt wird eu< ihr keuſcher Leib 256 Mit holder Weiblichkeit belohnen; Derweil will ih mich hier niht ſhonen, In meinem Orden Tjoſte reiten e Und im Dienſt des Grales ſtreiten. Um Frauen ſtreit i< nimmermehr: - | Meinem Herzen gab ein Weib Beſhwer. | 820 Doh ih will ſie nit verklagen, Nicht Haß den Frauen tragen: Sie leihen Freud und hohen Sinn, Erwarb ih ſelbſt au< Ungewinn.“ ¡
"56 Daß er die Mitfahrt ihm gewähre | Vat bei ſeiner Schweſter Ehre ¡ Feirefiſs ihn flehentlich; | Doch mit Verſagen wehrt? er ſi. | Feirefiſs Anſchewein 10 Bat, daß Loherangrein Mit ihm von dannen möchte fahren. | Die Mutter wollt ihm niht willfahren; | Auch ſpra< da König Parzival: „Gewidmet iſt mein Sohn dem Gral: 15 Dem muß er Herz und Dienſte weihn, E Will Gott ihm re<ten Sinn verleihn.“ | Noth großer Freud und Kurzweil pflag , Feirefiſs bis zum eilften ‘Tag; | Am zwölften ſied er hindann. S 20 Da wollte dieſer reihe Mann E y Sein Weib zum Hafen führen. E Das muſte ſhmerzlih rühren Den getreuen Parzival. : Jhm ſchuf der Lieben Abſchied Qual. | 25 Er berieth fi< mit den Seinen bald | Und ſandte mit ihm dur<h den Wald Seiner Ritter große Schar. Anfortas der Degen klar Gab ſeinem Schwager das Geleit. y Da ſah man weinen manche Maid. 821 Sie ſollten ſich auf öden Wegen Gegen Karkobra bewegen. Dem, der dort als Burggraf ſaß, Entbot der werthe Anfortas, 5 Er würde jezt gemahnt varan, * Hab er reihlih je empfahn Aus ſeiner Hand Geſchenke, | Daß er der Treue denke | Und feinen Schwager mit Geleit E 10 Führe manche Meile weit, | Dazu ſein Weib die Königin, Durch den Wald Läprifin Vis zum Hafen an den Strand. Des Urlaubs Stunde war zur Hand. 15 Nicht weiter fuhr mit ihm das Heer. Erwählt ward Kondrie la Sorzier Als Botin ihm voranzureiſen. Urlaub nahmen die Templeiſen
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Alle von dem reichen Mann.
20 So ſchied der Höfiſhe hindann.
Den Burggraf, der niht unterließ
Zu thun wie ihn Kondrie hieß, Feirefiſs , den reihen Mann Sah man ihn ritterli<h empfahn
25 Und ihm gut Gema ertheilen. Doch niht lange durft er weilen, Er fuhr am Morgen weiter, Und viel Ritter als Geleiter. Noh manches Land durchzog er da Vis er das Feld vor Joflanz fah. -
822 Sie fanden Leute no< genug |
Wo einſt das Lager ſtand: da frug Sie Feirefiſs um Märe Wo das Heer geblieben wäre?
5 Da hatten fie ſich längſt gewandt Ein Jeder heim zu ſeinem Land; Artus gegen Schamilot.
Der von Tribalibot Eilte ſich nur deſto mehr 10 Nah dem Hafen an dem Meer. Da hielten trauernd ſeine Scharen, Weil fie von ihm geſchieden waren. Doh brachte neuen hohen Muth Seine Heimkehr manchem Ritter gut. 15 Der Burggraf von Karkobra Und all die Seinen wurden da Mit reihen Gaben heimgeſandt. Neue Märe ward Kondrien. bekannt : Boten meldeten dem Heere | 20 Daß Sekundill geſtorben wäre. e Repans de Schoie wurde ſo - Erſt ihrer Reiſe wahrhaft froh. In Indien gebar fie dann Einen Sohn, den man Johann, 25 Prieſter Johannes ſpäter hieß, Und der den Namen hinterließ Den Köngen bis auf unſre Zeiten. Da ließ das Chriſtentum verbreiten Feirefiſs in all den Landen, Die dort ihm zu Gebote ſtanden: 823 Dur ſeine Pfleg erwuchs es da.
| Hier nennen wir es Jndia, | Doh heißt es dort Tribalibot. Dur Kondrie la Sorzier entbot 5 Feirefiſs dem Bruder Märe Wie es ihm ergangen wäre Seit Sekundillens Todesftunde. | Gern hörte Anfortas die Kunde, Daß ſeine Schweſter ohne Zwiſt | 10 So weiter Lande Herrin iſt. | Wahrheit habt ihr von fünf Kindern Frimutels gehört , niht mindern. Davon find zweie längſt geſtorben; Drei haben hohes Heil erworben. 15 Scoifiane hieß die Eine, | Die vor Gott der Falſchheit reinc ; | Herzeleid die andre hieß, Die Falſchheit aus dem Herzen wies. Schwert und ritterlihes Leben 20 Hat Trevrezent dahin gegeben An die ſüße Gotte8minne Und ſtrebt nah ewigem Gewinne. Der klare Anfortas verband Das keuſche Herz der kühnen Hand, 25 Indem er noch viel Tjoſte ritt, Für den Gral und niht um Frauen ſtritt. Zur Kraft erwu<hs Loherangrin, Verzagtheit ſah man von ihm fliehn; Als er ſih kühner That befliß ö War ihm Preis im Dienſt des Grals gewiſs. 824 Hört weiter von dem jungen Helden. Von einer Fürſtin laßt eu< melden: Der Falſchheit ledig war ihr Muth; | Erlaucht Geſchle<t und reihes Gut 5 Jhr angeartet waren. Man ſah ſie ſtäts gebahren In reinem Wandel vor dem Herrn; Irdiſh Verlangen blieb ihr fern. Es warben Herrn um fie genug; 10 Mangher der die Krone trug, Und Mangher der ihr Standsgenoß: Doch ihre Demuth blieb ſo groß, Daß fie jeder Werbung widerſtand. | Der Grafen viel aus ihrem Land | 15 Sqalten ſie im Grolle:
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Worauf ſie warten wolle, Daß ſie den Mann nicht wähle, Dem ſie Leut und Land befehle ? Auf Gott allein war ihr Verlaß, | 20 Geduldig trug fie Zorn und Haß. | Sie hört’ unſchuldig fich verdammen: ! Ihre Fürſten rief fie da zuſammen; Die zogen weit und breit heran: Da verſhwur ſie jeden Mann, 26 Den ihr Gott nicht zugeſendet; Deſſen Minne ſei ihr Herz verpfäñdet. Fürſtin war ſie in Brabant ; Von Monſalväſche ward geſandt, Vom Schwan im Nahen hergebracht Welchen Gott ihr zugedacht , 825 Und in Antwerpen ans Land gezogen; Sie war auch niht an ihm betrogen: So wohl konnt er gebahren , Daß man ihn für den klaren, 5 An aller Mannheit reichen Lobpries in allen Reichen, Wo man ſein Kunde je gewann. Züchtig und weis, ein höfſher Mann, Freigebig ohne Aderſchlag, | 10 Dem es an jedem Fehl gebrach. Da ihn die Fürſtin wohl empfing Vernehmt wie ſeine Red erging: Jm Kreiß verſammelt hörte dort * Arm und Reich des Fremdlings Wort. 15 „Frau Herzogin ,“ ſo hub er an, „Soll ih des Landes Kron empfahn, So verlier ih anderwärts ein Reich. Dieſe Bitte ſtell ih euch: Fraget nimmer wer ich bin, 20 So bleib ih bei eu< fürderhin: Werd ih zu eurer Frag erkoren, Meine Minne habt ihr bald verloren. Wollt ihr der Warnung nicht willfahren, So warnt mi< Gott hinwegzufahren.“ 26 Jhre Treue ſeßte ſie zum Pfand (Der ſie ſfih do< aus Lieb entband), Sie woll ihm zu Gebote ſtehn Und es nimmer überſehn
Was er fie leiſten hieße, E | Wenn fie Gott bei Sinnen ließe. 826 Der näthten ihre Minn empfand | Hieß am Morgen Herzog von Brabant. | Bei der Hochzeit, die man rei beging, | Ein jeder Fürſt von ihm empfing 6 Die Lehen, die er ſollt empfahn. Ein gere<hter Richter war ihr Mann, Auch übt! er oftmals Ritterſchaft i E Und behielt den Preis dur<h Muth und Kraft. Sie gebar ihm man<he3 {dne Kind. 10 Viel Leute no< in Brabant ſind, Die wohl wißen von den Beiden, Seinem Kommen, ſeinem Scheiden, Und wie lang er dort verblieb Vis ihr Fragen ihn vertrieb. 16 Er ſ{hied auh ungern hindann. Doch ſhwamm herbei ſein Freund der Shwan Und nahm ihn in den Kahn an Bord. Zum Angedenken ließ er dort Ein Schwert, ein Horn, ein Ringelein. 1 20 Von hinnen fuhr Loherangrein. Dieſe Märe ſagt’ eu< ſhon, Er war Parzivalens Sohn; Der fuhr auf unbekannten Wegen Wieder heim, des Grals zu pflegen. 26 Wie geſhahs der edeln Herzogin? Was trieb den Herzensfreund ihr hin? Daß fie nicht früge, war ſein Rath, Als er vom See zu Lande trat. | Hier ſollte nun Herr Ere> ſprechen, Der Bruch des Schweigens weiß zu rächen. 827 Daß von Troyes Meiſter Chriſtian Dieſer Märe Unrecht hat gethan, Wohl zürnen mag darum Kiot, Der uns die wahre Mär entbot. 6 Erſchöpfend ſagt der Provenzal, Wie Herzeleidens Sohn den Gral, Der ihm geordnet war, erwarb Als des Anfortas Heil verdarb. Von Provenz ins deutſhe Land 10 Ward uns die re<hte Mär geſandt
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GUV TE E i A
Und der Aventüre letztes Ziel. Nicht mehr davon hier ſprechen will Jh Wolfram von Eſchenbah E Als dort davon der Meiſter ſprach.
15 Des Helden Kinder, ſein Geſchle<ht Lehri' ih eu< erkennen re<t ; Ihn ſelber bra<t i< an den Ort, Wo Heil ihm blühet immerfort. Wes Leben ſo fi endet,
20 Daß Gott niht wird gepfändet
e Dz zitens | Der Seele dur< des Leibes Schuld, | Und er dennoch \ſi< die Huld | Der Welt erhielt mit Würdigkeit, | Der blieb vom rechten Ziel niht weit. | 25 Mich ſollten billig gute Frauen, Verſtändge, deſto lieber hauen, Wenn noh ein Weib mir freundlih lat, | Weil ih dieß Werk zum Schluß gebracht. | Geſchah das einer Frau zu Ehren, Die ſoll mir ſüßen Dank gewähren. Bo—