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Sigune und Schionatulander
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1 Al3 ſi der ftarke Titurel | noh wuſte zu rühren, | Er getraute wohl die Seinen | und fi ſelbſt im Sturme zu führen; | Jett ſprah er im Alter: „Jh lerne Daß ih den Schaft muß laßen: den ſchwang ih ſonſt ſo ſ{hön und ſo gerne.
2 „Könnt ih no< Waffen tragen, \pra< der Furchtloſe, „Die Lüfte müſten \<hüttern von meines Speres krachendem Stoße, Splitter gäben Schatten vor der Sonnen; : __ Viel Helmzierden ſah ih von meines S<hwertes Schneidehell entbronnen.
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3 „Hab ih von hoher Minne je Troſt empfangen, Ließ mich der Minne Süße je Beſeligung erlangen, Wenn je mit grüßten minniglihe Frauen, Das iſ nun fremd geworden dem ſhwachen Greiſe, dem altergrauen. 4 „Mein Glü>, mein Entſagen, mein liebendes Sinnen, Und ließ mi<h milde Gabe und kühne That je Würdigkeit gewinnen, Das kann an meinen Kindern nicht verderben. Treu und wahre Minne x muß ſi< auf mein ganz Geſchle<ht vererben. 6 „Jh weiß wohl, wen weibliches Lachen begrüßet , Daß ſein Herz auf immerdar hoher Sinn und Stätigkeit dur<ſüßet. Nimmermehr verlaßen ihn die beiden Al3 mit dem Tod alleine; | anders kann fie Niemand von ihm ſcheiden. | 6 „Da der Gral mir wurde | von Gott geſendet , | Den ih aus des Engels | Hand empfing, von ſeinem Glanz geblendet, Geſchrieben fand ih da des Grales Orden; Nie war vor Mir die Gabe menſchlichen Händen noch zu Theil geworden. 7 „Der Herr des Grales lebe | in Demuth und Reine. O weh, ſüßer Sohn Frimutel , daß i< nur Dich alleine Von meinen Kindern noh dem Gral bewahre! Nun empfah des Grales Krone - _und den Gral mein Sohn der lichte klare. 8 „Sohn, dem Amt des Schildes haſt du dich früh verpflichtet Und haſt es ret verwaltet. | All dein Sinn war feſt darauf gerichtet. Aus der Ritterſchaft muß ih dich ziehen. Nun wehr di, Sohn, alleine; | : ſieh, die Kraft will meiner Hand entfliehen.
| 9 „Fünf liebe Kinder, | Sohn, hat dir Gott geſendet. | Die find auch hier dem Grale | zu einem werthen Jngefind verwendet : Anfortas und Trevrezent der ſchnelle; Vor allem Preiſe, ſelber wohl noh erleb is, ſchallt ihr Preis einf helle. | 10 „Deine To<hter Schoiſiane beſchließt der guten Gaben * So viel in ihrem Herzen, einſt wird die Welt no< Frommen von ihr ' haben. Herzeleiden mag es auch gelingen. | Urrepans de Schhoiens Lob wird kein ander Lob zum S@hweigen bringen.“ 11 Dieſe Reden hörten die Frauen und die Ritter. Wohl in manchen Herzen | der Templeiſen ward der Jammer bitter, Die er einſt aus manchem Treffen brachte, | Wenn er den Gral mit ſeiner Hand und ihrer Hülfe ritterli< bewachte. 12 So war der ſtarke Titurel | geworden der ſ{wache, | So von hohem Alter | als von des Siehtumes Ungemache. | Frimutel beſaß hinfort in Ehren | Den Gral auf Monſalväſche: ſo mag kein Reich jeglichen Wunſch gewähren. 13 Nun waren ſeiner Töchter zwo in den Jahren, Daß fie zu hoher Minne - an Freundes Arm voll au8gewachſen waren. Werben ſah man um Schoiſianens Minne Viel Könge mancher Lande: da ward ſie einem Fürften zum Gewinne. 14 Kiot aus Katelangen erwarb Schoifianen. ' Nie an Schönheit unterm Mond | glih eine Jungfrau der Wohlgethanen. Auch mocht Jhm ihre Hand viel Tugend lohnen : Hohe Koſten, kühne That pflegt’ er, wo es Preis galt, niht zu ſhonen.
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auh ward fie {ön empfangen. | Der König Tampentäre, | ſein Bruder, kam auch gen Katelangen, Und reicher Fürſten ungezählte Scharen : Von ſ{hönerer Hochzeit ] hat man in allen Landen nie erfahren. 16 Kiot, der Herr des Landes, hatte Preis errungen Mit Kühnheit oft und Milde; ſelten wär es ſeiner That miſslungen, Wo es unerſchro>en galt zu ſtreiten Und um Lohn der Frauen unterm Helmſ<hmud> zu der Tjoſt zu reiten. 17 Hat je ein Fürſt auf Erden ein lieber Weib gewonnen, Wie ſchenkte dem die Minne | fo voll das Maß der herzlichen Wonnen. Doch o weh, nun nahet ihm die Trauer! So nimmt die Welt ein Ende! des ſüßen Glüdes Neige ſhme>t uns ſauer. 18 Zur re<ten Zeit gewährte | ſein Weib ihn eines Kindes." | Daß mich Gott erlaße in meinem Hauſe ſolhen Ingeſindes, | Wenn ih es ſo theuer müſt entgelten! Behalt ih kluge Sinne, : | fo hegt mein Herz ſole Wünſche ſelten. 19 Die ſüße Schoifiane, | die ſchöne und die gute, | Gebar im Tode | eine Tochter rei an ſelgem Muthe. | An Der war aller Jungfraun Preis zu Handen. | Sie pflag ſolcher Treue, daß man no von ihr ſagt in manchen Landen. | 20 So war des Fürſten Leid y doch verwebt mit Freuden: e Seine Tochter war am Leben, ihre Mutter todt: das hatt er an den beiden. Schoiſianens Tod verhalf ſeinem Herzen Zu Verluſt hoher Wonne, zu Gewinn immerdar an den Schmerzen.
| mit Jammer der Erden. Mit köftlihen Gewürzen ſollte fie zuvor gebalſamt werden: Da muſte. man ſo lange Anſtand haben. | Von allen Seiten kamen | Fürſten und Könige fie zu begraben. 22 Der Herzog trug zu Lehen ſein Land von Tampentäre, | Dem König, ſeinem Bruder, | der genannt war von Pelrapäre. | Der ließ es nun dem Kinde, ſeiner Nichten: | Denn auf Schwert, Helm und Schild | wollte Kiot hinfort verzichten. 23 Manfilot der Herzog ſah ſo im Leide . Seinen theuern Bruder: das war ihm eine bittre Augenweide! Da ſchied au< Er aus Jammer fi< vom Schwerte, Daß Kampf und hohe Minne Nun Keiner von Beiden mehr begehrte. 24 Sigune ward die Tochter genannt in der Taufe, Die ihr Vater Kiot bezahlt hatte zu ſo theuerm Kaufe, Denn er verlor dur< Sie die Wohlgethane, Von Der der Gral zu Anfang fi tragen ließ: das war Schoifiane. 25 Nun fuhr Tampentäre mit Sigunen, der kleinen Heim zu ſeiner Tochter. Da ſie Kiot küſste, da ſah man weinen! : Noch lag Kondwiramur da an den Brüſten. Die zwei Geſpielen wuchſen, | daß wir kein Ziel ihres Lobes wüſten. 26 Zu denſelben Zeiten war Kaſtis geſtorben: Der hatte Herzeleiden y zu Monſalväſch, die ſhöne, erworben. | Kanvoleiß gab er der Fraun zum Lohne Und Kingrivals: in beiden y trug ſein Haupt vor Fürſten die Krone.
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27 Nie hatte ſie do< Kaſtis | gewonnen zum Weibe, Die in Gachmuretens Arme lag mit unberührtem Leibe; Doch ward fie da Gebietrin zweier Reiche, Des holden Frimutellens Kind von Monſalväſche, die wonnereice. 28 Als König Tampentär erſtarb, und Kardeiß der klare Die Kron empfing in Brobarz, das geſhah in dem flinften Jahre Seit fih Sigune bei ihm aufgehalten. Da muſten fie fich ſcheiden, E die jungen zwei Geſpielen, niht die alten. 29 Herzeleid die Königin | Sigunens gedachte: Sie warb ſo lang mit Bitten : bis man fie von Brobarz zu ihr brachte. : Kondwiramur begann zu klagen, Daß fie ihrer Freundſchaft : und trauten Nähe nun ſollt entſagen. 20 Das Kind ſprah: „Liebes Väterlein, nun laß mir mit Do>en Die Kiſten erfüllen, ſo magſt du mich zu meiner Muhme lo>en: So bin ih auf die Reiſe gut gerichtet. Es lebt mancher Ritter, der fi zu meinem Dienſt noch verpflichtet.“ 31 „Wohl mir ſo werthen Kindes! Wie ſpri<ſ du mit Verſtande! | Möchte Gott nur lange ſo hehre Herrin gönnen meinem Lande. | Mein Kummer ſ<hläft, ſo lang dein Heil darf wachen. Wär Schwarzwald hier zu Lande, zu Schäften ſäh ih ganz um di ihn machen.“ 32 So erwu<hs Kioten3 Kind Sigune bei der Muhmen. Wer fie ſah, dem ſchien ſie wie Maienglanz bei thaunaßen Blumen. Ehr und Heil aus ihrem Herzen blühte; Naht erſt ihre Lobeszeit , ſo mehr ih noh das Lob ihrer Güte.
33 Was zu vollem Preiſe gehört bei reinem Weibe, Des war nicht Eines Haares breit vergeßen an ihrem ſüßen Leibe. Sie reine Frucht, die lautre, wohlgethane, Der Mutter gleihgeartet Kind, jung, keuſh und rein wie einf Scoifiane | 34 Nun laßt uns auch gedenken | Herzeleids der reinen. | Es könnt ihr Lob nichts kränken ; ih will die liebe minnen und meinen. | Sie Bronnen aller weiblihen Ehren, Sie wuſt es zu verdienen | wie man ihr Lob ſah in den Landen mehren. 35 Die magdlihe Wittwe, die Tochter Frimutelles , Wo man der Frauen Lob beſprath, da erſholl na< Jhrem kein ſo helles. In ferne Lande fuhr das Lob der Werthma Vis ihrer Minne ward gedient vor Kanvoleiß mit Sperenund mit Schwerten. ps Nun hört von Sigunen, der Maid, fremde Wunder. Sich bräunt? ihr fahles Lo>enhaar, ihre Brüſte wölbten fi< runder. Da wuchs in ihrem Herzen Hochgemüthe, Sie wurde ſtolz und loſe und doch dabei voll weiblicher Güte. 37 Wie Gachmuret geſchieden E vom Lande Belakanens, Wie er darauf erworben | ritterlih die Schweſter Schoifianens, |: Wie er der Franzöſin ſih entſchlagen, | Das will ih hier verſ<hweigen und euh von magdtumlicher Minne ſagen 38 Anfliſe, die Franzöſin, ließ fi< ein Kind vertrauen Von fürſtlihem Geſchlehte und ſolcher Art, die immer trug ein Graue Vor allen Dingen, die da Preis verderben: Prüfet alle Fürſten, ſo ſeht ihr keinen ſo na Preiſe werben-
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“39 Da Gathmuret den Schild empfing von Anfliſen, Ihm lieh die werthe Königin dieß Kind. Das wird von uns not geprieſen. Das erwarb ſeine kindliche Süße: E Es wird der Aventüre Herr, um den ih alle Kinder freundlih grüße. 40 Auch zog daſſelbe Kind mit dem Anſcheweine Hinüber in die Heidenſchaft zu dem Baru Aareine; Gen Waleis brat er es herna<h zurüde. | Wo Kinder Tapferkeit erſpähn, - das frommt dereinſt dem Manne no< zum Glüde. | 41 Zum Theil will i< des Kindes | Geſchlecht eu< benennen. ; Gurnemans von Graharz, ſein Ahne, konnte Eiſen wohl zertrennen: In manther Tjoſt hatt er den Ruhm erworben ; Gurzgri hieß ſein Vater, | der um Schoi de la Kurt geſtorben. | 42 Seine Mutter war Mahaute, | Ed>unatens Schweſter, | Des reihen Pfalzgrafen, | genannt nah der ſtarken Stadt Berbeſter: | Selber hieß er Schionatulander : | Höhern Preis erwarb der Held ] als die andern alle miteinander. 43 Daß ih des werthen Gurzgri Sohn euch niht nannte ; Vor der Magd Sigunen, | das that i<, weil man ihre Mutter ſandte | Aus des Grales Pflege dem Gemahle; | Den Vorzug giebt ihr au< Geburt, | _ und ihr Geſchle<t, das diente dem Grale. ' 44 Die des Grales hüten, -( y das find die Erwählten, Immer ſelig hier und dort, die ſtäts dem höchſten Preiſe Zugezählten. Auch Sigune war von dieſem Samen, Der in die Welt von Monſalväſh ward ausgeſtreut, den nur die Würdgen nahmen.
| 45 Wohin dieſes Samens gebra<t ward in die Lande, | Da muſt er Früchte bringen: | wie ein Hagel fiel er auf die Schande. | Weit iſt der Name Kanvoleiß gedrungen: | Hauptſtadt der Treue E ward fie ſeitdem genannt in manchen Zungen. 46 O wohl dir, Kanvoleiß! Von der Treu und Stäte Wird man ewig ſprechen, die in Dir begann nit zu ſpäte. - Da hub fi< zweier Kinder frühe Minne . So lauterlih, die ganze Welt würde keiner Trübheit an ihr inne. 47 Der ſtolze Gahmuret C, erzog ſie miteinander E In ſeiner Kemenate. War der junge Schionatulander Nur zu ſhwahem Sinne noch gediehen, Er konnte doh der Herzensnoth Von Sigunens Minne niht entfliehen. 48 O wehe! ſie ſind noh zu jung ſolchen Aengſten. Wo die Jugend von der Minne ergriffen wird, da währt ſie am Längſten. Das Alter mag der Minne leiht entſagen; Gewohnheit von Jugend auf verleiht ihr Kraft, wer mag ſi der ent- \hlagen? 49 Weh, Minne, was verſchont nicht - deine Kraft die Kinder! Einer, der niht Augen hat würde di< do ſpüren, ein Blinder. Zu vielfa<, Minne, biſt du ſtäts geweſen; Alle Sthreiber ſchrieben deine Art niht aus noch dein Weſen. 50 Auth der Mönch im Kloſter 7 iſt verpflihtet der Minne, | Der Einſiedel ſelber : | trägt er Gehorſam im Sinne: | Keine Regel hält ſie ſonſt im Zaume; | Sie zwingt den Ritter unterm Helm: i ihr genügt an dem engſten Raunie. e
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61 Der Minne Matt bewältigt die Nähe wie die Weite; : Minne hat auf Erden Haus; in den Himmel giebt ſie gut Geleite. | Minn ift allwärts außer in der Hölle. | Der ſtarken Minne lahmt die Kraft, wird Wankelmuth und Zweifel ihr Geſelle. | 52 Ohne Wank und Zweifel : ſah man die beiden Schionatulander und Sigunen, in der Liebe Leiden; Große Wonne miſte ſi< darunter. Es3- wird zu lang, ſonſt ſagt’ ih euh von kindliher Minne manes Wunder. 53 Verſhämte Zucht und ihres Geſchlehts ererbte Weiſe (Aus lautrer Liebe ſtammten ſie) hielt ſie in dem angebornen Gleiſe, Daß ſie außen fi< der Minn erwehrten Vor der Merker Augen, | und in den Herzen innen ſi verzehrten. | 54 Shionatulander war in der Minne weiſe Durch manche ſüße Botſchaft, | die der Franzoſen Königin Anſleiſe | Heimlich einſ dem Anſchewein geſendet : ' Er brachte ſie und wandte | oft Beider Noth: wär ſeine nun gewendet! 55 Sthionatulander - hatt es oft erfahren Bei ſeinem Oheim Gahmuret , wie der zu ſprehen wuſt und zu gebahren, Und wie er ſi< von Kummer konnte ſcheiden : Das rühmten die Getauſten hier, das rühmten dort von ihm diewerthen Heiden. 566 Die je geminnet haben und Minneleid getragen, Von magdlihem Kummer höret nun und Jünglingsſ<hmerzen ſagen. Davon will ih eu< Abenteuer künden, Allen, die der Sehnſucht Pein je herzliche Liebe ließ ergründen.
| 67 Der ſüße Schionatu- lander entbrannte , Al3 ſeiner Geſpielin Huld ſein leidend Herz übermannte. Da ſprach er: „Sigune, hülfereihe, y Hilf, ſüße Magd, daß deine Hand | mir aus dieſen Sorgen Hülfe reiche. | 68 „Düſcheſs von Katelangen, laß mi des genießen, Man ſagt du ſeiſt der Art entſtammt, die es niemals mote verdrießen Mit Minnelohn Ihm Hülfe zu gewähren, | Der Minnenoth durch fie empfing: j die Sitte ſollteſt du an mir bewähren.“ | 69 „Doux Ami, nun fprih, | ſüßer Freund, was du meineſt. Laß hören, ob du ſolche Gefinnung gegen mi mir beſcheineſt , Daß ih Gehör der Klage müß ertheilen : Biſt du des Schadens nicht gewiſs, ſo ſollteſt du di niht übereilen.“ 60 „Gnade ſoll man ſuchen da wo ſie wohnet: Herrin, ih ſuche Gnade: nun ſieh, wie deine Güte mir lohnet. Freundſchaft halten ziemt verſtändgen Kindern; Aber wo ſi< Gnade . niegezeigt,dakann ſieSchmerz nicht lindern.“ “ 61 Sie ſprah: „Du ſollſt um Linderung deinen Schmerz da künden, Wo man dir beßer helfen mag als ih, du möchteſt ſonſt dich verſünden, Wenn du begehrt, daßJh den Schmerz dirheile. Denn J< bin eine Waiſe, Land und Leuten fern, ah, manche Meile!“ — | 62 „Ich weiß wohl, daß dir Leut und Land gehorchen, ihrer Frauen ; | Das begehr ih Alles nicht: | nur laß dein Herz durch deine Augen ſchauen, | So daß es meines Kummers Noth bedenke: | Hilf bald, eh deiner Minne Flut mir das Herz und die Freuden ertränke.“ —
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63 „Wer ſol<he Minne hat, daß er dur< Minne gefährde So lieben Freund, wie Du mir biſt, mir der liebſte Freund auf der Erde, Solch gefährli<h Ding if mir niht Minne. Gott weiß wohl, i< wuſte nie von der Minne Verluſt no< Gewinne. 64 „Minne, iſ das ein Er? Kannſt du Minne beſchreiben? Iſt es ein Sie? Und kommt mir Minne, wo ſoll ih mit ihr bleiben? | Soll ih ſie verwahren bei den Do>ten? | Fliegt ſie uns auf die Hand, oder ift fie wild? Jh kann ihr wohl lo>en.“ 65 „Herrin, ih hörte ſagen | von Frauen und von Mannen, | Minne kann auf Alt und Jung den Bogen ſo meiſterlih ſpannen, Daß ſie mit Gedanken tödlih ſcießet: Sie trifft ohne Fehlen was da läuft, kriecht, fliegt oder fließet. 66 „Jh kannte, ſüße Magd, bisher Minne nur aus Mären: Jn Gedanken wohnt die Minne; das kann ih mit mir ſelber nun bewähren. Dazu treibt fie wandelloſe Liebe. Minne ſtiehlt mir Freude aus dem Herzen gleih einem Diebe.“ f 67 „Schionatulander , mich zwingen Gedanken, Wenn du mir aus den Augen kommſt, daß ih an den Freuden muß erkranken Bis ih dich heimlih wieder angeſehen. Drum traur ih in der Wochen niht Einmal, zu oft iſt mirs geſchehen.“ 68 „So darfſt du, ſüße Magd, mih niht fragen nah Minne: Du erfährſt wohl ohne Fragen von der Minne Verluſt und Gewinne. Sieh, wie die Minne Freudekehrt in Schmerzen; Thu der Minn ihr Recht, daß uns die Minne nicht verderbt in den Herzen.“
| 69 Sie ſprah: „Kann die Minne | die Herzen ſo beſhleichen, Daß ihr niht Mann, niht Weib noh Magd mit Behendigkeit mög entweichen: Weiß denn Jemand, was die Minne rächen Will an Leuten, die ihr nie geſchadet, ihre Freuden ſo zu brechen ?““ 70 „Ja ſie iſt gewaltig der Jungen wie der Greiſen: Kein Meiſter lebt auf Erden der ihre Wunder alle möge preiſen. Laß uns um ihre Hülfe beide werben Mit wandelloſer Freundſchaft ; y ſokann mit Wank uns Minne nicht verderben.“ 71 „O weh, könnte Minne doch andre Hülf erzeigen Als daß ih meinen freien Leib in dein Gebot dir gäbe zu eige! Deine Jugend war zu Dienſt mir nie beflißen: Du muſt mich unter Schildesdah O : erſt verdienen, das ſollſt du wißen!“ 72 „Herrin, wenn ich erſtarke die Waffen zu führen, Jn ſüßer, ſaurer Arbeit E will i< heut und immer mich rühren, Daß mein Dienſt nah deiner Hülfe ringe; Deine Hülfe thut mir Noth: hilf denn, daß mir an dir gelinge.“ 73 So hatt ihre Minne | 4 den Anfang genommen | Mit Worten, in den Zeiten | da Pompejus vor Baldag zu kommen Sich gerüſtet mit gewaltgem Heere, Und Jpomidon der werthe; da zerbrachen ſie viel neue Spere. 74 Gachmuret entſchloß ſi auh dahin zu fahren. , Rur mit eignem Schilde: nicht entbot er ſeine ſtolzen Scharen, Denn er trug wohl dreier Lande Kronen. So trieb ihn Minne in den Tod: den empfing er von Jpomidonen.
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75 Schionatulander3 Herz war beklommen, Da ihm Sigunens Minne E hohen Muth und Freude benommen. Er muſte do< mit ſeinem Oheim ſcheiden: Das war Sigunens Herzeleid und ſeins: nacfſtellte Minne den beiden. . 76 Urlaub nahm der junge Fürſt i heimlih von der Schönen. „Wie mag is noch erleben ,“ ſprach er, „o weh! daß mich die Minne krönen Müße mit Freuden, und vom Tode ſeiden! Wünſche Glü> mir, ſüße Maid: | ih muß von dir hinaus zu den Heiden.“ | : x | : 77 „Ich bin dir hold, getreuer Freund : nun ſprich: iſt das Minne? So ſoll ſi< immer : mik erneun der Wunſh nah dem Gewinne, Der uns beiden hohe Freud erwerbe : Es brennen alle Waßer 5 | eh die Minne meinerſeits verderbe.“ © 78 Viel Lieb verblieb allda, Lieb ſchied von dannen. Nie hört ih ſagen von Maiden, Fraun noh mannlichen Mannen, | Die ſih herzliher mochten minnen: Das ward an Sigunen | bei der Linden Parzival wohl innen. | 79 Von Kingrivals der König Gachmuret verſtohlen © Von Freunden und von Mannen ſchied: ſeine Fahrt blieb ihnen all verhohlen. Nur zwanzig Fürſtenkinder klug und weiſe Und achtzig Harniſhknappen ohne Schild hatt er erwählt zu der Reiſe. 80 Fünf ſchöne Roſſe, Goldes viel, von Aßagog Geſteine Folgt’ ihm auf die Fahrt; ſein Schild ſonder andern Schild, ganz alleine. Immer ſollt ein Schild Geſellen kieſen , Daß ein andrer Schild ihm Heil wünſche, wenn dieſer Schild ſollte nieſen.
"81 Jhre Lieb und ſeine | Minne waren fremde | Sich noh nie geworden. | Ihm gab die Königin ihr blankes Hemde Von Seide, wie es ihren Leib becühret, | Den blanken, und das Braune dort. Dás ward vor Baldag in die Schlacht ge- führet. 82 Aus Norgals dur< Spanien | gen Sevilla der Veſte e | Zog des kühnen Gandein Sohn, | der den Augen Waßers viel entpreſzte, Als man den Aus8gang hörte ſeiner Reiſe. Die Getauften wie die Heiden ſprachen ſtäts von ſcinem hohen Preiſe. 83 Das red ih nah der Wahrheit, ; niht nah leerem Wahne. | Nun laßt uns auch gedenken | des jungen Fürſten aus Gras8waldane, Wie ſeinem Herzen alle Freud entzogen Sein keuſhes Lieb Sigune, wie Bienen ftäts aus Blumen Süße ſogen. | 84 Liebliche Sie<heit , die er trug von Minne, Verluſt des hohen Muthes bei der Sorgen reihlihem Gewinne, Sah man Den von Graharz ſhmerzlih peinen. | Den Tod nähm er lieber, wie ſein Vater Gurzgri von Mabonagreinen. 85 Wie manche Tjoſt dur<h Feindes8ſchild mit des Sperbruhs Krache Seine Hand auch führte, | ſein Leib iſt do< zu ſol<hem Ungemahe | Zu ſchwach, da ihn die Minne ſchwächt und | kränket, | | Und ſein Gedank an liebliche Liebe ſo unvergeßen gedenket. | 86 Wenn andere Junker auf Feldern und Straßen | Turnierten und rangen, ſo muſte Ers vor Herzweh unterlaßen; | An allen Freuden ließ ihn Minne fiechen. Aufſtehn lernt ein Kind am Stuhl; erſt aber muß es hin zu ihm kriechen. |
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87 Nun trag er hohe Minne! ſo muß er auh denken Den Sinn empor zu richten und aller Falſchheit fern ab zu lenken E Die Ehre in der Jugend wie im Alter; Eh mancher Fürſt das lernte, man lehrte einen Bären eh den Pſalter. 88 Schionatulander trug lang ſein Leid verborgen Eh der werthe Gahmurct inne ward der verhohlnen Sorgen, Wie ſeinen nächſten Blutsfreund Kummer drüdte: | Sommer und Winter quält? er fi, wie au< der Erde we<ſelnd Kleid fih \<müdte. j 89 Die angeſtammte Schönheit, ſein Anſtand, ſein Geſchi>ke, Sein Angeſihht,. die lihte Haut, ſeiner Augen leuhtende Blide , Die ſchied der Gram von ihrem lautern Glanze : Jhn zwang nicht flühtge Neigung, die mächtge Liebe war es, die ganze. | 90 So ward au< Gahmuretens | Herz einſt bedränget Von der Minne Feuer; oft hatt ihm ihre Flammenglut verſenget | Die lautre Haut bis all ihr Schein entſhwunden. Von der Minne Hülfe wuſt er wohl; | er kannt auh ihre zwängenden Stunden. 91 Wie liſtig ſei die Minne, fie muß ſi< entde>en , | Wer Augen hat und Minne kennt, | dem kann ſih ihre Kraft niht verſte>en. Das Winkelmaß gebraucht ſie ſonder Tadel; Sie ſti>t und zekhnet wunderſhön noh beßer als Stift oder Nadel. N Gachmuret gewahrte den verborgnen Kummer, Der aus Graßwaldan dem jungen Delfin die Freude nahm und den Shlummer. « Er zog ihn auf das Feld hinaus mit Fragen: „Wie hat Anfliſens Knabe ſi? Seine Trauer giebt mir kein Behagen.
93 „Jh habe Theil an deinen Seufzern , deinen Thränen. Der römiſche Kaiſer i und der Großherr aller Sarazenen, All ihr Reichtum kann es mir niht wehren: Was Dich in Kummer brachte, das muß au< Meine Freude verzehren.“ | 94 Wohl möchtet ihr nun ſchauen an Gahmuretens Miene, | Könnt er nur, er hülfe gern dem jungen liebenden Delfine. | Er ſprach: „O weh, wo iſt der Schein geblieben | Deines lautern Angeſichtes ? | Die Minne will ſih ſelbſt in dir betrüben. ' 95 „JI ſpür an dir die Minne: y die Spur iſt tief geſchlagen. Hehl Mir nicht deine Heimlichkeit , da wir ſo nahe Verwandtſchaft tragen. Wir find Ein Fleiſ< und Blut dur< rechte Sippe, “ Näher als von der Mutter, die da erwu<hs aus der entraubten Rippe. 96 „Du Minnebronnen, friſches Reis der Minneblüte! È Nun muß mi erbarmen Anſliſe, die di aus weibliher Güte Mir lieh: als hätte dih ihr Schooß geboren, So hielt ſie di< an Kindesſtatt : ſtäts bleibt dir ihre Gunſt unverloren. 97 „Birgſt du mix deine Heimlichkeit , ſo muß das beſhweren Mein Herz , das immer Dein Herz war; deine Treue kann es auh nicht ehren, y Daß du mir ſo große Noth verhehleſt ; | Deiner Stäte trau ih es nicht zu, daß du ſo wankelmüthig dich verfehleſt.“ 98 Der Knappe ſpra< în Sorgen: „So will ih nur denken Wie mir dein Friede bleibe | und mi< dein Zorn niht ferner dürfe | kränken: Aus Zucht verbarg ich dir all meine Schmerzen. Nun nenn ih dir Sigunen: die hat es angethan meinem Herzen.
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99 „Meine Bürd erleichtern kann} du, willſt dus niht verſagen. Run gedenke der Franzöſin ; hab i< Sorge je für dich getragen, So nimm mich jezt aus dieſer Noth, den kranken. Der Leu träumt im Swhlafe nichtſo ſ<hwer als meine wachenden Gedanken. 100 „Au ſei gemahnt, Meer und Land hab i< dur(ſtrihen : Dir zu Liebe, niht aus Armut. Ich bin von Lañd und Leuten gewichen Und von Anſliſen, meiner werthen Frauen. | Das komme mir nun Alles bei dir zu gut: laß deine Hülfe ſchauen. 101 „Du magſt mi< wohl erlöſen | der ſ<ließenden Banden. | Trag ih einſt ſelber Helm und Schild | mit fürſtliher Pracht in den Landen, | Und ſoll mit tapfrer Hand da Preis erringen, Bis dahin ſei mein Vogt, auf daß dein Schirm mih ſ<hüze vor Sigunens Zwingen.“ 102 „Ei, ſ<waher Knapp, wie muß ſo viel des Waldes erſt verderben Durch deine Hand bei Tjoſten , ſollſt du die Minne der Dücheſs erwerben. Werthe Minne lohnt nur dem Verdienſte: Tapferm Armen wird fie ehr | als dem verzagten Reichen zum Gewinnſte. 103 „Doch hör ih gerne, daß dein Herz ſo hoh dir ſteiget ; Wo hat ein Baum die Aeſte wohl noch je ſo wonnigli< verzweiget ? BVlüht ſ{önre Blum auf Flur und Wieſen- grunde? Hat di< mein Mühmchen bezwungen, o wohl dir der lieblichen Kunde! 104 „Jhre Mutter Schoiſiane war dafür berufen, Daß Gott und ſeine Kunſt mit Fleiß fie ſo ſhön und wonniglih erſhufen : Spoiſianens Glanz, den ſonnenhellen, Den hat Sigune, Kiots Kind, an fih: das Urtheil hör ih Alle fällen.
105 Und Kiot, der in \harfer Noth den Preis fih ſtät3 errungen, Der Fürſt von Katelangen, eh ſeine Kraft Schoiſianens Tod bezwungen ; Der beiden Tochter mag ih wahrhaft grüßen * Sigune, die des Siegs gewiſs, wo man zwiſchen Maiden wählt, den ſüßen. 106 „Die dir hat obgefiegt, nun ſollſt du Sieg an ihr erringen Mit dienſtlicher Treue. y J<h will auch bald auf deine Seite bringen, | Daß ſie dir beiſteht, ihre werthe Muhme. | Dur Sigunens Glanz ſoll deine Farb erblühn glei einer lihten Blume. ‘“ 107 Sthionatulander begann da zu ſprechen: „So will mir deine Treue aller meiner Sorgen Bande brechen , Nun ich darf mit deinem Willen minnen Sigunen, die mir lange Freude ſtahl und fröhliche Sinne.“ 108 Da durfte wohl der Hoffnung auf Hülfe fi< vermeßen Schionatulander. Nun laßt uns nicht der großen Noth vergeßen, - Die Kiots und Schoiſianens Kind getragen Bevor ſie gleihen Troſt empfing : | die muſte aller Freude lang’ entſagen. [109 Da von Katelangen | die Fürſtin war bezwungen Von der ſtrengen Minne, mit Shhmerzen allzulang hat ſie gerungen, * Wie fie es vor ihrer Muhme hehle. Die Königin ward inne mit Erſchre>en, was Sigunen fehle. 110 Wie eine thauge Roſe naß bei der Röthe, So wurden ihr die Augen. | Jhr Mund, ihr Angeſicht empfand die Nöthe. Da konnte die Verſchämte nit verſte>en | Die Lieb in ihrem Herzen: das verging nah dem kindlichen Reen.
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111 Da ſprach zu ihr die Königin | aus liebendem Herzen: „O weh mir, Schoiſianens Kinv, i trug bi8her zu viel andrer Schmerzen, Da von dem Anſchewein ih muſte ſcheiden: | Nun wächſt in meinem Kummer ein neuer Dorn, da ih dich ſehe leiden. 112 „An Land oder Leuten was iſt dir geſchehen? Oder will mein Troſt und anderer Verwandten dir entſtehen ? Mag dich ihre Hülfe niht erlangen? Wo blieb dein ſonnenhafter Glanz? weh, Wer hat den geſtohlen deinen Wangen ? | 113 „Verwaiſtes Kind, nun muſt du Waiſe mi erbarmen. | Bei dreier Lande Kronen | zähle man mich immer zu den Armen Vis ichs erwirke, daß dein Kummer {windet | Und mein ſpähend Auge | den wahren Grund deines Leidens findet.“ — 114 „So muß i< mit Sorgen all meine Angſt dir künden: Haſt du mi darum wenger lieb, | ſo will fi deine Zucht an mir verſünden; | Weiß ih mich doe niht mehr davon zu ſeiden: | Bleib mir gewogen, | liebe Mutter, das geziemt uns beiden. 115 „Gott ſoll dir lohnen: | niemals hat dem Kinde y Eine Mutter größre Zärtlichkeit | erboten als an dir ih Finde, Muſt ih glei< an Freuden jezt erkranken. Hier war ih keine Waiſe: deiner weiblihen Güte will is danken. 116 „Deines Rathes, deines Troſtes, deiner Hulden Bedarf ih miteinander | ſeit ih nah dem Freund muß Jammer dulden, Viel qualenreihe Noth; fie iſt zu peinlich. Er knüpft mein {hweifend Denken an ſeinenStri>; all mein Sinn iſ ihm heim- lih:
117 „Nach dem lieben Freunde iſt all mein Schauen Aus den Fenſtern auf die Straße, über Haid und nah den lihten Auen Verloren: ih erſpäh ihn allzuſelten. Drum müßen meine Augen des Freundes Minne weinend {wer ent- i : gelten. [118 „So geh ih von dem Fenſter y hinauf an die Zinnen i | Und ſchaue oſtwärts, weſiwärts, | ob i< Sein niht Kunde mag gewinnen, | Der mein Herz ſchon lange hält bezwungen ; | Man mag mic zu den alten | Liebenden zählen, niht zu den jungen. 119 „Wenn ſo i< wie auf wilder Flut gehoben gleite, | So ſpähen meine Blie wohl über dreißig Meilen in die Weite Ob ich ſol<he Kunde möchte finden, | Die des Leids um meinen | jungen klaren Freund mich könnt entbinden. 120 „Wo blieb meine Freude? warum iſ} geſchieden Aus meinem Herzen hoher Muth? Ach und Weh vertrieb unſern Frieden. | J< wollt es gern alleine für ihn leiden; | Doch weiß ih, daß auh ihn zu mir Verlangen zieht, muß er gleih mi meiden. 121 „Weh mir, er kommt zu ſelten, | zu fern weilt mein Getreuer, Um den ih bald erkalte, | bald lodre wie im kniſternden Feuer: | So erglüht mi<h Schionatulander, | Seine Minne giebt mir Hitze wie Agremontin dem Wurm Salamander.“ 12 „O weh,“ ſprah die Königin, | unzu kluge Red iſt dieſe: | Vin ih an dir verrathen? Nun fürht ih die Franzöſin , Anſfliſe: | Hat ſi vielleiht ihr Zorn an mir gerochen ? | All deine weislihen | Worte find aus ihrem Mund geſprochen.
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123 „Schionatulander i iſt ein Fürſt ohne Tadel; Doch nimmermehr vermeßen dürfte ſih ſein Reichtum noh ſein Adel, Daß er ſo jung an deine Minne dächte, | Wenn der ſtolzen Königin | “ Anſliſe Haß ſi niht an mir räte. 124 „Sie hat dieß Kind erzogen, ſeit es von der Bruſt gekommen ; Gab ihre Tü>e niht den Rath, durch den ſo weh dir ward und beklommen, So magſt du Jhm, er Dir viel Freud erwerben. Viſt du ihm hold, ſo laß darum deinen jungen Leib niht verderben. © 125 „Thus Ihm zu Lieb, laß wieder Klarheit offenbaren Augen, Kinn und Wange. Wie geziemt es alſo jungen Jahren, Wenn ſo lihter Haut der Schein erliſchet? | Du haſt kurzen Freuden allzuviel der Sorgen beigemiſchet. 126 „Hat der Delfin, der junge, | viel Freude dir verderbet , | Er kann dir Freuden auch verleihn. | Lieb und Gutes viel auf ihn vererbet | Hat ſein Vater und die Delfinette | Mahaude, ſeine Mutter, | und die Köngin ſeine Muhme Schoette. 127 „Jh klage nur, du wurdeſt ihm lieb allzufrühe: Du willſt den Kummer erben, den Mahaude trug um den Delfin Gurzgrie.
-Ihre Augen ſahns zu allen Stunden, | Wie er den Preis in manhem Land | ſich erwarb, den Helm aufs Haupt gebunden. | 128 „Schionatulanders Preis wird hoh noch ſteigen: Er ſtammt von Leuten, die den Preis nie ſinken ließen, niht einmal ſi neigen : Stäts wu<hs er in die Breit und in die Länge- Nun forge, daß er Freud urid Troſt | und niht Kummer über dih verhänge. [129 „Wenn das Herz bei ſeinem Anbli> | in der Bruſt dir erlachte, Das nimmt mi ni<t Wunder; wie \hi>t' er ſih ſo ſ<ön, wenn ihn bedahte Der Sild, wie hielt er fich im Feuerregen Der Funken, die den Helmen | entſprühten von ſeines S<hwertes Schlägen ! [130 „Kein Maler malt’ ihn, wie er beim Lanzenſpiel geſeßen ! An eines Mannes Anilig | war auf der Welt ſo wenig nie vergeßen, Daß ein Weib ihn liebe, wenn ichs kenne. Sein Stein mag deine Augen erfreuen: deine Minn ih ihm gönne.“ 131 Da war Minn erlaubet, Herz an Herz geſhloßen. Ohne Wank der Minne war beider Herz zu minnen unverdroßen. „Wohl , Muhme, mir ,“ ſprach ſie mit frohem | 5 Sinne, | „Daß ih Den von Graharz | vor aller Welt mit deinem Urlaub minne!“
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132 So lagen ſie niht lange | Als aus dem Waldreviere | Mit heller ſ<öner Stimme auf blutger Fährte hinter wundem Thiere Ein Brad>e kam hochlautend an mit Jagen. Der fand hier kurzen Aufenthalt : das muß ich lieber Freunde halb beklagen. 133 Da ſo den Wald durhhallte | der Stinime lautes Bellen, Schionatulander, der von Jugend auf vor allen Schnellen War bekannt — nur Trevrezent der reine Lief und ſprang Jedem vor, Den jemals trugen ritterliche Beine — | Simmern VNarzinal und Titurel
134 Da gedacht er: „Wenn den Hund jemand mag erlaufen, So braut es ſnelle Füße!“ © Nun will er Ruh und Freude verkaufen Und ein ſtätes Trauern hier empfangen. Auf ſprang er nah der Stimme: den Bra>en dacht er ſeinem Lieb zu langen. 135 Daß in den weiten Wald nicht wollte kehren | Das flüchige Wild, ſondern her | vor den Delfin, das wird ihm Sorge mehren: | Langer Kummer ward ihm drum zu Theile. | Er barg fih hinter dichtem Strauch: | fieß, da kam er jagend an dem Seile, 91
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136 Des Fürſten Brace, eilends : war er deſſen Händen Entfahren auf die blutge Spur. Möchte ſie nimmer einen Hund mehr ſenden, Die ihn jüngſt dem Hochgemuthen ſandte, Dem er entſprang dem Jüngling zu, und dem damit viel hoher Freuden bannte. 137 Da er ſo das Di>icht F durhbra< auf der Fährte, Mit arabſchem Gold geſti>t trug er am Hals ein Band von hohem Werthe: Da ſah man lichtes, köſtliches Geſteine, Das wie die Sonne glänzte. Er fing fi< da den Braten nit alleine; 138 Was er mit dem Bracken | fing, will ih eu< ſagen: | Leid mit Noth gefüttert ward ihm da zu Theil ohne Zagen, Und immerdar groß Kriegen und groß Streiten. Das Bratenſeil war ihm Beginn verlorner Freuden und betrübter Zeiten. 139 Er trug den Hund im Arme Sigunen der klaren. Das Seil war wohl zwölf Klafter lang, die von vierfarbgen Seidenborten waren, Grün, gelb, roth und braun angeſtü>et | Stäts in Spannenlänge, | die Näte ſ{ön und köſtlih geſhmüdet. 140 Darüber lagen Ringe | mit Perlen lihten Seines; | Je zwiſchen den Ringen, ſhier ſpannenlang, ledig des Geſteines, Vierfarbge Blätter, wohl von Fingers Breite. Nehm i< den Hund an ſol< ein Seil, ſo bleibt es bei mir, ob auc Er enigleite. 141 Wenn mans dem Bra>en abnahm, zwiſchen den Ringen : Sah man Bugſtaben, die rund umher an dem Seile gingen. Aventüre hört, wenn ihr gebietet : Mit goldnen Nägeln waren die Steine feſt an den Strang genietet.
142 Die Schrift war von Smaragden - mit Rubin verbündet , Demant , Granat und Chryſolith dazwiſchen. Das Seil war gut gehündet; Auch war wohl nie ein Hund ſo gut geſeilet. Jh weiß wohl, ließt ihr mir die Wahl, welches i< wählen wollte unverweilet. 143 Auf grünem Sammet mit mailihem Scheine War des Halsbands Borte geſti, und mit manqherlei Geſteine Beſchlagen, deren Schrift ein Fräulein lehrte. Gardevias hieß der Hund, das heißt zu deutſh: hüte der Fährte. 144 Die Herzogin Sigune las den Beginn der Märe: „Ein Bra>ennamen iſ das Wort, | das den Werthen doh geziemend wäre: Mann und Weib, die ſ{ön der Fährte hüten, Hier wird es ihnen Gunſt der Welt : und dort der himmliſche Lohn vergüten. 145 Sie las am Halsband weiter, noh niht an dem Seile: unWer immerdar der Fährte hütet, deſſen Preis ift nimmer feile, Da er im lautern Herzen ſo erſtarkte, E Daß ihn nie ein Aug erfieht f auf dem wandelbaren unftäten Markte.“ 146 Einem Fürſten wurden Bra> und Seil - zum Minnelohne Geſandt: das ſchenkt’ ihm eine junge Königin, ſie trug die Krone. Sigune ließ ſi< von dem Seil beſcheiden, Wer der Fürſt war und die Königin; die Namen ſtanden deutlich da von beiden. 147 Sie war von Kanedig entſtammt, Die Schweſter von Florien, Die Ilinot dem Britten Herz und Sinn und fi ſelbſt verliehen, Was ſie nur hatte, außer ehliher Minne: Sie hatt ihn auferzogen; er war ihr lieb vor jeglichem Gewinne.
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148 Er muſt auh unterm Helm für fie | ſein Leben enden. « : Verböt es höfſhe Zucht mir niht, “ſo mö<t ih wohl flu<hen ſeinen Hänven, | Der den Stoß nah ſeinem Herzen führte; | Florie ſtarb an derſelben Tjoſt, | ob nie ein ſpiyes Eiſen fie berührte. | 149 Sie ließ einer Schweſter die Krone zu eigen. Klauditte hieß dieſelbe Magd; ihre reine Güte mochte niht verſhweigen Des Fremden Lob, noch deſſen, der ſie kannte: Drum drang in manches Land ihr Preis, den ihr au< der Neid niht entwandte. 150 Die Herzogin las von der Magd die Schrift an dem Seile. Ihre Fürſten wünſchten, daß fie ihnen einen Herrn ertheile. Da berief fie einen Hof gen Beuframunde. “ Reich und Arm zog dahin: da ſollte fie ihn wählen glei zur Stunde. 161 Dük E>unaten de Salvaſchflorien , Den trug fie längſt im Herzen; * | auh kor fie ihn, ihm ward ihr Reich verliehen. Ihre Krone überflog da ſein Gemüthe, Der fi vor allen Fürſten : | ftäts beflißen wie er der Fährte hüte. 152 Sie zwang ſeine Jugend und das Recht in ihrem Lande: Da ihr die Wahl gegeben war, - ſo wählte denn die Jungfrau ſonder Schande. Wollt ihr zu deutſch des Herzogs Namen kennen? Von den wilden Blumen, | alſo hört ih E>unaten nennen. i 153 Da er von der Wilde hieß, fie {hi>t’ ihm in die Wilde Dieſen wildlihen Brief, | den Braten, der dur< Wald und Gefilde Der Fährte wahrte wie ein Brake ſollte. | Die Shrift beſagt? auch, daß ſie ſelbſt weiblicher Fährte hüten wollte. |
154 Sghionatulander mit einer Federangel Fing Aeſchen und Forellen während fie las, dazu der Freude Mangel, Denn ſelten ward ihm Freude mehr zu Theile. Sigun entwidtelte die S<hnur , | daß ſie die Schrift zu Ende läſ am Seile. 155 An die Zeltſtange 5 war es feſtgebunden. Jhr Entwickeln iſ mir leid; | Hätte fie ſich des niht unterwunden! Gardevias litts mit Widerſtreben; | Nah ſeiner Speiſe rief fie da, | denn fie wollt ihm zu eßen geben. 156 Zwei Jungfrauen ſprangen vor das Zelt in Eile. O weh den blanken Händen | der Herzogin! Litten die vom Seile, | Ich that es niht, es thats der Steine Härte. | Gardevias zu>te : | und entſprang auf des Jagdwildes Fährte. 157 Er war au< E>unaten entwiſcht in gleiher Weiſe. | Sie rief den Jungfrauen: ' als ſie nahten mit des Braten Speiſe, Zu dem Zelte trugen fie die balde. Der Brake war derweil entſhlüpft dur das Zuglo, man hört’ ihn ſhon im Walde. 168 Er riß halt das Zuglo<h © “zum Theil aus den Pfählen. Als er wiederfand die friſche | rothe Fährte, wollt ers niht hehlen, Er jagte öffentli<h und niht verborgen. | Des entgalt des werthen | Gurzgri Sohn mit mancherlei Sorgen. 159 Shionatulander die großen wie die kleinen Fiſche mit der Angel fing | wie er da ſtand mit bloßen, blanken Beinen | Im lautern ſchnellen Bah, der Kühle wegen. | Da hört’ er Gardevias Stimme: fie erſholl zur Qual dem Degen.
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160 Er warf die Angel aus der Hand | E und ſegte mit Eile Ueber Strünke wie dur< Dornen; docnahi'er niht dem Bracken noh dem Seile. Wegloſes Di>icht hielt ihn weit zurüd>e; Son ſpürt’ er weder Wild no< Hund; auc nahm ihm das Gehör des Windez Tüte. 161 Seine bloßen Beine wurden zerkrayt von den Dornen, * Auch verwundeten ihm Stifte die blanken Füße hinten und vornen. Er war no< müder als das Wild der Fährte; Er ließ fie waſchen, eh er trat in das Zelt. Da fand er Sigunen, die Werthe. 162 Grau in den Händen wie von Froſt bereifet , | Wie eines Lanzenbrechers Hand, . wenn vom Gegenſtoß hindurchgeſtreifet Der Schaft im Saus die bloße Haut ge- : hunden: . So von dem durchgezognen Seil war die Hand der Herzogin voll Wunden. 163 Sie ſah ſeine Wunden * an Händen und an Füßen. | Sie beklagte Jhn, er Sie. N Nun wird fich dieſe Märe bald entſüßen, Da die Herzogin mit ihm zu ſprehen Von der Schrift begann am Seil: j e der Verluſt wird manchen Sper zerbrechen. 164 Da ſprach er: „Wo ſah man wohl je ein Seil beſchrieben? Franzöſiſche Liebesbücher x giebt es viel : mir iſt die Kunſt nicht geblieben ; Sonſt läſ i< wahrlich lieber do< darinne. Sigune, ſüße Magd, die Schrift an dem Seile ſchlag dir aus dem Sinne.“ 165 Sie ſprach: „Aventllre x fand i< an dem Strange, Leſ ih die niht zu Ende, | ſo widert mir mein Land zu Katelange: - —M
| Wieviel mir Jemand Reichtum bieten könnte, Gern wollt ih drauf verzichten , wenn er mir die Schrift zu leſen gönnte. 166 „Das ſpre< i, werther Freund, niht Dir | noh Jemand zu Leide; Doch wieviel der Jahre wir noh ſo jung zuſammen lebten beide, Eh dein Dienſt der Minne Lohn begehrte Schaff er mir das Seil zuvor, daran Gardevias hütet der Fährte.“ 167 Er \ſpra<: „So will ih gerne | dir das Seil erwerben. Wenn es Kampf erringen kann, ſo will ih an Leib und Preis verderben, i Oder ich bring es wieder dir zu Handen: | Sei gnädig, ſüße Magd, und halt mein Herz nicht ſo lang’ in deinen Banden.“ 168 „Gnad und was nur immer | - eine Magd darf gönnen ' Jhrem Freund, gewähr ich dir und Niemand ſoll mi<h dran verhindern können, Wenn du um das Seil dih willſt bemühen, Das der Bra>e nah fi zog, da ihn meine Hand ließ entfliehen.“ 169 „So will i< nimmer raſten | no ruhn bis is erringe. Du bieteſt reihen Sold, ih kann es kaum erwarten bis ih es bringe | Und deine Minne ſoll zum Lohn erhalten. Ich will es ſuchen nah und fern; mögen Glü> und Minne freundlih walten!“ 170 So wuſten ſie mit Worten Troſt zu ſpenden | Und mit gutem Willen. | Beginn des Leids, wie ſhre>li< ſollt’ es ' enden! Wohl noch erfährt der Junge wie der Greiſe, Der muthige Gelober, wie es ſtieg und ſank mit ſeinem Preiſe. Moo