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Das kleine Heldenbuch

Wolfdietrich

Alte neuhochdeutsche Übertragung · 1859 · Karl Simrock

138 Min. Lesezeit· Karl Simrock

In historischer Schreibweise · Die Absatznummern verlinken einzelne Textstellen.

OCR-Arbeitsfassung mit geprüfter Druckseitenfolge und lokalen Scanergänzungen. Eine vollständige Gegenlesung steht aus. Vollständige gedruckte Haupttext-Seitenfolge; fehlende innere und abschließende Seiten aus identischen historischen BSB-Ausgaben ergänzt. Anbieter-OCR und lokale OCR bleiben unkollationierter Arbeitsbestand. Der gesamte Textzeuge ist nicht als vollständig kollationiert ausgewiesen; Umfang und offene Lesarten bleiben dokumentiert.

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Wolfdietrich — Simrock 1859

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’ Wolfdietrid. Erſtes Abentener. Wie MWolfvietrih vertrieben warb. Nun laßen wir verbleiben die reiche Königin, Und treiben uns bie Weile mit Wolfbietrich hin. Es erwnchs zu Conftenopel das Kinblein wonnefam Bis ihm erſtarb fein Vater, was ihm viel der Freuden nahm. Da Wolſdietrichs Bater an feinem Ende lag, Seines Tieben Kindes der Helb mit Treuen pflag. Drei junge Söhne hatt er, die rief er heran, Burgen, Land und Leute macht’ er ihnen untertban, Er ſprach: „Lieben Kinder, nun hört was ich euch fage: Sch weiß nicht, ob ich leben mag nad diefem Tage.“ Da ſchuf er Wachsmuthen das Land vom Ippſtrom an, Und Bogen aud ein weites Land, das diente dem fühnen Mann,

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567 „Wolfbietrih, Eonftenopel Toll bein eigen fein, Und was dazu bewanbt ift, vor andern Erben mein,“ Da rief er Herzog Berchtung alsbald vor ſich heran: „Ih empfehle dir Wolfdietrich; bu bift ein treuer Mann,” Der Herr nahm fein Ende baranf am fechften Tag, Unb warb zu Grab beftattet mit Ehren, wie man ypflag. Asbald Herzog Berchtung Wolfbietrichen nahm, Und führt’ ihn aus dem Lande, in bie Stabt zu Meran. Da zog er feinen Herren wohl in das fünfte Jahr, Er lehrt' ihn manche Dinge, das fag ich euch fürwahr. Er lehrt? ihn weithin fpringen und fehießen wohl den Schaft, Er lehrt' ihn viel der Spiele, damit zu Üben die Kraft. Er ehrt? ihn Meer werfen, fürwahr, das that ihm Noth, Er wär vor einem Heiden erlegen fonft im Top: Da er flanb in großen Nöthen vor dem Heiden hochgeboren , Ihm half des Meifters Lehre, fonft war fein Leben verloren, Was ihn der Alte lehrte, des warb er Meifter gar, In mancherlei Kurzweil, das fag ich ench fürwahr. Er ward in feiner Ingend gefchidt zu aller Wehr: Da freute Herzog Berchtung ſich feines Pfleglinges fehr.

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DT Te TTV Da hatten feine Brüder ibm unterbes genommen, Was ihm von Conftenopel Gutes jollte lommen. Ihm wollten feine Brüder fein Land nicht dienen ſehn, Er ſei ein Kebstind, fagten fie, und möge nicht zum Erbe gehn, Sobald Herzog Berchtung die Botſchaft vernahm, Bor feinen Herren trat er tugenbli heran: Er ſprach: „Herr Wolfdietrich, ihr follt in Ehren leben, Euer Land und eure Leute muß man euch wieber geben.” Er ſprach: „Meifter Berchtung, deinen Rath ertheile mir, Du weiſt doch wohl, daß Alles allein beruht auf bir.” Das Schwert nahm mit Ehren an einem Pfingftentag Der wertbe Degen bieber, ber wohl großer Tugend pflag. As ihm Herzog Berchtung gab in die Hand das Schwert, „Ich habe jechzehn Söhne, die bieder find und wertb, Und fünfhunbert Degen, kühn und vitterlich: Die leg ich auf Die Wage, und all mein Volk, für dich.“ Da fandte Herzog Berchtung hinaus in all fein Land, Biertaufend Helden gewann er da zuhand. Sie muften Eide ſchwören, das will ich euch fagen, Sie ließen Wolfbietrih nicht aus feinem Laube jagen.

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569 „Herr, was ihr gebietet, Tas ift alsbald gethan.“ So ritten fie mit Züchten aus der Stabt Meran, Und grüßten die Menge nah Würden überall, Da wies man bie Herren gen Eppan in das Thal. Auf Banden da die Segel bie fühnen Degen gut, Und fuhren mit Freuden über des Meeres Flut, Sie fegelten drei Wochen, Gott fanbte guten Wind, Der trieb fie an den Hafen zu Conſtenopel geſchwind. Sie ſäumten fih nicht lange und fliegen an bas Land; Da kleideten die Herren fich in ihr Sturmgewand. Da ſprach Herzog Berdtung: „Noch follt ihr bier beftehn: Ich und mein Herr Wolfbietrid wollen bin zu Hofe gehn. „Sache und Herbrand, wartet bier anf mich, Wenn ihr mein Horn hört fchallen, fo kommt uns ritterlich, Denn an die Ehre geht es, um bie man flreiten foll: Daß ihr daun kommt zu helfen, bes getrau ich euch wohl,“ Da giengen fie zufanımen anf ber Könge Saal; Da empfieng das Gefinde ben Alten überall, Und ließ Wolfdieterihen ohne Gruß da ftehn. Er ſprach: „Was ift euch Leides von meinem Seren gejchehn ?“

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570 Da ſprach zu ihm Herr Wachsmuth, der kühne junge Mann: „Herzog Berchtung,“ ſprach er, „wem fiehft bu bei? fag an.“ Er ſprach: „Wolfbieterichen, dem getreuen Mann: Den empfahl mir fein Vater: fein Erbe greift ihm nicht an.“ Da ſprach König Boge, ein ungetreuer Dann: „Wolfdietrich ift ein Kebskind, uud mag fein-Erb empfahn. Sie fanden ihn im Walde bei jungen Wölfelein: Ihr ſollt ihn fahren laßen und unfer eigen fein.“ „Was fagt ihr mir von Wölfen? die laufen in dem Holz: Er ift ein fühner Degen, ein junger Weigand ſtolz. Laßet ihn fein Erbe nach dem Recht empfahn: Dafür eg ich auf die Wage Alles mas ich je gewann.” No ſprach Herzog Berchtung: „Lieben Herren mein, Was fälicht ihr enre Mutter, die eble Fraue rein? Es fteht euch wahrlich übel,“ ſprach ber greife Mann, „Roh Niemand hörte Bosheit, die eure Mutter gethan.“ Da ſprach Wolfdietrich felber: „Ihr lieben Brüder mein, Thut e8 Gott zu Liebe und laßt mich bei euch fein. Nehmt das Land zur Hälfte, das mir mein Vater gab, Und laßt die andre Hälfte mir mit ver guten Stadt.“

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971 Da ſprach König Boge, ber ungetrene Mann: „Nun biſt du Doch ein Kebskind, und magſt fein Erb empfahn. Hebe dich bald von binnen, willſt bu gedeihn, Oder es muß noch heute fürwahr dein Ende fein.” Da ſprach Herzog Berchtung: „Es wär mir immer leid, Sollt ih fo verlieren all meine Müh und Zeit, Die ich Hab gewendet auf ven Degen auserfehn: Er foll viel gewaltig bier vor euch allen ſtehn.“ Da ſprach König Boge: „Du alter Ziegenbart, Daß du anf unferm Hofe fo fange bliebft gefpart! Willſt du davon nicht laßen, fo wirft bus mohl gewahr, Das Haar von beinem Munde heiß ich dir zerren gar.” „Und feid ihr, ſprach Wolfdietrich, „bie lieben Brüder mein, Wer meinen Meifter anrührt, der muß verbauen fein: Bon meinem guten Echmwerte findet er den Tod.“ So gab er zornig Antwort; ihm zwang wohl große Roth. Da fchlichen filh die Herren zu einer Thür hinaus, Da mwappneten viel Ritter fich in dem feften Haus In ihre lichten Ringe, fo haben wir vernommen: Sie hätten gern ben Beiben in der Burg das Leben genommen.

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572 Da ſprach Herzog Berditung: „Lieber Herre mein, Nun hütet wohl der Thüre, laßt niemand aus noch ein. Wer aus und ein will fchlüpfen, dem feis ums Haupt gethan; So künd ich bald die Märe manchem wertben Rittersmaun.“ Da fprang vor bie Thüre Berchtung ber kühne Mann, Ein Horn von rothem Golde Hub er zu blafen an. Das erhörten feine Söhne: die fprangen bald empor, Mit allem dem Gefinde eilten fie vor Das Thor. Da bob fih auf ver Veſte ein ungefliger Schall, Da an die Pforte drangen bie Griechen überall. Da wuſte nicht der Alte des Jungen große Noth: Bon Wolfvietrichs Händen lag dba mancher Degen tobt. Sie ftritten einen langen Tag, das will ich euch fagen, Da wurden Herzog Berditung feine Mannen all erichlagen Bis auf bie fechzehn Söhne: die blieben ihm noch gar, Dazu fein Herr Wolfdietrich und er felber, das ift wahr. Da Sprach zu ihm Wolfdietrich: „Laßt uns von hinnen fahren, Da uns die Helden fielen, fo mög uns Gott bewahren. Noch Ieben deine Söhne, die führ mit dir hindann; Und verldr ich ihrer Einen, fo fienge mein Trauern an.“

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573 Da fpra Herzog Berchtung: „Lieber Herre mein, Ich und meine Söhne müfen bei euch fein, Und muß bier noch ein Jeder hundert Mann beftehn; So befteh ich ſelbſt zweihundert,“ ſprach der Degen auserfehn. Zum Streite gieng e8 wieder, das will ich euch fagen. Da wurden Herzog Berchtung feiner Söhne fünf erfchlagen: Sah er einen fallen, den Herren blidt’ er an Mit Iachenden Augen, dieſer tugenbreiche Mann. Da warb Wolfbietrich ferne won ihm gebrängt hindann, Daß zwifchen ihnen flunden wohl zweihunbert Mann. Das mwufte nicht der Alte, der ſtund in großer Noth, Er wähnte wohl Wolfdietrich, feinen lieben Herren, tobt. Da ſah man ben Alten gar tramriglich ftehn, Die Augen liefen ihm iiber, dem Helben auserſehn. Da iprad fein Sohn Hache, ein Degen lobefam: „Sch jeh durch Schwerterblien dort ihn flehn den kühnen Mann,“ Auf den Rüden warfen fie den Schild, der gab von Schlägen Schall, Das war ein grimmig echten, da fie drangen durch das Wal, Sie erichlugen feiner Feinde wohl zweihundert Mann, Eh fie den Tieben Serren mit ihren Augen erfahn.

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574 Der hatte Heldeswerke derweil getban im Gtreit, Mehr als zweihundert Todte hatt er umher geftreut. Da ftand er mitten inne, ber wunderkühne Degen, Es hatte feines Lebens Wolfbietrich jchier fi) begeben. Noch ftand vor ihm ein Degen ber teug gar hoch deu Muth, Der warf ihm eine Wunde durch feines Helmes Hut, Daß Wolfvietrich ſtrauchelte und hinftel anf den Plan: Da lag in Unkräften dieſer tugenbreiche Mann. Wie ſchnell Herzog Berchtung ihm zu Hülfe ſprang! Er zog ihn auf geihwinde, bie Zeit warb ihm nicht lang. Zen Helm von dem Haupte brach ihm ber fühne Man: „Wohl mir, dag meine Augen euch noch lebendig erjahn! „Run follen wir von binnen, das will ich euch fagen, Da uns die Mannen alle zu Tode find geichlagen. Finden uns bie Griechen, filrwahr, fo find wir tobt.“ Sie eilten zu ben Rofien, von bannen hatten fie Noth. Da wandten fi von bannen die fühnen Degen bald So ſchnell fie reiten mochten gen einen grünen Wald. Fünftauſend ihrer Feinde ritten ihnen nach. Wolfdietrich und bie Seinen eilten von bannen ja.

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975 Neben der Straße famen fie in ein wilbes Thal Auf einen grünen Anger. Zu Ende war ber Schul. Da muften fi) die Herren tes Streites gar begeben; Doh hatten fie noch Hoffuung, fie ſollten länger lebeı, Cie zündeten ein Feuer in bemfelben Tann, Blöcke und Etdde trugen fie daran. Sie jagen zu dem Feuer und waren müde febr; Da war der Herren zwöife und auch nicht Einer mehr. Da begann Wolfdietrih, der edle König hebr: „Berchtung, lieber Meiſter, wo ift der Söhne mehr? Der ſeh ich bier nur zehne und follten fechzehn fein: Nun find ich erſt die Diufe, dich zu fragen, Meiſter mein.” Da gab ihm Berchtung Antwort in großem Jammer fo: „Ih weiß nicht, licher Herre, fie find wohl irgendwo Aus dem Streit entronnen.“ Da fprach ber junge Maun: „Ih mahne dich des Urtheils, das bu zujüngft ſollſt empfahn, „Wenn beine Seele ſcheiden muß aus beinem Mund, Daß du mir hier fageft ter rechten Wahrheit Grund, Ob fie find gefangen ober zu Tod erjchlagen: Berchtung, lieber Meifter, das folft du Alles mir fagen,”

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576 „Du vwillft mirs nicht erlaßen, fo muß ich es wohl fagen: Sie find zu Eonftenopel in ber Burg erichlagen. Wenn ich nach dir blidte mit lachendem Mund, So fah ih Einen fallen: das fei dir, Herr, mım kund.“ „Wie mocht ich das gedenken?” ſprach ber Kühne ba, "Wie mochteſt du erladhen, wenn bir Leib geichah? Und hätt ich wißen mögen ihre große Notb, Ich hätte fie gerodden, fo mirs nicht wehrte der Tod.“ Da gebachte fich viel Leides ber eble Help erkannt, Er zog das Schwert und ſtieß e8 bei dem Heft ins Land. Da wollt er fein gefallen ver Leib in fein Schwert; Ihm entriß es Herzog Berchtung: alſo blieb es ihm verwehrt. Er ſprach: „Lieber Herre, klagt müßiger die Noth. Was follt uns nun frommen ımfers Herren Tod? Sie waren meine Kinder; Ihr jedoch nicht fo.” „D web,” vief Wolfbietrih, „ich werbe nie wieber froh. „Hei des großen Leides,“ ſprach der innge Mann. „Womit fo früh werbient’ ich das Leid, das ich gewann, Daß ich allem Unglüd fo verrathen bin! Eh ich noch getanft war trugen mich bie Wölfe Hin.

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577 „Und wär ich zu ber Stunde nur getauft gewefen, Dem Wolfe wollt ich fluchen, daß er mich ließ genefen: So wär ich heute ledig von fo großer Noth. Mich reuet all mein Leben deiner lieben Kinder Tod.“ Eimrod, das Heine Heldenbuch. XR

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578 Dweites Abentener. Wie die raube EIS im Jungbrunnen babete. » Sie blieben in dem Thale dis fie befiel bie Nacht. Da begann Wolfbietrih: „Ihr habt genug gemacht, Ihr Herren legt euch ſchlafen; ich will der Schilbwacht pflegen.” Behüte Gott,” ſprach Hache, dieſer wunberfühne Degen. Da ſprach Herzog Berchtung: „Lieber Herre mein, Warum willſt du uns dienen, ſind wir nicht alle dein? Ich mit meinen Söhnen, ich wache was ich kann: Ihr ſollt euch ſchlafen legen, ihr ſeid ein müder Mann.“ Antwort gab Wolfdietrich, ein kühner Degen hehr: Ich fürchte nun, ich diene euer Keinem nimmermehr. Laßt mich euch heunte dienen, das iſt der Wille mein. Wollte Gott vom Himmel, es ſollte nur länger ſein!“

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579 Da ſprach Herzog Berhtung: „Ein rauh Weib fiellt euch nad: Wie wollt ihr euch bewahren vor ihr bis an den Tag? Sie ift euch nachgegangen bis in das britte Jahr: Sie hätt euch gern zum Manne, das fag ich euch fürwahr.“ Da gab Wolfbietri Antwort: „Wie Tann ich mich ba wahren? Lieber lomm e8 in ber Jugend, was mir Leibe ſoll wiberfahren, Als daß es mir gefpart fei ins Alter hinein. SH muß viel Drangfal leiven, es mag nicht anders fein.” Da legten fie fich ſchlafen bie eilf getreuen Dann; Zu wachen Herzog Berchtung bis Mitternacht beganır, Da wollte nicht mehr fchlafen Wolfbieterich, daß Ruh Sein treuer Meifter fände gegen ben Morgen zu. Da nun entichlief ber Meifter, ba kam dem euer nah Das raube Weib gegangen, und ſah ben Fürſten be, Sie gieng auf allen Bieren, nicht anders tenn ein Bär. Er ſprach: „Bit bu gehener? welcher Teufel trug dich her? Da Sprach die rauhe Elfe: „Geheuer Kin ich gar. Nun minne mi, Wolfdietrich, du wirft der Sorgen bar. Sch gebe dir ein Königreich, dazu eim weites Lanb, Daß es für eigen diene, Herr, beiner fürftlichen Hand.“

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580 „So ift mir nicht zu Sinne,“ ſprach MWolfvieterich, „Daß ich dich Teufel minne, das glaube ficherlich. Du ſollſt zur Hölle fahren, ba bift du doch zu Haus, Mid müht ohne Maßen bein ungefüger Saus.” Bor Zorn nahm fie Zauber umb warf ibu auf ben Mann, Davon ſich Wolfdietrich nicht wohl mehr fein beſann. Wie bald fie ihm fein gutes Schwert, dazu fein Fohlen nahm: Bevor er kam zu Sinne war es hinweg in bem Tann. As er nun fam zu Sinne, ba griff er nach dem Schwert, Sich und die Seinen hätt er ben Zauber abgewehrt: Als er das Schwert nicht wieberfand, da gieng ber fühne Mann Und ſuchte nach dem Kohlen: da war das auch mit hinbanı. Wolſdieterich gebachte: „Was fol ich bier beſtehn? Unb erwachen bie getreuen Eilf in meinem Lehn, So will fein Schwert mir Herbrand für das meine geben: Er meint ich wär ein Zager; in Echanden muß ich leben.“ Da gieng nach dem Weihe Wolfbietrich in den Tann. Da war gemadt mit Zauber ein Weg, auf den er kam. Er Tief des Nachts zwölf Meilen, ver Tühne Weigand, Big er bie rauhe Elfe unter einem Brunnen fand,

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581 „Willſt du mich noch nicht minnen, MWolfbieterich 9” „Du Teufelin, du üble, wie wollt id minnen bi? Nun gieb mir balde wieber mein Schwert und mein Fohlen, Das du mir böslih heute Nacht haft geftohlen.” Sie ſprach: „Nun leg dich fchlafen, du biſt ein milder Mann, Und laß mich bie ſcheiteln deine Loden wonneſam.“ „Schlaf bei bie der Teufel!” Sprach der fühne Degen. „Wie ſollt ich Gemaches bei bir rauhem Weibe pflegen?” Bor Zorn nahm fie Zauber und warf ihn auf ven Mann, Es behieng ihm an dem Herzen; Schlaf fiel ihn an, Daß er nieberfinfen muſt euf den grünen Plan. Da verſchnitt fie die Nägel dem tugendreihen Mann. Sie nahm ihm von ber Schläfe ber Loden zwo hindann, Zu einem Thoren machte fie den tugenbreihen Mann, Daß er im Wald befinnungslos umlief ein halbes Jahr: Bon der Erde nahm er Speife, das fag ich euch fürwahr. Da erwachte Herzog Berchtung, ber trene Mann, zuhand. Er erſchrak vor Leine, als er ten Herrn nicht fand. „D web, nein Herr Wolfbietrih, wohin bift du gelommen ! Die rauhe Elfe, fürcht id, hat dich ung benommen.“

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Da fprach fein Sohn Hache: „Lieber Bater mein, Nun rathe was das Beſte deinen Söhnen möge fein, Da fih unfer Keiner felber rathen Tann.“ „So will Ih euch rathen:“ fo fprach ber greife Mann. „Wir müßen uns bebelfen wie uns zwingt bie Noth Bis wir hören ob am Leben unfer Herr ift ober tobt, Wohl auf denn, meine Söhne, nun greift bag Unrecht an, Und tretet bei ben Griechen in ber beiben Könige Bann, „Schwört ihuen Eide — hier hebt fi Herzeleid. Wie ihr die Eide halteb, geb ich euch Beſcheid: nn Wenn ihr euern Herren feht mit Augen an, Wollt ihr der Eide ledig ſein,““ fo fprach der kühne Mann. Da nahm Stab und Taſche Berchtung ber kühne Degen, Er ſprach zu feinen Söhnen: „Gott mög euer pflegen.“ Mit Klagen und mit Weinen er von ben Kinbern fchieb Und fuchte feinen Herren, wie ihm feine Treue rieth. Da thaten die Jungen des Alten Gebot: Sie kehrten aus dem Walde, fie zwang dazu bie Noth, Und ritten zu ben Königen und nahmen Dienfte an; Sie thatens doch nicht gerne, dieſe Helden \ahepn.

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583 Ja wallte Herzog Berdtung von bes Meeres Flut zis zur alten Troje mit traurigem Muth, Bo er bie rauhe Elfe vor einem Münſter fand. da grüßte fie ihn tugendlich, die wilbe Frau, zuhand. da ſprach Herzog Berchtung: „Liebe Fraue mein, sch bät euch fo gerne, möcht es euer Wille fein, daß ihr ben Herrn mir zeigtet, ben ihr mir habt genommen, Ich meines lieben Herren! wohin if er gelommen!“ Da ſprach die raunhe Elfe: „Ich Hab ihn nicht gefehn: Bie dürft ihr mich des zeiben! Euch mag wohl Leib geſchehn.“ Ah," ſprach er, „lebe raue, ich weiß bo, im Wald, Ihr ſeid ihm nachgegangen: darin verlor ich ihn bald. Nun iſts um meine Freude erſt völliglich gethan: ih meines lieben Herren!” fo fprach der kühne Mann. ‚Seber Gott vom Himmel, wie fol mir nun gefchehn, Ind foll ich meinen Herren nicht mehr lebendig erſehn!“ Da wallte Herzog Berchtung durch all die Heibenfchaft Mit tranrigem Muthe (Leibe hatt er wohl die Kraft) deber Berg und über Thal: als er den Herrn nicht faub, 3or Leid wär ſchier verborben tiefer tühne Weinpiü.

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584 Traurig ſchifft' er wieber fiber bie wilde See, Da fand er feine Söhne im Hof ber Konge gehn. Er wurde ſchön empfangen; viel Leib war ihm geſchehn. Sie ſprachen: „Habt ihr nirgend Wolfdieterichen geſehn?“ „Nein,“ ſprach der Alte, „ich forg, er iſt tobt: Das Herz in meinem Leibe leidet Angft und Noth.“ „Ach großer Gott im Himmel, wie fol uns dann gefchehn! Eollen wir unfern Herren denn nimmer wieber fehn?” Die beiden Könge kamen daher mit falfchem Muth, Der Eine hieß Boge, ber andre Wachsmuth. Sie grüßten Meifter Berchtung, da fie ihn ſahen ftehn: „Run faget, lieber Meifter, was ift mit euerm Herrn geſchehn?“ Antwort gab mit Züchten der altgreife Dann: „Des bin ich fo unmwißend wie ninımer bisheran. Ich babe meinen Herren fo wunberlich verloren, Nun mög es Bott erbarmen, daß ich je warb geboren.” Da ſprach König Boge: „Du folft dich fein begeben: Willſt du unſer Beider mit folder Treue pflegen, Wie du Wolfbietrih Haft bisher gethan, Das Land ud die Burgen mach ich dir unterthan.“

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585 „Ich muß mich fein begeben, tenn ich weiß nicht wo er if; Wenn ich jetoch den Fürften irgend zu finden wüſt, Sch ſtriche taufend Meilen wohl nach ben Herren mein: Den befahl mir euer Vater noch vor bem Ende fein, „Jedoch will ich euch ſchwören,“ ſprach ba Berchtung, Daß ich euch treulich diene mit meinen Söhnen jung; Um Recht oder Unrecht kümmern wir uns nicht, Es fei denn, daß noch lebe unfer Herr Wolfdieterich. „Kommt er noch zu Lande, lieben Herren mein, Wir wollen ohne Schande der Eibe ledig fein.“ „Wollt ihr nicht anders dingen, fo heißen wir euch fahn.“ Sie hießen Ketten bringen nnd fchloßen fie daran. Um tie Treue, die fie hatten zu Wolfbieterich, Wurben fie gefangen, bie Helben tugendlich. Man fchlug je zwei zufommen an Böden ungeſchlacht, Daß fie Schildwacht halten muften anf der Mauer Tag und Nacht. Derweil lief Wolfdieterich wohl ein halbes Jahr Wild umher im Walde, das fag ich euch fürwahr, Bis Gott feinen Ungewiun nicht länger wollt ertragen: Da fandt er einen Engel der rauen, will ich euch fagen.

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586 Zu der Frauen fprach der Engel: „Was Haft du geihan? Daß du willſt werberben einen fo getvenen Mann. Das wiberthu gefchwinbe, du ungefchlachtes Weib, Oder in dreien Tagen nimmt bie ber Donner ben Leib.“ Als des Engels Stimme bie rauhe Els vernahm, Daß fie vom Himmel füme, ba bob fie fich hindann Wieber nach dem Walde, und ſuchte ben jungen Mann. Da fand fie Wolfbietrid noch Iaufen in dem Tann Gleich einem wilden Thiere. Sie kam zu ihm heran Und nahnı hinweg den Zamber von dem fungen Mann. Da befam er feine Sinne wieder von bem Weib; Doch war er noch verwildert und ſchwarz am feinen Leib, „Willſt du mich num minnen?“ ſprach die Kram zuhand. Antwort gab Wolfbietrih, ber Held von Griechenland: „Hättet ihr die Taufe,“ fprach ber kühne Degen, So wollt ich mit euch wagen beides, Leib und auch Leben.“ „Ich gewann gar wohl bie Tanfe, ebles Fürſtenkind, Wenn mir beine Sinne nicht fonft entgegen find. Du findet an mir Freude, die bir wohl behagt, Wurde gleich die Schönheit meinem rauhen Leib verfagt.

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587 „Bon einer Stiefmutter ich fo verzaubert bin, Das wißet, kühner Degen, bis einft feinen Siun Auf mich kehrt der Beſte, ber auf der Welt mag leben: Der feib ihr, lieber Herre, wollt ihr bie Huld mir geben.“ „Dir ftünden meine Sinne,” ſprach ber kühne Mann, „Wohl auf andre Dinge: die Getreun in meinem Baun, Die hab ich in dem Walde fo wurnberlich verloren, Ich kann fie nie verſchmerzen,“ fprach der Degen hochgeboren. „Sie find zu deinen Brüdern, denen haben fie geſchworn Und wurben da gefangen: ben Beiden ſchuf es Zorn, Daß fie aus dem Herzen dich Tiefen nimmermehr. Die vermeßnen Helden liegen ba gefangen ſchwer.“ Er ſprach: „Edle Königin, nun faget mir fürwahr, Und wehrt mir euch zu minnen wicht euer rauhes Haar?“ Sie ſprach: „Darüber follt ihr ohne Sorgen fein, Ich weiß es wohl zu fügen, ergebt ihr fonft euch darein.“ Da führte fie in einen Kiel den kühnen Degen gut, Da fuhren fie mit Freuden über des Meeres Flut Hin zu der alten Troje: ba hatte fie ein Land. Sie ſprach: „WIN du getreu fein, fo dient e8 gern beiner Hand.“

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588 Sie führt’ ihn bin im Lande, ven Fürften auserſehn, Bo fie einen Iuugbrunnen vor dem Berge wufte ſtehn. Der war warm zur Hälfte, zur Hälfte war er kalt. Da fprang fie in den Brunnen und befahl fi Gottes Gewalt. Da wurde fie verwandelt: einft rauhe Eis genannt, Nun hieß fie Siegeminne, die ſchönſt ob allem Land. Drinnen in dem Brummen Tief fie die rauhe Haut. Nie eines Menſchen Auge hatt ein ſchöner Weib erfchaut. Am Leibe wohlgefhaffen war fie überall, Gedreht wie eine Kerze bie Hüfte bin zu Thal. Ihre lichten Wänglein waren rofenklar; Bon Seiben trug fie Kleider, das fag ich euch fürwahr. „Willſt du mich nun minnen?“ fragte fie zuhand. Antwort gab Wolfbieterih, ver Helb von Griechenland: „Ihr feid fo ſchön geworben und fo minmiglich: Euer Leib iſt gar verwandelt, der erſt einem Teufel glich." „Darum fol bu mich minnen, du tugenbreicher Mann.“ Antwort gab Wolfbieterih, der Degen lobeſam: „Wenn ich nun felber wäre wie vor einem Jahr, So wollt ich gern euch minnen, das fag ich euch fürwahr.“

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589 Da ſprach Frau Siegeminne: „Willſt du fein wie du geweſen, So Spring in den Brunnen, alsbald wirft bu genefen. Sp ſchön wirft du wieder wie ein Kinb von fieben Jahr, Und auch dazu gar minniglid, das fag ich bir fürwahr.“ Da fprang in den Brunnen der tugenbreihe Mann, Zu einem Bette führte fie ben Berjlingten dann, Da legt’ er fich fchlafen, der getreue Wolfbietrich, Zu feiner fhönen Frauen; fie waren beide minniglich.

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Drittes Abentener. Wie MWolfvietrih Kaifer Ortnit zum Gefellen gewann. Darnach Hielt er Hochzeit mit der Frauen wohlgethan ; Jedoch gedacht er immer der eilf getrenen Mann. Eines Nachts da kam es ihm in Sinn und Muth, Wie er mit Kaiſer Ortnit follt fireiten, dem Degen gut. Da ſprach zu ihr MWolfbietrih: „Liebe Frane mein, Nun helft mir zu ben Wünſchen, fo lieb ich ench mag fein, Daß ich mit Ortnit fireiten mag, bem kühnen Dann, Ach reicher Bott vom Himmel, daß ich ihn nicht bezwingen kann!“ Sie ſprach: „Lieber Herre, was that er euch zu Leid, Daß ihr ihn fo gerne beſtehen wollt im Streit?“ Er ſprach: „Liebe Herrin, ich fag euch fürwahr, Er wollt uns Zins entzwingen, ba ich ein Kinblein noch war,

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591 „Seiner Grafen zwölfe fandt er im meines Vaters Land: Sein Reich follt er ihm zinfen, bas that man mir bekannt. Da ließ ich ihm entbieten, wär ih zum Mann gebiehn, So käm ih gen Garten: ba beſtehen wollt ich ihn. „Run bin ich erwachſen und warb zu einen Mann, So will ih ihn zu Garten beſtehen, wenn ich kann. Sein Geſelle will ich werben, wenn mir erliegt ber Selb. Dazu follt ihr mir rathen, ſchöne Frau, wenn euch gefällt.“ „Wollt ihr denn, ich ſteure euch gerne zu der Noth, Daß ihr vor Kaifer Ortnit nicht gewinnt ben Tob.“ Da ließ fie ihm bereiten ein Schiff gar wunderſam Mit Sreifengefieber, des ſah man viel daran, Auch ließ fie dem Herren tragen in ben Kiel St. Georgen Hemde, das hatte Kräfte viel: St. Pankrazienheilthum barin verflegelt lag. Das half ihm im Streite, es frommt’ ihm manchen Tag. Da fpannt’ er auf bie Segel, der kühne Degen gut: Sie fuhren mit Freuden über Luft und Flut. Da er nun kam zu Lande, gen Garten wanbt er ſich, Unter einer Linde vom Roffe ſprang Wolfdieterich.

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592 Um biefelbe Linde war es fo beftellt, Zur Kurzweil darunter legte fich fein Helb, Er wäre denn zum Streite gelommen in bas Land. So war Wolfdietrich heute, biefer kühne Weigand. Dben auf der Linde fangen Bögelein: Wie möchte feine Freude darunter größer fein? Als er die Stimmen hörte, ben freubenreichen Schall, Er freute fi der Wonne: fo Tiebli fang die Nachtigall, Da fang ein jeber Vogel in eigner Stimme Har, Daß davon Wolfbieterih von Herzen fröhlich war; Bon tem füßen Schalle entjchlief ver kühne Mann. Da kam auf eine Zinne der Kaifer Ortnit heran, Da ſtand nicht alleine der werthe Kaifer gut, Frau Sidrat ihm zur Geite, bie gab ihm hohen Muth, Sie fprach zu ihm: „Nun ſchaue die Linde, Tühner Degen; Nie fah ich noch da Tiegen einen Helben fo verwegen.“ Er ſprach: „Liebe Herrin, es geht ihm an den Leib Gar bald von meinen Händen, das wiße, fchönes Weib. As wär das Land fein eigen, fo fallt ber Helb unb thut: Rah bei feinem Herzen wohnt wohl großer Uebermuth.“

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593 Da ſprach zu ihm Frau Sibrat: „Nein, lieber Herre mein, Er mag wohl ermüdet und weit gefahren fein. Gönnt ihm feine Ruhe, er ift ein kühner Degen: Ein Berzagter bürfte nimmer fich unter die Linde legen.“ Er ſprach: „Liebe Herrin, ich glaub, ihr feib ihm hold. Ihm frommt doch nicht fein Silber noch fein rothes Gold, Das durch die Brünn ihm ſcheinet und durch des Helmes Hut. Er muß mit mic fireiten, wär er noch fo hochgemuth.“ Sie ſprach: „Lieber Herre, wie wär ich ibm bolb? Ich erſah ihn nie mit Augen, wie ich wohl ſchwören wollt. Doch rath ich euch in Treuen, ihr follt ihn nicht beftehn.“ Da ſprach der Keifer Ortnit: „Dem mag er nimmer entgehn.“ Er ſprach: „Kampf foll er finden, im Treun, von meiner Sand. Er fährt mit foldem Schalle als gehört’ ihm all das Land, Das ich bisher behalten vor manchem wertber Maun, Er foll mein Reich mir laßen, fo ichs befrieden kann.“ Da fprachen zu ihm alle bie Herrn in feinem Lehn: „Sollen wir mit end, Herre, zu ber Linde gehn?“ „Nein,“ ſprach der Kaiſer, „ich laß euch all daheim, Ich will ihn beſtehen mir zu hohem Preis allein,“ Simrod, das Feine Heldenbuch. 38

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594 Seine guten Harnifchringe hieß er zur Stelle tragen. Ihn wappnete die Kaiſerin, das will ich euch fagen. Einen Schaft, gar großen, nahm er in bie Hand; Da 'gieng er zu ber Linde, wo er Wolfbietrichen fand. Auf die Bruſt fließ ihn der Kaifer hochgemuth: Auf fprang Wolfdietrich, zornig war fein Muth, „Ihr wedtet mich nicht alfo, wärt ihr tugenbreich; Ihr heifcht mich ungefüge: das ift höfſcher Zucht nicht gleich.“ „She ſeid Streits unerlaßen, Streit beut euch meine Hand. Ihr fahrt mit ſolchem Schalle als gehört! euch all das Land: Bisher hab ichs behalten vor mandem wertbeu Dann, Ihr follt mein Reich mir lagen, wenn ichs befrieben Tan.“ „So ſtricket mir bie Riemen, feib ihr ein Biedermanu, Ich weiß euch wohl ber Kühnbeit, die mich beftehen kann. Bon eurer Kraft und Mannheit hab ich fo viel vernommen, Daß ich mit ench zu flreiten ber zu Lande bin gekommen.“ .„Ihr feid des unerlaßen, Degen hochgemuth.“ Er band Wolfdieterihen zu Haupt bes Helmes Hut Und ſtrickt' ihm die Riemen mit ber eignen Hand. Ihnen kam da nachgefchlichen vie Kaiferin zuhand.

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595 Ber hier den Anbern zwäuge, bas wüſte fie gern; Da griffen fle zum Streite, tie beiden edeln Herrn. Noch wurden fle nicht inne der Frauen, zu ber Zeit, As fie die Schilde faften, die Helden kühn im Streit. Sie flanden voreinander, Einer fah ben Anbern an; Nun mögt ihr gerne hören wie ber Kaifer ba begann. Er ſprach: „Kühner Degen, deinen Namen melde mir, Daß ich dich mög erkennen; feine Schande bringt es bir.“ Dawiber ſprach Wolfbietrih: „Die Zagheit ziemte fchfecht, Sollt ich fo bald dir fagen Namen und Gefchlecht, Dber wer mein Bater wäre, und wo ich warb geborn. Was habt ihr das zu fragen? damit reizt ihr mich zum Zorn.“ „Mich dünkt an ben Gebehrben, ihre feht fo ritterfich, Ihr feid aus Griechenlanden der kühne Wolfbietrich. Was ich von euch vernommen hab, bas dünkt mich gut und fchön.“ „So wehr di, Kaiſer Ortnit, ber Wolf will dich beſtehn.“ Da fprangen fle zufammen, die Helben tugendſam. Da wurden große Wunder von beider Hand gethan: Je Einer ſchlug den Anbern dreimal auf das Land; Yet zum viertenmale fiel MWolfbietrih in ben Sand,

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Da rief er im Herzen Gott vom Himmel an: „Run berathe, Herr, in Griechenland meine eilf getreuen Dann, Dazu Herzog Berchtung, ven lieben Meifter mein; Ad Gott laß meine Seele bir befohlen fein.“ Wie bald da Wolfbietrid auf bie Füße fprang Und ihm fein Schwert, das gute in der Hand erflang! „Nun wehrt euch, Kaifer Ortnit: eh fich befchließt der Tag, &o wird euch wohl vergoften biefer ungefüge Schlag.“ Sein Schwert zu beiden Händen Wolfbietrich nahm, Mit unverzagtem Muthe lief er den Kaifer an, Er flug ihm nad dem Hanpte einen fo gefchwinden Schlag, Daß der Kaifer Ortnit vor ihm am Boden da lag Und zu derſelben Stunde nicht hörte mehr noch fab; Er war auch ſtumm geworben, fein Wörtlein ſprach er ba. Das Blut ihm aus den Ohren unb aus bem Munde drang. Wie bald da die Kaiferin ihrem Herrn zu Hülfe fprang ! Sie ſprach: „Lieber Herre, mas hab ich euch gethan, Daß ihr mir verberbtet meinen lieben Marin? Nun bringt mir bald bes Brunnens, fo lab ich ven Herren mein.“ Da Sprach zu ihre Wolfdietrich: „Wo mag das Waßer fein?“

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597 „endet, Herr, euch balde von ber Linde Bin zu Thal, Unb fördert euch ber wieder zu uns mıf das Wal, Daß ich den Herrn erlabe; mir zu Liebe foll es fein.“ Er ſprach: „Sch thu es gerne, viel liebe Herrin mein!“ Hingieng da Wolfbietrih buch ven finftern Tann; In feinen Helm, ben feften, er bes Waßers nahm, Zur Finde kehrt' er wieder, wo er fle beibe fanb. Da labten fie mit Züchten Ortniten gleich zur Sand. Da nahm Wolfbieteriden Fran Sibrat bei ber Hand, Unter die Linde führte fie ben kühnen Meiganb. Da ſprach zu ihm die Kaiferin: „Herr Wolfbieterich, Ih bitt um eine Gabe, ber gewähren follt ihr mich.” Er ſprach: „Liebe Herrin, ich wills euch nicht verſagen, Mag es an ben Ehren mir nicht bringen Schaden. Mag man mir e8 deuten als wär ich verzagt, So leift ih es nimmer, das fei end, Frau, gefagt.“ Wieder ſprach bie Kaiferin: „Nein, Tieber Herre mein, Ein Berzagter mögt ihr darum vor Niemand fein. Ein König und ein Kaifer, zwei Helden tugenbfam, Berberbtet ihr einander, das wär nicht wohlgethan.“

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598 Sinwieber gieng die Kaiferin, wo fie ben Herren fand. Da hatte ſich wieber ber kühne Helb ermannt. Sie ſprach: „Kaifer Ortnit, lieber Herre mein, Ich bitt um eine Gabe: fagt mir dazu nicht Nein.“ Er ſprach: „Liebe Herrin, ich wills ench nicht werfagen, Mag es an ben Ehren mir nicht bringen Schaden. Im Uebermuthe fucht’ ich fo lang Gefahr und Streit: Eh ich wider Ehre thäte, verlör ich Leben und Leib.” Da ſprach die ſchöne Fraue: „Lieber Herre mein, Cs mag an deinen Ehren bir nicht zum Schaben fein. Ein König und ein Kaifer, zwei Helben tugenbfam, Berberbtet ihr einander, das wär nicht wohlgethan.“ Sie nahm den Kaifer bei ber Hand, er follte mit ihr gehn. Da fand fie Molfbieterih unter ver Linde ftehn. Sie ſprach: „Ihe Herren beibe, es fei euch nicht leid, Euer Jedweder muß mir ſchwören einen Eid, „Daß ihr Geſellen bleibet folang euch währt das Leben, Und ftäts einander helfet: ven Rath will ich euch geben. So lebt nicht in dem Lande Der euch beftehen kann: Ihr feib zwei wunderkühne Degen hehr und wonneſam.“

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599 Da folgten ben rauen bie zween Gefellen gut: Sie ſchwuren zufammen, bie Fürften hochgemuth, Bas Einen beträfe, dieweil ex wär am Leben, Der Andre follt es rächen; ben Rath hatte fie gegeben. Da nahm Kaifer Ortnit Wolfbietrich bei ber Hand Und führte gen Garten den kühnen Weiganb. Da wurde ſchön empfangen ber eble König hehr Bon des Kaifers Hofgefindb: fie kamen alle daher Und giengen wohlgezogen vor feine Tafel ftehn Und dienten zu Tiſche dem Degen auserſehn. Da ſaßen fie zu Tiſche und hatten Frenden viel, Pfeifen und Pofaunen und Speif und Trank ohne Ziel, Da verblieb er zu Garten wohl ein halbes Jahr, Daß er nicht oft gedachte an feine Fraue Har, Die er zur alten Troje gelaßen binter fich; Es verlangte Siegeminnen nad bem Degen tugenblich. Die blieben beieinander bie zween Gefellen gut, Bis in die vierte Woche, die Fürſten hochgemuth. Da ſprach Wolfbietrich enblih: „Ich will von hinnen fahren, Ortnit, Lieber Geſelle, Gott möge bich bewahren.“

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600 Da fprach wohlgezogen Ortnit ber Kaiſer gut: „Barum willft bu von binnen, Geſelle hochgemuth ? Kam dir etwa Kunde von ber Frauen bein Dber von beinem Lande, daß bu ndthig wärft daheim 9” Da ſprach zu ihm Wolfbietrich, ber tugendreiche Mann: „Nein, lieber Gefelle, nicht Hecht Hab ich gethan: Ich breche meine Treue der Neben Frauen mein; Ich follte ange wieber in meinem Lande fein.“ Urlaub nahm von bannen der eble König gut. Da wandt er bald fich wieder über bes Meeres Flut. Da faub er feine Fraue an dem Geftabe fiehn; Sie war ihm nachgefahren und verlangte fehr ihn zu ſehn.

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601 Diertes Abentener. Wie Wolfdietrih einem Hirſch nachjagte und fein Gemahl entführt warb. Da fuhren fie hinüber und batten Freuden viel, Hin zu ber alten Troje, das war ber Neife Ziel. Da blieben fie beifammen zwölf Wochen ober. mehr. Nun ritt das Wild zu jagen eines Tags der König hehr. Da führt’ er feine Fraue mit fi in ben Wald Unter ein Gezelt von Seide; ihre Luft war mannigfalt. Da ſaßen fie zu Tiſche und Batten Freuden viel, Bfeifen und Pofaunen und Speif und Trank ohne Ziel, Als er nun feine Kurzweil mit ber ſchönen Frau begann, Da kam baber gelaufen ein Thier gar wonnefam: . Das war ein Hirſch, ein ſchöner, wenn ich es fagen foll, Mit rothem Gold bewunden mar fein Gehörne wohl.

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602 Den batt ein alter Rieſe in den Walb gefandt, Um ſchöner Franen willen, Draflan war er genannt, Wolfdietrich der getrene, ale er den Hirſch erfah, Nun mögt ihr gerne hören, wie fprach ber Getrene ba: „Nun laßt ench nicht verbrießen, viel liebe Herrin mein: Ich muß nach dem Wilde in den Wald hinein.“ Er jagt’ ihm nach geſchwinde umb mancher kühne Held; Die Königin alleine blieb verlaßen in dem Zelt. Da kam ber alte Riefe zu ber Frauen gut, Und führte fie von bannen über bes Meeres Flint Anf eine fchöne Veſte, bie war gar wonneſam, Dort in feinem Lande: davon Wolſdietrich Leid gewann, Da hielt er die Königin wohl ein halbes Jahr Wider ihren Willen; Niemanb wuſte wo fle war. Wolfdietricd nach bem Hirfchen jagte durch ben Tann; Er jagt’ ihm nach fo lange Bis er ben Hirichen gewann. Da wollt er ihn führen ber Frauen in ben Wald Zn einer Kurzweile; ihr Leid war mannigfalt. Er kam des Abends fpäte an das Gezelt heran: Unb fanb von Allen Niemand, vie er verlaßen hatt im Tann.

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603 Als er da nicht finden mochte fein traut Gemahl, Da war gar ungeflge fein Leib ımb feine Onal. Da fprach aus großer Trauer ber Held Wolfpieterich: „Hab ich nun fo verloren meine raue minmiglich!“ Eine ranhe Kutte nahm er, bie legt’ er an ben Leib, Berbarg fein Schwert in Palmen und fuchte nach dem Weib. Dann fuhr er Hin und wähnte, fie wär wohl heim gekommen, Dber fie hätten Kunde wohl bort von ihr vernommen. Als er file nicht daheim fand, da fuhr er Über Meer In jenem guten Kiele, den ihm gab die raue hehr. As er nun am hinüber, ba hub er ſich hindann Mit traurigem Muthe, bis er gen Garten kam, Auf die gute Bee, wo er Kaifer Ortnit fand. Da warb er von Niemand - anf ber Burg erkannt, Wo ihm fo viel Liebes war zuvor geſchehn, Und wo man ibn auch mandmal in Freuden hatte gefehn. As Niemand ihn erkannte, ben tugendreichen Mann, Da ſprach er um Herberg den Kaifer Ortmit an. Da ſprach Kaifer Ortnit: „Das will ich nicht verſagen. Bannen kommſt bu, Waller? Das muß mid Wunder haben,

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604 „Biſt du fo fern gewallet durch das frembe Land, Und vernahmft du nie von Einem, Wolfbieterich genannt?“ Er ſprach: „Lieber Herre, ich hab ihm nie geſehn, Auch nie von ihm vernommen, das muß ich wahrlich geſtehn. „3% bin fo fern gemwallet durch manches weite Land, Der da heit Wolfpietrih, ber ift mir unbekannt.“ Da nahm ihn ber Katfer und Führt’ ihn hindann: Er rückt' ihm einen Seßel vor ben Tiſch, ber kühne Mann. Da blickt' ihn oft mit Angen bie Kaiferin an Und erlachte heimlih: fie erkannte wohl den Mann. Zu Bette gieng nah Tiſche Ortnit ber Kaifer gut, Mit ihm gieng Fran Sibrat; die gab ihm hoben Muth. Da entſchlief ber Kaifer; fie ſtahl ſich von ihm fort, Und fand den Waller ftehen auf dem Hofe bort. Sie empfieng ihn tugenblih und fpradh: „Ich kenn euch wohl.“ Da wurden ihm vor Leibe beide Augen Waßers voll, Da fprach fie: „Wolfbietrid, wie feib ihr fo entftellt? Iſt euch ein Leid geſchehen? das fagt mir, ebler Held.“ Er ſprach: „Da ihre mich kennet, fo muß ich euch geftehn, Dir ift in frembeu Landen gar viel zu Xeibe geſchehn.

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605 „Ihr follt mich nicht vermelben, fo lieb ale ich euch bin.“ „Ich Tann es wohl verſchweigen,“ ſprach die Kaiferin. Sie gieng alsbald hinwieder, wo fie Oriniten fand; Erwacht war inzwiſchen biefer lühne Weiganb, Sie ſprach: „Kaiſer Ortnit, was foll zu Lohn empfahn, Der euch Wolfdietrich zeigte gefunb, den kühnen Mann?“ Da ſprach Kaiſer Orinit, ber auserwählte Degen: „Ich wollt ihm immer gerne beides, leihen und geben. „Und follt ich meinen Geſellen mit Augen wieberfehn, Sp möchte mir in aller Welt nicht Lieberes gefchehn.“ Da nahm die Fran ben Kaifer und führt ihn mit ſich fort: Da fanden fie ven Waller auf dem Hofe ftehen dort. Sie ſprach: „Schau den Gefellen, mie if er fo entftellt: Klagen wir feinen Kummer, er ift ein treuer Held.” Als ihn der Kaifer Ortnit nur erjah von fern, Nun mögt ihr gerne hören, wie er fprach zu ben Herm: „Warum, Held, verleugneft bu deinen Namen bier, Daß ich dich nicht erleme? was ſchämſt bu dich vor mir?“ Da ſprach in großer Trauer Wolſdieterich fogleich: „Deinen Kummer Mag ich dir, bu werther Kaifer reich.

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606 „Die ſchönſte Fraue hatt ich, bie je ein Fürft gewann: Die ift mir geftohlen, bas Hag ih armer Dann,” „Und fuchft du fie ſchon Inge? Das fag mir, kühner Degen.“ Da ſprach er: „Wohl ein halbes Jahr muß ich Ungemaches pflegen. „Solt ich fo lange leben, mir frommte mehr ber Tod," Da ſprach Kaiſer Ortnit: . „Ich helfe dir aus Noth.“ Da ſprach von Griechenlanden Wolſdieterich fogleich: „So thäte du in Wahrheit wohl einem Kinde gleich, „Du ſollſt hier zu Lande bei beiner Frauen fein: Was mwollteft du fie lagen, Held, von wegen mein?” Da ſprach der reiche Kaiſer Ortnit gegogenlich: „Ich will mit bir von binnen, das wiße ficherlich. „Hab ich bich lebend wieber, Lieber Gefell, geſehn, So muß mir Leib nnd Leben num mit dir vergehn.“ Da wollten miteinander bie beiden Herrn hindann, Bis heiß darob zu weinen bie ſchoͤne Frau begann, Sie Hagte, daß fle den Kühnen mit Augen je gefehn, Da ihr von ihm follte fo großes Leib geſchehn. Da ſprach von Griechenlanden ter Held Wobdieterich: „3% will alleine fuchen weine Heccon Therih,

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607 „Gebt mir nern Urlaub, ich will von binnen fahren. Ortnit, mein Gejelle, Gott möge dich bewahren!“ Da ſprach der reihe Kaifer Ortnit gezogenlich: „Ih will mit bir von binnen, mein Geſell Wolfvieterich, „Und will bir fuchen helfen bein ſchönes Fräulein hehr, Oder man flieht mich fröhlich in Garten nimmermehr.“ Da giengen fie zu Fuße hindann, bie beiben Herrn: Man gäbe gute Roſſe unb Kleider ihnen doch gern. Da giengen Holz und Heibe bie beiden kühnen Mann Ohne Trank und Epeife durch ben finftern Tann. Sie gingen mit einander, bie beiten Helben gut, Bis an bem vierten Morgen, bie Degen hochgemuth. Zu eines Walbners Maufe Tamen fie heran, Da wurden wohl empfangen die Helden von dem Mann, Er ſprach: „Ihr lieben Herren, wollt ihr heunt bei mir fein, So will ih mit euch theilen mein Brot und meinen Wein, „Hühner und Wildbrät und was ich fonft gewann: Ihr habt mir hier im Walde noch nie ein Leid gethan.“ Da ſprach Kaifer Ortnit: „Wir wollens nicht verfagen: Du baſt mir oft gebienet, darum folk vu Guobe hohen,

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608 „Es ift nun fo gekommen, uns ift wohl Labe Noth.“ Gar eine rauhe Wirtbichaft der Waldner ihnen bot. Da fprach der Walpner wieder: „Ihr lieben Herren mein, Ihr follt ech fchlafen Tegen, ihr mögt wohl müde fein,” Als da entfchlief der Kalfer, Wolfbietrich ftahl fich fort Und ließ ven Gejellen allein im Walde bort, Wolfdieterich dem Waldner insgeheim verbot, "Den Herrn nad ihm zur weilen: „Fürwahr, das thut ibm Moth. „Thu e8 mir zu Liebe und heiß ben kühnen Mann In ſeinem Lande bleiben bei der Frauen wohlgethan.“ Bon ven Waldner nahm er Urlaub und wandte ſich hindanıız Er kam auf einen ſchmalen Steig, ben nahm ber fübne Mann,

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609 Sünftes Abentener. Wie der alte Drafian bezwungen ward und Frau Siugeminne befreit. " Er gieng Holz und Haide ſieben Tage gar Ohne Trank und Speiſe, das ſag ich euch fürwahr, Als der Wurzeln und des Laubes, die er im Walde fand; Dazu des grünen Krautes ſucht' er ſich allerhand. Da fiel den kühnen Degen zuletzt Ermüdung an; Er kam zu einem Steine, ba ruhte fich der Dann. Es war eim jchöner Marmel, weiß und mwonnefam; Unter dem Marmelfteine ein kühler Brunnen van, = An feiner Duelle wuchten edler Wurzeln viel; Der Geruch der Kräuter war feines Herzens Spiel. Hoch und breit zu ſchauen war berfelbe Stein‘, Da legte Siegeminne dort fi in ein Enten: Simrod, bas Eleine Heldenbuch. Er

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Das gieng aus ber Vefte, wo fie gefangen war. Hecht zu feinem Heile fügt’ es fich filrwahr, Daß fle aus dem Fenſter ſchaute zu der Zeit, Eh er fehieb von bannen, ber Degen Tühn im Streit. Sie ſchaute nach dem Walde und fah den Brunnen an: Da lag auf dem Steine ber wallende Mann, Da kam zu ihr gegangen der alte Draflen, . Sie ſprach: „Lieber Herre, wollt ihr meine Huld empfahn, „So bringt mir den Waller dort auf dem Steine breit: . .. Sp will ich bei end liegen.“ Er ſprach: „Das wär wohl Zeit;“ Da gieng aus ber Veſte der alte Draflan, Da fand er Wolfbietrih, und wedte ben kühnen Dam, Er ſprach: „Willſt du gemüchlich im meiner Herberg fein, Ich will dich gut bewirthen, fo magſt bu wohl gebeihn.“ Da fprad zu ibm Wolfpietrih: „Das thut mir Noth fürwahr: Ich wills um dich verdienen, ber Hunger zwingt mich gar.’ „Nun ift mancher Tag vergangen, daß ich Teinen Wirth gewann.“ „So geh mit mir von binnen,” fprad da Draſian. Mit fih auf die Veſte führt’ er ihn tugendlich, Und ſetzt' ibn an ein Feuer, das brannte luſtiglich.

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611 Mit gutem Gemache ſaß num Wolfbietrich da; Wie bald der edle Degen in ber Befte un fich fab Und alles wohl beſchaute; da fah ber kühne Mann Einen ſchönen Umbang, davon er Freuden gewann. Der war ihm mit der Frauen aus bem Zelt genommen, Er gedacht: „Ich bin zum Heile in biefe Burg gelommen,” Wie bald von dem Feuer fprang Wolfbieterich ! So gern den ſchönen Umhang beirachtet hätt ex fich. Da Sprach der alte Heide: „Dir follte lieber fein, In Gemach zu figen bei des Feners Schein Als bier number zu ſchauen.“ Da ſprach ver kühne Mann: „Man fchaut mauch Ding aus Neugier: fo hab auch ich gethan.“ Sn Er ſprach: „Seltfamer Märe hab ich viel vernommen, Die kürzlich in den Lauben etft find ausgekommen.“ Da Sprach der alte Heite: „Mas folls für Märe fein? Magſt bu nor Untreuen nicht fohweigen bei bes Feuers Schein?“ Gar balde ſprach Wolfbieirih: „Es iR um uns gethan, Da der Kaifer Ortnit bezwingt fo manden Mann,” Solcher Märe fagt’ er viel in kurzer Zeit, Da faß wohlgezogen in ganzer Würdigkeit 4

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612 Molfpietrih bei ben Feuer; die Weile vencht ihn lang, Bis man mit der Speife zu dem Tiſche drang. Da wurde laut gerufen eh man bas Wafer nahm. Zu Hofe kam gegangen manch Zwerglein wohlgethan. Zu Tiſche ſah man ſpringen mand höfiſch Gezwerg: Die wohnten in der Veſte und in dem hohlen Berg. Darnach kam gegangen bie Königin rein. Molfbietrich den getrenen hieß fie gottwilllommen fein. Sie neigt’ ihm mit dem Haupte; fo that ber Held auch ihr. Sie ſprach: „Laßt ven Waller Heut vor mir eßen bier,“ Man trug ihm einen Seel an ben Tiſch heran: Da blickt’ ihn mit Augen oft bie Königin an. Sie ſprach: „Seib ihr ferne gemallt durch das Land, Und vernahmt ihr nie von Einem, Wolfbieterich genannt ? Er ſprach: „Liebe Herrin, ich hab ihn nie gefehn, Auch nie von ihm vernommen, bas muß ich wahrlich geſtehn.“ Da faßen fie zu Tifche und hatten Freunden viel, Bon Efen und von Trinten gar ihres Herzens Spiel, Unb was fie fonft begehrten: da war mh Soitenklung, Unb mancherlei Kurzweil, davon ige Her, \n Kraen vom,

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613 Als nach dem Mal die Tiihe wurden bin getragen, Wolfdietrichs Kummer, der war gar erichlagen. Er gedacht in feinem Sinne: „Wie mir ift zu Muth Darf ih nun wohl fagen: meine Sachen fiehen gut.” Er ſprach: „Seltfamer Märe hab ich viel vernommen, Die Müirzlih in den Landen exit find ausgekommen.“ Da fprach der Heide Draftan: „Was folls für Märe fein? Magft du vor Untreuen nicht ſchweigen bei des Feuers Schein?” „Es bat zur alten Troje ein junger König fich Bermählt vor Turzen Zeiten einer Frauen minniglich.“ Die Frau begann zu weinen, ihre Augen wurden voth, Und heiße Thränen fielen, es ſchuf ihr große Noth. Da ſprach ber alte Heide: „Was haft du gethban? Daß du mein Weib betrübteft: um bein Leben ifts gethan.“ Da ſprach Frau Siegeminne: „Nein, lieber Herre mein; Zu folft an mir nicht brechen bie große Treue bein, „Du weit, Herr, ich wollte ‚nie deines Willens pflegen: Das will ih nun verheißen, baß bu ihn läßeſt leben.“ Da fprach der alte Drafian: „Und fol das Wahrheit fein, Sb will ihn beinetwegen noch gerne laken genen.

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614 Da fprach der alte Draflan: „Wir wollen ſchlafen gehn.“ So ſprach er in Freuden; ibm war groß Heil geſchehn. Die Zwerge nahmen Urlaub; er griff fie bei der Hand. Wie bald da Wolfbietrih der rauhen Kutte ſich entwand! Sein Schwert aus den Palmen brach ber kühne Mann: „Zu lang ift bier geweſen bie Frane wohlgethan, Sie muß mit mir von binnen: ihr ungetreuer Dann, Ihr ftahlt fie mir ſchändlich, da ihr fie führtet hindann.“ Da fprach der alte Heide: „Nimmſt du dich ihrer an, Wollt ich darum verzagen, das wär nidht wohl gethan. Wir wollen um fie ftreiten, unb wer den Sieg behält, Dem jei bie ſchöne Fraue und mas ich nahm aus dem Zelt.“ Diefer Rebe murbe Wolfdietrich freudenreich. Drei gute Brünnen brachte man dem Wirth ſogleich: Die hieß er vor Wolfdietrich tragen auf den Saal. Der Wirth ſprach: „Nimm dir eine, ich laße dir die Wahl.“ Die eine alt und roſtig und weiter Ringe gar; Die beiden andern ſah man licht und ſilberklar. Wie balde ſprang Wolfdietrich zu ber alten bin. Der Heibe ſprach im Leide: „Wer gab vie dos in en Somit

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615 Da eilte fich zu waffnen ber alte Draftan; Wolfdietrichen waffnete ‚die Fraue wohlgethan, Sie ftrict’ ihm die Riemen, bie Herrin minniglich: Des freitte fi) im Herzen ber treue Wolſdieterich. Da fprangen fie zufammen, bie Helden auserfehn: - Da fah man große Wunder von ihrer Hand geſchehn. Ze Einer ſchlug den Andern wohl dreimal auf das Lab; Zum vierten fiel Wolfbietrih, biejer Degen auserkannt. „Bott, willft du mich verlaßen!“ tie Königin begann. Da rief er unfern Herren in feinem Herzen an. Er ſprach: „Gott im Himmel, nun ftehe dur mir bei, Und gieb mir auch in Griechenland meine eilf Dienfimannen frei.” Der wilden Zwerge waren viel auf den Saul gelommen; Sie hätten Wolfdietrichen das Leben gern genommen: Sie warfen und fchoßen anf den Tiegenben Mann; Doch half ihm Gott vom Himmel,. daß er den Sieg noch gewann. \ Wie balde Wolfdietrich ba vom Boben ſprang! Sein gutes Schwert ihm wieder an der Hand erklang. Er ſprach: „Nun wehrt euch, Drafian! es gebt euch an den Leib: Wie durftet ihr es wagen, daß ihr mir Haller man MEhT

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616 Sein Schwert zu beiden Händen ber Helb Wolfbietrih nehm Mit unverzagtem Muthe Tief ex den Alten an. Er ſpaltet' ihm die Achfel bis auf ten Gürtel Bin: Da fiel er zur Erben, ber Tob war jein Gewinn. Da ber Hausherr aljo erlegen war im Tod, Bon dannen flohn die Zwerge, fle zwang dazu bie Noth, Und bargen in ben Winleln fich vor dem kühnen Mann. Molfvietrih und die Königin buben bald ſich hindann. Sie ſprach: „Die Zwerge haben mir viel zu Leib gethan.“ „Des follen fie entgelten,“ ſprach der kühne Mann. Alsbald nahm Woifdietrih einen Feuerbrand: Da ward in furzer Weile bie Burg mit ihnen verbramnt. Wolſdietrich und die Königin fuhren bald hindann, Auf einem ſchmalen Steige giengen fie dur den Tann. Sie kehrten in fünf Tagen zu dem Waldner in ven Tann, Bon dem in fieben Tagen gegangen war ber kühne Dann, „Nun fage, mein Gefelle wohin ift er gelommen?“ Da wies er ihm die Straße, bie ber Held genommen. Da folgt’ ihm mit ber Frauen der fühne Weiganb: Darnach in kurzen Zeiten er Kaiſer Ortniten fand.

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617 Rum mögt ihr gerne bören, wie iprach ber Kaiſer ta, As er Wolfbietriden nur von ferne lab: „Trauter Geſell, willlommen; gern hab ib dich erſehn: Mir möcht auf dieſer Erben nicht Lieberes ſein geſchehn!“ „Nun Iohn dir Sott, ber milbe,” ſprach ter fübne Mann. „Wie biſt du ſchwarz gemorven? was haft tu getban? Wenn tu mich gefucht haft, fo ift mir Leid geſchehn; Du konnteſt mid nicht finden, weder bören noch ſehn.“ Da ſprach Kaifer Ortnit zu ihm gezogenlich: „Wolfdieterich, Geſelle, das wiße ſicherlich, Eh ich die Eide bräche, die ich dir geſchworen, Hätt ich tauſend Leben, die gäb ich eher verloren, „Ich fand vor einem Berge einen großen Riefen ſtehu, Den muft ich obne Maßen lang im Streit beſtehn. Mit einer Eifenflangen Tief er mid) oftmals an; Doch half mir Gott vom Himmel, daß ich ben Sieg noch gewann, „Das geſchah vor einem Berge, ber war innen hohl; Der wilden Leut und Zwerge ſtak er übervoll. Da zündeten fie Schwefel, Pech dazu und Hay: Bon dem übeln Danıpfe bin ich geworden fo ſchwarz.

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618 „Sie nannten ihren Herren ben Heiden Draften, Dem biefer Berg gehörte: das warb mir kund gethan.“ Da wandten fih gen Garten die Gefellen auserſehn: Da fanden fie Gran Sidrat an einer Zinue ſtehn. Die Hatte fie erwartet viel leide Tage lang, - Mit fröhlichen Herzen fie ben Herrn entgegen fprang. Entgegen lief fie ihnen mit ihrer Jungfraun Schar: Sie kam in großer Eile, das fag ich euch fürwahr. Entgegen kam den Herren bie Königin zubanb Ueber ven Hof geſchwinde, wo fle Wolfdietrich fand, Sie empfteng ihn wohlgezogen, den umverzagten Mann. Sie ſprach: „Wo ift mein Herre, wo habt ihr ihn hingethan ?“ Er ſprach: „Liebe Herrin, kennt ihr ihm nicht mehr? So nehmt euch dort den ſchwarzen, den liebt ihr doch gar ſehr, Der ift eur Herr, ber Kaifer.” Da hub Frau Sidrat an: „Wie iſt er ſchwarz geworden, feit wir uns nicht mehr ſahn 9“ Sie giengen anf die Befte miteinander allzumal, Und wurden wohl empfangen von ſchöner rauen Zahl Mit gar großen Ehren: willlommen hieß fie ihn Mit Frau Siegeminnen, die edle Kaiſerin.

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619 Da blieben fie zu Garten wohl vierzehn Tage gar.. Er ſprach: „Sch muß von hinnen, das fag ich euch fürwahr. Nun gieb uns Urlaub, Ortnit, Tieber Gefelle mein, Ich mag von meinem Lande nicht länger gejchieben fein.“ „Berhüt e8 Bott vom Himmel,” ſprach der Kaifer hebr: „Ih muß dich bei mir baten, Wolfdieierich, noch mehr. Wollteft du jo balde fchon von mir hindann, Das überwänd ich nimmer,” fo fpradh der kühne Mann. „Ich mag nicht länger bleiben,“ ſprach Molfbieterich, „Es ſteht ſchlimm in meinem Lande, das wiße ficherlich. Es fteht bier drum nicht beßer, weil Du bift aus gemefen: Wie follten denn die Meinen ohne mich fo lang genefen? „Ein Jahr fohier ift vergangen, feit ich von Haufe ſchied, Seitdem bin ich gemwandert, wie mir ber Sinn es rietb, Bis ich gefunden babe bie liebe Herrin mein: Nun muß ich heim zu Lande: das laß mit Hulden fein.” Er ſchied von dem Gefellen und ber ebein Kaiferin Und wandte mit ber Frauen fich nah dem Meere hin. Er hätt ihn gerne länger behalten ſicherlich: Wenn er den Freund erichaute, fo freute der Kaiſer ſich.

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620 — — — —— — Sechstes Abentener. Wie Kaiſer Ortnit mit dem Rieſen Velle kämpfte und mit feinem Weibe Rutze. * Da fuhr er in Freuden mit der ſchönen Frauen gut Hin zu der alten Troje über des Meeres Flut. Da ward er wohl empfangen von manchem werthen Mann Und auch von ſchönen Frauen, die waren wohlgethan. Da verblieb er bei der Frauen wohl ein halbes Jahr, Bis Gott über fie gebot, das ſag ich euch fürwahr. Sie lag an ihrem Ende: wie ſchön die Frau verſchied! Da ſtarb Frau Siegeminne, ſo kündet uns das Lied. Da nun Frau Siegeminne erlegen war im Tod, Darnach in kurzen Zeiten kam Ortnit in Noth. Zwei arge Würme ſandte fein Schwäher ibm ins Land; Auch hatt er ihm ein übel Weib und einen Riefen gejanbt,

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un — —— — Belle hieß der Rieſe, ungefüge mar fein Leib, Und fchredtich im Zorne Fran Rüte, fein Weib. Die wilden Würme trugen fie bei arten in den Tann: Davon verlor der Kaifer ſein Leben, ber kühne Mann. Die jungen Würme lagen in bes Waldes Echoof: Als fie erwuchſen, wurben fie ungefüg und groß. Dem Bolt zu großem Schaden giengen fie aus dem Walb. Niemand war im Lande, ber ihrer hätte Gewalt. \ Da begannen fie dem Kaiſer fo viel davon zu Magen, Mie ihm tie Wilrme thäten großen Schaden An viel der wertben Ritter und manchem kühnen Daun: Das wollte nicht vertragen mehr ber Kaifer lobefan. Da gieng er vor bie Fraue ftehen tugentlich, Er ſprach: „Edle Kaiferin, Urlaubs gewähret mich, Daß ich gen Walde reite und löſe das Erbe mein: Ich mag es nicht erleiden, foll mein Volt verberbet fein.“ Da begann heiß zu meinen bie eble Kaiferin: „Du ſollſt daheim verbleiben, fo lieb ale ich bir bin. Du kennſt nicht wohl die Würme, gar freislich ift ihr Streit, Und kennſt nicht wohl den Niefen und das ungefüge Weib.“

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6232 Da ſprach zu ihr in Züchten ber Kaifer Iobefan: „Wie lang Tief’ ich verderben fo manchen Biedermann ? Ich beſtünd auf Gottes Hülfe wohl hundert Man allein: Die ließ? ich dann die Leute im fo.großen Nöthen fein?“ Sie ſprach: „Lieber Herre, ich hör euch drauf beſtehn, Ihr wollt es nicht entbehren, ihr wollt die Würme fehn; So muß. ichs euch vergönnen unb muß euch Urlaub geben: Nun frift euch Gott vom Himmel euer junges werthes Leben!“ Seinen guten Harniſch ließ er da vor fich tragen; Da wappnet’ ihn die Kaiferin, das will ich euch jagen, Ihn Halfte lang und küſete die Kaiferin hehr. Sie ſprach: „Mir fagt mein Herze, ich erſeh Dich nimmermehr.“ Sein Rofs ließ ans dem Stalle ber werthe Kaifer zieh, Den Schild mit goldnen Spangen trug man ihm dahin; Man reichte dem Fürften ein Horn von Golde voth, Und einen guten Leithund man ihm am Seile bot. \ Er ſaß zu Rofs und wandte fich zu der Frauen bin: „Ich fahr mit deinen Hulden, viel edle Kaiferin. Geſchiebts, baf mich die Würme bezwingen in dem Tann, So fol du bie zum Herren nehmen Auen Brüermumn,

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623 „Der nad mir die Würme Muth bat zu beſtehn.“ Da begann Bei au weinen bie Herrin anserfehn. „Ich weiß aber keinen jo kühn und ritterlich, Es fei denn mein Gefelle, ber treue Wolſdieterich; „Der trägt in feinem Herzen eines wilben Löwen Muth: - Und kommt er her. zu Lande, eble Herrin gut, Wenn ich verberben mufle, fo nimm bu ihn zum Mann, Der die freislichen Würme wohl un Streit befieben kann.“ Da küſst' er die Kaiferin und wandte ſich hindann. Zu einem Steige kam er, ber trug ihn in ben Tann Unter eine grüne Linde. Vom Rofſe fprang er bald: Da war zu: allen Zeiten bes grimmen Riefen. Aufenthalt, Sein Horn von rothem Golde blies ber Laiſer gut. Das vernahm der Niefe Belle, gar zormig war fein Muth, Mit einer Stahlſtange hub er fich durch den Tann: Da traf er Kaiſer Ortnit unter ber Linden an. Da ſprach der Ungeflige: „Du armer kleiner Wicht, Wie durfteſt du mich weden? fürwahr, das frommt bie nicht. Du ſchlugſt zu Montabauer dem lieben Oheim mein: Kun bab ich dich gefunden, _ es muß ven Love \Än.

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624 — — — —— Da ſprach Kaiſer Ortnit, der kühne Degen hehr: „Du Ungeheur, was brachte dich in den Wald hieher? Ich will in meinem Reiche vor bir wohl Frieden haben, Und will bier zur Stunde dir gar mannlich widerfagen.“ Da ſchuf dem ſtarken Niefen bie Rebe großen. Zorn; Der reiche Kaifer hätte das Leben ſchier verlorn. Gar hoch erhub die Stange ber ungeflige Mann Und fchlug der Linden Aeſte vor ibm nieder auf ben Bla. Wie bald der Kaifer Ortmit von ver Linde fprangli Mit feinem Schwerte Rofe er auf ben Rieſen brang Und ſchlug ihm ab die Stange, als ob fie bleiern wär. Des freut’ in feinem Herzen fich Ortnit ber Kaifer hehr. Wie bald der Niefe Belle binter fich ſprang! Ein Schwert zudt’ er jählinge, das war zwölf Ellen lang. Er ſchlug den Kaifer nieber, der ungeflige Mann: Dem Landesherren hätt er ba gern ben Tod angethan. Laut begann zu rufen der ungefüge Dann. Alsbald vernahme Frau Rütze, die da lief im Tann. Eine Eifenftange nahm fie und Tief alsbald heran: Da kam das ungeflige Weib zu ihrem großen Mann,

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.. Da begann fie laut zu rufen: „Was ift dir geichehn ? Hat dir Jemand Leib gethan? Das ſollſt du mir geſtehn.“ Er ſprach: „Den Kaifer bab ich hier zu Tod geichlagen: Nun will ih Kaifer werben: bu ſollſt bie Krone tragen.” * Da gedacht in feinem Muthe Ortnit, der werthe Mann: „Wenn ich mich irgend rühre, fo ifte um mich gethan. So will ich ſtille liegen,“ dacht ex in feinem Sinn, „Bis Eines von den Zweien ans dem Walde gieng dahin.“ Ein Brade lief im Walde, der Hub zu belfen an; As das vernahm Frau Nübe, fie lief alsbald hindann. Sie wähnt’, es wär ein Jäger, der wollie fie beſtehn: Da eilte fie ber Stimme durch bie Wilde nachzugehn. Wie bald Kaifer Ortnit empor vom Boden fprang! Daß fein Schwert Roſe ihm in der Hand erflang. Da fprang von ber Linden ber unverzagte Mann, Und lief zum andern Male den großen Rieſen an. Da Sprach der Ungefüge: „Bit du noch genefen? Nun wollt ich doch wähnen, es wär bein Tob gemejen. Doch kann dir beine Mannheit nicht verfahen wiber mich: Noch heut mit meinen Händen zu Tob erichlag ich 8* Simrock, das kleine Heldenbuch.

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626 Das Schwert mit beiden Händen der flarfe Niefe trug. Wie jo gar ingrimmig er nach dem Kaifer jhlug! Daf ihm entweichen mufte der unverzagte Mann; } Er jchlug die Lindenäfte wor ihm nieder auf den Plan. “ Mie bald der reihe Kaifer von der Linde fprang! | Dit feinem guten Schwerte er auf den Niefen drang. f Er flug ihm nad dem Niederkfeid einen fhnellen Schlag, Daß ihm der Untergürtel alsbald vor den Füßen dag." Da trat der Riefe Belle mad} dem’ edeln Heren: ur | Er Hätt ihm getroffen mit dem’ Fuße gern. BB | Der Kaifer war behende und jchlug das Bein ihm ab Als wärs ein Schwanm gemwefen: feine Mannheit: ihm das gab. Da Hinkte zu der Linde der ungefüge Mann, Und griff mit beiden Händen nad des Baumes Stamm, - Der Kaifer fprah: „Das veut mich, verjchnitt ich Dich mehr; Sf dir ein Bein gewachlen aufs Neu, das jehmerzt mich jehr. r „Doch verfuch ich e8 noch einmal," fprady der fühne Manın, Mit zornigern Muthe lief er den Niefenam. u) Er flug ihm ab das andre Bein mit feiner eben Hand, > Daß er nicht mehr mochte ftehn: da fiel’er hin auf das Land ie

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- uce Pe et Me ee Az ae u E43 627 i Und entftieß, einen lauten ungefligen Schall, Dak Wald und Gebirge gab ftarken Wiberhall, Da das Fran Rüte hörte, und daß e8 wär ihr Mann, Sie vergaß der Eifenftange: einen singen Baum fie, nahm, Den vif fie ans.der Erde, das; will ich euch jagen; Bor feiner. Schwere hätt ihn eim Wagen nicht getragen. Den Wipfel und die Aefte ließ fie hängen dran; | Sie fhwang ihm auf die Achfel und hub fi. eilents hinbann. Ob ihrem Marne ftehend traf fie den Katjer an: Da verfehlte fie des Kaifers und traf ihren Manr, Daf von dem Schlag zu tofen begann der Wald umher: | Sie hätt ihn gern erfehlagen, den evein Kaifer hehr. | Da fprach in feinen Züchten ber Degen Kühn im Streit: „Wer gab dir folge Kräfte, du ungefüges Weib! Milder Gott vom Himmel, ich fteh in großer Roth: Ohne deine heilge Güte erlieg ich hier im Tod.“ Als fie den Mann getroffen jah von ihrem Schlag, | Da erfehrat fie, daß fie hinter fi auf dem Boden lag. Wie bald Kaifer Ortnit ihr da näher trat: | | Sein Schwert in den Händen war er ber Riefin genadt. bu

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628 Er flug das Hanpt ihre nieber, ber unverzagte Mann. Da hub fie mit dem Beinen um fich zu fohlagen au. Sie traf ihn mit dem Fuße und fließ ihn, daß ber Held Nieder auf den Boden von ihrer Kraft warb gefällt. \ Wie bald Kaijer Ortnit wieder vom. Boben ſprang! Daß ihm fein Schwert, das gute, in der Hand erflang. Er ſprach: „Wärft bu am Leben, meine Sorge würde groß. &o arg warb nie ein Teufel, bu wäreft wohl fein Genoß.“

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Siebentes Abentener. Wie Kaiſer Ortmit von dem Wurm das Leben verlor. Da fprang er bald zu Hoffe, ber tugendreiche Maun, Und kam zu einem Pfabe,. ber trug ihm durch den Tann, So ritt der eble Degen wohl eine Meile weit, Da vernahm ber eble Kaifer wohl zu berfelben Zeit Bor fih in dem Walde einen freislidden Sturm: Da ftritt ein wilder Helfant mit einem grimmen Wurm. Ein Helfentbier im Schilde führt' er, bas war roth. Dem Thier im Schild zu Liebe ex bem wilden Hillfe Kot. Er jprang von feinem Roffe, das Schwert zur Hand er nahm, Mit unverzagtem Muthe beu Wurm Tief er ar. Su kurzer Weile flug er ihm tiefer Wunden brei, Der Wurm floh von dannen: ba war ber Helfant frei.

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63 „Wie nun?“ ſprach der Kaifer, „willft du zu Walde gehır, Helfant, ober treulich mir bier zur Seite ftehn? So führe ich dich gen Garten,“ ſprach der Kaifer hehr, „Daß der Wurm, der wilde, bie nicht ſchaden möge mehr.“ Da neigt’ es mit dem Haupte ſich vor dem wertben Herrn. Er ſprach: „Ich ſeh wohl, Gelfant, bei mir verbliebſt du gern,“ Da ſchwang ſich zu Roſſe der tugenbreihe Mann: Gen Garten wollt ex führen das Helfentbier aus dem Tann. Er fam zu einer Linde, bie verzaubert war: Da wurben naß bie Augen ber ſchönen Sidrat gar. Sie war mit ſolchen Aſten gemacht, will ich euch fagen: Ber entfchlief darunter, ber ſchlief zu breien Tagen, Er trat von feinem Noffe sieder auf ben Blan, N As er die Erde rührte, fiel ver Schlaf ihn an. „D weh, Schlaf, du benummft mir Leben und Leib, Dazu Laub und Lente und much mein ſchönes Weib.“ Als Der werthe Kaifer zur Erde nieder Ian, Alsbald war entſchlafen ber tugenbreihe Mann. - Ihm zur Seite Ing fein Brade, dazu das Helfenthier. | Do kam der wilbe Lindwurm heran mit morblicher Gier.

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. 631 Als der wilde Helfant ben Lindwurm kommen ſah, Wider ihn zu fireiten auffuhr er eilends ba: Da warb zwilchen beiben ein heißer Streit gethan.. \ Alsbald fprang ber Brade anf den Herren lobeſame % 1} Er kratzu ihn auf ben Brüften, er wälzt' ibn bin unb ber: Seinen Herrm zu weden, das war fein Begehr. Der Schlaf hatt ihn begriffen, er lag, ale wär er tobt; &o kam er von dem Wurme in Angft unb morbliche Noth. Er mocht ihn nicht erweden, das wißet ficherlich. Da wandte von bem Wurme auch ber Helfant ſich Uub ſtieß ben Herrn: er wurde wohl dreimal umgekehrt. Gern hätt er wecken wollen ben edeln Kaiſer werth. Er mocht ihn nicht erwecken: da wandt er ſich hindann Zornigen Muthes von dem kühnen Mann. In grimmigem Eifer lief er auf den Wurm, Daß von ihm ſprühte Feuer: da ward ein freislicher Sturm. Das Roſs begann zu ſcharren, zu wiehern nach dem Herrn. Es ſtieß feinen Herren und möcht ihn wecen gern; Doch war er feft entfchlafen und nicht erweckt' es ihn. Das warb zu großem Leibe bald der ebeln Kaiſerin. ⸗

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4 62 Der Wurm war im Some: der Helfant kam zu Fall, Und brach das Herz im Leibe: da entſtieß er einen end, J— Daß zu wiederhallen Berg und Thal begann. Der Brade riß und zerrte wieder an dem kühnen Mann. As an dem Helfant der Wurm den Sieg gewann, Da ehrt’ er nach der Linde, wo er ben Katfer nahm: Bis an die Schulter ſchlang er ben Herrn in feinen Kragen: Es wollt ihu feinen Jungen zu einer Speife tragen. Des ward er nicht inne, "der Kaifer lobefam; LESE Erft vor der Lind erwacdhte der ſtreitkühne Mann, Da faltet’ er Die Hände: „OD web ber großen Roth! - Hilf mir, Gott vom Himmel, ober ich finde hier den Tod.” Da griff er in bem Wurme zur Seite nach dem Schwert: As er ben Arm bewegte, der hehre Kaifer werth, Da lief der Wurm an einen Stein und fließ den kühnen Degen, Daß er zerbrechen muſte: der edle Held war erlegen. Er trug ihn gewaltig über Berg und Thal, Er legt’ ihu feinen Jungen vor, bie hatten großen Schall. Alfo warb der Kaiſer in ben Berg getragen, Er warb der Würme Speife, das will ich euch fagen. ı

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Da alfo warb verloren ber Kaifer tmgenblich,. Das wurbe bald vermelbet, das wißet ficherlich. Heim gen Garten kehrte jein Roſs mit dem Hunb: Da ward die Üble Märe der ebeln Kaiferin kunb. Da Hagte fie ihr Ungemach: ihr war groß Leid gefchehn, Daß fie den werthen Kaifer mit Angen fe gefehn. Um ihren Herren weinte fie bis ins vierte Jahr; Afo thut noch monde; jedoch nicht alle fürwahr.

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Achtes Abenteuer. Die Wolfvietrih bei des Heiden Tochter in der Kemenate war. Da fo verlor der Kaifer Leben und Leib, Da Magte noch zu Troje Wolfbieterich fein Weib, Das Kay an ihrem Grabe nahm der König hehr; Um ihrer Seele willen fuhr ber Helb über Meer. Einen alten Waller nahm der Held zu fi; Den batt er an dem Hofe gehalten wilrbiglich. Zum heilgen Grabe führt’ er ihn fett mit fich hindann: Da legten fie ihr Opfer, wie ich vermelden kann. Da nun der Tugenbreihe von bannen wieber fchieb, Da ftarb ihm fein Waller, fo meldet uns das Lieb, Er ſprach: „Gott vom Himmel, was hab ich dir gethan, Daß ich feine Gnade bei bir erwerben kann!“

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- 635 Mit Leide fehiffl” er wieder über des Meeres Fint. Auf eine, fihre Straße kam ber König gut. \ Da ritt er Hol und Heide, ber Degen lobefan; An dem zwölften Morgen kam er zu Bludenz auf ben Plan. Da hört’ er Märe fagen von einem Heibenmann, Der mit Mekerwerfen Akte’ ben Sieg gewann. Eine ſchöne Tochter hatt er und ſaß in Falleneis: An manchem werthen Ritter hatt ex erſtritten dem Preis. . Als Wolfpieterichen die Märe warb befannt, Zu Troje ließ er fahren bie Burg uud das Land, j Sen Falleneis zu reiten begann Wolfbieterich; . Zehn Tage ritt der Kühne, das wißet ſicherlich. Darauf am eilften Morgen Tam ber. kühne Mann Geritten ohne Sorgen vor einem grünen Kann Auf eine breite Heibe, der Degen anserjehn: Da fah er vor ben Augen. eine. ſchöne Veſte ſtehn. Mit dreißig feften Thürmen bie Burg umſchloßen mar, Die Mauerzinnen glänzten wie ber Tag fo Har. Da fah er an der Zinme fünfhundert Hänpter ſtehn Und blid” empor zum Himmel, der werthe Fuͤrß auserſehn.

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638 Er ſprach: „Dieß mag die Burg Jen, von ber ih vernahm. Nun berathe Gott in Griechenland meine treuen eilf Mann!“ Da flieg er von dem Hoffe. bermieber auf das Land, Gar. fänmerfih zu Magen beganıı der kühne Weigand: „Wie haben mid vertrieben die lieben Brilder mei! Nun wollt ih, daß in Griechenland vie Burg follte fein, "Und baranf in Freuden‘; meine treuen eilf Mann: Darüber follte nimmer . meinem Herzen Sorge nahn.“ Sein Roſs war geſchwinde, dem gürtet' er aufs nem Be Und ſchwang fich in’ den Sattel vermeßen, ſonder Sen. | Zum Burggraben fprengte der Degen lobeſan. Der Heide mit ber Tochter trat an ein Fenſter heran. Da zuerft die Iungfram den Helden reiten fah, Das mögt ihr gerne hören, : wie fie fprach zum Vater ba. Sie fprach: „Lieber Bater, das fei bir kund gethan: Draußen vor dem Walde. reitet ein Chriſtenmann. „Ihh ſeh ihn fo gebahren,“ ſprach bie Kongin gut, „Er führt in ſeinem Herzen eines kühnen Helden Muth. Run reitet ihm entgegen mit einer ſchbönen Schar— Ihn hofſch zu empfangen: das rath ich euch fürwahr.“ |

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637: Er ſprach: „Ich thu es gerne, liebe, Tochter mein: . Ih will mit ihm theilen mein Brot und meinen Wein,“ - Da ritt er ihm entgegen mit hundert Roſſen wohl, Und empfieng ben Fürften wie man edle Cäfle fol. Er ſprach: „Du werther Ehrifte, willlommen folk bu fein, - . Ich will mit bir tbeilen mein Brot und meinen Wein Meinem Gott zu Liebe,“ fprach ber Heidenmann, „Der Mahmet ift geheißen; den rieft ihr Killig an.” Da ſprach zu ihm Moffbietrih ohn alfe arge Liſt: - „Ich weiß nicht, Herr Heide, wer euer Mahmet tft; Deinen Wein will ich trinfen und eßen bein Brot Zu meines Gottes Ehre, ber am Kreuz erlitt den Tod.“ Da nahm bie ſchöne Jungfrau ben Helden bei ber Haud Und hieß ihn bei fich figen. an einer Tafel Rand. Sie hieß einen Kämmerer einen Seel tragen bar: Da ſaß fie ihm genüber und nahm fein- fleißig, wahr, - iu j Das that darum alleine die edle Jungfrau bebr, - Bon Ehriften und ven Heiden gefiel lein Mann -ihr mehr. - Da ſaß und getachte bei ſich Wolfbieterih: — . Du ng „Ich ſah von Ehriftenfrauen keine noch fo minniglich.“

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638 Da ſprach die ſchöne Jungfrau: „Lieber Water mein, Laft den werthen Ehriften meinen Tiſchgenoßen fein,“ Er gewährt’ ihr gerne wes fie ihn freundlich bat. Da brachte man ber Speiſe den beiden vollen Rath. Man pflag ihrer giltlih mit Wild und auch mit Zahm. „Eßt wader nun, mein Vater wirb euch darum nicht gram.“ Er ſprach: „Mit Trank und Speife nehme fih ein’ Ziel, Wer Kurzweil will haben mit Fraun und Federſpiel.“ „Bei aller Frauen Ehre fag mir den Namen bein: zu Das bringt in kurzen Stunden ben Dank von uns bir ein.“ Er ſprach: „Ich thn es gerne, eble Königin: . * Ich Bin von alten Trojen der König Pilgerin.“ „Meine Sorge bat eine Ende,” ſprach die Jungfrau gut. „Ich wähnt’, ihr wärt von Griechenland ein König hochgemuth, Wolfbieterich geheißen: ber ift ein junger Mann, Der allein mit Meßerwerfen den Bater mir befiegen kamm.“ Ihr gab mit Züchten Antwort ber Held Wolfbieterich: „Ihr follt mein nicht fpotten, Jungfran minniglic; Des jollt ihr mic, erlaßen,“ ſprach ber kühne Mann, „Bitt ich euch aus der Magen: id da erh RR u TER ein."

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639 Da ſprach wohlgezogen bie Jungfrau wohlgethan: „Eur bab ich nicht gefpottet, tugendhafter Mann. Das follt ihr mir glauben, Ritter unverzagt, Sicherlih, ih hab euch die ganze Wahrheit gejagt.“ Bei der Hand nahm fie den Helden und führt' ihn in den Saal, Der war von Marmelfteinen und glänzend überall. Dorin ſtand eine Linde von lauterm Golde gar, Die vou dem grimmen Heiden dahin gezaubert war. Zwei und fiebzig Aeſte nahm er an ihr wahr; Die Bögel, die da faßen, bie waren golden gar, Gebildet fo mit Liſten, fie waren innen hohl: Wenn ſie der Wind durchwehte, ihre Stimmen ſangen wohl. Als nach dem Mal die Tiſche wurden hingetragen: Da ſprach der ſtolze Heide: „Ich muß euch widerſagen, Ich will euch Frieden bannen von ben Herrn in meinem Lehn. Ihr ſollt Meßer mit mir werfen: das wirb euch an das Leben gehn. * Da fprach die ſchöne Jungfrau: „Nein,' kieber Vater mehr, Willſt du nicht an mir bredden bie große Treue bein. Eh ihm ein Leid gefchähe, -wollt ih die Tauf empfahn, Und wollte jeinem Gotte werben unterthun."

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640 Da Sprach der Heibe wieber: „Liebe Tochter mein, So foll der werthe Ehrifte in Frieden bei mir fein. Hörft dus, werther Chriſte,“ ſprach der Heidenmann, „Du ſollſt Glück und Segen bei meiner Tochter empfahn. „Die Burg mit Land id Leuten mach ich bir untertban,. -. Und gebe dir die Tochter, bie ift fo wonneſam. Sie ift auch fonder Zweifel die. allerfhönfte Maid, Die du noch ſahſt mit Augen; ihre Hulb iſt dir bereit.” Da fprach zu bem Heiden ber Degen anserſehn: a „Herr Wirth, mas Gaſtrecht heißet, das laßt an mir ergehn.“. Da ſprach zu ihm der Heide: „Es gebredhe nichts Daran.” „Wohlen, fo thu ichs gerne,” fprach der anserwählte Mann. Sn eine Kammer wies man fie, bie war wunderſam. Der Heid ein Zunbertrinken in feine Hände nahm. - Da ſprach er zu dem Gafle: „Nimm, werther Chrifte, hier, Nimm dieß GSchlaftrimfen zu beinem Bette mit bir,“ Da fprach zu dem Heiben bie Jungfran auserfehn: „Bater, beine Untren mag heute nicht ergehn.“ Sie riß ihm gefchwinde das Trinken aus der Hand: Hinter das Bette warf fie es an bie Want. .

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641 Da fpra ber fiohe Heide: „Liebe Tochter mein, Du ſollſt hennte fröhlich bei dieſem Manne fein. Und ſage mir Die Märe, wenn es beginnt zu tagen, Ob dich der werthe Chriſte zur Liebſten wolle haben.“ Da zog fie von dem Leibe all ihr Gewand Und legt’ es vor dem Bette nieder allzuhand. Sie hatt anf ben Haupte ein Gebände, bas war reich, Damit fih immer zierte vie fehöne Magb ohne Gleich, Sie ſaß zu ihm aufs Bette und ſprach: „Du wertber Degen, Nun hab ich dir behalten bie Ehr und auch das Leben, Und hätteft bu getrunten, du tugenbreicher Held, So hätte dich mein Bater mit Meßerwerfen gefällt. „Meine Garge hat ein Ende,“ ſprach fie und freute ſich, „Heunt Tiegt in meinen Armen ein Ritter tugendlich, Einer ber fchönften, vie je ein Weib gewann.” Da begana fie erft und biidte Wolfdietrichen lieblich au. \ ‘ „ESchauet, werther Ritter, ob ein Mangel au mir fei, Tugend nnd Ehre wohnen mir noch bei. Run nimm, werther Ritter, und berze meinen Leib, Benn je dir lieb geworben if ein fchönes Weib.“ Simroch, das kleine Heldenbuch. a

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64% Da fand vor ihm ans Beite bie Köugin hochgemuth, Ihre ſchönen Brüftfein Tegte fie anf den Fürſten gut; Weiß waren ihre Hände, verbedt war ihre Scham, Sie ſprach: „Werther Ritter, fieh bie Zier ber rauen an. „Laß die wohl gefallen meinen ſchönen Lit, u Wenn je bir lieb geworben ift eim werthes Weib. | i Und wilft du mid nicht minnen, das ſollſt du mie ſagen, Sp will ich Allen wertben Frauen Über dich Hagen. * Er ſprach: „I thät es gerne; wie fleht der Glaube beind. © Willſt du an Jeſum glauben, den lieben Herren mein, -' Und auch an unfre Frame,” ſprach ber kühne Mann, „Deinen Leib und meine Seele mad ich dir untertban." - „Wuüſt ich, wer bein Bott wär," fprach bie ſchöne Magd, „Oder wär mir Kunde von beinem Gott gefagt, So ließ’ ich mich taufen,“ fpradh die Königin. Da Sprach zu ihr Wolſdietrich: „So fag ich bir von ihm. : „Sieh, einer reinen Jungfrau Schooß hat ibn getragen; Die ift genannt Maria, das will ich dir fgen, ° — Famh Und war eine Jüdin, das fag ich dir fürwahr; J TBETLEN, Ihr verfiindet’ es ein Engel, eh fie zum Heil ihn uns gebar.“

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613 Sie ſprach: An Die bu glaubeſt, if eine Unholbin, Sie hat den Trug gebreitet über die Erde hin. Sie will dich betrügen, du tugendreicher Mam? Steh ab von deinen · Glauben und ruſe Machmeten an.“ „Ich will an den glauben, der mich erſchaffen hat, Er iſt geheißen Jeſns; es geſchah nach feinem Rath. Auf ſeine Gnade bau ich, daß ‚er mich nicht verläßt: IH bin ſein Handgebilde, darum vertrau ic ihm feſt.“ Noch ſprach er: „Dir'linfelge, warum fait du bie, Die Sünde begangen . hat all:ihr Leben nie? : Sie ift eine heilige; gnabenteiche Maid, - | Sie kann jeden -Süuber wohl tröfter: in ‚feinem Leib.” : : “ Nen ſah erſt Woßfbietrih, -; wie hold fie war und Ibn,‘ In ihren Sorgen Mb ir fie gar Nebfich vor fi Repn. on Ihre Haren Wänglein Iendhteten ihn un Wie die lichte Rofe, die ſich erſt Hat aufgethau. „Nun laß von deinem Glauben, und befenne meinen Gott; Dein Gott ift ein Gütel, Das glaube ſonder Spott. Er kann mit allen Sinnen nicht wandeln Brot und Wein; Dein Gott gegen meinen mag nur ein Trugbild fein,“ - ..

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644 Sie ſprach: „es be mich möthigft, das laß ich wicht un. Mir it von meinem Gotte fo viel zulich geſchehn. 2. Dein Gott iſt unfichthar, und iß ein trüglich onei Mein Gott iſt fe beſchaffen, :id ung: ihn ſehn, mann Pit. ; Zuletzt Überrebete ‘fie Den getrenen Degen, ... 2°. "= un... Daß er fih muſte zu ihr ing Bette lege. re Er nahm fein Schwert, das bloße; und Tegt’ıc6 yoifan. PR Er ſprach: „Wer ſich xühret, der verwundet ſich hie“ meh ; N ie nahm es beim Gehilze und warf es ſern hindann Sie ſprach: „Nun lebet freundlich mit mir, Kicker Mann“ Sie griff ihm behende nach feiner weißen Hand,/ Und legte fie dem Helden, wo le ihre Bräßlein-jambe:; ...' =’ Ir weißes: Weit erhob ſie und legt“es Üben ini 8. 1: mr. Er ſprach: „Nun laßt bas Scherzen, eble Königin, - — Ch ich euch minnte, auf bie Treuemein; : 97.0 do: Eh wollt ich ohne Frauen Bis am mein Ende fen* -:;, =;- -.>. Tr Eu ER Eye 7 Bir. Br

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Henutes Abentenet. Wie Wolſdietrich mit dem Heiden Velian Meßer warf. Die Nacht nahm efte Enbe, es kam der ſichte Tag, Hin gieng der ſtolze Heide, wo feine Tochter lag: „Run ſage,liebe Tochter, auf bie Treue beim, Witt der werthe Chrifte nun dein Geliebter fein?* - Da ſprach zit ihm bie Jungfrau: „Nein; lieber Water mein, Er hat dir nicht geminnet bie liebe Tochter bein,” Da ſprach in großem Zorne 'ber-Heibuiiche Mann: „Ich geb Am meine Treue, um ſein · Leben iſts gethan.“ Da wappnete fi Kalbe ter ie Degen lobeſan: „Nun berathe Gott In Griechenland meine tremen eilf Dom, Dazır beit Berzog Betchtung,; den lieben Meifter mein, Und laß dir Gott wort Himmel meine Seel empfohlen fein ®.

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46 Er gürtete das Schwert um und nahm den Schild zur Hand. Da gieng er nach dem Hofe, wo er manchen Dienfimanı fand. Da Sprach der flolze Heide: „Laßt mir mein Recht geſchehn!“ Da fragt’ ihm Wolſdietrich: „Worin foll dab beftehn?“ „Ich werfe nach euch Meer, nach mir werft ihr dann.“ Empor zum Himmel blickte ben tugenbieihe Mann, Da warb ein Kreiß gefchloßen von manchem Heidenmann; Sechs Meßer uub zwei Triuſtühl trug pn ihun, guf;ben Plan. als fie nun werfen ſollten, had: wißet ſichgzlich, Fe a Ts Da Sprach mwohlgezogen der Held Wolfdieterich ne „Herr Wirth, das mir gefalle, „Das Meßer hätt ich. gen. .. „Hab bir bie Wahl dayunter,t ...fprank der Geibe zu. hept Herxn. Einen. Sauhl umb. drei: Meßer gab man. ihm:in..bie Kant. . Der Heibe ſprach: „Zu Leide hat bein Gott bich bereeſandt. Zwei Heiner Schilde brachte may, heran, — Die waren. eiuer Spanne Breit, wie ich vermelden — Da gab man ven einen dem auserwählten Degeny Und ließ. einen breiten Schild zu ſeinemStuhle legen, . Eu „Beh ab bie: Rüftung,“ ſproch er zu dem Helden außerfehu,.. ; „Drei Würfe muſt du. wie in. Semae Selle 3 0, 0 ua.

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647 „Und weichſt bu von dem Stuhle eines Haares breit, So geht «8 bir ans Leben, des haft bu Sicherheit." Da zog er von bem Leibe all fein. Gewand Und legt’ es zu dem Stuble bei ſich nieber auf: Das Land. „Soll ich in dieſer Veſte nun erben,“ hub er an „So berathe Gott in Griechenland meine treuen eilf Mann Und ben Herzog Berchtung, den lieben Meiſter mein, Herr Gott, laß meine Seele dir befohlen fein!“ Da begann Wolſdietrich zus dem heidniſchen Maun: - „Herr Wirth, ihr habt euch heute ein Recht genommen an, Das müßt ihr fahren laßen, fol es billig ſein: Nun zieh von beingm ‚Leibe. die lichte Brünne bei.” .. _ Laut begann zu lachen der König Pelian. Nun war zu ben Zeiten. das Recht noch fo. gethan, Was ein Mann gelobte, dabei jo blieb er ſtehn; So follt es noch heute in allen Landen geſchehn. $ Da muft er. von dem Leibe ziehn ber. Brünnen Schein, . Und fand vor Wolfbietrih in einem Hemd allein. .: .; „Weiß du, werther Erifte,“ ſprach ber Heidenmann, „Was ih zu Rechte im meinem Lande got —. .- t-

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648 „Wer kommt zn meinem Haufe, das ſag ich Bir fürwahe, Der läßt den Wirth werfen zuerſt immerbar. Siehſt du wohl die Häupter am meinen Zinnen bort? Noch eine Zinn ift Tebig: bie füllt das beine fofort.“ Da fprach Welfbietrich wieder "zu bem Heidenmann: „Wie ſteht es um ven Emen, ber bich beflegen kann? Bor dem ſollſt bu dich hüten,“ ſprach ber Degen gut, „Daß du nicht entgelteft deinen großen Uebermuih.“ ⸗ „So kühn weiß ich keinen,“ Per ber Selbafmann, „Der mit Meßetwerfen mir obflegen kann; | Nur bei ben wilden Griechen, ba wächſt ein junger Day, Bon dem foll ich verlieren meinen Leib und mein Leben. "-:- „Biſt du derfelbe, fo mach es mir belaunt, So geb ich bir zu eigen bie Burg und bes Land.“ Da ſprach Wolfdietrid wieder: „Ich fagte bir, ich bin Bon ber alten Trofe der König Pilgerin.“ | Da fprangen auf bie Stühle die umverzagten Degen. Mum hätte ſich ber Grieche bes Lebens ſchier begeben. Er ſprach: „Bott vom Himmel, gnadeureicher Chriſt, Hilf mir von binnen, wenn wie niits ern > Ä / |

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649 Da bob bad erſte Meßer der Heide hoch empor: * „Nun hute deines Scheitelg, das ſag ich bir zuvor.“ | Auf den WUrmerzagten warf er es mit Grimm: Seines Haars zwei Locken ven dem Scheitel warf er’ m. Berfehlt des erſten Wurfes Hatte dev Heibenmann :· „Lieber Gott Machmet, nun fich mir Bei fortan Wie bu mir in Nöthen noch thateft immerdar, Daß ich die Ehre wahre; du gabft Fe mir fürwehr, * Er hob das andre Meer tn der Hand empor: © 77° „Nun Hüte deines Herzens, das fag ich dir zuvor ·· Wolfbietrich ſprach: „Nun pflege der Bott in Gnaden mein, Dem mein Lelb und meine Seele empfohlen ſollen fein“: : Der Heide ſprach: „Nun ſchirme dich, Degen auserfehn.“ "t". Wolſdietrich ſah das Meßer bon dem Heiden gehn; Da hub er Arm und Achſel, und ließ es brunter her. Verfehlt war auch ber zweite Wurf; da ſchrie Der: Heibe ſehr? „Du willſt mich heut verlaßen,“ rief der Heide da, „Du mein Gott Machmet, was mir noch nie geſchah: Zweier Würfe fehlt ich nimmer noch zuvor.“ Er nabun bes dritte Meßer: „Du ſich am Be a ar

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650 Mit Dräun wollt ee ihn ſchrecken, ben Degen auserſehn, Daß ihm beim bitten Wurfe noch wär ein Heil geihelm: .. Da wankte Wolfvietsih, ihm brach vom ‚Stuhl ein Bein; - Doch hielt er ſich aufrecht,“ hex edle Held, auf den zwein. Der Heide ſah ihn, ſchwanken auf dem Trittſtuhl dort. Er ſprach: „Du muß dein Lehen laßen hier ſofort. Es iſt um dich ergangen, werther Chriftenmann, Es ſey denn, dei mir Machmet nicht helfen wolle. fortan." Er ſprach: „Ex fol dich laßen, der ein Betrüger if. Nun komme mir zu Hülfe wein Bater Jeſu Chriſt, Der für ung. am Kreuze gelitten hab ben Tob:, .. . Ban Der foll mir heute helfen aus Augſt und großer Roth"... ... : „So weiß iö Do. Haß —** deinen 8* —— kan, j Du kommſt zu deutſchen Reichen ſicher nimmermehrs - Deinem Gott wohl magſt du klagen, daß bus je, lamſt hieher.“ „Mein Gott lebt noch, hoff ich,“ ſprach Wolſdjeterich. „Der iſt mild der Gnaden ſo überflüßiglich V Daß er keinem Chriſien läßt ein Leid, geſchehnee Zu ihm his am mein Kude wi v Wrekranen Nano... =.

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- 651 Da rief ber. Heide: wieder in zorniger Gier: „Du muft bein Leben laßen anf bem Stuhle hier, Mid wolle denn verlaßen Macdhmet mein Gott... .- Fun Lieber Gott Machmet, zum mach mich nicht zu Spott.” : :.--". Da ſprach und gab ihm Antwort ber unvergagte Mann: : : „Deinen Gott Machmet ruf id nimmer an, . Rudy Ich trau auf meinem Schöpfer, den reichen Jeſu Ef, BE a ' Und auf feine Mutter, bie uns allen. guäbig if," . F Auch das dritte Meßer verwarf ber Heidenmanug 6 Wohl Hatte ſich gehutet der Degen Iobefain.- 4: Wolfdieterich der kühne hoch anf dem Stuhle fprang: '' - In die Erbe fuhr das Meßer ihm zwiſchen ben Füßen fpannenlang, Drei Würfe nun befanden hatte Wolſbietrich u. Und war, nicht. wund geworben, ber. Degen: ingendli. Er bob empor bie Hände zu derſelben Friſt; 0 "uic Er prach: „Herr, laß dir danlen, du — Sr ‚2 Da fprach ber folge Heide: „Wer: lehrte dich den Sprung? : . Den kann auf Erben Niemand, als Herzog: Berktung. : Bift du Wolfdietrih? das mache mir befannt,: 7.2.9 So geb ich bir zu eigen die Burg wab um vor. Ro. Ü ” —4

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652 Verchtung war mein Geſelle wohl zwei und zwanzig Jahrz Seinetwillen laß ich das Leben bir fürwahr.“ on Da ſprach in feinen Züchten ber. Degen lobeſam: an „Wer if Herzog Verchtang? ‚von dem · ich nie wernahih®.- > :: > Da ſprach noch Wolſdietrich: „IH fagte bie, ich bin Bon ber alten Troje ber König Pilgerin, Und bin nm deinetwillen gelommen anf ben Plau u Du muft mir heut. entgeiten fo. manchen Chriſteriann. — :' Da fand des Heiden Tochter an einem Fexſterlein; Sie ſprach in großem Leibe: „Lieber Bater mein, - Unfer Gott Machmet laͤßt heut nus in ber Neth: - O weh, lieber Vater, welch Leib. ift uns gebroht !“ Da hnub der ſtolze Heide zu feiner Tochter an „Du biſt, die mich tödtet, das ſei bie kund gethan. Hätteft du den Schlummertrank zu trinken ihm gegeben, So hatt ich heut ihm obgefiegt, es wär geſchehn um ſein Leben. Da begann Wolfbietrih: In Frenden ſieh ich Bier: Mein Gott Zeus Ehriftus Tie nach ie von mir, Er unb feine Mutter half wir Räte ans Roth: - Dein Gott it ein Teufel und fa uk Ve a en iu . ..

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653 „Biſt dn Wolfdietrich, das fage wir an: FE Burg, Land und. Leute mach ich bie, miterthan er Unb gebe bir bie Tochter; bie: Taufe nehm ich an, Rz laße mich ‚beim .Lehen, bu tugenbzeicher Man,” .-. - „Was fagft on Hier von Wölfen? die laufen in dem Holz: Ih bin von alten Trojen ein Ritter alfo folge. u In drei Würfen mußt du mir-auf dem Stuble:fehn: .. ° :. Dem rechten Aug, dem linken Fuß, der einem. unf Leib geſchehn.“ Der Heibe Sprach in Sorgen: „DO weh: ber geofen:Motbk :.. - Hüt ih mich unten, fo bin ich oben tobt. n Ich fieh in deinen. Gnaden,“ ſprach der Heidenmann, „Lieber Gott Machmet, ſteh mir bei hier anf bes: Planln De; ‚warf ihm Wolſdietrich den erſten Mehergrußie.-- "16 Er ſah ihm nach. den Augen und meinte feinen Fuß. Er warf ihm das Meßer durch den Fuß bis an dae Heft;?:: „Wer lehrte je mich: werfen, : du Dim Böentuek? ::..° „Willſt bu hören, wer ich ſei? fo wiße ſicherlichh. = ©. Ich bin ans Griechenlande der. Held Wolfdieterich : . Du muſt mir heut entgelten uf dem Stuhle hier Aancea sbeiu Chriſten, Dev. verdechbt Poxd v v DENE — —

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654: Er bob das andre Meßer in ber Band emper. j Er ſprach: „Bei deinem Scheitel fieh dich mun vor.” Cr warf e8 nach dem Heiden ingrimmig, daß es klang, --' Und mitten durch den Bucllerſchild und durch ben Scheitel ihm drang; Die weite Buet erfchallte von bes Beiden Schrei: „Lieber Gott Machmet,“ rief er, „nun ſteh mir beil Hilfſt du mir nicht balde, es nmf mein Ende ſein. O weh, liebe Tochter, was vergoßeſt be den Wein Da Tief bie ſchöne Jungfrau dahin allzuhand, Wo fie ihren lieben Gott Machmet ſtehen fand. ee Sie trug ihn zur Stelle, die Jungfrau auserſehn, Wo fie Ihrem Vater ſah in großen Nötben fliehen, — — + „Machmet,“ fprach fie, „eber Gott, nim hilf dem Väter mein; Und hilfſt du ihm nicht balde, es muß fein Ende fein." So Wolſdietrich ſprach zu ihnen gar ohne arge Liſt: u „Mich dünkt, eur Gott Machmet, : daß er entſchlaſen iſt 1“ Er Hob das dritte Meßer in ber Hand empor. Er ſprach: „Bei dem Herzen fieh dich num vor. Dabin will ich dich werfen, heidricher Mann: 2 Berloren geb ich wog: das Spiel, ‚wenn Tür ar een ⁊

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655° Da warf im dritten Wurfe nach ihm Wolfbieterich: Er zielt’ ihm nach dem Herzen und warf behendiglich. Er traf au ins Herze den heidniſchen ann, ] Daß er vom Stuhl herabfiel- und da Fein Ende naher.‘ So gefhah dem Heiden mit Wolfbieterich. Da fand in dem Ringe, das glaubet ſicherlich So mancher ſtolze Heide ans des Königs Bann, Die hatten ihren Herren gern gerochen au dem Mann. Sie griffen zu ben Schwerten und liefen ihn an, Sie wollten Wolfbieterih verberben auf ben Plan. Da fprang er von dem Stable nicber anf das Land, Ba Sein gutes Schwert entbIäRE: er’. ib wahm ‘es in Die’ PRO Ex ſprach: „Und folk mid) hente “fo große Noth befahn, So berathe Bott in Griechenfand meine trenen eilf Mann R Und den Herzog Berchtung, den lieben Meiſter mein, Herr Gött, laß meine Seele dir wohl befohlen fein!" -- - Aus großem Ungemache half Gott ihm 'mänig da. Nun böret, welch ein Zeichen um dem Gere gehhab: "©; Er flug alleine funfzig "von des Heiben Bann: Die Anbern flohen alle vor Im) hricheß won we un.

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_ MM Sie ſprachen eingellig: Er bat einen ſtarken Gott, Der ihm wohl mag helfen aus Angſt und großer Noth, Wir folen um ihn bitten den getreun Wolſdieterich.“ Da giengen fie alle. zu ihm geielliglih, - .: Und fielen zu Füßen dem Fürfen lobeſan: „ir bitten dich, Welfbietrid, bu tugenbreicher Mann, Daß du uus läßeſt taufen, Degen auseriehn: &o mag uns. gleiche Gnade von deinem Geuue geſchehn.“ Er ſprach, er thät es gerne, der tugendreiche Mann: „Doc Hab ich weder Pfaffen hier. no Capellan.“ Im Augenblide ſah er auf dem Hofe nahn Einen werthen Pfaffen - umb einen Capellan. Er ſprach: „Liebe Herren, - baum will ich euch Bitten, Daß ihr die Heiden taufet nach chriſtlichen Sitten.” . -. Sie ſprachen: „Gerne thun wir das hier zu biefer Eu, Wollen fie an ihn glauben, der an bem Kran war). wunb, ı „Und an feine Mutter zumal, bie seine Maid, | Die einem jeden Sünder wohl wenden mag fein Leib,” . Sie ſprachen ale willig. dazu: „Wir thun es gern.” Da baten fie zu Pathen Wolfvieterig den Herrn.

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657 Da lehrte fie den Glauben ber Held Wolfbieterich, . Und das Ave Marin, das glaubet ſicherlich. Sie wurden gute Chriften. zumal, wie er gebot, Und wollten an ihn glauben, ber om Kreuz erlitt ben Ted. Da mochte man ber Heiden vierhunbert taufen ſehn. Da gieng des Heiben Tochter in eine Kammer flehn, .. Sie zaubert’ um bie Veſte einen wilden See; W Das that dem getreuen Wolfdieterich noch weh. Da anf fein Rofs gejeßen war Wolfbieterich, Urlaub wollt ev nehmen und reiten fehnelliglich: Da ſah er um bie Veſte ein wildes Waßer gehn; Nun hört wie er ba klagte, ber Degen auserjehn: „Ach füßer Name Iefus, was hatt ich mir gebacht! Wer bat bieß wilde Waßer um bie Burg bieher ‚gebracht ? Da ich zu dieſer Veſte ritt gefleru Abend fpät, Mit Blumen war bie Haide wonniglich überfät. „Sol ich nun ſterben,“ dachte der Degen augerfehn, „So ſoll es nicht alleine über mich ergehn, Wollt ihr mit mir von binnen, edle Königin?" Sie ſprach: „Ich thu es gerne;" da kam und küfte fie ib. ..: Simrod, das Heine Heldenbuch. 42 N

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658 Bor fih zu Roffe nahm er das Mägbfein anderſehn. Eine Glasbrücke fah er Über das Waßer gehn. Als mitten auf die Brücke kam der Degen gut, Da fant vorm und hinten die Brüce nieber in bie Flut. Zu fo großen Nörhen noch kam er niinmermehr: Er mocht auf der Brücke weber hin noch ber. Sie warb zu einer Elſter unb flog zur Befte fort; Ihn ließ fie alleine in den großen Nöthen bort. Sie ſaß auf einer Zinne und fah zurück nach ihm; Nun mögt ihr gerne hören wie fie ſprach im Grimm: „Du verruchter Ehrifte, du entgiltft ben Water mein; Es muß bier im Waßer dein letztes Enbe fein.“ Noch ſprach zu’dem Helden die Jungfrau wohlgeihen: „Steb ab von beinem Glauben und bete Machmet an; Alle diefe Reiche mach ich dir unterthan, Und will dich mit Freuden nehmen zu meinem Mann.” Da fpra in feinen Züchten ber tugenbreide Mann, „Magft du ſelbſt, Unſelge, Machmeten rufen ar, Wieviel bu zu ihm flebeft, doch Hilft er nimmer bir; Gott und feine Mutter, de reine, yellen el!

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- 659 Er ſprach: „Was möcht es frommen, wär ich hier ae Jahr? So muß ich Leib und Leben ſetzen in Gefahr.“ Sein Roſs, das gute, nahm er zwiſchen beide Sporn Und ſprang von der Brücke herab in großem Zorn. Er fiel in Wundertiefe hinab anf einen Orund. Da fab der eble Degen zu berfelben Stunb Gar eine breite Haide ſah er vor fich ſtehn, Mit einem hohen Berge, ber war fchrediich anzuſehn. Bor demſelben Berge der Held zwolf Teufel fand, Ein Schwert und einen Kolben trug Jeder in der Hand. Die befunden ihn ingrimmig und thaten ihm viel Leib: "Er kam all fein Leben . nicht in fo fährlichen Streit. Nun merket, ob ber Zauber nicht Übel war genug: Shrer wurben vier unb zwanzig, als er bie zwölf erſchlug; So mehrte fich ihm ferner noch die verruchte Schar: Ihrer wurben zwei und fiebzig; doch entichlug er ihrer ſich gar. Run will ich cuch befcheiben, wie ihm das gelang: Bon Gott in feinem Herzen that er feinen Wank, Er mahnt’ ihn gar emfiglih, der tugenbreihe Mann; .. Der Söhweiß ihm durch die Ringe Über vie Brünme vuun. %

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660 Der Berg und bie Haibe waren flählerı gar. Er mahnt’ um feine Hilfe den Herren immerbar; Doch hielt Die glatte Bergwanb fo lang ben Kühnen auf, Daß er am dritten Morgen erſt völlig kam binanf. Als er zulett hinauf kam nach fangen Aufenthalt, Da fah er um ben Berg gehn einen brennenden Wald. Da mufte bald ſich wenben der treue Wolfdietrich, Bon der Hitze muft ex Tehren, das wißet ficherlich, Er ſprach: „VBerzagtes Herze, was willſt bu mun thun? Du haft doch nie geworben nach weltlichen Ruhm.“ Wo der Wald am flärlfien braun, da eilt’ ex hinan, Und wanbte ſich nicht wieder, bis ber Zauber, ein Ende nahın,

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661 Behntes Abentener. _ Die Wolfvietrih von dem Wurm in ben Stein getragen . Kaiſer Ormits Tod rachte. Da kam in zwölf Tagen ‘der kühne Weigand Geritten ohne Sorgen gen Lampartenland. Da hört’ er in dem Lande allenthalben ſagen, Seinen Geſellen Hätten die Würmer in ben: Berg getragen. Er ritt eines Abende gen Garten an ben Graben, Da hört’ er den Wächter und bie Herrin Hagen. Sie begann felbzwälfte und Hagt’ ihr Herzeleib: Der Franen Noth erbarmte ben Degen alfdereit, - Sie ſprach: „IH ließ mich taufen bie zn Liebe, Jungfrau rein, Und will auch deine Dienerin bis an mein Ende fein; j Doch haft du mir verhangen alfo großen Zorn, ANe Freute, bie ich je gewann, wie hab ih gan werkam!

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- Sie ſprach: „Gott vom Himmel, wen Hag ich mein Leib? Heiland und Erldfer, bir Hag ichs alle Zeit, Da du für ung geftorben biſt,“ ſprach bie raue gut, „Und wir von deinen Wunden nun haben Ehr unb Gut.” Da mochte nicht mehr bleiben ber tugendreihe Mann, Bon ber Frauen Weinen hub er ſich hindann. Da ritt nach ben Würmen ter Held in ben Bald; Zn einer hohen Steinwand wanbt er ſich alfobalb. Einen wilden Waldmann er auf ber Straße fand, Den grüßt’ in feinen Züchten ber Degen auserlannt. ° Er fprad zu dem Waldner: „Weil du Weicheib im Bald? Kannſt du mir nicht zeigen biefer Würmer Aufenthalt?*. : Da gab ber wilde Waldmann Beſcheid ihm allzuhand: „Seht ihr dort im Walde bie Hohe Steinwand? Dahin follt ihr reiten, bas will ich euch fagen: Darein warb Kaifer Ortnit von den Würmen getragen.” Da ritt dahin geſchwinde ber Degen lobeſam, Mo der getreue Kaifer um Leib und Leben kam. Er rief vor ben Berge, dem Helben ziemt’ e8 wohl: „Burm, biſt du variunen, ſo Tomm heraor dos ua Takt.’ ’

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663 „Dein wartet wor dem Steine ein werther Sqhildmann hier, Weil du ben werthen Kaifer in ben Berg trugft mit bir. Du entgiltſt mir den Kaifer, das will ich bir fagen, Ober du muſt noch heute im ben Berg mich felber tragen.” Der Wurm war nicht im Steine, er war in ben Wald, Den Zungen Speife holen: da erzürnt' er alfobaly Und eilt’ ihm nach geſchwinde, ber tugendreiche Mann: Er ritt nad dem Wurme allein hinaus in ben Tann. Er ritt ihm nach im Walde bis an ben britten Tag, Daß ihm fein Roſs, das gute, vor Müde gar erlag. Da muſt er nieberfleigen, ber tugenbreiche Mann; Das Roſs ließ ex laufen und weiben in bem Zaun, Auf den Schild Tieß ſich nieder ber Degen lobeſan, Eine Heine Weile ruhen wollt er fi im Tanu. Da hört’ er in bem Walde einen freislidhen Sturm: . Da ftritt ein wilder Löwe mit einem grimmen Wurm. Als da Wolſdietrich den Löwen vernahm, Zu feinem Noffe eilte ber tugendreiche Mann. Da ritt er ſchnell, er hätte fchneller nicht vermocht, Hin wo ber wilbe Löwe mit dem Wurm im Sturm nat.

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vr Er führt’ im feinen Schllde einen Kine, ber war veih: Sier fah er einen wilden num flehn in großer Noth. Als nun Wolfbietrich den Löwen fireiten ſah, Run mögt ihr gerne Hören, wie er ſprach, ber trene, dar - „Löwe, mein Geſelle, daß ich Dir nicht Helfen mag, Daran fo hab ich heute: eimen Teibigen Tag. Doch begehr an mir Genade, fo heif ich bir ans Neth, Oper will dich wicht mehr führen im meinem Schilde voth,“ Wie wild auch war ber Löwe, bie Futeht macht? ihn zahm! Mit feinen ſcharſen Augen blick“ er ben Fürſien om. Der winkt ihm mit den Augen, das nahm ber Lime währe: Er fprang von dem Wurme zu bem kühnen Helden bar. Den Sdild begann zu faßen ter Degen lobeſam: * „Run berathe Gott in Griechenland meine treuen eilf Mann, Und den Herzog Berchtung, ben lieben Meifter mein; Herr Gott, laß meine Seele dir befohlen fein.“ Da rannt’ ihn au ber Lindwurm und war ihm überlegen: Mit dem Schweif in drei Stüde ſchlug er den Schild dem Degen, Anf den Wurm warf das eine ber tugenbreiche Gelb, Und begann fein Schwert zu foßen, er \ikt ihn gerue aiikt.

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Er flug es dem Wurme mit Gewalt auf das Dach, Daß ihm aus bem Halfe ein feurger Nebel brach Und ihm das Haupt erglühte, Das ſag ich euch flürwahr:. — ' Er konnt ihn nicht verwunden nur fo biiun als ein Saar. . Seine Hant war ihm von Horse zu hart, und überdas Bon einer Spannen Dide, licht wie Spiegelglas, Er war auf jeder Seite zwölf Ellen lang; Auf vierundzwansig Güßen gar freislich war fein Sun. ' Der Schläge, der geſchwinden führte der fühne Dann. Biel auf den Wurm, ben wilden, daß euer von ihm braun. Da firitt Bis auf ben Abend mit ihm der kühne Mann, Daß der Schweiß ihm durch die Ringe über die Brünne rann. Als der Leu ben Helden mun ermüben ſah, Bor dem Fürften fprang ev dem Wurm entgegen ba, Zu tragen und zu beißen hub er ben Lindwurm an: \ So hätt er gern geholfen. bem auserwählten Mann. Da fprang der Tiugenbreihe hinweg aus dem Sturm, Und firitt ber Löwe wieder mit dem freislichen Wurm. Er trieb es fo lange bis ihm die Kraft entwich: Ad, wie ber wilbe Löwe vor dem farten Wiorme WAR

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666 Eine laute Stimme ließ er, die ſcholl durch den Taun; Das that er deswegen, wie ich vermelden lann: Wär fein Geſelle nahe, daß er es hört’ alsbald . Und ihm nud bem Helen zu Hülfe käm aus dem Wald, Als der Leu ermüdet war und das fein Herr erſah, Nun mögt ihre gene hören wie fprach ber treue ba: „Löwe, mein Gefelle, tritt an den Rücken mein: Ich will bie an mein Ende bein Nothgeſelle fein.“ Sein Schwert in beiden Händen ber Tugenbreiche trug, . Das. er mit vollen Kräften auf deu Lindwurm fehlug. Er flug ihm ins: Gehörne fo ungefügen Schlag, Daß ſein Schwert in brei Stüden. vor ihm am Boben, Ing. Er ſah bie Wehr zerbrocdden, groß war fein Ungemach. Nun mögt ihr gerne hören wie ber Getreue ſprach: n®i, reicher Gott vom Himmel, was hab ich div getan, - Daß ich feine Gnade um dich verdienen fanı? „Löwe, mein Geſelle, daß ich bis nicht helfen mag, . Daran fo hab ich heute einen leibigen Tag, Doc ſeh ich getveulich dein Ende bier mit an,“ Da fänmte fi wicht lange der Woran, ur Nuhr \yrhn, \

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887: Rahm in den Mund den Amen wi in den Cchonf den berrn Er war beiden Meifter, und alle Hoffnung fern. Mit Gewalt trug er fie im Sturm in fein Hohl; Das war von manchem Ritter, ben er erlegt hatte, voll, Deu wilben Wwen warf er vor feiner Inngen Schar: Die zerrten ihn zum Spiele, das fag ich euch fürwahr. Sie fangten ihm das Blut aus und nägten fein Gebein: - Da muft um ihm in Trauer erſt der Tugendreiche fin :- -'.! Die jungen Würmer gefiten im bes-Hungers Grimm. Der ungeheure Valand ſtreckte den Schweif nah ihm— — Und ſchlug auf das Helmband den Degen hochgemuth u; Daß ihm zu beiden Ohren emtfprißte rothes Bint. w Er fchlang fig um Den Helden, das fag ich endh fürwahr, Unb warf ihn ohne Säumen ver feiner Sungen Schar. Sie hätten ihn gewonnen gern, das wißet ſicherlich Doch nicht entblößen konnten fie den getteuen MWelfbieterich, Wie das gefchehen mochte will ich euch jagen: Ein Hemd von Palmatſeide pflegt’ er zu tragen, . Bon zweiundſiebzig Stüden; das friftet’ ihm fein Leben, Das ihn Frau Giegeminne ya Troje hate nein. >

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668: St. Pankrazien Heiligthum war verwirlkt darein, Das half ihm hei den Würmen, daß er genas, allein; - Sie faugten an ben Ringen, das glaubet fiherlich, Und mochten nicht gewinnen ben getreuen Wolfbieterich, Die Jungen gelten lauter vor Hunger nach ber Kofl: : Da hub fi der Alte in den Tann nach dem Rofe. - Er fand es Bei dem Baume, - fihlangs in ben Schweif hinein, Und trug es in bie Höhle zu feinen ungen herein. Die fpielten mit -einanber gar unbeſcheidentlich, Daß ſchier verlor Hätte fein Leben Wolſdietrich. Da wählte der Alte unter ben Todten al, : Welcher am ſchwerſten wöge ber jungen: Brut zum, Ball. Da wähle er unter ihnen bis on bem mitten Tag: Da kin er au bie Stelle, wo der getrene lag. Auf zudte bald ber grimme ben tugenbreidden Mann; Es war ein ungefiges Spiel, das allda mit ibm begann. Sie warfen fih einander den getrenen Wolfbietrich; - Schier wär es um jein Leben geſchehen ficherlich: Asbald von den Jungen hub fi) der Alte fort, Sich vor ben Stein zu: legen: in der Sonne ſchlief er bort,

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669 Das hätte ſich nimmer ber grimme Wurm gebacht, Daß bie Jungen zu bezwingen ber Held gewänne Macht. Gern fah ber Tugendreiche, daß er ſich fort begab: In großen Unkräften zur Erbe griff er hinab; Den Schweiß vom Gebeine nahm der kühne Mann, Und hob ihn zu. dem Mumbe, davon er Kraft gewann, Bald fand er eine Duelle, bie in ber Höhle rann; Da nahm bie Sorg ein Ende dem tngenbreichen Mann. Da fuhr er fort zu fuchen, ber kühne Weigand, Bis er Rofe, das gute Schwert, im einer Scheibe fand. _ Auf dem Knaufe fhien ein Stein, der glämte wie ber Tag; St. Pankrazins Heilthum darin verſchmiedet Tag. ’ Einen Schilb auch fand er, dicht wie eine Wand; Dabei Ortnits Gebeine und all fein Streitgewand: Eine forte Brünne war es, aus köftlichen Geſchmeid; Die legt?’ um feine Glieder der Degen ihn im Streit, All feine große Sorge alsbatb ein Ende nahm: u „Run berathe Gott in Griechenland meine treuen eilf Mann, Und den Herzog Berchtung, den lieben Meiſter mein; Zu Ach Gott, laß meine Seele bir befohlen fein!“ —

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670 Da ſuchte noch ferner ber. kühne Weigand, Bis er einen guten Helm in dem Blute liegen fand. Ein Stein fchien von ben Helmhut, ber glängte wunderllar; Ein Hanpt lag darinye, das Kaiſer -Ortuitens war, Die Zähren aug ben Augen liefen ihm in den Mund; Mehr als zehumal Lüp’ ers, fo tobt, aus Herzensgrund: „Ortnit, mein Geſelle, bis Fraftreiher Degen! . - Gerube, Gott vom Himmel, feiner, Seele dort zu pflegen, „Erbarme dich der Seele, ihm blieb nicht mehr ber Leib; Auch zu Lamparten . Über ſein trenes Weib. J Und berathe mir in Griechenland die treuen eilf Mann, Und dieſes wilden Löwen. nimm dich in Guaden am.“ — Da ſprang empor mit Freuden der kühne Weigand, Roſe, das gute Waffen, nahm er in. bie Hand. Er ſchlugs mit beiden Händen mit Kraft auf einen Stein, Daß um und um das Feuer in der Höhle warf den Schein. Er griff ihm nach der Schärfe mit feiner edeln Sand, Weder Mal noch Scharte er an ber Schneide fand. „Hab ich nach ſolchem Schlage dich ganz getroffen an, So getrau ich mich zu tröſten noch meine treuen if Ma.“ :

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671 Bei des Schwertes Glaͤnzen blickt' ex die Iungen an, Nun hört, wie da gefprodden ber tugenbreide Mann: „Ihr Würme fehlaft zu Tange, ich will euch beſtehn: Ich geb eich meine Treue, es muß euch an das Reben gehn.“ Mit den freislichen Würmen ftritt da der kühne Mann, - Daß der Schweiß ihm ans den Ringen über bie Brünne tamı. Er zwang zulegt die Jungen mit mandem zorngen Schlag; Das verjchlief der Alte, ber vor dem Steine lag. Da eilt’ er Hin gefchwinde mo er ben Alten ſah, Kun indgt ihr gerne hören, wie er fprach, der treue, da: „Alter Wurm, du fchläfft zu lang, ich will dich beſtehn, Du Haft mein Wort zu Pfande, es muß bir am beim Leben gehn. Auf den grimmen Lindwurm ſchlug er mächtiglich; Do über manchen Todten fiel Wolfvieterich. Ich weiß nicht wie dem Degen ber Wurm fo nahe kam, Daß ihn das Ungethüm ergriff und in ben Rachen nahm. Doch entriß fi ihm geſchwinde der kühne Weigand, Nofe, fein gutes Schwert, nahm er in bie Hand: Er ſchlug dem wilden Wurme bie Weichen entzwei; So madıte ſich der Kühne von dem Ungeheuer frei.

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672 Da hatt er in dem Berge bie Würmer all erichlagen; Denen fchnitt er aus bie Zungen, das will ich euch jagen. Dann eilt’ er bin geſchwinde wo bas Gebeine lag Ormits; aus dem Berge trug ers an bem lichten Tag. Er legt’ es nor bem Steine nieber auf bas Land. Ein Fingerlein von Golbe ex bei dem Schilde fand: Ortnit wars geweien, dem kraftreichen Degen; Ihm hatt es Fran Sidrat zur Gemahlichaft gegeben. = Da begrub ihn vor bem Steine ber, tugenbreiche Mann, . Und fland bei dem Steine uud fohrieb ſoviel daran, Wer an die Stelle käme, es fei Mann ober Weib, - Daß er, erſehen mochte, ba läge bes Treuen Leib,

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673 Eilftes Abentener. Wie Wolfvietrih einem andern Löwen gegen einen Serpant beiftand und ihn der Kaiferin trug. Nun kehrte von dem Steine ber treue Wolfbietrich Gen einem ſchönen Berge, das wißet ficherlich: Darein batt er getragen zum Lager Laub und Gras, Als er vor einem Winter darin geborgen ſaß. Er nahm das Schwert unb legt’ e8 vor dem Berg auf einen Stanım: „Roſe, ich will dich nimmer,“ ſprach ber kühne Mann, „Ih teäfe denn in Griechenland meine treuen eilf Mann, Ober einen wilden Lümen in großen Nöthen an,“ Bis an den vierten Morgen faß der Getreue ba Aller Welt verborgen und daß ihn Niemand ſah; Eßens und Trinlens der Held auch nimmer pflag, Außer Laub und Wurzeln, fo lang als er ba lag. Simrod, das kleine Heldenbuch. N

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674 Damit wollt er büßen, ber Degen wonnefam, ' Alle die Sünde, die er wiber Gott gethan. Darauf am vierten Morgen börte ber kühne Mann Einen wilden Löwen brüllen da draußen in dem Tann. Als des Löwen Stimme Wolfdieterich vernahm, Sein Schwert Roje nahm er und gieng in ben Tanın, Nach des Löwen Stimme gieng er durch den Wald, Und fliß fi der Reife all ſonder Aufenthalt, Er hätt ihn gern ergangen, ber tugenbreihe Mann; Do trug ihn feine Strafe fern von ihm binbann. Sein Roſs war ihm verborben, zu Fuße muft er gehn: Da ſah der kühne Degen eine fchöne Linde ſtehn. Als er ba ruhen wollte, kam ein wilder Mann Und ſtahl ihm fein gutes Schwert und trug e8 in den Tan, Als er darnach erwachte und fein Schwert nicht fah, Nun mögt ihr gerne hören, wie er ſprach, ber kühne, da: „Ah reicher Gott vom Himmel, was hab ich dir gethan, Daß ich keine Gnade um dich verbienen kann? Fand ich einen wilden Löwen ftehn in großer Noth, Und möcht ihm nicht helfen, bei ihm fo läg ich tobt, \

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675 „Wenn ich gefehen hätte wie er fein Enbe nahm. Nun berathe Gott in Griechenland meine treuen eilf Mann, Und den Herzog Berchtung, den Lieben Meifter mein; Ah Gott, laß meine Seele dir- befohlen fein.” Diefe Rebe hörte allda der wilde Mann; Er ſprach: „Kühner Degen, noch weile hier im Tann, So haft du meine Treue, ich bin bir unterthan. Wohl kenn ich di, Wolfbietrih, du bift ein kühner Mann; „Du bift von Griechenlanden ein Degen lobeſan: Dein gutes Schwert nimm wieder, bu tugenbreiher Mann. Deine Sorge hat ein Ende, das wiße, unverwandt: Dreizehn Königreiche foll erftreiten beine Hand. „Siebft du dort im Walde ben wonniglichen Berg? Da gehorcht mir zu fünfhundert mand wildes Gezwerg, Und zween und fiehzig Niefen gar gewaltiglich: Damit will ich dir dienen, wenn bu will, Wolfdieterich.“ Da dankt’ er ihm der Güte; das Schwert er wieber nahm, Und wanbte fi gen Garten, ber tugenbreide Mann. Einen wilden Löwen traf er, eh er gen Garten fam, Bor einen Serpunten in großen Nöthen an,

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676 Als da von fern Wolfdietrich den wilden Löwen ſah, Nun mögt ihr gerne hören wie ſprach der Treue ba: „Löwe, mein Gefelle, tritt an den Rüden mein, Ich will dein Nothgejelle bis an mein Ende fein.“ Roſe, das gute Schwert, nahın er in die Hand Und ſchlugs mit vollen Kräften auf den Serpant. Das Thier erfchraf des Schlages und fprang von ihm hindaun; Wolfdietrich ben getreuen blies es mit Fener au, Nie zu fo großen Nöthen gelommen war ex eb: Bor Glut muft er fich fenfen in einen tiefen See. Da hatte ſich Wolfdietrich den Serpant recht befehn: ’ Er ſprach: „Bon allen Lenten Tann ich allein dich beſtehn.“ 4 Da fprang er aus dem Waßer und lief dem Thiere nach: Er gab ihn mit dem Schwerte manchen ſchweren Schlag. Wolfdietrich den getrenen blies e8 mit Feuer an, Daß der Wald und die Haide umber zu lohen begann, Zu fo großen Nöthen kam der Helb nicht mehr: Wie mitten auf dem Roſte ſtand der Degen bebr. Er mochte nicht entweichen des heißen Feuers Grimm; Die lichten Harnifchringe, um ben Leib erglübten fie ihut,

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677 Doch Half ihm Gott der gute, daß er das Thier erſchlug, Und St. Pankrazien Heiltfum, das er bei fich trug, Daß er nah dem Brande gefund von bannen kam. Da wandt aus dem Walde fidh ber unverzagte Many. Da nahm auf die Arme der Held den wilden Leun Und trug ihn gen Garten, auf die Treue mein. Nun kam er mit dem Leuen gen Garten in den Graben: Da hört’ er noch den Wächter mit ber eveln Frauen Hagen. Sie ſprach: „AH Gott vom Himmel, was hab ich bir gethan? Daß ich verlieren mufte ben vielgeliebten Mann, Das muß mich ewig reven!” ſprach das werthe Weib: „Eil wer mir rathen wollte, wie ich verderbte den Leib!“ Sie ſprach: „Was ſoll mir ferner ſolch ein weites Land? Ueber dreizehn Königreiche war ich Frau genannt: Die hab ich Gott gegeben, der den Tod am Kreuz gewann, Daß er ſich erbarme über meinen lieben Man, „Den mir bie wilden Würme in ben Berg getragen. Ah, Herr Gott vom Himmel, wann bir ich auf zu Hagen?“ Sie ſprach: „Kaifer Ortnit, foll ich dich nie mehr ſehn, Mir armen Frau, wie möchte mir denn übler fein geſchehn?“

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678 In eine Kapelle nun giengen ſie hindann: Da fland ein Bild gegoßen nah St. Amaflan, Als Die edle Katferin das Bildniſs erjah, Nun mögt ihr gerne hören, wie fie ſprach, die Fraue, da: „Wie nun, heilig Bidniſs, Herr St. Amaflan! Ich empfahl auf Treue dir meinen lieben Mann; Den haft du mir vertaßen,“ ſprach bie Fraue hehr: „Du ungetreuer Anıaflan, ich vertraue dir nicht mehr. „Ich gab dir Lehn und Eigen,“ hub ſie wieder an, „Ich opferte dir täglich drei Gulden, Amafian: Das that ich, daß du wollteſt mir gewogen ſein, Du ungetrener Trügner mir hüteteſt den Herren mein.“ Da erſchien ihr vor dem Altar St. Amaſian Gleich einem alten Herren, weiße Kleider trug er au: Die waren, wißet ficher, weiß wie der Schnee; Er ſprach: „Edle Kaiſerin, dein Weinen thut mir weh. „Wär das nun beßer, verdürbeſt du dich gar? Hätt er dir folgen wollen, noch lebt’ er vierzehn Jahr.“ Er ſprach: „Edle Kaiſerin, laß dir die Wahrheit fagen:. Ihn hätten doch die Würme in ben Berg zuletzt getragen.”

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679 Da Tief fie eine Tafel fich bald zur Stelle tragen, Da fland fie und der Kaifer gemalt, will ich ench fagen. As die edle Kaiferin die beiden Bilder ſah, Sie ſprach: „Du ſollſt nicht lachen, es geht mir allzunah. „Du wähnft, ich ſtünd in Freuden, wie ich wohl ſonſt gethan; „Nein, verloren hab ich meinen lieben Mann!“ Sie ſchlug mit einem Hanbihuh Ihr Bild an den Mund: „Schäm did, verfluchtes Bilbnifs! meine Sorge thu ich bir kumd. „Wohl Hab ih Grund zu Magen, das Weinen thut mir Roth: Troſt und alle Freude find mir gelegen tobt. Ä - Nun gnabe, lieber Herre, Gott der Seele bein: Sp lang du warft am Leben, burft ich mit Freuden fein. „Mud ift, daß deine Seele nun in Nötben fei, So made, Gott vom Himmel, fie aller Sorgen frei, Und laß Meine Seele dafür zu Pfande ftehn: Das laß, Gott vom Himmel, bei deiner Mutter gejchehn. „Süße Königin Maria, Mutter, veine Maid, Laß dich heut erbarmen mein großes Herzeleid. Einer armen Frauen Mage laß dir zu Herzen gehn: Um beines Kindes willen überhöre nicht ihr Flehn.“ “

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680 Da trat an die Zinnen die Kaiferin heran, Gar jämmerlich beffagte fie ihren lieben Mann. „Bedächt ich nicht die Seele, von ber Zinne würf ich mich.“ Wolfbietrich ſprach, der trene: „Ich fieng’ euch ſicherlich.“ Da ſprach Fran Sidrat: „Sch thu mir, Herr, Tein Leib; Do laßt mir, chler Degen, erfahren wer ihr feib.“ Da Sprach zu ihre MWolfbietrih: „Ich will ench wahrlich fagen: Einen wilden Löwen hab ich zu der Burg bieher getragen. „Ich bin aus dem Walde zu biefer Burg gelommen; Freu, ener großes Weinen hab ich wohl vernommen, Heilt den wunden Löwen, eble Herrin, mir, Um Ortaits Seele willen,“ ſprach Wolfbieterich zu ihr, Sie mocht es kaum erwarten bis ber Tag erichien, Mit ihren Jungfrauen hub fie fi dahin. Sie fand den wunben Löwen, das wißet ficherlich: In eine Kammer nahm ihn die edle Frau mit fi. Am Abend gieng er wieder in ben Burggraben, Da hört’ er den Wächter und feine Herrin Hagen. Da Sprach zu ihr der Wächter: „Biel liebe Herrin mein, Tröftet euch im Leide und lat eur Wduen \en.!

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681 „Dreizehn Königreiche, bie ich verlor, Und tanfend Mark Golves, des Reiches Zins zuvor, Des Alles unterwanden fi Die in meinem Bann: Nun mag ich kaum beratben einen armen Kapellan.” Ein Stein lag: vor der Pforte, das will ich euch fagen, Den hätt um feine Schwere ein Wagen nicht getragen, Den warf dba Wolfdietrich über bie Zinne bin. Da ſprach in ihren Züchten bie eble Kaiferin: „Das gleicht Niemand anbers als Kaifer Ortnit: Wenn er fpät des Abends heim kam, fo weckt' er mich bamit. Biſt du vielleicht verwildert fern in einem Tann, Sp laß mid) nicht mehr weinen, bu tugenbreicher Mann,“ Da ſprach von Griechenlanden der Held Wolſdieterich: „hr follt nicht mehr weinen, Herrin minniglich.” Er ſprach: „Edle Kaiferin, nun fei euch fund gethan: Mit meinem Schwert gerochen hab ich euern lieben Mann.“

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682 Bwölftes Abentener. Wie Wolfvietrih die Katjerin zum Gemahl gewann. Da ftand bei der Pforten ein ebler Graf erkannt, Der war von Piterne; Wildung war er genannt. Der hörte die Märe, das glambet ficherlich, Die Wilrme hätt erfchlagen der Held Wolfbieterich. Da ritt er nach dem Berge fünfhunberten gefellt, Und fohnitt den tobten Würmen die Häupter ab, ber Help. Zween edle Ritter wollt er bezwungen haben, Daß fie Sprechen follten, die Würme hätt Er erfchlagen. Da wollten ihm wicht beiftehn die Zween mit ihrem Wort. Da ftahl der eine Ritter fich von dem Grafen fort: Zu Wolfdieterichen kam er in den Tann; Unter einer grünen Linde fand er den kühnen Mann.

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683 Als er MWolfvieterihen nur von ferne ſah, Nun mögt ihr gerne hören, wie fprach der Ritter da: „Heißet ihr Wolfdieterih? Das follt ihr mir fagen: Sin Graf bat fich der That gerühmt, bie Würme hab Er erichlagen.” Als nun Wolfdietrich die Rebe vernahm, Den Grafen wollt er ſuchen alsbald in dem Tann. Bor dem wilden Berge fänb er ihn ficherlich. Da eilte nach dem Grafen ver treue Wolfvieterich, Als er nur ven Grafen aus der Ferne fab, Gerne mögt ihr hören, wie, ſprach der treue ba: „Saget ihr, ihr hättet,” Herr Graf, die Würm erſchlagen?“ „Ja, ich ſtritt mit dem alten wohl gen breien Tagen „Bor dem wilben Berge, das glaubet ficherlich, Nun teabet, kühner Degen, und fagt bejicheidentlich, Wenn ihr kommt gen Garten, bie Würm hätt Ich erfchlagen: So geb ich euch ein gutes Roſs, das euch wohl heim mag tragen.“ „Mir träumte noch immer , ſprach Molfbieterich, „Ein reicher König wäre mein Vater ficherlich. Du mwärft mein eigen beßer, als ich bein Untertban: Willſt bu mit Lug gewinnen ‚die Fraue wohlgethan?“

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684 Darob begann zu zürnen ber eble Graf erkannt; Auch ftanden ihm zur Seite bie Mannen allefamt. Da wurde Wolfdietrich beftanden härtiglich Bon all des Grafen Maunen: ber Kampf warb fürchterlich, Er trat mit feinem Rüden vor eine Steinwanb: Nofe, fein gutes Schwert, nahm er in bie Hand, Und ſchlug alsbald dem Grafen funfzig aus feinem Bann. Dann bat er Bott den Guten, baß er ihm hülfe hindann. Da wandte fih gen Garten ber edle Graf erkannt; Die Kaiferin, die ſpäͤhend bort an der Zinne fland, Sie ſprach: „Herr Gott vom Himmel, was hab ich dir getban? Der mein Knecht geweſen, foll ich den nehmen zum Mann?“ Da der Graf von Piterne zu dem Hofe kam, Er ſprach: „Mir haben die Würme erfchlagen funfzig Dann; Kaum mocht ich ſelbſt fie zwingen, das glaubet ficherlich.“ Die Rede hört! ein Ritter, bieß ber ſchöne Heinrich, Der ſprach: „Den Wurm ſchlug Niemand als Wolfbieterich; Darauf will ih euch beſtehen, das wißet ficherlich. Ihr hättet, Graf, die Würme nicht anzufehn getrant.” „Was zeiht ihr mich,“ fprach zürnend ber eble Graf überlaut,

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685 „er mit feinen Augen ben Streit hätt angefehn, Wie mir mit den wilden Würmen wär gefhehn — Ich fund in großen Nöthen, bavon wär viel zu fagen, Bis ich in dem Berge all bie Würme hatt erſchlagen.“ Da gab man dem Grafen die Krane wohlgethan. Nun war der Wirth Wolfdieterichs der treue Waldmann: As der vernahm die Märe, das glanbet ficherlich, Er hub fh gen bem Walde zu bem treuen Wolfbieterich, As nun Wolfdietrid die Kumbe vernahm, Noch Spät desjelben Abends kam er zur Burg heran. Da bat er den Pförtner: „Laß mich herein.“ Der ſprach: „Herr, das kann nicht ohne meinen Meifter fein." . - Diefer Ren erzürnte Wolfbieterich zumal. Da ftieß er auf die Pforte und trat in den Saal. Da theilt’ er die Speife mit einem fremden Mann: Nicht draußen wollt er figen, darum griff ers alfo an. Er ſprach: „Du ſollſt nicht zürnen, Tieber Gefelle mein, Daß bier will ein Edelmann dein Tiſchgenoße fein; So ich je Gut gewinne, auf bie Treue mein, Mit die und fchönen Lenten muß das getheilet fein.”

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686 Die Fran Hub einen Becher, fanbt ihn Wolſdietrich Hin, Der trank daraus und gab ihn feinem Nachbarn Bin. Dann zog er von der Rechten Ortnitens Fingerlein: Er warf es in ben Becher und fandt es ber Frauen ſein. Als die eble Kaiferin das Fingerlein erfah, Nun mögt ihr gerne hören, wie ſprach bie Fraue ba: „Web mir armen Weibe, daß ich je ins Leben kam! Dieß Fingerlein war Ortnit, meinem geliebten Dann. „Der Held verlor das Leben,” ſprach die Kaiferin hehr. „Ich erſeh ihn zu Garten Tebendig nimmermehr.” „Es muß mich immer reuen,“ ſprach der Graf erkannt. „Kran, laßt euer Weinen, und gehn wir fchlafen zuhand.“ Alsbaͤld rief die Kaiferin Wolfvieterich heran: „Wer gab euch das Fingerlein, tugentreiher Mann?“ „Das that im Walde Einer, das glaubet ſicherlich: Der ift geheißen ber treue Wolfpieterich.* Sie Sprach: „Kühner Degen, gebt euch kund bei Zeit, Wenn je euch lieb geworden ift ein werthes Weib. Heißt ihr Wolfdietrich? das fei wir bund gethan, Wenn je euch lieb geworben up ee ireen A Dim

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687 Da ſprach im feinen Züchten ter Gelb Wolſdieterich: „Ihr ſollt nicht länger fragen, Herrin minniglich, Edle Königstochter, es Sei euch kund getban: Mit diefem Schwert gerochen hab ich euerr lieben Mann,“ Einen Mantel Palmatfeiben trug Wolfdieterich; Den nahm von der Schulter der Degen tugenblidh. Hundert Kuäufe ſtanden baranf von lichtem Golb: „Das nimm, Tiſchgenoße, von mir an unb fei mir hold.“ As die Herren alle die reihe Gabe fahr, Nun mögt ihr gerne hören, wie fie huben zu ihm an: „Habt ihr die Würm erſchlagen,“ ſprach der Graf erfunnt, „So laßt uns eure Zeichen bier ſchauen gleich zur Hand.” Dawider ſprach Wolfdietrich: „Das kann nicht gefchehn, Graf von Biterne, laßt eure Zeichen ſehn.“ Hinwiber ſprach Graf Wildung: „Das will ich nicht verſagen.“ Die Wurmbäupter ließ er dba alsbald zur Stelle tragen. Sie trugen hin bie Häupter vor bie Königin. Da begann Wolfvieterih, der Helb, aus kühnem Sinn: „Nun geht berzu, ihr Frauen, ihr Herren männiglid: Ber fah je ohne Zungen Häupter? das \R wunketun.'

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688 Da griff er nach den Zungen unb fand fie allzumal, Die zeigt’ ex der Königin und ihren Herrn im Saal, Da ftritten alle wiber ihn, das will ich. euch fagen: Man zieh ihn, als hät er den Kaifer Ortnit erſchlagen. Da ehrt! er ven Rüden wider eine Wand, Roſe, jein gutes Schwert, nahm er in bie Hand, Da muft er grimmig fireiten, Das will ich euch fagen. Er ſprach: „Hätt ich den Lümen, den ich zur Burg hab getragen!“ Als die edle Kaiferin die Rebe vernahm, Da ließ heraus ben Löwen bie Herrin wohlgethan. Da fprang ber wilde Löwe durch die Burg fofort, Da fah er feinen lieben Heren in großen Nöthen bort. Er fprang ihm zur Seite und half ihm als ein Mann; Mit dem Wedel ſtrich er nach ihm, mit ven Augen lacht’ ev ihn a, Eine Flucht warb in dem Saale, das will ich euch fagen: Der Graf warb gefangen und bag Haupt ihm abgeſchlagen.

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689 Dreizehntes Abentener. Wie ein Zwerg ihm die Raiferin ftahl und wie er fie wieder gewann, Da gab man Wolfdietrid vie Herrin wohlgethan. Doch keinerlei Kurzweil ber Held mit ihr begann: Er wollt ihr erſt die Wunder gerne laßen jehn, Die von feinen Kräften im Berge waren geſchehn. Da begann Wolfbietrih zu ber Fraue wohlgetban: „Eurer Ritter zwölfe uehmt zu Begleitern an.“ Da wagt’ e8 ihrer Kleiner in den Berg zu gehn mit ihr. Da fprach die edle Kaiferin: „Nimm mid) ollein denn mit bir.” Da führt’ er nach bem Berge bie ſchöne Herrin fort, Und wies ihr die tobten fcheuslichen Würme dort. Sie jagen mit einander dann auf dem Grafe frei; Da Soli bie Eltermutter al ver Würme Rg yore. Eimrod, bas Heine Heldenbuch. AN

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60 . — * Da hub der Wurm im Kampfe ſich an den kühnen Mann, Und trieb ihn in dem Berge mit Gewalt hindann. Die Fran nahm er in den Schweif, das will ich euch ſagen, Und dachte ſie mit Uebermacht tief in den Berg zu tragen. Da ſprach ſie: „Held, verliere nicht um mich dein Leben! Hat fich Dir jemals Liebes von Weibeshuld begeben, So gedenle meiner Seele, edler König bebr: Du ſiehſt mich in Garten lebendig nimmermehr.” „Nein, Viebe Herrin,” ſprach Wolfbieterich, Das Schwert in beiden Händen erſchwang er kräftiglich, Und ſchlug es auf ben wilden Wurm, das fag ich euch fürwahr; Er konnt ihm nicht verlegen doch fo breit nur als ein Haar. { Er ſprach zum Schmerte Rofe: „Berläßeft bu mich dann? Dich trug zu feinen Zeiten bes Leibes gar ein Dann.“ Das Schwert ließ er Treifen mit Träftigem Saus: Er ſchlug es durch die Würmin, daß es jenfeits fuhr heraus. a2 Da hatt er in dem Berge die Würme all erfchlagen; - Zu feiner Herrin wandt er fih, das will ih euch jagen. Da führt’ er aus bem Berge bie Krane wohlgethan; Bon bem Stein geflohen waren Nie Yeren \n en Wenn,

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691 Er nahm die edle Königin bei ihrer weißen Hand, Und wies fie, wo er Ortnits morſch Gebeine fand. As die edle Königin das Gebein erſah, Das Haar aus dem Haupte vor Sammer brach fie ba. Mit ihren beiden Hänben fle zu ben Bräften ſchiug: „D weh mir armen Weibe, baß mich je die Mutter trug! Gewonnen hab ich Arme fo großes Herzeleid, Daß mir Kraft und Schöne muß zergehn in kurzer Zeit.“ „Run ftillet eure Klage,” ſprach der Weigant. Sie feßten mit einander ſich nieder auf has Land. Er enifchlief in ihrem Schoofe; da kam ein Heiner Mann Und flahl ihm bie Fraue; eine Zarnlappe hatt er an. Dur ven Wald entführte bie fchöne Frau ber Zwerg, Bis wo ein ſchöner Brunnen fprang aus einem Berg. Er legt’ ihr an die Kappe, eine Wurzel in den Mund, Und führte durch den Brunnen fie in der Erbe Grund. Als er nun erwachte und bie Fran nicht wieberfand, Da gab er auf zu Garten die Burg und das Land, Das Schwert in einer Kutte vwerbarg er, das ift wahr, Unb wallte nad ber Frauen wohl in vos werte Int.

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692 Da kam im vierten Jahre Wolfbieterich dahin Gegangen zu dem Brunnen wo bie Kaiferin Bar hindurch geleitet won dem Gezwerg. Da fette zu beit Brunnen ſich ber Helb vor ben Berg. Da hatte ſich nicht lange Wolfbieterich geruht, So kam zu einem Fenfter im Berg bie raue gut. Als fie bei dem Brunnen ben Getreuen figen ſah, Nun mögt ihr gerne hören, wie fie ſprach, die raue, da. Sie ſprach: „Lieber Herre“ (Billung hieß ber Zwerg), „Ein irdiſcher Mann ift gekommen vor ben Berg. Aus welchen Landen immer er fei bieher gelommen, Er weiß viel fremder Märe: bie hätt ich gerne vernommen.“ Da ſprach das Gezwerge: „Liebe Herrin mein, Alles was bir lieb ift, das fol gefchehen fein.“ Da nahm e8 um die Kappe, die Wurzel in den Mund, Und fuhr durch den Brunnen empor zur felbigen Stund. Es fuhr empor geſchwinde und kam dahin zuhand, Wo es bei dem Brunnen ben Getreuen fiten fand. Als es nun von ferne Wolſdietrichen ſab, Es empfing ihm gütlich; nun hört, wie fg u an

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693. J „Sei willlommen, Waller, Hier vor biefem Berg. Ich will dich gern bewirthen,“ ſprach das Gezwerg. „Und willſt du, edler Pilgrim, heunte bei mir fein, Gern will ich mit Dir theilen mein Brot und meinen Wein.“ Wolſdietrich ſprach: „So Iohne Gott vom Himmel bir Der Treue und der Güte, bie du begehſt an mir.“ Es gab ihm um bie Kappe, eine Wurzel in den Mund, Und führt ihn durch bes Brunnen hinab zur felbigen Stund As fih mun im Berge Wolfdietrich umgeſehn, Da fand er m bem Berge eine ſchöne Veſte ſtehn. In der Veſte ſah er zweihunbert Thürme gar; Die Mauerzinnen glänzten wie ber lichte Tag fo Mar. Das Gezwerg nahm ben Fürften bei feiner ſtarken Hand Und wies ihn, wo ber Degen ein Ziergärtlein fand, Da war ein Beflebel vor Marmelftein bereit ; Darob fland eine Linde, bie war grün zumal und ‘Breit. 4 Bei derſelben Linde ſtand ein ehrner Mann, Zwei Blasbälge rührt' er, bie waren wonnefem. Fünfhundert golbne Röhren gieugen aus vem Bun, Unb fünffunbert BSoöglein ſah man gen iu ven Rumun.

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694 Es war gar ſchöne Zierde, das glaubet ſicherlich. Dahin oft Kurzweil willen begab das Zwerglein ſich. Wenn das Bild die Bälge rührte mit der Hand, So fangen auf der Linde die Böglein alleſamt. Nun fand anf jener Seite ein Pallas, der war weit. Da fah man gerichtet zu derfelben Zeit Wohl fünfhundert Tifche, das fag ich euch fürwahr, Fünfhundert Zwerg an jedem, fie all zu Wunſche gar. In demſelben Pallas ſtand ein goldner Mann, Ein Gießfaß in den Händen, das war auch wonneſam: Das Gießfaß war fo künſtlich geſchaffen und fo groß, Daß daſſelbe Bildnifs Hundert Daunen Waßer go, Nach dem Male wurden die Tiſche hingetragen. Da ſprach die Herrin: „Waller, kannſt du mir fagen: Weiſt du Beſcheid auf Garten? Das ſag mir ſicherlich: Da ſaß vordem ein König, der hieß Wolfbieterich. „Es find wohl vierthalb Jahre, wenn ichs erkennen kann, Da bat mich ihm geftohlen dieſer Heine Mann. Doch hab ich es mit Fiften clio getrieben, Daß er meines Leibes nie Meter iR geilsten!

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695 Da ſprach zu ihr Wolfbietrih: „Ich hab ihn nie gefehn, Auch nie von ihm vernommen, das muß ich euch geſtehn.“ Da fprach in geoßem Zorne zu ihm der Heine Mann: „Der Rebe willen ift es um guer Leben gethan.“ „es haft du mich zu zeihen?“ ſprach Wolfbieterich, „Ih kam zu beinem Brunnen, das weift bu fiherlich; Du indeſt mich zu Hauſe und gabſt mir Brot und Wein: Welcher Schuld nun weiſt du mich armen Waller zu zeihn?“ Sie ſprach: „Dur folk ihn ſchonen, es ift ein armer Mann.“ „Nein, Herr Wirth,” verſetzt' er, „kehre dich nicht daran. Ich war in meinem Lande,“ ſprach ber kühne Held, „Wohl ein wertber Ritter, umb babe Manchen gefällt." Ein Kopf ſtand auf dem Tiſche, der war von Golbe ganz; Wolfdieterich der treue fah manchmal nach dem Glanz. Er bob den Kopf vom Tiſche; er war erzürmt genug, Als er dem Wirth des Landes: ums Haupt bei Becher fehlug. Der Zwerg begamı zu fehreien, weit ſcholl es in den Tann: „Das Mag ich Gott dem guten, daß ich Dich zu Gaft gewann! Es muß mich immer veuen, auf die Treue wen: Ein beſcwerlicher Pilgrim magſt vu in Wahrheit um.

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696 Das Gezwerg ließ feinen Harniſch alsbald. zur Stelle tragen: Wolfdietrich warb beftanben,. pas will ich euch fagen, Bon zweien wilden Riefen in des Zwerges Bann. Da fand in Ungnaben ber tugendreiche Mann. ">. Wohl mufte müuhſam flreiten ber Helb um fein Leben: Das Schwert aus den Händen geichlagen marb bem Degen. : - Da fland der Held von Griechenland wehrlos in großer Noth. Kam Sie ihm nicht zu Hälfe, To war es jest fein Tod. Die Herrin legt’ ihm wieder das Schwert in feine Sand, Und half fo aus den Nöthben dem führen Weigand. Sie bot ihm willig Dienfie, das fland der Frau wohl an. - Er dankt? es ihr gutlich, ber. tugenbreiie Man, £ Da ftritt fo heldenmäßig ber Degen auserfannt: Biel der eveln Zwerge bezwang ba feine Hand. Der Streit währt’ in der Belle bis an ben dritten Tag, Da der Wirth und fein Gefinde vor ihm erfchlagen lag. Da warb erfi von ber Keiferin Wolfbieterich erfannt: Sie fiel ihm zu Füßen, die eble Frau, zubanb, . Er 505 fie auf und küfte fie Kebbeh au ven Mut ic Da weinte fie vor Freuden wm ven unnergeften Kun

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697 Da nahm er feine Herrin, an ber fein Zabel lag, - Und wollte duch den Brummen fie führen an den Tag Da kam ein Gezwerge, das war licht und ſchön, Aus dem Berg gelaufen und hieß ihn flille ſtehn. Wolfbietrich ſprach erfhruden: „Mo will bas wieder Hin? - Will mi armen Waller noch Ein Heer überziehn ?“ Der Zwerg fiel ihm zu Füßen und küſt' ihm bie Hanb: „Siehft du, Wolfdietrich, dieß wonnigliche Land? „Das war mein eigen und war mir untertban, Bis mir es Bilung mit Untren- abgewann. Willſt du nun Zierbe ſchanen, die laß ich dich fehn: Reichthum und Ehren magft du wohl mir zugeſtehn.“ Er nahm ihn an die Seite und hieß ihn mit ſich gehn: In einem Wurzgärtlein: eine Linde fah er ſtehn. Sie ſaßen zu einander nieder auf das Land; Das Gezwerg hatt ein Meines Schlilßelein in feiner Hand. . Auf ſchloß er ihm die Linde, das wißet ficherlich: Da giengen aus ber Linde zwölf Maibe wonniglich Ze zwo bei einander Hand gefügt in Hand; An ihrem Leibe trugen fie manch herrüh &rmamn. f

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698 Die fllbernen Kleider waren reich genug; Ein gülden Banb jedwede auf bem Haupte trug. Da ſprach das Gezwerge: „Tugendreicher Held, Ich will dich ſchauen laßen alles was mein Baum enthält,“ Er nahm ihn am bie Seite und bat ihm einzugehn: Da ſah er in der Linde eine Geber ſtehn. Die Ceder in der Linde trug allgolbuen Schein; Daraus ſchenkte manı den Herren beides Moraß und Wein, Der Hausherr ſprach: „Ich will dir eine Gabe geben, Die ſollſt du mie danken fo lang bir währt das Leben, Ich lüge dir nimmer, das fol du glauben mir.” „Du bift getven, bas weiß ich, und gern vertram ich Div. „Des folk du Dank empfaben, das will ich dir ſagen.“ Da hieß das Gezwerge eine Büchſe vor ſich tragen, Und ſchenkte den Herren die Büchſe zuhand. Er ſprach: „Ich will bir melben, wie es ift um fie bewanbt. „Dreimal in bem Jahre, Degen Iobefam, Nimmft du aus der Büchſe gewappnet funfig Mann, Unb welcherlei Kleider fie gerne woßen tagen. No will ich Dir ferner won derjelben Bühr \ayra“

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699 „Wenn dich wertreiben wollen die Herrn in beinem Lehn, In der Büchſe findeft bir fünfhundert Ritter ſtehn. Nun warte bier ein Weilchen.“ Da gieng es hindann Und verfperrt’ ih in ber Linde mit der Frauen wohlgethau. Da rief es hinwieber: „Lieber Here mein, Wie willft du bich erledigen? Du muſt gefangen fein,” „Wes möchte du mich zeihen ?“ ſprach Wolfdieterich. „Ich kam zu deiner Linde, das weiſt du ſicherlich, „Im Vertraun auf deine Güte; was rächteſt du an mir? Du biſt getreu, das weiß ich, und vertrauen will ich dir.“ „Wes wollt ich dich zeihen?“ ſprach das Gezwerg: „Du biſt mir zu Frommen gekommen ber in ben Berg. „Meines Baters ganzes Erbe, bie Burg und das Land, Damit will ich dir dienen, Degen auserkannt.“ Da bracht es in ben Händen ein Heines Hörnelein Und ſprach: „Dir Getreuer, das foll beine Gabe fein, „Kamſt du fern ins zehnte Laud, und bränte bir Gefahr, So brauchft du nur zu blafen, das fag ih bir fürwahr. Denn fo ift es bewendet um dieſes Höcnelein, 3 komme bir zu Hilfe mit breihundert Manuen wen.)

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200 Da ſprach zu ihm Wolfpietrih: „Kannft bu mir micht jagen, Bon Wem haft du die Koſtbarkeit? Das. möcht ich gerne fragen.” Da ſprach das Gezwerge: „Das thu ich dir kund, Ich will dich bes beicheiben allhie zu biefer Stuud. „Mein Bater hie Thernück, und war ein Gezwerg; * Ihm dienten der Genoßen zwölfhundert hier im Berg. Bon Gott hatt er drei Wünfche, tugendreicher Degen, Die wuft er nicht beßer denn alfo anzulegen: „Einen au bie Linde, bem anbern au bas Horn, Den dritten an bie Büchſe. Nun heb ich an von vorn: Meines Baters ganzes Erbe, bie Burg nud das Laub, Die biet ich bir. zu eigen, ebler Degen auserlannt,” Der Zwerg nahm den Fürften bei feiner Parken Hand Und führt’ ihn aus dem Berge: da war es wohl bewanbt. Auf eine breite Straße kam ber kühne Mann: Da wandt er. fi) gen’ Garten mit ber. Grauen wohlgethan. Noch war nicht weit gegangen im Wald MWolfbieterich, Da Hört’ er eine Stimme, bie Hagte jämmerlih: Da lief er die Kaiferin bei einer Sterumand, Unb eilte nach der Stimme, bis rc an wine Arklee iin: -

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701 Die war in Kindesnöthen, ihr Leib war groß und ſchwer. „Was ift end, liebe Krane?“ fprach ver Degen hehr, „Kann ich eur Leid nicht wenden? Das nacht mir doch kund.“ „Herr, ich thu e8 gerne,” ſprach fie mit bleihem Mund. „Mir ift weh zu einem Kinde: drum geht hinweg beizeit, Daß nicht Mannesaugen ſchaun Frauenheimlichkeit.“ „Warum, liebe Fraue, ſchämſt du dich vor mir? Berbinde mir die Augen und laß mich weilen bei dir.“ Da gieng zu einem Banme das Fräulein anf ein Gras, Wo fie eines ſchönen Sohnes nad kurzer Frift genas. Sie ſprach zu dem Helden: „Kühner Degen behr, Bei unfrer Tieben Frauen, bringt mir Doch Waßer hieher.“ Da eilt’ er bin gefchwinde wo er ein Brünnlein fand, Und trug ihr im Helme Waßer bin zuhand. Da war au ber raue eine jämmerliche Noth: Als er das Wafer brachte, da war fie leiber tobt. Da taufte das Kinbfein der treue Wolfdietrich, ‚Und grub ein Grab der Frauen, das glaubet ſicherlich. Als er das Grab gegraben mit dem Schwerte fein, Da war geftorben leider das Heine Kinoelein.

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702 Da legt’ er zu einander in Ein Grab alle zwei, Und bat Gott in feinem Herzen, daß er ihnen guäbig ſei. Er ſprach: „Herr Gott vom Himmel, bei ben fünf Wunben bein, Laß dir dieſer Frauen und meines Pathen Seel empfohlen fein.“

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703 Dierzehntes Abentener. Wie Wolfvietrich fein Reich wieder gewann. Da wandte’ er zu ber Frauen ſich nach ber Yelswand bin, Und kehrte beim nach Garten mit ber ebeln Kaiferin. Da ericholl die Märe weithin durch das Land, Wolfdietrich ſei gekommen, der Degen auserfannt. Die Armen und die Reihen alsbalb erhuben ſich: Sie hätten gern vertrieben den getrenen Woltddietrich. Wolfdietrich warb beſtanden von feinem eiguen Bann. Da bat er Gott den guten, daß er ihn hülfe binbann. Bei der Dülmende fammelte fi das Heer: Da hatt er zur Hülfe nur feine eigne Wehr. Ihm wurde vorenthalten Burg und auch Mark; Ibre Untreue war groß zumal und Kart.

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ü 704 Bei demſelben Waßer hub fih ein großer Streit, Zwiſchen Bern und Garten auf der Haibe breit, Sie griffen Wolfvietrih mit Ungeſtüm an: Da nabhın er ans der Büchſe wohlgewappnet funfzig Mann. Aus großem Ungemache half Gott dem Helden ba. Nun böres, wel ein Zeichen an bem Herrn geſchah: Er bezwang fie alle mit großer Ueberkraft Und führte fie gen Garten mit gewaltger Ritterſchaft. Da bielt ex in dem Lande ein ſchönes Hofgelag; Nie ſah man wohl ein größeres, vor noch hernach: Fünfhundert Schwertbegen gab er Roſs und Gewand, Da ward ob allen Reichen fein hohes Lob bekannt. Da blieb bei ver Frauen völliglich ein Jahr Der vielgetreue Degen, das ſag ich euch fürwahr, Bis er erfochten hatte die Burgen und bas Land, Und Alles dienen muſte feiner gewaltgen Hand. Dod rang mit Ungemache der Degen manchen Tag; Keiner Kurzweile er mit der Frauen pflag. u Das trieb alſo lange der tugenbreihe Mann, J Bis eines Nachts, da lag er hei der Traun mohnähhn,

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705 - Sie ſprach: „Kühner Degen, fag an, was bir gebricht; MWeift du an mir Tadel, fo beble mir es nicht. « Ich will dirs gerne befern, madft du mirs bekannt.“ Er ſprach: „Ich will dirs ſagen, Frau, was mir fehlt zuhand.“ Er ſprach: „Edle Königin, wohl hab ih“ Grund zu Hagen: Ich muß großen Kummer in meinem Herzen tragen. Ich ſeh denn meine eilf Getreun,” ſprach der König hehr, „Ss ſieht man mich in Garten lebendig nimmermehr. „Dan führte mich gen Griechenland und taufte mich aufs Neu, Da nannte man mich Dieterih; Wolf hieß ich auch dabei. Die mir nerließ mein Bater, Burg und Land zumal, . Die gereun mich nicht fo bitter als ber eilf Getreuen Zahl.“ Sie ſprach: „Die eilf Getreuen, die laß nur unterwegen: Ich will dir eilf taufenb für jeden Einen geben, Daß dur die Reiſe läßeft, tugenbreiher Mann: Du ſollſt bei mir verbleiben, edler Degen lobefan.” „ „Und gehörten alle Lande und alle Reiche bir, Das nähm ich nicht für Einen,” ſprach der Fürſt zu ihr. Meine eilf getreuen Diener will ich juchen gehn: Ib bab in breißig Jahren ihrer Keinen geichn." Simrod, das Eleine Heldenbuch.

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. 106 „Wem vwillft du nich denn laßen?“ ſprach die raue Mar; „Ich empfleng von beiner Minne, das glaube mir fürwahr. Und fol das Kind verderben, fo fei e8 Gott gellagt; Drum bleibe bier im Lande, edler König unverzagt.” „Nun thu es mir zu Liebe,” fprach er tugenblich: „Wird es ein Knäblein, fo heiß es Hugdietrich; Wird es ein Mägdlein, fo heiß es Amelgart, Morgen, mit deinen Hulben, will ih auf meine Fahrt. - „Hiemit gieb mir Urlaub, edle Königin. Gott pflege deiner Ehren, dieweil ich ferne bin. Ich will gen Eonftenopel, Herrin wohlgethan, Und will endlich fishen meine treuen eilf Mann.“ Des Morgens früh befanbte ſich ber Kühne Mann: Mit drei taufend Mannen ſchifft' er hindann Auf zwei Schönen Kielen zu ben Griechen liber See. Liebgart der edeln Kaiferin that fein Scheiven weh. Mit zwei großen Kielen fuhr er Über Meer: Da fchlugen fie die Winde fünf Tage hin und ber. Ein Kiel brach, ihm ertranten darin fünfhundert Mann. Da bat er Gott ben guten, dar er Yyn like kutum,

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107 Aus großem Ungemade half Gott dem Fürften ba. Nun hört, wel eim Zeichen am bem Herrn geichab: Ihm fandte Gott zwei Kiele, ſo haben wir vernommen: Die kamen ihm zum Troſte auf der wilden Flut geſchwommen. \ Bon der Griehen Lande kamen fie baber: Da fanden fie am Strande des kühnen Helden Heer. Ihre Sorge nahm ein Enbe, das wißet ſicherlich: Da beftieg der Kiele Einen ver getrene Wolfpieterich. In großen Freuden fuhr er mit feinem Ingeſind, Da wehten fie die Winde zwölf Tage lang gelind, Bis file in Griehenlanden kamen an ein Geftab. Ihre Sorge nahm ein Ende, fie hatten fröhlichen Tag. Bon den Kielen giengen bie Heiben alſobalb. Da Tag vor Eonftenopel ein mächtiger Wald, Darin fie fih verbargen. Als das geſchehen war, Nun mögt ihr gerne hören, wie ber Helb fprach zu ber Schar: „Ich will euch, werthen Herren, rathen was ihr thut. Folget meiner Lehre, das wird euch allen gut. Ich will ganz alleine gen Conftenopel gehn Unb fuojen meine trenen eilf Diener auspigähn.

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708 „Nun merlet,” fprach zu ihnen ber König hochgeborn, „Wenn ihr erichallen höret dieſes Keine Horn, So ſäumt euch nicht lange, ihr Helden auserſehn, Dem ficher dürft ihr glauben, daß mich bie Feinde beſtehn. „Nun bewahr euch Gott die Ehre, ihr Herren allefamt!” Da legt’ er übern Hamifh Pilgrimsgewand, Und gieng auf die Stadt zu; traurig war fein Muth: Um feine Diener klagte der kühne Degen gut. Er fam am fpäten Abend an den Burggraben Und barg ſich bei ver Mauer, das will ich euch fagen. Da lag er unlange, bis er über fi vernahm Gar bitterlich weinen feine trexen eilf Mann. Deren waren nur zehne, ber eilfte ber war tobt. Sie Hagten einhellig ihre große Noth. Sie ſprachen: „Süße Königin, Mutter und reine Maid, Daß du dich nicht erbarmeft über unfer großes Leib!” Da begann ber ältefte, gebeißen Herbrand: „Run wohl auf, ihr kühnen Helden allefamt, Bittet Gott ben guten all andächtiglich, Sich gnädig zu erbarmen des gerreuen Welliieteih\

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' 709 ° „Es wird morgen an bem Tage wohl zei und breißig Jahr, Daß wir unfern Herren nicht jahen, bas ift wahr, Und daß uns von dem Fürflen Niemand hat gefagt: Reine Magd, Maria, das Leid jei bir gelingt.“ Da begann Wolfdietrich in dem Burggraben: „Ihr Zirfler auf der Mauer, ich hör end bitter Hagen. Was gäbt ihr dem zum Lohne, ihr Helden wonniglidh, Der ench gefund ihn zeigte, den getreuen Wolfbieterich ?* Sie fprachen: „Was mir hätten, das wollten wir euch geben.” „Woher feid ihr gekommen?“ ſprach Herbrand der Degen, „Daß ihr ihn feunt, den Herren? Wo habt ihr ihn gefehn? UN jagt e8 uns: und müß euch immer Lieb und Heil geſchehn!“ „Ich will euch gerne fagen,” fprach Wolfdieterich, Zu Troje in bem Lande, da ift er ficherlich. Er ift der Herr bes Landes, das ift ihm untertban; Er hat wohl Land und Leute, der Degen lobefam.” Sie Sprachen einhellig: „Wir haben nichts zu geben; Mit Weinen und mit Klagen verbringen wir bas Leben. Wir armen Leute leiden alſo große Noth, Bollte Bott vom Himmel, wir wiren Vieher init.

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N 710 „Bon unferm Herzensfamner wäre viel zu jagen: Wir find an Eine Kette je zwei und zmei gefchlagen, Wir armen Leute leiden fo großes Ungemach, Es geihah wohl Chriftenleuten nie fo leib bis biefen Tag. „Man giebt je zwei und zweien täglich ein halbes Brot Und einen Trunt Waßers: fo müßen wir die Noth Desjelben Tages ftillen, das glaubet ſicherlich.“ Da fprach im feinen Züchten der getreue Wolfbieterich: „Ihr Zirkler auf der Mauer, ein armer Pilger fpricht Euch nm ein Viertel Brotes an: das verfagt mir nicht Um eurer Seelen willen, bie ihr Gott ſchuldig feid. Mit allzugroßem Iammer ift mir befangen der Leib.“ Da ſprach der alte Herbrand, der fühne Held erſehn: „Und würde mir verheißen, mir follten auferftehn Bater und die Mutter, die mich bat geboren, Eh ich gäb ein Viertel Brots, ich ließe beide fein verloren, „Doch wie e8 darum ſtehe, fo kann uns eins bewegen, Um Einer Seele willen wollen wirs euch geben: Das ift unfer lieber Herr, der treue Wolſdietrich.“ Bon ber Mauer warf man ihm das Brot to Art,

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711 Er mocht es nicht empfahen, das will ich euch ſagen, Wie ein Todter fiel er im den Burggraben. Ihn erbarmt' ihr Weinen, das fie thaten, alfojehr: Da lag in Unkräften dieſer kühne Degen hehr. Sie Hagten all aufs Neue ihre große Noth: „Nun ift ung ber Waller in bem Graben tobt, Der ung von dem Herren noch Märe bat gefagt: Neine Magd und Mutter, dieß Leib fei bir geklagt.” Da ſprach Wolfbietrich wieder in dem Burggraben: „Ihr Zirkler auf der Dauer, ihr follt euch wohlgehaben, Freut eu im Gemüthe, ihr Helden wonniglich: Euch kommt in kurzen Stunden der getrene Wolfbieterich 1" „Wollte Gott, baß er noch Iebte und wäre gefund! Wir wollten gerne bauen der tiefen Hölle Grund, Er lebt leider nimmer, er ift ung lange tobt! Wir armen Leute leiden bier darum fo große Noth.“ Da ſprach MWolfbietrich wieder in dem Burggraben: „She Zirkler auf der Mauer, ihr follt euch wohlgehaben. Freut euch im Gemüthe, ihr Helden wonniglich: Ih bin von Örieddenlanden euer Her Watte.

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712 Da ſtreckten fie die Hinde empor zur felben Friſt; Sie ſprachen: „Sei gepriefen, Herr Bater Jeſu Chriſt! Daß wir unfern Herren noch einmal follen fehn, Daran ift Herzensfreude uns armen Leuten gefchehn.“ Sie hatten große Sorge, wie fie nur follten kommen Zu ihrem lieben Herren, den fie fo nah vernommen. „Es ſteht in Gottes Gnaden, follen wir uns fehr: Ohne Seine heilge Hülfe kann es nimmer gejchehn.” ‚Sie firedten all die Hände empor zur felben Frift: „Gedenke deiner Wunden am Kreuz, Herr Jeſu Chriſt. Bei deinem beilgen Blute, das aus fünf Wunden fprang, Geruh dich zu erbarmen; unfre Noth währt allzulang.“ Ihres großen Ungemaches erbarmte Gott ſich ba. Nun böret, meld ein Zeichen an ben Herrn geichah: Gott felber erlöfte fie aus der Ketten Haft: Sie ftanden bei einander ledig, in voller Kraft. Da küſsten ſich in Freuden die Degen kühn im Streit; In aller Kühnheit fühlte ſich ihr Herz bereit. Da ließen fih die Herren, ihre Eorge war begraben, Ueber bie Mauer nieber in den tiefen Buragroken.

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713 Da fanden fie den Herren ba unten ftehn allein. Da ſprachen zu dem Theuern die Helden insgemein: „Run laß uns an der Eeele Gott übler nie gefchehn , Als da wir unfern Herren nun mit Augen dürfen ſehn!“ - Nicht konnt er fie empfangen, er fiel in ven Graben Recht wie ein Todter, das will ich euch fagen. So thaten fie hinwieber: vor Freuden das geſchah. Nun mögt ihr gerne hören, wie er fprach, ber treue, ba: € Die getreuen Diener küſt' er alle zehn, „Bo ift mein Meifter Berhtung? Den feb ich bier nicht ſtehn.“ Sie ſprachen einhellig: „Lieber Herre mein, Er ift tobt feit zehen Jahren: laßt euer Weinen fein.“ Da ſprach Wolfbietrih: „Sagt mir, wohin begrubt ihr ihn?* Da nahmen fie ihn bei ber Hand und wielen ihn dahin, Bor St. Jürgen Münfter, wo er lag begraben. Bon feinem bittern Weinen wär euch gar viel zu fagen. So fehr begann zu Hagen ber fühne Weigand, Er ſprach: „Bernimm mein Weinen, Herr, über alles Land! Haft du je ein Wunder getban in biefer Welt, Das laß mich heut genieken, Herr, wenn 28 ir ati.

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‘ 714 „Heiß mir den Tobten reben,” ſprach ber kühne Mann, „Dafür verbleib ich immer bein getreuer Dienftmann. Bei deinem edeln Blute fleh ich dich, Jeſu Ehrift, Das dir aus fünf Wunden am Kreuz geſprungen iſt. „Heiß mit mir ben Tobten aus bem Grabe reden, Bei deines Grabes Ehre!” ſprach Wolfbieterich der Degen. "Da erbarmte Gott den guten fein Weinen und fein Klagen: Er hieß da ben Tobten mit ihm reden aus dem Grabe [4 Ganz in ber Gebehrbe, als lebt’ er noch zur Stund. Da geſchah ein großes Zeichen; feine Seele war gefunb. Das erſte Wort, das Berchtung aus dem Grabe ſprach: „Willkommen, lieber Herre, du meiner Freuden Dach. „Gedenke, hehrer König, der treuen Dienfte mein; Und meine lieben Söhne laß dir empfohlen fein. Dazu fag ih dir Märe, bu tugenbreidher Held, Wie es um meine Seele fteht in jener Welt: „Die bat da Gnad empfangen, das glanbe ficherlich; Berfieh du jo die beine, getreuer Wolſdietrich! Nun red ich nicht weiter, tugenbreicher Degen: Gott möge beines LXeibes und deiner Seele pflegen.” ‘

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Als des Todten Sprache fo ein Ende nahm, Da muften fie MWolfdietrih tragen für tobt hindaun, Da der Held in Unkraft vor der Pforte Tag, Bis über ihm zu foheinen begann ber lichte Tag. Da eriholl die Märe weithin über Land, Gelommen fei Wolfdietrid, der kühne Weigand; Die Zirkler auf ver Mauer wären entronnen gar. In der Stabt verjammelte fih eine mächtige Schar. Su kurzer Zeit gewannen fie wohl dreitaufend Mann: Die zogen zu der Pforte mit Webermuth heran. Sie verlegten ihm bie Steige überall im Land; Sie kamen bingezogen wo man ben Fürften fand. Als der Herzog Herbrand fie von ferne ſah, Nun mögt ihr gerne hören, wie fprach ber treue ba: „Wohlauf nun, lieber Herre, bie Heiden find gelommen! Wir mögen bir nicht beifen: bie Wehr ift uns benommen.“ Sie wähnten fi) des Todes und griffen an den Grund: Dem Herren zum Opfer nahmen fie Erde in ben Mund. Sie baten Gott den guten all andächtiglich, Daß er fich follt erbarmen des getreuen Wolfdieterich.

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116 \ Als nun Wolfdietrih die große Noth erſah, Nun follt ihr gerne hören wie jprach ber treue ba: Die Wehrlofen hieß er an feinem, Rücken ſtehn, Und tröftete fie gütlich, die Degen auserſehn. Da ſchlug er durch die Heiten viel Pfade weit und breit, Und trennte lichte Ringe und feſtes Geſchmeid. Mit blutigen Werfen zahlt’ er fein Löſegeld, Und düngte mit den Tobten die Haid und auch das Feld, Er ſtxitt aljo mächtig ben fommerlangen Tag, Mancher ſtolze Heide“ vor ihm am Boden lag. Er focht alfo kräftig, der kühne Degen gut, Man fah von feinem Schwerte fließen das rothe Blut. Da ſprach Herzog Herbrand: „Wie foll e8 uns ergehn? Unfern lieben Herren fehn wir in Nöthen flehn. Wie follen wir gebahren, daß wir zu Hülf ihm fommen? Wie wir wehrlos waren, wir. mögen Waffen bekommen.“ Da zogen fie ben Tobten ben Harnifch ab zur Stund Und entkleibeten der Ringe, die da lagen wund. Wie bald fi dba wappneten die Helden kühn im Streit! Sie nahmen ſich zu firmen Die garen Eiitte vet, ı

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\ | 7117 Sie firitten bis zur Besper; als der Tag ein Ende nahm, Da traten fie zufammen auf der Walftatt Plan. Sie wähnten überwunten hätten fie Die Notb, Da wurden fie beflanden erſt noch auf den bittern Tod. Wolfſdietrichs Brüder beide ritten flolz einher Mit dreitauſend Heiden geharnifcht voll und jchwer. Ihre Schilde leuchteten, ihre Helme wonniglich. Da fprad in feinen Züchten ber getreue Wolfdieterich : „Ihr Herren, wehrt euch wader, das thut euch große Nah, So ihr nicht wollt erſchauen den bitterligen Tod.“ Sein Schwert zu beiden Händen nehm da fein treuer Bann: So giengen fie im Streite immer ritterlich voran. Da trafen fie zufammen mit großer SHeftigkeit; Bis früh am andern Morgen bauerte der Streit. | Als das erſah Wolfdietrich, daß der Streit fein Ende nahm, Das Horn zu Munde ſetzte und blies der kühne Mann, Zweitauſend und achthundert bradt ihm das Gezwerg, Dem er gemonnen hatte den wonniglichen Berg. Als da Wolfdietrich das Gezwerg erjah, Er empfieng e8 freudig; al fein Leid nergieng um a,

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718 Da fieng feine Brüder Wolſdietrich beibefamt: Sie ergaben ihm in Griechenland die Burg auch und das Land. Sie zogen gen ber Pforte: die ward ihm aufgetban; Da wurbe ſchön empfangen der tugenbreide Mann. Laut rief da Hache, der Degen lobeſam: Er ſprach: „Die Bürger haben uns viel zu Leib gethan. Die Stabt muß verbrennen,” fprach ber fühne Mann, „Sch geb ihnen meine Treue, um ihr Leben iſts gethan.“ „Richt alfo, mein Geſelle,“ ſprach Wolfdieterich: „Du folft ihrer ſchonen, das fteht dir tugendlich. Der Zwölfboten fieben liegen bier begraben: \ Des laß fie, Freund, genießen: fie follen Gnabe haben, „Wer ſich will taufen Iaßen, ber thu es bei Zeit, So mag er fih bewahren bie Seele wie den Leib. Sn Wer jeboch dem Teufel will zur Seite ſtehn, Ich geb ihm meine Treue, es muß ihm an fein Leben gehn.” Diefe Mären ſchollen weithin in das Land, Mancher ſtolze Heide kam herzugerannt. Aoötzigtaufendb wurden getauft in vierzehn Tagen, » „Bolfbietrich Tieß den Brüdern das Land zu Legen kun,

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719 Er war ihnen milde, ber Degen lobefam; Er nahm von ihnen Urlaub mit all feinem Bann, Da wandte fi gen Garten der wunberlühne Mann, Und warb da ſchön empfangen von feiner Frauen wohlgethan. Da waren enterbet feine treuen zehn Mann Ihres väterlichen Erbes, wie ich bermelben fann. Er half ihnen wieder im ihr eigen Land Daß ba gewaltig berichten die Degen auserlannt. 8d

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720 Da lohnte feinen Helden der Kaifer mildiglich. Hartmann und Hermann gab er den WWefterich: Sie waren Landesherren "und lebten ohne Noth, Und hielten es in Ehren bis an ihren Tod. Er lohnte Berchtungs Söhne mit Gaben allefamt. Die Burg zu Garten geb er tem fühnen Herbrand, Dieweil fie war gelegen bei feines Schwähers Land; Der kühne Degen pflegte der num mit kluger Hand. Alfo lebte Herbrand mit der Frauen mandyes Jahr; Er gewann mit ihr drei Söhne, das wißet offenbar. Den erften von den breien bieß er Hildebrand; Er half hernach dem Berner erftreiten manches Land. Der andre hieß Nere uud war ein kühner Dann, Der dritt ein hehrer Degen, geheißen Ilſan; Dazwiihen eine Tochter, jo haben wir vernommen: Bon beren Geſchlechte find tie Wöltnge gAnınmen.

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721 Hachen warb am Rheine in weites Land verliehn; Er gab ihm zum Weibe eine edle Herzogin. Zu Breifah auf ber Befte hielt er fie fo zart, Bis fie einen Sohn gewann, den getrenen Edhart. Seinem Bruder Berchter gab er das Land zu Meran: Er Iohnte wohl mit Ehren, was fie ihm Dienft getban, Seinen Dienfleuten, Kärnthen das Land Gab er dem Sohne Berchtungs, der Berchtung war genannt. Berchtwin dem ſtarken und dem jungen Alebrand Erwies er feine Treue: Sachſen und Brabant Gab er den zwein; fie hatten viel gelitten und gewagt: Ihnen allen Iohnte milde der eble Held unverzagt. - Noch blieben ihrer viere, die wurben heimgefanbt Bon dem eben Kaifer in der Griechen Land, Da waren fie gewaltig bis an ihren Tod; Er lohnt’ ihnen dreifah nach ihrer großen Noth. Da gebar ihm die Kaiferin einen Sohn und eine Magd, Die hieß man nach der Mutter Sidrat, if uns gefagt. Das andre war ein Knabe alfo wonnigli: Der warb nad feinem Bater geheißen Huriieieiih. Simrod, das Heine Heldenbuch.

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722 Sie zog tie Kinder zärtlih, fo hören wir fagen: Derweil hatt auch zu Garten bei Herbrand getragen Einen Sohn Amie: ber warb noch weit bekannt: Er war von Mugen Sinnen und geheißen Hildebrand. Sie gewann noch zwei der Söhne, fo warb uns fund gethan: Der eine hieß Nere, der andre Ilſan; Dazwiſchen eine Tochter geheißen Mergart: Die gebar die Wölfinge und den fühnen Wolfhart. Als Hugdieterich der junge kam ins zwölfte Jahr, Da flarb die reihe Kaiferin, Frau Sidrat, pas ift wahr. Da ſprach MWolfdietrich trauernd: „Ich will ins Klofter fahren. Wer weiß wie lang ich lebe? meine Seel will ich bewahren. „Sp ftart ward nie ein Degen, er flarb doch ficherlich.” Da befahl er Land und Leute feinem Sohn Hugdieterich, Und fuhr in ein Klofter, gebeißen Tuscal: 83 war St. Jörgen Orbens, dem fi der Kaifer befahl. Sein Schwert warb aufgegeben: da warb der Held entknappt Bor dem Comtur zu Tuscal unb auch vor dem Abt. Da lehrten fie den Orden ven ebeln Fürften behr: Daß er ihr Bruder worden, des freuten bene Wexr.

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723 Sie häuften auf den Neuling großer Ehren viel; Das verdroß Wolfdietrich, ikm behagte nicht das Spiel. Es muft ihm erbarmen in dem Orbensbaus: Den Reihen und ten Armen tbeilten fie ungleich aus. Er Sprach zu den Brübern: „IR das ein göttlich Reben? Soll man ten Geringen nicht vie Genüge geben Wie mir und den Beften? Daß wir das Himmelreich Mit Büßen bier erwerben, fo tbeilt den Brüdern gleich. „Sol ih hier die Seele freßen in meinen Schlund, Daß fie dann lieg und quäle ſich in der Hölle Grund?” Da ſchüttet', er die Speiſe zufammen allzumal, Und hieß die Mönche theilen gleich wie er befahl. „Gleiche Brüder, gleiche Kappen! das iſt brüderlich, So mögen wir vor Gott beſtehn,“ ſprach Wolfdieterich. Die nicht geborchen wollten, die ſtrickt' er zwei und zwei Zufammen mit den Bärten, daß fie da biengen nach ber Reib. Da lebt' er in dem Orben göttlich immerbar. Was er Gott zu Liebe mochte, das übt’ er Alles gar Mit Faſten und mit Beten; doch beucht es ihn gering. Es gieng ihm nad im Herzen, daß jein Bühen niit werten.

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724 „Ad lieber Gott vom Himmel, was bab ich dir gethan ‘A Daß ich keine Gnade um bich verdienen Tann! Wüſt ich eine Buße, daß ih in Einer Nacht Der Sünden ledig würde, die würde willig vollbracht.“ Als das bie Brüder hörten, fie ſprachen: „Willft du gern Zu Gottes Gnaden fommen mit Büßen vor dem Herrn, Wir ftellen eine Bahre dir in das Gotteshaus, Da Tiege bu und ſchlafe, wenn du magft vor Angft und Graus.“ Das that er gern und willig als der Tag ein Ende nahm. Da faß auf der Bahre der Degen lobefam. Da kamen Nachts die Geifter, bie er im Leben fchlng: Mit denen muft er flreiten: da hatt er Leides genug. Die alten Feinde kamen herbei in breiter Schar: Ein Jeder wollt es rächen, der ihm erlegen war. Er fam vor ihnen allen die Nacht in große Notb, Denn die da mit ihm fochten, die fchenten nicht mehr den Tod. So trieb e8 Wolfdietrih eine winterlange Nacht, Mit ungezählten Todten focht er in heißer Schlacht. Bor Milde wie vor Hige warb bem Helben weh, Das Saar auf dem Haupte word hm \o war wir er Sinner,

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Am Morgen, da die Mönche zur Mette wollten gehn, Da sahen sie im Münster wie dem Bruder war geschehn. Ihm war der Sinn geschwunden, er lag im Chor für todt; Da hatten Abt und Mönche vor Schrecken große Noth.

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Sie hoben ihn vom Boden: da war er noch warm; Ihn trugen nicht die Füße, der Abt bot ihm den Arm. Doch kam er bald zu Kräften, ein Trank hatt ihn erlabt: „Wir loben Gott im Himmel, wenn ihr gebüßet habt.“

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Da lebt’ er in dem Kloster hernach noch sechzehn Jahr, Und diente treu dem Herren, sagt uns das Buch fürwahr. Da trugen Engelhände zu Gott ihn sicherlich. Hier hat das Buch ein Ende und heißt Wolfdieterich.

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Wolfdietrich, in: Das kleine Heldenbuch, S. 566–724 (PDF-Seiten 586–742), 1859

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Wolfdietrich, Sagenarchiv Verlag Kawerau, hrsg. von Verlag Kawerau. https://sagenarchiv.de/archive/heldenepik-wolfdietrich/textzeugen/heldenepik-wolfdietrich-daskleinehelden00simrgoog-translation-de-1