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Geſchichte Preuſſens, von den aͤlteſten Zeiten bis zum Untergange der Herrſchaft des Deutſchen Ordens, von Johannes Voigt. Neunter Band. Die Zeit vom Tode des Hochmeiſters Ludwig von Erlichshauſen 1467 bis zum Untergange der Herrſchaft des Ordens unter dem Hoch⸗ meiſter Albrecht von Brandenburg 1525. — nn Koͤnigsberg, im Verlage der Gebrüder Bornträger. 1839.
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Vorrede. Es iſt ein ſchoͤner und erhebender Gedanke, das geſchichtliche Leben eines Volkes zu beſchreiben; — fü begann ich das Vorwort zum erſten Bande dieſes Wer⸗ kes. Vierzehn Jahre meines Lebens habe ich daran ge⸗ ſetzt, ihn fuͤr Preuſſen in dieſem Werke auszufuͤhren. Allerdings glaubte ich nach den. Vorbereitungen und Sammlungen, die der Ausarbeitung eine Reihe von Jay⸗ ren hindurch vorangegangen waren, keineswegs, daß es dieſes Zeitraums beduͤrfen werde, um das ganze Werk in der Ausführlichkeit, die mir zweckmäßig ſchien, ſeinem Ende entgegenzuführen. Ich hatte mir zwar die vielen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, klar vor Augen geſtellt; ich kannte die außerordentlichen Maſſen des ge⸗ ſchichtlichen Materials, die ich in der großen Zahl der Folianten, in der fo reichen Urfunden- Sammlung und in den vielen Tauſenden von aufbewahrten Sendſchreiben und Briefen des geheimen Ordens- Archivs zu bewältigen haben werde; ich hatte faſt ein Jahrzehend darauf ver wandt, die reiche Quellen-Sammlung zu ordnen und zum E
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vi Vorrede. wiſſenſchaftlichen Gebrauche vorzubereiten. Ich kannte ferner auch die vielfachen Hinderniſſe, welche durch die Benutzung, kritiſche Pruͤfung und Vergleichung der ge⸗ druckten Quellen mit jenem maſſenhaften Material ſich entgegenſtellen wuͤrden. Allein es traten dennoch bei den unendlichen Einzelnheiten, die zu pruͤfen, zu berichtigen und zu ordnen waren, bei dem außerordentlichen Reich⸗ thum des ſo verſchiedenartigen Stoffes, den ich zu be⸗ wöältigen hatte, bei dem faſt gaͤnzlichen Mangel an taug⸗ lichen und nutzbaren Vorarbeiten Anderer, oft Schwierig⸗ keiten und Hemmungen entgegen, die ich nicht geahnet hatte. So zog ſich die Beendigung des Werkes mehre Jahre Länger hinaus. Dennoch darf ich auch heute noch ſagen: ich habe, wie ich das Werk mit warmer Liebe begonnen, ſo fort und fort mit warmer Liebe an dem geſchichtlichen Bilde des Volkes feſt gehangen; ich habe mit freudiger Hingebung die ſchoͤnſten meiner Lebensjahre an ſeine Vorbereitung, an ſeine Bearbeitung und an ſeine Vollendung geſetzt. Ich darf es dabei offen geſtehen, daß auch der vielſeitige Beifall, den das Werk nahe und fern zu finden das Gluͤck gehabt, meinen Muth zur Bekämpfung der Schwierigkeiten und meine Freudigkeit in der Arbeit immer friſch und aufrecht hielt; und ſo lege ich heute die Feder für dieß Werk mit dem Bewußt⸗ ſeyn nieder, daß ich ihm alles, was mir in dem Zeitraum von vierzehn Jahren an Zeit und Kraft zu Gebot ge⸗ ſtanden, mit vollem Eifer für die Wiſſenſchaft, mit treu- ſter Anhoͤnglichkeit an König und Volk und mit freudiger Seele geopfert habe.
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Vorrede. VII Das Werk hat Lob, mitunter auch Tadel gefunden und findet ihn noch. Ich achte und ehre beides, das erſtere, wenn es wahrhaft gemeint, den andern, ſoweit er gerecht geweſen iſt. Fuͤr ungerecht halte ich den Tadel, daß in demſelben eine zu große Vorliebe für den Orden und eine Parteilichkeit gegen Polen, namentlich gegen deſſen König Jagal ſichtbar ſey. Ich gebe die Vorliebe für den Orden zu und ließ fie in dem Werke allerdings auch in einer Zeit hervortreten, in welcher der Orden in ſeinem Walten und Weſen die hoͤchſte Achtung und Be: wunderung verdiente; da konnte und durfte der Geſchicht⸗ ſchreiber nicht kalt und gleichgültig für ihn daſtehen. Man wird ſie ſchwerlich aber in Zeiten finden, in denen der Orden in ſeiner ſittlichen Entartung, in ſeiner ſelbſt⸗ verſchuldeten Kraftloſigkeit, in ſeiner innern Zerriſſenheit und Aufloͤſung erſcheint. Ueber Jagals Character und Streben reden die Zeugniffe ſeiner Zeit; ſie weiſen, wenn ſie beachtet werden, von ſelbſt den Tadel der Parteilich⸗ keit gegen ihn zuruck. Ich fühle mich zwar keineswegs berufen und geneigt, uͤber Lob und Tadel zu richten, welche dem Werke zu Theil geworden ſind; faſt aber moͤchte ich die Behauptung wagen: ich wuͤrde ſelbſt ſein beſter, d. h. ſein ſtrengſter Richter ſeyn, denn ich weiß vielleicht am beſten, was ich eines Theils in ihm Neues geliefert, worin ich Bahn gebrochen, wo ich Lücken ges füllt, Irrthümer berichtigt, Fabelei aus dem Gebiete der Geſchichte hinweggewieſen und thatfächliche Wahrheit ans Licht gefördert habe, aber andern Theils auch, welche Maͤngel und Gebrechen mancher Art das Werk noch in
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VIII Vorrede. ſich trägt. Ich kenne feine Licht =, ich kenne auch feine Schattenſeite. Auch feine Ausfuͤhrlichheit in neun Baͤnden hat billigende und tadelnde Stimmen gefunden. Die erſtern find aus dem Munde mehrer der erſten Geſchichtſchreiber unſerer Zeit, die letztern am haͤufigſten aus der Glaffe des leſenden Publicums gekommen. Stelle ich mich ſelbſt zwiſchen beide als Richter hin, ſo erlaube ich mir dar⸗ über Folgendes zu ſagen: Jedem Lande unſeres viel⸗ laͤnderigen Deutſchen Vaterlandes ſollte und wird noch einſt ein ſolches ausführliches Werk feiner Landes ⸗ und Volksgeſchichte gegeben werden. Es arbeiten dahin jetzt ſchon in allen Gauen und Landſchaften mit loͤblichem Eifer die zahlreichen geſchichtlichen Vereine, unter verſchiedenen Namen und Formen als eine ſo eigenthuͤmliche wie hoͤchſt erfreuliche Erſcheinung unſerer Zeit daſtehend und bruͤder⸗ lich ſich gegenfeitig die ſtammgenoͤſſiſche Hand bietend. Es muß und wird eine Zeit kommen, fuͤr dieß Land früher, für jenes ſpaͤter, in welcher es Maͤnner ſich zur Aufgabe ihres Lebens ſtellen werden, das Reichgeſam⸗ melte und Sorgſambewahrte zu ſichten, zu prüfen und die Reſultate ihres Sichtens und Pruͤfens in ausfuͤhr⸗ lichen Landes ⸗ und Volksgeſchichten zuſammenzufaſſen. Die Wiſſenſchaft bedarf ſolcher Werke in moͤglichſter Ausfuͤhrlichkeit. Fuͤr den Geſchichtsforſcher ſind ſie noth⸗ wendig; er wird und muß ſie leſen, ſtudiren und benutzen. Für andere, die f. g. Geſchichtsfreunde ſind es nicht Leſe⸗ buͤcher, die geleſen werden muͤſſen, ſondern in denen geleſen werden kann. Stehen erſt Werke ſolches Um⸗
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Vorrede. IX fanges an der Spitze der gefchichtlichen Literatur eines Landes da, dann duͤrfen Geſchichtsfreunde keineswegs um Schriftſteller beſorgt ſeyn, die ihnen auch geſchichtliche Leſebuͤcher mundgerecht bearbeitet entgegenbringen werden. Deutſchlands ſchriftſtelleriſche Feder iſt immer fruchtbar genug, um es auch an ſolchen Erzeugniſſen nicht man- geln zu laſſen. Ich werde ſelbſt nicht anſtehen, mich dieſen Schriftſtellern eine Zeitlang anzuſchließen, um den Geſchichtsfreunden ein ſolches Werk uͤber die Geſchichte Preuſſens in einigen mäßigen Bänden in die Hand zu liefern. Ich fuͤhle dazu Beruf und Pflicht, denn die Geſchichte eines Landes wird keineswegs nur dazu ver⸗ faßt, um Eigenthum der Kenntniß des Geſchichtsforſchers zu ſeyn, ſondern zugleich auch um als die Nachzeichnung eines Volkslebens der vergangenen Zeiten im Leben, d. h. im lebendigen Bewußtſeyn und in der Bildung eines Volkes fuͤr alle Zeiten fortzuleben. Sie muß demnach, um dieſes ewige Fortleben im Volke zu gewinnen, für jeden gebildeten Volksgenoſſen zugänglich ſeyn. Ich deutete in der Vorrede zum fünften Bande den Vorſatz an, im Vorworte zum letzten Bande dieſes Werkes uͤber alles, was ihm in ſeiner Entſtehung und ſeinem Fortgange foͤrderlich und guͤnſtig geweſen, wie auch uͤber das, was ſich ihm hinderlich und feindlich gegenuͤbergeſtellt, in einer kurzen Geſchichte feiner Schick⸗ ſale zu ſprechen und darin näher zu berichten, wie vielfach es ſich einer Seits der Beweiſe höherer Huld, Beguͤnſti⸗ gung und Unterſtuͤtzung zu ſeinem Fortſchreiten zu erfreuen gehabt und wie es anderer Seits auch mit Hemmungen und —
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x Vorrede. Hinderniſſen hat kämpfen muͤſſen, ehe es zur Vollendung hat kommen koͤnnen. Allein ich habe Gründe, den Ge⸗ danken, in dieſem Vorworte hieruͤber ins Einzelne ein⸗ zugehen, jetzt aufzugeben. Die Hinderniſſe, die ſich dem Werke entgegenſtellten, ſind gluͤcklich uͤberwunden und beſeitigt; gerne uͤbergebe ich ſie ſuͤr alle Zeit der Ver⸗ geſſenheit. Soll ich den Leſer des Werkes mit den Schmerzen belaͤſtigen, die ich getragen habe, bis ich mich gegen ſie durchgekaͤmpft hatte? Wohl aber rufe ich mir mit freudiger Seele die Beweiſe allerhoͤchſter Huld, die Ermunterungen des hohen Miniſteriums, die Verguͤnſtigungen und mich immer neu erheiternde Theilnahme des Oberpraͤſidiums von Preuſſen heute von neuem ins Gedaͤchtniß zuruͤck, denn fie haben mich aufgefriſcht, wenn ich zu ermüden begann; fie am meiſten haben das Gelingen des Werkes gefoͤrdert; ſie haben den Muth bis zum letzten Augenblicke lebendig und freu⸗ dig aufrecht erhalten. Um ſo mehr iſt heute und immer⸗ dar meine Seele voll des innigſten Dankgefuͤhls. Dem aber, der bis dieſen Tag Leben und Geſundheit verliehen, Gott allein die Ehre! Koͤnigsberg am 24ſten April 1839. Johannes Voigt.
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In halt. a — I. Heinrich Reuß von Plauen Statthalter des Hochmeiſters. 1 Kuga en Sb, e ee e ee 5 Landesunord nungen „ % 7 Neue Biſchofswahl in Ermland 1 „ „% 8 Verhaͤltniſſe des Statthalters zum Könige da von polen mut AM * Tilgung der Soldſchu lden. 12 Verhandlungen zu Marienburg zwiſchen dem Koͤnige ach dem Statthalter 5 5 15 Verhaͤltniſſe und Stellung des Hochmeisters Heinrich Reuß von Plauen zum Koͤnigge 19 Huldigung zu Petri kahn 24 Des Hochmeiſters Heinrich Reuß von Plauen odd . 27 Heinrich von Richtenberg des Hochmeiſters Statthalter. . 29 Dieterich von Cuba Biſchof von Samland. 30 Heinrichs von Richtenberg Hochmeiſter⸗Wahl und Befbigung 34 Sinangderwalung mt un. al „„ 37 Biſchoͤfliche Streithaͤndel im Ermland . - 2 2 2 2 0.39 Fehde mit den Soͤldneerrn. 41 Der Biſchof von Ermland Nicolaus v. Tuͤngen 45 Streit des Hochmeiſters mit Dieterich von Cuba Biſchof en Samland ET re, 52 Gefangenſchaft Dieterichs von Cuba Biſchof von Samland 68 Tod Dietrichs von Cuba Biſchof von Samland . 73 Spannung zwiſchen dem Hochmeiſter und dem Könige von CPP 78 Konrad von Lichtenhaiu nnn 80 Stellung des Hochmeiſters zum Könige von Polen. 83 Des Hochmeiſters Heinrich v. Richtenberg Todd. . 94 Seine Verdienſte „ „„ „„ „% „ e e * 95 Wahl des Hochmeiſters Martin Truchſes von Wegzhauſen . 100 Feindliche Stellung gegen Polen . 10 Der König von Polen im Banne . 103 Kriegsruͤſtung gegen den König von Polen . . 10 Krieg zwiſchen dem Orden „Ermland und dem Könige von V 109 Friedensſchluß mit dem Könige von Polen. . . 118 Huldigung des Hochmeiſterrs. 3 u AG Des Hochmeiſters Plan zu einer Reformation des Ordens 121
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XII Inhalt. Ordensſatzungſeen en a „ 123 Streitverhandlungen mit dem Könige von Polen. . 127 Streitverhandlungen mit dem Könige von Polen, Danzig u. a. 128 Streitverhandlungen mit dem Könige von Polen. 129 Streitverhandlungen mit einigen Soͤldnerhauptleuten . . 130 Streitverhandlungen mit dem Herzog von Sagan. . 131 Streitverhandlungen mit den weſtpreuſſiſchen Ständen . . 132 Streitverhandlungen mit Danzig u. a. ee 133 Streit wegen der Getreide = Ausfuhr aus dein T Tief . 134 Innere Ordens = und Landesverhaͤltniſſ . . 136 Der Erzbiſchof Stephan von Riga in Preuſſen .. . 139 Verhandlung mit dem Könige von Polen . . 143 Verhandlungen mit dem Fr Konrad dem 3 von Schleſien 5 ee 146 Wahl des neuen Erzbiſchofs ” Kiga a ser 147 Verhandlungen auf der Tagfahrt zu Thorn . 148 Verhandlungen wegen der , r e ARE Die heilige Dorothea. . ee „ „ 154 Neues Mißtrauen des Koͤniges von polen gegen ben Orden 156 Innere Landes- und Ordensverhaͤltniſſ.ſ e 157 Bemühen des Hochmeiſters um eine Reformation des Ordens 161 Tagfabrt zu Perl mn a . 1562 Tagfahrt zu Chriſtbug > . 5 5 * 165 Tod des Hochmeiſters Martin Truchſes — Wetzhauſen 166 Kapitel II Wahl des Hochmeiſters Johann von Tiefen . 169 Huldigungsreiſe des Hochmeiſ ters. 174 Verhandlungen mit dem Koͤnige von Polen 175 Bemuhungen des Hochmeiſters zur Reformation des Ordens 179 Finanzbedraͤngniſſe des Hochmeiſt ers... 186 Tod des Koͤniges Kaſimir von Polen . 190 Finanzbedraͤngniſſe des Hochmeiſt ers. 191 Streit mit dem Biſchofe von Ermland 193 Verſuch zur Ausgleichung mit dem Biſchof von Eruland . 214 Der Biſchof Johannes von Pomefanien » - » =: . 216 Der Bifchof Nicolaus von Samland e. 218 Verhandlung mit dem Biſchofe von Ermland. . . 220 Der Hochmeiſter auf dem Tuͤrkenzug e 222 Krankheit des Hochmeiſters Hans von Tiefen . . 229 Tod des Hochmeiſters Hans von Tiefes 232 Tugenden und Verdienſte des Hochmeiſters Hans von Tiefen 233
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Ju ba lt, XIII Seite Verhandlungen wegen der Hochmeiſterwahl des Herzogs Frie⸗ uch: nun ef co ne 238 Wahl des Herzogs Friederich von Sachſen zum Hochmeiſter 245 Des Hochmeiſters Friederich Ankunft in Preuſſen 248 Verhaͤltniſſe des Hochmeiſters zum Könige von Polen . 250 Des Hochmeiſters innere Landesverwaltung . 235 Verhaͤltniſſe zu Polens 261 Plan des Herzogs Georg von Sachſen für den Orden .. 262 Innere Landesverwaltung. 2865 Die Schlieben auf Gerdauenn. n Innere Landesverwaltung. VV Kriegs gefahren 5. 272 Streitſache des Biſchofs von Ermland 275 Neue Kriegsgefahre n ee 377 Bedraͤngniſſe des Hochmeiſters durch den Huldigungseid. . 279 Tod des Koͤniges Johann Albert von Pele 28 Verhaͤltniſſe des Biſthums Pomeſanien . . 285 Alexander König von Polen. 288 Kriegsbedraͤngniſſe Livlandd ee 290 Biſchof Hiob von Dobeneck in Pomeſanien . . . 293 Kriegsbedrängniſſe Livland 294 Stiftung eines Stipendiums zu Seins 298 Friedliche Verhaͤltniſſe zum Könige von Polen. . . 300 Ausgleichung mit dem Biſchofe von Ermland . . . 301 Landesverwaltung R „„ „„ 02 Tod des Biſchofs Nicolaus von Samland 2308 Verhandlungen mit dem Könige v. Polen wegen der Huldigung 309 Denkſchrift des Hochmeiſterr s. 17 Eingreifen des Roͤmiſchen Koͤniges in den Streit mit Polen 320 Das Biſthum Samland. 21 Innere Landesverwaltung. 323 Neue Verhandlungen wegen des Leheneides . . 325 Kriegsvorbereitungen „ 27 Eintheilung des Landes in Wehrdiſtricte - 329 Paͤpſtliches Breve an den HM. wegen der erzbiſchoͤftichen Coadjutur ꝛc. „ %% '— f! Bündniß mit dem Meiſter von Livland 333 Konig Sigismund von Polen 2.338 Reife des HM, nach Deutfchland - 2 2 2 0 2 22. 336 Verhandlungen in der Polniſchen Strritſac e.. . 320 Innere Landes- und Ordensverhaͤltniſſe . 343 Verhandlungen wegen des Tages zu Breslau . „ 350 r
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XIV Inhalt. Seite Umtriebe und Feindſchaft des Biſchofs von Ermland gegen ee u Bea nn 388 Vorſichtsmaaßregeln der Landesregenten . 356 Drohende Stellung Polens „357 Finanzverhaͤltniſſe des Ordens - 2 > = „360 Kriegeriſche Plane des Königes von Polen gegen den Orden 362 Günftigere Wendung der Angelegenheiten des Ordens. . 368 Kriegeriſche Plane des Koͤniges von Polen gegen den Orden 369 Reichstag zu Worm 8 Sr; „ 370 Beforgniffe des HM. durch ein päfkliches Breve 1 Fortwaͤhrende feindliche Stellung Polens.. 374 Der Verhandlungstag zu Poſe nn . . 380 Vorſichtsmaaßregeln des HM. nach dem Tage zu Pofen - 387 Verhandlungen wegen eines General-Kapitelss . „ 388 Verunglimpfung des Ordens. n.391 Kränkung des Ho hierüber 392 Krankbeir des HMM. 3 Tod des Hochmeiſters Herzog Friederich von ae 395 Nachruhm des Hochmeiſters Herzog Friederich von Sachſen . 396 Kapitel III. Wahl des Markgrafen Albrecht von ei i Hoch⸗ enn ee 0 8 Stellung des Hochmeiſters Albrecht en Könige von Polen 408 Sagen fir enn 419 Verhandlungen mit dem Könige von Polen. . 421 Der Hochmeiſter auf dem Reichstage zu Trier . 426 Reiſe des Hochmeiſters nach Preuſſen . . 429 Ankunft des Hochmeiſters zu Koͤnigs berg 436 Der Verhandlungstag zu Petri kau 438 Verhandlungen über die Beſchluͤſſe zu Petrifaun . . . 44 Verhandlungen mit dem Koͤnige von Polen „446 Eingreifen des Papſtes und des Kaiſers in die Streitſache 449 Verhaͤltniſſe des Hochmeiſters zu den Nachbarlanden . . 461 Huͤlfsbuͤndniß für den Orden . 463 Verſuche des Hochmeiſters zur Verbeſſerung der Finanzen „ 466 Steueranlage des Hochmeiſtetr z 467 Widerwille der Stände über das Buͤndniß mit dem Mosko⸗ iR 488 Kriegsruͤſtung in Preuſſe nn 469 Finanzverhaͤltniſſe des Hochmeiſ ters 471
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Inhalt. Steuerforderungen des Hochmeiſters „ E Tod des Deutſchmeiſterrrs m Der Verhandlungstag zu Prefburg : > 2 ae. ._ Verhandlungstag zu Wien Des Kaiſers Umwandlung. Bedraͤngte Lage des Hochmeiſt ers Kriegsvorbereitungen im Landeeeeeeeeeeeeeeeeeee Kriegsplan des Hochmeiſters gegen Polen Maaßregeln gegen das Raubweſen im Lande * 8 Verhandlungen mit dem Kaiſer in der Streitfache mit Polen Feindſelige Stellung des Koͤniges von Polen gegen den Orden Raubweſen im Lande E Streit mit dem Biſchofe von Ennfand ET ie Tagfahrt zu Marienburg. u Ai ee: Streit mit dem Domkapitel von Samland. Unterhandlungen mit dem Könige von Daͤnemark . Des Kaiſers Kriegsverboeo eee Ablaßkraͤmerei in Preuſſ nnn Reife des Hochmeiſters nach Berlin - 2 2 2 2 2.0. Verhandlungen mit dem Deutſchmeiſter » 1 Verhandlungen des Hochmeiſters mit dem Kurfürften « von ZBTONDENDITG . a. anime . te Neue Geſandtſchaften an den Kaifer und die Kurfürſten wre Des Hochmeiſters Ruͤckkehr nach Preuſſen Des Kaiſers Friedensvorſchluͤgg e. Verhandlungen mit den Staͤnden zu Koͤnigs berg.. Süirnier za Kenigsder g. u ee Schwanken zwiſchen Krieg und Frieden Hüͤlfsbündniß zwiſchen dem Hochmeiſter und dem Sroffrfe ( ee, % Verhandlung mit dem Könige von Polen — Tod des Biſchofs von Samlandkdkd Verhandlung auf dem Reichstaghnh e Theuerung im Lande „ . ee | Verhandlung mit Polen Befoͤrderung des Handels 2335 De Tod des Kaiſerrs. „ „ e e Drohender Ausbruch des Krieges c „ ee Huͤlfsgeſuche des Hochmekſter a. Drohender Ausbruch des Krieges. Huͤlfsgeſuche des Hochmeiſter sz.
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XVI Inhalt. Georg von Polenz wird Biſchof von Samland. Drohender Ausbruch des Krieges. Kriegsrüftungen des Hochmeiſterrrr e. Kriegsruͤſtungen des Koͤniges von Polen Sr r 5 hen teen Ausbruch des Krieges mit Polen. Kapitel IV. Ausbruch des Krieges mit Polen Belagerung Preuſſ Hollands 1 Wankendes Kriegsgluͤck zwiſchen den polen 5 dem Orden Ergebung des Biſchofs von Pomeſanien an den König . - Feindſeligkeiten der Danziger 1 Unguͤnſtige Stimmung der Staͤdte gegen un Orden Uebergabe Preuſſ. Hollands an die Polens Der Biſchof von Pomeſan ie Verwuͤſtungen in Pomeſan ie Vorruͤcken der Polen bis Heiligenbeil’ in. Ausbleiben der Kriegshuͤlfe aus Deutſchland . Fruchtloſe Friedensverhandlungen zu Thorn. Eroberung des Ordensgebietes durch die Polen bis Königsberg Aufforderung zur Uebergabe an Koͤnigs berg Friedensverhandlungen zu Thorn Neue Feindſeligkeiten „ Des Kaiſers Einmiſchunnnnn ng Neue Ermuthigung des Hochmeiſter gn. Fortgeſetzte Sriedensverbandlungen - gn Einfall ins Biſthum Ermland 1 Belagerung Heilsber ggg. Belagerung Braunsberggsssssſs nenne Deutſche Soldtr uppen Anzug deutſcher HuͤlfsvoͤlfTerʒruaͤa 0. Belagerung Danzigs . Em Vergebliche Friedensverhandlungen it in Königsberg. n Die Belagerung von Heilsberg aufgehoben Abzug der Deutſchen Hüͤlfsvoͤlfer . Mißgeſchick des Hochmeiſters nach Sg der „Bana dure err 8 Mißliche Lage des Hechweiſtere A. A . Bedraͤngniß des Hochmeiſters durch die Sölde ee, Kriegsereigniſſe Abſchluß eines en Waffenſtiaſtandes TE
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Ser XVII Friedensunterhandlung zu Thorn — Abſchluß eines vierjaͤhrigen Waffenſtilſtandes . e Fehden waͤhrend der — een er Zuchtloſigkeit der Soldner „ „ Reife des Hochmeiſters nach Deutſchlanndz . Troͤſtende Zuſicherungen der Furſten an den Hochmeiſter Tod des Biſchofs Hiob von Pomeſanienn. plan des Hochmeiſters zu einem Türken zunge Neue Vorſchlaͤge zur friedlichen Verhandlung mit Polen Finanzverlegenheit des Hochmeiſtetr s Beſetzung des Biſthums Pomeſa nien Verhandlungen mit dem Koͤnige von Polen Finanzverhaͤltniſſe des Hochmeiſters Des Koͤniges von Ungern Einladung an den Sodweifer Reiſe des Hochmeiſters nach Prag. * Verhandlung des Deutſchmeiſters mit dem Son * Unzufriedene Stimmung im Lande 3 9 Handelsſperre an den Graͤnzen Polens? Unzufriedene Stimmung im Lande Hemmung der Handelsthaͤtigkeil .- Trauriger Zuſtand Preuſſenns?s2: e Näubereien und Plackereien im Ordensgebiet n Schlaffe Verwaltung des Ordensregimentss . Finanzbedraͤngniſſe des Hochmeiſterr zz Unzufriedene Stimmung in Preuſſe n Tod des Biſchofs Fabian von Ermland =. Die Biſthuͤmer Ermland und Pomeſanie ns Verlaſſene Lage des Hochmeiſterr sz 8 Sue Verhaͤltniſſe des Hochmeiſters mit an Deutſch⸗ meiſter „ „ „ r e RM Ga 9 ae Schlaues Verfahren des Koͤniges von Polen Der Hochmeiſter ſucht die Hülfe der Deutſchen Fuͤrſten ei: bi, des u air Entfihelbung des FRE mit Feindliche Geſinnung des Königes von polen m im mochmeiter > > MI SE... 5 Fortwaͤhrende traurige Lage des Hochmeiſters und des Landes Finanzbedrängniſſe des Hochmeiſter gag Streit des Hochmeiſters mit dem Deutſchmeiſter . Verzoͤgerung des Compromiſſes 2 Eroͤffnungen des Er hersogs Ferdinand über Vermittlung der Streites Nit
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XVIII Jh er. popſliches Breve an den — wegen Biefanmenkion- 0 Ordens N e 6865 Erſte Bekanntſchaft des Hochmeiſters mit Luthers Lehre „ 8 Luther und der Hochmeiſter Albrecht 688 Benehmen des Hochmeiſters im Anfang gegen die Reformation 690 Vorbereitungen zur Reformation in Preuſſens 691 Tod Hadrians VI. und des Kardinals de Groſſis . 693 Der Biſchof Erhard von Queis in Pomeſanien » - 694 Moritz Ferber Biſchof von Erm lad 69⁵ Eingang der Reformation in Preuſſen. 696 Der Hochmeiſter von neuem bei Luther 701 Verhaͤltniſſe mit dem Könige von Polen 702 Verhaͤltniſſe mit dem Könige von Daͤnemark . - . 708 Streit des Hochmeiſters mit dem ER u: re Verzweifelte Lage des Hochmeiſters n Verhaͤltniſſe des Hochmeiſters RU DEIN 7907 Fortgang der Reformation in Preuſſ nn 709 Innere Verhaͤltniſſe des Landes . Streit des Hochmeiſters mit dem Deutſchmeiſter 8 Verhaͤltniß des Hochmeiſters zum Römifchen Hofe . 726 Des Hochmeiſters Entſchluß, abzud anten 72 Verhandlungen des Hochmeiſters wegen der in Preuſſen ein⸗ geführten Reformatiiu ss 730 Benehmen des Deutſchmeiſters N Vergebliche Unterhandlungen mit dem Deutschmeister. „ 785 Bemuͤhungen des Hochmeiſters zur Saen 1 F CVE a € 736 Das päpftlihe Breve e 737 Entſchuldigung des Hochmeiſters gegen n päpjtlichen Le⸗ gaten und Kurfuͤrſten von Brandenburg. . 738 Vergeblicher Verſuch des Hochmeiſters wegen eines neuen Verhandlungst ages 739 Stellung des Hochmeiſters zum Deutſchmeiſter und zum Orden 740 Stellung des Hochmeiſters zum Wann und 3 von Li vlan . 741 Finanzverlegenheit des Hochmeifterse - » 0.» 742 Allgemeine Verachtung des Ordens in Preuſſen 743 Einleitungen zum Friedensſchluſſ e. 744 Friedensverhandlungen zu Krakau 746 Der Friedensſchluß zu Krakau e 70 Des Herzogs Albrecht Belehnung mit Preuffen Een 31 Des Herzogs Albrecht Rückkehr nach Königsberg - - - . 754 *
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Heinrich Reuß von Plauen Statthalter des Hochmeiſters. (1467.) Erſtes Kapitel. „Da der Hochmeister Ludwig von Erlichshauſen ſtarb, ſagt die Ordenschronik, erſchrack der Orden gar ſehr.“ Allerdings war es eine Zeit, die dem Orden ſchwere Sorgen auflegte und in welcher vor allen dem, der an der Spitze des Ordens ſtehen und als Landesfinft die zerruͤtete Verwaltung ordnen und fortführen follte, manche Aufgaben geftellt waren, die theils unter den beſtehenden Verhaͤltniſſen nur mit aͤußerſter Anſtren⸗ gung aller Kraft und außerordentlichen Aufopferungen, theils faft unmöglich zu loͤſen waren. Keiner unter den damaligen Gebietigern war daher nach einem Amte lüften, auf welches fi unter dem letzten Meiſter alles, was Kummer und Sorge, Armuth und Entſagung, Schmach und Hohn, Entwindigung und Demüͤthigung hieß, zuſammengedraͤngt hatte. Unter allen Gebietigern und Komthuren war der Ordensſpittler und jetzige Komthur von Preuſſ. Holland Heinrich Reuß von Plauen der einzige Mann, auf dem das Vertrauen des ganzen Ordens ruhte. Er wurde daher einſtimmig als Statthalter des Hoch⸗ meiſters zur Verwaltung des Landes auserkoren. In dem, was man damals Bildung nennen mochte, ſtand er freilich manchem nach, denn er verſtand weder zu ſchreiben, noch Ge⸗ ſchriebenes zu leſen; alles, was an ihn gerichtet war, mußte er ſich von Schriftkundigen vorleſen laſſen.) Was ihm aber 1) Daß Heinrich Reuß von Plauen Lateiniſches nicht zu leſen verſtand, iſt bereits anderwär.s geſagt; daß er aber überhaupt nicht Ao
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2 Heinrich Reuß von Plauen Statthalter des HM. (1467.) darin abging, erſetzte die Energie feines Geiſtes, die feſte Wil⸗ lenskraft feines Characters, feine Entſchloſſenheit zur That, die Umſicht, Geſchaͤftskenntniß und Erfahrung feiner Jahre, denn er hatte bereits ſeit langer Zeit ſowohl in den auswaͤrtigen Verhandlungen des Ordens am Kaiſerhofe, mit dem Koͤnige von Polen und vielen andern Fuͤrſten, als in den inneren Streithaͤndeln mit den Ständen, wie nicht minder in der in⸗ nern Landesverwaltung ſtets aufs thaͤtigſte mit gewirkt; nur einige Jahre hatte Kraͤnklichkeit ſeine Thaͤtigkeit gehemmt. Keiner ſtand ihm daher in der genauſten Kenntniß aller inneren und äußeren Verhaͤltniſſe des Ordens und des Landes gleich; in keinem vereinten ſich ſo viele Gaben des Geiſtes und Eigen⸗ fehaften des Characters, die jetzt einem Manne an der Spitze des Ordens nothwendig waren, um das, was aus dem ſchreck⸗ lichen Sturme ſuͤr den Orden noch gerettet war und was er zumeiſt ſelbſt gerettet hatte, noch ferner zu erhalten und mit Kraft zu vertheidigen. Er war es auch, der immer noch die Hoffnung feſthielt: es koͤnne ihm vielleicht durch Huͤlfe aus Deutſchland doch wohl noch gelingen, wenigſtens Marienburg und einen Theil des weſtlichen Preuſſens, wenn auch nur gegen Entrichtung eines gewiſſen Tributs an den Koͤnig von Polen, für den Orden wieder zu gewinnen. Dieß war offenbar auch der Grund, daß er die beiden Meiſter von Deutſchland und Livland und die Gebietiger in Preuſſen zu bewegen ſuchte, leſen konnte, geht ſchon aus einem Schr. des Ordensritters Grafen Georg v. Henneberg an den Ordensſpittler, d. Muͤnnerſtadt Mittw. vor Pauli Bekehr. 1466 Schbl. Ad. Geſch. H. 61 hervor, wonach ihm der ge⸗ nannte Graf einen Zettel zuſandte mit der Bemerkung: ſein alter Kel⸗ lermeiſter Hans v. Tiefen werde ihm dieſen wohl leſen. Nach einem Schr. des Ordensſpittlers Heinrich Reuß v. Plauen an den HM. d. Preuſſ. Mark Mont. vor heil. Leichnam 1459 Schl. LXII. 73 hatte ihm der HM. aufgetragen, gewiſſe Privilegien aufſuchen zu laſſen, um ſie mit zu einem Tage nehmen zu koͤnnen. Darauf antwortet jener aber: Euere Gnade kennet uns lange wohl und wiſſet wohl, daß wir kein Doctor ſeyn, auch nichts Lateiniſches oder Deutſches leſen koͤnnen. So weiß euere Gnade wohl, daß unſer Schreiber auch nicht Lateinisch lann.
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Heinrich Reuß von Plauen Statthalter des HM. (1467.) 3 vorerſt keine neue Hochmeiſter⸗Wahl vorzunehmen, denn ſo lange er ſelbſt nur bloß als Statthalter an der Spitze des Ordens ſtand, war er nicht zu der ihm gehäffigen und ſchimpf⸗ lichen Leiſtung des Lehens⸗ und Huldigungseides und über haupt nicht in ſolcher Strenge zu der erzwungenen Unterthaͤ⸗ nigkeit gegen den Koͤnig von Polen verpflichtet, wie ſie der Friedensvertrag dem Hochmeiſter auflegte. D Bei dieſem Plane aber mußte der Statthalter mit der größten Vorſicht und Beſonnen ſtanden die Polen und die alten Ordensfeinde im Lande gegen jeden Schritt, den man im Orden that, mit mißtrauiſchen Blicken da. Vor al ü als Statthalter ein Komthuraͤmter. In die Würde des Großkom cher Ulrich von Iſenhoſen, laͤngſt durch den Ordensſpittler in ſeiner Wirkſamkeit zuruͤckgedraͤngt, ſchon ſeit dem Herbſt des vorigen Jahres wahrſcheinlich durch den Tod ausgeſchieden war, 2) trat der bisherige Fiſchmeiſter von Putzig Heinrich N Das Ordensmarſchall⸗Amt, beſetzt geblieben, erhielt jetzt der bis⸗ BEUTE ) Dieß deutet auch Schr p. 335 an. — Die Erzaͤhlung von des Ordensſpittlers Reife nach Elbing, ſeiner dortigen Aufnahme vom Volke, ſeiner Rede an dieſes und dem dadurch entſtandenen Aufruhr in der Stadt, wie man dieß alles bei Pauli B. IV. 359, Ba czto B. IV. 58 — 89 u. Kotzebue B. IV. 237 nachleſen kann, hat ein⸗ zig den Simon Grunau aus dem ſie es Ordensſpittlers. Bei Schitz findet ſich daher auch Nach Simon Grunau würde der Ordensſpittler nur nach Elbing gegangen ſeyn, um einen unnügen Spectackel zu ma⸗ chen und am andern Tage wieder wegzugehen. 2) Im Friedensinſtrument von Thorn finden wir den Großkom⸗ thur Ulrich v. Iſenhofen ſchon nicht mit unterzeichnet; die Wuͤrde ſcheint damals unbeſetzt geweſen zu ſeyn. 5 3) Als Fiſchmeiſter v. Putzig finden wir Heinrich Reffle v. Rich⸗ tenberg vom J. 1461 bis 1465; Schbl. LX. 82. LXIX. 28. 1
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4 Heinrich Reuß von Plauen Statthalter des HM. (1467.) herige Komthur von Deutſch⸗Eilau Ulrich von Kinsberg, der ſich bisher in den Kriegshaͤndeln immer beſonders hervorgethan. Das Oberſtſpittler⸗Amt, dem Heinrich Reuß von Plauen ent⸗ ſagte, ward nunmehr feft mit dem Komthuramte zu Branden⸗ burg verbunden und dem bisherigen Kompan des Hochmeiſters Veit von Gich übertragen.) Dem Komthur zu Balga Sieg⸗ fried Flach von Schwarzburg uͤbergab man zugleich auch das Amt des Oberſt⸗Trappiers und verband es nun mit der Kom⸗ thurei zu Balga. Die Komthurei zu Preuſſ. Holland, welche der Statthalter aufgab, uͤbertrug er Konraden von Lichtenhain und übernahm dafür das Komthuramt zu Mohrungen. Der bisherige Komthur von Oſterode Wilhelm von Eppingen trat ſein Amt an Martin Truchſes von Wetzhauſen? ab und er⸗ hielt jetzt die neue Komthurei zu Neidenburg. Hans von der Narbe blieb Komthur zu Ragnit.) So war nach langer Störung die alte Ordnung in den Gebietiger⸗Aemtern wieder hergeſtellt, freilich durch Noth gedrungen auf einen ungleich engern Kreis ihrer Wirkſamkeit beſchraͤnkt. Außer dieſer aͤußern Anordnung mußten natuͤrlich auch theils in Beziehung auf die geſammte Disciplin des Ordenslebens uͤberhaupt, theils für die neue Einrichtung der einzelnen Konvente, die ſich durch die Aufhebung der Konvente in mehren bisherigen Ordensburgen vielfach verändert hatten, manche neue Verfügungen und Ver⸗ ordnungen erlaſſen werden, um das faſt aus allen Fugen ge⸗ riſſene Ordensleben in den einzelnen Ordenshaͤuſern allmaͤhlig wieder unter Geſetz und Regel zu bringen. Nun war es zunaͤchſt des Statthalters Aufgabe, die noch im Lande liegenden Soöldnerhauptleute, die alle an den Orden noch bedeutende Forderungen an Sold und Schadengeld hatten, ſo viel als moͤglich zu befriedigen und es gelang ihm, den 1) Receß vom Sonnt. nach Vincula Petri 1467 Schbl. XXVI. 1. Veit v. Gich nannte ſich bereits im J. 1466 auch Hauptmann zu Brandenburg. 2) War im Septemb. 1466 noch Unterkompan des HM. 3) Die Angaben nach urkundl. Verſchreibungen aus dem J. 1467, Schbl. Ad. Geſch. B. 33. XXVI. 38.
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Tagfahrt zu Elbing. (1467.) 5 einen durch theilweiſe Zahlungen, wozu zum Theil die nach dem Frieden von mehren Seiten her einkommenden Geldſum⸗ men verwandt wurden, v den andern durch eine Verſchreibung uͤber ein laͤndliches Eigenthum, eine Stadt, ein Dorf, einen Hof, ſobald einer bereit war, ſolche für feine Soldforderung anzunehmen, noch andere vorerſt wenigſtens durch Anerkennt⸗ niſſe der noch ſtehenden Schuldſummen oder auch durch Pfand⸗ verſchreibungen zu begütigen. ) Die meiſten ſahen auch von ſelbſt jetzt ein, daß der Orden in ſeiner dermaligen Lage nicht im Stande ſey, ſeinen Verpflichtungen auf der Stelle nachzu⸗ kommen und ſtellten gerne Friſten. Was die Friedensverhaͤlt⸗ niſſe mit Polen betraf, ſo machte es ſich der Statthalter zur erſten Pflicht, ſie aufs puͤnktlichſte zu erfüllen. Schon im Mai begab er ſich in Begleitung des Komthurs von Preuſſ. Holland Konrad von Lichtenhain nach Petrikau, wo der Koͤnig Hof hielt, um ihm das vom verſtorbenen Hochmeiſter, ſaͤmmt⸗ lichen Ordensbeamten und den Landſtaͤnden beſiegelte Friedens⸗ inſtrument zu überbringen und der Koͤnig ließ in ſeiner Ge⸗ genwart den Frieden von allen Polniſchen Staͤnden, die zu Thorn nicht zugegen geweſen waren, feierlich beſchwören. 3 Um mehre noch unerörterte Streitpunkte auszugleichen, verſtaͤndigte ſich der Statthalter mit dem Könige wegen einer neuen Tagfahrt zu Elbing. Es erſchienen dort mit ihm zu Anfang des Auguſts der Ordensmarſchall Ulrich von Kinsberg, der Komthur von Brandenburg Veit von Gich, Johannes Winkler Doctor des Rechts und einige Bevollmaͤchtigte des Adels aus Samland und der Städte Koͤnigsberg, von Seiten 1) Schütz p. 333, 2) Solcher Verſchreibungen und Recognitionen des Statthalters finden fi) aus den J. 1467 und 1468 im geh. Archiv eine bedeutende Zahl. Die Recognitionen ſind nicht bloß Anerkenntniſſe der Geſammt⸗ Schuld, ſondern zugleich auch Anwartſchaftsbriefe auf einzelne Termin⸗ zahlungen auf Abſchlag der Schuldſumme, fo daß dieſe oft erſt in vier bis fünf Juhren ganz abgezahlt ſeyn ſollte. + 3) Diugoss. T. II. 402, wo aber Konrad v. Lichtenhain unrich⸗ tig noch Vogt v. Stuhm genannt wird.
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6 Tagfahrt zu Elbing. (1467.) des Königes der Gubernator Stibor von Baiſen, die auf der letzten Tagfahrt anweſenden Woiwoden, nebſt den Buͤrgermei⸗ ſtern und mehren Rathsmannen aus Danzig und Thorn. Der Statthalter warf Klage auf über die Fortdauer der Han⸗ delsniederlage zu Thorn, als dem ewigen Frieden zuwider, der ausdrücklich ausſage, daß alle Straßen zu Waſſer und Land frei ſeyn und keine neuen Zoͤlle, Niederlagen und Auflagen ge⸗ duldet werden ſollten. „Wenn ihr, ſprach der Statthalter, auf dieſe Weiſe die Handelsſtraße zu Thorn ſchließet und die Kaufwaaren hemmet, jo werden Koͤnigsberg, Elbing und Dan⸗ zig bald das Naͤmliche thun und ſo leicht wieder neue Zwiſtig⸗ keiten und Streithaͤndel entſtehen.“ Die Thorner indeß ver⸗ theidigten ihr Niederlagsrecht als eine alte Verleihung, womit der Koͤnig ſie ſchon vor zehn Jahren begnadigt. Dem entgeg⸗ nete aber der Statthalter: „da ausdrücklich alle Privilegien und Begnadigungen, die der Koͤnig vor dem Frieden uͤber die Ordenslande gegeben, durch den Frieden fuͤr unguͤltig und kraftlos erklaͤrt werden, fo kann auch die der Thorner in keiner Weiſe mehr gelten.“ Endlich ſtellte man, da kein Theil nach⸗ gab, die Sache der Entſcheidung des Koͤniges anheim. Dar⸗ auf kam abermals die wichtige Frage uͤber die Erhebung des Landmannes und der kleinen Staͤdte aus ihrer Armuth und gedruckten Lage zur Sprache. Die Beſchluͤſſe der letzten Tag⸗ fahrt, die man in dieſer Beziehung gefaßt, wurden im Gan⸗ zen beflätigt, jedoch nicht nur die fruchtbaren Werder und das weniger verheerte Samland vom Nachlaſſe der ruͤckſtaͤndigen Erb⸗ und Zinsgelder ausgeſchloſſen, ſondern uͤberhaupt auch die gefaßten Beſtimmungen uͤber den Nachlaß und die ſchul⸗ dige Nachzahlung der Erb⸗ und Zinsgelder, ſowie die Fälle, in denen die waͤhrend des Krieges angekauften, aber noch nicht ganz bezahlten Güter und Erbe zur Zahlung der ruͤckſtaͤndigen Schulden verpflichtet ſeyn ſollten oder nicht, einer naͤheren Er⸗ Örterung unterworfen und daruͤber feſte Beſchluͤſſe gefaßt. Man hatte ferner in Erfahrung gebracht, daß in Staͤdten und auf dem Lande viele Haͤuſer und Erbtheile von der Geiſtlich⸗ keit oder durch fromme Stiftungen ſo ſchwer mit Zinsabgaben
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Landesanordnungen. (1467.) . belaſtet ſeyen, daß fie deshalb ganz in Verfall geriethen, den Städten und der Herrſchaft keinen Zins mehr zahlen konnten und fomit die Städte ſelbſt, weil ſchon niemand dieſe Haͤuſer und Erbe mehr annehmen wollte, in ihren Einkuͤnften bedeu⸗ tenden Schaden erleiden mußten. Dem vorzubeugen, ward beſchloſſen: es ſollten die, welche Zins von ſolchen Haͤuſern und Erbtheilen zögen, verpflichtet feyn , nach Verhaͤltnjß ihres Ertrages zur Verbeſſerung im An⸗ und Ausbau der Erbe und Haͤuſer mitzuwirken. Würden Hufen auf dem Lande durch ſolche Vernachläſſigung wüſte werden, ſo ſolle die Landesherr⸗ ſchaſt ſie einziehen und neu beſetzen.) Wer wuͤſtes Ackerland nicht ſelbſt beſetzen koͤnne, folle es ausbieten; wer es von In⸗ laͤndern annehme, ſolle es noch ein balbes Jahr, der Auslaͤn⸗ der aber ein ganzes Jahr beſitzen; Eönne es dann der Beſitzer nicht in wehrende Hand bringen, ſo ſolle es die Herrſchaft ein⸗ ziehen und neu beſetzen.) So wurden noch mehre andere Beſtimmungen entworfen, die theils die Foͤrderung des Wohl⸗ ſtandes und Gedeihens in den Staͤdten, theils die Verbeſſerung und Wiederbelebung des Ackerbaues und laͤndlichen Betriebes zum Ziele hatten, denn man ſah wohl ein, daß nur auf dieſe Weiſe die ſchweren Wunden des Krieges wieder zu heilen ſeyen. Darauf erneuerte der Statthalter an die Danziger den Antrag, daß ſie nach Inhalt des ewigen Friedens die in Folge verraͤtheriſcher Umtriebe aus ihrer Stadt Verbannten und Ge⸗ achteten, ebenſo wie es bereits in Koͤnigsberg geſchehen ſey, in ihre Stadt wieder aufnehmen und zu ihrem Eigenthum kom⸗ men laſſen follten; allein man wies ihn durch die Erklarung zurück, daß der König ſelbſt den Danzigern die Befugniß zu⸗ geſtanden habe, zweiundzwanzig der Geächteten nie wieder den Eintritt in ihre Stadt zu geſtatten. Sodann drang der Statt⸗ en 1) Es heißt aber bei dieſer Beſtimmung: deſir Artickel ſol gebrocht werden an die Geiſtliche acht herrn prelaten, den zu wandeln, dieſelbi⸗ gen Czinſere zeu feuen adir wie fie das werden irkennen. Deſen Ar⸗ tickel wulden die Torner, Elbing, Marienburg und Danzig nicht vor⸗ liben, Sundir wir wulden dobey bleyben. 2) Schütz p. 336
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8 Neue Biſchofswahl in Ermland. (1467.) halter auf die moͤglichſt baldige gegenfeitige Raͤumung der bei⸗ den Schloͤſſer Stuhm und Preuſſiſch⸗Holland, weil durch die Eingriffe, die ſich die Hauptleute derſelben auf das umherlie⸗ gende Land und in das Eigenthum der Bewohner erlaubten, fort und fort noch Reibungen und Streitigkeiten entſtanden. ) Ein Streit zwiſchen mehren Danzigern und Koͤnigsbergern, die ſich im bitterſten Haſſe bis zu den gemeinſten Schimpf⸗ und Laͤſterreden erniedrigt, gab Anlaß zu dem Beſchluſſe: man wolle fortan mit ſtrengſtem Ernſte darauf halten, daß jeder, der an öffentlichen Orten feine Zunge nicht zaͤhmen konne, über den ewigen Frieden ſich ungeziemende Aeußerungen er⸗ laube und Unterthanen des andern Theiles Verraͤther oder Meineidige ſchimpfe, ſolle in den Thurm geſetzt, acht Tage feſt⸗ gehalten und mit einer Buße von einer Tonne Rheinwein an die Herrſchaſt beſtraft werden. Nachdem man endlich auch noch einige nothwendige nähere Beſtimmungen über das Mimz⸗ weſen feſtgeſtellt, ward die Tagfahrt geſchloſſen.“ So faſt ausſchließlich nur mit des Ordens und des Lan⸗ des innern Angelegenheiten beſchaͤftigt, mochte der Statthalter ſich um die auswaͤrtigen Verhaͤltniſſe, ſofern ſie nicht das In⸗ tereſſe des Landes beruͤhrten, wenig oder nicht bekuͤmmern. Selbſt an den damaligen Ereigniſſen in Ermland ſcheint er wenig Theil genommen zu haben. Der Biſchof Paul von Logendorf naͤmlich hatte den Friedensſchluß nicht lange uͤber⸗ lebt. Vom Friedenstage zu Thorn heimgekehrt, wo er nach einigen Berichten vergiſtet, nach andern durch die damals herr⸗ ſchende Peſt in feiner Geſundheit ſehr erfchlttert worden war, hatte ihn ein fortwaͤhrendes Siechthum in kurzer Zeit ſo aufge⸗ zehrt, daß er am 26ften Juli des Jahres 1467 bereits geſtor⸗ ben war.) Das Domkapitel, welches ſich ſchon im Anfange 1) Stuhm war naͤmlich damals noch von einem Ordensvogt be⸗ ſetzt und Preuſſ. Holland dem Orden noch nicht eingeraͤumt. 2) Am vollſtaͤndigſten iſt der Receß über dieſe Tagfahrt Schöbl. XXVI. 1., weniger vollſtändig in Fol. J. 1 — 3. Schütz p. 335 hat nur einen Auszug. 3) Schon die alte Preuſſ. Chron. p. 47 ſagt: der Biſchoff quam
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Neue Biſchofswahl in Ermland. (1467.) 9 dieſes Jahres zur Aufrechthaltung des Thorner Friedens ver⸗ pflichtet und den König von Polen als Oberherrn anerkannt hatte, “ eilte ſchnell zur neuen Wahl und erkor den Ermlaͤn⸗ diſchn Domherrn Nicolaus von Tüngen, aus dem Gebiete von Wormditt, damals paͤpſtlicher Secretär zu Rom. Da indeß der König, auch jetzt wieder darauf bedacht, durch Ver⸗ pflanzung feiner Günftlinge nach Preuffen feinem Einfluffe uͤberall feften Halt und feinen Befehlen willfaͤhrige Organe zu verſchaffen, das Biſthum Ermland dem Kulmiſchen Biſchofe Vincenz Kielbaſſa zuzuwenden ſuchte, das Domkapitel dagegen gerade jetzt um ſo me hr an ſeinem Wahlrechte feſthalten zu muͤſſen glaubte, 1 fo entſpann ſich darkber ein langwieriger, bitterer Streit, den die Chroniſten mit dem Namen des Pfaf⸗ fenkrieges zu bezeichnen pflegen.) Der Statthalter, ohne Zweifel in ſeinem Intereſſe mehr dem vom Kapitel gewaͤhlten Biſchoſe geneigt, mochte ſich in die Streitſache um ſo weniger einmiſchen, da ohnedieß das Mißtrauen der Polen gegen den Orden wieder neue Nahrung erhalten. Die Polniſchen Geſandten naͤmlich hatten von Rom ohne aͤpſtliche Beſtaͤtigung des Thorner Friedens und ohne die Aufhebung des Bannes gegen die ehemaligen Verbuͤndeten zu⸗ die p von Thorn ken Brunsberg krang und vorgifftiget, villeichte von der peſtilencien, dy do czu Thorn regnirte adder lichte von andern ſachen. Auch Diuzoss. T. II. 410 ſpricht vom Gerüchte der Vergiftung. Hartknoch Kirchengeſch. S. 154 läßt ihn erſt im J. 1471 zu Bar⸗ tenſtein auf Befehl des Hochmeiſters durch einen Trompeter vergiftet werden, eine Nachricht, die Simon Grunau Tr. XVIII. C. IV. 1. zuerſt in Gang gebracht hat; er kennt im J. 1471 den Todestag des en und fogar den Namen des Trompeters. Henneberger P. 148. 1) Die urkunde des Domkapitels darüber bei Dogiel T. IV. 177. 2) Ob Nicolaus v. Züngen aus der alten Fraͤnkiſchen Familie von Thüngen ſtammte und das Dorf Tüngen bei Wormditt erſt durch ihn den Namen bekommen hat oder ob er aus dieſem Dorfe gebürtig geweſen und von ihm, wie mehre Chroniſten behaupten, den Namen angenommen habe, muͤſſen wir dahin geſtellt ſeyn laſſen. 3) Dlugoss. T. II. 410. Henneberger p. 128. 148.
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10 Neue Biſchofswahl in Ermland. (1467.) ruͤckkehren muͤſſen, nur die unſichere Antwort des Papſtes uͤberbringend: er werde alles dem Biſchofe Rudolf von Lavante uͤbertragen.) Und als bald darauf die paͤpſtliche Beſtaͤtigung erfolgen ſollte, war daran die Bedingung geknuͤpft, daß der Koͤnig von Polen den dem Papſte als Ketzer verhaßten Boͤh⸗ miſchen König Georg von Podiebrad mit Krieg uͤberziehen, vom Throne ſtuͤrzen und die Krone Boͤhmens entweder auf ſein oder ſeines Sohnes Haupt ſetzen ſolle. Die Schuld von dem allen aber ſchrieb man in Polen dem Orden zu, denn der Biſchof Vincenz Kielbaſſa, der mit den Polniſchen Geſand⸗ ten am paͤpſtlichen Hofe geweſen, erklaͤrte geradezu: er habe in Rom von einem Ordens = Sachwalter ſelbſt erfahren, daß der verſtorbene Hochmeiſter und ſeine Gebietiger den Papſt insge⸗ heim hätten erſuchen laſſen, den Frieden nicht zu beſtäͤtigen. Er hatte davon auch den König unterrichtet, denn er ſchien abſichtlich alles darauf anzulegen, deſſen Mißtrauen gegen den Orden immer wach und rege zu erhalten“) und dieſem zu: gleich ſeine Geltung beim Koͤnige und ſein Gewicht als „Biſchof von Kulm, ewiger Adminiſtrator zu Pomeſanien und Conſervator der Kirche zu Ermland“, wie er ſich nannte, fo nachdruͤcklich als möglich fuͤhlbar zu machen. Selbſt der Ton, in welchem er uͤber ſeine Stellung an den Statthalter ſchrieb und von Behauptung der Rechte ſeiner Kirche ſprach, zeugte von feinem aufgeblaͤhten prieſterlichen Stolze.“ Zwar war der Statthalter ſehr bemuͤht, der mißtrauiſchen Stimmung des Koͤniges entgegenzuarbeiten, begab ſich daher auch ſelbſt nach 1) Dlugoss. T. II. 407. 2) Diugoss. T. II. 408. Detmar B. II. S. 308. 3) Schr. des Komthurs v. Preuſſ. Holland an d. Statthalter, d. Holland Sonnab. vor Purif. Mariä 1468 Schbl. LXI. 19; er fagt: der König habe die erwähnte Nachricht von Kielbaſſa ſchon auf dem Tage zu Petrikau erhalten, während die Gebietiger dort geweſen, „ ſonſt wäre Marienburg unſerm Orden auf die Zeit wieder worden, haͤtte er davon nichts gehoͤrt.“ 4) Schr. des Biſchofs Vincenz von Kulm an d. Statthalter, d. Marienb. Donnerft. nach Apollonia 1468 Schbl. LXIII. 113.
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Verhaͤltniſſe d. Statthalters zum Kön. v. Polen. (1468.) 11 Wilna, wo dieſer um die Faſten Hof hielt, ward von ihm auch durch einen ſehr freundlichen Empfang erfreut und berieth fi) mit ihm über mancherlei Verhälmiffe der Landesverwal⸗ tung, offenbar um das dem Koͤnige eingefloͤßte Mißtrauen zu verſcheuchen.) Allein die Feinde des Ordens ſuchten dennoch immer wieder neuen Samen der Zwietracht auszuwerfen. Brach⸗ ten ſie doch ſogar das Geruͤcht in Umlauf: der Statthalter habe die Danziger durch die Anſchuldigung verdaͤchtigen wol⸗ len, daß ſie nach Ausweis aufgefangener Briefe vom Koͤnige abfallen und ſich dem Herzog von Burgund unterwerfen woll⸗ ten. So abgeſchmackt dies auch war, ſo verbreiteten es die Ordensfeinde nicht bloß in Danzig und durch ganz Preuſſen, ſondern es kam ſelbſt bis zu des Koͤniges Ohren. Man fand in Danzig ſelbſt die Sache fuͤr wichtig genug, um den Statthalter öffentlich für vollig ſchuldlos zu erklaren und alle Mittel anzuwenden, um den Urheber des Gerüchtes zu ermit⸗ teln und zu gebuͤhrender Strafe zu ziehen. 2 Der Statthalter mußte aber gegen den Koͤnig um ſo mehr noch ſtets mit der größten Behutſamkeit, Vorſicht und Beſonnenheit zu Werke gehen, da ein neuer koͤniglicher Bevoll⸗ maͤchtigter in Rom immer noch in den Wuͤnſchen und Geſu⸗ chen des Königes nicht zum Ziele kommen konnte, denn der Papſt zögerte nicht nur fort und fort mit der unbedingten Be⸗ ſtaͤtigung des Thorner Friedens, ſondern ließ ſich auch zur Er⸗ dennung des Kulmiſchen Biſchofs Vincenz Kielbaſſa zum Bi⸗ oſe von Ermland auf keine Weiſe gewinnen; viel weniger noch mochte er dem Könige die Geldſumme ſchenken, welche dieſer einem paͤpſtlichen Collector abgenommen. Nur zur Ab⸗ 1) Dlugoss. T. II. 420, 2) Nach Dlugoss. I. c. ſchreiben die neuern Geſchichtſchreiber, als Pauli B. IV. 361, Baczko B. IV. 59 dem Statthalter den Ver⸗ ſuch zu, die Danziger beim Koͤnige in Verdacht zu bringen, und nach Diugoss. konnte die Sache auch glaublich ſcheinen; allein ein Schr. des Rathes v. Danzig an d. Statthalter, d. Danzig Freit. vor Pfingſt. 1468 Schbl. LX. 161 weiſt deutlich aus, daß das Ganze ein bloßes Gerücht war.
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12 Tilgung der Soldſchulden. (1468.) ſolution der ehemaligen Verbuͤndeten vom Banne hatte er end⸗ lich eine Bulle ausfertigen laſſen und die Ausführung dem Biſchofe von Breslau Übertragen. Dieſe Abgeneigtheit aber gegen des Koͤniges Bitten und Wünſche machte der Papſt da⸗ durch noch um ſo fuͤhlbarer, daß er um eben dieſe Zeit dem in Rom anweſenden Ordensbevollmaͤchtigten Doctor Laurentius Blumenau überall ganz beſondere Aufmerkſamkeit ſchenkte, für alles, was den Orden betraf, das waͤrmſte und lebendigſte Intereſſe zeigte und in allen ihn betreffenden Angelegenheiten eine ungewoͤhnliche Thaͤtigkeit bewies. Mit aller Klugheit beſchraͤnkte ſich der Statthalter daher jetzt einzig nur auf die innere Landesverwaltung, und die ſchwierige Aufgabe, Mittel aufzufinden, um die außerordentli⸗ chen Landesſchulden nach und nach abzuzahlen und zunaͤchſt den Schuldforderungen der Soͤldnerhauptleute ſo viel als moͤg⸗ lich Gnüge zu leiſten, nahm lange Zeit ſeine ganze Tbaͤtigkeit vollauf in Anſpruch. Es war dies demnach die Zeit, in wel⸗ cher eine große Zahl von Guͤtern, Doͤrfern und ſelbſt einige Staͤdte in Preuſſen in den Beſitz einzelner Privatperſonen ubergingen und fo eine bedeutende Menge neuer adeliger Gü⸗ ter entſtand, denn da ſich bei weitem nicht alle, die an den Orden Schuldforderungen hatten, durch ſ. g. Recognitionsſcheine auf jaͤhrliche theilweiſe Abzahlungen abfinden ließen,“ fo muß⸗ ten in den Jahren 1468, 1469 und 1470 eine große Zahl von Gütern zum Verkaufe geſtellt werden, um mit dem Kauf⸗ gelde die Forderungen zu befriedigen. Ebenſo kamen andere Güter und Dörfer als Pfandſtellungen für geliehene Geldſummen, die nicht wieder eingelöft wurden, in Privatbeſitz, und endlich nahmen auch ſehr viele, die als Soldnerhauptleute, Rottmeiſter 1) Schr. des Ordensbevollmaͤchtigten Laurentius Blumenau an d. Statthalter, d. Rom 18 Mai 1468 Schbl. I. 164. 2) Auch in den J. 1468 u 1469 wurden dieſer Recognitionsſcheine noch eine große Zahl ausgeftellt, die ſich noch im geh. Archiv befinden. An der peinlichen Sorgfalt, wodurch mehre Abfaſſungen ſich auszeich⸗ nen, ſieht man, wie ſehr man darauf bedacht war, ſich gegen den Orden vorzusehen.
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Tilgung der Soldſchulden. (1468.) 13 und Hofleute Schuldforderungen an den Orden hatten, — dieſem Gier, Dörfer und ſelbſt Staͤdte in Zahlung an. So erhielten um dieſe Zeit, um nur einiger Beiſpiele zu erwaͤh⸗ nen, der Rottmeiſter Bartuſch von Sauken für feine treuen Kriegsdienſte das Gut zu Woritten im Mohrungiſchen . — zu Magdeburgiſchem Rechte, ) der Soldritter Burchar = Dole das Dorf Schuͤtzendorf im Gebiete von Ortelsburg, er Hauptmann Wenth von Eulenburg einen zum Schloſſe Bar⸗ tenſtein gehörigen Hof und einiges andere.) Die Stadt Paſ⸗ ſenheim mit mehren dazu gehoͤrigen Doͤrfern und Seen ward dem Soͤldnerhauptma men verſchrieben, jedoch mit Manche von den verpfaͤndete wurden vom Orden, etwas guͤnſtiger ſtellten indeß blieben im Beſi liges Eigenthum uͤber. die Schlieben in den B Guͤterreichthums. Georg und Magnus von Schli dem Orden mit einem zogen war, ihm bish Vorbehalt des Ausloͤſungsrechts v n Gütern, Doͤrfern und Städten als ſeine Finanzverhaͤltniſſe ſich wieder „nachmals wieder eingeloͤſt. ® Andere tze der Pfandinhaber und gingen in voͤl⸗ In ſolcher Weiſe kamen damals auch eſitz ihres ehemaligen außerordentlichen von Schlieben naͤmlich, der mit Hans eben ſchon vor der Schlacht bei Konitz anſehnlichen Kriegshaufen zu Hülfe ge⸗ er unausgeſetzt gedient und dabei unter den übrigen Hauptleuten immer eine der wichtigſten Rollen ge⸗ Bi Die Verſchreibung darüber im Verſchreib. Buch v. Mohrungen P. 6. 7. 61. 2) Diefe und andere ähnliche Verſchreibungsurkunden aus den J. 1468 u. 1469 Schbl. XXVI. 38. XXVII. 9. XXXIX. 1. XXII. 40 u. a. > Verfcpreibungsurt. über die Stadt Paſſenheim, d. Mohrungen am Abend der 10,000 Ritter 1469 Schbl 95. 23. 24. Verſchreibunge⸗ urk. über das Schloß Angerburg, d. Koͤnigsb. Sonnt. vor Miſericord. 1469 Schbl. 96. 3. l — 4) Dieß geſchah namentlich mit allen denen, worüber die Ver⸗ ſchreibungsurkunden ſich im geh. Archiv befinden, denn dieſe mußten bei der Ausloͤſung wieder eingeliefert werden und wurden caſſirt.
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14 Tilgung der Soldſchulden. (1468.) ſpielt, hatte theils im Kriegsdienſte, theils bei Sendungen ins Ausland und bei vielen Verhandlungstagen ſo bedeutende Opfer gebracht, daß die Abzahlung ſeiner enormen Schuldforderung, die er uͤberdieß auch auf andere Weiſe noch zu ſteigern gewußt, für den Orden jetzt ganz unmöglich war.) Da er nun durch das Anſehen und Gewicht, welches er ſich beim Orden und im Lande erworben, angezogen, in dieſem zu bleiben beſchloß, ſo verlieh der Statthalter ihm und ſeinem Bruder Chriſtoph als Erſatz für feinen Dienſtſold und Schaden zuerſt das Schloß und die Stadt Gerdauen, ferner die Stadt Nordenburg nebſt vierzehn Doͤrfern und einigen Guͤtern auf Magdeburgiſches Recht und mit f. g. adeligen Privilegien, jedoch auch mit der Verpflichtung, daß er und feine Brüder dem Orden auch fort hin noch einen ſ. g. Platendienſt mit acht Hengſten, ſo oſt ſie der Orden dazu auffordere, zu leiſten haben ſollten. In den nachfolgenden Jahren aber wurde Georg von Schlieben noch mehrmals mit neuen Verleihungen von Doͤrfern und Guͤtern erfreut, ſo daß er unſtreitig einer der reichſten Edelleute im ganzen Gebiete des Ordens war.“ Wie bei ihm, fo ward faſt regelmaͤßig bei allen ſolchen Verleihungen Magdeburgiſches Recht ertheilt, jedoch immer zugleich mit der Verpflichtung ei⸗ nes fernern Kriegsdienſtes zu Heerfahrten und Landwehren. Auf ſolche Weiſe gelang es dem Statthalter nach und nach, die im Laufe des Krieges zu einer ungeheueren Hoͤhe aufge⸗ haͤufte Schuldenlaſt ſchon mehr und mehr zu mindern. Frei⸗ lich kamen auch immer noch zahlreiche Mahnbriefe an den Or⸗ den an, bald vom Herzog Balthaſar von Sagan oder vom 1) Georg v. Schlieben ſteigerte ſeine Forderungen beſonders auch dadurch, daß er einzelnen Rottmeiſtern ihre Sold- und Schadenforde⸗ rungen an den Orden abkaufte, um ſie ſich von dieſem verguͤten zu laſſen. Schr. Georgs v. Schlieben an den Statthalter, d. Eilau am Abend Nativit. Mariä 1468 Schbl. XLVIII. 22. 2) Dieſe Verleihungen an Georg v. Schlieben und ſeinen Bruder geſchahen in den J. 1469 — 1471; die Urkunden darüber in dem Merz ke: Nachricht von einigen Käufern des Geſchlechts der v. Schlieben Beil, 45 — 47 S. 66.
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Verhandl. z. Marienb. zwiſch. d. Kon. u. d. Statthalter. (1468.) 15 Herzog Heinrich von Groß⸗Glogau, bald von andern Fürſten, Rottenfüͤhrern und Rittern, die immer mit allem Nachdruck theils fuͤr ſich, theils für andere auf Entrichtung der Sold⸗ ſchulden drangen. ) Mitten unter dieſen Beſchaͤctigungen mit der innern Landes⸗ ach den Statthalter eine Botſchaft des Koͤ⸗ iguſt in Danzig angelangt, um durch neue die nöthigen Geldmittel zur Befriedigung feiner Soldner aufzubringen, 2 ihn zu einer perſönlichen Zu⸗ ſammenkunſt nach Elbing einladen ließ, um ſich mit ihm uͤber mehre Landesverhaͤltn dem Großkomthur Heinrich von Richtenberg, dem Ordensmar⸗ ſchall Ulrich von Kinsberg, dem Oberſtſpittler Veit von Gich in Elbing ankam, ſich zu ihm nach Ma⸗ das Ehrengeleite war, Elbing hin entgegen⸗ nz nicht ohne tiefen Schmerz und Wehmuth ig ließ ihm ein ſchoͤnes Wohngemach im Rathhauſe anweiſen, wo er gaſtlich mit allen Beduͤrfniſſen verſorgt ward. Am Tage darauf nahm der König ſaͤmmtliche Gebietiger und Ritter in Anweſenheit der Biſchoͤfe von Kulm und Kujavien auf dem Schloſſe durch ein Ehrengaſtmahl aͤußerſt glaͤnzend auf, ſichtbar bemüht, den Statthalter vor allen auf jede e durch Ehrenbezeigungen zu erfreuen und auszuzeichnen. Allein mit ſchwerem Herzen betrat dieſer des Hochmeiſters ehe⸗ — —— 1) Schr. der genannten Her Statthalter aus dem J. . zoge an den Sta 1468 Schbl. IX. 26. 118. 140. 2) Die nähern Verhandlungen darüber, die wir hier nicht naher beruͤhren fönnen, bei Schütz p. 336 und Dlugoss. T. U. 432; vgl. auch Detmar B. II. 31 J) Wir haben über diefe Zuſammenkunft und die Verhandlungen hr derſelben einen genauen Receß Schbl. LXI. 64, dem wir hier olgen.
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16 Verhandl. z. Marienb. zwiſch. d. Kön. u. d. Statthalter. (1468.) maligen Winterremter, wo die Verhandlungen begannen.“ Wahrſcheinlich um weitergehenden Anfragen vorzubeugen und den Koͤnig im voraus zu beruhigen, brachte er ſelbſt zuerſt die Nothwendigkeit einer baldigen neuen Meiſterwahl zur Sprache und bat deshalb um ſicheres Geleit fuͤr den Deutſchmeiſter. Es ward ohne weiteres bewilligt.) Als aber darauf der Statt⸗ halter feine oͤfter ſchon gethane Bitte wegen Auslieferung der Kirchengeraͤthe, die dem Orden aus feinen Burgen entfremdet, nach dem fruͤhern Vertrage jedoch zugeſprochen worden waren, wiederholte, weil ohne ſie die verarmten Ordenskirchen nicht wieder in Stand geſetzt und der Gottesdienſt nicht gehörig ges halten werden konnte, erklaͤrten die genannten beiden Biſchöfe: man koͤnne ſich in ſolchen Dingen nur an den ewigen Frieden halten; von Kirchengeraͤthen aber ſey darin nicht die Rede. Aus den dem Könige zugefallenen Schloͤſſern ſey ihm zugleich auch alles Kirchengeraͤthe zueigen geworden von Rechts wegen. Der Bürgermeiſter von Elbing ſprach: die Stadt Elbing hat das Kirchengeraͤthe des Schloſſes für zweitaufend Mark ges kauft und das Geld iſt bereits im Anfange des Krieges für Lande und Staͤdte verwandt. So mußte der Statthalter ſich mit der Zuſage begnügen: der Orden ſolle aus den ihm zuge⸗ fallenen Burgen das noch vorhandene Geraͤthe fuͤr ſich behal⸗ ten und nehmen, wo man es vorfinde. — Bereitwilliger be⸗ wies ſich der König auf des Statthalters Geſuch in der Zah⸗ lung der in Thorn dem Orden zugeſprochenen Geldſumme; er ließ ihm nicht blos zur Bezahlung der Soͤldner ſofort fuͤnftau⸗ 1) Für die Verſammlungsgemache fanden noch die alten Benen⸗ nungen Sommer- und Winter-Remter Statt; im erſtern wurden die Gaſtmahle des Koͤniges, im andern die Berathungen gehalten. Es herrſchte die Sitte, daß der Koͤnig während der Berathungen mitunter Krude reichen und Wein einſchenken ließ. 2) Nach dem erwähnten Receſſe bringt der Statthalter die neue Meiſterwahl unaufgefordert ſelbſt zur Sprache. Nach Dlugoss. p. 433 wird er vom Könige ermahnt, bald an die neue Hochmeiſterwahl zu denken; er entſchuldigt ſich aber mit der Abweſenheit der beiden Meiſter von Deutſchland und Livland. e * ze * e et var
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Verhandl. z. Marienb. zwiſch. d. Kön. u. d. Statthalter. (1468.) 17 Abzahlung der geſammten Summe auf die in Danzig, Elbing und Thorn fall chen des naͤchſt . Ebenſo zeigte ſich der König in Rückſicht der übrigen Klagen des Statthalt des Friedensvertrages ſehr bemüht, die beruͤhrten Beſtimmungen ſo genau als zu laſſen, z. B. daß jeder Pri Pfruͤnde kommen ſolle. Den Niederlage vorerſt beſtimmen werde. 2 aͤndel nach Recht und Billigkeit bei⸗ Dann ward mehre Tage lang über eine Menge anderer unwichtiger Gegenſtaͤnde jedoch die Raͤthe und Ordensbeamten, ſobald nicht der König und der Statthalter ſelbſt Antheil na ſtaͤndigen konnten. Nachdem Zuſammenkunft der i Rath wegen ſeiner Verhaͤltniſſe zum Könige von Böhmen gefragt und dieſer ſich entſchieden gegen den Krieg mit ihm er⸗ klaͤrt, wurden die Berathungen gefchloffen. © Wie aber überhaupt waͤhrend des Zuſammenſeyns des Königes und des Statthalters ein ſehr freundliches Verhaͤltniß zwiſchen beiden nicht zu verkennen geweſen und erſterer ſich auf alle Weiſe bemuͤht hatte, den Statthalter durch Beweiſe von Hochachtun 9, Schonung und Nachgiebigkeit, ſowie durch Ehrenbezeigungen für ſich zu gewinnen, fo unterließ er auch — — 1) Dlugoss. T. II. 433; nach dem Receſſe 2000 Mark an Nobeln, Unger. Rhein. u. Poſtul⸗ atiſ. Gulden. 2) Nach dem Rece ſſe a. a O 3) Receß a. a. D. Diugoss. T. II. 434. 4) Dieſer Be IX. 2 e, E * — ®
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. 18 Verhandl. z. Marienb. zwiſch. d. Koͤn. u. d. Statthalter. (1469.) nicht, ihn und ſeine Begleiter vor ihrer Trennung durch mancherlei Geſchenke, Zobel- und Marder⸗Schauben von Sam⸗ met und Seide, Ruſſiſchen Roͤcken mit Marderfellen u. dgl. zu erſreuen. So ſchieden beide aufs freundlichſte von einander, der Statthalter von einem ſtattlichen Ehrengeleite nach Elbing hin begleitet. Eine Folge dieſer Zuſammenkunſt war, daß das Schloß Neidenburg, wo bisher noch ein koͤniglicher Hauptmann ge ſeſſen, dem Orden wieder eingeraͤumt ward, wofuͤr er dem Könige Brathean und Neumark übergab, und da nun der Statthalter gegen Ende dieſes Jahres ſich nach Livland ver⸗ fügte, um außer andern Berathungen und Anordnungen mit den dortigen Gebietigern auch die Uebergabe des Schloſſes und Gebietes von Memel an den Orden in Preuſſen zu bewirken,“) fo kam dieſer endlich in den Beſitz aller Schlöffer und Gebiete, die ihm durch den Friedensſchluß zu Thorn zuerkannt waren. Der Statthalter wandte auch im Laufe des Jahres 1469 feine größte Thaͤtigkeit theils auf die Befriedigung der Soͤldner⸗ hauptleute in der erwähnten Weiſe,“ theils überhaupt auf die beſſere Ordnung der fo ſehr zerrütteten Finanzverhaͤltniſſe, theils auch auf den beſſern Anbau des Landes, beſonders durch Wiederbeſetzung und neue Vergabung der ſo zahlreichen, wuͤſte 1) Diugoss. I. o. Receß a. a. O. 2) Dlugoss. p. 433. Baczko B. IV. 28. Die beiden erwaͤhn⸗ ten Schloͤſſer hatten bisher noch die Rottmeiſter Fritz von Hohenneſt u. Chriſtoph von Bork für ihren Sold beſetzt gehabt. Sie überlieferten fie dem Orden nach einem Vertrage, d. Holland am T. Lucia 1468 Schbl. Ad. Geſch. B. 132. 3) Schr. des Livland. Meiſters an d. Komthur v. Memel, d. Woldemar am T. Concept. Mariaͤ 1468 Schbl. IV. 36. 4) So erhielt z. B. in dieſem Jahre der Soͤldnerhauptmann Stenzel von Dohna durch eine Verſchreibung vom Sonnt. nach Marz tini zur Befriedigung ſeiner Soldforderung das Dorf Deutſchendorf zugewieſen, das erſte Beſitzthum der Familie von Dohna in Preuſſen, welches der HM. Hans v. Tiefen im J. 1489 durch die Verleihung des Dorfes Carwitten noch vergrößerte,
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Verhaͤltn. u. Stell. d. HM. Heinr. Reuß v. Plauen z. Koͤn. (1 469.) 19 liegenden Beſitzungen in allen Theilen des Landes. n Den Koͤnig von Polen dagegen beſchaͤftigten feine innern Landes⸗ angelegenheiten und beſonders auch ſeine Verhaͤltniſſe zu Boͤh⸗ men, in welche bereits auch der Kaiſer Friederich und der n Ungern mit verwickelt waren, lange Zeit den angeſtellten Hauptleuten und Be⸗ anten, die ſich in ihren Erwartungen zum Theil ſehr getaͤuſcht finden mochten, ihn ſchwerli i i Land hinſehen ließen. Selbſt die ſta — 1) Die Thätigkeit des Statthalters in den erwähnten Landes⸗ ongefegenheiten beweiſt eine ſehr bedeutende Zahl von Urkunden und Verſchreibungen aus dem J. 1469 im geh. Archiv, desgleichen eine anſehnliche Zahl von Quittungen der Soͤldnerhauptleute über abgezahlte Soldſchulden. 2) Daruͤber das Naͤhere bei Dlugoss. T. II. 438 ff. 3) Originalbulle an den HM. oder deſſen Statthalter gerichtet, d. Romae Pridie Non, Novembr. 1468 Schbl. XIV. 1. (Bekanntlich ſind die Bulen dieſes papſtes auch in diplomatiſcher Hinſicht beſonders merkwuͤrdig). 2 *
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ZU Verhättn.urStell,d. Hy. Heinr. Neuß v. Plauen z. Kon. (1469.) der Kirche und dem Lande durch feine Wirkſamkeit vorzüglich nuͤtzlich ſeyn zu koͤnnen, hob aber abſichtlich auch hervor, daß die Ermlaͤndiſche Kirche ihm und dem Roͤmiſchen Stuhle un⸗ mittelbar unterworfen ſey, empfahl dann auch dem Koͤnige den neuen Biſchof zur Unterſtützung in der Aufrechthaltung feiner Rechte, jedoch auf eine Weiſe, daß man ſchon daraus klar ſah, der Papſt ſey feſt entſchloſſen, ihn unter allen Umſtaͤnden in ſeinem Amte zu ſchützen und zu erhalten; uͤberdieß erklaͤrte er dem Könige auch ausdrücklich, daß er des Biſchofs von Kulm Verſuch, ſich in das Biſthum Ermland einzudraͤngen, als eine Ungerechtigkeit, Verachtung des Roͤm. Stuhles und Vergeſſen⸗ heit feines Amtseides betrachte, wobei alle prieſterliche Wuͤrde und Ehrbarkeit aus den Augen geſetzt ſeyen.“ Zugleich for⸗ derte der Papſt auch das Ermlaͤndiſche Volk auf, nur den Biſchof Nicolaus als ſeinen rechtmaͤßigen Hirten anzuerkennen und nur ihm Gehorſam zu leiſten; alles, was Vincenz in Beziehung auf das Biſthum gethan, ward für nichtig und ungültig erflärt.? So mußte nun zwar dieſer Biſchof, in ſeinen ehrgeizigen Hoffnungen getaͤuſcht, nachdem er durch feine Gelderpreſſungen und Mißhandlungen aller Art nicht nur die Bewohner des Landes aufs hoͤchſte gegen ſich erbittert, ſondern auch ſchon mit dem Statthalter wegen eines unrechtmaͤßig auf⸗ 1) Das Breve des Papſtes an den König v. Polen, d. Romae Cal. Decemb. p. a. quinto Schbl. XIV. 1. (in Abſchrift). Der Papſt traͤgt dem Koͤnige insbeſondere auf, dafür zu ſorgen, daß der neue Biſchof nee eciam a Vincentio Episcopo Culmensi, gni ut ex le- gitimis documentis accepimus, in nostrum ac prelibate sedis con- temptum atque iniuriam, inramenti sui alias apud hane sedem in promocione sua ad Cnlmensem et Pomesaniensem ecclesias per nos facta corporaliter prestiii immemor de ipsins ecclesie regimine sen administratione se temere et de facto intronisit et varja in messe sic aliena preter omnem honorem atqne decenciam pontificalis dignitatis, presumptnose in periculum anime sue fecit et commisit, impediatnr aut quomodocungne perturbetur. 2) Abſchrift der Bulle des Papſtes an die Ermländer o. D. Schbl. XVIII. 17.
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Verhaͤltn. u. Stell. d. HM. Heinr. Neuß v. Plauen z. Kön. (1469.) 21 erlegten Schoſſes in Swift gerathen war, n Ermland wieder verlaſſen und in ſein Biſthum Kulm zurückkehren; allein der König gab noch keineswegs den Plan auf, die biſchöfliche Winde dem neuen Biſchofe bald zu entwinden. | eboten nun fehon dieſe Verhaͤltniſſe dem Statthalter in ſeinem Verhalten gegen den Koͤnig aufs neue alle moͤgliche Vorſicht und Beſonnenheit, ſo kam bald noch hinzu, daß Nach⸗ richten von allerlei bedenklichen Bewegungen, die in Preuſſen im Schwange ſeyn ſollten, und ſogar das Gerücht, als ſinne der Orden auf Antrieb des Kaiſers und des Koͤniges von Ungern wieder auf Krieg gegen Polen, bis zu des Koͤniges n und ſie fanden bei ihm wirklich ſo viel Glau⸗ ben, daß er ſofort die beiden Biſchoͤfe von Kulm und Leſlau Sie entdeckten bald das Grundloſe Der Statthalter indeß nahm die Geſandten den König um Milde⸗ ger Punkte des Thorner Friedens Abtretung Marienburgs an den Orden und den Erlaß des von dieſem jahrlich zu leiſtenden Tributs, theils andere ſchon auf der letzten Tagfahrt zu Marien⸗ burg zur Sprache gebrachten, für den Orden drückende Ver⸗ haͤltniſſe betrafen. Die Geſandten gaben darauf eine nichts⸗ ſagende Antwort, brachten jedoch im Namen des Koͤniges von neuem die Beſchleunigung der Meiſterwahl zur Sprache. 9 Der Statthalter ſah jetzt wohl ein, daß mit dieſer Wahl nicht langer gezögert werden dürfe, ohne des Königes Miß⸗ der verbreiteten Geruͤchte. Gelegenheit wahr, durch die rung und Veraͤnderung eini zu bitten, welche theils die 1) Schr. des vor Antoni 1469 des Schoſſes für voͤllig druͤcklichſte, dem ſ. g. Statthalters an ei nen Pfarrer, d. Tapiau Donnerſt. 8 Fol. V. 379; der Statthalter erklart die Auſtegung rechtswidrig u. verbot den Pfarrern aufs nach⸗ Adminiſtrator (was der Biſchof jedoch nicht einmal fey) die Abgabe zu leiſten, weil es keinem Viſchofe zuſtehe, auf Ordensbrüder oder Prieſter, die vom Orden Lehen beſaßen, Schatzung aufzulegen. 2) Dlugoss. . II. 446. Schitz p. 337, 3 Dlugoss. p. 451. Ein Verzeichniß der bei den Polnif. Se: ſandten angebrachten Punkte Schöl. LXXXII. 25,
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22 Verhaͤltn. u. Stell. d. HM. Heinr. Reuß v. Plauen z. Rön. (1469.) trauen von neuem wieder anzuregen. Er erließ daher alsbald an den Deutſchmeiſter eine Einladung zu einem großen Ordens⸗ kapitel. Obgleich nun dieſer, wie Ordnung und Geſetz es wollten, nicht ſelbſt erſchien, ſondern nur einige Bevollmaͤchtigte, naͤmlich den damaligen Ordensprocurator und paͤpſtlichen Re⸗ ferendar Dieterich von Cuba und den Komthur zu Brotfelden Georg von Diemar ſandte, fo trat das Kapitel zu Königsberg doch in geſetzlicher Ordnung zur Meiſterwahl zuſammen und erkor am funfzehnten October, wie zu erwarten war, einmuͤthig Heinrich Reuß von Plauen zur hochmeiſterlichen Wuͤrde.) Der Koͤnig hatte davon kaum Nachricht erhalten, als er ihn ſofort auffordern ließ, auf naͤchſtem Reichstage ihm gebührend die Huldigung zu leiſten. Allein es traten dabei mancherlei Be⸗ denklichkeiten ein. Da um dieſe Zeit der Biſchof Nicolaus von Samland, der alte, vieljaͤhrige Freund des neuen Hoch⸗ meiſters bereits ſo ſchwach war, daß man ſchon ganz an ſeiner Wiedergeneſung zweifeln mußte, ſo wuͤnſchte der Meiſter aus vielen Gruͤnden die biſchoͤfliche Wuͤrde von Samland in die Haͤnde des damals eben in Preuſſen anweſenden Ordens⸗ 1) Ueber den Wahltag weichen die Angaben etwas von einander ab. Auf einem Pergamentblatte Schbl. LXIX. 25 ſteht die ohne Zweifel gleichzeitig geſchriebene Nachricht: a. d. Millesimo quadringen- tesimo sexagesimo nono feria terfia ante festum b. Luce evang. Magnificus et religiosus frater Henricus Reuwss de Plauwen electus est in magistrum generalem. Dlugoss. T. II. 451 giebt den 20 Octo⸗ ber als den Wahltag an u. nach ihm auch die Neuern. Wir erſehen aus einem vom neuen HM ausgeftellten Revers, d. Königsberg Mittw. vor Simon u. Judaͤ 1469 bei Jaeger Cod. diplom. O. T. s. h. a., daß die Abgeſandten des Deutſchmeiſters den Auftrag gehabt hatten, „anders nicht denn in Kraft der Statuta zu wählen u. nicht anders denn nach Inhalt derſelben Gehorſam zu thun.“ An dieſem Auftrage batten fie Anfangs auch mit Ernſt feſtgehalten; nur auf beſondere Bitten des neuen Hochmeiſters u. der Gebietiger waren ſie bewogen worden, dießmal noch nachzugeben u. „das Innemen des Siegels In⸗ halts der Statuta gütlich zu erlaſſen.“ Der HM. mußte aber einen Revers ausſtellen, daß dieß den Rechten des Deutſchmeiſters u. ſeiner Nachfolger ins künftige nicht nachtheilig ſeyn ſolle,
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Verhältn. u. Stell. d. HM. Heinr. Reuß v. Plauen z. Kön. (1469,) 23 procurators Dieterich von Cuba gebracht zu ſehen, denn von der Umſicht, Klugheit und unerſchuͤtterlichen Characterfeſtigkeit dieſes Mannes hegte er auch für die Wohlfahrt und das Beſte des Landes manche große Erwartungen. Es galt dabei aber nicht bloß, das Samländiſche Domkapitel für dieſen Mann zu gewinnen, ſondern es war dazu vor allem auch die Gewogen⸗ heit des Papſtes nothwendig und dieſe ſtand allerdings auf dem Spiele, wenn er jetzt ohne weiteres dem Koͤnige die Huldigung leiſtete. Es war ferner Orden nach erfolgter Kriege, der dem Könige von Polen wegen ſeiner Verhaͤltniſſe zum Koͤnige Georg von drohte,) werde in Anſpruch Cuba, dem der Hochmeiſter und in ſeiner bedenklichen Lag um Rath fragte, 2 rieth ihm: perſoͤnlich vor dem Könige ſtellen, ſenden, ſich durch die im Lande e ſchuldigen und dem Koͤnige die S keit einer etwanigen Kriegsbeihül fo überhaupt es ihm ſchwer machen laſſen, nehmen, oder wenn der Hochmeiſter nicht dem Tage zu Petrikau zu erſcheinen, ſich der Orden zu einer Kriegshüͤlfe König ohne Verletzung und Beleidigu ſtehen koͤnne. Warnungen, ſicht ſeines v Koͤnig und d nn den Krieg zu unter⸗ umhin koͤnne, auf fo möge er erklaren, daß gegen einen chriſtlichen ng der Kirche nicht ver⸗ Ueberhaupt leuchtete aus allen Rathſchlaͤgen und welche Dieterich von Cuba dem Meiſter in Ruͤck⸗ orſichtigen und beſonnenen Verhaltens gegen den ie Danziger an die Hand gab, klar hervor, daß 1) Georg von Dohmen verſprach nämlich, den Sohn des Koͤniges von Polen Wladislav zu ſeinem Nachfolger in der Regentſchaft waͤhlen zu laſſen, wenn er ihn gegen Mathias von Ungern, den eine Partei in Böhmen zum Könige ernannt hatte, unterſtützen werde. 2) Schr. Dieterichs v. Cuba an d. HM. d. Preuſſ. Mark Mont, nach Simon u. Juda 1469 Schbl. LXVII. 92,
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24 Huldigung zu Petrikau. (1469.) er mit eben fo großer Klugheit alle Verhaͤltniſſe durchſchaute, als mit ungemeinem Scharfſinn und richtigem Urtheile alle Umſtaͤnde erwog und berechnete. Gegen den Koͤnig, rieth er ihm, moͤge er ſich auf alle Weiſe ſicher ſtellen, „denn, ſagte er, unangeſehen der Welt Untreue und geſchwinde, gefaͤhrliche Laͤufe, ſo duͤnkt mich Noth ſeyn, daß ihr ſondern Fleiß und Acht habet auf des Koͤniges Schrift und Botſchaft und euch nicht verdrießen laſſet, einen Brief zwei⸗ oder dreimal zu leſen und alle Worte eigentlich zu merken, damit ihr euch deſto beſſer in Antwort zu ſchicken wiſſet und ihr euch nicht mit Worten oder Schriften verlauft, denn ohne Zweifel wird euch wie einem Haſen nachgeſtellt, zumal da kundlich iſt, daß ihr weder leſen noch ſchreiben koͤnnt, wodurch vielleicht Urſachen zu Wege zu bringen ſind, vermittelſt welcher ihr zu Ungnade kommen moͤchtet euch und unſerm Orden zu unuͤberwindlichem Schaden, das alles niemand beſſer verhuͤten mag als ein verſtaͤndiger Kanzler und Gelehrter, der geuͤbt iſt in der Welt Liſt und Betruͤglichkeit.“ D , Nachdem der Hochmeiſter alle Verhaͤltniſſe reiflich erwogen, entſchloß er ſich endlich dennoch die Reiſe zum Koͤnige zu unternehmen. Es war in den letzten Tagen des Novembers, als er in Begleitung des Ordensſpittlers und Komthurs von Brandenburg Veit von Gich und ſeines Kompans Martin von Gebſattel auf dem Reichstage zu Petrikau anlangte, wo ihn der Koͤnig durch mehre Woiwoden und Ritter mit einem 1) Wir haben noch drei Schr. des Procurators Dieterich v. Cuba an d. HM. d. Thorn Freit. u. Sonnt. nach Aller Heilig. u. Frankfurt a. d. O. am Abend Martini 1469 Schbl. LXVII. 91. 93. 94; in allen warnt er den HM., ſich gegen den Koͤnig v. Polen in Acht zu nehmen; auch moͤge er ſich ſehr huͤten, wenn, wie er hoͤre, die Danziger ihm das Anerbieten machen wuͤrden, wieder zum Orden zuruͤckzukehren; er moͤge ſich vorſehen, daß die Danziger ihn dabei nicht betroͤgen u. dem Koͤnige verdaͤchtig machten; er moͤge alles durch Notare aufzeichnen laſſen, wenn fie ihr Anliegen bei ihm anbringen würden, damit man dieß noͤthigen Falls dem Könige vorlegen koͤnne, um dann „die Danziger mit ihrer eigenen Ruthe zu hauen.“
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Huldigung zu Petrikau. (1469,) 25 Ehrengeleite von voll empfangen li von den Biſchoͤfe Gemach geleitet, meiſter auf die Kniee nieder, als er dem Monarchen ſich nahete, fuͤr ſeinen Orden um Schutz und Schirm bittend. Nachdem und Gna Rath ein. Da trat zuerſt der on auswaͤrtsher es Hochmeiſters Wiſſen und Willen keine Endantwort habe geb 5 darum und weil er mit n, habe er ihn zu dieſem ſſen. Die wichtigſte Botſchaft, fuhr er fort, ſey aus Böhmen, wo man des Kö aufzunehmen wuͤnſche, jedoch ſo ſchaft bis an ſeinen Tod behalte. Dann ſetz die andern von den Boͤhmen geſtellten Bedingungen auseinander, die war, daß die Krone Polens ſich verpflichten ſolle, dem Kö Boͤhmen gegen jeden ſeiner Widerſacher Rath, Hilfe und Beiſtand zu leiſten. „Es ſind aber, fuhr ſogleich der Biſchof in ſchlauer Rede fort, im ewigen Frieden etliche Artikel, deren Erfuͤllung der Koͤnig ganz be⸗ ſonders verlangt.“ „Wohl, antwortete der Meiſter, ich bin ja hieher gekommen, um alles zu thun, was ich pflichtig bin.“ Auf dieſe Erklarung erfolgte zuerſt der Act der Huldigung. Der Hochmeiſter ſchwur kniend den vom Biſchofe von Krakau vorgeſprochenen und im Frieden vorgeſchriebenen Eid. Der König, ihm dabei zur Seite ſtehend, wollte ihn am Arme halten; der Meiſter iedoch wehrte dieſes ab. 9 Als er aufs — — 1) Es heißt im Berichte darüber: Der Biſchoff von Crakor ſtabet Im den eyd u. do der Herre Meiſter nedir knyte, ſtundt der konig an ſeiner ſeite u. hilt In bei einem arme, des ſich der Hoemeiſter werte, u. ſwur den eidt uß unſer Cancelleyen Czedil ſchrifft u. verdeutſchunge nach Inhalt unſers freden.
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26 Huldigung zu Petrikau. (1469.) ſtand, umarmte ihn der Koͤnig und wies ihm dann im Rathe den Mlatz zu feiner Linken an. Darauf begann die Verhand⸗ lung über die Boͤhmiſchen Angelegenheiten von neuem. Der Meiſter gab dabei manchen heilſamen Rath, vor allem daß man darin nichts ohne des Papſtes Zuſtimmung und Genehmigung unternehmen möge. Er erklaͤrte ſich dagegen, daß ſich der Koͤnig von Polen verpflichten ſolle, dem von Boͤhmen gegen alle ſeine Feinde mit Rath und Huͤlfe beizuſtehen. In gleicher Weiſe ward er auch in vielen andern Verhaͤltniſſen um ſeine Beiſtimmung und um Rath befragt.“ Jetzt aber trat der königliche Kanzler mit der Klage auf: er habe, von feinem Könige nach Rom geſandt, den Papſt um Beftätigung des ewigen Friedens gebeten; dieſer habe fie ver⸗ weigert, erklaͤrend: die Gegenpartei habe ihn heimlich bitten laſſen, den Frieden nicht zu beſtaͤtigen; dieß habe den König ſehr befremdet. Tief ergriffen von dieſer ungerechten und ver⸗ leumderiſchen Beſchuldigung ſtand der Meiſter auf und ſprach mit wuͤrdigem Ernſte: „Allergnaͤdigſter König! Ich habe mich bisher in allen Zeiten als ein aufrichtiger Herr gehalten; ſollte ich nun vernehmen, daß ich mich in meinen letzten Tagen be⸗ fleckt hätte, fo wuͤrde ich mich ſehr vergeſſen haben. Iſt es Sache, daß euere koͤnigliche Gnade ein ſolches von mir ver⸗ muthet, ſo bin ich nicht wuͤrdig, bei euerer koͤniglichen Gnade und eueren Raͤthen zu ſitzen, denn daß ich hier in euerem Rathe geſchworen und dort dagegen ſeyn follte, ftände keinem frommen Manne an. Wer viele hat, die ihn haſſen, muß auch viel Verdruß leiden.“ Der König erwiederte, ihn be⸗ güͤtigend: „was uns Arges von euch geſagt wird, koͤnnen wir nicht verſchweigen; wir begehren desgleichen von euch. Wir wiſſen aber fuͤrwahr, daß das Erwaͤhnte vor zwei Jahren ge⸗ ſchehen iſt, ehe ihr Hochmeiſter waret, weshalb wir es euch nicht Schuld geben.“ In der letzten Rathsſitzung verlangte der König noch: der Meiſter ſolle fortan keine Briefe des Papſtes 1) ueber dieſe Einzelheiten der Verhandlungen, die Preuſſen nicht weiter berühren, kann hier nicht die Rede ſeyn.
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Des HM. Heinrich Reuß von Plauen Tod. (1470.) 27 gegen den Biſcho in ſeinen Landen Biſchoͤfe wie in f von Kulm und Ermland annehmen oder annehmen laſſen, denn er wolle, daß alle Polen, fo auch in Preuffen nur mit ſeinem Willen aufgenommen werden follten. „Winde es denn, fügte er hinzu, dem Papſte wohl gefallen, wenn jemand einen Biſchof nach Rom ſetzen wollte gegen oder ohne ſeinen Willen?“ Der Hochmeiſter, wohl erkennend, wie leicht der König in dieſem Punkte erzürnt werden könne, verſprach es ohne Widerrede und willigte auch in die Forderung ein, die Stadt Wartenberg nach der Ablöfung der Soldner niemand anders als Herrn Fabian von Maul einzuräumen , d em der Koͤnig das Schloß an⸗ vertraue. So trat nun der Hochmeiſter, vom Koͤnige, wie es Sitte war, mit mancherlei Geſchenken beehrt, in den letzten Tagen des Jahres 1469 die Ruͤckkehr nach Preuſſen an. Krankheit aber geſtattete nur eine langſame Fahrt. In Mohrungen an⸗ gelangt war er an Kraͤften ſchon außerordentlich erfchöpft. 2 Da traf ihn, als er dort raſtete und eines Tages zu Tiſche ſaß, plotzlich der Schlag, ſo daß er beſinnungslos zur Erde niederſank. Seitdem der Sprache beraubt, ſtarb er kurz nach⸗ her am zweiten Januar des Jahres 1470. Seine Leiche ward nach Königsberg gebracht und dort unter den gebraͤuchlichen Feierlichkeiten im Dom, wo ſchon Ludwig von Erlichshauſen nuhte, beigeſetzt.) Er hatte das eigentliche Meiſteramt zwar — g 1) Ein genauer Receß über dieſe Verhandlungen im Fol. B. 34—43; eine kuͤrzere Anzeige im Fol. J. Diugoss. T. II. 453. 2) Die letzte Urkunde von ihm iſt die ſchon erwähnte Verſchreibung an Bartuſch v. Saufen über das Gut zu Woritten, d. Mohrungen am T. Innocentium 1470 3) In der bereits LXIX. nativitatem Christi Perplexus apoplexia anno septuagesimo in octava 5. Stephani prothomart. diem clausit extremum. Diugoss. T. II. 454 läßt feinen Tod am 2ten Januar u. fein Leichenbegaͤngniß zu Koͤnigs⸗ berg am Sten Januar 1470 erfolgen. Alte Preuſſ. Chron. p. 47. Nach Schütz p. 33 335 fol den HM. der Schlag zu Thorn getroffen haben, wovon die übrigen Quellen nichts wiſſen. erwahnten Nachricht auf Pergament Schbl. 25 heißt es: Pri incipatum tennit in dominicam primam post
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28 Des HM. Heinrich Reuß von Plauen Tod. (1470.) nur elf Wochen verwaltet; allein kaum hatte jemals in der Geſchichte des Ordens ein Gebietiger ein ſo vielſeitig bewegtes und in alle Verhaͤltniſſe des Landes tiefer und wirkungsreicher eingreifendes Leben gefiihrt, denn ſeit der Bund der Lande und Staͤdte gegen den Orden feindlich aufgetreten, war er eigentlich in Allem die Alles bewegende Seele geweſen. Die Mit⸗ und Nachwelt hat manchen Tadel uͤber ihn ausgeſprochen, denn wenn man feine Kühnheit und Entſchloſſenheit, feine Willensfeſtigkeit und kriegeriſchen Tugenden auch nicht ohne Ruhm gelaſſen hat, ſo iſt es ihm doch vorzuͤglich mit als Schuld angerechnet worden, daß die Lage des Ordens eine ſo unglückliche ward.) Theilt er aber hierin auch das Loos ſeines edlen Vorgaͤngers Heinrich von Plauen, hat man gleich auch ihm vor allen als Schuld zugeſchrieben, was offenbar ſchon großen Theils Schuld der fruͤhern Zeit und die Mitſchuld des ganzen Ordens war, hat ferner die Mitwelt es ihm auch wenig gedankt, daß er alle Kraft ſeines Willens, alle Thaͤtig⸗ keit ſeines Lebens, allen Muth und alle Energie ſeiner Seele daran ſetzte, ſeinem Orden, fuͤr deſſen Rettung und Erhebung er keine Opfer zu groß fand, aus ſeiner Bedraͤngniß und Er⸗ niedrigung wieder emporzuhelfen, ſo muß das Richteramt der Geſchichte, wo nur Wahrheit und Gerechtigkeit eine Stimme haben und Haß und Vorliebe verſtummen, ihm doch das Zeugniß ſtellen: er ſtand am Abend des Lebens und Daſeyns ſeines Ordens als die letzte erhebende Erſcheinung da, als ein Mann voll Geiſteskraft, voll Klugheit und Beſonnenheit, voll Entſchloſſenheit im Wollen und Handeln, durchdrungen von edlen Geſinnungen und Abſichten fuͤr die Sache, der er ſein ganzes Leben gewidmet, als ein Mann, der auf dem Stand⸗ 1) Henneberger p. 200. Simon Grunau Tr. XVIII. o. 1; von ihm ruͤhrt auch die Nachricht her, daß man Anfangs, weil man dieſem HM. alles Ungluͤck des Ordens zugeſchrieben, fein Bild nicht, wie ſonſt gewoͤhnlich geweſen, bei ſeinem Grabe aufgehaͤngt habe u. daß dieß erſt ſpäter vom HM. Martin Truchſes von Wetzhauſen der uͤblen Nachrede wegen geſchehen ſey.
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Heinrich von Richtenberg des HM. Statthalter. (1470.) 29 punkte und in der Stellung, die ihm ſein Lebensſchickſal an⸗ gewieſen hatte, ſtets nur das Beſte des Ordens und des Landes in ſeinen Beſtrebungen vor Augen hielt, als ein Fuͤrſt, auf den noch heute das fuͤrſtliche Haus der Plauen mit Stolz hinweiſen darf. Aber der Sturm der unglückſeligen Zeit war auch für feine Kraft zu maͤchtig; er konnte das Ungluͤck ſeines Ordens, fo gewaltig er gegen daſſelbe auch ankaͤmpfte, durch feinen Geiſt nicht bewaͤltigen; es knickte endlich auch ſeine Seele nieder. Fuͤnf Tage nach des Hochmeiſters Hingang ſtarb zu Kulm auch der edle Bernhard von Zinnenberg, wie man glaubte, an Gift und in ſo großer Armuth, daß ihm nicht einmal eine ge⸗ ziemende Beſtattung zugerichtet werden konnte.) So waren mit ihm und den beiden letzten Hochmeiſtern ſchon drei von denen, die bisher die Hauptleiter und Stimmfuͤhrer in den politiſchen Verhaͤltniſſen geweſen, von der Buͤhne abgetreten. Da Georg von Schlieben ſich jetzt nach den Muͤhen des Krieges ins Privatleben auf feine Güter zuruͤckgezogen hatte, auch Fritz von Raueneck bereits geſtorben und die meiſten Soͤldnerhaupt⸗ leute nach erlangter Zufriedenſtellung in ihren Forderungen aus dem Lande geſchieden waren, ſo blieben jetzt von denen, die unter den vergangenen Stuͤrmen eine hervortretende Rolle ge⸗ ſpielt, nur noch einige wenige übrig. Zu ihnen gehörte auch noch der Großkomthur Heinrich Reffle von Richtenberg, 2 den man ſofort nach des Hochmeiſters Tod zum Statthalter er⸗ nannte. Er hatte noch nicht lange in hoͤhern Aemtern ge⸗ ſtanden. Mehre Jahre hindurch (14481451) war er Kompan des Hochmeiſters geweſen, hatte dann im Verlaufe des Bundes⸗ krieges viele Jahre das Fiſchmeiſteramt zu Putzig verwaltet, bis er nach dem Friedensſchluſſe in die Winde des Groß⸗ komthurs erhoben wurde. Er hatte alſo den ganzen Jammer 1) Dlugoss. T. II. 434. 2) Gewoͤhnlich bloß Heinrich von Richtenberg genannt. Der Name le oder Refle kommt in Urkunden ſelten vor; doch erſcheint er hie u. da, zuweilen Refflyn oder Renfflyn geſchrieben. 3) Als ſolchen finden wir ihn ſchon am Mont. nach Epiphan. 1465. Reff
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30 Dieterich von Cuba Biſchof von Samland. (1470.) der ungluͤcksvollen Zeit mit durchlebt, und öfter hatte auch er den ſchwerſten Druck von Sorgen und Entbehrungen getragen.“ um ſo thaͤtiger fuhr er in gleicher Weiſe wie Heinrich Reuß von Plauen fort, theils durch Pfandverſchreibungen und urkund⸗ liche Anerkenntniſſe zu jährlichen Zahlungsleiſtungen, theils auch durch ſofortige Abzahlungen oder Güterverleihungen die Söldner⸗ fuͤhrer in ihren Schuldforderungen zu befriedigen, ? denn noch immer laſteten ungeheuere Schulden auf dem unglücklichen Lande. Selbſt von der Schuldforderung des Herzogs Balthaſar von Sagan, die der Hochmeiſter Ludwig von Erlichshauſen ſchon im Jahre 1455 auf vierzigtauſend Rheiniſ. Gulden anerkannt, war noch nichts entrichtet, denn erſt jetzt einigten ſich die Herzoge Balthaſar und Johann von Sagan über die Theilung dieſer Schuldſumme und es dauerte noch laͤnger als zehn Jahre, ehe der Orden im Stande war, fie völlig abzutragen. * Mittlerweile aber war bald nach dem Hochmeiſter im Januar dieſes Jahres auch der Biſchof Nicolaus von Sam⸗ land geſtorben.) Das Domkapitel waͤhlte jedoch nicht, wie 1) Schr. Heinrichs v. Richtenberg, Fiſchmeiſter zu Putzig, an d. HM. d. Stargard Mittw. vor Valentini 1465 Schbl. LXIX. 28, wo er ſehr über feinen großen Mangel an dem noͤthigen Unterhalte klagt; er bittet daher den HM., ihn lieber in eine Deutſche Ballei gehen zu laſſen. 2) Darüber unter andern ein Zeugniß Chriſtophs v. Zedlitz, Hauptm. zu Neumark u. Brathean, d. Sonnab. nach Stanislai 1470 Schbl. II. 8. 3) Die Einigungsurkunde der Herzoge Balthaſar u. Johann v. Sagan, d. Mittw. vor S. Nicolai 1470 Schbl. 31. 24. 4) Ueber die Zeit des Todes des Biſchofs Nicolaus von Sam⸗ land entgehen uns die genauern Nachrichten. Daß er im November 1469 ſchon ſehr ſchwach und krank geweſen, wird durch ein Schr. Die⸗ terichs von Cuba an den HM. d. Thorn Sonnt. nach Aller Heilig. 1469 Schbl. LXVII. 94 außer Zweifel geſetzt; daß er aber in der Mitte des Novemb. 1469 noch lebte, beweiſt ein anderes Schr. Die⸗ terichs, d. Frankfurt a. d. O. am Abend Martini 1469 Schbl. LXVII. 91. Es läßt ſich ſehr wahrſcheinlich machen, daß der Biſchof erſt im Januar 1470 geſtorben ſey; vgl. Gebſer Geſch. der Domkirche zu Koͤnigsb. B. I. S. 201.
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Dieterich von Cuba Biſchof von Samland. (1470.) 31 der verſtorbene Meifter gewuͤnſcht, den damaligen Ordenspro⸗ curator Dietrich von Cuba, ſondern den Samlaͤndiſchen Dom⸗ propſt Michael Schoͤnwald zum Biſchofe und es gingen als⸗ bald einige Abgeordnete des Kapitels mit Vollmacht nach Rom, um vom Papſte die Beſtaͤtigung auszuwirken.) Zugleich trug auch der Statthalter dem Ordensprocurator auf, die Be⸗ ftätigung des Gewählten fo thaͤtig als moͤglich zu befoͤrdern. Da indeß ſchon mehre Wochen vor der Ankunft jener Abge⸗ ordneten des Biſchofs Nicolaus Tod in Rom bekannt gewor⸗ den war, ſo bot ſogleich Dieterich von Cuba, wie er ſelbſt ſagt, auf den Anrath mehrer Freunde des Ordens alle Mittel auf, die bifchöfliche Würde in feine eigenen Hände zu bringen und es gelang ihm bei feinen Verbindungen am paͤpſtlichen Hofe, den Papſt fur feine Wuͤnſche zu gewinnen. Er erhielt die paͤpſtliche Beſtaͤigung und zeigte fie auch ſofort dem Statthalter an, indem er zugleich die Gründe entwickelte, die ihn zu ſeinem Verfahren beſtimmt haͤtten. Schlau berichtete er: es habe ihn nur der Friede der Kirche und das Beſte des Ordens zu ſeinem Schritte bewogen. Da der Biſchof von Oeſel ſich an das Kapitel gedraͤngt und mit dieſem in Miß⸗ helligkeit gerathen ſey, fo habe er die Gefahr bedacht, welche entſtehen werde, wenn das Kapitel ein Herr regiere, mit dem es im Unfrieden lebe; und weil uͤberdieß auch der genannte Biſchof den Ordensmantel abgelegt, ſo ſey ſehr zu beſorgen geweſen, daß man jetzt anfangen moͤge, das Biſthum Sam⸗ land dem Orden zu entfremden und es an ſolche zu bringen, die dem Orden nicht geneigt ſeyen. Ferner habe auch noch ein anderer, den der Statthalter wohl kenne, ſich ſehr um das Biſthum bemüht; und außerdem ſey ihm bekannt geworden, daß die Domherren von Samland, weil ſie die Bekanntma⸗ chung einer paͤpſtlichen Bulle verboten haͤtten, nach Inhalt derſelben Bulle deshalb in den Bann geſallen ſeyen und ſomit dem Rechte nach gar keine Wahl haͤtten vornehmen 1) Darüber der Entwu rf eines Notariatsinſtruments, d. 26 Febr. 1470 Schbl. LXVII. 59, *
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32 Dieterich von Cuba Biſchof von Samland. (1470.) koͤnnen, die, wenn ſie nun auch geſchehen ſey, doch keine Gültigkeit habe. Da nun unter ſolchen Umſtaͤnden der Papſt ihm das Biſthum angetragen, ſo habe er kein Bedenken gehabt, es anzunehmen. So wußte Dieterich von Cuba mit aller Schlauheit, die ihm eigen war, durch allerlei Schein⸗ gruͤnde ſeinen Schritt zu bemaͤnteln und erſuchte endlich den Statthalter, ihn in feiner Winde zu ſchuͤtzen und gegen feine Widerſacher aufrecht zu erhalten.) Er ernannte albald den vom Domkapitel Erwaͤhlten Michael Schoͤnwald, ſowie den Dechant von Samland und ſeinen bisherigen Secretaͤr, den Trierſchen Klerikus Johann Inghus von Ghyſen zu ſeinen Vikarien und General- Officialen in allen geiftlichen und welt⸗ lichen Angelegenheiten und Überhaupt zu feinen Generals Be: vollmaͤchtigten während feiner Abweſenheit, zeigte ihnen alle ihre Pflichten und Rechte an, ſandte ſogleich den letztern und ſeinen Secretaͤr Georg Ungern, Domherrn zu Dorpat nach Preuſſen, ) gewann durch ein ſehr verbindliches Schreiben auch den Secretaͤr des Statthalters Liborius Naker fir ſich ?) und ſuchte endlich auch den Statthalter dadurch ſich noch mehr ges neigt zu ſtimmen, daß er ihm die Zuſicherung gab: er werde es nicht an Fleiß und Eifer fehlen laſſen, den Gottesdienſt in ſeinem Biſthum wieder mehr in Ordnung und Aufnahme zu bringen; er habe auch bereits die Zuſage erhalten, fuͤr ſein Stift „einen merklichen Ablaß zu erlangen, wodurch ihr und andere ihrer Miſſethaten in dieſen Kriegen gereinigt, unſer Stift gebeſſert und ihr alle abſolvirt werden ſollt, die da Todtſchlaͤge 1) Das weitläuftige Schreiben Dieterichs v. Cuba an d. Statt⸗ halter, d. Rom Mittw. nach Johannis ante Portam lat. 1470 Schbl. LXVII. 90. Das Schreiben iſt ein wahres Meiſterſtuͤck von Schein⸗ thuerei. 2) Credenz⸗ Schr. des Biſchofs v. Samland Dieterich, d. Rom Mitiw. am 9. Mai 1470 Schbl. LXVII. 88. Die urk. des Biſchofs über die Ernennung der erwähnten Bevollmächtigten, d. Rom 13 Mai 1470 Schbl. LU. 13. 3) Schr. des Biſch. v. Samland an den Secretaͤr des Statthal⸗ ters, d. Rom 15 Mai 1470 Schl. LXVII. 89.
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Dieterich von Cuba Biſchof von Samland. (1470.) 33 verübt haben und größere Sachen.“ v Alle dieſe Verhaͤltniſſe, ſowie endlich auch die Empfehlung und der Rath des Deutſch⸗ meiſters, dem der Papſt durch eine empfehlende Bulle die Er⸗ hebung und Beſtaͤtigung Dieterichs angezeigt, ? bewogen den Statthalter, dem neuen Biſchofe durch keinen Schritt ſich wei⸗ ter entgegen zu ſtellen. Aber eben fo wenig hören wir, daß das Domkapitel irgend einen Verſuch zur Aufrechthaltung ſei⸗ nes Wahlrechtes gewagt habe, obgleich ihm Dieterich gewiß nicht ohne Abſicht dazu hinlaͤnglich Zeit ließ, denn erſt im October dieſes Jahres machte er den Geiſtlichen ſeines Spren⸗ gels ſeine biſchoͤfliche Beſtaͤtigung bekannt. 3) Der Statthalter aber fand es um ſo mehr gerathen, im Biſthum Samland allen Zwiſt zu verhüten, da der Papſt, der die Unterwerfung Ermlands unter die Oberherrſchaft Polens immer noch nicht anerkennen zu wollen ſchien, den Orden von neuem mit in die ſtreitigen Verhaͤltniſſe uber das Biſthum Ermland verwickelte. Davon benachrichtigt, daß der Koͤnig von Polen den verſtorbenen Hochmeiſter verpflichtet habe, die Stadt Wartenberg niemand anders als nur dem Ritter Fabian von Maul einzuraͤumen, erließ er durch eine beſondere Bulle an den Statthalter nicht nur den Befehl, die erwaͤhnte Stadt, die zu den Tiſchguͤtern des Ermlaͤndiſchen Biſchofs gehoͤrte, auch nur dem Biſchofe Nicolaus von Ermland oder, da dieſer vom anmaßlichen Biſchofe von Kulm immer noch an der Be⸗ ſitznabme feines biſchöͤflichen Stuhles verhindert werde, deſſen Stellvertreter zu übergeben, ſondern auch die Weiſung, ſich des neuen Biſchofs Nicolaus gegen ſeinen Widerſacher zur Be⸗ hauptung ſeiner Gerechtſame auf jede Weiſe anzunehmen und ihn noͤthigen Falls auch mit Macht zu vertheidigen. Schon die Annahme dieſer Bulle, noch mehr aber ihr Inhalt brachte 1) Schr. des Biſch. v. Samland an d. Statthalter, d. Rom am Samſtage Potentianae virg. 1470 Schbl. LXVII. 87. 2) Schr. des Deutſchmeiſters an d. Statthalter, d. Horneck Freit. Petri u. Pauli 1470 Schbl. LXVIT. 86. 3) Schr. des Biſchofs v. Samland an die Geiſtlichen feines Spren⸗ gels, d. ex urbe octava Octobr. 1470 Schbl. LXVII. 74. IX. 3
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34 Heinr. v. Richtenberg Hochmſtr.⸗Wahl u. Huldigung. (1470.) den Statthalter in große Verlegenheit, denn der Papſt verbot, was des Koͤniges Wille befohlen, und jener drohte mit dem Banne, wenn ihm nicht Folge geleiſtet werde.“ Heinrichs von Richtenberg Lage ward wo möglich noch druͤckender und bedraͤngter, ſo lange er noch in ſeiner unſichern Stellung als Statthalter daſtand. Nun waren zwar laͤngſt die beiden Meiſter und die vornehmſten Gebietiger aus Deutſch⸗ land und Livland zur neuen Meiſterwahl eingeladen; allein auch dießmal wieder ſandte der Deutſchmeiſter nur zwei bevoll⸗ maͤchtigte Stellvertreter und ebenſo auch andere Gebietiger, > denn faſt ſchien es ſchon, als achte man die neue Hochmeiſter⸗ wahl einer Reiſe nach Preuſſen nicht einmal mehr werth. Als darauf nach ihrer und der uͤbrigen Gebietiger Ankunft in Königsberg das Wahlkapitel am Michaelis = Tage verſammelt werden konnte, ſiel die Kuͤr einmuͤthig auf den bisherigen Statthalter ſelbſt und Heinrich Reffle von Richtenberg ward ſomit als Hochmeister ausgerufen. Er war der dreißigſte in der Reihe der Meiſter. In ſeine bisherige Wuͤrde als Groß⸗ komthur ward nach Beſtimmung des Kapitels Wilhelm von Eppingen erhoben, deſſen Komthuramt zu Neidenburg von ihm 1) Bulle des Papſtes an den Statthalter, d. Romae undecimo Cal. Augusti 1470 p. a. VI. Schbl. XIV. 2. Nicht ohne Grund ſagt der Papſt auch hier noch von der Ermlaͤndiſ. Kirche „que cum ipsius iuribus singulis et bonis nobis et apostolice sedi ratione ſuudationis immediate subiecta existit. Auch als Bifchof von Kulm ſcheint er den, Vincenz Kielbaſſa nicht anzuerkennen, denn er nennt ihn quendam Vinceneinm Kelbass se pro Episcopo Culmense gerentem. 2) Schr. des Deutſchmeiſters an d. Statthalter, d. Mergentheim Mittw. vor Bartholom. 1470 Schbl. DM. 22. Schr. des Herzogs Sigismund v. Oeſterreich an d. Statthalter, d. Inſpruck Samſt. nach Kreuzerhoͤh. 1470 Schbl. LXIX. 29. 3) Wenn Baczko VB. IV. 61 den 6ten Februar 1470 als Wahl⸗ tag angiebt, fo folgt er darin der Angabe bei Henneberger S. 201, der hier den Simon Grunau Tr. XVIII. c. III. 1. zur Quelle har. Daß die Angabe falſch iſt, zeigt der erſte Blick; die richtigere finden wir bei Dlugoss. T. II. 459, der mit allen übrigen Quellen uͤbereinſtimmt; vgl, Pauli B. IV. 363.
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Heinr. v. Richtenberg Hochmſtr.⸗Wahl u. Huldigung. (1470.) 35 vorerſt noch beibehalten wurde.) In den übrigen Gebietiger⸗ aͤmtern gingen weiter keine Veränderungen vor. um dieſelbe Zeit noch ein anderer Anlaß, ſich mit dem Koͤnige naͤher zu berathen. Die Eroberung und gänzliche Zerſtoͤrung aufbot, um durch eine ſtarke Heeres macht der chriſtlichen Fuͤr⸗ ſten dem ſchrecklichen Feinde d i leiſten. Schon im Auguſt dieſes Jahres h den damaligen Statthalter des Hochmei aufgefordert, gegen „ den mächtigen Drachen, den blutgierigen und peſtilenzialiſchen Hund“, wie er den Fuͤrſten der Tuͤrken nannte, mit aller Macht aufz i Feindes mit der Beihuͤlfe anderer Fuͤrſten und Völker Ita⸗ liens und des ganzen Abendlandes Einhalt zu thun. Seiner Seits erbot ſich der Papſt, den Sieg der chriſtlichen Waffen durch Proceſſionen, Ausſtellung der Reliquien der Heiligen, Beten und Faſten bei Gott auf alle Weiſe zu foͤrdern. v In dieſer Angelegenheit wuͤnſchte der Hochmeiſter ſich mit dem Koͤnige zu berathen. Da nun eben damals ein papſtlicher a ——— 1) Wir finden Wilhelm v. Eppingen im J. 1470 beſtimmt ſchon als Großkomthur, aber in den J. 1471 u. 1472 auch als Großkomthur und Komthur v. Neidenburg zugleich. 2) Eredenzbrief des Koͤniges v. Polen an d. HM. fuͤr den Ge⸗ ſandten Andreas Oporowski, Doctor beider Rechte, Archidiaconus v. Gneſen, d. in nova civitate Corczyn feria sexta in orast. S. Luce evang. 1470 Schbl. 69. 1. 3) Bulle des Papſtes an d. Statthalter, d. Rome vn Cal. Septemb. 1470 p. a. VI. Schbl. XIV. 3. Der Papſt nennt den Türe kiſchen Fuͤrſten Draco Potentissimus imnanissimus Princeps Turcho- rum, rabidissimus pestilentissimus canis. Mol, über die Türkiſchen Anz gelegenheiten Detmar B. II. S. 336 — 337. 3 *
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36 Heinr. v. Richtenberg Hochmſtr.⸗Wahl u. Huldigung. (1470.) Legat, der Biſchof Alexander von Forli auf dem Reichstage zu Petrikau beim Könige angekommen war, ſo beſchleunigte Heinrich von Richtenberg ſeine Reiſe dahin und langte bereits am fiebzehnten November dort an. ) Der Staroſt von Pofen, an der Spitze eines Ehrengeleites von dreihundert Rittern und Herren führte ihn unter vielen Ehrenbezeigungen in die Stadt ein. Vom Könige zuerſt mit einem Ehrengaſtmahl erfreut, leiſtete er dann am zwanzigſten November vor dem Koͤnige knieend den Huldigungseid in die Hand des Erzbiſchofs von Gnefen.? In Betreff der Tuͤrkenhuͤlfe erklärte ſich der Koͤnig abſichtlich ſehr unbeſtimmt; doch kam ihm offenbar das Anſin⸗ nen des Papſtes nicht unerwuͤnſcht; daher mußte auch auf fein ausdrückliches Geſuch der Hochmeiſter den paͤpſtlichen Le⸗ gaten jetzt dringend bitten, beim Papſte nun endlich die Be⸗ ſtaͤigung des ewigen Friedens auszuwirken und der Legat verſprach auch allen Fleiß anzuwenden, wie er ſich denn uͤber⸗ haupt, natürlich aus Ruͤckſichten auf die Wuͤnſche des Papſtes, in Allem dem Koͤnige uͤberaus geneigt bewies.) In den An⸗ gelegenheiten Boͤhmens, woruͤber man auch jetzt wieder den Hochmeiſter um Rath fragte, rieth er wie ſein Vorgaͤnger zu einer friedlichen Ausgleichung. Dagegen verſprach ihm der Koͤnig auf ſeine Klage, daß Bernhards von Zinnenberg Bru⸗ der den Orden wegen Abzahlung des ruͤckſtaͤndigen Dienſtſol⸗ des uͤbermaͤßig bedraͤnge, in die Sache mit einzugreifen und verhieß ihm auch ſeine Beihuͤlſe gegen alle diejenigen, welche früher im Kriege auf des Koͤniges Seite geſtanden, jetzt aber mit ihren Gütern wieder unter die Herrſchaft des Ordens ge⸗ kommen waren, dieſem dennoch die Huldigung verweigerten. Des Meiſters Beſchwerde aber Über die Elbinger, die jetzt den 1) Diugoss. T. II. 459 völlig uübereinſtimmend mit dem über dieſe Verhandlungen zu Petrikau vorhandenen Receß im Fol. B. 43 — 46. 2) Darüber das Zeugniß des Erzbiſchofs v. Gneſen, d. in Piotrkow in Conveutione generali XX Novemb. 1470 bei Dogiel T. IV. 177, woraus zum Theil die Art der Huldigungoleiſtung zu erſehen ift, 3) Receß a, a. O.
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Finanzverwaltung. (1470.) 37 Gütern des Ordens die freie Fahrt über den Draufen = See nicht mehr geftatten wollten, blieb unerledigt, weil der König die Streitfrage zuvor einer naͤhern Unterſuchung unterwerfen wollte.) Darauf kehrte der Hochmeiſter ohne weitere wichtige Verhandlungen, mit feinen Gebietigern wie gewöhnlich durch mehre koͤnigliche Geſchenke erfreut, nach Preuſſen zuruck. v Da Heinrich von Richtenberg wohl einſah, daß nur erſt nach Tilgung der großen Schuldenlaſt, die vorerſt noch alles hinraffte, was an neuen Staatseinkuͤnften gewonnen ward, ein ſicherer Anfang zu einem neuerwachſenden Wohlſtand und Ge⸗ deihen des Volkes gemacht werden koͤnne, fo ſtellte auch er es ſich ſogleich beim Beginne ſeines Meiſteramtes zur wichtigſten Aufgabe, auf jede Weiſe die noͤthigen Mittel zu vermehren, wodurch der Orden ſich ſeiner Schulden entledigen koͤnne. Es war natürlich, daß der Orden und das Land dazu gleichmaͤßig mitwirken und beiſteuern mußten. Er berief deshalb bald nach ſeiner Ruͤckkehr aus Polen einen allgemeinen Landtag und ein Ordenskapitel nach Koͤnigsberg, um da gewiſſe Mittel zu dem erwaͤhnten Zwecke in nähere Berathung zu ziehen. Sparſamkeit und Ordnung in der Finanzverwaltung ſchienen vor allem eine ſtrenge Beachtung zu verdienen. Der Hoch⸗ meiſter brachte daher in Vorſchlag: die Gebietiger ſollten ſich in der Zahl ihrer Diener, Geſinde, Pferde und in allen ihren Ausgaben mehr beſchraͤnken. Sie willigten auch ein, jedoch mit der Bitte, der Meiſter moͤge wegen der Verſorgung der zu entlaſſenden Diener die Beſchraͤnkung nicht zu plotzlich, ſondern mehr nach und nach eintreten laſſen. Es ward indeß ſogleich eine Viſitation der Ordenshaͤuſer für gut befunden, um vorerſt wenigſtens das überſtüßige Geſinde auszumitteln. Darauf be⸗ vie) man ſich auch über eine zweckmaͤßige Ordnung in der Ablegung der Amtsrechnungen von Seiten der Komthure und Amtleute. Die Gebietiger ſelbſt legten zur Berathung Vor⸗ 1) So weit giebt der erwähnte Receß Nachricht über die Verhand⸗ lungen; er iſt aber wahrſcheinlich nicht ganz vollſtaͤndig. 2) Dlugoss. T. II. 459.
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38 Finanzverwaltung. (1471.) ſchlaͤge vor Über die Einrichtung der Konvente nach alter Ord⸗ nung und Gewohnheit, uͤber die Wiederherſtellung einer ſ. g. Ehrentafel im Konventsremter zu Koͤnigsberg, ) uͤber die Spei⸗ ſung des Hochmeiſters mit den Ordensrittern im Remter nach alter Sitte, uͤber den Dienſt der Kompane des Meiſters, die Pflege und Behandlung der kranken Ordensbruͤder in der Fir⸗ marie, uͤber die Einrichtung des hochmeiſterlichen Tiſches und uͤber mehres dergleichen, was alles theils die Aufrechthaltung der alten Sitte, des Anſtandes und der Ehre des Ordens, theils die moͤglichſte Sparſamkeit bezweckte.) Es ward fer⸗ ner auch fuͤr noͤthig erachtet, auf die Wiederherſtellung und ſtrengere Abhaltung des im Orden vorgeſchriebenen Gottes⸗ dienſtes, ſowie auf puͤnktlicheren Gehorſam gegen den Hoch⸗ meiſter groͤßere Aufmerkſamkeit zu verwenden, auf gewiſſen⸗ haftere Beobachtung der Faſttage zu ſehen, die Ordensamtleute in Ruͤckſicht ihrer Verwaltung, beſonders in der Ablegung ihrer Rechnungen in ſtrenger Ordnung zu halten und die Ungehor⸗ ſamen und Untreuen andern zur Warnung mit allem Nach⸗ druck zu beſtrafen. Endlich ſchlug man auch vor, den Hof des Hochmeiſters, der jetzt zu groß ſey, mehr zu verringern.“ In Folge des Landtages zu Koͤnigsberg ward hierauf mit dem Anfange des Jahres 1471 eine Land- und Stadtacciſe ausgeſchrieben, deren Ertrag ebenfalls zur Abzahlung der Sold⸗ 1) „Das die czwue langen Tafeln im CoventzRemther widde⸗ rumbe auffgericht werden, die allzit vor vilen langen Jaren geweſt und die eine die Tafel der eren genant, das ſelbig nach alſo gehalten mocht werden unſerm gnedigen herrn und orden zu eren.“ 2) Es hieß z. B. „das ſeine Gnade, wenn die allein were ein notturft gerichte zu ſeiner gnaden tiſche ließe kochen, So aber ſeine gnade geſte hätte, alsdann feine gnade auch wie ſichs gebuͤrt ließe kochen.“ 3) Die Nachricht von einem Landtage im J. 1470 in Koͤnigsberg gehalten, wo man „eine große Reformation des Ordens und deſſen Bedienten angeſtellt“ habe, giebt das Erlaͤut. Preuſſ. B. I. 285, ſagt aber nichts von den Verhandlungen und Beſchluͤſſen. Dieſe befinden ſich im Schbl. LXXI. 24 unter der Aufſchrift: Angeben der Gepieti⸗ ger von meßigung gros Übrigen gefindes.
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Biſchofl. Streithaͤndel im Ermland. (1471.) 39 ſchulden verwandt werden ſollte. Um das Land daruber zu beruhigen, gab im Ausſchreiben der Hochmeiſter die ausdruͤckliche Zuſicherung, daß die Abgabe nur ein Jahr dauern und den Landesfreiheiten und Privilegien keinen Eintrag thun ſolle. Beſonders beſteuert waren Getreide, Salz, Fiſche, Hopfen, Malz, Bier, Wein u. dgl.) Wie es auf dieſe Weiſe wiederum gelang, mit dem Ertrage der Abgabe eine Anzahl Soͤldner zu befriedigen, ſo ſuhr der Meiſter auch fort, manche Schuld durch ländliche Verſchreibungen zu tilgen. So erhielten z. B. die Bruͤder Konrad und Hartung von Egloſſtein die Stadt Domnau nebſt dem nahegelegenen Richthofe und einige nahe Dörfer für ihre geleiſteten Dienſte als Beſitzthum zugewieſen. 2 Auch die Geſandten, die der Koͤnig von Polen in dieſem Jahre nach Preuſſen ſchickte, wußten in Koͤnigsberg, wo ſie den Hochmeiſter beſuchten, manche Mißhelligkeit zwiſchen ihm und den un⸗ zufriedenen Soͤldnern zu beſchwichtigen.)) Freilich aber konnte unter ſolchen Umftänden der Hochmeiſter auf die flehentliche Bitte des Deutſchmeiſters um Huͤlfe und Unterſtützung in feinen ſchweren Bedraͤ ngniffen weiter keine Rüͤckſicht nehmen, obgleich er nicht ohne Kummer vernahm, daß auch in Deutſchland der Orden mit einer kaum noch ertraͤglichen Laſt von Schulden, Leiden und Bekuümmerniſſen aller Art zu kaͤmpfen hatte, ſo daß der Deutfchmeift er damals ſchon faſt den Untergang des Ordens dort zu fürchten hatte. 9 Das Jahr indeß, in welchem ſonſt nicht viel Denkwuͤrdiges vorfiel, ging nicht vorüber, ohne daß die Streithaͤndel in den 9 Die nähern Beſtimmungen im Entwurfe zu dem öffentlichen Ausſchreiben darüber, d. Koͤnigsb. am T. Pauli Bekehr. 1471 Schbl. LVU. 78. Man findet darin auch ſchon die Thor⸗Acciſe Koͤnigsbergs angeordnet. 2) Die Verſchreibung „d. Koͤnigsb. Sonnt. vor Viti u. Modeſt. 1472. 3) Dlugoss p. 463. Die Geſandten hatten auch im Koͤnigs⸗ theile Preuſſens die Anordnung einer Acciſe bewirkt. 0 Schr. des Deutſchmeiſt. an d. HM. d Sonnt. Quaſimo⸗ dogen. 1471 Schl. 98. 31.
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40 Biſchoͤfl. Streithaͤndel im Ermland. (1471.) biſchoͤflichen Verhaͤltniſſen Ermlands auch für den Hochmeiſter die ernſtlichſten Beſorgniſſe erregten. Der vom Domkapitel erwaͤhlte Biſchof Nicolaus von Tuͤngen, von einer Krankheit geneſen, hatte vom Papſt Paul dem Zweiten bereits nicht bloß die Betätigung erhalten, ſondern nach deſſen Vorſchrift dem Erzbiſchof von Riga auch ſchon den Eid geleiſtet.) Trotz dem gab auch der Biſchof von Kulm Vincenz Kielbaſſa feine Hoff⸗ nung zum Biſthum noch nicht auf, zumal da erſt vor kurzem die Stadt Braunsberg einem koͤniglichen Bevollmächtigten bei der dem Koͤnige geleiſteten Huldigung zugleich auch das Ver⸗ ſprechen hatte geben muͤſſen, daß fie niemals einen Biſchof ohne des Koͤniges, ſeiner Praͤlaten und Raͤthe und der Lande Preuſſen Wiſſen und Willen aufnehmen und anerkennen wolle. 2 Davon benachrichtigt, daß ſein Gegner Hoffnung habe, ſich mit kriegeriſcher Huͤlfe aus Livland in den Beſitz des Biſthums zu ſetzen, bot jetzt Vincenz Kielbaſſa alle Mittel auf, ſich die Gunſt des Hochmeiſters zu erwerben und er glaubte dleſe am leich⸗ teften dadurch zu erlangen, daß er ſich alle Mühe gab, einige der unzufriedenſten Soͤldnerhauptleute, wie Muſigk von Swynau u. a. mit dem Orden auszugleichen. Dieß gluͤckte ihm auch in vielen Fällen und der Hochmeifter bewies ihm deshalb auch ungleich geneigtere Geſinnungen als fein Vorgaͤnger. Da indeß der König mehr und mehr ſelbſt einſah, daß Vincenz bei der im Ermland gegen ihn aufgeregten Stimmung ſchwerlich zum Ziele kommen werde, ſo ernannte er, wahrſcheinlich in Folge der letzten Verhandlungen mit dem paͤpſtlichen Legaten, den bisherigen Archidiaconus von Gneſen und Domherrn zu Ploczk Andreas Oporowski zum Ermlaͤndiſchen Biſchofe und 1) Abſchrift der Beſtaͤtigungsbulle des Papſtes Paul II für den Biſch. Nicolaus v. Ermland an den Koͤnig v. Polen gerichtet, d. Rome Cal. Decembr. p. a. duinto im geh. Archiv. 2) Die urkunde des Rathes und der Gemeine von Braunsberg darüber, d. Braunsb. am T. Nativit. Chr. 1470 Schbl. XI. VII. 9. 3) Darüber drei Schr. des Biſchofs v. Kulm an d. HM. d. Loͤbau am Abend Viſit. Mariä, Sonnt. infra octavas visit. Mariae u. Ricſenb. Dienſt. nach Laurent. 1471 Schbl. LXIV. 89. 91. LIll. 8.
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Fehde mit den Söldnern. (1472.) 41 der Papſt Sirtus der Vierte, der mittlerweile den Röm. Stuhl beſtiegen hatte ) und eine Ausſöhnung mit dem Könige wüͤnſchte, ward von dieſem leicht gewonnen, ihm auch die Beſtätigung zu ertheilen und Nicolaus von Tingen mit einem andern Biſthum zu verſorgen.? Dieſer jedoch damit unzufrieden, auch darauf verkrauend, daß der neue Gegner eben ſo wenig Anhang im Biſthum finden werde, zugleich ſich ſtützend auf ſeine recht⸗ maͤßige Wahl und auf die erlangte paͤpſtliche Beſtaͤtigung, endlich auch nicht ohne Hoffnung auf Huͤlſe vom Koͤnige von Ungern, (der mit Polen im Krie ge ſtand) ) und vom Kur: fuͤrſten von Brandenburg, beſchloß, 9 ſich mit Gewalt ſeines Biſchofsſtuhles zu bemächtigen. Bevor jedoch der Biſchof Nicolaus im Jahre 1472 in Ermland ankam, hatten im Ordensgebiete ſelbſt ſchon kriege⸗ riſche Ereigniſſe begonnen. Wie der Herzog Johann von Sagan, heſtig erbittert uͤber eine abfchlägige Antwort des Hochmeiſters wegen augenblicklicher Entrichtung feiner ganzen Schuldforderung, ſogar fo kuͤhn war, mit einer großen Zahl Schleſiſcher Edelleute und allen ſeinen Mannen dem Koͤnige von Polen deshalb Fehde anzukuͤndigen, weil er als Oberherr den ihm unterthaͤnigen Orden nicht zwinge, ihm die Schuld von vierzigtauſend Gulden zu entrichten,) fo hatte es auch, nachdem der Eifer des Bis ſchofs von Kulm erkaltet war, dem Ordensmarſchall mit der geringen Summe, die er bieten konnte, nicht gelingen koͤnnen, die immer lauter und heftiger ausbrechende Erbitterung der noch anweſenden Soldner zu beſchwichtigen.) Die Boͤhmen zumal 1) Er zeigte dem HM, den Antritt feiner Regierung durch eine befondere Bulle an, d. Rome VIII Cal. Sept. 1471 Schbl. XIV. 1. 2) Dlugoss. T. II. 474. Tiedemanns Chron. S. 253, 3) Nämlich wegen der Boͤhmiſchen Koͤnigskrone; ſ. Detmar B. II. S. 341. 4) Der Fehdebrief des Herzogs Johann v. Sagan gegen d. König v. Polen, d. am Ab. Aller Heil. 1471 Schbl. XXVII. 29; er beklagt ſich, daß er vom HM. „eine gar ſchmeheliche entwurt“ erhalten habe. > Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM, d. Eilau Donnerſt. nach Brictii 1471 Schbl. LXIX. 67.
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42 Fehde mit den Soͤldnern. (1472,) ſetzten bald alle Achtung gegen die Gebietiger aus den Augen, bis endlich der Hauptmann Muſigk von Swynau es ſogar wagte, ſich mit bewaffneter Hand an ihre Spitze zu ſtellen. Soldau, deſſen ſie ſich bemaͤchtigt, diente ihnen zum Mittel⸗ punkte ihrer Raub⸗ und Fehdezuͤge. Der Ordensmarſchall Ulrich von Kinsberg brach mit einem Streithaufen nach Gilgen⸗ burg auf, erfuhr aber bald, daß die Feinde, durch ſeine geringen Kriegskraͤſte wenig geſchreckt, ſich weder zu Unterhandlungen noch zur Einſtellung ihrer Raubfehden geneigt finden ließen; es ſchien ihm um fo nothwendiger, mit ernſtem Nachdruck auf⸗ zutreten, da ſie ihm geradezu erklaͤrten: ſie wollten mit Brief und Siegel, die man nie halte, nichts mehr zu ſchaffen haben.“ Ihr Gluͤck machte ſie bald noch uͤbermuͤthiger. Der Ordens⸗ marſchall naͤmlich ließ eines Tages den Komthur von Holland von deſſen Standlager in Neidenburg aus mit allen Haupt⸗ leuten vor Soldau anrennen, um den Feind zum offenen Kampfe zu reizen. Der Plan mißlang. Als nun aber beim Rückzuge die Streithaufen ſich wieder getrennt und der Komthur von Holland mit ſeiner Reiterſchaar den Weg nach Neidenburg ein⸗ geſchlagen hatte, traf er unerwartet am Dorfe Liſſacken auf den Feind, der ſich auf andern Wegen dorthin gewendet, um dem Ordensvolke die Ruͤckkehr nach Neidenburg abzuſchneiden. Der Komthur im Vortrapp wollte feinen Haufen zum Angriff ordnen; allein ehe es noch zum Gefechte kam, ergriff der groͤßte Theil, meiſt Samlaͤndiſches Bauernvolk und ſonſt loſes Ge⸗ ſindel, plöglich die Flucht. Alle Verſuche, die Flüchtlinge auf zuhalten und wieder zu ſammeln, blieben ohne Erfolg. Da fiel der Feind uͤber die nur noch geringe Zahl der Ordensritter und Reiter her; an einen eigentlichen Kampf war nicht mehr zu denken. Eine anſehnliche Zahl von Rittern, darunter auch mehre Ordensbeamte, fielen mit vielen andern Kriegsleuten in Gefangenſchaft und nur mit großer Mühe gelang es dem Kom⸗ thur von Holland, mit etlichen ſeiner Begleiter Neidenburg noch 1) Schr. des Ordensmarſchalls an den HM. d. Gilgenburg Mont. nach Palmar. und Donnerſt. vor Oſtern 1472 Schbl. LIV. 39. 41.
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Fehde mit den Soͤldnern. (1472.) 43 glücklich zu erreichen. Die Schmach dieſer Niederlage uͤberwog noch den Verluſt, denn der Orden hatte abermals den ſchimpf⸗ lichen Beweis gegeben, daß er nicht einmal mehr im Stande zu ſeyn ſchien, einen Soͤldnerhaufen auseinander zu treiben. Natuͤrlich trug dieß nicht wenig bei, den Uebermuth des Soͤldner⸗ volkes noch bedeutend zu ſteigern. Viertauſend Mark forderte ſofort der Hauptmann Muſſigk von Swynau für die Freilaſſung der Gefangenen. Da man einſah, daß jetzt mit dem trotzigen Feinde, der das ganze Soldauiſche Gebiet beſetzt hielt und dort reichliches Auskommen fand, kein annehmbarer Vergleich ab⸗ geſchloſſen werden koͤnne, fo erſuchte man den Hochmeiſter um eine ſtaͤrkere und beſſere K i i riegsmacht, um die Hauptleute durch eine Niederlage erſt mehr zu demuͤthigen. ) „Schicket aber, ſchrieb ihm der Vogt von Samland ‚ nicht ſolche unendliche Bauern, als wir ſie jetzt gehabt, wodurch andere Leute ver⸗ rathen werden, denn ſo es an Ernſt geht, ſo iſt es mit ſolchen Leuten verlorenes Spiel. Bietet die großen Junker in Sam⸗ land auf, die da ſonſt viel reden koͤnnen, daß fie ſelbſt aus⸗ ziehen nach Laut ihrer Briefe und nicht ihre Pflugknechte aus⸗ ſenden, wie fie jetzt gethan haben.“ 2) Der Hochmeiſter indeß, keineswegs mehr zu Gewaltmaaßregeln geneigt, wollte die Sache guͤtlich vermitteln und ſandte deshalb die beiden Landes⸗ ritter Georg von Schlieben und Rule von Plaßdorf an den Hauptmann von Swynau, um ihm eine guͤtliche Ausgleichung anbieten und ihn zugleich zu einer perſoͤnlichen Unterhandlung einladen zu laſſen. Weil vorauszuſehen war, daß ſich der Hauptmann durch bloße Verſprechungen nicht werde zufrieden ſtellen laſſen, fo erhielten die beiden Ritter zugleich den Auf⸗ trag, ſich an die Ritterſchaft im Oberlande zu wenden und ihr 1) Schr. des Komthurs v. Preuſſ. Holland an d. HM. d. Neiden⸗ burg Sonnt.; zu Oſtern u. Sonnab. vor Duofimodogen. 1472 Schbl. LIV. 34. 37; er nennt es ſelbſt eine „ſchaͤndliche Niederlage” und giebt die Zahl auf einige 30 an. Er ſchreibt die Schuld den Sam⸗ laͤndern bei. Schr. des Kirchenvogts v. Samland an d. HM. d. Neidenburg am Abend vor Oſtern 1472 Schbl. LIV. 35. 2) Schr. des Kirchenvogts v. Samland a. a. O.
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44 Fehde mit den Söldnern. (1472.) vorzuſtellen: der verſtorbene Meiſter habe allerdings dem Haupt⸗ manne von Swynau und deſſen Hofleuten die Entrichtung ihrer Schuldforderung von dreißigtauſend Unger. und ſechs⸗ tauſend Rhein. Gulden zugeſagt; er moͤge Mittel gewußt haben, fein Verſprechen zu erſuͤllen; der jetzige Meiſter aber fühle ſich dazu ganz außer Stand. Er habe daher auf mehren Tag⸗ fahrten eine Ausgleichung verſucht und die Söldner durch Ans erbietungen, z. B. durch die Einraͤumung Heiligenbeils und des Schloſſes, der Stadt und des Kammeramtes Soldau mit einer jaͤhrlichen Abzahlung von ſechstauſend Mark zufrieden ſtellen wollen. Das alles ſey fruchtlos geblieben. Die Soͤldner hätten zu Raub und Brand die Waffen ergriffen; der König von Polen habe eine Zeitlang Friede geboten, der Biſchof von Kulm Unterhandlungen eingeleitet und einen Beifrieden bewirkt; dieſen haͤtten die Söldner jüngft gebrochen und fo feyen leider die neuſten kriegeriſchen Ereigniſſe erfolgt. Der Hochmeiſter, nicht vermögend, die erwähnte Schuldſumme zu entrichten, bitte jetzt die Ritterſchaft und Lande um Rath und Beiſtand, um durch Beſriedigung der Soͤldner ihrer Gewalt Einhalt zu thun.) Mittlerweile gelang es der thaͤtigen Einwirkung des Biſchofs von Kulm durch feinen Hauptmann zu Loͤbau Nico⸗ laus von Damerau von neuem einen Beifrieden zwiſchen dem Ordensmarſchall und dem Hauptmanne von Swynau zu Stande zu bringen.? Um den Streit zu beendigen, ward hierauf gegen Ende des Mai auf des Koͤniges von Polen Befehl eine Tagfahrt zu Elbing gehalten, auf welcher der Ordensmarſchall, mehre Kom⸗ thure, Landesritter und andere Bevollmaͤchtigte des Ordens er⸗ 1) Die den beiden oben genannten Rittern ertheilten Aufträge, d. Sonnt. Quaſimodogen. 1472 Schbl. XLVIII. 23. 2) Schr. des Hauptm. zu Löbau an d. Ordens marſchall, d. Loͤbau Dienſt. nach Jubilate 1472; Schr. des Ordensmarſchalls, d. Preuſſ. Mark am Abend Georgii 1472; Schr. des Biſchofs v. Kulm an d. Ord. Marſchall, d. Loͤbau Dienſt. vor Georgii 1472 Schbl. LIV. 36. 38. 40.
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Der Biſchof v. Ermland Nicolaus v. Tüngen. (1472.) 45 ſchienen. Der Biſchof von Kulm leitete die Verhandlungen. Da ward vom Hauptmanne von Swynau zuerſt die Forderung aufgeſtellt: man ſolle ihm die Stadt und das Schloß Neiden⸗ burg, Soldau und die Wildniß zu Willenberg fo lange zu ſei⸗ nem und der Seinigen Unterhalt anweiſen, bis durch eine jährliche Abzahlung die Schuldſumme von dreißigtauſend Gulden u. fe w. getilgt ſey. Allein die Ordensgebietiger erklärten nicht nur eine Verpfaͤndung Neidenburgs, weil es bereits anderweitig verpfaͤndet ſey, für unmoglich, ſondern ſtellten auch die Höhe der Schuld, wie ſie der Hauptmann angab, noch ſehr in Frage. So wurde hin und her verhandelt; man beſprach dieſes und jenes Mittel der Ausgleichung. Der Biſchof von Kulm ſuchte den Hauptmann abermals zu einem laͤngern Beifrieden zu be⸗ wegen; die Ordensgebietiger wollten jedoch die Bedingungen nicht annehmen; es kam daruber zu aͤußerſt ſcharfen Erklaͤrun⸗ gen, ſo daß der Hauptmann mit der Drohung ſchied: ſo es nicht anders ſeyn ſolle, ſo werde er Soldau zu behaupten wiſſen, moͤge vor die Stadt anruͤcken, wer da wolle, ſelbſt auch wenn es der Koͤnig ſey.) — Außer dieſem Hauptmanne bebrängte den Orden fortwährend noch gleichfalls wegen einer Schuldforderung der Bruder Bernhards von Zinnenberg, der deshalb die Städte Kulm und Strasburg und die Burg Alt⸗ haus immer noch im Pfandbeſitz hatte. Der Biſchof von Kulm betrieb daher auch die Befriedigung dieſes Ritters mit großem Eifer, weil der König die Raͤumung dieſer Staͤdte verlangte. Allein auch hierüber kam es zu keiner Verſtaͤndigung. 2 Nachdem ward auf der Tagfahrt auch die Sache des Bi⸗ ſchofs von Ermland Nicolaus von Tuͤngen zur Sprache ge⸗ bracht. Er war mittlerweile nach Preuſſen gekommen, hatte ſich durch einen geworbenen Söldnerhaufen und durch eine Schaar von Landleuten, die er durch Geld und Verſprechungen 1) Receß Über die Tagfahrt zu Elbing am Sonnt. Trinitat. 1472 im Fol. B. 48 ff. 2) Als urſache wird im Receſſe der Umſtand angegeben, daß Bernhards Bruder ſeine Verſchreibung nicht bei ſich gehabt habe.
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46 Der Biſchof v. Ermland Nicolaus v. Timgen. (1472.) gewonnen, zuerſt Braunsbergs faſt ohne Widerſtand, dann auch Guttſtadts, Frauenburgs und Roͤßels bemaͤchtigt, denn weil das Volk uͤberall ihm freudig zueilte, ſo hatte er allent⸗ halben die Polen leicht vertrieben. Nun trat aber auf der Tagfahrt der Woiwode von Lancziz gegen den Orden mit der Anklage auf: es ſey feine Schuld, daß der Bifchof fo un⸗ gehindert durchs Ordensgebiet in Ermland habe eindringen und Krieg beginnen koͤnnen. Die Gebietiger laͤugneten nun zwar, daß man vom Biſchofe irgend etwas gewußt und die Sache ward dort weiter nicht berührt; D allein man legte dem Hoch⸗ meiſter doch bald die Forderung vor, er ſolle mit Kraft und Macht den Biſchof wieder aus dem Lande mit vertreiben helfen. Dazu aber konnte er ſich unmöglich entſchließen; er war offen: bar dem Biſchofe ſehr geneigt, nicht bloß weil er ihn weit lieber als jenen Polen, die Creatur des Koͤniges zum Nachbar haben mochte, ſondern auch weil das Recht ganz entſchieden auf ſeiner Seite war. Er wandte ſich daher insgeheim ſelbſt an ihn um Rath, wie er ſich in ſeiner Stellung zu verhalten habe. Nicolaus antwortete: der Orden ſey kraft ſeiner Privi⸗ legien vor allem dem Roͤm. Stuhle unterthan; der Meiſter moͤge daher dem Koͤnige von Polen nur anheimſtellen, ſich an den Papſt zu wenden, damit dieſer dem Orden befehle, ihm (dem Biſchofe) Krieg und Fehde anzukuͤndigen; der Papſt aber werde dieß ſicherlich nicht thun und ſo habe darin der Meiſter immer einen ſichern Ruͤckhalt.?) Das Gluͤck des Biſchofs indeß ſchritt bald weiter. Nach⸗ dem auch Heilsberg und Seeburg ihm zugefallen waren, konnte er ſich ſchon als Herr faſt des ganzen Biſthums betrachten. Der Koͤnig, ſtatt mit den Waffen aufzutreten, bequemte ſich zu Unterhandlungen, zuerſt durch den Woiwoden Stibor von 1) Nach dem erwähnten Receſſe a a. O. p. 54 — 55. 2) Schr. des Biſchofs Nicolaus v. Ermland an d. HM. d. Roͤßel Sonnab. nach Viſitat. Mariä 1472 Schbl LXVI. 84; es ſpricht ſich auch aus dieſem Schreiben ein durchaus freundliches Verhaͤltniß zwi⸗ ſchen dem HM. und dem Biſchofe aus,
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Der Biſchof v. Ermland Nicolaus v. Tüngen. (1472.) 47 Baiſen von Marienburg und den von Pommerellen Nicolaus von Pfeilsdorf mit dem Biſchofe angeknüpft, ) dann vom Bi⸗ ſchofe Jacob von Leſlau und dem Woiwoden von Lancziz Nicolaus von Luthno fortgeführt, um in Verbindung mit dem Hochmeiſter die Streitſache zur Entſcheidung zu bringen. Sie luden dieſen daher zwar zu einer Berathung; da ſie indeß vom Biſchofe nicht nur immer bloß als „von einem gewalt⸗ thaͤtigen Eindringling“ ſprachen, 2 ſondern auch fort und fort die Schuld aller Unruhen im Ermland dem Hochmeiſter bei⸗ maßen, ſo erſchien dieſer bei der Berathung auch nicht, ſandte jedoch den Bevollmächtigten d es Koͤniges die Erklarung ent⸗ gegen: „wie Tuͤngen herein ins Land gekommen, haben wir, deß Gott unſer Zeuge iſt, fuͤrwahr nicht gewußt. Ware er durch unſer Land mit Kriegsvolk und Kriegszeug gezogen, wir würden gewiß fein Vornehmen gehindert haben. Er iſt aber, wie uns geſagt iſt, ſelbander in eines Kaufmannes Geftalt durchgewandert; ziehen doch jeden Tag Leute in ſolcher Weiſe durch unſere Städte, ohne daß wir wiſſen, wer ſie ſind. Nach Inhalt des ewigen Friedens wehren wir auch niemand freie Straße. Wir werden alſo mit Unrecht angeſchuldigt, da wir den Mann nie geſehen, noch gekannt haben.“ Ebenſo weiſt er die Be⸗ ſchuldigung zurück, daß er ſeinen Unterthanen geſtatte, dem Tüngen als Kriegsvolk zuzuziehen. „Wir haben es, ſagt er, bei Leib und Gut in unſerem Lande verboten; aber loſes Volk, das nicht als Unterthanen anzuſehen, Schneider- und Schuſter⸗ geſellen, die ihm zugezogen find, haben wir nicht hindern koͤn⸗ nen.“ Der Hochmeiſter erbot fi) endlich, den Biſchof zu einer I) Schr. Stibors v. Bai berg, d. Elbing Sonnt. ſen an den Biſchof Nicolaus zu Brauns⸗ Maris Magdal. 1472; er nennt den Biſchof „Nicolaus von gotes gnoden Biſchoff zum Brunsberge.“ 2) Schr. des Biſch. Jacob v. Leſlau u. des Wolwoden Nicolaus v. Luthno an d. HM. d. Gdausk feria tertia post fest. Assumt. Mariae 1472 Schbl. LXVIII. 3; fie luden den HM. ein ad tractandum de ipso occupatore Episcopatus Warmiensis Nicolao Thungen, qui se ang erit de eodem Preter voluntatem sanctiss. domini nostri pape et sereniss. Regis. Diugoss. T. II. 482. Schütz P. 340,
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48 Der Bifchof v. Ermland Nicolaus v. Tuͤngen. (1472.) Tagfahrt zu gewinnen, um wo moͤglich die Sache in Güte beizulegen.) Die Polniſchen Bevollmächtigten aber, durch dieſe Erklarung keineswegs zufrieden geſtellt, erließen jetzt an den Meiſter eine ausdruͤckliche Aufforderung, zur Bekaͤmpfung und Vertreibung des Biſchofs ohne weiteres wirkſam mit aufzutre⸗ ten; ſie verlangten nicht nur, der Hochmeiſter ſolle das dem Biſchofe aus Preuſſen zugelaufene Volk zuruͤckrufen, ſondern auch die koͤniglichen Kriegshaufen, die gegen den Eindringling herbeiziehen würden, huͤlfreich unterftüßen; ſie ſtellten dieß nicht bloß als eine Sache der Dankbarkeit vor, weil ja der König auch gegen den Hauptmann von Swynau ſich des Ordens mit allem Eifer angenommen, ſondern auch als eine Verpflichtung des ewigen Friedens, woraus der Koͤnig ganz beſonders des Meiſters offene und gerade Geſinnung erkennen wolle. Da indeß der letztere eigentlich nichts weniger als Krieg wuͤnſchte, die Bevollmächtigten auch ſelbſt lieber eine Ausgleichung auf friedlichem Wege bewirkt fehen mochten,“) fo trat auf ihren Antrag der Hochmeiſter jetzt als Vermittler auf und man kam durch ſeine und des Ordensmarſchalls Bemuͤhungen bald darin überein: es ſolle ein Beiſriede Statt finden; die Entſcheidung der Streitfrage über den Beſitz des Biſchofsſtuhles wolle man 1) Schr. des HM. an den Biſchof von Kujavien und Nicolaus von Luthno Woiwoden u. ſ. w. d. Dienſt. nach Aſſumt. Mariä 1472 Schbl. Varia nro 244. Der HM. fandte den Komthur v. Branden⸗ burg Veit v. Gich und den von Balga Siegfried Flach an den Biſchof. Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Freit. sub octavas Assumt. Mariae 1472 Schbl. LXVI. 83. 2) Nach einem Schr. des Biſch. v. Kujavien und des Woiwoden v. Lancziz an d. HM. d. Mar. am Feſte nativit. Mariae 1472 Schbl. LXVIII. 90 wollte man auch erfahren haben, daß, ſobald koͤnigl. Kriegsvolk gegen den Biſchof anruͤcke, dieſem letztern aus Preuſſen, namentlich durch Georg v. Schlieben ebenfalls Huͤlfsvolk zugefuͤhrt werden ſolle. 3) Schr. des Biſchofs v. Kujavien und des Woiwoden v. Lancziz an d. Ordensmarſchall, d. Marienb. Mittw. nach Nativit. Maria 1472 Schbl. LXVIII. 4.
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Der Biſchof v. Ermland Nicolaus v. Tüngen. (1472.) 49 dem Papſte uͤberlaſſen; mittlerweile aber ſollten die beiden Schloͤſſer Heilsberg und Seeburg von Landen und Staͤdten des Koͤniges beſetzt und dann demjenigen uͤbergeben werden, welchem der Papſt das Biſthum zuſpreche.) Das Mißtrauen der Parteien aber erwachte bald von neuem. Die Polniſchen Bevollmächtigten beſchuldigten nun auch die Stände in Preuſſen, daß von ihnen Tuͤngens Sache viel zu ſehr gefördert werde. Es kam daruͤber auf einer Tagfahrt zu Elbing zu den die erſtern behaupteten: die Stände ſuchten offenbar mehr Tüngens Vortheil als de an dem das Volk in Preu keinen Theil nehmen wolle. 2 Die Intereſſen traten ſich noch ſchaͤrfer entgegen, nachdem die Ermlaͤnder in einem Geſammt⸗ ſchreiben ſich an den Papſt mit der dringendſten Bitte ge⸗ wandt, den dem Lande vom Rom. Stuhle zugewieſenen, völlig rechtmäßig und geſetzlich erwählten und von Rom aus auch beſtaͤtigten Biſchof Nicolaus von Tuͤngen als Landesbiſchof im Beſitz feiner Würde zu ſchuͤtzen und zu vertheidigen, 9 denn als der Koͤnig im Winter dieſes Jahres nach Thorn kam, er⸗ klaͤte er den Ständen im ſtrengſten Ernſte: er habe nun ein⸗ mal nach dem ihm zuſtehenden Rechte und nach tem Laute des ewigen Friedens den Biſchof Oporowski ins Biſthum ein⸗ gelegt und werde ihn dari n mit aller Macht erhalten; der von Jungen dagegen habe ſich des Biſchofsſtuhles wider Fug und Aecht bemaͤchtigt, ſey daum von Rom aus mit dem Banne beſtraſt; er als König konne ſolchen Frevel nicht dulden und werde den gewaltthaͤtigen Eindringling auch mit Gewalt wieder ſſen durchaus 1) Schitz p 340. Dlugoss. T. II. 482. 2) Darübe r die weitläuftigen Verhandlungen bei Schiitæ p. 343 — 345. 3) Schr. der Bewohner Ermlands (subditi ecclesie Warniensis) an den Papſt, d. in dieta generali in Elbing sabbato ante Francisci Confess. 1472. IX. 4
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50 Der Biſchof v. Ermland Nicolaus v. Tuͤngen. (1473.) vertreiben. Da ſomit der König auf die Gewalt der Waffen hinwies, ſo erklaͤrten ihm die Staͤnde: „ſey es, wie ihr wollt und koͤnnt, Herr Koͤnig; wir aber haben um des Landes Ruhe und Wohlfahrt willen mit Nicolaus von Tuͤngen einen Bei⸗ frieden abgeſchloſſen, den koͤnnen wir nicht brechen, auch will das Volk im Lande durchaus keinen Krieg; desgleichen koͤnnen wir auch in euer Verlangen, euch die Schloͤſſer Heilsberg und Seeberg einzuräumen, auf keine Weiſe willigen, denn wir koͤnnen mit Ehren nicht wider unſere Verſchreibungen handeln.“) Dieſe ernſte Sprache hatte der König kaum erwartet; da er jetzt ein⸗ ſah, daß es gefährlich ſey, die Sache auf die Spitze zu treiben, ſo ließ er ſich zu Bitten herab, um feinen Plan durchzufuͤh⸗ ren. 2 Allein die Stände, die ohnedieß auch wegen ihrer Pri⸗ vilegien mit ihm in hartem Streite lagen, verſtanden ihn auch, wenn er von Gnade und Milde ſprach und ließen ſich nicht taͤuſchen. Alſo zog ſich der Streit auch in das folgende Jahr hinein. Der Hochmeiſter hatte ſich, ſeitdem es zwiſchen dem Koͤ⸗ nige und den Ständen zu dieſer Stellung der Verhaͤltniſſe kam, von den Verhandlungen mehr und mehr zuruͤckgezogen“ und er fand es auch forthin im Jahre 1473 keineswegs in feinem Intereſſe, an der Streitſache in Ermland irgend thaͤti⸗ gen Antheil zu nehmen, ) denn wenn gleich er auch fort und fort fein aufmerkſames Auge auf ihren Fortgang hinrichtete, ſo erſorderte doch die Klugheit, dem ohnedieß ſo mistrauiſchen Könige fein Intereſſe für den Biſchof von Tuͤngen nicht kund werden zu laſſen, um wenigſtens nicht offen als des Koͤniges 1) Schi p. 346. 2) Schütz I. c. 3) Schütz p. 347 — 348. 4) Wir haben fie deshalb auch nicht ins Specielle verfolgen zu muͤſſen geglaubt. 5) Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM. d. Eilau Donnerſt. am T. Agnes 1473 Schbl. LXIV. 85; über die Verhandlungen zu Elbing in Tuͤngens Sache, die nicht mehr in weiterer Ausführung hier mitgetheilt werden koͤnnen, ſ. Schätz p. 348 — 349.
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Der Biſchof v. Ermland Nicolaus v. Tuͤngen. (1473.) 51 Gegner zu erſcheinen. Obgleich daher der Biſchof von Kulm ſeine Anweſenheit auf einer Tagfahrt zu Elbing, wo neue Verhandlungen über die Sache Statt fanden, dringend wünſchte, ſo ließ er ſich doch nicht bewegen, ſich in die Berathungen einzumiſchen, zumal da trotz ſeiner Rechtfertigung die Polen ihn immer noch beſchuldigten, daß er vor allem dem Ruheſto⸗ rer ins Biſthum geholfen und ſeinem Ordensprocurator in Rom, dem jetzigen Biſchofe von Samland, insgeheim die Foͤr⸗ derung von Züngens Sache am Rom. Hofe aufgetragen habe, zu welcher Beſchuldigung dleſer ſelbſt durch allerlei Aeußerun⸗ gen Anlaß gegeben. D 5 geg Da es aber in der Stellung der Par⸗ teien und in ihren widerſtrebenden Intereſſen zu liegen ſchien, daß man gegenſeitig eine Men ge von Verleumdungen und Klaͤtſchereien im Lande verbreitete, womit man bald den Hoch⸗ meiſter, bald den Koͤnig, bald den Ordensmarſchall und die Gebietiger, bald die Biſchoͤfe und die Polniſchen Reichsbeam⸗ ten anzuſchwaͤrzen und zu verdaͤchtigen ſuchte und da es auch nicht fruchtete, daß man auf einer Tagfahrt zu Elbing den Beſchluß faßte, den Urhebern ſolcher Verunglimpfungen wo moͤglich auf die Spur zu kommen und fie mit ſtrengſtem Nach⸗ druck zu beſtrafen, 2 fo hielt der Hochmeiſter für nothwendig, ſich offen daruber auszuſprechen. Er wandte ſich zuerſt an den Koͤnig ſelbſt mit der Klage, daß Verleumder alles aufbö- ten, den König mit Mißtrauen gegen ihn und den Orden zu erfüllen bald durch die immer wiederholte Beſchuldigung, daß er dem Nicolaus von Tuͤngen im Ermland heimlich fort und fort Beiſtand leiſte, bald ſogar durch das Gerücht, er habe den Komthur von Mohrungen nach Deutſchland geſandt, um Kriegsvolk gegen den König aufzubringen u. ſ. w. Zugleich 1) Schr. des HM. an den Bi Sonnab. vor Quaſtmodogen. 1473 S des Ordensmarſchaus an den HM. d. Preuſſ. Mark Dienſt. zu Oſtern 1473 Schbl. LXIV. 86; vgl. Schätz p. 350. 2) Vgl. darüber Schl. XLIV. 46. 3) Schr. des HM. an die Raͤthe der Krone Polens o. D. Schöbl. LXIX. 30. fh. v. Samland, d. Koͤnigsb. chbl. LIV. 31. LXIX. 30. Schr. 4 *
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52 Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473.) aber erließ er auch an die Staͤdte Thorn, Danzig und El⸗ bing, die er nicht ohne Grund für die Hauptquellen aller Klaͤtſchereien hielt, weil ſchon dem Sprichworte nach falſche Münzen und falſche Geruͤchte damals die gangbarſten Waaren in dieſen Staͤdten waren, die Aufforderung, ihrer Seits dem Unweſen der Lüge und Verleumdung, womit man den König nur gegen ihn aufzuhetzen ſuche, auf alle Weiſe Einhalt zu thun, da die Unverſchaͤmtheit der Verleumder fogar fo weit gehe, ihn zu beſchuldigen, daß er bereits Kriegsvolk zu Memel, Heiligenbeil und andern Orten in Haufen ſammele, um ſich damit Marienburgs wieder zu bemächtigen.? Zu feiner Freude erhielt er bald darauf vom Koͤnige und den Reichsgroßen Po⸗ lens die genugthuende Erklarung, daß man an der Aufrich- tigkeit ſeiner Geſinnungen durchaus keinen Zweifel hege, indem man darauf vertraue, er werde ſich ſtets als ein getreuer Fuͤrſt und Rath des Koͤniges beweiſen, wie es der Friede und ſein Lehenseid forderten.) Es blieb daher ſeitdem auch fein feſter Grundſatz, ſich in die Streithaͤndel des Biſthums Ermland durchaus gar nicht weiter einzumiſchen, ſo daß er auch ſelbſt auf des Koͤniges Bitte um ſeinen und der Gebietiger Rath, wie Nicolaus von Tuͤngen aus den eingenommenen Schlöffern und Staͤdten wieder vertrieben werden koͤnne, eigentlich ſo gut wie keine Antwort ertheilte. um eben die Zeit aber, als die Ermlaͤndiſche Streitſache auf den Tagfahrten zu Graudenz und Elbing ſchon mit der aͤußerſten Hitze betrieben ward und der König ſowohl als der 1) Schr. des Rathes v. Thorn an den HM. d. Sonnab. nach 11,000 Jungfr. 1473 Schbl. LXXIV. 35. 0 2) Schr. des HM. an die Staͤdte Thorn, Danzig u. Elbing o. D. Schbl. LXIX. 30. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. in Pyotrkow fe- ria secunda rogation. 1473 u. Schr. der Reichsgroßen Polens, d. in comentiene generali Pyotrkovien. feria tertia in die s. Urbani 1473 Schbl. XXVII. 34. 35. 4) Gewerbe des Königes v. Polen an d. HM. 1473 Schbl. XXVII. 36.
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Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473.) 53 Biſchof Nicolaus alles bereits auf die Spitze geſtellt hatten, ſo daß nun alle Hoffnung zu einer güͤtlichen Ausgleichung gaͤnz⸗ lich verſchwand, Y drohte auch dem Hochmeiſter der Ausbruch eines Zwiſtes mit dem Biſchofe von Samland Dietrich von Cuba, der bald ſeine ganze Thaͤtigkeit in Anſpruch nahm. Letzterer hatte, nachdem er im Herbſt des Jahres 1471, vom Hochmeiſter ſehr ehrenvoll empfangen, in ſein Biſthum Sam⸗ land gekommen war, kaum ein Jahr in Preuſſen verweilt, als er den Meiſter, da dieſer einen neuen Procurator an den Rom. Hof fenden wollte, unter dem Vorgeben von allerlei Nachrichten, die er aus Rom erhalten haben wollte, zu bere⸗ den wußte, ihn ſelbſt wieder mit dem Procuratoramte zu be⸗ auſtragen, indem er verſprach, dort alles, was nur irgend zu des Ordens Beſten dienen koͤnne, aus allen Kräften zu för⸗ dern. Man uͤbertrug ihm daher das Amt vorerſt noch auf ein Jahr. Allein er war noch nicht lange in Rom anweſend, als der Hochmeiſter bereits im Februar dieſes Jahres Nachricht von gewiſſen Ablaßbullen erhielt, die der Biſchof fuͤr ſich aus⸗ gewirkt haben ſollte und mit ins Land bringen wollte, indem dieſer ſelbſt von dorther den Meiſter erſuchen ließ, ihm zur Auslöfung dieſer Bullen eine Summe von fünftaufend Unger. Gulden vorzuſtrecken. Letzterer, der noch fortwaͤhrend alle Fi⸗ nanzmittel in Bewegung fegen mußte, um die druckenden Soldſchulden, um die er faſt täglich gemahnt wurde, abzu⸗ tragen, ſchlug das Geſuch zwar nicht gaͤnzlich ab, ſuchte ſich jedoch, ſich mit der Armuth des Ordens entſchuldigend, wegen der Ruͤckzahlung durch den Vorſchlag ſicher zu ſtellen, daß dieſe aus dem Ertrage des Ablaſſes geſchehen moͤge. Nur un⸗ ter dieſer Bedingung verſprach er wegen des Geldes Rath zu ſchaffen.) Dabei legte er dem Biſchofe auch den Vorſchlag 1) Schr. des Bi Braunsb. Mont. zu v. 351— 353. ſchofs Nicolaus v. Ermland an den HM. d. Pfingſt. 1473 Schbl. LXVI. 87, vol, Schinz 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Sonnab. vor Quaſimodog. 1473 Schbl. LIV. 31, LXIX. 30. Aus einem Bericht
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54 Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samiand. (1473.) nahe, daß der Papſt, der Orden und der Biſchof jeder ein Drittel vom Ertrage des Ablaßgeldes in Empfang nehmen koͤnne.) Dietrich indeß wußte, wie es ſcheint, das noͤ⸗ thige Geld anderswo aufzubringen; die Bullen wurden aus⸗ geloͤſt und gelangten im Sommer dieſes Jahres nach Preuſ⸗ ſen, wo kurz zuvor auch der Biſchof ſelbſt wieder angekom⸗ men war. In der erſten dieſer Bullen bewilligte der Papſt, weil, wie er ſagt, Koͤnigsberg und Samland in einer Weltgegend laͤgen, wo keine Oliven wuͤchſen und das Olivenoͤl ſehr theuer ſey, das Biſthum auch durch ſchwere Kriege großen Schaden erlitten und nun mit druͤckender Armuth kaͤmpfe, auf des Bi⸗ ſchofs Bitte die Erlaubniß, daß alle Einwohner Koͤnigsbergs und der Dioͤceſe Samland, auch die Mitglieder des Ordens in den Faſten und an andern Tagen, an welchen Milchſpeiſen der Gewohnheit nach verboten ſeyen, Butter und Milchfpeifen genießen duͤrften, ſofern ſie ſich durch Gaben und Spenden zur Wiederaufhuͤlfe der Kirche mildthaͤtig zeigen wuͤrden. 2 Noch wichtiger aber war der Inhalt einer zweiten am naͤmli⸗ chen Tage ausgeſtellten Bulle. Da dem Papſte der Zuſtand der Samlaͤndiſchen Kirche als fo verwildert und verwuͤſtet, die Verluſte und der Schaden, den ſie im Kriege erlitten, als ſo bedeutend geſchildert worden war, daß der Biſchof bei der au⸗ ßerordentlichen Armuth aller Bewohner Samlands nur ſehr Schbl. LXVII. 84 geht deutlich hervor, daß das Geſuch des Biſchofs an den HM. von Rom her kam. 1) Wir haben einen Bericht des HM. über des Biſchofs Verfah⸗ ren aus dem J. 1474 Schbl. LXVII. 84, aus welchem mehres in obiger Darſtellung entnommen iſt. 2) Originalbulle des Papſtes Sixtus IV, d. Rome apndd (Lucke) 1473 decimo Cal. April p. a. secundo Schbl. XIV. 3; es wird zuletzt ausdruͤcklich die Bedingung ausgeſprochen: dummodo ta- men ad tuam discretionem elem’sinam ecelesie pro sua reparatione dederint, denn der Biſchof ſelbſt hatte dem Papſte die Verluſte und die Armuth der Kirche als ſo groß geſchildert, quod absque christifi- Jelium snffragio peparari et restaurari non possit.
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Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473.) 55 duͤrftige Einkuͤnfte zu feinem Unterhalte habe, da ihm ferner vorgeſtellt war, daß es dort Irrglaͤubige und Schismatiker ge⸗ be, die, wenn ſie Vergebung ihrer Sünden und Indulgenzen erhalten würden, wohl leicht in den Schooß der katholiſchen Kirche zuruͤckgeführt werden könnten „ jetzt aber bei ihrer Ar⸗ muth und bei der Weite des Weges nach Rom ſich perſoͤnlich dorthin zu begeben nicht im Stande ſeyen, ſo ertheilte er, um der Samlaͤndiſchen Kirche aus ihrem Verfalle, ihrer Armuth und Verwüuͤſtung an ihren Gebaͤuden u. ſ. w. wieder empor: zuhelfen, aus den erwaͤhnten Gründen allen denen „ welche mit Buße und Beichte am Feſte der Empfaͤngniß Maria und am Sonntage Judica von der erſten bis zur zweiten Vesper die Samlaͤndiſche Domkirche beſuchen, zu ihrer Wiederherſtel⸗ lung und Aufhuͤlfe mit mildreichen Haͤnden ſpenden und bei dem Biſchofe, deſſen Nachfolgern oder deren Geiſtlichen, die er ausdrücklich hiezu noch bevollmächtigte, die Beichte halten wurden, einen Ablaß für alle ihre Suͤnden, Verbrechen und Vergehungen, feibft auch in ſolchen Faͤllen, die ſonſt dem Kon. Stuhle vorbehalten waren. 9 Die Bulle war in jeder Hinſicht von der aͤußerſten Wich⸗ tigkeit, denn eines Theils mußte der Hochmeiſter mit allem Rechte befürchten, daß durch dieſen neuertheilten Ablaß, da er durch fo geringe Bedingungen zu erlangen war, die Ablaß⸗ briefe und Indulgenzverleihungen, welche von frühen Zeiten her der Orden beſaß, bedeutend geſchwaͤcht werden wuͤrden, zus 1) Man erkennt aus der Bulle leicht, daß alles, was der Papſt über die Verhaͤltniſſe Samlands ſagt, ihm vom Biſchofe ſelbſt an die Hand gegeben war, wenn es z. B. heißt: Necnon incole et habitato- ves predicte civitatis et diocesis Sambiensis ac vasalli et subditi eius- dem ecclesie ad tantam inopiam devenerunt, quod episcopus Sam- biensis pro tempore existens ex fructibus mense sue episcopalis pa- vum percipiat, in ipsa quoque diocesi, que in confinibus inſidelium consistit nonunlli etiam male sencientes in fide et Scismatici diversa- rum sectarum moram trahunt etc. 2) Die Bulle, d. wie die vorige, nur in einem Transſumt des Notars Liborius Naker vom J. 1474 vorhanden Schbl. XIV. 4
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56 Streit d. HM. m. Dietrich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473.) mal da uͤberhaupt Ablaßbriefe in den Haͤnden der Biſchoͤfe und Geiſtlichen unfehlbar immer fruchtreicher und maͤchtiger wirken mußten; es war alſo ſicher zu erwarten, daß der Or⸗ den jetzt an den Einkuͤnften ſeines Ablaſſes bedeutenden Ein⸗ trag erleiden werde. Andern Theils hatte ſich der Biſchof eine Geldquelle eröffnet, die, je reicher fie fir ihn floß, um fo mehr die geringen Kraͤfte des Landes mit jedem Tage noch ſchwaͤchte, denn was durch das neue kirchliche Finanzmittel der Biſchof gewann, darauf mußte natürlich der Hochmeiſter, der Landesfuͤrſt, der eben erſt alle Mittel der Sparſamkeit und die moͤglichſte Beſchraͤnkung in der Verwendung ſeiner Einkünfte zum ſeſten Geſetze gemacht, nothwendig Verzicht leiſten und zwar nicht bloß auf eine beſtimmte Friſt, ſondern für alle Zeiten, denn auf dieſe hatte der Papſt ſeine Verleihung unge⸗ meſſen ausgedehnt.) Dem Meiſter war daher der wichtige Inhalt der Bulle kaum bekannt geworden, ? als er den Bi⸗ ſchof erſuchte, er möge nicht, wie es bisher ſchon bei ſei⸗ nem Verbote wegen Erhebung des Schoffes in ſeinem Bi⸗ ſchofstheile geſchienen habe, feine Unterthanen im Biſthum Samland vom Orden zu trennen und gewiſſermaßen eine Scheidung jener von der Ritterſchaft und Mannſchaft des Or⸗ dens zu bewirken ſuchen, ſondern vielmehr, wie es die Noth der Zeit fordere, dahin arbeiten, daß immer Alle fir Einen Mann ſtaͤnden; zugleich aber moͤge er es auch mit der Be⸗ kanntmachung der Ablaßbulle noch ſo lange anſtehen laſſen, bis er alle ſeine Gebietiger verſammelt und ſich mit ihnen uͤber die Sache berathen habe.) Daſſelbe Geſuch legte ihm 1) Es iſt daher in der Bulle nicht vom Bifchofe Dieterich allein die Rede, ſondern auch von snis successoribus perpetuis futuris tem- poribus preterquam in anno Jubilei proxime futuro et tempore exi- stenti. 2) Der Bericht Schbl. LXVII. 84 fagt: der Biſchof habe dem HM. zuerſt in Fiſchhauſen eine lateiniſche Copie gegeben, dieſer habe ſie aber im Latein nicht verſtanden, weil er keinen Gelehrten bei ſich gehabt, er habe ſie nachher verdeutſchen laſſen. 3) Der HM. fuͤgte hinzu: denne ir wol irkennet, ich meyns
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Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473.) 57 der Hochmeiſter noch einmal auf einer Tagfahrt zu Heiligen⸗ beil in Gegenwart der Lande und Staͤdte vor, wo insbeſon⸗ dere ſich auch Georg von Schlieben im Namen der Staͤnde fuͤr des Hochmeiſters Meinung ausſprach. Der Biſchof er⸗ klaͤrte auch, er wuͤnſche nichts mehr als mit dem Orden in beſtem Vernehmen zu ſtehen; in der Fehde gegen den Soͤldnerhaupt⸗ mann von Swynau habe er ſolches durch feine Beihilfe dem Orden auch bewieſen; er verſprach zugleich, die Verkuͤndigung der Ablaßbulle noch eine Zeitlang aufzuſchieben, doch fügte er hinzu: „der Hochmeiſter gehe aber auch meiner Herrlichkeit nicht zu nahe, das will ich wiederum auch thun.“ ) Auf des Meiſters Vorwurf, m des Ordens Be⸗ ſtes willen nach Ro lle doch des Ordens t bedacht habe, erwiederte der die euch den Rath gegeben, entgegnete darauf der Meiſter, fie Hätten gewiß den Orden nicht fo ganz ausgeſchloſſen, ſondern vielmehr den Gedrang, den wir taͤg⸗ rkannt und bedacht.“ zu begütigen, erbot fich jetzt der Biſchof, Ablaßgewinnes abzutreten, ſofern er ihm eine Anleihe von tauſend Unger. Gulden vorſtrecken wolle. Ohne ſich indeß auf dieſen Handel einzu⸗ laſſen, erſuchte ihn der Meiſter: er moͤge uͤberhaupt die ganze Sache noch anſtehen laſſen, fie könne allzu wichtige Folgen ampts ein knecht bin, uff mich czu laden. dorumb mir nicht gebort, 1) Die Verhandlung am Abend Mariä Himmelf. 1473 Schbl. LXVIL 99. ſulche ſachen alleine
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58 Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473.) haben, deshalb wolle er zuvor den Rath der beiden Meifter von Deutſchland und Livland einholen. Endlich bat man den Biſchof noch: er möge wenigſtens in feinem Gebiete die Er⸗ hebung des Schoſſes erlauben und dabei des Ordens Noth bedenken, damit vor allem nur erſt der Hauptmann von Swy⸗ nau in feinen ſtürmiſchen Forderungen befriedigt werden koͤnne. Der Biſchof aber ſtarriges Sinnes ſchlug auch dieſes Geſuch ab und fo blieb die Tagfahrt ohne Erfolg. Nach wenigen Wochen ſchon folgte dieſer Verhandlung eine andere. Der Hochmeiſter nämlich gewarnt, daß die Ver⸗ weigerung des Schoſſes von Seiten des Biſchofs auch ander⸗ warts leicht Nachahmung finden und fomit hoͤchſt nachtheilig werden könne, veranlaßte zwiſchen dem Biſchofe, dem Groß⸗ komthur Wilhelm von Eppingen, dem Ordensſpittler Veit von Gich, dem Ordenstrappier Siegfried Flach von Schwarzburg und ſeinem Kaplan eine neue Zuſammenkunft zu Kaporn im Samlande. ) Die Abgeordneten verlangten zuerſt das Original der Bulle ſelbſt einzufehen, welches der Biſchof auch vorwies. Dann wiederholten fie des Meiſters Geſuch wegen eines laͤngern Aufſchubs der Bulle, um daruͤber zuvor den Rath der Meiſter von Deutſchland und Livland vernehmen zu koͤnnen. Hierauf entgegnete aber der Biſchof: er muͤſſe den Hochmeiſter erſuchen, ihn jetzt ohne weiteres die Bulle verkuͤndigen zu laſſen, damit er vor allem feine Schulden tilgen koͤnne; im übrigen wolle er dann dem Meiſter gerne zu Willen ſeyn. Auf den Inhalt der Bulle ſelbſt eingehend tadelten darauf die Gebietiger, daß darin nur von den Gebietigeraͤmtern, von der Wuͤrde des Hochmeiſteramtes dagegen gar nicht die Rede ſey, was den Meiſter ſehr befremde, ferner daß des Biſchofs Unterthanen als fo dinftig dargeſtellt würden, daß er ſelbſt feinen biſchoͤf⸗ lichen Tiſch von den Einkünften nicht einmal unterhalten könne u. ſ. w. Der Biſchof indeß, ſich darauf nicht einlaſſend, er⸗ 1) So nach dem Bericht Schbl. LXVII. 84. 2) Darüber der Bericht, d. Kaporn am T. Felicis et Aucti 1473 Schbl. LXVII. 75 u. der Bericht Schbl. LXVII. 84.
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Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473.) 59 Elärte bloß: er habe ſich ja erboten ‚ dem Hochmeiſter „eine genuͤgliche Verſorgung“ zu ſchicken; er wolle beim Papſte auch auswirken, daß der Meiſter die Haͤlſte des Ertrages erhalten folle, ſobald er ſelbſt zuvor tauſend Gulden eingenommen habe. Selbſt zwei Pfennige wolle er dann gerne mit dem Orden theilen. Könne man ihm jedoch beweiſen, daß die Bulle wider des Ordens Privilegien ſey, ſo wolle er ſich gerne unterrichten laſſen und ſie nicht bekannt machen; wäre er uberhaupt nicht in Schulden, fo moͤchte er fie lieber „dem Hochmeiſter zu Ge⸗ fallen, alsbald ins Waſſer werfen. Die Beſchuldigung, daß er geaͤußert habe, die Ordensprivilegien ſeyen vom Papſte widerrufen, laͤugnete er gaͤnzlich ab und auf den Vorwurf, daß er mehre Gebietiger, als den Marſchall und die Komthure von Oſterode und Mohrungen zu ſich vorgeladen, erklaͤrte er: es ſey geſchehen, weil das Gerücht gehe, daß er bei den Ge bietigern in Verdacht ſtehe; deſſen habe er ſich gegen fie ent⸗ ledigen wollen. Es ward ihm ferner vorgehalten, daß er Unterthanen des Hochmeisters vorlade, die er billig an dieſen verweiſen ſolle, worauf er bloß erwiederte: es hätten ihn einige um Rath beſucht, kaͤmen ſie wieder, ſo werde er ſie von ſich weiſen. Endlich da ihm von den Gebietigern das Procurator⸗ Siegel abgefordert wurde, antwortete er: es ſey darin das ihm vom Kaiſer gegebene Signet geweſen; der vorige Hochmeiſter dabe ihm befohlen, es zu zerſchlagen; es ſey geſchehen, das Silber habe ſein Kaplan erhalten. Da nun der Biſchof auch in Betreff ſeiner Verweigerung des Schoſſez, die von neuem zur Sprache kam, keine genügende Zuſage gab, b fo hatte auch dieſe Verhandlung nur dazu gedient, die Gemuͤther noch mehr zu entfremden. Bald darauf lief ein Sendſchreiben des Meiſters von Livland ein, worin ſich dieſer mit allem Nachdruck über des Biſchofs Habſucht, Eigennutz und Gewiſſenloſigkeit in Ver⸗ geſſung ſeines Eides ausſprach, dem Hochmeiſter rathend: er müffe durch alle Mittel und Wege dahin arbeiten, daß die 1) Nach dem Bericht Schbl. LXVII. 84,
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60 Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473-) Bulle nicht bekannt gemacht, ſondern widerrufen und dagegen ein für den ganzen Orden in Preuſſen und Livland beſtimmter Ablaß ausgewirkt und namentlich der dem Orden von frühen ſchon verliehene Ablaß aufs neue beftätigt werde. „Es iſt ein Hohn fuͤr unſern Orden, ſagte der Meiſter, wenn der Biſchof den Ablaß nur allein für ſich behalten fol.” Der Biſchof ſolle, vom Papſte zum Legaten ernannt, auch den Auftrag haben, gewiſſe Irrungen zwiſchen ihm und dem Erzbiſchofe von Riga zu ſchlichten; allein er werde ihn aus Livland ſchon entfernt zu halten wiſſen, denn er vermuthe, es ſtecke auch hier etwas mehr dahinter.) Ermuthigte den Hochmeiſter ſchon dieſes Schreiben, gegen den Biſchof mit nachdruͤcklichem Ernſte zu verfahren, fo zwangen ihn dazu bald noch andere Verhaͤlt⸗ niſſe. Die Zahlungsfriſt fuͤr den Hauptmann von Swynau ruͤckte immer naͤher; der dazu ausgeſchriebene Schoß kam in den aͤrmern Gegenden des Landes bei Hohenſtein, Oſterode, Gilgenburg und anderwaͤrts nur aͤußerſt ſpaͤrlich ein; uͤberdieß hatten gerade dieſe Gegenden auch noch andere druckende Leiſtun⸗ gen uͤbernehmen muͤſſen.) Blieb nun auch der Biſchof von Samland hartnaͤckig bei ſeiner Verweigerung und ſaugte er das Land durch ſeinen Ablaßhandel noch mehr aus, ſo war fuͤr den Hochmeiſter kaum noch eine Ausſicht, wie die dringenden Forderungen der Soͤldner befriedigt werden konnten. Alſo hielt jetzt der Hochmeiſter mit den angeſehenſten Landesrittern eine Berathung uͤber die aͤrgerliche Streitſache zu Tapiau. Man rieth ihm: er moͤge den Biſchof mit den Vornehmſten ſeiner Lehnsmanne und ſeines Kapitels zu einer Verhandlung nach Koͤnigsberg einladen, um noch einmal einen Verſuch zur guͤtlichen Beilegung des Streites zu machen. Es geſchah. Zweimal, in der Mitte des Novembers und im An⸗ fange des Decembers, wurde der Biſchof vom Meiſter erſucht, 1) Schr. des Meiſters v. Livland an d. HM. d. Ergemeß am Abend Aſſumt. Maria 1473 Schbl. XL. 10 (a). 2) Schr. des Komthurs v. Oſterode an d. HM. d. Mont. vor Michaelis 1473 Schbl. LXXIII. 67.
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Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1473.) 61 um mit den bereits zuſammen⸗ unkte in Erwägung zu ziehen. D kommen, verlangte aber: der Hochmeiſter folle mit allen in Koͤnigsberg anweſenden Ordens⸗ aus⸗Kirche entgegenziehen und feierlicher Proceſſion einholen. Hochmeiſter keineswegs, ſandte hnlich war, einige Rathsherren fo zog nun der ſtolze Prälat, atenhut vorangetragen wurden, er Feſtgeſang in die Stadt ein. er Hochmeiſter die Angeſehenſten dem Schloſſe verſammelt hatte, einige Raͤthe zu ſich entbieten. bgeordneten alle Bitten und Vor⸗ ſtellungen auf, ihn zu bewegen, vor dem Hochmeiſter zu er⸗ ſcheinen, wobei der übermüthige Prälat manches ſchmaͤhende Wort gegen den Orden verlauten ließ. Endlich erklaͤrte er: er wolle kommen, ſofern man ihn gebuͤhrend als paͤpſtlichen Legaten und Referendarius einholen werde. Der Meiſter ſandte daher einige von der Ritterſchaft und den Gebie tigern ab, die ihn auf das Schloß geleiteten. Sobald er indeß in der Ver⸗ ſammlung erſchien, zielte alles, was er ſprach, nur darauf hin, die Ritterſchaft gegen den Hochmeiſter aufzuhetzen. Dreimal wieder⸗ holte dieſer ſeine Bitte um Bewilligung des Schoſſes und um Aufſchub der Bekanntmachung der Bulle. Alles umſonſt. Da erklärten die Landesritter, als ſie ſahen, wie ſich der Meiſter bittend demuͤthigte: „nun ſo wollen wir den Hochmeiſter bei feiner Herrſchaft behalten, wie ſonſt ein Meiſter gehalten worden 1) Bericht Schbl. LXVII. 84. des HM. an den Biſchof v. Samland u. Donnerſt. vor Barbara 1473 Schbl. thurs v. Brandenburg an d. HM. d. tini 1473 Schbl. LXVII. 98 woraus Sache auch mit Georg v. Die beiden Einladungsſchreiben „d. Koͤnigsb. am T. Eliſabeth LXVII. 77. Schr. des Kom⸗ Brandenburg Sonnt. vor Mar⸗ man ſieht, daß der HM. die Schlieben berathen zu wollen ſchien.
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62 Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Viſch. v. Samland. (1473.) iſt und wollen daran Leib und Gut ſetzen.“ Georg von Schlieben, Fritz von Luckau und Konrad von Eglofftein ſprachen mit größtem Eifer für des Hochmeiſters Sache. Das bewog endlich den Biſchof zu dem Erbieten: zu einer andern Zeit wolle er wohl den Schoß von ſeinen Unterthanen erheben laſſen, nur dieſes Jahr muͤſſe man ihn ſeiner Schulden wegen verſchonen; er wolle auch die Bekanntmachung der Bulle noch etwas anſtehen laſſen und ſelbſt den Ertrag des Ablaſſes mit dem Meiſter theilen, ohne etwas fuͤr die Bulle zu verlangen; aber ganz aufgeben werde er ſie nimmermehr. Damit endigte die Verhandlung zu Koͤnigsberg.! Da traf ein Schreiben des Landkomthurs von Franken Melchior von Neuneck beim Meiſter ein, welches ihm die Stimmung kund gab, die im Orden in Deutſchland uber des Biſchofs Verfahren herrſchte. Man ſah ihn auch dort als einen Mann an, der ſein Procuratoramt auf die unehr⸗ lichſte Weiſe nur benutzt habe, um ſeinem Ehrgeize, ſeiner Hoffahrt und „Leibeswolluſt“ zu froͤhnen, der mit Lug und Trug ſeine Legatenbriefe ausgewirkt, das Datum derſelben anders geftellt, ſich bald dieſem, bald jenem Fuͤrſten verkaͤuflich als Geſchaͤftshaͤndler angeboten theils aus Ehrgeiz, theils um Goͤnner zu gewinnen. Dazu hatte er, wie man wußte, in Rom enorme Summen verſchwendet und eine ſehr große Schuldenlaſt auf ſich geladen. Der Ablaßbrief allein hatte ihm achtzehnhundert Unger. Gulden gekoſtet.) Um dieſe Schulden zu decken, waren von ihm bereits mehre Koſtbarkeiten ſeiner Kirche, ein ſchoͤner Biſchofsſtab für ſechzehnhundert Gulden, eine Inſul oder Krone für tauſend Gulden verſilbert, mehre der Kirche gehörige Geldſummen weggenommen und gegen hundert Laſt Getreide verkauft worden. Dreitauſend und zweihundert Ducaten hatte man ihm nach Rom geſchickt; uͤberhaupt war die Kirche faſt aller ihrer Kleinodien, Schaͤtze, Geraͤthe u. ſ. w. 1) Bericht Schbl. LXVII. 84. \ 2) Schr. des Landkomthurs v. Franken an d. HM. d. Dienft, aller Seelen⸗Tag 1473 Schl. 102. 10.
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Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1474.) 63 von ihm beraubt worden, und doch betrugen ſeine Schulden zu Rom allein noch gegen dreitauſend Gulden.“ Schon im Anfange des Jahres 1474 aber vernahm man allerlei Anzeigen, daß der Biſchof Preuſſen bald zu verlaſſen ſuche. Er begab ſich zuerſt, angeblich wegen der in Fiſchhauſen herrschenden großen Sterblichkeit, nach Domnau, um ſich einige Zeit bei dem Ritter Konrad von Eglofſtein, den er ſeinen Freund nannte, aufzuhalten. 2 Mittlerweile boten die bereits erwaͤhnten Ritter, vorzüglich Georg von Schlieben, alle Mittel auf, um zwiſchen dem Biſchofe und dem Meiſter wo moͤglich noch einen Vergleich zu bewirken; auch die Biſchoͤfe von Dor⸗ pat und Kurland nahmen ſich der Sache mit allem Eifer an, jedoch alles ohne Erfolg.) Um den Hochmeiſter zu beſchwich⸗ tigen, erklaͤrte Dieterich zwar: er wolle am Rom. Hofe eine andere Bulle zu erwerben ſuchen, die ſich ebenſo auf den Orden wie auf ſeine Kirche beziehen ſolle; den Entwurf dazu wolle er, ehe er nach Rom gehe, zuvor dem Meiſter mittheilen. ® Allein man hatte laͤngſt Nachricht, daß er nur damit umgehe, eine ſchwere Klage gegen den Hochmeiſter wegen deſſen Wider⸗ ſetzlichkeit gegen die Bulle beim Papſte anzubringen.) Man fing uͤberdieß einen Brief des Kurfuͤrſten Pfalzgrafen Friederich von Baiern an den Biſchof auf, aus welchem hervorging, daß ſich dieſer zu dem erwaͤhnten Zweck auch an ihn gewandt und den Plan gefaßt hatte, ſich zu dieſem Fuͤrſten zu flüchten und in Gemeinſchaft mit ihm ſeine Sache in Rom zu betreiben, wozu ihm Friederich auch bereitwillig die Hand bot, denn er 1) Bericht Schbl. LXVII. 84. 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an den Bürgermeiſter u. Rath des Kneiphofs in Königsberg, d. Domnan am Sten T. der h. drei Koͤn. 1474 Schöl. LXVII. 83; er bittet den Rath, das von dieſem in Beſchlag genommene Elbingiſche Bier, welches Konrad v. Eglofſtein für ihn beſtellt gehabt, wieder frei zu geben, weil er kein anderes ver⸗ tragen koͤnne. 3) Bericht Schbl. LXVII. 84. 4) Bericht Schbl. LXVII. 84. 5) Schr. des Landkomthurs v. Franken an d. HM. a. a. O .
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64 Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1474.) verſprach nicht nur, für den Biſchof noch mehre gleichgeſinnte Fuͤrſten zu gewinnen, ſondern auch mehre Kardinaͤle in fein Intereſſe zu ziehen, um alles, was dem Biſchofe förderlich ſey, am Roͤm. Hofe um fo leichter durchzuführen. ) Daneben be: trieb der Biſchof im Domkapitel allerlei willkuͤhrliche und be⸗ denkliche Veraͤnderungen, wollte gegen Fug und Recht mehre Domherren in Koͤnigsberg ihrer Aemter entſetzen und die Praͤ⸗ laturen an feine Guͤnſtlinge bringen, um ſich durch ſolche Crea⸗ turen zuverlaͤſſige Mitgehuͤlfen in feinem Streite gegen den Orden zu verſchaffen.“ So weit hatte er alles vorbereitet, als er am ſechzehnten Februar als paͤpſtlicher Legat und Referendarius aus dem Biſchofshofe zu Königsberg an die andern Biſchoͤfe und Praͤ⸗ laten des Landes ein Ausſchreiben erließ, worin er mit Hin⸗ deutung auf die im verfloſſenen Kriege vielfach veruͤbten Ver⸗ brechen und aufgehaͤuften Sünden, ſowie auf die Verwuͤſtung feiner Kirche und Schloͤſſer und auf die nothwendige Wieder⸗ herſtellung derſelben den Zweck des vom Papſte ihm ertheilten Ablaßbriefes bekannt machte, zugleich mit der Aufforderung, in allen Kirchen ihrer Biſthuͤmer durch die Pfarrer das Volk uͤber die Indulgenz zu belehren und es mit Eifer ermahnen zu laſſen, zu dem am naͤchſten Sonntage Judica in der Kathedrale zu Königsberg zu ertheilenden Ablaß zahlreich herbeizuziehen zum Heile ihrer Seelen. Der Biſchof hatte dabei den Plan, ſobald er durch den Ablaß ſeine Beutel werde gefuͤllt haben, ſofort aus dem Lande zu fluͤchten, weshalb er ſich im voraus an den Prior der Karthaͤuſer zu Paradies in Pommerellen 1) Schr. des Kurfuͤrſten u. Pfalzgrafen Friederich vom Rhein an den Biſchof v. Samland, d. Heidelberg Dienſt. nach Dorotheä 1474 Schbl. LXVII. 81. 2) Erläut. Preuſſ. B. I. 475, wo als Quelle dieſer Nachricht eine Biographie des HM. Heinrich v. Richtenberg vom Koͤnigsbergiſ. Dom⸗ herrn Gabriel angefuͤhrt wird. 3) Abſchrift des biſchoͤfl. Ausſchreibens, d. in aula nostra episco- pali Konigesberg decima sexta Februar. 1474 Schbl. LXVII. 80.
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Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1474. ) 65 wandte mit der Bitte, ihm zu feiner Flucht behluflich zu ſeyn. v Alles war dazu auch ſchon vorbereitet. Am erwaͤhnten Sonntage aber ſtroͤmte das Volk aus fernen und nahen Landen in großen Schaaren in Koͤnigsberg zuſammen; alles eilte der Kathedrale zu, an deren Thuͤren der paͤpſtliche Ablaßbrief zu leſen war. Tauſende hielten Beichte und empfingen die verheißene Abſolution. Auch die Ablaß⸗ einnahme war für den Biſchof überaus bedeu als er ſie erwartet hatte. Allein die ſchwer verbittert, denn da der Hoch Tage ihn plotzlich an feiner Tafel au in das Schloß nach Tapiau abfü Ablaßgeld nahm der Meiſter in Beſchlag. man die Verhaͤltniſſe durch die vielfachen Ve dem Biſchofe genau kannte, fand man des durch das trotzige, ſtolzen Praͤlaten aufs der Biſchof, erklär Liebmühl vom Ord unehrlich und unge 1) Schr. des Bi ſchofs v. Samland an den Pater Johannes der Karthäufer im K loſter Paradies, d. in cas dominica Laetare 1474 Schbl. LXIII. 122. In dem Schreiben ſtellt er feine Flucht als eine in ſeinen Referendariatsgeſchaͤften aͤußerſt noth⸗ wendige, vom Papſte wiederholt verlangte Reiſe nach Rom vor. um glücklich durchs Land zu lommen, ſolle der Prior ihn in einem Karthäuſermoͤnchs⸗ Habit mit als ſeinen Diener in ſeinen Wogen neh⸗ men u. bis Frankfurt a. d. O. oder Stettin bringen; er verſpricht dem Prior nicht nur Erſatz aller Koſten, ſondern auch noch reichliche Be⸗ lobnung; ubrigens empfiehlt er ihm in der Sache die allergrößte Vor⸗ ſicht u. Verſchwiegenheit. Als Antwort ſolle der Prior auf dieſem Briefe bloß die Worte ſchreiben: fiat ut petitur, u. dieſe Worte finden wir wirklich auch vom Prior geſchrieben. Es geht daraus aber hervor, daß man dieſes Schreiben aufgefangen u. ſo des Biſchofs ganzen Plan kennen gelernt hatte. Prior tro nostro Thierenberg 3
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66 Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (1474.) Orden gefahren und ſich erzeigt hat, ſo ware dieß lange ſchon fein verdienter Lohn geweſen.““ Allein der Meiſter fand doch nothwendig, ſein Verhalten gegen den Biſchof auch vor der Welt, vor allem auch vor dem Papſte und dem Koͤnige von Polen im wahren Lichte darzuſtellen. Er ließ daher als Patron und Schutzherr der Samlaͤndiſchen Kirche die Angeſehenſten vom Adel aus Samland, die Buͤrgermeiſter und Rathsherren und die Gemeine der drei Städte Koͤnigsberg zu ſich auf das Schloß berufen und forderte ſie auf, ein offenes und wahr⸗ haftes Zeugniß daruͤber auszuſtellen: wie und in welchem Zu⸗ ſtande der Biſchof Dieterich bei ſeiner Ankunft ſeine Kirche und Diöcefe, feine Schlöffer, Städte, Gebiete und Kirchengüter ges funden habe? Nach kurzer Berathung ließen die Verſammelten durch den Edlen Johannes Thyme das einmuͤthige Zeugniß ausſprechen: die Kirche Samlands ſey, als der Biſchof ins Land gekommen, mit den ſchoͤnſten Geraͤthen zum Gottesdienſte geſchmuͤckt und reichlich verſehen, die Schloͤſſer gut befeſtigt und mit Vorraͤthen gefüllt, das Land wieder bevölkert, nicht durch Brand verwuͤſtet, auch nicht verpfaͤndet oder mit Schulden belastet, ſondern in allem aufs beſte beſtellt geweſen und in den letzten ſchweren Kriegen vom Orden tapfer vertheidigt worden, ſo daß der Biſchof ebenſo wie ſeine Vorfahren und wie es ſeiner Wuͤrde geziemt, aufs anſtaͤndigſte habe leben koͤnnen. Dieſes Zeugniß ließ ſofort der Hochmeiſter durch einen Notar in rechtskraͤſtiger Form in ein Inſtrument aufnehmen, denn c war fin ihn von großer Wichtigkeit.“ Wenige Wochen darauf ließ der Hochmeiſter auch ſaͤmmt⸗ liche Domherren der Samlaͤndiſchen Kirche im Kapitelſaale des 1) Schr. des Ordensmarſchalls an den HM. der Liebmuͤhl Mittw. nach Ambrofii 1474 Schbl. LXVI. 89. 2) Das Notariatsinftrument, vom Notar Liborius Naker abgefaßt, d. in refeciorio minori Castri Konigsberg die Veneris ultima Mensis Martii 1474 Schbl. III. 14. Die Hauptſtelle aus dem Dokument, namlich das Zeugniß ſelbſt, bei Gebſer Geſch. der Domkirche zu Koͤnigsb. S. 212. >
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Streit d. HM. m. Dieterich v. Cuba Biſch. v. Samland. (147 4.) 67 Doms zu Königsberg verſammeln und ihnen dieſelbe Frage vorlegen. Sie ſtellten durch ihren Dompropſt Johannes Tham nicht nur ganz daſſelbe Zeugniß uͤber den wohlgeordneten Zu⸗ ſtand des Biſthums in einſtimmiger Ausſage aus, ſondern fügten auch hinzu, wie der Biſchof den Samen der Zwietracht unter fie ausgeſtreut, einige durch truͤgeriſche Verſprechungen an ſich gezogen, andern mit Gefängniß gedroht „ wie er die Kirche ihrer Schaͤtze, Kleinodien, gottesdienſtlichen Geraͤthe, bedeutender baarer Geldſummen, anſehnlicher Getreidevorraͤthe u. ſ. w. beraubt, ferner auch wie er die Kirche und das Kapitel ohne deſſen Wiſſen und Willen in eine Pfandverſchreibung ſuͤr eine gewiſſe Margaretha aus Frankfurt mit verwickelt habe, die ihm zu Schimpf und Schande von Rom bis nach Preuſſen nachgefolgt ſey, was unter dem Volke großes Aergerniß erregt. Sie bezeugten uͤberdieß, daß der Biſchof die Samlaͤndiſche Kirche in eine Schuldenlast von mehr als zwoͤlſtauſend Mark gebracht habe, die noch unbekannten Schulden nicht einmal gerechnet, und endlich fügten fie nach ſolchen Klagen an den Hochmeiſter als Schutzherrn ihrer Kirche einmuͤthig die Bitte hinzu: er möge dieſer Vergeudung ihres kirchlichen Eigen⸗ thums Einhalt thun ‚ damit es durch des Biſchofs zuͤgel⸗ loſes und unordentliches Leben nicht noch groͤßere Verluſte erleide.! Dieſe Zeugniſſe nebſt einer umftändlichen Darſtellung des ganzen Verlaufes der Dinge uͤberſandte der Meiſter dem Erz⸗ biſchofe von Riga als des gefangenen Biſchofs Metropolitan mit der Bitte um ſeinen Rath in ſeinem fernern Verhalten. Die Sache ſetzte dieſen in große Verlegenheit, denn was ſeine innere Ueberzeugung als vollkommen gerechtfertigt erkannte, mußte er nothwendig in ſeiner amtlichen Stellung und nach Geſetz und Ordnung der Kirche für widerrechtlich und ver⸗ 1) Das Notariatsin abgefaßt, d. apud Eccles die Mercurii vicesima weſentlichſte ſtrument, gleichfalls vom Notar Liborius Naker iam Gathedralem Sambiensem in loco Capitulari Mensis Aprilis 1474 Schbl. LIT. 15. Der Theil der Urkunde gedruckt in Gebſer a. a. O. S. 213214. 5 *
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68 Gefangenſchaft u. Tod Dieterichs v. Cuba Biſch. v. Saml. (1474.) dammlich erklaͤren. „Wir find dep uͤber die Maaßen erſchrocken, antwortete er dem Meiſter, ſelbſt die Freunde des Ordens werden uͤber den geſchehenen Schritt nicht erfreut ſeyn, denn ſeit der Orden daſteht, iſt von einem Hochmeiſter mit einem Biſchofe und Praͤlaten noch nicht alſo verfahren worden. Ihr wuͤnſchet darin unſern Rath? Holder Freund und Goͤnner, waͤren wir nicht im Erzbiſthum zu Riga und Metropolitan üble Preuſſen und Livland, ſo wuͤßten wir euch wohl anders zu rathen, als wir jetzt dürfen. Ihr habt uns und unſere Mitbiſchöͤfe und Suffragane in der Sache zu eueren Widerſachern gemacht, was wir ungern ſeyn wollen; aber uns dringt und zwingt unſer und unſerer Mitbifchöfe Eid, den ein jeder dem heil. Vater und der heil. Rom. Kirche geſchworen hat, darin wir verſprochen, die Satzungen der Kirche zu halten.“ Nachdem er dann weiter fein richterliche Amtsverhaͤltniß und deſſen Verletzung durch die ohne Gericht und Urtheil erfolgte Gefangenſetzung des Biſchofs auseinander geſetzt, fuhr er fort: „fen feine Schuld auch noch ſo groß oder gering, ſo hat er doch immer ſeine gebuͤhrlichen Richter, die billig in den Sachen erſucht ſeyn ſollten, denn ihr ſowohl, als Kaiſer, Könige und Fuͤrſten koͤnnt in keiner Weiſe der Herren Bifchöfe oder geiſtlicher Praͤlaten Richter ſeyn, außer die Lehen von ihnen haben, was hier bei dem von Samland nicht iſt.“ Bei dieſem ſey zweierlei zu beruͤckſichtigen, feine biſchöͤfliche Würde und daß er ein Botſchafter und Diener des Papſtes und der Roͤm. Kirche ſey. Wer ohne Gericht und Recht ſolche Perſonen frevelhaft angreife oder gefangen ſetze, fuͤr den ſpreche das kirchliche Recht die Strafe aus. Laſſe der Hochmeiſter ſich dieſes Recht vorleſen, ſo werde er finden, daß „wir als Erzbiſchof und Metropolit ſchuldig ſind, alle, die Schuld an der Fahung haben, in den paͤpſtlichen Bann zu verkuͤndigen und auf alle der Herrſchaft Lande, die dabei mit⸗ ſchuldig und beſonders wo der Biſchof im Gefaͤngniſſe gehalten wird, mit dem Interdicte zu belegen.“ Der Erzbiſchof fuͤgt hinzu: er ſchreibe dieß nicht deshalb, als habe er im Sinne, den Hochmeiſter und die Seinen als in dieſe Strafen verfallen zu erklaͤren, ſondern nur um ihm die Gefahren zu zeigen,
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Gefangenſchaft u. Tod Dieterichs v. Cuba Biſch. v. Saml. (1474. ) 69 welche ihm und dem Orden daraus erwachſen könnten, wiewohl er eigentlich das Recht ſeinen Gang nehmen laſſen ſolle. Er giebt daher dem Meiſter den Rath, die Sache noch irgendwie zu beſeitigen und zeigt ſelbſt die Art und Weiſe vor, wie gegen den Biſchof am beſten auf dem Wege des Rechts verfahren werden konne; er legt es ihm ferner an die Hand, wie er ſelbſt den jetzt ſchon gethanen Schritt der Gefangennebmung beim Papſte noch rechtfertigen könne und ſchließt mit den Worten: „wir wollten euch gerne noch mehr in der Sache ſchreiben und klarer, aber nach unſerm Stand und Weſen ziemt es uns nicht. Ihr moͤget jedoch fürwahr wiſſen, was wir euch und euerem achtbaren Orden in dieſer und in andern Sachen zu Freundſchaft und Behaͤglichkeit thun koͤnnen, das thun wir mit ganz willigem Fleiße, worin ihr keinen Zweifel ſetzen duͤrſet.“ U Sonach durfte der Hochmeiſter vom Erzbiſchofe von Riga, der unverkennbar dem übermüthigen Biſchofe von Samland ſein wohlverdientes Schicksal gönnte, keinen bedenklichen Schritt befürchten, zumal da in der feindlichen Stellung Silveſters zum Livlaͤndiſchen Meiſter jenem des Hochmeiſters Freundſchaft und Gewogenheit von der größten Wichtigkeit war. Er er⸗ füllte daher auch bereitwillig des Meiſters Geſuch, ihm alle die Zeugniſſe und Dokumente, womit er ſeine Beſchwerde und Rechtfertigung am Röm. Hofe unterſtuͤtzen wollte, in ein Transſumt verfaſſen zu laſſen. ) Er ſandte dieß indeß dem 1) Dieſer merkwürdige Brief des Erzbiſchofs v. Riga an d. HM. d. Schloß Ronneburg Sonnab. nach Himmelf. Chriſti 1474 Schöbl. LXVII. 78. 2 Das T. ransſumt, d. in sastro Rowwnenborch die Iune penul- uma mensis J uu 1474 Schbl. III. 16. Wir finden darin transſu⸗ fruher ſchon erwähnte Transſumt der Ablaßbulle des papſtes Sirtus durch den Notar Liborius Naker vom 20 April 1474; 2) das Notariatsinſirument deſſelben Notars uͤber das ebenfalls ſchon erwahnte Zeugniß der Samländif Domherren v. 20 April 1474; 3) das Notariatkinſtrument über das bereits erwähnte Zeugniß der Samlaͤndiſ. Edelleute und des Mathis v. Königsberg v. 30 März 1474; 4) die Verpfändungsurkunde des Biſchofs v. Samland an die Frau Marga⸗
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70 Gefangenſchaft u. Tod Dieterichs v. Cuba Biſch. v. Saml. (1474.) Hochmeiſter mit dem Bemerken zu: er rathe nicht, dieſes Do⸗ kument an den Nom. Hof zu bringen; die erwähnten Zeugs niſſe winden ihm und den Domherren von Samland von keinem weſentlichen Nutzen ſeyn, denn kein Zeugniß koͤnne vor Gericht genuͤgen, ſofern es nicht auf des Richters Befehl und Gedrang des Rechts und nach Vorladung der Gegenpartei mit Zeugeneiden aufgenommen und bekraͤftigt ſey. „Gott weiß, fügte er hinzu, es iſt uns leid, daß ihr und euere Gebietiger nicht größer Aufſehen und Rath in der Sache gehabt, denn wir beſorgen, daß ihr nicht ohne Kummer dabei bleiben werdet.“) Mittlerweile ließ indeß der Hochmeiſter eine Reihe von Klagartikeln aufſetzen, die der neue Ordensprocurator zu ſeiner Rechtfertigung dem Papſte vortragen ſollte. Außer den bereits erwähnten Beſchwerden gegen den Biſchof wegen Beraubung ſeiner Kirche, Anhaͤufung einer großen Schuldenlaſt u. ſ. w. wird er noch beſchuldigt: er habe bald nach feiner Ankunft im Lande, als ihm ſein uͤberſchwenglicher Hochmuth und ſeine Le⸗ bensweiſe nicht geſtattet worden, durch allerlei Neuerungen und Finten Zwiſt und Uneinigkeit zwiſchen dem Hochmeiſter und den Gebietigern anzuregen geſucht, den ehemallgen Komthur von Preuſſ. Holland Konrad von Lichtenhain, der waͤhrend der Kriegszeiten und auch nachmals in friedlichen Jahren in feinen Amtsgeſchaͤften ein anſehnliches Geld an ſich gebracht, mit ſchlauer Liſt zum Ungehorſam verlockt,) um ihn heimlich mit aus dem Lande zu nehmen; er habe ferner den Plan ge⸗ retha von Frankfurt über alle biſchoͤflichen und Stifts⸗Guͤter der Sam⸗ ländiſ. Kirche für die Summe von 400 paͤpſtl. Ducaten (ducatos pa- Dales), d. Rome pennltima mensis Aprilis 1473; 5) das Schreiben des Biſchofs Dieterich an den Prior der Karthaͤuſer zu Paradies, d. am Sonnt. Laͤtare 1474. 1) Schr. des Erzbiſchofs v. Riga an d. HM. d. Kokenhauſen Freit. nach Viſit. Mariä 1474 Schbl. XIII. 30. 2) Nach einem Verzeichniſſe über die Amtsuͤbergabe war Konrad v. Lichtenhain vom Komthuramte zu Preuſſ. Holland ſchon am Mittw. nach Kiliani 1473 abgegangen, Schbl. LI. 87.
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Gefangenſchaft u. Tod Dieterichs v. Cuba Biſch. v. Samt. (1474.) 71 habt, den Hochmeiſter mit ſeinen Gebietigern in allerlei Be⸗ draͤngniſſe und Verwickelungen zu bringen, um dann, ſobald das Ablaßgeld im Kaſten ſey, deſto leichter mit dem ganzen Schatze und mit Habe und Gut aus dem Lande flüchten zu können, wie ſein eigenhändiger Brief an den Karthaͤuſer aus⸗ weiſe, der ihn in einer Moͤnchskappe aus dem Lande habe führen ſollen. Die vom Orden zur Bezahlung der Soͤldner auch auf die Einſaſſen im Biſthum ausgeſchriebene Steuer habe der Biſchof ſelbſt erhoben und. zu ſeinem Nutzen verwandt, wobei er die Landſchaft nur in Hader und Zwiſt habe bringen wollen. Ebenſo habe er durch 1 die Behauptung, der dem Dr: den von fruͤheren Paͤpſten verlie von hene Ablaß fey widerrufen und ungültig, unter dem Volke nur Irrung und Unfrieden anzu⸗ ſtiſten geſucht; er habe uͤberdieß den Hochmeiſter in ſeinen althergebrachten Bernſteinrechten beeinträchtigt, indem er ſelbſt mit Bernſtein Handel getrieben und dadurch des Ordens Ein⸗ nahme geſchmaͤlert; ſelbſt der Bernſteindiebſtahl ſey durch ihn beſoͤrdert worden, weil er ihn viel wohlfeiler verkauft; dabei habe er den Hochmeiſter, ſeinen Patron und Schutzherrn, durch allerlei ungebührliche Zuſchriften belaͤſtigt, um ihn zu Hader und Zwietracht zu reizen. Endlich habe er den Dom⸗ herren einen neuen Habit wider des Ordens Regel und Ge⸗ wohnheit angeboten, er ſelbſt, den man ſelten in der Ordens⸗ kleidung gefehen, ſey meiſt in einem grauen Rocke umhergeritten und ſobald er zum Hochmeiſter gekommen, aus Hochmuth (was im Orden unerhoͤrt) mit einem ſeidenen Mantel ge⸗ ſchmuͤckt geweſen. Dem allem zu begegnen, um dem Verderben der Kirche und des Domſtiftes vorzubeugen und das Entweichen des Biſchofs aus dem Lande mit dem ungehorſamen Ordens⸗ bruder zu verhindern, habe der Hochmeiſter jenen in gefaͤng⸗ liche Haft nehmen laſſen; der Papſt moͤge ihm dieß nicht un⸗ gnaͤdig deuten u. ſ. w. Bevor jedoch dieſe Klagſchrift nach Rom kam, ertheilte 1) Eine ſpaͤtere Abſchrift dieſer Klagſchrift, deren Anfang aber fehlt, ohne Zeitangabe, Schbl. LXVII. 100,
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72 Gefangenſchaft u. Tod Dieterichs v. Cuba Biſch. v. Saml. (1474.) der Papſt Sixtus auf das ihm zugekommene Geruͤcht von des Biſchofs Geſangenſetzung dem Abte von Pelplin den Auftrag, uͤber die Thatſache, die Urſachen derſelben und die dem Bi⸗ ſchofe angeſchuldigten Vergehungen ſich mit aller Umſicht zu unterrichten, die Wahrheit durch Zeugen feſtzuſtellen, den Bi⸗ ſchof auch ſelbſt über alles zu verhoͤren und eiligſt daruͤber Bericht zu erſtatten, um die noͤthigen Maaßregeln zu ergrei⸗ fen. Mir find nicht benachrichtigt, welche Schritte der Abt hierauf gethan. Der Hochmeiſter ſelbſt aber ward immer zwei⸗ felhafter, was in der Sache ferner geſchehen muͤſſe. Gegen des Erzbiſchoſs von Riga Rath fiößte ihm der Livlaͤndiſche Meiſter Mißtrauen ein, ſuchte jenen uͤberhaupt in Beziehung auf die Aufrichtigkeit ſeiner Geſinnung beim Hochmeiſter in Verdacht zu bringen, obgleich auch er nach dem Urtheile von Gelehrten des Erzbiſchofs Anſicht theilte, daß die abgefaßten Zeugniſſe am Röm. Hoſe wenig Nutzen ſchaffen würden. 2 Der Deutſchmeiſter dagegen ſchien dafür zu ſtimmen, die Sache gegen den Biſchof weiter zu verſolgen und insbeſondere auch Nachforſchungen wegen der Bücher anſtellen zu laſſen, die, wie er aus ſicherer Quelle erfahren, der vorige Hochmeiſter dem Biſchofe, als er noch Procurator war, aus der Ordens Liberei zu Tapiau mit nach Rom gegeben habe, von dieſem aber dort verkauft worden ſeyn follten. ® Des Hochmeiſters Zweifel loͤſte ſich bald von ſelbſt. Der Biſchof hatte ſchon faſt ein halbes Jahr im Kerker ge⸗ ſchmachtet. Anfangs nur, wie es ſeinem Stande geziemte, in einem anſtaͤndigen Gemache in vier Waͤnden feſtgehalten, ver⸗ ſuchte er nach einiger Zeit zu entfliehen. Der Schloßkaplan aber, mit dem er den Plan der Flucht verabredet, wurde ſein 1) Schr. des Papſtes Sixtus an den Abt zu Pelplin, o. D. Schbl. LXVII. 82 (Abſchrift.). 2) Schr. des Meiſters v. Livland an d. HM. d. Tuckum Freit. nach Margaretha 1474 Schbl. XLII. 31. 3) Schr. des Deutſchmeiſters an d. HM, d. Horneck am S. Ja⸗ cobstage 1474 Schbl. LXII. 18.
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Tod Oieterichs v. Cuba Biſch. v. Samland. (1474) 73 Verraͤther, indem er alle zur Flucht entworfenen Anſchlaͤge ſeinen Obern kund gab. Dieſe zu verhindern war letzt doppelt nothwendig. Der Biſchof ward daher jetzt von zwei Ordens⸗ rittern in ein dunkles Gewoͤlbe nahe an der Sacriſtei der Kirche zu ſtrengerer Verwahrung gebracht. Es wird erzaͤhlt, daß er an Händen und Füßen durch eiſerne Ringe ſtehend an die Mauer gefeſſelt mehre Tage zugebracht habe, waͤhrend zwei Ordensbruͤder, die allein um ſein Schickſal gewußt, ihn für krank ausgegeben. So oft er die Glock hebung der Hoſtie gehört, ſoll er miserere mei Deus ausgeru⸗ fen haben, ſo laut nommen, welches den Biſchof hier nicht vermuthet. Alle Speiſen, die ihm ſollen ihm von den beiden Rittern ſo in der jam⸗ mervollſten Lage nach einigen Tagen, nachdem er ſchon das Fleiſch von beiden Achſeln, ſo weit er es erreichen koͤnnen, ab⸗ gebiſſen und verzehrt, des Hungertodes geſtorben ſeyn. Die Leiche ward nach Koͤnigsberg gebracht und in geziemender Weiſe mit allen Ehren im Dom beſtattet. D Hoͤchſtwahrſcheinlich war es die damals in Königsberg und vielen andern Staͤdten Preuſſens bis nach Litthauen ſtark herrſchende peſtartige Krankheit, welche des Biſchofs Leben endigte. Allerdings aber verbreitete ſich das Geruͤcht von ſei⸗ nem Hungertode ſchon in den erſten Tagen nach ſeinem Hin⸗ ſcheiden, denn der Hochmeiſter war ſogleich bemuͤht, uͤber den 1) Ueber den Tod und die letzten Schickſale des Biſchofs fehlt es an ganz authentiſchen Nachrichten. Die obigen Angaben fügen ſich bloß auf Berichte der Chroniſten, namentlich auf die Ordens = Chron. P. 393 — 394, Freybergs Chron. S. 230 u. a., aus denen fie faſt woͤrtlich in die Abbondlung über Dieter. v. Cuba im Erläut. Preuſſ. B. I. 471 Übergegangen find. Es iſt nicht zu laͤugnen, daß manche Einzelnheiten in dieſen chroniſtiſchen Berichten ſtarke Zweifel erregen; aber wer will bei dem Mangel lauterer Quellen das Wahre von dem Erdichteten haarſcharf trennen? Wie der Biſchof zuletzt in dem ſtren⸗ gen Verwahrſam gehalten und behandelt und welcher Todesart er ges ſtorben ſey, das wußten damals offenbar nur die wenigen, denen ſeine Bewachung uͤbertragen war.
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74 Tod d. Biſchofs v. Samland Dieterich v. Cuba. (1474. natuͤrlichen Tod deſſelben, um unrichtigen Angaben daruͤber moͤglichſt bald zu begegnen, nach genauer und oͤffentlicher Be⸗ ſichtigung und Unterſuchung der Leiche durch Notare und glaub⸗ wuͤrdige Zeugen den wahrhaften Thatbeſtand feſtzuſtellen. Er ſelbſt berichtete auch ſogleich, um dem Gerüchte in Deutſchland vorzubeugen, dem Deutſchmeiſter: „er habe den Biſchof von Samland in ſeinem Verwahrſam, wie ſeinem Stande gezieme, mit Speiſe und Getraͤnk wohl verſorgen laſſen; aber die Ge⸗ walt Gottes, mit der durch die herrſchende Peſtſeuche das große Menſchenſterben im Lande immer mehr uͤberhand nehme, ſey auch über ihn gekommen und der naturliche Tod habe ihn von dieſer Welt genommen.“ » Wenn nun der Hochmeiſter in die⸗ ſem Berichte dem Deutſchmeiſter zugleich den Auftrag ertheilt, auf Grund jener Zeugniſſe der Notare und glaubwindiger Zeu⸗ gen und mit dieſer ſeiner eigenen Erklärung über des Biſchofs Behandlung und Todesart etwanige Geruͤchte und Nachreden gegen ihn und den Orden zu widerlegen, iſt es wohl glaublich, daß der Hochmeiſter ſelbſt zuerſt die Waffe der Luͤge ergriffen und dem Deutſchmeiſter zugemuthet haben ſollte, mit dieſer Waffe die Ehre des Ordens und ſeines Oberhauptes zu retten und zu vertheidigen? Oder wenn wirklich der Biſchof des Hungertodes geſtorben war und alſo der Hochmeiſter dem Deutſch⸗ meiſter die offenbarſte Unwahrheit ſchrieb, ſetzte er ſich dadurch nicht dem ſo leicht moͤglichen Falle aus, daß der letztere durch einen Ordensbruder, der um alles wußte, die reine Wahrheit erfahren und ihm dann die unverſchaͤmteſte Lügenhaftigkeit zum Vorwurf machen konnte? Erwaͤgt man daher genau, was der Hochmeiſter bei dieſer gegen den Biſchof verhaͤngten Todes art 1) Schr. des HM. an den Deutſchmeiſter, d. Koͤnigsb. am T. Bartholom. 1474 Schöl. II. 92. LXVII. 2, gedruckt bei Geb ſer a. a. O. S. 217. (wobei zu bemerken iſt, daß das dort ebenfalls ge⸗ druckte Schreiben an Melchior Meckau in der Urſchrift durchſtrichen und alſo an dieſen nicht abgegangen iſt). Daß damals die Peſtkrankheit, wie der HM. ſelbſt ſagt, in Preuſſen bis nach Litthauen hin ſehr ſtark herrſchte, bezeugt auch ein Schr einer Anzahl Litthauiſcher Edelleute an den HM. d. Wilna Donnerſt. vor Katharina 1474 Schl. 69. 2.
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Tod d. Biſchofs v. Samland Dieterich v. Cuba. (1474.) 75 und bei einer aller Wahrheit widerſtreitenden Mittheilung an den Deutſchmeiſter alles auf das Spiel geſetzt hätte, fo ſcheint man als ziemlich gewiß annehmen zu duͤrfen, daß der Biſchof wirklich, wie der Meiſter verſichert, in ſeinem Kerker eines na⸗ tinlichen Todes geſtorben ſey. Aber eben ſo gewiß duͤrfte ſeyn, daß ſich damals ſogleich im Lande das Geruͤcht von feinem Hungertode verbreitete, denn darauf deutet ebenfalls der Hoch⸗ meiſter in ſeinem Berichte ſelbſt ſchon hin.) Zwar wird er⸗ 1) Alles was wir von dem angeblichen Hungertode Dieterichs v. Cuba hoͤren, befchränft fi, wenn man die Quellen ſorgſam vergleicht, auf das darüber verbreitete Gerücht. Daß dieſes Gerücht damals ſo⸗ gleich ſich im Lande verbreitet babe, beweiſt theils die um dieſe Zeit geſchriebene alte Preuſſ. Chronik, wo es p. 48 heißt: „Alſo lys yn. (den Biſchof) der Meyſter bynden of eynen wagen und lis yn fuͤren of genſt konigisberg und lis yn werffen yn eyn gefenknyſſe und lis yn verhungern,“ theils darf man es auch aus dem Umſtand ſchließen, daß der HM. ſogleich nach des Biſchofs Tod fo ſehr bemüht war, über den Befund der Leiche ein „von offenbaren Notarien und glaubwuͤrdi⸗ gen Zeugen“ aufgenommenes und beftätigtes Erkenntniß abfaſſen zu laſſen, ſowie auch daraus, daß er dem Deutſchmeiſter ausdrücklich ſchreibt, er habe den Biſchof „in Eſſen und Trinken, als einem Bi⸗ ſchofe ziemet, verſorgen laſſen.“ Dieſes Geruͤcht faßten dann die ſpaͤ⸗ ter geſchriebenen Chroniken, wie ſie bereits erwaͤhnt ſind und die Er⸗ zaͤblung bei Henneberger P- 449 zeigt, als unbezweifeltes Factum auf und ſo iſt es bisher auch immer, ſelbſt noch bei Gebſer a. a. , angenommen worden. Dennoch ſprechen innere Gründe nach un⸗ ſerem Dafürhalten weit mehr für einen natürlichen Tod des Biſchofs, denn 1. wenn der HM. über den natürlichen Tod des Biſchofs nicht ganz gewiß geweſen waͤre, wie hätte er es wagen koͤnnen, eine oͤffent⸗ liche Beſichtigung der Leiche vornehmen und uͤber den Befund ein durch Notare, d. h. vereidigte Perſonen gerichtlich abgefaßtes Zeugniß ausſtellen zu laſſen. Wenn man die Pflichten und die Verantwortlich⸗ keit der Notare in ſolchen Fallen kennt, fo wird man unmoͤglich an⸗ nehmen können, daß ſich dieſelben vor der Ausſtellung ihres Zeugniſſes nicht erſt genau über den wahren Thatbeſtand werden unterrichtet ha⸗ ben. Oder aber haͤtte ſich im Gegentheil der HM. bei dem wirklich erfolgten Hungertode durch die Unterſuchung und Beſichtigung der Leiche nicht gerade der Gefahr ausgeſetzt, daß eben dieſe Todesart, alſo ein am Biſchofe veruͤbtes Verbrechen an den Tag kommen und ganz ſicher
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76 Tod d. Biſchofs v. Samland Dieterich v. Cuba. (1474.) zaͤhlt: der Orden habe, um den über die gewaltſame Todesart des Biſchofs erzuͤrnten Papſt zu befänftigen, ſieben zu falſchem Zeugniſſe erkaufte Männer nach Rom geſandt, die mit aufge⸗ reckten Fingern die natürliche Todesart beſchworen hätten und der Papſt ſey dadurch beruhigt worden, nachmals aber als die wahre, naͤmlich die gewaltſame Todesart durch das Beicht⸗ zeugniß der betheiligten Ordensritter felbft offenkundig geworden, hätten die ſieben meineidigen Zeugen in Samland und Na⸗ drauen in allgemeiner Verachtung geſtanden; allein abgeſehen von den unſicheren Quellen, durch welche uns dieſe Nachricht zufließt, ſo traͤgt ſie auch an ſich ſchon das offenbare Gepraͤge einer bloßen Erdichtung.) Wir hoͤren auch nicht im minde⸗ ſten, daß der Rom. Hof ſich weiter um die Streitſache be⸗ klunmert; da fie einzig nur durch die Perfönlichfeit des vers ſtorbenen Biſchofs angeregt worden war, ſo ſcheint ſie auch geſtellt werden würde? Hätte er im wirklichen Falle des Hungertodes nicht vielmehr alle Urſache gehabt, eine ſolche gerichtliche Beſichtigung des Leichnams fo viel als moͤglich zu verhindern! 2. Der Hungertod ſoll nach den Chroniſten durch Mithuͤlfe von zwei Ordensrittern geſche⸗ hen ſeyn. Auch dieß macht die gewöhnliche Erzählung hoͤchſt verdaͤch⸗ tig; denn wenn der HM. ſolche Mitwiſſende ſeines Verbrechens unter den Ordensrittern ſelbſt hatte, wie haͤtte er es wagen dürfen, dem Deutſchmeiſter gerade das Gegentheil, alſo eine offenbare Unwahrheit zu berichten! 1) Auch dieſe Nachricht, die wir ebenfalls in der Ordenschron. p. 394 finden, erregt gegen die gewoͤhnliche Erzählung ſtarken Zweifel. Sieben Maͤnner aus Samland und Nadrauen, die alſo beim Tode des Biſchofs gar nicht zugegen geweſen, ſollen von ihrem eigenen Landes⸗ herrn zu einem falſchen Zeugniſſe erkauft und beſtochen worden ſeyn ? Sieben Maͤnner, die wenn ſie Glauben erwecken ſollten, nicht aus der Hefe des Volkes genommen ſeyn durften, ſollen nach Rom gewandert ſeyn, um — dem Papſte eine luͤgenhafte Nachricht zu überbringen ? Die zwei Ordensritter ſollen in ihrem Beichtzeugniſſe den Hungertod bekannt und Ordensprieſter oder Prieſterbrüder, bei denen fie allein beichten durften, ſollen das Beichtgeheimniß gebrochen und gegen ihr Gewiſſen und gegen das Intereſſe ihres Ordens die ſchimpſtiche That ihres Meiſters ausgeplaudert haben! —
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Tod d. Biſchofs v. Samland Dieterich v. Cuba. (1474.) 77 mit ſeinem Tode beendigt worden zu ſeyn.) Man ſcheint in Rom eingeſehen zu haben, daß, wenn der Hochmeiſter, durch des Biſchofs Stolz, Trotz, Uebermuth und hinterliſtige Plane bis zum aͤußerſten gereizt, auch einen Schritt gethan der ſich vor dem Rechte und Geſetze der Kirche nicht rechtfertigen laſſe, man ihn in Betracht der obwaltenden Verhaͤltniſſe doch mit Nachſicht und Schonung beurtheilen müffe, wozu vielleicht der Bericht des Abzes von Pelplin mit beigetragen hatte.) Da⸗ her fand auch die Beſtaͤtigung des Nach Cuba in Rom weiter keine Schwierigkeit. Ordensprocurator Magiſter Johannes Rehwinkel, aus Star⸗ gard gebürtig, zum Biſchofe feiner Kirche. Die Wahl geſchah ganz nach des Meiſters Rath und Willen, der dem Neu⸗ erwaͤhlten wegen ſeiner rechtſchaffenen, aufrichtigen und biedern Geſinnung ſchon laͤngſt, namentlich auch durch Uebertragung des Procuratoramtes (obgleich der Deutſchmeiſter einen andern dazu vorgeſchlagen) volles Vertrauen geſchenkt und ihn jetzt, da er wuͤnſchte, daß er auch als Biſchof das Procuratoramt noch eine Zeitlang verwalten moͤge, auch dem Deutſchmeiſter aufs dringendſte zur Unterſtuͤtzung empfahl, zumal da das Biſthum Samland durch den letzten Biſchof mit Schulden ſo belaſtet und ſo verarmt war, daß der Neuerwaͤhlte vorerſt nur wenig Beihuͤlfe von daher zu erwarten hatte. 3 1) Exft nach des Biſchofs Tod kam ein Schr. des Rathes von Frankfurt a. d. O. an den OM. d. Eten T. nach Kreuz- Erhoͤh. 1474 Schbl. LXVII. 79 worin ſich dieſer fuͤr die Freilaſſung des Biſchofs und des mit ihm gefangenen Domherrn und Ordensbruders Claus Kruder, Sohns „ eines Rathsgeſellen aus Frankfurt“ verwandte. 2) Das geh. Archiv enthält keine Spur von den zornigen Auge laſſungen des Papſtes, wovon die Chroniken zu erzählen wiſſen, indem ſie dieſen gegen den Orden ausrufen laſſen: nigra Crux, Maledictus enim Ordo, Henneberger p. 451. 3) Schr. des HM. an den Deutſchmeiſter, Deleatur pessima illa ubi Laicus regit Clerum! Vgl. d. Koͤnigsb. am T.
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78 Spannung zwiſ. dem HM. u. d. Könige v. Polen. (1474.) Waͤhrend dieſes Streites aber mit dem Biſchofe von Sams land ließen den Hochmeiſter auch feine Verhaͤltniſſe zum Könige von Polen nicht ohne Sorgen. Kaſimir bemuͤhte ſich zwar, dem Meiſter zuweilen Beweiſe von Gunſt und Zuneigung zu geben, D allein immer nur mit eigennuͤtzigen Abſichten, denn fort und fort ließ er zugleich den Orden bedraͤngen, ihm zur Ver⸗ treibung des Biſchofs Nicolaus von Tuͤngen aus Ermland den geforderten Beiſtand zu leiſten. So entſchieden man ihm dieſen auf mehren Tagfahrten auch verweigerte?) und ſo beſtimmt ſich namentlich auch die vom Ordensmarſchall auf einer Tag⸗ fahrt zu Liebmuͤhl verſammelten Gebietiger von Preuſſ. Holland, Oſterode und Mohrungen und die Ritterſchaft der Gebiete von Preuſſ. Mark, Eilau, Liebmühl u. a. gegen jede Unterſtuͤtzung des Königes in dieſem Streite ausſprachen, erklaͤrend, daß fie, wenn man den Hochmeiſter dabei nicht in Ruhe laſſe, ſondern mit Gewalt zur Beihülfe zwingen werde, ſich verpflichtet fühlten und einmuͤthig beſchloſſen hätten, dem Orden mit Leib und Gut beizuftehen, ® fo ließ es der Koͤnig, der nun einmal ſeinen Man im Biſthum Ermland durchſetzen wollte, doch nie an immer wiederholten Verſuchen fehlen. Sein Unternehmen, die Ermlaͤnder ſelbſt dadurch zur Vertreibung des Biſchoſs zu zwin⸗ gen, daß ſowohl von den Staͤdten Danzig, Thorn und Elbing, als von des Hochmeiſters Landen aus alle Handelsverbindung mit Ermland abgeſchnitten und ſtreng unterſagt werden ſollte, konnte ſchon deshalb nicht durchgefuhrt werden, weil der Hoch⸗ meiſter eine ſolche Handelsbeſchraͤnkung durchaus verweigerte, die erwähnten Städte aber befürchten mußten, daß wenn ſie dem Koͤnige willfahrten, der Handel Ermlands ſich nur um ſo Bartholom. 1474 Schbl. II. 92. LXVIL 2. Gebſer a. a. O. S. 220. 1) Schr. des Biſchofs v. Kulm an d. HM. d. Rieſenb. Donnerſt. nach Pauli Bekehr. 1474 Schl. LXIV. 84. 2) Die weitläuftigen Verhandlungen darüber auf einer Tagfahrt zu Marienburg bei Schütz p- 356. 3) Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM. d. Liebmuhl Mittw. nach Ambroſii 1474 Schbl. LXVI. 89.
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Spannung zwiſ. dem HM. u. d. Könige v. Polen. (1474,) 79 mehr nach den Ordenslanden deutende Verluſte o haben wuͤrden. D Der Koͤnig kam nun dem von U ziehen und ſie dadurch nur be⸗ hne den erwuͤnſchten Erfolg zu erwarten Beharren in ſeiner Stellung und aufruͤhreriſche Wider⸗ m Sinne wurde bald ſein Verhalten, wahrſcheinlich durch de i n Konig ſelbſt, auch dem Kaiſer Friederich dargeſtellt. © Hoͤchſt befremdend war es daher 1) Schätz p. 357. 2) Schütz p. 357 — 358. Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM. d. Preuſſ. Mark Sonnab. sub Octav. corp. Chr. 1474 Schbl. XXVII. 26. 3) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. H Abend Johannis Bapt. 1474 Schbl. LXVI. 88. Schr. des Thomas v. Batſen an d. Biſchof v. Ermland, d. Elbing am Abend der 10,000 Ritter 1474 Schbl. XXVII. 24. 4) Der König ließ wenigſtens ſelbſt dem HM. melden, daß er ſeine Botſchaft beim Kaiſer gehabt habe. eilsberg am —
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80 Konrad v. Lichtenhain. (1475.) für den Hochmeiſter, als er von dieſem mit einemmal die ernſte Weiſung erhielt: er ſolle von dem gegen den Koͤnig von Polen vorgenommenen Krieg und Aufruhr ohne weiteres abſtehen, weil „ſolcher Aufruhr dem ganzen Rom. Reiche und gemeiner Chriſtenheit zu großer Verhinderung und Schaden gereichen werde.“ ) Ohne Zweifel ſollte dies nur ein Mittel ſeyn, den Hochmeiſter zu geſchmeidiger Nachgiebigkeit zu bewegen, denn nicht ohne Abſicht hatte ihm der König auf Michaelis⸗Tag eine beſtimmte Friſt geſtellt, bis wohin er ihm eine offene Er⸗ klaͤrung abgeben ſollte. Dieſer uͤberhob ihn nun zwar des Koͤniges Abweſenheit in Schleſien; allein er fand es doch noth⸗ wendig, ſich wenigſtens gegen den koͤniglichen Vertrauten, den Biſchof Vincenz von Kulm über die ungerechte Beſchuldigung und verleumderiſche Anklage beim Kaiſer mit aller Offenheit auszuſprechen. So herrſchte fort und fort zwiſchen dem Hochmeiſter und dem Könige wenn auch nicht eine feindliche, doch ſehr ges ſpannte Stimmung. Schon aus den dem Hochmeiſter durch Ludwig von Mortangen im Namen des Koͤniges vorgelegten Forderungen in Beziehung auf die Handelsverhaͤltniſſe des Ordens, wegen Niederlegung des Minzhammers aus Anlaß der Klagen uber die Verfaͤlſchung und Verſchlechterung der Ordensmuͤnze u. dgl. war klar zu ſehen, daß der Koͤnig nur eben darauf ausgehe, den Orden auf alle Weiſe zu bedrängen und ihm fein abhaͤngiges Verhaͤltniß immer von neuem ſuͤhlbar zu machen.) Wie wenig redlich er es aber mit dem Hoch- meiſter und überhaupt mit dem Intereſſe des Ordens meinte, erkannte man auch aus feinem Verhalten gegen den abtrünnigen Komthur von Preuſſ. Holland Konrad von Lichtenhain. Da ſich dieſer nämlich ſogleich nach des Biſchoſs von Samland 1) Schr. des Kaiſers Friederich an den HM. d. Augsburg Sam⸗ flag nach Kreuz⸗Erboͤh. 1474 Schbl. XXVII 25. 2) Schr. des Biſchofs v Kulm an d. HM. d. Graudenz Mittw. vor Hedwig 1474 Schbl. XXVII. 23. 3) Die durch Ludwig v. Mortangen beim HM. angebrachten Ge⸗ werbe Schbl. XXVII. 36.
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Konrad v. Lichtenhain. (1475.) 81 Gefangennehmung aus dem Lande geflüchtet, fo mußte natür⸗ lich dem Hochmeiſter alles daran gelegen ſeyn, dieſen betruͤge⸗ riſchen, treuloſen und in alle Umtriebe des Biſchofs als Mit⸗ gehuͤlfe eingeweihten Ordensritter ſeiner Strafe nicht entfliehen zu laſſen. Lange wußte niemand, wo er ſich hinbegeben; end⸗ lich ſtellte er ſich dem Biſchofe Vincenz von Kulm mit ſchwerer Klage uͤber des Meiſters Ungnade und mit der Bitte, der Bi⸗ ſchof moͤge ihm durch ſein Fuͤrwort Gnade und Verzeihung auswirken. Dieſer indeß wagte es nicht ohne des Koͤniges ausdrückliche Zuſtimmung. Vergebens bat der Hochmeiſter wiederholt um Auslieferung des ſtrafbaren Ordensbruders; vielmehr fand dieſer Ermunte 8 rung genug, den Meiſter wegen angeblich erlittenen Unrechts beim Koͤnige als des Ordens obern Schutzherrn verklagen zu wollen. Nun ſtand zwar dieſem in den inneren Ordensverhaͤltniſſen, namentlich in den die Ordens: diſciplin betreffenden Angelegenheiten durchaus keine Stimme, viel weniger ein Recht der Entſcheidung zu; allein die Klage dennoch an und gab dem Staroſten von Groß⸗ Polen Mathias von Snyn, zu welchem der Abtruͤnnige ſich geflüchtet, den Auftrag, ihn bis zu feiner Rückkehr ins Land bei ſich zu behalten. Mittlerweile erlaubte ſich der Ordens⸗ ritter ungeſtraft die aͤrgſten Schmaͤhungen, Verleumdungen und Spoͤttereien Über den Meiſter und den Orden. Der Biſchof von Kulm, bei dem ſich jener ſowohl hieruber als uͤber die lange Verzögerung der Sache ſehr beſchwerte, ſuchte zwar durch die Verſicherung zu troͤſten: der Koͤnig ſey keineswegs der Meinung, dieſen oder andere Ordensbruͤder zur Halsſtarrigkeit gegen den Meiſter zu verleiten oder auch des Ordens Regel und Geſetz zu ſchwaͤchen, ſondern auch hierin den ewigen Frieden aufrecht zu erhalten.) Allein trotz aller Zuſagen und Be⸗ 1) Schr. des Biſchofs v. Kulm an d. H Barnabaͤ 1475 Schbl. LXIV. 78. 2) Schr. des Hauptmannes u. Staroſten v. Groß Polen, d. ſeria quiuta ante festum Mariae Megd. 1475 Schbl. XXVII. 18 (b.). 3 Schr. des Biſchofs v. Kulm an d. HM. d. Graudenz Sonnt. nach Bartholom. 1475 Schbl. XXVII. 20. IX. 6 M. d. Graudenz am T.
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82 Konrad v. Lichtenhain. (1475.) muͤhungen des Biſchofs zog fi die Sache immer weiter hin⸗ aus, ſo daß der Hochmeiſter immer mehr die Meinung gewann, man wolle endlich dennoch den Abtrlinnigen durch die Flucht ſeiner Strafe entgehen laſſen. 5 Er ſandte im naͤchſten Jahre den Ordensmarſchall Nicolaus von Gebſattel nebſt einigen an⸗ dern Bevollmaͤchtigten an den Koͤnig, um des Ritters Aus⸗ lieferung zu bewirken, ließ ihn an ſeine Zuſage erinnern, die Ordensprivilegien aufrecht halten zu wollen, worin auch vor⸗ gefehrieben ſey, wie man gegen abtruͤnnige Ordensbruͤder zu verfahren habe, ließ ihm vorſtellen, welche nachtheilige Folgen es uberhaupt für die Diſciplin des Ordens haben muͤſſe und wie der Ungehorſam der Ordensglieder noch mehr gefoͤrdert werde, wenn dieſer Abtruͤnnige ungeſtraft bleibe; es ſey Herkommen im Orden, daß jeder Ordensbruder, der eines Amtes entlaſſen werde, ſeinem Oberſten über ſeine Verwaltung Rechenſchaft ab⸗ legen müſſe. Konrad von Lichtenhain aber habe einſt vom Hochmeiſter ſunfzehntauſend Ung. Gulden zur Bezahlung der Soldner erhalten; man habe von ihm Rechenſchaft verlangt, um zu erfahren, wie er dieſe Summe verwendet; das ſey die Haupturſache ſeiner Flucht; trotz aller Aufforderungen, ſich in Königsberg zur Verantwortung zu ſtellen, ſey er nicht ge⸗ kommen. Allein auch auf dieſe Vorſtellung gab der Koͤnig den Abtrümnigen noch nicht zuruͤck, ſondern ließ nur antworten: was bisher wegen der Zuruͤckhaltung Lichtenhains geſchehen, ſey zum Beſten des Hochmeiſters und nicht aus boͤſer Abſicht oder aus Hochmuth gethan; ſobald er mit dem Meiſter per⸗ ſonlich zufammen komme, ſolle alles, „was ehrlich, billig, moͤg⸗ lich und fuͤglich ſey“ erfolgen:? eine Antwort, aus der man erſah, daß der König immer noch hinzuhalten ſuche, um auch dadurch den Hochmeiſter zu ſeinem Willen fuͤgſamer zu machen, 1) Schr. des Biſchofs v. Kulm an d. HM. d. Graudenz am Abend Nativit. Mariä u. Sonnt. nach 11,000 Jungfr. 1475 Schbl. XXVII. 18. LXIV. 79 (a). 2) Gewerbe an den Koͤnig v. Polen vom J. 1476 Schl. XXVII. 30.
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Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1475.) 83 denn ohne Zweifel wirkten auch hier die Verhältniffe im Biſthum Ermland auf des Königes Benehmen ein.“ Daß man den Hochmeiſter immer wieder in dieſe Streit⸗ ſache mit hineinzuzie dem Biſchofe von Leflau aufgetragene Anfrage an ihn: ob der Biſchof Nicolaus von Tim wollen; dieſer ſey ihm jedoch noch nicht zu Theil geworden, denn noch immer ſtehe er in des Koͤniges Ungnade, woran aber nicht der König ſelbſt, ſondern diejenigen Schuld ſeyen, welche ſich ins Biſthum eindringen wollten. Dieß allein und das Wohlwollen fuͤr ſeine Kirche habe ihn bewogen, ſich in des Koͤniges von Ungern Schutz zu begeben. 2 Ohne Zweiſel geſchah ſtiften, daß der in ſeinen friedigte Hauptmann Hochmeiſter und die zahlung verbuͤrgt, vo daß der Koͤnig dabei handlungen hin, die — 0 es ferner auch auf des Koͤniges An⸗ Forderungen immer noch nicht be⸗ zu Soldau Muſigk von Swynau den Städte Königsberg, die ſich für die Be⸗ n neuem mit Drohungen bedraͤngte, denn mitwirkte, darauf deuteten ſchon die Ver⸗ er und ſeine Raͤthe auf der jüngften Tag⸗ 2) Nach dem Tode dieſes HM. übertrug der Ordens Statthalter dem Ordensbruder Konrad von Lichtenhain wieder das Pflegeramt zu Ortelsburg (Schbl. LVIN 82). Die Sache muß alſo auf irgend eine Weiſe ausgeglichen worden ſeyn. Spaͤterhin, im J. 1483, ſandte ihn als Vogt von Mohrungen der OM. in wichtigen Verhandlungen wegen der damaligen Streithaͤndel mit dem Erzbiſchof von Riga an den Meiſter von Livland. 2) Schr. des HM, an den Biſchof v. Leſlau, d. Koͤnigsb. am grünen Donnerſt. 1475 Schbl. LX VI. 90, 6 *
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84 Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1475.) fahrt zu Thorn mit dem Hauptmanne gepflogen. Kaum ge⸗ lang es noch dem Biſchofe von Kulm, den drohenden Zorn des Hauptmannes wieder zu beſchwichtigen.) Da aber die zwi⸗ ſchen dem Koͤnige und dem Meiſter obwaltende Spannung allgemein bekannt wat, ſo fanden ſich in beider Umgebungen auch jetzt wieder Menſchen gemeines Schlages, welche durch allerlei Geruͤchte und Verleumdungen das Mißtrauen beider Fuͤrſten immer mehr zu ſteigern ſuchten. Zwar verſicherte der König auf des Meiſters Klage darüber, daß er ſolchen Vers hetzungen keinen Glauben ſchenke, vielmehr auf deſſen Treue alles Vertrauen ſetze.) Daß dieß indeß für den Hochmeiſter bloß leere Worte waren, beweiſt ſeine Klage beim Meiſter von Livland Über „die Belaſtung, die ihm vom Könige von Polen widerfahre“, worauf dieſer ihm antwortet: „es ſteht aus allem Fuͤrnehmen des Koͤniges zu merken, daß er euch von Herzen nicht freundlich gewandt iſt. Wir finden daher mit unſern Gebietigern auch nicht rathſam, daß ihr euch zum Koͤnige be⸗ gebet, wenn er euch rufen laͤßt. Etliche Polniſche Großen haben dem Koͤnige geradezu geſagt: dieweil der Orden noch im Lande Preuſſen regiere, koͤnne er, der Koͤnig, der Lande nimmer machtig werden. Wie angenehm und willkommen ihr dem Koͤnige waͤ⸗ ret, kann ein jeder ſolchergeſtalt wohl leicht begreifen. Wie wenn er nach falſchem, luͤgenhaftem Zeugniſſe euch beſchaͤdigte oder in Gefangenſchaſt braͤchte, dann unfern Orden gaͤnzlich vertriebe oder euch doch zu Geloͤbniſſen und Verpflichtungen drängte, die unſerem Orden ewiges Verderbniß braͤchten? Sinnet alſo auf alle Mittel und Wege, um nach ſeiner Aufforderung nicht zu ihm kommen zu duͤrfen. Verblendet ihm die Augen A 1) Schr. des Hauptm. von Swynau an d. Buͤrgermeiſter und Rath von Koͤnigsb. d. Soldau Sonnt. nach h. drei Koͤnige 1475 Schbl. LVII. 2. Schr. des Hauptmannes an d. HM. d. Soldau Dienſt. nach Reminiſcere 1475 Schbl. XL V. 5. Schr. des Biſch. v. Kulm an d. HM. d. Graudenz Sonnt. Reminiſcere 1475 Schbl. LXIV. 79. 82. 2) Schr. des Königes v. Polen an d. HM. d. Wilna Freit. nach Oſtern 1475 Schbl. XXVII. 22.
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Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1476.) 8⁵ mit unſchäͤdlicher Krankheit, daß ihr nicht reiten oder fahren koͤnntet oder dergleichen.“ v Mochten dieſe Beſorgniſſe des Livlͤndiſchen Meiſters wohl auch übertrieben ſeyn, ſo zeugen ſeine Worte doch immer von großem Mißtrauen zwiſchen beiden Fürften, welches bald noch höher ſtieg, als der Biſchof von Kulm aus feiner bisherigen vermittelnden Stellung mehr und mehr zurücktrat, theils aus Klugheit, theils auch aus dem Grunde, weil ihm der Hoch: meiſter feine Forderung, den früher dem Orden zur Verwahrung übergebenen Biſchofsſtab und die f. g. Incinvatura oder das oberſte Theil des Biſchoſsſtabes der Pomeſaniſchen Kirche ihm jetzt wieder auszuliefern, nicht erfüllen konnte, da ſie an das Kapitel von Riga verpfaͤndet waren und die Ausloͤſung große Schwierigkeiten hatte, waͤhrend der Biſchof glaubte, der Meiſter wolle fie ihm aus andern Gründen nicht einhaͤndigen. ) Zudem aber geſtalteten ſich auch im Verlaufe des Jahres 1476 die Verhaͤltniſſe zwiſchen beiden Fuͤrſten immer mehr in der Art, daß das gegenfeitige Mißtrauen immer höher ſteigen mußte. Der König Mathias von Ungern nämlich, damals eben in einem Kriege gegen die ſein Reich bedraͤngenden Tuͤrken beſchaͤftigt und übe r die mehr als zweideutige Stellung, die der Koͤnig von Polen zu Gunſten der letztern nahm,?) gegen dieſen ſchwer erbittert, griff jetzt den Umſtand, daß ſich der Biſchof von Ermland in ſeinen Schirm begeben, als Anlaß auf, mit den nachdrücklichſten Klagen gegen den Koͤnig von Polen aufzutreten. Der Biſchof naͤmlich hatte ſich abermals an den König Mathias mit bittern Beſchwerden über die fortwaͤhrenden Belaͤſtigungen und Feindseligkeiten gewandt, die er, obgleich er 1) Schr. des Meiſters v. Livland an d. HM. d. Trikaten Dienſt. nach Philippi u. Jacobi 1475 Schbl. LI. 23. 2) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Marienburg Sonnt. Invocavit 1475 Schbl. XIII. 19. Schr. des Biſchofs v. Kulm an d. HM. d. Marienb. Sonnt. Jocunditat. 1475 Schbl. LXIV. St, Ju erfiern Schreiben iſt freitich von der Verpfändung der Ermländiſchen Kirchen⸗Kleinodien die Rede, was aber offenbar eine Verwechſelung iſt. ) S. Engel Geſch. des Ungrif. Reiches B. III. S. 348— 340.
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86 Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1476.) ausdrücklich in den zwiſchen beiden Königen gefchloffenen Bei⸗ frieden mit aufgenommen war, doch fort und fort von Polen aus zu erleiden hatte.) Mathias machte daher dem Koͤnige von Polen ſehr ernſtliche Vorwuͤrſe daruber, daß er trotz des Beifriedens nicht auf hoͤre, den Biſchof mit Haß zu verfolgen und zu befeinden, erinnerte ihn mit allem Nachdruck an ſein Geloͤbniß, nach welchem er den Biſchof während der Dauer des Beifriedens auf keine Weiſe zu belaͤſtigen verſprochen, und ermahnte ihn mit allem Ernſte, von allen fernern Feindſelig⸗ keiten abzuſtehen, indem er zugleich erklaͤrte: er werde ſich des Biſchofs, den er während des Beifriedens zu ſchuͤtzen verſprochen, auch in allen Faͤlen mit Eifer und Nachdruck annehmen.? Noch entſchiedener ſprach er ſich uber die Maaßregeln, die er zum Schutze und zur Vertheidigung des Biſchofs ergreifen werde, in einem Schreiben an die Praͤlaten und Großen von Polen aus.) Von dem allen erhielt auch der Biſchof Nach⸗ richt; es gab ihm neuen Muth, da er zugleich erfuhr, daß ſofern der König von Polen feine Feindſeligkeiten fortſetze, Mathias ſeinem Hauptmanne Georg von Stein den Befehl ertheilt habe, mit Kriegsvolk in Polen einzufallen.) Ueberdieß war bei letzterem der Subdiaconus Balthaſar von Piſcia als päpftlicher Nuntius mit einer Bulle angekommen, die jeden, der den Beifrieden zwiſchen beiden Koͤnigen in irgend einem Punkte verletze, mit den nachdruͤcklichſten Strafen bedrohte; ſie 1) Die Erklärung des Biſchofs über den Beitritt zum Beifrieden Schbl. XXIX. 1 (Abſchrift). 2) Schr. des Koͤniges Mathias von ungern an den v. Polen, d. ex obsidione castri Sabatz in festo purificat. Mariae 1476 Schbl. VII. 47. 3) Schr. des Koͤniges v. Ungern an die Praͤlaten u. Barone Polens, d. wie vor, ebendaf. 4) Schr. Georgs v. Stein an d. Biſchof v. Ermland, d. Wra- üslariae die einerum 1476 Schbl. VII. 47. Georg v. Stein war überbaupt der Unterhändler zwiſchen dem Ermland. Biſchofe und dem Könige v. Ungern,
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Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1476.) 87 war, ohne daß fie ihn nannte, offenbar gegen den König von Polen gerichtet, D Dieß alles aber hatte auch auf die Stellung des Hoch⸗ meiſters zum Könige von Polen bedeutenden Einfluß; denn kaum war jener durch den Biſchof von Ermland von allem benachrichtigt, als auch er, da ja der Orden ebenſo wie der Biſchof vom Könige fort und fort bedraͤngt ward, auf den Schutz des Koͤniges von Ungern hinſah, zumal da ihm zugleich neue Kunde von Feindſeligkeiten der Polen gegen den Orden zukam.“ Aber auch dem Könige von Polen blieb dieß nicht lange unbekannt. Beſorgt darüber, beſchloß er ſofort, ſich ſelbſt nach Preuſſen zu begeben, um dort mit den Staͤnden die noͤ⸗ thigen Beſchluͤſſe zu berathen und den Hochmeiſter uͤber ſein Verhalten und ſeine Stellung zu ihm zur Verantwortung zu ziehen. Der Biſchof von Kulm erhielt von ihm, da er wahr⸗ ſcheinlich ſchon vermuthete, der Meiſter werde nicht ſelbſt er⸗ ſcheinen, den Auſtrag, ihn unter der Maske der Freundſchaft auf einen Tag nach Marienburg einzuladen und ihm zu rathen, ſich perſönlich zum Könige zu verfügen. „Wir verſichern mit dieſer unſerer Handſchriſt, ſchrieb er ihm, daß ihr Freundſchaſt, Gunſt und guten Willen an unſerem Herrn dem Koͤnige fuͤhlen 1) Schr. des paͤpſtl. Nuntius Balthaſar v. Piſcia an den Biſchof v. Erniland, d. ex Buda 24 März 1476 Schbl. VII. 47. Der König Mathias ſagt ebenfalls in einem Schr. an Georg v. Stein: Scias quod Orator apostolicus, quem expectabamus, jam advenerit secumque omnes Bullas apostolicas vobis bene notas contra Polonos et Bohemos ac etiam in favorem Prutenorum attulit. Das Original der an den Nuntius gerichteten Bulle, d. Romae V Idus Decemb. 1475 Schbl. LX. 45. 2) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Mont. nach Urbani 1476 Schbl. VII. 47. Er berichtet, wie die Polen die Boten des HM. ganz nackt auszoͤgen und unterſuchten, um ihnen Briefe an ibn und den HM. wegzunehmen, und fügt hinzu: darum mag euere Herrlichkeit erkennen, daß nicht alle Farbe, die nach Gold gebildet wird, mit ſelbſtaͤndigem und feſtem Grund it allzeit verwahrt, denn man viel und oft von weißer Farbe Handel treibt, darin doch ſchwarze ſehr wird vermiſchet,
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88 Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1476.) und begreifen werdet. Euere Gnade ſetze keinen Glauben und Trauen an die Klaͤffer und hinterliſtigen Maͤhrchentraͤger, welche gerne Herren und Fuͤrſten mit den Hoͤrnern zuſammenhaͤngen möchten, aber, ob Gott will, nichts ſchaffen werden.“ “ Solche glatte Worte indeß konnten den Meiſter nicht taͤuſchen. Ihm ſchienen ernſte und bedenkliche Zeiten zu nahen. Er berief daher im Februar dieſes Jahres zu gemeinſamer Be⸗ rathung mit allen ſeinen Gebietigern ein Ordenskapitel nach Heiligenbeil, angeblich bloß um das Amt des Ordensmarſchalls neu zu beſetzen, womit auch wirklich Nicolaus von Gebſattel bekleidet ward. Nach reiflicher Erwägung aller Verhaͤltniſſe wurde darauf der Beſchluß gefaßt: der Hochmeiſter ſolle fich nicht zum Koͤnige begeben ohne der Lande ausdruͤcklichen Rath und Zuſtimmung. Dann kam auch die wichtige Frage zur Berathung: wie der unter den jetzigen Verhaͤltniſſen doppelt gefaͤhrliche, immer noch drohend daſtehende Hauptmann von Swynau zufrieden geſtellt werden koͤnne? Es ward beſchloſſen, den Biſchof von Ermland um das noͤthige Geld anzugehen, weil es ja auch ſein Intereſſe ſeyn mußte, den Orden gegen dieſen Gegner geſichert zu ſehen.) Auch das Land ſuchte der Hochmeiſter jetzt durch einen neuen Beweis ſeiner Gnade noch mehr fuͤr den Orden zu gewinnen. Gewoͤhnlich naͤmlich hatten ſchon ſeine beiden letzten Vorgaͤnger, ſowie haͤufig auch er ſelbſt denen, die ſich im letzten Kriege um den Orden Verdienſte er⸗ worben oder ſich auch ihre Soldforderungen durch laͤndliches Beſitzthum verguͤten ließen, fuͤr ihre Beſitzungen Magdebur⸗ giſches Recht, alſo Erbrecht auf beide Geſchlechter zuertheilt. Da nun ſchon die beiden Hochmeiſter Konrad und Ludwig von Erlichshauſen und Heinrich Reuß von Plauen den Gutsbeſitzern in Samland die Zuſage gegeben hatten, daß beim Mangel maͤnnlicher Erben die Toͤchter forthin nicht mehr vom Orden 1) Schr. des Biſchofs v. Kulm an d. HM. d. Loͤbau am T. Blaſii 1476 Schbl. XXVII. 16. 2) Ueber die Verhandlungen auf der Tagfahrt und im Kapitel zu Heiligenbeil Sonnt. nach Apollonia 1476 Schbl. LXX. 48,
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Stellung des HM. zum Könige von Poten. (1476.) 89 aus des Vaters Beſitzthum gewieſen, ſondern darin verſorgt werden follten, fo erfüllte jetzt Heinrich von Richtenberg dieſe Zuſage, mit der Beſtimmung, daß nach des Vaters Tod die aͤlteſte Tochter im Beſitze des Gutes bleiben, an einen eben⸗ bintigen Mann verheirathet werden und dieſer jeder Zeit ver⸗ pflichtet ſeyn folle, für die Übrigen Töchter zu ſorgen oder fie gebührend auszuſtatten. ) Der Hochmeiſter hatte ſich dadurch unter ſeinen getreuen Samlaͤndern viele Liebe und Vertrauen erworben und durſte in jedem Falle auf ihre Treue rechnen. Im April langte nun d er König in Preuffen an, um die Tagfahrt in Marienburg zu halten. Der Hochmeiſter ſandte ihm den Ordens marſchall Nicolaus von Gebſattel, den Banner⸗ führer des Preuſſ. Markiſchen Gebietes Hans von Schönaich und den Landrichter des Gebietes von Gilgenburg Paſchke von der Thauerſee nach Thorn entgegen mit Aufträgen zu mancherlei Verhandlungen. Sie betrafen theils, wie wir bereits er⸗ waͤhnt, die Auslieferung des abtruͤnnigen Konrad von Lichten⸗ hain, woruͤber der Koͤnig noch keine weitere Entſcheidung gab, theils beſchwerte ſich der Ordensmarſchall in des Meiſters Na⸗ men uͤber die fortwaͤhrenden Verleumdungen und falſchen Ge⸗ ruͤchte von kriegeriſchen Ruͤſtungen des Ordens gegen Polen, von einer Verbindung des Hochmeiſters mit dem Könige von Ungern u. dgl., wodurch man den König nur mit Mißtrauen erfüllen wolle. Dieſer antwortete: er ſchenke ſolchem und anderem Gerede, was nicht zu beweiſen ſey, keinen Glauben; habe der Hochmeiſter etwas gegen ihn vornehmen wollen, ſo habe es ſich ja offen zeigen müſſen.) „um zu beweifen, ſprach der Marſchall, daß der Meiſter ſtets friedliche Geſinnungen 1) Die Urkunde daruͤber, d. Königsberg Mittw. nach Latare 1476 Schbl. XI. vi, gedruckt in d. Privileg. der Stände des Herzogth. Preuſſen p. 27 u. in Bachko B. IV. 157. 2) Die Verhandlungen des Ordensmarſchalls Nicolaus v. Gebſattel um Oſtern 1476 Schbl. XXVII. 30. Unrichtig fuͤhrt Dlugoss. T. II. 542 Ulrich von Kinsberg noch als Ordensmarſchall an. 3) Dergleichen Gerüchte widerle gte der Ord. Marſchall noch mehr; es wäre aber unnüß, fie bier weiter anzufüsren,
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90 Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1476.) gehegt und ſich immerdar als ein getreuer Fuͤrſt bewieſen, ſo ſtehe ich jetzt hier vor euerer koͤniglichen Majeſtaͤk und frage ernſt und gerade: iſt jemand, der den Herrn Hochmeiſter, unſern Oberſten mit ſolchen oder dergleichen Artickeln beſchuldigt hat oder noch beſchuldigen will, der trete auf; wir ſtehen hier und werden den Meiſter verantworten.“ ) Keiner wagte auf⸗ zutreten. Mehres andere, was der Marſchall zur Verhandlung vorlegte, verſchob der Koͤnig auf die Tagfahrt zu Marienburg, wohin er nun ſelbſt den Hochmeiſter „als ſeines Reiches Fuͤrſten und geſchworenen Rath“ durch den Marſchall auffordern ließ. Der Meiſter hatte manche Gruͤnde, dieſer Aufforderung Folge zu leiſten und ward vom Könige mit feinen Gebietigern ehrenvoll empfangen. Da dieſer nun ſogleich hier abermals ſowohl von den großen Staͤdten ſeines Gebietes als vom Orden thaͤtigen Beiſtand zur Vertreibung des Biſchofs von Ermland, „dieſer Natter im Bußen,“ wie er ihn nannte, verlangte, die Staͤdte aber ſich durchaus gegen allen Krieg erklärten und aufs neue die Forderung ihrer Privilegien ent⸗ gegenſtellten, fo gewann auch der Hochmeiſter Muth genug, dem Koͤnig die verlangte Beihuͤlfe zwar nicht geradezu abzu⸗ ſchlagen, fie aber doch von einer zuvor nothwendigen Berathung und Zuſtimmung feiner Übrigen Gebietiger abhängig zu machen, wohl wiſſend, daß dieſe ſie verweigern wuͤrden. Schon dadurch wieder mit neuem Mißtrauen erfuͤllt, warf ihm darauf der König heimliche Verhandlungen mit dem Könige von Ungern vor, die gegen die Krone Polens gerichtet ſeyn ſollten. „Wohl, antwortete der Meiſter, haben wir Ungeriſche Geſandten bei uns geſehen, jedoch ihren Antrag wegen eines Friedensbruches zuruͤckgewieſen.“ Dann folgten Klagen der koͤniglichen Raͤthe, Lande und Staͤdte, daß der Orden immer noch Vielen ihr Recht vorenthalte und ihre Güter nicht einraͤume, wie es der 1) Diugoss. p. 542 ſagt fogar: der Ordensmarſchall ſey ſo weit gegangen, daß er etiam ad subeundum duellum cum quolibet insimu- lationis huinsmodi autore se obtulit; davon weiß der erwähnte Receß wenigſtens nichts.
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Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1476.) 91 Friedensſchluß doch fordere. Der Hochmeiſter erklaͤrte zwar, daß er, uͤber dieſe Klagen gar nicht naͤher unterrichtet, darauf auch nicht antworten koͤnne; weil indeß der König „mit harter Ermahnung zur Vollfuͤhrung des ewigen Friedens“ ſtreng for⸗ derte, daß der Orden ſolchen Beſchwerden abhelfe, ſo ward auf Michaelis ein neuer Tag anberaumt, auf welchem vor koͤnigl. Bevollmaͤchtigten die Klagen verhoͤrt werden und jedem vom Orden Recht widerfahren ſolle. Alſo geſchah auch auf, dieſer Tagfahrt nichts, was die obwaltende Spannung zwiſchen dem Meiſter und dem Koͤnige einigermaßen wieder haͤtte ausgleichen koͤnnen. ) Unmuthig erſchien darauf der Hochmeiſter zu Heiligenbeil, wohin er die Gebietiger zur Berathung gerufe n und wo auch köͤnigl. Bevollmaͤchtigte, unter ihnen Otto von Machwitz Woi⸗ wode von Danzig, anlangten. Hauptgegenſtand der Verhand⸗ lungen war die Streitfrage wegen des Biſchofs von Ermland. Man gab nach langer Erwägung den Bevollmächtigten endlich den feſten Beſcheid: der Orden koͤnne und dürfe aus Gründen, die man offen und frei darlegte, dem Könige gegen den Biſchof auf keine Weiſe Beiſtand leiſten. Der Hochmeiſter beharrte bei ſeiner Behauptung: die Sache gehöre nicht der Entſcheidung des Koͤniges, ſondern einzig der des Röm. Stuhles an. Mit gleicher Feſtigkeit wies er die wiederholte Forderung zuruͤck, das Ordensgebiet dem Handel Ermlands zu verſchließen.) Er fah immer mehr ein, daß der Koͤnig ſtets nur darauf ausgehe, den Orden fort und fort in neue Bedraͤngniß zu bringen, denn ſelbſt auch in die Schuldforderung des Herzogs Hans von Sagan miſchte er ſich jetzt unbeſugt ein, indem er den Meiſter mit ſtrengem Ernſte an die Abzahlung mahnte, obgleich er wohl wußte, daß fie dem Orden bei feiner druckenden Armuth jetzt noch unmoͤglich ſey, wie der Hochmeiſter dem Herzoge auch offen erklaͤrte.s) Um fo weniger aber war dieſer auch 1) Schiitz p. 359. ‚Dlugoss. T. II. 543. 2) Die näheren Verhandlungen bei Schütz I. c. 3) Schr. des HM. an den Herzog Hans v. Sagan, d. Heiligenbeil am Himmelf. Tage 1476 Schbl. IX. 128.
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92 Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1476.) geneigt, ſeine feſte Stellung aufzugeben; vielmehr je nachdruͤck⸗ licher der Koͤnig ſeine Forderung wegen der Huͤlfsleiſtung wiederholen ließ und je mehr die Sache dadurch endlich auf die Spitze geſtellt wurde, daß man die fernere Verweigerung und die Anerkennung Tuͤngens als Biſchof von Ermland als eine Verletzung des ewigen Friedens betrachten zu wollen ſchien, um ſo ſtandhafter hielt der Meiſter an feinem Entſchluſſe feft, um ſo beſtimmter erklaͤrte er ſich auch ſogar ſchon geneigt, Tuͤngens unverkennbares Recht auf feinen bifchöflichen Stuhl noͤthigen Falls ſelbſt mit aufrecht halten zu wollen.“ Durch alle dieſe Verhandlungen aber waren die Verhaͤlt⸗ niſſe des Ordens zum Koͤnige ſo ſchroff geſtellt worden, daß der Hochmeiſter jetzt mehr als je um ſeines Landes Schutz und Sicherheit beſorgt ſeyn mußte. Der lange fo feindlich daſtehende Hauptmann Muſigk von Swynau hatte ſich, vom Koͤnige durch Schmaͤhungen ſehr beleidigt und in ſeinen Forderungen jetzt meift befriedigt, dem Orden wieder freundlich zugewandt. Das gemeinſame Intereſſe fuͤhrte den Hochmeiſter auch noch naͤher zum Biſchofe von Ermland; er ſchloß mit ihm und dem Domkapitel zu Frauenburg zum Schutze und zur Ver⸗ theidigung ihrer Lande ein gegenſeitiges Huͤlfsbuͤndniß, worin der König von Polen zwar nicht ausdrücklich genannt, jedoch in offenbarer Beziehung auf ihn beſtimmt ward: „auf daß hiemit die, welche mit Noth und gewaltiger Hand aus dieſen Landen gedrungen wurden, wieder in ihre vorigen Beſitzungen kommen moͤgen und auch ſofern jemand des Biſthums Erm⸗ land oder des Ordens Lande, Herrſchaften oder Guͤter von innen oder außenher mit Anfall oder Ueberwaͤltigung mit Macht, Gewalt oder Verderbniß angreifen wuͤrde, ſo ſolle ein Theil dem andern, ſolchen Frevlern zu widerſtehen, nach hüch- ſtem Vermoͤgen Beiſtand zu thun verpflichtet feyn. 9 Darauf 1) Schätz p. 359. 360. Diugoss. T. II. 543. 2) Schr. des Hauptm. v. Swynau, d. Soldau Mont. vor Vincula Petri 1476 Schbl. XXVII. 15. 3) Das Hülfebündniß zwiſchen dem Orden u. dem Biſchof v
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Stellung des HM. zum Könige von Polen. (1477.) 93 ſandte der Hochmeiſter in Uebereinſtimmung mit ſeinen ſaͤmmt⸗ lichen Gebietigern ſofort den Biſchof Johannes von Samland und den Komthur von Oſterode Martin Truchſes von Wetz⸗ hauſen an den Koͤnig von Ungern mit der Vollmacht, dieſem die Belaͤſtigungen und Bedraͤngniſſe, welche der Orden vom Könige von Polen unabläffig erleiden müffe, vorzustellen, ihn um ſeinen Beiſtand zur Aufrechthaltung der Rechte und Frei⸗ heiten des Ordens zu bitten und mit ihm ein Buͤndniß abzu⸗ ſchließen, worin der König als des Ordens Schutzherr anerkannt werde.) Der Biſchof von Samland hatte zugleich den Auf: trag, als Ordensprocurator nach Rom zu gehen, um auch dort weitere Maaßregeln gegen den Koͤnig von Polen in ſeinen Verhaͤltniſſen zum Biſchofe von Ermland und zum Orden auszuwirken. So begann das Jahr 1477 fin den Orden unter hoͤchſt bedrohlichen Ausſichten. Es kam hinzu, daß auch bedenkliche Mißverhaͤltniſſe zwiſchen dem Hochmeiſter und dem Meifter von Livland eingetreten waren. Erſterer naͤmlich hatte den zwiſchen dieſem und dem Erzbiſchofe von Riga ſchon lange obwaltenden Streit durch eine perfünliche Unterſuchung beilegen und deshalb eine Reiſe nach Livland unternehmen wollen. Der Livlaͤndiſche Meiſter indeß, nichts weniger als eine ſolche Einmiſchung in ſeinen Streit wuͤnſchend, hatte allerlei Schwierigkeiten entgegen⸗ gelegt und mit ſolchen Gruͤnden davon abgerathen, die den Hochmeiſter ſehr verletzt und empfindlich beleidigt hatten. In gereizter Stimmung hatte nun dieſer in mehren Schreiben an die Praͤlaten in L N ivland, an die Ritterſchaſt in Harrien und Wierland und an die Stadt Reval ſich aufs bitterſte über den Ermland, d. Heilsberg am T. Andrei 1476 in mehren Abſchriften Schbl. LXVI. 82. 91— 93. 1) Der Entwurf zu der Vollmacht für die Geſandten an den Koͤnig v. Ungern, d in castro nostro principali Konigsb. (1476) Schbl. LXVI. 93. 2) Schr. des Biſchofs Johannes v. Samkand an den HM. d. Leipzig am Abend der h. drei Könige 1477 Schbl. LXVII. 104; er giebt zugleich Nachricht, welche Hinderniſſe er auf der Reiſe in Schleſien u. bis Leipzig gefunden habe; Gebſer a. a. O S. 221.
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94 Des HM. Heinr. v. Richtenberg Tod. (1477.) Meiſter beſchwert und in einem ſo ſcharf tadelnden Tone uͤber deſſen Verhalten geſprochen, daß nicht nur dieſer ſelbſt, ſondern auch ſaͤmmtliche Gebietiger Livlands, an ihrer Spitze der Lands marſchall Konrad von Hertzenrode ihr großes Befremden uͤber die Beſchuldigung ihres Meiſters und uͤber die vom Hochmeiſter gegen ihn und ihren Orden gefuͤhrte Sprache zu erkennen gaben. Ja fie waren Fühn genug, den Hochmeiſter gewißer⸗ maßen in die von ihm uͤberſchrittenen Graͤnzen ſeiner Amts⸗ macht zuruͤckzuweiſen und ihm zu erklaͤren: „wir hoffen, euere hochwindige Herrlichkeit werde ſolches ungewöhnliches Vor⸗ nehmen mit ſolchen nie erhoͤrten Schreiben abſtellen und uns alle bei altem, gutem Herkommen geruhſam, wie euere Vor⸗ fahren unſere Vorfahren gelaſſen und ihr uns gefunden habt, fortan auch ungemuͤht laſſen.“““) Dieſes Schreiben traf jedoch den Hochmeiſter in ſeiner Geſundheit in einem ſehr leidenden Zuſtande. Schon lange war er durch eine auszehrende Krankheit ſehr geſchwaͤcht. Die letzten Ereigniſſe aber und ſeine Verhaͤltniſſe zum Koͤnige von Polen und dem Orden in Livland hatten bei der Reizbarkeit feines Körpers feine wenigen Lebenskräfte in dem Maaße er ſchoͤpft und erfchüttert, daß er, als ein hinzutretendes Fieber ſeine Krankheit noch bedeutend ſteigerte, am zwanzigſten Februar des Jahres 1477 verfchied.? Seine feierliche Beſtattung fand 1) Schr. der Gebietiger v. Livland an den HM. u. die Gebietiger in Preuſſen, d. Kagel Donnerſt. vor h. drei Könige 1477 Schbl. IV. 33. 34. Die weitere Auseinanderſetzung dieſer Streitſache gehoͤrt in die Geſchichte Livlands. 2) Der Todestag Heinrichs v. Richtenberg wird verſchieden an⸗ gegeben; Baczko B. IV. 67 nimmt den 13 Febr., Bachem S. 46 den 20 Februar an; dieß ſtimmt mit der Angabe der Chron. des Biſch. v. Paderborn überein, der den Donnerſt. nach Faſtnacht als Todestag nennt. Beſtaͤtigt wird dieſe Angabe als die richtigſte durch ein Schr. des hochmeiſterl. Statthalters an den Deutſchmeiſter, d. Koͤnigsb. vor Reminiſc. 1477 bei Jaeger Cod. diplom. O. T. s. h. a., wo beſtimmt der Donnerft, vor Invocavit, alſo der 20, Februar als Todestag ge⸗ nannt iſt.
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Des HM. Heinr. v. Richtenberg Tod. Seine Verdienſte. (1477.) 95 wenige Tage darauf in der Domkirche zu Koͤnigsberg Statt. Unglaubhaft aber iſt die Nachricht, daß ihn noch in ſeiner Todesſtunde „die ſchreckliche Nücerinnerung an den Biſchof von Kuba“ mit Bildern der Angſt und Quaal erfüllt habe, » da wir ihn ja ſelbſt die Ueberzeugung ausſprechen hörten, daß dieſer Biſchof eines natürlichen Todes geſtorben ſey. Spätere Geſchichtſchreiber haben, durch truͤbe Quellen verleitet, manchen Tadel über ihn ausgeſprochen, den er in keiner Weiſe verdient zu haben ſcheint. Seine Strenge zur Aufrechthaltung der Ordenszucht, fein Eifer für Ordnung und Geſetz wie unter den Konventsbrüdern ſo unter den Gebietigern und Komthuren, ſein nachdruͤckliches Verfahren gegen den abtruͤnnigen Komthur Konrad von Lichtenhain, ſeine ſcharfe Aufſicht auf die Ver⸗ waltung der Ordensbeamten, ſeine Sparſamkeit, Beſchraͤnkung und ſtrenge Ordnung in der Finanzverwaltung mögen allerdings, ſtatt Anerkennung zu finden, zu vielfacher Verunglimpfung und Mißdeutung ſeiner redlichen Abſichten Anlaß gegeben haben. 3 Daß es wohl manche unter den Komthuren und Ordensrittern gab, die mit ſeiner ſtrengſparſamen und haushaͤlteriſchen Ver⸗ waltung unzufrieden, vielleicht auch Unzufriedenheit anzuregen ſuchten, iſt leicht begreiflich. Allein die Zeit hat uns hinlaͤng⸗ liche Beweiſe aufbehalten, mit welchem raſtloſen Eifer er vom erſten bis zum letzten Jahre feines Meiſteramtes bemuͤht ge⸗ 1) Es wird erzählt: er habe auf dem Todbette zuletzt ausgerufen: Auf! den Harniſch her, fattelt die Gaͤule, die Pfaffen haben mich vor Gottes Gericht geladen, ob ich mich ihrer erwehren koͤnnte! So Pauli B. IV. 366 u. a.; allein die Quelle dieſer Nachricht iſt wieder nur Simon Grunau Tr. XVIII. c. III. 1. von wo fie zu Henne⸗ berger S. 202 u. Schütz p. 338 übergegangen iſt. Wir können ihr keinen Glauben ſchenken. 2) Vgl. Baczko B. IV. 6768, deſſen Urtheil ſich auf die Faſeleien Simon Grunau's ftügt. 3) Man vergleiche nur die von Simon Grunau a. AED, erzählten Geſchichtchen von der Verſchwoͤrung mehrer Komthure, von den Aalfaͤſſern, worin die Komthure ihre Schaͤtze verpackt u. gefluͤchtet haben ſollten u. dgl. Pauli g. a. O.
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96 Des HM, Heinr. v. Richtenberg Tod. Seine Verdienſte. (1477.) weſen, durch Befriedigung der ehemaligen Soͤldnerhauptleute die ungeheuere Schuldenlaſt des Landes zu tilgen, mit welcher unermuͤdlichen Thaͤtigkeit er durch neue Vergabungen, Ver⸗ ſchreibungen und ſonſtige Beguͤnſtigungen den Ackerbau und die Landeskultur wieder mehr zu heben und uͤberhaupt den Wohlſtand des Landmannes moͤglichſt zu befoͤrdern ſtrebte.“ Er hatte in der That auch waͤhrend ſeiner nicht einmal ganz ſiebenjaͤhrigen Landesverwaltung in der Verminderung der Schuldenlaſt Außerordentliches geleiſtet trotz der großen Hinder⸗ niſſe, die ſich ihm dabei entgegenſtellten. Es koſtete freilich ſchwere Opfer. Haͤufig befand ſich der Meiſter ſelbſt noch in ſolcher Geldnoth, daß er die Komthure um einige hundert Gulden zur Deckung außerordentlicher Ausgaben bitten mußte. Es that ihm leid, wenn er die Geiſtlichen der S. Adalberts⸗ Kapelle hart am Oſtſee⸗Strande, in ſchlechter Wohnung „der Grauſamkeit und Ungeftümmigfeit der unuͤberſehbaren See voller Stürme und Winde ausgefegt”, uͤber ihre Armuth und kummer⸗ volle Lage jammern und flehentlich um Huͤlfe bitten hörte. 3) Natürlich konnte der Handel, dieſe erſte Quelle der Wohl» habenheit des Landes, bei der noch fortdauernden Geldarmuth des Ordens und der Städte, bei der fortwaͤhrenden Schlechtig⸗ keit der Münze und andern einwirkenden Hinderniſſen noch zu keiner Lebenskraͤftigkeit gelangen. Königsberg und Memel waren 1) Als Beweiſe dafür koͤnnen hier nur im Allgemeinen die aͤußerſt zahlreichen Quittungen, Reverſe, Verſchrelbungen auf laͤndliches Eigen⸗ thum u. ſ. w. angeführt werden, die ſich noch im Geheim. Archiv zu Koͤnigsberg befinden, als ſprechende Zeugniſſe der außerordentlichen Be⸗ mühungen dieſes HM. für das Wohl des Lan des. 2) Schr. des Landkomthurs v. Oeſterreich Albrecht Hardeck an d. HM. d. Freiſach am Abend Kathedra Petri 1475 Schbl. 105. 144. 3) Schr. des Kaplans, Pfarrers u. der Vicarien von S. Albrecht (an der Adalberts⸗ Kapelle) an d. HM. d. Freit. vor Bernhardi 1474 Schbl. LXVII. 64. Sie verſprechen zugleich, wenn der HM. ſie etwas beſſer verſorge, „uff nehſten zukommenden irſten tag nach Egidii u. vort alle Jor jerlich uff itzunt beruͤrten tag herlichen mit vigilien u. meſſen zu begehen die Zele des wirdigen bern Ludwigs von Lanſen u. ſeynes geſlechts, der denn iſt geweſt eyn ſtiffter diſſer Vicarien.
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Des HM. Heinr. v. Richtenberg Tod. Seine Verdienſte. (1477.) 97 überdieß jetzt auch nur noch die einzigen Punkte, von denen aus Verbindungen zum Verkehre mit dem Auslande angeknuͤpft werden konnten. Beide Staͤdte ſuchte der Hochmeiſter auch durch manche Begünstigungen in ihrem Wohlſtande mehr empor⸗ zuheben.) Von Königsberg aus war man bemuͤht, den Ver⸗ kehr mit England wieder mehr zu beleben, weshalb der Rath der Stadt mit des Meiſters Zuſtimmung die in dem zwiſchen den Hanſeſtaͤdten und England zu Utrecht geſchloſſenen Ver⸗ trage den Handel Preuſſens betreffenden Punkte nicht nur gerne genehmigte, ſondern den Engländern auch alle ihre bis auf den letzten Krieg genoſſenen Freiheiten und Gerechtſame in den Haͤfen und Staͤdten des Ordensgebietes von neuem zuſicherte, ſofern ſie dem Lande nicht offenbaren Schaden braͤchten. 2 Mit Luͤbeck ſtand Königsberg vorzüglich noch durch den Bern⸗ ſteinhandel in ziemlich regem Verkehr.) Den Handel zwiſchen Memel, Riga, Lubeck und den andern Hanfeftädten ſtoͤrte in den Jahren 1473 und 1474 der ſeines Amtes entſetzte Komthur von Memel Johann von Suͤnger, der dem Hochmeiſter und dem Orden allen Gehorſam auffimdigend im Beſitze des Schloſſes zu Memel blieb, ein Raubſchiff mit achtzig Seeraͤubern in die See ſandte und Freund und Feind plündern ließ, bis es dem Meiſter durch einen foͤrmlichen Angriff gelang, ſich des Schloſſes wieder zu bemaͤchtigen und die Seeraͤuber mit ihren Raubguͤtern meiſtens gefangen zu nehmen. “ nn ee 1) Eine die ftädtifche Einnahme von Memel anſehnlich vermehrende Verleihung des HM. d. Koͤnigsb. Freit. vor Laͤtare 1475 Schbl. LVIII. 78. 2) Schr. des Buͤrgermeiſters u. Rathes der Staͤdte Koͤnigsb. an den Rath v Lübeck, d. am T. Margaretha 1474 Schbl. XXXIV. 34. Der Vertrag zwiſchen den Englaͤndern u. der Hanſe, d. Utrecht 29 Febr. 1474, ebendaſ. uro I. Vgl. Detmar B. II. S. 354 — 355. 359. 3) Schr. des HM. an das Paternofter- Gewerk zu Luͤbeck, d. Koͤnigsb. Sonnt. nach Marid Geburt 1475. Schr. des Rathes v. Lubeck an d. HM, d. 1475 Schbl. XVI. 3. 4) Schr. des HM. an den Landkomthur v. Oeſterreich aus dem J. 1473 u. Schr. de s HM. an Lubeck, d. Sonnt. Eſtomihi 1474 Schbl. LXIX, 30. IX. 7
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98 Des HM. Heinr. v. Richtenberg Tod. Seine Bardienfte. (1477.) Des Hochmeiſters unerwarteter Tod brachte nun aber den Orden in neue Verlegenheit. Die beiden Sendboten nämlich, der Biſchof von Samland und der Komthur von Oſterode waren mittlerweile beim Koͤnige von Ungern angelangt und hatten, unbekannt mit des Meiſters Hinſcheiden, mit des Koͤniges Bevollmächtigten ein Bündniß abgeſchloſſen, worin Mathias und alle ſeine Nachfolger zu Schutzherren und Vertheidiger aller Rechte und Freiheiten des Ordens erklaͤrt wurden, doch un⸗ beſchadet der Oberherrlichkeit des Papſtes, dem ſich der Orden auch jetzt noch als unmittelbar unterworfen betrachtete. Es ward beſtimmt, daß der König und der Orden im Falle eines Krieges mit dem Koͤnige von Polen einer dem andern mit aller Macht Huͤlfe und Beiſtand leiſten ſollten, unbeſchadet des mit den Litthauern und Maſoviern beſtehenden Friedens. Keiner ſolle ohne den andern mit dem Koͤnige von Polen Friede oder Waffenſtillſtand abſchließen, außer in Fällen der größten Noth oder wenn ganz beſonderer Vortheil daraus hervorginge, mit dem Feinde auf kurze Friſt einen Waffenſtillſtand einzu⸗ gehen. Man kam ferner uͤberein, wie es mit dem zugeſandten Hülfsvolfe und den im Kriege eingenommenen Schloͤſſern und Städten in Ruͤckſicht ihrer Uebergabe und Auslöͤſung gehalten werden ſolle und endlich ſoll der Koͤnig auch verſprochen haben, damit der Orden die nöthigen Söldner anwerben koͤnne, eine Summe von vierzehntaufend Gulden in die Hände des Rathes von Breslau niederzulegen. So war das Buͤndniß bereits am dreizehnten Februar dieſes Jahres abgeſchloſſen, “ auch die beiden Beſtaͤtigungsurkunden des Koͤniges und des Hochmeiſters vorläufig ſchon ausgefertigt, befiegelt und auf den zwölften März ausgeſtellt. Des letztern früherer Tod aber entnahm den 1) Die beſiegelte Original-Urkunde darüber, d. in castro Strigo- niensi XIII Februar. 1477 Schbl. 28. 30, Der Komthur von Oſterode hat aus Mangel eines Siegels die Urkunde eigenhaͤndig unterſchrieben. Von dem Buͤndniſſe ſpricht auch Dingoss. T. II. 550 — 551. 556, indem er beſonders auch der Grldunterftügung erwähnt, wovon die Urkunde nichts enthält, e
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Des HM. Heinr. v. Richtenberg Tod. Seine Verdienſte. (1477.) 99 Urkunden in dieſer Abfaſſung ihre Gültigkeit und ſie mußten vernichtet werden. U) Der Orden indeß war in großen Sorgen, daß der König von Polen, fobald ihm diefe Verhandlungen bekannt wuͤrden, ſofort ernſte Gewaltſchritte gegen ihn oder den Koͤnig von Ungern thun werde. Daher erließ, um ihn im Zaum zu halten, der paͤpſtliche Nuntius Balthaſar von Piſcia von Breslau aus an alle Geiſtlichen Deutſchlands, Boͤhmens, Ungerns und Polens ein Öffentliches Ausſchreiben, worin er bekannt machte, daß er kraſt paͤpſtlicher Vollmacht den Kö oͤnig von Polen aufs nachdruͤcklichſte ermahnt habe, den König v a ; on Ungern, der eben mit Bekämpfung des Chriſtenſeindes, der Türken und mit Vertilgung der Ketzer beſchaͤſtigt ſey, nicht ferner durch Kr ieg zu beläftigen und daß ſowohl der Koͤnig als alle diejenigen, welche ihn im Kriege unterftügen würden, mit dem Banne beladen ſeyn ſollten, ſofern ſie dem paͤpſtlichen Gebote nicht Gehorſam leiſteten. Er trug den Geiſtlichen auf, dieſe Mahnung dem Volke allenthalben beim Gottesdienſte bekannt zu machen.) Dieſe ernſte Sprache des Rom. Hofes ſchützte den Koͤnig von Ungern. Vielfaͤltige anderweitige Verhaͤltniſſe aber in Polen ſelbſt, die immer ſtaͤr⸗ ker hervortretende Unzufriedenheit in dem koͤniglichen Theile Preuſſens, beſonders der beiden Woiwoden von Marienburg und Kulm Stibor von Baiſen und Ludwig von Mortangen, die mißliche Volksſtimmung in den Städten, beſonders in — — 1) D. h. ſie wurden durchſchnitten u. dadurch für ungültig erklaͤrt. In dieſer Art haben wi ir auch jetzt noch ſowohl die obenerwähnte Urkunde der Bevollmächtigten, als die vom HM. aus geſtellte u. beſiegelte Be⸗ ſtaͤtigungsurkunde, d duodecima mensis Martü 1477 Schbl 28. 31.— Daß dieſe Urkunde aber nicht als Beweis fuͤr den ſpaͤter erfolgten Tod des HM, gelten koͤnne, geht auch ſchon aus einem Schr. des Herzogs Boguslav von Stettin an Dionyſius von der Oſt bervor, d. Stolpe Sonnab. vor Oculi 1477 Schbl. XV. 234, der des HM. Tod ſchon erwaͤhnt. Die vom Könige Mathias ausgeſtellte Beſtaͤtigungsurkunde, d. am 12. Mär; 1477 in einer Deutſ. Ueberſetzung Schbl. VII. 48. 2) Ausſchreiben des paͤpſtl. Nuntius, d. Wratislavige XXIV Maji 1477 u. eine Copie deſſelben vom 11. Sept. 1477 Schbl. 30. 3. 7 *
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100 Wahl d. HM. Martin Truchſes v. Wetzhauſen. (1477.) Danzig, die ſich alle immer mehr in ihren Erwartungen vom Könige getaͤuſcht fanden und ſogar zum Theil dem Orden wieder geneigt zeigten, D die daher der König immer bemüht ſeyn mußte theils durch Mittel des Schreckens und der Gewalt, theils durch Beweiſe von Güte, Beguͤnſtigungen, Verleihungen und Beſtaͤtigungen von Privilegien in Ruhe und Gehorſam zu erhalten, endlich auch die Geneigtheit der Herzoge von Ma⸗ ſovien, ſich mit dem Orden im Falle eines Krieges gegen Polen u verbinden und ihn mit Kriegsvolk zu unterſtuͤtzen, ) dieß alles hielt den Koͤnig von Polen auch von weiteren Schritten gegen den Orden ab, ſo daß die Ruhe des Landes nicht weiter geftört ward. Unterdeß langten die Ordensgebietiger zur Wahl eines neuen Hochmeiſters in Königsberg an. Der Deutſchmeiſter Ulrich von Lentersheim konnte auch dießmal nicht in eigener Perſon erſcheinen und ſandte als Bevollmaͤchtigte zur Wahl die beiden Komthure Andreas bon Gruͤnbach zu Mergentheim und Georg Diemar zu Virnsberg, mit der ausdruͤcklichen Erklaͤrung, daß er alles genehmige, was in Gegenwart ſeiner Sendboten ſowohl in der Hochmeiſter⸗Wahl als in andern Dingen zum Beſten des Ordens beſchloſſen werde.) Die Kür fiel am vierten Auguſt ® einſtimmig auf den bisherigen Komthur von 1) Dlugoss. T. II. 556. 2) Dlugoss. I. co. Dogiel T. IV. p. 181. 3) Dlagoss. I. c. Schr. des Pflegers v. Neidenburg an den Statthalter des HM. u. Komthur v. Oſterode, d. Allenſtein am T. Trinitat. 1477 Schbl. XIX. 49. 4) Vollmachtsbrief des Deutſchmeiſters, d. Mergentheim Mont. nach Cantate 1477 Schbl. II. 7. 5) Darüber ſtimmen die Angaben nicht überein. In dem er⸗ wähnten Vollmachtsbriefe wird der Tag Jacobi (25 Juli) als kuͤnf⸗ tiger Wahltag bezeichnet, ebenſo im Schr. des Statthalters an den Deutſchmeiſter, d. Königsb. Donnerſt. vor Reminiſcere 1477 bei Jaeger Cod. diplom. s. h. a. Die f. 9. Paderborniſ. Chron. läßt die Wahl erſt am T. Laurentii (10 Aug.) erfolgen, ebenſo die Ordenschron. p. 398. Wir glauben hier der Angabe bei Dlugoss. P. 557 folgen
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Feindliche Stellung gegen Polen. (1477. 101 Oſterode Martin Truchſes von Wetzhauſen, aus einem alten Adelsgeſchlechte Frankens entſproſſen. ) Die Chronik ruͤhmt ihn als einen ernften, klugen und hochſinnigen Mann, dazu auch kuͤhn und muthig, der den Stuͤrmen der Zeit in aller Weiſe gewachſen zu ſeyn ſchien. Er hatte bisher nur wenige Aemter bekleidet; in den Jahren 1465 und 1466 finden wir ihn noch in dem untergeordneten Amte eines Kompans des Hochmeiſters; er war es, der damals den Meiſter Ludwig von Erlichshauſen auf ſeiner traurigen Fahrt von Marienburg nach Königsberg begleitete. Im Jahr 1467 war er ins Komthuramt zu Oſte⸗ rode eingetreten und hatte es bis zu dem Augenblicke verwaltet, wo er zum Hochmeiſter erkoren ward. Fuͤr ſeine Tuͤchtigkeit in der Verwaltung wichtiger Geſchaͤſte zeugte ſchon der Um⸗ ſtand, daß ihn der letzte Hochmeiſter mehrmals mit ſchwierigen Verhandlungen beauftragt hatte. Als Großgebietiger ſtanden ihm zur Seite Hans von Tiefen als Großkomthur, Nicolaus von Gebſattel als Ordensmarſchall, Bernhard von Balzhofen als Oberſtſpittler und Komthur von Brandenburg und als Oberſttrappier der alte Siegfried Flach von Schwarzburg. In das erledigte Komthuramt zu Oſterode trat der bisherige Haus⸗ komthur zu Königsberg Stephan von Streitberg ein. 2 Da Martin Truchſes die Richtung und Stellung des Ordens gegen Polen vorzuͤglich mit bewirkt, ſo war zu er⸗ warten, daß er ſie als Hochmeiſter auch feſthalten werde. Vor allem bemüht, die unzufriedene Stimmung im weſtlichen Preuſſen gegen den Koͤnig zu benutzen, nahm er die ehrenvolle Aufnahme, welche die zur Hochmeiſterwahl gekommenen Komthure aus Deutſchland in Danzig geſunden, zum Anlaß eines Dank⸗ zu muͤſſen, wo der Ate Auguſt als Wahltag genannt iſt, womit auch Bachem p 46 uͤbereinſtimmt. 1) Hellbach Adels- Lexicon B. II. 608, Vgl. Chmel Regeſten des Roͤm. Königs Friederich III p. 101. 2) Nach urkundl Angaben. Der HM. ſchied eigentlich aus ſeinem Komthuramte zu Oſterode erſt am Sonnt. vor Nativit Mariä aus, indem er es erſt um dieſe Zeit ſeinem Nachfolger übergab, Schbl. LIII. 70.
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102 Feindliche Stellung gegen Polen. (1477.) ſchreibens an die Danziger, worin er das zwiſchen dem Orden und dem Könige von Ungern geſchloſſene Schutzbüͤndniß durch das Verhalten des Polniſchen Koͤniges gegen den Orden zu Marienburg rechtfertigte, über deſſen wiederholte Verletzung des ewigen Friedens klagte, die Danziger ſelbſt auf die Art auf⸗ merkſam machte, wie der König gegen die ihnen gegebenen Verſchreibungen und ihre Privilegien gehandelt, den Biſchof von Ermland zu unterdruͤcken und zu vernichten, den Orden immer mehr zu entfräften geſucht u. ſ. w. Kurz der Hoch⸗ meiſter war auf alle Weiſe bemuͤht, Danzig dem Koͤnige wo möglich zu entfremden und auf feine Seite zu ziehen.) Daß der Koͤnig aber bei ſolcher Stellung ſeines Vaſallen, wie er den Hochmeiſter betrachtete, bald zu Mitteln der Zwangsgewalt greifen werde, war kaum anders zu erwarten. Man traf daher bei Zeiten allerlei Vorbereitungen. Der Biſchof von Ermland ordnete im ganzen Biſthum fir die Wohlfahrt feiner Sache, wie fir den König von Ungern und den Hochmeiſter öffentliche Gebete an; daſſelbe geſchah in Samland.) Er trat dann mit dem Hauptmanne Muſigk von Swynau wegen Kriegsdienſte in Unterhandlungen.) Der Woiwode von Marienburg Stibor von Baiſen ſuchte zwar beim Biſchofe wie beim Hochmeiſter durch Erbietung von Tagfahrten und Ausgleichungen dem Aus⸗ bruche eines Krieges vorzubeugen oder ſich wenigſtens beider Vertrauen zu ſichern.) Der Hochmeiſter indeß, daraus kein Heil mehr für den Orden erwartend, wandte ſich nicht nur an den Meiſter von Livland, ihn um Geld und Huͤlfsvolk bittend, 1) Schr. des HM. an die Danziger, d. Koͤnigsb. Mont. nach Maria Himmelf. 1477 bei Schütz p. 361, 2) Schr. des Biſch. v. Ermland an die Geiſtlichkeit feines Bi⸗ ſthums, d. Heilsberg 20 Aug. 1477 u. Schr. deſſelb. an den HM. d. Mittwoch vor Nativit. Mariä 1477 Schbl. LXVI. 1. 95. 3) Schr. des Biſch. v. Ermland an den HM. d. Heilsberg am T. der Enthaupt. Johannis 1477 Schbl. LIV. 56. J) Schr. des Woiwoden Stibor v. Baiſen an d. HM. und den Biſch. v. Ermland, d. Stuhm Mont. infra octavas nativit. domini 1477 Schbl. XXVII. 14. XXXIX. 27.
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Der König v. Polen im Banne. (1478.) 103 ſofern der Krieg ausbrechen werde (wozu dieſer freilich wegen ſeines fortdauernden Streites mit dem Erzbiſchofe von Riga wenig Hoffnung gab), v ſondern er ließ auch durch die Kom⸗ thure im Lande überall Heerſchau halten und mit Eifer ruͤſten. Bereits hatte er auch Unterhandlungen mit dem Hauptmanne Nicolaus Hertel zu Kulm und den Hauptleuten zu Althaus und Strasburg wegen Auslöſung der von ihnen nach Zinnen⸗ bergs Tod beſetzten Schlöffer angeknuͤpft, denn an dieſen wollte er dort feſte Haltpunkte gewinnen zu weitern Schritten, und die Hauptleute hatten ſich zum Theil mit dem Ordensmarſchall ſchon geeinigt. Endlich war der Meiſter auch bemüht, durch eine Geſandtſchaft ſich der Großen Litthauens zu verſichern, daß ſie beim Ausbruche eines Krieges gegen den Orden wenig⸗ ſtens nicht feindſelig auftreten und dem Koͤnige nicht zu Huͤlfe ziehen möchten. d Da erließ der Koͤnig, von dem allen laͤngſt unterrichtet, mit dem Anfange des Jahres 1478 eine Aufforderung an den Meiſter, fi) auf dem Reichstage zu Petrikau vor ihm zu ſtellen und den Huldigungseid zu leiſten. Dieſer indeß erſchien nicht nur nicht, ſondern entſchuldigte ſich auch nicht einmal, ) denn er war feſt entſchloſſen, ſich nicht unter das Polniſche Joch zu fügen. Zudem erſchien auch bald in Preuſſen eine Bekannt⸗ machung des paͤpſtlichen Nuntius Balthaſar von Piſcia aus Breslau, worin der König von Polen, ſein Thronerbe Wla⸗ dislav und alle feine Anhaͤnger wegen ihrer Beguͤnſtigung und Unterſtützung der Ketzer und Glaubensſeinde gegen den Könige, von Ungern und wegen Nichtachtung der an ſie ergangenen Abmahnung vom Kriege gegen dieſen König foͤrmlich und 1) Schr. des Livländ. Meiſters an den HM. d. Walt Mont. vor Galli 1477 Schbl. XLII. 8. Detmar B. II. S. 407. 2) Zeugniß des Hauptm. Nicolaus Hertel zu Kulm, d. Deutſch⸗ Eilau Sonnab. vor Simon u. Juda 1477 Schl. Ad. Geſch. H. 37. Schütz p. 361. 3) Schr. des Biſchofs v. Wilna an d. HM. d. Wilna Donnerft. zu Neujahr 1478 Schbl. XXX. 41. 4) Diugoss. T. II. 564.
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104 Der König v. Polen im Banne. (1478.) Öffentlich in den Bann erklaͤrt wurden.) Noch wichtiger war ein anderer Erlaß des paͤpſtlichen Nuntius an den Hochmeiſter und den geſammten Orden in Preuſſen, nach welchem dieſe nebſt allen Unterthanen und Bewohnern der Gebiete von Kulm, Thorn, Danzig, Marienburg, Elbing u. ſ. w., ſowie alle Be⸗ hoͤrden dieſer Staͤdte von allen Verpflichtungen gegen den Koͤnig in Folge des Bannſpruches losgeſprochen, die erſtern des Hul⸗ digungs⸗, alle aber des Unterthaneneides und des Gehorſams entbunden, jede Gemeinſchaft mit dem Koͤnige unter Androhung des gleichen Bannes aufs ſtrengſte unterſagt und alle Zuſagen, Pflichten oder ſonſtige Verhaͤltniſſe, wodurch der Hochmeiſter, der Orden oder die Bewohner Preuſſens, Kulmerlandes, Pom⸗ merns und Michelau's in Lehens- oder Huldigungseiden und ſonſt in irgend einer Weiſe dem Koͤnige verbunden geweſen, für völlig aufgelöft und ungültig erklaͤrt wurden.) Zugleich wurden alle Bewohner des Ordenslandes jegliches Standes, welche vom Orden gegen ihren Eid abgefallen ſeyen, unter Strafe des Banned und Interdictd angewieſen, unter des Hoch⸗ meiſters und des Ordens Gehorſam wieder zuruͤckzukehren und fie als ihre Landesherrſchaft anzuerkennen.) Ueberdieß erhöhten des Meiſters Muth auch noch guͤnſtige Nachrichten, die ihm 1) Die urkundliche Bekanntmachung des paͤpſtl. Nuntius, d. Wra- tislaviae XV Januar, 1478 im Original Schbl. 30. 4. Sie iſt na⸗ mentlich auch mit an die Biſchoͤfe v. Ermland, Samland und Kulm gerichtet. In einer fpätern Urkunde des Nuntius, d. Wratislaviae X Iulü 1478 Schöl. 30. 7 ertheilt er allen Geiſtlichen den Auftrag, die Excommunieations⸗Sentenz gegen den König v. Polen und deſſen Sohn Wladislav als Befoͤrderer der Ketzerei überall bekannt zu machen. 2) Original der Bekanntmachung des päpfil. Nuntius an den HM. d. Wratislaviae XIX Ianuar. 1478 Schbl. 30. 5; eine gleich⸗ zeitige Abſchrift Schbl. VIII. 22. 3) Die Bulle des Papſtes an die Biſchoͤfe v. Breslau und Ol⸗ müß, denen die Bekanntmachung und Ausführung des paͤpſtl. Befehles aufgetragen wurde, d. Romae Cal. Februar. 1477 p. a. VII in einem Transſumt des Biſchofs Rudolf von Breslau vom J. 1479 Schbl. XIV. 5. (Das Datum der Bulle ſtimmt aber mit dem Pontificats⸗ jahre nicht überein.)
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Kriegsruͤſtung gegen den König v. Polen. (1478.) 105 durch einen Mönch vom Könige von Ungern zugeſandt waren und beim Biſchofe von Ermland ſo große Freude erregten, daß er in feinem ganzen Biſthum ein feierliches Te Deum ſingen ließ. U Der Koͤnig hielt bald darauf eine neue Reichsverſammlung zu Brzeſc in Kujavien, wohin er auch viele aus den Ständen Preuſſens berufen. Als der Meifter erfuhr, daß er dorthin vorgeladen werden ſollte, eilte er von Königsberg nach Ragnit, um am erſtern Orte nicht anweſend geſunden zu werden. Nachdem der Koͤnig ſich vor den Reichsſtaͤnden in eine Menge von bittern Klagen über des Hochmeiſters bisherige Schritte und feindſelige Abſichten ergoſſen und auf ſein koͤnigliches Wort betheuert, daß er den Beſitz Preuſſens unter keinen Umſtaͤnden wieder aufgeben werde, ſelbſt wenn es ihm das Leben koſten follte, nachdem man daraus alfo erſah, daß er jetzt zu Gewalt⸗ mitteln gegen den Orden entſchloſſen ſey, ward auf der Stände Rath, um wo moͤglich dem Kriege vorzubeugen, der Beſchluß gefaßt, den Hochmeiſter nochmals durch eine Geſandtſchaft zur Eidesleiſtung aufzufordern und zugleich in des Koͤniges Namen das Erbieten uͤberbringen zu laſſen: es ſolle unterfucht werden, ob zumeiſt der Koͤnig oder der Orden den Frieden gebrochen. 2 Der Meiſter gab indeß den Geſandten die Antwort: vor funfzig Jahren habe Polen an Auſrechthaltung des Friedens denken ollen; jetzt koͤnne er ohne Rath und Mitwiſſen der oberſten Gebietiger von Deutſchland und Livland zur Befriedigung des Königes keinen weitern Schritt thun; erhalte er Antwort von dieſen, ſo werde er dem Könige feine Meinung kund geben; jedoch koͤnne in Zwiſtigkeiten zwiſchen ihnen immer nur der Papſt des Ordens Richter ſeyn, und bei dieſer Erklaͤrung be⸗ 1) Schr. des Biſch. von Ermland an d. HM. d. Heilsberg am T. Agatha 1478 Schbl. LXVI. 98. Schr. Stibors v. Baiſen an den Rath v. Thorn, d. Stuhm am € T. Antonii 1478 im Rathsarchiv zu Thorn cist. XVII. 37, wo wir hören, daß der Moͤnch bei einer Unter⸗ ſuchung in Thorn gegen ihn die Briefe in einem Miſthaufen verſteckt gehabt. 2) Schütz p. 362,
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106 Kriegsruͤſtung gegen den König v. Polen. (1478.) harrte der Meiſter trotz aller Vorſtellungen der Sendboten.“ Aber ſchon in dieſer Erklaͤrung eben fand man eine entſchiedene Hindeutung auf kriegeriſche Plane, zumal da zugleich die nach⸗ drucklichſte Forderung erfolgte, Thorn ſolle jetzt ſofort die wider den ewigen Frieden von neuem angeordnete Handelsniederlage, die der Koͤnig bewilligt, wieder aufheben, ſofern man nicht da⸗ gegen zu weitern Maaßregeln ſchreiten folle. ® Auf beiden Seiten ward fort und fort emſig gerüftet, ſelbſt in Litthauen und Samaiten begannen bereits auf des Königes Befehl ernſtliche Kriegsanſtalten.) Im weſtlichen Preuffen, wo man dem Könige den Krieg immer entſchieden widerrathen und erſt kuͤrzlich wieder die Beihuͤlfe verweigert hatte, war man uͤber die Maaßregeln, die zu ergreifen ſeyen, zweifelhaft; auf mehren Tagfahrten konnte es zu keinem feſten Beſchluſſe kommen. Der Biſchof von Ermland dagegen bereitete alles mit größtem Eifer zum Kriege vor, denn er wußte wohl, daß ihn der Haß des Koͤniges am meiſten treffen werde, da man ihn uͤberhaupt den eigentlichen Urheber und Anſtifter aller kriegeriſchen Unruhen hielt, ſo daß man ihn ſogar vor Ver⸗ giſtung hatte warnen muͤſſen. Ihn troͤſteten jedoch immer guͤnſtige Ausſichten auf Beiſtand aus Maſovien und vom Könige von Ungern, den er ſelbſt in Preuſſen erwarten zu durfen glaubte.) Der Hochmeiſter zog zuerſt einige Streit⸗ 1) Schütz p. 362 — 363. Dlugoss. T. II. 565. 2) Schr. des HM. an den Rath von Danzig, d. Koͤnigsb. Donnerſt. vor Palmar. 1478 im Rathsarchiv zu Danzig. 3) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Riga Mittw. vor Palmar. u. Dienſt. nach Quaſimodogen. 1478 Schbl. XVI. 14. XLII. 20. 4) Schr. des Gubernators Stibor v. Baiſen an d. Rath v. Thorn, = d. Stuhm am T. Himmelf- Chriſti 1478 im Rathsarch. zu Thorn Serin. XVII. 37. Er nennt ſich ſelbſt hier wieder Gubernator der Lande Preuſſen. 5) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Sonnt. Cantate 1478 Schbl. XXVII. 8. Er ſpricht ſelbſt von den verſchiedenen Warnungen vor Vergiftung. Engel Geſchichte des Ungriſ. Reichs Th. III. 357.
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Kriegsruͤßſtung gegen den König v. Polen. (1478.) 107 kraͤfte, freilich meiſt nur ungeuͤbtes Landvolk, zu Oſterode zu⸗ ſammen, weil ihm dieſe Stadt mit ihrem Schloſſe am meiſten gefährdet ſchien.) Darauf glückte ihm der wichtige Schritt, durch Befriedigung der Hauptleute ſich der Schlöffer und Städte Strasburg, Kulm und Althaus zu bemaͤchtigen und fie mit Kriegsvolk zu beſetzen.) Man gewann die noͤthige Zeit, Kulm, wo ſich der Rath dem Orden ſehr ergeben zeigte, und Strasburg, welches der Ordensritter Emmerich von Drahe als Hauptmann beſetzt hielt, noch ſtaͤrker zu befeſtigen. 3 Von einem Feinde war lange Zeit nichts zu vernehmen. Er zeigte ſich zuerſt in einigen Heerhaufen an der Graͤnze von Kujavien. Da er indeß d ort Wochenlang ganz unthaͤtig lag, da ferner weder der Gubernator Stibor von Baiſen, noch der Kulmiſche Woiwode Ludwig von Mortangen, noch andere Pol⸗ niſche Hauptleute Anſtalten trafen, um die Ordensbeſatzungen aus dem Kulmerlande wieder zu vertreiben, da endlich in Thorn Parteiungen ausbrachen, die Stadt, wie man hoͤrte, kein Pol⸗ niſches Kriegsvolk aufnehmen, wohl aber dem Hochmeiſter, wenn er mit einer anſehnlichen Kriegsmacht erſcheine, die Thore Öffnen wollte, fo konnte dieſer allerdings den Plan faſſen, ſo⸗ bald er von auswaͤrtsher durch nachdruͤckliche Hilfe verftärkt werde, mit feiner ganzen Macht zuerſt vor Stuhm und Marien: burg zu ziehen, beide Schlöffer zu erſtuͤrmen und dann auch, mit Vernichtung aller Polniſchen Herrſchaft in jenen Gegenden, fi) wieder aller Städte und Burgen zu bemaͤchtigen.) Dazu + Schr. des Spittlers Georgii 1498 Schbl. XXVII. 9. Dlugoss. n. 570. 2) Schütz p. 363, Dlugoss. I. c. Schr. Stibors v. Baiſen an den Rath v. Thorn, d. Stuhm Freit. nach Viti 1478 im Rathsarch. zu Sborn Cist. XVII. 37. 3) Schr. des Hauptm. zu Strasburg, d. am Abend Margaretha 1478 Schl. LII. 92. Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM. d. Strasburg Freit. vor Margar. 1478 Schbl. XXVII. 12. Schr. des Rathes v. Kulm an den Ord. Marſchall, d. Dienſt. vor Kiliani 1478 Schbl. LII 20. 4) Schr. des Gubernators Stibor v. Thorn, d. Stuhm Sonnab. zu Oſterode an d. HM. d. Mont. vor Baiſen an den Rath von infra octavas visitat. Mariae u. Sonnt.
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108 Kriegsruͤſung gegen den König v. Polen. (1478.) war freilich fremder Beiſtand um ſo nothwendiger, weil er aus ſeinem Lande wenig Kriegskraͤfte aufbringen konnte, denn viele verweigerten den Zuzug ſchon deshalb, weil ſie den ewigen Frieden mit beſchworen und ohne Verletzung ihres Gewiſſens und ihrer Ehre das Schwert nicht ergreifen koͤnnten. Der Großkomthur Hans von Tiefen ward deshalb um Beihuͤlfe an den Markgrafen Johann und den Kurfürſten Albrecht von Brandenburg, an mehre Deutſche Fuͤrſten und zugieich auch an den König von Ungern geſandt.) An den genannten Kurs fürften ging bald darauf eine zweite Geſandtſchaft, ihm vor⸗ zuſtellen: der Hochmeiſter wuͤnſche die Neumark wieder an den Orden zu bringen und wolle ſich, wenn der Kurfürft geneigt ſey, gerne mit ihm daruͤber verſtaͤndigen; dem Orden ferner ſey jetzt Kriegsvolk aus Deutſchland noͤthig; da ſolches nicht durch Polen ziehen duͤrfe, ſo moͤge der Kurfuͤrſt ihm freien Ein- und Auszug durch die Neumark geſtatten, bis ſich der Hochmeiſter mit ihm uͤber das Land geeinigt. Allein der Kur⸗ fürft, den Zuſammenhang dieſes doppelten Anbringens wohl durchblickend, gab zur Antwort: er wiſſe nicht anders, als die Neumark ſey jetzt ſein wahres Erbe und wer das Land haben wolle, muͤſſe wahrlich viel Geld beſitzen; der Meiſter müffe deſſen wohl viel in kurzer Zeit gewonnen haben, da er noch gar nicht lange an der Herrſchaft ſey. So wies er das Anſuchen, welches der Koͤnig von Ungern angeregt, nicht ohne einigen Spott zuruͤck, denn ſeine wiederholte Erwaͤhnung des zur etwanigen Auslöfung noͤthigen Geldes ſollte beweifen, daß er den Hochmeiſter wohl verſtanden.) Das Geſuch wegen u 0 vor Margar. 1478 im Rathsarchiv zu Thorn Cist. XVII. 37. Schr. des Biſch. v. Ermland an den HM. d. Heilsb. am Abend Jacobi 1478 Schbl. LXVI. 102. 1) Geleitsbrief des Markgrafen Johann v. Brandenburg fuͤr den Großkomtbur, d. Köln a. d. Spree Sonnab. nach Johanni 1478 Schol. XII. 25. 2) Die Auftraͤge und Verhandlungen des vom HM. an den Kurfürften abgeſandten Ordensbruders Mathias Siebenbuͤrger Schl. XII. 33.
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Krieg zwiſ. d. Orden, Ermland u. d. Könige v. Polen. (1478.) 109 des Durchzuges durch die Neumark betraf zunächft den Herzog Hans von Sagan, der nach des Koͤniges von Ungern An⸗ ordnung Kriegsvolk nach Preuſſen führen follte. Er hatte ſich zwar, weil er mit dem Kurfürsten wegen Erbſchaftsverhaͤltniſſe im Streite lebte, mit dem Herzog von Pommern verbunden, um durch dieſen Albrechts Waffen zu beſchaͤſtigen und ſomit leicht bis Pommerellen vorzudringen.) Allein der Kurfuͤrſt, der ſich mehrer Pommeriſcher Gränzorte bemaͤchtigt, überfiel des Herzogs von Sagan Heerhaufen und warf ihn nieder. Der Orden blieb alſo von hier aus ohne Huͤlfe; ebenſo fand er ſich in ſeiner Hoffnung auf die verſprochene Beihuͤlfe des Koͤniges von Ungern getaͤuſcht, denn dieſen beſchaͤftigten in feinen feind⸗ lichen Verhaͤltniſſen mit den Türken und den Koͤnigen von Böhmen und Polen ihm viel näher liegende und wichtigere Intereſſen. So waren der Orden und der Biſchof von Ermland ganz allein auf ihre eigenen geringen Kräfte beſchraͤnkt, als um die Mitte des Septembers Polniſches Kriegsvolk unter Anfuͤhrung der Hauptleute Johann Byali und Johann Zieliezinski bei Neidenburg ins Ordensgebiet einbrach, von dort aber ſogleich ins Biſthum Ermland vorruͤckte und unfern von Allenſtein beim Dorfe Thomasdorf an einem See ein Lager ſchlug, um von da aus die naͤchſtgelegenen Städte des Biſthums zur Ergebung zu zwingen. Dort aber hatte man den Feind gerade am we⸗ nigſten erwartet. Der Hochmeiſter und der Biſchof waren daher letz aue) im Plane, wie ihm zu begegnen ſey, nichts weniger als einig. Da die Polen nirgends Widerſtand fanden, fo meinten ſie, der Orden . werde es gar nicht wagen zum Schwerte zu greifen. Mittlerweile ließ ſich Allenſtein, wo ſich damals das Ermlaͤndiſche Kapitel befand, weil in der Stadt nur eine geringe Beſatzung und auch dieſe ohne Hauptmann war, mit 1) Schr. Sonnab. Mariaͤ Stibors v. Baiſen an den Rath v. Thorn, d. Stuhm infra octavas nativitat, Mariae und Donnerſt. nach Nativit. 1478 im Rathsarchiv zu Thorn Cist. XVII. 37.
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110 Krieg zwiſ. d. Orden, Ermland u. d. Könige v. Polen. (1478.) dem Feinde in Unterhandlungen ein.) Uueberdieß erſchreckte die oͤſtlichen Gebiete des Biſthums das Gerücht, daß die Lit⸗ thauer ſich bereits zum Einbruch in das Land ruͤſteten, waͤhrend die weſtlichen Gebiete die Nachricht durchlief, die Danziger wurden zu Schiff vom Haff aus einen Angriff auf Brauns⸗ berg und dann einen weitern Einfall ins Land wagen. Dieſe Gefahren hielten des Biſchofs geringe Kriegskraͤfte nutzlos auseinander. Es konnte nichts von Bedeutung unternommen werden, waͤhrend der Feind das Biſthum und die nahen Ordens⸗ lande ohne Widerſtand und ungeftört verheerte und durchplüm⸗ derte. Der Hochmeiſter ſandte nun zwar dem Biſchofe einiges Kriegsvolk zu Huͤlfe; allein meiſt aus Landleuten beſtehend und ſchwach an Zahl wagte es gegen die Polen nicht nur keinen Angriff, ſondern wich überall zunü und warf ſich endlich in die Schloͤſſer.“ Da ward im October zwiſchen den Ständen der koͤnig⸗ lichen Lande und Abgeordneten aus dem Biſthum und dem Ordensgebiete eine Tagfahrt zu Elbing anberaumt, um wo möglich zur Verhinderung des weitern Krieges eine Ausgleichung zu treffen. Die Polniſchen Bevollmächtigten fanden es in ihrem Intereſſe, die Verhandlungen Über die Verhaͤltniſſe des Biſthums und des Ordens ſo viel als moͤglich auseinander zu halten, meinend, der Hochmeiſter werde ſich jetzt leicht von des Biſchofs Sache ablenken laſſen. Allein man kam in keinem Punkte zu einem beſtimmten Beſchluſſe. Der Polen Forderung, den Bi⸗ ſchof Nicolaus von Tuͤngen aus dem Lande zu vertreiben, ward von den Ermlaͤndern zuruͤckgewieſen; eben fo wenig fanden ihre 1) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Mittw. nach Matthäi 1478 Schbl. LXVI. 97. Schr. des Propſtes u. Kapitels zu Frauenburg an den Komthur v. Ragnit, d. Allenſtein am T. Mauritii 1478 Schbl. LXVI. 14. 2) Schr. des Rathes v. Braunsberg an d. Biſchof v. Ermland, d. am T. Lamperti 1478. Schr. des Ratbes v. Roͤßel an den Biſch. v. Ermland d. Donnerſt. vor Michaelis 1478. 3) Diugoss. T. II. 572 — 573; er führt an, der Koͤnig habe befohlen, das Ordensgebiet zu ſchonen.
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Krieg zwiſ. d. Orden, Ermland u. d. Könige v. Polen. (1478.) 111 Vorſchlaͤge bei den Polen Gehör. In den Verhandlungen mit den Ordensgeſandren erboten ſich dieſe gerne zur Aufrechthaltung des ewigen Friedens, doch nur unter der Bedingung, daß dem Meiſter der Huldigungseid erlaffen werde, weil er erklärt hatte: er wolle, ehe er dieſen Eid leiſte, lieber in ſeinem eigenen Blute ertrinken. Dieſe Bedingung aber, da ſie einer der wichtigſten Punkte des ewigen Friedens war, wollten die Polen nicht zu⸗ geſtehen und fo ſchied man wieder ohne Erfolg, jedoch mit dem Beſchluſſe, auf einer naͤchſten Tagfahrt mit vollſtaͤndigerer Voll⸗ macht die Verhandlungen weiter ſortzuſetzen. D Der Biſchof aber bot um fo mehr jetzt alles auf, um den Hochmeiſter feſt auf ſeiner Seite zu erhalten; er ſuchte ihm nicht nur neuen Muth durch die Nachricht einzufloͤßen, daß in Ungern bereits ein Kriegsheer von achtzehntauſend Mann zur Beihülfe des Ordens in Bereitſchaſt ſtehe,? ſondern er mel⸗ dete ihm auch: es ſey in dieſen Tagen in allen Staͤdten des Biſthums eine große Verwandlung erfolgt, indem man allgemein den Beſchluß gefaßt, ihm, dem Biſchofe, mit Leib und Leben beizuſtehen und nimmer ſich dem Koͤnige zu unterwerfen. Man habe ſich bereits auch an die Staͤdte Koͤnigsberg gewandt und es ſey nun zu hoffen, daß auch des Ordens Unterthanen, die ſich bisher zur Kriegshuͤlfe widerſpaͤnſtig bewieſen, nun um ſo mehr ſich in ihrer Kriegspflicht bereitwillig zeigen winden. 9 Die Kriegsereigniſſe aber wurden bald noch gefahroller. Wie der Polniſche Hauptmann Johann Zieliezinski dem Biſchofe auch ſchon Frauenburg weggenommen, d fo drohte in den erſten Tagen des Novembers auch dem Hochmeiſter ein bedeutender e ſchon vor laͤngerer Zeit Verluſt. Der Orden naͤmlich hatt 1) Die Verhandlungen bei Schütz p. 363 — 364. Schr. Stibors v. Baiſen on den Dompropſt Bartholom. zu Marienwerder, d. Stuhm Donnerſt. nach Aller Heilig. 1478 Schbl. LIII. 35. 2) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg am T. Simon u. Judä 1478 Schbl. LXVI. 101. 3) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Sonnab. nach Martini 1478 Schbl. LXVI. 99. 4) Nach dem eben erwaͤhnten Schreiben.
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112 Krieg zwiſ. d. Orden, Ermland u. d. Könige v. Polen. (1478.) Marienwerder mit Kriegsvolk beſetzt und ſtaͤrker befeſtigt. Das war wider die Ordnung, denn nach dem ewigen Frieden ge⸗ hoͤrte die Stadt dem Biſchofe von Kulm auf Lebenszeit. Nun ſchloß das Domkapitel, als die Polen dort ins Biſthum einruͤckten, wegen des Banned des Königes und feiner Anz haͤnger überall die Kirchen. Man erklaͤrte dieß fuͤr Abfall von der koͤniglichen Herrſchaft und es brach ſogleich das Polniſche Kriegsvolk, unter Raub und Brand in Staͤdten und auf dem Lande, gegen Marienwerder auf. Vergebens wandte ſich der Dompropft um Schonung an den Gubernator Stibor von Baiſen, der alle Schuld dem Domkapitel zuſchrieb, weil es früher alle friedlichen Unterhandlungen zurücgewiefen. ? Die Stadt ward rings umlagert, bald darauf erſtuͤrmt und faſt völlig niedergebrannt. Auch im Dom, wohin ſich die Beſatzung geworfen, konnte ſich dieſe nicht lange behaupten. Da kam plotzlich und unerwartet im Anfange des Decem⸗ bers die Nachricht eines Waffenſtillſtandes, zu welchem der Koͤnig von Ungern durch die ernſte Drohung, er werde nicht nur mit Feuer und Schwert in Polen einbrechen, ſondern zu⸗ gleich auch feinem Schuͤtzling, dem Biſchofe von Ermland und dem Orden mit feiner ganzen Macht zu Hülfe eilen, den Koͤ⸗ nig von Polen zu bewegen gewußt. Es war darin beſtimmt: da eigentlich dem Orden von Seiten des Koͤniges noch kein Krieg angekuͤndigt fey, fo ſollten auch fortan bis zum Anfange des Februars naͤchſtes Jahres alle Feindſeligkeiten unterbleiben, ebenſo im Biſthum Ermland bis zu dem im Februar angeſetz⸗ ten Verhandlungstage. Alle Staͤdte und Orte, die ſich wehr⸗ 1) Schütz p. 364. 2) Schr. Stibors v. Baiſen an den Dompropſt Bartholomaͤus zu Marienwerder, d. Stuhm Donnerft. nach Aller Heilig. 1478 Schbl. LIII. 35. 3) Schr. der Polniſ. Hauptleute an Johann Scharweike, d. im Lager vor Marienwerder Donnerſt. nach Aller Heilig. u. Donnerſt. nach Martini 1478 Schbl. XXVII. 10. 11. Schr. des Ordensmarſchalls, d. Preuſſ. Mark Sonnab. nach Martini 1478 Schbl. LIII. 36. Schütz p. 363.
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Krieg zwiſ. d. Orden, Ermland u. d. Könige v. Polen. (1479.) 113 los dem Koͤnige oder ſeinen Hauptleuten ergeben und gehul⸗ digt haͤten, follten geräumt, ihres Eides wieder entbunden und bis dahin dem Biſchofe übergeben werden, die dagegen mit Waffengewalt gewonnen worden, ſollten in des Königes Beſitz bleiben, jedoch dem Biſchofe daraus kein weiterer Ein⸗ trag oder Schaden entſtehen. Bis zum beſtimmten Verhand⸗ lungstage ſolle auch der Koͤnig von Ungern weder nach Polen, noch nach Preuſſen zur Hülfe des Ordens oder des Biſchofs von Ermland irgend welches Kriegsvolk ſenden. Auf dem Verhandlungstage felbft aber ſollten durch Bevollmaͤchtigte bei⸗ der Koͤnige, des Meiſters und des Biſchofs wo moͤglich alle Streithaͤndel geſchlichtet werden. » Es war in der That aber auch die hoͤchſte Zeit, dem Rauben, Brennen und Verheeren des zügellofen Polniſchen Kriegsvolkes ein Ziel zu ſetzen, denn in mehren Theilen Erm⸗ lands waren die Bewohner durch die wildeſte Raubgier und Rachluſt der Feinde faſt bis zur Verzweifelung getrieben und auch im Biſthum Pomeſanien wuͤthete der rohe Polniſche Heergraf trotz aller Abmahnungen des Gubernators an Men⸗ ſchen und Gebäuden auf die fuͤrchterlichſte Weiſe.) Allein fo freudig man die Nachricht vom Waffenſtillſtande und von des Koͤniges von Ungern Theilnahme an der Sache des Ordens im Orden ſelbſt auch aufnahm und darauf neue Hoffnungen baute,) fo wenig ſchien für ſich der Biſchof von Ermland 1) Diugoss. T. U. 574 erwähnt dieſes Waffenſtilſtandes nur kurz. Wir haben ihn vollſtändig in Abſchrift, d. Wissegradt sabbato ante festum Cecilie alias XXI Novembr. 1478 Schbl. XXVII. 13. Der paͤpſtl. Nuntius Balthaſar von Piſcia ſandte dem Biſchof von Ermland die Abſchrift des Waffenſtillſtandes zu in einem Schr. d. Breslau 9 Decemb. 1478. = 2) Schr. des Hauptm. Hans Roder an d. Biſch. v. Ermland, d. Seeburg Freit. vor Lucia 1478. Schr. Stibors v. Baiſen an den Rath v. Thorn, d. Stuhm Sonnt. vor Thoma 1478 im Rathsarchiv zu Thorn Cist. XVII. 37. 3) Schr. des Ordensritters Kunz v. Strauchwitz an d. HM. d. Kulm Mittw. vor Silveſter 1479 Schbl. VII. 51. IX. 8
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114 Krieg zwiſ. d. Orden, Ermland u. d. Könige v. Polen. (1479) vom Erfolge des Waffenſtillſtandes erwarten zu duͤrfen, zumal da das Jahr 1479 bereits angebrochen war, ohne daß der Koͤnig ſeine Hauptleute in Preuſſen vom Abſchluſſe des Bei⸗ freidens auch nur benachrichtet hatte. Natuͤrlich gaben dieſe auch die beſetzten Staͤdte dem Biſchofe nicht heraus, wollten uberhaupt nichts von Friedensruhe wiſſen und ſetzten ihre Plünderungen und Verheerungen, beſonders um Guttſtadt und Heilsberg nach wie vor fort. Es kam dort einigemal ſelbſt zu blutigen Gefechten, obgleich die Ermlaͤnder aus Mangel an tüchtigen Hauptleuten nichts Entſcheidendes wagen konnten. Eine im Anfange des Jahres zu Elbing gehaltene Tagfahrt blieb ohne Erfolg, weil der Hochmeiſter erklären ließ, daß er jede weitere Verhandlung uͤber ſeine Verhaͤltniſſe bis auf die zwiſchen beiden Koͤnigen anberaumte Tagfahrt zu Olmuͤtz, wo⸗ hin er auch ſelbſt beſchieden war, ausſetzen wolle.) Da je⸗ doch der Waffenſtillſtand, ſelbſt nachdem er den Polniſchen Hauptleuten bekannt gemacht war, faſt gar nicht weiter beachtet, die befeßten Städte von ihnen nicht geräumt, vielmehr Biſchofs⸗ ſtein von ihnen eingenommen wurde, da man in allen Schritten des Koͤniges ſelbſt, in dem abſichtlichen Zuruͤckhalten eines Sendboten des Koͤniges von Ungern und in feinen Befehlen an die Hauptleute nur Hinterliſt und Falſchheit zu entdecken glaubte und da endlich auch der Biſchof von Ermland den Hochmeiſter zu überzeugen wußte, daß die Polen den Beifrie⸗ den gegen den Orden nur fo lange beobachten würden, bis fie ſich aus dem Ordensgebiete hinlaͤnglich mit Lebensmitteln ver⸗ ſorgt hätten, ) fo gab es der Hochmeiſter auf, ſich perſonlich 1) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg am T. Stephani zu Weinachten 1478 Schbl. XXVII. 2. 2) Die weitern Verhandlungen bei Schütz p. 364 — 365. 3) Schr. des Biſch. v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Mittw. nach Converſ. Pauli 1479 Schbl. LXVI. 105; er ſagt vom Koͤnige und den Polen: „Iſt kein Glaube in denſelben Leuten; derſelben groͤßte Seligkeit iſt, daß ſie ihren Glauben mit Hinterliſt und Falſch⸗ 75 thun beflecken. Wir davon im Stuhl zu Rom viel Erfahrung haben.“
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Krieg zwiſ. d. Orden, Ermland u. d. Koͤnige v. Polen. (4479.) 115 zur Verhandlung nach Olmuͤtz zu begeben. 41 Die Tagfahrt beider Koͤnige ward üͤberdieß bis in den Mai verſchoben und blieb dann bei der Hartnaͤckigkeit des Polniſchen Königes in Rückſicht der Angelegenheiten Ermlands dennoch ohne Er: folg. 2) ch nicht ſchrecken und ſandte bald nd, um ſich des ganzen Biſthums zu bemaͤchtigen. Waͤhrend daher der Polniſche Hauptmann Wilkamowski Strasburg wieder zur Ergebung an den Koͤnig zu bewegen ſuchte, ) ward in kurzem ganz Ermland von Pol: niſchen Heerhaufen uͤberzogen und Braunsberg, Wormditt und faſt alle biſchöflichen Städte ohne bedeutenden Widerſtand von ihnen eingenommen. Nur Braunsberg, von Feinden rings umlagert, hatte ſich einige Zeit gehaltenz ſeine Beſatzung aber war viel zu ſchwach und es fanden ſich unter den Bewohnern auch einzelne verkaͤufliche Menſchen, die ſich von den Polen zu allerlei argliſtigen Planen gewinnen ließen. d So blieb dem Biſchofe endlich nichts mehr uͤbrig, als das einzige Heilsberg, wo er jedoch ebenfalls von Polniſchem Kriegsvolke rings einge⸗ ſchloſſen war. © — ) Schr. des Komthurs v. Oſterode an d. HM. d. Donnerft. nach Valentini 1479 Schbl. XXVII. 5. 2) Diugoss. T. II. 575 — 577. 8 3) Schr. des Koͤniges d. Ungern an d. HM. d. 2ten Febr. 1479 Schbl. VII. 32. 4) Schr. des Hauptm. zu Brathean Adam Wilkamowski an d. Rath v. Strasburg, d. Brathean Freit. vor Purif. Mariä 1479 Schbl. XXVII. 5) Schr. des Rathes v. Braunsberg an d. HM. d. Dienft, nach Quaſimodogen. 1479 Schbl. LIV. 55. 6) Dlagoss. T. II. 577. 8 *
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116 Krieg zwif. d. Orden, Ermland u. d. Koͤnige v. Polen. (1479.) Man ſah bald immer mehr ein, daß aller ſernerer Wi⸗ derſtand gegen den König ebenſo nutzlos als auf die Laͤnge unmöglich ſey. Das Ordensgebiet war zwar bisher vom Feinde immer ſehr geſchont worden, denn man hatte dem Or⸗ den nie förmlich Krieg angekündigt; allein auch der Hochmeiſter erkannte immer mehr, daß die Fortſetzung der Feindſeligkeiten für ſeine Sache keinen beſondern Erfolg bringen koͤnne. Es ſchlug ihm uͤberdieß eine Hoffnung nach der andern fehl. Auf Tagfahrten wollten die Staͤdte des Ordensgebietes gar nicht mehr erſcheinen, denn ſie ſahen ſie als unnuͤtz an. Wie zu Kulm, ſo verlangte auch anderwaͤrts das Kriegsvolk ſeinen Sold. 0 Die Erhebung eines angeordneten Schoſſes aber fand an vielen Orten den größten Widerſtand, theils wegen der all⸗ gemeinen Armuth, theils auch wegen des Unwillens, mit dem man überall auf den Krieg hinſah. Der Komthur von Hol land fürchtete ſchon in ſeinem Gebiete den Ausbruch eines foͤrmlichen Aufruhrs unter dem Volke und dem Ordensmar⸗ ſchall drohte bereits eine Belagerung zu Preuſſiſch⸗Mark. Aus des Landes eigenen Streitkraͤften konnte daher der Krieg unmoͤglich laͤnger fortgeſetzt werden. Von auswaͤrts her aber war jetzt keine Huͤlfe mehr zu erwarten. Auch auf den Koͤnig von Ungern, den fortwährend feine Tuͤrkiſchen Angelegenheiten und feine Unterhandlungen mit dem Könige von Polen beſchaͤf⸗ tigten, konnte man keine feſte Hoffnung bauen. Siebentauſend Mann Ungeriſches Huͤlfsvolk, welches durch die Mark nach Preuſſen hatte ziehen ſollen, ward von Kurfürften Albrecht, der es für feinen Gegner den Herzog von Sagan beſtimmt glaub⸗ te, auf dem Marſche angegriffen und gaͤnzlich aufgerieben ne 1) Schr. des Nicolaus Hertel an den HM. d. Kulm am T. Va⸗ lentini 1479 Schbl. XXVII. 6. 2) Schr. des Ordensmarſchals an d. HM. d. Preuſſ. Mark Mont. nach Invocavit u. Sonnab. vor Oculi 1479 Schbl. LXI. 31. XXVII. 4. Schr. des Komthurs v. Holland, d. Sonnab. vor Oculi 1479 Schbl. LXXIII. 68. 3) Diugoss. T. II. 577. 4) Schütz p. 365. Detmar B. II. S. 408 giebt die Zahl der Ungern auf 9000 Mann an.
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Krieg zwiſ. d. Orden, Ermland u. d. Könige v. Polen. (1479.) 117 und wie der Kurfünft durch die Vermaͤhlung feines Prinzen Friederich mit der Tochter des Koͤniges von Polen Sophia mehr in deſſen Intereſſe gezogen ward, ſo naͤherten ſich auch bereits die beiden Könige zu einer gegenſeitigen Ausgleichung. Auch auf Beihuͤlfe aus Deutſchland war keine Ausſicht mehr. Der Großkomthur Hans von Tiefen, immer noch in Deutſch⸗ land, hatte zwar ſchon im vorigen Jahre einer bedeutenden Zahl Deutſcher Fuͤrſten die Bedraͤngniſſe des Ordens unter ſchweren Klagen vorgeſtellt, aber ohne Gehör zu finden. Er legte ferner zwar auch den zu Nürnberg verſammelten Land⸗ komthuren des Meiſters Geſuch um Unterſtuͤtzung ſo dringend als moͤglich vor; allein in einem zu Frankfurt verſammelten Ordenskapitel erklaͤrten ſie ſaͤmmtlich, daß ihre Balleien wegen druͤckender Schulden, ſchwerer Kriegsſchaͤden und anderer Be⸗ laͤtigungen durch die Landesfürften gänzlich außer Stand feyen, dem Orden in Preuſſen auch nur den mindeſten Beiſtand zu leiſten.) Endlich erbat ſich und erhielt auch in demſelben Ordenskapitel der bisherige Deutſchmeiſter Ulrich von Lenters⸗ heim wegen Altersſchwaͤche die Entlaſſung von ſeinem Amte und die Ordensgebietiger fanden für zweckmaͤßig, bei der Un⸗ zulaͤnglichkeit der Amtseinkuͤnfte zu einer geziemenden und ſtan⸗ desmaͤßigen Haltung ſtatt eines Deutſchmeiſters vorerſt nur einen Statthalter in der Perſon des bisherigen Komthurs von Blumenthal Reinhard von Neiperg zu erwählen, 9 ) Schr. des Großkomthurs Hans von Tiefen an die Deutſ. Reichsfuͤrſten, d. Nuͤrnberg Mittw. nach Thoma 1478. 2) Schr. der Landkomthure in Deutſchland an den H. d. Frank⸗ furt Dienſt. nach Lätare 1479 Schbl. 98. 38. 3) Schr. der Landkomthure in Deutſchland an d. HM. d. wie vor Schbl. DM. 160 u. Schbl. 98. 37. Schr. des Deutſchmeiſt. Ulrich v. Lentersheim an den HM, d. wie vor Schbl. DM. 159. Schr. des Landkomthurs v. Franken Melchior von Neuneck an d. HM. d. Freit. nach Oſtern 1479 Schbl. 102. 17. Ulrich v. Lentersheim ſagt ſelbſt: er habe das Deutſchmeiſteramt „beiläufig ins 24ſte Jahr“ verwaltet. Er legte es nach den erwaͤhnten Zeugniſſen im Maͤrz 1479 nieder, wo⸗ nach die Angaben bei Bachem Chronolog. der HM. S. 44 zu be⸗
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118 Friedensſchluß mit dem Könige v. Polen. (1479.) Dieß alles entnahm dem Hochmeiſter jede Hoffnung auf guͤnſtigen Erfolg bei fernerem Widerſtand gegen den König. Nun geſchah, daß der Biſchof von Ermland, vom Meiſter auf Heilsberg entſetzt, weil er ſich nicht laͤnger behaupten konnte, nach Koͤnigsberg fluͤchtete. Dort wurde Rath gepflogen, was zu thun ſey. Die Unterthanen des Hochmeiſters und des Bi⸗ ſchofs, der Kriegsbedraͤngniſſe laͤngſt muͤde, drangen mit aller Entſchiedenheit auf Herſtellung des Friedens, denn die erſtern fürchteten immer mehr, daß nach der gaͤnzlichen Unterwerfung Ermlands der ganze Kriegsſturm mit allen ſeinen Graͤueln ſich auch ins Ordensgebiet wälzen werde. Alſo beſchloſſen beide, fi perſoͤnlich zum Könige zu begeben und wo moͤglich eine Ausgleichung zu verſuchen, jedoch unter keiner Bedingung den Huldigungseid zu leiſten.) Sie trafen den König zu Petri⸗ kau, wohin den Meiſter außer mehrern Gebietigern auch der in Stelle des kurz zuvor verſtorbenen Biſchoſs Vincenz Kiel: baſſa neuerwaͤhlte Biſchof von Pomeſanien Johannes und mehre von den Staͤnden, als Konrad von Egloſſtein, Daniel von Kunheim, Landrichter des Brandenburgiſchen Gebietes, Ambro⸗ ſius von Perband u. a. begleiteten. Der Biſchof von Erm⸗ land, durch anweſende Goͤnner und Freunde zu kluger Nach⸗ giebigkeit bewogen, ſchmeichelte dem Könige dadurch, daß er ſofort, ſtatt feine Rechtsanſpruͤche als geltend und entſcheidend hervorzuheben, ſich der koͤniglichen Gnade unterwarf, das Biſthum foͤrmlich zugeſagt erhielt und nun ohne weiteres auch den Eid der Treue leiſtete.) Dieß hatte offenbar für den Hochmeiſter in ſeinen Unterhandlungen mit dem Koͤnige großen Nachtheil. Indeß beharrte er noch feſt in ſeinem Entſchluſſe, ſich nicht zum Vaſallen Polens herabzuwuͤrdigen, denn er ver⸗ traute immer noch auf einige Beihuͤlfe des Koͤniges von Un⸗ gern. Allein auch dieſe Hoffnung entſchwand je mehr und richtigen find. Dem Namen Neiperg finden wir übrigens auch Neip⸗ perg, Neydperg, Neuperg und Nyperg 1) Schütz p. 366. Diugoss. T. II. 578 580. 2) Schütz I. c. Dlugoss. T. II. 581.
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Huldigung des HM. (1479.) 119 mehr, als es zu Ollmuͤtz im Juli zwiſchen Matthias und Ka⸗ ſimir zum fürmlichen Friedensſchluſſe kam.) Erwartend, daß erſterer doch irgend noch guͤnſtig vermittelnd in die Verhoͤltniſſe eingreifen werde, folgte der Meiſter dem Koͤnige von Polen auch nach Neuſtadt Korczin, wohin ſich dieſer von Petrikau be⸗ gab. Dort fanden ſich auch allerdings Ungriſche Bevollmaͤch⸗ tigte ein, die alles aufboten, um eine Ausgleichung zu Stande zu bringen. Mehre Wochen hindurch blieben die Verhandlun⸗ gen ohne Erfolg, weil es der Hochmeiſter, wie er erklaͤrte, Gott und Menſchen zugeſchworen hatte, den Huldigungseid nicht zu leiſten.“ Als indeß die ihn begleitenden Ordensge⸗ bietiger und alle uͤbrigen ſeines Geleites immer dringender durch Vorſtellungen, Ermahnungen und Bitten ihn zu bewe⸗ gen ſuchten, von ſeinem Entſchluſſe abzuſtehen und das Heil und Wohl des Landes zu erwaͤgen, als er dann auch die Nachricht erhielt, daß ſich mittlerweile das Polniſche Kriegs⸗ volk ins Gebiet des Komthurs von Holland geworfen, bereits zwanzig Dörfer ausgepluͤndert und völlig vernichtet habe und daß es offenbar der Hauptleute Plan ſey, nun ins Ordens⸗ land weiter einzudringen,) und als endlich auch die Ungri⸗ ſchen Geſandten erklaͤrten, ihr König, jetzt mit dem von Po⸗ len im Frieden und durch ſeinen Tuͤrkenkrieg viel zu ſehr be⸗ ſchaͤftigt, koͤnne dem Orden nun keine Hülfe ſenden, da beugte ſich der Hochmeiſter, obgleich mit ſchwerbeladener Seele unter das harte Gebot der Nothwendigkeit.) Am neunten October leiſtete er mit allen den Seinigen in zahlreicher Verſammlung in die Hand des Biſchofs von Krakau die Huldigung; zugleich ward auch von allen denen, die den ewigen Frieden noch nicht beſchworen hatten, deſſen Aufrechthaltung eidlich angelobt. 1) Schütz 1. e. Diugoss. T. II. 883. 2) Schütz 1. c. Dlugoss. T. II. 584. 3) Schr. des Statthalters des HM. und Komthurs zu Balga Siegfried Flach v. Schwarzburg, d. Heiligenbeil Dienſt. vor Dominici 1479 Schbl. XXII. 50, 4) Dlugoss. T. II. 384. 5) Dlugoss. T. II. 585.
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120 Huldigung des HM. (1479.) Aber es war der ſchwerſte Tag, den Martin Truchſeß in ſei⸗ nem ganzen Leben zaͤhlte. Wenige Tage darauf ward vom Könige ein Suͤhnungs⸗ Document ausgefertigt, worin er zur feſten Verſicherung des Friedens Folgendes feſtſtellte: er nehme den Hochmeiſter wieder als Fuͤrſten und Rath der Krone Polens auf; die Verweige⸗ rung des Huldigungseides und der daraus entſtandene Unſriede ſolle vergeben und vergeffen ſeyn; für die Loͤſung und Abtre⸗ tung der Schloͤſſer Strasburg, Kulm und Althaus zahle er dem Hochmeiſter in beſtimmten Friſten die Summe von acht⸗ tauſend Unger. Gulden. Lebensmittel, ſchweres Geſchuͤtz und alle Waffengattungen, womit der Hochmeiſter dieſe Schloͤſſer verſorgt, darf er ſich wieder zueignen, alles Uebrige aber ver⸗ bleibt dem Könige, namentlich auch das Kirchengeraͤth, wel⸗ ches nicht der Hochmeiſter dahin gebracht. Die Schlöffer und Staͤdte des Biſthums Pomeſanien, als Marienwerder, Rie⸗ ſenburg, Schönberg, Biſchofswerder und Garnſee, ſowie alle zur Pomeſaniſchen Kirche gehoͤrigen Guͤter tritt der Koͤnig ſo⸗ fort nach der Räumung jener drei erwähnten Schlöffer an den Hochmeiſter ab und uͤberweiſt ſie deſſen Beſitze mit allen Zin⸗ fen und Einkünften. In Ruͤckſicht der vom ehemaligen Biſchofe Vincenz Kielbaſſa der Kirche entfremdeten Schaͤtze und Guͤter ſoll dem Meiſter gegen die, welche ſich deren angemaßt, der Weg Rechtens frei ſtehen. Anſprüͤche, die der Meiſter wider den Biſchof von Ermland oder dieſer gegen jenen erhebt, ſollen des Koͤniges und ſeiner Raͤthe Ent⸗ ſcheidung unterliegen. Die noch obwaltenden Grenzſtreitigkeiten zwiſchen des Ordens und des Koͤniges Landen, namentlich auf der Nehring ſollen durch beiderſeitige Raͤthe unterſucht und ent⸗ ſchieden werden. Die Praͤlaten und Domherrn von Pomeſa⸗ nien, die dem Koͤnige den Huldigungseid geleiſtet, entbindet er dieſes Eides, doch ſollen ſie zur Beſchwoͤrung des ewigen Friedens verpflichtet feyn, 1) Das Original der Urkunde, d. in nova olvitate Korczin feria III ante festum s. Hedwigis 1479 Schbl. III. 1. Einige Punkte die⸗
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Des HM. Plan zu einer Reformation d. Or. (1479.) 121 Nachdem darauf der Hochmeiſter, vom Koͤnige mit koſt⸗ baren Pelzgewanden, Purpurkleidern und Pferden beſchenkt, in feine Lande zurückgekehrt war, traf man nach geſchehener Verabredung ſofort die nöthigen Anordnungen, daß die Urkun⸗ den über das zwiſchen dem Koͤnige von Ungern und dem Or⸗ den geſchloſſene Bündniß in die Hände des Biſchofs von Breslau in Gegenwart eines Polniſchen Notars ausgeliefert und von demſelben alsbald vernichtet wurden, damit durch ihren Inhalt und die darin enthaltenen Ausdrucke nicht Same zu neuen Zwiſtigkeiten ausgeworfen werde. D Ueberhaupt war es von jetzt an des Meiſters eiſrigſtes Bemühen, alles zu ver⸗ meiden, was den Orden auch nur in irgend einer Weiſe in auswaͤrtige Kriegshaͤndel oder ſonſtige Zwiſtigkeiten verwickeln koͤnne. Er erkannte immer mehr, daß ſeine wichtigſte Aufgabe jetzt ſey, eines Theils die Verfaſſung und Disciplin des Or⸗ dens, die im Verlaufe der letzten Jahrzehnde in ſo manchen Punkten durchbrochen und geſtoͤtt worden worden war, durch ſtrengere Auſrechthaltung alter Ordnungen und Geſetze und durch Entwerfung neuer zweckmaͤßiger Beſtimmungen wieder: herzuſtellen, andern Theils durch zweckdienliche Landesgeſetze und eine gutgeordnete Landesverwaltung den geſunkenen Wohl⸗ ſtand des Landes fo viel als möglich wieder emporzuheben. Zu dem erſtern Zwecke wandte er ſich zunaͤchſt an die beiden Meiſter von Deutſchland und Livland mit der Auf⸗ forderung, in allen ihren Konventen eine genaue Viſitation in herkoͤmmlicher Weife anzuordnen, damit im kuͤnſtigen Jahre ein ſes Vertrages führt auch Dlugoss. T. II. 585 an. Bericht des HM. uͤber den Verlauf der Unterhandlungen an den Meifter v. Livland, d. am T. Eliſabeth 1479 XIII. 26. 1) Diugoss. T. II. 586; der Chroniſt erwähnt hier ſelbſt, daß er als Theilnehmer dieſer Begebenheiten ſchreibe; er ſagt: ne quoque iu- vabat actui jurisiurandi duplici, Magistri scilicet Ludovici de Her- lichchausen, qui primus foedus pacis perpetnae cum Casimiro Rege et Regno Poloniae Confecerat, et huic, qui quartus post illum foedus violaverat, interfuisse,
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122 Des HM. Plan zu einer Reformation d. Orb. (1479.) großes Ordenskapitel gehalten und eine durchaus nothwendige „Reformation“ im Orden vorgenommen werden koͤnne. Martin Truchſes ſcheint eingeſehen zu haben, daß der Orden mit ſeinem hundertjaͤhrigen, zum Theil ausgeſtorbenen, geiſt⸗ und finnlofen Formen dem neuen Geiſte der Zeit entgegenſtehe und dieſem Geiſte gegenuͤber in der Starrheit ſeines alten Characters in Sitte und Geſetz ſich nicht mehr werde halten koͤnnen. Er ließ daher in einem zu Koͤnigsberg im November verſammelten Landkapitel zu der von ihm beabſichtigten Reformation des Ordens vorläufig gewiſſe Beſtimmungen entwerfen, die er den beiden Meiſtern zur Begutachtung zuſandte, damit ſie im großen Ordenskapitel naͤher berathen und als Geſetze ins Ordensbuch aufgenommen werden koͤnnten.) Allein er fand darin keines⸗ wegs die erwartete Beiſtimmung. Der Meiſter von Livland Bernhard von der Borg antwortete im Ganzen kalt und uns entſchieden.) Der neue Statthalter des Deutſchmeiſters er: klaͤrte eine Ordensviſitation theils wegen der kriegeriſchen Un⸗ ruhen in Deutſchland und beſonders in den Niederlanden, theils auch wegen der vielen von ehemaligen Soͤldnerhaupt⸗ leuten in Deutſchland an den Orden erhobenen Anforderun⸗ gen und Klagen für aͤußerſt bedenklich, widerrieth die Ab⸗ haltung eines großen Ordenskapitels, ſprach ſich aber zugleich auch im Namen und Auftrage eines von ihm verſammel⸗ ten Kapitels ſeiner Landkomthure mit aller Entſchiedenheit gegen die Stellung aus, in welche ſich der Hochmeiſter von neuem durch ſeinen Huldigungseid gegen den Koͤnig von Polen geſetzt habe. „Euere Gnade, ſchrieb er, hat ſich leider und, wie wir nicht zweifeln, wider eueres Herzens Willen auf dem letztgehaltenen Tage zu Neuſtadt in Polen wieder muͤſſen laſſen weiſen in den letztgemachten bedraͤnglichen Frieden, der in vielen 1) Die Aufträge des HM. für den Hauskomthur v. Königsberg an den Livland. Meiſter, d. in der Octava Eliſabeth 1479 Schbl. XLII. 26. 2) Antwort des Livland. Meiſters auf die an ihn gebrachten Ge⸗ werbe des Hauskomthurs v. Koͤnigsb. d. Wenden Sonnt. vor Thoma 1479 Schbl. XIII. 60.
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Ordensſatzungen. (1480.) 123 Stuͤcken wider unſeres Ordens Stiſtung, Grundfeſte, Privi⸗ legien und Statuten iſt, ſonderlich in dem, daß ihr mitſammt unſeres Ordens Landen und Leuten in Preuſſen mit des Koͤniges von Polen Landen und Leuten Ein Volk und Ein Geſchrei ſeyn und keinen andern Herrn fuͤr eueren Obern halten ſollet, ausgenommen den Papſt, dergeſtalt daß ihr weder in Liebe, noch in Leid von ihm oder ſeinem Reiche weichen, ſondern wider alle des Königreiches Feinde euere moͤgliche Huͤlfe in allen des Reiches Kriegen und Widerwaͤrtigkeiten thun ſollet. Sollte es nun dazu kommen, daß das Koͤnigreich Polen und bas Roͤmiſche Reich in Uneinigkeit geriethen und der Orden in Preuſſen dem erſtern Hülfe und Beiſtand leiſten muͤßte, waͤhrend der Orden in Deutſchland noch dem Rom. Reiche zugethan iſt und angehoͤrt, ſo muß daraus großes Verderben hervorgehen.“ Endlich erwaͤhnt er auch des gefährlichen Punktes, daß fortan auch Polen in den Orden aufgenommen werden ſollten, was „ganz wider des Ordens Fundament und Stiftung ſey“, wes⸗ halb er und feine Gebictiger damit auch nicht einſtimmen und gegen ihr Gewiſſen handeln könnten. Es habe daher auch noch kein Papſt dieſen Frieden beflätigen wollen. b Da es nun auch bei dieſer Anſicht der Deutſchen Ge⸗ bietiger von der Stellung der Ordensverhaͤltniſſe in Preuſſen nicht wahrſcheinlich war, daß ein großes Ordenskapitel zu Stande kommen werde, da es ferner auch dem vom Hoch⸗ meiſter nach Deutſchland geſandten Elect der Pomeſaniſchen Kirche keineswegs zu gelingen ſchien, die dortigen Gebietiger für die beabſichtigte Reformation des Ordens zu gewinnen, 1) Schr. des Statthalters des Deutſchmeiſters u. des Kapitels an den HM. o. D. (der Schluß fehlt) Schbl. DM. 60. Da wir aus der Einladung an die Landkomthure in Deutſchland zum Kapitel, d. Horneck Samſt. S. Barbarä 1479 Schbl. DM. 24 erſehen, daß das Kapitel am Sonntage Cantate 1480 zu Frankfurt uͤber die Verhand⸗ lungen zu Neuſtadt Statt ſinden ſollte, ſo gehoͤrt jenes Schreiben offenbar in dieſe Zeit. 2) Schr. Reinhards v. Neiperg Statthalter des DM, an d. HM. d. Mergentheim Mittw. vor Sebaſtian 1480 Schl. 98, 76.
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124 Ordensſatzungen. (1480.) fo hielt es der Hochmeiſter für zweckmaͤßig, vorerſt wenigſtens für die Ordenskonvente in Preuſſen gewiſſe Satzungen feſt⸗ zuſtellen, die den weſentlichſten Mißbräuchen vorbeugen und manches in Ordnung und Regel bringen ſollten. Er berief deshalb im Maͤrz des Jahres 1480 ſeine Gebietiger aus Preuſſen zu einem ſ. g. Landkapitel nach Königsberg. Man ſtimmte hier allgemein dem Meiſter bei, daß eine durchgreifende Reformation im Orden durchaus nothwendig ſey und deshalb ein großes Ordenskapitel verſammelt werden muͤſſe. Vor allem aber ward fir gut befunden, das alte Geſetz wieder in ſtrengere Ausuͤbung zu bringen, daß kein Ordensbeamter oder Ordens⸗ bruder irgend welches Eigenthum fuͤr ſich erwerben und im Beſitze haben duͤrfe. Dahin zielten auch die weſentlichſten Be⸗ ſtimmungen dieſes Kapitels. Es ward unter andern feſtgeſetzt: jeder Gebietiger, Vogt oder Pfleger ſolle bei allen ſeinen Ein⸗ nahmen und Ausgaben ſtets einen oder zwei Ordensbruͤder um ſich haben und dieſe ſollten ihren Konventsbruͤdern jaͤhrlich ebenſo Rechnung ablegen, wie alle Beamten halbjährlich dem Hochmeiſter. Die Ordensbruͤder, welche ohne Aemter zu ver⸗ walten Geld beſaͤßen, ſollten denen, die der Meiſter umherſende, bei ihrem Eide angeben, was ſie an Gold, Silber u. ſ. w. im Beſitze haͤtten und was ſie davon ausgaͤben. Der Meiſter werde es ihnen nicht nehmen, außer in Faͤllen dringender Noth.) Andere Satzungen und Anordnungen, wahrſcheinlich ebenfalls in dieſem Kapitel genehmigt, betrafen die Pflege der Kranken in den Firmarien, die Behandlung der Konvents bruͤder von Seiten der Gebietiger, die ſtrengere Abhaltung des Gottesdienſtes nach dem Ordensbuche, die Unterlaſſung aller Afterreden und Laͤſterungen unter den Ordensrittern, das Ver⸗ bot des Gevatterſtehens und aller unerlaubten Spiele, die Nachcollatien u. ſ. w. Auch mehre Beſtimmungen uͤber die innere Hausordnung, Kleidung, Spazierreiten u. dgl. wurden für nöthig befunden. Insbeſondere ward auch ſtreng darauf 1) Die Beſtimmungen im Ordenskapitel am 14 Maͤrz 1480 ent⸗ worfen Schbl. LX XI. 52.
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Ordensſatzungen. (1480.) 125 hingewieſen, daß kein Ordensbruder, welches Ranges er auch ſey, irgendwo Geld leihen oder Schulden machen ſolle unter nachdruͤcklicher Strafe nach dem Ordensbuche. Wer aber unter den Gebietigern, Hauskomthuren, Vögten oder gemeinen Kon ventsbrüdern ſtrafbar befunden werde, ſolle auch ohne Anſehen der Perſon wirklich ſeine Strafe nach dem Ordensbuche er⸗ leiden. So zielte alles darauf hin, wie in die Ordensverwaltung fo in das ritterliche Zuſammenleben in den Konventen wieder Ordnung und Disciplin einzuführen.) Es waren ſolche Geſetze jetzt auch darum ſchon um ſo nothwendiger, weil ſeit einigen Jahren die Zahl der Konventsbruͤder durch die Aufnahme junger, rittermaͤßiger Edelleute wieder anſehnlich vermehrt war. Der Hochmeiſter bemühte ſich indeß auch immer noch, die Verſamm⸗ lung eines großen Ordenskapitels ins Werk zu ſetzen, denn nur in einer allgemein durch den ganzen Orden durchgreifenden Verbeſſerung aller Lebens⸗ und Verwaltungsverhaͤltniſſe erſah er ſein einziges Heil und ſeine Rettung.) Was die Anordnung zweckmaͤßiger Landesgeſetze fuͤr die Landesordnung und Landesverwaltung betrifft, ſo hatte der Hochmeiſter ſchon im Jahre 1478 auf einer zu Koͤnigsberg gehaltenen Tagfahrt mit den Abgeordneten der Ritterſchaft und der Städte und unter Mitwirkung der Bifchöfe von Samland und Ermland manche heilſame Verfuͤgungen erlaſſen, welche das Verziehen der Bauern aus den Biſthuͤmern ins Ordens⸗ gebiet und aus dieſem in jene, die Niederlaſſung neuer Ein⸗ zoͤglinge, die Beſetzung des Erbtheiles am Gute durch den 1) Dieſe Beſtimmungen, ſchon in einem Landkapitel zu Koͤnigs⸗ berg am 12 Novemb. 1479 entworfen, erhielten wahrscheinlich in dem Ordenskapitel im Maͤrz 1480 erſt ihre Genehmigung u. Gültigkeit; fie haben ganz dieſelben Worte als Einleitung vorausgeſchickt. 2) Schon im J. 1478 hatte ſich der HM. wegen Aufnahme „ ehr⸗ barer, guter rittermaͤßiger Jungen“ an den Komthur v. Koblenz ge⸗ wandt; deſſen Schr. darüber an d. HM. d. Köln auf Barnabaͤ 1478 Schbl. 106. 116. 3) Schr. des Statthalters des DM. an den HM. d. Frankfurt am T. Invent. Crucis 1480 Schbl. DM. 161.
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126 Ordensſatzungen. (1480.) älteften Sohn, die beſſere Geſindeordnung, die Saͤuberung des Landes von loſem und muͤßigem Geſindel u. dgl. betrafen, ? alles Anordnungen, die ſich aus den damals eben beſtehenden Beduͤrfniſſen und Verhaͤltniſſen als nothwendig aufdrangen und aus der Zeit hervorgingen, denn der Meiſter ließ ſich eben in ſeinen geſetzlichen Anordnungen vor allem durch dle Zeit be⸗ wegen, weil er die Wahrheit wohl erkannt hatte, daß der Menſch nicht der Zeit, ſondern die Zeit dem Menſchen die zweckmaͤßigſten Geſetze giebt. Mit welcher Sorgfalt er aber fort und fort bemuͤht war, das Intereſſe und die Rechte ſeiner Unterthanen ſtets und uͤberall in Schutz zu nehmen und ins⸗ beſondere die Gewerbsthaͤtigkeit der Staͤdte gegen fremde Ein⸗ griffe zu ſichern, bewies er durch ſeine Bevollmaͤchtigten auf einer Tagfahrt zu Preuſſiſch⸗Holland, die auf ſeinen Antrieb im April dieſes Jahres gehalten ward.“ Dort trat der Groß: komthur gegen die Staͤdte Danzig und Elbing unter andern mit der Beſchwerde auf, daß in beiden Staͤdten wider Her⸗ kommen und Recht Bernſteindreher⸗Gewerke zugelaffen ſeyen, die ihren Bernſtein von Dieben kauften, welche ihn dem Hoch⸗ meiſter und dem Biſchofe von Samland zu ſtehlen pflegten, wodurch der Orden auf doppelte Weiſe in Schaden komme. Die Staͤdte laͤugneten das letztere, behauptend, daß ja auch Danzig und das Kloſter Oliva Bernſtein auf ihren Gebieten haͤtten und Danzig daher auch ebenſo gut als Stolpe und Luͤbeck Bernſteingewerke anrichten koͤnne; Übrigens ſeyen dieſe auch keine Neuerung, ſondern die Stadt laͤngſt damit privilegirt. Die Elbinger geſtanden zwar, daß Bernſtein aus dem Ordens: gebiete in ganzen Tonnen in ihrer Stadt verkauft worden ſey, entſchuldigten ſich aber damit, daß ſie vorausgeſetzt, es geſchehe mit des Hochmeiſters Einwilligung oder auf Befehl. Man — — 1) Die naͤhern Beſtimmungen uͤber die Landesgeſetze auf der Tag⸗ fahrt zu Koͤnigsb. Mittw. nach Judica 1478 im Fol. I. p. 8. 29. 2) Darüber Fol. I. p. 54. Schr. des Gubernators Stibor v. Baiſen an den Rath v. Thorn, d. Stuhm Dienſt. zu Oſtern 1480 im Rathsarchiv zu Thorn Cist. XVII. 37,
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Streitverhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1 480.) 127 kam indeß in der Sache zu keiner Entſcheidung. Eben ſo wenig konnte man ſich in den Beſchwerden der weſtpreuſſiſchen Staͤnde uͤber die Schlechtigkeit der Ordensmuͤnze, das vom Hochmeiſter angeordnete Bergegeld von Schiffbruͤchigen, über den im Tief vom Orden neuerhobenen Zoll und uͤber das Ver⸗ bot des Elbingiſchen Bieres in Koͤnigsberg u. dgl. verftändigen, denn alle rechtfertigenden Gründe des Großkomthurs: die Ordensmüuͤnze ſey nicht ſchlechter als die zu Elbing, Thorn und Danzig geſchlagene, das angeordnete Bergegeld ſey ein altes Herkommen und diene den Schiffbruͤchigen offenbar zum Beſten, der Zoll im Tief werde nur von Fremden erhoben u. ſ. w., wurden nicht genugend befunden, und ſo ſchied man von der Tagfahrt, ohne auch nur die wichtigſten Streitpunkte erledigt zu haben. d Deßhalb und weil man ohnedieß wohl wußte, daß zwiſchen des Koͤniges und des Ordens Unterthanen noch wenig nachbar⸗ liche Zuneigung und Freundſchaft herrſchten, hatte man beim Abſchiede von der Tagfahrt noch den Beſchluß gefaßt: es folle in Staͤdte und auf das Land uͤberallhin das Gebot ergehen, „daß die Leute beſcheidene und hübſche Worte von koͤniglicher Majeſtaͤt und dem Herrn Hochmeiſter und feinem wuͤrdigen Orden gebrauchten, auf daß Freundſchaft, Liebe und Einigkeit zwiſchen beiden Theilen erhalten werde.“ 2 Allein was konnten beſcheidene und ſchoͤne Worte unter den Unterthanen viel fruch⸗ ten, wenn ſich die Fürften ſelbſt ſtets noch mit mißtrauiſchem Auge betrachteten? Daſi dieß geſchah, bewies der Koͤnig ſelbſt, denn auf des Meiſters Klage uͤber das vielfache feinen Unter⸗ thanen an den Graͤnzen zugefügte Unrecht, antwortete jener von Wilna aus nicht nur mit gleichen Beſchwerden, beſchuldigte die Ordensgebietiger „der Dieberei, Blutſtürzung, Mörderei, 1) Die Verhandlungen auf dieſer Tagfahrt bei Schiitz u. Fol. I. p. 30—54, wo form zu leſen ſind. 2) Fol. I. p. 54. u. obiges Schr. Stibors v. Baiſen an den Rath v. Thorn a. a. O. 7D 367-368 fie in der größten Vollſtändigkeit in Geſpraͤchs⸗
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128 Streitverhandl. m. d. Kön. v. Polen, Danzig u. a. (1480.) des Diebſtahls auf der Wild⸗ und Biberjagd, an Bienen und Honig, ſelbſt auch des Menſchenraubes, um mit koͤniglichen Unterthanen das Ordensland zu beſetzen“, ſondern fügte ſogar hinzu: man konne gar nicht wiſſen, ob ſolches alles nicht mit des Meiſters Willen geſchehe. Dieſer erhielt daher auf ſeine Klagen nur die ſcharfe Ermahnung: er ſolle feine Gebietiger und Landknechte beſſer im Zaume halten und das von ihnen geraubte Volk wieder ausliefern laſſen.“ Nun ward auf des Hochmeiſters Wunſch eine neue Tag⸗ fahrt zu Elbing anberaumt, um außer andern wichtigen Ver⸗ handlungen auch die Irrungen mit Danzig und Elbing zu befeitigen.? Es erſchienen von Seiten des Ordens der neue Großkomthur Stephan von Streitberg, der Ordensſpittler Hans von Tiefen, Philipp von Angelach Komthur von Holland und mehre aus den Staͤdten und vom Lande. Den Hauptgegen⸗ ſtand der Verhandlungen bildete des Meiſters Forderung wegen Verguͤtung des feinem Gebiete im letzten Kriege zugefuͤgten Schadens. Er ſchlug ihn auf zwanzigtauſend Gulden an, ver⸗ langte jedoch nur die Haͤlſte. Die Polniſchen Bevollmaͤchtigten indeß fanden auch dieſe Summe noch viel zu hoch. Die Ordensgebietiger wollten die Entſcheidung dem Koͤnige anheim⸗ ſtellen; allein die Polen gaben dieß nicht zu, verlangend, man ſolle ſich gegenſeitig vergleichen und doch boten fie im Ganzen nur zweitauſend Gulden als Entſchaͤdigungsgeld. Dann ſtritt man abermals Tage lang uͤber die Rechtmaͤßigkeit des vom Orden beim Tief angeordneten Zolles und uͤber die Bernſtein⸗ dreher⸗Gewerke zu Danzig, ohne daß es irgend zu einer Ver⸗ ſtaͤndigung kam. Man verſchob alles wieder zu einer neuen Tagfahrt.) Auf dieſer ſcheint man ſich auch uͤber die Ent⸗ 1) Schr. des Koͤniges v. polen an den HM. d. Wilna Mittw. vor Pfingſt. 1480 Schbl. X XVII. 32. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an den HM. d. Wilna am T. Petri u. Pauli 1480 Schbl. XXVII. 33. 3) Die Verhandlungen dieſer Tagfahrt am zweiten Tage vor vin- cula Petri 1480 im Fol. I. p. 56 — 68.
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Streitverhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1481.) 129 ſchaͤdigungsſumme von dreitauſend Gulden endlich ausgeglichen zu haben. Allein als der König durch den Hauptmann auf Stuhm Nicolaus von Baiſen die Haͤlfte der Summe auszahlen laſſen wollte, D erfolgten neue Irrungen, weil der Koͤnig die Form einer Quittung vorgeſchrieben, die der Hochmeiſter an⸗ ſtoͤßig fand, worüber es zu neuen Eroͤrterungen kam. Die Sache betraf anſcheinend zwar nur Kleinigkeiten, z. B. der Meiſter ſolle bei der Beſiegelung das Konventsſiegel ge⸗ brauchen und der Schaden, den der Orden erlitten, ſolle den Dienſtleuten um der Geldſumme willen abgekuͤrzt werden. Nicolaus von Baiſen indeß ließ ſich auf eine Veränderung der Form durchaus nicht ein; der Meiſter, deshalb um jo miß⸗ trauiſcher, ahnete verſteckte Abſichten, die dem Orden zum Nachtheil gereichen könnten.) Erſt nachdem man drei volle Monate uͤber die Sache gehadert und das Konventsſiegel end⸗ lich nachgelaſſen war, erhielt der Hochmeiſter die Zahlung. 9 Man erſah auch hieraus wieder „wie wenig man des Königes Verſicherungen in Ruͤckſicht feiner aufrichtigen Geſinnung gegen den Orden trauen zu dürfen glaubte. ® Stoff zu Mißhelligkeiten gab es Überhaupt noch in vollem Uebermaaße. Der Streit uͤber die Münze dauerte noch immer fort. Der König hatte den Entſchluß gefaßt, den Hochmeiſter entweder zu bewegen, die Ordensmuͤnze mit der in den Pol⸗ 1) Schr. des Hauptm. Nicolaus v. Baiſen an d. HM. d. Stuhm Mont. vor Thoma 1480. 2) Daruͤber Gewerbe an den König v. Polen o. D. Schbl. XXVII. 43. Schr. des Nicolaus v. Vaiſen an d. HM. d. Stuhm Mittw. nach Epiphania 1481 Schbl. XXXIX. 7. Schr. des HM. an Nicolaus v. Baiſen, d. Dienft, vor Converſ. Pauli 1481 Schöl. XIIX. 9, 3) Quittung des HM. über 1500 Ung. Gulden, d. Koͤnigsb. Mont. nach Oculi 1481 Schbl. XXVII. 42. Der HM. mußte erklaͤren: der Schade ſey durch des Koͤniges Dienſtleute geſchehen „ohne allen Willen u. Befehl ſeiner Majeſtaͤt.“ 4) Auch aus dem erwaͤhnten Schr. des Nicolaus v. Baifen ergeben ſich Beweiſe von dem noch obwaltenden großen Mißtrauen. 1 . 9
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130 Streitverhandl. m. ein. Söldnerhauptleuten. (1481.) niſchen Landestheilen geſchlagenen nach gleichem Gehalte und Korn zu ſchlagen oder ihm den Münzhammer ohne weiteres zu unterſagen.) Auch die Graͤnzirrungen zwiſchen Litthauen und dem Ordensgebiete konnten auf keine Weiſe ausgeglichen werden, denn es fruchtete nichts, daß der Hochmeiſter den mit dem Geſchaͤfte der Graͤnzberichtigung beauftragten Hauptmann von Samaiten Johann Kynßgailowitz durch Ueberſendung eini⸗ ger zur Erfriſchung und Staͤrkung dienenden Getraͤnke dem Orden geneigt zu ſtimmen ſuchte; er erhielt dafuͤr als Gegen⸗ geſchenk hundert Rebhuhner und die Sache blieb beim Alten. Ueberdieß bedraͤngten den Meiſter wieder mehre der ehemaligen Soͤldnerhauptleute mit ihren Forderungen auf die aͤrgſte Weiſe, denn obgleich er ſeit Jahren wie ſein Vorgaͤnger alle Mittel aufgeboten, ſich der Schuldenlaſt zu entledigen, ſo war ihm die völlige Tilgung derſelben doch bis jetzt nicht moͤglich geweſen. Der Hauptmann Adam von Wegen und mit ihm einige andere hatten deshalb, obgleich man ihnen durch theilweiſe Abzahlungen mit Geld, Getreide, Gewand, Honig u. a. Befriedigung an⸗ geboten, dem Orden foͤrmlich Fehde angekündigt, zogen mit ihren Leuten in den Staͤdten des weſtlichen Preuſſens umher und verſuchten von dort aus Einfaͤlle ins Ordensgebiet, fo daß der Hochmeiſter den Hauptmann von Stuhm Nicolaus von Baiſen aufs ernſtlichſte auffordern mußte, die ſrechen Haupt⸗ leute in keiner Stadt mehr zu dulden, welches Geſuch ihm dieſer auch erfüllte.) Noch weit harter bedraͤngten den Meiſter ſchon ſeit dem vorigen Jahre die beiden Schleſiſchen Herzoge Wenceslaus und Hans von Sagan, die beinahe noch die ganze 1) Schr. des Hauptm. Nicolaus v. Baiſen an den Rath v. Thorn, d. Stuhm am T. Annuntiat. Mariä 1481 im Rathsarch. zu Thorn Cist. XVII. 34. 2) Schr. des Hauptmannes v. Samaiten an d. HM. d. Wilna Sonnt. nach Purif. Marid 1481 Schbl. XIIII. 16. XVI. 1. 3) Schr. des HM. an den Hauptm. zu Stuhm Nicolaus v. Baiſen, d. Koͤnigsb. Mont. nach Aegidii 1480. Schr. des Hauptm. zu Stuhm an den Rath v. Thorn, d. Stuhm Mont, nach Nativit. Maris 1480 im Rathsarch. zu Thorn Cist. XVII. 34.
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Streitverhandlungen mit dem Herzog v. Sagan. (1481.) 131 Soldſumme von vierzigtauſend Gulden vom Orden zu fordern hatten. Die Mahnungen des letztern waren um fo nachdruͤck⸗ licher und dringender, da er aus einigen Entſchuldigungen wegen noch nicht geleiſteter Zahlung ſchon die Vermuthung gefaßt, der Meiſter verweigere überhaupt die ganze Zahlung. » Da er nun im Anfange dieſes Jahres ſeine Sendboten aber⸗ mals aus Preuffen ohne Erfolg zurückkommen ſah, ſo wandte er ſich nochmals an den Hochmeiſter im bitterſten Zorne, warf dem Orden vor, daß er den größten Theil des Landes nur durch ſeine Hoffahrt und ſeinen Uebermuth verloren, Wittwen und Waiſen gemacht und unſchuldiges Blut vergoſſen habe u. ſ. w. „Glaubet ihr, ſchrieb er, auch ſo mit uns verfahren zu wollen, um euere Lande ganz und gar verheeren und ver⸗ decben zu koͤnnen? Ihr thut dieß darum, weil euerer keiner etwas Erbliches darin hat. Aber ihr muͤſſet nicht glauben, daß ihr fromme Landesfinften, ſtatt ihnen euere Briefe und Siegel zu halten, mit ſpoͤttiſchen Worten bezahlen koͤnnet, da ihr unſerer lieben Frauen Gut nicht denen, die es verdient haben, ſondern Huren und Buben gebt, wie vordem geſchehen iſt, was unſere liebe Frau nicht ungerächt laſſen wird.“ Er drohte dann dem Meiſter: ſofern man ihn nicht befriedige, ſo werde er den Orden fortan nicht mehr ſo in Ruhe und Frieden ſitzen laſſen, aber zugleich auch deſſen Briefe und Siegel am kaiſerlichen und allen fuͤrſtlichen Höfen und beim ganzen Deut⸗ ſchen Adel bekannt machen, damit ſich inskuͤnftige jedermann vor dem Orden hüten moge. Da ſich der Herzog üͤberdieß auch beim Könige von Polen aufs bitterſte über den Orden beklagt, fo ließ ſich der Meiſter bei dieſem fo viel als möglich entſchuldigen, bat um deſſen Schutz gegen etwanige Feindſelig⸗ 1) Schr. des Herzogs Wenceslaus v. Sagan an d. HM. d. Breslau am T. Priſck 1480 Saul. IX. 130. Schr. des Herzogs Hans v. Sagan an d. HM » d. Groß⸗Glogau Mittw. nach Präfent, Mariä 1480 Schbl. LXXV. 69 2) Schr. des Herzogs Hans v. Sagan an den HM. u. die Ordensgebietiger, d. Groß⸗ Glogau Dienſt. vor Mariä Lichtweihe 1481 Schbl. IX. 141, a g*
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132 Streitverhandlungen m. d. weſtpreuſſ. Standen. (1482.) keiten des Herzogs, wandte ſich aber zugleich an des letztern Marſchall Kaspar Zabel mit der Bitte, des Herzogs Zorn möglichft zu beruhigen. Dieß gelang auch. Herzog Wenceslaus entſagte bald darauf allen Anſpruͤchen auf die Schuldforderung zu Gunſten feines Bruders.) Dieſer fandte im naͤchſten Jahre 1482 eine neue Geſandtſchaft nach Preuſſen; es kam ein Ver⸗ gleich zu Stande, nach welchem der Herzog ſich dazu verſtand, ſich in beſtimmten Zahlungsſriſten befriedigen zu laſſen und ſchon im Jahre 1483 war die ganze Schuld entrichtet. 9 Mit dem Anfange des Jahres 1482 hoffte nun der Hoch⸗ meiſter auch die Streithaͤndel mit den Ständen des weftlichen Preuſſens ausgeglichen zu ſehen. Es ſollte dieß auf einer Tag⸗ fahrt zu Elbing geſchehen, wohin, wie der König ausdruͤcklich befahl, ſich jeder begeben ſollte, der irgend über Beeintraͤchtigung zu klagen habe. Wie von Seiten der koͤniglichen Beamten in des Koͤniges Landen allgemeine Aufforderungen ergingen, ® fo erſchienen dort im April auch der Hochmeiſter ſelbſt, der Groß⸗ komthur Stephan von Streitberg, mehre Komthure und Abgeord⸗ nete der Staͤnde, außerdem auch die Biſchoͤfe Stephan von Kulm, Nicolaus von Ermland, Johannes von Samland und Johannes von Pomeſanien, der bereits ſeit zwei Jahren ſein biſchoͤfliches Amt verwaltete,“ freilich nicht ohne die ſchwerſten Sorgen, denn ſeine Einkuͤnfte waren noch ſo gering, daß er, wie er 1) Gewerbe an den König v. Polen (1481) Schöl. XXVII. 43. 2) Original- Urk. des Herzogs Wenceslaus v. Sagan, d. Breslau am T. Antonii 1482 Schbl. 31. 25. Schr. des Marſchalls des Herzogs v. Sagan an d. HM. d. Wartenberg Freit. vor Aegidii 1481 Schbl. IX. 94. 3) Original ⸗Urk. des Herzogs Hans v. Sagan, d. Groß = Glogau am T. des h. Wenceslaus 1482 Schbl. 31. 28. 26. 27. Die Urkunde, worin der Herzog den Orden von aller Schuld los u. ledig ſagt, d. Groß⸗ Glogau Mittw. nach Judica 1483 Schbl. 31. 29. 4) Schr. des Kulmiſ. Woiwoden und Hauptm. zu Rheden Nico⸗ laus v. der Damerau an den Ordensmarſchall, d. Rheden Mittw. nach h. drei Könige 1482 Schbl. LXXXV. 51. 5) Die Beſtatigungsbulle des Papſtes, d. Romae XVIII. Cal. Maji 1480 P. a. IX Schbl. XIV. 6.
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Streitverhandlungen mit Danzig u. a. (1482.) 133 ſelbſt ſagt, nicht einmal ein eigenes Pferd halten und das ſeiner Würde angemeſſene Geſinde ernähren konnte. Seine Armuth ließ es daher auch nicht zu, lange auf der Tagfahrt zu vers weilen, wiewohl er ſchwere Klagen über die Ungerechtigkeiten, die ihm von Marienburg aus geſchehen waren, zu führen hatte. Der Hochmeiſter begann in zahlreicher Verſammlung die Ver⸗ handlung abermals mit feinen Beſchwerden uber die Bernſtein⸗ dreher⸗Gewerke in Danzig und uber die bedeutenden Verluſte, die der Orden nicht bloß durch das Vorhandenſeyn der Ge⸗ werke ſelbſt, ſondern auch durch die Diebercien erleide wozu die Gewerke Anlaß gaͤben, indem in Danzig ſelbſt die Bernſtein⸗ diebe immer Schutz und Unterhalt faͤnden. Die Danziger indeß laͤugneten dieß theils, theils ſtellten ſie ihm wieder die erwaͤhnten Behauptungen ihrer ſtaͤdtiſchen Rechte entgegen, bis man end⸗ lich zu dem Beſchluſſe kam, die ganze Streitſache der Ent⸗ ſcheidung des Koͤniges anheimzuſtellen. Eben ſo wenig konnte man ſich uͤber eine Menge anderer Klagpunkte, die der Meiſter zur Verhandlung brachte, in irgend einer Weiſe vereinigen, denn obgleich die Tagfahrt eine geraume Zeit dauerte, ſo ſchien es doch faſt, als ſey man nur zuſammengekommen, um ſich durch ein eben fo langweiliges als nutzloſes Hin⸗ und Her: reden in Klagen und Beſchwerden gegenſeitig zu ermuͤden 3 nicht eine einzige Klagſache wurde völlig ausgeglichen. Wie gewöhnlich ward eine neue Tagfahrt aufgenommen, auf welcher alles zu weiterer Berathung kommen follte, 2 1) Schr. des Biſchofs Johannes v. Pomeſanien an d. HM. d. Marienwerder Mont. nach Durfimodogen. 1482 Schbl. LXVI. 75. Ueber die große Armuth des Biſchofs eine Urkunde deſſelben, d. Marien⸗ werder am T. Kreuz-Erhoͤh. 1496 Schöl. L. 41; er fagt darin ſelbſt, daß er kein eigenes Pferd und keine Mark Geldes gehabt, mit großen Schulden beladen geweſen, feine Kirche zerſchoſſen, die Gewölbe ein⸗ geſtuͤrzt, die Schloͤſſer zu Marienwerder und Rieſenburg zerfallen und ohne Dach geweſen ſeyen. Der HM. hatte zu ſeiner Reiſe nach Rom, zur Erlangung ſeiner Beſtaͤtigung alle Koften beſtreiten und ihn nach feiner Ruͤckkehr mit Wagen und Pferden, ſelbſt mit den noͤthigen bi⸗ ſchoflichen Gewanden u. dgl. verſorgen muͤſſen. 2) Dic Verhandlungen dicſer Tagfahrt im Auszuge bei Schütz
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134 Streit weg. der Getreide - Ausfuhr a. d. Tief. (1482.) Nur mit tief niederbeugendem Gefuͤhle der Trauer konnte der Meiſter die Tagfahrt verlaſſen, wenn er ſah, wie es ihm bei der Hartnaͤckigkeit ſeiner Gegner, unter denen jetzt ſelbſt der Biſchof von Ermland keiner der geringſten war, auf keine Weiſe gelingen konnte, ſein Recht auch nur in einem Streit⸗ punkte gegen eine einzige Stadt entſchieden behaupten zu koͤnnen, denn es half ihm auch nichts, daß er dem Rathe von Danzig bald darauf mehre Bernſteindiebe wirklich namhaft machte, die ſich in Danzig aufhielten.) Vielmehr erhob ſich wieder ein neuer Streit. Da der Hochmeiſter naͤmlich wegen der im Lande herrſchenden Theurung ebenſo, wie der Koͤnig in Litthauen, die Ausfuhr des Getreides verboten und zugleich den Elbingern und Braunsbergern die Warnung hatte zugehen laſſen, kein Getreide aus dem Tief auszuführen, fo war daruber ſchon auf der Tagfahrt zu Elbing Zwiſt entſtanden, indem Nicolaus von Baiſen behauptete: ein ſolches Verbot widerſtreite dem ewigen Frieden, nach welchem alle Straßen und Ströme dem Kauf: manne offen und frei ſeyn ſollten. Der Hochmeiſter hatte ſich damals nicht bloß auf das Beiſpiel der Danziger, die ebenfalls die Ausfuhr verboten, ſondern auch auf fein landesherrliches Recht berufen, worin er ſich nicht die Haͤnde binden laſſen werde.) So war die Sache damals uneroͤrtert geblieben. Nach der Heimkehr nach Königsberg aber hielt der Hochmeiſter mit Landen und Staͤdten eine naͤhre Berathung daruͤber, in deren Folge das Verbot der Getreidcausfuhr bis zur neuen Erndte gut geheißen und beſtaͤtigt wurde. Darauf trat der Meiſter aber mit der Erklarung auf: die Schuldforderung des Herzogs von Sagan und die Mahnung des Koͤniges von Polen wegen endlicher Entrichtung dieſer Schuld dringe den Orden zu einem Vertrage mit ihm; dieſem genügen zu loͤnnen, muͤſſe er v. 368 — 369, ſehr ſpeciell mit allen in die Weite und Breite gehaltenen Reden im Fol. I. P. 84 — 100. 1) Schr. des HM. an die Danziger, d. Koͤnigsb. Freit. intra octavas corpor. Christ. 1482 im Fol. 1. p. 109. 2) Fol. I. h. 97. 105.
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— Streit weg. der Getreide⸗Ausfuhr a. d. Tief. (1482.) 135 ein außerordentliches Mittel ergreifen, denn bei der großen Ar⸗ muth und Theuerung im Lande müffe das Volk geſchont werden. Nun hätten aber eine Anzahl von Kaufleuten aus Thorn, Dan⸗ zig und Elbing ſich erboten, ihm von der Laſt Getreide, die er durchs Tief gehen laſſe, eine gewiſſe Geldabgabe zu entrichten. Da ſie das Getreide aus fremdem Lande und nicht aus dem Ordensgebiete braͤchten, ſo koͤnne dieſe Ausfuhr dieſem auch keinen Schaden, dem Orden aber großen Nutzen bringen. Dann eröffnete der Meiſter den Verſammelten auch fein Vorhaben, zum Gewinne einiger Geldmittel auch ſelbſt vier⸗ bis fünf: hundert Laſt Getreide ausſühren zu laſſen, jedoch ohne daß das Tief dadurch als geoͤffnet betrachtet werden ſollte, und auch darüber befragte er Lande und Staͤdte um ihren Rath. Sie ertheilten eine etwas zweideutige Antwort, die er jedoch für ſich günftig auslegte. Die Sache wurde indeß zumal in Koͤnigs⸗ berg hoͤchſt uͤbel aufgenommen, denn kaum war ſie bekannt, als die Buͤrgermeiſter ſich daruͤber ſehr bitter äußerten: „Iſt denn, hieß es, der Hochmeiſter nun ein Kaufmann geworden? Weiß er denn nicht, daß eben darum, weil vor dem Kriege die Ordensherren Kaufgeſchaͤfte trieben, ſich der Krieg erhoben und ſie deshalb aus ihrem Lande verdraͤngt worden ſind? Kann dieß auch jetzt nicht wieder geſchehen?“ v Bon andern hörte man: „Darum alſo kuͤſſet der Hochmeiſter das Evangelium, damit das, was er ſpricht, nicht wahr ſeyn und von ihm nicht gehalten werden dürfe? Er verbietet die Ausfuhr, erlaubt fie ſich aber ſelbſt?“ Dabei jedoch blieb es nicht. Die Näthe der drei Städte Königsberg insgeſammt erſchienen vor dem Meiſter mit der Erklaͤrung: man habe nicht ohne den bitterſten Unwillen vernommen, daß zu der Staͤdte großem Nachtheil am Tief ein neuer Kornmarkt errichtet werden folle, was man doch 1) Darauf ſpielt auch Detmar an, wenn er B. II. S. 207 ſagt: darto weren fe (die Ordensritter) kopluͤde, wente fe hadden er eghene ſchepe unde ſenden er egbene gud in vlanderen, in hollant unde in engelant; darane weren ſe to vorvanghe den ſteden unde deme kop⸗ manne alſo langhe, dat de ſtede des nicht lenk liden en wolden unde fetten ſik umme duſſe ſtüͤcke willen teghen den orden. *
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136 Innere Ordens⸗ und Landesverhaͤltniſſe. (1482.) den Unterthanen nicht geſtatten wolle. „Ich weiß nichts von einem ſolchen Kornmarkte am Tief, erwiederte der Meiſter. Wem ich erlaubt habe, Korn auszuführen, dem will ich's auch halten ohne Schaden fuͤr euch. Mich nimmt uͤberhaupt Wunder, daß ihr daran Anſtoß nehmet, daß ich dem Kaufmanne aus des Koͤniges Landen gegen eine Abgabe an meinen Orden die Ausfuhr zugeſtehe. Euch bringt es keinen Schaden und braͤchte es ſolchen dort, ſo wuͤrde man es dort auch verbieten.“ Der Meiſter blieb ſomit bei ſeinem Beſchluſſe und auf dieſe Weiſe eben ſcheint es ihm auch gelungen zu ſeyn, den Herzog von Sagan in ſeiner Forderung ſo bald zu befriedigen. Dieſe aͤußeren Störungen hatten den Meiſter nicht abgehalten, ſeine Bemuͤhungen zur Berufung eines großen Ordenskapitels zur Verbeſſerung der Ordensverfaſſung fortzuſetzen. Im Ein⸗ verſtaͤndniſſe mit ſeinen oberſten Gebietigern, dem Großkomthur Stephan von Streitberg, dem Ordensmarſchall Nicolaus von Gebſattel, dem Ordensſpittler Hans von Tiefen, dem Oberſt⸗ Trappier Erasmus von Reitzenſtein und den Komthuren des Landes hatte er bereits gegen Ende des vorigen Jahres den Komthur von Oſterode Emerich von Drahe, ſeinen Secretaͤr Nicolaus Kreuder und einige andere mit der gewoͤhnlichen Voll⸗ macht als Viſitirer nach Livland, Deutſchland, Böhmen, Ita⸗ lien und in die Übrigen Ordenslande ausgeſandt, um überall den ganzen Zuſtand des Ordens gründlich unterſuchen zu laſ⸗ ſen.) Der Meiſter von Livland aber wandte ſeine Streitſache mit dem Erzbiſchofe von Riga, den Mißwachs der Jahre, die Gefahr ſeines Landes vor den Ruſſen, ) die Abweſenheit vieler ſeiner Gebietiger von ihren Konventen, ſelbſt die noch nicht erfolgte Zuſtimmung des Deutſchmeiſters vor, um die Ordens⸗ Viſitation und damit auch die Verſammlung eines General⸗ 7 1) Die Verhandlungen dieſer Tagfahrt im Fol. I. p. 105 — 107. 2) Die an die Gebietiger in Deutſchland gerichtete Vollmacht für die Viſitirer, d. Koͤnigsb. 24 Nov. 1481 Schbl. 98. 11. 3) Detmar B. II. S. 421.
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Innere Ordens⸗ und Landesverhoͤltniſſe. (1482.) 137 kapitels zu hindern.) Reinhard von Neiperg, auf Erſuchen der Gebietiger in Deutſchland ſchon im vorigen Jahre in das Deutſchmeiſteramt foͤrmlich eingeſetzt, ) nahm zwar die Ordens⸗ Viſitirer freundlich auf und ſchien jetzt auch in die Verſamm⸗ lung eines großen Kapitels einzuwilligen; er meldete jedoch bald darauf dem Hochmeiſter: der Meiſter von Livland habe auch ihm mit mancherlei Gründen die Aufnahme der Viſitirer und ein Generalkapitel ſehr widerrathen; man ſey uͤberhaupt in Livland über den Hochmeiſter bitter erzuͤnnt, weil man erfahren, daß er ſich des neuen Erzbiſchofs von Riga mit allem Eifer annehme und ihn durchaus in ſeine Wuͤrde einzufuͤhren ſuche. Der dortige Meiſter habe ſogar erklaͤrt, daß wenn der Hoch⸗ meiſter fortfahre, auf feinem Plane zu verharren, der Livlaͤn⸗ diſche Orden nothwendig darauf bedacht ſeyn müffe, einen an⸗ dern Beſchuͤtzer zu Hülfe zu rufen, woraus dann eine Spaltung im Orden erfolgen muͤſſe, die zum größten Unheil führen konne. Der Deutſchmeiſter hatte nun zwar den Lrlaͤnder aufs drin⸗ gendſte vor einem ſolchen Schritte gewarnt und ihm Vertrauen zu des Hochmeiſters redlichen Abſichten einzuflößen geſucht; d“ indeß ſah dieſer doch ein, daß er unter ſolchen Umſtaͤnden den Livlaͤndiſchen Meiſter vorerſt nicht weiter bedraͤngen duͤrfe. So in der Reformation des Ordens immer noch gehindert wandte der Meiſter ſeine Thaͤtigkeit um ſo eifriger der innern Landesverwaltung zu. Zahlreiche Ländliche Verſchreibungen uͤber viele bis jetzt noch unbeſetzte und durch die Kriegszeit in Ver⸗ wuͤſtung gerathene Güter und Erbtheile beweiſen, wie ſehr er die Kultur des Landes, den Ackerbau und uͤberhaupt laͤndliche Induſtrie wieder emporzuheben bemuͤht war.) Zu gleichem 1) Schr. des Livland. Meiſters an den HM. d. Wenden Sonnt. nach Luciaͤ u. am T. des Apoft, u. Evangel. Johannis 1481 Schl. XIII. 17. XXVI. 33. 2) Schr. des Landkomthurs v. Franken im Namen der Gebietiger in Franken an d. HM. d. Freit. vor Margaretha 1481 Schbl. DM. 59. 3) Schr. des Deutſchmeiſters an den HM. d. Horneck Mont. nach Pfingſt. 1482 Schbl. XI. III. 43. 4) Die Verſchreibungen aus die 0 en Jahren ſehr zahlreich in den Verſchreibungsbuͤchern des geh. Archivs zu Koͤnigsberg.
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138 Innere Ordens⸗ und Landesverhäͤltniſſe. (1482.) Zwecke ward in Berathung mit den Staͤnden des Landes zu Bartenſtein eine neue Landesordnung entworfen, in welcher in Beziehung auf Geſindeordnung, beſonders in Betreff des Preuſ⸗ ſiſchen Geſindes theils mehre ältere Geſetze erneuert, theils auch neue hinzugefügt wurden. Wir erſehen daraus, daß es immer noch nothwendig war, auf den Unfug von Zauberern und Zauberinnen ein wachſames Auge zu haben. Preuſſiſches Ge: finde ſollte ſtrenger zum Gottesdienſte angehalten werden; aber in Staͤdte ſolle man es nicht aufnehmen, es auch nie ein Hand⸗ werk lernen laſſen. Andere Verordnungen regelten das Dienſt⸗ verhaͤltniß der dienenden Klaſſe zur Herrſchaft; ſtreng ſolle dar: auf geſehen werden, Dienſtloſigkeit und Muͤſſiggang der niedern Volksklaſſe moͤglichſt abzuſtellen und das Geſinde zu Ordnung und Fleiß anzuhalten. Viele daruͤber gegebenen Verordnungen ſind aͤußerſt verſtaͤndig und einſichtsvoll abgefaßt. Andere be⸗ zweckten die Heilighaltung des Sonntages und der heil. Feſt⸗ tage. Nur in Nothfaͤllen ſollte mit beſonderer Erlaubniß des Pfarrers am Sonntage Arbeit Statt finden duͤrfen. Mehre Beſtimmungen zielten auf ſorgſame Wachſamkeit auf richtiges Maaß und Gewicht, auf das Verbot des Vorkaufes, auf Tuͤchtig⸗ keit der Arbeit unter den Handwerksleuten auf dem Lande. Auch das Verbot ungewoͤhnlicher Hochzeitsmahle und die ſ. g. Kindelbiere unter den armen Leuten mußte wieder erneuert und für fie ſowohl, als fir die unter den Preuſſen herkoͤmm⸗ lichen Zarme oder Zirme beſchraͤnkende Geſetze gegeben werden.“ Auch das fruͤhere Geſetz wegen Abſchaffung der Bierbußen in 1) Es heißt: die gemeynen freyen, Scholzen der doͤrffer VI ſchuͤſſel und die flechten gebawer zu dreyen ſchuͤſſeln, yr uff eyne ſchuͤſſel vier menſchen gerechnet und nicht hoͤer, alſo das die hochzeit ober II tag nicht weren ſol. Zu den kyndelbieren ſollen alleyne die Paten und die negſten fründe IV werden gerufen, fo das newer eyne molzeit geſchee. Wer dawider thut, der ſoll dir hirſchafft III gute marg ſeyn verfallen. Item zu den Zirmen, die die Prewſen pflegen zu haben, ſoll uffs hoͤchſte eyne tonne bier getrunken werden. Der Zarm war ein Gaſtmahl bei Beerdigung eines Verſtorbenen für die naͤchſten Freunde und An⸗ verwandten; ſ. Hennig Preuſſ. Woͤrterbuch S. 308.
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Der Erzbiſchof Stephan v. Riga in Preuffen. (1483.) 139 Staͤdten und Doͤrfern, ihrer Umwandlung in Geldbußen und deren Verwendung zur Bewehrung der Städte und für die Gemeine⸗Bedünfniſſe der Dörfer mußte man wieder in Kraft ſetzen. Mehre andere Geſetze ſollten mehr Ordnung in Handel und Verkehr auf dem Lande bringen; jeder Landmann ſollte ſich feine noͤthigſten Bedürfniffe, Salz, Tuch u. dgl. kaufen dürfen, wo er wollte; aber keinem Schotten, Englaͤnder, Hol⸗ laͤnder oder ſonſtigen Fremdlingen ſollte erlaubt ſeyn, zum Ver⸗ kaufe ihrer Waaren auf dem Lande umherzuziehen u. f. . „ Je thaͤtiger aber in ſolcher und aͤhnlicher Weiſe der Hochmeiſter mit der Aufnahme und Wohlfahrt ſeines Landes beſchaͤftigt war, um fo mehr wuͤnſchte er auch zur Belebung des Handels und Verkehrs die Irrungen und Streitigkeiten mit den Staͤnden der koͤniglichen Lande, namentlich mit Danzig und Elbing beſeitigt zu ſehen. Es ward zu dem Zwecke im Januar des Jahres 1483 eine neue Tagfahrt zu Chriſtburg gehalten. Allein es kam auch jetzt trotz tagelanger Verhand⸗ lungen zu keiner Ausgleichung; man ſtellte Klagen gegen Klagen, Forderungen gegen Forderungen, bis ſich endlich alles wieder in den leeren Beſchluß auflöfte: die Entſcheidung uͤber alle die verhandelten Streitfragen dem Könige anheimzuſtellen. 2 Nicht einmal uͤber die Berichtigung der Graͤnzen auf der Nehring hatte man uͤbereinkommen konnen, ſondern auch dieſe wieder auf eine neue Tagfahrt verſchoben. 9 , Um eben dieſe Zeit aber ward der Meiſter noch mehr als bisher in die ärgerlichen Streithaͤndel des Erzbiſchofs Stephan 1) Die Landesordnung mit noch mehren einzelnen Beſtimmungen, auf dem Landtage zu Bartenſtein am T. Hedwigs 1482 entworfen im Fol. I. Dp 80 - 83. 2) Schr. des Hauptm. Nicolaus v. Baiſen an den Rath v. Thorn, d. Stubm Dienſt. Felicis Confeſſ. 1483 im Rathrarchiv zu Thorn Cist. XVII. 34. Die vollſtaͤndigen Verhandlungen auf dem Tage zu Chriſtburg am Sonnab. Converſ. Pauli 1483 im Fol. I. p. 136 — 151; im Auszuge bei Schütz p. 369 — 370. ) Schr. des Hauptm. Nicolaus v. Baiſen an d. HM. d. Stuhm Dienſt. nach Invocavit 1483 Schbl. XXXIX. 12.
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140 Der Erzbiſchof Stephan v. Riga in Preuſſen. (1483.) von Riga verwickelt. Schon vor einigen Jahren hatte er vom Papſte die Weiſung erhalten, dem ganz gegen den Willen des Meiſters und des Ordens in Livland vom paͤpſtlichen Hofe zum Erzbiſchof von Riga ernannten Stephan Grube, damaligen Ordensprocurator, unter allen Umſtaͤnden in den Beſitz der Rigaiſchen Stiftsguͤter zu verhelfen.) Die hoͤchſtbedenklichen Verhaͤltniſſe indeß, in welche der Livlaͤndiſche Meiſter durch ſeinen Streit mit dem Erzbiſchofe einer Seits mit dem Roͤm. Stuhle, anderer Seits auch mit dem Hochmeiſter ſelbſt bereits gekommen war, hatten dieſen abgehalten, ſich in den Streit viel einzulaſſen, zumal da ſelbſt fein dem Livlänbifchen Meiſter ertheilter Rath, ſich wo möglich mit dem Erzbiſchofe verſoͤhnend auszugleichen, bei jenem ſchon den Argwohn erweckt hatte, daß er auf des Erzbiſchofs Seite ſtehe.) Nun war dieſer letztere, nachdem er vom Papſte die Befugniß erhalten, nicht nur den dritten Theil der Einkünfte von dem dem Biſthum Pomeſanien bewilligten allgemeinen Ablaſſe, ſondern auch alle in Preuſſen, Livland und in der Umgegend fuͤr die paͤpſtliche Kammer ge⸗ ſammelten Gelder in Empfang zu nehmen und nach Rom zu fördern, gegen Ende des vorigen Jahres auf ſeiner Ruͤckkehr von Rom in Thorn und Danzig angelangt.) Von letzterer Stadt aus machte er alsbald den vom Papſte muͤndlich er⸗ haltenen Auftrag bekannt, daß der Biſchof von Pomeſanien zur Wiederherſtellung ſeines verarmten und verwuͤſteten Biſthums den vom Papſte im Jahre 1480 erlaſſenen uneingeſchraͤnkten, aber im vorigen Jahre aufgehobenen Ablaß in ſeiner ganzen 1) Das paͤpſtl. Breve darüber an d. HM. d. Romae XXIV Maji 1481 Schbl. XIV. 7. 2) Wir koͤnnen uns hier auf die weitere Auseinanderſetzung des Streites zwiſchen dem Meiſter v. Livland und dem Erzbiſchofe v. Riga nicht einlaſſen und verweiſen auf Gadebnſch Livland. Jahrb. Th. I. S. 223 ff. und auf den Index corp. histor. diplomat. Livoniae T. II. P. 69 u. f. 3) Das paͤpſtl. Breve über die erwähnte Vollmacht, d. Roma XVII Maji 1482 Schbl. XLIII. 59. Schr. des Erzbiſchofs v. Riga an d. HM. d. Thorn Mont. nach Andrea 1482 Schbl. XLIII. 37.
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Der Erzbiſchof Stephan v. Riga in Preuſſen. (1483.) 141 Ausdehnung ertheilen duͤrfe.) Der Biſchof indeß durchſchaute bald den ganzen hinterliſtigen Character des Erzbiſchofs und das ganze Ziel der bloßen Geldgier, welches dieſer durch ſeine Winkelzüge wegen des dem Orden vom Rom. Stuhle bewilligten Ablaſſes verfolgte, denn nur um feine unmaͤßigen Schulden in Rom zu decken, machte er jetzt an die Bifhöfe in Preuffen, namentlich auch an den von Pomeſanien ungebüͤhrliche For⸗ derungen und maßte ſich die Einnahme von Ablaßgeldern an, zu deren Erhebung und Einſammlung eigentlich der Biſchof von Samland beauſtragt war. Aber man lernte ihn bald noch weiter kennen. Der Biſchof von Pomeſanien, der ihm ſeinen ſchoͤnſten Hengſt geſchenkt, hatte ihn auf ſeiner Reiſe von Thorn her in ſeinem behangenen Wagen nach Danzig fahren laſſen z dieſen aber eignete ſich der Erzbiſchof ohne weiteres zu, ſowie einer ſeiner Bedienten ſogar den beſten, mit Grauwerk ge⸗ fütterten Rock des Biſchofs diebiſcher Weiſe mit fortnahm und beides konnte letzterer auf keine Weiſe wieder erlangen. Da⸗ gegen quaͤlte ihn der Erzbiſchof mit einer Forderung nach der andern bald fin ſich, bald angeblich für die paͤpſtliche Kammer, ſo daß der arme Biſchof, wie er dem Hochmeiſter ſelbſt klagte, ſich nicht zu retten noch zu helfen wußte.) Kurz alles, was der Erzbiſchof that und befahl, zielte nur auf Geldgewinn. Der Hochmeiſter kam dabei in große Verlegenheit, denn wegen des Papſtes durfte er den Erzbiſchof auf keine Weiſe beleidigen und zurüͤckſtoßen, und wegen des Meiſters und des Ordens in Livland konnte er ſich ihm auch eben ſo wenig nahen. Es kam hinzu, daß der Erzbiſchof von Heilsberg aus, wo er ſich eine Zeitlang aufhielt, mit ihm geheime Unterhandlungen an⸗ zuknuͤpfen ſuchte, ihn um Befoͤrderung auf ſeiner Reiſe nach Riga bat und endlich ſogar eine ſcharfe Zurechtweiſung des Biſchofs von Pomeſanien verlangte, weil dieſer ſich ſeinen Ge⸗ 1) Gleichzeitige Abſchrift dieſer Publication, d. Danzig 10 Decemb. 1482. 2) Schr. des Biſchofes Johannes v. Pomeſanien an d. HM. d. Rieſenburg Donnerſt. nach Vincentii 1483 Schbl. XLIII. 23.
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142 Der Erzbiſchof Stephan v. Riga in Preuſſen. (1483.) boten und Anforderungen auf keine Weiſe fügen wollte. !) Es kam ſo weit, daß er dem Biſchoſe mit dem Banne zu drohen wagte, wenn er ihm nicht die verlangten Gelder zahle, fo daß ſich dieſer endlich genoͤthigt ſah, foͤrmlich den Schutz des Hochmeiſters gegen den geldgierigen Praͤlaten in Anſpruch zu nehmen, indem er zugleich erklärte: ſofern der Erzbiſchof die Drohung gegen ihn ausfuͤhre, fo werde auch er dann nicht Anſtand nehmen, deſſen ganzen bisherigen Lebenswandel in feiner ganzen Blöße und Schmach aller Welt aufzudecken, wie er dem Orden abtruͤnnig und ungehorſam geweſen, wie ge⸗ wiſſenlos er mit Liſt in das Ordenshaus in Rom gekommen ſey, dieſes gegen Eid und Pflicht verpfaͤndet, das Erzbiſthum von Riga ſich mit Geld erkauft und durch Beſtechungen er⸗ worben u. ſ. w.) Da ſcheint der Erzbiſchof auf des Meiſters Vorſtellungen etwas eingelenkt zu haben. Bis in den Maͤrz zu Heilsberg noch verweilend war er fort und fort mit dem Hochmeiſter in allerlei Verhandlungen begriffen.) Da er indeß weder bei dieſem, noch beim Biſchofe von Pomeſanien ſeine Wünſche in feinen Geldforderungen erreichte, fo begab er ſich endlich zum Koͤnige von Polen, bei dem er den Hochmeifter, wie den Meiſter von Livland aufs gewiſſenloſeſte verunglimpfte und verlaͤſterte, beide ſogar eines Mordanſchlags gegen ſeine Perſon beſchuldigte, den erſtern auch anklagte, daß er einen andern Erzbiſchof von Riga gewaͤhlt habe, und uͤber dieß alles die ſeltſamſten Verleumdungen nach Rom berichtete.) So trieb er ſich noch bis in die Mitte des Sommers überall um⸗ 1) Die Verhandlungen des Erzbiſchofs mit dem HM. durch deſſen Kanzler Nicolaus Kreuder, d. Heilsberg 18 Februar 1483 u. Schr. des Erzbiſchofs an den HM. d. Heilsb. am T. Petri Stuhlfeier 1483 Schbl. XLIII. 30. 2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Rieſenburg Freit. nach Reminiſcere 1483 Schbl. LXV. 77. 3) Schr. des Erzbiſchofs v. Riga an d. HM. d. Heilsberg Mont. nach Oculi 1483 Schbl. XLIII. 22. 4) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanjien an d. HM. d. Marien: werder Freit. zu Oſtern 1483 Schbl. XLI. 65.
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Verhandlung mit dem Könige v. Polen. (1483.) 143 her, bis er in den letzten Tagen des Juli heimlich in Riga anlangte und ſofort die Buͤrgerſchaft gegen den Orden zum Krieg aufrief. Der Meiſter von Livland, uͤberdieß auch von den Ruſſen bedraͤngt, kam daruber in große Bedraͤngniß und rief den Hochmeiſter aufs dringendſte um Huͤlfe an.) Allein es gelang der Beſatzung auf dem Schloſſe zu Riga bald, ſich des Erzbiſchofs zu bemaͤchtigen. Mit verbundenen Augen ruͤck⸗ lings auf eine Stute geſetzt, deren Schweif er in der Hand halten mußte, ward er aus der Stadt gebracht, fiel daruͤber in Schwermuth und ſtarb gegen Ende dieſes Jahres in größter Dürftigkeit. 2 Nichts aber lag dem Hochmeiſter jetzt mehr am Herzen, als die endliche Ausgleichung der Irrungen und Mißverhaͤlt⸗ niſſe, die theils zwiſchen ihm und dem Koͤnige wegen Graͤnz⸗ ſtreitigkeiten und Handelsſtoͤrungen, theils mit den Staͤdten Danzig und Elbing obwalteten. Die Fruchtloſigkeit aller bis⸗ herigen Verhandlungen daruͤber bewog ihn im Sommer dieſes Jahres, ſich ſelbſt zum Könige nach Litthauen zu begeben. Begleitet von mehren ſeiner Gebietiger und Raͤthe langte er am vierundzwanzigſten Juli in Traken an, vom Koͤnige aufs ehrenvollſte empfangen, denn zwei von deſſen Soͤhnen, der Woiwode von Wilna, ein ruſſiſcher Herzog und eine Reiter⸗ ſchaar von elfhundert Mann führten ihn unter Trompeten⸗ und Paukenſchall in die Stadt ein, wo ihn der Koͤnig aufs freund⸗ lichſte willkommen hieß und durch hohe Ehrenbezeugungen aus⸗ zeichnete. ) Es ward ein Tag der Berathung beſtimmt. „Nicht Vergnügen, Leichtfertigkeit oder Zudringlichkeit, hob da der Meiſter an, ſondern meines Ordens große Noth und merk⸗ 1) Schr. des Livland. Meiſters an den HM. d. Wenden am T. Laurentii 1483 Schbl. XLII. 33. 2) Gadebuſch a. a. O. S. 228. Schr. des HM. an den Deutſchmeiſter, d. Koͤnigsb. am Sten Tage der h. drei Könige 1484 bei Jaeger Cod. diplom. O. T. s. h. a. Arndt Livl. Chron. Th. II. 161. 3) Die naͤhere Beſchreibung der Aufnahme des HM. im Fol. I. P. 126. 8 *
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144 Verhandlung mit dem Könige v. Polen. (1483.) licher Schaden, der und täglich erwaͤchſt, haben mich bewogen, mich hieher zu verfügen.” Zuerſt beſchwerte er ſich uͤber das in Preuffen, beſonders in Danzig verbreitete Gerücht, daß er in Verbindung mit dem Koͤnige von Ungern und Herzog Hans von Sagan feindliche Plane gegen die Krone Polens im Werke führen ſolle; zur Widerlegung flellte er dem Könige die hoͤchſt traurige Lage ſeines Ordens vor Augen. „Meine Macht an Geld und Gut, Landen und Leuten kann mich doch wahrlich nicht zu einem Kriege ermuthigen. Sehet nur die großen Schulden an, die mein Orden noch zu bezahlen hat. Ich und der dritte Meiſter nach mir werden die Bezahlung noch nicht erleben. Aber man hat auch neulich in Polen meine Send⸗ boten aufgehalten und ihre Briefe weggenommen. Das be⸗ weiſet, daß die Herren des Reiches Mißtrauen gegen mich he⸗ gen und ich ſelbſt einen Ueberfall zu beſorgen habe. Dieß zu verhüten, bin ich hieher zu euerer koͤniglichen Gnade als meines Ordens Herrn und Beſchirmer gekommen und erbiete mich, jedermann zu antworten, der mich zu beſchuldigen hat.“ Dar⸗ auf klagte er, daß trotz aller feiner Bemuhungen die Graͤnzen zwiſchen Preuſſen und Litthauen immer noch nicht hätten be richtigt werden koͤnnen und erſuchte den Koͤnig, ſobald als möglich eine Gränzberichtigung zu veranlaſſen zur Verhuͤtung der Gewaltthaͤtigkeiten, die fort und fort daraus entſtaͤnden. Nach ihm trat in ſeinem und der Staͤnde Namen der Land⸗ richter von Brandenburg Daniel von Kunheim mit der Klage gegen die Danziger auf, die auf allen bisherigen Tagfahrten in den Streitpunkten wegen des Bernſteines, wegen der Graͤn⸗ zen auf der Nehring u. ſ. w. niemals weder zur rechtlichen Entſcheidung, noch zum guͤtlichen Vergleiche und zur Suͤhne hätten bewogen werden koͤnnen. Endlich beſchwerte ſich der Meiſter auch bitter Über das falſchzüngige und hinterliſtige Verhalten des Erzbiſchofs von Riga gegen ihn und ſeinen Or⸗ den.) Dringend bat er den König um endliche Beſeitigung 1) Die Verhandlungen über die Livlaͤndiſ. Angelegenheiten, welche der Fol. I. p. 134 mittheilt, gehören der Geſchichte von Livland an.
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Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. 1484.) 145 dieſer verſchiedenen Streithaͤndel, damit ſeine Lande zur Ruhe, zu Wohlfahrt und Gedeihen gelangen koͤnnten. In der Ant⸗ wort des Koͤniges ließ ihn dieſer zuerſt in Beziehung auf das erwähnte Gerücht feines vollen Vertrauens verfichern und ihm erklaren, daß es ſtets gegen fein Gebot und ſeinen Willen ge⸗ weſen ſey, wenn ihm Nicolaus von Baiſen auf den gehaltenen Tagfahrten nicht alle Ehre und Redlichkeit erzeigt habe oder auch wenn des Hochmeiſters Sendboten in ſeinem Reiche auf⸗ gehalten worden. Die Entſcheidung der Streitigkeiten mit Danzig verſchob er bis zu ſeiner naͤchſten Anweſenheit im Lande, verſprach jedoch, den Danzigern zu befehlen, daß ſie dem Orden in allem, was ſie ihm bereits zugeſagt, volle Ge⸗ rechtigkeit widerfahren laſſen ſollten, und zugleich auch zur Graͤnzberichtigung auf der Nehring einige feiner Raͤthe zu ſen⸗ den. Auch die zwiſchen Preuſſen und Litthauen verhieß er ins Werk zu ſetzen, dem Hochmeiſter verſichernd, es ſolle dem Orden von dem, was ihm gehöre, nicht das Mindeſte entzogen werden. Ueberhaupt ſprach er ſich in allem, was er zur Be⸗ ruhigung der Ordenslande und zur Zufriedenſtellung des Or⸗ dens zu thun vermöge, mit ſolcher Bereitwilligkeit und Guͤte aus, daß der Hochmeiſter mit freudiger Hoffnung in ſein Land zuruͤckkehrte.“ Man traf im Anfange des Jahres 1484 auch wirklich Anſtalten, um eine der Streitfragen, die Berichtigung der Graͤnzen an der Litthauiſchen Graͤnze, zu erledigen. Hans von Tiefen, der Ordensſpittler, der Komthur von Rhein Georg Ramung von Rameck, der alte Konithur von Ragnit und jetige Pfleger von Seeſten Hans von der Narbe kamen dort zu dem Zwecke mit des Koͤniges Bevollmaͤchtigten zuſammen. Allein ſchon daruͤber erhob ſich Streit, ob die Litthauiſchen Herren zu den Preuffifchen oder dieſe zu jenen ſich hinbegeben ſollten. Man vereinigte ſich nun zwar darin, daß ein Aus⸗ 1) Die Verhandlungen hieruͤber im Fol. I. p. 126 — 135. wurden dabei noch viele Einzelnheiten hier unberührt gelaſſen haben. IX. Es zur Sprache gebracht, die wir 10
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146 Verhandlungen m. d. Herz. Konr. d.Weifenv.Schlefien. (1484.) ſchuß aus den Gebictigern jenen auf halbem Wege entgegen gehen ſollte; allein bei der nun aufzuloͤſenden Frage uͤber die alten und neuen Graͤnzen ging man ſo weit auseinander und die Königlichen wollten die Litthauiſchen Graͤnzen fo weit ins Ordensgebiet hereinruͤcken, daß ſich ſchon daran jede weitere Ausgleichung zerſchlug, weil die Forderung durchaus dem ewigen Feinden widerſtritt.“ Den König hielten Reichsgeſchaͤfte und der ſchmerzliche Tod ſeines zweiten Sohnes, des Herzogs Ka⸗ ſimir, den man auch in Preuſſen allgemein betrauerte, ? in ſei⸗ nem Reiche zuruck, und es blieben ſomit auch die Streithaͤndel mit Danzig und Elbing vorerſt noch unentſchieden. Mittlerweile war der Meiſter fort und fort bemuͤht, theils durch Verpfaͤndungen theils auf andere Weiſe die noͤthigen Mittel zur Befriedigung der immer noch zahlreichen Schuld⸗ forderer aufzubringen und es gelang ihm dieß auch mehr und mehr, ſo daß jetzt auch den Erben Bernhards von Zinnenberg ein Theil der alten Schuld entrichtet werden konnte.?) Dar: auf beſchaͤftigten ihn eine Zeitlang Verhandlungen mit dem Herzog Konrad dem Weißen von Schleſien, der ſchon vor mehren Jahren mit Erlaubniß des Koͤniges Mathias von Ungern aus beſonderer Zuneigung zum Orden dieſem auf ſeine Lebenszeit alle ſeine Lande, Schloͤſſer und Staͤdte zu deſſen Nothdurft und Nießbrauch eingeraͤumt hatte, doch ſo daß ſie nach feinem Tode dem genannten Könige anheimfallen ſollten. “ Damals war dem Herzog wahrſcheinlich Raſtenburg fuͤr die 1) Die Verhandlung daruber am Sten Tage der h. drei Koͤnige 1484 Schbl. XVI. 6I. 2) Schr. des Hauptm. von Stuhm Nicolaus v. Baiſen an den Rath von Thorn, d. Stuhm Mittw. vor Oculi 1484 im Rathsarchiv zu Thorn. 3) Der Haupterbe war der Dompropſt zu Olmuͤtz Benedict von Wallenſtein oder Waldſtein. Der HM. ließ ihm im 5 die Summe von 1500 Unger. Gulden auszahlen, woruͤber die Quittung ſeines Bevollmaͤchtigten, d. Thorn Sonnab. vor Laͤtare 1484 Schbl. L. 8. 4) Die Urkunde des Koͤniges Matthias v. Ungern, d. Ofen am T. Laurentii 1478 Schbl. LXXI. 61. VII. 49 (Abſchrift).
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Wahl des neuen Erzbiſchofs von Riga. (1484.) 147 Summe von zwölftaufend Mark verpfaͤndet worden. Die naͤ⸗ heren Umſtaͤnde find nicht bekannt; indeß ſandte er in dieſem Jahre einen Bevollmaͤchtigten an den Meiſter, um mit dieſem wegen der Loͤſung Raſtenburgs zu verhandeln. Allein man ſcheint ſich darüber nicht ganz verftändigt zu haben, denn der Herzog ſelbſt verſchob endlich die Sache auf eine bequemere Zeit.) So verlief überhaupt dieſes Jahr ohne irgend wich⸗ tige Ereigniſſe und ruhiger als irgend ein anderes zuvor, denn ſelbſt die ftliemifchen Begebenheiten in Livland, wo im Novemb. des vorigen Jahres der bisherige Meiſter Bernhard von der Borg ſeinem Amte entſagt und der Komthur von Reval Jo⸗ hann Freitag von Loringhofen einfhveilen als Statthalter die Verwaltung uͤbernommen hatte,“ hatten auf Preuſſen weiter keinen Einfluß, zumal da auch die Verbindung zwiſchen beiden Laͤndern auf dem Strande durch die Samaiten unterbrochen war, weil der Hauptmann von Samaiten Johann Kynßgailo⸗ witz ihn nur für den fahrenden Kaufmann für offen und frei erklaͤrte.) Die Wahl des neuen Erzbiſchofs von Riga ſuchte der Hochmeiſter zwar Anfangs auf einen dem Orden wohlge⸗ neigten und ihm perſoͤnlich nahe ſtehenden Mann, naͤmlich auf ſeinen Kanzler und Kaplan Nicolaus Kreuder zu lenken und brachte ihn deshalb auch in Vorſchlag, o erklärte ſich indeß doch bald, um neuen Irrungen vorzubeugen, fuͤr den vom — ! Die Sache iſt überhaupt etwas dunkel. Wir haben darüber ein Schr. des herzoglichen Bevollmaͤchtigten Hans Reinsberg an den H M., d. Wartenberg Mont, nach heil. Kreuztag 1484 Schbl. VI. 235 es Hört die Verhättniffe aber nicht ganz auf. 2) Schr. des Landmarſchalls v. Livland an d. HM. d. Wenden am Abend Eliſabeth 1483 Schbl. IV. 14. Vgl. Index corpor. histor. diplom. Livoniae T. II. 81. 351. 357. Vom HM. beſtaͤtigt wurde Johann Freitag von Loringhofen als Meiſter von Livland erſt am 10 Januar 1485, wonach Gadebuſch Livlaͤnd. Jahrb. Th. I. S. 233 — 234 u. Bachem S. 49 zu verbeſſern ſind. 3) Schr. des Hauptmannes v. Samaiten an d. HM. d. Kraſſen o. J. (1484) Schbl. XVI. 5. 4) Schr. des HM. an den Deutſchmeiſter, d. Koͤnigsb. am Sten Tag der h. drei Könige 1484 bei Jaeger 1. c. 10 *
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148 Verhandlungen auf der Tagfahtt zu Thorn. (1485.) Orden in Livland vorgeſchlagenen und dann vom Papſte auch beſtaͤtigten Domherrn aus Reval Michael Hildebrand, v der im December dieſes Jahres beim Hochmeiſter in Königsberg erſchien und ihm zur Dankbezeugung die eine Haͤlfte eines Schienbeines von einem der zehntauſend Streiter ſchenkte, von welcher Reliquie die andere Hälfte der Ordens⸗ Statthalter in Livland erhielt, beide mit einer Vorſchrift uͤber die Art der würdigen Verehrung derſelben, nebſt den damit verbundenen Indulgenzen. Erſt im Anfange des Jahres 1485 erhielt der Hochmei⸗ ſter die Nachricht vom Entſchluſſe des Koͤniges zu einer Reiſe nach Preuſſen und bald darauf auch deſſen Einladung zu einer perſoͤnlichen Zuſammenkunft in Thorn. Mit froher Hoffnung, daß dört endlich die langjährigen Streithaͤndel mit Danzig und Elbing, wie der Koͤnig ſelbſt verſprochen, durch ihn entſchieden werden wurden, trat er in der Mitte des März die Reiſe an, begleitet vom Ordensſpittler Hans von Tiefen, ſeinem Kanzler Nicolaus Kreuder, ſeinem Kompan Heinrich Reuß von Plauen, dem Landrichter des Brandenburgiſchen Gebietes Daniel von Kun⸗ heim u. m. a. Auch hier ſehr ehrenvoll von den drei Soͤhnen des Koͤniges, den Herzogen Albert, Alexander und Sigismund, dem Biſchofe Raphael von Poſen, einer Anzahl Polniſcher Großen und einer Reiterſchaar empfangen, ward er zuerſt vom Könige durch ein glänzendes Ehrengaſtmahl aufgenommen. Statt nun aber die Ausgleichung der zwiſtigen Angelegenheiten in Preuſſen zum Gegenſtand der Berathung zu machen, be⸗ gann dieſer die Verhandlungen mit der Klage uͤber den Ein⸗ bruch der Tuͤrken in die Walachei und mit der Vorlegung eines Kriegsplanes gegen dieſen Glaubensfeind, um die Wa⸗ lachei von deſſen grauſamen Verwuͤſtungen zu befreien, wozu er auch den Hochmeiſter und ſeine eigenen Staͤnde im weſt⸗ 1) Gadebuſch a. a. O. S. 230. Index corpor. histor. diplom. Livoniae T. II. 83. Arndt Livl. Chron. Th. II. 163. 2) Die vom Erzbiſchofe Michael Hildebrand von Riga daruͤber ausgeſtellte Urkunde, d. in castro Koningsberg die octava mensis De- eembr, 1484 Schl. LIV. 25.
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Verhandlungen auf der Tagfahrt zu Thon, (1485.) 149 lichen Preuſſen zur Beihuͤlfe aufforderte, weil beide der ewige Friede, den Orden aber außerdem auch ſeine Beſtimmung und Verpflichtung zum Kampfe und Beiſtand gegen dieſen Feind verbinde. Die Stände jedoch wieſen ihrer Seits frei und offen dieſe Verpflichtung von ſich ab, behauptend: der ewige Friede verpflichte allerdings den König zu ihrem Schutze und ihrer Vertheidigung, keineswegs aber ſie zum Schutze der Krone Polens; dabei klagten ſie zugleich uͤber ſo manche Ver⸗ nachlaͤſſigung und Verletzung ihrer Privilegien, womit ſie ge⸗ woͤhnlich jedes unwillkommene Anſinnen des Koͤniges abzuleh⸗ nen pflegten.“ Auch der Hochmeiſter führte die trifftigſten Grimde an, die es ihm unmöglich machten, die verlangte Hülfe zu leiſten, die ſchweren Schulden, welche durch die Sold⸗ forderungen und die zu ihrer Bezahlung bereits aufgenommenen Anleihen dem verarmten Orden aufgebuͤrdet feyen, 2 die furcht⸗ bare Peſtſeuche, die im Verlaufe mehrer Jahre faſt die Haͤlſte der Bevoͤlkerung in ſeinem Lande hingerafft habe, die Theuerung in Staͤdten und auf dem Lande, die allen Wohlſtand erdruͤcke, die fortwaͤhrenden wilden Unruhen in Livland und die drohen⸗ den Gefahren vor den Ruſſen, die dort fuͤr den Orden gleich⸗ ſam Türken genug ſeyen. Allein der Koͤnig fand alle dieſe Gruͤnde keineswegs genügend und drang mit ſolchem Ernſt und Nachdruck auch in dieſem Punkte auf die Vollfuͤhrung des ewigen Friedens, daß der Hochmeiſter ſchon nicht umhin konnte, ihm eine Kriegshülfe, fo weit ſie ſein armes Land leiſten koͤnne, zuzuſagen. Doch auch damit noch nicht zufrieden, bedraͤngte ihn der König, immer vom Inhalte des ewigen Friedens ſprechend, von neuem mit der Frage: wieviel er ihm als Bei⸗ 1) Schütz p. 372 — 73; was diefer Chroniſt in der angezeigten Stelle fuͤr die J. 1486 — 1488 zuſammenfaßt, gebört meiſtentheils zu den Verhandlungen auf der Tagfahrt zu Thorn im J. 1485, wie aus den Archivs- Quellen erſichtlich iſt. 2) Als die bedeutendſten Schuldforderer, friedigt werden muͤſſen, nennt bier der HM. den Herzog Hans von Sagan, Muſigk von Swynau, Benedict von Wallenſtein, Bernhards v. Zinnenberg Erben und den Herrn v. Blankenſtein. die mit Geld Hätten be⸗
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150 Verhandlungen auf der Tagfahrt zu Thorn. (1485.) huͤlſe zu leiſten gedenke? Und als ihm der Meiſter aus Man⸗ gel an Berathung mit ſeinen Gebietigern und Staͤnden daruͤber durchaus keine beſtimmte Antwort ertheilen wollte, trat er mit der neuen Forderung hervor: der Hochmeiſter ſolle ihn, da er perſoͤnlich den Kriegszug gegen die Tuͤrken unternehmen werde, auch nach Laut des ewigen Friedens, wie andere Großen Po⸗ lens ebenfalls in Perſon begleiten. Da ließ ihm aber der Hochmeiſter die feſtentſchiedene Antwort bringen: „Nein und nimmermehr, denn eine ſolche harte und ſchwere Buͤrde hinter ſeinen Gebietigern auf ſich zu nehmen, ſteht nicht in eines Meiſters Macht und kann er nicht verantworten; er iſt eine geordnete und geiſtliche Perſon und hinter ſeinen Gebietigern uͤber ſeine Perſon ſelbſt nicht eigener Herr.“ Es dauerte lange, ehe der Koͤnig nachgab, daß der Meiſter dieſe ſeine letzte For⸗ derung zuvor zu einer Berathung auf einer beſondern Tagfahrt ſeiner Lande und Staͤdte bringen durfte; auch unterließ er nicht, die anweſenden Ordensritter und Raͤthe des Hochmeiſters zu ermahnen und aufzufordern, ihren Herrn immer fleißig an⸗ zuhalten, daß er ſtets ſich ſtreng und puͤnktlich nach dem In⸗ halte des ewigen Friedens richte. Darauf kam es zu Klagen gegen den Biſchof von Erm⸗ land, indem der Meiſter es ihm als Schuld beimaß, daß ſeine Ordensunterthanen im Ermland immer mehr bedruͤckt und be⸗ draͤngt und in ihren Rechten geſchmaͤlert wuͤrden, nirgends auch in Streitigkeiten zu ihrer gerechten Sache kommen koͤnnten; er klagte ferner, daß der Biſchof keins ſeiner gegebenen Ver⸗ ſprechen erfuͤlle, z. B. das aus dem Schloſſe Balga wegge⸗ nommene Kirchengeraͤthe noch nicht wieder eingeliefert habe, wohl aber ſich der nachgelaſſenen Guͤter der Landpfarrer und der Vicare in den Staͤdten anmaße, worauf doch nach altem Herkommen ſtets der Orden ein Recht gehabt, welches der Biſchof jetzt widerrechtlich verkuͤrze.) Dieſe Beſchuldigung wies 1) Es heißt daruͤber: So eyn Pfarrer uffim lande were geſtorben, ſo hetten ſeines ordens anwalde ſich des beſten pferdes underwunden und des nochgeloſſen geldes und ſilberwerks, das ander hetten ſie aller 1
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Verhandlungen auf der Tagfahrt zu Thorn. (1485.) 151 indeß der Praͤlat mit der Erklärung zuruck: er habe nach vol⸗ lem Rechte gehandelt, denn ein Biſchof ſey ein Haupt und Erbmann feiner Prieſterſchaft, zumal da er das Genom: mene nie zu ſeinem Nutzen, ſondern zur Verbeſſerung der Pfarren und der Kirche verwende. Die Streitſache mußte einer ſpaͤtern Verhandlung anheimgeſtellt werden, weil der Meiſter zum Erweiſe ſeines Rechts das betreffende Privilegium auf der Stelle nicht aufweiſen konnte. Als jetzt aber der Bi⸗ ſchof anfing, auf den Orden und namentlich auf des Hoch: meiſters Vorgaͤnger im Meiſteramte mit aͤußerſt harten Wor⸗ ten wegen Verkuͤrzung und Beraubung ſeines biſchoͤflichen Ge: bietes und dgl. Beſchuldigungen auf Beſchuldigungen zu häufen, kam es zum heſtigſten Wortwechſel. „Ich wollte, entgegnete bitter erzuͤnt der Meiſter, ihr ließet die Todten ruhen und ſprächet mit den Lebenden. Meine Vorfahren haben ſich alle Zeit ehrbar und fromm gegen euere Vorfahren gehalten. Ich weiß nicht, was ihr gerade gegen mich habt, daß ihr euch immer mehr an mir reibet. Aber es bedünkt mich, daß ihr eine fonderliche Luft zu mir haben müffet. Ja, waͤret ihr ein anderer Mann, als ihr ſeyd, ich wuͤrde das Noͤthige dabei thun und ſollte ich auch meinen Hals daran ſetzen!“ — Man brachte darauf noch mehre Tage mit Streitverhandlungen über die Auslieferung des erwähnten Kirchengeraͤthes, über die rich⸗ tige Auslegung des ewigen Friedens in Beziehung auf dieſe Sache zu, und als nun endlich auch die Streitigkeiten zwiſchen dem Hochmeiſter und Danzig zur Verhandlung kamen, war die Zeit ſchon ſo weit verſtrichen, daß das Oſterfeſt ſehr nahe war und der Meiſter, um zur Feier dieſes Feſtes nach Koͤnigs⸗ berg zurückzukehren, den Koͤnig ſelbſt erſuchen mußte, die Ent⸗ ſcheidung auf eine fpätere Tagfahrt zu verſchieben. Von die⸗ einem zukünfftigen pfarrer geloſſen und dem oberantwort, das denn der herr Biſchoff itzund nicht weld zuloſſen, ſunder ſlecht vor ein recht vor⸗ meint wegzunemen, und wer ſich dowidder ſetze, den vorbote er den eyngang der kirchen und thete den in den bann und hette eyn ſolches beweiſt an Conze von Eglofſtein u, ſ. w.
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152 Verhandlungen wegen der Türfenhülfe, (1486.) ſem, wie gewöhnlich, beim Abſchiede beſchenkt, trat der Meiſter nun ſchnell die Ruͤckreiſe nach Königsberg an. » Die zuletzt erwaͤhnte Tagfahrt, die man nach Chriſtburg beſchieden hatte, konnte nicht gehalten werden. Die Streit: ſache mit Danzig zog ſich alſo auch jetzt wieder weiter hinaus. Unterdeſſen aber hielt der Hochmeiſter mit den Gebietigern, Praͤlaten, Landen und Städten eine Berathung theils über die vom Koͤnige verlangte Tuͤrkenhuͤlfe, theils auch uͤber ſeine eigene perſönliche Theilnahme am Tuͤrkenzuge. Es ging in deren Folge eine Geſandtſchaft an den Koͤnig, die ihm nochmals mit denſelben Gruͤnden, wie der Hochmeiſter zu Thorn, die faſt unuͤberwindlichen Schwierigkeiten einer irgend bedeutenden Beihuͤlfe vorſtellte, hinzufuͤgend: die Schuldenlaſt, welche der Orden theils unter großen Muͤhen ſchon abgetragen, theils noch abzutragen habe, ſey in der That unermeßlich. Um z. B. nur den Herzog von Sagan nach des Koͤniges eigenem Befehle zu befriedigen, habe der Meiſter faſt alle zu ſeiner Unterhaltung gehörigen Einkünfte verpfaͤndet und uberall geliehen und ges borgt und von dem allem ſey nur wenig wieder abgezahlt. Seit achtzehn Jahren ſey das Land durch erhobene Geldſteuern und Schoß immer mehr verarmt, durch die herrſchende Theue⸗ rung in ſeinem Wohlſtande durch alle Staͤnde hindurch immer tiefer geſunken und durch die ſchreckliche Seuche in dem Maaße entvoͤlkert, daß ein Gutsbeſitzer, der ſonſt vier bis fuͤnf Knechte gehalten, jetzt kaum noch einen einzigen haben koͤnne. Man bat daher den König aufs flehentlichſte, er möge in Betracht der außerordentlichen Armuth des Ordens ſowohl an Geld als an Volk den Hochmeiſter von ſeiner Forderung entbinden und von der perſönlichen Theilnahme am Kriegszuge losſagen. Man erbot ſich, dem Könige einige tuͤchtige Ordensgebietiger und Ordensritter und mit ihnen auch ſo viel Kriegsvolk zu 1) Die vollſtaͤndigen Verhandlungen über die Tagfahrt zu Thorn im Fol. I. p. 152 — 167. 2) Schr. des Ordens marſchalls an d. HM. d. Preuſſ. Mark Sonnt. nach Himmelf. 1485 Schbl. XXVII. 47.
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Verhandlungen wegen der Tuͤrkenhuͤlfe. (1486.) 153 ſeinem Zuge zuzuſenden, als nur irgend aufzubringen moͤglich ſey. Man ſtellte ihm endlich auch vor, daß auf jedem Falle die Beihuͤlfe, die man leiſten könne, immer nur ſehr gering ſeyn werde, denn zur Aufbringung einer Geldhüͤlfe habe der Meiſter zwar eine Steuer auf das Vieh gelegt, allein ihr gan⸗ zer Ertrag ſey doch nur auf zweitauſend Gulden geſtiegen. » Der Koͤnig indeß, einmal gewohnt, in keiner Forderung, die er an den Orden gethan, auch nur das Mindeſte nachzu⸗ laſſen, hatte für alle dieſe Vorſtellungen kein Gehör; er ließ ſofort durch einen Botſchafter ohne weiteres die Ruͤſtung be⸗ fehlen und der Meiſter mußte gehorchen. Bei der geringen Geldhuͤlfe, die von den Unterthanen aufzubringen war, muß⸗ ten alle moͤglichen Mittel aufgeboten werden, um einige Mann⸗ ſchaft kriegsfertig aufſtellen zu konnen. Nachdem dieß endlich gelungen war und der Hochmeiſter den Großkomthur zu ſei⸗ nem Statthalter ernannt, ſtellte er fi) ſelbſt an die Spitze feines Kriegshaufens.) Kaum aber in Guttſtadt angekom⸗ men, erhielt er durch einen Sendboten des Koͤniges die Mel⸗ dung: er moͤge vorerſt in ſeinen Landen noch verweilen. Un⸗ gewiß uͤber des Koͤniges fernere Abſichten zog er jedoch vor bis nach Neidenburg, von wo er jenen um nähern Bericht erſu⸗ chen ließ, ob und wie der Zug vor ſich gehen ſolle. Lange ohne Antwort gelaſſen, mußte er ſich endlich wegen Futter⸗ mangel hinüber nach Raſtenburg wenden, wo ihm nach laͤn⸗ gerer Zeit ein koͤniglicher Sendbote die Nachricht brachte: der Tuͤrke eile eben nicht, des Koͤniges Lande zu beſchaͤdigen; in⸗ deß müffe der Meiſter ſich immer in kriegeriſcher Bereitſchaft halten, weil man Kundſchaft habe, daß der Feind ſich im nächſten Fruͤhjahre in des Koͤniges Graͤnzlande werfen wolle. Somit verlangte dieſer alſo, der Kriegshaufe ſolle fo lange gerüstet ſtehen bleiben und vom Orden unterhalten werden, bis er ſeiner bedürfen wuͤrde. Der Meiſter jedoch ließ ihm 1) Die Auftraͤge fuͤr die Geſandtſchaft an den Koͤnig o. D. im Fol. I. p. 187 — 192. Bei der Geſandtſchaft war auch der Komthur von Pr. Holland Konrad v. Lichtenhain. 2) Dieß geſchah am Mittwoch vor Maria Magdalena 1485.
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154 Die heil. Dorothea. (1486.) jetzt offen erklären: es ſey ſchlechterdings unmöglich, hierin des Koͤniges Willen zu erfüllen; das Land verſinke ohnedieß von Tag zu Tag mehr in ſolches Elend und Verderben, daß es den Orden nicht im mindeſten mehr unterſtuͤtzen koͤnne; da nun der König von des Meiſters Bereitwilligkeit zur Hüͤlfs⸗ leiſtung jetzt vollkommen überzeugt ſeyn muͤſſe, fo ſey es der Gebietiger und der Staͤnde allgemeiner Wunſch und dringende Bitte, er möge in Betracht der hoͤchſttraurigen Lage des Lan⸗ des den Hochmeiſter des Mitzuges uͤberheben.) Kaſimir ließ auch jetzt, da er den Meiſter zur Folgſamkeit gezwungen hatte und die Gefahr nicht eben ſehr dringend war, die Sache vor⸗ erſt auf ſich beruhen. Aber es war fuͤr den Orden eine harte Probe der Demuͤthigung geweſen; man hatte es bitterer als je empfunden, was es heiße, eines andern dienender Vaſall zu ſeyn. Wie nun immer der Menſch in Noth und Ungluͤck ſich leicht und gerne den hoͤhern Dingen zuwendet, um an einer maͤchtigeren Hand feſten Halt und bei einer höheren Macht Huͤlfe und Rettung zu finden, fo auch in dieſer ſchwerbedruͤck⸗ ten, troſtloſen Zeit. Es waren nahe an hundert Jahre vor⸗ uͤber, ſeit jene heilige Dorothea in der Pomeſaniſchen Kirche ihre Wunderthaten verrichtet?) und Tauſenden ihrer frommen Verehrer in Andacht und Gebet Ruhe und Frieden ins Ge⸗ muͤth eingefiößt hatte. Vielleicht war es das Vertrauen auf ihre uͤbermaͤchtige Beihuͤlfe, vielleicht auch noch ein anderer Anlaß, der den damaligen Biſchof Johannes von Pomeſanien im Anfange des Jahres 1486 zu einer Reiſe nach Rom be— wog, um dort die bis jetzt noch nicht erfolgte foͤrmliche Erhe⸗ bung der h. Dorothea unter die Heiligen zu bewirken. Der Wunſch ſchien zu gelingen. Der Papſt, ſehr geneigt dazu, ertheilte dem Biſchofe von Kulm den Auftrag, dem Rom. Hofe uͤber den Lebenswandel und die Wunderthaten der h. 1) Aufträge des HM. für feine Geſandten an den König v. Po⸗ len, o. D. Schbl. XXVII. 37. Raynaldi Annal. cccles, an. 1486. no. 60. 2) S. oben B. V. S. 665 ff.
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Die heil. Dorothea. (1486.) 155 Dorothea genauen Bericht abzuſtatten. Alſo kehrte der Bi⸗ ſchof Johannes, der ſich des Papſtes hohe Gunſt erworben, erfreut nach Preuſſen zuruck, um hier zunaͤchſt die noͤthigen Geldmittel zu dieſem Zwecke aufzubringen.) Er bot nun zwar uberall alle nur möglichen Mittel dazu auf; der Hoch⸗ meiſter verſprach ihm zwar ebenfalls ſeinen Beiſtand theils durch Einraͤumung des Ordenshauſes in Rom, ſobald er da⸗ hin zuruͤckkehre, theils auch durch eine Beiſteuer von fuͤnf bis ſechshundert Gulden, ſofern die Sache dahin gediehen ſey, daß wirklich der erwuͤnſchte Erfolg erwartet werden koͤnne, denn auch er hielt es für feine Pflicht, den frommen Zweck nach Möglichkeit zu fürdern.? Allein der Plan ſcheiterte dennoch, wie es ſcheint, aus Mangel an den erforderlichen Geldmitteln. Der Meiſter ſelbſt mußte alle ſeine geringen finanziellen Kraͤfte zu andern Zwecken zuſammenhalten, denn eines Theils war er gegen neue Anforderungen des Koͤniges von Polen in RNuͤck⸗ ſicht des Türkenzuges auch in dieſem Jahre nicht ſicher „ ans dern Theils bat ihn wiederholt der Meiſter von Livland aufs Dringendſte um Beihuͤlfe gegen die Ruſſen. ) Den Biſchof von Pomeſanien aber feſſelten bald eine Menge von Streitig⸗ 1) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an den HM. d. Rom Freit. nach Valentini 1486 Schbl. I. 27. Nach einem Schr. des Landkom⸗ tburs der Ballei an der Etſch Ludwig v. Huͤrnheim, d. Freit. nach Himmelf. 1486 Schbl. 101. 42 befand ſich der Biſchof um dieſe Zeit auf der Rückreiſe. Vgl. Lilienthal Vita b. Dorotheae p. 7 — 8. 145. 2) Schr. des Komthurs von Preuſſ. Holland an den Biſchof v. Pomeſanien, d. Holland Mont. nach Katharina 1486 Schbl. LXV. 81. Der HM. ließ dem Biſchof durch den Komthur ſagen: Wiewohl wir, unſere Gebietiger und Orden beklommen und arm ſind und faſt ſchuldig, nichts deſto minder fo wir wußten, daß die Sachen Fortgang haben und zu einem verhofften guten Ende laufen moͤchten, was dann in unſerer aller Macht, es waͤre 5 oder 600 Gulden, das dannoch Uebermacht waͤre, wollten beſehen und alle thun, wie wir mochten und ſolch Geld ausrichten. Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an den HM. d. Rieſenburg am T. Andreä 1486 Schbl. LXV. 79. 3) Schr. des HM. an den Livland. Meiſter, d. Mont. nach Apoſtel⸗Theil. 1486 Schbl. XVI. 6.
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156 Neues Mißtrauen d. Königes v. Polen geg. d. Orden. (1486.) keiten an die Heimat, in det er theils mit dem Woiwoden von Marienburg, theils mit andern nahegeſeſſenen Polniſchen Beamten wegen Verletzung ſeiner biſchoͤflichen Rechte und Freiheiten gerieth. So folgſam ſich aber der Hochmeiſter bisher dem Koͤnige von Polen auch bewieſen, ſo traf ihn doch bald wieder eine neue Kraͤnkung, die abermals bewies, mit welchem Mißtrauen man immer noch auf ihn hinſah. Man hatte in Polen einem ſeiner Sendboten von neuem Briefe weggenommen, in denen man Andeutungen einer Verbindung zwiſchen dem Orden und dem Könige von Ungern gefunden zu haben glaubte. Sofort ward eiligſt eine Geſandtſchaft an den Meiſter abgefertigt, um dieſen daruͤber zur Rede zu ſtellen. Der Koͤnig, erklaͤrten die Geſandten, glaube zwar keineswegs, daß der Hochmeiſter, der Rath ſeiner Krone, etwas der Art unternehmen werde; er laſſe ihn jedoch erinnern, daß in jedem Falle ein ſolcher Schritt den ewigen Frieden verletze, indem der Orden ohne des Koͤniges Mitwiſſen mit niemand ein Buͤndniß ſchließen duͤrfe. Es ſchmerzte den Meiſter tief, daß man auf feine dem Könige erſt jüngft in Litthauen gegebenen Zuſagen fo gar wenig Vertrauen ſetzte. Er verlangte die aufgegriffenen Briefe zu ſehen; da man ſie ihm aber nicht zeigen konnte, ſo trat er den Sendboten mit dem ernſten Worte entgegen: „Wahrlich, es wundert mich ſehr und thut mir innig leid, wie ich dazu komme, daß man ein ſolches Vertrauen gegen mich hegt. Der Koͤnig laͤßt mir ſagen, er glaube die Sache nicht; aber warum laͤßt er meinen Diener fortan im Gefängniffe? Ja, es thut mir ſehr leid; aber ich werde meine Unſchuld voͤllig erweiſen, ſo daß jeder erkennen ſoll, wie unrecht mir geſchieht. Ich bin freilich ein armer Herr und ein Haupt meines betruͤbten Ordens; ich bin kein geborener Fuͤrſt, Graf noch Herr, ſondern von armen guten Edelleuten, deren ich mich nicht ſchaͤmen darf, und ob ich auch etwas vorzunehmen gedaͤchte, was gegen den Koͤnig 1) Schr. des Biſchofs v. Pomefanien an d. HM. d. Rieſenburg am T. Luciä Evang. 1486 Schul. LXXRIV. 30.
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Innere Landes⸗ und Ordensverhaͤltniſſe. (1487.) 157 und das Reich Polen waͤre, ſo wuͤrde ich es ſchon um meiner armen Freunde willen laſſen. Dazu habe ich Gott und dem Könige einen Eid geſchworen, den ich auch treu und aufrichtig halten will, denn meine Seele und meine Ehre iſt mir eben ſo lieb als irgend einem. Ich bitte euch, ihr Herren, wollet mir ſolches nicht verdenken, daß ich ſo beweglich von ſolchen Dingen rede; es geht meine Seele, meine Ehre und meinen Glimpf an. Es iſt mir unbegreiflich, wie man mir kriegeriſche Abſichten zumeſſen kann. Bin ich denn nicht von des Koͤniges Landen überall umgeben? Da iſt Samaiten, da Litthauen, da Maſovien, da Polen und Preuſſen; ſo bin ich ganz um⸗ legen. Ich wuͤrde fuͤrwahr nichts anders thun, als meinen Orden vollends um das Stuͤck Land bringen, welches ihm noch übrig if.” Dieſe offene und freie Erklarung bat der Meiſter ohne weiteres an den Koͤnig zu bringen und ſo entließ er die Geſandtſchaft wieder, nachdem er fie zuvor nach Gebrauch als Gaͤſte an ſeiner Taſel geebrt. D Er wandte darauf ſeine ganze Thaͤtigkeit wieder der innern Verwaltung feiner Landesverhäͤltniſſe zu. Auch jetzt war es noch fort und fort ſein groͤßtes Bemuͤhen, die bedeutenden Schuldlaſten, die immer noch alles Gedeihen im Lande er⸗ drückten und uͤberdieß ihm und ſeinem Orden manchen Unglimpf zuzogen, fo viel als möglich zu mindern, und durch weiſe Sparſamkeit und kluge Berechnung ſeiner Mittel gelang es ihm jetzt auch, die anſehnlichen Schuldforderungen des verſtorbenen Hauptmannes Fri 6 8 von Raueneck an deſſen Bruder Georg von Raueneck, einen \ inen Theil der Schuld an Hermann von Blanken⸗ ſtein und viele andere ab zutragen, mit mehren auch, wie mit Arnold von Uttenhofen, Abraham Burggrafen von Dohna u. a. wegen der Bezahlung ſich freundlich zu verſtaͤndigen. Selbſt mit Honig, Wachs und andern Landesproducten wurde manche minder große Schuld getilgt.“ Außerdem waren es auch die 1) Der genaue Bericht über dieſe Geſandtſchaft, welche am Sonnab. vor Oculi 1487 zum HM, kam, im Fol. I. p. 221 — 225. 2) Darüber die die oben genannten Perſonen betreffenden Ur⸗ kunden aus dem J. 1487 Schbl. 93, 15; 95, 32 u. 33; 96, 19
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158 Innere Landes⸗ und Ordensverhaͤltniſſe. (1487.) Rechtsverhaͤltniſſe des Landes, beſonders in Beziehung auf das Magdeburgiſche Recht, welche er beſſer zu ordnen ſuchte. Schon im Jahre 1485 waren durch ihn in einer Tagsberathung mit einer Anzahl von Gebietigern und Landesrittern in Anweſenheit des Biſchofs von Samland und einiger Stiftsherren gewiſſe Satzungen und Erklaͤrungen des Magdeburgiſchen Rechts in Beziehung auf die Anwendung deſſelben auf gegebene, be⸗ ſtimmte Landesverhaͤltniſſe entworfen worden, die der Hoch⸗ meiſter im naͤchſten Jahre zur nähern Prüfung und Begutach⸗ tung der juriſtiſchen Facultaͤt zu Leipzig vorgelegt zu haben ſcheint. Gewiß iſt wenigſtens, daß er von ihr durch den Doctor und Ordinarius der genannten Facultaͤt Johannes von Breitenbach eine Rechtsbelehrung uͤber gewiſſe Geſetze einholen ließ.) Am erſten Auguſt des Jahres 1487 verſammelte er noch einmal die Vornehmſten ſeiner Gebietiger, den Biſchof von Samland, den Landrichter des Brandenburgiſchen Gebietes Daniel von Kunheim, die angeſehenſten Landesritter und die Bingermeifter von Koͤnigsberg zur nochmaligen Berathung über die bereits entworfenen Satzungen aus dem Magdeburgiſchen Recht, die in Beziehung auf das Erbrecht in Magdeburgiſchen Guͤtern den vielfachen Irrungen und Streitigkeiten vorbeugen ſollten, die bisher ſo oft den Frieden der Familien und naher Verwandten geftört hatten. Sie wurden allgemein angenom⸗ men, beſiegelt und bekannt gemacht.) Schbl. Adelsgeſch. D. 34. XLII. 7. Abraham Burggraf v. Dohna hatte theils wegen ſeiner, theils ſeiner Bruͤder Hans und Balthaſar Dienſte anſehnliche Forderungen an den Orden. 1) Der Entwurf davon, d. Koͤnigsberg am Abend Corpor. Chriſti 1485 Schbl. LXXIV. 4. 2) Schr. des Doctor Johannes v. Breitenbach u. ſ. w. an den HM. d. Leipzig Donnerſt. am Abend Concept. Mariä 1486 Schbl. L. XII. 66. 3) Dieſes wichtige Document im Original, d. Koͤnigsberg am T. Petri ad vincnla 1487 Schl. XVII. 35, im Entwurf Schbl. LXXXIV. 59, gedruckt in den Privileg. der Staͤnde des Herzogth. Preuſſ. p. 28 — 29 u. bei Baczko B. IV. 161. Unter den Landesrittern, die bei der Abfaſſung gegenwaͤrtig waren, ſind genannt Stenzel von Dohna,
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Innere Landes- und Ordensverhaͤltniſſe. (1487.) 159 Aber auch ſein Plan einer Reſormation der Ordensverfaſ⸗ ſung, wenigſtens eine eingreifende Verbeſſerung der Ordens⸗ diſciplin hatte fich dem Hochmeiſter feit einiger Zeit wieder mehr als je nothwendig gezeigt. Es waren wiederholt unter den Ordensrittern ſo aͤrgerliche Beiſpiele von Zuchtloſigkeit, Geſetz⸗ widrigkeiten und Vergehungen gegen Gehorſam und Ordnung vorgefallen, die den Orden im Auslande immer in Schimpf und Schmach brachten. So hatte ſich der Ordensritter Anſtat von Weſterſtetten angeblich wegen eines ausſtehenden Leib⸗ gedinges, welches ihm ſein Bruder ſchuldig war, ohne Erlaubniß ſeiner Obern aus Preuſſen entfernt und nach Deutſchland be⸗ geben, wo er, ohne ſich um die Geſetze des Ordens zu be⸗ kümmern, Monate lang wild umherſchweifte; man hatte ihn deshalb als aus dem Orden ausgeſtoßen erklaͤrt, bis er ſich endlich an mehre Deutſche Fuͤrſten wandte, die den Meiſter dringend um feine Wiederaufnahme erſuchten. D Noch aͤrger⸗ licher war der Lebenswandel des jungen Ordensritters Heinrich Reuß von Plauen, der ſich ſeit mehren Jahren ſchon weder an Ordnung noch Geſetz binden wollte, weder den Gottesdienſt beſuchte, noch die vorgeſchriebene Ordenskleidung trug und uͤber⸗ haupt nach eigenem Willen und Laune lebte. Alle Ordens⸗ ſtrafen waren ohne Erfolg geblieben; es war vergeblich, daß ihn der Hochmeiſter zu ſtrengerer Zucht in den Ordenskonvent zu Brandenburg verwies; es fruchtete auch nicht, daß er ihn, um ihn auf dieſe Weiſe zu beſſern, eine Zeitlang zu ſeinem Kompan annahm, denn e auch als folcher erlaubte er ſich ſo viele Unordnungen und Geſetzwidrigkeiten, daß man überall Aergerniß an ihm nahm, ſein Beiſpiel auf andere den nach⸗ Bot von Eulenburg, Nicolaus Wilko, Hans Kellner Landrichter, Hans Falkenheim, Daniel von Kunheim Landrichter, Heinz Meyenthaler, Michel von Kunſteck, Friederich und Hans Küchmeiſter u. a. 1) Schr. des Pfalzgrafen Philipp v. Rhein, Friederichs und Sigismunds Markgrafen v. Brandenburg, des Markgrafen Johann v. Brandenburg, des Herzogs Friederich v. Sachſen und der Erzbiſchoͤfe Berthold v. Mainz u. Hermann v. Köln aus dem J. 1487 Schbl. XII. 26 u. Ad. Geſch. W. 86 — 90.
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160 Innere Landes- und Ordensverhaͤltniſſe. (1487.) theiligſten Einfluß uͤbte und der Hochmeiſter ſich ſelbſt dadurch manchen Tadel zuzog. Ueberdieß hatte dieſer mit dem Bruder des Ritters, dem Grafen Heinrich Reuß von Plauen dem Ael⸗ tern, Herrn zu Greitz, uͤber das unordentliche Leben deſſelben den unangenehmſten Briefwechſel zu führen, weil letzterer alle Schuld des tadelhaften Lebenswandels ſeines Bruders deſſen Zurüͤckſetzung bei der Verwaltung höherer Ordensaͤmter zuſchrieb, denn unmaͤßiger Ehrgeiz war es allerdings, der den unordent⸗ lichen Ritter aus aller Bahn der Geſetze und Zucht hinaus⸗ trieb.) Aehnliche Beiſpiele von Ungehorſam und Zuchtloſig⸗ keit zeigten ſich aber von Jahr zu Jahr immer mehre und da nun uͤberhaupt die alte Ordnung und Strenge in der Lebens⸗ weiſe aus den Konventen laͤngſt gewichen war, ſo ward es immer ſchwerer, den Trieben und Leidenſchaften der Einzelnen Zügel und Zaum anzulegen. Es kam daruͤber mitunter in den Konventen zu den aͤrgſten Auftritten zwiſchen den Komthuren und einzelnen Konventsbruͤdern. Gerieth doch ſelbſt der Haus⸗ komthur zu Preuſſiſch-Mark Georg von Feilitſch mit dem Ordensmarſchall Nicolaus von Gebſattel einſt in einen ſo hef⸗ tigen Streit, daß er dieſem im Beiſeyn des Landrichters und aller Konventsritter mit den groͤbſten Worten begegnete, ihn einen harten und wilden Tyrannen nannte und beim Hoch⸗ meiſter aufs bitterſte uͤber den Hochmuth und die ehrenruͤhrige Behandlung klagte, mit welcher der Marſchall ihm und den andern Ordensbruͤdern taͤglich begegne. Man beſchwerte ſich, daß er den Konventsbruͤdern nicht einmal die allernoͤthigſten Beduͤrfniſſe zukommen laſſe.) Solche Beiſpiele unter den Gebietigern felbft aber wirkten natuͤrlich auf die juͤngern Konvents⸗ ritter im hoͤchſten Grade nachtheilig. Es kam hinzu, daß der Zudrang junger Adeliger zur Aufnahme in den Orden gerade in dieſen Jahren immer groͤßer wurde. Es ſtand oft nicht 1) Die zwiſchen dem HM. und dem Grafen Heinrich Reuß von Plauen von Oſtern 1487 abgefuͤhrte Correſpondenz über den unordent⸗ lichen Bruder des letztern Schbl. LXIX. 82. 2) Schr. des Hauskomthurs v. Preuſſ. Mark an d. HM. d. Preuſſ. Mark in Octava Aſſumt. Maria 1488 Schbl. LXX. 51.
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Bemühen. HM. um eine Reformation d. Ord. (1488.) 161 einmal in dem Willen des Hochmeiſters, dieſen oder jenen zuruͤck⸗ zuweiſen. Wer aufgenommen zu werden wuͤnſchte, wandte ſich gewoͤhnlich um eine Fuͤrſprache an einen Fuͤrſten, mitunter ſelbſt an den Kaiſer oder doch immer an einen ſehr angeſehenen und einflußreichen Mann und es war dann ſehr bedenklich, einer ſolchen Empfehlung nicht Gehör zu geben.“ Dieſer innere Zuſtand des Ordens, dieſer Mangel an Zucht und Ordnung, an Gehorſam und Achtung des Geſetzes, die immer mehr zunehmende Ungebundenheit und Abweichung von der vorgeſchriebenen Lebensweiſe der Ordensglieder, die immer ſtaͤrker einreißende Sittenloſigkeit und Auflöfung aller edlen Banden und Verhaͤltniſſe, die fonft das ritterliche Leben der Ordensbruͤder zuſammengehalten und uͤber die Gemeinheit des uͤbrigen Weltlebens emporgehoben hatten, mit einem Worte das immer mehr uͤberhand nehmende Vergeſſen aller hoͤheren Richtungen des geordneten Ritterlebens und das Verſinken der Ordensglieder in die gemeinſten weltlichen Luͤſte und Beſtre⸗ bungen? hatten dem Hochmeiſter, der wohl wußte, von wo die moraliſche Rettung des Ordens begonnen werden muͤßte, die Nothwendigkeit einer Reformation in der Ordensverfaſſung ſeit einigen Jahren von neuem aufs lebendigſte fühlbar gemacht. Er wagte daher einen neuen Verſuch und ſandte im Anfange des Jahres 1488 abermals, wie gewöhnlich vor einem. großen Kapitel, Viſitirer nach Deutſchland und Livland aus „mit der — b 1 Beiſpiele ſolcher Empfehlungen kamen in dieſen Jahren ſehr Häufig vor. Der Pfalzgraf Georg v. Rhein empfiehlt z. B. den Sohn ſeines Pfiegers zu Roſenhain Sebaſtian v. Freiberg. Der Ritter Hans v. Reiſchach giebt dem Sohne des Buͤrgermeiſters von Schafhauſen Ulrich Truwerais eine Empfehlung zur Aufnabme in den Orden; fuͤr ihn verwandten ſich auch der Kaiſer und Zürften, Schbl. XLI. 20. LXXI. 72. 2) Eine Schilderung von dem damaligen Zuſtande des Ordens giebt uns Detmar B II. S. 297, der von den Ordensrittern ſagt: fe weren homodich unde overdadich, unde deden den ſteden grote overlaſt, unde honden vrouwen unde junckvrouwen guder luͤde kynder. Ok weren ſe girich unde nemen groten unwontliken tol.“ IX. 11
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162 Tagfabrt zu Petrikau. (1488.) Anmeldung an die Gebietiger, daß er nach der Viſitirer Ruͤck⸗ kehr um Michaelis dieſes Jahres ein großes General-Ordens⸗ kapitel zu halten gedenke, wozu er den Deutſchmeiſter vorlaufig einlud. Dieſer indeß erklaͤrte ſchoͤn im voraus, daß er nach ſeiner Landkomthure und Gebietiger Rath aus wichtigen Ur⸗ ſachen ſich nicht nach Preuſſen begeben koͤnne, wohl aber, wenn der Hochmeiſter ihm die Verſammlung des Kapitels naͤher an⸗ zeigen werde, einige Bevollmaͤchtigte ſenden wolle.) Eben fo wenig zeigte ſich der Meiſter von Livland unter den unruhigen Verhaͤltniſſen, wie ſie der Zeit in dieſem Lande noch obwalte⸗ ten, geneigt, zum großen Kapitel perſoͤnlich zu erſcheinen, fo dringend ihm auch der Hochmeiſter die Nothwendigkeit deſſelben durch die Viſitirer vorftellen ließ.) So konnte alſo dieſer auch jetzt wenig Hoffnung faſſen, ſeinen heilſamen Plan in Aus⸗ fuͤhrung zu bringen. In dieſer Sorge fuͤr die innern Verwaltungsangelegen⸗ heiten des Ordens und des Landes unterbrach den Hochmeiſter eine Einladung des Koͤniges zu einer neuen Tagsverhandlung zu Petrikau im April dieſes Jahres. Es begleiteten ihn dahin der Komthur von Oſterode, der Brandenburgiſche Landrichter Daniel von Kunheim, der Buͤrgermeiſter der Altſtadt Königs: berg Georg Gluͤcksrad und mehre andere. Sein Empfang beim Koͤnige war abermals ſehr ehrenvoll, denn wie gewoͤhnlich bot dieſer alles auf, um dem Meiſter die geziemende Ehre zu erweiſen. Sein eigener Sohn, der Herzog Alexander mußte ihn in die fuͤr ihn beſtimmte Wohnung geleiten; auch ließ er ihn mit allem, was er fuͤr ſich, ſeine Begleitung und Geſinde 1) Schr. des Deutſchmeiſters an den HM. d. Rothenburg a. d. Tauber am T. Apollonia 1488 Schbl. 98. 81. 2) In einer Inſtruction fuͤr den nach Livland abgehenden Viſiti⸗ rer, den Komthur v. Balga, d. in der Octava des h. Stephan 1488 Schbl. VI. 11 heißt es: Nachdem, Gott geklagt, unſer Orden allent⸗ halben faſt und ſehr abgenommen hat und noch abnimmt, das ſonder Zweifel ſich geurſacht hat durch unſere Miſſethat und daß wir alle leben außerhalb Ordnung, dem wir dann weiß Gott abhold find u. ſ. w.
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Tagfahrt zu Petrikau. (1488.) 163 bedurfte, aufs reichlichſte verſorgen. Sogleich in der erſten Unterredung mit dem Könige erhob der Meiſter die nachdruͤck⸗ lichſte Klage uͤber das widerrechtliche Auffangen ſeines Send⸗ boten, die Wegnahme feiner Briefe und die daraus entnommene Beſchuldigung einer Verbindung mit dem Koͤnige von Ungern und feindlicher Abſichten gegen die Krone Polens; er erklaͤrte jetzt dem Koͤnige ſelbſt, wie ſchwer ihn dieſe Beſchuldigung an ſeiner Ehre verletzt habe und wie tief ſie ihn kraͤnke; er erbot ſich, gegen jeden, wer er auch ſey, der ihn einer Verletzung des ewigen Friedens beſchuldige, ſich aufs vollkommenſte zu verantworten, um zu erweiſen, wie ſchweres Unrecht man ihm angethan. Der Koͤnig aber ſchob die Sache bei Seite und begann eine Verhandlung über feine Tuͤrkiſchen Angelegenheiten, weil eben der Tuͤrkiſche Kaiſer ihm durch einen Botſchafter Friede hatte anbieten laſſen, woruͤber er ſich des Meiſters Gut⸗ duͤnken und Rath erbat. „Darin zu rathen, iſt mir ſchwer, ſprach dieſer, erkennet ihr mit eueren Herren und Praͤlaten, daß man mit Krieg in den Landen mehr erlangen kann, als mit Fricden, ſo mag es ſeyn; jedoch wo nicht, ſo laſſet die Sache in Friede vertragen, denn zu Krieg gehört gar Vieles.“ Alſo knüͤpſte der König auf des Meiſters Rath fernere Unter: handlungen wegen Herſtellung des Friedens mit den Tuͤrken an. Mittlerweile war auch der Hauptmann Ponitzki, der des Meiſters Sendboten gefangen genommen und ſich deſſen Briefe bemaͤchtigt, in Petrikau angelangt. Ueber die Sache vor dem Könige zur Rede geſtellt, geſtand er zwar die Gefangennehmung des Boten, laͤugnete a 5 ber des Hochmeiſters Beſchuldigung, daß er das Gerede von einer Verbindung mit Ungern veranlaßt, durchaus ab. Dieſer indeß, damit keineswegs zufrieden geſtellt, erwiederte: „Für meine und meines Ordens Ehre duͤnkt es mir zu wenig, daß ihr mit bloßem Laͤugnen euch aus der Sache winden wollt“. Da er jedoch ſah, daß die weitere Er⸗ Örterung der Sache dem Könige ſehr unangenehm ſey, ſo fuͤgte 1) ueber den ſehr ehrenvollen Empfang des HM. der Reteß im Fol. I. p. 238 — 239, 11 *
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164 Tagfahrt zu Petrikau. (1488.) er bloß noch hinzu; es genuͤge ihm vom Hauptmanne, daß er jetzt daſtehe, die Beſchuldigung ritterlich laͤugne und fie weder zuvor bekannt habe, noch jetzt bekennen wolle. Endlich trat noch der Erzbiſchof von Gneſen, der die genommenen Briefe geleſen, mit der offenen Erklaͤrung auf: der Inhalt des einen Briefes ſey allerdings zwar etwas dunkel und man koͤnne ſeine Beziehung nicht ganz klar faſſen; allein keiner enthalte irgend etwas, was dem Meiſter und Orden zur Unehre gereiche oder irgendwie verfaͤnglich ſey, weshalb der Koͤnig ihn erſuche, er möge fich jetzt daruber beruhigen. Die Sache ward ſomit voͤllig beigelegt und es unterblieb nun auch der Zweikampf, der zwi⸗ ſchen dem Hauptmanne und des Hochmeiſters Sendboten hatte Statt finden ſollen.) . In den letzten Tagen der Verhandlung ftellte endlich der Meiſter dem Könige auch noch die Klagbeſchwerden des Biſchofs von Pomeſanien über die Ungerechtigkeiten und Eingriffe des Hauptmannes von Marienburg in die bifchöflichen Rechte, über die Verletzung ſeines Jagdrechts u. dgl. vor; er bat ferner den Koͤnig um endliche Berichtigung der Graͤnzen ſowohl auf der Nehring als zwiſchen Littauen und Preuſſen. Der Koͤnig ſagte ſie nicht nur bereitwillig zu, ſondern es ward auch zu⸗ gleich beſchloſſen: es ſolle aufs baldigſte in Preuſſen wiederum ein Richttag gehalten werden, auf welchem die Klaͤger von beiden Theilen ihr Recht verfolgen koͤnnten; ein ſolcher Richttag ſolle jährlich abwechſelnd in des Koͤniges und des Meiſters Landen Statt finden und endlich ſollten auch Maaßregeln ers griffen werden, um theils dem Eigenwillen und dem Entlaufen des Geſindes, ſowie der Uebermaͤßigkeit des Geſindelohnes, theils dem Eindringen des loſen Geſindels und der Litthauer ins Ordensgebiet und ihren Frevelthaten durch Mord und Brand ein Ziel zu ſetzen. Nachdem man ſich dann noch uͤber 1) Die Art, wie über den Zweikampf verhandelt wurde, iſt nicht ohne Intereſſe. Der Bericht darüber im Fol. I. p- 246 — 248 kann jedoch hier, weil er zu ſehr ins Einzelne geht, nicht weiter mitgetheilt werden.
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Tagfahrt zu Chriſtburg. (1488,) 165 die Abhaltung eines neuen Verhandlungstages zu Chriſtburg verſtaͤndigt, ſchied der Hochmeiſter mit den Seinigen, vom Koͤnige abermals anſehnlich beſchenkt, von dannen und kehrte dießmal mit Freude nach Königsberg zuruck. Dieſer Tag zu Chriſtburg fand im Anfange des Juli auch wirklich Statt. Außer den Biſchoͤfen von Samland und Pomeſanien ſah man dort auch den Großkomthur, den Ordens⸗ marſchall, den Ordensſpittler und mehre andere Bevollmaͤchtigte des Meiſters. Die Verhandlungen begannen mit Angabe der Klagbeſchwerden des Biſchofs von Pomeſanien gegen den Hauptmann von Marienburg, ſowie des Hauptmannes gegen jenen. Sie hatten lange ſchon in bitterer Feindſchaſt gegen einander dageſtanden. Der Biſchof, bald hier bald da in ſeinen Rechten gekraͤnkt, in ſeinem Eigenthum beeintraͤchtigt, ſelbſt oft perſoͤnlich beleidigt, hatte haͤufig ſchon beim Koͤnige geklagt, aber nie mit dem Hauptmanne ſich ausgleichen koͤnnen; umſonſt hatte er auch ſchon mehrmals den Schutz des Hochmeiſters in Anſpruch genommen, denn wenn ihm z. B. des Hauptmannes Jaͤger faſt alles Wild in ſeinen Waͤldern wegſchoſſen und es ihm zum Spott nach Marienwerder auf Wagen zum Verkaufe brachten,?) ſo konnte auf ſeine Beſchwerden daruͤber auch der Hochmeiſter nichts weiter thun, als ihn mit den Worten des Papſtes tröͤſten: die chriſtliche Kirche muͤſſe uͤberhaupt jetzt vieles in Geduld ertragen.) Eine Menge anderer Klagen — nn 1) Die volftändigen Verhandlun ; gen auf der Tagfahrt zu Petrifau im Fol. I. p. 238— 245, 252— 208 f ofahrt zu p 2) Bei dicſer Gelegenheit wird erwähnt, daß man um dieſe Zeit im Biſtbum Pemeſanien noch auf wilde pferde, Elentbiere u. Bären Jagd hielt. Schr des Biſchofs v. Pomeſanien an den HM. d. Marien⸗ werder Sonnt. Latare 1488 Schol. LXV. 85; er klagt unter andern, daß die Polniſchen Jäger in einer Woche elf Elenthiere in feinem Ge⸗ biete erlegt hätten 3) Gewerbe des HM. an den Biſchof v. Pomeſanien Schbl. LXV. 84. Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM., d. Marienwerder Donnerſt. am Abend Andres 1487. Schr. des HM. an den Hauptm. v. Marienburg, d. Holland am T. Andrei 1488 Schbl. LXV. 82. LXI. 32.
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166 Tod d. HM. Martin Truchſes v. Wetzhauſen. (1489.) betrafen kirchliche Verhaͤltniſſe, in welchen, wie der Biſchof behauptete, ſich der Hauptmann, und wie dieſer vorgab, ſich der Biſchof gewaltthaͤtige und widerrechtliche Eingriffe in die Rechte des andern erlaubt. Man haͤufte Beſchuldigungen auf Beſchuldigungen. So warf der Hauptmann dem Biſchofe vor: er habe bei ſeiner zweimaligen Reiſe nach Rom alle amtlichen Geſchaͤfte verſaͤumt, Kirchen ungeweiht gelaffen u. dgl. Dieſer dagegen fand ſich aufs bitterſte dadurch gekraͤnkt, daß der Hauptmann Öffentlich behauptet hatte: der Biſchof ſey in kei⸗ nem ehelichen Bette geboren. Mit ſolchen Anklagen und Be⸗ ſchuldigungen brachte man mehre Tage hin, bis es endlich dem Biſchoſe von Samland, dem Abte von Pelplin und dem Woiwoden von Brzeſc gelang, eine Ausführung beider Theile herbeizuführen, worauf ſich dann nach kurzen Verhandlungen über andere minderwichtige Gegenſtaͤnde die Tagfahrt wieder aufloͤſte. ) Dieſe Suͤhne indeß war nur von kurzer Dauer, denn bald darauf erhob der Hauptmann wieder neue Klagen daruͤber, daß der Biſchof mehre Bewohner ſeines Gebietes ohne erheb⸗ liche Urſachen in den Bann gethan und ſie dadurch gezwungen habe, Haus und Hof zu verlaffen und ſich nach Pommerellen unter einen andern Biſchof zu fluͤchten. Beide brachten, um ſich zu rechtfertigen, die neue Klagſache an den Hochmeiſter, der Biſchof ſich damit entſchuldigend, daß der Hauptmann kein Recht habe, ſich in die biſchoͤfliche Jurisdiction zu miſchen. Der Meiſter aber war ſchon ſeit dem Sommer durch fort⸗ waͤhrende Krankheit ſo geſchwaͤcht, daß er in den Streit nicht mehr thaͤtig eingreifen konnte.) Dieſe Krankheit ſteigerte ſich im Herbſt und im Anfange des Winters immer mehr, ſo daß 1) Die ſehr weitlaͤuftigen Verhandlungen auf der Tagfahrt zu Chriſtburg am Donnerſt. nach Viſit. Mariaͤ 1488 im Fol. I. P. 229—237. 2) Schr. des Hauptmannes zu Marienburg Sbigneus v. Thanczyn an den HM. d. Marienb. Mittw. vor Bartholom. 1488. Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an den HM. d. Rieſenburg Freit. nach Bar⸗ tholom. 1488 Schl. IIII. 9.
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Tod d. HM. Martin Truchſes v. Wetzhauſen. (1489.) 167 er den beruͤhmten Arzt Sebaldus Erckel aus Elbing herbeirufen mußte, der ihm auch einige Linderung verſchaffte. Allein das Uebel konnte nicht gehoben werden; es nahm vielmehr bald wieder ſteigend in dem Maaße zu, daß der Meiſter am fünf ten Januar des Jahres 1489 ſeinen Leiden erliegen mußte. Er fand im Dom zu Königsberg bei feinen Vorgängern feine Ruheſtaͤtte. Nach Gewohnheit wurden für ihn in allen Ordens⸗ landen in feierlichem Gottesdienſte Vigilien und Meſſen gehalten, denn im ganzen Orden trauerte man mit ungemeiner Theil⸗ nahme über fein frühes Hinſcheiden. ) Martin Truchſes von Wetzhauſen hatte dem Orden als Oberhaupt und dem Lande als Fuͤrſt zwoͤlf Jahre lang vor⸗ geſtanden, ſtets mit den redlichſten Vemuͤhungen um beider Wohlfahrt und Gedeihen, nicht ohne die ſchwerſten Aufopfe⸗ rungen für das gemeine Beſte. Fromm und bieder, aufrichtig und wohlwollend ging er durch ſein Leben. Seinen feſten und ſtandhaften Muth in feinen Verhaͤltniſſen zum Könige von Polen verglich man dem eines Löwen, ? und mit dieſem Muthe hatte er ſich auch durch Klugheit, Beſonnenheit und Aufrichtigkeit der Geſinnung,“ ſelbſt in den ſchwierigſten Lagen gegen den 1) Schütz p. 380 giebt als Todestag den Abend der h. drei Koͤnige 1489 an; nach einem Schr. der Gebietiger v. Livland an den Starthalter des HM. d. Wenden Dienſt. nach Apollonia 1489 Schbl. LXIX. 26 war ihnen gemeldet worden, daß der HM. Martin Truchſes „den letzten Tag am achten Tage Johannis Evang.“ geſtorben fen. Dieſen Tag nennt als Todestag auch ein Schr. des Großkomthurs an den Staroſten zu Groß⸗ Polen, d. am T. nach Corpor. Chriſt. 1489 Schbl. XXVII. 27. Bachem Chronol. der HM. S 46. 2) Schr. der Gebietiger v. Livland an den Statthalter des HM. q. a. O. Tiedemanns Chron. p. 255. Henneberger p. 203. 3) Die Chroniſten haben von ihm den Vers: Martinus domi monachus, egregius in campo leo. Im Kriegsfelde aber hat ſich, fo viel wir wiſſen, dieſer HM. nicht hervorgethan; das letztere Lob ſcheint daher auf ſein Verhalten gegen den Koͤnig v. Polen bezogen werden zu muͤſſen. 4) Die Chroniken ruͤhmen ihn als „einen klugen, herzhaften u. weiſen Mann u. eines gar ehrbaren Lebens, der ſeinen Orden mit ganzen Treuen meinte.“ Tiedemanns Chron. p. 255.
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168 Tod d. HM. Martin Truchſes v. Wetzhauſen. (1489.) Koͤnig, ſeinen Oberherrn ſo viel als moͤglich in einer ſo wuͤr⸗ digen Stellung behauptet, daß ihm ſelbſt dieſer ſeine hohe Achtung oftmals zu erkennen gab. So ſchwer ihn oft auch, wie wir geſehen, die lehenspflichtige Untergebenheit unter das Polniſche Obergebot niederdruͤckte und ſo tief er auch die De⸗ muͤthigung fühlte, die ihm mehrmals von Polen aus widerfuhr, fo ſuchte er doch ſtets feine Winde als Landesfüͤrſt, fo viel er konnte, aufrecht zu erhalten. In der Verminderung der großen Schuldenlaſt, der wichtigſten und ſchwierigſten ſeiner Aufgaben in der Landesverwaltung, hatte er in der That Außerordent⸗ liches geleiſtet, obgleich er das erwuͤnſchte Ziel der voͤlligen Tilgung derſelben noch keineswegs erreichte. Wenn er darum vorerſt noch weniger fuͤr das Gedeihen und die Wohlfahrt des Landes wirken konnte und hier ſein Thun und Wirken hinter ſeinen Wuͤnſchen zuruͤckblieb, ſo lag dieß in Verhaͤltniſſen, die zu aͤndern nicht in ſeiner Macht ſtand. Es brachte ihm manche kummervolle Stunde, daß ihm ſein Plan einer Reformation des Ordens, an welchem er Jahrelang immer ohne Erfolg gearbeitet, nicht gelingen konnte. Aber es gereicht ihm gewiß ſchon zum Ruhme, daß er klar erkannt, was ſeinem Orden Noth thue.
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Wahl des Hochmeiſters Johann v. Tiefen. (1489.) 169 Zweites Kapitel. Des Hochmeiſters Stellvertretung ward wenige Tage nach deſſen Hinſcheiden im verſammelten Ordenskapitel dem Ordens⸗ ſpittler und Komthur von Brandenburg Johann von Tiefen, nicht alſo, wie fruͤher gewoͤhnlich, dem damaligen Großkomthur Stephan von Streitberg uͤbertragen. Man lud ſofort die bei⸗ den Meiſter von Deutſchland und Livland auf Jacobi-Tag zur neuen Meiſterwahl; allein es traten mittlerweile Umſtaͤnde ein, welche fie verzoͤgerten. Der Meiſter von Livland verſprach zwar, ſich zur beſtimmten Zeit zum Wahlkapitel in Koͤnigs⸗ berg einzufinden, D obgleich der Streit mit Riga immer noch fortdauerte und auch der Großfuͤrſt von Moskau gegen Livland drohend daſtand; der Deutſchmeiſter Reinhard von Neipperg aber hatte, bevor er noch des Hochmeiſters Tod vernommen, bereits im Januar dieſes Jahres wegen Körperſchwaͤche feinem Amte entſagt und es war der Komthur zu Heilbronn Andreas von Gruͤnbach einſtweilen bis zur Wahl und Beſtaͤtigung eines neuen Deutſchmeiſters an feine Stelle getreten.) Auf deſſen 1) Schr. des Meiſters v. Livland an d. Statthalter des HM. d. Wenden Donnerſt. vor Judica 1489 Schbl. X XVI. 43. Schr. der Gebietiger v. Livland an d. Statthalter d. Wenden Dienſt. nach Apol⸗ lonia 1489 Schbl. LXIX. 26. Index corpor, histor. diplom. Livo- niae etc. T. II. 89. 2) Schr. Reinhards v. Neipperg an d. HM. Martin Truchſes, d. Donnerſt. am T. Agatha 1489 Schbl. DM. 48; er ſagt ſelbſt,
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170 Wahl des Hochmeiſters Johann v. Tiefen. (1489.) Meldung, daß die Verſammlung eines Kapitels, die Wahl eines neuen Meiſters und die Einladung der Landkomthure im Elſaß, Oeſterreich, an der Etſch u. ſ. w. es unmöglich machen würden, ſchon auf Jacobi Bevollmächtigte zur Hochmeiſterwahl nach Preuſſen zu ſenden, mußte dieſe bis auf Bartholomäi: Tag verſchoben werben, D obgleich bald darauf im Mai der erwähnte Andreas von Gruͤnbach im Kapitel zu Frankfurt zum Deutſch⸗ meiſter erkoren ward.) Zudem lief auch bald vom Meiſter von Livland die Nachricht ein, daß er wegen der Unruhen im Lande und der ihm von mehren Seiten her drohenden Gefah- ren nicht perſoͤnlich bei der Hochmeiſterwahl erſcheinen Fünne, jedoch zwei oder drei feiner Mitgebietiger ſenden werde.“ In⸗ deß benutzte er gerade dieſe Zeit, um den Gebietigern in Preuf- ſen ſein und ſeiner Gebietiger Befremden daruͤber zu erkennen zu geben, daß der verſtorbene Hochmeiſter ſich gegen alles Her⸗ kommen das Recht habe anmaßen wollen, in eigener Perſon nach Livland zu kommen, dort Kapitel und Gericht zu halten man habe ihn am Freit. nach Converſion. Pauli in einer Verſamm⸗ lung der Gebietiger zu Eſchenbach auf feine Bitte feines Amtes ent: laſſen; er nennt ſeinen Stellvertreter Endres von Gruͤnbach (nicht Grumbach, wie Bachem Chronol. der HM. S. 48), ebenſo ein Schr. des Statthalters des DM. Andreas v. Gruͤnbach an d. HM. Martin Truchſes, d. Mont. nach Apollonia 1489 Schbl. 98. 26. Er uͤber⸗ ſendet dem HM. als Geſchenk zwei Weidmeſſer und einen Degen „mit Vertroͤſtung des alten Sprichwortes: welcher nit beſſer gabe hat, der ſoll mit Opfell und Bieren zu hoffe kommen.“ Er ſchreibt hier ſelbſt ſeinen Namen „Endres von Gruͤnbach.“ 1) Schr. des Statthalters des DM. an d. Statthalter des HM. d. Horneck Samſt. nach Reminiſ. 1489 Schbl. DM. 46 und ein an⸗ deres Schr. deſſelben, d. Horneck Sonnt. Trinitat. 1489 Schbl. DM. 26. 2) Schr. der Landkomthure und Komthure in Deutſchland an d. Statthalter des HM. d. im Kapitel zu Frankfurt Mittw. nach Exaudi 1489 Schbl. DM 45. Sie bitten um Beſtaͤtigung des zum Deutſch⸗ meifter erwaͤhlten Andreas v. Grünbach. 3) Schr. des Meiſters v. Livland an d. Statthalter des HM. d. Wenden Freit. nach Pfingſt. 1489 Schbl. IV. 32.
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Wahl des Hochmeiſters Johann v. Tiefen. (1489.) 171 und ſelbſt nach Belieben Veränderungen in den Aemtern vor⸗ zunehmen, was ſeine Vorfahren nie gethan und wovon man ihn kaum durch Vorſtellungen habe abbringen konnen, indem er bald nachher einen neuen Sendboten „mit wunderlichen Gewerben“ nach Livland abgefertigt und dadurch die dortigen Praͤlaten nicht wenig gegen den Orden ermuthigt und hals⸗ ſtarrig gemacht, auch feinen Verſuch nach Livland zu kommen bald wieder erneuert habe und zwar gerade zu einer Zeit, wo der Orden dort mit den Biſchoͤfen in Streit geſtanden; daraus ſey für den Meiſter und die Gebietiger in Livland große Vers unglimpfung erfolgt. Er beſchwerte ſich ferner auch uͤber den Statthalter Johann von Tiefen, der gleichfalls fortfahre, Liv⸗ lands Wohlfahrt zu verhindern, da er den nach Preuſſen ab⸗ geſandten Biſchof von Reval Simon von der Borch! abge⸗ halten, feine Aufträge bei ihm anzubringen, woraus großer Schaden entſtanden ſey; am meiſten aber habe es alle Gebie⸗ tiger Livlands befremdet, daß der Statthalter heimlich einen Kornmeiſter in weltlichen Kleidern ohne Wiſſen und Willen des Livlaͤndiſchen Meiſters an den Erzbiſchof von Riga geſandt habe, was im Lande außerordentliches Aufſehen erregt, zumal da der Erzbiſchof uͤber dieſe Botſchaft ſehr erfreut geweſen. Der Meiſter forderte demnach die Gebietiger in Preuſſen auf, zu erklaren: ob man den Orden in Livland bei alter loͤblicher Gewohnheit und gutem Herkommen laſſen wolle und inskuͤnf⸗ tige ſolche ungewohnliche Dinge und heimliche Botſchaſten abs geſtellt werden ſollten.) Man ertheilte dem Meifter Über alles die beſriedigendſten Antworten, die er nur irgend erwarten durfte; man rechtfertigte den verſtorbenen Hochmeiſter mit den durchaus 1) Dieſer Biſchof erſchien als paͤpſtl. Legat im Anfange des Mai 1489 in Memel, wo er für alle Verehrer und Anbeter des vom Evans geliſten Lucas gemalten, in der S. Marienkirche zu Königsberg befinde lichen Bildes der Jungfrau Maria einen Ablaß auf hundert Tage er⸗ theilte; die Urkunde, d. in Memel IV Non. Maji 1489 Schbl. XXXII. 14, 2) Klagſchrift des Ordens in Livland an d. Statthalter des HM. o. D. (1489) Schbl. XXVI. 44.
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172 Wahl des Hochmeiſters Johann v. Tiefen. (1489,) redlichen und wohlgemeinten Abſichten fuͤr des Ordens Beſte, die er bei jener Reiſe im Auge gehabt, ſprach ſich auch uͤber die erwaͤhnte Botſchaft an den Erzbiſchof von Riga völlig zu⸗ friedenſtellend aus und erklaͤrte endlich offen: man habe nie daran gedacht, mit Livlands alter loͤblicher Gewohnheit irgend eine Veraͤnderung vorzunehmen, vielmehr werde man dem Dr: den dort ſtets alles, „was irgend billig, froͤmmlich, ehrlich und ihm nuͤtzlich ſey“, widerfahren laſſen. » So waren die Mißhelligkeiten im Orden völlig ausgegli⸗ chen, als am erſten September diefes Jahres in Königsberg die anweſenden Gebietiger und die Bevollmaͤchtigten aus Deutſch⸗ land 2 und Livland zum Wahlkapitel zuſammentraten. Die Stim⸗ men fielen einmuͤthig auf den bisherigen Statthalter Johann von Tiefen,“ denn für ihn ſprachen die ruͤhmlichſten Tugenden und Eigenſchaften, fein ſtrengſittlicher Lebenswandel, feine Frie⸗ densliebe, fein kirchlichfrommer Sinn, fein einfaches, ſchlichtes Weſen, ſeine Leutſeligkeit und Freundlichkeit, ſeine Maͤßigung, aber nicht minder auch feine Klugheit, Erfahrung, Beſonnen⸗ heit, Umſicht und vielfach bewaͤhrte Gewandtheit in Staats⸗ geſchaͤften und im Verwaltungsweſen. Sein eisgraues Haupt: haar war Zeuge ſeiner hohen Jahre, waͤhrend die Roͤthe ſeiner Geſichtsfarbe und das lebendige Feuer ſeiner Augen ſeine feſte 1) Antwort der Gebietiger in Preuſſen auf die erwaͤhnte Klag⸗ ſchrift Schbl. XXVI. 44. 2) Unter den Bevollmächtigten aus Deutſchland war Graf Georg v. Henneberg, Komthur zu Mergentheim. 3) Ueber den Wahltag führt ſchon Henneberger p. 203 vers ſchiedene Angaben an; Baczko B. IV. 72 laͤßt ihn unbeſtimmt; über den erſten September kann kein Zweifel ſeyn, denn im Fol. 1. P. 269 heißt es ausdruͤcklich: 1489 in die Egidii Magnificus preclarus et religiosus princeps et dominus Johannes de Tieffen electus est in Magistrum generalem. Ueberdieß bezeugt er feine Wahl an dieſem Tage auch in feinen eigenen Briefen; ſ. Index corpor. histor diplom. Livoniae T. II. 90. Die Einladungsſchreiben an die Gebietiger o. D. Schbl. 98 nro 9 ſetzen den Wahltag auf Bartholomaͤi nur auf den Fall feſt, daß die Bevollmaͤchtigten aus Deutſchland und Livland dann angekommen ſeyn würden. Ordens Chron. p. 346.
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Wahl des Hochmeiſters Johann v. Tiefen. (1489.) 173 Geſundheit und die Friſche feines Geiſtes verriethen.) Aus einem ſehr geehrten Geſchlechte in Schwaben oder in der Schweiz geboren, “ ſoll er frühzeitig in den Orden eingekleidet worden ſeyn, ſcheint jedoch lange Zeit nur untergeordneten Aemtern, wie dem eines Kellermeiſters des Ordensſpittlers vorgeſtanden zu haben. ) Seit dem Jahre 1474 verwaltete er mehre Jahre hindurch das Komthuramt zu Memel, trat dann gegen Oſtern 1477 in die Wuͤrde des Großkomthurs ein, uͤbernahm aber im October 1480 das Ordensſpittler⸗Amt und die Komthurei zu Brandenburg, in deren Verwaltung er bis zu ſeiner Hoch⸗ meiſterwahl die ſtrengſte Treue in ſeinen amtlichen Pflichten bewaͤhrte. Er meldete ſogleich den beiden Meiſtern von Deutſch⸗ land und Livland die in Gegenwart ihrer Bevollmächtigten auf ihn gefallene Wahl, dem erſtern nicht ohne Andeutung ſeiner Unzufriedenheit, daß er nicht ſelbſt zum Wahlkapitel er⸗ ſchienen ſey, beiden aber mit der Anzeige, daß er beſchloſſen habe, im Verlaufe eines Jahres ein großes Ordenskapitel zu halten, weil ein ſolches wegen ihrer Abweſenheit bei ſeiner Wahl, wie er gewuͤnſcht, nicht habe Statt finden koͤnnen. ® Der noch nicht beftätigte Deutſchmeiſter (der ſich deshalb noch Statthalter nannte) erklärte ſich zwar bereit, entweder ſelbſt zu erſcheinen oder Bevollmaͤchtigte zu ſenden, machte jedoch beides vom Beſchluſſe eines Kapitels ſeiner Gebietiger ab⸗ haͤngig. 5 — ̃ — 1) Henneberger p. 203. Hochmeiſter⸗Chron. p. 381. Ordens⸗ Chron. p. 346. 117. 2) Bachem a. a. O. nennt ihn einen Schwaben; mehre Chroni⸗ ſten, wie die Hochmeiſter⸗Chron. a. a. O., Hiärn Ehſt⸗ Liv⸗ u. Lett⸗ laͤnd. Geſchichte herausgeg. v. Napiersfy S. 187 laſſen ihn in der Schweiz geboren ſeyn. Ordens-⸗Chron. p- 117. 3) Als folchen finden wir ihn im J. 1466 in einem Schr. des Grafen Georg v. Henneberg Schbl. Ad. Geſch. H. 61; einige fuͤhren ihn auch als Pfleger v. Schafen an. 4) Schr. des HM. an d. Statthalter des DM. u. an d. Meiſter v. Livland o. D. (wahrſcheinlich im Septemb. 1489) Fol. T. 24 — 25. 5) Schr. des Statthalters des DM. d. Rothenburg Donnerft. nach Catharina 1489 Schbl. DM. 25.
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174 Huldigungsreiſe des Hochmeiſters. (1489.) Bald darauf ließ der Koͤnig von Polen durch eine Bot⸗ ſchaft dem Hochmeiſter feinen Gluͤckwunſch wegen feiner Erhe⸗ bung zum Oberhaupt des Ordens abſtatten und zugleich ihn einladen, ſich zu ihm nach Radom zu begeben, um ihm dort den Huldigungseid zu leiſten.) Der Meiſter folgte der Auf⸗ forderung ohne weiteres Widerſtreben, trat in Begleitung des Ordenstrappiers und Komthurs zu Balga Hieronymus von Gebſattel, ſeines Kanzlers Nicolaus Kreuder u. a. die Reiſe an und traf in der Mitte des Novembers durch Maſovien ziehend in Radom ein, wo er wie gewoͤhnlich von des Königs Söhnen und einem zahlreichen Geleite mit allen gebuͤhrenden Ehren⸗ bezeigungen empfangen ward.) Am achtzehnten November leiſtete er ſofort mit allen den Seinigen die Huldigung, vom Könige mit einem glänzenden Gaſtmahle beehrt.“ Er erſuchte dieſen darauf um Befreiung des von den Samaiten jetzt ſtark beſetzten Strandes, um die nothwendige Verbindung mit Liv⸗ land wieder zu eröffnen, weil er jetzt, wo ein Krieg zwiſchen dem Meiſter von Livland und den mit dem Banne belegten Rigaern auszubrechen drohte, jenem nothwendig die erbetene Kriegshuͤlfe zuſenden muͤßte, zugleich auch wuͤnſchte, daß das bereits anberaumte große Ordenskapitel duich die Sperrung des Strandes nicht wieder vereitelt werde; er bat ferner um die endliche Berichtigung der Graͤnzen auf der Nehring, um ſich dort mit den Danzigern auseinander zu ſetzen, desgleichen um die Grenzberichtigung zwiſchen Litthauen und Preuſſen und mebre andere minder bedeutende Auseinanderſetzungen. Der Koͤnig gewaͤhrte alle dieſe Bitten, wogegen der Meiſter auf den Fall, daß er mit den Tuͤrken oder Tataren, wie er befürchtete, einen neuen Krieg anheben muͤſſe, ſich bereit er⸗ 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. in Radom feria V ante festum b. Michael. 1489 Schbl. XXVII. 29. 2) Das Naͤhere daruͤber im Fol. I. 269. 3) Fol. I. 270: in profesto s. Elizabeth excellens princeps Ma- gister generalis cum suis dominis et consiliarjis totaqne sua curia a Regia maiestate invitatus pransıs est et viginti ferculis et nobilibus potagiüs refectus.
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Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1489.) 175 klarte, ihm ohne Weigerung nach feines Ordens Pflicht mit aller Kraft zu Huͤlfe zu ſtehen. Auch in des Koͤniges Geſuch, den Boten des Großfürften von Moskau, die zum Ankaufe der zu einem Kriege nöthigen Kriegsbeduͤrfniſſe durch Preuſſen nach Deutſchland ziehen wollten, den Durchzug zu verbieten, willigte der Meiſter gerne ein. ® u Der einzige Punkt, worin ſich der Meifter mit dem Koͤ⸗ nige nicht verſtaͤndigen konnte, betraf den neuen Biſchof n Ermland. Nachdem naͤmlich Nicolaus von Tuͤngen am vier: zehnten Februar dieſes Jahres geſtorben war, hatte das Doms kapitel kraft ſeines Wahlrechts eiligſt den Ermlaͤndiſchen Dom⸗ herrn Doctor Lucas Waißelrodt zu ſeinem Nachfolger erwaͤhlt. 2 Obgleich ihn der Papſt bereits auch beſtaͤtigt, ſo begann der Koͤnig doch jetzt wieder den alten Streit, indem er die Wahl des Kapitels unter allerlei Grunden als wider den ewigen Fries den ſtreitend verwarf, ?) weil er den Plan verfolgte, ſeinen natuͤlichen Sohn Friedrich zum Biſchofe erhoben zu ſehen, der, wie er vorgab, vom Papſte bereits zuvor mit dem Biſthum Ermland belehnt worden. Das Kapitel aber, ſein Recht und ebenſo das Widergeſetzliche der vorgegebenen Gründe erweiſend, worin der König offenbar die Privilegien des Kapitels verletzt, hielt feſt an feiner Wahl.) Auch bei den Ständen der koͤnig⸗ — nn 1) Fol. I. 280 — 281. 2) Schütz p. 374. Harttnoch Kirchengeſch. S. 155. Treier de episcop. Warm. P. 68. 3) Schütz 1. c. Nach einem Schr. an die Gebietiger o. D. Schbl. 98 nro 9 len bei ihm daruͤber beklagt burg Doctor Lucas nach ab und derſelbe noch kaum beg ane wiſſen und willen koͤn. ben erwelet.“ ) Schütz p. 374 — 378. Der König verlangte, „das fie key⸗ nen andern kießen follen, er ſey angenehm koͤniglicher Irluchtigkeit.“ Er erklaͤrte aber geradezu, der Erwaͤhlte ſey ihm zuwider. Schr. des Statt⸗ halters Schbl, 98 nro 9. Treier I. c. des Statthalters des HM. hatte ſich der König v. Po- „wie das wirdig Capitel zur Frauwen⸗ gang etwan bern Nicolai Tuͤngen Biſchoff raben ſollt ſein geweſt, vor einen Biſchoff Majeſtat zuwider dem ewigen Frieden, ha⸗
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176 Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1489.) lichen Lande, an welche die Sache gebracht ward, fand der König keinen Beiftand, ” denn auch fie klagten noch fort und fort über Verletzung ihrer Freiheiten und Gerechtſame. Da mittlerweile aber der neue Biſchof von Rom her unvermerkt und unerwartet ins Land gekommen war, uͤberall die Huldi⸗ gung empfangen und ſich Anhang erworben hatte, die Staͤnde des Landes den Koͤnig auch ſelbſt erſuchten, die Sache zur Verhuͤtung größeres Uebels auf ſich beruhen zu laſſen, “ fo wandte ſich dieſer jetzt auf dem Tage zu Radom an den Hoch⸗ meiſter um Huͤlfe wider den Eindringling ins Biſthum nach Inhalt des ewigen Friedens.) Johann von Tiefen indeß er⸗ klaͤrte: er werde weder ſelbſt, noch ſollten ſeine Lande dem Biſchofe Lucas oder deſſen Praͤlaten und Städten irgendwie den mindeſten Beiſtand leiſten; es ſey jedoch ſeine erſte Bitte an den Koͤnig: er moͤge ihn dieſer Sache uͤberhaupt ganz uͤberheben und in dieſer erſten Bitte, die er als Hochmeiſter an ihn thue, ihn erhoͤren. Der Koͤnig aber gab zur Antwort: wie er ſelbſt den ewigen Frieden in allen Punkten aufrecht halte, ſo hoffe er, daß, wenn es dazu komme, auch der Meiſter ihm gehorſam bleiben „und thun werde, was ihm der Koͤnig lehre.“ „Ich will mich halten, wie es einem frommen Herrn gebührt“, war des Hochmeiſters letztes Wort, denn nach Gewohnheit vom Koͤnige und der Koͤnigin mit anſehnlichen Ehrengaben, einem mit zweihundert Unger. Gulden gefüllten uͤbergoldeten Kopf, koſtbaren Zobelſchauben, Marderpelzen u. dgl. reich bes 1) Treter p. 69. 2) Schütz p. 378. 3) Fol. I. 277: Da ſich Doctor Lucas ane willen koͤn. Maj. und weder den ewigen Frieden in das biſthum hat geworcht, begeret ſeine kon. gnad von üch hülff wedir In zu thun nach Inhalt des ewigen friedens u. ſ. w. Der König wurde vom Papfte Innocenz VIII, bei dem er ſich über die Wahl dieſes Biſchofs beklagt hatte, mit ſcharfem Ernſte zurecht gewieſen; Schr. des Papſtes an den Koͤnig, d. Romae XXVIII Septembr. 1489 im Archiv des Domkapitels zu Frauenburg Schbl. C. 98, im Copiebuche des geh. Arch. p. 647.
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Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1489.) 177 ſchenkt, zugleich auch mit freier Zehrung bis zur Stadt Ciecha⸗ now verſehen, trat er ſofort die Ruͤckreiſe an.“ Auf dem Heimwege aber kamen ihm Boten des Herzogs Johannes von Maſovien entgegen, ihn einzuladen, in der Stadt Ciechanow des Herzogs Gaſt ſein zu wollen. Am an⸗ dern Tage empfing ihn dieſer ſelbſt vor der Stadt feſtlich mit einem weißen Kleide geſchmuͤckt mit einer anſehnlichen Reiter⸗ ſchaar und führte ihn unter Trompeten= und Paukenſchall aufs Schloß hinauf, wo ein uͤberaus glänzendes Gaſtmahl die Gäfte erwartete. Alles war aufgeboten, was den alten ehrwuͤrdigen Meiſter nur irgend erheitern und erfreuen konnte. Waͤhrend die reiche Tafel die Gaͤſte bis tief in die Nacht verſammelt hielt, ward abwechſelnd zur Beluſtigung muſicirt „geſungen, gepfiffen, die Laute geſchlagen, mit Schwertern, Degen und Stangen gefochten und gerungen und fonft allerlei Kurzweil getrieben, denn darin beſtand des jungen Fuͤrſten angenehmſtes Hoſvergnuͤgen. Und als am folgenden Tage der Meiſter ihn um Verzeihung bat, daß er eine alte Schuld von ſiebenhun⸗ dert Unger. Gulden, um die ſein Vorfahr oſt gemahnt worden und die er ſelbſt nach ſeiner Wahl zu bezahlen verſprochen, noch nicht entrichtet habe, erließ ihm ſolche der Herzog mit den freundlichen Worten: „erfreut, daß Ihr mein vaͤterliches Erbe mit euerem Beſuche beehrt, duͤnkt mir Liebe und Freund⸗ ſchaft werther als Gold und Silber; nur um jene bitte ich euch als meinen lieben Nachbar, ſonſt fordere ich nichts wei⸗ ter. Der Meiſter erbot ſich dagegen zum Danke „eine ſchoͤne Credenz“ zu ſenden und beehrte ihn fofort mit der Aufnahme in die Ordensbruͤderſchaft, die der Fürſt freundlichſt annahm. Zum Abſchiede erfreuten ihn auch hier manche glänzende Ehren⸗ geſchenke, ein goldenes Vorſpann, ein praͤchtiger Hengſt, eine Taſche mit hundert Unger. Gulden gefüllt u. a.; der Komthur von Balga und des Meiſters geſammte Begleitung wurden nach Stand und Winde mit Feſtgewanden, ſchoͤnen Roſſen und goldenen Ringen beſchenkt. Vom Herzog in feſtlichem 1) Die Verhandlungen vonftändig im Fol. I. 271 — 281. IX. 12
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178 Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1489.) Schmucke und Ehrengewande bis vor die Stadt geleitet, zog dann der Meiſter nach herzlicher Begruͤßung von dannen und kam glücklich in Königsberg an. Des Koͤniges Verſprechungen indeß blieben vorerſt noch unerfüllt. Trotz feiner Befehle konnten die Streithändel über die Grenzen auf der Nehring und über die Keutelbriefe, wo⸗ durch die Danziger den Orden beeintraͤchtigten, auf keine Weiſe beſeitigt werden und ſelbſt neue Auftraͤge des Koͤniges an ſeine Behörden gaben dazu noch wenig Hoffnung.“ Ueberdieß dauerten im Biſthum Pomeſanien die alten Zwiſtigkeiten des Biſchofs und der Polniſchen Beamten noch immer fort; der Koͤnig trat mit bittern Klagen gegen den Biſchof auf, daß er nicht aufhoͤre, die Bewohner Marienburgs und des großen und kleinen Werders mit ſeinem Banne zu belaͤſtigen zu gro⸗ ßem Unheil des Landes, weshalb er den Meiſter dringend er⸗ ſuchte, den Biſchof mit allem Ernſt von ſolchen Schritten ab⸗ zuhalten.) Die meiſten Sorgen brachte dem Hochmeiſter der mit größter Erbitterung erneuerte Streit zwiſchen dem Meiſter von Livland und der widerſpaͤnſtigen Stadt Riga, die, ſich immer noch auf Luͤbecks Beiſtand ſtuͤtzend, trotzig erklärte: man werde, um ſich in alten Rechten und Freiheiten gegen den Meiſter, ſelbſt gegen des Papſtes Gebot, aufrecht zu er⸗ halten, Leib und Seele, Ehre und Gut zum Opfer bringen.“ Deshalb mußte auch das erwaͤhnte große Ordenskapitel, wel⸗ ches im Verlaufe des Jahres 1490 hatte Statt finden ſollen, aufs kuͤnftige Jahr verſchoben werden. 1) Die Beſchreibung der feſtlichen Aufnahme des HM. beim Her⸗ zog von Maſovien, ohne Zweifel von einem Augenzeugen aufgeſetzt, im Fol. I. p. 282 — 284. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an den Abt v. Pelplin u. die Woiwoden v. Kulm, Pommern, Marienburg u. a. d. Grodno feria tertia post domin. Invocavit 1490 Schbl. XXVIII. 30. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Grodno feria v post dom. Reminisc. 1490 Schbl. XXVIII. 31. 4) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Wenden Freit. nach Pfingſt. 1490 Schbl. XXVI. 46. Index corpor. histor, diplom. Livoniae T. II. 91 — 92.
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Bemühungen d. HM. z. Reform. d. Ordens. (1490.) 179 Nicht minder aber als ſein Vorgaͤnger von der Nothwen⸗ digkeit einer gründlichen Reformation des Ordens, ſo wie der Aufrechthaltung der Achtung und des guten Namens des Or⸗ dens, die damit verbunden war, innigſt überzeugt, war der Meiſter fort und fort eifrigſt bemuͤht, im voraus alle etwani⸗ gen Hinderniſſe zur Abhaltung des großen Kapitels hinweg⸗ zuraͤumen. Wie den vornehmſten Gebietigern in Deutſchland uͤberhaupt, ſo ſuchte er insbeſondere dem neuen Deutſchmeiſter die Berufung eines ſolchen Generalkapitels, welches, wie er ſelbſt ſagt, ſeit vierzig Jahren nicht Statt gefunden, jetzt als eine für den aͤußern guten Ruf und das innere Heil des Or⸗ dens hoͤchſt nothwendige, ſowie nicht weniger nach den Geſetzen des Ordens erforderliche und unerlaͤßliche Sache darzuſtellen. Um ihn zum perfönlichen Erscheinen auf demſelben zu gewinnen, erließ er an die einflußreichſten Landkomthure eine dringende Aufforderung, fo eindringlich als möglich auf den Meifter „für das heilbringende Werk“ in jeder Weiſe einzuwirken.) Er hatte daſſelbe Ziel im Auge, indem er theils durch Ueberſendung einer Huͤlfsmacht nach Livland, theils auch durch abgeſandte Unterhaͤndler und Vermittler die Streithaͤndel mit Riga auf irgend einem Wege zu beendigen ſuchte. 9 Beides aber blieb ohne Erfolg. Riga, welches überall Huͤlfstruppen ſuchte, um ſich des Ordens zu erwehren, erhielt ſolche auch von Danzig, weshalb der Hochmeiſter den Dan⸗ zigern mit nachdrüͤcklicher Rache drohte, wenn ſie die Unter⸗ —̃ —— 1) Schr. des HM, an d. Landkomthur v. Franken, d. am T. Aga⸗ tha u. Sonnt. vor Palmar. 1490 im Fol. T. 28 — 29. Schr. des HM. an d. DM. d. am Abend vor Pfingſt. 1490 u. ein anderes ſehr ein⸗ dringliches Schr. des HM. an den DM. d. am T. nach Laurentii 1490 Fol. T. 32. 294. Das Ordenskapitel war hiernach zuerſt auf Mit⸗ faſten 1491 verſchoben. 2) Schr. des HM. an d. vor Pfingſt. 1490 Fol. T. 33 3) Schr. des HM. an d. DM. am Abend vor Pfingſt. 1490 a. a. O. Schr. an den Landkomthur v. Franken u. den Komthur v. Nürnberg Melchior v. Neuneck o. D. Fol. T. 35. Landkomthur v. Franken, d. am Abend 12 *
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180 Bemühungen d. HM. z. Reform. d. Ordens. (1490.) ftüßung der Ordensfeinde fortſetzen wuͤrden.) Ueberdieß mußte er zur Unterhaltung des nach Livland abgeſandten Huͤlfshaufens die Beihülfe des Landes durch eine neue Kriegsſteuer in An⸗ ſpruch nehmen. Dazu kam noch, daß der Koͤnig von Polen, als die Türken jetzt von neuem in die oͤſtlichen Gebiete feines Reiches verheerend eingebrochen waren, den Hochmeiſter ebenſo, wie ſeine Preuſſiſchen Lande und den Herzog von Maſovien zur Tuͤrkenhuͤlfe auffordern ließ. Der Orden mußte alles auf⸗ bieten, des Koͤniges Willen zu erfüllen, denn es verpflichtete dazu den Meiſter auch fein zu Radom gegebenes Verſprechen.“ Da die zum Zuzuge vom Könige anberaumte Zeit ſehr kurz war, ſo nahm die Ruͤſtung des Meiſters ganze Thaͤtigkeit in Anſpruch, zumal da Lande und Staͤdte einen zur Koſtenbeſtrei⸗ tung nöthigen Schoß wegen des Landes Armuth auf keine Weiſe bewilligen wollten, weshalb der Meiſter die erforderlichen Geld⸗ mittel durch Anleihen beim Biſchofe Stephan von Kulm und wo er ſonſt konnte, aufzubringen genöthigt war.) Da end: lich auch wiederum anſehnliche Summen zur Befriedigung der mit ihren Forderungen immer heftiger draͤngenden Soͤldner⸗ hauptleute hatten entrichtet werden muͤſſen, ſo war durch alles dieſes der Ordensſchatz wieder ſo gaͤnzlich erſchoͤpſt, daß der Hochmeiſter ſelbſt geſtand: waͤhrend der Landkomthur von Defterreich und der Komthur von Koblenz täglich ihren guten Wein traͤnken, koͤnne er ſich kaum noch mit bloßem Biere be helfen und er ſey ſchon nicht mehr im Stande, die bei ihm einkehrenden Gaͤſte geziemend nach alter Gewohnheit mit Wein aufzunehmen.) Unter dieſen Umſtaͤnden nahm naturlich die 1) Schr. des HM. an d. Danziger, d. am Abend Himmelf. Ma⸗ riä 1490 u. Schr. deſſ. an d. Livland. Meiſter, d. Mittw. nach Bar⸗ tholom. 1490 Fol. T. 39. 178. 2) Schr. des HM. an d. Livländ. Meiſter, d. Freit nach Aegidii 1490 Fol. T. 40. 3) Schr. des HM. an d. Propft zu Leſlau, d. Dienft. nach Fe⸗ licis u. Aucti 1490 u. Schr. deſſ. an d. Biſchof v. Kulm, d. feria VI post Mathaei 1490 fol. T. 416. 418. 4) Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Oeſterreich d. am Abend Laurent, 1490 Fol. T. 282.
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Bemühungen d. HM. z. Reform. d. Ordens. (1491.) 181 Laſt der Landesſchulden oder vielmehr die Schuldenlaſt des Ordens wieder bedeutend zu. Da der Hochmeiſter nur in der Beendigung der koſtſpie⸗ ligen Streithaͤndel in Livland und in der Zusammenkunft aller Gebietiger zum erwähnten Ordenskapitel eine mogliche Aende⸗ rung feiner ſehr bedrängten Lage zu finden hoffte, fo beſchaͤf⸗ tigte beides ihn auch ohne Unterlaß. Waͤhrend er den Meiſter von Livland dringend aufforderte, die auch fuͤr den Orden nicht einmal ruͤhmliche Fehde mit Riga in irgend einer Weiſe zu beendigen, 2 erhielt der Deutſchmeiſter den Auftrag, mit den vornehmſten ſeiner Gebietiger im voraus zu berathen, welche Vorſchlaͤge zum Gedeihen und zur Aufhuͤlfe des Ordens im Kapitel vorzulegen, welche Geſetze abzuſtellen oder zu ent⸗ werfen und zu veraͤndern noͤthig ſeyn wuͤrden, welche Maaß⸗ regeln und Beſtimmungen uͤberhaupt in Berathung zu ziehen ſeyen, damit das heilſame Werk der Reformation des Ordens nach Wunſch gedeihe und die Ehre und Achtung deſſelben vor der Welt wieder emporgehoben werde.) Auf des Deutſch⸗ meiſters Bitte ließ ſich der Hochmeiſter geneigt finden, die Abhaltung des Kapitels bis auf Pfingſten des naͤchſten Jahres zu verſchieben, zumal da auch die Livlaͤndiſchen Angelegenheiten keine Moͤglichkeit zu einer fruͤhern Anweſenheit des dortigen Meiſters erwarten liefen. 3) Auch noch im Anfange des Jahres 1491 beſchaͤſtigten die Livländiſchen Streithändel den Hochmeiſter faſt ganz aus de denn nur nach deren Beendigung konnte er ſeinem Reſormationsplane mit ſicherem Schritte entgegengehen.) Im 1) Gewerbe des HM. an d. Orden in Livland, durch den Ober⸗ kompan Jordan v. Bergrodt überbracht, d. Sonnt. nach Dionyſ. 1490 Fol. T. 197. 211. Index corpor. histor. diplom. Livoniae T. II. 94. 2) Schr. des HM. an d. DM d. am T. Andrea 1490 Fol. T. 295. 3) Schr. des HM, an d. Landkomthure v. Franken, Elſaß, Oeſter⸗ reich u. ſ. w. d. am Abend Thoma 1490 Fol. T. 297 — 298. 4) Schr. des HM. an die Gebietiger in Livland, d. feria VI post Laetare 1491 Fol. T. 196; andere hierher gehörige Schr. des HM. um Index corpor, histor. diplom. Livoniae T. II. 95.
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182 Bemühungen d. HM. z. Reform. d. Ordens. (1491.) Maͤrz kam auch wirklich zuerſt ein Waffenſtillſtand und bald darauf auch ein Friede zwiſchen dem Orden und der Stadt Riga zu Stande, worin ſich dieſe den ihr vorgeſchriebenen Bedingungen unterwerfen mußte. Der Hochmeifter erließ da⸗ her fofort eine neue Aufforderung an den Livlaͤndiſchen Meifter in Betreff des Ordenskapitels; D er kam indeß auch jetzt noch nicht ans Ziel, denn er erhielt von ihm die Antwort: er werde unmoͤglich in Perſon erſcheinen koͤnnen, weil es theils um die Pfingſtzeit noch uͤberall am noͤthigen Futter fehle, theils auch die Verhaͤltniſſe zwiſchen dem Orden und den Rigaern noch viel zu „neu und roh“ ſeyen, als daß er wiſſen koͤnne, wie ſich dieſe in Erfüllung der Friedensbedingungen verhalten wuͤr⸗ den und endlich auch weil das Land gegen die Schweden nicht ſicher ſey.) Aber auch zwiſchen dem Hochmeiſter und dem Deutſchmeiſter traten neue Irrungen ein, indem der letztere in Erfahrung brachte, daß jener dem Landkomthur von Franken gewiſſe Statuten (es waren die bekannten Statuten Werners von Orſeln) zu dem Zwecke uͤberſandt habe, um nach Einſicht ihrer Untauglichkeit fie mit feiner Beihuͤlfe im nächften Ordens⸗ kapitel ganz und gar aufzuheben.) Um den Deutſchmeiſter nicht im voraus von allen Verhandlungen zuruͤckzuſchrecken, erklaͤrte ihm zwar der Hochmeiſter: es ſey keineswegs ſeine Abſicht geweſen, dieſe Statuten ohne weiteres zu verwerfen, vielmehr habe er ſie nur geſandt, um zu erwaͤgen, was etwa in ihnen zu des Ordens Ehre, Nutzen und Gedeihen gereichen 1) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. am Abend Annunciat. Maria 1491 Fol. T. 208. 2) Schr. des Livland. Meiſters, d. Wenden Sonnab. vor Quaſi⸗ modogen. 1491 Schbl. XXVI. 49. 3) Nach einem Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Franken, d. am T. Andrea 1490 Fol. T. 296 überfandte der HM. ihm die Sta⸗ tuten mit einer Declaration uͤber dieſelben, um ihm zu beweiſen, daß ſie nicht nur gegen das Ordensbuch, ſondern uͤberhaupt gegen alles Recht ſeyen, alſo auch keine Anwendung finden koͤnnten. Er trug ihm auf, die Sache mit den Gebietigern reiflich zu erwaͤgen, damit dem Orden daraus kein Schaden geſchehe.
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Bemühungen d. HM. z. Reform. d. Ordens. (1491.) 183 möge; nur von dieſem Geſichtspunkte aus möge er die Sache anſehen und ſich dadurch vom Erſcheinen auf dem Kapitel nicht abhalten laſſen, ) und der Deutſchmeiſter nahm auch die Miene an, als ſey er von des Hochmeiſters redlichen Abſichten völlig überzeugt; um indeß einer beſtimmten Erklärung in Be⸗ ziehung auf das Ordenskapitel auszuweichen, ſchob er einen Befehl des Kaiſers vor, der ihn und den Orden in Deutſch⸗ land nach einem Anſchlage der Reichsfuͤrſten auf einem Tage zu Nuͤrnberg zur Reichshuͤlfe verpflichte.) Dieſer Umſtand und neueintretende Verhaͤltniſſe zum Koͤnige von Polen bewo⸗ gen ſomit den Hochmeiſter, das große Ordenskapitel nochmals auf ein Jahr zu verſchieben, zumal da er hoffte, daß mittler⸗ weile auch die Stellung der Dinge in Livland voͤllig in Ord⸗ nung gebracht werden koͤnne.?) Der Hochmeiſter hatte naͤmlich bei den außerordentlichen Schwierigkeiten in der Ausruͤſtung des Streithaufens zur Tuͤr⸗ kenhuͤlfe den Koͤnig von Polen durch eine Botſchaft des Haus⸗ komthurs zu Preuſſiſch⸗Mark Hans von Haugwitz zwar er⸗ ſuchen laſſen, ihm dießmal die Beihuͤlfe zu erlaſſen, ſtatt deſ⸗ ſen aber die ſtrenge Weiſung erhalten, die Ruͤſtung nicht nur mit aller Anſtrengung fortzuſetzen, ſondern auch nach Inhalt des ewigen Friedens, ſobald das foͤrmliche Aufgebot erfolge, 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Mont. nach Palmar. 1491 Fol. T. 40. ‚Der HM. hatte den Komthur v. Horneck Hartmann v. Stockheim im Verdacht, dem DM. wegen der Statuten Mißtrauen a en Der DM. aber fpricht davon den Komthur voͤl⸗ inem Schr. an d. HM. d. 5 Cantate 1491 Schl. 108 mo 6. H Horneck Donnerſt. nach Canta 2) Schr. des DM. an d. HM. d. Mergentheim Dienſt. nach Ju⸗ dica 1491 und Schr. des Landkomthurs v. Franken an d. HM. d. Freit. nach Jubilate 1491 Schbl. 98. 34. 80. Ein Zeugniß des Roͤm. Koͤ⸗ niges Maximilian über die vom DM. ihm geleiſtete Kriegshuͤlfe, d. Nürnberg Mittw. nach Jacobi 1491 bei Jaeger Cod. diplom. O. T. s. h. a. Raynaldi Annal. eccles. an. 1491 §. 13. 3) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Sonnab. Adalberti 1491 Fol. T. 206. Schr. des HM. an d. Landkomth. v. Franken „d. Kö nigsb. Sonnab. nach Johannis Bapt. 1491 Schöl. 108, 36.
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184 Bemühungen d. HM. z. Reform. d. Ordens. (1492.) dem Kriegszuge in Perſon mit beizuwohnen, und da auf einem Landtage auch das Gutachten der verſammelten Gebie⸗ tiger und Staͤnde dahin ausfiel, man duͤrfe des Königes Be⸗ fehle ohne Verletzung des ewigen Friedens keinen weitern Widerſtand leiſten, ſo mußten jetzt alle Kraͤfte des Ordens, fo ſpaͤrlich ſie auch waren, zur Kriegsruͤſtung verwandt wer: den.) Wie ſchwer der Hochmeiſter mit Mühen und Sorgen rang, beweiſt ſelbſt der Umſtand, daß er ſich ein zum Kriege taugliches Streitroß vom Meiſter von Livland erbitten mußte und nicht einmal das Anerbieten des Marſchalls des Fuͤrſten⸗ thums Oels, alle ſeine Soldforderungen zum Beſten des Or⸗ dens aufgeben zu wollen, ſofern ihm der Hochmeiſter nur ein gutes Streitroß und eine Schaube zukommen laſſe, erfüllen konnte. Weil indeß das Jahr voruͤberging, ohne daß der Koͤnig an den Tuͤrkenzug weiter mahnte, ſo faßte der Hochmeiſter mit dem Anfange des Jahres 1492 wieder mit neuem Eifer die Sache des Ordenskapitels und ſeinen Reformationsplan auf und lud in eben ſo ernſten als dringenden Schreiben die beiden Meiſter von Livland und Deutſchland aufs neue dazu ein. “) Allein feine Hoffnung ward abermals vereitelt. Der Livlaͤn⸗ diſche Meiſter wandte drohende Gefahren und feindliche Abſich⸗ ten des Großfuͤrſten von Moskau gegen Livland vor“) und 1) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Donnerſt, nach Tri⸗ nitat. 1491 Fol. T. 203. 2) Schr. des Marſchalls Wilhelm v. Moſche an d. HM. d. Au⸗ ros Sonnab. nach Corpor. Chr. 1491 Schbl. IX. 93. Es fiel dem HM. auch ſchwer, 76 Gulden für den Harniſch zu bezahlen, den er fuͤr 20 Perſonen in dieſem Jahre in Nuͤrnberg verfertigen ließ; der Landkomthur v. Franken mußte ihn an die Bezahlung mahnen, Schl. 103. 36. 3) Schr. des HM. an d. DM. u. an die Gebietiger in Deutſch⸗ land, d. Koͤnigsb. am T. Antonii 1492 Fol. T. 44 — 47. 4) Schr. des Livl. Meiſters an d. HM. d. Burtnick Sonnt. In⸗ vocavit 1492 Schbl. XVI. 18. Index corpor. histor. diplom. Livo- niae T. II. 97. -
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Bemühungen d. HM. z. Reform. d. Ordens. (1492.) 185 der Deutſchmeiſter meldete, daß ihn der Roͤm. König Maximi⸗ lian abermals zur Kriegshülfe gegen die Reichsſtadt Regensburg aufgefordert habe, ſo daß er umnoͤglich um Pfingſten in Preuſ⸗ fen erſcheinen koͤnne.) Der Hochmeiſter ſtellte ihm nun zwar vor: „er wiſſe ſelbſt, wie eine lange Dauer und eine gute Regierung jedes loͤblichen Ordens hauptfächlich auf zwei Din⸗ gen beruhe, auf einer zweckmaͤßigen Viſitation und auf der Abhaltung gemeiner Kapitel, damit die Haͤupter die Gebrechen erkennen, was Schaden bringe, veraͤndern und Ehre, Nutzen und Frommen im gemeinſamen Rathe erwaͤgen und durch Be⸗ ſchluͤſſe foͤrdern koͤnnten; er machte ihn ferner aufmerkſam auf die nachtheiligen Folgen, welche die lange Verzoͤgerung eines großen Ordenskapitels für den Deutſchen Orden bereits gehabt, wie Prieſter- und Ritterbrüder in ihren Gezeiten ſich nicht mehr um die Ordensregel bekuͤmmerten, den Gottesdienſt derabfäumten, in der Kleidertracht unordentlich lebten, wie auch in vielen andern wichtigen Dingen Regelloſigkeit und Geſetz⸗ widrigkeit im Schwange ſeyen , wie außer ihnen, den Meiſtern, die als des Ordens Haͤupter ſchon in hohem Alter ſtaͤnden, es nur noch wenige Gebietiger und Ordensbruͤder gebe, die mit den Regeln, Geſetzen und des Ordens ganzer Verfaſſung, wie ſie einſt in voller Kraft und Bluͤthe dageſtanden, noch genau bekannt ſeyen und wie zuletzt, wenn die immer wach⸗ ſende Zahl der jungen Ordensbruͤder von den alten die heil⸗ ſame Lehre, a das loͤbliche Beiſpiel und die Ausuͤbung ihrer Pflichten nicht mehr vernehmen und ſich aneignen konnten, alle Zucht, Sittlichkeit und Redlichkeit des Ordens gänzlich zu Grunde gehen und fo auch endlich der Orden der Welt zum Aergerniß werden muͤſſe. Er habe daher, fuͤgte er hinzu, aus tiefem Pflichtgefühl und in Betracht der ſchweren Zeit, die mit Leiden und Truͤbſal uͤber das Land und den Orden ergangen ſey, es nicht an Eifer und Muͤhe fehlen laſſen, um ein großes Ordenskapitel zu Stande zu bringen und darin 1) Die Aufforderung des Min. Koͤniges an d. DM. d. Linz 23 Januar 1492 bei Jaeger I. c.
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186 Finanzbedraͤngniſſe des Hochmeiſters. (1492) des Ordens Maͤngeln und Gebrechen abzuhelfen; mit tiefer Wehmuth aber muͤſſe er bekennen, wie ſehr es ihn ſchmerze und mit ſchwerem Kummer erfuͤlle, daß das heilbringende Werk nicht gelingen könne; nur der Gedanke tröfte ihn, daß die Schuld nicht an ihm liege und er gethan habe, was ihm die Pflicht geboten. Noch hoffe er jedoch, der Deutſchmeiſter werde ebenfalls die Sache ernſtlicher zu Herzen nehmen und nach Hinwegraͤumung aller Hinderniſſe ſelbſt die Zeit beſtim⸗ men, in welcher eine ſolche Verſammlung der Gebietiger Statt finden koͤnne.“) So druͤckten Kummer und Schmerz den alten Meiſter tief darnieder, wenn er im Hinblick auf den ent⸗ ſittlichten und ordnungsloſen Zuſtand ſeines Ordens alle feine redlichen Abſichten vereitelt ſah. Dabei kaͤmpfte der Hochmeiſter mit den druͤckendſten Sor⸗ gen in feinen finanziellen Verhaͤltniſſen. Die Kriegshuͤlfe und Unterhaltung des nach Livland geſandten Streithaufens, die Ruͤſtung und Verpflegung der vom Koͤnige von Polen zur Tuͤrkenhuͤlfe verlangten Kriegsſchaar, die Zahlung anſehnlicher Soldſummen, die von Jahr zu Jahr noch an die alten Soͤld⸗ nerhauptleute aus dem Bundeskriege oder an deren Erben ent⸗ richtet werden mußten, die Ausrichtung des Biſchofs Johan⸗ nes von Samland zur Reiſe nach Rom, um dort das Pro⸗ curatoramt zu uͤbernehmen, das alles hatte den Ordensſchatz bis aufs letzte geleert. Nur auf dringendes Bitten hatte zu dem letztern Zwecke der Meiſter von Livland endlich zweihun⸗ dert Gulden geſandt. Der Deutſchmeiſter dagegen ſchlug alle Geſuche um Unterſtuͤtzung ohne weiteres ab,“ fo daß der Hochmeiſter in ſeiner drückenden Armuth und kummervollſten 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Freit. nach Gregorii 1492 Sol. T. 48 — 31. 32. Schr. des HM. an d. Livl. Meifter, d. feria II. post Judica 1492 Fol. T. 213. 2) Davon die Quittungen und Belege im geheim. Archiv. 3) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Sonnab Hippolyti 1491 Fol. T. 192. Schr. des HM. an d. DOM. d. Freit. nach Gregori 1492 Fol. T. 213.
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Finanzbebrängniffe des Hochmeiſters. (1492.) 187 Lage ſich kaum noch irgendwie zu retten und zu helfen wußte. » Es war ihm im Laufe dieſes ganzen Jahres kaum moͤglich geweſen, der Wittwe und den Kindern Abrahams von Dohna die Summe von fünfhundert Gulden als die Haͤlfte der Pfand⸗ ſumme zu zahlen, wofür dieſem als für den feinen Brüdern Hans und Balthaſar von Dohna rückſtaͤndig gebliebenen Sold im Dienſte des Ordens das Kammeramt Dollſtaͤdt auf Lebens⸗ zeit verpfaͤndet geweſen war. Der Hochmeiſter mußte daher immer noch neue Schuldrecognitionen auf ſpaͤtere Zahlungen ausſtellen. Die alte bedeutende Sold⸗ und Schadenſchuld, die der Orden früher an die Grafen Heinrich Reuß von Plauen, Albrecht von Kirchberg und Veit von Schoͤnberg auf die Bal⸗ lei Elſaß angewieſen hatte, aber noch nicht entrichtet worden war, konnte jetzt nur in der Art getilgt werden, daß nach einem zwiſchen den verſchiedenen Grafen Reuß von Plauen als Erben jener bereits Verſtorbenen und dem Hochmeiſter ab⸗ geſchloſſenen Vertrage der Ordensbruder Heinrich Reuß von Plauen fir die erwähnte Soldſchuld das Schloß Preuſſiſch⸗ Eilau und die Kammerämter Eilau und Worienen zu ſeinem Unterhalt auf Lebenszeit frei von allen Laſten und Abgaben erhielt, wogegen er ſeinen Vettern und Bruͤdern, um ſich mit ihnen jener Soldforderung wegen abzufinden, ſeine vaͤterlichen Erbgüter überließ, wofür jene dann den Orden vom größten Theile der Schuldſorderung frei ſprachen, ſo daß der Hoch⸗ meiſter nur noch tauſend Rhein. Gulden in Zeitfriſten abzuzah⸗ 1) Schr. des HM. an d. DM. a. den Lage ein jammervolles Bild giebt. 2) Schr. des Ord. Marſchalls an d. HM. d. Preuſſ. Mark Mont. vor Valentini 1492 Schbl. LXXII. 109. Der Vertrag uͤber die er⸗ waͤhnte Verpfändung, d. Donnerſt. nach Quaſimodogen. 1492 Schbl. Ad. Geſch. D. 42. 41. a. O., wo er von feiner drüden- 3) Die Urkunden darüber im geh. Archiv; ſolche Recognitionen erhielten z. B. noch Graf Hans v. Hohenſtein (der noch 3500 Gulden zu fordern hatte), Hans Roͤder, Bruder des Hauptmannes Volkel Roͤ⸗ der u. a. Schbl. 93, 61 —62; Schbl. 95, 54.
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188 Finanzbedraͤngniſſe des Hochmeiſters. (1492.) len verpflichtet wurde.) — Zum Theil aber war die hoͤchſt traurige Lage der Finanzverhaͤltniſſe des Ordens auch eine Folge der immer groͤßern Einbuße an den ſonſt immer noch anſehnlichen Handels⸗ und Schiffsabgaben am Tief, denn theils verlangte der König von Polen für feine Factore freie Durchfahrt durchs Tief auf ihren Fahrten nach den Seeſtaͤdten (weil, wie man vorgab, nach Inhalt des ewigen Friedens das Tief eigentlich dem Koͤnige gehoͤre und der Orden nur aus beſonderer Milde damit belehnt ſey),? theils machten auch die Elbinger Anſpruͤche auf eine freie Durchfahrt und endlich war es auch ſchon faſt Regel geworden, daß die nach Elbing ſegelnden Holländer am Tief keinen Pfundzoll mehr entrich⸗ teten.“ Waͤhrend aber der Meiſter auf ſolche Weiſe in ſeinem eigenen Lande fort und fort mit Sorgen kaͤmpfte, ward er auch mit in die Streithaͤndel hineingezogen, welche des Koͤni⸗ ges Lande im weſtlichen Preuſſen nie zur Ruhe kommen ließen. Indem naͤmlich dort bei dem immer ſichtbareren Streben der Polen, Preuſſen durchaus nur wie eine Polniſche Provinz zu behandeln, die Staͤnde mit immer entſchiedenerem Widerſtande und feſterem Ernſte ſich den Anſchlaͤgen und dem ihren Privi⸗ legien widerſtreitenden Verfahren des Koͤniges und ſeiner Pol⸗ 1) Der zwiſchen dem HM. und den Grafen Reuß v. Plauen, dem Aeltern, Mittlern und Juͤngſten, abgeſchloſſene Vertrag, d. Koͤ⸗ nigsb. Dienft. nach Vincentii 1492 Schbl. XXVL 64. Die übrige Schuld an die erwähnten Grafen ward erſt 1497 vom Orden gänzlich abgetragen, woruͤber die Quittung vom Freit. Matthiä 1497 Schbl. 95, 16. 2) Schr. der Praͤlaten, Woiwoden u. ſ w. auf der Tagfahrt zu Graudenz an d. HM. d. Donnerſt. nach Petri u. Pauli 1491 Schbl. LXXIII. 105. Schr. des Königes v. Polen an d. HM. d. Wilnae ipso die Floriani 1492 Schbl. XXVIII. 32. 3) ueberdieß hatte man das Tief durch Auswerfen des Ballaſtes immer mehr verengt und faſt unfahrbar gemacht; ſ. Schr. des Rathes v. Elbing an d. HM. d. am T. der 10,000 Ritter 1492 Schbl. LIV. 40.
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Finanzbedraͤngniſſe des Hochmeiſters. (1492.) 189 niſchen Hauptleute entgegenftellten, Nicolaus von Baiſen aber als Woiwode von Marienburg des Landes Freiheiten und Rechte vor dem Koͤnige ſelbſt mit einer Freimuͤthigkeit und Kuͤhnheit vertheidigte, wie fie nur einem Sproͤßling aus dem Geſchlechte der Baiſen eigen ſeyn konnte, und es zuletzt auf einer Tag⸗ fahrt zu Graudenz ſo weit kam, daß ſelbſt ſchon von offenen Vertheidigungsmaaßregeln gegen den Trotz und Uebermuth der Polen die Rede ſeyn mußte, “ lag der Biſchof Johannes von Pomeſanien, durch die Stimmung gegen die Polen ermuthigt und überhaupt ein Mann, der mit niemand lange im Frieden lebte, ſelbſt mit ſeinen Domherren in beſtaͤndigem Hader ſtand und überall wenig Liebe und Vertrauen genoß, 2 wie faſt mit allen Polniſchen Hauptleuten, ſo auch mit dem Woiwoden von Marienburg in den heftigften Streithaͤndeln. Von dem Streben geleitet, alle die Rechte wieder herzuſtellen und alle Anfprüche geltend zu machen, in deren Beſitz feine Vorgänger im Amte vor dem Kriege geweſen, war er ſogar ſo kuͤhn, ſich nicht nur mehrer Beſitzungen des genannten Woiwoden in deſ⸗ fen Abweſenheit zu bemaͤchtigen und feine Seen und Wälder zu benutzen, ſondern auch in allen ſeinen Gütern den Biſchofs⸗ ſcheffel einzufordern und wo er ihm nicht geliefert wurde, die Leute mit dem Banne zu beſtrafen. Auf des Woiwoden Klage beim Könige ward auf deſſen Befehl die Entſcheidung der Streit⸗ ſache dem Hochmeiſter übertragen. Allein obgleich es dieſem oft noch am meiſten gelungen war, den leidenſchaſtlichen Biſchof in die Schranken der Ordnung zuruͤckzuweiſen, ſo koſtete es ihm jetzt doch nicht geringe Muͤhe, die erbitterten Gemuͤther wieder zu beruhigen, den Biſchof durch genuͤgende Unterweiſung zur Nachgiebigkeit in ſeinen Forderungen und vorgeblichen Rech⸗ ten und den Woiwoden zu einem ſriedlichnachbarlichen Bench: men gegen jenen zu bewegen. 9 1) Das Naͤhere bei Schütz p. 386 — 395. 2) Schr. des Ord. Marſchalls an d. HM. d. Deutſch⸗Eilau am T. Bartholom. 1492 Schbl IIII. I. 3) Schr. des Woiwoden v. Marienb. an d. HM. d. Chriſtburg Donnerſt. nach Sophia 1492; Schr. des Biſchofs Johannes v. Pome⸗
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190 Tod des Königes Kaſimir v. Polen. (1492.) Vieles ſchien ſich auch fr den Orden anders zu geſtal⸗ ten, als im Juni dieſes Jahres (1492) der Koͤnig Kaſimir von Polen ſtarb, v gewiß zum Gluͤcke des Landes, denn wie in feinem Reiche, fo nahm er auch in Preuffen keine trauernde Liebe mit ins Grab, in dem letztern Lande auch nicht einmal beſondere Achtung; er war vielmehr hier allgemein gehaßt. Die Wahl feines zweiten Sohnes Johann Albrechts zum Köͤ⸗ nige von Polen hatte auch fuͤr den Orden beſondere Wichtig⸗ keit. Schon der Umſtand war von großem Einfluſſe, daß das Großfuͤrſtenthum Litthauen von der Polniſchen Krone wie⸗ der getrennt ward, indem ſogleich nach Kaſimirs Tod deſſen dritter Sohn Alexander von den Litthauern, wie ſie vorgaben, nach des ſterbenden Koͤniges Befehl zum Großfuͤrſten erkoren ward.) Dem Orden von jeher unter allen Söhnen Kaſimirs am meiſten zugethan, wandte er ſich ſchon wenige Wochen nach ſeiner Wahl an den Hochmeiſter, um den Beſchwerden abzuhelfen, welche zwiſchen Kauen, Danzig und einigen Staͤd⸗ ten des Ordens wegen Handelsbeſchraͤnkungen der Kaufleute von Kauen in dieſen Staͤdten obwalteten, mit der Bitte, der Hochmeiſter moͤge alles aufbieten, um die Irrungen durch guͤt⸗ liche Ausgleichung zum Beſten beider Länder beizulegen.?) Der Meiſter entgegnete den Wuͤnſchen des Fuͤrſten durch eine beſondere Geſandtſchaft, ließ um ſeine Gunſt und Geneigtheit bitten und zugleich auch zur Aufrechthaltung eines guten nach⸗ barlichen Verhaͤltniſſes um die Feſtſtellung eines Verhandlungs⸗ tages, auf welchem durch Bevollmaͤchtigte der ewige Friede unter ihnen erneuert, ſeinem Inhalte in allen Punkten Genuͤge geleiſtet, vor allem die immer noch nicht berichtigten Graͤnz⸗ fanien an d. HM. d. Rieſenb. Dienſt. nach Jocunditat. 1492; Schr. des HM. an Nicolaus v. Baiſen, d. Koͤnigsb. Mittw. nach Cantate 1492 Schbl. LXV. 88. 89. 90. 1) Sarnicä Annal. Polon. 1186. Kojalowicz P. II. 257— 258. 2) Kojalowicz P. II. p. 259 — 260. 3) Schr. des Großfuͤrſten Alexander v. Litthauen an d. HM. d. in Wilno die domin. ante visitat, Mariae 1492 Schbl. XXVIII. 33.
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Finanzbedraͤngniſſe des Hochmeiſters. (1492. 191 irrungen beſeitigt und dem Ueberziehen entlaufener Litthauer ins Ordensgebiet, wo ſie durch Diebſtahl, Brand und Mord nur großes Unheil anzurichten pflegten, Einhalt gethan werden möge. D Auch an den neuen König von Polen erließ der Meifter eine Geſandtſchaft. Sie brachte den Beſcheid zuruͤck: er oder eine bevollmächtigte Botſchaft ſolle bis Weihnachten vor dem Koͤnige zur Huldigung erſcheinen. So traten neue ſchwere Sorgen ein, denn nicht nur hierzu gebrach es an den noͤthi⸗ gen Geldmitteln, ſondern es mußte auch, da der Papſt Inno⸗ cenz der Achte geſtorben und der bisherige Protektor des Or⸗ dens, der Kardinal Roderich Borgia als Alexander der Sechſte zum Papſte erkoren war, ein neuer Protektor am Roͤm. Hofe gewonnen und zugleich auch eine neue Beftätigung der Pri⸗ vilegien und des Ablaſſes des Ordens 2) erworben werden, wozu ebenfalls anſehnliche Summen erforderlich waren; endlich hatte auch der Rom. König Maximilian, vom Koͤnige Wladis⸗ lav von Ungern und Böhmen gegen die Tuͤrken zu Huͤlfe gerufen und vom Koͤnige Karl von Frankreich ſchwer gekraͤnkt und an ſeiner Ehre verletzt, an den Hochmeiſter und an alle Biſchoͤfe Preuſſens und Livlands ein Mandat wegen einer Kriegs⸗ huͤlfe erlaſſen, { wodurch die geringen Kräfte des Landes abermals in Anſpruch genommen wurden.) So von allen Seiten her zu bedeutenden Ausgaben gedrängt, mußte der Hochmeiſter abermals die beiden Meiſter von Deutſchland und Livland und deren Gebieti ger um Unterftügung in dieſen den geſammten 1) Gewerbe für den Komthur v. Memel u. den Hauskomthur v. Ragnit bei ihrer Sendung an d. Großfuͤrſten Alexander, d. Freit. nach Aller Heil. 1492 Schbl. XVI. 62. 2) Da der HM, in feinen Bedrängniſſen auf den Ertrag dieſes Ablaſſes einen großen Werth legen mußte, ſo erhielt der Ordensprocu⸗ rator auch ſofort den Auftrag, um Beftätigung deſſelben beim neuen Papſte einzukommen; Schr. des HM. an den Biſchof v. Samland, Procurator des Ordens „o. D. (1492) Fol. T. 428. 3) Schr. des Roͤm. Koͤniges Maximilian an d. Biſchof v. Ermland, d. Ulm 10 Juli 1492.
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192 Finanzbedraͤngniſſe des Hochmeiſters. (1492.) Orden betreffenden Angelegenheiten erſuchen.) Da er jedoch nicht felten in den Fall kam, dafi er ſelbſt Schuldforderungen von einigen hundert Gulden nicht ſogleich entrichten konnte, ja es ſogar oft an den noͤthigen Beduͤrfniſſen bei feiner Hof⸗ haltung fehlte, ſo ſandte er im Frühling des Jahres 1493 eine beſondere Botſchaſt an den Deutſchmeiſter mit der drin⸗ gendſten Bitte: er moͤge ihm die ſchwer auf ihm liegende Laſt doch einigermaßen mit erleichtern helfen, die Koſten der Unter⸗ haltung des Procurators zu Rom, wie ſeine Vorfahren gethan, mit tragen und zur Abtragung der Soͤldnerſchulden ihm doch wenigſtens mit etwa tauſend Rhein. Gulden zu Hülfe kommen; er moͤge ferner auch den Orden beim Roͤm. Koͤnige mit ſeiner druckenden Armuth, feinen Bedraͤngniſſen und Gefahren, die er jetzt vom Großfürften von Moskau in Livland zu beſuͤrchten habe, entſchuldigen, wenn in der von ihm verlangten Kriegs⸗ hülfe kein Erfolg erwartet werden koͤnne. “ Allein die Bitte des Hochmeiſters blieb ohne Erfolg, denn der Orden in Deutſch⸗ land hatte im Verlaufe des vorigen Jahres alle ſeine Mittel erſchoͤpft, um den wiederholten Aufforderungen des Rom. Koͤ⸗ niges zur Kriegshuͤlfe genügen zu koͤnnen.“ So trat der Hochmeiſter, nachdem er den Großkomthur Stephan von Streitberg zum einſtweiligen Statthalter ernannt, unter ſchwerem Kummer kurz vor Pfingſten die Reiſe zum Kö: nige an, denn bis dahin war ſie immer verzoͤgert worden. Das ſtattliche Ehrengeleite, welches er bei Thorn fand, die freundliche Aufnahme und das glaͤnzende Gaſtmahl, womit ihn der Koͤnig in Poſen beehrte, konnten ihm keine Erheiterung 1) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. am T. Lucä 1492 Fol. T. 215. 2) Schr. des HM. an d. Kurfürſten Friedrich v. Sachſen, d. Mittw. nach Schotaftick 1493 Fol. T. 438. 3) Aufträge des HM. an d. DM., dem Komthur v. Horneck Hartmann v. Stockheim mitgegeben, d. Mont. nach Laͤtare 1493 Fol. T. 83 — 85. Schr. des HM. an d. DM. d. Oſtern 1493 Fol. T. 61. 4) Das Nähere darüber bei Jaeger Cod. diplom. O. T. s. . a. (1492).
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1493.) 193 bringen. Auf die Aufforderung wegen neuer Beſchwoͤrung des ewigen Friedens und der Huldigungsleiſtung erklärte er Ans fangs: er halte ſich dazu nicht verpflichtet, da er beides ja bereits dem verſtorbenen Könige Kaſimir geleiſtet. Indeß nach vielen Verhandlungen und auf dringendes Verlangen ſowohl des Koͤniges als aller verſammelten Reichsgroßen mußte er ſich endlich dennoch dazu bequemen, worauf ihm der Koͤnig mit Hand und Mund die Zuſage gab, den Orden und das Land in feinen Schutz und Schirm zu nehmen. » Kaum aber war der Hochmeiſter heimgekehrt, ſo brach ein langwieriger und heſtiger Streit mit dem Biſchofe Lucas von Ermland aus. Nachdem naͤmli ch ein Zwiſt des Biſchofs mit dem Ordensmarſchall Erasmus von Reizenſtein eine ſtarke Spannung der Geniüther zur Folge gehabt, der Biſchof auch daruͤber erbittert war, daß man zur Zeit, als er vom Koͤnige von Polen aus feinem Amte wieder verdrängt werden follte, von Seiten des Ordens ihm nicht den gewuͤnſchten Beiſtand hatte gewaͤhren wollen, ? bedurfte es nur der gemeinen Zaͤn⸗ kerei des Schloßkaplans zu Barthen, wobei es zu einigen Thaͤtlichkeiten kam, um die feindliche Stimmung zum offenen Streite aufzureizen, indem der Biſchof es wagte, den erwaͤhn⸗ ten Kaplan, der von ihm vorgeladen, vom Pfleger von Bar⸗ then aber verhindert ward, vor ihm zu erſcheinen, ohne wei⸗ teres in den Bann zu erklären.) Da er „ darüber zur Rede geſtellt, nach einer eigenen Auslegung der Ordensprivilegien fich das Recht anmaßte, ſowohl geiſtliche als weltliche Ordens⸗ bruͤder vor ſein biſchoͤfliches Gericht laden und mit dem Banne beſtrafen zu duͤrfen, ſo mußte dieß um ſo mehr befremden, da 1) Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Poſen Donnerſt. nach Pfingſt. 1493 Schul. LXIX. 36. 2) So wird der Anlaß des Streites im Fol. V. 380 dargeſtellt und geſagt: der Biſchof habe nur eigentlich aus Rache ſich unterſtan⸗ den, die Privilegien des Ordens zu verletzen. 3) So gab die Ermlaͤndiſche Partei den erſten Anlaß des Zwiſtes an. Fol. T. IX. 13
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194 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1493.) ſich nie zuvor ein Biſchof von Ermland einen ſolchen Schritt erlaubt. Weil des Meiſters Gegenvorſtellung kein Gehoͤr fand, ſo mußte eine andere Entſcheidung eintreten. Der Biſchof ſchlug als Schiedsrichter den Papſt, den Erzbiſchof von Riga, Praͤlaten aus Polen, die Univerſitaͤt zu Krakau, oder einige von ihnen beiden erkorene Gelehrte aus dem Lande vor. Da indeß eine ſolche Verletzung der allgemeinen Ordensprivilegien ebenſo das Intereſſe der beiden Meiſter von Deutſchland und Livland als den Orden in Preuſſen beruͤhrte, ſo glaubte der Hochmeiſter die Sache keineswegs auf ſich allein nehmen zu dürfen, meldete fie daher beiden mit der Bitte um ihren Rath, wie gegen den Biſchof zu verfahren ſey, zugleich auch mit dem Geſuch an den von Livland: beim Erzbiſchofe von Riga als dem Metropolitan des Biſchofs ein Mandat auszuwirken, worin dieſer in gehoͤrige Graͤnzen zuruͤckgewieſen und vor fernerer Ver⸗ letzung und Schwaͤchung der Ordensfreiheiten gewarnt werde, mit Hinweiſung auf die richterliche Straf⸗ und Amtsgewalt, welche der Erzbiſchof gegen ihn in Anwendung bringen koͤnne.“ Da dem Biſchofe vor allem auch das paͤpſtliche Gebot entgegen⸗ ſtand, daß niemand außer dem Papſte das Recht haben folle, die Ordensprivilegien zu deuten und auszulegen, fo trug er dem Procurator zu Rom auf, beim Roͤm. Stuhle einen Bes fehl zu veranlaſſen, der dem Biſchofe ohne weiteres Stillſchwei⸗ gen auflege und ihm verbiete, die erwaͤhnten Privilegien ferner zu interpretiren und in ihrem Inhalte zu verletzen. 2) Der Hochmeiſter konnte es ſich in der That ſelbſt kaum erflären, wie der Biſchof, der ohnedieß mit dem Koͤnige von Polen noch keineswegs in friedlichen Verhaͤltniſſen ſtand, gerade jetzt dieſen Zwiſt mit dem Orden hatte veranlaſſen können. Eine Tagfahrt zu Braunsberg, wo der Großkomthur Stephan von 1) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Donnerſt. nach Eins pfängn. Mariä 1493 u. Schr. deſſ. an d. Erzbiſchof v. Riga, d. Freit. nach Empfaͤngn. Mariä 1493 Fol. T. 219. 220. 2) Schr. des HM. an d. Ordensprocurator, d. Dienſt. nach Lu⸗ cid 1493 Fol. T. 251.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1494) 195 Streitberg, die Komthure Melchior Köchler von Schwansdorf zu Brandenburg, Hieronymus von Gebſattel zu Balga, Si⸗ mon von Drahe zu Preuſſ. Holland u. a. mit dem Biſchofe mehre Tage lang über die Privilegien des Ordens, deren Erklarung und Ausdehnung verhandelten, führte ebenfalls zu keinem Erfolge, denn der Biſchof hielt ſtarr an ſeiner Be⸗ hauptung feft, daß manche Privilegien durchaus nicht mehr guͤltig, andere in ihrer Ausdehnung keineswegs ſo allgemein ſeyen, wie fie der Orden deute.“ Da der Meiſter die Hoff: nung hegte, daß auch dieſe Streitſache am leichteſten bei der Zusammenkunft der oberſten Gebietiger zum großen Ordens⸗ kapitel werde beſeitigt werden koͤnnen, ſo betrieb er auch dieſe Angelegenheit beim Deutſchmeiſter wieder mit neuem Eifer, 2 Der Streit nahm indeß in den Verhandlungen mit dem Biſchofe im Anfange des Jahres 1494 eine noch bedenklichere Wendung, denn ſich ſelbſt auf das Beiſpiel des Erzbiſchofs von Riga und der Biſchoͤfe in Livland berufend, die, wie er gehoͤrt haben wollte, ebenfalls Ordensbruͤder, ſobald ſie ſich an geweihten und geiſtlichen Perſonen vergriffen, mit dem Banne beſtraft hätten, ohne ſich um die Ordensprivilegien zu bekümmern, erklaͤrte der Biſchof: eine Mittheilung des Erz⸗ biſchofs über fein Verhalten gegen den Orden werde ihm nur dienen, die Sache noch näher zu erwaͤgen, nur des Papſtes Befehlen in Betreff der Ordensprivilegien werde er ſich gehor⸗ ſam zeigen, bis dahin aber gegen den Orden verfahren, wie ſeine Gerichtsgewalt es fordere. Es war alſo vorauszuſehen, daß er gegen alle Verfügungen des Erzbiſchofs ſofort appelliren werde. Da man bald erfuhr, daß der Biſchof im aͤußerſten Falle auch noch andere gefaͤhrliche Schritte gegen den Orden im Sinne habe und überhaupt die Aufrechthaltung der wichtig⸗ 1) Der Receß über dieſe Tagfahrt vom Mont. nach Andreaͤ 1493 im Fol. V. 388 ff. 394 ff. 2) Schr. des HM. an den DM. d. am T. Stephani 1493 Fol. T. 62. 13 *
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196 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1494.) ſten Ordensfreiheiten jetzt offenbar auf dem Spiele ftand, ) fo bot der Hochmeiſter alle Mittel auf, um theils durch den Erz⸗ biſchof von Riga, durch eine Klage beim Koͤnige von Polen und beſonders auch am Roͤm. Hofe mit aller Kraft und Ent⸗ ſchiedenheit des Willens dem argliſtigen Plane des Biſchofs entgegenzuarbeiten, theils durch eine Sendung der Biſchoͤfe von Samland und Pomeſanien an ihn ihm zu erklaͤren, daß der Orden aufs feſteſte entſchloſſen ſey, ſeine Privilegien, die Grundfeſten ſeines ganzen Daſeyns, mit allen Machtmitteln aufrecht zu erhalten, zugleich demnach ihm ſein Beginnen zu widerrathen und ihn zum Frieden zu ermahnen. ) Das alles blieb fruchtlos, denn der Biſchof entgegnete: „wo die Urſache aufhöre, höre auch die Wirkung auf; der Orden habe die Pri⸗ vilegien im Morgenlande waͤhrend ſeiner Kaͤmpfe gegen die Heiden erhalten; er ſtreite jetzt nicht mehr gegen die Unglaͤu⸗ bigen und da ſomit die Urſache aufgehoͤrt habe, ſo entgehe auch ſeinen Privilegien alle Kraft und Wirkung. Er aber habe die Macht, ſich des Bannes zu bedienen und werde ihn auch fernerhin gebrauchen; zudem mißbrauche der Orden auch haͤufig dieſe alten Privilegien, indem Ordensbruͤder ſich ſelbſt von Bi⸗ ſchöfen hätten abſolviren laſſen.“ Es war umſonſt, daß man den Biſchof in allen dieſen Punkten widerlegte.) Nur der Papſt konnte jetzt entſcheidend eintreten; daher unterließ es der Hochmeiſter auch nicht, den Eifer des Ordensprocurators und des einflußreichſten Kardinals durch Geſchenke von ſeltenem Pelzwerke, Zobelſchauben u. dgl. ſo viel als moͤglich zu beleben, — — 1) Von dieſem Geſichtspunkte aus beurtheilte auch der HM. den Streit in einem Schr. an d. Livl. Meiſter, d. am Abend Purif. Ma⸗ rid 1494 Fol. T. 237; er ſagt ſelbſt: es gelte die Grundfeſte und den Schatz des Ordens, und fügt hinzu: wir werden auch heymlich gewar⸗ net, nicht alleyn unſern orden in ſeinen Privilegien vermeynt er zu ver⸗ folgen, ſondern auch in andern Dingen, wie euch das hienachmals, ſo wir forder beſcheidt erlangen, wol wollen wiſſen laſſen. 2) Daruͤber der Bericht im Fol. V. 405 — 409. 3) Darüber das Nähere im Sol, V. 407.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1494) 197 denn bereits war auch ein thaͤtiger Geſchaͤftstraͤger des Bi⸗ ſchofs dort angelangt, um für feine Sache zu wirken. » Daneben aber hielt er immer auch noch an der Hoffnung feſt, daß der Biſchof durch eine entſchiedene Einwirkung der oberſten Ordensgebietiger von einem großen Ordenskapitel aus vielleicht noch zur Beſinnung und zur Sühne gebracht wer⸗ den koͤnne, und zu dieſem hatte ihm jetzt der Deutſchmeiſter auf nächften Johannis⸗ Tag feine beſtimmte Zuſage gegeben, weshalb auch der Meiſter von Livland dazu eingeladen ward, denn auch fuͤr dieſen ſchienen alle Hinderniſſe beſeitigt.) Lange nahmen daher auch, außer dem Entwurfe und der Bekannt⸗ machung einer neuen Landesordnung, worin er mit Beirath der Biſchoͤfe von Pomefanien und Samland eine Menge laͤnd⸗ licher und ſtaͤdtiſcher Verhaͤltniſſe im Handel und Verkehr und vielen andern Zweigen menſchlicher Betriebſamkeit durch ſtrenge Geſetze neu ordnete und feftftellte, I die Vorbereitungen zu die⸗ ſem Kapitel des Meiſters ganze Thaͤtigkeit in Anſpruch, denn hocherfreut pries er fich gluͤcklich, daß endlich das langerſehnte, heilſame Werk einer gruͤndlichen Verbeſſerung der Ordensverfaſ⸗ ſung durch ihn zu Stande kommen werde. Alles, was dem Deutſchmeiſter den Zug nach Preuſſen erleichtern konnte, ward 1) Schr. des HM. an d. Procurator zu Rom, d. Koͤnigsb. am Abend Purif. Maric 1494 Fol. T. 252; ein anderes Schr. an d. Pro⸗ curator, d. Mittw. Gregorii 1494 Fol. T. 285 — 256. Er ſchreibt: Ouch haben wir eyn koſtlich Cöobilſchawbe mit weißen Thamaſchken obirzogen und eyne gute mardern mit ſwarzem Harras vor iich dynend, die wir felber entperen von unferm leibe, gen Nürnberg geſchickt, fie fordan an die Etſch und ken Rom ſollen gefertigt werden, moͤget die vor gut nehmen, denn zo die Herſchaft des konigreichs von Polan geteilt iſt, zurynnen die ſchawben und werden ſelzam, haben ouch die zeit obir uß unſer wiltniß nichts von mardern erlanget. 2) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Freit. vor Laͤtare 1494 Fol. T. 238. 3) Das Nähere über dieſe Landesordnung in der Ausgabe derſel⸗ ben von Boltz u. bei Baczto B. IV. 166 ff.; ein Auszug aus ihr bei Pauli B. IV. 377 — 378.
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198 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1494.) mit größter Sorgſamkeit beruͤckſichtigt)) und um durchaus alle Hinderniſſe zu beſeitigen, ſtellte er den beiden Meiſtern anheim, ob ſie die Verlegung des Kapitels bis gegen Michaelis geneh⸗ migen möchten. Sie willigten beide ein, weil die Zeit bis Johanni zu kurz ſchien. Nun ſtarb zwar der von Livland Johann Freitag von Loringhofen ploͤtzich am ſechsundzwanzig⸗ ſten Mai; der Hochmeiſter indeß erſuchte den Landmarſchall, ſobald als moͤglich eine neue Meiſterwahl zu veranlaſſen und da ſchon am ſiebenten Juli Walther von Plettenberg zum Mei- ſter erkoren ward, ſo ſchien von hieraus weiter kein Hinderniß entgegenzuſtehen. ?) Je naͤher aber die Zeit des Ordenskapitels heranruͤckte, um ſo mehr ſtellten ſich wieder mancherlei Schwierigkeiten ent⸗ gegen. In Livland waren zwiſchen dem Orden und dem Groß⸗ fürften von Moskau wegen einiger Gewaltthaͤtigkeiten an den Graͤnzen wieder neue Zwiſtigkeiten entſtanden, die einen aber⸗ maligen Einfall der Ruſſen ins Land befürchten ließen, fo daß ſelbſt der Hochmeiſter auf die Ausruͤſtung eines neuen Kriegs⸗ haufens bedacht ſeyn mußte, im Fall es wieder zum Kriege kommen follte. ? Ferner hatte der Hochmeiſter bis zur Zeit des Kapitels die laͤngſt in Anregung gebrachte Beſtaͤtigung der Ordensprivilegien durch den neuen Papſt erwartet; allein trotz aller Bemuͤhungen des Ordensprocurators konnte dieſe nicht erlangt werden, denn es fehlte ihm durchaus an den dazu nöthigen Geldmitteln, und doch hing von dieſer Beſtaͤtigung 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Freit. vor Judica 1494 Fol. T. 65. 2) Schr. des HM. an d. DM. d. Mont. vor Quaſimodogen. u. am T. vor Himmelf. 1494 Fol. T. 67. 68. 3) Schr. des HM. an den Landmarſchall v. Livland, d. Mont. nach Viti 1494 Fol. T. 241. S. Index corpor. histor. diplom. Livo- niae T. II. 102. Schr. des HM. an d. DM. d. Freit. nach Viſitat. Mariä 1494 Fol. T. 71. 72. Hiärn Ehſt⸗ Liv⸗ u. Lettland. Geſch. herausgeg. v. Napiersky ©. 188. 4) Schr. des HM. an d. Procurator, d. am Abend Maris Mag⸗ dal. 1494 Fol. T. 257.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1494) 199 der Privilegien und des Ordensablaſſes theils die Vermehrung der Einfünfte des Ordens und die Beſtreitung der bedeutenden Ausgaben beim Ordenskapitel, theils auch die ſchnellere Be⸗ endigung des Streites mit dem Biſchofe von Ermland ab, der, je laͤnger es mit der Beſtaͤtigung der Ordensprivilegien dauerte, immer kecker und hartnaͤckiger gegen den Orden auf⸗ trat; auch das apoſtoliſche Breve, welches dem Biſchofe Stillſchweigen gebieten ſollte, hatte der Procurator noch nicht auswirken konnen, fo daß der Hochmeiſter ſchon ſehr beſorgt wurde, der Sachwalter des Ermlaͤndiſchen Biſchofs moͤge am Röm. Hofe Mittel gefunden haben, dieß alles zum Nachtheil des Ordens zu hintertreiben.) Immer jedoch noch hoffend, daß das Kapitel dennoch Statt finden werde, ließ er an die verſchiedenen Landkomthure den Befehl ergehen, bei Strafe des Ungehorſams zur beſtimmten Zeit ſich in Preuſſen einzu⸗ finden.) Da entnahm ihm aber ein Schreiben des Deutſch⸗ meiſters plöglich wieder alle Hoffnung, denn dieſer legte wieder eine Menge von Hinderniſſen vor, die ihm nicht erlaubten zum Ordenskapitel zu kommen. Der Hochmeiſter konnte es ihm nicht verhehlen, wie ſehr ihn dieſe Taͤuſchung niederſchlug, zumal da nicht zu verkennen war, daß auch ein gewiſſes Miß⸗ trauen beim Deutſchmeiſter mit gewirkt hatte.) Da er voraus⸗ ſah, daß dieſer immer wiederholte Auſſchub des Kapitels dem Orden bei ſeinen Feinden zu Spott und Hohn und ſelbſt bei ſeinen Freunden zur Mißbilligung und Tadel und überhaupt in jeder Beziehung zu großem Nachtheil gereichen werde, ſo erſuchte er den Meiſter von Livland ‚ feinen Zug nach Preußen 1) Schr. des HM. an d. Procu Abend Mariä Mag⸗ dal. 1494 Fol. T. 287. Procurator, d. am 2) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Sonnab. nach Jacobi 1494 Fol. T. 258. Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Elſaß u. a. d. Mont. vor Mari Magdal. 1494 Fol. T. 355. Schr. des Landkomthurs v. Oeſterreich an d. HM. d. Fteiſach Sonnt. nach Franciſck 1494 Schbl. 105. nro 197. 4) Schr. des HM. an d. DM. o. D. Fol. T. 74.
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200 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1494.) nicht aufzugeben, damit ſie beide wenigſtens ſich unter einander berathen moͤchten, was dem Orden Noth thue.) Dieß ſchien um ſo nothwendiger, weil eben der Großfuͤrſt von Litthauen Hülfe gegen den Großfürſten von Moskau beim Hochmeiſter erbeten, dieſer ſich aber mit der eigenen Hülfloſigkeit und Ar⸗ muth des Ordens zu entſchuldigen geſucht hatte, was von jenem nicht aufs beſte aufgenommen worden war, zumal da er ohne⸗ dieß den vom Meiſter von Livland mit dem Großfuͤrſten von Moskau abgeſchloſſenen Waffenſtillſtand als dem ewigen Frie⸗ den widerſtreitend anſah. 2) Der Hochmeiſter mußte alſo jetzt auf andere Mittel den⸗ ken, um den Streit mit dem widerſpaͤnſtigen Biſchofe von Erm⸗ land zu beendigen. Da vorerſt noch keine Ausſicht war, daß vom Roͤm. Hofe aus nachdruͤckliche Schritte gegen ihn erfolgen wuͤrden, ſo trug er dem Deutſchmeiſter auf, auf dem vom Roͤm. Koͤnige anberaumten Reichstage ſowohl dieſem ſelbſt, als den verſammelten Neichsfürften die Bitte vorzutragen: fie möchten insgeſammt an den Papſt und das Kardinal⸗Collegium die ernſte Aufforderung ergehen laſſen, „den Deutſchen Orden, das Hospital der ganzen Deutſchen Nation, der noch heut zu Tage an den Enden der unglaͤubigen Ruſſen eine Saͤule und ein Schirm der heiligen Chriſtenheit ſey, in ſeinen Privilegien und Grundfeſten, womit er von Paͤpſten, Kaiſern und Fuͤrſten begnadigt worden, zu erhalten, dieſe zu beſtaͤtigen und nichts gegen fie unternehmen zu laſſen.“?“ Um dem Roͤm. Könige ſeine Geneigtheit zu beweiſen, verſprach ihm der Meiſter, ſei⸗ nen Wunſch wegen einer Anzahl ſchoͤner Jagdfalken aus Preuſ⸗ fen ſobald als möglich zu erfüllen, denn noch immer waren es 1) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Mont. nach Bartho⸗ lom. 1494 Fol. T. 255. 226. 2) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Koͤnigsb. Mont. nach Laurentii 1494 Fol. T. 235. 3) Schr. des HM. an d. DM. d. Dienſt. nach Nativit. Mariä 1494 Fol. T. 76.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1494) 201 ſolche Geſchenke, womit ſich der Hochmeiſter der Fünſten Gunſt zu erwerben ſuchte. D Waͤhrend indeß der Meiſter von hieraus neue Hoffnung zur Beſchwichtigung des aͤrgerlichen Streites faßte, trat der Erzbiſchof von Riga, wahrſcheinlich durch das Zögern des Roͤm. Hofes ſcheu gemacht, in der Streitſache mehr und mehr zurück, fo daß er ſelbſt ein Zeugniß über fein eigenes Verhal⸗ ten zum Orden, welches der Hochmeiſter dem Biſchofe vorlegen wollte, geradehin verweigerte; er wies vielmehr in allem, was man von ihm verlangte, auf die Biſchöfe in Preuſſen, beſon⸗ ders auf den mit dem Papſte fo genau bekannten Biſchof von Samland hin. Auch den Meiſter von Livland hielten wohl weniger ſeine innern Landesverhaͤltniſſe von aller Theilnahme und Mitwirkung in dem, was der Hochmeiſter mit ihm hatte berathen wollen, ab, als ihn das Nichterſcheinen des Deutſch⸗ meiſters zum großen Kapitel ſcheu machte und zuruͤckſchreckte, denn bereits auf der Reiſe nach Preuſſen begriffen und ſchon nahe an deſſen Graͤnzen angelangt, hatte er kaum vom Hoch⸗ meiſter Nachricht uͤber jenen erhalten, als er ſeine Weiterreiſe ſofort einſtellte, ſich mit ſeinen Bedraͤngniſſen durch die Ruſſen entſchuldigend. Die Gefahr aber vor der Kriegsmacht und vor der von Deutſchen geleiteten Kriegsruͤſtung des Großfürſten von Moskau ward dem Hochmeiſter als ſo bedeutend vorge⸗ ſteut, daß er nicht nur das größte Ungluͤck und vielleicht ſelbſt den voͤlligen Untergang d es Ordens, ſondern auch fuͤr Deutſch⸗ and Jammer und Unheil von dorther zu befürchten anfing, ſo daß er den Deutſchmeiſter nicht dringend genug auffordern konnte, bei Zeiten mit ihm auf kraͤftige Mittel der Mithuͤlfe fuͤr Livland zu denken, zumal da ſich eben in einem ſolchen Kampfe gegen die Ruſſen die beſte Gelegenheit zur Widerlegung des dem Orden 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Dienſt. nach Nativit. Mariä 1494 Fol. T. 78. 2) Schr. des Erzbiſchofs v. Riga an d. Livl. Meiſter, d. Ronnen⸗ burg am T. Kreuz- Erhoͤh. 1494 Schbl. XLII. 61. Index corpor. histor. diplom. Livoniae T. II. 103.
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202 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1495.) ſo oft und erſt juͤngſt wieder gemachten Vorwurfes finde, er kaͤmpfe nicht mehr gegen die Ungläubigen. D um ſelbſt ſofort ans Werk zu greifen und fo viel als möglich den von Rußland her drohenden Gefahren zu begegnen, erbot er ſich dem Meiſter von Livland zur Unterflügung mit Beihülfe feiner Praͤlaten, Lande und Staͤdte bereit,) in der Hoffnung, daß er auch den neuen Koͤnig von Polen, der gegen Ende dieſes Jahres nach Preuſſen kam, zur Theilnahme am Kampfe oder wenig⸗ ſtens zur Friedensvermittlung werde gewinnen koͤnnen. 3 Johann Albrecht aber, theils in Ungeriſchen Angelegen⸗ heiten, theils durch Krieg gegen die Tataren viel beſchaͤftigt, ſchien ſich wenig um die Verhaͤltniſſe des Ordens in Preuſſen zu bekuͤmmern. Er ließ waͤhrend ſeiner Anweſenheit den Hoch⸗ meiſter, der gerne manches mit ihm hatte verhandeln wollen, nicht einmal zu ſich kommen, ſondern eilte bald von Marien⸗ burg wieder nach Thorn hinab, ohne auch dort die Gegenwart der Geſandten des Hochmeiſters viel zu beachten.) Eine ver⸗ derbliche Seuche, die im Januar des Jahres 1495 in ganz Preuſſen, beſonders in Danzig eine große Zahl von Menſchen hinraffte, trieb ihn bald aus dem Lande wieder hinweg, wes⸗ halb er nicht einmal überall die Huldigung eingenommen hatte.“ 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Donnerft. nach Matthaͤi 1494 Fol. T. 86. 2) Schr. des Livl. Meiſters an d. HM. d. Wenden am Abend vor Andrea 1494 Schbl. 3) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Sonnt. nach Lucia 1494 Fol. T. 13. 4) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Mont. nach Pauli Bekehr. 1495 Fol. T. 14. 5) Schütz p. 398 ſetzt die Anweſenheit des Koͤniges in Preuſſen in den Fruͤhling 1495; wir erſehen aber aus mehren Schreiben des HM., daß der Koͤnig ſchon im Januar in Preuſſen war und im Februar nach Thorn wieder zuruͤckkehrte. Von der um Marienburg und in Danzig beſonders ſtark herrſchenden Seuche ſpricht auch der HM. in einem Schr. an den Livland. Meiſter, d. Freit. nach Valentin 1495 Fol. T. 15.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1495.) 203 Zum Gluͤck blieb auch Livland von den Ruſſen verſchont, denn der weiche und faule Winter und die feindlichen Verhoͤltniſſe zwiſchen dem Großfürften und den Litthauern D hielten jenen von feindlichen Einfällen zurück. Dem Hochmeiſter war dieß wegen der verſprochenen Kriegshülfe hoͤchſt erwuͤnſcht, denn es beſchäftigten ihn wieder andere beſorgliche Verhaͤltniſſe. Der Biſchof von Ermland hatte ſich durch eine reiche Geldſpende mit dem Könige von Polen während deſſen Anweſenheit in Preuſſen vollkommen ausgeſöhnt ) und bot nun alle Mittel auf, ihm mißtrauiſche Geſinnungen gegen den Orden einzuflös ßen und ihn gegen dieſen aufzuheben. Der Hochmeiſter aber war dem Koͤnige noch viel zu wenig bekannt, als daß dieſer den Einfluͤſterungen des Biſchofs nicht hätte Gehör geben ſol⸗ len, zumal da er feine Anweſenheit im Lande nicht benutzt hatte, um die noch obwaltenden ſtreitigen Verhaͤltniſſe mit dem Orden auszugleichen. Ferner war auch kurz zuvor der dem Orden immer ſo wohlgeſinnte und mit dem Hochmeiſter ganz beſonders befreundete Herzog Johannes von Maſovien geſtorben und da weder er, noch der noch lebende Herzog Konrad von Maſovien, Johanns Bruder, eheliche Erben hinterließen, ſo glaubte jetzt der Koͤnig von Polen als rechtmaͤßiger Erbe auf das Herzogthum Anſpruͤche zu haben und es mit der Krone Polens verbinden zu konnen.) Mit Herzog Konrad aber, der 2 1) Kojalowicz P. II. 269. 2) Es heißt im Fol. I. 323: das der Herre von Heilsberg in gnaden des heren koͤniges von Polen kommen ſey und ſich warlich mit merglichem gelde darin gekouft hot. ) Das Nähere darüber im Fol. I. 324. Vom Herzog Johannes heißt es: „der Fuͤrſt in Maſovien iſt eyn frommer, nefflicher und wolgeachteter herr geweſen und gar liederlich ſnell und unverhofft zum tode kommen, den eynen Tag geſunt, den andern todt.“ Herzog Konrad, der, wie es heißt, „umb feines unordentlichen weſens ſwach und ungeacht iſt“, fol ebenfalls keine rechtmäßigen Erben gehabt ha⸗ ben; die Polniſchen Schriftſteller ſchrieben ihm indeß Soͤhne zu; . Sarnicii Annal. Polon. r. 1187. Wagner Geſch. Polens S. 362.
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204 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1495.) ſich den ihm vorgeſchriebenen Bedingungen in Ruͤckſicht der Abtretung feines Landes nicht fügen wollte, drohte dem Koͤ⸗ nige ein Krieg, ſo daß unter dieſen Umſtaͤnden auch der Hoch⸗ meiſter für nothwendig fand, zur Vorſicht die Graͤnzburgen fo eilig als möglich in Vertheidigungsſtand zu ſetzen. Endlich beſtand auch mit dem Großfuͤrſten Alexander von Litthauen, wie der Hochmeiſter ſelbſt ſagt, nur „eine duͤnne Freundſchaſt.“ Es herrſchte ſeit einiger Zeit eine große Spannung zwiſchen beiden Fuͤrſten und der Hochmeiſter faßte ſchon Argwohn, daß man abſichtlich trotz aller ſeiner Bemuͤhungen eine Graͤnz⸗ berichtigung nach Laut des ewigen Friedens nicht hatte zu Stande kommen laſſen, zumal da erſt juͤngſt der Großfuͤrſt für jeden Kaufmann aus Preuſſen feine Landesgraͤnzen hatte ſchließen laſſen, angeblich der in Preuſſen herrſchenden Seuche wegen.! - Um fo lieber hätte der Hochmeiſter feinen Streit mit dem Biſchoſe von Ermland ſobald als möglich beendigt geſehen. Der Papſt war zwar endlich durch den Ordensprocurator be⸗ wogen worden, dem Orden eine Beſtaͤtigung ſowohl aller ſei⸗ ner Privilegien als ſeines Ablaſſes zu ertheilen und man faßte nun auch Hoffnung, daß durch etwas reichere Geldmittel, wozu der Ablaß Ausſicht gab, am Hofe zu Rom noch guͤn⸗ ſtiger für das Intereſſe des Ordens gewirkt werden koͤnne. Allein des Biſchofs Ausſoͤhnung mit dem Koͤnige von Polen hatte den Streit für den Orden offenbar noch gefahrvoller ges macht, denn ſo lange der Koͤnig zu Thorn verweilt, war ihm der Biſchof nicht von der Seite gewichen. Ihm ſchrieb man es auch vorzuͤglich zu, daß der Koͤnig den Hochmeiſter nicht zu ſich berufen, obgleich dieſer wiederholt feine Botſchafter ab⸗ geſandt hatte, um des Koͤniges Befehle daruͤber einzuholen, weil er gerne die noch obwaltenden Irrungen mit ihm aus⸗ 1) Fol. I. 308 ff. 2) Fol. I. 322. Die paͤpſtl. Beftätigung der Ordensprivilegien von Alexander VI, d. Romae IX Cal. Januar. P. a. tertio 1494 in einem Transſumt vom J. 1500 SchbL, XV. 2.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1495) 205 gleichen mochte, auch die Abſicht hatte, den König um eine gütliche Vermittlung zwiſchen ihm und dem Biſchofe zu erſuchen. Man wußte ferner, daß der Biſchof und einige ſeiner Dom⸗ herren ſich alle mögliche Mühe gaben, den König zu dem Plane zu gewinnen, den Orden, der ſtatt feiner Beſtimmung gemaͤß gegen die Unglaͤubigen zu kaͤmpfen, jetzt in gemaͤchlicher Ruhe unthätig daſitze, wo möglich nach Podolien zu verſetzen, wo er gegen die Türken ſtreiten koͤnne. Von mehren Seiten her wurde der Meiſter gewarnt, daß der Biſchof auf alle Weiſe zum Nachtheil und Verderben des Ordens auf den Koͤnig ein⸗ zuwirken ſuche.) Es war in der That nicht abzuſehen, bis wohin der Haß des Biſchofs gegen den Orden den Streit noch treiben werde, wenn nicht irgend ein Schritt mit ernſtem Nachdruck von Rom aus erſolgte. Daß bisher von hier aus noch nichts von Wich⸗ tigkeit geſchehen war, hing wieder mit den aͤußerſt traurigen Finanzbedraͤngniſſen des Ordens zuſammen. War es dem Hochmeiſter doch nicht einmal möglich, den Ordensprocurator in Rom jetzt, wo ſeine nachdrückliche Wirkſamkeit dort ſo hoͤchſt noͤthig und wichtig war, mit dem nothduͤrftigſten Gelde zu ſei⸗ nem Unterhalte zu verſorgen, fo daß er fort und fort bald die Meiſter von Deutſchland und Livland, bald die Landkomthure im Elſaß, Oeſterreich, an der Etſch u. a. mit ſeinen Bitten beſtürmen mußte, doch einige hundert Gulden zu dieſem Zwecke zuzuſteuern, ) denn bei der außerordentliche Theuerung, die durch den Kriegszug des Königes Karl des Achten von Frank⸗ reich in dieſem Jahre wie in ganz Italien ſo beſonders in Rom noch bedeutend gefteigert war, lebte dort der Ordensprocurator in feinem baufälligen Ordenshauſe in der dridendften Noth, indem er ſich kaum noch zu erhalten wußte. Selbſt den Ge⸗ 1) Geſandtſchaftebericht Werners v. Drachenfels an die Livläͤnder im Fol. I. 323. 2) Ueber dieſe der erwähnte Geſandtſchaftsbericht a. a. O. 3) Ebendaſ. S. 322. Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Oeſter⸗ reich, d. Freit. nach Diviſion. Apoſt. 1405 Fol. T. 102.
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206 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1495.) ſchenken, womit der Hochmeiſter bald den Procurator, bald einen Gebietiger zu erfreuen bemüht war, ſieht man es an, wie Fümmerlich es mit feinen finanziellen Mitteln ſtand. Ein Pelz von gewoͤhnlichem Grauwerk war es z. B., den er dem Landkomthur vom Elſaß Wolfgang von Klingenberg als Be⸗ lohnung fuͤr hundert Rhein. Gulden ſchickte, welche dieſer dem Procurator zur Unterſtuͤtzung geſandt.“ Unter allen dieſen beſorglichen Verhaͤltniſſen aber traf uͤberdieß den Meiſter gerade jetzt noch manches andere unglüͤck⸗ liche Ereigniß. Schon im Februar dieſes Jahres war ſein bisheriger treuer Rath, der Großkomthur Stephan von Streit⸗ berg, der vierzehn Jahre lang dieſer Wuͤrde vorgeſtanden, ge⸗ ſtorben.) Die Zahl der aͤltern Ordensbeamten hatte ſich aber ſchon ſo bedeutend verringert, es war auch ſo ſchwer, aͤltere tuͤchtige und wohlgeſittete Ordensritter aus Deutſchland nach Preuſſen zu ziehen?) und die bereits in Ordensaͤmtern ſtehen⸗ den Komthure konnten ſich bei der Überall druckenden Noth und der großen Auflöfung aller Zucht und Ordnung fo wenig zu hoͤhern Gebietigeramtern ausbilden, daß es in der That ſchon keine geringe Aufgabe war, einen tuͤchtigen Mann fuͤr eine der hoͤhern Ordenswuͤrden aufzufinden. So mußte auch jetzt der Hochmeiſter aus dem geringen Pflegeramt zu Barthen den bisherigen Pfleger Grafen Wilhelm von Eiſenberg un⸗ mittelbar in die Wuͤrde des Großkomthurs erheben. Ein an⸗ deres fir den Orden gerade jetzt in feinem Streite mit dem Biſchofe von Ermland doppelt bedenkliches Ereigniß war das ploͤtzliche Verſchwinden des verfiegelten Ordensprivilegien⸗Buches 1) Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Elſaß, d. Koͤnigsb. am Abend Marid Magdal. 1495 Fol. T. 311. 2) In einem Schr. des HM. an d. Ordensprocurator, d. Mont. nach Kathedra Petri 1495 Fol. T. 265 wird der Tag S. Blaſii 1495 als Todestag des Großkomthurs Stephan v. Streitberg angegeben. Graf Wilhelm v. Eiſenberg kommt daher auch ſchon im J. 1495 als Großkomthur unter Zeugen vor. 3) Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Elſaß a. a. O.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1495,) 207 zu Rom, welches eben in dem erwähnten Streite für den Orden von der größten Wichtigkeit war, weil es dieſelbe Glaubwuͤrdig⸗ keit wie die Original = Urkunden hatte. Der Verdacht fiel auf einen ehemaligen Sachwalter des Ermlaͤndiſchen Biſchoſs, der daruͤber auch verhoͤrt ward, aber alles leugnete und weil er Prieſter war, nicht wohl zum Geſtaͤndniſſe gezwungen werden konnte.“ Und gerade nach dieſem Ereigniſſe betrieb der erwaͤhnte Biſchof, nachdem er fi der Gnade und Gunſt des Königes von Polen völlig verſichert glaubte, feine Streitſache ſowohl in Preuſſen als am Hofe zu Rom, wo er durch Geld Freunde und Advocaten gewonnen, mit der eifrigſten Thaͤtigkeit. Er arbei⸗ tete fort und fort an dem Plane: der Koͤnig ſolle ſich an den Kom. Hof wenden, um ein Mandat auszuwirken, nach wel⸗ chem der Orden Preußen raͤumen und nach Podolien verſetzt werden ſolle. Der Markgraf Friederich von Brandenburg⸗ Anſpach, des Koͤniges Schwager, 2 der für den Plan ebenfalls gewonnen war, follte dazu die Genehmigung des Rom. Koͤni⸗ ges und der Kurfuͤrſten zu erhalten ſuchen.?) Alles wurde ſo geheim als moͤglich betrieben, um den Orden nicht zu fruͤh auf⸗ zuſchrecken. Johann Albrecht nahm daher auch eine Geſandt⸗ ſchaſt des Hochmeiſters noch mit der freundlichſten Miene auf, ſprach viel von Schutz und Schirm, den er dem Orden an⸗ gedeihen laſſen wolle und ſpielte überhaupt fo gut als möglich die Rolle des wohlgeſinnten Schutzpatrons. Allein man merkte 1) Schr. des HM. an d. Procurator, 1495 Fol. T. 265 — 266. Der HM. trägt in einem Schr. an d. Land⸗ komthur an der Etſch, d. Dienſt. nach Petri Vincula 1495 Fol. T. 458 dieſem auf, das bei ihm befindliche Exemplar der Ordensprivilegien zum Gebrauch fuͤr den Ordensprocurator im Streite gegen den Erm⸗ laͤnd. Biſchof nach Rom zu ſenden. 2) Der Markgraf Friederich der Aeltere v. Brandenburg hatte bekanntlich eine Tochter des Koͤniges Kaſimir v. Polen, Sophie, zur Gemahlin. 3) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Rhein Mont. nach De⸗ collat. Johannis 1495 Fol. T. 89. d. Mont. Kathedra Petri
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208 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1495.) im Orden doch bald, daß er von Mißgoͤnnern des Hochmeiſters umfangen ſey, die alles aufboten, ſeine Seele mit Mißtrauen gegen den Orden zu erfüllen. Offener ſtand in feiner Feind⸗ ſchaft der leidenſchaſtliche Biſchof da; es war ihm nicht moͤg⸗ lich feinen Grimm zurückzuhalten; wo er konnte, trat er ohne Scheu die Rechte des Ordens nieder. In der Schloßkapelle S. Leonhard zu Kreuzburg verbot er unter Androhung des Interdicts zum Trotz aller Ordensprivilegien Gottesdienſt und Ablaß und zwang ſomit den Hochmeiſter zu einer neuen Ap⸗ pellation nach Rom.) Den Ordensſpittler und Komthur zu Brandenburg erklaͤrte er mit deſſen ganzem Konvente in den Bann, weil ſie ſich um ſeine geiſtlichen Gebote nicht kuͤmmer⸗ ten. Um fo mehr aber blieb auch der Hochmeiſter feſt ent ſchloſſen, dem Praͤlaten in feinen Umtrieben mit aller Kraft Widerſtand zu leiſten. Auf ſeinen Befehl ward des Biſchofs Bann und Interdict nicht im mindeſten beachtet und der Got⸗ tesdienſt von Ordensprieſtern uͤberall nach wie vor gehalten, was des Biſchofs Zorn noch mehr entflammte.) Er ließ dann aber auch den Koͤnig, um zu erfahren, wie er mit ihm daran ſey, durch eine Geſandtſchaft ernſtlich befragen: ob er nicht, wie es dem ewigen Frieden gemaͤß ſeine Pflicht fordere, den Orden endlich gegen den Ermlaͤndiſchen Biſchof in Schutz nehmen, feine Privilegien aufrechthalten und dieſem Praͤlaten ſofort befehlen werde, von feinem feindſeligen Verfahren abzu⸗ laſſen und den Frieden nicht ferner zu ſtoͤren? Statt der Ant⸗ 1) Das Nähere darüber im Fol. V. 381. Weil der Orden von jeher als ein Hospital betrachtet ward, ſo war es loͤbliche Einrichtung, daß vor allen Hauptſchloͤſſern eine Kapelle und ein Hospital fuͤr arme Kranke erbaut waren. Beide mußte der Komthur oder Amtmann, der das Schloß inne hatte, unterhalten, den Prieſtern Lohn geben und die Kranken verſorgen. Ueber ſolche Kapellen und Hospitale hatte der Bi⸗ ſchof keine Jurisdiction. So war es auch zu Kreuzburg. Dennoch, unter⸗ fing ſich der Biſchof von Ermland, am Sonntag nach Petri und Pauli über die dortige Kapelle und das Volk, welches darin Gottes dienſt hielt, den Bann auszuſprechen. 2) Schr. des HM. an d. Procurator a. a. O.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1495,) 209 wort ordnete der König einen Verhandlungstag für beide Par⸗ teien an; er fand im September zu Lublin Statt, diente aber nur dazu, daß ein Bevollmächtigter des Biſchofs eine Menge von Klagpunkten gegen den Orden vorlegte, die vom Ordens⸗ bevollmächtigten gründlich und bündig widerlegt wurden. Auf des letztern Geſuch an den König: er möge doch endlich als Beſchirmer der Ordensprivilegien, wie er ſich nenne, dieſe auch wirklich ſchirmen, weil durch den Biſchof nicht der Orden allein, ſondern ſelbſt auch der Koͤnig als deſſen Schutzherr vor aller Welt verſpottet und verhoͤhnt werde „ fiel die Antwort fo uns beſtimmt und zweideutig aus, daß der Hochmeiſter nun ſchon anfing alles Vertrauen zum Könige aufzugeben, 2 denn wenn ihm dieſer bald darauf auch melden ließ: er werde dem Bi⸗ ſchofe nun ernſtlich gebieten, die Streitſache bis auf ſeine bal⸗ dige Ankunft in Preuſſen ruhen zu laſſen, damit er dann darüber entſcheide, inwiefern jeder Theil bei ſeinen Privilegien und Gerechtſamen zu verbleiben habe, ſo konnte der Meiſter in dieſen Worten dem Könige, den er nur eine argliſtige Rolle in den Umtrieben des Biſchofs ſpielen ſah, keinen Glauben ſchenken, zumal da letzterer in ſeinem feindſeligen Verfahren nach wie vor fortſuhr. Ueberhaupt ſah der Hochmeiſter immer mehr ein, daß nur dadurch dem argerlichen Streite ein Ziel geſetzt werden koͤnne, daß von Rom aus dem Biſchofe mit allem Nachdruck Schweigen geboten und die Freiheiten und Gerechtſame des Ordens von dorther mit ernſter Strenge in Schutz genommen würden. Er trug daher dem Procurator auf, dieß mit Beirath und Huͤlfe der Ordensfreunde am paͤpſt⸗ lichen Hofe mit allem Eifer zu betreiben.) Auch der Deutſch⸗ 1) Der Receß uͤber dieſe Verhandlung und die Inſtruction fuͤr den Ordens bevollmächtigten zum Tage zu Lublin am T. Lamberti 1495 im Fol. V. 380 — 386; fie geben viel Licht uͤber die ganze Streitſache, indem ſie alle Klagartikel und deren Widerlegung enthalten. 2) Der HM, erklärte offen, daß er beſorge, „das ander Hinder⸗ liſt dorunder luſche, das wir doch clarlich nicht mogen vermerken.“ 9) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Donnerſt. vor Dionnf 1495 Fol. T. 93 — 94. IX. 14
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210 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1496.) meiſter wandte ſich deshalb nach Rom, um dem Biſchofe durch feine dortigen Gönner entgegenarbeiten zu laſſen.) Um jedoch zum erwuͤnſchten Ziele zu kommen, genuͤgten nicht, wie der Meiſter wohl wußte, bloß einige vom Meiſter von Livland und einigen Biſchoͤfen Preuſſens abgefaßte, dem Orden guͤn⸗ ſtige Zeugniſſe, ſondern es mußten in Rom klingende Wir⸗ kungsmittel in Bewegung geſetzt werden. Dazu aber boten zwei reiche Bernſteinhaͤndler aus Augsburg Gelegenheit dar, indem ihnen der Hochmeiſter vertragsmaͤßig die Haͤlſte alles ihm jaͤhrlich fallenden Bernſteins und namentlich ausſchließlich auch allen f. g. groben Stein Anfangs auf, drei, dann auf ſechs Jahre ſuͤr einen feſtgeſetzten Preis verkaufte, jedoch mit der Verpflichtung, daß die Bernſteinhaͤndler ihm, wenn er es verlange, einen beſtimmten Vorſchuß geben und eine andere namhafte Summe über Venedig nach Rom an den Procurator beſoͤrdern follten. ® Demnach gewann auch ſchon in den erſten Monaten des Jahres 1496 die Streitſache eine andere Geſtalt, denn theils hatten die eben ſo ernſten als mit genauer Sachkenntniß aus⸗ geführten Proteſtationen gegen die geſetz⸗ und ordnungswidrige Schritte des Biſchofs, theils vorzuͤglich auch die Geldmittel des Procurators zu Rom nachdruͤcklich gewirkt. Schon im Maͤrz langten von ihm verſchiedene vom paͤpſtlichen Gerichts⸗ hofe ausgegangene Schriften an, welche der darin zum Exe⸗ cutor ernannte Dechant des Samlaͤndiſchen Domſtiftes Georg Tapiau mit ſo ſcharfem Nachdruck in Wirkſamkeit ſetzte, daß fie ſichtbar auf den Bischof von Ermland und auf das Dom⸗ 1) Bericht des DM. an den HM. im Fol. V. 415 — 421. 2) Wir haben darüber zwei Contracte, der eine d. Koͤnigsb. Sonnab. vor Lucid 1495 Schbl. LXXXIM. 1. lautet nur auf drei Jahre, der andere, d. Koͤnigsb. Dienſt. nach Lätare 1496 Schbl. XVI. 4. auf ſechs Jahre. Die Tonne Bernſtein nach gewoͤhnlichem Maaße wurde damals mit 55 Mark Preuſſ. Muͤnze bezahlt. Der Procurator ſollte jährlich 500 oder 600 Ducaten von dem Gelde erhal⸗ ten. Schr. des HM. an d. Procurator, d. Mittw. nach Lucia 1495 Fol. T. 96.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1496) 211 kapitel zu Frauenburg großen Eindruck machten. v Ihre Sprache wurde ungleich milder und es wuͤrde vielleicht ſo⸗ gleich zur Suͤhne gekommen ſeyn, wenn der Hochmeiſter dazu feine Hand geboten und nicht entſchloſſen geweſen wäre, die Ordensprivilegien durchaus in ihrem geſammten Inhalte auf⸗ recht zu erhalten und den Biſchof ganz in die Schranken der Verhaͤltniſſe zurückzudraͤngen, in welchen in Beziehung auf die geiſtlichen Rechte ſeine Vorfahren zum Orden geſtanden hatten. 2 Freilich machten manche ungluͤckliche Ereigniſſe Friede und Ruhe für das Land hoͤchſt wuͤnſchenswerth. Die ſchreckliche Seuche, welche im Anfange des vorigen Jahres vorzuͤglich nur in einigen weſtlichen Gebieten Preuſſens mit großer Heftigkeit gewuͤthet, hatte ſich nach und nach mit ihrer ganzen vernich⸗ tenden Stärke faſt über das geſammte Land verbreitet und abermals ein außerordentliches Menſchenſterben in Stadt und Land zur Folge gehabt. Ferner hatte auch wieder der Meiſter von Livland aufs dringendſte um Beiſtand gegen die Ruſſen gebeten, weil, wenn nicht eine Fräftige Streitmacht gegen fie aufgeboten wurde, fuͤr Livland das ſchwerſte Ungluͤck zu be⸗ fürchten war. Der Hochmeifter hatte ihm daher auch eine baldige Hülfe zugeſagt. “) Ueberdieß ſtand er mit den Meiſtern 1) Der HM. bezeichnet die Schriften als Inhibitiones, Citationes und Compulsoriales; fie wurden dem Ermländ. Bifchofe und dem Ka⸗ pitel zu Srauenburg inſinuirt. Darunter war auch die ſehr nachdruͤck⸗ ein M e des Ordensſachwalters Michaels Sculteti, worüber ein Notariatsinſtrument d. in castro Konigsb XIII April. 1496 Schbl. XLVII. . 70e „ 2 Schr. des HM. an d. Procurator, d. Dienſt. nach Lätare 1496 Fol. T. 477 — 479; der HM. ſagt ſelbſt: Fuͤlen wol, uß ſchrifften des Capiteis zund anderer unbeſtendikeit, das die Sache linder worden iſt und vielleicht wol zur füne qwem, wo der biſchof nicht bedorfte die an uns ſuchen u. ſ. w. 3) Schr. des HM, an d. Procurator, d. Mittw. nach Lucid 1495 Fol. T. 96. Schr. des Livländ. Meiſters an den HM. d. Wenden Mont. nach Oculi u. Ergemeß Freit. nach Cantate 1496 Schbl. XVI. 1.20. Raynaldi Annal. ecdes, an, 1496 9. 24. 14 *
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212 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1496.) von Deutſchland und Livland von neuem in Unterhandlungen wegen Verſammlung des großen Kapitels; ſie fanden jetzt alle zweckmaͤßig, es nicht in Preuſſen zu halten, waren aber noch nicht einig, ob es, wie der Hochmeiſter wollte, in Stettin oder in Lübeck, Wismar oder einer andern Hanſeſtadt verſam⸗ melt werden ſollte. Es ward wiederum bis ins naͤchſte Jahr verſchoben, weil man hoffte, daß dann die innere Ruhe des Landes hergeſtellt ſeyn werde. Der Sieg im Streite mit dem Biſchofe von Ermland war fuͤr den Orden allerdings jetzt ſchon gewonnen; indeß bot jener doch ſelbſt am Rom. Hofe noch alle Mittel auf, um nicht ganz ohne Erfolg daraus hervorzugehen.? Um fo mehr aber glaubte auch der Hochmeiſter die Aufforderung des Roͤm. Koͤniges Maximilian, ihm zu ſeinem bevorſtehenden Roͤmerzuge und ſeiner Kaiſerkroͤnung auch von Seiten des Ordens in Preuſ⸗ ſen und Livland ein Ehrengeleite zuzuſenden, als guͤnſtige Ge⸗ legenheit benutzen zu müſſen, um theils beim Roͤm. Koͤnige ſelbſt, theils am Roͤm. Hofe in Anweſenheit des Koͤniges und der Deutſchen Fuͤrſten ſeiner Sache Vorſchub leiſten zu koͤnnen, vielleicht auch, wie er wuͤnſchte, vom Papſte die Begnadigung zu erlangen, daß für Livland und Preuſſen zum Kampfe gegen die unglaͤubigen Ruſſen in alter Weiſe wieder das Kreuz gepredigt werden duͤrfe, denn es war jetzt offenbar viel daran gelegen, die Ueberzeugung zu verbreiten, daß der Orden auch jetzt noch fortwährend in Bekaͤmpfung der Unglaͤubigen feiner Pflicht nachkomme und ſeine Beſtimmung erfuͤlle, weshalb er auch den Meiſter von Livland zu dieſer Sendung mit auf⸗ forderte.) Seiner Seits ſandte er den Komthur von Oſterode 1) Schr. des Livl. Meiſters an d. HM. d. Wenden Mont. nach Oculi 1496 Schbl. XVI. 1. Schr. des HM. an den DM. d. Mont. nach Lamberti 1496 Fol. T. 315. V. 415. 2) Schr. des HM. an d. Procurator, d. am Oſter⸗Abend 1496 Fol. T. 473. 3) Schr. des Livl. Meiſters an d. HM. d. Ruyen Mittw. nach Himmelf. n. Freit. nach Corpor. Chr. 1496 Schbl. LV. 33. 35.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1496) 213 Ludwig von Seinßheim, der ſich in Deutſchland mit dem Land⸗ komthur vom Elſaß verbinden ſollte, um dem Roͤm. Könige über das Gebirg nach Italien zu folgen.) Bald jedoch wirkten andere Verhaͤltniſſe zur ſchnelleren Beendigung des Streites. Bisher naͤmlich hatte der König von Polen jeder Botſchaft des Hochmeiſters verſprochen: er wolle dem Biſchofe Ruhe gebieten und ihn anhalten, den ewigen Frieden zu beſchwören.) Der Meiſter indeß hatte unter dieſer Zuſage immer nur betruͤgeriſche Hinterliſt ver⸗ muthet, denn ſie hatte nie Erfolg gehabt und wie man nach⸗ mals erfuhr, war dem Biſchofe auch nie ein ſolcher Befehl zugekommen. Nun erſchien aber im Auguſt eine Botſchaft des Koͤniges beim Hochmeiſter mit der Aufforderung, ihm gegen die Tuͤrken und Tataren, die jetzt die Graͤnzen ſeines Reiches mit neuen Einfaͤllen bedrohten, nach Inhalt des ewi⸗ gen Friedens Huͤlfe zu leiſten.) Nach Berathung mit den Gebietigern und den Staͤnden ertheilte der Meiſter die Ant⸗ wort: „der Orden werde auch hierin dem ewigen Frieden, wenn es die Noth erfordere, völlig Genuͤge leiſten und dem Könige wider die Tuͤrken Huͤlfsvolk ſenden. Dieſem ſey jedoch des Ordens Zwiſt mit dem Biſchofe von Ermland bekannt und wohl auch erinnerlich, wie oft man ihn um Schutz und Schirm zur Aufrechthaltung der Ordensprivilegien, wozu ihn der ewige Friede verpflichte, erſucht habe. Der Koͤnig ſehe wohl ein, daß der Hochmeiſter waͤhrend ſolches Streites mit dem Nachbar ſeine Unterthanen nicht verlaſſen duͤrfe, auch ſeyen die Staͤnde des Landes keineswegs gewilligt, ihren Lan⸗ desherrn aus dem Lande zu laſſen, bevor jener Streit nicht 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Mont. nach Lamberti 1496 Fol. T. 315. 2) Die Verhandlung über des Koͤniges Zuſage wegen Beilegung des Streites, d. Krakau Dienſt. nach Trinitat. 1496 im Fol. v. 449 — 450. 3) Schr. des HM. an d. Procurator zu Rom, d. Freit. nach Lanrentii 1496 Fol. T. 271.
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214 Verſuch z. Ausgleichung mit d. Biſchof v. Ermland. (1496.) beigelegt ſey. Dafuͤr moͤge alſo der Koͤnig zunaͤchſt Sorge tragen und verfügen, daß der Biſchof und deſſen Anhänger den ewigen Frieden beſchwoͤren, die Ordensprivilegien in Schutz genommen und die Eintracht zwiſchen den Nachbarn hergeſtellt werde.“ ) Dieſe Erklärung des Hochmeiſters, deſſen oͤftere Geſandtſchaften an den Roͤm. König, die Johann Albrecht nicht ohne Mißtrauen angeſehen, und die jetzt mit neuem Eifer betriebene Verhandlung der Streitſache in Rom, wonach der richterliche Einfluß des Koͤniges in dem Streite voͤllig auf⸗ gehoben werden ſollte, machten auf ihn großen Eindruck. 2 Indeß verlief doch noch einige Zeit, ehe es zur Entſchei⸗ dung kam. Der Koͤnig naͤmlich draͤngte zwar den Hochmeiſter immer mehr wegen der geforderten Tuͤrkenhuͤlfe und der Biſchof von Ermland ſuchte nun um ſo eiliger ſich mit jenem auszuſoͤhnen, denn noch hoffte er vielleicht einige Zugeſtaͤndniſſe erringen zu koͤnnen, da er bereits wohl wiſſen mochte, daß in Rom fuͤr ihn kein beſonders guͤnſtiger Ausgang zu erwarten ſey. Allein der Hochmeiſter ſchloß aus des Biſchofs eiligem Entſchluſſe zur Verſoͤhnung auf deſſen ſchlaue Abſichten,) nahm daher vorerſt auch keinen der von ihm vorgeſchlagenen Wege zur Ausgleichung an und ſuchte die Sache noch hinzuziehen, um zuvor ſichere Nachrichten einzuholen. Erſt nachdem ein Bericht des Procurators aus Rom ihm kund gegeben, daß die aus Livland und Preuſſen eingegangenen Zeugniſſe und Beweiſe die unwahren Angaben und unrichtigen Behauptungen des Ermlaͤndiſchen Biſchofs dort aufgedeckt und dadurch deſſen Sache als ganz verloren zu halten ſey,“ verſtand er ſich zu 1) Der Bericht hieruͤber, d. am T. der Enthaupt. Johannis 1496 Schbl. LXIX. 37. 2) Schr. des HM. an d. Komthur zu Oſterode, d. Dienſt. nach Himmelf. Maria 1496 Fol. T. 273. 3) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Mont. nach Mauritii 1496 Fol. T. 469. 4) Schr. des Procurators Nicolaus Kreuder, Domherrn zu Kö⸗ nigsb. an d. HM. d. Rom am Abend Matthäi 1496 Schbl. LXVI. 72.
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Verſuch 3. Ausgleichung mit d. Biſchof v. Ermland. (1496.) 215 einer Verhandlung uͤber die Streitfrage auf einer Tagfahrt in der Mitte des Novembers zu Einſiedel bei Braunsberg. Es erſchienen dort der Hochmeiſter ſelbſt, der Großkomthur Graf Wilhelm von Eiſenberg, der Ordensmarſchall Erasmus von Reizenſtein, der Oberſtſpittler Melchior Köchler von Schwans⸗ dorf, der Ordenstrappier Heinrich Reuß von Plauen, der Kom⸗ thur von Preuſſ. Holland Simon von Drahe, der von Ragnit Heinrich von Altmannshofen, der Landrichter des Brandenbur⸗ giſchen Gebietes Daniel von Kunheim u. m. a., dann anderer Seits auch der Biſchof ſelbſt und mehre ſeiner Domherren. Der Meiſter lud jenen zuerſt nach Einſiedel zu Gaſt. Als er ankam, mußte ihm der Großkomthur entgegenreiten und beim Empfange vom Pferde ſteigen. Der ſtolze Biſchof blieb im Wagen ſitzen, ohne dem Großgebietiger eine Gegenbeehrung zu erweiſen.) Als darauf die Verhandlungen begannen, er⸗ Härte er ſogleich: er habe nie eigentlich gegen die Privilegien des Ordens gehandelt, denn er wiſſe wohl, welcher Strafe er in dieſem Falle ſich ſchuldig gemacht haben wuͤrde. Daß uͤber⸗ haupt Streit zwiſchen ihm und dem Hochmeiſter entſtanden ſey, gab er dem Ordensprocurator zu Rom Schuld, der dort zuerſt Zwiſtigkeiten angeregt habe. Der Meiſter indeß erwie⸗ derte ihm: „Herr Biſchof, der Grund unſeres Streites iſt euch wohl bekannt; ihr ſeyd auch genug erſucht worden, un⸗ ſere Privilegien nicht zu verletzen; es hat nie etwas gefruchtet. Den Koͤnig von Polen haben wir nie als Richter in der Sache anerkannt, ſondern dem ewigen Frieden gemaͤß immer nur als den Beſchützer unſerer Privilegien angerufen. Aber man iſt uns in dem Streite ſtets mit Hohn und Spott begegnet; man hat z. B. oſt geſagt: heute wolle der Hochmeiſter Ritter, mor⸗ gen wolle er Geiſtlicher ſeyn u. ſ. w.“ Der Biſchof entſchul⸗ digte ſich, daß dieß nie mit ſeinem Wiſſen und Willen geſche⸗ hen ſey. Ueber die eigentliche Streitſache aber konnte man ſich nicht verſtaͤndigen. Es ward zwar endlich als Beſchluß ange⸗ 1) Daruͤber ein Bericht, wiewohl nur fragmentariſch, vom Dienſt. nach Martini 1496 Schbl. LXVI. 32.
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216 Der Biſchof Johannes von Pomeſanien. (1496.) nommen: jeder Theil ſolle in Betreff der Privilegien ſeines Rechts im Hofe zu Rom gewaͤrtig ſeyn; allein der Biſchof fügte doch die Erklaͤrung hinzu: „er werde alle Privilegien, die dem Orden in Preuſſen gegeben und nicht mißbraucht ſeyen, wohl beachten, keineswegs aber die, welche ihm in Je⸗ ruſalem und uͤberhaupt im Morgenlande verliehen worden und daran wolle er lieber fein ganzes Biſthum ſetzen.“ Dem ent: gegnete nur der Hochmeiſter: „er ſcheue kein Recht und wolle die Sache ſchon verantworten; jedoch werde er ſich nicht das geringſte von feinen Privilegien verkuͤrzen laſſen.“ Alſo kehrte er ohne Erfolg nach Königsberg zuruck, trug aber alsbald dem Procurator in Rom auf: beim Papſte eine ganz vollſtaͤn⸗ dige Confirmation und Declaration aller Privilegien des Or⸗ dens, ſie moͤchten ihm im Morgenlande, Preuſſen, Livland, Kurland oder wo er nur irgend Beſitzungen habe, verliehen ſeyn, auszuwirken, damit ſie weder der Biſchof von Ermland noch irgend ein anderer forthin mehr verletzen könne, denn jener hatte mehrmals geaͤußert: „wenn ihm der Papſt nur einmal eine Schriſt auch nur einen Finger lang uͤber die Streitſache zuſende, fo werde er ſich gehorſam zeigen.“ „ Auch mit dem Bifchofe Johannes von Pomeſanien traten unangenehme Verhaͤltniſſe ein. Geldſuͤchtig, wie er immer war, beſchatzte und bedraͤngte er ſeit einiger Zeit die Prieſter und das Volk in feinem Sprengel wieder auf eine unerhoͤrte Weiſe. 2 Einen Theil ſeiner Gelder wandte er, da er dem Orden wegen früherer Unterſtützung Dank ſchuldig war, dazu an, die vom Orden früher wegen Schuldforderungen an Anshelm von Tettau und Georg von Greuſing verpfändeten Ordensguͤter zu Kreuz⸗ burg und Zinten zum Beſten des Ordens auszuloͤſen, um da⸗ 1) Schr. des HM. an d. Procurator, d. am T. Katharina 1496 Fol. T. 481. 2) Der HM. ſagt ſelbſt von ihm: der Biſchoff von Reßen⸗ burgk faſt felgen und ungewonliche ſachen in feinem Biſthum für nympt, riſſet und ſpliſſet und ſchatzet die Prieſter und das volk uß der maße.
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Der Biſchof Johannes von Pomeſanien. (1496.) 217 mit dem Hochmeiſter einen Beweis ſeiner Dankbarkeit zu ge⸗ ben, wofür ihm dieſer die Güter auf Lebenszeit zum Nießnutz verſchrieb.) Allein im Volke war der Biſchof gehaßt, ge⸗ fürchtet und verachtet; überall fang man Spott⸗ und Schmaͤh⸗ lieder auf ſeinen Geiz und ſeine Geldgier. Auf mehrfache Kla⸗ gen beim Koͤnige von Polen ließ dieſer den Hochmeiſter er⸗ ſuchen: er ſolle den Biſchof aufs ernſtlichſte zurechtweiſen und ihm die Schatzung unterſagen, weil er als des Biſthums Pa⸗ tron nicht laͤnger dulden werde, daß man das Volk ſo quaͤle und ausſauge. Des Meiſters Ermahnungen indeß blieben fruchtlos. Er wollte dem Biſchofe, weil dieſer auf einem Auge blind war und uberhaupt kraͤnkelte, einen Coadjutor zur Seite ſetzen; allein alle Vorſchlaͤge wurden zuruͤckgewieſen und jeder ihm Vorgeſchlagene als ein Feind des Biſchofs geſchildert. Der Meiſter faßte ſchon Argwohn, der Biſchof werde ſich, von allen Seiten gedraͤngt, uͤber kurz oder lang mit ſeinen bedeutenden Geldſchaͤtzen aus dem Lande flüchten, denn einen Theil dieſer Schäbe ſollte er ſchon in Sicherheit gebracht haben. Weil er indeß noch mehr befürchtete, der König von Polen möge aus dieſem Verfahren des Biſchoſs leicht Urſache nehmen, ſich in die biſchoͤflichen Verhaͤltniſſe Pomeſaniens einzumifchen und vielleicht ſogar einen andern Biſchof auf den dortigen bi⸗ ſchoͤflichen Stuhl zu bringen ſuchen, ſo war er bemuͤht, von Rom aus auf den Biſchof einzuwirken. 2 — Um die Ermlänifcpe Streitfache hatte ſich der König, in en Bedraͤngniſſen feines Reiches durch die in ſeine Graͤnzen ) Urkunde des Biſchofs Johannes, d. Marienwerder am Z. Kreuz⸗ Erhoͤh. 1497 Schbl. L. 41; auf die Loͤſung von Kreuzburg hatte der Biſchof 2383 Mark, auf die von Zinten 4200 Mark verwandt. Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomefanien, o. D. Fol. V. 455. Schon im Anfange des J. 1495 hatte der HM. dem Biſchofe die Stadt Zin⸗ then nebſt 31 Doͤrfer und mehre Seen mit der Jurisdiction, Zehnten, Jagdrecht u. |. w. auf Lebenszeit verſchrieben; darüber die Urkunde Schbl. XXII. 43. 2) Schr. des HM. an d. Procurator, d. am T. Katharina 1496 Jol. T. 481 — 485.
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218 Der Biſchof Nicolaus von Samland. (1497.) eingefallenen Tataren vielfach beſchaͤftigt, D laͤngere Zeit gar nicht mehr befümmert. Dagegen hatte der Biſchof auf die aus Rom an ihn ergangene Nachricht, daß ſeine Sache am paͤpſtlichen Hofe nicht eben günftig fix ihn ſtehe, feit der Tag⸗ fahrt zu Einſiedel durch neuen Groll getrieben, einen neuen Schritt gethan, der einer Ausföhnung wieder groͤßere Schwie⸗ rigkeiten entgegenlegte. Er hatte dem Papſte, wie der Hoch⸗ meiſter ſich ausdruͤckte, zum Hohn und zur Beſchimpfung des ganzen Ordens eine neue Supplication uͤberreichen laſſen, in welcher er unter einer Menge von erdichteten Anſchuldigungen alte, laͤngſt vergeſſene und laͤngſt entſchiedene Streithaͤndel wieder ans Licht zog, offenbar nur um den Papſt gegen den Orden einzunehmen. Durſte nun der Hochmeiſter auch wohl hoffen, daß dieſe neuen Anklagen vor den durch die Zeugniſſe des Erzbiſchofs von Riga und der Biſchoͤfe von Kurland und Samland beleuchteten Thatſachen und vor dem Lichte der Wahr⸗ heit nicht wuͤrden beſtehen koͤnnen, ſo ſchmerzte und kraͤnkte es ihn doch tief, daß ein Mann, der erſt vor kurzem die Hand zur Verſoͤhnung geboten und eben erſt im Anfange des Jah⸗ res 1497 auf einer neuen Tagfahrt zu Braunsberg wegen einer Ausgleichung mit ihm verhandelt hatte,“ von neuem mit der ſchimpflichen Waffe der Luͤge und Verleumdung gegen ihn aufgetreten war. 3 Je weniger ihm aber gerade jetzt die beiden Biſchoͤre von Ermland und Pomeſanien in der Leidenſchaſt ihrer Herrſchſucht, ihres Ehrgeizes und ihrer Habgier achtungswerth daſtanden, um ſo ſchmerzlicher war ihm der Verluſt eines Mannes, der eine lange Reihe von Jahren ihm und ſeinem Vorgaͤnger als treuer Rath und Freund zur Seite geſtanden und Freude und Leid mit ihnen getheilt hatte. Der Biſchof Johannes von 1) Wagner Geſch. v. Polen S. 362 ff. 2) Der Receß über dieſe fruchtloſe Tagfahrt, d. Mittw. nach h. drei Könige 1497 Fol. V. 423.— 426. 3) Schr. des HM. an d. DM. d. Sonnab. nach S. Blafii 1497 Fol. T. 501.
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8 Der Biſchof Nicolaus von Samland. (1497.) 219 Samland, der ebenfalls das Bittere ſchmaͤhlicher Verleumdung und die ſchmerzlichſte Verunglimpfung ſeines Lebenswandels von gehäffigen Neidern vielfach erfahren hatte,“ in der letzten Zeit ſeines Lebens fortwaͤhrend ſchwach und krank geweſen, erlag ſeinen Leiden in der Nacht zum dreiundzwanzigſten Fe⸗ bruar des Jahres 1497 nach einer Amtsführung von mehr als zwanzig Jahren, “ in denen er, fo viel es die traurigen Verhaͤltniſſe ſeines Biſthums geſtatteten, in vielen Beziehungen ſehr ſegensreich ſuͤr ſeine Kirche gewirkt hatte. Es ehrte und liebte ihn, wer ihn kannte. Ihm toͤnte bei feinem feierlichen Leichenbegaͤngniſſe zum erſtenmal der ernſte Klang der großen Glocke, die er ſelbſt fünf Jahre zuvor fir feine Kathedrale hatte gießen laſſen und noch jetzt die Gemeine dieſer Kirche zur Andacht ruft.) Das Domkapitel erkor zu ſeinem Nach⸗ folger, ohne Zweifel nicht ohne Einfluß des Hochmeiſters, den bisherigen Ordensprocurator Nicolaus Kreuder, Domherrn zu Koͤnigsberg, des Hochmeiſters Kanzler, der bisher die Erm⸗ laͤndiſchen Streithaͤndel in Rom mit eben fo viel Eifer, als Umſicht und Gewandtheit gefuhrt, aber zugleich auch nicht we⸗ niger wegen feiner Kenntniſſe als wegen feines fittlichen Lebens⸗ wandels und der Unbeſcholtenheit ſeines Charakters hoͤchſt ach⸗ tungswerth daſtand. Der Hochmeiſter meldete ſofort die Wahl auch dem Röm. Könige mit der Bitte, die Beſtaͤtigung in Rom — 9) ueber den ärgerlichen Injurien⸗Proceß des Biſchofs Johannes mit dem Pfarrer zu Barten enſtein Dominicus Holſtein, der ihn einen Hurer, Ehebrecher, Trunkenbold und Kirchenguts⸗Verſchwender ge⸗ nannt hatte, ein Notariatsinſtrument d. Koͤnigsb. 16 Auguſt 1993 Schbl. LII. 18. S. Gebſer Geſch. der Domkirche zu Koͤnigsb. S. 223 — 224. 2) Schon im J. 1493 ſagt er: er habe das Biſthum per decem et octo annos et ultra pacifice et quiete verwaltet. 3) Schr. des HM. an d. DM. d. Freit. vor Laͤtare 1497 Fol. T. 499. Gebſer a. a. O. Den Todestag des Biſchofs finden wir genau angegeben im Ausſchreiben des Samländ. Kapitels an den Domherrn Nicolaus Kreuder zur neuen Biſchofswahl, d. 25 Febr. 1497 Schöt. LXVIL 57, .
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220 Verhandlung mit dem Biſchofe v. Ermland. (1497.) ſo viel als moͤglich zu befördern, „damit nicht etwa der Ver⸗ ſuch gemacht werden moͤge, einen Undeutſchen in dieſes Biſthum an den Enden der Chriftenheit zu ſetzen“, wobei er offenbar an moͤgliche Eingriffe des Koͤniges von Polen dachte.) Daſ⸗ felbige Geſuch erging an das Kardinal⸗Collegium.? Die Be⸗ ſtaͤtigung erfolgte auch ſchon wenige Tage vor Pfingſten, jedoch nicht ohne Schwierigkeit wegen der dazu benoͤthigten Geldſumme von achtzehnhundert Rhein. Gulden, die der neue Biſchof aus der Wechſelbank der Fugger aufnehmen und dagegen ſeine Con⸗ firmationsbulle verpfaͤnden mußte: eine neue Schuldenlaſt fuͤr die Samlaͤndiſche Kirche, zumal da der verſtorbene Biſchof noch nicht einmal alle feine Schulden in Rom abgezahlt hatte.“ Mittlerweile hatte ſich jetzt mehr als je eine ſichere Aus⸗ ſicht zur Verſammlung eines großen Ordenskapitels eröffnet. Auf des Hochmeiſters Vorſchlag, daß ſtatt in Koͤnigsberg auf naͤchſtem Johannis » Tag zu Stettin ein ſolches Kapitel abge: halten werden ſolle, hatten ſich die beiden Meifter von Deutſch⸗ land und Livland damit völlig einverſtanden erklaͤrt ) und fo ſah jetzt jener mit großer Freude dem heilſamen Werke einer gruͤndlichen Verbeſſerung der Ordensverfaſſung, an deſſen Aus⸗ 1) Schr. des HM. an d. Roͤm. König, d. Koͤnigsb. Freit. nach Oculi 1497 u. Schr. deſſelben an d. Clect und Procurator zu Rom Nicolaus Kreuder, d. wie vor Fol. T. 486 — 487. Schr. des HM. an den DM. d. Freit. vor Laͤtare 1497 Fol. T. 499. 2) Schr. des HM. an einen Kardinal o. J. (im Entwurf) Schbl. LXVII. 71. 3) Schr. des Secretaͤrs des HM. Magiſter Albert Spiraw an d. HM. d. Rom Sonnab. vor Pfingſt. 1497; Schr. eines Ungenanns ten an d. HM. v. J. 1497 u. Schr. des Biſchofs Nicolaus v. Samland an d. HM. d. Rom Mont. nach h. Leichnam 1497 Schl. LXVII. 68. 69. 72; vgl. Gebſer a. a. O. S. 225. 4) Schr. des HM. an d. DM. d. Freit. vor Laͤtare 1497 Fol. T. 499. 5) Schr. des HM. an d. DM. d. Sonnab. nach S. Blaſti 1497 Fol. T. 501. >
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Verhandlung mit dem Biſchofe v. Ermland. (1497.) 221 führung er fo viele Jahre immer fruchtlos gearbeitet, mit ſicherem Vertrauen entgegen, denn er hoffte davon fuͤr die Emporhebung und das Gedeihen ſeines Ordens fuͤr die Zu⸗ kunft außerordentlich viel.) Und doch ward ſeine Hoffnung auch jetzt wieder getaͤuſcht, indem die Livlaͤnder ihm wegen der Gefahr vor den Ruſſen abermals eine Abſage zuſandten. ” Dagegen that der Biſchof von Ermland, wahrſcheinlich auf Veranlaſſung des Koͤniges von Polen, einen neuen Schritt, der zur Ausſoͤhnung zu führen ſchien. Es ward auf fein eigenes Anſuchen, um wo möglich zu näherer Verſtaͤndigung und zur Eintracht zu gelangen, zuerſt eine neue Tagfahrt zu Bartenſtein zur Beilegung der Klagen und Beſchwerden der beiberfeitigen Unterthanen ?) und dann ein beſonderer Verhand⸗ lungstag zu Heilsberg gehalten, wohin der Meiſter den Groß⸗ komthur und einige feiner Gebietiger ſandee. Der Biſchof zeigte ſich ungleich nachgiebiger. Man vereinigte ſich bald in mehren Punkten und kam insbeſondere auch dahin überein: über die Freiheit des Hofgeſindes und des Ordensgeſindes überhaupt in Beziehung auf die Ordensprivilegien ſolle der Gerichtshof (die Rota) zu Rom entſcheiden, damit man wiſſe, wer dieſes Geſinde, welches dem Orden zum Theil fuͤr Geld diene, zu richten und zu abſolviren habe. Die am Roͤm. Hofe eingegebene Supplication nahm der Biſchof zuruͤck und erklaͤrte letzt: er werde den Privilegien des Ordens, die ihm als guͤltig vorgelegt wuͤrden, nicht mehr entgegenhandeln, noch ſie un⸗ recht auslegen, auch daruber ſeinem Procurator zu Rom die nötbigen Befehle ertheilen. So ſchien der Streit ſich feinen Ende zu nahen. Indeß traute der Meiſter dem Biſchofe bei deſſen unerwarteter Geſchmeidigkeit auch jetzt noch keineswegs 1) Schr. des HM, an d. Livl. Meiſter, d. Sonnab. nach Schola⸗ ſtick 1497 Fol. T. 508. 2) Schr. des HM. an d. DM. d. Freit. vor Laͤtare 1497 Fol. T. 499. 3) Der Reteß darüber im Fol. V. 427 — 433.
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222 Der Hochmeifter auf dem Tuͤrkenzuge. (1497.) und warnte auch den Procurator zu Rom, ſich vor hinterliſtigen Schritten zu hüten. D Daß der Koͤnig von Polen hiebei mitgewirkt, ward um ſo wahrſcheinlicher, da bald nach jenem Verhandlungstage an den Hochmeiſter eine neue Aufforderung zur ſofortigen Ruͤſtung und Beihülfe gegen die Tuͤrken erfolgte und zwar mit einem ſo ernſten Nachdruck, daß keine Entſchuldigung zu wagen war, denn wie der König gemeldet, hatten die Tuͤrken ſiebenmal⸗ hunderttauſend Mann ſtark die Donau uͤberſchritten, drohend, von dorther Polen und alle naheliegenden Lande zu uͤberziehen. Ein in Ungnade gefallener vornehmer Pole ſollte ſich in ihrem Heere befinden, um ſie aus Rache in ſein eigenes Vaterland zu führen. Um Johanni ſollte ſich der Meiſter mit feinem Huͤlfsvolke bei Gliniany, unfern von Lemberg, mit dem Koͤ⸗ nige vereinigen. Da zugleich auch der Meiſter von Livland aufs dringendſte um Kriegshuͤlfe gegen die Ruſſen bat, fo er⸗ ließ der Hochmeiſter eiligſt Geſandtſchaften an den Rom. König und an den Deutſchmeiſter, an jenen mit der Bitte, er möge die Deutſchen Ordensballeien, die ihn zur Beihuͤlfe fuͤr den Livlaͤndiſchen Meiſter und bei feiner Ruͤſtung zum Tuͤrkenkriege in der Bedraͤngniß und Armuth ſeines Ordens und Landes nothwendig unterſtuͤtzen muͤßten, von der allgemeinen Reichs⸗ ſteuer, die zu ſeinem Kriegs- und Kroͤnungszuge nach Italien ausgeſchrieben ſey, moͤglichſt befreien;? an dieſen mit dem Geſuche, ihm durch eine Beiſteuer der Balleien mit einer Summe von achttauſend Rhein. Gulden, die er bei der Ruͤck⸗ kehr aus dem Tuͤrkenkriege zu erhalten wuͤnſche, die Koſten ſeiner Ruͤſtungen zu erleichtern. Daſſelbige Geſuch richtete er auch unmittelbar an mehre Balleien.) 1) Schr. des HM. an d. Elect von Samland u. Procurator, d. Palmtag 1497 Fol. T. 495. 2) Schr. des HM. an d. Roͤm. Koͤnig, d. Freit. nach Corpor. Chr. 1497 Fol. T. 488. 3) Schr. des HM. an d. DM. u. an die Balleien in Oeſterreich, an der Etſch, im Elſaß u. a. d. änfra corpor. Chr. 1497 Fol. T.
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Der Hochmeiſter auf dem Tuͤrkenzuge. (1497.) 223 Die Ruͤſtung hatte unendliche Schwierigkeiten, denn außer der allgemein druckenden Armuth des Landes, wovon bei der fortwaͤhrenden Abzahlung der alten Soldſchulden eine gaͤnzliche Erſchöpfung des Ordensſchatzes die Folge war, hatte auch die im Lande ſo lange anhaltende Seuche und große Sterblichkeit die geringen Kräfte des Landes noch mehr geſchwaͤcht. Daher konnten die Staͤnde, ſo unerlaͤßlich und nothwendig ihnen auch ſelbſt des Meiſters Zuzug zum Tuͤrkenkriege erſchien, nur eine ſehr geringe Beiſteuer geben. Dieſer ſah ſich deshalb genoͤthigt, eine Anzahl Dörfer zu verpſaͤnden; dem Ordensbruder Adam von Halle, der von einigen Kaufleuten und wohlhabenden Maͤnnern eine namhaſte Geldſumme aufzuborgen wußte, um ſie dem Meiſter zu leihen, mußte dieſer, unter dem feſten Ver⸗ ſprechen der Ruͤckzahlung der Summe, auf Lebenszeit das Pflegeramt zu Inſterburg zum Pfande verſchreiben.) Den⸗ noch konnte er nur einen ſchwachen Streithaufen von zweihun⸗ dert Reiſigen, vierundvierzig Fußknechten, nebſt einer Anzahl Wagenknechte, Freie und Withinge, im Ganzen etwa vier⸗ hundert Mann kriegsfertig aufftellen. 2 Nachdem er den Groß⸗ komthur Wilhelm von Eiſenberg während feiner Abweſenheit als Statthalter eingeſetzt und dem Livlaͤndiſchen Meiſter die — on _ 489. 498, Der HM. fagt: er gedenke am naͤchſten Donnerft., am achten Tage des b. Leichnams gerüftet zu ſeyn und die Reiſe an⸗ zutreten. 1) Darüber die Verſchreibung des Statthalters Wilhelm v. Eiſen⸗ berg, d. Koͤnigeb. Mitt 8 w. nach Viſitat. Mariä 1497 Schbl. XXXVII. 5. Man fügte die Clauſel hinzu: wenn der erwaͤhnte Pfleger ein un⸗ ordentliches Leben fuͤhre, ſo ſolle die Verſchreibung kraftlos ſeyn. > Nur fo ſtart giebt der HM. ſelbſt feinen Streithaufen an. Nach Schütz p. 400 brachte er dem Koͤnige 400 Helme zu. Wir ha⸗ ben uͤber den Zug einen ſehr vollſtändigen Reiſebericht im Fol. B, bez titelt „Alte Händel”, gedruckt in Fabers Preuſſ. Archiv Samml. I. S. 3, wonach die Stärke in allem „gut und boͤs“ ebenfalls auf 400 mit Reiſigen und Wagenpferden angegeben iſt. In Farnicii Annal. Polon. p. 1188 heißt es bloß: Aderant et Magistri Cruciferorum Joan- nis Tieffen legiones.
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224 Der Hochmeiſter auf dem Tuͤrkenzuge. (1497.) troͤſtende Zuſicherung gegeben, daß man ihn im Nothfalle von Preuſſen aus nicht ganz ohne Hülfe laſſen werde,) zog er gegen Ende des Mai mit dem Kriegsvolke aus Koͤnigsberg aus, mit ihm die Komthure Simon von Drahe zu Preuff. Holland, als Stellvertreter des Ordensmarſchalls, Ludwig von Seinßheim zu Oſterode, der Ordensritter Georg von Worm als Feldhauptmann, Wilhelm von Schaumburg Pfleger zu Barthen, die Ordensritter Hans von der Gablenz und Hans von Kottwitz des Hochmeiſters Kompane, Eberhard von Tho⸗ rer der Karwansherr, Hadrian von Weiblingen und mehres andere Hofgeſinde, aus der Zahl der Landesritter auf eigen⸗ geruͤſteten Pferden Friederich Lewald der Hofrichter, Euſtach von Schlieben, Georgs von Schlieben Sohn, Eglof von Tip⸗ pelskirch des Hochmeiſters Truchſeß, Bernhard von der Gab⸗ lenz, Hans von Taubenheim des Meiſters Vorſchneider, Kas⸗ par von Hohendorf, Fabian von Maul, Hans von Arnswalde, Heinrich Sparwin, Michael von Kunſeck, Georg von Dewen u. m. a.?) Man fol dem Meiſter wegen feines Alters und ſeiner geſchwaͤchten Geſundheit von der perſoͤnlichen Theilnahme am Zuge abgerathen, er aber geantwortet haben: „der ge⸗ ringſte meiner Bruͤder iſt in meinen Augen von groͤßerem Werthe als ich. Wo die Meinen bleiben, da will ich mich ebenfalls nicht ausſchließen.“ “ Der Zug ging uͤber Ortelsburg und Willenberg nach Ma⸗ ſovien, wo an der Graͤnze koͤnigliche Sendboten und Geleits⸗ maͤnner entgegenkamen. Nirgends aber fand der Meiſter auf dem Wege weder fuͤr ſich, noch fuͤr ſein Kriegsvolk irgend etwas vorbereitet; alles mußte mit ſchwerem Gelde bezahlt werden. In Przasznic angelangt ſtellte er ſeinen Landesrittern eine Zuſicherung aus, worin er ihnen fuͤr jedes auf dem Zuge 1) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Mittw. infra octavas corpor. Chr. 1497 Fol. T. 508. 2) So nennt fie der Reiſebericht des oberſten Secretaͤrs des HM. Liborius Naker a. a. O. 3) Tiedemanns Chrom, S. 259. Henneberger p. 204.
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Der Hochmeiſter auf dem Türkenzuge, (1497.) 225 verloren gegangenes Pferd nach der Heimkehr einen feſtbeſtimm⸗ ten Preis verguͤten zu wollen verſprach.) Von dort aus er⸗ bielt der Statthalter und Großkomthur auch den Auftrag: er ſolle, da man den Kriegshaufen des Ordens für zu ſchwach gefunden habe, noch eine neue Huͤlfsſchaar ausruͤſten. Er be⸗ rief daher ſofort die Komthure und Staͤnde des Landes zu einer Tagfahrt nach Königsberg, mit der Aufforderung, die Bewohner ihrer Gebiete in jeder Weiſe zu bereitwilliger Theil⸗ nahme und Huͤlfe ſuͤr ihren Landesherrn zu gewinnen.) Dieß hatte indeß, wie es ſcheint, wenig Erfolg. Am vierzehnten Juni in Pultusk angelan gt, ward der Hochmeiſter mit den Komthuren und ſeinen Begleitern von dem alten, frommen Biſchofe Petrus von Plotzk gaſtfreundſchaftlich bewirthet; da der würdige Prälat wegen Alter und Schwachheit dem Gaſt⸗ mahle nicht ſelbſt beiwohnen konnte, ſo beſchenkte er den Mei⸗ ſter beim Abſchiede mit einem Faͤßchen Rheinwein. ) Nicht gleiche Ehre ward ihm vom Herzog Konrad von Maſovien zu Theil, der ſich entſchuldigen ließ, daß ſeine Verhaͤltniſſe zum Koͤnige von Polen ihm nicht erlaubten, dem Hochmeiſter eine Beehrung zu erweiſen. Der Zug ging darauf weiter uͤber Kurow nach Lublin, wo der Meiſter am ſechsundzwanzigſten Juni ſeinen Einzug hielt. Schon bis dahin hatte man uͤberall mit außerordentlichen Schwierigkeiten gekaͤmpft, denn wo der Heerhaufe hinkam, fand er das arme Land von des Koͤnigs Kriegsleuten ſchon ganz verheert und ausgezehrt. Kaum wußte der Meiſter oft, wie er ſein Volk gegen Hunger und Noth ſchüͤtzen ſollte, denn an Unterſtuͤtzung von Seiten des Königes war nicht zu denken. Dabei trieben ſich eine Menge von wider⸗ ſprechenden Geruͤchten über den Heranzug der Türken umher, ſo daß der Hochmeiſter zweifelhaft ward, ob er weiter ziehen 1) Die Verſchreibungsurkunde, d. Przasznic in Maſovien Mont. nach Barnabaͤ 1497 im Verſchreib. Buch Nro 3. p. 176. 2) Schr. des Großkomthurs an d. Komthur v. Rhein, d. Koͤnigsb. Dienſt. nach Viti u. Modeſti 1497 Schbl. LXIX. 31. 3) Reiſebericht im Fol. B. Faber a. a. O. S. 6. IX. 15
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226 Der Hochmeiſter auf dem Tuͤrkenzuge. (1497.) ſollte. Von da ſandte er zwei Botſchaften aus, die eine an den Großkomthur mit der dringendſten Bitte um Geldunter⸗ ſtützung, weil die Unterhaltung feines Heerhaufens in dem armen Lande mit außerordentlichen Koſten verbunden war!“ und auch der Rath zu Lublin wenig Hülfe leiſtete,“ die an⸗ dere an den Koͤnig, theils um von ihm naͤhere Kunde ein⸗ zuziehen, theils ihn an ſein Verſprechen zu erinnern, daß der Kriegshaufe des Ordens uͤberall Unterſtuͤtzung durch Lebensmittel und Futter finden ſolle, weil ihm der Zuzug zum Könige ſonſt unmöglich ſey. In dem Städtchen Biſchkowitz indeß, wohin er vorgeruͤckt war, erhielt er die Antwort: der Koͤnig habe ſelbſt für das die ganze Chriſtenheit betreffende Unternehmen unter großen Schwierigkeiten alle ſeine Kräfte aufgeboten, um als katholiſcher Fuͤrſt feiner Pflicht zu genügen, und er hoffe, der Hochmeiſter werde ihm unter allen Umſtaͤnden nach Laut des ewigen Friedens den verlangten Zuzug leiften. ®) So ohne alle Hoffnung auf Unterſtuͤtzung vom Koͤnige blieb dem Meiſter, ſelbſt nach dem Rathe ſeiner Gebietiger nichts weiter übrig, als eiligſt feinen Unterkompan Hans von Kottwitz mit einem Schreiben nach Preuſſen zu ſenden, worin er die dortigen Gebietiger, Prälaten, Lande und Staͤdte von feiner troſt- und huͤlfloſen Lage, der Vereitelung aller ſeiner Hoffnung auf des Koͤniges Beiſtand und von den ſchrecklichen Bedraͤngniſſen, in denen er ſich bei der großen Theuerung und der Verheerung jener Lande befinde, in Kenntniß ſetzte und aufs allerdringendſte um Geldhuͤlfe und Beiſtand bat. Dem Großkomthur ſollte der Kompan des Meiſters verzweiflungs⸗ 1) Schr. des HM. an d. Statthalter, d. Dienſt. nach Johannis u. Pauli 1497 Fol. T. 511. 2) Reiſebericht im Fol. B. 3) Die beiden Schr. des HM. u. des Koͤniges, das letztere d. in castris campestralibus circa Gologorü, deutſch Kalenberg, feria tertia post festum Johannis bapt. 1497 im Reiſebericht Fol. B. Der Koͤnig lag alſo damals zu Gologuri.
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Der Hochmeiſter auf dem Türkenzuge, 4497.) 227 volle Lage muͤndlich darſtellen.) Da im Städtchen Biſchko⸗ witz eine peſtartige Krankheit herrſchte, der König auch eiligen Fortzug befohlen hatte und ohnedieß auch nur im weitern Vorrücken in andere Gegenden auf einige Abhülfe des Man⸗ gels zu rechnen war, ſo zog unterdeß der Meiſter weiter uͤber Rubieszow nach Belz, wo zwiſchen dem Ordensvolke und den Landleuten aus Doͤbern (Dobrin 2), die dort auf dem Wege zum Koͤnige waren, wegen eines von dem erſtern ver⸗ lachten Trunkenbolds ein ſo wilder Aufruhr entſtand, daß es faſt zu blutigen Auſtritten kam und der Hauptmann Georg von Worm kaum noch ſein Leben rettete. Der Hochmeiſter brach daher bald wieder auf, ging über den Fluß Ratha, fand aber auf dem weitern Wege alle Doͤrfer von den Bauern verlaſſen, denn alle hatten ſich mit ihrem Vieh in die Waͤlder gefluͤchtet, dort zur Gegenwehr vereinigt, um ihre Heerden zu ſchützen. Beim weitern Fortzuge kam es unfern von Lemberg beim Ueberſetzen über eine Furt zwiſchen dem Ordensvolke und den Doberern (Dobrinern 2) abermals zu einem ſo hitzigen Streite, daß von beiden Seiten bereits die Armbruͤſte geſpannt und Meſſer und Schwerter gezuͤckt waren. Doch ward zum Gluͤck der Zwiſt noch beſchwichtigt. Am dreizehnten Juli hielt der Hochmeiſter im Wappenrock, mit einem goldenen Kreuze und ſchwarzem Adler geziert, mit ſeinen geharniſchten Rittern und ſeinem uͤbrigen Kriegshaufen ſeinen Einzug in Lemberg, wo er vom Staroſten und dem Buͤrgermeiſter mit einem Ehrengeleite empfangen wurde unter einem gewaltigen Zulaufe des Volkes. Alles bewunderte die geharniſchte Ritterſchaar. 1) Schr. des HM, an d. Ordensmarſchall u. die andern Geble⸗ tiger, d. Biſchkowitz am T. Viſitat. Mariä 1497 u. ein Credenzbrief des HM. für den Kompan Hans von Kottwitz an d. Statthalter, d. Biſchkowitz Sonnt. nach Petri u. Pauli 1497 Schöbl. LXIX. 32. 33. Schr. des HM. an d. Statthalter vom naͤmlichen Dat. im Reiſebericht Fol. B. 164. 2) Das Nähere darüber im Reiſebericht Fol. B. 165. Faber a. a. O. S. 12. 15 *
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228 Der Hochmeiſter auf dem Türkenzuge. (1497.) Nur einige Tage zur Raſt dort verweilend, zog dann der Meiſter, durch Fuͤhrer auf eine Straße in einer weniger aus⸗ gezehrten Gegend geleitet, weiter dem Könige entgegen, denn bei Gliniany hatte er ſich mit ihm vereinigen ſollen. Auf dem Wege aber kam ihm die Meldung: er möge zuerſt nach der Stadt Halicz ziehen, dort einige Tage verweilen und dann dem Koͤnige nachfolgen.) Vor Halicz angelangt, ſchlug er am Ufer des Driefter feine Wagenburg auf, weil der Herr von Halicz, Stentzel genannt, ihm nicht erlaubte uͤber den Fluß zu ziehen. Von dieſem aber auch in der Zufuhr der Lebensmittel und des Futters ſehr beſchraͤnkt, ſandte der Hoch⸗ meiſter, weil man alles anwandte, um ihn aus der Naͤhe der Stadt zu entfernen, den Komthur von Oſterode in das etwa noch zwölf Meilen entfernte Lager des Koͤniges, um nähere Befehle einzuholen, da es ihm, weil er in die Stadt nicht einziehen durfte, unmöglich ſchien, feinen Kriegshaufen auf dem Gebiete des Erzbiſchofs von Lemberg, auf dem er lag, lange zu unterhalten. Der Komthur indeß brachte die Antwort: der König werde ſich erſt mit feinem Bruder dem Großfürſten von Litthauen berathen und dann dem Meiſter Beſcheid geben oder ihn zu ſich fordern; er moͤge unbeſorgt fi) es bis dahin wohl ergehen laſſen, denn er habe beſſeres Auskommen und Lager, als beim Heere des Koͤniges. 2 Mittlerweile verbreiteten ſich allerlei Geruͤchte, bald daß Fries densunterhandlungen zwiſchen dem Könige und dem Tuͤrkiſchen Kaiſer gepflogen wuͤrden, bald daß des Großfuͤrſten von Lit⸗ thauen Volk gegen vierzigtauſend Tataren erſchlagen, bald auch daß der König eine große Zahl von Türken überwältigt habe u. ſ. w. Keiner wußte, was er für Wahrheit halten ſollte.“ Der Koͤnig, unterdeß in Unterhandlungen mit dem Woiwoden Stephan von der Moldau begriffen, ruͤckte in die Bukowina ein und belagerte dort die feſte Graͤnzſtadt Sutſchawa, weil 1) Reiſebericht Fol. B. 169. 2) Reifebericht Fol. B. 170 — 172. 3) Faber a. a. O. S. 23.
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Krankheit des HM. Hans v. Tiefen. (1497.) 229 ſich der Woiwode feinen Anforderungen zur Kriegshüͤlfe nicht fügen wollte, D Am fünften Auguſt aber zeigten ſich beim Hochmeiſter die erſten Spuren der rothen Ruhr. Bei feinem hohen Alter trat ſogleich eine bedeutende Koͤrperſchwaͤche ein, fo daß man ſehr beſorgt ihm den Rath gab: er möge wegen Veranderung der Luft und zu beſſerer Pflege nach Lemberg zurückkehren. Er war indeß hiezu nicht zu bewegen, weil er glaubte, er koͤnne, ohne den König begrüßt zu haben, nicht mit Ehre aus dem Felde ziehen. Er ſandte daher ſeinem Kompan in Preuſſen die noͤthigen Aufträge, ihm die etwa geſammelten Kriegsgelder nach Lemberg zu uͤbermachen, um ſie von da leicht an ſich bringen zu koͤnnen.) Unterdeß bot der Herr von Halicz alle Mittel auf, um des Hochmeiſters Heerhaufen von feinem Stand⸗ lager zu entfernen und er wirkte beim Koͤnige auch den Befehl aus: der Meiſter ſolle, weil der Feind dem Koͤnige jetzt ent⸗ gegenruͤcke, ſeine Kriegsleute bei Halicz uͤber den Fluß ſetzen, ſich mit dem Kaſtellan von Lemberg und dem Hauptmanne von Halicz vereinigen, damit dieſer das Volk aufs ſchleunigſte dem Koͤnige zufuͤhre. Dabei bewies letzterer dem Meiſter ſo wenig Achtung, daß er ihm nie einen Geſandten zuſchickte, ihn nie um Rath fragte, ſondern ihn immer nur „wie einen Söldner und ſchlechten Mitreiter“ betrachtete und behandelte. Man durchſchaute bald den Zweck des königlichen Beſehles: der Erzbiſchof von Lemberg wollte das Lager des Ordensvolkes aus ſeinen Gütern entfernen und dieſes ſollte jetzt denen von Halicz nur zur Schutzwehr und Huͤlſe dienen, weil die Nach⸗ ) Wagner Geſch. v. Polen S. 368 — 364. 2) Schr. des Hm. an feinen Unterfompan Hans v. Kottwitz, d. im Felde vor Halicz Dienſt. nach Dominici 1497 Schbl LXIX. 35 u. Fol. T. 552. Wir haben auch noch ein ſchriftliches Betenntniß des HM. d. im Felde vor Halicz Freit. nach Invention. Stephani 1497 im Verſchreib. Buche Nro 3 p. 182, worin er erklart, daß er dem Docs tor der Arzneikunſt, ſeinem Hofphyſicus Wilhelm Haldenhof 50 Rhein. Gulden für einen Hengſt, den er von ibm auf der Reife gekauft, ſchul⸗ dig ſey und nach feiner Rückkehr in Königsberg bezahlen wolle.
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230 Krankheit des HM. Hans v. Tiefen. (1497.) richt ſich verbreitet, daß die Tuͤrken nur noch zehn Meilen von dieſer Stadt entfernt ſeyen.) Da der Zuſtand des Hoch⸗ meiſters nun aber immer bedenklicher ward, die Beſorgniſſe und Schwierigkeiten wegen Unterhaltung des Kriegsvolkes ſich immer vermehrten und des Koͤniges unbilliges Verfahren gegen den Meiſter allgemeinen Unwillen und Erbitterung erregte, ſo gaben die Komthure von Holland und Oſterode ſich alle Muͤhe, den Hochmeiſter zur Ruͤckkehr nach Preuſſen zu bewegen, da ſeine Krankheit ihn beim Koͤnige entſchuldige. Weil er indeß hierzu nicht zu gewinnen war, ſo beſchloſſen die beiden Kom⸗ thure endlich, den Koͤnig von der Krankheit und der zuneh⸗ menden Schwaͤche des Meiſters unterrichten zu laſſen und die⸗ ſer ertheilte auch ſofort Herrn Stentzel von Halicz den Auf⸗ trag, den kranken Fuͤrſten in ſein Schloß zu nehmen und fuͤr alle ſeine Beduͤrfniſſe und Bequemlichkeiten zu ſorgen. Dieſer dankte für die Theilnahme, bat jedoch den Koͤnig um die Er⸗ laubniß nach Lemberg zurückziehen zu duͤrfen, weil ihm von den Aerzten die Veraͤnderung der Luft angerathen ſey, er dort auch alles zu ſeiner Geneſung Dienende leichter und beſſer zu erhalten hoffe, denn er ſah nun ſelbſt ein, daß er unmoͤglich am ferneren Zuge Theil nehmen koͤnne. Der Koͤnig wollte dieß nicht zugeben, verlangend, der Meiſter ſolle ſich aufs Schloß zu Halicz oder zu einem Edelmann in der Stadt bringen laſſen, wohin er ihm auch ſeine Aerzte ſchicken und mit allem Nöthigen verſorgen laſſen wolle; allein der Hoch⸗ meiſter beharrte bei ſeinem Entſchluſſe, nach Lemberg zuruͤck⸗ zuziehen, die Ritter und Diener aber dem Koͤnige zuzuſenden. Nachdem hierauf der Hochmeiſter ſeinen Landesrittern zu⸗ vor noch die erforderlichen Soldverſchreibungen fuͤr ihre Dienſte ausgefertigt,“ trennte ſich das Kriegsvolk von ihm und zog 1) Neifebericht im Fol. B. 195. Faber a. a. O. ©. 27. 2) Die urkundl. Verſchreibung des HM. d. im Felde vor Halicz Mittw. nach Aſſumt. Mariä 1497 im Verſchreib. Buche Nro 3 p. 183. Jeder von den oben erwaͤhnten Landesrittern erhielt aufs reiſige Pferd 12 Unger. Gulden für ein Vierteljahr, der von Schlieben auf 8 Pferde, die meiſten übrigen auf 4 Pferde.
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Krankheit des HM. Hans v. Tiefen. (1497.) 231 unter der Fuͤhrung des Komthurs von Oſterode Ludwig von Seinßheim Über den Dnieſter zum Koͤnige. Die Ordensherren und Landesritter hatten noch hundertundvierzig reiſige Pferde, wohl gerüftet und mit gutem Harniſch verſehen. Man traf darauf Anſtalt, den ſchon ſehr kranken Meiſter von der Lager⸗ ſtatt hinwegzuführen. Mit großem Schmerze ſah er auf die Verwuͤſtung hin, welche die Seinigen weit umher aus Noth gezwungen angerichtet. Nach langſamer Fahrt kam er am einundzwanzigſten Auguſt in Lemberg wieder an, wo ihn das Haus feines fruhern Wirthes wieder aufnahm, der ihn aufs ſorgſamſte pflegte. Trotz aller Bemuͤhungen des Arztes aber ſchwanden die Kräfte des Meiſters von Tag zu Tage mehr.) Wenige Tage nach ſeiner Ankunft ließ er noch ein Schreiben an den Koͤnig ausfertigen, worin es hieß: „Ich liege allhier in der Gewalt des allmaͤchtigen Gottes, feinen göttlichen Wil⸗ len erwartend zur ſeligen Stunde. Ich habe von meinem Statthalter und meinen Ordensgebietigern aus Preuſſen er⸗ ſchreckliche Zeitungen bekommen, Lioland betreffend, welches der Großfuͤrſt von Moskau mit den abgeſonderten, unglaͤubigen Ruſſen jetzt an den Graͤnzen wider den gemachten Frieden und die Kreuzkuͤſſung feindlich zu uͤberziehen und zu beſchaͤdigen Willens iſt.“ Dann ſprach er von ſeiner Pflicht, die dortigen chriſtlichen Lande zu beſchirmen, von der dringenden Bitte des Livlaͤndiſchen Meiſters um ſchleunigen Beiſtand und erſuchte den Koͤnig aufs flehentlichſte, ſeinem Kriegshaufen die Ruͤckkehr zu erlauben, damit er eiligſt nach Livland ziehe zur Beſchir⸗ mung der Chriſtenheit.) Es war die letzte Bitte des Hoch⸗ meiſters; allein ſie wurde ihm nicht erfüllt. Die traurigen Nachrichten hatten jedoch feinen außerordentlich geſchwaͤchten Körper fo erſchuͤttert, daß nun mit jeder Stunde fein Zuſtand 1) Reiſebericht im Fol. B. 182 — 183. Faber a. a. O. S. 31. 2) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Lemberg am T. Bartholom. 1497 im Reiſebericht Fol. B. 186 — 187 und Fol. T. 513. (Hier hatte das Schreiben das Datum: am Freitag nach Bartholo⸗ maͤi; es wurde aber geändert in: am Tage nach Bartholomaͤi).
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232 Krankheit u. Tod des HM. Hans v. Tiefen. (1497.) ſich verſchlimmerte. Da man feinen baldigen Tod vorausſah, ſo ertheilte man ihm das Sacrament der Oelung und ſchon nach wenigen Tagen, Freitags nach Bartholomaͤi oder am fünfundzwangigften Auguſt in der Nacht gab er feinen Geiſt auf. ) Der Komthur von Holland benachrichtigte alsbald den Koͤnig von des Hochmeiſters Hinſcheiden und von der Beſtim⸗ mung des Ordensgeſetzes, nach welchem der Leichnam nach Preuſſen gebracht werden muͤſſe, um unter feierlichem Begaͤng⸗ niſſe bei ſeinen Vorfahren zur Erde beſtattet zu werden; man wiederholte dabei nochmals die Bitte um Entlaſſung der Or⸗ densmannſchaft. Als man indeß Anſtalt zur Abreiſe traf, wollten dieſe des Koͤniges Beamten zu Lemberg ohne koͤnigliche Erlaubniß nicht geſtatten, vorgebend, es gezieme ſich nicht, den Leichnam des Meiſters, der ein Fuͤrſt und Unterthan des Koͤniges geweſen, ohne deſſen Wiſſen und Willen wegzufuͤhren; der Koͤnig werde ohne Zweifel dem Hochmeiſter zu Ehren zum feierlichen Empfange der Leiche durch ſein ganzes Reich allerlei Anordnungen verfuͤgen und wie dem Meiſter, ſo dem Komthur von Holland und den uͤbrigen mancherlei Gnadenbezeigungen erweiſen, die man abwarten muͤſſe. Allein der Secretaͤr des Verſtorbenen entgegnete hierauf: „was ſoll der Koͤnig unſerem verſtorbenen Fuͤrſten fuͤr Gnade und Ehre erweiſen; hat er ihn doch in ſeinem Leben und in ſeiner ſchweren Krankheit im Lager vor Halicz vier Wochen liegen laſſen, ohne ihm eine Ehre zu erweiſen.“ Schneller als man erwartet, kam der Befehl des Koͤniges an: der Biſchof und alle Geiſtlichen und Buͤrger ſollten feierlich des Meiſters Leiche vor die Stadt geleiten. Alſo geſchah es. Der Biſchof, obgleich ſelbſt ſchwach und krank auf einen Stab geſtuͤtzt, die Domherren, eine große Zahl von Moͤnchen, der ganze Rath und die Bruͤderſchaften der Gewerke, Armenier, Ruſſen und eine große Menge Volkes folgten der Leiche bis vor das Thor, viele unter Wehklagen uͤber den Hingang des frommen Fuͤrſten, der zu ihrem Schutze 1) Reiſebericht im Fol. B. 185. Ordens-⸗Chron. p. 382.
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Tugenden u. Verdienſte d. HM. Hans v. Tiefen. (1497.) 233 gegen die Türken herbeigezogen war. In Belz jedoch wurden ſofort die Thore verſchloſſen, weil man den Leichnam nicht aus der Stadt laſſen wollte.) Nur mit Mühe bewirkte man freien Abzug und ſo kam endlich nach langſamer Fahrt der traurige Leichenzug am zweiundzwanzigſten September in Koͤnigsberg an, wo er von dem neuen Biſchofe von Samland, dem Statt⸗ halter, ſaͤmmtlichen Ordensgebietigern, Landen und Staͤdten, Frauen und Jungfrauen feierlich eingeholt, in die Domkirche begleitet und der Hochmeiſter nach feierlichem Trauergottesdienſt neben feinen Vorgängern zur Erde beſtattet ward. 2 Hans von Tiefen hatte dem Meiſteramte beinahe acht Jahre vorgeſtanden und ſtets unter Verhaͤltniſſen, die in keiner Hin⸗ ſicht irgend etwas Erfreuliches hatten. Fuͤrwahr er wäre beſſe⸗ rer Zeiten windig geweſen. Als Menſch ſteht er gewiß in allen Beziehungen hoͤchſt achtungswerth da; allgemein ruͤhmte man feine Offenheit und Geradheit in Wort und That , feine recht⸗ ſchaffene und biedere Gefinnung, feine Milde und Güte, ſeine ſtrenge Pflichttreue und feine Gottesfurcht und Froͤmmigkeit, die im Geiſte jener Zeit ſich zumal in frommen Spenden und im Schmucke für Kirchen und Kapellen offenbarte.) Aber auch der Armen und Huͤlfsbeduͤrſtigen gedachte er, fo viel er irgend vermochte, gerne in chriſtlicher Liebe. Man pries es daher an ihm, daß er für feine Unterthanen mehr ein ſorg⸗ ſamer Vater, als ein Herr zu ſeyn geſtrebt. Wie ſeine Rede kurz und ſchmucklos, ſo war ſein Leben faſt ſo einfach wie das eines Privatmannes. Sparſamkeit galt ihm in ſeiner Lebensweise als erſte Tugend. Nie ſchlief er in einem Bette, trug nie ein leinenes Hemd, denn er ſetzte einen Werth darein, in ſolchem Beispiele der Entſagung feinen Ordensbruͤdern vor⸗ 1 Ohne Zweifel geſchah dieß aus eigennügigen Abſichten, obgleich der Reiſebericht es nicht ausdrücklich ſagt. 2) Reiſebericht im Fol. B 189 — 191. Faber a. a. O. S. 45 — 46. Ordenschron. p. 382. 3) Ordenschron. P. 346. Tiedemanns Chron. p. 259. Schütz p. 380 — 381. Henneberger p. 204. Ordenschron. p. 118.
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234 Tugenden u. Verdienſte d. HM. Hans v. Tiefen. (1497.) zuleuchten.) Auch als Landesfuͤrſten ſchmuͤckten ihn die ruͤhm⸗ lichſten Tugenden. Streng gewiſſenhaft und pflichttreu ſtellte er es ſich ſtets als die wichtigſte Aufgabe, in allen ſeinen Verbindlichkeiten gerecht zu werden. So ſchwer ihn oft auch die Verpflichtungen des ewigen Friedens druͤckten, er ſuchte ihnen ſtets ſelbſt unter theuren Opfern aufs pünktlichſte nach⸗ zukommen und alle gerechten Anforderungen, ſo viel es oft auch koſtete, nach Moͤglichkeit zu erfuͤllen. Kein Unrecht ging uͤber feine Seele. So friedlich aber feine Geſinnung, fo war es ihm doch nicht immer moͤglich, den Frieden zu erhalten. Faſt durch die ganze Zeit ſeines Meiſteramtes zieht ſich der aͤrgerliche Streit mit dem Biſchofe von Ermland; er mußte ihn führen, um feines Ordens Rechte zu verwahren und er führte ihn mit vollem Rechte. Man kann mit Wahrheit ſa⸗ gen: er wachte und ſorgte Tag und Nacht für ſeiner Unter⸗ thanen Heil und Gluͤck; nur in ibrem Wohlſtande mochte er auch den feinigen finden.“ Und doch wie wenig vermochte er es unter den ungluͤcklichen Verhaͤltniſſen des Ordens dieſes Gluck herbeizuführen! Wie raſtlos und eifrig er ſtets dafür wirkte, beweiſen noch heute die Hunderte von ländlichen Ver⸗ leihungen, durch die er den Ackerbau zu heben ſuchte, beweiſen ſeine Bemühungen fuͤr Belebung des Handels und der Ge⸗ werbe; es beweiſt es vor allem auch ſeine eben ſo beſonnene als wohlgemeinte Landesordnung, durch die er bereits im Jahre 1494 Ordnung in den innern Verkehr des Landes, Fleiß, Thaͤtigkeit und ſtrenge Aufſicht in Ruͤckſicht des Geſin⸗ 1) Ordenschron. p. 117: „den underthanen hat er ſich jewerle alſo erzeyget, das ſy mer an Ime eynen vater denn eynen herren ges habt haben, wy man das noch heute bey tage dy alten lewte horet ſagen.“ 2) Oder wie die Ordenschron. a. a. O. ſagt: er wuͤnſchte, daß feine Untertbanen nicht allein in koͤſtlichen wollenen Kleidern, ſondern auch in eitel ſeidenem Gewande moͤchten einhergehen, dazu mit Gold, Perlen und allerlei Geſchmeide wohl behaftet, dann werde man fagen: der Hochmeiſter in Preuſſen iſt ein reicher Fuͤrſt, denn alle ſeine Unter⸗ thanen find reich; vgl. Faber a. a. O. S. 47.
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Tugenden u. Verdienſte d. HM. Hans v. Tiefen. (1497.) 235 des und der verſchiedenen ſtaͤdtiſchen Gewerke, Recht und Ge⸗ ſetzmaͤßigkeit in den Thaͤtigkeitszweigen der Städter und des Landvolkes, überhaupt einen wohlgeordneten Zuſtand ber ſtaats⸗ bürgerlichen Verhaͤltniſſe, ſoweit die Bedürfniſſe der Zeit dafür zu wirken forderten, geltend machen wollte.) Sie dient noch jetzt zum Zeugniffe, wie forgfältig und landesvaͤterlich der Hoch⸗ meiſter jegliche Richtung der Thaͤtigkeit ſeiner Unterthanen be⸗ obachtete, erwog und fuͤr des Landes Wohlfahrt berechnete. Und doch blieben im ſchweren Drange der Zeit ſeine Bemuͤ⸗ hungen und Beſtrebungen weit hinter feinen Wünſchen zurück. Die Wunden waren in früherer Zeit zu tief geſchlagen, als daß die feinige fie alle hätte heilen konnen. Noch immer zehrte die alte Schuldenlaſt die beſten Kraͤſte des Landes auf. Wie oft beklagte es nicht der Hochmeiſter, daß dieſer Krebsſchaden immerfort am Lebensmark des Volkes nage. Dazu kam, daß er in feinen Finanzbedraͤngniſſen 2 oft zu jedem Mittel greifen mußte, welches zur augenblicklichen Befriedigung ſich darbot, auch wenn es ſonſt dem Wohl des Ganzen nicht zuträglich war. So mußten oft Doͤrfer, ſelbſt zuweilen Staͤdte verpfaͤn⸗ det werden, um dringenden Schuldforderungen zu genuͤgen, “) wodurch die Einkünfte des Ordensſchatzes immer mehr geſchmaͤ⸗ lert wurden. So wenig indeß vom Einkommen des Landes 1) Vgl. oben S. 197. 2) Daruͤber ſpricht der HM. auch beſonders in einem Schr. an den Landromthur v. Oeſterreich o. D. Schbl. 105 nro 73, wo es unter andern heißt: Ihr ſchreibt uns, wie frömtich wäre, unſern allergned. bern den kaiſer, auch andere hern und Prelaten unſers Ordens guͤn⸗ ſtige mit Erunge zu beſuchen, fo wiſſet Ir doch unſern kummer und armut, vermoͤgen nicht eine botſchaft von uns zu fertigen u. ſ. w. 3) So verpfaͤndete er z. B. dem Doctor der Theologie Thomas Werneri zu Leipzig, der zugleich Ermlaͤndiſ. Domherr war, das große Dorf Eiſenberg im Balgaiſchen Gebiete auf die Summe von 1000 Mark; ebenſo dem Ritter Nicolaus Wilko die Stadt Gilgenburg und mehre nahegelegenen Guͤter und Dörfer für eine anſehnliche Schuldforderung bis zu deren Abzahlung; darüber die Urk. aus dem J. 1496 Schbl. XXXIX. 8. 9. 10.
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236 Tugenden u. Verdienſte d. HM. Hans v. Tiefen. (1497.) uͤbrig blieb, ſo verwandte er dieſes doch ſtets auf edle und gute Zwecke. Er ließ z. B. mehre junge talentvolle Leute auf Deutſchen Univerfitäten ſtudiren.) Gerne zog er auch gelehrte Männer ins Land, die ihm der Deutſchmeiſter empfahl, 2 denn er fuͤhlte recht wohl, wie nothwendig es ſey, das Volk durch geiſtige Bildung mehr emporzuheben. Die allgemeine Armuth hatte auf die Sittlichkeit des gemeinen Volkes höchft verderblich eingewirkt; ſelbſt unter der Geiſtlichkeit brach nicht ſelten eine kaum glaubliche Rohheit durch; ſogar im Gottes⸗ dienſte auf den Kanzeln hoͤrte man oft wilde Verhetzungen und gemeine Schmaͤhreden.) Endlich mag noch erwähnt werden, daß unter dieſem Hochmeiſter, ſo viel wir wiſſen, der erſte Buchhaͤndler nach Preuſſen kam. Der Meiſter ſelbſt kaufte einige Chroniken von ihm.“ Noch trauriger aber war der ſittliche und ordnungsloſe Zuſtand im ganzen Orden; die Aufloͤſung ging hier nun ſchon unaufhaltſam vorwaͤrts, ſo daß faſt keine Rettung mehr moͤg⸗ lich ſchien. Wie aus den Balleien Deutſchlands, aus Oeſter⸗ reich, von der Etſch, aus dem Elſaß, aus der Komthurei Koblenz und andern Orten die Klagen an den Hochmeiſter uͤber Unordnung in der Verwaltung, uͤber ungeziemenden, zuͤgelloſen Lebenswandel der Ordensritter und Prieſterbruͤder, über Ungehorſam, Trotz und Widerſpaͤnſtigkeit gegen die Obern, uͤber Verſaͤumniß der Ordenspflichten von Jahr zu Jahr ſich haͤuften,“ fo nicht viel anders auch in den meiſten Ordens⸗ 1) Davon Beiſpiele Schbl. LXII. 97. 2) Schr. des HM. an d. DM. d. Mont. nach Aegidii 1496 Fol. T. 314. 3) Solche Faͤlle in Notariatsinſtrumenten Schbl. XIIX. II. LII. 18. 4) Schuldverſchreibung des HM. an den Buchhaͤndler (Buchfuͤh⸗ rer) Hans Horch, d. Koͤnigsb. Donnerſt. nach h. drei Koͤnige 1494 Schbl. LXII. 40. 5) Beiſpiele davon aus den genannten Balleien in großer Zahl im Fol. T. Sie bilden beinahe eine fortlaufende Correſpondenz zwi⸗ ſchen dem HM. und den Landkomthuren. Schr. des Landkomthurs
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Tugenden u, Verdienſte d. HM. Hans v. Tiefen. (1497.) 237 haͤuſern Preuſſens, wenngleich des Hochmeiſters Naͤhe hier manches noch in Zucht und Ordnung hielt. Aber wie oft klagt nicht auch er, wenn er die Meiſter von Deutſchland und Livland von der Nothwendigkeit des großen Ordenskapitels überzeugen will, über die auch in Preuffen unter den Ordens: gebietigern und Ordensbruͤdern eingeriſſene Regelloſigkeit und Unordnung in ihrer Lebensweise, über Vernachlaͤſſigung ihrer Ordenspflichten, über ihre Habſucht, Ungebundenheit und Will⸗ kuͤhr in ihrer Amtsthaͤtigkeit. Keiner fühlte es fo tief und kei⸗ ner erkannte es ſo klar, daß eine bis in das Innerſte des jetzt daſtehenden Ordenslebens eingreiſende Reformation fuͤr das fer⸗ nere Beſtehen des Ordens durchaus nothwendig ſey. Es ging kein einziges ſeiner letzten acht Jahre hin, in welchem er nicht immer von neuem den Beſchluß eines ſolchen Kapitels in An⸗ regung brachte. Er hatte daher, weil keinem der eigentliche Zweck und der Gang der Verhandlungen eines Generalkapitels wegen der Laͤnge der Zeit, in der es nicht gehalten war, mehr recht bekannt ſeyn konnte, bereits einen vollſtaͤndigen Plan entworfen, wie nach alter Weiſe und fonft üblicher Gewohnheit ein ſolches Kapitel Statt finden ſolle, ) und die Beharrlich⸗ keit, mit welcher er unabläffig an der Ausführung dieſes Pla⸗ nes arbeitete, zeugt von ſeiner tieſen Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer Verbeſſerung der Ordensverfaſſung. Aber auch dieſes Ziel konnte er trotz aller Mühen nicht erreichen. Der Großkomthur Graf Wilhelm von Eiſenberg, der ſtets unter allen Gebietigern am meiſten mit dem verſtorbenen Mei⸗ ſter in gleichem Geiſte und Sinne gehandelt, befonbers auch v. Oeſterreich an d. HM. d. Freiſach Sonnt. nach Francisci 1494 Schbl. 105. nro 197. 1) Dieſer Entwurf, wahrſcheinlich im J. 1495 verfaßt, iſt noch vorhanden. Daß er zur Belehrung uͤber die ganze Sache eines Kapi⸗ tels dienen ſollte, wird ausdruͤcklich geſagt, weil ſeit Konrads v. Er⸗ lichshauſen Zeit, ſeit 55 Jahren kein Kapitel gehalten worden ſey. Der Verfaſſer deſſelben iſt der Kanzler und Doctor der Rechte Michael Sculteti.
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238 Verhandl. weg. d. HM.⸗Wahl d. Hz. Fried. v. Sachſen. (1497.) in dem Reſormationsplane, führte die Statthalterſchaft auch ferner noch fort. Es war ſeine erſte Sorge, den Orden aus ſeinen naͤchſten Bedraͤngniſſen zu retten; er bat daher den Deutſchmeiſter aufs dringendſte um Unterftügung zur Tilgung der Schulden bei der Ausruͤſtung und immer noch fortdauern⸗ den Unterhaltung des gegen die Tuͤrken geſandten Streithau⸗ fens, desgleichen den Roͤm. König um Beiſtand zur Erret⸗ tung Livlands gegen die drohende Macht der Ruſſen, ihm die unermeßlichen Folgen für die ganze Chriſtenheit vor Augen ſtellend, wenn es dieſem unglaͤubigen Volke gelingen ſollte, ſich Livlands zu bemaͤchtigen.) Zu demſelbigen Zwecke war er eiftigft bemüht, eine Vermittlung zwiſchen dem Könige Jo⸗ hann von Daͤnemark und dem Schwediſchen Reichsverweſer Sten Sture herbeizuführen, weil er auch darin eine Moͤglichkeit zur Hülfe für das bedraͤngte Livland erkannte. * Am meiften aber beſchaͤſtigten den Gebietiger-Rath neue Unterhandlungen wegen der Wahl eines neuen Hochmeiſters. Sie war ſchon laͤngſt eingeleitet, denn ſchon im Anfange bie: ſes Jahres hatte der vom Alter ſchwer gedruͤckte Hochmeiſter den getreuen Ritter Bernhard von der Gablenz an den Grafen Heinrich Reuß von Plauen den Aeltern mit der Meldung ge⸗ ſandt, wie hart der Orden von allen Seiten bedraͤngt werde und wie ſchwer es ihm ſey, die Bürde des Meiſteramtes ferner zu tragen. Zur Zeit nun, als er im Streite mit dem Biſchofe von Ermland zu Einſiedel Tagfahrt hielt, war dort jener Ritter mit dem Auftrage zuruͤckgekehrt, dem Hochmeiſter zu eröffnen : wenn er und ſeine Gebietiger geneigt ſeyn ſollten, zu Ehren 1) Der Entwurf ſagt dieß ausdruͤcklich. 2) Schr. des Statthalters an d. DM, d. Sonnab. Calixti 1497 Fol. T. 540. 3) Schr. des Statthalters an d. Roͤm. König, d. Freit. nach Luca 1497 Fol. T. 490. unrichtig wird im Index corpor. histor. diplom. Livoniae T. II. 109 dieſes Schreiben dem HM. zugeſchrieben. 4) Daruͤber mehre Schr. des Statthalters an d. Livl. Meiſter, den Röm, König u. a, vom J. 1497 Fol. T. 525 — 533.
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Verhandl. weg. d. HM.⸗Wahl d. Hz. Fried. v. Sachſen. (1497.) 239 des Hauſes Sachſen das Hochmeiſteramt freiwillig dem Herzog Friederich von Sachſen, Landgrafen von Thüringen, abzutreten und einmuͤthig zu uͤbertragen, ſo ſey deſſen Vater Herzog Al⸗ brecht von Sachſen ſehr bereit, „als Hauptmann des ganzen Rom. Reiches“ ) feinen Sobn Friederich als Hochmeiſter nach Preuſſen zu ſchicken und auch dem Orden in allen rechtfertigen Sachen getreulich beizuſtehen. Man erwog aufs ſorgſamſte die ganze Wichtigkeit des Anerbietens, nicht nur den Eindruck, den die Erhebung eines ſolchen Fuͤrſtenſohnes zum Oberhaupte des Ordens auf deſſen Feinde und Widerſacher, den Großfuͤrſten von Moskau, den Biſchof von Ermland u. a. machen konne, ſondern auch den dadurch möglichen Wiedergewinn der verlore⸗ nen Ordenslande und eine andere Stellung gegen den König von Polen. Die Gebietiger erkannten darin allzumal die gluͤck⸗ lichſten Erfolge. Sie überließen indeß die Entſcheidung ganz allein dem Hochmeiſter, der am beſten beurtheilen koͤnne, was dem Orden fromme. Tief bewegt trat er mit dem Worte auf: „Liebe Gebietiger und Bruder! Ich habe meinen Orden von Jugend auf und bisher allezeit ſehr geliebt und wimſche nur ſein Beſtes bis in mein Grab, deß iſt Gott mein Zeuge. Ich erkenne, daß aus dieſem angehabenen Werke, worin ich mich befleißigt habe, unſerem Orden viel Gutes erwachſen kann. 2 Darum bin ich nicht allein willig, meine Wuͤrde dem loͤblichen Furſten abzutreten, fondern um meines Ordens Ehre, Gedeihen und Erhebung willen auch ſelbſt mein Leben gerne hinzugeben.“ So konnte in der That nur ein Mann ſprechen, der mit Recht der Vater ſeines Volkes hieß. In tiefer Ruͤhrung dankten ihm die Gebietiger fuͤr den edle ; n Entſchluß. Seine Bitte, ihn nach Niederlegung feines Meiſteramtes mit einem anftändigen Aus⸗ kommen zu verſorgen, ward ihm einmüthig zugeſtanden. Er felbft leitete nun durch ein Schreiben und durch die Sendung 1) Vol. F. von Langenn Herzog Albrecht der Beherzte, Stamm⸗ vater des koͤn. Hauſes Sachſen S. 154. 195. 231. 2) Wir erſehen hieraus, daß der HM. die Sache ſelbſt eingeleitet hatte.
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240 Berhandl.weg.d.HM.-Wahl d. Hz. Fried. v. Sachſen. (1497.) des Komthurs von Koblenz an Herzog Albrecht von Sachſen die naͤhere Verhandlung ein, dieſen jetzt ſelbſt erſuchend, ſeinen Sohn Friederich als Hochmeiſter nach Preuſſen zu ſenden. Alles ward noch ſehr geheim nur durch vertraute Freunde des Ordens betrieben. Der Herzog willigte ein; man faßte gewiſſe Beſtimmungen ab, die, zugleich ein zwiſchen dem Hauſe Sach⸗ fen und dem Orden abgeſchloſſenes Buͤndniß betreffend, vom Komthur von Koblenz dem Hochmeiſter und feinen Gebietigern zuvor noch vorgelegt werden ſollten. So weit waren die Unterhandlungen gediehen, als des Koͤniges von Polen Auf⸗ forderung zum Tuͤrkenzuge ſie ploͤtzlich hemmte. Erſt nach des Hochmeiſters Tod beſchloſſen die oberſten Gebietiger ſie von neuem anzuknuͤpfen, denn unter den hoͤheren Ordensbeamten in Preuſſen war außer dem Statthalter kein einziger, der das Meiſteramt fuͤglich hätte übernehmen koͤnnen. So eifrig indeß der letztere die Sache auch betrieb, ſo zog ſie ſich dennoch bis ins naͤchſte Jahr hinein.“ Da kamen im December auch die traurigen Nachrichten von dem Schickſale jenes dem Koͤnige zugeſandten Heerhaufens an. Der Koͤnig hatte ſich mit ſeiner Streitmacht in die Mol⸗ dau geworfen, um an dem dortigen Woiwoden Stephan Rache zu nehmen. Da die Unternehmung mißgluͤckte, ſo ſah er ſich nach Abſchluß eines Waffenſtillſtandes durch Mangel an Lebensmitteln zum Ruͤckzuge genoͤthigt. Ein großer Schwarm von Feinden aber, Tuͤrken, Tataren, Walachen und andere Voͤlker, ihm nachfolgend, hatten in einer dichten Waldwildniß den Nachtrab uͤberfallen, den groͤßten Theil der Mannſchaft erſchlagen oder gefangen genommen und faſt die ganze Wagen⸗ 1) ueber den ganzen Verlauf der obigen Verhandlungen ein Be⸗ richt vom J. 1497 im Fol. I. 336 — 339. Es geht aus dem Berichte hervor, daß mehre Gebietiger dafuͤr waren, den Großkomthur und Statt⸗ halter zum HM. erwaͤhlt zu ſehen; „aber, heißt es, cu des Ordens Ere und nutz und dem loͤblichen alden Hawſe von Sachſen zu wolge⸗ fallen bearbeitet her ſich, herzogen Friderich von Sachſen an das Hoe⸗ meiſterampt zu bringen.“
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Verhandl. weg. d. HM.⸗Wahl d. Hz. Fried. v. Sachſen. (1497.) 241 burg erbeutet.) Es war darunter auch jener Streithaufe aus Preuſſen; nur wenige von ihm kamen, zum Theil mit Wun⸗ den bedeckt, von ihrem Harniſch faſt ganz entbloͤßt, vom Hun⸗ ger abgezehrt im Winter nach Preuſſen zuruck. Die Ritter Euſtach von Schlieben, Bernhard von der Gablenz, Chriſtoph von Lichtenhain, des Hochmeiſters Schenk und mehre andere ſahen die Heimat nicht wieder. Die Zuruͤckkehrenden aber brachten zugleich die Schreckensnachricht, daß der wilde Feind, durch des Königes Niederlage ermuthigt, entſchloſſen ſey, in Polen einzubrechen und alles in Wuͤſten und Einoͤden zu ver⸗ wandeln. Geſchah ſolches, fo konnte nichts ihn dann hindern, auch in Preuſſen einzufallen, wo man ihm jetzt nicht die ge⸗ ringſte Gegenwehr zu leiſten im Stande war. Eine unbeſchreib⸗ liche Angſt und Bangigkeit verbreitete ſich durchs ganze Land, zumal da zu beſorgen war, daß dann auch die Ruſſen Livland überwältigen wuͤrden. Eiligſt gingen daher Sendboten des Statthalters und der uͤbrigen Gebietiger an die Kurfürsten von Koͤln und Trier mit der dringendſten Bitte, den Roͤm. König und die Übrigen Reichsfuͤrſten von der uber Preuſſen ſchwebenden ſchrecklichen Gefahr ſchleunigſt in Kenntniß zu ſetzen und ſie zur Rettung des armen Landes aufzufordern.) An den Roͤm. König ſelbſt erging zugleich ein klagvolles Schreiben, in welchem er unter Meldung des den Orden im Türkenkriege ſo ſchwer betroffenen Ungluͤckes aufs flehentlichſte gebeten ward, den Orden und das Land Preuffen, „die beide als ein Pfeiler und als eine Mauer für die heilige Chriftenheit gegen die Ruſ⸗ ſen, Tataren und Tuͤrken zu betrachten ſeyen,“ jetzt aus der angſtvollen Gefahr zu befreien, denn man fürchtete, daß, wenn die Türken und Tataren aus den Wappenroͤcken der gefangenen 1) Cromen de Rebus Polon. p. 648 — 649. Sarnicii Annal. Polon. 1188 — 1189. Raynaldi Annal. ecclesiast, an. 1497 |. 31. 2) Reifebericht im Fol. B. 191. 3) Schr. des Statthalters u. der Gebietiger an d. Erzbiſchoͤfe v. Trier u. Köln, d. Sonnab. nach Lucid 1497 Fol. T. 514 — 316. Schr. derſelben an d. DM. d. Mont, vor Thoma 1497 Fel. T. 502; IX. 16
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242 Verhandl. weg. d. HM. Wahl d. Hz. Fried. v. Sachſen. (1497.) Ordensritter erkennen würden, der Orden habe dem Koͤnige von Polen Huͤlfe geleiſtet, fie in Verbindung mit dem Groß⸗ fürften von Moskau ihre Rache zuerſt und am ſchwerſten an den Ordenslanden ausuͤben wuͤrden.) Wie an den Deutſch⸗ meiſter, ſo wandte man ſich mit gleichen Bitten auch an den Papſt und das Kardinal: Collegium, ihnen die ganze ſchreck⸗ liche Gefahr vor Augen haltend, die beim Vordringen der Un⸗ glaͤubigen der geſammten chriſtlichen Kirche drohe.) Nun hatte zwar bereits der Papſt Lubeck und mehre andere Hanſeſtaͤdte zur Beihüͤlfe für Livland aufgefordert und es erſchien auch eine Geſandtſchaft der erſtern beim Statthalter in Preuſſen, um zwiſchen Livland und dem Moscowiter einen Frieden einzulei⸗ ten; theils indeß ſchienen die Abgeſandten Luͤbecks dem Statt: halter zu dem wichtigen Geſchaͤft nicht tauglich, theils konnte man einen Frieden, der nicht durchs Schwert errungen war, um fo weniger wünfchen, als man auf keine friedliche Zuſiche⸗ rung der Ruſſen auch nur einiges Vertrauen ſetzen zu duͤrfen glaubte.) Da indeß bald Kunde kam, daß der Koͤnig von Daͤnemark mit dem Großfuͤrſten in ein Buͤndniß getreten und der Beſitz Harriens und Wierlands der Gewinn ſey, den er ſich davon verſpreche, ſo rieth man dem Livlaͤndiſchen Meiſter, ſobald als möglich mit dem Großfuͤrſten Friede oder Waffen⸗ ſtillſtand zu ſchließen, damit jenes Bimdniß durch Harriens und Wierlands Verluſt dem Orden nicht verderblich werde, weil man hoffte, man koͤnne ſich dann zuvor die Freundſchaft des Koͤniges von Daͤnemark ſichern und zugleich auch erſt die 1) Schr. des Statthalters an d. Roͤm. König, d. Dienſt. Ste⸗ phani 1498 Fol. T. 557. 562. 2) Schr. des Statthalters an d. DM. o. D. (1498) u. Schr. deſ⸗ ſelb. an d. Papſt u. das Kardinal⸗ Collegium, d. 2ten Januar 1498 Fol. T. 558 — 561. 3) Schr. des Papſtes an Luͤbeck u. die übrigen Hanſeſtaͤdte o. D. (1497) Fol. T. 574. Verhandlung des Statthalters mit den Lubecki⸗ ſchen Geſandten, d. Dienſt. vor Antonii 1498 u. Schr. deſſelb. an d. Livlaͤnd. Meiſter, d. Donnerſt. nach Antonii 1498 Fol. T. 567— 568.
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Verhandl. weg. d. HM.⸗Wahl d. Hz. Fried. v. Sachſen. (1498.) 24. Beihuͤlfe des Roͤm. Koͤniges und der Reichsſtaͤnde zur fernern Bekämpfung der Ruſſen gewinnen. ) Alle dieſe Verhaͤltniſſe, dazu auch die immer noch feind⸗ felige Stellung des Biſchofs von Ermland gegen den Orden, der, wie man erſuhr, neue Umtriebe gegen den letztern an⸗ knuͤpfte, 2 hatten die Nothwendigkeit doppelt fuͤhlbar gemacht, ſobald als möglich ein neues Ordenshaupt an die Spitze zu ſtellen. Des Statthalters Bemühungen hatten viel dazu bei⸗ getragen, daß ſich auch unter den Gebietigern in Deutſchland allgemein der Wunſch aussprach, den Herzog Friederich als Hochmeiſter des Ordens begrüßen zu koͤnnen. Nachdem daher auf den Antrag ſeines Bruders des Herzogs Georg von Sach⸗ ſen in einem Ordenskapitel zu Mergentheim wegen Friederichs Aufnahme und Einkleidung in den Orden das Nöthige be⸗ rathen und beſtimmt worden, ſandte der Deutſchmeiſter An⸗ dreas von Grünbach ſchon zu Ende des Januars 1498 den Landkomthur von Thuͤringen Hartmann von Sommerlate und den Komthur zu Kaffenburg Hartmann von Stockheim als ſtellvertretende Bevollmaͤchtigte zur neuen Meiſterwahl nach Preuſſen.) Sie zog ſich indeß noch hin, denn erſt gegen Ende des März kamen in Folge der Verhandlungen des Statt halters des Herzogs Georg Bevollmaͤchtigte Hans Birck von der Dube Herr zu Mühlberg, der Hofmeiſter Dieterich von Schleinitz, ) der Archidiaconus Hiob von Dobeneck, Propſt zu Schillen und der Ritter Cäfar von Pflug zu naͤherer Ver⸗ 1 Schr. des Statthalters an d. Livl. Meiſter, d. Dienft- nach Converſ. Pauli 1498 Fol. T. 871. 2) Schr. des Statthalters an d. Ord. Procurator, d. Sonnt. In⸗ 9 u. Schr. deſſelb. an d. Kardinal von Seni, o. D. Fol. T. 99 — 100. 3) Die Kapitelsbeſchluſſe zu Mergentheim 1498 bei Jaeger Cod. diplom. O. T. s. h. a. Die Vollmacht des DM. für die beiden ges nannten Gebietiger, d. am T. Pauli Bekehr. 1498 Schbl. II. 8. Hartmann von Sommerlate war ſchon 1490 Landkomthur zu Zwetzen bei Jena. 4) S. von Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 294 — 295. 16 *
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244 Verhandl. weg. d. HM.⸗Wahl d. Hz. Fried. v. Sachſen. (1498.) ſtaͤndigung über Herzogs Friederich Wahl in Königsberg an.“ Da der Herzog noch nicht im Orden aufgenommen war und ſomit bei dieſer ungewoͤhnlichen Wahl ganz neue Verhaͤltniſſe eintraten, im Hauſe Sachſen aber man ſich uͤber Friederichs Stellung als Oberhaupt im Orden ſo viel als moͤglich ſicher zu ſtellen ſuchte, To bedurfte es einer vielſeitigen Berathung. Man vereinigte ſich jedoch bald uͤber die noͤthigſten Beſtim⸗ mungen. Am ſechſten April ſtellten demnach ſaͤmmtliche Ges bietiger Preuffend ? mit Zuſtimmung der Bevollmächtigten des Deutſchmeiſters die Erklaͤrung aus: nachdem des Herzogs Georg von Sachſen bevollmaͤchtigte Sendboten die Zuſicherung gegeben, daß ſein Bruder Herzog Friederich das Hochmeiſter⸗ thum des Deutſchen Ordens anzunehmen geneigt ſey, ſo wer⸗ den die Gebietiger, ſobald der Herzog den Orden angenommen und nach Inhalt des Ordensbuches in denſelben foͤrmlich ein⸗ gekleidet iſt, ihn ſofort am naͤmlichen Tage zum Hochmeiſter und oberſten regierenden Haupt erwaͤhlen; ſobald er ſich nach Preuſſen verfügt und zum Meiſter erkoren iſt, werden die Ge⸗ bietiger alle Lande und Leute, Schloͤſſer und Staͤdte, fo weit ſie in Preuſſen dem Orden zugehoͤren, ſogleich an ihn als ihren Herrn weiſen und nach alter Gewohnheit mit Eidespflicht und Huldigung zu Gehorſam und Unterthaͤnigkeit verpflichten. Es ſollen ihm alle Aemter, Pflegen und Gebiete, die der vo⸗ rige Hochmeiſter benutzt und genoſſen, dazu auch das Komthur⸗ amt Brandenburg mit allen Zubehoͤrungen, und in dieſen Aemtern, Pflegen u. ſ. w. eine jaͤhrliche Einnahme von unge⸗ 1) Fol. I. 339; es wird ausdruͤcklich geſagt, daß der Statthalter dieſe Sendung mit am meiſten betrieben habe. 2) Es werden als ſolche jetzt genannt: der Statthalter und Groß⸗ komthur Graf Wilhelm v. Eifenberg, Erasmus v. Reitzenſtein Ordens⸗ Marſchall, Melchior Koͤchler von Schwansdorf Oberſter Spittler u. Komthur zu Brandenburg, Heinrich Reuß v. Plauen Oberſter Trappier u. Komthur zu Balga, Simon v. Drahe Komthur zu Holland, Hein⸗ rich v. Altmannshofen Komthur zu Ragnit, Ludwig v. Seinßheim Komthur zu Oſterode, Rudolf v. Tippelskirch Komthur zu Rhein, Michael Swabe Komthur zu Memel.
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Wahl des Herzogs Friederich v. Sachſen zum HM. (1498.) 245 fähr zwanzigtauſend Rhein. Gulden (je nachdem die Nutzung fallt und ſteigt) zugewieſen werden, ebenſo die Vorraͤthe, Kleinode, Baarſchaften, Renten und Gefälle, die feit des letz⸗ ten Meiſters Tod eingekommen ſind und bis auf des neuen Meiſters Ankunft erübrigt werden. Damit dieſer aber ſeinen fürftlichen Stand um ſo ſtattlicher und anftändiger halten koͤnne, werden ihm die Gebietiger zu dem bisher genannten Einkommen noch irgend ein Komthuramt, welches er nach Belieben ſelbſt wählen kann, uͤberweiſen, um es nach feinem und feiner Raths⸗Gebietiger Gefallen und zu des Ordens Beſten zu benutzen. Die Gebietiger verpflichten ſich und wer⸗ den es ſich angelegen ſeyn laſſen, die Schulden, womit der Orden noch beladen iſt, mit dem Hochmeiſter abtragen zu hel⸗ fen und auch in allen andern Faͤllen des Ordens Nothdurft und Beduͤrfniß nach Vermoͤgen auszurichten. Endlich wollen die Gebietiger dafür einſtehen, daß auch der Meiſter von Liv⸗ land Walther von Plettenberg zu dieſem Uebereinkommen ſeine Zuſtimmung geben werde, die man dem Herzog Friederich ſo⸗ bald als möglich nach Dresden zuſenden wolle.!) . Des Herzogs Georg Bevollmaͤchtigte erklaͤrten darauf am naͤmlichen Tage, daß Herzog Friederich nach dieſer Zuſage der Gebietiger in den Orden eintreten und das Hochmeiſteramt Übernehmen, ſich der Regierung als Landesfürſt unterziehen, die Brüder des Ordens und jeglichen, wes Standes und Wuͤr⸗ den er auch ſey, bei ihren Freiheiten, Gewohnheiten und altem Herkommen laſſen und wenn er nach Ordensgewohnheit zum Hochmeister erkoren ſey, den gewöhnlichen Eid wie alle vori⸗ gen Meiſter nach Ordensſatzung leiſten werde.) Man ver: I) Die Original⸗ Urkunde mit den vier Amtsſiegeln der oberſten Gebietiger, d. Königsb. Freit. vor Palmar. 1498 Schbl. II. 9. Der Bevollmächtigte des DM,, der Komthur von Kaffenburg hat feine Zu⸗ ſtimmung eigenhändig unterzeichnet. Eine Abſchrift dieſer Urk. im Fol. I. 340. 342. 2) Die Erklaͤrung der Saͤchſiſ. Bevollmaͤchtigten, d. Koͤnigsb. Freit. nach Judica 1498 Schul. II. LXIX, 38.
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246 Wahl des Herzogs Friederich v. Sachſen zum HM. (1498.) einigte ſich alsdann auch noch uͤber einige Nebenpunkte: Her⸗ zog Friederich ſolle zuvor vom Nom. Könige oder einem Kur⸗ fürften oder Fuͤrſten zum Ritter geſchlagen und vom Deutſch⸗ meiſter in den Orden eingekleidet werden; er ſolle nach Preuſſen bis an deſſen Graͤnzen ohne des Ordens Beſchwerden kommen, wo man ihn gebuͤhrend empfangen und nach Koͤnigsberg gelei⸗ ten wolle. Seine Ankunſt ſolle ungefaͤhr um Bartholomaͤi er⸗ folgen; endlich ſolle er den Roͤm. Koͤnig um Huͤlfe und Schutz für den Orden anrufen. Von dem allem ward Herzog Georg und ſein Bruder Friederich eiligſt benachrichtigt.) Der Kom⸗ thur von Koblenz ging als Botſchaſter nach Livland, um dort des Meiſters Genehmigung einzuholen; ſie erfolgte ohne weite⸗ res. Auch der König von Polen, an welchen Herzog Georg ſofort die Nachricht über die erwähnten Vorgänge hatte bringen laſſen, erklaͤrte ſich über das Geſchehene nicht nur hoͤchſt bei⸗ fällig, ſondern ſandte felbft alsbald eine Botſchaſt an die Ge⸗ bietiger in Preuſſen, um ihnen den Herzog Friederich aufs beſte zu empfehlen. Sein Reich unterlag eben in ſeinen frucht⸗ barſten Theilen ſo furchtbaren Verheerungen und Grauſamkeiten der eingefallenen Tuͤrken, Tataren und Walachen, daß er nichts mehr wuͤnſchte, als den Herzog Georg und die Deutſchen Fuͤr⸗ ſten zur Beihuͤlfe im Kampfe gegen den Feind zu gewinnen. ® 1) Die einzelnen erwahnten Punkte im Fol. 1. 344 — 345 u. in einem Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an Herzog Friederich v. Sachſen d. Dresden Donnerft. nach Oſtern 1498 Schbl. B 291. 2) Schr. des Statthalters u. der Gebietiger an d. Livlaͤnd. Mei⸗ ſter, d. Mont. nach Palmar. 1498 Fol. T. 579 — 580 Die Zu⸗ ſicherungsurkunde des Finland Meiſters, d. Wenden am T. Philippi u. Jacobi 1498 Schbl. III. 15 u. Fel. T. 582. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an Herzog Georg v. Sachſen, d. Cracovia domin. Rogation. 1498 Schöbl. 70. 16; er ſagt felbft: et tamen siquid erit adhuc fariendum, quod accessionem huic negotio (Friederichs Wahl) Taciat, vestra HI. nobis scribat et nos edoceat, et nos singnlarem affectum in vestram III gerentes, omnia ad eiusdem votum libenter faciemus. C Reynaldi Annal. eccles. an. 1498 $. 37. 38.
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Wahl des Herzogs Friederich v. Sachſen zum HM. (1498.) 247 Nachdem in Deutſchland alles, was zur Annahme des Hochmeiſteramtes beſtimmt worden, vorbereitet und ausgefuͤhrt war, trat Herzog Friederich im Auguſt die Reiſe nach Preuſſen an. Beim Abſchiede ertheilte ihm ſein Vater Herzog Albrecht die urkundliche Zusicherung: wenn er einſt durch den Einfall der Unglaͤubigen, d. h. der Ruſſen oder ſonſt durch Gewalt vom Hochmeifteramte vertrieben oder feiner Herrſchaft und ſei⸗ nes Landes beraubt werde, ſo ſolle er bei ihm als ſeinem Va⸗ ter, ſeinen Erben und in allen ſeinen Landen und bei deren Beſitzern ſtets Beiſtand und Rath finden und dort Zuflucht und Aufenthalt haben; ſo lange er ſelbſt lebe, wolle er ihn mit Allem geziemend verſorgen; treffe ihn aber ein ſolches Schickſal nach ſeinem, des Vaters Tod, ſo ſollten ſeine Bruͤ⸗ der Georg und Heinrich oder deren Erben ihm ein Schloß und eine Stadt zu geziemender Behauſung, wie es ſein Stand erfordere, einraͤumen und von allem nach Abzug der auf die Aemterverwaltung und Verzinſung der Landesſchulden noch uͤbrigbleibenden Einkommen ihm den vierten Theil zu ſeinem Unterhalte abgeben, jedoch ohne daß er an die Regierung der Lande oder an andere Gerechtigkeiten ſonſt Anſpruͤche haben ſolle.) Dieſe Beſtimmung mochte dem Vater auch wegen Friederichs großer Jugend nothwendig ſcheinen, denn im Jahre 1473 geboren zählte dieſer erſt das fünfundzwanzigſte Jahr. Da ihm ſeine Bruͤder Georg und Heinrich im Alter voran ſtanden, ſo hatte er ſich dem geiſtlichen Stande gewidmet und ſoll nach einigen bereits auch ein geiſtliches Amt im Dome zu 1) Die vom Herzog Albrecht v. Sachſen abgefaßte Urkunde, d. Koblenz Sonnt. nach Mariä Himmelf. 1498 Schbl. II. II. Daß die Urkunde beim Abſchiede des Herzogs Friederich abgefaßt ſey, wird ausdruͤcklich erwähnt. Aus dem Entwurfe einer ähnlichen urkunde des Herzogs Friederich ſelbſt, d. Dresden Sonnab. nach Bartholomaͤi 1498 Schbl. II ſehen wir, daß der Herzog ſich damals noch in Dresden aufhielt. 2) Spalatinus de liberis Alberti ducis ap. Mencken Scriptor. rer. German. T. II. p. 2144; fein Geburtstag war d. 25ſte October.
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248 Des HM. Friederich Ankunft in Preuſſen. (1498.) Köln bekleidet haben.) Von jeher mehr den Wiſſenſchaften als Waffenuͤbungen und ritterlichen Kuͤnſten zugethan, hatte er ſich auf den hohen Schulen zu Siena ) und Leipzig eine Menge Kenntniſſe erworben, wie fie damals bei Fuͤrſtenſoͤhnen nicht immer zu finden waren. Friederich ſtand daher bereits in einem gewiſſen Rufe von Gelehrſamkeit. Mehrmals erſchien er auf den Reichstagen zu Nuͤrnberg und Worms und eine Zeitlang ſah man ihn am Hofe des Erzbiſchofs von Mainz. © Begleitet von ſeinem Bruder Herzog Georg, dem Kom⸗ thur von Marburg Dieterich von Cleen, dem Landkomthur von Thuͤringen Hartmann von Sommerlate und dem Komthur von Virnsberg Burkhard von Seckendorf als Bevollmaͤchtigten des Deutſchmeiſters, die bei der Meiſterwahl zugegen ſeyn ſoll⸗ ten,“) dann noch von einer Anzahl Saͤchſifcher Edelleute und fuͤnfhundert Neifigen, wurde der Herzog, als er von Danzig her an die Graͤnze des Ordensgebietes kam, vom Statthalter und ſaͤmmtlichen Gebietigern, dem Biſchofe Johannes von Po⸗ meſanien, mehren andern Praͤlaten, der Ritterſchaft und allen Staͤnden mit großer Freude empfangen, denn man ſah es allgemein als ein hoͤchſt gluͤckliches und fur das ganze Land ſegensreiches Ereigniß an, daß das alte ehrwuͤrdige Haus Sach⸗ fen ſich durch die Sendung eines feiner Fürftenföhne des Or⸗ dens in feiner ſchweren Bedraͤngniß angenommen habe. © Gegen Ende des Septembers hielt der junge Herzog an der Spitze feines zahlreichen Geleites in Königsberg feinen Einritt und ward darauf am neunundzwanzigſten September im ver⸗ 1) Henneberger p. 206. Tiedemanns Chron. p. 262. 2) v. Langenn Albrecht der Beherzte S. 383. 3) Haͤufig wird ihm auch in Briefen das Prädicat „gelehrt“ gegeben. Spalatin. I. c. nennt feinen Lehrer Johann Zehender. 4) Pauli Preuſſ. Staatsgeſchichte B. IV. 379. 5) Vollmacht des DM. fuͤr die oben genannten Gebietiger, d. Sonnt, nach Laurent. 1498 Schbl. II. 10. Excerpta Saxon, ex Mo- nacho Pirnensi ap. Menchen T. II. p. 1473. 6) Daruͤher die Empfangs- u. Gluͤckwünſchungsſchreiben der Ges bietiger und der Stände o. D. Fol. T. 576. 578.
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Des HM. Friederich Ankunft in Preuffen. (1498.) 249 ſammelten Ordenskapitel foͤrmlich und feierlich zum Hochmeiſter erkoren und in ſein Amt eingeführt.) Es verherrlichten das Feſt durch ihre Gegenwart außer den ſchon Genannten aus Friederichs Begleitung auch die Grafen Walrad und Günther von Mansfeld, Graf Heinrich der Junge von Stolberg, Graf Heinrich der Junge von Schwarzburg, Graf Hans von Hohen⸗ ſtein, Graf Adam von Beichlingen, Graf Sebaſtian von Orten⸗ burg, der Ritter Caͤſar von Pflug, des Herzogs Friederich Hofmeiſter und eine große Zahl anderer Ritter und Herren.) Acht Tage verweilte Herzog Georg bei feinem Bruder in Köͤ⸗ nigsberg. Ehe er ihn verließ, ſtellte er ihm noch die Zuſiche⸗ rung aus: er werde, wie ſchon ſein Vater es zugeſagt, ihn, den Hochmeiſter und deſſen Orden, ſo lange er lebe, in allen gerechten und geziemenden Dingen, „worin er oder ſein Orden paͤpſtliches oder kaiſerliches Erkenntniß leiden und dulden moͤch⸗ ten“, ſtets nach aller Macht mit Rath und Huͤlfe unterſtuͤtzen und dem Orden auch nach des jetzigen Hochmeiſters Abgang, ſofern ihn irgend jemand wegen der Aufnahme und Wahl die⸗ ſes Hochmeiſters beſchweren oder anfechten wuͤrde, nebſt ſeinem Vater allen möglichen Beiſtand leiſten.?) Dieſer Zuſicherung trat bald darauf auch des Hochmeiſters anderer Bruder Herzog Heinrich von Sachſen bei. 2 1) Nach Schistz p. 400 kam der Herzog am 20 Septem. nach Danzig, begab ſich dann nach Koͤnigsberg und ward am Michaelis⸗ tage in den Orden eingekleidet Da dieß indeß nach der fruͤheren Be⸗ ſtimmung ſchon in Deutſchland vom DM. geſchehen ſollte, ſo iſt da⸗ mit bei Schütz ohne Zweifel ſeine Hochmeiſterwahl gemeint, denn allerdings konnte auch bei der Hochmeiſterwahl und Weihe von einer Einkleidung als Meiſter die Rede ſeyn. Damit ſtimmt auch Tiede⸗ manns Chron. (die hier gut unterrichtet ſcheint) vollig uͤberein. Or⸗ dens⸗Chron. p. 347. 2) Tiedemanns Chron. P. 263 führt alle namentlich auf. 3) Urkunde des Herzogs Georg v. Sachſen, d. Koͤnigsb. Freit. nach Franeiſci 1498 Schbl. II. 12. 4) urk. des Herzogs Heinrich v. Sachſen d. Dresden Sonnk. nach Concept. Maria 1498 Schbl. II. 13.
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250 Verhaͤltniſſe des HM. zum Könige v. Polen. (1498.) Schon wenige Tage nach ſeiner Wahl zeigte Friederich, wahrſcheinlich auf den Rath des Großkomthurs, den beiden Meiſtern von Deutſchland und Livland die baldige Verſamm⸗ lung eines großen Ordenskapitels an, um ſich mit ihnen und ſaͤmmtlichen Gebietigern noch naͤher uͤber die Stellung zu be⸗ rathen, die der Orden von dem an gegen den Koͤnig von Po⸗ len zu nehmen habe.) Es bedurfte dieß um fo mehr einer reiflichen Erwaͤgung, da Friederich ſchon vor ſeiner Wahl die Verſicherung gegeben hatte, daß er dem Koͤnige von Polen den Huldigungseid nicht leiſten werde, denn die Reichsfuͤrſten hatten ihm auf den Reichstagen zu Freiburg und Augsburg ihre thaͤtige Beihuͤlfe zugeſagt, ſofern der Koͤnig ihn deshalb bedraͤngen würde. ? Wenn gleich man nun auch die Hoffnung hegte, daß durch Friederichs Berufung zum Hochmeiſteramte die Stellung des Ordens gegen Polen ſchon deshalb eine freiere und unabhängigere werden koͤnne, weil der König durch die Vermaͤhlung ſeiner Schweſter Barbara mit Herzog Georg von Sachſen mit dem Hauſe Sachſen in naher Verwandtſchaft fand, 9 fo war nach feinem Verhalten gegen den letzten Hoch⸗ meiſter doch immer ſehr zu befuͤrchten, daß mit Hintanſetzung aller dieſer Verhaͤltniſſe ſeine Anforderungen an den Orden ganz die naͤmlichen ſeyn wuͤrden, zumal da eben fein Reich durch den Einfall der Tuͤrken und Tataren in einer ſo ſchreck⸗ lichen Lage war, wie noch nie zuvor.“ Solche Anforderungen des Koͤniges zur Kriegshuͤlfe für fein Reich fuͤrchtete man auch bereits in den koͤniglichen Landen des weſtlichen Preuſſens, denn als Herzog Georg auf ſeiner Heimreiſe nach Thorn kam, bat ihn der dortige Rath um Fuͤrſprache bei dem neuen Hoch⸗ 1) Schr. des HM. an d. Meiſter v. Deutſchland u. Livland, d. Freit. nach Franciſci 1498 Fol. X. 1. 2) Schütz p. 400. Tiedemanns Chron. p. 262. 3) v. Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 233. 488. Spalatinus de liberis Alberti ducis ap, Menclten Script. rer. Ger- man. T. II. p. 2126. 4) Vgl. Wagner Geſch. v. Polen S. 366 ff.
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Berhättniffe des HM. zum Könige v. Polen. (1498.) 251 meiſter, weil man durch eine Botſchaft mit ihm verſchiedene Angelegenheiten verhandeln wollte, wozu man nothwendig auch des Hochmeiſters Rath und Beiſtand bedürfte, da fie uͤberhaupt ganz Preuſſen, ſowohl das Land des Koͤniges als des Ordens betrafen.) Abſichtlich, wie es ſcheint, hatte es daher Herzog Georg auf ſeiner Ruͤckreiſe vermieden, den Koͤnig, ſeinen Schwager, zu ſprechen, obgleich er ſeinen Weg durch einen Theil Polens nahm und jener ihn gerne zu ſehen gewuͤnſcht, denn er gab es dem Herzog ſelbſt bald auch deutlich zu ver⸗ ſtehen, daß er ſehr auf des neuen Hochmeifters Beihilfe zur Befreiung ſeines Reiches vertraue.) Friederich indeß, obgleich mehrmals vom Könige durch Botſchafter beehrt, 3) ſchien ſich wenig um ihn zu bekümmern; er wollte, wie es ſcheint, er⸗ warten, was dieſer von ihm fordern werde, um ihm darauf zu antworten. Mittlerweile bereiſte er theils das Land, um ſeine Verhaͤltniſſe näher kennen zu lernen, da alles ihm noch neu war, ® theils vergnügte er ſich mit der Jagd in Samlands und Natangens Waͤldern oder es beſchaͤſtigten ihn eine Menge kleinlicher Angelegenheiten, die nur auf einzelne Perſoͤnlichkeiten Beziehung hatten.“ Vor allem war er auch ſehr bemüht, durch die Komthure feine fuͤrſtliche Tafel mit allen noͤthigen Bebürfniffen, feine Küche mit Wildpret, Fiſchen, Fleiſch, But⸗ ter u. dgl. und feine Keller mit Wein aufs beſte zu verſorgen, ©) denn hierauf legte der junge Hochmeiſter beſonders großen * Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. H M. Friederich, d. Thorn Sonnt. nach Dionyf. 1498 Schbl. B. 293. Der Gegenſtand der gewünfchten Verhandlungen, obgleich nicht genau angegeben, be⸗ traf offenbar die erwähnte Sache. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an Herzog Georg v. Sachſen, d. Cracoviae feria secunda ante festum Elisaberh 1498 Schbl. 70. 15. 3) Eredenzbriefe des Koͤniges an d. HM. im Herbſt 1498, Schbl. 70. 2. 3. 4) Fol. X. 15. 5 5) Davon eine unzählige Menge von Beiſpielen im J. 1498 im ol. X. 6) Auch davon vieles im Fol. I.
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252 Verhaͤltniſſe des HM. zum Könige v. Polen. (1499.) Werth, weshalb auch zu reicherem Unterhalte ſeines Hofes noch die Komthurei Balga, ebenſo wie Brandenburg, mit ihren Einkuͤnften eingezogen wurde. Eine Zeitlang ſcheint ihn auch der Plan beſchaͤſtigt zu haben, ſobald als möglich die Neumark vom Hauſe Brandenburg an den Orden wieder zu⸗ ruͤckzukaufen; allein Herzog Georg, dem er ſich daruͤber mit⸗ theilte, rieth ihm zu großer Vorſicht und Beſonnenheit in der Sache, um nicht den Kurfuͤrſten von Brandenburg dadurch gegen ſich aufzureizen. “ Bald aber nahmen auch andere Angelegenheiten ihn weit mehr in Anſpruch. Schon im Anfange des Jahres 1499 er⸗ ſchienen wiederholt Botſchafter des Koͤniges von Polen beim Meiſter mit der Aufforderung, ihm mit geziemender Kriegs⸗ macht zu einem neuen Tuͤrkenzuge zu Huͤlfe zu kommen. Der König hatte ſich namlich mit einem gleichen Geſuche be⸗ reits auch an den Roͤm. König Maximilian und an die auf dem Reichstage zu Freiburg im Breisgau verſammelten Reichs⸗ fürſten gewandt, von jenem aber zur Antwort erhalten: „ſolche Huͤlfe muͤſſe von gemeiner Chriſtenheit geleiſtet werden. Werde der Herzog Friederich von Sachſen, Hochmeiſter des Deutſchen Ordens, deſſen Lande dem Könige zunaͤchſt laͤgen, dazu behuͤlf⸗ lich ſeyn koͤnnen, fo möge dieſer nach Vermögen thun, was er wolle. Wir aber, fuhr der König fort, tragen lauteres Wiſſen, daß der Hochmeiſter mit ſeinem Orden in dem Ver⸗ moͤgen nicht iſt, weil dem Orden von der Krone Polens durch einen Vertrag, den jeder Hochmeiſter bei ſeinem Einkommen (Amtsantritt) einem Könige zu Polen ſchwoͤren ſoll, etliche Lande abgepfaͤndet ſind. Soll er nun euch ſolchen Eid auch thun, ſo moͤchte er euch und der heiligen Chriſtenheit nicht ſo tröſtliche Hülfe gegen die Ungläubigen beweiſen, als er gerne 1) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. HM. d. Dresd. Sonnt. nach Concept. Mariä 1498 Schbl. B. 294. 2) Credenzbrief des Koͤniges v. Polen für d. Biſchof Nicolaus v. Kulm und Johann Sadkowski an d. HM. d. Krakau am Zten T. nach Epiphania 1499 Schbl. 70. 5. Fol. X.
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Verhaͤltniſſe des HM. zum Könige v. Polen. (1499.) 253 thaͤte. Demnach haben wir bei uns ſelbſt mit trefflichem Rathe erwogen, daß dem Hochmeiſter als einem Fuͤrſten des Reiches nicht gezieme, ſolchen Eid zu leiſten; es wäre auch uns, dem heiligen Reiche und Deutſcher Nation ganz unleidlich und nicht in feinem Vermögen, ſolchen Eid zu halten. Damit nun der loͤbliche ritterliche Orden wiederum in ſeine alte ehrliche Poſ⸗ ſeſſion und Fundation komme und bei dem heil. Reiche und Deutſcher Nation bleibe, ſo begehren wir von euch mit gan⸗ zem ernſtlichen Fleiße, bittend, ihr wollet den Hochmeiſter um den beruͤhrten Eid nicht erſuchen noch anſtrengen, ſondern ihn ruhen und anſtehen laſſen.“ Am Schluſſe des Schreibens verſprach der Roͤm. Koͤnig, naͤchſtens einige ſeiner Raͤthe zu ſenden, welche ein guͤtliches Verſtaͤndniß uͤber den ewigen Frie⸗ den und den Huldigungseid zwiſchen dem Koͤnige von Polen und dem Hochmeiſter zu Stande bringen follten. D Von dieſer dem Koͤnige von Polen gegebenen Weiſung hatte auch der Hochmeiſter ſchon Nachricht erhalten und berief jetzt auf die erwaͤhnte Aufforderung zur Tuͤrkenhuͤlfe ſeine ſaͤmmtlichen Gebietiger und Komthure, die Biſchoͤfe von Pos meſanien und Samland, die vornehmſten Landesritter und ſtaͤdtiſche Bevollmaͤchtigte zu einem Landtage nach Koͤnigs⸗ berg.) Es ward hier zwar dem Hochmeiſter von den Staͤn⸗ den die Ausſchreibung eines gemeinen Schoſſes durchs ganze Land zu des Ordens Beduͤrfniſſen zugeſtanden, “) aber zugleich auch beſchloſſen, dem Könige von Polen die verlangte Beihülfe 1) Original⸗Schr. des Röm. Koͤniges an den König v. Polen, d. Köln Mittw. nach S. Stephani 1499 Schbl. 70. 1. 2) Fol. V. 28. Unter den Landesrittern find genannt Bot v. Eulen⸗ burg, Dietz v. Sparneck, Daniel v. Kunheim Landrichter des Branden⸗ burgiſ. Gebietes, Gerlach v. Kunseck Landrichter des Bartenſteiniſ. Ge⸗ bietes, Kunz Truchſes, Hans v. Schlieben u. a. 3) Fol. X. 39. Wir erfahren hierbei zugleich, daß noch um dieſe Zeit bei der Kapelle auf dem Schlachtfelde von Tannenberg ein Propſt angeſtellt war. Der HM. meldet ihm, daß die Gebietiger auf der jetzigen Tagfahrt einen Schoß bewilligt hätten, wozu der Propſt 40 Mark ausrichten und dem Komthur von Holland zuſenden ſolle.
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254 DVerhältniffe des HM. zum Könige v. Polen. (1499.) zum Tuͤrkenkritge nicht zu gewähren. Der Meiſter ließ dieſem daher durch eine Botſchaft erklaͤren: es betrübe ihn zwar, daß der Koͤnig und ſeine Lande durch die Feinde des Kreuzes in ſolcher Bedraͤngniß ſeyen, er habe aber das Ordensland fo ſchwer mit Schulden belaſtet gefunden nicht allein durch die alten, mit dem Koͤnigreiche Polen geführten Kriege, ſondern auch durch die letzten Verluſte, welche der verſtorbene Hoch⸗ meiſter im Dienſte des Koͤniges in der Walachei erlitten, und das Land habe ſich von dieſen Verluſten an Pferden, Harniſch, Geſchoß und Kriegsleuten noch ſo wenig erholt, daß es ihm jetzt unmöglich ſey, dem Könige mit irgend einer anſehnlichen Kriegshuͤlfe Beiſtand zu leiſten. Komme das Land einſt wieder mehr zu Kraͤften, ſo wolle man ihm gerne wie billig zur Huͤlfe bereit feyn. » Bereits aber hatte der König den Meiſter auch aufgeſor⸗ dert, zur Beſchwoͤrung des ewigen Friedens im Februar auf einem Reichstage zu Petrikau zu erſcheinen. Allein auch dieſer Aufforderung glaubte Friedrich nicht folgen zu duͤrfen; er ent⸗ ſchuldigte fein Nichterſcheinen beim Könige mit den bedrängten Verhaͤltniſſen feines Landes, mit der Einnahme der Huldigung und andern Gefchäften, ließ aber dabei ihm auch offen erklaͤ⸗ ren, daß er ſich durch keinen Vertrag zum Erſcheinen vor ihm verpflichtet halte; indeß wolle er zu gelegener Zeit, wenn etwa der König einmal in feine Lande nach Preuſſen komme, ſich gerne mit ihm über die Verhaͤltniſſe naher beſprechen und ſich ihm zu billigen Dingen geneigt und bereitwillig erzeigen. Man ſah aus dieſer Erflärung ſchon: der Hochmeiſter ſuchte es zu vermeiden, den Koͤnig durch ein ſchroffes und ſtarres Entgegen⸗ treten zum Zorne zu reizen; aber er gab es zugleich doch kund, daß er entſchloſſen ſey, eine unabhaͤngige Stellung zu behaupten und ſich keineswegs wie fein Vorfahr dem Willen des Königes zu fügen. ? 1) Die dem Botſchafter an den König gegebenen Aufträge o. D. Schbl. XXIX. 49. 2) Die ebenerwähnten Aufträge Schbl. XXIX. 49.
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Des HM. innere Landesverwaltung. (1499.) 255 Um ſo nothwendiger ſchien dem Hochmeiſter die baldige Verſammlung eines Generalkapitels, weshalb er den König auch um ſicheres Geleit für feine zur Verſammlung kommenden Gebietiger aus Deutſchland erſuchte. Er ſelbſt war mit dem innern Zuſtande des Ordens allerdings noch viel zu wenig be⸗ kannt, als daß er hätte beurtheilen koͤnnen, wohin die Haupt⸗ geſichtspunkte bei einer Reformation ſeiner Verfaſſung am mei⸗ ſten gerichtet ſeyn muͤßten; allein es ſtand ihm noch der viel⸗ erfahrene, fuͤr dieſe Sache von jeher ſehr eifrig thaͤtige Groß⸗ komthur Graf Wilhelm von Eiſenberg zur Seite, der ihn auch hierin mit Rath unterſtützte. Friederich ordnete zu dem Zwecke in allen Ordenshaͤuſern nach gewohnter Weiſe eine Viſitation an, um über den innern Zuſtand des Ordens eine genauere Kenntniß zu erhalten.) Er trat ſofort auch mit dem Deutſch⸗ meiſter in Unterhandlung, ihm die Hauptpunkte vorlegend, die im Kapitel zur Verhandlung kommen ſollten, um ſich zu⸗ vor mit ſeinen vornehmſten Gebietigern daruͤber zu berathen. Er lud ihn ein, perſoͤnlich zu erſcheinen, um ihn durch ſeine reiche Erfahrung und vielſeitige Kenntniß der Ordensverhaͤltniſſe zu unterſtuͤtzen,“ und ſchlug Königsberg als den paſſendſten Ort der Verſammlung vor, auch ſchon deshalb weil er ſich unter ſeinen Verhaͤltniſſen zum Koͤnige von Polen nicht gerne aus Preuſſen entfernen mochte. Allein der Deutſchmeiſter ſchien jetzt noch weniger als zuvor geneigt, an einem Kapitel Theil zu nehmen; er entgegnete: er ſey laͤngſt gewarnt, daß ihm der König von Polen kein ſicheres Geleit halten werde, ſelbſt wenn dieſer es mit feinem eigenen Blute geſchrieben haͤtte; er habe daruͤber den Roͤm. Koͤnig und mehre Reichsfuͤrſten um Rath gefragt; keiner aber habe ihm zu einer Reiſe nach Preuſ⸗ ſen rathen wollen, weil er leicht in die Gewalt des Polniſchen 1) Fol. V. 26. 40. 47. 2) Schr. des HM. an d. DM. d. Dienft. nach Invocavit 1499 Sol. V. 44. Dabei macht er den DM. aufmerkſam, daß der meiſte Theil der Ordensprivilegien, wie er erfahren, beim Kapitel zu Magde⸗ burg niedergelegt ſeyn ſolle. Fol. I. 51.
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256 Des HM. innere Landesverwaltung. (1499.) Koͤniges fallen koͤnne.) Alſo mußte vorerft die Verſammlung des Generalkapitels wieder aufgegeben werden. In der That aber ſchienen jetzt die Beſorgniſſe des Deutſch⸗ meiſters wegen des Koͤniges von Polen feindſeliger Geſinnungen nicht ohne Grund zu ſeyn, denn es kam bald die Nachricht: der Koͤnig habe in ſeinem Reiche Ruͤſtung geboten, weil er Willens ſey, ſo bald als moͤglich nach Preuſſen zu ziehen und mit den Waffen in der Hand den Hochmeiſter aufzufordern, dem ewigen Frieden gemaͤß ſeiner Pflicht nachzukommen und wofern dieſer ſich weigere, ihn mit aller ſeiner Macht dazu zu zwingen.) Die Beſorgniß des Hochmeiſters ward noch um ſo groͤßer, da die Verhaͤltniſſe zwiſchen dem Orden und dem Biſchofe von Ermland noch keineswegs die friedlichſten waren, denn außer den alten, immer noch nicht ganz beſeitig⸗ ten Streitigkeiten uͤber die Ordensprivilegien und einer neu⸗ angeregten Anforderung wegen der ehemals verpfaͤndeten Erm⸗ laͤndiſchen Kirchen⸗Kleinodien, die zu Rom verhandelt und von des Biſchofs Sachwalter, wo er mit dem Rechte nicht durch⸗ dringen konnte, mit Geld und Geſchenken betrieben wurden,“) regten bald des Biſchoſs Eingriffe in die weltliche Gerichts⸗ barkeit, bald das Zurückhalten entlaufener Flüchtlinge aus dem Ordensgebiete und andere aͤhnliche Verhaͤltniſſe immer neuen Zwiſt an. ) Ueberdieß betrieb in Rom ein durch Geld gewon⸗ nener Kardinal durch ernſtliche Verhandlungen auch wiederum den Plan, das Biſthum Ermland nach des jetzigen Biſchofs Tod wo moͤglich in die Hand eines Polen, namentlich des Kardinals von Krakau, des Bruders des Koͤniges, zu bringen. 1) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck Freit. nach Bonifacii 1499 Schbl. LXXI. 22. 2) Schr. des Ord. Marſchalls an d. HM. d. Eilau Mont. nach Viti u. Modeſti 1499 Schbl. XXVIII. 4. 3) Schr. des Ord. Procurators an d. HM. d. Rom sub Octava corpor. Chr. 1499 Schbl. II. 106. Ueber den Streit wegen der ehe⸗ mals verpfändeten Ermländ. Kirchenkleinodien auch ein Schr. des HM. an d. Erzbiſch. v. Riga, d. Mont. nach Miſericord. 1499 Fol. X. 82. 4) Darüber die einzelnen Faͤlle im Fol. X. 48. 56 u. ſ. w.
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Des HM. innere Landesverwaltung. (1499.) 257 Der Hochmeiſter ſuchte zwar die Streithaͤndel mit dem Biſchofe auf mehren Tagfahrten durch guͤtliche Verſtaͤndigung moͤglichſt auszugleichen; Y allein um den gefährlichen Umtrieben in Rom zu begegnen, fehlte es dem Ordensprocurator fort und fort an den noͤthigen Geldmitteln und wie er ſelbſt ſagt: „wo es in Rom an Geld gebricht, da hilft auch kein Fleiß in den Sachen.“ 2 Bald indeß vernahm der Meiſter, daß die abſichtlich ver⸗ breitete drohende Nachricht aus Polen eben nichts weiter als eine bloße Drohung geweſen ſey, die ihn hatte ſchrecken follen. Er kümmerte ſich daher auch um den König gar nicht weiter, war dagegen fort und fort eifrigſt bemuͤht, ſich den Roͤm. Kö⸗ nig und die Deutſchen Reichsfuͤrſten theils durch haͤufige Bot⸗ ſchafter, theils durch Zuſendung ſeltener Thiere, ſchoͤner Roſſe und der beliebten Jagdfalken oder auf andere Weiſe guͤnſtig und geneigt zu erhalten, denn er ſah wohl ein, daß im Fall harter Bedraͤngniſſe von Polen aus nur feſtes Anſchließen ans Deutſche Reich und die Beihuͤlfe der Deutſchen Fuͤrſten ihn und den Orden würden retten können. Er verfäumte jedoch auch nicht, durch unermuͤdliche Thaͤtigkeit in der Landesverwal⸗ tung, ſtrenge Gerechtigkeit in der Gerichtspflege, Unterſtuͤtzung der Verungluͤckten und Armen, Schonung des Landvolkes in der Zinsleiſtung und andern Verpflichtungen, und ebenſo durch ſtrenge Beſtrafung einzelner Unruheſtifter, trobiger Widerſpaͤn⸗ ſtigkeit gegen Pflicht und Landesgeſetz, ſelbſt auch unordentlicher Prieſter, ſowie auch durch häufige Bereiſung des Landes und eigene Kenntnißnahme der einzelnen Landesverhaͤltniſſe ſich im⸗ mer mehr das Vertrauen feiner Unterthanen zu erwerben. ® Friederich huldigte allerdings auch gerne vergnüglichem Genuffe. 1) Ueber eine ſolche Tagfahrt zu Braunsberg Fol. V. 114. 2) Schr. des Ord. Procurators a. a. O. Der Procurator war jetzt Michael Sculteti. 3) Fol. X. 50. 57. 194. 196. Auch Auerochſen wurden als Ge ſchenke nach Deutſchland gebracht. 4) Darüber die Einzelnheiten im Fol. X. 41. 69. 88. 92 u, ſ. w. IX. 17
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258 Des HM. innere Landesverwaltung. (1499.) Die Komthure und Beamten wurden von Zeit zu Zeit immer von neuem aufgefordert, die hochmeiſterliche Küche mit den noͤthigen Beduͤrfniſſen und allerlei Delicateffen zu verforgen. “) Der Jagd war er mit ſolcher Leidenſchaft ergeben, daß er ſich Jagdhunde bis aus Rom kommen ließ und die Komthure wiederholt Befehle erhielten, Auerochſen, Elenthiere und ande⸗ res Wild fo viel als möglich zu ſchonen, damit der Jagdgang des Meiſters dann um ſo erfolgreicher werde. Jagdfrevel wur⸗ den daher immer aufs ſtrengſte unterſagt und ſcharf beſtraft. > Aber auch dem Volke goͤnnte der Meiſter ſeine Vergnuͤgungen und Beluſtigungen, denen er gerne ſelbſt beiwohnte. So wurde unter andern im Sommer dieſes Jahres um ausgeſetzte Preiſe ein Pferderennen gehalten und jeder, der ein Rennpferd ſtellen koͤnne, zuvor Öffentlich aufgefordert.) So gerne indeß Friede⸗ rich auch dem Vergnuͤgen huldigte, ſo ging doch faſt kein Tag voruͤber, an dem er nicht in irgend einer Weiſe fuͤr die Landes⸗ verwaltung thaͤtig war und jeder Tag gab neue Beweiſe, daß ihm das Gluͤck und der Wohlſtand ſeiner Unterthanen die erſte ſeiner Sorgen war. Bei allgemeinen wichtigen Landesangelegen⸗ heiten berief er gewoͤhnlich ſaͤmmtliche Gebietiger und Ordens⸗ beamten, ſowie die Staͤnde des Landes zur Berathung auf Tagfahrten nach Koͤnigsberg.) Aber ſelbſt auch die unbedeu⸗ tendſten Einzelnheiten kamen zu ſeiner Kenntniß und wurden 1) Fol. X. 49. 50. 52 u. faſt auf allen Seiten. 2) Fol. V. 65. 74. 77. 78. 90 97. 134. 204 u. a. Jagdliebbabe⸗ rei war damals im Saͤchſiſchen Hauſe gewiſſermaßen erblich; auch Frie⸗ derichs Vater liebte das Weidwerk leidenſchaftlich; ſ. v. Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 453 u. f., wo intereſſante Nachrichten darüber. 3) Es heißt im Fol. X. 80: Sonntag Mifericord. ſeyn drey offene brive gemacht und in die drey Stete zu Konigsberg offentlich angeſla⸗ gen worden, darinne mein gned. herre vorkundigt, das fein gnade fürs genommen, auf Montag nach Octava Corpor. Criſti ſchirſten etliche Wettelaufe umb Cleynode lauffen zu laſſen, mit anzeygung, welcher ſein pferdt wolle mit lauffen laſſen, ſoll Ime vorgunſt werden. 4) Fol. V. 118 und öfter.
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Des HM, innere Landesverwaltung. (1499.) 259 von ihm beruͤckſichtigt.) Keinem feiner Unterthanen ward bei ihm eine Klage verwehrt, jede von ihm gehoͤrt, unterſucht und nach Befinden beſeitigt.) Oefter erhielten die Ordensbeamten in Klagfallen die ernſte Weiſung, die Unterthanen mit Nachſicht, Freundlichkeit und Guͤte zu behandeln und das Landvolk unter keinem Vorwande mit neuen Beſchwerden und Anforderungen zu beläftigen.? Aber eben fo ſtreng hielt er darauf, daß ge⸗ ſetzliche und herkömmliche Leiſtungen ohne Weigerung vollführt, Widerſpaͤnſtige mit Nachdruck an ihre Pflicht gewieſen wurden und überhaupt Rechtmäßigkeit und geſetzliche Ordnung auch in dieſen Verhaͤltniſſen ſtets aufrecht erhalten werde. ) Er ließ daher z. B. in Samland, wo einige reichere Gutsbeſitzer in den Kammeraͤmtern von den kleinen Freien Hufengüter an ſich gebracht hatten, ohne die darauf liegenden Dienſte zu leiſten, ſogleich eine genaue Unterſuchung anſtellen, um dieſer Geſetz⸗ widrigkeit auf der Stelle zu begegnen und die Beſitzer zu den pflichtigen Dienſten anzuhalten.“) Dieſe Strenge in den ge: ſetzlichen Leiſtungen ſcheint mit ein Grund geweſen zu ſeyn, daß ſo oft Landleute aus dem Ordensgebiete in das des Bi⸗ ſchofs von Ermland uͤberliefen, woraus, wie ſchon erwaͤhnt, wegen Ruͤckforderung der Flüchtlinge fo vielfach Hader und Streit entſtand. Mit gleich ernſtem Nachdruck aber hielt der Meiſter auch die Komthure und Ordensbeamte zur Pflicht und Ordnung an; überall verlangte er in allen Verhaͤltniſſen, wo man es ihm ſchuldig war, den pünklichſten Gehorſam und ſtrenge Be⸗ folgung ſeiner Befehle. Um die vielfach eingeriſſene Unordnung in der Verwaltung der Komthureien abzuftellen, ließ er durch 1) Darüber giebt für jeden Tag des Jahres der Fol. V. Rechen⸗ ſchaft, weil hier jedes Schreiben und jeder Regierungserlaß, den der HM. ausgehen ließ, verzeichnet wurde. 2) Auch daruͤber Beiſpiele in Menge im Fol. X. 3) Fol. X. 41. 30. 126. 4) Fol. V. 84. 126. 139. 3) Fol. V. 184. 17 *
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260 Des HM. innere Landesverwaltung. (1499.) beſondere Commiſſarien eine genaue Reviſion der Jahresrech⸗ nungen der Ordensbeamten vornehmen und zwar an Ort und Stelle, um die Richtigkeit der Angaben um ſo leichter ermitteln zu konnen.) Wiederholt ward Sparſamkeit im Haushalte den Beamten zur ſtrengſten Pflicht gemacht; dem Komthur von Preuſſiſch⸗Holland wurde es mehrmals ernſtlich unterſagt Gaſtereien zu veranſtalten, mit der Weiſung, daß er nur, wenn Rathsgebietiger in Geſchaͤften bei ihm einkehrten, ſolche in geziemender Weiſe bei ſich aufzunehmen habe.) Dabei hielt der Meiſter in noͤthigen Fallen die Ordensbeamten mit Ernſt an, die Konventsbrüder ihrer Haͤuſer mit allen ihren Beduͤrfniſſen nach den geſetzlichen Vorſchriften zu verforgen. ® Ueberdieß bereifte er bald dieſes, bald jenes Gebiet und hielt ſich oft auch laͤngere Zeit auf, um ſich ſelbſt Kenntniß von allen einzelnen Verhaͤltniſſen zu verſchaffen oder er ordnete hie und da Landtage an, um ſelbſt Tiber Klagen des Landes oder einzelner Gemeinen Verhoͤre anzuftellen. ® Um dem Handel des Landes wieder mehr Leben zu ver⸗ ſchaffen, war es ſein eifrigſtes Bemuͤhen, mit den Nachbar⸗ landen friedliche und freundliche Verhaͤltniſſe aufrecht zu erhal⸗ ten. Die alten Klagen uͤber die Handelsſtörungen in Litthauen und in den Ordenslanden hatten freilich immer noch nicht auf⸗ gehoͤrt; bald beſchwerten ſich die Kaufleute aus Grodno, Kauen und Wilna uͤber Wegnahme ihrer Waaren, Unſicherheit ihrer Perſon oder ſonſtige Belaͤſtigungen in ihrem Handelsverkehre mit Preuſſen, bald erhoben ſolche Klagen Kaufleute aus Preuſ⸗ ſen beim Hochmeiſter, der fort und fort bemuͤht war, ſolche Störungen des gegenſeitigen Verkehrs fo viel als möglich zu beſeitigen.) Auch an neuen Streithaͤndeln mit Danzig fehlte 1) Fol. X. 176. 182. 185. 2) Fol. X. 184. 230. 3) Fol. X. 219. 4) Fol. L. 192 — 193. 222. 5) Die Verhandlungen in einem Schr. des Großfuͤrſten von Lit⸗ thauen an d. HM. d. Grodno am T. Marcelli 1499 Schbl. XXVII. 11. Schr. des HM. an d. Großfuͤrſten im Fol. Y. 95. 206. 223.
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Verhaͤltniſſe zu Polen. (1499.) 261 es noch keineswegs. Ein Danziger Fluͤchtling Gregor Matern, der mit ſeiner Vaterſtadt in Fehde lebte, hatte ſeine Zuflucht ins Ordensland genommen und gab zu vielen Verhandlungen Anlaß.) Die Danziger erlaubten ſich ſogar einigemal Gewalt⸗ thaͤtigkeiten an Ordensunterthanen mit bewaffneter Hand; der Hochmeiſter jedoch erklaͤrte ſich darüber gegen den Rath von Danzig mit ſolchem Nachdruck und wies ihn mit ſolcher wuͤr⸗ digen Haltung in die Graͤnzen des Rechts und des geſetzlichen Verfahrens,? daß es wenigſtens nur eben bei ſolchen einzel: nen Ausbruͤchen des Unmuthes und der Rache blieb. Wie ſich die Verhaͤltniſſe zwiſchen dem Meiſter und dem Koͤnige von Polen geſtalten wuͤrden, blieb vorerſt noch ungewiß. Die Verwickelungen aber haͤuften ſich immer mehr. Es gab z. B. in der Gegend von Preuſſiſch⸗Mark und Preuſſiſch⸗Hol⸗ land mehre Edelleute, die ſowohl Beſitzungen im Ordensgebiete als in des Koͤniges Landen hatten. Sie hatten dem Koͤnige gehuldigt, aber daſſelbige forderte jetzt der Hochmeiſter, wo⸗ gegen der koͤnigliche Statthalter und Woiwode von Marienburg Nicolaus von Baiſen Einſpruch that, weil zwei Herrſchaften nicht gehuldigt werden koͤnne. Die Entſcheidung darüber ſollte bei des Koͤniges Ankunft im Lande erfolgen.?) Dieſe wurde im Herbſt ſchon ſo beſtimmt erwartet, daß der Hochmeiſter dem Ordensmarſchall Grafen Wilhelm von Eiſenberg (der kurz zuvor die Wuͤrde des Großkomthurs an den Komthur von Pr. Holland Simon von Drahe uͤbergeben hatte)?) und dem Biſchofe von Pomeſanien den Auftrag ertheilte, dem Könige zum würdigen Empfange entgegenzuziehen und ihm alle moͤg⸗ liche Ehre zu erweiſen, denn er wollte ausdrücklich alles ver⸗ meiden, was jenem bei ſeiner Aufnahme in Preuſſen irgend 1) Vgl. Schütz p. 398— 399; mehre Schr. des HM. an Dans zig im Fol. X. 2) Schr. des HM. an d. Rath v. Danzig, d. Sonnt. Primi u. Feliciani 1499 Fol. X. 109 — 110. 3) Schr. des Statthalters u. Woiwoden v. Marienb. an d. HM. d. Stuhm Donnerft. vor Laurent. 1499 Schbl. XXXIX. 16. 4) Wie nachfolgendes Schr. ausweiſt.
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262 Plan d. Herzogs Georg v. Sachſen für d. Orden. (1499.) Anlaß zu uͤbler Nachrede gegen ihn oder den Orden oder auch nur zur Unzufriedenheit geben koͤnne; es ging vielmehr aus allem hervor, daß er feiner Seits das friedliche Verhaͤltniß zum Könige auf alle Weiſe aufrecht zu erhalten ſuchte. “ Aber keineswegs ſo friedlich lauteten die Nachrichten aus Po⸗ len. Der König ruͤſte ſich, ward dem Ordensmarſchall gemel- det, er erwarte nur feinen Botſchafter von den Tuͤrken zurück und Friede oder Waffenſtillſtand mit dieſen, um dann ſogleich mit Waffenmacht nach Preußen zu ziehen; bereits habe auch der Gubernator Nicolaus von Baiſen Befehl zur Ruͤſtung, um mit dem Könige ſich zu vereinigen; es gehe allgemein die Rede: der Koͤnig wolle den Hochmeiſter jetzt mit Gewalt zur Huldigung zwingen, nur fehle ihm noch Geld und hinreichende Mannfchaft. ? x Mittlerweile aber arbeitete Herzog Georg von Sachſen an einem andern Plane, um den Orden aus ſeiner Bedraͤng⸗ niß zu retten. Er erließ ein offenes Sendſchreiben an die ober⸗ ſten Ordensgebietiger in Deutſchland, worin er ihnen ſeine be⸗ reitwilligen Aufopferungen und ſeine treue und feſte Anhaͤng⸗ lichkeit gegen den Orden, dann aber auch deſſen Geſunkenheit und Abnahme in Folge der Kriege mit Polen, ſowie des jetzi⸗ gen Hochmeiſters eifriges Streben, ihn wieder zu Ehre und Gedeihen zu erheben, auseinanderſetzte, dabei erklaͤrend: es koͤnne dieſes dem Meiſter in feiner hoͤchſt bedraͤngten und aͤrm⸗ lichen Lage in Preuſſen unmoͤglich gelingen ohne Eintracht und Ordnung im ganzen Orden; er muͤſſe ja taͤglich gaͤnzliche Unter⸗ druͤckung befinchten, weil es klar am Tage ſey, „wie die Po⸗ len noch ganz darnach duͤrſteten, auch die kleine Neige in Preuſ⸗ ſen, welche dem Orden noch zuſtehe, an ſich zu bringen.“ Urſachen dazu wuͤrden ſie jetzt leicht finden, da der jetzige Hoch⸗ 1) Schr. des HM. an d. Ordensmarſchall Grafen Wilhelm v. Eiſenberg u. d. Biſchof v. Pomeſanien im Fol. X. 152. 183. 216 — 217. 2) Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM. d. Liebmuͤhl Mont. nach Franciſci 1499 Schbl. XXVIII. 19.
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Plan d. Herzogs Georg v. Sachſen für d. Orden. (1499.) 263 meiſter den verlangten Huldigungseid immer noch verweigert habe. Schwoͤre er dieſen Eid, fo begehe er gegen den dem Or⸗ den bereits geleiſteten einen Meineid und handle gegen die heil. Kirche und das Reich, was er als chriſtlicher Fuͤrſt nimmer⸗ mehr thun werde. Dennoch werde er vom Koͤnige von Polen dazu als zu einer Pflicht wiederholt aufgefordert. Bisher habe er zwar die Sache immer noch in Güte hingehalten; bei ſer⸗ nerer Weigerung aber und bei dem Mangel an Mitteln zu kraͤf⸗ tigem Widerſtand koͤnne der Orden von den Polen leicht gaͤnz⸗ lich unterdruͤckt werden. Deshalb ſey fein, des Herzogs Vor⸗ ſchlag: man möge, da eben der Deutſchmeiſter Andreas von Gruͤnbach geſtorben ſey, das Deutſchmeiſterthum mit dem Hoch⸗ meiſterthum in eins verbinden, alſo daß jeder Hochmeiſter im⸗ mer zugleich auch uͤber die Balleien in Deutſchland und Welſch⸗ land zu regieren habe; ein ſolches einiges und allgemeines Re⸗ giment über den ganzen Orden werde außerordentliche Vortheile bringen und der Hochmeiſter dann wirklich ein angeſehener Fürſt ſeyn. Man möge daher jetzt keine neue Wahl eines Deutſch⸗ meiſters unternehmen und ſofort die Regierung uͤber die Deut⸗ ſchen Ordensgebiete dem Hochmeiſter uͤbertragen; dann werde auch er, der Herzog, alles, was in ſeinen Kraͤſten ſtehe, zur Erhebung und zum Gedeihen des Ordens gerne uͤbernehmen.“ — Dieſer Plan ward den oberſten Gebietigern in einem Ordens⸗ kapitel vorgelegt. Allein Wolfgang von Eifenhofen Landkomthur von Franken und der Komthur von Mergentheim Graf Georg von Henneberg erwiederten dem Herzoge im Namen des Ka⸗ pitels: man habe ſeinen aus hoher Zuneigung hervorgegange⸗ nen Plan allen Gebietigern vorgelegt, aber man glaube nicht, daß feine Ausführung dem Hochmeiſter irgend erſprießlich ſeyn werde, denn die Ordenshaͤuſer in Deutſchland, unter vielen Fuͤrſten und Herren zerſtreut, könnten einander nicht einmal ſelbſt helfen, denn der Ertrag der meiſten ſey ſehr gering und 1) Sendſchreiben des Herzogs Georg v. Sachſen an die Gebictiger in Deutſchland .. . 1499 Schbl. DM. 42, auch bei Jaeger Cod. diplom. O. T. s. h. a., wo es ebenfalls ohne Datunx iſt.
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264 Plan d. Herzogs Georg v. Sachſen für d. Orden. (1499.) bei allen ſtreng ſparſame Haushaltung ſehr nothwendig. Um fo mehr beduͤrften die Balleien einer beſtaͤndigen genauen Auf⸗ ſicht in ihrer Verwaltung, die nur ein in der Naͤhe befindlicher Meiſter in Deutſchland fuͤhren koͤnne und dem Hochmeiſter in Preuſſen unmöglich ſeyn werde, was auch gleich Anfangs die Haupturſache zur Anordnung eines beſondern Deutſchmeiſters geweſen ſey. Aus dieſen und mehren andern Gruͤnden glaube das Kapitel ſich nicht berechtigt, die beſtehende Einrichtung jetzt zu verändern. D Der Herzog ließ demnach feinen Plan fallen. 2 Die Gebietiger in Deutſchland traten bald darauf zu Frankfurt zu einem Wahlkapitel zuſammen und erkoren als neuen Deutſch⸗ meiſter den bisherigen Komthur zu Kaffenburg Hartmann von Stockheim, der hierauf vom Hochmeiſter auch die Beſtaͤtigung erhielt; “) dabei fand dieſer aber die Weiſung noͤthig: der neue Deutſchmeiſter ſolle bei der Aufnahme neuer Ordensbruͤder mit größerer Sorgfalt und Gewiſſenhaftigkeit zu Werke gehen, als es bei ſeinen Vorgaͤngern geſchehen ſey; man habe bisher viele auf gute Hoffnung in den Orden aufgenommen, die nicht im⸗ mer erfüllt worden, weshalb man manchen nicht bloß unnützen, ſondern ſelbſt ſehr laͤſtigen Ordensbruder im Orden ſehe. Der Hochmeiſter verbitte ſich überhaupt die Zuſendung neuer Ritter, 1) Schr. der Ord. Gebietiger in Deutſchland an Herzog Georg v. Sachſen, d. am S. Moriz⸗Tage 1499 Schbl. DM. 42. 2) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. Landkomthur v. Franken, d. Leipzig Freit. nach Dionyſ. 1499 Schbl. DM. 42. 3) Die Wahl des neuen DM. kann vor dem Anfange des Sep⸗ temb. 1499 noch nicht geſchehen ſeyn, denn nach einem Schr. der Ord. Gebietiger in Deutſchland an d. HM. d. Frankfurt im gemeinen Ka⸗ pitel Mittw. nach Aegidii 1499 Schbl. DM. 70 war um dieſe Zeit noch keine Wahl erfolgt. Aber ſchon am Mont. nach Bartholom. 1499 waren die Gebietiger im Wahlkapitel zu Mergentheim vereinigt, |. Jac- ger I. c. Die Beftätigung des neuen DM, durch den HM. geſchah am Tage Andrea 1499 nach Fol. X. 207; bei Jaeger I. o. hat da: gegen die Beſtaͤtigung das Datum: Raſtenburg am Abend Simon u. Judaͤ 1499. Bachem Chronol. der HM. S. 50 nimmt offenbar un; richtig das J. 1500 als Zeit der Wahl an.
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Innere Landesverwaltung. (1500.) 265 weil ihre Zahl in Preuſſen an ſich ſchon viel zu groß ſey, als daß die Unterhaltungsmittel zureichten; !) viele lägen daher dem Orden offenbar nur zur Laſt.“) Dieſe Verfügung an den Deutſch⸗ meiſter war um ſo zweckmaͤßiger, da in Deutſchland der Zu⸗ drang wegen Aufnahme junger Edelleute in den Orden und ebenſo die dabei gewoͤhnlichen Empfehlungen von Seiten der Fuͤrſten jetzt zahlreicher als jemals waren, fo daß der Deutſch⸗ meiſter wegen ſeines Verhaltens dabei in Verlegenheit kam und weil er die Ungnade mancher Fuͤrſten und vornehmen Fa⸗ milien befürchtete, beim Hochmeiſter um neue Verhaltungsbefehle nachſuchte. 9 Die Verhaͤltniſſe zum Könige von Polen blieben auch im Jahre 1500 immer noch dieſelben, denn von ſeinem Zuge nach Preuſſen war bald nicht mehr die Rede. Um ſo unge⸗ flörter widmete der Meiſter feine ganze Thaͤtigkeit den innern Landesverhaͤltniſſen. Da es ein Jubeljahr war, ſo wanderten viele aus Preuſſen nach Rom zu den Graͤbern der Apoſtel, manche auch nach Wilsnack zum heil. Blute, einige hatten ſchon im vorigen Jahre die Pilgerſchaft nach Jeruſalem ange⸗ treten, um dort das Jubeljahr zu beginnen.) Ordensbruͤder 1) Auch darin hatte ſich ſeit Jahren manches geaͤndert, denn noch im J. 1477 bat der damalige Statthalter des HM. den DM., er möge, wenn er zur Hochmeiſterwahl komme, 12 bis 16 Ritterbruͤder, die ge⸗ adelt und von gutem Geſchlechte ſeyen, mit nach Preuſſen bringen; Jaeger 1. c. s. a. 1477. 2) Schr. des DM an d. HM. d. Horneck Freit. nach Pauls des erſten Einſiedlers Tag 1500 Schbl. DM. 29. 3) Schr. des DM. an d. Hm. d. Horneck Freit. nach Miſeri⸗ cord. 1500 Schbl. DM. 30. Fol. X. 363. Der DM. ſagt: es werde dem Orden unfehlbar bei den Fuͤrſten in Ungnade bringen, wenn man die Aufnahme der empfohlenen jungen Edelleute verweigere. Der Bürs germeiſter von Koblenz Nicolaus von Merle bot 500 Gulden jährliche Renten an das Ordenshaus zu Koblenz zu entrichten, wenn man ſeinen Sohn in den Orden aufnehme. Schr. des Hauskomthurs v. Koblenz an d. HM d. Freit. nach Himmelf. 1500 Schbl. 106. nro 84. 4) Fol. I. 54. 248. 244. 291 u. a. Eine Wanderung zum heil. Blut ging einmal auch nach Sternberg.
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266 Innere Landesverwaltung. (1500.) nahmen an dieſen Wanderungen gar nicht Theil; D überhaupt war die Pilgerluſt bei weitem geringer als in fruͤhern Zeiten, weshalb man auch die damaligen Maaßregeln dagegen jetzt gar nicht noͤthig fand. Dazu kam jetzt auch das Gefahrvolle ſolcher Pilgerſchaften, denn wie die Nachbarlande ſo war ſeit einigen Jahren auch Preuſſen von Wegelagerern, Raͤuberbanden und Straßenraͤubern faſt angefuͤllt, ſo daß kaum eine Woche vorüberging, in der nicht neue Berichte uͤber Straßenraub, Ueberfaͤlle und Diebſtahl oft mit Mordthaten an den Meiſter gelangten. Waren doch einige Raubgeſellen ſogar ſo frech, dem Hochmeiſter förmlich den Frieden aufzukuͤndigen.) Um dieſem Unweſen zu ſteuern, ward nach Beſchluß einer Tagfahrt zu Koͤnigsberg von allen Ordensgebietigern, Komthuren und Pflegern ein ſ. g. „Landſtreifen“ angeordnet, wobei der Ordens⸗ beamte mit ſeinen Kriegsleuten und Dienſtpflichtigen durch ſein ganzes Gebiet ziehend alles loſe Geſindel und ſonſt verdaͤchtige Menſchen aufgreifen und in Verwahrſam bringen mußte. Die Dorſſchultheiſen wurden zugleich zu ſtrengerer Ortspolizei an⸗ gewieſen und das Gebot erlaſſen, daß den Ordensbeamten bei der Saͤuberung des Landes die Dienſtmannſchaft des Gebietes ſtets bereitwillig unterſtuͤtzen ſolle.) Und doch geſchah noch, daß hie und da, ſelbſt einige Meilen von Königsberg verſteckte Raͤuber⸗ und Diebsbanden von mehr als hundert Mann die größten Grauſamkeiten veruͤbten, Dörfer uͤberfielen oder Rei⸗ ſende ermordeten.“ Am meiſten litt durch ſolches Raubgeſindel 1) Unter allen Pilgern nach Rom kommt nur ein Prieſterbruder. Fol. V. 387. In einem Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Cracovie domin. ante exaltat. Crucis 1500 Schöbl. LXIII. 81 empfiehlt jener einen Abgeſandten des in Polen anweſenden paͤpſtl. Legaten, der ad exequendas anni inbilei et decimarum bullas a sede apostolica pro tnitione christiane religionis concessas auch nach Preuffen kommen werde. 2) Fol. X. 228 — 229. 3) Die Verhandlungen des HM. darüber Fol X. 260. 268 — 269. 4) Fol. X 356. 360 — 361. 394. 410. Einmal ſpricht der HM. von einer Diebsbande von 400 Mann, Fol. X. 297.
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Die Schlieben auf Gerdauen. (1500,) 267 das Gebiet des Biſchofs von Pomeſanien, weil dort von den nahen Polniſchen Beamten nicht das Mindeſte fuͤr die Sicher⸗ heit des Landes geſchah, zumal da ohnedieß der Biſchof mit dieſen Beamten unaufhoͤrlich im Streite lebte.) Der Hoch⸗ meiſter ließ mit ſtrenger Schaͤrfe alle des Straßenraubes Ueber⸗ wiefenen ohne weiteres hinrichten. 2 Ueberhaupt griff Friederich überall, wo es Geſetz und Recht galt, mit der nachdruͤcklichſten Strenge ein. Wie ſeine Ordens⸗ beamten die ernſtlichſten Verweiſe erhielten, ſelbſt auch ihrer Aemter entlaſſen wurden, ſobald ſie ſich in der Verwaltung nicht thaͤtig, nicht pflichttreu oder widerſpaͤnſtig zeigten, “ oder auch wenn ſie die Unterthanen mit ungewoͤhnlichen An⸗ forderungen beſchwerten und mehr verlangten, als Geſetz und Recht forderten,“ ebenſo nachdruͤcklich und entſchieden verfuhr er gegen Landesritter, wenn ſie ſeinen Verordnungen nicht Folge leiſteten oder ſich trotzig und widerwaͤrtig bewieſen. Selbſt die reichen und angeſehenen Herren von Schlieben, die ſonſt dem Hochmeiſter fo nahe ſtanden, ) ließ er feine Schärfe empfinden. Da er vom Anfange ſeiner Regierung an des verſtorbenen Georgs von Schlieben beiden Söhnen Hans und Dieterich (welcher letztere als der Ahnherr aller nachmals in Preuſſen vorhandenen Zweige dieſes edlen Geſchlechtes gilt) G) ſelbſt durch Verwendung beim Könige von Polen in ihren Vermoͤgensangelegenheiten manchen Beweis ſeiner Huld und 1) Fol. X. 276. 298 — 299. u. öfter Schr. des Rathes v. Shern an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Thorn am Abend Viſit. Maria 1300 Schbl. A. 30. 2) Fol. X. 413. 3) Fol. X. 246. 271. 388. 4) Fol. X. 322. 5) Der HM. fagt in einem Schr. an Georg v. Schlieben, d. Dienft, nach Valentini 1500 Fol. X. 272: „das du dich in deiner ſchrift be⸗ ruͤmſt, wie du uns mit deinem geſchlechte vorwant biſt.“ 6) Vgl. Nachricht v. einigen Haͤuſern des Geſchlechts v. Schlieben S. 384 — 385. —
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268 Die Schlieben auf Gerdauen. (1500.) Gunſt gegeben, fo mußte es ihn um fo mehr befremden, daß fie ſich bald allerlei Geſetzwidrigkeiten zu Schulden kom⸗ men ließen. So geſchah z. B., daß in Gerdauen ein Moͤnch zur Nachtzeit in das Haus einer Frau einbrach und ſie mit Zwang mißbrauchte. Auf ihre Klage darüber beim Prior wandte fi) der Mönch an Hans von Schlieben als Gutsherrn der Frau, der ſie zwingen wollte, dem Moͤnche zu verzeihen und nicht weiter zu klagen. Auf ihre Weigerung ließ Hans von Schlieben ſie in Ketten ins Gefaͤngniß werfen, wo ſie elf Wochen in Jammer und Elend zubrachte. Sie entkam dann nach Marienburg. Da Hans von Schlieben ſofort ihr ganzes Vermögen einzog, fo meldete fie jetzt den ganzen Vor⸗ fall dem Hochmeiſter mit flehentlicher Bitte um Huͤlfe. 2) Nun hatten uͤberdieß auch die beiden Herren von Schlieben gegen das vom Könige von Polen beim Hochmeiſter veranlaßte Ver⸗ bot den ſchon erwaͤhnten Landſtreicher Gregor Matern aus Dan⸗ zig bei ſich auf ihrem Schloſſe beherbergt, einen Feind dieſes Matern gefangen gehalten und waren deshalb ſchon vom Mei⸗ ſter zur Verantwortung vorgefordert worden, aber nicht erſchie⸗ nen. Vergebens ließ er fie auf ihrem Schloſſe aufſuchen; fie waren heimlich aus dem Lande entwichen und zu ihrem Bru⸗ der Georg nach Sachfen ® geflohen, der ſich beim Hochmeiſter, ſelbſt nicht einmal in geziemender Weiſe uͤber die Ungnade beſchwerte, womit ſeine Bruͤder, wie er vorgab, in Preuſſen verfolgt worden, mit dem Geſuch, ſie auf ihre Guͤter wieder zuruͤckkommen zu laſſen. Der Meiſter indeß meldete ihm: die beiden Ritter haͤtten ſich als Ungehorſame und Veraͤchter ſeines Gebotes bewieſen; konnten ſie ſich rechtfertigen, fo möchten fie in Preuffen zum gerichtlichen Verhoͤre erſcheinen; man werde 1) Fol. V. 204. 179. 2) Schr. der Katharina Ewert an d. HM. d. Elbing am T. heil. drei Könige 1500 Schl. A. 19. 3) Dieſer dritte Sohn Georgs v. Schlieben hatte ſich nach Sach⸗ fen begeben; f. Nachricht v. einigen Haͤul. des Geſchlechts v. Schlieben S. 384. 404.
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Innere Landesverwaltung. (1500.) 269 ihnen ſicheres Geleit geben und volles Recht widerfahren laſ⸗ ſen.) Statt deſſen aber wandten fie ſich an den Roͤm. Koͤ⸗ nig und wirkten bei ihm einen Befehl an den Hochmeiſter aus, die beiden Herren von Schlieben in ſein Land wieder aufzu⸗ nehmen und zu Gnaden kommen zu laſſen. Der Hochmei⸗ ſter war bereit dazu; nur forderte fein Verhaͤltniß zum Könige von Polen eine Rechtfertigung von Seiten der beiden Ritter, wozu er ſie nach Preuſſen zu kommen einlud. Zugleich erſuchte er ſeinen Bruder Herzog Georg, wo moͤglich in Sachſen einen paſſenden Ausweg zur Ausgleichung mit den Schlieben einzu⸗ leiten.?) Allein das Jahr ging vorüber, ehe ein entſcheidender Schritt geſchah. So ernſt und nachdruckvoll aber der Meiſter in ſolchen und aͤhnlichen Faͤllen verfuhr, ſo wohlwollend und geneigt be⸗ wies er ſich auch häufig wieder gegen feine Landesritter. Er hielt nie eine Tagfahrt zur Berathung uͤber allgemeine Landes⸗ angelegenheiten, ohne die Vornehmſten derſelben dazu zu be⸗ rufen und gab viel auf ihren Rath. Aus ihnen waͤhlte er die Landrichter, welche uͤber die einzelnen Gebiete geſetzt die Ge⸗ richtsbarkeit uͤbten. Um Faſtnacht richtete er gewöhnlich einigen adeligen Brautpaaren auf dem Schloſſe zu Königsberg eine feſtliche Hochzeit aus, wozu er dann jedesmal einen großen Theil des Landadels mit Frauen und Toͤchtern einladen ließ und wobei immer einige Tage in Freude und Luſt hingebracht wurden. So wurde im vorigen Jahre den jungen Herren Hans von Felden, Kaspar von Hohendorf und Dieterich Wai⸗ ſel dieſe Ehre zu Theil und in dieſem Jahre genoſſen fie Egloff von Tippelskirch mit feiner Braut Fraͤulein Barbara von Kor witz und Fabian von Maul mit ſeiner Braut Anna von Krumm⸗ 1) Schr. des HM. an Georg v. Schlieben, d. Dienſt. nach Va⸗ lentini 1500 Fol. X. 272. 2) Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. Mont. nach Palmar. 1500 Fol. X. 320. 3) Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. Sonnab. nach Kiliani 1500 Fol. V. 370. 432.
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270 Innere Landesverwaltung. (1500.) teich. Die Komthure wurden dann aufgefordert, die fürſtliche Tafel mit Wildpret, Fiſchen u. dgl. reichlich zu verſorgen.“ Aber nur an ſolchen Hochzeitsfeſten durften auch Frauenzimmer mit in der Umgebung der Ordensritter erſcheinen; ſonſt hielt der Hochmeiſter noch feſt an dem alten Geſetze, nach welchem keine Frauen in die Ordenshaͤuſer zugelaſſen werden durften. 2 Zwar loͤſte ſich durch ſolche Feſte, durch die oͤſtern Jagd⸗ vergnuͤgungen, woran auch meiſt die Komthure und Ordens⸗ beamten Theil nahmen und wozu auch haͤufig die Landesritter eingeladen wurden, ſowie uberhaupt durch die ungleich freiere Lebensweiſe des Meiſters und ſeiner Gebietiger manches alte Band der ſtrengen Ordensdiſciplin und es fehlte auch nicht an ſpoͤttiſchen Reden und Liedern, die uͤber den freieren Lebens⸗ wandel des Hochmeiſters und der Ordensbeamten unter dem Volke umherlieſen; ?) allein in vielen Dingen hielt der Meiſter auch um ſo ſtrenger an alten Geſetzen und Ordnungen. Er gebot z. B. dem Grafen Heinrich Reuß von Plauen mit nach⸗ drucklichſtem Ernſte, beim Kaufmanne feine von ihm genom⸗ menen Kleider zu bezahlen, weil es ſich nicht ſchicke, daß des⸗ halb beim Hochmeiſter Klagen gefuͤhrt wuͤrden;“ die Konvents⸗ brüder zu Ragnit erhielten von ihm die ſtrengſte Weiſung, ſich fernerhin nicht mehr in Handelögefchäfte einzulaſſen, die ſich 1) Fol. X. 19. 262. 266. Wir lernen bei dieſer Gelegenheit den größten Theil des damaligen Landadels kennen. Es wurden unter ans dern eingeladen: Bot und Wend von Eulenburg, Dietz v. Sparneck, Hans v. Wehler, Matbes v. Baiſen, Hans v. Lindenau, Hans v. Fel⸗ den, Kaspar v. Hohendorf, Hans v. Haubitz, Peter v. Rückersdorf, Alexander v. Lodden, Kunz Truchſes, Gerlach v. Kunſeck, Fritz v. der Wattlau, Hans v. Tettau, Daniel v. Kunheim, Ruprecht v. Milen, Heinrich v. Taubenheim, Peter Reymon v Partegall, Alexander v. Spar⸗ win u. m. a. Die Sitte dieſer Hochzeits⸗Banquets brachte der HM. Friederich vom Hofe feines Vaters nach Preuſſen; dort fanden fie oͤfter Statt; ſ. Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 480. 2) Fol. X. 358. 3) Schr. des HM. an d. Komthur v. Ragnit Fol. F. 292. 301. 4) Schr. des HM. an Heinr. Reuß v. Plauen Fol. X. 396.
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Innere Landesverwaltung. (1500.) 271 für ihren Stand nicht ziemten.) Ueberall galt es ihm als erſte Pflicht, Recht und Geſetz aufrecht und in Achtung zu er⸗ halten. Seinen Hofjaͤgern wurde es z. B. aufs ernſtlichſte verwieſen, wenn ſie zur Jagd in die Wildniß ausgeſandt an die benachbarten Bewohner uͤbermaͤßige Forderungen erhoben; ® ſo groß auch ſeine Jagdliebhaberei war, ſo ließ er Beſchwerden der Landleute über ungerechte Jagddienſte nie unbeachtet.) Keiner ſeiner Beamten durfte vom Landmanne ungeſetzliche Leiſtungen fordern. Um ſo vertrauensvoller wandte man ſich auch in allen Beſchwerden und Nothfaͤllen am liebſten an ihn ſelbſt, denn wo er konnte, half er Verunglückten und Huͤlfs⸗ beduͤrftigen gerne wieder auf. Freilich ſtanden auch ihm dazu immer nur geringe Mittel zu Gebote. Die Zins- und Zehent⸗ lieferungen einzubringen koſtete bei der Armuth des Landes den Ordensbeamten oft viele Muͤhe.) Außerdem beſtanden des Hochmeiſters gewoͤhnliche Einnahmen noch im Verkaufe des Bernſteins, des Honigs aus ſeinem immer noch reichen Bienenſtand, der Fiſche aus den herrſchaſtlichen Seen, der Keutelbriefe zur Fiſcherei im Friſchen Haff, in der Abgabe des Pfundzolles im Tief, zum Theil auch in dem vom Pfundmei⸗ ſter betriebenen Salzhandel; 9 es ſcheint auch, daß der Hoch⸗ meifter für feine Rechnung einen bedeutenden Viehhandel be⸗ treiben ließ.“ Allein dieſe und einige andere Einkünfte reich⸗ ten doch zur Beſtreitung der nothwendigen Staatsausgaben bei weitem nicht hin; die alten Schulden des Ordens waren 1) Schr. des HM. an d. Komthur v. Ragnit, d. Mittw. nach Vincula Petri 1500 Fol. X. 390. 2) Fol. V. 357. 446. 3) Fol. X. 368 sequ. 4) Fol. X. 464. 5) Darüber die Angaben Fol. X. 290. 293. 382. 326. 360. 363. Ueber die Bernſteinvorräthe Schr. des Bernſteinmeiſters an d. HM. d. Lochſtaͤdt Mont. nach Maria Himmelf. 1500 Schbl. LXXXIII. 32. LXX. 86. 6) Dieß laͤßt der ſo oft wiederholte Ankauf von großen Heerden Ochſen vermuthen, Fol. X. 356, 372 u. ſ. w.
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272 Kriegsgefahren. (1500.) noch keineswegs getilgt; fie nahmen noch immer den Ordens⸗ ſchatz in dem Maaße in Anſpruch, daß der Hochmeiſter nicht felten in großer Verlegenheit in Ruͤckſicht feiner Finanzen war, ja daß er zuweilen Summen von ſechzig bis hundert Mark von Unterthanen aufborgen und den Bedarf ſeines Hafers auf künftige Zahlung kaufen laſſen mußte. Und doch bedrohten bald Preuſſen von den Nachbarlanden her wieder bedenkliche Kriegsgefahren, die neue Koſten verur⸗ ſachten. Der Großfuͤrſt von Litthauen, welcher kaum in ſeinem eigenen Lande einen gefährlichen Aufruhr gedaͤmpft,“ erließ im Sommer dieſes Jahres wie an alle chriſtliche Fuͤrſten, ſo auch an den Orden in Livland und Preuſſen einen allgemeinen Aufruf zur Kriegshuͤlfe gegen den Großfuͤrſten von Moskau, der nicht nur den zur Bekaͤmpfung der Tataren geſchloſſenen Frieden wieder gebrochen, ſondern auch feindliche Einfaͤlle in Litthauen unternommen und unter Raub und Verwüſtung die⸗ ſes Land den Unglaͤubigen Preis gegeben hatte, denn eine Schlacht, worin der Großfuͤrſt von Litthauen gegen den Mos⸗ kowiter uͤber viertauſend feiner beſten Streiter verloren, hatte feine Kriegsmacht fo bedeutend geſchwaͤcht, daß er kaum noch im Stande war, die Ruſſen vom weitern Vordringen zuruüͤck⸗ zuhalten. Noch bedenklicher ſtand es in Polen, wo die Tata⸗ ren und Walachen in ungeheuren Schaaren ins Reich einge⸗ brochen waren, das Land weit und breit in Wuͤſte verwandel⸗ ten, alles mit Feuer und Schwert vertilgten und unter Raub und Verheerung eine außerordentliche Menſchenzahl als Scla⸗ ven mit ſich hinwegſchleppten,“ im Herbſt aber ihren Einfall 1) Fol. V. 266. 332. 446. 319. 2) Schr. des HM. an d. Großfuͤrſten v. Litthauen, d. Sonnab. vor Quaſimodogen. 1500 Fol. X. 328. 3) Aufruf des Großfürſten v. Litthauen, d. Mintzk Donnerſt. Vi⸗ fit. Mariä 1500 Schbl. Varia 138. Fol. X. 363. 372. Kojalowiez P. I. 282. 4) Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. Dienſt. Ac⸗ gidii 1500 Fol. Y. 407. Raynaldi Annal. eccles. an. 1500 f. 18.
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Kriegsgefahren. (1500.) 273 wiederholten und ins Land ſo weit eindrangen, daß ſie nur noch zwanzig Meilen von Preuſſens Graͤnzen entfernt dort alles verheerten und niederbrannten und ſelbſt auch ſchon einen Theil Litthauens mit ihren Graͤueln heimſuchten. Da ihnen nirgends Widerſtand geleiſtet ward, ſo ſtand Preuſſen in der groͤßten Gefahr, von ihnen uͤberſchwemmt zu werden. Der Hochmeiſter ließ daher in großer Eile durchs ganze Land das Kriegsgebot ausrufen, alles zur Gegenwehr in Bereitſchaft ſetzen, berief die Gebietiger zur Kriegsberathung und verſammelte zugleich die Stände zu einer Tagfahrt, um die Ausführung eines all⸗ gemeinen Vertheidigungsplanes durchs ganze Land vorzuberei⸗ ten.) Alle Komthure und Pfleger erhielten Befehl, ihre Schloͤſſer ſofort in wehrhaften Stand zu ſetzen und eiligſt in allen Gebieten zu rüften, um beim erſten Kriegsgeſchrei ſogleich ins Feld zu rücken.) Durchs ganze Land ward Heerſchau gehalten, wobei jeder Dienſtpflichtige wie beim Auszuge aufs vollſtaͤndigſte geruͤſtet erſcheinen mußte.) Nun lief zwar bald die Nachricht ein, der gefuͤrchtete Feind ſey mit einer großen Schaar Gefangener wieder zuruͤckgezogen, allein aus Maaß⸗ regeln, die er getroffen, ſey zu ſchließen, daß er im naͤchſten Winter von neuem ins Land einſtuͤrmen wolle, weshalb der Hochmeiſter die getroffenen Wehranſtalten im Lande fortbeſtehen und fortſetzen laſſen mußte, ® Mitten unter dieſen unruhigen Bewegungen aber beugte den Meiſter ein anderer ſchwerer Verluſt tief darnieder. Sein Vater Herzog Albrecht von Sachſen, für deſſen Erhaltung und Sieg, als er im Sommer dieſes Jahres zur Huͤlſe feines 1) Ausſchreiben des HM. um Michaelis 1300 Fol. v. 413 —416. 418, 421. 2) Schr. des HM. an d. Ord. Marſchall, d. Sonnab. nach Die: nyſ. 1500 Fol. V. 423. 3) Ausſchreiben des HM. am T. Simon u. Juda 1500 Fol. J. 429. 4) Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. am T. Al⸗ ler Heil. 1500 X. 431 — 432. IX. 18
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274 Kriegsgefahren. (1500.) juüngern Sohnes Heinrich gegen die empoͤrten Frieſen gezogen war, y der Hochmeiſter in allen Kirchen des Landes öffentliche Gebete angeordnet,“ war im September in Emden geſtorben. Mit tieſem Schmerze erhielt Friederich von ſeinem Bruder Georg die Trauernachricht und erließ alsbald die Verordnung, daß für „des lobſamen und chriſtlichfrommen Fuͤrſten Seelenſelig⸗ keit“ in allen Kirchen ein feierliches Begaͤngniß mit Meſſen und Vigilien gehalten werde;) nur dieſes Opfer kindlicher Liebe und Verehrung konnte er in weiter Ferne dem Dahin⸗ geſchiedenen noch darbringen. Ihm wohnte auch ſein Oheim, der Fuͤrſt Ludwig von Anhalt bei, der als Franciſcaner⸗Moͤnch damals eben auf einer Reiſe in kirchlichen Angelegenheiten in Preuſſen war und manches mit dem Biſchofe Nicolaus von Samland zu verhandeln hatte.) Auch der König von Polen bezeugte dem Meiſter ſeine Theilnahme. „Ich habe an ihm, dem verſtorbenen Fürften, einen Vater, ganz Deutſchland aber ein Licht ſeines Reiches verloren“, ſchrieb er ihm, ließ jedoch auch dieſe Gelegenheit nicht unbenutzt, ihn abermals an die Pflichten und Verbindlichkeiten zu erinnern, die er gegen ihn noch zu erfüllen habe. 9 Zum Gluck ſtanden dem Meifter in dieſer gefahrdrohenden Zeit unter den Großgebietigern noch Maͤnner zur Seite, die ihn mit reicher Erfahrung und umſichtigem Rathe in ſeiner Ver⸗ waltung unterftüßten. Wie ſchon erwähnt, bekleidete jetzt die 1) S. Boͤttiger Geſch. v. Sachſen B. I. 474 — 473. Lan⸗ genn Herzog Albrecht der Beherzte S. 273 ff. 2) Schr. des HM. an die Biſchoͤfe v. Pomeſanien u. Samland u. an die Gebietiger Fol. X. 405. 406. 417. 3) Ausſchreiben des HM. an alle Gebietiger Fol. I. 433. 4) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. am T. Calixti 1500 Fol. X. 428. 428. Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. HM. d. Leipzig Mittw. nach Jubilate 1500 Schbl. B. 407. 5) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Sandomiria feria IV post fest. omnium sanctor. 1500 Schbl. 70. 18. Vgl. Langenn a. a. O. S. 283, wo eines ähnlichen Trauerſchreibens der Königin Eli⸗ ſabeth von Polen Erwaͤhnung geſchieht.
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Streitſache des Biſchofs v. Ermland. (1500) 275 Würde des Großkomthurs der in der Landesverwaltung ſchon durch frühere Aemter geprüfte Simon von Drahe; dem Amte des Ordensmarſchalls ſtand der vom letzten Hochmeiſter mit ſo hohem Vertrauen beehrte Graf Wilhelm von Eiſenberg vor. Das Amt des Ordensſpittlers verwaltete noch Melchior Köchler von Schwansdorf, zugleich als Komthur von Oſterode, denn die Komthurei Brandenburg, mit welcher ſonſt das Spittleramt verbunden geweſen, verweſete, ſeit ſie dem Meiſter zugewieſen war, nur noch ein Vogt. Das Amt des Ordenstrappiers führte ſeit einiger Zeit ſchon der Komthur von Rhein Rudolf von Tippelskirch, denn ſeitdem auch Balga der hochmeiſter⸗ lichen Kammer uͤberwieſen war, hatte es keinen Convent und alſo auch keinen Komthur mehr.) Ueberhaupt hingen die Veraͤnderungen in den Ordensaͤmtern jetzt weit mehr als früher bloß von der willkuͤhrlichen Beſtimmung des Hochmeiſters ab; nur wenn er wollte, fragte er dabei den Großkomthur oder den Ordensmarſchall um Nath. Da uͤberdieß der Gedanke eines General⸗Kapitels mehr und mehr vergeſſen wurde, die beiden Meiſter von Deutſchland und Livland ſich um die Or⸗ densverhaͤltniſſe in Preuſſen faſt gar nicht mehr bekuͤmmerten, die Zahl der Gebietiger und Komthure aber, die hier noch das Kapitel bildeten, ſehr gering war, ſo waren die Ordensbeamten faſt ausſchließlich nur der Willensmeinung des Hochmeiſters untergeben, dem ſie daher auch in allem ohne weiteres zu fol⸗ gen hatten. Die gefahrdrohenden Verhaͤltniſſe der Nachbarlande aber drangen dem Meiſter jetzt auch den Wunſch auf, ſelbſt ſchon wegen Vereinigung aller Kräfte zur allgemeinen Landesverthei⸗ digung, die alten Streithaͤndel mit dem Biſchofe von Ermland endlich völlig auszugleichen, zumal da bei dieſem, ſeit der Hochmeiſter den Prieſterherren im Biſthum Ermland unterſagt hatte, den bifchöflichen Viſitatoren irgend eine von ihnen vers 1) Wir finden in Balga jetzt nur noch einen Hauskomthur; in den Jahren 1505 — 1516 erſcheint als ſolcher Nicolaus von Bach. Ordens⸗Chron. p. 119. 18 *
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276 Streitſache des Biſchofs v. Ermland. (1500.) langte Geldbeiſteuer zu geben, neuer Mißmuth erwacht war. Weil nun aber auch der Biſchof mehr und mehr einſah, daß der alte Streit wegen der Ordensprivilegien, der ſich bisher am Hofe zu Rom immer noch, freilich langſam und ſchlaͤfrig genug hingezogen, keinen beſondern Erfolg für ihn bringen koͤnne, ſo ertheilte ſowohl er als der Hochmeiſter ihren Pro⸗ curatoren den Auftrag, ſie ſollten, damit die Streitſache nicht noch mehr verwirrt werde, keine weiteren Argumente mehr vor⸗ legen, ſondern von den Schiedsrichtern nun ohne weiteres den Ausſpruch verlangen.) Ehe jedoch dieſer erfolgte, naͤherten ſich der Biſchof und der Hochmeiſter von ſelbſt zu einer fried⸗ lichen Ausgleichung. Sie ward zu Bartenſtein zwiſchen den beiderſeitigen Bevollmaͤchtigten auch eingeleitet.) Ohne einen Gewinn indeß ſchien der Biſchof den Streit doch nicht beilegen zu wollen; er erhob daher, des Hochmeiſters friedliche Geſin⸗ nungen benutzend, Anſprüche auf einen Theil des Friſchen Haffs, von dem man nicht genau wußte, ob er ihm wirklich gehöre. © Die Unterſuchung daruͤber fiel nun zwar fuͤr den Biſchof un⸗ guͤnſtig aus; da er aber dennoch feine Anfprüche nicht aufgab, vielmehr auch noch die Beſtaͤtigung eines mit dem vorigen Hochmeiſter abgeſchloſſenen Vertrages verlangte, wozu Friede⸗ rich keineswegs geneigt war, ſo kam es auch jetzt noch zu kei⸗ ner voͤlligen Suͤhne, obgleich die Verhandlungen wenigſtens doch den Erfolg hatten, daß ſich der Biſchof und der Hoch⸗ meiſter ſeitdem ungleich freundlicher zu einander ſtanden. 9 1) Verordnung des HM. an die Prieſterherren, d. Freit. nach Fe⸗ licis in Pincis 1500 Fol. X. 247. 2) Daruͤber drei Schr. des HM. an d. Procurator aus dem J. 1500 Fol. X. 288. 324. 381. 425. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. Mittw. nach Pauli Bekehr. u. Mont. nach Dorothea 1500 Fol. X. 461. 467.475 — 476. Schr. des Biſch. v. Ermland an d. HM., d. Heilsberg Donnerſt. nach Apollonia 1501 Schbl. A. 302. 4) Schr. des HM. an d. Hauskomthur v. Balga, d. am Abend Valentini 1501 Fol. X. 475. 591. 5) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. Sonnab. nach
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Neue Kriegsgefahren. (1501.) 277 Wie bisher ſo blieb auch im Jahre 1501 des Hochmeiſters wichtigſte Sorge noch fort und fort die Sicherung ſeines Landes gegen die von außenher drohenden Gefahren. Die Freundſchaft des Großfinften von Litthauen war ihm daher von zu großem Werthe, als daß er nicht gerne das fuͤr dieſen auswaͤrts ge⸗ miethete Fußvolk mitten durch fein Land hätte ziehen laſſen ſollen.) Aber auch im Innern feines Landes ließ er die Ruͤſtungen und Wehranſtalten ungeſaͤumt fortſetzen und um ſich von der puͤnktlichen Ausführung feiner Befehle zu uͤberzeugen und Verſaͤumniſſe zu ahnden, mußten zwei Ordensbeamte in allen Ordensburgen eine ſcharfe und genaue Unterſuchung an⸗ fiellen und ihm daruͤber Bericht abftatten.? Aber ſchon das Verbot, daß fortan kein Fremder mehr auf ein Ordensſchloß zugelaſſen werden ſollte, und die in die Nachbarlande ſo haͤufig ausgeſandten Kundſchafter, welche genaue Nachrichten über etz wanige kriegeriſche Bewegungen in Polen und Maſovien ein⸗ zuziehen beauftragt waren, ) gaben deutlich zu erkennen, daß der Hochmeiſter bei allen feinen Kriegsruͤſtungen weit mehr den Koͤnig von Polen, als die entfernten Ruſſen und Tataren im Auge hatte. Schon im Anfange dieſes Jahres naͤmlich hatte ihn der Koͤnig in einem ſehr ernſten Tone auffordern laſſen, vor ihm auf einem Tage zu Petrikau zu erſcheinen und ſeinen Pflichten Genüge zu leiſten. Da der Meiſter jedoch dorthin nur einige feiner Näthe ſandte, um ſich wegen feines Nichterſcheinens ent⸗ Lamberti 1501 Fol. X. 601 — 602. Die vollſtändigen Verhandlungen auf dem Tage zu Bartenſtein im Fol. V. 470 ff. 474 f. Ohne Zweifel wirkte beim Biſchofe auch ein ſehr nachdrückliches Ermahnungsſchreiben des Enzbiſchofs von Riga, d. Ronneburg am T. Petri u. Pauli 1501 im Archiv des Domkapitels zu Frauenburg Schbl. M. 12, Copiebuch des geh. Arch. P. 663. 1) Fel. V. 443. 448. 2) Ausſchreiben des HM. an die Ordensbeamten, d. Freit. nach Invocavit 1501 Fol. X. 301. 3) Schr. des HM. an den Ord. Marſchall u. die Ordensbeamten, d. Donnerſt. vor Beſchneid. Chr. 1501 Fol. X. 444 — 445. 480. 462.
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278 Neue Kriegsgefahren. (1501.) ſchuldigen zu laſſen,“ fo erfolgte bald eine zweite noch ernſt⸗ lichere Aufforderung, nach welcher der Hochmeiſter in den erſten Tagen des Mai ſich zum Huldigungscide in Thorn ein⸗ finden ſollte. Zu gleicher Zeit aber erhielt dieſer auch die Nachricht: der Koͤnig habe mit den Tuͤrken und Tataren Friede geſchloſſen und von zwei Tatariſchen Oberhaͤuptern die Zuſage eines bedeutenden Hülfshaufens erhalten; bereits ſey auch in ganz Polen und Maſovien eine große Ruͤſtung im Werke; beim dritten Aufrufe ſolle dort alles auſſitzen; kurz nach Oſtern wolle der König nach Maſovien kommen und von da mit feiner Macht in Preuſſen einruͤcken. Ueberzeugt, daß jetzt bei fernerer Verweigerung des Huldigungseides gewiß Gewaltmittel in Anwendung kommen wuͤrden, wandte ſich der Hochmeiſter nicht nur eiligſt an den Livlaͤndiſchen Meiſter um Beiſtand, im Falle der König wirklich das Schwert erhebe, 9 ſondern er ließ auch mit doppelter Anſtrengung die Ruͤſtung im Lande beſchleunigen und die Ordensſchloͤſſer an den Graͤnzen mit tuͤchtigen Hauptleuten beſetzen.) Die Lage des Hochmei⸗ ſters ward noch um ſo gefahrvoller, da bald vom Meiſter von Livland die Nachricht einlief: er koͤnne jetzt aus dringenden Gruͤnden keine Huͤlfe ſenden, man moͤge beim Koͤnige Auf⸗ ſchub ſuchen, bis ſich die Verhaͤltniſſe zwiſchen den beiden Großfuͤrſten von Litthauen und Moskau friedlicher geſtellt haͤt⸗ ten. Der Hochmeiſter zweifelte zwar, daß der Koͤnig ſich werde beſaͤnſtigen laſſen, trug jedoch dem Meiſter von Livland auf, den Großfuͤrſten von Litthauen zu einer Vermittlung beim Koͤnige zu gewinnen, waͤhrend er auch ſelbſt ſich an die⸗ 1) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. HM. d. Zelle Donnerſt. nach Scholaſtica 1501 Schbl. B 301. Fol. V. 77 Schr. des HM. an d. DM. im Fol. V. 176. 2) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Freit. nach Judica 1501 Fol. X. 478. 3) Schr. des HM. an mehre Gebietiger, d. Sonnab. nach Laͤtare und Sonnt. Judica 1501 Fol. X. 511. 513 — 514.
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Bebrängniffe d. HM. durch d. Huldigungseid. (1501.) 279 ſen zu wenden beſchloß, um wo moͤglich einen Aufſchub aus⸗ zuwirken. Da lief ein Schreiben des Röm. Koͤniges Maximilian, an den ſich der Hochmeiſter durch den Deutſchmeiſter gewandt hatte, des Inhaltes ein: der Deutſche Orden ſey von ſeinen Vorfahren, den Kaiſern und Königen des Reiches „aus Grund und Urſachen erhoben worden, damit die Brüder deſſelben, aus dem Adel Deutſcher Nation genommen, zu Mehrung und Handhabung des heiligen Glaubens gegen die Feinde Chriſti ein Friedeſchild und Vorfechter ſeyn ſollten.“ Als ſolche hatten fie ſich bisher unter vielem Blutvergießen und mit Aufopferung von Leib und Gut auch immer gezeigt und daher von Kaiſern und Koͤnigen auch ihre Freiheiten und Privilegien verdient und erlangt, insbeſondere auch, daß der Hochmeiſter und die Bruͤ⸗ der des Ordens nach dem heiligen Stuhle zu Rom niemals eine andere Obrigkeit als allein das heil. Roͤm. Reich anerkannt und von ihm ihre Regalien empfangen haͤtten. Jetzt ſey ihm vom Deutſchmeiſter?) gemeldet, wie der Koͤnig von Polen vom Hochmeiſter verlange, einen vor Jahren zwiſchen Koͤnig Kaſimir und dem Hochmeiſter Ludwig von Erlichshauſen ge⸗ ſchloſſenen Vertrag zu vollziehen, der dem Orden zu großem Schaden und Nachtheil gereiche und zu welchem des jetzigen Hochmeiſters Vorfahr „durch merkliche Gewalt“ gedrungen worden ſey, den jedoch des Deutſchmeiſters Vorgaͤnger nie an⸗ genommen haͤtten und der jetzige auch nie annehmen werde. Weder der Papſt, noch Kaiſer Friederich (unter dem er geſchloſ⸗ fen worden), noch er ſelbſt, als des Ordens Oberherren, hätten 1) Schr. des Livl. Meifters an d. HM. d. Wenden 23 April 1501 Schbl. XXIX. 49. Schr. des HM, an d. Livl. Meiſter, d. am grü⸗ nen Donnerſt. 1501 Fol. Y. 320 — 521. 2) Der Roͤm. König nennt den Deutſchmeiſter „unſer und des Reiches Fuͤrſt.“ Schon der Vorfahr Hartmanns von Stockheim, der DM. Andreas von Grünbach war von Maximilian auf dem Reichs⸗ tage zu Worms 1495 in den Reichs⸗ Fuͤrſtenſtand erhoben worden; ſ. Bachem Chronolog. der HM. S. 7. 48.
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280 Bedraͤngniſſe d. HM. durch d. Huldigungseid. (1301.) ihn jemals genehmigt. „Wann uns nun, fuhr Maximilian fort, zu Behaltung unſerer und des Reiches Obrigkeit und des Ordens Privilegien und Gerechtigkeiten mitnichten die Meinung iſt, daß dem Vertrage Folge zu leiſten ſey, alſo ge: bieten wir dir bei den Pflichten, damit du uns und dem heil. Reiche verbunden biſt, auch bei Privirung und Entſetzung aller und jeder deiner und deines Ordens Gnaden, Freiheiten, Pri⸗ vilegien und dazu bei Vermeidung unſerer und des heil. Reiches Ungnade und Strafe von Roͤm. koͤniglicher Macht ernſtlich und wollen, daß du dem Koͤnige von Polen noch ſonſt jemand wegen Haltung und Vollſtreckung des bedraͤnglichen Vertrages keinerlei Verpflichtung, Geluͤbde oder Eid thueſt, ſondern dich mitſammt deinem Orden allein in der Geiſtlichkeit zu dem Stuhle zu Rom und in der Weltlichkeit zu uns, unſern Nach⸗ kommen, den Roͤm. Kaiſern und Koͤnigen und dem heil. Reiche, als denſelben unmittelbar unterworfen, halteſt und gehorſam beweiſeſt, wie ſich gebührt.” !) Zu gleicher Zeit erließ Maximilian auch ein ernſtes Schrei⸗ ben an den Papſt, worin er ihm meldete: er habe aus des Hochmeiſters Bericht vernommen, daß der Papſt durch ganz Polen nicht bloß die Cruciata durch einen Legaten zu verkuͤn⸗ digen und durch alle Staͤnde eine Zehnten-Steuer anzuordnen erlaubt, ſondern ſelbſt auch zugegeben habe, daß alles geſam⸗ melte Geld in des Königes Haͤnde komme. Bei der Art aber, wie dieſer den Orden in Preuſſen bedruͤcke und verfolge, werde die Folge davon ſeyn, daß alle deſſen Privilegien vernichtet und ſeine Beſitzungen in Preuſſen ihm entriſſen werden wuͤr⸗ den. Daraus werde nothwendig des Ordens gaͤnzlicher Unter⸗ gang und fuͤr die chriſtliche Kirche und das Reich unermeßliches Elend hervorgehen; das alles möge der Stuhl zu Rom ernſt⸗ lich erwaͤgen; es ſey ſeine Pflicht, des Ordens Rechte mit auf⸗ recht zu erhalten, den Zehnten zuruͤckzunehmen und die Cruciata 1) Schr. des Röm, Koͤniges an d. HM. d. Nürnberg 16 Maͤrz 1501 Schbl. IV. 142.
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Bedrängniſſe d. HM. durch d. Huldigungseid. (1504.) 281 dazu zu verwenden, wozu ſie eigentlich dienen ſolle, naͤmlich zum Schutze der Kirche.“) Obgleich nun zur ſelbigen Zeit der König Wladislav von Ungern und Böhmen den Hochmeiſter dringend ermahnte, nach ſeiner Vorgaͤnger Beiſpiel gegen die Krone Polens ſeine ſchul⸗ dige Pflicht zu erfüllen und den Lehenseid zu leiften, fo blieb Friederich auf die Nachricht von des Roͤm. Koͤniges Schritten doch um ſo mehr feſt entſchloſſen, ſich nicht unter das Pol⸗ niſche Gebot zu fügen. Da er vergebens den König um Auf⸗ ſchub des Huldigungstages erſucht, ſo ließ er, als die Zeit nahete, in welcher er zu Thorn vor jenem erſcheinen ſollte, alle ſeine Gebietiger und die Staͤnde des Landes zu einer Tag⸗ fahrt einberufen, um ſich mit ihnen über die notywendigen Schritte zur Erhaltung der Freiheit des Ordens und des Lan⸗ des zu berathen.) Als man darauf von des Koͤniges An⸗ kunft zu Thorn Nachricht erhielt, ward ihm nach Beſchluß der Tagfahrt eine Botſchaft, an deren Spitze der Biſchof Ni⸗ colaus von Samland und der Komthur von Königsberg Lud⸗ wig von Seinßheim ® ſtanden, entgegengeſandt, theils ihn nach herkömmlicher Ordnung zu beglüdwünfchen, theils auch ihm vorzustellen: der Meiſter ſey bereit, vor ihm zu erſcheinen, ſofern zuvor gewiſſe Punkte im ewigen Frieden beſeitigt ſeyen, durch die er ſich allzu ſehr beſchwert finde. Als ſolche erwaͤhn⸗ ten die Botſchaſter zuerſt die Forderung, daß jeder Hochmeiſter 1) Schr. des Roͤm. Koͤniges an d. Papſt, d. Norenberge undecima mensis Marui 1501 Fol. V. 213. 2) Schr. des Koͤniges v. ungern u. Böhmen an d. HM. d. Bu- dae feria quinta ante domin. Ramispalm. 1501 Schbl. VII. 14. 3) Ausſchreiben des HM., d. Sonnab. nach Quaſimodogen. 1501 Fol. I. 523. 530. 533 — 334. 4) Der Name Ludwigs von Seinßheim wird fehr verſchieden ge⸗ ſchrieben, bald Sanßheim oder Sensheim, bald Sanisheim; er ſelbſt ſchreibt ihn meiſtens Sainßheim; er ſtammte aus dem Fraͤnkiſchen Ges ſchlechte von Seinßheim; bald nach dieſer Zeit kam er als Komthur an die Ballei zu Koblenz.
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282 Bedrängniſſe d. HM. durch d. Huldigungseid. (1501.) den Koͤnig allein als ſeinen Herrn anerkennen ſolle, was gegen des Meiſters Pflicht ſtreite, da er dem Rom. Könige und dem Deutſchen Reiche verwandt und verpflichtet ſey, dann auch daß der Meiſter dem Könige, fo oft es dieſer verlange, mit feiner Kriegsmacht folgen ſolle und endlich daß die Hälfte der Ordensbruͤder aus der Polniſchen Nation genommen werden ſollten, was der Fundation des Ordens zuwiderlaufe. Sie ſchlugen zur Ausgleichung des obwaltenden Streites eine An⸗ zahl von Schiedsrichtern unter verſchiedenen Fürſten vor. Der Koͤnig indeß wies alles zuruͤck, ſchlechthin fordernd: der Hoch⸗ meiſter ſolle thun, was ihm ſeine Pflicht gebiete.) Es half alſo auch nichts, daß ſich Herzog Georg von Sachſen, des Koͤniges Schwager, erboten hatte, ſeine Raͤthe zu ſenden, um durch fie eine Vermittlung einzuleiten. Mittlerweile waren neue beſorgliche Verhaͤltniſſe hinzu⸗ gekommen. Da mit dem am zehnten April erfolgten Tode des Biſchofs Johannes von Pomeſanien der dortige biſchoͤfliche Stuhl erledigt war, ſo mußte der Hochmeiſter aus Beſorgniß wegen moͤglicher Eingriffe des Koͤniges ſo eilig als moͤglich die Schloͤſſer und Staͤdte des Biſthums durch den Ordens⸗ marſchall mit zuverläffiger Mannſchaft zu beſetzen bemüht ſeyn. Er empfahl daher auch ſchleunigſt den ihm laͤngſt bekannten Propſt und Archidiaconus zu Zſchillen Hiob von Dobeneck, der kurz zuvor zum Biſchofe von Kurland vorgeſchlagen, vom Papſte aber nicht beftätigt worden war, dem Pomeſaniſchen 1) Die vollſtaͤndige Verhandlung der Ordensgeſandten beim Kü- nige im Fol. V. 77 ff. Sie fuͤhren zugleich als Grund der Huldi⸗ gungsverweigerung des HM. mit an, daß er die ſchweren Punkte des ewigen Friedens vor ſeinem Eintritte in den Orden nicht gekannt habe. Schr. des HM. an den DM. im Fol. V. 176 — 177. Die im Na⸗ men des Koͤniges dem Biſchof v. Samland und den andern Geſandten gegebene Antwort im Fol. V. 91 — 92. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an Herzog Georg v. Sachſen, d. Lancicie die Saturni prima mensis Mai 1301 Schbl. 70. 21. Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Polen, d. am T. Philippi u. Jacobi 1501 Fol. Y. 338 — 339. Sarnicù Annal. Polon. p. 1189.
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Bedrängniſſe d. HM. durch d. Huldigungseid. (1501.) 283 Domkapitel zur neuen Bifhofswahl und nicht ohne Erfolg, denn das Kapitel fügte ſich gerne in des Meiſters Wunſch. Obgleich indeß der Neuerwaͤhlte den biſchoͤflichen Stuhl wegen der großen Verarmung des Biſthums nur dann einzunehmen bereit war, wenn er auf feine Lebenszeit auch feine Propſtei zu Zſchillen noch beibehalten dürfe, fo eilte der Meiſter dennoch das Geſuch um Beſtätigung des Neuerwaͤhlten an den Papſt ergehen zu laſſen. ? Theils um dieſer Verhaͤltniſſe willen im Biſthum Pome⸗ ſanien, theils auch um ſeinen Sendboten bei den weitern Unterhandlungen mit dem Könige näher zu ſeyn, begab fi) der Hochmeiſter nach Preuſſiſch-Holland, wohin auch einige Raͤthe ſeines Bruders des Herzogs Georg kommen ſollten, um wo moͤglich noch eine Ausgleichung mit dem Koͤnige herbei⸗ zuführen.) Kaum dort angelangt, erhielt er von ſeiner Ge⸗ ſandtſchaft aus Thorn die Meldung: der König laſſe ibn noch⸗ mals ermahnen, ſeiner Pflicht lieber gutwillig Folge zu leiſten, als ſich in gefaͤhrliche Weiterungen zu verſtricken. Der Meiſter indeß, jeden Bruch mit dem Koͤnige vermeidend, gab daruͤber eine ausweichende Antwort, ſuchte vorerſt bis zur Ankunft der 1) Schr. des HM. an d. Ordensmarſchall, d. Freit. nach Cantate 1501 Fol. V. 544. Ueber des HM. Bemühungen, den Propſt Hiob v. Dobeneck zum Biſchofe v. Kurland zu befoͤrdern, die Angaben im Fol. V. 540 — 542 u. im Index corpor, histor. diplom. Livoniae T. II. 120 sequ. Schr. des Propſtes Hiob an d. HM. d. Dresden Sonnab. zu Oſtern 1501 Schbl. LIT. 18. 2) Schr. des HM, an d. Papſt, d. Donnerſt. nach Exaudi 1501 Fol. X. 549; er ſagt: Dominus Iob ex militaribus parentibns pro- genitus vir prudentia sua desolatam hanc ecclesiam et in temporalibus sublevare et in spiritualibus gubernare potens etc. Schr. des HM. an d. DM. u. d. Herzog Georg v. Sachſen, d. Sonnt. Exaudi 1501 Fol. I. 546 — 547. Das Auguſtiner⸗Kloſter zu Zſchillen gehörte üͤbri⸗ gens dem Orden ſchon ſeit dem J. 1279, ſ. oben B. III. S. 368. Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 296. 3) Schr. des Herzogs Georg an d. HM. d. Dresden Sonnt. Can⸗ tate 1501 Schbl. B. 299. Schr. des HM. an mehre Gebietiger 1501 Fol. L. 545.
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284 Tod des Koͤniges Johann Albert v. Polen. (1504.) Saͤchſiſchen Geſandten Zeit zu gewinnen und die Verhandlungen noch hinzuhalten.) Erſt zu Anfang des Juni langten dieſe, naͤmlich der Biſchof Johannes von Meißen, Graf Heinrich der Juͤngere von Stolberg und der Dechant zu Meißen Doc⸗ tor Ulrich von Wolfersdorf beim Hochmeiſter an? und bega⸗ ben ſich, von dieſem mit den noͤthigen Verhaltungsvorſchriften verfehen, I ſofort zum Könige nach Thorn, wo dieſer aber ſchwer krank darnieder lag. Sehr ehrenvoll empfangen, erhiel⸗ ten fie auch alsbald bei einigen Biſchoͤfen und Raͤthen des Koͤniges Gehör; 2 allein wegen des letztern Krankheit mußte die Antwort auf ihr Anbringen bis auf weiteres ausgeſetzt werden. Da ſie ſich jedoch immer weiter hinzog, des Koͤniges Krankheit ſich auch mit jedem Tage ſteigerte, ſeine Wieder⸗ geneſung bald kaum mehr zu erwarten war und die Verhand⸗ lungen alſo keinen Fortgang hatten, ſo berief der Hochmeiſter die Saͤchſiſchen Geſandten zu ſich, um weitere Schritte mit ihnen zu berathen.) Bevor fie indeß Thorn verließen, ſtarb Johann Albert am ſiebzehnten Juni noch in friſchem Lebens⸗ alter.) Der Hochmeiſter ließ alsbald nach damaliger Hoffitte durch ein feierliches gottesdienſtliches Todtenbegaͤngniß in feinem ganzen Lande ihm die letzte Ehre erweiſen.) Da nun vorerſt 1) Schlitz p. 400. Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter u. an d. Herzog Georg, d. Mont. nach Pfingſt. 1501 Fol. V. 551. 533. 2) Inſtruction des Herzogs Georg fuͤr ſeine genannten Geſandten, d. Dresden Dienft. nach Exaudi 1501 Fol. V. 80. 3) Schr. des HM. an die Geſandten des Herzogs Georg, d. Freit. nach Pfingft. 1501 Fol. X. 555. 4) Schr. des HM. an den DM. Fol. V. 178. 5) Schr. des HM. an die Saͤchſiſ. Geſandten, d. Mont. nach Corpor. Chr. u. Freit. Viti u. Modeſti 1501 Fol. T. 566. 567. Schbl. XXVII. 3. 6) Schlitz p. 400. Sarnicii Annal. Polon. p. 1190. Schr. der Saͤchſiſ. Geſandten an d. HM. d. Thorn Sonnt. nach der Octava Cor⸗ por. Chr. 1501 Schbl. XXVIII. 7. 7) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland u. an die Gebietiger, d. am Abend Nativit. Johannis 1501 Fol. X. 573 — 574. e
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Verhättniffe des Biſthums Pomeſanien. (1501.) 285 an weitere Verhandlungen nicht mehr zu denken war, ſo kehr⸗ ten ſofort auch die Geſandten nach Sachſen zuruck. Wie nach⸗ druͤcklich aber der König bei einem unguͤnſtigen Ausfalle der Unterhandlungen gegen den Hochmeiſter hatte auftreten wollen, erſah man aus der Menge von ſchwerem Geſchuͤtz, welches bei Thorn bereits angelangt war.). Da bei der Getheiltheit der Meinungen unter den Großen Polens vorerſt ganz ungewiß war, wer die Krone erhalten werde, 2) fo benutzte der Meiſter die Zeit, um feine Lande for wohl im Innern als nach außenhin in aller Weiſe ſicher zu ſtellen. Weil das wilde Raubweſen und Wegelagern immer noch nicht unterdrückt war, fo erließ er an die Gebietiger im Lande neue ſcharfe Befehle zur ſorgſamſten Aufſpuͤrung alles liederlichen Geſindels, verfügte zugleich aber auch neue Anord⸗ nungen zur aufmerkſamſten Bewahrung und Bewachung der Ordensſchloͤſſer an den Grenzen Polens.) Außerdem beſchaͤf⸗ tigten ihn auch die Maaßregeln zur Sicherung des Biſthums Pomeſanien und zur Ordnung feiner Verhaͤltniſſe. Da er noch ſehr zweifelte, ob der Papſt die Verbindung der Propſtei Zſchil⸗ len mit dem Biſthum genehmigen werde, ? Hiob von Dobeneck aber nur unter dieſer Bedingung ſich zur Annahme der biſchoͤf⸗ lichen Winde bereit erklaͤrt hatte, fo ſcheint der Hochmeiſter jetzt den Plan gefaßt zu haben, dem Biſchofe Nicolaus von Samland, der ſich um den Wohlſtand ſeines Landes und um die Erhebung der Samlaͤndiſchen Kirche bereits große Verdienſte erworben hatte, auch die Verwaltung des Biſthums Pomeſa⸗ nien uͤbertragen zu laſſen und alſo beide Biſthuͤmer in einer Perſon zu verbinden.) Allein das Domkapitel vereinigte ſich 1) Schr. der Saͤchſiſ. Geſandten an d. HM. d. Thorn Freit. nach Corpor. Chr. 1501 Schbl. V. 27. 2) Kojalowiez P. II. 289. Sarnicii Annal. Polon. I. c. 3) Ausſchreiben des HM. an die Gebiefiger, d. Freit. nach Viti u. Modeſti 1501 Fol. X. 569. 4) Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen Fol. L. 553. 5) Daruͤber der Entwurf eines Schr. des HM. an d. Papſt, d. Mittw. nach Trinitat. 1501 Fol. L. 563, worin dem Papſte die
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286 Verhaͤltniſſe des Biſthums Pomeſanien. (1501.) zu einer andern Wahl und erfor für den Fall, daß Hiob von Dobeneck die biſchoͤfliche Wuͤrde nicht annehmen werde, den Samlaͤndiſchen Dompropſt Jacob Streubichen, den auch der Hochmeiſter ſeinen Sachwaltern in Rom, beſonders dem in den Ordensangelegenheiten ſo ſehr thaͤtigen Doctor Balthaſar von Muͤnchhauſen zur Foͤrderung empfahl, jedoch zuvor noch eine beſtimmte Erklärung Hiobs von Dobeneck fordern ließ.“) Mittlerweile brachte der Hochmeiſter die dem verſtorbenen Bi⸗ ſchofe von Pomeſanien auf Lebenszeit verſchriebene Stadt Zin⸗ ten wieder in des Ordens Beſitz ?) und da er benachrichtigt ward, daß ſchon bei Lebzeiten des letzten Biſchofs die Polni⸗ ſchen Hauptleute den Plan gefaßt hatten, ſich wo moͤglich der meiſten Schloͤſſer und Staͤdte Pomeſaniens, beſonders Schoͤn⸗ bergs zu bemächtigen, fo ließ er alle durch den Ordensmarſchall noch ſtaͤrker mit Mannſchaft beſetzen und uͤberhaupt alle nur irgend dienlichen Maaßregeln zu ihrer Sicherheit treffen.“) Als daher im September Hiobs von Dobeneck Bruder Georg von Dobeneck mit ſeines Bruders beſtimmter Zuſage und zu⸗ gleich mit der Abſicht nach Preuſſen kam, einſtweilen die Ver⸗ waltung des Biſthums zu uͤbernehmen, konnte ſchon jener be⸗ denklichen Verhaͤltniſſe wegen der Meiſter dieß nicht zulaſſen, ſondern verordnete, daß die bisherige Verwaltung durch einen Statthalter auch ferner noch fortbeſtehen, Georg von Dobeneck zwar bei etwanigen Beſchwerden und Verbeſſerungen ſich mit ihm berathen, der Ordensmarſchall aber ſtets die Oberaufficht und Leitung der Verwaltung fortführen und alles ſich nach Bitte vorgetragen wird, den Samland. Biſchof als Biſchof v. Pome⸗ fanien oder als Adminiſtrator zu beftätigen- 1) Schr. des HM. an die Doctoren Günther v. Bünau, Dom⸗ propſt zu Merſeburg, und Balthaſar v. Muͤnchhauſen zu Rom, d. Sonnt. nach Viti u. Modeſti 1501 u. Schr. des HM. an Herzog Georg, d. wie vor, Fol. X. 570 — 71. 2) Schr. des HM. an das Kapitel v. Pomefanien, d. Mont. nach Viti u. Modeſti 1501 Fol. Y. 571. 576. 3) Schr. des HM. an d. Ord. Marſchall, d. Sonnab. nach Jo⸗ hanni 1501 Fol. X. 572. 378. 577.
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Verhältniſſe des Biſthums Pomeſanien. (1501.) 287 ſeinen Beſtimmungen richten ſolle.) Nun hatte zwar unter⸗ deß am ſiebenundzwanzigſten Auguſt der Papſt dem Biſchofe Hiob von Dobeneck nicht nur die Beſtaͤtigung, ſondern zugleich auch unter Vorſchrift des ihm zu leiſtenden Eides die Erlaub⸗ niß ertheilt, die Propſtei zu Zſchillen auch ferner behalten zu dürfen, und nach paͤpſtlicher Verordnung wurden die Vaſallen, das Pomeſaniſche Domkapitel, die Städte und die ganze Did cefe auch verpflichtet, ihn als Biſchof aufzunehmen; ) allein es traten doch noch Irrungen ein, denn der Deutſchmeiſter, dem Hiob nach mehrfachen Verhandlungen verſprochen hatte, die Reſervation der Propſtei als Biſchof aufgeben zu wollen, erklaͤrte ſich hoͤchſt unzufrieden damit, daß dieſer ſie dennoch gegen feine Einwilligung fi vom Papſte hatte zuſagen laſſen. Der Hochmeifter mußte daher auch dieſe Mißverhaͤltniſſe wieder zu beſeitigen fuchen. ® Da nahmen die Verhaͤltniſſe in Polen auch wieder des Mei⸗ ſters Thaͤtigkeit in Anſpruch. Unter den Thronbewerbern war dort zunaͤchſt der Großfürft Alexander von Litthauen aufgetre⸗ ten und hatte ſich auch an den Hochmeiſter mit dem Geſuche gewandt, ſeiner Seits ſeine Bewerbung um die Krone ſo viel als möglich zu foͤrdern.) Die bisherigen freundlichen Verhaͤlt⸗ 1) Schr. des HM. an d. Ord. Marſchall, d. Mittw. Nativit. Maria 1501 Fol. X. 397. 2) Die Beſtaͤtigungsbulle mit dem vorgeſchriebenen Eid, die Bulle, worin Alexander VI dem Biſchofe Hiob feine Beſtätigung bekannt macht und ihn zugleich von allen Kirchenſtrafen, in die er verfallen ſeyn koͤnnte, frei ſpricht und die Notificationsbullen an das Domkapitel, die Geiſt⸗ lichkeit, Vaſallen, Städte u. ſ. w., ſaͤmmtlich d. Romae VI Cal. Sep- temb. 1501 im Original Schbl. XV. 4—9. 3) Schr. des HM. an den DM. d. am T. Barbarä 1501 Fol. X. 636. Auf die Propſtei hatte der Biſchof durch einen mit mehren Bevollmaͤchtigten des DM. abgeſchloſſenen Vertrag foͤrmlich Verzicht geleiſtet; eine Abſchrift dieſes Vertrages Schbl. 108 nro 17. Der Bi: ſchof ſollte für die Verzichtleiſtung jährlich 150 Rhein. Gulden aus den Einkünften der Propſtei als Entſchaͤdigung erhalten. 4) Schr. des HM. an den DM. im Fol. V. 181.
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288 Alexander Koͤnig v. Polen. (1501.) niffe, deren ſich der Orden beſonders in den letzten Jahren gegen den Großfuͤrſten zu erfreuen gehabt, machten allerdings Alexanders Erhebung zum Koͤnige von Polen in vieler Hinſicht wüͤnſchenswerth, obgleich der Hochmeiſter wohl wußte, daß feine Stellung zu Polen ſich nicht bedeutend ändern werde, weil die Praͤlaten und Großen Polens bereits beſchloſſen hat⸗ ten, beim Orden mit aller Strenge auf Vollfuͤhrung der Bes ſtimmungen des ewigen Friedens zu dringen. » Um fo mehr fuchte er, als Alexander auf dem Reichstage zu Petrikau zum Koͤnige erwaͤhlt war, durch Bezeugung ſeiner freundlichen Theil⸗ nahme an ſeiner Erhebung ſich deſſen Gunſt und Gewogenheit zu erwerben, “ denn auch der gefahrvolle Krieg des Livlaͤndi⸗ ſchen Meiſters gegen den Großfuͤrſten von Moskau, gegen wel⸗ chen dieſer Meiſter erſt im Sommer dieſes Jahres mit Alexan⸗ dern in ein enges Buͤndniß getreten war,?) machte ein freund⸗ liches Verhaͤltniß zwiſchen dem Orden nnd dem neuen Könige Höchft wunſchenswerth, zumal da im Herbſt die Ruſſen zur Rache einer vom Livlaͤndiſchen Meiſter erlittenen ſchimpflichen Niederlage abermals mit grauſamer Verwuͤſtung unvermuthet in Livland einbrachen und dort den Orden in die groͤßte Be⸗ draͤngniß feßten. Das Ungluͤck wirkte auch auf Preuſſen ein, 1) Schr. des HM. an d. Livland. Meifter, d. Sonnt. nach Alexii 1501 Fol. X. 583 — 584. 2) Schr. des HM. an d. Ord. Marſchall, d. Mont. nach 11,000 Jungft. 1501 Fol. X. 611. 3) Das Buͤndniß, am Mont. vor Johannis 1501 geſchloſſen, bei Dogiel T. V. 159 sequ. und im Fol. V. 368. Hiaͤrn Ehſt⸗ Liv⸗ u. Lettland. Geſchichte herausgeg. v. Napiersky S. 189 ſetzt es unrichtig ſchon ins J. 1500, 4) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Dienſt. nach Severini 1501 Fol. X. 612. Schr. des HM. an d. DM. Fol. V. 181. Gade⸗ buſch B. 1. 256 — 259. 5) Schr. des Livl. Meiſters an d. HM. d. Wenden Dienſt. vor Katharina 1501 Schbl. XXIX. 48. Die Livland. Kriegshaͤndel mit den Ruſſen ſ. bei Hiärn a. a. O. Nyenſtadt Lil. Ehron, heraus⸗ geg. v. Tielemann S. 38. Karamſin B. VI. 242 — 243. Die
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Alexander Koͤnig v. Polen. (1501.) 289 denn eiligſt berief der Hochmeiſter alle ſeine Gebietiger zu einer Berathung, wie aufs ſchleunigſte Hüͤlfsvolk nach Livland auf: zubringen ſey, um das Land von den Graͤueln der Ruſſen zu befreien.) Zugleich ward eine Tagfahrt der Staͤnde ausge⸗ ſchrieben, mit ihrer Zuſtimmung zur Aufbringung der Ruͤſtungs⸗ koſten eine allgemeine Brauſteuer und auf die ehrbaren Leute und Freien des platten Landes ein ſ. g. Nachtſchilling auf ein Jahr lang angeordnet? und ſodann aufs eiligſte zur Ausruͤſtung der verlangten Kriegshüuͤlfe vorgeſchritten. Um aber den Kampf gegen die Ruſſen mit nachhaltiger Kraft führen zu konnen, ſandte der Meiſter einen Eilboten nach Rom, theils dem Papſte die außerordentliche Gefahr vorzuſtellen, in welcher bei der gro⸗ ßen Macht und wilden Verheerungswuth der Ruſſen nicht nur die geſammten Ordenslande, ſondern die ganze Chriſtenheit ſchwebten, und ihn aufs dringendſte zu erſuchen, wie gegen die Türken ſo jetzt auch gegen die Ruſſen eine ſ. g. Cruciata oder ein Jubilaͤum zu bewilligen, damit in allen chriſtlichen Landen ein hinreichendes Kriegsvolk gegen dieſen Glaubensfeind aufgebracht und das bedraͤngte Ordensland gerettet werden könne, ® theils auch durch das Kardinal⸗ Collegium zu bewir⸗ ken, daß das im Jubeljahr in den Ordenslanden bereits ge⸗ ſammelte und fortan noch zu ſammelnde Gnadengeld zur Be⸗ kaͤmpſung der unglaͤubigen Ruſſen verwendet werden dürfe, ® ſchreckliche Verheerung Livlands durch die Ruſſen ſchildert der HM. in einem Schr. an d. Komthur v. Ragnit, d. Tapiau am T. Barbarä 1501 Schbl. XVI. 32. 1) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. am T. Barbara 1501 u. Ausſchreiben an d. Gebietiger Fol. X. 632 — 633. 2) Fol. X. 634 — 638. 644 — 636. Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Mont. nach Concept. Mariä 1501 Fol. X. 640. 3) Schr. des HM. an d. Papſt, d. Mittw. nach unſchuld. Kind⸗ lein 1502 Fol. Y. 651. 4) Schr. des HM. an d. Kardinal S. Praxedis, d. am T. Bar⸗ barä 1501 Fol. X. 636. 638. Schr. des HM. an d. Komtbur v. Ragnit Nicolaus v. Pflug u. den Kanzler Dieterich v. Werterde, d. Tapiau am T. Barbara 1501 Schbl. XVI. 34. IX. 19
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290 Kriegsbedraͤngniſſe Livlands. (1502.) denn wie in Böhmen, Ungern, Polen und andern Landen war auch in Preuſſen und Livland auf paͤpſtliche Bewilligung im Jubeljahr ein allgemeiner Ablaß verfimdigt und dadurch eine bedeutende Geldſumme zuſammengebracht worden. D Da jedoch der Hochmeiſter die Gefahr in Livland fuͤr ſehr dringend hielt, fo eilte er einen Theil feiner Kriegs hüͤlfe dorthin zu ſenden. Ein auf mehre Jahre abgeſchloſſener vor⸗ theilhafter Bernſteinverkauf, nach welchem die Tonne mit funſ⸗ zig Mark bezahlt wurde, 2 ſetzte ihn in den Stand, in Danzig und wo ſich ſonſt kriegsluſtiges Volk fand, einen anſehnlichen Kriegshaufen anwerben zu laffen, wovon er unverzüglich mehre hundert Mann unter der Führung des Hauskomthurs von Köͤ⸗ nigsberg Berthold von Altmannshofen nach Livland abfenden wollte,“) als eben die Nachricht einlief, daß die Ruſſen das Land bereits wieder verlaſſen haͤtten, der Livlaͤndiſche Meiſter aber wegen Schwaͤche ſeiner Kriegskraͤfte und wegen Ungewiß⸗ heit der Beihuͤlfe aus Litthauen den Kampf gegen fie erſt ſpaͤ⸗ ter fortſetzen koͤnne und alſo auch die Beihuͤlfe aus Preuſſen erſt in fpäterer Zeit erwarte.) So ſah ſich der Hochmeiſter gezwungen, das auf beſtimmte Zeitfriſt angeworbene Kriegsvolk auf die Ordensſchloͤſſer zu vertheilen, was wegen des Unterhal⸗ tes ihm neue beträchtliche Koſten verurſachte 9 und zwar ge: rade in einer Zeit, wo feine Geldkraͤfte in dem Maaße erfchöpft waren, daß er eine Soldſchuld ſeines Vorfahrs mit Weitzen 1) Schr. d. HM. an d. Livl. Meifter, d. Dienſt. nach Auguſtini 1501 Fol. I. 395 — 596. Schr. des Kardinals Petrus S. Eyrlaci an d. HM. d. Buda V Jalii 1501 Schbl. I. 203. 2) Schr. des HM. an den Hauskomthur v. Königsberg, d. Sonnt. nach Beſchneid. Chr. 1502 Fol. X. 657. 3) Schr. des HM. an die Stadt Danzig, d. Sonnt. nach Be⸗ ſchneid. Chr. 1502 u. Schr. des HM. an d. Komthur v. Memel, d. am T. Epiphan. 1502 Fol. X. 656. 658. 4) Erklaͤrung des Livl. Meiſters daruͤber o. D. Schbl. XVI. 36. 5) Schr. des HM. an d. Hauskomthur v. Koͤnigsberg d. Mittw. nach h. drei Könige 1502 Fol. X. 662. 664.
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Kriegsbedraͤngniſſe Livlands. (1502.) 291 und Honig abloͤſen mußte.) Gerne haͤtte er das muͤßige Kriegsvolk dem Könige Johann von Daͤnemark zugeſandt, denn dieſer hatte ihn gegen den Reichsverweſer Sten Sture in Schweden kurz zuvor um Beihuͤlfe erſucht;? allein er konnte hier nur vermittelnd eintreten, wenn er zugleich den Zweck erreichen wollte, die Königin Chriſtina von Daͤnemark, feine Muhme, ) aus ihrer Gefangenſchaft zu Stockholm zu bes freien, obgleich ihm auch dieſes nicht glückte.) Ueberdieß mußte er täglich erwarten, daß der Meifter von Livland feine Huͤlfe von neuem in Anſpruch nehmen werde. Der Hochmeiſter mußte alſo in jeder Weiſe auf Mittel ſinnen, das Kriegsvolk vorerſt auf den Ordensſchloͤſſern noch ferner zu unterhalten. 9 Zum Gluͤck waren auch ſeit Alexanders Thronbeſteigung die Verhaͤltniſſe zu Polen fortwährend fo freundſchaſtlich geblie⸗ ben und der Koͤnig hatte des Hochmeiſters Ehrengeſandtſchaft zu ſeiner Kroͤnung mit ſolcher Auszeichnung und Guͤte aufge⸗ nommen, daß man jetzt mehr als je zuverſichtlich die Hoffnung hegte, es werde ſich alles für den Orden guͤnſtiger geſtalten, was der Hochmeiſter auch um ſo mehr wuͤnſchte, da er bisher trotz aller Bitten beim Kaiſer und Reich noch weiter keine Unterſtuͤtzung gefunden und Livlands Bedraͤngniſſe durch die Ruſſen nur mit Beihuͤlfe des Koͤniges von Polen am leichteſten beſeitigt werden konnten. Ueberdieß konnte ja auch das zwiſchen dem Könige und dem Livlaͤndiſchen Meiſter fortbeſtehende Bünd⸗ niß gegen den Großfuͤrſten von Moskau nur durch ein fried⸗ 1) Fol. X. 662. Die Tonne Honig wurde zu 15 Mark, die Laſt Sommerweitzen zu 20 Mark angeſchlagen. 2) Schr. des Koͤniges Johann v. Dänemark an d. HM. d. Flens⸗ burg am T. Eliſabeth 1501 Schbl. E. 63. 3) Chriſtina war die Tochter des Kurfürften Ernſt v. Sachſen. 4) Schr. der Reichsſtaͤnde v. Schweden an d. HM. d. Stockholm am Silveſter⸗Tag 1502 Schbl. E. 39. Schr. des HM. an d. König v. Daͤnemark, d. Sonnt. Dorothea 1502 Fol. L. 674. Geijer Geſch. Schwedens Bd. I. 240. 5) Fol. X. 659. 666. 667. 685. 19 *
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292 Kriegsbedraͤngniſſe Livlands. (1502.) liches Verhaͤltniß mit dem Orden in Preuſſen von erwuͤnſchtem Erfolge ſeyn. Friederich'n ſchien daher jetzt die geeignetſte Zeit zu ſeyn, die Streitſrage wegen des Huldigungseides irgendwie zu loͤſen. Er wandte ſich deshalb an den Koͤnig, erſuchte zu⸗ gleich auch ſeinen Bruder den Herzog Georg um Vermittlung und bat endlich auch den Deutſchmeiſter, ſeiner Seits ebenfalls wo moͤglich auf eine Ausgleichung zu denken und die Sache des Friedens zu foͤrdern.) Die Verhandlungen indeß mit dem Könige ſchritten nur aͤußerſt langſam fort; vergebens er⸗ wartete der Hochmeiſter eine Antwort auf die von ihm ge⸗ gebene Erklaͤrung. Auch Herzog Georg ließ faſt das ganze Jahr voruͤbergehen, ehe er durch eine Geſandtſchaft die Streit: frage beim Koͤnige wieder in Anregung brachte.) Mittlerweile war der Hochmeiſter fort und fort eifrigſt bemuͤht, die Klag⸗ beſchwerden, welche bald die Polniſchen Beamten und die Staͤnde im weſtlichen Preuſſen Über die Mißhandlungen ihrer Kaufleute aus Elbing, Marienburg und Danzig in ihren Handelsgeſchaͤf⸗ ten im Ordensgebiete und bei ihrem Durchzuge nach Maſovien, bald der Polniſche Hauptmann von Wiſna über Ungerechtigkei⸗ ten gegen Einſaſſen ſeines Gebietes zu fuͤhren hatten, ſo viel als moͤglich zu beſeitigen, zumal da in der letztern Streitſache auf Anlaß des Hauptmannes der Koͤnig ſelbſt ſich an den Meiſter wandte und ein kraͤſtiges Einſchreiten zur Abſtellung der Streithaͤndel verlangte. Man verſtaͤndigte ſich auch um ſo leichter uͤber die zu treffenden Maaßregeln, als man beider Seits von dem Beſtreben geleitet ward, ſolchen Mißhelligkeiten zum Beſten beider Lande fo thaͤtig als möglich vorzubeugen.“) 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Koͤnigsb. Donnerſt. nach Ins vocavit 1502 Fol. X. 687. Schbl. XXVIII. 9. 2) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. HM. d. Mont. nach Aller Heil. 1502 Schbl. B. 412. 3) Ueber dieſe Streithaͤndel, die nur unter den jetzigen Verhaͤlt⸗ niſſen zwiſchen Polen und dem Orden eine gewiſſe Wichtigkeit erhalten konnten, ein Schr. der zu Marienburg verſammelten Woiwoden, Lande und Städte an d. HM. d. Mariend, Sonnab, nach Johannis ante
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Biſchof Hiob v. Dobeneck in Pomeſanien. (1502.) 293 Der Hochmeiſter ließ an ſaͤmmtliche Komthure und Ordens⸗ beamten den ſchaͤrfſten Befehl ergehen, daß keiner irgend einen Feind oder Beſchaͤdiger des Polniſchen Gebietes in ſeinem Amts⸗ bezirke dulden, vielweniger beherbergen ſolle.) Unterdeß hatte es dem Hochmeiſter immer noch nicht ge⸗ lingen koͤnnen, die ſtreitigen Verhaͤltniſſe im Biſthum Pomeſa⸗ nien in befriedigender Weiſe zu ordnen. Der Deutſchmeiſter hatte bisher fort und fort mit dem neuen Biſchofe Hiob von Dobeneck in Unterhandlungen geſtanden, um ihn zu bewegen, auf die Propſtei zu Zſchillen Verzicht zu leiſten, weil, wie er meinte, aus ihrer Verbindung mit dem Biſthum für den Or⸗ den nur offenbarer Schaden erfolgen muͤſſe, zumal da die Propſtei ſelbſt durch die Bauluſt des bisherigen Propſtes mit einer großen Schuldenlaſt beladen war. Er war daher auch, wie er dem Hochmeiſter offen erklaͤrte, feſt entſchloſſen, die Verbindung unter keiner Bedingung zuzugeben, vielmehr dem Biſchofe in allen feinen Verhaͤltniſſen aufs entſchiedenſte ent⸗ gegenzuwirken und ſelbſt auch, ſofern er ſeinen Plan dennoch durchſetzen wolle, am paͤpſtlichen Hofe wo moͤglich ſeine Con⸗ ſirmation ruͤckgaͤngig zu machen, weil ihm, wie er meinte, dieß ſeine Amtspflicht nothwendig gebiete.“ Um dieſem Schritte vorzubeugen, erſuchte der Hochmeiſter feinen Bruder den Her⸗ zog Georg, in Verbindung mit feinem nach Deutſchland ge⸗ ſandten Rath Dieterich von Werterde, ) den Biſchof zu bereden, von feinem Plane abzuftehen und ſich des Deutſchmeiſters Wün- portam latinam 1502 Schl. LXI. 45; andere Berichte darüber Schl. 70. 22. 24. Fol. X. 782. 785. 1) Fol X. 727. 2) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck Dienft. nach Eſtomihi 1502; Schr. deſſelb. an d. Doctor Dieterich v. Werterde, d. Horneck Oſtermont. 1502 Schbl. LXV. 56. 57. — 3) Werterde, Wirtirde, Werteden, Wertede die gewoͤhnliche Schreib⸗ art der Familie von Werthern; in unſern Quellen kommt gemeinhin der Name „Werterde“ vor; ſ. Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 246. Hellbach Adels- Lexicon B. II. 723.
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294 Kriegsbedraͤngniſſe Livlands. (1502.) ſchen zu fuͤgen, denn auch er ſelbſt billigte die Verbindung jetzt keineswegs.) So gab der Biſchof endlich nach und kam nun auch gegen Ende des Mai in ſeinem Biſthum Pomeſanien an. Der Hochmeiſter, der ihn in Koͤnigsberg mit großer Auszeich⸗ nung aufnahm,? gab ihm fogleich dadurch einen Beweis ſei⸗ ner freundlichen Geſinnung, daß er ihm durch ſeinen Bruder Georg einen jahrlichen Zins von hundert Rhein. Gulden, den ſein Vorfahr der Biſchof Johannes von der Stadt Leipzig durch ein Kapital von zweitauſend Gulden auf ſein Biſthum gekauft und um welchen der Biſchof bisher ſchon viele frucht⸗ loſe Verhandlungen geführt, zu verſchaffen ſuchte. ) Die feier: liche Krönung des Biſchofs erfolgte erſt im Herbſt dieſes Jah⸗ res zu Koͤnigsberg in Anweſenheit der Bifchöfe von Kurland, Samland und Ermland und einer großen Zahl von Geiſtlichen, Komthuren und andern Gaͤſten, für welche der Hochmeiſter zugleich ein großes Jagdvergnuͤgen bei Ortelsburg anordnete. ® Fortwaͤhrend nahmen aber immer noch die Kriegsereigniſſe in Livland des Hochmeiſters Thaͤtigkeit in Anſpruch, da ſie zugleich mit der innern Verwaltung Preuſſens ſelbſt immer in engſter Verbindung ſtanden. Da ſchon im Februar die Ruſſen bei einem neuen Einfall das Land aufs fuͤrchterlichſte verwüſtet, wo ſie erſchienen alles niedergebrannt und Tauſende der Be⸗ wohner mit hinweggeſchleppt hatten, ) fo erwartete Friederich nun jeden Tag den Huͤlfruf des dortigen Meiſters zum Rache⸗ kampf gegen den Feind. Er mußte daher auch den Roͤm. Koͤ⸗ 1) Schr. des HM. an den DM. d. Mittw. nach Judica 1502 Fol. X. 704. Wahrſcheinlich lernte erſt jetzt der HM. den erwähnten Vertrag über die Verzichtleiſtung Schbl. 108 nro 17 kennen. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Mont. nach Corpor. Chr. 1502 Fol. X. 744. 732. 3) Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. Mont. nach Johannis Bapt. 1502 Fol. X. 757. 4) Schr. des HM. an d. Biſchoͤfe v. Kurland, Ermland u. Sam⸗ land, d. Mittw. nach Diviſ. Apoſtol. 1502 Fol. L. 767. 800. 805. 780. 5) Hirn Ehſt⸗ Liv⸗ u. Lettl. Geſch. S. 190. Gadebuſch Livl. Jahrb. B. I. 262.
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Kriegsbedrängniſſe Livlands. (1502.) 295 nig Maximilian, der ihn eben zur Theilnahme am Türkenzuge aufforderte, dringend erſuchen, ihn dießmal von dieſer Ver⸗ pflichtung zu entbinden.) Eine Geſandtſchaft aus Livland, die nach Rom eilte, um vom Papſte nochmals die Verkuͤn⸗ digung des Kreuzes zum Kampfe gegen die Ruſſen zu erbitten, uͤberbrachte auch dem Hochmeiſter das Geſuch um ſchleunigſte Huͤlfe, weil dem Feinde dort kaum Widerſtand mehr geleiſtet werden konnte. Eiligſt wurden die in die verſchiedenen Or⸗ densſchlöſſer vertheilten Soldknechte bei Königsberg verſammelt; allein es fand ſich, da viele ſich wieder verlaufen hatten, nur noch ein Kriegshaufe von zweihundert Mann ein, den der Mei⸗ ſter unter der Führung des Hauskomthurs von Balga Nicolaus von Bach nach Livland ſandte, und ſelbſt dieſer war von ſol⸗ cher Art, daß für nöthig befunden ward, die Pfleger in Sam⸗ land im voraus zu warnen, damit das Landvolk Huͤhner, Gänfe u. dgl. fo viel als möglich bei Seite ſchaffe.) Den⸗ noch koſtete dem Hochmeiſter die Unterhaltung dieſes kleinen Haufens ſchon im erſten Monat in Livland gegen tauſend Mark.) N Dabei mußte der Meiſter immer zugleich auch den Blick nach Daͤnemark und Schweden richten, denn wie mit Johann von Daͤnemark, ſo ſtand er fortwaͤhrend mit deſſen Feinden, dem Reichsrathe von Schweden in lebhaften Unterhandlungen. Erſterer hatte ihn bereits im Frühlinge dieſes Jahres auf ſei⸗ Wan Kriegszuge gegen Schweden von den Scheren aus aufs dringendſte um Hülfe gebeten; 5) da Friederich fie nicht leiſten 1) Schr. des HM. an d. Röm. König, d. Mont. nach Palmar. 1502 Fol. X. 710. 2) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Pfingſt⸗Mont. 1502 Fol. X 736. 3) Ausſchreiben an die Gebietiger, d. Pfingſt⸗Mont. 1502; Schr. des HM. an d. Pfleger v. Grünhof u. Schaken d. Donnerſt. Petri u. Pauli 1502 Fol. X. 737 — 788. 745. 746. 758. 4) Fol. X. 806. 807. 809. 5) Schr. d. Koͤniges v. Danemark an d. HM. d. in den Schwe⸗ diſ. Scheren Sonnab. zu Pfingſt. 1502 Schbl. E. 61.
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296 Krlegsbebrängniffe Livlands. (1502.) konnte, fo kam ihm bald die Nachricht zu, daß die Ruſſen die Gelegenheit zu benutzen ſuchten, den Daͤniſchen König zu einem Buͤndniſſe gegen Schweden zu gewinnen. Weil dieß aber für den Orden in Livland von aͤußerſt nachtheiligen Fol⸗ gen ſeyn konnte, ſo mußte der Hochmeiſter alles aufbieten, dieſe Verbindung zu verhindern. Er ſtellte daher dem Koͤnige nicht bloß das Bedenkliche und Gefahrvolle eines ſolchen Büͤnd⸗ niſſes vor,) ſondern gab ihm auch dadurch einen Beweis ſei⸗ ner wohlwollenden Geſinnung, daß er allen Städten feines Landes den Handel nach Schweden ſtreng unterfagte und er⸗ bot ſich abermals nach den ihm vom Könige ſelbſt vorzuſchla⸗ genden Beſtimmungen zur Vermittlung zwiſchen ihm und dem Reichsrathe, und da ſich vor kurzem dieſer ebenfalls in derſel⸗ ben Streitſache an ihn gewandt hatte,? fo bot er zugleich auch dieſem von neuem ſeine Dienſte zur Ausgleichung der feind⸗ lichen Verhaͤltniſſe an, um wo moͤglich ſo auch den Frieden zwiſchen Schweden, Livland und Preuſſen aufrecht zu erhal⸗ ten.) Allein vergebens wartete er auf eine Antwort vom Schwediſchen Reichsrathe, ob er das ihm vorgelegte Anerbieten annehmen wolle; ſelbſt auch ſeine wiederholte Bitte um Frei⸗ laſſung ſeiner Muhme, der Koͤnigin Chriſtina aus ihrer Ge⸗ fangenſchaft in einem Kloſter Stockholms ward ihm nicht er⸗ fuͤlt, denn noch im Herbſt ſandte ſie aus ihrer kloͤſterlichen Einſamkeit einen Vertrauten an ihn, der ihm ihre höchft trau⸗ rige Lage ſchildern und ſeinen Rath und Beiſtand erflehen ſollte, weil ihr fonft jede andere Mittheilung uͤber ihr ſchreck⸗ liches Schickſal unterſagt war.) Gerne kam er ihrem Wunſche 1) Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Daͤnemark, d. Dienſt. nach Bartholom. 1502 Fol. X. 787. 2) Schr. des HM. an d. König v. Daͤnemark u. Schr. deſſ. an den Livl. Meifter, d. Dienſt. nach Bartholom. 1502 Fol. X. 786 — 788, 3) Schr. des HM. an den Schwediſ. Reichsrath, d. Dienſt. nach Barthol. 1502 Fol. X. 789. 809. 4) Schr. der Königin Chriſtina v. Dänemark an d. HM. d. Stock⸗ holm im Grauenbruͤder⸗Kloſter Mittw. nach Dionyf. 1502 Schbl. E.
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Kriegsbedraͤngniſſe Livlands. (1502.) 297 nach, ihren Bruͤdern und ihrem Vetter dem Herzog Georg von Sachſen nähere Nachricht über ihr trauriges Loos mitzu⸗ theilen, denn für ihre Befreiung konnte er ſelbſt durch Bitten nicht mehr wirken.) um ſo erfreulicher kam jetzt dem Hochmeiſter die Nachricht von dem glänzenden Siege, den der Livlaͤndiſche Meiſter im Herbſt Über ein gewaltiges Ruſſiſches Kriegsheer bei Pfkow ers rungen hatte, zumal da der König von Polen zur Erkaͤmpſung dieſes Sieges nichts beigetragen, überhaupt den Meiſter in die⸗ ſem Kriege nicht unterſtuͤtzt hatte, denn er ſchien das Buͤndniß mit dieſem nur geſchloſſen zu haben, um von ihm noͤthigen Falls Hülfe zu erhalten. Zu gleicher Zeit aber trafen auch Sendboten des Deutſchmeiſters mit der Aufforderung des Roͤm. Königes an den Hochmeiſter ein, auf Aller Heiligen⸗Tag auf dem Reichstage zu Gelnhauſen perſoͤnlich zu erſcheinen, um im Verein mit den andern Reichsfürſten uͤber wichtige Angelegen⸗ heiten des Deutſchen Reiches und der gemeinen Chriſtenheit, namentlich über eine Reichshuͤlfe zum Tuͤrkenzuge zu berathen. Obgleich der Nöm. König des Meiſters Erſcheinen fuͤr eine dem Reiche und dem Glauben ſchuldige Pflicht erklaͤrte, ? fo konnte ſich dieſer doch nicht entſchließen, das Land jetzt zu verlaſſen. Indeß ließ ſich der neue Biſchof Hiob von Pomeſanien zu einer Sendung nach Deutſchland in Begleitung des Pflegers Jobſt Truchſes von Neidenburg bereitwillig ſinden, um theils den Hochmeiſter auf dem Reichstage zu vertreten und beim Roͤm. Koͤnige zu entſchuldigen, theils mit dem Deutſchmeiſter 117. Die Koͤnigin nennt den HM. einen geborenen Leipziger. Spa- latini vitae aliquot elector. Saxon. ap. Mencken T. II. Pp. 1101. 1) Schr. des HM. an d. Kurfuͤrſten Friederich u. die Herzoge Jo⸗ hann u. Georg v. Sachſen, d. am T. Nicolai 1502 Fol. X. 840. 2) Schr. des HM an den Statthalter in Livland, d. Sonnt. nach Aegidii 1502 u. an d. Meifter v. Livland, d. Mont. nach Dies nyſ. 1502 Fol. V. 791. 809. Gadebuſch Livl. Jahrb. B. I. S. 263. Karamſin B. VI. 252. 3) Schr. des Roͤm. Koͤniges an d. HM. d. Inſpruck 22 Sept. 1502 Schbl. IV. 161.
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298 Stiftung eines Stipendiums zu Leipzig. (1502.) und deſſen Gebietigern auf einem Ordenskapitel zu Frankfurt einige wichtige Ordens angelegenheiten zu berathen, theils auch um mit Beirath des Herzogs Georg von Sachſen die be⸗ reits erwaͤhnte Sache mit der Stadt Leipzig in Ordnung zu bringen. In letzterer Beziehung hatten nämlich ſchon im Sommer der Rector und die Univerfität zu Leipzig den Doctor der Me⸗ dicin Wilhelm Haldenhof aus Thorn an den Hochmeiſter we⸗ gen Begrundung einer loͤblichen Stiftung bei der Univerfität mit Vorſchlaͤgen geſandt, 2 indem ſie erklaͤrten: des jetzigen Biſchofs Vorfahr bei der Pomeſaniſchen Kirche habe das Ka⸗ pital von zweitauſend Gulden der Stadt Leipzig auf Zinſen zu dem Zwecke gegeben, damit dadurch ein ſ. g. Collegium zur Unterhaltung einiger Studenten aus Preuſſen gegruͤndet werde. Es kam jetzt durch Vermittlung des Herzogs Georg von Sachſen zwiſchen dem Biſchofe Hiob, der Univerſitaͤt und dem Rathe zu Leipzig ein Vertrag zu Stande, in welchem beſtimmt ward: von den bereits aufgewachſenen Zinſen des Kapitals ſolle der Rath die eine Haͤlſte dem Biſchofe zu belie⸗ bigem Gebrauche, die andere dem Herzog Georg zur zweck⸗ maͤßigen Verwendung für die Univerſitaͤt auszahlen. Zehn Jahre lang ſolle dann der Rath dem Biſchofe jährlich noch hundert Gulden als Zins zu ſeiner Verſuͤgung darreichen, nachher aber jaͤhrlich ſechzig Gulden fuͤr zwei Perſonen des Ordens, die der Biſchof aus ſeinem Stifte nach Leipzig ſenden werde, zu entrichten verpflichtet ſeyn; die uͤbrigen vierzig Gul⸗ den aber ſollten zu einer Lectur auf der Univerfität oder fonft zum Nutzen derſelben verwendet werden. Sollte der Biſchof 1) Credenzbrief für den Biſchof Hiob, d. Donnerſt. nach Leon: hardi 1502. Schr. des HM. an die Landkomtbure v. Elſaß u. Koblenz u. Schr. des HM. an d. Biſchof Hiob, d. Mittw. nach Martini 1502 Fol. X. 822 — 823. 826. Inſtruction für den Biſchof Hiob o. D. Schbl. XXIX. 48. 2) Schr. des Rectors u. der Univerfität zu Leipzig an d. HM, d. Freit. nach Laurentii 1502 Schbl. LXII. 39,
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Stiftung eines Stipendiums zu Leipzig. (1502.) 299 oder einer ſeiner Nachfolger, ſelbſt nach Erinnerung des Rathes zu Leipzig niemand auf die Univerfität ſchicken, fo ſolle der Rath das Geld verwahren und der Herzog Georg nach einiger Zeit das Recht haben, ſolches auf gemäße Weiſe zum Beſten der Univerfität zu verwenden. Bevor dieſer Vertrag als gültig anerkannt ward, ſollte auch der Hochmeiſter ſeine Einwilligung ertheilen.) Dieſer genehmigte ihn, rieth jedoch dem Biſchofe, ſich und ſeinen Nachfolgern vorzubehalten, daß, wenn ſie nicht Ordensbrüder zu praͤſentiren hätten, fie auch weltliche Studi⸗ rende aus Preuſſen in Vorſchlag bringen und hinſenden duͤrften und daß zu der mit dem erwähnten Gelde gegründeten Lectur (oder Profeſſur) auch Unterthanen des Ordens, die dazu tuͤch⸗ tig ſeyen, gelangen koͤnnten. Der Sieg des Meiſters von Livland über die Ruſſen er⸗ öffnete auch dem Hochmeiſter die Ausſicht auf ruhigere Zeiten. Zwar erſuchte ihn jener bald nach feinem Siege um die Zu⸗ ſendung eines neuen Heerhaufens von Reiſigen,) um den Krieg gegen die Ruſſen fortzusetzen; der Hochmeiſter indeß rieth ihm, in Verbindung mit dem Koͤnige von Polen, der ſich jetzt ebenfalls gegen den Moskowiter rüftete, mit dieſem friedliche Verhandlungen anzuknuͤpfen, weil die Staͤnde Preuſſens zu keiner Kriegshuͤlfe mehr geneigt und vom Deutſchmeiſter nach ſeinen bisherigen Entſchuldigungen weder an Geld noch an Mannſchaſt irgend bedeutender Beiſtand zu hoffen ſey. ) Es kam darauf auch bald im nächſten Jahre zum Frieden zwiſchen Livland und den Ruſſen. 9 1) Der Vertrag, vom Herzog Georg v. Sachſen ausgefertigt, d. Leipzig Freit. h. drei Könige 1503 Schbl. LXV. 87. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien u. den Herzog Georg v. Sachſen, d. Freit. nach Purif. Mariä 1503 Fol. X. 863 — 865. 3) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Ruyen Sonnt. nach Luca 1502. 4) Schr. des HM. an d. Livland. Meiſter, d. am T. Barbara 1502 Fol. X. 836. 5) Htärn S. 191. Nyenſtädt Livländ. Chron. S. 39 — 40. Karamſin B. VI. 253 — 254.
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300 Friedliche Verhaͤltniſſe zum Könige v. Polen. (1503.) So begann ſchon mit dem Anfange des Jahres 1503 eine Zeit der Ruhe und des Friedens, wie man ſie in Preuſſen lange nicht erlebt hatte, denn wenn zuweilen vom Koͤnige von Polen auch Klagbeſchwerden uͤber Handelsbelaͤſtigungen im Ordensgebiete gegen feine Unterthanen geführt wurden, fo be⸗ durſte es nur der genauern Auseinanderſetzung des jedesmali⸗ gen Thatbeſtandes von Seiten des Hochmeiſters, um den Vor⸗ wurf zu beſeitigen, daß der ewige Friede verletzt ſey, v und wenn ferner auch am paͤpſtlichen Hofe von Seiten des Koͤniges Geſuche eingereicht und Verhandlungen angeregt wurden, die inſofern gegen den Orden gerichtet waren, als man den Papſt zur endlichen Beftätigung des ewigen Friedens zu gewinnen ſuchte, ſo gelang es dem dortigen thaͤtigen Ordensprocurator mit Huͤlfe einiger Kardinaͤle immer leicht, den Fortgang der Sache zu hindern.) Ueberdieß befchäftigten den König auch die Angelegenheiten ſeines Reiches vorerſt noch viel zu ſehr, als daß er ſich um feine Verhaͤltniſſe in Preuſſen viel hätte bekuͤmmern koͤnnen und endlich hoffte er auch, Herzog Georg von Sachſen werde mit der Zeit noch irgend eine Ausgleichung zu vermitteln wiſſen, ) weshalb er auch mit der Forderung des Lehenseides vorerſt noch nicht hervortrat. Alſo konnte jetzt der Hochmeiſter auch ungeſtoͤrt feine ganze Thaͤtigkeit den innern Verwaltungsangelegenheiten feines Landes zuwenden. Vor allem wurden jetzt die am Roͤm. Hofe 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Wilnae feria V in vigilia Epiphan. 1503 Schbl. 70. 26. Die Antwort des HM. d. Sonnt. nach Vincentii 1503 Fol. X. 859. 2) Schr. des Procurators an d. HM. d. Rom 5 Decemb. 1502 Schbl. II. 121. Nach Fol. V. 554 hatte der Papſt Alexander VA die Supplication des Koͤniges wegen Beftätigung des ewigen Friedens ſchon zugelaſſen und manu propria ſignirt; „da aber feine Heiligkeit ſich entſann und der ſachen baß unterrichtet worden, ließ ſeine Heilig⸗ keit in feiner Gegenwertigkeit dieſelbe Supplication zerreißen.“ Daſſelbe beftätigt auch der erwähnte Bericht des Procurators. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an den Herzog Georg v. Sachſen, d. Wilnae XXI die Decombr. 1502 Schbl. 70. 23.
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Ausgleichung mit dem Biſchofe v. Ermland. (1503.) 301 immer noch nicht entſchiedenen Streithaͤndel mit dem Biſchoſe von Ermland beigelegt. Sie kamen naͤmlich darin überein: ſie wollten beide ihre Proturatoren in Rom aufs neue beauf⸗ tragen, daß die bisher ſo lange verzogene Sentenz ohne laͤn⸗ gern Verzug ihren Fortgang haben und die nachfolgenden Hochmeiſter und Biſchoͤfe ſich auch nach dieſem Spruche ohne weiteres richten ſollten. Sie felbft aber wollten ſich fuͤr ihre Lebenszeit uͤber die Streitpunkte der Jurisdiction und des sub- sidii caritativi dahin verſtaͤndigen, daß wenn bei ihrer Lebens⸗ zeit Diener des Ordens oder des Hochmeiſters auf Ordens⸗ ſchloͤſſern oder in Konventen in Faͤllen, die nach gemeinem Rechte in der Geiſtlichkeit einem Biſchofe zu richten zuftänden, etwas verbrechen wurden, fo follten über dieſe des Ordens Kaplane oder nach Ordnung und Gewohnheit des Ordens der Verordnete, dem ſolches gebuͤhre, richten, nicht aber der Bi⸗ ſchof, ausgenommen bei Chefachen, Todtſchlag der Prieſter, Entſetzung eines Prieſters von ſeinem Amte und uͤber Ketzerei, worüber bloß dem Biſchofe das Gericht uͤberlaſſen ſeyn ſolle. Sofern jedoch des Ordens Diener außerhalb der Ordensſchloͤſſer oder Konvente in geiſtlichen Sachen ein Verbrechen begingen, ſolle der Biſchof in gebührlicher Weiſe richten und die fallende Geldbuße der Kirche zukommen, wo die Miſſethat geſchehen ſey. Sobald ferner der Biſchof in feinem Stifte feinen Prie⸗ ſtern ein subsidium earitativum auflege und dem Hochmeiſter ſolches anzeige, ſolle dieſer alsdann einen Prieſterbruder des Ordens dazu verordnen, von den Prieſterbruͤdern, die vom Hochmeiſter Pfarrkirchen in des Biſchofs Stift zu Lehen hätten und uͤber deren Kirchen der Orden das Patronatsrecht beſitze, das subsidium caritativum einzufordern und einzunehmen und dem Biſchofe einzuhaͤndigen. Kirchen und Kapellen dagegen, die dem Hochmeiſter und dem Orden zu vollem Rechte unter⸗ worfen und mit Prieſterbruͤdern beſetzt ſeyen, ſollten zu keinem subsidium caritativum verpflichtet ſeyn. Alle dieſe Beſtimmun⸗ gen indeß wurden nur zugegeben mit Vorbehalt der Proteftation und Bedingung, daß dieſer Vertrag keinem Theile an ſeinen Gerechtigkeiten, Privilegien und Jurisdictionen ſchaͤdlich ſeyn
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302 Landesverwaltung. (1503.) ſolle.) In Betreff der einſt vom Hochmeiſter Heinrich Reuß von Plauen bei dem Ermlaͤndiſchen Domherrn Johann von Eſſen gemachten und noch nicht berichtigten Anleihe, ſowie des durch Georg von Schlieben auf dem Schloſſe und im Gebiete von Allenſtein erlittenen Schadens und endlich auch in Ruͤck⸗ ſicht der in Riga verpfaͤndet geweſenen Kleinodien des Erm⸗ laͤndiſchen Kapitels, deren Einlöfung der Hochmeiſter verſpro⸗ chen, vereinigte man ſich dahin, daß der Orden fuͤr alle dieſe Anſpruͤche die Hauptſumme von dreitauſend Mark in theilwei⸗ ſen Zahlungen entrichten und dieſe Schuld im Jahre 1509 ab⸗ getragen ſeyn ſollte.“ Ebenſo verftändigte man ſich jetzt auch leicht uͤber die lange ſtreitigen Waſſergraͤnzen und die Fiſcherei im Friſchen Haff, indem man eine abwechſelnde Benutzung der gemeinſamen Gewaͤſſer eintreten ließ, dem Hochmeiſter aber das alleinige Recht der Ertheilung der ſ. g. Keutelbriefe verblieb; jedoch beſchenkte er den Biſchof zu ſeinem Bedarf mit der Er⸗ laubniß eines f. g. freien Kuͤchenkeutels. Was Friederichs Bemuͤhungen in den innern Ordens⸗ verhaͤltniſſen betrifft, ſo tritt bei ihm das Streben, in das innere Ordensleben die alte Ordnung und Regel zuruͤckzufuͤhren und durch eine Reformation die alten, zum guten Theile ab⸗ genutzten und inhaltsleeren Formen der Zeit gemaͤß wieder aufzufriſchen, bei weitem nicht ſo hervor, wie bei ſeinen Vor⸗ 1) Der vom Biſchofe Lucas ausgeſtellte Vertrag, d. Braunsberg am T. Marci 1503 u. das vom HM. ausgefertigte Document, d. Don⸗ nerſt. nach Judica 1503 Schbl. LXVI. 28. 29. Schr. des HM. an d. Procurator, d. Mont. nach Katharina 1502 Fol. X. 831. 2) Daruͤber der vom Biſchofe ausgeſtellte Vertrag, d. Heilsberg Sonnt. der heil. Märtyrer Abdon u. Sennen 1503 Schbl. LXVI. 30. 3) Der vom Biſchofe ausgeſtellte Vertrag, d. Heilsberg Sonnt. der heil. Maͤrt. Abdon u. Sennen 1503 Schbl. LXVL 31. Das Ver⸗ tragsinſtrument des HM. d. am T. Pantaleon. 1503 im Archiv des Domkapitels zu Frauenburg Schbl. L. 17, im Copiebuche des geh. Ar⸗ chivs zu Koͤnigsb. p. 665. Schr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. am T. Invent. Stephani 1503 Fol. X. 955. V. 478. Bei Treter de episcop. Warm. p. 70 findet man wenig über den ganzen Streit.
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Landesverwaltung. (1503.) 303 gaͤngern im Meiſteramte. Es mag unentſchieden bleiben, ob er von der Unmoͤglichkeit, dem Orden ſeinen alten, alle For⸗ men belebenden Ordensgeiſt und fein früheres friſches, inniges Ordensleben wieder zurückzugeben, in ſich überzeugt ſeyn mochte: offenbar war ihm in ſeinem Amte die Verwaltung und Regie⸗ rung des Landes die Hauptſache. Er ſah daher in den Kom⸗ thuren meiſt auch nur Diſtrictsverwalter; ihr Ordensverhaͤltniß zu ihren Konventen wurde von ihm kaum noch beruͤckſichtigt. Friederich ſcheint auch, eben erſt als er Hochmeiſter ward in den Orden aufgenommen, keine Achtung mehr vor dem alten, ſo characteriſtiſch in ſich ausgepraͤgten Ordensleben gehabt zu haben, und wie er den Orden jetzt daſtehen ſah, war in ihm ja kaum noch eine Spur des alten Geiſtes vorhanden, der ihn hätte anwehen koͤnnen. Bei der Aufnahme neuer Ritterbruͤder beobachtete er ſelbſt und empfahl er auch dem Deutſchmeiſter ſtets die groͤßte Vorſicht; da ſich immer noch viele junge Edel⸗ leute, ſelbſt aus den vornehmſten Geſchlechtern Deutſchlands zur Einkleidung in den Orden entweder ſelbſt anboten oder durch Empfehlungen ihm zugewieſen wurden, ſo ließ es der Hochmeiſter ſchon faſt als eine Art von Auszeichnung gelten, wenn er die Aufnahme eines von Stein, eines von Rechberg, eines von Feuerbach u. a. zugeſtand.) Aber man nahm auch haͤufig ſchon junge Edelleute auf, die nicht als Ordensbruͤder in einem Konvente lebten, ſondern als Aufſeher und Verwalter bei irgend einem Zweige der Landesverwaltung angeſtellt wur⸗ den, wie Bernhard von Auerswald, der, nachdem er einige Zeit im Konvente verlebt, die Aufſicht uͤber das Tief bei Balga führte, 9 Fauſtin von Weiblingen als Auffeher bei der Fiſcherei bei Angerburg angeſtellt u. a. Der enge, innere Verband und die alte Strenge der Diſciplin im Ordensleben waren kaum 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Dienſt. nach Aſſumt. Mariä 1502 Fol. . 778. Schr. des DM. an d. HM. d. am T. Bartho⸗ lom. 1502 Schbl. LXXI. 63. „2 Voigt Beiträge zur Geſchichte der Familie v. Auerswald S. 15 — 16. Fol. I. 817. 827. 928.
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304 Landesverwaltung. (1503.) iegendwo noch ſichtbar.) Wir finden zwar Beiſpiele, daß Vergehungen einzelner Ordensbruͤder gegen Regel und Geſetz, beſonders Ungehorſam, unordentlicher Lebenswandel u. ſ. w. beſtraft wurden; allein wir hören nichts mehr von Geſetzen, Anordnungen oder auch Ermahnungen, die den Zweck gehabt, das innere Ordensleben zu ſeiner Ordnung, zur alten Reinheit und Strenge zuruckzufuhren oder die alten Ordenspflichten auf⸗ recht zu erhalten. Selbſt in den Viſitationsvorſchriften wird nur das aͤußere Verwaltungsweſen, als der Beſtand der Vor⸗ raͤthe eines Hauſes in Küche, Keller und Scheunen, die bau⸗ liche Beſchaffenheit der Haͤuſer, der Betrag der Zinſen und Gerichtögefälle, die Benutzung der Wälder und Wildniſſe, der Fiſcherei u. dgl. ins Auge gefaßt; dagegen von einer Pruͤfung und Nachfrage uͤber das ſittliche Verhalten der Ordensbruͤder, in Beziehung auf ihre Ordenspflichten, z. B. wegen Beſuches des Gottesdienſtes, Beobachtung des Faſtens u. ſ. w. war nicht mehr die Rede.) Es begleitete daher den mit der Viſitation beauftragten Komthur auch nicht mehr, wie in fruͤhern Zeiten, ein Prieſterbruder, ſondern ein Pfundmeiſter oder ein anderer Rechnungsbeamte, der die Konvents⸗ und Amtsrechnungen ab⸗ nehmen mußte,) worauf der Hochmeiſter immer mit vieler Strenge hielt, indem er jedes Jahr von neuem an pünktliche Bereithaltung der Jahresrechnungen erinnerte.“) Er ſchrieb mitunter manchen Beamten ſelbſt vor, wie ſie ihre Rechnungen einrichten, Seen und Wälder zweckmaͤßig und wirthſchaftlich benutzen ſollten u. ſ. w.“) 1) Der HM. ſelbſt ließ beim Papſte ein Breve auswirken, wel ches ihm erlaubte, in der Faſtenzeit auch Butter, Eier und alle Milch⸗ fpeifen genießen zu durfen. Schr. des Procurators an d. HM. d. Rom 5 Decemb. 1502 Schbl. I. 121. 2) So in einer Viſitationsvorſchrift vom J. 1503 Fol. X. 977. 3) Fol. X. 980. 1001. 4) Fol. L. 438. 604. 614 u. ſ. w. 5) Fol, I. 819. 820,
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Landesverwaltung. (1503.) 305 Um ſich felbft über das Einzelne der Landesverwaltung Kenntniß zu verſchaffen, reiſte er häufig im Lande umher, ) benutzte dazu auch feine oͤftern Jagdvergnuͤgungen, die ſich da⸗ her zuweilen bis in die Gegenden von Ortelsburg und Johannis⸗ burg erſtreckten. Oſt hielt er ſich auch laͤngere Zeit auf einem Ordensſchloſſe auf, um Unterſuchungen uͤber etwanige Unruhen oder Klagen der Unterthanen anzuſtellen. So gerecht er ſich dann gegen Klagende, fo huͤlfreich er ſich gegen Verunglüͤckte und ſo nachſichtig und gnaͤdig er ſich gegen Strafbare im Er⸗ laß der Bußen oder durch Zuruͤckgabe der abgenommenen Pfaͤn⸗ der bewies,?) ſo nachdruͤcklich ward doch oft auch den Kom⸗ thuren, Pflegern und Kaͤmmerern befohlen, fuͤr puͤnktliche Einlieferung des Zehnten, des Zinskornes, des Schoſſes und anderer Abgaben zu forgen® oder genaue Aufſicht uͤber die Bierſteuer zu führen.) Er hielt überhaupt mit Strenge auf Unverletzlichkeit feiner landesherrlichen Rechte und auf puͤnkt⸗ liche Befolgung der Landesordnung; er ließ es z. B. ernſtlich verbieten, wenn in den Wildniſſen die Einſaſſen Wildgruben zum Wildfange anlegten.® Den Beamten ward die ſtrengſte Auſſicht uͤber die Waldbenutzung zur Pflicht gemacht, weil er ſelbſt aus dem Holzhandel einen Theil feiner Einkuͤnfte zog; ® es war deshalb auch verordnet, daß Holz, welches nach Koͤ⸗ nigsberg gebracht wurde, an niemand weiter als an ſeinen Karwansherrn verkauft werden durfte.) In feinen Einfünften blieb jedoch der Hochmeiſter immer noch ſehr beſchraͤnkt; indeß mußten die Pfleger und Kaͤmmerer, wiewohl zum Theil gegen Zahlung, faſt alles liefern, was die Hofhaltung erforderte. Hielt er z. B. um Faſtnacht oder Oſtern Hoffeſte, ſo erließ er 1) Fol. X. 733. 928. 600. 607. 2) Beiſpiele im Fol. X. ſehr Häufig, 3) Fol. X. 464. 880. 4) Fol. I. 692. 708. 714. 5) Fol. X. 986. 6) Fol. X. 883. 7) Fol. X. 700. I. 20
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306 Landesverwaltung. (1503.) zuvor an die Ordensbeamten, beſonders an die acht Kämmerer in Samland Ausſchreiben zur Einlieferung an Wildpret und andern Beduͤrfniſſen der Kuͤche.) Haͤufig mußten ihm von den Beamten auch Hirſche, Hirſchgeweihe, junge Elenthiere und Falken, womit er den Fuͤrſten in Deutſchland oftmals Geſchenke machte, eingefandt werden. Als Jagdfreund und großer Liebhaber des Federſpiels ließ er den Falkenfang und die Falkenzucht immer mit großem Eiſer betreiben.) Auch auf Pferdezucht ward große Sorgfalt verwandt; haͤufig gingen auch ſchoͤne Roſſe als Geſchenke an Fuͤrſten nach Deutſchland. 3) Zum Pferderennen mußten die Komthure und Pfleger dem Meiſter ihre beſten Renner zur Auswahl ſtellen. Seine große Zahl von Jagdpferden und Jagdhunden hatten die Ordens⸗ beamten auf ihren Schloͤſſern ſo lange zu unterhalten, bis er fich ihrer zur Jagd bediente und oft empfahl er ihnen ihre ſorgfaͤltige Pflege. ® Ueberhaupt nahm Friederich in allen Verhaͤltniſſen eine ungleich freiere Stellung auch gegen die oberſten Gebietiger ein. Die Komthure, Pfleger und andere Beamte hielt er ſtets in ſtrenger Abhaͤngigkeit von ſeinem Willen. Wollte er ihren Rath vernehmen, ſo berief er ſie zu Tagfahrten; dann muß⸗ ten fie alle erſcheinen.) Was er befahl, mußte unbedingt von ihnen geſchehen. „Das iſt mein Wille“ ſchrieb er unter ſeine Briefe an ſie. Ohne ſeine Genehmigung durſte keiner ben Ueberſchuß feiner Getreidevorraͤthe verkaufen. Ueber Ver⸗ bot oder Freiheit der Aus- und Einfuhr verfügte er meiſt allein oder zog dabei hoͤchſtens den Großkomthur oder den verſtaͤndigen 1) Fol. X. 702. 897. 922 u. öfter. 2) Fol. I. 165. 169. 170. 174. 390. 398 u. öfter. x 3) Fol. X. 331. 567. 872. 928. 4) Fol. X. 544. 756 u. ſ. w. Dieſelbe zärtliche Sorgfalt für Jagd⸗ hunde hegte Friederichs Vater; ſ. Langenn Herzog Albrecht der Be⸗ herzte S. 208. Auch der Biſchof Lucas von Ermland ſcheint ein großer Jagdliebhaber geweſen zu ſeyn; er und der HM. borgten einander öfter ihre Jagdhunde. 5) Fol. V. 229. 784. 93%,
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Landesverwaltung. (1503.) 307 Biſchof von Samland zu Rath.) Sehr verdienten oder hoch⸗ bejahrten Ordensgebietigern, z. B. dem Großkomthur Simon von Drahe wies er zu ihrem Unterhalte oder als Belohnung beſondere Guͤter und Beſitzungen an; ſolche wurden alſo zu⸗ gleich jetzt Land- und Gutsbeſitzer.) Ganz beſondere Auf⸗ merkſamkeit ſchenkte Friederich ſtets den Vermoͤgens⸗ und vor⸗ mundfchaftlichen Angelegenheiten der Wittwen und Waiſen. Selten blieb ein Geſuch von ihnen bei ihm unerhoͤrt. Auch dem Kloſter⸗ und Moͤnchsweſen zeigte er ſich noch ſehr geneigt. Den Moͤnchen aus Elbing, Heiligenbeil oder vom Kloſter der heil. Dreifaltigkeit, die jährlich bei ihm um Erlaubniß einkamen, in Samland Almoſen einſammeln oder, wie ſie es nannten, terminiren zu duͤrfen, ſtellte er die Erlaubniß⸗ oder ſ. g. „Bettel⸗ briefe“ immer ſehr bereitwillig aus, doch meiſt mit der Wei⸗ ſung, daß die Moͤnche ſich dem Strand nicht nahen und mit dem Bernſteinaufleſen nichts zu ſchaffen machen ſollten.) So erhielten die Komthure und Ordensbeamte auch den Befehl, jeden Moͤnch des von einem fruͤhern Hochmeiſter geſtifteten Karthaͤuſer⸗Kloſters zu Marien-Paradies zu Schievelbein freundlich aufzunehmen und in allen Angelegenheiten auf jede Weiſe zu fordern.) Häufig empfahl er auch andere fremde, im Lande erſcheinende Mönche mit beſonderer Sorgfalt zu guͤ⸗ tiger Aufnahme. ) Die zwei Kloͤſter in Wehlau ſuchte er wer gen der aͤrgerlichen Streithaͤndel, die oͤfter zwiſchen ihnen aus⸗ brachen, in eins zu vereinigen.) In Koͤnigsberg wurde zu ſeiner Zeit mit Erlaubniß des Erzbiſchofs von Riga ein neues Kloſter für die Minoriten⸗Bruͤder errichtet.) 1) Fol. T. 699. 712. 913. 2) Fol. X. 728. 729. 734. 3) Fol. X. 235. 246. 592. 650. 867 u. ſ. w. 4) Sol. X. 63. 5) Fol. X. 612. 906. 6) Fol. T. 141. 7) Die Urkunde des Erzbiſchofs v. Riga, d. Lemsal die s. Wen- ceslai 1500 Schbl. XXXII. 15. 20 *
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308 Tod des Biſchofs Nicolaus v. Samland. (1503.) Lange hatte in dieſem friedlichen Wirken dem Meiſter der ehrwuͤrdige Biſchof Nicolaus von Samland als Rath und Theilnehmer in der Landesverwaltung eifrig thätig zur Seite geſtanden. Mit ruͤhmlichſtem Eifer hatte dieſer Biſchof die durch die ſchlechte Verwaltung und gewiſſenloſe Vergeudung mehrer früherer Biſchöfe in fo tiefen Verfall gerathenen aͤußern Verhaͤltniſſe des Biſthums ſo viel als moͤglich wieder empor⸗ zuheben geſucht und es war ihm gelungen, die Kirche von ihren Schulden faſt ganz zu befreien. Der Hochmeifter ſchaͤtzte ihn daher ungemein hoch, wovon er ihm nicht bloß oͤfters durch Geſchenke, ) ſondern auch dadurch einen Beweis gab, daß er nach dem Tode des Biſchofs Johannes von Pomeſa⸗ nien die Wahl des Pomeſaniſchen Domkapitels auf ihn zu len⸗ ken geſucht. Zu großer Trauer des Meiſters raffte aber der Tod den Biſchof am zweiten Juli des J. 1503 plotzlich hin⸗ weg, 2 gerade in einer Zeit, als neue Mißhelligkeiten mit dem Koͤnige von Polen erwacht waren. Um ſo mehr war zu be⸗ ſorgen, daß das Biſthum vom paͤpſtlichen Hofe aus leicht in die Haͤnde eines Mannes kommen koͤnne, der nicht von glei⸗ chen Geſinnungen und Abſichten durchdrungen und geleitet werde. Waͤhrend der Hochmeiſter dem aber am Roͤm. Hofe vorzubeugen bemüht war,“ richtete er fogleich fein Augenmerk auf ſeinen Kanzler, den Dompropſt zu Dorpat Paul von Watt, einen Mann, den er als feinen Lehrer von früher Jugend her verehrte, vor vielen andern eben ſo durch ſeine Biederkeit, Rechtſchaffenheit und einen ſittlichreinen Character, als durch Geſchaͤftskenntniß, Klugheit und Gewandtheit, wie 1) Fol. X. 73. 380. 389 u. öfter, 2) Dieſen Todestag des Biſchofs giebt der HM. ſelbſt an in einem Schr. an d. Procurator, d. Mont. nach udalrici 1503 Fol. Y. 936. 3) Schr. des HM. an d. Procurator a. a. O. 4) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Dorpat, d. am T. Diviſ. Apoſt. 1500 Fol. X. 376. Paul von Watt war auch Domherr zu Meißen. *
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Verhandl. mit d. Könige v. Polen weg. d. Huldigung. (1503.) 309 nicht minder durch Gelehrſamkeit ausgezeichnet, weshalb ihn kurz zuvor auch die Univerfität zu Leipzig nach einer vom Her⸗ zog Georg von Sachſen verfuͤgten neuen Ordnung aufgefordert hatte, in ſeine dortige Collegiatur zuruͤckzukehren, was jedoch der Hochmeiſter durch eine beſondere Fürbitte beim Herzog zu verhindern gewußt. Er ward jetzt auf des Meiſters Empfeh⸗ lung vom Samlaͤndiſchen Domkapitel zum Biſchofe von Sam⸗ land erwählt und alsbald eilte des Hochmeiſters Kämmerer und Rath Hans von Schoͤnberg mit den noͤthigen Empfehlungs⸗ ſchreiben an den Papſt und die Kardinaͤle nach Rom, um dort ſobald als möglich die paͤpſtliche Beftätigung auszuwirken. Aber auch hierzu wieder gebrach es dem Hochmeiſter an der nöthigen Geldſumme von zweitauſend Gulden, fo daß er ſich an den in Deutſchland noch anweſenden Biſchof Hiob von Po⸗ meſanien mit der Bitte wenden mußte, ihm dieſe Summe vor⸗ zuſchießen oder irgendwo aufzubringen.“ Bald aber nahmen wieder bedenkliche Verhaͤltniſſe von Polen aus des Meiſters Thaͤtigkeit in Anſpruch. Es war ihm Yängft bekannt, daß der König Alexander in Rom bereits aller⸗ lei Verhandlungen, die ſeine Stellung zum Orden betrafen, anzuknüpfen gefucht. Jetzt hoͤrte er von mancherlei bedroh⸗ lichen Kriegsbewegungen in Litthauen und Samaiten, weshalb er eiligſt den Hauskomthuren von Ragnit, Tilſit und Labiau die ſorgſamſte Bewachung ihrer Haͤuſer aufs nachdrücklichſte 1) Vgl. die Stellen aus den Empfehlungsſchreiben des HM. bei Gebſer Geſch. des Doms zu Koͤnigsb. B. I. 230. 2) Schr. des HM. an die Univerfität zu Leipzig, d. Sonnab. nach Invocavit 1503 Fol. L. 888. 5) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Sonnt. nach Jacobi 1503; Schr. an d. Papſt u. die Kardinäle, d. Königsb, 31 Juli 1503 Fol. X. 949. 950. 960 — 962. 4) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Sonnt. nach Jacobi 1503 Fol. X. 949. 5) Schr. des Procurators Georg v. Eltz an d. HM. d. Rom 5 De⸗ cemb. 1502 Schöl. II. 121. Schr. des HM. an d. Procurator, d. am T. Kathedra Petri 1503 Fol. X. 875.
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310 Verhandl. mit d. Könige v. Polen weg. d. Huldigung. (1503.) anempfahl.) Schon eine Unterredung des Koͤniges mit dem Biſchofe von Ermland in Litthauen hatte dem Meiſter Miß⸗ trauen eingefloͤßt, denn Alexander hatte dieſem den Rath ge⸗ geben, feine Schloͤſſer fo gut als moͤglich zu bewehren und zu bemannen.) Und kaum war der Koͤnig aus Litthauen in ſein Reich zuruͤckgekehrt, als er mit ſeiner Willensmeinung klarer hervortrat, dem Herzog Georg von Sachſen offen erklaͤ⸗ rend: bisher haͤtten ihn nur ſeine Angelegenheiten in Litthauen verhindert, die Verhandlungen mit dem Hochmeiſter, welche der Tod ſeines Bruders unterbrochen, wieder aufzunehmen; zwar gehe ſein ganzes Streben dahin, die Banden der Ver⸗ wandtſchaft mit dem Haufe Sachſen immer feſter zu knuͤpfen; allein er werde auch bemüht ſeyn, die Streitſache mit dem Hochmeiſter auf eine billige und für beide Theile angemeſſene Weiſe beizulegen; nur muͤſſe er vor allem wuͤnſchen, daß man dem Meiſter rathe, den nach Preuſſen handelnden Kaufleuten aus Polen nach alter Gewohnheit eine freundlichere Behand⸗ lung widerfahren zu laſſen.?) So mild die Sprache auch war, ſo ſah man doch, was der Koͤnig erzielte. Herzog Georg ver⸗ ſaͤumte nicht, ſeinem Bruder den angedeuteten Rath zu geben, um wo moͤglich dem Koͤnige jeden Grund zur Unzufriedenheit zu entnehmen.“) Allein ſchon in Litthauen hatten dieſen des Staroſten von Samaiten Klagen uͤber die Kreuzherren wegen Verruͤckung der Landesgraͤnzen, Geruͤchte von Verbindungen des Hochmeiſters mit Herzog Konrad von Maſovien, von Truppenwerbungen des Ordens in Deutſchland und dgl. mit 1) Die Schr. des HM. Fol. X. 903. Schbl. LXX. 39. 46. 2) Schr. eines gewiſſen Hans Nymesgar an d. Hauskomthur v. Ragnit, d. Wilna Mittw. nach Gregorii 1503 Schbl. LXX. 43. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Herzog Georg v. Sachſen, d. Pyotrkovie in conventu generali XXX Mart. 1503 Schbl. B. 424. u. Fol. V. 103. 4) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. HM. d. Dresden Mittw. nach Jubilate 1503 Schbl. B. 424.
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Verhandl. mit d. Könige v. Polen weg. d. Huldigung. (1503.) 311 Mißtrauen erfüllt.) Friederich, von dem allem unterrichtet und von dem Wunſche beſeelt, das friedliche Vernehmen mit dem Könige aufrecht zu erhalten, wandte ſich deshalb an ſei⸗ nen Bruder und an den Herzog Michael von Glynski in Lit⸗ thauen, um eine Verſtaͤndigung mit dem Könige einzuleiten, ® denn von den Beſchuldigungen, womit man dieſen aufgehetzt, war in der That keine einzige begründet. Das erklaͤrte er auch einer Geſandtſchaft, die der König an ihn erließ. Da indeß dennoch bald Nachrichten von Aufgeboten und Kriegsruͤſtungen in den koͤniglichen Landen, angeblich gegen die Moskowiter, einliefen, ® da ferner der Meiſter von Livland aufs beſtimm⸗ teſte erfuhr, Alexander ſey auf Antrieb des Koͤniges von Un⸗ gern und Boͤhmen und beſonders auch der Polniſchen und Lit⸗ thauiſchen Reichsgroßen feſt entfchloffen, vom Hochmeiſter die Huldigung zu fordern und noͤthigen Falls auch mit Gewalt zu erzwingen, ) und da dieſer ſelbſt auch bald von neuem die ditterſten Beſchwerden über vielfältige Mißhandlungen ſei⸗ ner Unterthanen aus Litthauen erhob und vom Hochmeiſter deshalb Genugthuung und ſtrenge Gerechtigkeit verlangte, 05 ſo ſandte dieſer im Anfange des Auguſts den Grafen Hans von Hohenſtein, Hans von der Gablenz und ſeinen gelehrten Rath Dieterich von Werterde an den Konig, um ihm über die geführten Klagbeſc werden nähere Aufklärung zu ertheilen 1) Schr. des Hans Nymesger an d. Hauskomthur zu Ragnit, d. Wilna am T. Georgii 1503 Schbi. LXX. 34. 2) Schr. des HM. an Herzog Georg u. Herzog Michael v. Glyneki, d. Sonnt. nach Udalrici 1503 Fol. V. 931. 936. 3) Schr. des HM. an Herzog Georg, d. Freit. nach Margar. 1503 Fol. X. 945. 4) Schr. des Hauskomthurs v. Ragnit an d. Komtzur v. Ragnit, d. Freit. nach Margar. 1503 Schbl. LXX. 45. 5) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Wenden Eonnt. Cantate 1503 Schbl. XXIX. 30. 6) Schr. des Königes v. Polen an d. HM. d. Wilna Ä post lestum s. Annae 1503 Schbl. XXVII. 11. Schbl. 70. 27. 7) Fol. X. 953. 987.
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312 Verhandl. mit b. Könige v. Polen weg. d. Huldigung. (1503.) und zu erweiſen, daß die Mißhandelten ſelbſt die Schuld truͤ⸗ gen. Allein die ungleich wichtigere Angelegenheit in Betreff des Huldigungseides konnte keine ſo leichte Erledigung finden: der Koͤnig verwies daruͤber die Geſandten an ſeine mit Herzog Georg deshalb angeknuͤpften Unterhandlungen. „ Da der Hochmeiſter ſchon hieraus erſah, daß neue Streit⸗ haͤndel uͤber die Belehnung auch neue Gefahren fuͤr das Land herbeiführeu wurden, fo fand er nichts nothwendiger, als die ſelbſt zur Erhaltung des Friedens mit Polen ſo hoͤchſt wichtige Aufrechthaltung der innern Landesſicherheit durch jedes moͤgliche Mittel herzustellen und zugleich in Verbindung mit dem Bi⸗ ſchofe von Ermland eine neue Landesordnung ausgehen zu laſ⸗ ſen. In Betreff der erſtern erhielten die Gebietiger und ſaͤmmt⸗ liche Ordensbeamte von neuem die gemeſſenſten Befehle, die zur Sicherheit der Landſtraßen und insbeſondere auch zur Ver⸗ huͤtung der Raubeinfaͤlle in die nahen koͤniglichen Graͤnzland⸗ getroffenen Maaßregeln mit aller Wachſamkeit und Strenge in Ausfuͤhrung zu bringen und mit den verfuͤgten Strafen zur Erreichung des Zweckes hinzuwirken. 2 Insbeſondere erneuerte der Meiſter das Gebot, daß keiner feiner Unterthanen bei Strafe an Leib und Gut einen Feind des Koͤniges won Polen oder ſeiner Unterthanen hauſe und herberge oder ihm in irgend einer Weiſe Vorſchub leiſte.) In die neue Lonidesordnung wurden theils eine Menge aͤlterer Verordnungen fruͤherer Hochmeiſter, theils auch neue, fuͤr die Zeitverhoͤrniſſe zweckmaͤßige Beſtim⸗ mungen über Handel und Verkehr, über Gilden⸗ und Gewerks⸗ 1) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Mittw. nach Ent⸗ haupt. Johannis 1503 Fol. X. 964; das Anbringen der Geſandten des HM. und die Antwort des Koͤniges im Fol. V. 93 — 102. Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. Sonnt. nach Michaelis 1503 Fol. T. 971. 2) Ausſchreiben des HM. an die Gebietiger, d. am T. Invent, Stephani 1503 Fol. X. 955 — 986. 3) Die policeilichen Verordnungen in Ruͤckſicht der Landſtraßen⸗ Sicherheit im Fol, X. 956 — 957.
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Verhandl. mit d. Könige v. Polen weg. d. Huldigung. (1503.) 313 weſen, uͤber Gerichtstage, mancherlei geſelligbürgerliche Verhaͤlt⸗ niſſe bei Hochzeiten und Kindtaufen, uͤber die Schoͤppenkoſt, Harniſch und Waffen und viele andere bürgerliche und policei⸗ liche Angelegenheiten aufgenommen, alle darauf hinzielend, in dieſen verſchiedenen Verhaͤltniſſen beftimmte Regeln und Ord⸗ nungen geltend zu machen, Auch eine beſſere Dienſtordnung des Geſindes erhielt in ihr Geſetzeskraft. Der Biſchof Lucas von Ermland, mit deſſen Beirath die Landesordnung entworfen war, nahm ſie ebenfalls für feine Landestheile als gültig an, obgleich der Meiſter bald Klage daruͤber zu fuͤhren hatte, daß fie dort keineswegs wie im Ordensgebiete in Ausführung ge⸗ bracht werde. Da brachte die Nachricht vom Tode des Herzogs Konrad von Maſovien dem Meiſter neue Beſorgniſſe; eiligſt erließ er an die Gebietiger und Pfleger von Rhein, Soldau, Ortelsburg, Johannisburg, Neidenburg, Seeſten und Lösen den Befehl, ihre Schloͤſſer ſo gut als moͤglich zu bemannen, zu bewehren und zu bewachen ?, und da die Verhandlungen mit dem Koͤ⸗ nige auch ſchon immer mehr einen ernſten Character gewannen, 1) Mehre Abſchriften der Landesordnung des HM. Friederich v. Sachſen Schbl. LXXIV. Die eine dieſer Abſchriften iſt ohne Zwei⸗ fel aus Friederichs Zeit ſelbſt. Sie ift gedruckt, mit Anmerkungen ver⸗ ſehen vom Kriegsrath v. Werner unter dem Titel: Landes-Ordnung des XXXIVien Hochmeiſters in Preuſſen Herrn Friederichs Herzogen zu Sachſen durch L. R. v. W. 1751. Der Abdruck iſt leider aus kei⸗ ner guten Handſchrift geſchehen und deshalb fehlerhaft. Leo p. 337 ff. weicht oft ganz ab. Ueber das Jahr, in welchem die Landesordnung verfaßt wurde, blieb Werner ganz ungewiß. Pauli B. IV. 384 — 385, der einen uͤberſichtlichen Auszug giebt, ſetzt fie ins J. 1507; ihm ſcheint auch Baczko B. IV. 76 — 76 zu folgen. Daß fie aber im J. 1503 verfaßt iſt, ſagt nicht nur eine alte Abſchrift, die dieſes Jahr ausdruͤcklich angiebt, ſondern es beweiſt es auch ein Schr. des HM. an den Biſchof v. Ermland, d. Mont. nach Martini 1503 Fol. X. 986, wo von dieſer Landesordnung die Rede iſt. 2) Ausſchreiben des HM. an die genannten Gebietiger u. Pfle⸗ ger, d. Mont. nach Leonhardi 1503 Fol. X. 983.
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314 Vechandl. mit d. Könige v. Polen weg. d. Huldigung. (1503,) ſo traf er bereits allenthalben kriegeriſche Vorkehrungen.) Das Jahr hatte auch noch nicht geendet, als eine Botſchaft des Koͤniges mit der Aufforderung erſchien, der Hochmeiſter folle ſich am einundzwanzigſten Januar des naͤchſten Jahres auf dem Reichstage zu Petrikau perſoͤnlich ſtellen, um feiner Pflicht gemaͤß den ewigen Frieden zu vollziehen. Friederich indeß wies fein perfönliches Erſcheinen ohne weiteres ab, erbot ſich jedoch Bevollmaͤchtigte zu ſenden, die in Verbindung mit einigen Ge⸗ ſandten ſeines Bruders des Herzogs Georg mit dem Koͤnige in naͤhere Unterhandlung treten ſollten. Die Ordensbevoll⸗ maͤchtigten erſchienen darauf auch auf dem Reichstage mit einer doppelten Vollmacht verſehen, einer im Fall der Anweſenheit der Saͤchſiſchen Geſandten und einer andern im Fall ihres Nichterſcheinens.“) Da dieſe indeß nicht erſchienen, weil Her: zog Georg, durch vielfache Urſachen an ihrer Abſendung ver⸗ hindert, den Koͤnig um Aufſchub der Verhandlung und um Anberaumung eines andern Tages hatte erſuchen laſſen, “ fo entſchuldigten bloß die Ordensbevollmaͤchtigten das Nichterſchei⸗ nen des Hochmeiſters, ließen ſich aber nach Inhalt ihrer In⸗ ſtruction in keine weitere Unterhandlung ein, indem ſie erklaͤr⸗ ten: da Herzog Georg ſchon vom verſtorbenen Koͤnige mit in die Verhandlungen gezogen und auch von dem jetzigen ſchriſtlich darum angeſprochen ſey, der Hochmeiſter ſich auch der Anwe⸗ ſenheit der herzoglichen Geſandten mit aller Zuverſicht verſehen habe, ſo muͤßten ſie um Feſtſtellung eines andern Tages fuͤr den Hochmeiſter und den Herzog Georg bitten und koͤnnten für jetzt in keine Verhandlung eingehen. 9 1) Schr. des HM. an den Hauskomthur v. Koͤnigsberg Fol. F. 991. 2) Schr. des HM. an Herzog Georg u. Schr. deſſelben an d. DM. d. Mittw. am T. Lucia 1503 Fol. V. 1001 — 1002. 3) Die Inſtructionen Schbl. XXIX. 28 — 30. 4) Schr. des Herzogs Georg an d. HM. d. Dresden Donnerft. nach Erhardi 1504 Schl. B. 421. 5) Inſtruction fuͤr die Ordensbevollmaͤchtigten o. D. Schbl. XXIX. 30.
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Verhandl. mit d. Könige v. Polen weg. d. Huldigung. (1504.) 315 Nun kam wenige Tage vor Oſtern des Jahres 1504 der König nach Thorn und der Hochmeiſter verfehlte nicht, ihm den Großkomthur, den Oberſtſpittler und ſeinen Kanzler zum Empfange entgegenzuſenden, zugleich um ihn zu erſuchen, die Abgeordneten des Herzogs Georg von Sachſen in der Streit⸗ ſache zwiſchen ihnen unterhandeln zu laſſen. Der König indeß erklaͤtte: „die Sache gehe Artikel an, welche nicht ihn allein, ſondern auch die Prälaten und das ganze Corpus der Krone zu Polen beträfen, mit denen er ſich zuvor berathen muͤſſe.“ ) Bald darauf aber, nachdem er ſich bis Pfingſten zu Marien⸗ burg und Elbing mit dem Empfange der Huldigung beſchaͤf⸗ tigt, beſchied er von Danzig aus den Hochmeiſter von neuem auf einen Tag zu Marienburg, um auch von ihm dort die Huldigung entgegenzunehmen und den ewigen Frieden beſchwoͤ⸗ ren zu laffen. 2 Friederich wuͤrde zwar auch jetzt dem Ver⸗ langen des Königes ohnedieß nicht Folge geleiſtet haben; er hatte aber gerade, wie bereits im vorigen Jahre, eine neue Aufforderung des Rom. Königes erhalten, worin ihm dieſer jetzt mit Ernſt gebot, ſich „als einen der vordern Staͤnde des heil. Reiches und bei der Pflicht, womit er ihm als Roͤmiſchem Koͤnige verwandt ſey“ in eigener Perſon auf den zu Frank⸗ furt a. M. auf S. Jacobs⸗Tag zu haltenden Reichstag zu be⸗ geben, um dort in Reichsſachen und wegen der Beſchwerden und Anfechtungen der Chriſtenheit durch die Unglaͤubigen mit 1) Die Verhandlung im Fol. V. 146 u. 498 ff. Die Verhand⸗ lung der Saͤchſiſchen Abgeordneten, Graf Adams v. Beichlingen, Die⸗ terichs v. Schleinitz und des Doctor Mogenhofen mit dem Koͤnige eben⸗ daſ. p. 506 ff. Die Darſtelung des HM. über dieſe Verhandlungen im Fol. V. 343 — 544. 2) Schütz p. 403. — Wir muͤſſen hier dieſem Chroniſten folgen, weil, wie wir ſpaͤter hoͤren werden, die hochmeiſterlichen Regiſtranten für die Jahre 1504, 1505 und für den Anfang des J. 1506 zu Tapiau verbrannt find,
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316 Verhandl. mit d. Könige v. Polen weg. d. Hulbigung. (1504.) den Übrigen Reichsfürſten zu Nathe zu gehen.) Bei der ern⸗ ſten Sprache, mit der das Reichsoberhaupt gebot, mußte der Hochmeiſter Folge leiſten und unter den obwaltenden Umſtaͤn⸗ den folgte er auch gerne, ließ ſich beim Könige entſchuldigen, uͤbertrug die Landesverwaltung dem Großkomthur Simon von Drahe, dem Ordensmarſchall Grafen Wilhelm von Eiſenberg, dem Komthur zu Ragnit Nicolaus von Pflug, feinem Kanzler Dieterich von Werterde nebſt einigen Raͤthen und trat ſofort die Reiſe nach Deutſchland an. 2 Der König von Polen hatte neuen Muth zur Ausführung ſeiner Sache gewonnen, ſeitdem nach Alexanders des Sechſten Tod und dem ſchnellen Voruͤbergange Pius des Dritten der Papſt Julius der Zweite ſeit dem November 1503 den paͤpſt⸗ lichen Stuhl beſtiegen. Kaum in ſein Reich zuruͤckgekehrt, be⸗ ſchwerte er ſich bei dieſem aufs bitterſte über des Hochmeiſters Verweigerung des ihm durch den ewigen Frieden als Pflicht auferlegten Gehorſams und der gebuͤhrenden Lehenshuldigung, mit der Bitte, den Meiſter kraft paͤpſtlicher Auctorität zur Lei⸗ ſtung der ihm obliegenden Pflichten ernſtlichſt anzuweiſen, um ſo mehr da der Friede durch Vermittlung eines paͤpſtlichen Le⸗ gaten geſchloſſen worden ſey. In Folge deſſen erhielt Friede⸗ rich, der im Herbſt 1504, nachdem ihn das Domkapitel zu Magdeburg mit der Wahl und Ernennung zum Coadjutor des Erzbiſchofs von Magdeburg, Herzog Ernſt von Sachſen, be⸗ ehrt hatte,) nach Preuſſen zuruͤckgekehrt war, im Vorſommer 1) Die zwei Schr. des Rom. Koͤniges Maximilian an d. HM. d. Antwerpen 7. April 1503 u. Schwaͤbiſch⸗Werd 7. Mai 1504 im Original Schbl. IV. 160. 162.; vgl. Schlitz p. 403. 2) Schitz p. 403. 3) Spalatin. de liberis Alberti ducis ap. Mencken T. II. 2144. Eine gleichzeitige beglaubigte Abſchrift der Urkunde über die Wahl und Ernennung des HM. zum Coadjutor des Erzbiſchofs von Magdeburg, d. Magdeburg secunda mensis Decembr. 1504 Schöbl. II. 14. Das Domkapitel ſchildert den HM. als: virum utique dignum, circum- spectum, litterarum sciencis imbutum ac virtutibus comprobatum, cuius Jaudabilis conversatio omnibus notissima est, pacis ac sacrarum
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Denkſchrift des HM. (1505.) 317 des Jahres 1505 wirklich ein paͤpſtliches Ermahnungsſchreiben, worin er zur Leiſtung der Lehenspflicht ohne Aufſchub zwar vorerſt mit aller Milde aufgefordert, jedoch auch auf die ernſten und ſtrengen Maaßregeln hingedeutet wurde, die der Rom. Stuhl in Verbindung mit dem Könige von Polen bei fernerer Weige⸗ rung zu ergreifen genöthigt feyn werde, um den Frieden aufrecht zu erhalten.“ Da der Papſt ſomit gebot, was der Roͤm. König, das Reichsoberhaupt dem Hochmeiſter aufs ſtrengſte unterſagt, ſo war jetzt die ſchwierige Frage: welchem von den beiden Ober⸗ haͤuptern des Ordens in der Sache Gehorſam zu leiſten ſey? Weil aus dem paͤpſtlichen Schreiben aber klar hervorging, daß der Papſt durch des Koͤniges Klagſchrift nur hoͤchſt mangelhaft und einſeitig uͤber den Verlauf des ganzen langwierigen Strei⸗ tes zwiſchen dem Orden und der Krone unterrichtet worden fey, ?) und der Hochmeifter ohne Zweifel auch waͤhrend feiner Anweſen⸗ heit in Deutſchland die Erfahrung gemacht hatte, daß weder die Reichsfuͤrſten, noch der Deutſche Adel, vielleicht ſelbſt nicht einmal der Roͤm. Koͤnig eine ganz genaue Kenntniß von den religionum zelatorem, consilio et ingenio valentem, in matura jam aetate ultra tricesimum annum constitutnm, procere et elegantis for- mae atque staturae, in spiritualibus et temporalibus rebus providum, de legitimo matrimonio procreatum, necnon de vitae puritate commen- datum. 1) Das an den HM. gerichtete päpftl. Breve, d. Rome die XI Maji 1505 p. a. II. Schbl. Xv. I., in gleichzeitigen Abſchriften Schbl. XXIX. 62 u. Fol. V. 131., deutſch bei Schärz p. 403. 404. Den Inhalt des Breve giebt der HM. ſelbſt an Fol. V. 545. 2) Dieß geht zum Theil ſchon daraus hervor, daß der Papſt fagt: der König v. Polen habe ihm auseinander geſetzt, quod super certis confinibus ac terris partinm Prussie graves controversie ac dis- cordie essent olim exorte, ob quas ad cruenta bella non sine multo- rum christi fidelium millium internitione utrinque deventum fuit — als wenn es dabei auf nichts weiter angekommen wäre. Der HM. ſagt daher auch in feinem öffentlichen Berichte Fol. V. 547: „ dieweil wir befinden, das bebftliche Heiligkeit des Handels gruͤntlich nicht under⸗ icht if” u. ſ. w.
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318 Denkſchrift des HM. (1505.) Verhaͤltniſſen der Krone Polens und des Ordens und von der eigentlichen Entſtehung und dem weſentlichen Inhalte des ewi⸗ gen Friedens hatten,“ um ſich ein Urtheil über feine Guͤltig⸗ keit oder Ungüͤltigkeit bilden zu koͤnnen, fo ließ er ſogleich nach Empfang des paͤpſtlichen Ermahnungsſchreibens eine Schrift abfaſſen, worin mit Gruͤnden bewieſen ward, daß der Orden keineswegs an die Beſtimmungen des ewigen Friedens gebun⸗ den ſey. Zu dem Zwecke ward eine geſchichtliche Entwicklung der Verhaͤltniſſe zwiſchen Polen und dem Orden von des letz⸗ tern Ankunft in Preuſſen bis zum Abſchluſſe des ewigen Frie⸗ dens vorangeſtellt, um daraus darzuthun, wie undankbar, ſtreitſuͤchtig und wortbrüchig ſich von jeher die Koͤnige Polens gegen den Orden gezeigt. Dann wurde der Anlaß des drei⸗ zehnjaͤhrigen Krieges und feine Beendigung durch den ewigen Frieden auseinander geſetzt, um daran die Gründe anzuknüpfen, wonach der Orden dieſen Frieden als fuͤr ſich unverbindlich und rechtswidrig betrachten muͤſſe, denn 1. hieß es, iſt dem Orden durch den Frieden nicht nur das Kulmiſche, Michelauiſche Land und ganz Pommerellen, ſondern auch Marienburg, Chriſtburg und Elbing mit ihren Gebieten, die immer mit zu Preuſſen gehoͤrt und worauf die Polen nie Anſpruͤche und Rechte be⸗ hauptet haben, mit Gewalt abgedrungen worden. 2. Alle Lande des Ordens ſind unmittelbar dem Papſte unterworfen und es iſt den Hochmeiſtern bei der Einſetzung des Ordens geboten worden, ohne Zulaſſung des paͤpſtlichen Stuhles Preuſſen nicht zu entfremden oder einer andern Herrſchaft zu unterwerfen, was durch dieſen Frieden dennoch geſchehen iſt. 3. Solche Entfremdung hat nicht erfolgen koͤnnen ohne Ein⸗ willigung des Deutſchen Reiches, deſſen jeder Hochmeiſter ein Fuͤrſt iſt, ferner der beiden Meiſter von Deutſchland und Liv⸗ land und ſelbſt des Adels Deutſcher Nation, weil Preuſſen, vom Deutſchen Adel erobert, dem Orden als ein Hospital des Adels Deutſchlands eingegeben iſt. 4. Wenn im Frieden 1) Der HM. deutet dieſes ſelbſt an Fol, v. 347.
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Denkſchrift des HM. (1505.}: 319 ſteht, der Orden ſolle außer dem Papſte nur den König von Polen als ſeinen Oberherrn anerkennen, und wenn der Orden ſich darin aller ſeiner Privilegien mit Wiſſen und Willen der beiden genannten Meiſter verziehen hat, ſo hat er ſolches ohne des Papſtes beſondere Zulaſſung nicht thun koͤnnen; das alles iſt aus Noth geſchehen und aus Furcht, um nicht ganz Preuſ⸗ ſen zu verlieren. 5. Da der Orden nur dem Papſte unter⸗ worfen ſeyn ſoll, der Friede aber beſtimmt, er ſolle auch dem Könige von Polen untergeben ſeyn, fo iſt es wider Gott, Recht und Vernunft, daß ſich darin der Koͤnig von Polen mit S. Peter gleich ſtellt. 6. Nach paͤpſtlichen Verordnungen fruͤherer Zeit fol der Hochmeiſter keinem Fürften durch Eid verpflichtet ſeyn; nach dem Frieden aber ſollen der Hochmeiſter und alle Ordensglieder dem Koͤnige von Polen einen Eid lei⸗ ſten. 7. Der Deutſche Orden iſt, wie ſchon ſein Name aus⸗ weiſt, nur von Deutſchen und für Deutſche eingeſetzt; nach Laut des Friedens aber ſöll die Hälfte der Ordensglieder aus Polen beſtehen und dieſe auch zu den Ordensaͤmtern gelangen. Das muß dem Orden den voͤlligen Untergang bringen, denn wer vom Deutſchen Adel wuͤrde dann noch gerne in den Or⸗ den eintreten? Entziehung Deutſcher Lehenguͤter verſtorbener Ordensritter, die dem Orden zufallen und nun in Polniſche Hände kaͤmen, wuͤrde davon die Folge ſeyn. 8. Nach dem Frieden foll der Orden den Königen von Polen gegen alle ihre Feinde Beiſtand leiſten. Wenn nun aber Polen vielleicht ein⸗ mal gegen Deutſche Fuͤrſten oder das ganze Deutſche Reich, von dem der Orden ſo viele Privilegien genießt, Krieg fuͤhren wuͤrde, kann dann der Orden dem Könige wirklich zu Hülfe ziehen? Aus dieſen und andern Gründen glaubte der Meiſter er⸗ wieſen zu haben, daß der Friede als gegen des Ordens Stif⸗ tung und Verfaſſung, Privilegien und Rechte, ausdruͤckliche paͤpſtliche Verordnungen ſtreitend und den Orden ſelbſt in feinem Weſen und feiner Beſtimmung vollig vernichtend, fir ihn als Meiſter und alle Glieder des Ordens keine Gültigkeit
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320 Eingreifen d. Nöm.Königes in den Streit mit Polen. (1505.) und verbindende Kraft habe.) Er fandte die Schrift fofort auf den im Juli zu Köln verſammelten Reichstag, um fie dem Rom. Könige und allen Reichsfürften vorlegen zu laſſen. Er erbet fi) dabei, durch den Papſt, den Röm. König, das Kardinal = Collegium oder andere chriſtliche Fuͤrſten nach Gott und Recht erkennen zu laſſen, ob nach Inhalt eines ſolchen Friedens der König von Polen ferner den Lehenseid zu fordern habe. Maximilian gab das Urtheil ſelbſt; denn nachdem er den Inhalt der Denkſchrift vernommen und von des Papſtes Mandat wegen Leiſtung des Leheneides unterrichtet war, erließ er am vierten Auguſt wie an den Papſt und das Kardinal⸗ Collegium, fo an die Reichsfuͤrſten und Reichsſtaͤnde ein fo ernſtes und inhaltſchweres Schreiben und ſprach ſich darin über die Ungültigkeit des Friedens, die ungerechte Eroberung der dem Orden entriſſenen Lande, desgleichen über fein dem Hoch⸗ meiſter bereits gegebenes Verbot wegen der Eidesleiſtung und über die vom Papſte zu verfügende Zuruͤcknahme feines Man⸗ dats in einer ſo entſchiedenen und kraͤftigen Sprache aus, daß der Roͤm. Hof die Sache des Königes von Polen ohne weiteres aufgab und die koͤniglichen Sachwalter dort ferner kein Gehör mehr fanden.? Auch der König ſchwieg vorerſt; nur in fort⸗ waͤhrenden Klagen uͤber Ungerechtigkeiten gegen Kaufleute aus Danzig oder Polen gab er ſeinen Unmuth kund. ) Auch be⸗ ſchaͤftigten ihn kriegeriſche Verhaͤltniſſe gegen die Tataren jetzt wieder viel zu ſehr, als daß er viel an Preuſſen haͤtte denken koͤnnen. 1) Die Schrift volftändig bei Schätz p. 404 — 409, im Auszuge bei Pauli B. IV. 381. Eine aͤhnliche Schrift des HM. im Fol. V. 541 — 555 ſtimmt in ihrem hiſtoriſchen Entwicklungsgange mit der bei Schiiitx überein, iſt jedoch in ihrer Faſſung eine andere; der HM. ſandte ſie ſeinem Bruder Georg zur Begutachtung und Verbeſſerung zu. 2) Schr. des Roͤm. Königes an den Papſt und das Kardinal: Collegium, d. Köln 4 Aug. 1505 im Fol. V. 134 — 141, Schütz P. 409— 410. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. in conventione Radomien. generali die Bernard. 1303 Schbl. 70. 31.
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Das Biſthum Samland. (1505.) 321 Bald nach ſeiner Ruͤckkehr nach Preuſſen war Friederich auch bemüht, feine Verhaͤltniſſe als Hochmeiſter zu feiner Wuͤrde als Coadjutor von Magdeburg beſtimmter zu ordnen, damit nicht auch hieraus in der Folge Zwiſte und Irrungen entſtehen möchten. Es mußten daher über die künftige Stellung feines Hochmeiſteramtes zu ſeinem Amte als Coadjutor ſchon deshalb, weil eine ſolche Verbindung zweier ſo wichtiger Aemter noch nie Statt geſunden hatte, feſte Beſtimmungen entworfen werden und dieſe auch die höhere Beſtaͤtigung des Papſtes erhalten, zumal da leicht der Fall eintreten konnte, daß der Hochmeiſter beim Tode des Erzbiſchofs von Magdeburg Herzogs Ernſt von Sachſen dann den erzbiſchoͤflichen Stuhl beſtieg. Er ſandte die von ihm ſelbſt daruͤber aufgeſtellten Beſtimmungen zuvor zu naͤherer Berathung ſeinem Bruder dem Herzog Georg, weil dieſer zuerſt ſeine Coadjutor⸗Wahl veranlaßt und befoͤrdert hatte, und dann durch ſeinen Rath Hans von Schoͤnberg auch nach Rom, um fie dem Papſte vorzulegen.“) Im uͤbrigen verlief die Zeit ohne wichtige Ereigniſſe. Preuſſen aber hatte lange kein ſo ungluͤckliches Jahr geſehen. Durchs ganze Land, vorzuͤglich im Biſthum Ermland wuͤthete den ganzen Sommer hindurch eine furchtbare Peſtkrankheit, die eine außerordentliche Menſchenmenge hinwegraffte; erſt im October fing fie an ihre toͤdtliche Kraft zu verlieren.) Wahr ſcheinlich war im Juli dieſes Jahres auch der erſt kurz zuvor in ſein Amt eingetretene Biſchof Paul von Samland ein Opfer der Seuche. Mit tiefem Schmerze betrauerte der Meiſter den Verluſt eines fo treuen, vielerfahrenen und langjaͤhrigen Freun⸗ des und Rathgebers. Zum Beweiſe feiner Dankbarkeit und 1) Das Nähere über dieſe Verhaͤltniſſe, die jedoch die eigentliche Geſchichte Preuſſens wenig beruͤhren, im Fol. V. 321 ff. 2) Es wird dieſer wilden Krankheit in mehren Schreiben aus ver⸗ ſchiedenen Zeiten dieſes Jahres erwähnt, Schbl. LXXXIII. 62. 3) Daß der Biſchof Paul v. Samland im Juni oder Juli d. J. geſtorben ſeyn muß, ſchließen wir aus einem Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. HM. d. Leipzig Mittw. nach Bartholom. 1505 IX. 21
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322 Das Biſthum Samland. (1505.) Liebe ſchmuͤckte er fein Grabmal mit einem ſchoͤnen Epitaphium. » Als Nachfolger Pauls ward abermals auf des Hochmeiſters be⸗ ſondere Empfehlung Günther von Buͤnau, aus Meiſſen gebuͤr⸗ tig, damals Dompropſt zu Merſeburg, erwaͤhlt, denn er war laͤngſt dem Orden als ein treuer Gönner und Foͤrderer feines Intereſſes zugethan. Er ſcheint nicht lange vor ſeiner Wahl durch Empfehlung des Kurfuͤrſten und der Herzoge von Sach⸗ fen erſt in den Orden aufgenommen zu feyn.? Seine Be: flätigung von Rom aus erfolgte erſt im December dieſes Jah⸗ res. Neben ihm trat jetzt beim Hochmeiſter durch ſeine Gunſt der Biſchof Hiob von Pomeſanien mit immer größerem Einfluſſe auf alle Verhaͤltniſſe des Landes hervor. Damit er dem Mei⸗ ſter jeder Zeit mit ſeinem Rathe zur Seite ſtehen koͤnne, raͤumte ihm dieſer die Stadt Kreuzburg mit völligem Nießbrauche auf feine ganze Lebenszeit ein. ® Mit dem Auslande ſcheint jetzt der Hochmeiſter weniger als je in Beruͤhrung geſtanden zu haben. Nur in die Ver⸗ haͤltniſſe Daͤnemarks und Schwedens, wo der traurige Streit auch nach Sten Sture's Tod unter deſſen Sohn dem Reichs⸗ verweſer Svante Sture noch fortdauerte, griff er zuweilen noch theilnehmend und thaͤtig ein, wiewohl doch ohne ſonderlichen Erfolg. Vergebens bat er die Reichsraͤthe von Schweden wiederholt um Freilaſſung der Königin Chriſtina; fie traten Schbl. B. 400, wo von ihm als in „kurz vergangener Zeit“ verſtorben die Rede iſt; vgl. Fol. V. 530 — 531. Schon im Auguſt 1504 litt der Biſchof an Krankheit. 1) Schr. des Archidiacon. Johan. Scultetus v. Ermland, d. Hein⸗ richau am T. Aegidii 1505 Schbl. II. 129. 2) Schr. des Kurfürſt. Friederich u. der Herzoge Johann u. Hein⸗ rich v. Sachſen an d. HM. d. Weimar Mittw. nach Cantate 1505 Schbl. B. 396. 104. In einem Schr. des HM. im Fol. V. 331 wird Guͤnther v. Bünau Dechant zu Magdeburg genannt. 3) Schr. des HM. an d. Domherren zu Koͤnigsb. d. Aſcher⸗ Mittw. 1506 Fol. Z. 26. 4) Verſchreib. des HM. d. Seeſten am T. Petri u. Pauli 1505 Schbl. L. 22.
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Innere Landesverwaltung. (1506.) 323 vielmehr immer nur mit neuen Beſchuldigungen gegen den Koͤ⸗ nig von Daͤnemark auf, zumal als ſie von dem Buͤndniſſe vernahmen, welches dieſer mit dem Moscowiter gegen ſie ge⸗ ſchloſſen haben ſollte und deſſen Artickel ſie dem Hochmeiſter zufandten. D Preuſſen aber hatte von dem Streite den großen Nachtheil, daß ſein ohnedieß ſchon ſehr beſchraͤnkter Handels⸗ verkehr mit Schweden voͤllig unterbrochen wurde, denn Koͤnig Johann von Daͤnemark bot uͤberall alle Mittel auf, den Schweden alle Handelsverbindungen mit dem Auslande ab⸗ zuſchneiden.? Auch das Jahr 1506 begann mit einem unglüdlichen Erz eigniſſe. Am ſechzehnten Januar brach zur Nachtzeit im Schloſſe zu Tapiau in der Rathsſtube ein Feuer aus, welches in weni⸗ gen Stunden der Landesgeſchichte einen unerſetzlichen Verluſt brachte, indem es außer vielen andern dort aufbewahrten wich⸗ tigen Schriften auch die Regiſtranten des Hochmeiſters aus den Jahren 1504 und 1505 verzehrte. ) Die Verhandlungen mit dem Koͤnige von Polen, der am Papſte feinen Halt verloren, ruhten vorerſt ganz.) Zwar hatte er zu einer neuen Tagfahrt zu Lublin auch den Biſchof von Ermland eingeladen, um durch ihn vielleicht auf den Hoch⸗ meiſter zur Beſeitigung des obwaltenden Streites einzuwirken 1) Schr. der Reichsräthe v. Schweden an d. HM. d. Stockholm Freit. nach Octava Corpor. Chr. 1503 u. am Abend Petri u. Pauli 1505 Schbl. E. 62. 66. 2) Schr. des Koͤniges Johann v. Daͤnemark an d. HM. d. Kalmar Mont. nach Maris Viſitat. 1505 Schöbl. E. 67. 3) Dieß iſt auch die Urfache, daß wir über die Jahre 1504 u. 1505 im Ganzen nur ſpaͤrlich und lückenhaft unterrichtet find. Es heißt im Fol. Z. 1: „Am Abend Anthonii freitags in der Nacht fein die Res giſtranten XV vier, fünf und ſechs, deßgleichen hantveſten⸗ Buch, Leybgeding, vortreg und formular und anderes, ſo in der Canzleiladen geweſt, alles alhie zu Tapiau verbrant in der Ratsſtuben über der Badeſtuben.“ 4) Schr. des HM. an d. Livl. Meifter, d. am T. Dorothea 1506 Fol. 2. 19. 21 *
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324 Innere Landesverwaltung. (1506.) oder wenigſtens ihn ſelbſt noch mehr für das Intereſſe Polens zu gewinnen, denn zu dieſem neigte ſich der Biſchof ohnedieß ſchon hin; allein die noch immer fortdauernde Sterblichkeit im Lande und die große Unſicherheit der Landſtraßen hinderten ihn, des Königes Einladung zu folgen.“ Da dieſen außerdem auch der Einfall der Tataren in Litthauen dort ſehr beſchaͤftigte und dann eine unheilbare Krankheit ihn wenig an Staatsverhaͤltniſſe denken ließ, ſo konnte jetzt der Meiſter eine Zeitlang ſeine Thaͤtigkeit wieder ganz der Landesverwaltung zuwenden. Eine Klagbeſchwerde der auf einer Tagfahrt zu Marienburg verſam⸗ melten Polniſchen Raͤthe uͤber die Beraubung und Mißhandlung eines Elbingers durch eine Raubbande aus dem Ordensgebiete gab dem Meiſter Anlaß, nicht nur die von ihm getroffenen Anordnungen zur Landesſicherheit noch mehr zu ſchaͤrfen, ſondern zugleich auch die Polniſchen Raͤthe aufzufordern, ſich mit ihm zur Berathung uͤber neue zweckmaͤßige Maaßregeln zur gründlichen Vernichtung des verderblichen Unweſens zu ver⸗ einigen, denn darin lag der Grund alles Uebels, daß man nicht einmal im Biſthum Ermland, viel weniger noch in den koͤniglichen Landen Preuſſens nach gleichſtrengen Anordnungen gegen Straßenraub verfuhr.“ Außerdem beſchaͤftigte den Hoch⸗ meiſter auch der Plan, die Alle zu raͤumen, um ſie fuͤr kleine Fahrzeuge ſchiffbar zu machen und ſo von Wehlau aus eine Waſſerverbindung ins tiefere Binnenland zu bewirken.) Auch dem damals noch vorhandenen Salzwerke bei Ponnau widmete er feine Aufmerkſamkeit, ) wie er denn mit gleichem Eifer 1) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Sten T. Epiphan. 1506 Schbl. A. 334. Fol. Z. 21. 2) Ausſchreiben des HM. an d. Gebietiger, d. Donnerſt. nach Converſ. Pauli 1506 Fol. Z. 14. - 3) Schr. der Poln. Näthe an d. HM. d. auf der Tagfahrt zu Marienb. Donnerft. vor Antoni 1506 Schbl. XXVIII. 15. Antwort des HM. an dieſelben, d. am T. Fabian u. Sebaſt. 1506 Fol. Z. 6 —7. 5 4) Fol. Z. 2. 5) S. oben B. VI. 392. Voigt Geſch. Marienb. S. 212 — 213.
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Neue Verhandlungen wegen des Leheneides. (1506.) 325 auch den Handelsftörungen zu begegnen ſuchte, welche immer noch im Verkehre zwiſchen Preußen, Litthauen und Samaiten obwalteten.) Und wie er durch ſolche umſichtige Verwaltung des Landes den Wohlſtand ſeiner Unterthanen wieder mehr zu heben bemuͤht war, ſo ſtellte er es ſich jetzt auch zur Aufgabe, den fittlichen Zuſtand des Ordens, vorzüglich durch eine ſtren⸗ gere Auswahl und Pruͤfung bei der Aufnahme neuer Ordens⸗ glieder in moͤglichſter Reinheit wieder herzustellen; er erklaͤrte es daher unter andern als feſtes Geſetz, daß inskuͤnftige keiner mehr in den Orden aufgenommen werden ſolle, von dem man nicht die genaueſte Kenntniß aller feiner Verhaͤltniſſe eingezogen habe. Nur wenn ihm ſein Bruder Herzog Georg einen Frie⸗ derich Truchſes von Waldburg, der Roͤm. Koͤnig einen Sigis⸗ mund von Lamberg oder andere Fuͤrſten ganz untadelhafte und ehrenwerthe Söhne vornehmer Familien empfahlen oder wenn z. B. Herzog Georg fuͤr die Aufnahme Wolfgangs von Schoͤn⸗ berg, des Sohnes Heinrichs von Schoͤnberg, eines Rathes des Herzogs, dem der Papſt nur dann die Entbindung von ſeiner ehelichen Verpflichtung gegen die Tochter Friederichs von Reitzen⸗ ſtein bewilligen wollte, wenn er oder ſie ſich in einen bewaͤhr⸗ ten Orden begeben wuͤrde, beim Hochmeiſter einkam, geſtand dieſer fie ohne weiteres zu.?) Auch Gelehrten ertheilte er gerne die Erlaubniß, ſich in den Orden einkleiden zu Taffen. ® 5 Kurz vor Oſtern indeß kam eine neue Botſchaft des Kö: niges von Polen an, der abermals nach Laut des paͤpſtlichen Breves ohne Verzug den Lehenseid forderte. ® Der Hochmei⸗ 1) Fol. Z. 22. 23. 32. 33. 42. 2) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen, d. Dresden Donnerſt. nach Katharina 1505 Schöl. B. 399. Antwort des HM. Fol. Z. 16. Schr. des Möm. Königes an d. HM, d. Linz 14 Decemb. 1505 Schbl. Ad. Geſch. L. 30. Andere Schreiben darüber Schbl. B. 393, Fol. Z. 60 — 61. 3) Fol. Z. 26. 4) Die Rede der Poln. Geſandten an d. HM. im Fol. V. 127. 580. Inſtruction für die Abgeordneten nach Livland, d. Donnerſt. nach Miſericord. 1506 Schbl. XXIX 83.
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326 Neue Verhandlungen wegen des Leheneides. (1506.) ſter ließ nach einer Berathung mit ſeinen Gebietigern und den Abgeordneten des Adels und der Städte auf einer Tagfahrt zu Königsberg den König um Aufſchub feiner Antwort bis Pfingſten erſuchen; ) er wurde bewilligt, jedoch mit der Be⸗ ſtimmung, der Koͤnig werde Bevollmaͤchtigte ſenden „die mit dem Meiſter Über die Sache verhandeln ſollten. So gewann dieſer Zeit, ſich nicht nur an feinen Bruder den Herzog Georg zu wenden, um durch dieſen gegen das wiederholte Anfinnen des Koͤniges am Hofe des Rom. Koͤniges die noͤthigen Schritte zu thun, ſondern auch dem Procurator zu Rom den Befehl zu ertheilen, die Geſinnungen des Papſtes genauer auszufor⸗ ſchen, denn noch war er von der Wirkung, welche Maximi⸗ lians Erklarung auf dieſen gemacht, nicht weiter unterrichtet. 3 So ſchweigſam indeß ſich Julius der Zweite theils hieruͤber, theils uͤber ſein Breve uͤberhaupt bewies, ſo gab er dem Orden doch um eben dieſe Zeit darin ein Zeichen ſeiner Gunſt und Zu⸗ neigung, daß er alle feine Beſitzungen von neuem unter den beſondern Schutz des Roͤm. Stuhles nahm, ihm alle feine Pri- vilegien und Freiheiten, die ihm je nur von Päpften, Königen und Fuͤrſten verliehen worden, aufs neue beftätigte, ja ihm ſo⸗ gar, was noch wichtiger war, auch die Erlaubniß und das Recht ertheilte, ſich aller derjenigen Privilegien, Indulte und Indulgentien wieder bedienen zu koͤnnen, welche der Orden in früheren Zeiten erhalten, aber aus Unkenntniß des Rechts nicht in Anwendung gebracht hatte.) Mittlerweile aber hatten ſich 1) Schr. des SM. an d. Livl. Meiſter, d. Donnerſt. nach Ju⸗ dica 1506 u. Ausſchreiben des HM. an d. Gebietiger, d. wie vor, Fol. Z 37 — 38. Die Antwort des HM. an die Poln. Geſandten Fol. V. 131. 2) Schr. des HM. an Herzog Georg, d. Mittw. nach Exaudi 1506 Fol. Z. 55. 61, 3) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Freit. nach Johanni 1506 Fol. Z. 72. 4) Die Beſtätigungsbulle, d. Rome IX Cal. Juli 1506 Schöbl. XV. 2; die zweite Bulle, d. Rome pridie Non. August. 1506 Schbl. XV. 3.
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Kriegsvorbereitungen. (1506.) 327 im Auguſt des Königes von Polen Bevollmaͤchtigte, nament⸗ lich auch der Erzbiſchof von Gneſen und mehre Biſchoͤfe zu einer Tagfahrt in Marienburg verſammelt. Der Hochmeiſter, der dorthin als ſeine Bevollmaͤchtigte den Vogt von Branden⸗ burg Hans von der Gablenz, Herrn Bot von Eulenburg und den Doctor Konrad Schreck geſandt, begab ſich nach Preuſſ. Holland, um den Verhandlungen naͤher zu ſeyn. Waͤhrend man aber auf dem Tage wieder unendlich viel hin und her ſprach, ohne ſich in irgend einem Punkte verſtaͤndigen zu koͤn⸗ nen, Y traf plotzlich die Nachricht ein, daß ber Koͤnig Alexan⸗ der nach langwieriger Krankheit am neunten Auguſt geſtorben ſey. Die Verhandlungen wurden alsbald geſchloſſen. Der Hochmeiſter erließ ſofort an alle Komthure und Pfleger der Graͤnzſchloͤſſer den Befehl, ihre Burgen aufs ſorgſamſte zu bewachen, weil beim Tode des Reichsoberhauptes die Gefahr vor Ueberfällen einzelner raubſüchtiger Haufen aus Polen im⸗ mer doppelt groß war. ? Kaum nach Königsberg zurückgekehrt, ſchrieb der Hoch⸗ meiſter alsbald einen Landtag ſeiner Gebietiger und der Ab⸗ geordneten des Adels und der Städte aus,?) denn bei der Ungewißheit, wer nun zur Krone Polens gelangen und wie der erwählte neue König dann gegen den Orden auftreten werde, waren für Preuſſen fo eilig als möglich die noͤthigen Vorſichtsmaaßregeln und Vorbereitungen einzuleiten. N Die Zeit war jetzt gewiß ungleich gefahrvoller als fie je unter Alexander 4) Die vollſtaͤndige Verhandlung auf dem Tage zu Marienb. im Fol. V. 601 — 617. Schr. des HM. an die Geſandten des Koͤniges in Mariend. d. am T. Timothei 1506 Fol. Z. 94. 97. 2) Schr. des HM. an d. Komthure u. Pfleger v. Soldau, Neiden⸗ burg u. ſ. w. d. Donnerft, nach Aegidii 1506 Fol. 2. 99. 3) Fol. Z. 106. 109. 4) Daß der Papft, wie Baczko B. W. 75 erwaͤbnt, ſich im J. 1506 erboten habe, zur Beförderung des Friedens einen Legaten zu ſenden, die Polen aber dagegen proteſtirt haben ſollen, iſt unrichtig, denn die von Baczko darüber angeführte Urkunde in Dogiel T. IV. 192 — 198 bezieht ſich auf eine viel frühere Zeit.
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328 Kriegsvorbereitungen. (1506.) geweſen, denn je mehr bisher ſchon einer Seits immer ent⸗ ſchiedener auf die Vollfuͤhrung des Friedens, alſo auf Leiſtung des Leheneides gedrungen ward und je feſter anderer Seits der Meiſter entſchloſſen war, den Frieden nie für guͤltig und verbindend anzuerkennen und folglich auch dem Könige ſchlechter⸗ dings keine Huldigung zu leiſten, um ſo mehr ſchien der bal⸗ dige Ausbruch eines Krieges unvermeidlich. Es war demnach nothwendig, alle Kraͤſte des Landes zuſammenzuhalten und alle moglichen Vorbereitungen zur Abwendung eines ſolchen Stur⸗ mes zu treffen. Um dem Meiſter dazu die erforderlichen Geld⸗ mittel zu verſchaffen, ward auf dem Landtage die Erhebung eines allgemeinen Schoſſes durchs ganze Land, ſelbſt auch in den Biſthuͤmern bewilligt und eine genaue Ordnung vorgeſchrie⸗ ben, wie er überall erhoben werden ſolle.) In Koͤnigsberg wurde eine Acciſe auf die eingebrachten Biere gelegt und fuͤr alle Staͤdte eine neue Brauſteuer angeordnet, die freilich nicht bloß manchen Unterſchleif, ſondern auch vielfache Klagbeſchwer⸗ den einzelner Städte zur Folge hatte.) Der Hochmeiſter ſuchte feiner Seits die Handelseinkuͤnfte fo viel als möglich zu vermehren. Da es nicht in feiner Macht lag, dem geftörten Handelsverkehr mit Schweden ſogleich wieder freie Bahn zu eröffnen, fo war er mit Eifer bemüht, eine regere Handels⸗ gemeinſchaſt mit Daͤnemark herzuſtellen und friſches Leben in den Verkehr mit den Hanſeſtädten zu bringen; er erklaͤrte ſich daher ſehr geneigt, die zwiſchen Daͤnemark und Luͤbeck obwal⸗ tenden, auch für den Handel Preuſſens ſehr nachtheiligen Feh⸗ den zu vermitteln und beizulegen, ſobald ihm der Koͤnig, den er darum bat, die geeigneten Mittel und Wege an die Hand geben werde. Er bot ſich daher auch den Luͤbeckern von ſelbſt 1) Ausſchreiben des HM. an die Biſchoͤfe v. Pomeſanien u. Sam⸗ land u. an die Gebietiger und Ordensbeamte, d. Mont. nach Calixti 1506 Fol. Z. 114 — 115. 116 — 120. 2) Das Nähere darüber im Fol. Z. 126. 128 — 130. 3) Schr. d. Koͤniges v. Daͤnemark an d. HM. d. Hundesbeck am T. Margar. 1506 Schbl. E. 68. Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Daͤne⸗ mark, d. Dienſt. nach Luck 1506 Fol. Z. 121.
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Eintheilung des Landes in Wehrdiſtricte. (1506,) 329 als Vermittler an.) Freilich war dieſes Jahr für den See⸗ handel eins der ungluͤcklichſten ſeit langen Zeiten, denn ſeit Menſchengedenken waren ſo viele Schiffe an der Kuͤſte Sam⸗ lands nicht geſtrandet, als im Sommer und Herbſt dieſes Jahres. 2 Die Wahl des neuen Koͤniges von Polen hatte ſich bis gegen Ende des Jahres 1506 hingezogen. Sie fiel auf dem Reichstage zu Petrikau auf des verſtorbenen Königes Bruder, den jungſten Sohn Kaſimirs des Dritten Sigismund, bisheri⸗ gen koͤniglichen Statthalter von Schleſien und der Lauſitz, ? der ſo ſeit vierzehn Jahren der dritte Nachfolger ſeines Vaters ward. Daß auch er, und vielleicht noch nachdruͤcklicher als ſein früher mit dem Orden befreundeter Bruder Alexander, an den Beſtimmungen des ewigen Friedens feſthalten und die Stellung Polens gegen den Orden wohl noch feindſeliger werden wuͤrde, war von ſelbſt zu erwarten, zumal bei der Abhängigkeit des Koͤniges vom Willen der Reichsgroßen. Der Hochmeiſter ſetzte daher auch die vorbereitenden Wehr- und Vertheidigungsanſtal⸗ ten mit allem Eifer fort. Es ward jetzt eine allgemeine Landes⸗ reviſion veranſtaltet, indem der Meiſter mehre ſachverſtaͤndige Ordensbeamte durchs ganze Land, in alle Staͤdte und Doͤrfer ſandte mit dem Auftrage: alle wehrhaften Leute aufzuzeichnen, ihren Harniſch und was ſonſt zur Ruͤſtung noͤthig, genau zu unterſuchen, ebenſo ihre Waffenuͤbung, beſonders bei den Freien und Schultheißen zu prüfen. Die Landesritter wurden aufge⸗ fordert, die Ordensbeamten bei dieſem Geſchaͤft ſo thaͤtig als moͤglich zu unterſtuͤtzen, um es baldigſt zu beendigen. Das ganze Ordensgebiet wurde zu dem Zwecke in finf Wehrdiſtricte oder ſ. g. „Orte“ eingetheilt.) Den erſten bildete das Pome⸗ 1) Schr. des HM, an Luͤbeck, d. Donnerſt. nach Luck 1506 Fol. Z. 122. 2) Der Fol. Z. giebt darüber eine Menge einzelner Faͤlle an weil die Bergung der geſtrandeten Schiffsguͤter eine Sache war, uͤber die an den HM. berichtet werden mußte. 3) Sarnicii Annal. Polon. p. 1200. Schütz P. 415. 4) Anfangs nur in vier Diſtricte. Die Eintheilung in fünf er⸗ folgte bald darauf.
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330 Eintheilung des Landes in Wehrdiſtricte. (1506.) ſaniſche Stiftsland und die Gebiete von Holland, Preuſſiſch⸗ Mark, Oſterode, Mohrungen, Hohenſtein, Soldau, Neiden⸗ burg und Ortelsburg, den zweiten das Natangiſche Gebiet, als Brandenburg, Balga, Eilau und Bartenſtein, den dritten die Wildniß mit den Gebieten Johannisburg, Rhein, Raſten⸗ burg, Seeſten, Löben und Barten, den vierten die Städte Königsberg, den fünften das Stiſt Samland und die Gebiete von Ragnit, Memel, Tapiau, Labiau, Schafen und Lochſtaͤdt. Dieſe Hauptdiſtricte ſollten nach Gutbefinden der beauftragten Ordensbeamten jeder wieder in drei oder vier Unterorte getheilt und jedem einige Hauptleute vorgeſetzt werden, deren Befehlen die Bewohner nach den Anordnungen und Geboten des Hoch⸗ meiſters unbedingten Gehorſam leiſten ſollten. Die Ordens⸗ beamten wurden beauftragt, bei der Landesreviſion auf Pferde, Harniſch und Ruͤſtung der Ritterſchaft, Freien und Schulthei⸗ ßen ihr beſonderes Augenmerk zu richten und jedem, den ſie nicht vollſtaͤndig geruͤſtet faͤnden, ſolches aufs ernſtlichſte zu ge⸗ bieten. Buͤrger und Bauern ſollten mit Seitengewehren, als Degen, Meſſern oder Schwertern und Schweinſpießen bewaff⸗ net ſeyn. Von den kleinen Freien, die nicht mit Pferd und Ruͤſtung dienten, ſollten je vier einen Reiſe⸗ oder Kriegswagen halten. Wer aus Staͤdten und Doͤrſern an die Graͤnze ver⸗ legt werde, ſollte jede Woche eine halbe Mark erhalten, damit die andern um ſo ſicherer im Lande den Feldbau betreiben koͤnnten. In Staͤdten ſollten die Ordensbeamten genau auf die Beſchaffenheit der Stadtbuͤchſen und anderer Wehranſtalten aufmerkſam ſeyn. Im Fall es zum Kriege kaͤme, wurden der Ordensmarſchall und der Biſchof von Pomeſanien zu oberſten Hauptleuten ernannt. Für die ſaͤmmtlichen Wehrdiſtricte aber erfor man noch beſondere Hauptleute und zwar für jeden drei, für den Pomeſaniſchen den Komthur von Oſterode und die Ritter Georg von Dobeneck und Hans von Haubitz, fuͤr den Natangiſchen den Hauskomthur von Balga Klaus von Bach, Wend von Eulenburg und Hans von Tettau, für die Wildniß den Hauskomthur von Königsberg Wilhelm von Schauenberg, Bot von Eulenburg und Dieterich von Schlieben, fuͤr den Se . Fee e
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Eintheilung des Landes in Wehrdiſtricte. (1507.) 331 Samlaͤndiſchen den Hauskomthur von Königsberg Berthold von Altmannshofen, Chriſtoph Roͤder und Dieterich Waißel, und fuͤr den Koͤnigsbergiſchen Hans von der Gablenz, Jacob von Dobeneck und Egloff von Tippelskirch. Damit aber dieſe ganze neue Wehreinrichtung nicht das Mißtrauen der Polen erwecke, ſollte im ganzen Lande bekannt gemacht werden: ſie ziele bloß dahin, etwanige Einfälle der Ungläubigen, der Ruf⸗ ſen, Tataren und Walachen, die bereits Livland und Litthauen ſo ſchwer verheert haͤtten, vom Ordensgebiete abzuwehren, weil man häufig ſchon vor ihnen gewarnt werde.) Als die Ordensbeamten ihr Geſchaͤft der Landesreviſion beendigt, ward mit dem Anfange des Jahres 1507 nach den erwaͤhnten Beſtimmungen vollſtaͤndig die Kriegsordnung ent⸗ worfen und ausgeführt. Es mußten 24 Schlöffer und 20 Städte theils neu, theils ſtaͤrker bemannt werden; 23 Schlöffer und 17 Städte ſollten unbeſetzt bleiben. Zu jenen Beſatzungen bes durfte man eine Streitmacht von 7930 Mann; da ſich nun bei der Landesreviſion eine waffenfaͤhige Mannſchaft von 17,873 gefunden hatte, ſo blieb dem Orden noch eine Heeresmacht von 9943 Mann zum Felddienſte. Zur Anfuͤhrung dieſer Kriegs⸗ leute ſollten Rottmeiſter gewählt werden. Es ward jedem Ges bietiger vorgeſchrieben, ob er in ſeinem Schloſſe bleiben oder wohin er ſich beim Ausbruche des Krieges verfügen ſolle. Der Großkomthur ſollte in Tapiau verweilen, um dort die Ordens⸗ privilegien und die vorhandenen Kleinode des Ordens in Ver⸗ wahrung zu halten. Jede Stadt ſollte in vier Quartiere ge⸗ theilt und in jedem von den Hauptleuten ein Viertels meiſter eingeſetzt werden. Wo Polen wohnten, ſollte man keinem von ihnen eine Wache anvertrauen, auch ihrer ſo wenige als moͤg⸗ lich zur Beſatzung in die Schloͤſſer nehmen. Außerdem wurden 1) Dieſe Inſtruction zur Einrichtung der Wehrordnung befindet ſich am Schluſſe des J. 1506 im Fol. Z. 139 — 142. Wir hören aber aus einer Bemerkung der Kriegsordnung ſelbſt Schbl. LXXV. 67, daß ſchon am Tage Kreuz⸗Erhoͤh. 1506 auf einer Tagfahrt über die Wehrordnung verhandelt worden war.
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332 Paͤpſtl. Breve an d. HM. weg. d. erzbiſch. Coadjutur x. (150 7.) die noͤthigen Vorſchriſten über hinlaͤngliche Verſorgung der Schloͤſſer mit Vertheidigungs⸗ und Wehrmitteln, Kriegsbedarf und Lebensbeduͤrfniſſen feſtgeſtellt. » Zur Beſchleunigung der Einrichtung dieſer Kriegs⸗ und Wehranſtalten war fuͤr den Hochmeiſter außer der Thronveraͤn⸗ derung in Polen gegen Ende des Jahres 1506 noch ein an⸗ derer wichtiger Grund hinzugekommen. Der Papſt Julius der Zweite nämlich hatte in einem Breve ihn aufgefordert: er ſolle, da er ihn zum kuͤnſtigen Erzbiſchofe von Magdeburg erhoben und beftätigt habe, ſich fo bald als möglich an den Ort feiner Reſidenz begeben, um einſt das Erzbiſthum uͤbernehmen und der Verwaltung dieſes Amtes perſoͤnlich vorſtehen zu Fönnen. > In einer Bulle entband darauf der Papſt den Meiſter von allen ſeinen Verbindlichkeiten gegen den Orden und ſprach ihn von allen geiſtlichen Strafen, in die er vielleicht durch die Ab⸗ tretung vom Meiſteramte verfallen koͤnnte, frei, um fein erz⸗ biſchoͤfliches Coadjutor⸗Amt in Magdeburg Übernehmen zu kön⸗ nen; doch ward ihm dabei anheimgeſtellt, das Hochmeiſteramt, ſofern er etwa von den Ordensgebietigern von neuem gewaͤhlt wuͤrde oder nach den Statuten des Ordens und mit Einſtim⸗ mung der Gebietiger auch ohne eine neue Wahl noch ferner Hochmeiſter des Ordens bleiben koͤnne, neben ſeinem erzbifchöf: 1) Das Speciellere Hierüber in der Kriegsordnung ſelbſt Schbl. LXXV. 67. 2) Das Breve, d. Urbin die XXVII Septemb. 1506 Schbl XV. 4. Der Papſt ſagt: Cum nuper te ex nobili prosapia Ducum Saxonie ortum ac militie et ordinis b. Marie Theoton, magnum Magistrum ex certis causis Coadjutorem perpetuum et irrevocabilem venerabili fratri nostro Ernesto Archiepiscopo Magdeburgen. de consensu dilectorum Kiliorum Capituli ecelesie Magdeburgen, de fratrum nostrorum consilio auctoritate apostolica deputaverimus et constituerimus ac de persona tua eidem ecelesie, cum vacaret prout extunc et econtra similibns consilio et auctoritate providerimus: teyne illi prefecerimus in Archi- episcopum et pastorem, Nos cupientes etc. Der Papſt gebietet dann dem HM. : ut si non prius saltem quamprimum — ad prefatam eccle- siam te conleras et assidue resideas personaliter apud illam.
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Buͤndniß mit dem Meiſter v. Livland. (1507.) 333 lichen Amte forthin noch beibehalten zu duͤrfen, ohne daß da⸗ durch den Privilegien und Rechten des Ordens im mindeſten Eintrag geſchehen oder dem Hochmeiſteramte in ſeinen geiſt⸗ lichen und weltlichen Rechten irgend etwas entzogen werden ſolle.) Da Friederich aber ſchon bei der Annahme der Co⸗ adjutur ausdrücklich die Bedingung geſtellt, das Hochmeiſter⸗ amt ohne Eintrag der Rechte und Privilegien des Ordens auch fernerhin verwalten zu duͤrfen, ſo bedurfte es jetzt weder einer neuen Wahl noch einer wiederholten Einwilligung der Gebie⸗ tiger. Des Papſtes Befehl rief ſomit den Meiſter nach Deutſch⸗ land und er folgte wohl auch, wie es ſcheint, aus manchen andern Gründen dieſem Rufe gerne. Es war jedoch nothwen⸗ dig, vor feiner Abreife mit dem Meiſter von Livland wegen der dem Lande drohenden Gefahren noch eine perſoͤnliche Be⸗ rathung zu halten. Da man indeß Nachricht erhielt, daß in Samaiten, wo die Kriegsanſtalten im Ordensgebiete bald bez kannt geworden waren, alles mit Kriegsruͤſtung beſchaͤftigt ſey, fo mußte der Hochmeifter zuvor einen Wehrhaufen von ſechs⸗ hundert Mann um ſich verſammeln und mit allem Noͤthigen verſorgen laſſen, weil er ohne ein ſolches Geleite es nicht wa⸗ gen durfte, ſich den Graͤnzen Samaitens zu nahen. 3) Dieſer 1) Dieſe wichtige Bulle, d. Imole undecimo Calend. Novembr. 1506 Schbl. XV. 5. 2) Fol. V. 527. Nach einer Inſtruction des DM. an d. Sands komthur v. Marburg Schbl. 98 nro 68 billigte der DM. die Annahme der Coadjutur keineswegs; er erklart ausdrücklich, fie ſey ohne fein Wiſſen geſchehen. An den Meiſter v. Livland hatte Herzog Georg von Sachſen einen Botſchafter mit dem Geſuche geſandt, dem HM. zur Annahme der Coadjutur feine Beiſtimmung nicht zu verſagen, in⸗ dem er zugleich alle Vortheile auseinander ſetzt, die dem Orden aus der Verbindung des Hochmeiſteramtes mit dem erwähnten hohen geiſt⸗ lichen Amte erwachſen konnten; die Schrift darüber Schbl. XXIX. 80. 3) Schr. des HM. an d. Komthur v. Memel, d. am T. Lucid 1506 Fol. Z. 138. 145 — 146. Schr. des Komthurs v. Memel an d. HM. d. Memel Donnerſt. nach Octava Epiphan. 1507 Schbl. LXX. 58.
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334 Buͤndniß mit dem Meiſter v. Livland. (1507.) Umſtand und ein abermaliges, faſt den ganzen Winter hin⸗ durch herrſchendes außerordentliches Menſchenſterben, welches beſonders die Gegenden von Rhein, Johannisburg und dort umher ſehr entvoͤlkerte,“ verzoͤgerten die Zuſammenkunft mit dem Livlaͤndiſchen Meiſter bis in den Maͤrz, wo ſie in Memel Statt fand. Nach vielfachen Berathungen über die Verhaͤlt⸗ niſſe des Ordens zu Polen ward beſchloſſen: man wolle ſich zur Begegnung der taͤglich drohenden Gefahren in Preuſſen von Seiten Polens und in Livland von Seiten der Ruſſen zu einem gegenfeitigen Huͤlfsbuͤndniſſe vereinigen und dazu auch den Erzbiſchof von Riga und die Biſchoͤfe in Livland und Preuſſen zu Rath und Beihuͤlfe gewinnen. Um dem Orden in Livland zu ſeinem Kampfe gegen die Ruſſen mehr Mittel zu verſchaffen, ſolle der Hochmeiſter die Kurfuͤrſten und andere Reichsfuͤrſten mit der Bitte angehen, auch in ihren Laͤndern das dem Orden in Livland vom Papſte bewilligte Jubilaͤum und die damit verbundenen Indulgentien verkuͤndigen zu laſſen. Da das Buͤndniß Livlands mit Litthauen noch vier Jahre und der Beifriede mit den Ruſſen noch zwei Jahre dauerten, fo ſolle der Meiſter ohne des Hochmeiſters Rath in kein Buͤnd⸗ niß weiter eingehen, aber den Beifrieden mit den Ruſſen treu halten. Werde der König von Polen es unternehmen, Preuſ⸗ ſen zu uͤberfallen, ſo ſolle der Meiſter von Livland die Litthaui⸗ ſchen Praͤlaten und Landesherren an ihren Frieden mit dem Orden erinnern laſſen; wuͤrden ſie ihn nicht halten und den Polen Beiſtand leiſten, ſo ſolle der Meiſter dann auch gegen ſie verfahren, wie es ſich gebuͤhre. So viel beſtimmte man vorlaͤuſig uͤber die auswaͤrtigen Verhaͤltniſſe. In Betreff der innern Angelegenheiten kam es zur Sprache, daß im vergan⸗ genen Kriege das Ordensgeſetzbuch in mancher Laien Haͤnde gekommen ſey. Man fand daher fuͤr gut, daß der Hochmeiſter 1) Schr. des Ordenstrappiers Rudolf v. Tippelskirch an d. HM. d. Rhein Sonnt. nach Beſchneid. Chr. 1507 u. Schr. des Pflegers zu Johannisburg Georg v. Kalwitz an d. HM. d. Johannisburg Mont. nach Dorothea 1507 Schbl. LXX. 59. 61.
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König Sigismund v. Polen. (1507.) 335 „aus Macht feiner Obrigkeit“ das Ordensbuch erneuern und zum Theil die Geſetze und Gewohnheiten veraͤndern ſolle, jedoch erſt nachdem er die vorzuſchlagenden Veränderungen den beiden Meiſtern von Deutſchland und Livland mitgetheilt, dieſe ſie mit ihren Gebietigern in Berathung gezogen und die Verbeſſerungen gebilligt haben wurden. Dann ſollten drei gleichlautende Ab⸗ ſchriften angefertigt und mit der beiden Meiſter Siegeln verſehen werden, die eine für Preuſſen, die beiden andern fuͤr Deutſch⸗ land und Livland, und aus dieſen ſolle man dann die uͤbrigen erforderlichen Abſchriften nehmen. In der Geſinnung des neuen Koͤniges von Polen aber hatte ſich der Hochmeiſter keineswegs getaͤuſcht. Anfangs zwar ſuchte er vorſichtig ſeine Abſichten gegen den Orden zu verber⸗ gen, ſo daß der Herzog Georg von Sachſen, gegen den er ſich ausſprach, wohl glauben konnte, man werde von Polen aus die Ruhe des Ordens nicht weiter ſtoͤren;? zuerſt waren es auch nur einzelne Klagen, mit denen er gegen den Hochmeiſter auftrat, daß des Ordens Graͤnzunterthanen in das koͤnigliche Gebiet bei Ploczk einbrächen, den dortigen Bewohnern großen Schaden zufügten, ihnen die Wieſen abmaͤhten, die Wälder aushauten, Dorfbewohner gewaltſam hinwegſchleppten u. ſ. w.“ Bald indeß erfolgten ungleich nachdruͤcklichere Forderungen, denn ſchon im April machte er in einer Antwort an den Mei⸗ ſter die Leiſtung des Huldigungseides in einer ſo entſchiedenen und faſt drohenden Sprache zur unerlaͤßlichen Bedingung des 1) Receß über den zu Memel gehaltenen Berathungstag, d. Sonnab. nach Laͤtare 1507 Schbl. XXIX. 50. Wir erfehen daraus, daß von der Landesordnung, welche Pauli B. IV. 384 u. Baczko B. IV. 75 — 76 auf dieſem Tage entwerfen laſſen, keineswegs die Rede war. Wir hörten bereits, daß fie mehre Jahre früher verfaßt wurde. 2) Schr. des Herzogs Georg an d. HM. d. Dresden Streit. nach Quaſimodogen. 1507 Schbl. B. 368; er räth jedoch zur moͤglichſten Vorſicht in den Polnif. Angelegenheiten. 3) Schr. des Koͤniges Sigismund v. Polen an d. HM. d. Cra- covie feria II post domin. Laetare 1507 Schbl. XXV. 7 (a).
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336 Reiſe des HM. nach Deutſchland. (1507.) Friedens zwiſchen beiden Landen, daß beinahe jeden Tag ſchon ein feindlicher Einfall ins Ordensgebiet zu befürchten war und der Hochmeiſter ſchon noͤthig fand, den Schutz des Rom. Kö: niges in Anſpruch zu nehmen, mit der Bitte: er möge eiligſt den Kurfuͤrſten Joachim von Brandenburg und den Herzog Boguslav von Pommern durch einen Reichsbefehl auffordern, dem Orden, ſobald die Krone Polens irgend mit Gewalt gegen dieſen auftreten werde, ſofort mit kräftiger Huͤlſe bei⸗ zuſtehen;“ und da Friederich bald darauf vernahm, daß Kö: nig Sigismund eine Botſchaft an den Röm. König ſenden wolle, ſo erneuerte er an dieſen die dringendſte Bitte, den Or⸗ den in ſeiner Bedraͤngniß nicht zu verlaſſen, ſondern alles an⸗ zuwenden, daß die Streitſache mit Polen wo moͤglich noch auf gütlichem Wege beigelegt werde.“ Mit einem gleichen Geſuche ging ein Sendbote an den Kurfünſten von Brandenburg, deſſen Gunſt ſich der Meiſter zugleich durch Ueberſendung einiger ſchoͤner Roſſe, eines Wettrenners, eines weißen Bernſtein⸗Paternoſters und einiger andern Geſchenke zu gewinnen bemüht war. 5) Jetzt beſchleunigte aber Friederich ſeine Abreiſe nach Deutſch⸗ land um ſo mehr, da er ſah, daß dort ſeine perſoͤnliche An⸗ weſenheit zur Huͤlfsleiſtung fuͤr den Orden durchaus nothwendig ſey. Nachdem er alle noch noͤthigen Vorkehrungen zur Ab⸗ wendung kriegeriſcher Gefahren getroffen, Staͤdte und Schloͤſſer in wehrhaften Stand geſetzt und mit allen Beduͤrfniſſen verſorgt, 1) Schr. des HM. an d. Roͤm. Koͤnig, d. Mont. nach Quaſi⸗ modogen. 1307 Fol. Z. 485. Der HM. ſagt, daß er „teglich uͤber⸗ fals von der Cron zu Polan in des ordens lande zu Prewſen gewarnet werde, aus urſachen, das ich mich nicht in underthenigkeit der Cron zu Polan geben und den uncriſtlichen vertrag ſchwoͤren will, als mir auch E. Fon. Maj. ſolches zu thun verbothen.“ 2) Schr. des HM. an d. Roͤm. König, d. Freit. nach Quaſi⸗ modogen. 1507 Fol. Z. 485. 3) Schr. des HM, an d. Kurfürſten v. Brandenburg, d. Dienſt. nach Jubilate 1507 Fol. Z. 488. 4 Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. Donnerſt. nach Reminiſ. 1507 Fol. Z. 487.
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Reiſe des HM. nach Deutſchland. (1507.) 337 auf mehren Tagfahrten mit den Praͤlaten des Landes, den vornehmſten Gebietigern und geiſtlichen und weltlichen Rathen auch die nothwendigen Anordnungen in Betreff der Landes⸗ verwaltung berathen und beſchloſſen, und endlich auch den drei Städten Königsberg dadurch einen Beweis feiner Huld gegeben hatte, daß er ihnen die dem Orden in ihnen zu⸗ ſtehende hohe und niedere Gerichtsbarkeit mit der Hälfte der Gerichtsbußen auf drei Jahre einräumte, ? brach er Mittwochs nach Pfingſten, am 26. Mai von Königsberg auf. ? In Preufs ſiſch⸗Mark und Marienwerder, wo er mehre Tage verweilte, ernannte und bevollmaͤchtigte er als ſtellvertretende Landesver⸗ walter während feiner Abweſenheit die beiden Biſchoͤfe Hiob von Pomeſanien und Guͤnther von Samland, den Großkom⸗ thur Simon von Drahe und den Ordensmarſchall Grafen Wil⸗ helm von Eiſenberg, indem er zugleich alle uͤbrigen Gebietiger, Komthure und Ordensbeamte zu puͤnktlichem Gehorſam gegen ſie verpflichtete.) Sie hießen Regenten des Landes. Als Rath ordnete ihnen der Hochmeiſter auch den in der Geſchaͤftsſuͤhrung eben ſo gewandten, als um den Orden ſchon vielfach verdien⸗ ten Hans von Schönberg zu fernerem Dienſte zu) Von Preuſſiſch⸗Mark zeigte er nun auch dem Koͤnige von Polen, ſowie der Herzogin Anna von Maſovien ſeine Reiſe nach Deutſch⸗ land an, bat beide um gnaͤdige und guͤtige Geſinnungen gegen den Orden und erſuchte zugleich den erſtern um Antwort auf die im vorigen Herbſt zu Marienburg gepflogenen Verhandlun⸗ gen ihrer beiderſeitigen Bevollmaͤchtigten. ) Allein er erwartete ſie vergebens. Ueber Stettin reiſend, wo er aber zu ſeinem 1) Darüber Fol. Z. 391. 2) Urkunde des HM. d. Mont. nach Kreuz » Erfind. 1507 Schöl. LVII. 34. 3) Fol. Z. 391. 7 4) Die Ernennung und Bevollmächtigung der Landes⸗ Regenten, d. Marienwerder Mont. nach Trinitat. 1507 Fol. Z. 391 — 392. 5) Fol. Z. 393. 6) Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Polen, d. Preuſſ. Mark Sonnab. nach Pfingſt. 1507 Fol. Aa. 1 u. Fol. Z. 411 — 424. IX. 22
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338 Reiſe des HM. nach Deutſchland. (1507.) Bedauern den Herzog von Pommern nicht anweſend fand, kam er am funfzehnten Juni in Berlin an und ward vom Kurfuͤrſten Joachim mit großer Freundlichkeit empfangen. Da dieſer ihm den Rath ertheilte, ſich ſchleunigſt auf den Riichstag nach Koſtnitz zu begeben und dort beim Roͤm. Könige an ihn und den Herzog von Pommern einen Reichsbefehl auszuwirken, damit ſie, ſofern der Koͤnig von Polen gegen den Orden mit Gewalt verfahren wolle, ſogleich mit ihrer Macht gegen ihn auftreten koͤnnten, ) fo eilte Friederich nach Dresden, fand dort aber ſeinen Bruder nicht anweſend, denn dieſer hatte den Reichstag zu Koſtnitz beſucht.) Er nahm indeß Anſtand, ſeine Reiſe weiter fortzuſetzen, theils weil er hoͤrte, der Reichs⸗ tag ſey eben im Begriff ſich aufzulöfen, theils weil ihm fein Bruder fein Erſcheinen dort ausdruͤcklich widerrieth.) Er er⸗ ſuchte dieſen jedoch aufs dringendſte, während feiner Anweſen⸗ heit bei dem Könige dieſen zu irgend einem entſcheidenden Schritte zu gewinnen, zumal da er vernahm, daß Sigismund einen Botſchafter mit anſehnlichen Geſchenken an Maximilian ſenden werde, um ihn wo möglich für feine Sache guͤnſtiger zu flimmen; ® und weil jener trotz der Erklärung des Roͤm. Koͤniges ſich bei ſeiner Forderung des Lehenseides dennoch wie⸗ der auf das früher erwähnte paͤpſtliche Breve berufen hatte, ſo trug der Hochmeiſter zugleich auch dem Ordensprocurator 1) Bericht des MH. im Fol. Z. 401. 495. Schr. des HM. an d. Markgrafen Joachim, d. in der Octava Corpor. Chr. 1507 u. Schr. deſſelb. an d. Herzog v. Pommern, d. Stettin am T. Barnabaͤ 1507 Fol. Aa. 2, wonach der HM. beiden Fuͤrſten ſeine Reiſe nur als einen bloßen Beſuch bei feinem Bruder Herzog Georg vorſtellte. Ueber ſeine Ankunft in Berlin Fol. Aa. 3. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. am T. Mar⸗ gar. 1507 Fol. Aa. 4. Spulatin, de Iiberis Alberti ducis ap. Mencken T. II. p. 2144. 3) Bericht des HM. Fol. Z. 401. 495. 4) Schr. des HM. an Herzog Georg, d. am T. Maria Magdal. 1507 u. Schr. deſſ. an die Regenten in Preuſſen, d. ebenſo, Fol. Aa. 9—1. —
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Reiſe des HM. nach Deutſchland. (1507.) 339 in Rom auf, dort mit Huͤlfe der dem Orden geneigten Kar⸗ dinaͤle alles anzuwenden, um beim Papſte ein anderes Breve auszuwirken.) Wie es aber in Rom durchaus nicht gelingen wollte, dieſen zu einer Aenderung ſeines einmal gethanen Schrittes zu bewegen, ſo zog ſich auch in Deutſchland alles in die Laͤnge. Herzog Georg ließ es zwar waͤhrend ſeiner lan⸗ gen Anweſenheit beim Rom. Könige keineswegs an Eifer feh⸗ len, ihn theils über die Streitſache gründlich zu unterrichten, theils auch ihn zu bitten, die Entſcheidung des Streites ſelbſt zu übernehmen oder eine Vermittlung einzuleiten; ? allein Maximilian war viel zu ſehr mit andern Reichsangelegenheiten beſchaͤftigt, als daß nicht der Hochmeiſter und ſein Bruder ſich nur darauf haͤtten beſchraͤnken muͤſſen, vorerſt nur das Inter⸗ eſſe für die Sache des Ordens bei ihm rege zu erhalten und ihm entſcheidende Schritte anheimzuſtellen.) Dazu kam, daß wirklich Botſchafter des Polniſchen und Ungeriſchen Koͤniges bei ihm erſchienen und viel mit ihm verhandelten, ohne daß es dem Hochmeiſter gelingen konnte, den Röm. König zu einer Mittheilung über dieſe Verhandlungen zu bewegen. Darüber immer beſorgter geworden, die beiden Koͤnige von Polen und Ungern möchten am Hofe des Roͤm. Koͤniges irgend welche nachtheilige Plane gegen den Orden durchzuführen ſuchen, ® haͤtte ſich der Hochmeiſter uͤber dieſe Verhaͤltniſſe und die etwa nothwendigen Schritte gerne mit dem Deutſchmeiſter berathen; allein dieſer lag lange Zeit „an den Franzoſen“ krank und 1) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Donnerſt. nach Jacobi 1507 Fol. Aa. 13. 14. 2) Bericht des HM. Fol. Z. 402. 496. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Donnerſt. nach Laurent. 1507 u. Schr. deſſelb. an d. Roͤm. König, d. Donnerſt. nach Aſſumt. Mariä 1507 Fol. Aa. 16. 21 — 22. 4) Schr. des HM. an Sigismund von Pflug, d. Mont. nach Mauritii u. Donnerſt. nach Dionyſ. 1507 Fol. Aa. 24. 27. Sigie⸗ mund v. Pflug war der Kanzler des Herzogs Albrecht, des Vaters des HM., ſ. Langenn Herz. Albrecht u. ſ. w. S. 190. 22 ** 52
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340 Verhandlungen in der Poln. Streitſache. (150).) konnte deshalb auf dem anberaumten Tage zu Marburg nicht erſcheinen. ) Die Beſorgniſſe des Meiſters wurden durch das, was mittlerweile in Preuſſen geſchah, bald noch vermehrt. Die Klagen des Koͤniges von Polen gegen die Regenten nahmen dort kein Ende; bald ſollten Polniſche Handelsleute auf dem Ordensgebiete gemißhandelt, bald feine Graͤnzunterthanen irgend⸗ wie beunruhigt oder beraubt worden ſeyn, bald wollte er erfah⸗ ren haben, daß jeder, der Polen zu befeinden und zu befehden Luſt habe, von den Ordensbeamten immer gerne aufgenommen, gehauſt und gehegt werde. Die Regenten erklaͤrten ihm nun zwar: das ſey Verleumdung, von Abgoͤnnern des Ordens er⸗ ſonnen, um gegen dieſen aufzuhetzen, der Hochmeiſter habe die ſtrengſten Vorſchriften gegen alle die erlaſſen, welche die Krone Polens irgendwie verletzen oder deren Unterthanen beleidigen winden und man fuͤhre ſeine Befehle auch mit aller Strenge der verhaͤngten Strafen aus u. ſ. w.“ Allein der König er⸗ wiederte: das ſeyen alles bloß ſchoͤne Worte; er höre fort und fort, daß immer wieder Raͤuberhaufen aus dem Ordens⸗ gebiete in die koͤniglichen Lande einſielen, Mord, Brand und Raub uͤbten und dann die Beute in Oidensſtädte zuruͤckbraͤch⸗ ten; dieſem Unweſen muͤſſe durchaus durch Fräftigere Maaß⸗ regeln geſteuert werden.“) Er beſchuldigte aber auch bald die Ordensbeamten ſelbſt allerlei Frevelthaten an ſeinen Graͤnz⸗ 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Dienſt. nach Aller Heilig. 1507 Fol. Aa. 24. Ueber die Krankheit des DM. ſchreibt der HM. dem Biſchofe v. Pomeſanien: „Wir hatten uns auch mit dem Envirdigen unſerm Oberſten Gebietiger teutſcher und welſcher lant gen Margkburg betagt, als iſt er mit ſwacheit feines leybs als nemlich an den fran⸗ zoſen beladen.“ Wie wir aus einer Inſtruction des DM. für den Landkonithur v. Marburg Schbl. 98 nro 68 erſehen, billigte der DM. des HM. Reiſe nach Deutſchland uͤberbaupt nicht. 2) Schr. der Regenten v. Preuſſen an d. Koͤnig v. Polen, d Dienft. nach Franciſci 1507 Fol. Z. 412. 3) Schr. des Königes v. Polen an die Regenten, d. Grodno fe- ria II in crastino s. Luce 1507 Schbl. XXV. 6.
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Verhandlungen in der Poln. Streitſache. (1507.) 341 unterthanen und drohte im ſtrengſten Ernſte mit nachdruͤcklicher Vergeltung, wenn ſolchen Mißhandlungen nicht Einhalt ge⸗ ſchehe.) Die Regenten erneuerten und ſchaͤrften die Vorſchrif⸗ ten des Hochmeiſters; es ward bei Todesſtrafe verboten, einen Frevler, der das Polniſche Gebiet beunruhige oder die offene Straße unſicher mache, zu herbergen oder irgendwie zu unter⸗ ſtutzen.) Indeß der König klagte nur, um zu klagen. Wes⸗ halb er aber klagte, verrieth bald eine Geſandtſchaft, die er an die Regenten in Preußen abfertigte, denn ſie wiederholte nicht nur alle bisher gefuͤhrten Beſchwerden, ſondern legte auch den Regenten in des Koͤniges Namen geradehin die Frage vor: ob ſie fortan mit Polen Friede und nachbarliche Freundſchaft halten wollten oder nicht? Dann aber forderte ſie auch: die Regenten ſollten anſtatt und im Namen des Hochmeiſters den ewigen Frieden beſchwoͤren und den Huldigungseid leiſten. Die Regenten, wohl einſehend, wo der Koͤnig hinaus wollte, er⸗ klaͤrtten offen: wegen der Anklagen, Beſchuldigungen und Ver⸗ leumdungen beim Könige winden fie an ihn eine Geſandtſchaft erlaſſen, um ihm durch dieſe ihre Unſchuld und ihr redliches Verfahren klar an den Tag zu legen; Friede und nachbarliche Freundſchaft mit der Krone Polens haͤtten immer in ihren Wuͤnſchen gelegen; ſie ſuchten ſolche auch fort und fort, denn der Hochmeiſter habe ſie ihnen ausdruͤcklich anempfohlen; was aber die Beſchwoͤrung des ewigen Friedens in des Meiſters Abweſenheit anlange, ſo ſey ſolche nicht in ihrer Vollmacht begründet; ſonach koͤnnten fie hierin auch des Königes Befehl nicht befolgen; doch würden fie die Sache weiter an den Mei⸗ fer berichten. ® 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an die Regenten, d. Grodno fe- ria V post festum onmium Sauctor. 1507 Schbl. XXV. 7. 2) Ausſchreiben der Regenten, d. Donnerſt. nach Michaelis 1507 Fol. Z. 448. 5 3) Die Inſiruction der Poln. Geſandten und die Antwort der Re⸗ genten Fol. Z. 416 — 418.
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442 Verhandlungen in der Poln. Streitſache. (1507.) So war die Lage der Dinge in Preuſſen, als der Hoch⸗ meiſter die Nachricht erhielt: der Roͤm. Koͤnig und Wladislav König von Ungern hätten es übernommen, die Streitſache zwiſchen Polen und dem Orden auszugleichen; es ſolle deshalb im April naͤchſtes Jahres ein Verhandlungstag zu Breslau gehalten und von beiden Koͤnigen bevollmaͤchtigte Unterhaͤndler, ſowie vom Orden und dem Koͤnige von Polen bevollmaͤchtigte Botſchafter dorthin geſandt werden; koͤnne man ſich dann nicht vereinigen, ſo ſolle zwiſchen den Bevollmaͤchtigten noch ein zweiter und noͤthigen Falls auch noch dritter Berathungstag Statt finden, auf welchen die Parteien alle ihre Irrungen und Streithaͤndel vorlegen ſollten; ſchluͤgen aber alle Mittel einer guͤtlichen Ausgleichung fehl, fo ſollten die Raͤthe der bei⸗ den Koͤnige die Sache zu deren endlichem rechtlichem Austrage bringen, um fernere Ausbruͤche der Feindſchaft zu verhuͤten. Bis dahin ſollten ſich daher auch beide Parteien aller Beleidi⸗ gungen und Gewaltthaten aufs ſtrengſte enthalten.) Der Hochmeiſter voll erfreulicher Hoffnungen meldete dieß ſofort den Regenten in Preuſſen mit der ernſten Weiſung, mit aller Sorgfalt darauf zu ſehen, daß man ſich uͤberall gegen den Koͤnig von Polen und deſſen Unterthanen in jeder Weiſe gut⸗ willig und freundnachbarlich bezeige, vor allem aber aufs aller: ſtrengſte zur Sicherheit der Landſtraßen und zur gaͤnzlichen Vertilgung der Raubfehden auf die von ihm gegebenen Vor⸗ ſchriſten zu halten.?) Mittlerweile benutzte der Hochmeiſter die Zeit, auch in ſeiner weiten Entfernung manche zweckmaͤßige Anordnung in Ruͤckſicht der Landesverwaltung in Preuſſen feſtzuſtellen und zugleich auch ſeine Aufmerkſamkeit mehr den innern Verhaͤlt⸗ 1) Die Beſtimmungen des Roͤm. Königes, die er mit dem Bot: ſchafter des Koͤniges von Ungern, dem Biſchofe Johannes von War⸗ dein entworfen, im Fol. Z. 414 — 415. 2) Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. Freit. nach Aller Heilig. 1507 u. Schr. deſſelb. an die Regenten, d. Freit. nach Martini 1507 Fol. Aa. 30. 32.
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Innere Landes⸗ und Ordensverhältniſſe. (1507.) 343 niſſen des Ordens zuzuwenden. Zwar gab er von dort aus auch Befehle, wie es mit der Jagd, mit den Jagdhunden u. d. gl. gehalten werden ſolle; er ließ ſich ſogar bis nach Sachſen Jagdhunde aus Preuſſen nachbringen und forderte den Groß⸗ komthur mehrmals auf, ihm Berichte uͤber das Jagdweſen abzuſtatten. ) Allein er verfäumte darüber auch das Ernſtere und Wichtigere nicht. Er gab von dorther dem Ordensmarſchall und dem Großkomthur mehrmals zweckmaͤßigen Rath an die Hand, wie die Landeseinkuͤnſte am beſten verwendet, Handel und Wandel befördert werden müßten u. ſ. w. Er trug ferner beiden auf, mit gebuͤhrender Strenge in den Konventen auf die vorſchriftsmaͤßige Abhaltung des Gottesdienſtes, auf gute Hausordnung und überhaupt auf ſittliches und geziemendes Verhalten der Ordens bruͤder zu achten. 2) Der Ordensmarſchall Graf Wilhelm von Eiſenberg ſah indeß wohl ein, daß es mit bloßen Vorſchriften, Ermahnungen und Geboten nicht abgethan ſey; er hatte das Grunduͤbel laͤngſt erkannt, woran der Orden ſo tief und ſchwer erkrankt war und wodurch die alte ſtrenge Ordnung und Disciplin ihre Auflöfung erhalten hatte. „Der Eigennutz, erklärte er offen, iſt die Urſache der ganzen Zenit tung unſeres innern geordneten Weſens; durch ihn wird unfe⸗ rer Aller Eintracht, Ehre und gemeine Wohlfahrt zerſtoͤrt. Davon alſo muß unſere Aenderung ausgehen.“ Er trug 1) Schr. des Großkomthurs an d. HM. d. am Abend Viti u. Mo: deſti 1507 Fol. Z. 393. Schr. des HM. an d. Großkomthur u. den Ord. Marſchall, d. Freit. nach Martini 1507 Fol. Aa. 34—35. 2) Schr. des HM. an die erwähnten Gebietiger a. a. O. 3) Wir erfahren durch eine Inftruction des DM. Schbl. 98 nro 68, daß er ſich beim HM. darüber beklagen läßt, „wie Perſonen des Or: dens in das gebiet oder gehorſam gen Preußen gehoͤrig, geld hieraußen in dieſen landen angelegt haben und noch mer in arbeit ſeyn, geld anzulegen.“ Er fuͤgt hinzu, es ſey doch ſeltſam, daß man von Preuſ⸗ fen aus immer Huͤlfe und Unterſtuͤtzung von dem Orden in Deutſchland verlange, wahrend die Ordensbruͤder aus Preuſſen ihr Geld in Deutſch⸗ land unterzubringen ſuchten.
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Pr 2 344 Innere Landes: und Ordensverhaͤltniſſe. (1507.) feine Anſicht, wie ſowohl dem Orden als dem Lande aus ihrer Geſunkenheit wieder aufzuhelfen ſey, auch den Gebietigern in einer Verſammlung Öffentlich vor; außer der Aufhebung alles Eigenthums und Beſitzes im Orden ſelbſt, meinte er, müffe die Streitſache mit Polen in der Art verhandelt und beigelegt werden, daß alle zweideutigen Beſtimmungen vollig unterblieben und die Gegner des Ordens es nicht mehr wagen koͤnnten, zwiſchen dem Orden und feinen Unterthanen Saamen der Zwie⸗ tracht auszuſtreuen; ferner muͤſſe man durch alle Mittel die Ehre des Ordens gegen die Beſchuldigung ſchuͤtzen, daß er in ſeinem Lande Räuber und Landesfrevler hege und beguͤnſtige, und endlich muͤßten eine Anzahl Schloͤſſer auserleſen werden, die man zur Sicherheit des Landes aufs moͤglichſte befeſtige und mit Bebürfniffen aller Art vollſtaͤndig verſorge. Graf Wilhelm von Eiſenberg genoß unter allen Ordensgebietigern eine zu hohe und ausgezeichnete Achtung, als daß man nicht alle erwaͤhnten Punkte in ihrer großen Wichtigkeit in ſorgſamſte Berathung genommen haͤtte. Ueber den erſten in Betreff des Eigenthums mußte vor allem die Stimme des Hochmeiſters vernommen werden; dann ſollte eine weitere Verhandlung daruͤber erfolgen. Was den zweiten, die Streitſache mit Po: len betraf, ſo ſtimmte man allgemein darin uͤberein: der ewige Friede koͤnne und dürfe weder vom Hochmeiſter noch von den Gebietigern jemals wieder beſchworen werden; man müffe zu⸗ erſt noch eine guͤtliche Ausgleichung verſuchen und wenn dieſe nicht gelinge, auch einen Krieg nicht ſcheuen. In Rüuͤckſicht der Beſchuldigung wegen Hegung von Räubern und Landes⸗ frevlern beſchloß man, in einem ausführlichen Schreiben an den Koͤnig, an die Praͤlaten, Woiwoden, Staroſten, großen und kleinen Städte des Ordens Schuldloſigkeit klar und offen darzulegen. Der letzte Punkt endlich wegen Befeſtigung einer Anzahl von Schloͤſſern mußte ebenfalls einer weitern Beſchlie⸗ zung anheimgeſtellt bleiben; jedoch wurden der Ordensmarſchall und der Biſchof von Pomeſanien beauftragt, vor allem eine
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Innere Landes⸗ und Ordensverhaͤltniſſe. (1507.) 345 Viſitation der Schlöffer anordnen zu wollen und vorläufig auch fie das noͤthige Geſchoß, Harniſch u. d. gl. zu ſorgen. An eine Rückkehr des Hochmeiſters war vorerſt noch nicht zu denken. Sein Bruder Georg hatte ihm, da eine baldige Beendigung der Unterhandlungen gar nicht zu erwarten war, das Schloß zu Weißenſee eingeräumt, wohin er zu feiner haͤuslichen Einrichtung aus Preußen ſein Silbergeſchirr und vieles andere kommen ließ, namentlich auch Zobelpelze, Bern⸗ ſtein⸗Paternoſter, Falken, ſelbſt ein Stück „von unſers Herrn Gottes Rock“ u. dgl., womit er die wichtigſten Reichsfuͤrſten und andere Gönner des Ordens zu beſchenken und fin ſich zu gewinnen gedachte.) Von dort aus beſuchte er auch den Erzbiſchof von Magdeburg Herzog Ernſt und ward von ihm durch das Verſprechen erfreut: „er werde mit dem Domkapitel keine Mittel ſparen, um die Sache des Ordens in jeder Weiſe zu fordern.) Vor allem aber war der Meiſter jetzt eifrigſt be⸗ muͤht, bei den Fürſten ſowohl als bei dem Adel in Deutſch⸗ land die allgemeinſte Theilnahme und das Intereſſe fuͤr den 1) Die Verhandlungen im Fol. Z. 441 — 443. Am Schluſſe wer⸗ den alle Anweſenden, die an den Verhandlungen Theil genommen, genannt und wir lernen bei dieſer Gelegenheit die meiſten Gebietiger in Preuſſen kennen, naͤmlich Simon v. Drahe Großkomthur, Graf Wilhelm v. Eiſenberg Ordensmarſchall, Rudolf v. Tippelskirch Ober⸗ ſter Trappier u. Komthur zu Rhein, Jordan v. Birkenrode Komthur zu Oſterode, Michael v. Schwaben Komthur zu Memel, Heinrich Reuß v. Plauen Vogt zu Preuſſ. Eilau, Hans v. der Gablenz Vogt zu Brandenburg, Adrian v. Weiblingen Vogt zu Fiſchhauſen, Werner v. Drachenfels Vogt zu Soldau, Klaus v. Bach Kauskomthur zu Balga, Berthold v. Altmannshofen Hauskomthur zu Koͤnigsberg, Wolf v. Helda Hauskomthur zu Tapiau, Eberhard Schenck Hauskom⸗ thur zu Ragnit, Georg Truchſes Spittler zu Königsberg und eine An⸗ zahl Pfleger, als Franz v. Herſchel zu Raſtenburg, Soft Truchſes zu Neidenburg, Chriſtoph Auer zu Seeſten, Georg v. Kolbitz zu Johannie⸗ burg, Philipp v. Kreitzen zu Inſterburg u. a. 2) Bericht des HM. Fol. Z. 404. 498. 3) Bericht des HM. Tol. 2. 403. 496.
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346 Innere Landes: und Ordensverhaͤltniſſe. (1508.) Verhandlungstag zu Breslau in Anſpruch zu nehmen. Dieß befchäftigte ihn faſt den ganzen Winter hindurch. Am wichtig⸗ ſten war es für ihn, das Intereſſe des Röm. Koͤniges für den Orden rege und lebendig zu erhalten; er ſprach deshalb nicht bloß den Kurfuͤrſten Friederich von Sachſen, der den König auf feiner Reiſe nach Italien begleiten ſollte, um ſein foͤrder⸗ liches Fuͤrwort bei dieſem in der Sache des Ordens an,“ fon: dern er erbat ſich auch beim Könige ſelbſt die Erlaubniß, daß der an ihn abgeſandte Landkomthur an der Etſch Heinrich von Knorringen ſich beſtaͤndig am koͤniglichen Hofe als ein Sollici⸗ tator aufhalten dürfe, weil es ihm hoͤchſt nothwendig ſchien, ſtets von allem, was beim Koͤnige in der Sache des Ordens vorgehen mochte, genau unterrichtet zu werden.) Die Regen⸗ ten in Preußen erhielten die Weiſung, bis zum Tage zu Bres⸗ lau ſich in keine weitern Verhandlungen mit dem Koͤnige von Polen einzulaſſen, vorläufig aber die noͤthigen Anſtalten zu treffen, daß auch Abgeordnete aus Preußen und Livland auf dem Tage erſcheinen koͤnnten. 9 Der Hochmeiſter hatte theils zu dieſem Zwecke, theils mit andern wichtigen Aufträgen in der Verwaltung feinen Ober⸗ kompan Heinrich von Miltitz nach Preuſſen geſandt. Da nun im Anfange des Jahres 1508 auch die Nachricht einlief, daß durch einen neuen Einfall der Moskowiter und Tataren in Litthauen auch die oͤſtlichen Ordenslande in großer Geſahr ſtaͤnden und hier ſchleunigſt Vorkehrungen zur Landesvertheidi⸗ gung nothwendig ſeyen,“ da uͤberdieß auch ein wichtiger Bau 1) Schr. des HM. an d. Kurfuͤrſten Friederich v. Sachſen, d. am Abend Eliſabeth 1507 Fol. Aa. 39. 2) Schr. des HM, an d. Roͤm. König, d. Freit. nach Katharina 1507 u. Schr. deſſelb. an d. Großkomthur an der Etſch, d. wie vor, Fol. Aa. 39— 41. 3) Schr. des HM. an die Regenten in Preuſſen, d. Dienſt. nach Nicolai u. Donnerft, nach Concept. Mariä 1507 Fol. Z. 395. Fol. Aa. 46. 47. 4) Schr. der Regenten an die Komthure v. Rhein, Memel, Ragnit, d. Sonnt. nach Beſchneid. Chr. 1508 Fol. Z. 156, Schr.
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Innere Landes⸗ und Ordensverhaͤltniſſe. (1508.) 347 am Tief und allerlei Streithaͤndel zwiſchen dem Rathe und der Gemeine der Altſtadt Koͤnigsberg und zwiſchen den Alt⸗ ſtaͤdtern und den Kneiphoͤfern eine gemeinſame Berathung er⸗ forderten, ) ſo ward in der Mitte des Januars eine Tagfahrt zu Heiligenbeil veranſtaltet, wo die Landesregenten, die übrigen Gebietiger, Pfleger und Abgeordnete des Landes die Auftraͤge des Hochmeiſters durch den Kompan vernahmen. Er billigte alle ihre bisherigen Schritte gegen den Koͤnig von Po⸗ len, namentlich auch ihren Beſchluß wegen einer Geſandtſchaft an ihn zur Darlegung ihrer Unſchuld in Rüdficht des Straßen⸗ raubes, wobei er jedoch rieth, ſich aller „hitzigen Worte“ zu enthalten und dem Koͤnige alles in geziemender Weiſe vorzu⸗ ſtellen. Er beſtimmte ferner, wie ſich die Landesregenten bei einer etwanigen wiederholten Forderung wegen Leiſtung des Huldigungseides verhalten ſollten. Man ernannte hierauf den Vogt von Brandenburg Hans von der Gablenz und den Ritter Bot von Eulenburg als Geſandte an den Koͤnig und ſchrieb ihnen aufs genaueſte die Art und Weiſe vor, wie ſie den Orden gegen die erwaͤhnten Anſchuldigungen rechtfertigen ſollten.) Man fand dabei zweckmaͤßig, den Unterkanzler des Königes durch Geſchenke wo möglich für den Orden günftig zu ſtimmen. Endlich wurden auch die noͤthigen Anordnungen wegen Beſendung des Tages zu Breslau getroffen und die Anforderungen des Hochmeiſters zu Unterftüsungen für den Ordensprocurator zu Rom, den Gefchäftsträger beim Roͤm. Köͤ⸗ nige und für feine eigenen Bedürfniſſe, für die er ſechstauſend Gulden verlangte, fo viel als moͤglich erfüllt.“) des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Mittw. nach Pauli Bekehr. 1508 Fol. Aa. 61. 1) Darüber das Einzelne Fol. Z. 159 — 160. 2) Fol. Z. 156. 163. 3) Die vollſtaͤndige Werbung des Oberkompans, mit einer Menge anderer Einzelnheiten über die Landesverhaͤltniſſe Fol. Z. 163 — 169. 4) Fol. Z. 170 ff. 5) Fol. Z. 174 — 182.
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348 Innere Landes⸗ und Ordensverhaͤltniſſe. (1508.) Man erſtattete darauf dem Hochmeiſter Bericht uͤber die innere Landesverwaltung, die der Großkomthur vorzüglich von Tapiau aus leitete, denn dorthin hatte er jetzt feinen Aufent⸗ halt verlegt theils aus dem fruͤher erwaͤhnten Grunde, theils auch wegen Erſparniß im Haushalte, die der Meiſter fort und fort anempfahl, und endlich auch um den Anforderungen und Beſchwerden in Sachen auszuweichen, die er ohne der uͤbrigen Regenten Beirath und Zuſtimmung nicht abmachen konnte und verſchoben werden mußten, weil unter ihnen die Einrichtung getroffen war, daß ſie nur an jedem Quatember zuſammen⸗ kamen oder, wie ſie es nannten, zur Ordnung ſaßen, um anzubringende Klagbeſchwerden der Unterthanen zu hören, !) Brachte ſchon dieſer Umſtand einen gewiffen ſchleppenden Gang in die ganze Verwaltung, ſo kam noch hinzu, daß obgleich die Regenten mit einer Vollmacht in ihrer amtlichen Thaͤtigkeit verſehen waren, doch eine Menge von Einzelnheiten in der Verwaltung, ſelbſt oft von minder bedeutendem Gewichte, 3. B. Bauangelegenheiten, Beſetzungen von Amtsſtellen, Ver⸗ ſorgungen einzelner Perſonen und viele andere gewöhnliche Landesangelegenheiten an den Hochmeiſter berichtet werden muß⸗ ten oder doch berichtet wurden, woruͤber oft Monate voruͤber⸗ gingen, ehe es zu einer Entſcheidung kam. Mitunter hatten deshalb auch Berathungen und Verhandlungen uͤber ſehr wich⸗ tige Angelegenheiten gar keinen weitern Erfolg. Dieß war z. B. auch mit dem ſchon erwaͤhnten Plane des Ordensmarſchalls der Fall. Die Sache ward auf einem Landtage im Anfange dieſes Jahres abermals zur Sprache gebracht. Die Gebietiger wurden aufgefordert, Mittel vorzuſchlagen, wie dem Erwerb und Beſitz von Eigenthum unter den Ordensbruͤdern, als einer gegen Regel und Geſetz ſtreitenden und offenbar zum Verderben des Ordens führenden Sache am beſten vorzubeugen ſey. Es kamen darüber manche ſeltſame Meinungen zum Vorſchein. 2 1) Fol. Zz. 188. 2) Im Berichte darüber Fol. Z. 198 heißt es: „Auf ſolch frage ſeint vil manche felgame Rede, davon zu ſchreiben nicht von noͤthen,
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Innere Landes- und Ordensverhältniſſe. (1508) 349 Einer der verſtaͤndigſten Vorſchläge betraf eine beſſere Einrich⸗ tung der Firmarien, worin alte und kranke Ordensbruͤder mit allen nothwendigen Beduͤrfniſſen anſtaͤndig verſorgt werden möch- ten, ſo daß man nicht noͤthig habe, wie es jetzt der Fall ſey, in der Jugend an Eigenthum etwas zu erwerben, damit man im Alter nicht darben muͤſſe. Man ertheilte darauf dem Or⸗ densmarſchall den Auftrag, einen Plan auszuarbeiten, wie dem Erwerb von Eigenthum vorzubeugen und uͤberhaupt eine Aen⸗ derung in der Sache einzuleiten ſey.) Er ſollte dem Hoch⸗ meiſter auf dem Tage zu Breslau zu naͤherer Pruͤſung vor⸗ gelegt werden. Nach einigen Tagen theilte der Marſchall ihn den Gebietigern mit;? er lief auf folgende Vorſchlaͤge hinaus: es muͤßten nur rechtſchaffene und tuͤchtige Ordensbruͤder zu Aemtern zugelaſſen werden, ohne Ruͤckſicht auf Verwandtſchaft oder Landsmannſchaft; jedes Jahr muͤſſe eine Viſitation der Lebensweiſe der Ordensbruͤder und der Beſchaffenheit der Aem⸗ ter angeſtellt, eine ſtrenge Pruͤfung der Rechnungen vorgenom⸗ men und jede Unordnung dabei ſtreng geruͤgt, Ordnungswidrige und Leichtſinnige zurechtgewieſen oder nach den von Alters her darüber beſtehenden Vorſchriften beſtraft werden. Da die Alten die loͤbliche Einrichtung der Firmarie getroffen, fo möge man ein bequem und geſund gelegenes Schloß mit Gottesdienſt und allen nöthigen Beduͤrfniſſen dazu einrichten, alte und gebrech⸗ liche Gebietiger, Beamte und gemeine Ordensbruͤder darin durch einen Schaͤffer mit Allem verſorgen zu laſſen; es werde dann den Beamten ſtets eine Freude und Luſt ſeyn, dem Or⸗ den mit Nutzen zu dienen, wenn ſie dem Alter ohne Sorgen entgegengehen koͤnnten. Aber raͤudige Schaafe muͤſſe man nicht ergangen und wie wol die herren befunden, das Suchung eigens nutz In an iren ſelen und gewiſſen beſwerung brecht, und wider Ir Statut oder Regel were, ſo wuſten ſy ſich doch ſolches nicht zu enthalten.“ 1) Fol. Z. 199. 238. 2) Ein ſehr zweckmäßiger Plan wird Fol. Z. 263 ff. mitgetheilt; er ſcheint aber deshalb nicht angenommen worden zu ſeyn, weil er ſich auf ganz neue Anordnungen gründete,
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350 Verhandl. wegen des Tages zu Breslau. (1508.) zu Hirten ſetzen, und wenn ſie es wuͤrden, ſie austilgen. Da im Gerichtsweſen viel uͤber die Gebietiger geklagt werde, ſo muͤſſe man hier auf Abhuͤlfe denken und ſtrenge Gerechtigkeit walten laſſen. Die Gerichtseinnahmen müßten nur zu des Ordens gemeinem Nutzen, nicht aber zum Beſten Einzelner verwandt werden; ſie koͤnnten am zweckmaͤßigſten zur Unter⸗ haltung der Firmarie dienen. Der Ordensmarſchall ſchlug zu dieſem Zwecke das geſund und ſchoͤn gelegene Schloß Kreuzburg vor und ſandte darauf dieſen ganzen Plan an den Hochmeiſter zur Genehmigung. Allein wir hoͤren nicht, daß dieſer auf die Sache eingegangen ſey.) Ihn beſchaͤftigte jetzt faſt nichts weiter, als der fuͤr ihn fo wichtige Tag zu Breslau, denn es war ihm aͤußerſt viel daran gelegen, ihn ſo zahlreich als moͤglich beſucht zu ſehen. Er wandte ſich deshalb an mehre Fuͤrſten und Biſchoͤfe, zu⸗ gleich mit der Bitte, die Zulaſſung der Commiſſarien, die zur Einſammlung des vom Papſte dem Livlaͤndiſchen Meiſter zur Bekaͤmpfung der Ruſſen bewilligten Jubilaͤums und der Cru⸗ ciata ausgeſandt werden ſollten, in ihren Landen zu erlauben und ihr Unternehmen zu foͤrdern.) Beſonders wuͤnſchte er den dem Orden ſehr geneigten Biſchof von Bamberg als Bevoll⸗ maͤchtigten des Roͤm. Koͤniges auf dem Tage zu ſehen ?) und Maximilian betrieb auch ſelbſt die Sache mit allem Eifer; der genannte Biſchof und Graf Michael von Wertheim ſollten als koͤnigliche Abgeordnete dort auftreten. Auf erſtern ſetzte der Hochmeiſter das meiſte Vertrauen: da indeß bald die Beſorg⸗ niß entſtand, daß dieſer Praͤlat wegen ſchwaͤchlicher Geſundheit die weite Reiſe nicht werde unternehmen koͤnnen, ſo beſtimmte der Nom. König, daß im Falle feines Nichterſcheinens entweder 1) Der Plan des Ord. Marſchalls vollſtaͤndig im Fol. Z. 282 — 283, 2) Schr. des HM. an mehre Fürſten u. Biſchoͤfe, d. Donnerſt. nach Converſ. Pauli 1508 Fol. Aa. 65. Schr. des HM. an d. Don. u. die Ordensgebietiger in Deutſchland, ebendaſ. 67 — 68. 3) Schr. des HM. an d. Landkomthur an d. Etſch, d. Donnerſt⸗ nach Converſ. Pauli 1508 Fol. Aa. 62.
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Verhandl. wegen des Tages zu Breslau. (1508.) 351 der Biſchof von Augsburg oder der von Eichſtaͤbt von ihm geſandt werden ſolle.) Ebenſo ergingen von ihm auch Auf⸗ forderungen an den Kınfürflen von Sachſen und viele andere Fuͤrſten, an Lübeck und mehre andere Städte.) Nicht minder thätig war man in Preuſſen in den Vorbereitungen zu der wichtigen Tagesberathung. Um vom Lande das noͤthige Geld aufzubringen, ward fuͤr gut befunden, das ganze Land mit dem Zwecke des Tages zuvor bekannt zu machen; es wurden bereits auch die Geſandten auserkoren, unter ihnen der Biſchof Hiob von Pomefanien, mehre Landesritter, der gelehrte Doctor Georg Prange und mehre andere.?) Es fanden fort und fort Verſammlungen und Verhandlungen Statt, denn man ſah auch hier wichtigen Erfolgen des Tages entgegen.“ Indeß wurden dieſe Erwartungen ſchon dadurch bald bedeutend herab⸗ geſtimmt, daß jene Geſandtſchaft an den Koͤnig von Polen, die den Orden bei ihm wegen allerlei Anſchuldigungen hatte rechtfertigen ſollen, nicht den erwuͤnſchten Erfolg hatte, denn ſie hatte in Thorn Gruͤnde gefunden, ihre Reiſe nicht weiter fortzuſetzen, ſondern dem Koͤnige von dort aus nur eine Recht⸗ fertigungsſchrift zuzuſenden.) Dieß übel deutend hatte er die Schrift als unglaubhaft zurückgewieſen und wiederholte jetzt nicht nur die früheren Klagen gegen den Orden, ſondern ließ auch melden: er werde naͤchſtens einige Commiſſarien nach 1) Schr. des HM. an den Kurf. v. Sachſen, d. Sonnab. nach Juliana 1508 u. Schr. deſſelb. an d. Herzog Georg v. Sachſen, d. am T. Mathiaͤ 1508 Fol. Aa. 81 — 84. 2) Schr. des HM. an Herzog Georg, d. Sonnab. nach Schola⸗ ſticà 1508 Fol. Aa. 72. 3) Fol. Z. 194 — 198. 197. 4) Fol. Z. 207. 214. 217. 229. 239. 5) Fol. Z. 204 — 203. Schr. der Sendboken an d. König, d. Thorn Mont. nach Converſ. Pauli 1508 Fol. Z. 205 — 206. Als Gründe gab der Biſchof v. Pomeſanien an, daß in Polen große Sterblichkeit herrſche, daß die Tagfahrt von Petrikau nach Krakau verlegt ſey und man beforge, der König werde dort nicht perföntich zugegen ſeyn u. ſ. w.
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352 Verhandl. wegen des Tages zu Breslau. (1508.) Preuſſen ſchicken, um alle Beſchwerden, uͤber die er von meh⸗ ren Jahren her ein langes Verzeichniß mitſandte, gruͤndlich unterſuchen zu laſſen.) Daraus ſah man ſchon, daß der Koͤnig nichts weniger als verſöhnliche Geſinnungen hege. Da mittlerweile aber die Bevollmaͤchtigten aus Livland, der Vogt von Karkus und des Meiſters Kanzler Heinrich Schubbe in Koͤnigsberg angelangt waren, ſo ward alles zur Abreiſe nach Breslau vorbereitet. Die zweiundvierzig Bernſtein⸗Paternoſter und andere Geſchenke, womit der Hochmeiſter die Goͤnner des Ordens auf dem Tage beehren wollte, hatte man bereits an ihn abgeſandt.) Man verhandelte nur noch mit den Livlaͤndiſchen Bevollmaͤchtigten uͤber manche innere Ordensangelegenheiten, namentlich über die erwähnten Aenderungen im Ordensgeſetz⸗ buche, die der Meiſter von Livland ebenfalls fuͤr zweckmaͤßig befunden und woruͤber man mit dem Hochmeiſter auf dem Tage Berathung halten wollte.) Da erhielt der Biſchof von Po⸗ meſanien ganz uneiwartet die Nachricht, daß der König von Polen beſchloſſen habe, feiner Seits keine Bevollmaͤchtigte auf den Tag zu ſenden. Die Regenten geriethen daruͤber in große Verlegenheit, denn man wußte Anfangs nicht einmal, ob die Nachricht nicht mit Argliſt bloß erdichtet ſey, noch weniger, ob man nun die Bevollmaͤchtigten nach Breslau abgehen laſſen follte. d Ein Schreiben des Koͤniges indeß brachte bald Gewiß⸗ heit, indem er den Tag zu Breslau für unnoͤthig erklaͤrte, hinzuſuͤgend, er werde daruͤber dem Meiſter ſelbſt das Noͤthige melden.) Man beſchloß jetzt ebenfalls die Sendung nach Breslau einzuſtellen, den Hochmeiſter aber erſuchen zu laſſen, von neuem die Beihuͤlfe des Papſtes, des Roͤm. Königes und 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Regenten, d. Cracoviae XXIV Februar. 1508 u. das Verzeichniß der Beſchwerden vom J. 1503 an Fol. Z. 249 — 253. 2) Fol. Z. 253. 248. 270. 3) Fol. Z. 248. 266. 4) Fol. Z. 269. 5) Schr. des Koͤniges v. Polen an den Biſchof v. Pomeſanien, d. Cracoviae feria II in crastino s. Gregorii 1508 Fol. Z. 287.
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Umtriebe u. Feindſch. d. Biſch. v. Ermland geg. d. Orden. (1508.) 353 der vornehmſten Reichsfuͤrſten zur Schlichtung des immer ge⸗ faͤhrlicher drohenden Streites mit Polen aufs eifrigſte in An⸗ ſpruch zu nehmen. Sofort begab ſich der Biſchof von Pome⸗ ſanien mit dem gelehrten Rath Georg Prange zum Hochmeifter nach Sachſen. D Die Verhaͤltniſſe in Preuſſen wurden jetzt von Tag zu Tag bedenklicher. Die immer wiederholten Beſchwerden des Koͤniges uͤber Ungerechtigkeiten und Mißhandlungen an ſeinen Untertha⸗ nen, die Ernennung von Commiſſarien, die jetzt die volle Schuld des Ordens erweifen follten, ? und die Art, wie er ganz uns erwartet alle Theilnahme an friedlichen Unterhandlungen mit dem Orden aufgekuͤndigt, machten es den Regenten faſt ſchon zur Gewißheit, daß er feindliche Plane im Werke habe. Der Großkomthur ließ daher den Meiſter von Livland erſuchen, ſich mit dem Koͤnige, dem man in keiner Weiſe mehr trauen konnte, in kein weiteres Buͤndniß gegen den Moscowiter mehr einzulaſſen.) Die Lage des Ordens aber ward noch gefahr voller durch die feindliche Stellung, welche von neuem der be⸗ nachbarte Biſchof Lucas von Ermland gegen ihn genommen hatte. Dieſer verfolgte jetzt naͤmlich kein geringeres Ziel, als ſich zum Erzbiſchofe erheben zu laſſen, um ſich der Superioritaͤt des Erzbiſchofs von Riga zu entziehen und die Biſthuͤmer Po⸗ meſanien und Samland unter ſeine erzbiſchoͤfliche Gewalt zu bringen.“) Die Regenten in Preuſſen wirkten ihm hierin mit 1) Fol. Z. 288. 289. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an die Regenten, d. Irzesez Litihuaniae 24 Maji 1508 Schbl. XXV. 8. 3) Fol. Z. 300 — 303. 4) Fol. Z. 183. Es beißt: „Er (der Biſchof) hat ſich bevliſſen und ſteht noch in arbeit, von Baͤbſtl. Heiligkeit zu erlangen, das er und ſeine nachkommen zu Erzbiſchoven gemacht werden, damit er ſich der Superiorität des Erzbiſchoves von Riga entziehe und die Biſchofe von Riſenburg und Samland under ſich prenge und das Biſchtumb Heylsberg und Colmenſee, welches bißher durch rechtlichen grundt nicht beſchehen, alſo durch zulaſſung bebſtlicher Heiligkeit dem Orden ewig⸗ lich entzogen wuͤrde.“ IX. 23
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354 Umtriebe u. Feindſch. d. Biſch. v. Ermland geg. d. Orden. (1508.) aller Entſchiedenheit entgegen, denn wie der Biſchof ſchon waͤh⸗ rend der letzten Zeit des vorigen Koͤniges von Polen im Frie⸗ den gegen den Orden immer wankend und zweideutig dageſtan⸗ den, ſo hatte er bereits ſeit der Regierung Sigismunds allerlei feindliche und argliſtige Plane gegen den Hochmeiſter verfolgt. Er ſollte es vorzüglich geweſen ſeyn, der den König gegen die⸗ ſen aufgeheßt und zu feindlichen Maaßregeln aufzureizen geſucht; von ihm waren, wie der Großkomthur dem Meiſter berichtete, auf den Verhandlungstagen zu Elbing und Marienburg allerlei „giſtige, unehrbare, boͤſe und hinterliſtige Anſchlaͤge“ ausge⸗ gangen, die alle zum Verderben und Untergange des Ordens hätten führen muͤſſen. Er hatte für den König eine Huͤlfs⸗ ſteuer vorgeſchlagen, um ihn bei einem Kriegszuge nach Preuſ⸗ fen damit zu unterſtuͤtzen; fein Landpropſt war, von ihm be⸗ auſtragt, im Ordensgebiete umhergezogen, um unter den Or⸗ densbruͤdern Zwietracht anzuſtiften, unter dem Vorgeben, daß fie überall zuruͤckgeſetzt und nur die Meißner, des Meiſters Landölcute, vorgezogen wuͤrden. Er hatte ſogar unter jenen eine Partei zu dem Plane zu gewinnen geſucht, den abweſen⸗ den Hochmeiſter ſeines Amtes zu entſetzen und einen andern an ſeiner Stelle zu erwaͤhlen. Waͤhrend gegen ihn ſelbſt erſt im vorigen Jahre in Braunsberg ein wilder Volksaufruhr ent⸗ ſtanden war, indem er im Verdacht ſtand, die Stadt mit frem⸗ dem Kriegsvolke uͤberfallen und zur Entrichtung einer Kriegs⸗ ſchatzung fuͤr den Koͤnig von Polen zwingen zu wollen, wobei zur Nachtzeit ſein Schloß erſtiegen und allerlei Graͤuelthaten begangen worden waren, welche nachher die Anheber des Aufs rulhrs mit der Todesſtraſe büßen mußten,“ hatte er feit laͤn⸗ gerer Zeit doch kein Mittel unverſucht gelaſſen, unter den Unter⸗ thanen des Ordens Zwieſpalt und Empoͤrung anzuſtiſten, indem er überall die Meinung im Volke geltend zu machen ſuchte, das Land ſey jetzt weit mehr als je zuvor mit Neuerungen in 1) Wir erfahren dieß durch ein Schr. des Biſchofs Fabian v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Mont. nach Circumciſ. 1513 Schbl. LXVI. 103.
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Umtriebe u. Feindſch. d. Biſch. v. Ermland geg. d. Orden. (1508.) 355 Auflagen, Dienſtleiſtungen und andern Beſchwerden belaſtet. Man hatte von ihm auch einen Brief an den König von Pos len aufgefangen, worin er dieſen geradezu aufforderte, jetzt mit einem Kriegszuge ins Land nicht laͤnger zu faumen, weil ihm alles jetzt leicht gelingen werde. So und aͤhnlich waren die Plane, durch welche der Biſchof des Ordens Daſeyn in Preuſ⸗ fen völlig zu untergraben bemüht war. In nicht weniger als fuͤnfundzwanzig Punkten zaͤhlte der Großkomthur in einem Be⸗ richte an den Hochmeiſter die Umtriebe und argliſtigen Anſchlaͤge auf, durch die der Biſchof unter Mithuͤlfe des Koͤniges von Polen an das Ziel feiner Wuͤnſche zu kommen hoffte; !“) und dieſes Ziel war, wie erwaͤhnt, kein anderes als die erzbiſchoͤſ⸗ liche Wuͤrde, worin ihm die Ordensgebietiger auf alle Weiſe entgegenarbeiteten.) Der Saame der Unzufriedenheit aber, den der Biſchof uͤberreichlich ausgeworfen, keimte hie und da bald auf. Eine Anzahl von Staͤdten traten bald mit allerlei Klagen und Beſchwerden uͤber die Landesverwaltung bei den Regenten auf, unter andern, daß die Gerichte unterdruͤckt und in ihrer Wirkſamkeit geſchwaͤcht würden, daß der Städte Sie⸗ gel und Briefe bei den Ordensbeamten keine Achtung mehr faͤnden und verworfen wurden, daß man mit angeſtorbenen und Erbguͤtern ganz nach Willkuͤhr verfahre; ſie verlangten dabei, daß man ihnen von Teſtamenten den zehnten Pfennig zum Beſten des ſtaͤdtiſchen Gemeinweſens, zur Wegebeſſerung u. dgl. zugeſtehen ſolle, daß Mann und Frau vor ihrem Tode für einander Teſtamente machen dürften, wie in andern Lan⸗ den u. ſ.w. Andere klagten daruber, daß der Hochmeiſter nicht, wie feine Vorgänger, jedermann vor ſich laſſe und Gehör gebe, ſondern dieß feinen Raͤthen anheimftelle, daß er die Stadtraͤthe und Bürger nicht zu Zeiten zu fich zu fröhlichen Feſten einlade oder ſich zur Theilnahme an ihren Feſten herablaſſe, ferner auch daß die Regenten nicht ſelbſt Rede und Antwort gaͤben, gleich 1) Dieſe Anklagen ſaͤnuntlich in einem Berichte an d. EM. Fol. Z. 183 — 190. 2) Fol. 7. 210. 23 *
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356 Vorſichtsmaaßregeln der Landesregenten. (1508.) als wenn ſie nicht reden koͤnnten, ſo daß man oſt ſagen höre: „der Großkomthur iſt wohl ein frommer Mann; aber wo Hans von Schönberg, fein Secretaͤr, das Kalb anbindet, da ſteht es eſt.“ 1) * Alſo drohte dem Orden in Preuſſen von mehren Seiten manche Gefahr. Es that daher auch doppelt Noth, daß die Landesregenten auf Sicherheitsmaaßregeln bedacht ſeyen. Hans von Schönberg ward eiligſt zur Beſichtigung der Landesburgen durchs Land geſandt; die Komthure, Voͤgte und Pfleger erhiel⸗ ten Befehl, ihre Schlöffer ohne Verzug mit Lebensmitteln zu verſorgen, aufs beſte befeſtigen und bewachen zu laſſen, zugleich auch aus den Nachbarlanden Kundſchaft einzuziehen, dabei vor allem aber die Unterthanen mit Milde und Schonung zu be⸗ handeln, damit fie nicht über Bedrückungen, Neuerungen oder Belaͤſtigungen im Gericht, beim Schaarwerk u. dgl. ſich zu be⸗ ſchweren Anlaß faͤnden.“ Vorzuͤglich galt es den Regenten, die hie und da im Lande erwachende Unzufriedenheit durch Be⸗ weiſe einer ebenſo wohlwollenden als umſichtigen Landesverwal⸗ tung moͤglichſt zu beſchwichtigen, und eine zweckmaͤßigere und geordnetere Einrichtung der Hospitäler, beſſere Anordnungen in der Armenpflege, eine nach dem Gewichte feſtbeſtimmte Brot taxe u. dgl. waren die Erfolge davon. 3) Auch die Raͤumung und Schiffbarmachung des Alle-Fluſſes ward zum Beſten des Landes mit Eifer fortgeſetzt.) Ueberhaupt trat allenthalben ſichtbar das eifrige Bemuͤhen der Regenten hervor, durch Ab⸗ ſtellung von Unordnungen, Mißbraͤuchen und Unregelmaͤßigkei⸗ ten einen geordneteren Zuſtand der Landeseinrichtungen herbei⸗ zuführen, ſo durch Verbeſſerungen im Muͤnzweſen, ſtrenge Unter⸗ ſuchung und Beſtraſung aller Faͤlſchereien in Waaren und Ge⸗ 1) Die Beſchwerden der Staͤdte Fol. Z. 233 — 235. 2) Ausſchreiben der Regenten an die Komthure u. ſ. w. d. Mittw. nach Lätare 1508 Fol. Z 305 — 309. 3) Fol. Z. 255. 259. 312. 4) Fol. . 323.
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Drohende Stellung Polens. (1508.) 357 wichten, ) durch beſtimmtere Verordnungen uͤber Bergegeld und geſtrandete Guͤter,? durch thaͤtige Verfolgung und nach⸗ druͤcklichſte Beſtrafung aller Veruntreuungen, Diebereien und Raͤubereien, denn noch immer hatte das Unweſen der Raͤuber⸗ und Diebsbanden im Lande nicht ausgerottet werden koͤnnen. ® Auch die Moͤnche mußten in ihren Anmaßungen und Anforde⸗ rungen jetzt mehr als je in Zaum gehalten werden, denn bald verlangten die zu Wehlau die Erlaubniß zum Aufbau eines neuen Kloſters vor der Stadt,“ bald traten die heil. Geiſt⸗ bruder, die ins Land eingewanderten Antoniter mit dem Geſuche vor, ihnen zu geſtatten, ihre ſ. g. Stationen halten und Almo⸗ ſen einſammeln zu duͤrfen; ) bald erhoben die Bernhardiner zu Oliva an den Orden Anforderungen wegen eines einſt vom Hochmeiſter Winrich von Kniprode ihnen zugeſchriebenen Zin⸗ ſes, h bald wollten die Moͤnche des Kloſters der heil. Drei⸗ faltigkeit ſich gegen die Landesordnung liegende Gruͤnde an⸗ eignen u. ſ. w. Dabei mußten der Koͤnig von Polen und der Biſchof von Ermland in jedem ihrer Schritte aufmerkſam bewacht werden. Man fand es ſehr bedenklich, daß erſterer eben jetzt wieder den Meiſter von Livland um Huͤlfe gegen die Ruſſen angeſprochen hatte, wie man meinte, um dieſe entweder wieder gegen Livland aufzureizen, oder im Fall einer abſchlaͤgigen Antwort Livland durch feindliche Maaßregeln von Litthauen aus 1) Fol. Z. 240. 263. 299. 35%. 358, namentlich auch uͤber Probe der kleinen Pfennige, Stempelung der Horngulden u. ſ. w. 2) Fol. Z. 344 — 346, wo darüber intereffante Verhandlungen und Verordnungen. 3) Eine Menge von Einzelnheiten daruber Fol. Z. 207. 222. 360. 364 ff. 4) Fol. Z. 298. 5) Fol. Z. 312. 316. 328 fl. Die Antoniter waren feit 1505 in Preuſſen; mehres uͤber ſie Schbl. A. 325. B. 397. 6) Fol. Z. 372 — 373. Der verlangte Zins betrug 50 Mark. 7) Fol. Z. 377.
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* 358 Drohende Stellung Polens. (1508.) zu beſchaͤftigen und es an Huͤlfsleiſtung für den Orden in Preuſſen zu hindern,“ denn nach dem Vertrage zu Memel machten die Regenten im Fall eines Krieges auf ſolche Hülfe Anſpruch. 2) Man ſprach ferner von einer Vermaͤhlung zwiſchen dem jungen Koͤnige von Daͤnemark und der Schweſter des roͤniges von Polen und einer damit verknuͤpften Verbindung beider Könige gegen den Orden.) Es ward ſogar bald kund, daß unter den Hauptleuten im Polniſchen Preuſſen der Anſchlag im Werke ſey, ſich des Schloſſes zu Preuſſiſch-Mark, welches der Hochmeiſter dem Biſchofe von Pomeſanien eingeraͤumt hatte, mit Lift oder Gewalt zu bemaͤchtigen. Es mußte daher eiligſt Befehl zu feiner beſſern Befeſtigung und flärkern Bemannung gegeben werden, und doch zog der Statthalter in Pomeſanien Jacob von Dobeneck die Sache ſaumſelig mehre Monate hin, bis endlich der Großkomthur mit aller Strenge auf Vollfuͤhrung ſeines Befehles drang.“ Der Hochmeiſter, mittlerweile durch eine lange Verhand⸗ lung mit einem Botſchafter des Koͤniges von Polen uͤber die wichtigſten Streitpunkte wiewohl doch ohne Erfolg beſchaͤftigt, © war mit der bedenklichen Lage der Dinge in Preuffen nicht unbekannt. Er erließ daher, waͤhrend er ſelbſt immer noch auf dem naͤchſten Reichstage die Beihuͤlfe des Kaiſers in An⸗ ſpruch zu nehmen hoffte und voll Vertrauen deſſen Ruͤckkehr aus den Niederlanden nach Worms entgegenfah, “ aus Vor: 1) Bericht des Livl. Meiſters an die Regenten, d. Sonnab. vor Jubilate 1508 Fol. 2 331 ff. i 2) Antwort des Großkomthurs auf den erwähnten Bericht Fol. Z. 374. 3) Fol. Z. 333. Es iſt in dem Berichte von dem „jungen konig von Tennemargk“ die Rede; es koͤnnte darunter nur Chriſtian UI. ges meint ſeyn, der aber den Thron noch nicht beſtiegen hatte. 4) Schr. des Großkomthurs an Jacob v. Dobeneck, d. Freit. nach Exaudi 1508 Fol. Z. 379. Fol. Bb. 14. 48. 37. 5) Fol. Bb. 1—8. 6) Schr. des HM. an die Regenten, d. Donnerſt. nach Alexii 1508 Fol. Aa. 116.
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Drohende Stellung Polens. (1508.) 359 ſicht an die Regenten neue Berhaltungsbefehle theils in Betreff ihres Verhaltens und ihrer Stellung gegen den Koͤnig, theils auch in Ruͤckſicht des innern Verwaltungsweſens.. Es ward darauf im Juli eine Tagfahrt in Königsberg gehalten, wo man die Aufträge des Hochmeifters und die nöthigften Maaßregeln für die bedenklichen Verhaͤltniſſe des Landes naͤher in Berathung zog. Dabei wurde nach alter frommer Landesſitte verordnet, es ſolle zunaͤchſt im ganzen Lande zur Erhaltung des Friedens ein allgemeiner Bettag gehalten werden.) Die Beſorgniß nämlich wegen Ausbruches des Krieges ſtieg um ſo mehr, je näher jetzt der Tag heranrückte, an welchem der Koͤnig ſeine Commiſſarien zur ſtrengen Unterſuchung ſeiner ſo oſt und ſo nachdruͤcklich gefuͤhrten Beſchwerden ſenden wollte, denn man glaubte gewiß, er bezwecke damit nichts weiter, als Gewalt⸗ maaßregeln gegen den Orden auf dieſe Weiſe zu rechtfertigen. Wie beſorgt man deshalb war, beweiſt auch der Auftrag des Großkomthurs an den Ordensmarſchall, durch Kundſchafter erſorſchen zu laſſen, was zwiſchen dem Koͤnige, den Moscowi⸗ tern und dem Herzog Michael in Litthauen vorgehe, denn auch von dorther hatte man beſorglich lautende Nachrichten. 3) Als indeß die Polniſchen Commiſſarien im Juli mit den Bevoll⸗ maͤchtigten des Ordens, dem Vogt von Brandenburg Hans von der Gablenz, dem Pfleger von Neidenburg Joſt Truchſes, dem Ritter Dieterich von Schlieben und dem Bürgermeifter von Raſtenburg an der Graͤnze zuſammenkamen, gediehen die Verhandlungen bei weitem gluͤcklicher, als man es erwartet hatte. Es wurden eine Menge einzelner Streithaͤndel nicht nur ohne beſondere Schwierigkeiten beigelegt, ſondern auch gewiſſe allgemeine Beſtimmungen entworfen, wodurch theils kuͤnftigen Mißhelligkeiten zwiſchen den Unterthanen beider Lande vor⸗ 1) Die Aufträge des HM., d. Dienſt. nach Pfingft- 1508 Fol. Bb. 57 59. 60 — 67 Fol. V. 5. Fol. X. 2. 2) Fol. Bh. 12. 20. 3) Auftrag an d. Ord. Marſchall, d. Mont. nach Maria Magdal. 1508 Fol. B b. 49. 102.
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360 Finanz⸗Verhaͤltniſſe des Ordens. (1508.) gebeugt, theils vorkommende Fälle gerichtlich entſchieden werden ſollten. “) Je mehr aber die Landesregenten waͤhrend der bedrohten Lage des Ordens ihr Augenmerk auf den Zuſtand der Finanzen hatten richten müffen, um fo dringender hatte ſich ihnen hierin die Nothwendigkeit einer gruͤndlichen Verbeſſerung und ſtrenge⸗ ren Ordnung gezeigt, zumal da der Hochmeifter fort und fort auf Sparſamkeit im Haushalte drang und nicht ſelten über Unordnung in der Finanzverwaltung Klage fuͤhrte.) Dieſer letztern ſtand jetzt ſtatt des laͤngſt eingegangenen Treßleramtes ein ſ. g. Rentmeiſter vor und was ſonſt Treſſel hieß, nannte man jetzt Kammer.) Auf einer Tagfahrt der Gebietiger zu Koͤnigsberg im Anfange des Auguſts legten die Regenten den finanziellen Zuſtand des Ordens offen vor und es ergab ſich daraus, daß die geſammte Einnahme des Hochmeiſters an Zinsgeldern von den verſchiedenen Ordenshaͤuſern, an Keutel⸗ geld, Pfundzoll, Erb- und Budenzins aus Koͤnigsberg, am Ertrage des Bernſteins u. dgl. ſich jährlich im Ganzen nur auf 15,183 Mark Preuſſ. belief,“ während die Ausgabe für des Hochmeiſters Hausverwaltung, fir feine Kanzlei, für Ge⸗ ſindelohn, fuͤr nothwendige Bauten, fuͤr den Ordensprocurator in Rom, Geſchenke u. ſ. w. auf 21,485 Mark Preuſſ. ſtieg.“ 1) Das Nähere über die Verhandlungen Fol. B b. 93 — 99. 2) Inſtruction fuͤr den Biſchof v. Pomeſanien Fol. V. 17, wo er über die Unordnung in ſeiner Haushaltung zu Koͤnigsberg und in den Kammeraͤmtern klagt. 3) Wie damals auch in Sachſen; ſ. Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 348. 4) Dazu trugen bei Brandenburg 1000 Mark, Balga 500, Nei⸗ denburg 550, Schaken 500, Raſtenburg 800, Preuſſ. Mark 600, Sam⸗ land 2450 Mark, andere Haͤuſer mehr oder minder. Bei manchen war die Einnahme ungewiß. Lochſtaͤdt, heißt es, giebt nichts, verbaut alles. Inſterburg giebt Marder. Die Keutelbriefe brachten ein 400 Mark, der Pfundzoll, Erb⸗ und Budenzins der Staͤdte Koͤnigsberg 1000 Mark, der Bernſtein ungefaͤhr 4400 Mark. 5) In die Ausgabe ſind gebracht: 600 Mrk nach Rom, 2680 Mit auf die Küche, 1150 Mrk für Kleidung mit dem Kon:
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Finanz⸗Verhaͤltniſſe des Ordens. (1508.) 361 Außerdem hatte man für dieſes Jahr noch eine Schuld von 7419 Mark zu decken, meiſt aufgeborgtes Geld, weil die Ein⸗ nahme zu den augenblicklichen Beduͤrfniſſen oft nicht zureichte. “ Dem Hochmeiſter war bis zu dieſem Jahre ſchon die Summe von 11,082 Gulden nach Deutſchland mitgegeben und nachge⸗ ſandt worden.) Man hatte ſich bisher durch Verpfaͤndungen und Geldaufnahmen bei Kaufleuten und reichen Buͤrgern zu helfen geſucht; ſo waren z. B. im Jahre 1507 beim Schoͤppen⸗ meiſter Georg Kramer zu Königsberg, einem ſehr beguͤterten Manne, 5000 Mark fuͤr acht dafuͤr verpfaͤndete Doͤrfer als Anleihe aufgenommen worden.) Man ſah indeß ein, daß dieſer Ausweg nur noch zum Schlimmern fuͤhre. Man berieth daher, ob und wie der immer mehr ſteigende Ausfall durch Erhöhung der Pachtvertraͤge, z. B. der Fiſchereien, durch ge⸗ meine Anlage der Nutzungen in den Aemtern, durch eine ges regeltere Steuerordnung, Zölle, durch Oeffnung der Wildniß zu zweckmaͤßigerer Benutzung, durch Ermaͤßigung der jaͤhrlichen Deputate und Lohne, durch Verringerung der Pferde und Knechte oder auf andere Weiſe zu verringern oder ganz zu verhindern ſey. Man konnte zwar noch zu keiner feſten Beſchließung kommen, weil die Vorſchlaͤge nothwendig erſt dem Hochmeiſter vorgelegt werden mußten; vorlaͤufig jedoch kam man darin überein, den in und an der Wildniß ſitzenden Pflegen, z. B. dem in Johannisburg den fernern Betrieb des Waldwerkes und der Holznutzung zu verbieten und ſolche nur zum gemei⸗ nen Beſten des Ordens zu verwenden.“) Man legte dabei dem Hochmeiſter auch ein Verzeichniß der 233 Perſonen vor, die zu Königsberg auf feine Koſten gefpeift wurden, wahrſchein⸗ vente, 300 für den Keller, 60 Mrk für Falken, 1500 Mark Geſinde⸗ lohn u. ſ. w. 1) Die Berechnung der Einnahme und Ausgabe im J. 1508 Fol. Bb. 25 — 28 u. Fol. X. 14. 2) Fol. X. 27 — 29. 3) Urkunde im Fol. X. 10. Schbl. LXXII. 2. 4) Daruͤber der Bericht Fol. Bb. 28. 68 ff. 5) Fol. Bb. 29— 30. 155. Fel. X. 14.
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362 Kriegeriſche Plane d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1508.) lich um auch hierbei eine Beſchraͤnkung zu veranlaſſen.) Der Meiſter genehmigte das Verbot des Waldwerkes in der Wild⸗ niß, verordnete eine regelmaͤßigere Steuereinnahme und ermahnte den Großkomthur zu aller nur möglichen Sparſamkelt im Haus⸗ halte, ſowie zur Einſtellung aller neuen Bauten, namentlich im Schloſſe zu Königsberg. ? Zur Deckung der Ausfälle in der Einnahme ward auf ſeinen Befehl im ganzen Lande eine abermalige Trank und Bierſteuer angeordnet und die Ordens⸗ beamten aufs ſtrengſte zu deren Eintreibung angewieſen. 3) Auch in der Gerichtsverfaſſung des Landes, beſonders in den Landgerichten wurde manche zweckmaͤßige Veraͤnderung und Verbeſſerung vorgenommen, die dem Lande zur Erleichterung diente. Appellationen nach Magdeburg fing man ſchon an als ehrenruͤhrig zu betrachten.) Wegen der Klagen des Land⸗ mannes über die oft uͤbermaͤßige Belaſtung mit Schaarwerk und Jagddienſt ergingen an die Ordensbeamten von neuem die ernſtlichſten Warnungen. 9 Da kam aus Polen die Nachricht, der Koͤnig gehe damit um, ſich mit dem Moscowiter zu verſoͤhnen und zu verbinden, um dann durch deſſen und Litthauens Beihuͤlfe verſtaͤrkt ſich nach Preuſſen zu werfen und den Orden zum Gehorſam zu zwingen.“) Auch dem Hochmeiſter in Deutſchland ging dieſe Kunde zu.) Es waren neue Vertheidigungsmaaßregeln noth⸗ wendig. Waͤhrend jener beim Deutſchmeiſter und beim Adel in Deutſchland Kriegshuͤlfe aufzubringen bemüht war, 9 muß⸗ 1) Fol. Bb. 76 ff. 2) Fol. Aa. 128. Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Mittw. Aller Heil. 1508 Fol. Aa. 133 — 134. 3) Fol. Bb. 110 — 111. 256. Fol. X. 24. 4) Fol. Bb. 258. 5) Fol. Bb. 47. 6) Auftraͤge an die Pfleger zu Tilſit, Inſterburg u. Labiau, d. Mont. nach Franciſci 1508 Fol. Bb. 88 — 89, 7) Schr. des HM. an d. DM. d. Dienſt. Aller Heilig. Abend 1508 Fol. Aa. 124. 8) Schr. des HM. an d. DM. d. Mittw. nach Lucia 1508 Fol. A a. 138.
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Kriegeriſche Plane d. Koͤn. v. Polen geg. d. Orden. (1509.) 863 ten in Preuſſen abermals Anſtalten zur Ruͤſtung getroffen wer⸗ den, denn die Nachrichten von des Koͤniges Friedensunterhand⸗ lungen mit dem Moscowiter und von ſeinem Plane gegen den Orden beftätigten ſich immer mehr; auch hatte der Biſchof von Ermland auf einer Tagfahrt zu Marienburg von neuem zu einer Steuerbewilligung zu des Koͤniges Kriegszug nach Preuſſen einen Antrag gemacht.“ Da der Hochmeiſter von Deutſchland aus die ſchleunigſte Bewehrung aller Ordenshaͤuſer befahl, fo ward auf einer Tagfahrt zu Königsberg in der Mitte des Decembers ein Plan entworfen, wie jede Ordensburg, auch die minderwichtigen durch gegenſeitige Mittheilung und Ausgleichung der vorhandenen Kriegs- und Lebensbeduͤrfniſſe hinreichend verſorgt werden ſollten, ſo daß jede in den Stand geſetzt ſey, feindlichen Angriffen Widerſtand zu leiſten. 2 Unter ſolchen Kriegsanſtalten begann das Jahr 1509; alles ſah in Preuffen unter ſchweren Beſorgniſſen der drohen⸗ den Gefahr entgegen; noch war nicht abzuſehen, wann und wie dieſer bedraͤngte und gepreßte Zuſtand des Ordens endigen werde. Mit tiefem Kummer ſah der Hochmeiſter auf dieſe trau⸗ rige Lage der Dinge hin. Er hatte, ſo lange er in Deutſchland verweilte, alles angewandt, um auf irgend eine Weiſe eine Löſung der Streitfrage herbeizuführen und immer noch ohne Erfolg. Den Kaiſer beſchaͤftigten lange Zeit bald in den Nies derlanden, bald in andern Theilen des Reiches ſeine eigenen Verhaͤltniſſe viel zu ſehr, als daß er viel an den Orden haͤtte denken koͤnnen. Der Reichstag, von dem der Hochmeiſter ſo viel erwartet, ward von einer Zeit zur andern verſchoben.) Er mußte ſich daher vorerſt nur darauf beſchraͤnken, durch die Ge⸗ bietiger in Deutſchland die Reichsfürſten am Intereſſe für den 1) Das Nähere darüber Fol. Bb. 50 — 52. 2) Fol. Bb. 32 — 33; der entworfene Vertheidigungsplan Sol’ Bb. 35 — 43. 3) Schr. des HM. an den Livl. Meiſter, d. Dienſt. S. Stephani 1508 Fol. Aa, 141.
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364 Kriegeriſche Plane d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1509.) Orden feſtzuhalten.) Gluͤcklicher gediehen mittlerweile die Ver⸗ handlungen in Rom, wo der neue Protector des Ordens, der Kardinal S. Georgii und des Meiſters gewandter Sachwalter Doctor Johann Kitzſcher) den Papſt fir die Sache des Or⸗ dens ſo weit gewannen, daß er endlich des Hochmeiſters Wunſch erfüllte, einige Breve an die Könige von Polen und Ungern ergehen zu laſſen, worin er jeglichem Theile alle Fehde und offene Feindſchaft ſtreng unterſagte und die Streitſache ſelbſt in Unterſuchung nehmen zu wollen erklaͤrte.) Auch dem Plane des Biſchofs von Ermland, der, wie man vernahm, zwei⸗ tauſend Gulden zur Erlangung der erzbiſchoͤflichen Winde nach Rom geſandt haben ſollte und deſſen Hoffnung dadurch noch geſteigert worden war,“) daß der Erzbiſchof von Riga Michael Hildebrand in den erſten Tagen des Februars ſtarb, gluͤckte es mit Erfolg entgegenzutreten, denn ſobald des letztern Nach⸗ folger der Domdechant Kaspar Linde gewaͤhlt war, eilten die Regenten in Preuſſen, den Hochmeiſter davon zu benachrich⸗ tigen, mit der Bitte, den Neuerwählten aufs ſchleunigſte am paͤpſtlichen Hofe dringend zu empfehlen.?) So ward der Plan des Biſchoſs von Ermland vereitelt; allein feine Schritte zeig⸗ ten auch bald, wie ſehr dadurch fein Haß gegen den Orden geſteigert worden war. Der Koͤnig von Polen ſchien ſeinen Kriegsplan gegen den Orden jetzt mit feſtem Schritte verfolgen zu wollen, denn er hatte offen erklärt: er wolle lieber alle ihm von den Ruſſen 1) Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Oeſterreich, d. Sonnab. nach heil. drei Könige 1509 Fol. Aa. 144 — 146. 2) Bruder des Geleitsmannes zum Hayn Georg von Kitzſcher; Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 93. 564. 3) Schr. des HM. an d. Doctor Kitzſcher in Rom, d. Mont. nach Neujahr 1409 u. Freit. nach Quaſimodog. 1509 Fol. Aa. 142. 147 — 148. 4) Schr. des HM. an d. Doctor Kitzſcher, d. am T. Fabian u. Sebaſt. 1509 Fol. Aa. 130. 5) Schr. des Großkomthurs an d. HM. d. Mont. u. Sonnab. nach Oculi 1509 Fol. Co. 2 — 3.
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Kriegeriſche Plane d. Kon. v. Polen geg. d. Orden. (1509.) 365 abgedrungenen Lande an den Großfuͤrſten von Moskau abtre⸗ ten, als die Oberherrſchaft über Preuſſen aufgeben, und alle feine Unternehmungen, feine faft ſchon feindselige Stellung gegen den Meiſter von Livland, ſein abſichtliches Bemuͤhen, gegen ihn allerlei Streithaͤndel anzuregen, ſowie die Nachricht, daß der Herzog Michael von Litthauen ſich bereits um Huͤlfs⸗ volk an einen Chan der Tataren gewandt habe, ſchienen jetzt auf eine außerordentliche Gefahr für Preuſſen hinzuweiſen. 10 Es hieß, der Koͤnig wolle zuvor noch einmal den Hochmeiſter und zugleich auch die Regenten in Preuſſen zur Huldigung und Eidesleiſtung auffordern laſſen und im Fall der wieder⸗ holten Weigerung ſofort mit feiner ganzen Kriegsmacht in Preuſ⸗ ſen einbrechen. Der Spittler von Koͤnigsberg Georg Truchſes eilte mit dieſer Nachricht nach Deutſchland zum Hochmeiſter. 2 Schleunigſt ſandte dieſer den Komthur von Koblenz Ludwig von Seinßheim an den Kaiſer, theils ihn von der ſchwer⸗ bedrängten Lage des Ordens zu unterrichten, theils ihn um Rettung deſſelben vom drohenden Untergange zu bitten und zugleich auch ihn aufs neue zu erſuchen, fuͤr ihn und die Re⸗ genten in Preuſſen einen neuen Beſehl ergehen zu laſſen, der ihnen von kaiſerlicher Macht aufs ſtrengſte verbiete, den ewigen Frieden zu vollziehen, mit der Zuſicherung, Kaiſer und Reich würden den Orden in dieſer Bedraͤngniß nicht ohne Hülfe und Beiſtand laſſen.) Dann eilte der Spittler von Koͤnigs⸗ berg, vom Meiſter geſandt, zum Markgrafen Friederich von Brandenburg, zu den Biſchoͤfen von Wuͤrzburg und Bamberg, zu den Herzogen von Baiern und Wirtenberg, zum Deutſch⸗ 1) Schr. des Livl. Meiſters an d. Großkomthur, d. Wenden Mittw. nach Beſchneid. Chr. 1509 u. Antwort des Großkomthurs an d. Livl. Meiſter, d. am T. Converſ. Pauli 1509 Fol. D d. 169 — 174. Fol. V. 47— 52. 2) Inſtruction des DM. für den Landkomthur v. Marburg bei feiner Sendung an d. HM. Schbl. 98 nro 68. 3) Schr. des HM. an d. Komthur v. Koblenz, d. Mont. nach Sebaſtian u. Sonnab. am T. Echolaftich 1509 Fol. Aa. 151. 100.
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366 Kriegeriſche Plane d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (150g.) meiſter, an die damals zu Rothenburg an der Tauber verſam⸗ melte Fraͤnkiſche Ritterſchaft und an den zu Anſpach verſammel⸗ ten Adel von Franken, um ihre Hülfe für den bedraͤngten Or⸗ den zu erbitten.) Der Hochmeiſter wandte ſich ſelbſt auch an mehre der vornehmſten Ritter Deutſchlands, um ſich ihres Einfluſſes auf den Übrigen Adel und ihres Beiſtandes zu ver⸗ ſichern.) Der Biſchof von Pomeſanien, der noch beim Mei⸗ ſter war, ward an den Koͤnig von Ungern geſandt, und da Friederich Nachricht hatte, daß ſeine bisherigen Befehle zur Be⸗ feſtigung, Bewehrung und Verſorgung der Burgen in Preuſſen bei weitem nicht mit der erforderlichen Sorgfalt vollfuͤhrt wor⸗ den ſeyen, fo erging ein neuer Befehl an die Regenten, aufs ſchleunigſte alles auf den Kriegsfuß zu ſtellen und alle Maaß⸗ regeln zur Gegenwehr aufs puͤnktlichſte in Ausführung zu brin⸗ gen.) Er ſelbſt beſchloß mit Beirath ſeines Bruders, des Herzogs Georg: ſobald der Koͤnig ihn zur Eidesleiſtung auf⸗ fordere, wolle er ihm melden laſſen, daß er ihm naͤchſtens nach Poſen Bevollmaͤchtigte mit geziemender Antwort auf ſei⸗ nen Antrag zuſenden werde.) Dadurch hoffte er den Koͤnig hinzuhalten und Zeit zu gewinnen, bis entweder der Papſt oder der König von Ungern oder der Kaifer in die Verhaͤltniſſe eingreifen werde. So mußte nun erwartet werden, welchen Schritt der Koͤ⸗ nig zuerſt thun werde. Er hatte in den letzten Tagen des Ja⸗ nuars den Frieden mit dem Großfuͤrſten von Moskau wirklich 1) Schr. des HM. an d. DM, d. am T. Scholaſticd 1509 Fol. Aa. 157. 159. Inſtruction des DM, für den Landkomthur v. Mars burg Schbl. 98 uro 68. 2) Schr. des HM. an Hans v. Schwarzburg Herrn zu Schwarz⸗ burg, an d. Ritter Hans v. Seckendorf, Ritter Kaspar v. Wallenfels, Friederich v. Reitzenſtein, Wilibald v. Schaumburg, Sigmund v. Thuͤn⸗ gen, Ritter Eucharius v. Aufſeß zu Neuhaus, Hans Stein zu Altenſtein, Ritter Sigmund v. Wirsberg u. a. Fol. A a. 3) Fol. Aa. 161 — 162. 4) Gewerbe des HM. an die Regenten in Preuſſen, Fol. V. 53 — 56.
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Kriegeriſche Plane d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1509.) 367 abgeſchloſſen und befand ſich im Anfange des Februars noch zu Wilna, wo ihm die Uneinigkeit und der vielfache Hader unter den Großen Litthauens viele Sorge machten. ) Man gewann in Preuſſen dadurch Zeit, um die Wehranſtalten moͤg⸗ lichſt zu fördern und die Ordens burgen gehörig in Vertheidigungs⸗ ſtand zu ſetzen. Der Komthur von Königsberg Georg von Eltz erhielt den Auftrag, die wichtigſten derſelben, beſonders an den Graͤnzen Polens und Ermlands genau zu unterſuchen und darauf zu ſehen, ob des Hochmeiſters Befehle in Nüdficht der Bes feſtigung und Verſorgung derſelben mit den noͤthigen Verthei⸗ digungsmitteln uͤberall in Ausführung gebracht ſeyen.? Weil aber der Hochmeiſter wohl wußte, wie wenig der Eigennutz bei vielen Ordensbeamten es zuließ, die Einkuͤnſte ihrer Haͤuſer auf die nothwendige Bewehrung und Verpflegung derſelben zu verwenden, ) fo nahm er bald darauf den Burggrafen Hugo von Leißnig auf ein Jahr als Rath in ſeinen Dienſt und ſandte ihn mit dem Auftrage nach Preuſſen, in Begleitung des Ober⸗ kompans Heinrich von Miltitz einen Umzug durchs ganze Land zu halten und ihm über den Vertheidigungs⸗ und Wehrzuſtand aller Echlöffer und Staͤdte den genauſten Bericht zu erſtatten. ® 1) Schr. des Livländ. Meiſters an die Regenten, d. Wenden Sonnab. nach Apollonia 1509 Fol. D d. 174 — 175. 177. 2) Schr. des Großkomthurs an die Komthure, Pfleger, Voͤgte u. a. d. Mont. nach Reminiſ. 1509 Fol. Ce. 21. 47. 3) Wie unzufrieden deshalb der HM. war, ſagt er ſelbſt in einer Werbung an die Regenten Fol. V. 34. 4) Ausſchreiben an die Komthure, Voͤgte u. |. w. d. Freit. nach Jubilate 1509 Fol. Ce. 231. Die Dienſtverſchreibung des HM. fuͤr den Burggrafen Hugo von Leißnig Herrn zu Penig, d. Rochlitz Mont. nach Annuntiat. Mariä 1509 Fol. Aa. 169. Der HM. verſprach ihm als Dienſtſold aufs Jahr 600 Rhein. Gulden nebſt Hofgewand, Spei⸗ fung und Futter. Aus Fol. V. 57 — 58 erfahren wir, daß dieſer Burg⸗ graf ſchon im Dienſte des Vaters des HM. ſich treu bewieſen und be⸗ ſondere Kriegserfahrungen gezeigt hatte. Vgl. Boͤttiger Geſch. Sach⸗ ſens B. I. 341. Langenn Herzog Albrecht der Beherzte S. 225. 282. 569.
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368 Guͤnſtigere Wendung der Angel. d. Ordens. (1509.) So bedroht indeß eine Zeitlang die Lage des Ordens auch geweſen war, ſo nahm doch manches bald fuͤr ihn eine guͤnſtige Wendung. Der Reichstag zu Worms war jetzt beſtimmt aus⸗ geſchrieben und der Hochmeiſter hatte beſchloſſen, ihn perfönlich zu beſuchen und den verſammelten Reichsſtaͤnden den Stand feiner Verhaͤltniſſe mit Polen offen darzulegen. Dahin ging auch der Rath der Fuͤrſten und der Ritterſchaft in Franken, an welche der Meiſter ſich gewandt; ſie hatten ihn alle durch die Zuſicherung erfreut, daß ſie auf dem Reichstage des Ordens Sache in jeder Weiſe fördern und ihn in feiner Bedraͤngniß nicht ohne thaͤtigen Beiſtand laſſen wuͤrden. Ferner hatte der König Wladislav von Ungern und Böhmen bei der Koͤnigs⸗ kroͤnung ſeines Sohnes Ludwig zu Prag dem Biſchofe von Pomeſanien verſprochen, den Koͤnig von Polen durch eine Ge⸗ ſandtſchaft zu erſuchen, ihm in ſeiner Streitſache mit dem Or⸗ den eine Vermittlung zu geſtatten; gehe der König darauf ein, ſo wolle er einen Verhandlungstag veranlaſſen und wo moͤglich eine guͤtliche Ausgleichung zu Stande bringen.) Vor allem guͤnſtig aber war fuͤr den Orden der Umſtand, daß eben die Tataren einen Einfall nach Podolien gewagt hatten und den Koͤnig von Polen gewaltig beſchaͤſtigten, indem ſie dort das feſte Schloß Kempnitz mit ſtarker Macht bedrohten, an deſſen Erhaltung ihm außerordentlich viel gelegen war. Er hatte des⸗ halb nicht bloß das geſammte Kriegsvolk, mit dem er ſeinen Plan gegen Preuſſen hatte ausführen wollen, dorthin ſenden muͤſſen, ſondern es mußten auch, um der Macht des Feindes, der ſchon Polen ſelbſt mit einem Einfalle bedrohte, gewachſen zu ſeyn, alle Kriegskraͤfte des Landes in Bewegung geſetzt und ein allgemeines Kriegsaufgebot erlaſſen werden. Daſſelbe geſchah in Maſovien. Und doch gluͤckten ihm feine Bemuͤhun⸗ gen keineswegs nach Wunſch; er hielt eine Tagfahrt und einen Reichstag nach dem andern, um Kriegsleute und Geld zur Ab⸗ 1) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter, d. Mittw. nach Judica 1509 Fol. Aa. 170 — 171. Fol. V. 51 — 52.
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Kriegeriſche Plane d. Koͤn. v. Polen geg. d. Orden. (1509.) 369 wendung der Gefahr aufzubringen.) Unter den Großen Po⸗ lens und Litthauens herrſchte fort und fort Unfriede und Zer⸗ winfniß und unter den erſtern verfagten auch die meiſten dem Koͤnige ihre Zuſtimmung zur Erhebung des Schoſſes, womit Kriegsvolk geworben werden ſollte. Auch in Maſovien fand er ſtarken Widerſtand, denn da er zur Vermehrung feiner Ein⸗ künfte auf das aus Preuſſen nach Polen und Maſovien ein⸗ gehende Salz einen ſehr hohen Zoll gelegt und an der Graͤnze ſ. g. Salzwaͤchter angeſtellt hatte, die genau auf die Einfuhr achten und den Zoll einnehmen follten, ſo erregte dieß unter den Großen Maſoviens ſolche Erbitterung, daß ſie dem Koͤnige allen Heeresdienſt und Zuzug verweigerten.“ So ſah ſich die: fer in allen feinen Planen gehemmt und geſtoͤrt. 1 Den Regenten in Preuſſen kam dieß alles hoͤchſt erwuͤnſcht. Zwar drohte der Koͤnig auch unter dieſen Verhaͤltniſſen immer noch, er werde nicht eher ruhen, als bis der Hochmeiſter ihm Huldigung und Gehorſam leiſte;“ zwar ſprach man auch von einem Plane, nach welchem der Biſchof von Ermland und die Städte Danzig, Thorn, Elbing u. a. dem Könige fuͤr die Summe von achtzigtauſend Unger. Gulden vierzehn Schloͤſſer in Preuſſen einraͤumen, er ſelbſt dann ins Land einfallen und zwei Jahre lang darin verweilen wolle, bis der Orden gedemuͤthigt Friede verlange; allein ſo viel war gewiß, daß ſo lange die Tataren Polens Waffen beſchaͤſtigten, nichts von dieſen zu fürchten ſey. “ Daher hatte jener vornehme Pole allerdings Recht, der einem Gebietiger ſagte: „ihr Preuſſen moͤget Gott ſuͤr die Tataren bitten, denn wo dieſe uns in dieſer Zeit nicht auf den Nacken gekommen waͤren, wie ſie es leider ſind, ſo haͤtten wir Polen und Maſovier jetzt wohl ſicherlich Fiſche in Preuſſen gegeſſen. 1) Schr. des Großkomthurs an d. Pfleger zu Neidenburg, d. Mont. nach Miſericord. 1509 Fol. Cc. 88. 4 2) Fol. Ce. 6. 9. 3) Fol. Ge. 5 — 7. 4) Fol. Ce. 5 — 6. 5) Fol. Ce. 9., wo von dem erwaͤhnten Plane die Rede iſt. IX. 24
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370 Reichstag zu Worms. (1509.) Wie ſie uns bekommen waͤren, das weiß Gott. Obgleich aber das ganze Land Polen und auch die Maſovier Gott um Heer⸗ fahrt nach Preuſſen bitten, ſo ſage ich ihnen doch oft: man wird die Preuffen die Tartſchen erſt recht anhängen lehren.“ “) Mittlerweile hatte der lange erſehnte Reichstag zu Worms endlich wirklich begonnen und am 25ſten Mai war auch der Hochmeiſter dort angelangt.“ Als der Tag erſchien, den ihm der Kaiſer zum Vortrage ſeiner Sache beſtimmt, trat er in voller Reichsverſammlung mit einer ebenſo lichtvollen als buͤn⸗ digen Darſtellung feiner Verhaͤltniſſe zu Polen auf und legte zuvoͤrderſt den verſammelten Fuͤrſten den Hauptinhalt des ewi⸗ gen Friedens vor, als beſondere Beſchwerden hervorhebend, daß der Hochmeiſter des Ordens nach dem Papſte niemand weiter unterworfen ſeyn ſolle als bloß dem Koͤnige von Polen, wodurch er aufhoͤre, zum Verbande des Deutſchen Reiches zu gehören, daß ferner die Hälfte der Ordensbruͤder ſtets aus Pos len beſtehen und dieſe gleichmäßig zu allen Ordensaͤmtern zu⸗ gelaſſen werden ſollten, auch daß der Orden in allem, was er noch erobere, dem Koͤnige unterworfen und der Hochmeiſter dieſem, fo oft er es fordere, mit aller feiner Macht gewaͤrtig und kriegspflichtig ſeyn und daß es endlich auch ſelbſt dem Papſte nicht zuſtehen ſolle, einen Hochmeiſter von dieſen Ver⸗ pflichtungen zu entbinden. Sodann erklaͤrte der Meiſter, daß weil ſonach der erwähnte Friedensvertrag wider das heil. Röm. Reich und wider des Ordens Fundation ſtreite, es ihm als Reichsfürſten mitnichten gezieme, dieſen Frieden zu vollziehen und als guͤltig anzuerkennen. Er bemerkte darauf, wie oft er, 1) Fol. Co. 10. 2) Schr. des HM. an den Großkomthur, d. Worms Freit. nach Exaudi am T. Urbani 1509 Fol. Aa. 187. Der DM. ſandte nach Worms an den HM. den Landkomthur von Marburg u. den Komthur v. Mergentheim, um ihm ſeine Rathſchlaͤge und den Erfolg der Be⸗ rathungen mit ſeinen Gebietigern auf einem Ordenskapitel zu Frank⸗ furt a. M. mitzutheilen, woruͤber die fuͤr die Geſandten ausgeſtellte Inſtruction Schbl. 98 nro 68. Der DM. widerraͤth aus vielen Gruͤn⸗ den, es bis zum Kriege mit Polen kommen zu laſſen.
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Reichstag zu Worms. (1509.) 371 wenn der Koͤnig ſich nur habe maͤßigen wollen, ſich zu guͤt⸗ lichen Verhandlungen habe bereitwillig finden laſſen und wie er ſich, fo viel es ihm geziemt, zu gebuͤhrlicher Nachgiebigkeit er⸗ boten, wie er bereit geweſen, die Sache zum richterlichen Er⸗ kenntniſſe des Papſtes, des Kaiſers, des Koͤniges von Ungern und Böhmen oder der Kurfürſten zu fielen, was der König jedoch ſtets verworfen, immer nur darauf beſtehend: der Hoch⸗ meiſter ſolle ohne weiteres und unverändert den Vertrag voll: ziehen. Jetzt wolle er mit Gewalt einſchreiten. Sogleich nach dem vereitelten Tage zu Breslau habe der Koͤnig ihn noch ein⸗ mal aufgefordert, zu thun, was ſeine Vorfahren gethan, er wolle ſonſt von keiner Verhandlung ferner mehr wiſſen. Seit⸗ dem ruͤſte er ſich dergeſtalt, daß Preuſſen taͤglich einen Ueber⸗ fall zu befuͤrchten habe. Endlich ſchloß der Meiſter ſeine Rede mit den Worten: „dieweil wir uns denn mitſammt unſerm Orden aus unterthaͤniger, getreuer Wohlmeinung und Liebe, die wir zu kaiſerlicher Majeſtaͤt, zum heil. Reiche und Deutſcher Nation tragen, in dieſe Faͤhrlichkeit gegeben und mit unſerer und unſeres Ordens Macht allein dataus zu kommen nicht vermögen, auch nichts ferner vornehmen, dieweil es kaiſerliche Majeſtaͤt, das heil. Reich und die Ritterſchaft Deutſcher Nation am meiſten mit betrifft, ſo iſt unſere unterthaͤnige und freund⸗ liche Bitte und Begehr, daß ſie anſtatt kaiſerl. Majeſtaͤt ihre Liebden und Staͤnde von wegen des heil. Reiches uns wollten berathen ſeyn und zu erkennen geben, was uns und unſerem Orden forthin vorzunehmen dient, damit wir und unſer Orden aus der Faͤhrlichkeit, darin wir ſtehen, kommen moͤgen, auch ob wir und unſer Orden von der koͤnigl. Winde und Krone zu Polen uͤberzogen und bewältigt wuͤrden, uns mit gnaͤdiger, freundlicher, gutwilliger und tröftlicher Hülfe und Beiſtand nicht zu verlaſſen. Das wollen wir mitſammt unſerem Orden nach der Belohnung des allmaͤchtigen Gottes unterthaͤniglich, freund⸗ lich und guͤnſtiglich verdienen. ® 1) Die volftändige Rede des HM. auf dem Reichstage im Fol. X. 8a ff. 24 *
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372 Reichstag zu Worms. (1509.) Nach Berathung der Reichsſtaͤnde ward der Beſchluß ge⸗ faßt: der Kaiſer, die Staͤnde und der Hochmeiſter ſollten den Papſt erſuchen, mit ihnen einen Botſchafter an den König von Polen zu ſenden, um in Verbindung mit einem Bevoll⸗ maͤchtigten des Koͤniges von Ungern alles aufzubieten, ihn zu einer guͤtlichen Verhandlung und friedlichen Beilegung der Streitſache zu bewegen; ſofern der Koͤnig ſich zu keiner fried⸗ lichen Ausgleichung und Suͤhne verſtehen werde, wollten der Kaiſer und die Reichsſtaͤnde dem Orden mit ihrer Macht Huͤlfe leiſten.) Auf dem Reichstage aber war es beſonders auch die verſammelte Ritterſchaft, die dem Hochmeiſter den fräftigften Beiſtand verſprach, denn fie fühlte, wie fie ſelbſt erklaͤrte, ſich am meiſten verpflichtet, den Aufbau im Ordens⸗ lande, den ihre Vaͤter mit hatten errichten helfen, durch ihr Schwert aufrecht zu erhalten. Der Erzbiſchof von Mainz ward ſofort beauftragt, die Geſuche an den Papſt und den König von Ungern im Namen der Reichsſtaͤnde abzufaſſen. 2 Hocherfreut ſandte alsbald der Hochmeiſter den Ordensritter Wilhelm Truchſes an mehre Landkomthure und Gebietiger in Deutſchland mit dem Auftrage, unter dem hohen Adel und der Ritterſchaft in ihren Gebieten den Beſchluß des Reichstages bekannt zu machen.) Bevor er jedoch den Reichstag verließ, wirkte er beim Kaiſer eine Ladung der Staͤdte Danzig, Thorn und Elbing ins kaiſerl. Kammergericht aus, wahrſcheinlich wegen des erwähnten Planes zum Ueberfalle des Ordens, wobei ſie mit an der Spitze ſtanden.) So kehrte er mit erwuͤnſchtem Erfolge in den letzten Tagen des Juni von Worms nach Sachſen zuruͤck.) Allein feine Hoffnungen wurden keines⸗ 1) Antwort u. Beſchluß der Reichsſtaͤnde im Fol. Ce. 278 — 280. 2) Bericht des HM. an die Regenten Fol. Ge. 271. 3) Schr. des HM. an d. Landkomthur v. Elſaß, d. Worms Dienſt. nach Corpor. Chr. 1509 Fol. Aa. 194. 4) Schitz p. 426. 5) Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Mont. nach Viſitat. Maria 1509 Fol. A a. 196.
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Beſorgniſſe des HM. durch ein paͤpſtl. Breve. (1509.) 373 wegs fo bald erfüllt. Wie viel ward oft auf Deutſchen Reichs⸗ tagen ſchnell beſchloſſen und wie wenig davon in der That ausgeführt! So gingen jetzt auch trotz aller Bitten des Hoch⸗ meiſters um Beſchleunigung mehre Monate voruͤber, ehe er vom Kaiſer die Vollziehung des Wormſer Beſchluſſes und vom Erzbiſchofe von Mainz die abgefaßten Inſtructionen er⸗ langen konnte.) Da traten neue Beſorgniſſe ein. Es kam dem Hochmei⸗ ſter ein Breve des Papſtes zu, in welchem dieſer ihm die Be⸗ ſchwoͤrung des ewigen Friedens geradezu unterſagte, dem Köͤ⸗ nige von Polen Ruhe und Friede gebot und beiden eroͤffnete, daß er die Unterſuchung der ganzen Streitſache zwei Kardinaͤ⸗ len übertragen habe.) Erfuhr nun aber der Papſt, daß der Hochmeiſter die Sache an den Kaiſer und den Reichstag ge⸗ bracht habe, ſo konnte ſolches ihn leicht beleidigen. Der Or⸗ densſachwalter erhielt daher den Auftrag, dem Papſte, um ihn dem Orden geneigt zu erhalten, ſo vollſtaͤndig als moͤglich alle Gruͤnde vorzulegen, die den Meiſter zu ſeinem Schritte bewo⸗ gen, und alles aufzubieten, um des Papſtes Gunſt nicht zu verlieren.) Dabei war auch der Umſtand noch bedenklich, daß der Biſchof von Samland unlaͤngſt zuvor gegen die Ver⸗ kuͤndigung und Erhebung des ſ. g. Jubilaͤums, womit der Papſt den König von Polen fir feine Unterthanen begnadigt hatte und welches gewiſſe Commiſſarien auch auf das Stift Samland ausdehnen wollten, proteſtirt hatte, behauptend, das paͤpſtliche Breve enthalte dieſe Ausdehnung keineswegs. Da nun hinzu kam, daß auch die dem Orden untergebenen Geiſt⸗ 1) Schr. des HM. an Ludwig v. Seinßheim, d. am T. Margar. 1509 Fol. Aa. 196. 199. Schr. des HM. an die Regenten u. an d. Landkomthur an der Etſch, d. am T. Donati 1509 Fol. Aa. 211. Fol. Co. 271. 2) Inſtruction für Hans v. Schoͤnberg an die Regenten in Preufs ſen, d. nach Corpor. Chr. 1509 Fol. Cc. 22. 3) Schr. des HM. an d. Doctor Kitzſcher in Rom, d. Sonnt. nach Vincula Petri 1509 u. an d. Ordensprotettor, d. 7 Aug. 1509 Fol. Aa. 206 — 214.
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374 Fortwaͤhrende feindliche Stellung Polens. (1509.) lichen und Pfarrer in Ermland von den Commiſſarien in An⸗ ſpruch genommen worden waren, die Regenten aber beſchloſſen hatten, den Ordensbeamten die Weiſung zu geben, auch dort dem Anſuchen der Commiſſarien Einhalt zu thun, fo konnte auch hieraus leicht wieder Anlaß zu neuen Zwiſtigkeiten genom⸗ men werden, zumal da das paͤpſtliche Intereſſe dabei mit im Spiele war.) Und endlich ſah man auch auf die neueingelei⸗ teten freundſchaftlichen Verhältniffe, die zu einer Verbindung zwiſchen den Koͤnigen von Polen und Dänemark führten, nicht ohne Beſorgniſſe hin, denn wenn ſie auch, ſo viel man wußte, nicht offen gegen den Orden zielte, fo konnte erſterer fie doch leicht zu feinem Vortheile gegen Preuſſen benutzen. 2 Der König von Polen aber führte gegen die Regenten immer noch die Sprache des Zornigen und um gleichſam dem Feuer ſeines Zornes immer neuen Stoff unterzulegen, klagte er fort und fort uber Verletzung und Mißhandlung feiner Kauf: leute, obgleich die Regenten wiederholt alle Mittel aufboten, um das Unweſen des Straßenraubes ſo weit es ihnen möglich war, auszutilgen.) Auch mit dem Hauptmanne zu Marien: burg entſpann ſich wegen gleicher Verhaltniſſe ein langwieriger Streit, wiewohl weder vom Könige, noch durch deſſen Beamte im koͤniglichen Preuſſen irgend etwas von Bedeutung zur Unter⸗ druͤckung des Raubunfugs in den koͤniglichen Landen geſchah. ® Man erkannte überhaupt im Orden aus allem, was vom Kb: nige ausging, daß er nichts mehr wuͤnſchte, als ſeine Waffen 1) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. Großkomthur, d. Freit. nach Pfingſt. 1509 Fol. Ce. 19 — 20. Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Freit. nach Vincula Petri 1509 Fol. Aa. 203. 2) Die Verhandlungen bei Schiitx p. 422; über die Verbindung beider Könige Fol. Ce. 51; eine Abſchrift des Bündniſſes zwiſchen beiden Koͤnigen, d. Kopenhagen 24 Aug. 1509 Schbl. XXXI. 100. 3) Fol. Ge. 132. Schr. des Königes v. Polen an die Regenten in Preuſſen, d. Oracoviae feria IV festi s. Marci 1509 Schbl. XXV. II. Fol. Ce. 89. 4) Die langen Verhandlungen mit dem Hauptmanne zu Marien⸗ burg Fol. Ce. 122 — 130.
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Fortwaͤhrende feindliche Stellung Polens. (1509.) 37 5 gegen die Tataren niederlegen zu koͤnnen, um ſie ſogleich gegen den Orden zu wenden. ) Waͤhrend daher die Regenten in Preuſſen ihren Eifer verdoppelten, um unter der Leitung des Burggrafen Hugo von Leißnig die Kriegsordnung im Lande überall aufrecht zu erhalten, die Ruͤſtungen und Wehranſtalten in Stadt und Land immer mehr zu vervollkommnen und An⸗ ſchlaͤge zur Aushebung der noͤthigen Kriegsmannſchaft aus dem Adel und den Freien auszuführen, ® waͤhrend ferner der Hoch⸗ meiſter auch in Deutſchland auf die Gefahr hinwies, die dem Lande drohe, wenn die Tataren, mit den Tuͤrken und Ruſſen verbunden, Polen uͤberſchwemmten und dann die Grenzen Preuſ⸗ ſens nicht mit der gehoͤrigen Wehrmannſchaft verſehen und ge⸗ ſchützt ſeyen, war er zugleich auch unabläffig bemüht, durch Erinnerung, Bitten und Geſandtſchaften theils beim Kaiſer und dem Koͤnige von Ungern, theils beim Papſte und dem Erzbiſchofe von Mainz die Sendung von Bevollmächtigten, wie fie zu Worms verſprochen war, in Ausführung zu bringen. Vom Könige von Ungern erhielt er auch bald eine guͤnſtige Zuſage. Beim Erzbiſchof von Mainz follte ein ſchoͤner Marder⸗ pelz, den er deſſen Kanzler, dem Doctor Johann von Dalheim ſandte, die Sache ſoͤrdern. Der Kaiſer, dem Hochmeiſter im⸗ mer ſehr geneigt, verhieß endlich auch, ſeinen Rath den Doctor Veit von Fuͤrſt zuerſt zu einem Verhandlungstage nach Bres⸗ lau und dann auch zum Koͤnige von Polen zu ſenden. Allein vom Papſte erſolgte immer keine Antwort und die Sache zog ſich ſo weiter und weiter hin.“ 1) Fol. Co. 35. 2) Das Einzelne darüber Fol. Ce. 35 — 30. 140. J) Bericht des HM. an die Regenten, d. Freit. nach Vincula Petri 1509 Fol. V. 65. Fol. Co. 271 277. 4 Schr. des HM. an d. Erzbiſchof v. Mainz u. an deſſen Kanz⸗ ler, d. Mont. nach Franciſci 1509 Fol. Aa. 218 — 219. Schr. des HM. an d. Komthur v. Koblenz, d. Dienft- nach 11,000 Jungfr. 1509. Schr. des HM. an d. Doctor Kitzſcher in Rom, d. am Abend Simon u. Judä 1509. Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. Mont. nach Simon u. Juda 1509 Fol. Aa. 222. 226. 228. Inſtruction für
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376 Fortwaͤhrende feindliche Stellung Polens. (1509.) Da kam gegen Ende des Octobers die Nachricht, daß ſich bei Grodno in Litthauen nahe an den Ordensgraͤnzen bereits bedeutendes Kriegsvolk verſammle und der König, der ſich mit den Feinden ſeines Reiches befrieden wolle, fich nach Litthauen begeben werde, um an der Spitze jener Kriegsmacht in Preuſ⸗ ſen einzubrechen.) Von dorther aber hatte man die Gefahr am wenigſten befürchtet. Niemand war darüber in größeren Sorgen als der Großkomthur, denn ihm ſchienen namentlich in jenen Gegenden die Vertheidigungsanſtalten bei weitem noch nicht zureichend. Er berief daher eiligſt die Gebietiger zu einer Tagfahrt, um ihnen aufs dringendſte die Nothwendigkeit einer ſchleunigen Kriegsruͤſtung und flärkerer Wehranſtalten in den bedrohten Gegenden, vorzuſtellen. Man berichtete ſofort auch dem Hochmeiſter, daß man ſich bei einem Einfalle des Königes ihm noch keineswegs gewachſen fühle, die Schlöffer noch keine hinreichenden Beſatzungen haͤtten und wie bedenklich es auch ſey, daß gar kein fremdes Dienſtvolk im Lande liege, im Fall es den Verſuchen des Koͤniges etwa gelingen ſollte, die Unter⸗ thanen des Ordens zum Abfall und Ungehorſam zu verleiten. 2 Dieſer Umſtand ſetzte auch den Hochmeiſter ſehr in Sorgen; allein in Deutſchland jetzt Soldner anzuwerben, war aus meh⸗ ren Gründen unmöglich. Es blieb ihm daher nichts uͤbrig, als von der Sendung der Botſchafter an den König das Beſte zu hoffen. Im Anfange des Novembers befanden ſich dieſe endlich wirklich auf dem Wege nach Polen, von Seiten des Kaiſers Veit von Fuͤrſt, Pfleger zu Eiſenſtadt und Scharfeneck, von Seiten der Reichsſtaͤnde Doctor Johann Küchmeifter und einige andere. Der Meiſter empfahl ihnen die Sache des Ordens den Landkomthur Heinr. v. Knorringen bei ſeiner Sendung an den Kaiſer Fol. V. 73. 1) Bericht der Regenten an d. HM. d. Mont. nach 11,000 Jungfr. 1509 Fol. Ge. 283 — 284. Schr. der Regenten an d. HM. d. Mittw. nach Alter Heilig. 1509 Fol. D d. 115. 2) Die Verhandlungen im Fol. Oc. 308 — 318.
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Fortwaͤhrende feindliche Stellung Polens. (1510.) 377 wiederholt und aufs dringendſte.) An die Regenten in Preuſ⸗ ſen ergingen zugleich neue Befehle theils in Beziehung auf die Verwaltung und zweckmaͤßige Verwendung der Landeseinkuͤnſte und hochmeiſterlichen Jahrrenten, theils in Rückſicht auf ſtaͤr⸗ kere Befeſtigung der Ordensſchloͤſſer, Y denn fo ſehr Friederich ſelbſt auch wuͤnſchte, jetzt nach Preuſſen zuruͤckkehren und uns mittelbar in die Verwaltung mit eingreifen zu können, fo fit: ten dieß die Verhaͤltniſſe doch noch keineswegs.“ Er hielt ſich fortwährend in Rochlitz auf, wo ihn außer den Angelegenheiten Preuſſens auch die Verhaͤltniſſe des Ordens in Deutſchland, die Aufnahme neuer Ordensritter, z. B. des Grafen Bernhard von Naſſau, Friederichs von Heideck und vieler andern, die ſich immer noch zahlreich dem Orden zudraͤngten, “ theils Ver⸗ handlungen mit dem Deutſchmeiſter, theils auch die Streithaͤn⸗ del zwiſchen ſeinen Bruͤdern Georg und Herzog Heinrich von Sachſen vielfach beſchaͤftigten.) Auch der Biſchof Hiob von Pomeſanien verweilte immer noch in ſeiner Umgebung, denn auf deſſen Rath ſetzte er immer das unbedingteſte Vertrauen. Es mußte daher auch dieſer im Anfange des Jahres 1510 den Herzog Georg nach Boͤhmen begleiten, als letzterer durch eine perſönliche Berathung mit dem Koͤnige von Ungern und Böhmen die Sache des Ordens zu foͤrdern fuchte. 9 N 1) Schr. des HM. an Veit v. Fuͤrſt, d. Sonnt. nach Aller Hei⸗ lig. 1509 u. Schr. des HM. an denſelb. u. an Doctor Johann Küch- meiſter, d. am T. Katharina 1509 Fol. Aa. 230, 258. Fol. Ce. 285. Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter Fol. Aa. 239. 2) Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Dienſt. nach Aller Hei⸗ lig. 1509 Fol. Aa. 230. 234. 3) Schr. des HM. an den Livl. Meiſter, d. Mittw. nach Leon⸗ hardi 1509 Fol. Aa. 238. 4) Daruͤber die Schr. des HM. im Fol. 198 — 199. 243. 5) Fol. Aa. 228. 257 — 288. 264 — 266. Spalatinus de liberis Alberti ducis ap. Menchen T. II. p. 2128. 6) Schr. des HM. an Herzog Georg, d. Dienſt. zu Neujahr 1510 u. Schr. des HM. an d. Biſchof v. Meißen, d. Freit. nach heil. drei Könige 1510 Fol. Aa. 266. 274.
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378 Fortwaͤhrende feindliche Stellung Polens. (1510.) Mit Sehnſucht erwartete der Meiſter ſchon im Anfange des Jahres 1510 den Erfolg der Verhandlungen der Geſandten mit dem Könige von Polen. Hoffend, daß dieſer für den Or⸗ den guͤnſtig ausfallen werde, hatte er der heil. Annc ein koſt⸗ bares Bild von Silber zu weihen gelobt. Der geſchickte Mei⸗ ſter Kilian Rudolph, Goldſchmidt zu Nürnberg, erhielt den Auftrag, das Bild ungefaͤhr achtzig Mark ſchwer mit moͤglich⸗ ſter Kunſt auszuarbeiten.) Aber auch dadurch ſuchte Friederich das gute Werk zu foͤrdern, daß er nach Preuſſen die ſtrengſten Befehle erließ, es ſolle niemand ſich unterſtehen, Feinde des Koͤniges von Polen oder ſeiner Unterthanen in irgend einer Weiſe zu beguͤnſtigen oder irgendwie ihnen Vorſchub zu leiften. > Er ſuchte uͤberhaupt alles zu vermeiden, was den Koͤnig nur irgend zum Zorn gegen den Orden reizen konnte. Und doch machte er von dieſem bald die traurigſten Erfahrungen. Sigis⸗ mund hatte insgeheim Botſchafter nach Rom geſandt, die dem Papſte in „vermeſſenen Reden“ die gröbften Unwahrheiten und Verleumdungen gegen den Orden vorgetragen und die Ehre und den guten Namen des Hochmeiſters auf alle Weiſe ver⸗ unglimpft hatten. Man hoͤrte uͤberdieß, der Koͤnig wolle auch den Biſchof von Ermland nach Rom ſenden, von deſſen Ge ſinnung der Orden ebenfalls dort nicht das Beſte zu erwarten hatte. Da man ſchon hieraus erſah, daß er alles aufbot, um den Papſt wieder für ſich zu gewinnen, ſo beſchloß der Hoch⸗ meiſter, nur noch die Ruͤckkehr der Botſchaſter aus Polen zu erwarten, um dann ebenfalls durch Geſandte nach Rom und 1) Schr. des HM. u. Vertrag deſſelb. mit dem Meiſter Kilian Rudolph, d. Donnerſt. nach h. drei Könige 1510 Schbl. LXXII. 79. Oer HM. benutzte zu dem Bilde das von ſeiner Mutter ihm und ſei⸗ nen Brüdern Georg und Heinrich nachgelaſſene Speiſe-Silber, indem ihm dieſe beiden für die Einraͤumung des übrigen am Nachlaſſe ihm zufallenden Erbtheiles ihre Theile an dem Silber uͤberließen. Fol. Aa. 321 — 322. Das Bild wurde erſt im J. 1512 fertig; Schr. Rudolfs, d. Nurnberg Dienſt. nach Dionyſ. 1512 Schbl. LXXII. 80 — 81. 2) Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Freit. nach h. drei Koͤ⸗ nige 1510 Fol. Aa. 272.
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Fortwährende feindliche Stellung Polens. (1510.) 379 an den bereits angekündigten Reichstag zu Augsburg, dort vor dem Papſte und dem Kardinalcollegium und hier vor den ge⸗ ſammten Reichsſtaͤnden das Gewebe der lügneriſchen Verleum⸗ dung mit der Waffe der Wahrheit zu vernichten. Ließ aber ſchon dieß nicht das Beſte vom Erfolge der Geſandtſchaft an den König erwarten, fo flieg die Beſorgniß noch mehr, als über zwei Monate voruͤbergingen, ohne daß die Geſandten zu⸗ rückkehrten, denn man hielt fie fortwährend zu Krakau auf, wo⸗ hin der König vom Reichstage zu Petrikau kommen ſollte. D um ſo erfreulicher war es dem Hochmeiſter, daß der Land⸗ komthur vom Elſaß Wolfgang von Klingenberg und der Or⸗ densritter Wilhelm Truchſes von Waldburg auch den Adel am Bodenſee und in den nahe gelegenen Landen für den Orden geneigt gefunden und zu Hülfe und Beiſtand gewonnen hat⸗ ten. Da er bald darauf vernahm, daß der Koͤnig von Po⸗ len erklaͤtt habe, er wolle ſeine Antwort auf dem Reichstage zu Augsburg den Reichsfürſten durch ſeine Geſandten mitthei⸗ len laſſen, ſo eilte auch er, ſeinen Kanzler Dieterich von Wer⸗ terde und den Oberkompan Heinrich von Miltitz als Bevoll⸗ maͤchtigte dahin abzufertigen, mit dem Auſtrage, dort auch den Adel zur Hülfe des Ordens zu gewinnen. Nur zu bald beftätigte fich auch des Meiſters Beſorgniß wegen des Koͤniges Geſinnung, denn als die Geſandten endlich kurz vor Oſtern aus Polen zuruͤckkehrten, erfuhr er, daß jener ſich zwar zu einem neuen Verhandlungstage, der um Johanni zu Poſen Statt finden ſollte, habe geneigt finden laſſen,“ jedoch mit der Drohung, daß, wenn die Streitſache auf dieſem Tage nicht beigelegt werden koͤnne, er dann unfehlbar mit Gewalt einſchreiten und Preuſſen mit bewaffneter Hand uͤberziehen werde, 1) Schr. des HM. an den Kanzler v. Werterde, d. Donnerſt. nach Oculi 1510 Fol. Aa 285 2) Schr. des HM. an den Landkomthur v. Elſaß u. .. w. d. am T. Scholaſtica 1510 Fol. Aa. 279 — 280. 3) Schr. des HM. an den Kanzler v. Werterde I. «. 4) Fol. D d. 118.
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380 Der Verhandlungstag zu Pofen. (1510.) um endlich den Orden zu ſeiner Pflicht zu zwingen, und da jetzt der König vom Kriege gegen die Tataren befreit war, fo konnte man allerdings nun das Schlimmſte befuͤrchten. Der Hochmeiſter ſuchte dem drohenden Unheil auf alle Weiſe vor⸗ zubeugen. Er wandte ſich zunaͤchſt an ſeinen Sachwalter in Rom, theils um den Papſt zu bewegen, ſeiner Seits ebenfalls einige Bevollmaͤchtigte zun Verhandlung nach Poſen zu ſenden oder doch wenigſtens zwei angeſehene Deutſche Praͤlaten mit ſeiner Vollmacht zu beauftragen, theils von ihm zwei Breven an ihn und den Koͤnig auszuwirken, worin ihnen, ſofern der Tag zu Poſen nicht den erwuͤnſchten Erfolg habe, von Seiten des Röm. Stuhles geboten werde, alle Gewaltthätigkeit zu unterlaſſen, ihre Bevollmaͤchtigten nach Rom zu ſenden und ihre Streitſache dem Papſte zu friedlichem Austrage vorlegen zu laſſen.) Die Regenten in Preuſſen erhielten ſodann den Auftrag, den Biſchof Guͤnther von Samland, den Komthur zu Oſterode Georg von Eltz und einige Bevollmaͤchtigte von der Ritterſchaft und den Städten zum Tage nach Poſen abzu⸗ fertigen und ſie mit allen noͤthigen Documenten zum Erweis der gerechten Sache des Ordens zu verſehen, jedoch zugleich auch die Ordensburgen mit allem, was zur Befeſtigung und Ver⸗ theidigung diene, aufs Beſte zu verſorgen, weil man vor Ge⸗ waltſchritten des Koͤniges auf keine Weiſe ſicher ſeyn Eünne. 2 Der Meiſter von Livland ward deshalb auch erſucht, drei- bis vierhundert Reiſige kriegsfertig zu halten, um ſie noͤthigen Falls nach dem Tage alsbald nach Preuſſen ſenden zu konnen.?) Um aber auch der Dienſte der kaiſerlichen Näthe Veits von Fuͤrſt und Johann Küchmeifters am Kaiſerhofe ſich ferner noch zu verſichern, belohnte der Hochmeiſter ihre bisherigen Bemuͤhungen 1) Schr. des HM. an den Dockor Kitzſcher in Rom, d. Mittw. nach Palmar. 1510 Fol. Aa. 287 — 289. 2) Schr. des HM. an die Regenten in Preuſſen, d. Rochlitz Mont. zu Oſtern 1510 Schbl. LXX. 52. Fol. Z. 382. Fol. Aa. 291. 3) Schr. des HM. an d. Livländ. Meiſter, d. Rochlitz Mont. zu Oſtern 1510 Fol. Z. 475. Fol. Aa, 290.
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Der Verhandlungstag zu Poſen. (1510.) 381 durch die Aufnahme in die Ordensbruͤderſchaſt, erklärte fie aller Gnadenſpenden des Ordens theilhaſtig und ſetzte auf des erſtern Bitte deſſen Bruder Wilhelm von Fuͤrſt wieder in das ſruͤher von ihm verwaltete Komthuramt zu Neuſtadt in der Ballei Oeſterreich ein.) Jetzt mußte aber des Meiſters Beſtreben vor allem dahin gehen, den Tag zu Poſen, der ſo entſcheidend ſeyn ſollte, theils von den Ordensgebietigern ſelbſt, theils auch von den einflußreichſten Goͤnnern und Freunden des Ordens unter den Fürſten oder doch von deren Bevollmächtigten fo zahlreich als moͤglich beſucht zu ſehen. Er wandte ſich deshalb an den Kaifer, den König von Ungern und Böhmen und durch feine Geſandten auf dem Reichstage zu Augsburg auch an die dort verſammelten Reichsſtaͤnde, an verſchiedene Landkomthure, an die Grafen Ernſt von Mansfeld, Botho von Stolberg und viele andere.) In Preuſſen mußten — und es geſchah nicht ohne große Schwierigkeiten — die nöthigen Geldſummen zu⸗ ſammengebracht werden,“ deren der Meiſter bedurfte, um ſich mit einem anſehnlichen Geleite nach Sagan zu begeben und dort den Verhandlungen näher zu ſeyn.“ Der Biſchof von Pomeſanien ward an die Univerfität zu Leipzig geſandt, um die Profeſſoren der dortigen Juriſten⸗Facultaͤt über die Streit⸗ ſache des Ordens mit Polen gründlich zu unterrichten, worauf der Ordinarius der Facultaͤt Doctor Johann Lindemann vom Hochmeiſter auch die Aufforderung erhielt, „ ein Conſilium“ oder rechtliches Gutachten daruber abzufaſſen und ihm zum 1) Die Urk. über die Aufnabme der beiden oben Genannten in die Ordensbruͤderſchaft, d. Rochlitz Oſtermont. 1510 Fol. Aa. 293 — 295. 2) Darüber die Schreiben im Fol. Aa. 296. 314— 315. 3) Schr. des HM. an d. Großtomthur u. die Komthure v. Rhein und Memel, d. Dienft. zu Oſtern 1510 Fol. Aa. 296 — 297; er ver⸗ langt von den beiden Komthuren 2000 Rhein. Gulden. 4) Schr. des HM. an d. Livl. Meiſter a. a. O. Fol. Aa. 291. Schr. des HM. an Georg v. Schlieben Verweſer zu Sagan, d. Sonnab. nach Jubilate 1510 Fol. Aa. 302. Inſtruction für den Oberkompan Heinr. v. Miltitz, d. Dienſt. zu Pfingſt. 1510 Fol. Aa. 371.
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382 Der Verhandlungstag zu Poſen. (1510.) Behufe des Tages zu Poſen zuzuſenden.) Ein ſolches Gut⸗ achten ward auch von einem beruͤhmten Rechtsgelehrten der Univerfität zu Ingolſtadt Hieronymus von Croaria eingeholt 2 und endlich behandelte die Frage: ob der Orden den Thorner Frieden aufrecht zu erhalten verpflichtet ſey? auch der im Recht wie in der Geſchichte gleich gelehrte Domherr zu Bamberg und Wuͤrzburg Leonhard von Egloffſtein und zwar ebenfalls zu Gunſten des Ordens. 9 Zur Freude des Hochmeiſters erhielt der paͤpſtliche Legat, der auf dem Reichstage zu Augsburg war, den Auſtrag, den Verhandlungen zu Poſen mit beizuwohnen. Von Seiten des Kaiſers wurden zu Bevollmaͤchtigten ernannt der Coadjutor und Adminiſtrator des Stiftes Fulda, Kanzler Hartmann Burggraf von Kirchberg, Graf Ernſt von Mansſeld und der Doctor der Rechte Ritter Dieterich von Witzleben.“ Sie ſoll⸗ ten ſich zuerſt zum Hochmeiſter nach Leipzig begeben und von ihm uͤber die obwaltenden Irrungen und die bereits daruͤber geführten Verhandlungen genau belehrt, dann nach Poſen ihre 1) Schr. des HM. an d. Dr. Johann Lindemann Ordinarius zu Leipzig, d. Dienſt. nach Exaudi 1510 Fol. A a. 310. 2) Dieß iſt noch vorhanden Schbl. XXVI u. im Original Schl. C. 396; es ſchließt mit den Worten: Ouemadmodum suprascriptum et conclusum est, ita videtur mihi Hieronimo de Croaria I. utr. Doc- tori canonum ordinario matutino in famata universitate Ingolstadiensi inris esse, salva tamen semper saniori sententia cniuscungue, in cuius fidem me propria manu subscripsi, sigillumque meum subimpressi ad laudem dei. Actmmn Ingolstadii XXIIII Maji a. d. etc. decimo. Da⸗ bei iſt ein Theil eines andern Gutachtens, wahrſcheinlich des Leipzigers angefuͤgt. 3) Auch dieß iſt noch vorhanden Schbl. XXIX. 23. Es iſt eigent⸗ lich eine hiſtoriſch⸗juriſtiſche Deduction. Der Verfaſſer iſt am Schluſſe genannt, wo es heißt: Ita sentio ego Leonardus de Egloffstein u. I. Doctor Soclasticus Bambergen. ac Herbipolen. Ecclesiarum Canonicus. Dieß ift ohne Zweifel die beſte Schrift. 4) Inſtruction für den Oberkompan Heinr. v. Miltitz, d. Dienſt. zu Pfingſt. 1510 Fol. Aa 371. Langenn Herzog Albrecht der Be⸗ berzte S. 495.
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Der Verhandlungstag zu Poſen. (1510.) 383 Reiſe fortſetzen. Dort, ſo hatte der Kaiſer befohlen, ſollten ſie mit des Papſtes und des Koͤniges von Ungern Sendboten und Raͤthen die Parteien verhoͤren und dann mit ernſtem Fleiß ver⸗ ſuchen, die Sache auf guͤtlichem Wege beizulegen und die Par⸗ teien zu vereinigen. Werde Guͤte nicht Raum gewinnen, ſo follten fie nach Rath des Hochmeiſters „wegen eines endlichen rechtlichen Austrages“ verhandeln und werde auch dieſes nicht zum Ziele führen, fo ſollten fie den Geſandten des Koͤniges von Polen ſofort erklaͤren: „da der Orden Deutſcher Nation und der gemeinen Chriftenheit zu Nutzen und Gedeihen geftiftet, durch paͤpſtliche Heiligkeit beſtaͤtigt und mit beſondern Privilegien begnadigt worden, auch bisher gegen die Unglaͤubigen in viel⸗ facher Weiſe ſich redlich und wohl gehalten und bewieſen, ſo ſey es des Kaiſers, der Kurfuͤrſten, der Fuͤrſten und Reichs⸗ ſtände Entſchluß, ihn fortan in ſeinen Rechten zu handhaben und nicht ferner dermaßen, wie bisher bedraͤngen zu laſſen.“ In dieſer Art follten die kaiſerl. Bevollmaͤchtigten in Verbindung mit dem von den Kurfürften und Reichsſtaͤnden zu ihrem Be⸗ vollmaͤchtigten ernannten Grafen Botho von Stollberg!) auch dann verfahren, wenn die Botſchaſter des Papſtes und des Koͤniges von Ungern auf dem Tage nicht erſcheinen wuͤrden. Zuvor aber wandten ſich der Kaifer und die Kurfürften auch ſelbſt noch an den König von Polen mit der Bitte, den Bes vollmächtigten geneigtes Gehör zu geben und fi) dem Orden guͤtig und gnaͤdig zu beweiſen.“ Alſo ward im Anfange des Juli der Tag zu Poſen eroͤff⸗ net, nachdem ſich dort außer den erwähnten Botſchaftern 1) Schr. des HM. an d. Grafen Botho v. Stolberg, d. Dienſt. nach Trinit. 1510 Fol. Aa. 315. 2) Inſtruction des Kaiſers fuͤr ſeine Geſandten zum Tage in Po⸗ ſen, d. Augsburg 17 Mai 1510 Schbl. XXIX. 25. 3) Schr. des Kaiſers an d. König v. Polen, d. Augsburg 20 Mai 1510 Schbl. XXIX. 25. Schr. der Kurfuͤrſten an d. König v. Polen, d. auf dem Reichstage zu Augsburg 21 Mai 1510 Schbl. V. 44. 45. 4) Schütz p. 432.
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384 Der Verhandlungstag zu Poſen. (1510.) des Kaiſers und der Kurfürften auch die des Koͤniges von Un⸗ gern, die des Koͤniges von Polen, die des Ordens aus Preuſ⸗ fen und Livland und eine große Zahl anderer Geſandten, Präs laten und vornehme Herren eingeſunden hatten. Der Tag war uͤberhaupt ſehr zahlreich beſucht. Allgemein befremdete es aber, daß der paͤpſtliche Legat Achilles de Groſſis nicht erſchienen war; vergebens erwarteten die uͤbrigen Bevollmaͤchtigten eine Mitthei⸗ lung der Urſachen feines Nichterſcheinens.) Die Geſandten des Ordens begannen die Verhandlungen mit einer Darlegung der friedlichen Geſinnungen des Hochmeiſters und der dagegen bisher immer drohenden feindlichen Stellung des Koͤniges von Polen gegen den Orden, wiewohl der Meiſter ſich nie geweigert, dem Koͤnige und deſſen Unterthanen in allen billigen Dingen gerecht zu werden. Darauf baten fie im Namen ihres Herrn, den Kö: nig zu bewegen, daß er von der von ihm verlangten Oberherr⸗ lichkeit uͤber den Orden und vom Beſitze der Lande, welche er und ſeine Vorfahren ſeit Jahren mit Gewalt inne gehabt, ab⸗ ſtehe und fie dem Orden wieder einraͤume.) Die Polniſchen Bevollmaͤchtigten laͤugneten, daß ihr Koͤnig mit Gewalt in je⸗ ner Lande Beſitz gekommen ſey, behauptend, er beſitze nichts weiter, als was ihm und ſeinen Vorfahren von jeher mit vol⸗ lem Rechte gehört. Sie gingen dann auf die Entſtehung des ewigen Friedens durch einen paͤpſtlichen Legaten uͤber, um daraus zu beweiſen, daß auch ſelbſt der Papſt in dieſem Frieden der Krone Polens das Land Preuſſen zuerkannt habe. Des Hoch⸗ meiſters Vorfahren haͤtten den Frieden auch anerkannt; warum dieß nicht auch er trotz der Zuſage ſeiner Vettern, Bruͤder und Freunde gethan, wiſſe man nicht; gewiß aber ſey, daß das Koͤnigreich Polen dadurch großen Schaden erlitten, indem der Hochmeiſter und ſein Orden, waͤhrend jenes wiederholt von den 1) Schr. des HM. an d. Doctor Kitzſcher in Rom, d. Dienſt. nach Dominici Confeſſ. 1510 Fol. Aa. 328. 2) Schiitz p. 432. Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland u. die andern Ordensgeſandten in Poſen, d. am T. Diviſ. Apoſtol. 1510 Fol. Aa. 323.
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Der Verhandlungstag zu Poſen. (1510.) 385 Unglaͤubigen überfallen, beraubt und verheert worden, gegen ihre Pflicht ſtets Huͤlfe verweigert. Nur des Koͤniges Sanft⸗ muth habe dieſe Saumſeligkeit dulden koͤnnen, immer noch hoffend, der Hochmeiſter werde zu feiner Pflicht zuruͤckkehren. Endlich erſuchten die Polniſchen Bevollmaͤchtigten die Geſand⸗ ten des Kaiſers und des Koͤniges von Ungern, ſie moͤchten, damit es zu Ruhe und Friede kaͤme, den Hochmeiſter zu be⸗ wegen ſuchen, daß auch er wie ſeine Vorfahren die Punkte und Beſtimmungen des ewigen Friedens annehme und voll⸗ führe. D Dieſe einander gegenüber geftellten Forderungen bildeten gleichſam das Thema zu langen, wortreichen Verhandlungen, indem zuerſt die Ordensgeſandten auf dem Wege einer geſchicht⸗ lichen Erörterung die Behauptungen der Polen Schritt vor Schritt zu widerlegen ſuchten. Sie erwieſen, mit welchem Un⸗ recht und gegen alle Friedensſchluͤſſe ſich der Koͤnig der dem Orden gehörigen Lande bemaͤchtigt, wie er ſich in den Streit des Ordens mit deſſen Unterthanen eingemiſcht, wie dann die: ſer mit Zwang und Gewalt zum Frieden und allen darin ent⸗ haltenen ungerechten, unbilligen, gegen alles Recht, die Freiheit der Kirche und die Stiftung und Ordnung des Ordens ſtrei⸗ tenden Beſtimmungen gedrungen worden ſey, daß alſo darum der Friede auch keine Kraft und Geltung fuͤr den Orden haben koͤnne. Sie laͤugneten ferner, daß der Hochmeiſter gegen ſeine, ſeiner Vettern und Bruͤder Zuſage den Frieden nicht habe an⸗ nehmen wollen, weil er eine ſolche Zuſage nie gegeben, auch ohne Verletzung ſeines Gewiſſens nie habe geben koͤnnen. Endlich widerlegten ſie die gegen den Orden aufgebrachte An⸗ klage, daß er nicht mehr gegen die Unglaͤubigen kaͤmpfe und darum ſeiner Stiftung und Beſtimmung nicht mehr nachkomme, mit Hinweiſung auf den fortwaͤhrenden Krieg des Meiſters von Livland mit den unglaͤubigen Ruſſen, wozu ja auch der Orden in Preuſſen nicht verſaͤumt habe Huͤlfe zu leiſten. 2 1) Schütz p. 432. 2) Schütz p. 433 — 434. IX. 25
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386 Der Verhandlungstag zu Poſen. (1510.) Gegen dieſe Behauptungen traten wieder die Polniſchen Be⸗ vollmächtigten auf, wollten von Rechten und Anfprüchen, die der Orden auf die Lande Kulm, Pommerellen u. ſ. w. vorgebe, nicht weiter wiſſen, laͤugneten ihre Gültigkeit und bemühten ſich dagegen die Geltung und fortdauernde Kraft des ewigen Friedens darzuthun. So gingen mehre Tage in fortgeſetzten Unterhandlungen oder vielmehr in gegenſeitigen Anklagen und Rechtfertigungen hin, worin jeder Theil alles aufbot ſein vermeintes beſſeres Recht darzuthun. Jeder Redner ſtellte es ſich zur Aufgabe, des Gegners Behauptungen zu bekaͤmpfen, allts unwahr dar⸗ zuſtellen oder wenigſtens ihre Kraft zu ſchwaͤchen. Immer aber wiederholte ſich dabei die Hauptſrage: ob der ewige Friede ſo⸗ wohl nach der Art, wie er geſchloſſen ſey, als nach ſeinem Inhalte fuͤr guͤltig und verbindlich anzuerkennen ſey? Die Or⸗ densgeſandten laͤugneten dieß, die Polniſchen behaupteten es, dieſe wie jene fort und fort bemüht, die Gründe der Gegner zu widerlegen und zu entkraͤſten.“ Dieß alles aber konnte, wie man bald einſah, zu keiner gegenſeitigen Annäherung ſuͤh⸗ ren; es mochte hoͤchſtens nur dienen, die Geſandten des Kai⸗ ſers, des Königes von Ungern und der Kurfuͤrſten über die verſchiedenen Streitpunkte genauer zu belehren. Um daher den Verhandlungen endlich einen feſtern Schluß zu geben und den Tag nicht ohne Erfolg voruͤbergehen zu laſſen, traten die kai⸗ ſerl. Abgeordneten mit dem doppelten Antrage auf: der Streit moͤge entweder durch einen richterlichen Austrag, durch ein ſchiedsrichterliches Erkenntniß ausgeglichen und beigelegt werden, oder die Frage uͤber die Verbindlichkeit des ewigen Friedens moͤge auf zehn oder funfzehn Jahre dahingeſtellt bleiben. Der 1) Schütz p. 435 — 440, wo man die oben erwähnten Verhand⸗ lungen weiter nachleſen kann. Aus einer andern Quelle Schbl. 106 nro 38 erfahren wir, daß die Polniſ. Geſandten unter andern auch erklärten: „ehe der konig ſollt mit dem Orden rechten, eher ſollt er das gelt, ſo auf das recht ſollt gehen, auf reuter und Soldener wenden.“
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Vorſichtsmaaßregeln d. HM. nach d. Tage z. Poſen. (1510.) 387 Hochmeiſter, daruber befragt, erklaͤrte ſich zu beidem geneigt, flimmte jedoch am meiſten für einen ſchiedsrichterlichen Aus⸗ trag, ſey es durch den Kaiſer, den Koͤnig von Ungern, durch einige in Vorſchlag gebrachte geiſtliche und weltliche Fuͤrſten oder uͤberhaupt durch Schiedsrichter, uͤber deren Wahl er und der König von Polen ſich einigen wuͤrden, doch mit dem Be⸗ dinge, daß Zeit und Ort feſtgeſtellt werde, wann und wo der Ausſpruch unfehlbar erfolgen muͤſſe. Nur wenn dieſer Antrag von den Gegnern nicht angenommen werde, willigte er in den andern ein, obgleich er ſich von dieſem keinen beſondern Erfolg und wenig Heil für den Orden verſprach.) Die Polniſchen Bevollmaͤchtigten dagegen erklaͤrten ſich fuͤr keinen der beiden Antraͤge, bloß bemerkend: der Koͤnig werde daruͤber die noͤthige Antwort ertheilen. So ging der Tag zu Poſen am achtzehn⸗ ten Juli wiederum erfolglos auseinander. Der Biſchof Gun⸗ ther von Samland eilte alsbald zum Hochmeiſter, um ihm von allem Bericht zu erftatten. 2 Dem Hochmeifter blieb, da er den hartnaͤckigen Sinn ſeines Gegners und deſſen Abhaͤngigkeit vom Willen ſeiner Reichsgroßen kannte, wenig Hoffnung zu einer friedlichen Aus⸗ gleichung. Er mußte erwarten, welchen Schritt der König jetzt thun werde. Auf jeden Fall aber waren Vorſichtsmaaßregeln 1) Schr. des HM. an den Biſchof v. Samland u. die andern Ordensgeſandten zu Poſen, d. Freit. nach Margar. 1510 Fol. Aa. 324 — 325. 2) Schr. des HM. an d. Doctor Kitzſcher in Rom, d. Dienſt. nach Dominici 1510 Fol. Aa. 327. Wir haben uͤber den Verlauf des Tages zu Poſen noch eine Menge von Verhandlungen, die im Weſentlichen mit der Darſtellung bei Scküts 1. c. uͤbereinſtimmen und aus denen der Chroniſt geſchoͤpft zu haben ſcheint; Schbl. 105. uro 148 u. XXIX. 24. 63. Wichtig iſt unter dieſen Nachrichten auch die Ab⸗ ſchrift eines an den Kaiſer gerichteten Berichtes uͤber den Verlauf der Verhandlungen. Sehr vollſtaͤndig findet man die Verhandlungen, namentlich alle Reden und Gegenreden der beiderſeitigen Bevollmaͤch⸗ tigten in der Ordens⸗Chron. p 347 — 365 u. Ordens ⸗Ehron. p. 119 — 137. 25
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388 Verhandl. wegen eines General- Kapitels. (1510.) nothwendig. Er erneuerte daher vor allem an die Regenten in Preuſſen den Befehl, mit aller Strenge darauf zu ſehen, daß den Unterthanen des Koͤniges in keiner Weiſe etwas Un: billiges oder Gewaltthaͤtiges geſchehe, weil es jetzt doppelt ge⸗ faͤhrlich ſchien, ihn noch mehr zum Zorn zu reizen.) Vor allem mußte ihm daran gelegen ſeyn, den Papſt, den Kaiſer und die vornehmſten Reichsfuͤrſten in feinem Intereſſe feſt⸗ zuhalten. Wohl wiſſend alſo, wie eifrig von jeher die Könige von Polen bemuͤht geweſen, in Streitigkeiten den Orden am paͤpſtlichen, kaiſerlichen und an fuͤrſtlichen Höfen durch Ver⸗ leumdung und Entſtellung der Thatſachen zu verunglimpfen und ihm Freunde und Goͤnner zu entziehen, ertheilte jetzt der Hochmeiſter ſeinen Sachwaltern und Ordensgebietigern uͤberall⸗ hin Auftraͤge, dem Papſte, am kaiſerl. Hofe und bei den Reichsſürſten den Verlauf des Tages zu Poſen getreu und völ- lig der Wahrheit gemaͤß darzulegen und ſie zugleich um Bei⸗ ſtand anzuſprechen, ſofern es der Koͤnig wagen ſollte, den Weg der Gewalt zu betreten. Jetzt dachte der Hochmeiſter an die Ruͤckkehr nach Preuſ⸗ fon. Nichts aber ſchien ihm bei der forfdauernd gefahrvollen Stellung des Ordens gegen Polen jetzt nothwendiger und heil⸗ ſamer, als die Verſammlung ſaͤmmtlicher oberſter Gebietiger des Ordens in einem General-Kapitel zu einer gemeinſamen Berathung, um dann zugleich auch uͤber die allgemein als zweckmaͤßig anerkannten Veranderungen in den Ordensſtatuten die noͤthigen Beſtimmungen feſtzuſtellen. Der alte Deutſch⸗ meiſter Hartmann von Stockheim war nach langwieriger Krank⸗ 1) Schr. des HM. an die Regenten in Preuſſen, d. Dienft. nach Dominici 1510 Fol. Aa. 326. 340. 2) Schr. des HM. an den Doctor Kitzſcher in Rom, d. Dienſt. nach Dominici 1510 Fol. Aa. 326. Schr. des HM. an d. Landkom⸗ thur an der Etſch Heinr. v. Knorringen, d. Sonnt. nach Laurentii 1510 Fol. Aa. 331. Schr. des HM. an die Erzbifchöfe v. Mainz, Trier und Koln, d. wie vor, ebendaſ. p. 336 — 337. Antwort des Land⸗ konuhurs an der Etſch an d. HM. d. Landeck 4 Sept. 1510,
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Verhandl. wegen eines General- Kapitels. (1510.) 389 heit ſchon im Fruͤhling dieſes Jahres geftorben D und die Ge bietiger in Deutſchland hatten bereits im Mai den bisherigen Komthur zu Mergentheim Hans Adelmann von Adelmans⸗ felden zu feinem Nachfolger erkoren; er erhielt jedoch erſt nach dem Tage zu Poſen feine Beftätigung.? In einer perſoͤn⸗ lichen Berathung mit ihm und dem Komthur von Marburg uͤber die Verſammlung eines großen Kapitels fand es auch der Hochmeiſter zweckmaͤßig, dieſem eine vorbereitende Be⸗ rathung der Gebietiger zur Vereinigung über die wichtigſten Gegenſtaͤnde vorangehen zu laſſen. Allein nach des Deutſch⸗ meiſters Ruͤckkehr nach Mergentheim ſchien es den dort ver⸗ ſammelten Rathsgebietigern des Ordens, um die unter dem vorigen Deutſchmeiſter in letzter Zeit ſehr oft zum Kapitel be⸗ rufenen Landkomthure nicht zu ſehr zu belaͤſtigen, bequemer, daß der Deutſchmeiſter und etliche Rathsgebietiger aus der Ballei Franken ſich in Bonn verſammeln, dorthin auch die Nieder⸗ laͤndiſchen und einige andere Landkomthure einladen, der Hoch⸗ meiſter aber ihnen die wichtigſten Artickel, die im großen Ka: pitel zur Verhandlung zu bringen feyen, zuſenden folle, um dort daruber zu berathen. Der Hochmeiſter, erfreut, daß 1) Bachem Chron. der HM. S. 50 giebt ſeinen Todestag nicht näher an. Wir finden aber in Jaeger Cod. diplom. O. T. 5. B. a. einen Kapitelſchluß zu Mergentheim uͤber die Anordnung des Begaͤng⸗ niſſes des verſtorbenen Deutſchmeiſters, nach welchem dieſes am Mon⸗ tag nach Cantate, d. h. den 29 April mit Vigilien u. ſ. w. geſeiert werden ſollte. Da aber dieſes ſchon am Montag vor Oculi gehalten wurde, ſo muß des DM. Tod ſchon zu Ende des Februars erfolgt ſeyn. 2) Schr. des HM. an den Großkomthur u. den Ordensmarſchall, d. nach Corpor. Chr. 1510 Fol. An. 319. Der HM. erklaͤrte, daß er abſichtlich die Beftätigung bis nach dem Tage zu Poſen aufſchiebe; ſie erfolgte am Donnerſt. vor Petri Kettenfeier. In dieſen Nachrichten wird übrigens der neue Deutſchmeiſter nur Hans von Adelmann ge⸗ nannt, nicht Hans Adelmann von Adelmansfelden, wie bei Bachem S. 52. In feinen eigenen Briefen, Schbl. 98. 28, ſchreibt er ſelbſt ſeinen Namen ſo, wie ihn Bachem hat. 3) Schr. des DM. an den HM. d. Mergentheim Mittw. nach Aegidii 1510 Schl. LXX. 84.
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390 Verhandl. wegen eines General - Kapitels. (1510.) der Deutſchmeiſter mit den Gebietigern in feinen Plan ein⸗ gegangen war, ſtimmte auch dieſem Vorſchlage bei und ver⸗ ſprach, dem Deutſchmeiſter die wichtigſten Berathungsgegen⸗ ſtaͤnde zuzuſenden. Als ſolche bezeichnete er vorlaͤufig die Fra⸗ gen: wie die Verluſte, welche der Orden an ſeinen Beſitzungen in Preußen, Böhmen, Welſchland und Spanien » erlitten, wieder zu erſetzen ſeyen und welche Wege man einzuſchlagen habe, um die verlorenen Lande wieder zu erlangen? Wie fer⸗ ner den Widerwaͤrtigkeiten zu begegnen ſey, welche der Meiſter von Livland täglich von den Ungläubigen und feinen chriſtlichen Nachbarn zu erwarten habe? Dann was zu thun ſey, um zu verhuͤten, daß nicht die Ordensprivilegien fort und fort und an fo vielen Orten verletzt würden und wie man den aus dieſen Verletzungen hervorgehenden Bedraͤngniſſen vorbeu⸗ gen muͤſſe? Endlich ſollten auch in der Ordensverfaſſung manche Einrichtungen, etwa vorkommende Gewiſſensſachen, die Abhaltung des Gottes dienſtes, Faſten und andere ders gleichen Ordensverhaͤltniſſe, vorzuͤglich auch die erwaͤhnten Veraͤnderungen im Ordensbuche zur Sprache gebracht wer⸗ 1) Wie der Orden zu einer Beſitzung in Spanien gekommen war, iſt dunkel; fie wird als eine preceptoria bezeichnet und im J. 1422 in einem Schr. des HM. an den Erzbiſchof von Mailand erwaͤhnt im Regiſtr. V. Der HM. fogt von ihr aber damals ſchon: illa pre- ceptoria per Petrum de Luna exstiiit fratribus Ieronimi de facto in- corporata; luiusmodi preceptoria est de gubernatione preceptoris nostri per Alamaniam, qui pro reductione dicte Preceptorie multos fecit sumptus et expensas et pendet lis in Consistorio domini nostri pape super eadem, prout putamus, indecisa. Nach einem Schr. des Or⸗ densprocurators Georg v. Eltz, d. Rom 5 Decemb. 1502 Schbl. II. 121 hatte um dieſe Zeit der DM. einen Geſandten an den Koͤnig von Spa⸗ nien geſchickt, um „die Ballei in Hiſpanien wieder zum Orden zu bringen“, ſie ſollte damals einen jaͤhrlichen Ertrag von 5000 Ducaten einbringen. Nach einem Schr. eines gewiſſen Don Johannes Manuel an den HM. Friederich von Sachſen vom 28 April 1504 Schbl. 100. 13 duͤrfte man ſchließen, daß dieſe Ordensballei in der Dioͤceſe von Zamora gelegen habe. Schr. der Gebietiger in Deutſchland an d. HM. d. im Kapitel zu Frankfurt Mittw. nach Aegidii 1499 Schbl. DM, 70,
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Verunglimpfung des Ordens. (1510.) 391 den.) Es ſtand alſo dem Orden in vielen Dingen eine merkliche Reformation bevor. Der Hochmeiſter wandte ſich daher auch an den Meiſter von Livland, um auch dieſen dafür zu gewinnen, denn er hoffte in jeder Beziehung wichtige Er⸗ folge von dieſer Berathung und er freute ſich, ein altes In⸗ ſtitut wieder ins Leben zu fuͤhren, welches im Orden faſt ſchon vergeſſen zu ſeyn ſchien. 20 Vergebens wartete der Hochmeiſter bis in den Herbſt die: ſes Jahres auf die verſprochene Antwort des Königes von Po⸗ len.) Statt ihrer erhielt er endlich die befremdende Nachricht: der paͤpſtliche Legat ſey erſt jetzt beim Könige eingetroffen, habe ſich lange bei ihm aufgehalten und vieles mit ihm zum Nachtheil des Ordens verhandelt; die Polen, auch jetzt wieder bemüht, die Verhandlungen zu Poſen aller Wahrheit zum Hohn allenthalben in einem ganz andern Lichte darzuſtellen, haͤtten auch ihm ganz unrichtige Berichte daruber mitgetheilt, überhaupt den Orden in Preuffen bei ihm ſehr verunglimpft, behauptend: er führe in Preuſſen ein durchaus böfes und uns ordentliches Leben. Sehr anſehnlich beſchenkt ſey dann der Legat ohne weiteres wieder von dannen gezogen. Da der Hoch⸗ meiſter zugleich erfuhr, daß er ſich auf ſeiner Ruͤckreiſe zuerſt zum Kaiſer und dann nach Rom begeben und Bericht abſtat⸗ ten wolle, ſo eilte er, durch ſeinen Sachwalter in Rom den Papſt von allem aufs genaueſte unterrichten zu laſſen.) Dem Komthur von Koblenz Ludwig von Seinßheim trug er auf, 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Rochlitz am T. Kreuz⸗Erhoͤh. 4510 Schbl. LXX. 55. Fol. Aa. 340. 2) Schr. des HM. an den Livl. Meifter, d. am T. Kreuz⸗ Erhoͤh. 1510. Schr. des HM. an den DM. d. Mont. nach Dionyſ. 1510 Fol. A a. 342 — 343. 349. 3) Der König wiederholte nur fort und fort ſeine Klagen uͤber Miß handlungen feiner unterthanen; Schr. des Koͤniges v. Polen an die Regenten in Preuſſen, d. Krakau am T. Hedwigs 1510 Schbl. XXIX. 51. 4) Schr. des HM. an den Doctor Kitzſcher in Rom, d. Mittw. sah Simon u. Judaͤ 1510 Fel. Aa. 354.
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392 Verunglimpf. d. Ordens. Kränkung d. HM. hierüber. (15 10.) ſich mit dem Ritter Eitelwolf von Stein, den er überhaupt gerne in den Ordensdienſt zu ziehen ſuchte, . ſchleunigſt zum Kaiſer zu begeben, um theils auszuforſchen, was zwiſchen dem Legaten und dem Koͤnige von Polen eigentlich berathen und beſchloſſen ſey, theils auch den Kaiſer zu erſuchen, er moͤge ſelbſt den Legaten von den Unterhandlungen zu Poſen der Wahrheit gemäß unterrichten laſſen, theils endlich auch den Orden gegen die Verleumdungen der Polen in Schutz zu neh⸗ men. Der Hochmeiſter erbot ſich, daruͤber ſich auch ſelbſt zu verantworten, zugleich den Kaiſer und den Legaten erſuchend, fie möchten ihrer Seits Bevollmaͤchtigte nach Preuffen ſenden und dort Nachrichten uͤber den Stand der Dinge einziehen, um ſich ſelbſt von der Unwahrheit der Anklagen zu uͤber⸗ zeugen.?) Nichts kraͤnkte jetzt den Hochmeiſter tiefer als dieſe ent⸗ ehrende Verunglimpfung des Ordens gerade zu einer Zeit, als er mit der aufrichtigſten Geſinnung an Suͤhne und Frieden mit dem Koͤnige arbeitete und dabei manches ſchwere Opfer brachte. Er vertraute jedoch auf die Kraft der Wahrheit, in⸗ dem er theils auf dem naͤchſten Reichstage, der im Anfange des kuͤnſtigen Jahres gehalten werden ſollte, ſich vor den Reichs fuͤrſten offen und frei aussprechen, 9 theils durch die Berathungen und Beſchluͤſſe auf dem großen Ordenskapitel, womit er ſich noch fortwährend befchäftigte, beweiſen zu koͤn⸗ nen hoffte, wie ſehr ihm die Wohlfahrt, das Gedeihen und die Ehre des Ordens am Herzen liege.) Großen Troſt brachte es ihm auch, daß immer noch der gute Name und die 1) Eitelwolf v. Stein hatte ſich ſchon in Verhandlungen des Or⸗ dens mit Daͤnemark gebrauchen laſſen; Schr. des HM, an denſelben, d. am T. Simon u. Judä 1510 Fol. Aa. 352 — 333. 362. 2) Schr. des HM. an den Komthur v. Koblenz, d. Mont. am T. Martini 1510 Fol. Aa. 360. . 3) Fol. Aa. 344. 4) Schr. des HM. an den Komthur v. Koblenz, d. am T. Mar⸗ tini 1510 Fol. A a. 360 — 362.
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Krankheit des HM. (1510.) 393 Achtung des Ordens in Deutſchland die edelſten Familien des Vaterlandes anlockten, ihre Soͤhne mit dem Ordensmantel der Deutſchen Ritter geſchmuͤckt zu ſehen, und nicht bloß adelige Familien, wie die von Stein, die den jungen Edlen Chriſtoph von Stein in den Orden einkleiden ließ,“ ſondern ſelbſt auch fürſtliche Haͤuſer bewarben fi noch um dieſe Ehre. So wuͤnſchte unter andern der Markgraf Friederich von Branden⸗ burg in Franken ſeinen Sohn, den jungen Markgrafen Albrecht in den Orden aufgenommen zu ſehen. Der Hauptmann zu Hof, Ritter Philipp von Feilitzſch, ein Oheim des Biſchofs Hiob von Pomeſanien, ſollte die Aufnahme vermitteln. Allein der Hochmeiſter war ſchon ſeit den erſten Tagen des Decem⸗ bers von einer Krankheit befallen, aus der kaum eine Geneſung zu erwarten war. Da ſtieg zuerſt im Biſchofe von Pomeſanien der Gedanke auf: es koͤnne im Fall des Todes des jetzigen Hochmeiſters für den Orden nichts heilſamer ſeyn und vielleicht auch nichts die Streitfrage mit Polen leichter loͤſen, als wenn der erwaͤhnte junge Markgraf Albrecht, der Sohn einer Schweſter des jetzi⸗ gen Könige von Polen, als Hochmeiſter an die Spitze des Ordens geſtellt wurde. Er meldete dieß im Vertrauen ſeinem Oheim mit dem Rathe, bei den beiden Markgrafen Friederich und Kaſimir, dem Bruder Albrechts, die Aufnahme des jun⸗ gen Markgrafen in den Orden fo viel als möglich zu beſchleu⸗ nigen; ſie moͤchten daher beide eiligſt nach Zwickau kommen, um dort insgeheim mit des Hochmeiſters Raͤthen die Sache weiter zu berathen.) Der Biſchof ſelbſt konnte dabei nicht weiter mitwirken, denn der Hochmeiſter ſandte ihn bald darauf nach Preuffen zurück, weil er, da der Großkomthur Simon von Drahe ſchon im Herbſt um ſeine Amtsentlaſſung gebeten 1) Fel. Aa. 350 — 381. 2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an den Ritter Philipp von Feilitzſch, Hauptmann zu Hof, d. Rochlitz am T. Barbara 1510 Schbl. LXIX. 39. Der Biſchof ſchrieb dieſen Brief eigenhändig, weil die Sache noch ſehr geheim bleiben ſollte.
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394 Krankheit des HM. (1510.) hatte,) des Biſchofs Anweſenheit und thaͤtiges Eingreifen in die Landesverwaltung fuͤr hoͤchſt nothwendig fand und ihn da⸗ her auch mit ausgedehnter Vollmacht verſah, ) denn da die lange Abweſenheit des Hochmeiſters für die Verwaltung man: chen großen Nachtheil gebracht, in die Hausordnung, Rentei⸗ verwaltung, ins Polizei⸗ und Muͤnzweſen u. ſ. w. manche ver: derbliche Unordnung eingeriſſen war, fo ſchien es jetzt unerlaͤß⸗ lich, daß ein umſichtiger, kraͤftiger und erfahrener Mann, wie der Biſchof von Pomeſanien bis zu des Meiſters Ruͤckkehr wieder mit an die Spitze der Regentſchaft trete.) Markgraf Friederich von Brandenburg folgte des Biſchofs Rath; ihm war es ſelbſt erwuͤnſcht, daß ſein Sohn nach des jetzigen Hochmeiſters Tod mit der Meiſterwünde bekleidet werden möchte; er ſprach dieſen Wunſch gegen den Biſchof auch offen aus und ſandte zwei ſeiner Raͤthe nach Zwickau ab, wo ſie am achtzehnten December eintreffen und mit den Abgeordneten des Hochmeiſters die Aufnahme des jungen Markgrafen vorbereiten ſollten.) Auch der Hochmeiſter, im Fall er ſterben follte, und fein Bruder Herzog Georg von Sachſen wuͤnſchten den jungen Markgrafen als Hochmeiſter an die Spitze des Ordens, weshalb der erſtere auch die Gebietiger in Preuſſen um ihre Zuſtimmung erſuchte, wodurch fi) die! Berathung auf einige Zeit verzog. 9 Mittlerweile aber war die Krankheit des Hochmeiſters in dem Maaße geſtiegen, daß alle Hoffnung der Geneſung ent: 1) Fol. Aa. 383; der HM. ertheilte ihm die Entlaſſung nicht und vertroͤſtete ihn auf feine Rückkehr nach Preuſſen. 2) Vollmacht fuͤr den Biſchof v. Pomeſanien, d. Rochlitz Dienſt. nach Concept. Maria 1510 Fol. A a. 364 — 365. 3) Fol. Aa. 387 — 394. 4) Schr. des Markgrafen Friederich v. Brandenburg an den Bi⸗ ſchof v. Pomeſanien, d. Onolzbach Mont. nach Concept. Mariä 1510 Schbl. B. 44. 5) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. Markgrafen Frie⸗ derich v. Brandenburg, d. Rochlitz Mont. nach Lucid 1510 Schbl. B. 380.
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Tod des HM. Herzog Fried. v. Sachſen. (15 10.) 395 ſchwand. Er erlag endlich ſeinem Leiden am Sonnabend den vierzehnten December fruͤh am Morgen auf des Herzogs Georg Schloß zu Rochlitz,“ zum größten Schmerze dieſes feines Bruders, denn von jeher hatte zwiſchen beiden die innigfte bruͤderliche Liebe obgewaltet, nie hatte ein Mißverſtaͤndniß fie irgendwie geſtoͤrt, da ſich von jeher beide Brüder das aufrich⸗ tigſte Vertrauen geſchenkt und Friederich als der jüngere dem ältern Bruder ſtets mit herzlicher Freundſchaft zugethan gewe⸗ ſen. Man fand fuͤr gut, wegen der eingeleiteten Verhandlun⸗ gen mit dem Markgrafen von Brandenburg des Meiſters Tod mehre Tage geheim zu halten.“ Da ſich indeß wegen Vers aͤnderung des Verhandlungsortes die Ankunft der Raͤthe des Markgrafen länger, als man erwartete, hinzog, fo mußte die feierliche Beſtattung des Hochmeiſters am achten Tage nach feinem Hinſcheiden erfolgen. Er ward im feierlichen Trauer⸗ geleite ſeines Bruders Georg und deſſen ganzen Hofes, des Ordensſpittlers Nicolaus von Pflug und des hochmeiſterlichen Kanzlers Dieterich von Werterde von Rochlitz nach Meißen gebracht und dort in der Fuͤrſtenkapelle, wo ſchon viele ſeiner Vorfahren und auch ſein Vater ruhten, zur Erde beftattet. 9 Er endete fein Leben noch in friſcher Manneskraft, denn er 1) Dieſen Todestag nennt auch der Herzog Georg in dem erwaͤhn⸗ ten Schreiben u. in einem Schr. an d. Biſchof Günther v. Samland und die Regenten in Preuſſen, d. Dresden Mont. nach Thoma 1510 Schbl. LXIX. 30 (a). Spalatinus de liberis Alberti ducis ap. Men- chen T. II. p. 2136 giebt als Todestag den T. Lucia (13 Decemb.) an. Nach den Momentis Landgravior. Thuring. ap. Menchen T. II. p. 865 ſtarb Friederich an der Waſſerſucht. 2) Georg v. Sachſen fagt dieß in dem erwähnten Schr. an den Markgrafen Friederich ausdrücklich; Schr. deſſelb. d. Leipzig Mittw. nach Lucid 1510 Schbl. B. 381. 43. 3) Schr. des Herzogs Georg an d. Biſchof v. Samland, d. Dres⸗ den Mont. nach Thoma 1510. Schr. des Ordensſpittlers u. Komthurs v. Ragnit u. des Kanzlers Dieterich v. Werterde an den Biſchof v. Pomeſanien, d. Rochlitz Dienſt. am heil. Chriſt⸗ Abend 1510 Schbl. LXIX. 40 (a).
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396 Nachruhm des HM. Herzog Fried. v. Sachſen. (1510.) hatte nur erſt das ſiebenunddreißigſte Jahr erreicht.) Es war unter manchen Mühen und Sorgen dahingegangen, fo lange er das Meiſteramt verwaltet. Vieles, was auch er mit ganzer Willenskraft erſtrebt, war dennoch unter den ungluͤck⸗ lichen Verhaͤltniſſen, die auf ihm und dem Orden laſteten, unerreicht geblieben. Aber mit vollem Rechte durfte ſein Bru⸗ der Herzog Georg ihm nachruͤhmen: „Das wiſſen wir fuͤrwahr, daß unſer Bruder nächft Gott und feiner Seele den heiligen ritterlichen Orden immerdar vor allen Dingen aufs hoͤchſte ge⸗ liebt und nichts mehr als deſſen Ehre und Nutzen zu fordern auf dieſer Erde begehrt.“ Darum folgte ihm auch die hoͤchſte Achtung aller Fürften des Vaterlandes ins Grab. 1) Spalatin. I. c. fügt hinzu, daß in dieſem Jahre (am Iſten Febr.) auch Friederichs Mutter Sidonia oder Zedena, eine Tochter des Koͤniges Georg Podiebrads v. Boͤhmen, geſtorben war. 2) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. Biſchof Günther v. Samland a. a. O.
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Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) 397 Drittes Kapitel. Es war am Weihnachtsfeſte des Jahres 1510, als die Trauer: botſchaft von des Meiſters Tod den Landesregenten zu Koͤnigs⸗ berg uͤberbracht und alsbald dem Biſchof von Samland und den Komthuren gemeldet ward, mit der Aufforderung, am letzten Tage des Jahres zu einer Tagfahrt in Heiligenbeil zu er⸗ ſcheinen, um wegen der neuen Meiſterwahl noͤthige Beſchluͤſſe zu faſſen, v denn in der Stellung, welche der Orden waͤhrend der letzten Zeit gegen den Koͤnig von Polen genommen, mußte die Frage uͤber das neue Oberhaupt des Ordens mit aller Um⸗ ſicht und Beſonnenheit erwogen werden. Man durfte dieſes Verhaͤltniß zu Polen bei der neuen Meiſterwahl durchaus nicht aus dem Auge laſſen. Als daher die vornehmſten Praͤlaten, an ihrer Spitze die Biſchoͤfe Hiob von Pomefanien und Guͤn⸗ ther von Samland, der alte, ehrwürdige Großkomthur Simon 1) Wir haben hieruͤber, wie uͤber die Verhandlungen wegen der Wahl des Markgr. Albrecht einen ſehr genauen Bericht im Fol.: Allerlei Miſſive und Händel v. J. 1511, woraus der Auszug bei Faber Preuſſ. Archiv B. II. S. 1 fl. entnommen iſt. (Beiläufig muß hier bemerkt werden, daß der Todestag des HM. Friederich v. Sachſen in dem erwähnten Berichte nicht, wie Faber a. a. O. angiebt, auf Sonnab. nach Lucia geſetzt wird, ſondern an dieſem Tage wurde das Schreiben ausgeſtellt, worin der Komthur v. Ragnit und der Kanzler von Werterde aus Rochlitz den Regenten in Preuſſen den Tod des HM. meldeten.
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398 Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) von Drahe, der Komthur von Oſterode, der Vogt von Branden⸗ burg und die andern Drdensbeamten D ſich zur Tagfahrt ein⸗ gefunden, ward vor allem fuͤr rathſam erkannt, dem Koͤnige von Polen nicht bloß Nachricht vom Hinſcheiden des Hoch⸗ meiſters Friederich, ſondern zugleich auch die Verſicherung zu geben, daß die neue Hochmeiſterwahl ganz nach ſeinem Wunſche und Wohlgefallen geſchehen folle.? Sodann ſchien es ges ziemend, zuerſt des verſtorbenen Meiſters zu gedenken; es ward ein Tag beſtimmt, an welchem in allen Kirchen Preuſſens und Livlands fein Begaͤngniß in fuͤrſtlicher Weiſe und nach des Ordens Gewohnheit gefeiert werden ſolle, wozu alsbald die noͤthigen Verordnungen ergingen. Man erſuchte auch den König von Polen, dem verſtorbenen Meiſter dieſe letzte Ehre zu erweiſen. “) Nun ſchritt man zur neuen Meiſterwahl. Es ſchien dieß⸗ mal nicht rathſam, wie es Geſetz und Gewohnheit forderten, zuvor die Meiſter von Deutſchland und Livland zur Theilnahme an der Wahl einzuladen oder ihre Bevollmaͤchtigten abzuwarten, denn man fand noͤthig, ſo bald als moͤglich ein neues Haupt an die Spitze des Ordens zu ſtellen. Da trat der Biſchof Hiob in der Verſammlung auf, erklaͤrend: bei ſeinem Abſchiede vom Hochmeiſter habe ihn dieſer mit Vollmacht und Befehl zur Verwaltung des Landes verſehen; ungerne habe er ſolche uͤbernommen, gerne lege er ſie jetzt nach des Meiſters Tod in die Hände der Ordensgebietiger, ſofern fie ſolches für gut faͤnden. Der Komthur von Oſterode indeß erſuchte den Biſchof im Namen aller Ordensbeamten, ſich der Landesverwaltung auch fortan 1) Fol. v. 3. 1511 p. 2. Die Komthure von Memel und Rhein konnten wegen Kuͤrze der Zeit nicht auf der Tagfahrt erſcheinen. Mehre andere hoͤhere Ordensbeamte, z. B. der Ordensmarſchall Graf Wilhelm v. Eiſenberg, der Oberſt-Spittler und Komthur zu Ragnit Nicolaus v. Pflug u. a. befanden ſich in Deutſchland. 2) Fol. v. J. 1511 p. 2. Das Schr. an d. Koͤnig v. Polen, d. Heiligenbeil Donnerſt. am T. Stephani 1511 ebendaf. p. 256. 3) Fol. v. J. 1511. p. 3 — 4. Faber a. a. O. S. 58.
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Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) 399 mit Eifer und Theilnahme anzunehmen und ſie mit Rath zu unterſtützen. ) Nachdem der Biſchof ſolches verſprochen, “ er⸗ öffnete er der Verſammlung, wie ſich Markgraf Friederich von Anſpach und Baireuth zuerſt an ihn gewandt, um einen feiner neun Söhne? in den Orden aufnehmen zu laſſen. Da er gefragt, fuͤr welchen ſeiner Soͤhne er dieß wuͤnſche, und das Bedenken geaͤußert, daß es dem Orden bei ſeinem Unvermoͤgen zu ſchwer fallen möge, zwei fuͤrſtliche Perſonen zugleich ihrem Stande gemaͤß zu unterhalten, habe der Markgraf dem damals noch lebenden Hochmeiſter gemeldet: er wuͤnſche ſeinen Sohn Albrecht in den Orden einkleiden zu laſſen und werde gerne zu deſſen Unterhalt jährlich eine beſtimmte Beiſteuer geben. Der Hochmeiſter habe damals zuvor den Rath ſeiner Gebietiger vernehmen wollen; als er aber darauf ſchwer erkrankt und bald alle Hoffnung der Geneſung verſchwunden ſey, habe zwiſchen dem Komthur von Ragnit Nicolaus von Pflug, dem Kanzler Dieterich von Werterde und dem Obermarſchall und Rath des Herzogs Georg von Sachſen Heinrich von Schleinitz eine Be⸗ rathung zu Chemnitz Statt gefunden, worin man es rathſam gefunden, nach des Meiſters Hinſcheiden wieder einen Fuͤrſten und zwar den jungen Markgrafen Albrecht von Brandenburg an die Spitze des Ordens zu ſtellen. Man habe beſonders deshalb die Wahl auf ihn zu lenken bedacht, weil fein Vater und ſein Bruder Markgraf Kaſimir bei Kaiſer und Reich hoch⸗ verdient und angeſehen, auch zu vermuthen ſey, daß, wenn Markgraf Albrecht als Haupt des Ordens daſtehe, die Koͤnige 1) Fol. v. J. 1511 p. 4—5. Faber a. a. O. S. 9 — 10. 2) Die ſehr ausgedehnte Vollmacht des HM. Friederich für den Siſchof v. Pomeſanien, d. Rochlitz Dienſt. nach Concept. Mariaͤ 1510 Fol. v. J. 1511 p. 5 — 6, die näheren Befehle p. 8 — 12. 3) Die ſpaͤter auch in die Geſchichte Preuſſens vielfach eingreifenden Soͤhne des Markgrafen Friederich waren: Kaſimir Markgraf von Kulm⸗ bach und Baireuth, Georg Markgraf von Anſpach und Herzog von Jaͤgerndorf, Johann fpäter Gemahl der Germaine de Foix, Wittwe Ferdinands des Katholiſchen v. Spanien, Wilhelm ſpaͤter Erzbiſchof von Riga und Johann Albrecht nachmals Erzbiſchof von Magdeburg.
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7 400 Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) von Polen und Ungarn ihn als Freund und Schweſterſohn “) nicht bedraͤngen > den Orden nicht ferner beunruhigen und verfolgen wuͤrden. Des Biſchofs Vorſtellung fand allgemeine Zuſtimmung; es ward einmuͤthig beſchloſſen, den jungen Markgrafen zum Hochmeiſter zu erwählen und zur Forderung der Wahl eiligft eine Botſchaft nach Deutſchland zu fenden.? Saͤmmtliche Gebietiger und Ordensbeamten“ ſtellten fir den Ordensmarſchall Grafen Wilhelm von Eiſenberg, den Oberſt⸗Spittler und Kom⸗ thur zu Ragnit Nicolaus von Pflug und den Kanzler Dieterich von Werterde eine Vollmacht aus, kraft welcher ſie „mit Mark⸗ graf Friederich Verhandlung haben, Zuſagen erlangen, Con⸗ tracte und Vertraͤge zu des Ordens Nutzen aufrichten und dar⸗ nach dem Markgrafen Albrecht den Stand des Hochmeiſteramtes und eines Oberhauptes des Ordens zuſagen ſollten, doch alſo daß der Markgraf nach gebuͤhrlicher Gewohnheit und loͤblichem Herkommen nach gehaltener freier Wahl und Abhaltung der gebuͤhrlichen Eide und Pflichten, wie ſie der verſtorbene Meifter gethan, den Stand annehme und empfange.“ ) Weil es noth⸗ wendig ſchien, daß auch die beiden Meiſter von Deutſchland 1) Albrechts Mutter Sophie war eine Schweſter Sigismunds v. Polen und des Koͤniges Wladislav v. Ungern. 2) Diefer Berathung zu Chemnitz, wozu beſonders Herzog Georg v. Sachſen Anlaß gegeben zu haben ſcheint (denn auch an ihn hatte ſich der Markgraf Friederich zur Foͤrderung ſeines Wunſches gewandt) erwaͤhnt außer dem Fol. v. J. 1511 p. 14 auch eine Schrift uͤber die Wahl Albrechts Schbl. D. 603, nach welcher der Berathung auch Raͤthe des Markgr. Friederich ſelbſt beiwohnten. 3) Fol. 1511 p. 14. Schbl. D. 603. Faber S. 12. 4) Außer dem Großkomthur ſind genannt Rudlof v. Tippelskirch Oberſt⸗Trappier und Komthur zu Rhein, Georg v. Eltz Komthur zu Oſterode, Michael von Schwab Komthur zu Memel, Hans v. der Gablenz Vogt zu Brandenburg, Berthold von Altmannshofen Haus⸗ komthur zu Königsberg, Heinrich v. Miltitz Oberkompan, Georg Truchſes Spittler zu Koͤnigsberg, Klaus v. Bach Hauskomthur zu Balga. 5) Original der Vollmacht, d. Heiligenbeil am Neujahrstage 1511 Schbl. II. 15, Fol. 1511 p. 1921.
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Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) 401 und Livland zur Theilnahme an der Wahlverhandlung mit hinzugezogen wuͤrden, ſo ward beſchloſſen, den Deutſchmeiſter aufzufordern, die Wahl durch ſeinen Rath und ſeine Zuſtimmung zu foͤrdern; an den von Livland wurde der Oberkompan Hein⸗ rich von Miltitz geſandt, theils ihn von den bisherigen Vor⸗ gaͤngen und Verhandlungen zu unterrichten, theils um Ent⸗ ſchuldigung zu bitten, daß man in der Eile, welche die Verhaͤlt⸗ niſſe des feindlich gefinnten Koͤniges von Polen zum Orden geboten, feinen Rath und fein Gutbuͤnken nicht erſt habe ein⸗ holen koͤnnen. Der Antrag einiger Ordensbeamten, nach früherer Gewohnheit bis zu des Meiſters Ankunft einen Statt⸗ halter zu ernennen, ward aus mehren Gruͤnden verworfen theils als unnuͤtz, weil die bereits verordneten Regenten, der Biſchof von Pomeſanien und der Großkomthur die Landesverwaltung vollkommen zweckmaͤßig leiten koͤnnten, theils als nachtheilig, weil ein Statthalter das Anſehen dieſer Regenten nur beeintraͤch⸗ tigen und unter den jetzigen Verhaͤltniſſen nur Stoͤrung der Geſchaͤſte und neue Beſorgniſſe wegen Polen herbeiführen werde. Da jedoch alle dieſe Beſchluͤſſe zuvor auch den abweſenden Komthuren zu Rhein und Memel zur Genehmigung und Be⸗ ſiegelung zugeſandt werden mußten, ſo lief mittlerweile aus Deutſchland nicht bloß die Nachricht ein, daß Markgraf Albrecht ſich zur Annahme des Meiſteramtes bereit und geneigt erklart,“ ſondern es kamen an die Landesregenten und Ordensgebietiger 1) Schr. der Gebietiger an d. Meiſter v. Livland, d. Donnerſt. nach Beſchneid. Chr. 1511 und die Inſtruction für Heinrich v. Miltitz Fol. 1511 p. 173 — 176. vgl. Faber S. 6. 2) Die genauere Auseinanderſetzung der Gruͤnde, warum man von dieſer alten Anordnung abging, im Fol. 1511 p. 15 — 17, beweiſt, für wie wichtig man jetzt dieſe Veränderung und Abweichung anſah. Unrichtig nennt daher De Wal Histoire de FOrd, T. T. VIII. 1 den Grafen Wilhelm von Eifenberg als Statthalter nach Bock Leben des Markgr. Albrecht S. 78. 3) Fol. 1511 Pp. 22. IX. 26
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402 Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) auch Schreiben des Kaiſers Maximilian, des Königs Wladislav von Ungern und Boͤhmen und des Herzogs Georg von Sachſen, worin ihnen die Wahl des Markgrafen Albrecht zum Hoch⸗ meiſter aufs angelegentlichſte empfohlen ward.) „Wir begehren von euch, ſchrieb erſterer, mit allem Fleiße bittend, ihr wollet den Markgrafen Albrecht zu der Wuͤrde und Hoͤhe ſolches Hochmeiſteramtes in der Wahl, die ihr jetzt deshalb thun wer⸗ det, uns zu ſonderer Ehre und Gefallen vor allen andern po⸗ ſtuliren, erwaͤhlen und annehmen und uns das keineswegs abſchlagen, auch feine Jugend an ſolchem euch nicht irren Taf ſen, denn er als wir ihn erkennen, zu ſolchem Amte geſchickt und dem Orden, als ihr ſelbſt ermeſſen moͤget, nuͤtzlich ſeyn wird. Bald langten auch Schreiben des Koͤniges von Polen an. Schon vor der Meldung der Ordensgebietiger vom Tode des Hochmeiſters Friederich unterrichtet, antwortete er jetzt auf der letztern Schreiben: ſie haͤtten ihm zwar erklaͤrt, die neue Hochmeiſterwahl ſolle ihm nicht mißfaͤllig ſeyn; er muͤſſe fie jedoch ermahnen, daß ſie dabei, damit nicht Irrung auf Irrung gehäuft werde, ebenſo ſehr fein Intereſſe als das ihrige im Auge haben follten.? Aber noch ernſter war die Sprache des bevollmaͤchtigten Botſchafters, der dieſe Mahnung uͤberbrachte. Er erinnerte zuerſt in des Koͤniges Auftrag die Gebietiger an die traurigen Mißverhaͤltniſſe, welche der verſtorbene Meiſter durch feine Hoffaͤrtigkeit und Hartnaͤckigkeit veranlaßt, wobei 1) Schr. des Koͤniges v. Ungern an die Ordensgebietiger, d. Breslau Donnerſt. nach Converſ. Pauli 1511. Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen, d. Dresden Mont. nach Thom 1510 Fel. 1511 p. 217 — 223. 2) Schr. des Kaiſers Maximilian an die Ordensgebietiger, d. Frei⸗ burg im Breisgau 3 Jan. 1511 Fol. 1511 p. 206 — 207; vgl. Acta Boruss. T. II. p. 619. De Wal Histoire de POrd. T. T. VIII. P. 6—7. Treier de eccles. Varm. P. 73. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an die Biſchoͤfe und Gebietiger in Preuſſen, d. in conventione generali Piotrkovien. XV Januar 1511 Schbl. XXV. 1. 43. Schr. IV Landesſachen Historica.
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Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) 403 er beſonders hervorhob, daß nur die Langmuth, Geduld und Verwandtſchaft des Königes mit dem Haufe Sachſen dieſen bes wogen habe, ſein Recht nicht mit dem Schwerte geltend zu machen. Jetzt aber, fuhr er dann fort, verlange der König von den Gebietigern, daß ſie, ihrer Pflicht gegen ihn und ſein Reich eingedenk, ohne feinen Rath und feine Einwilligung keinen Meiſter waͤhlen ſollten; er fordere damit nichts Unbilliges und Unſügliches, was des Ordens Recht etwa ſchmaͤlern koͤnne, ſondern nur was ihm, dem Koͤnige, nach Recht und Beding gebuͤhre; geſchehe ſolches und einige man ſich mit ihm, ſo werde der Orden Ruhe und bei ihm Gnade finden.) Die Ordensgebietiger indeß wieſen, nachdem ſie den verſtorbenen Meiſter gegen des Koͤniges Anklagen mit aller Freimuͤthigkeit vertheidigt und gerechtfertigt, deſſen unbefugte Einmiſchung in die neue Meiſterwahl mit der Erklaͤrung zuruͤck: man habe be⸗ reits im Orden rathſam befunden, wiederum in einem erlauchten Fuͤrſten „ein hochberuͤhmtes und loͤbliches Haupt“ an die Spitze des Ordens zu ſtellen, und einmuͤthig, mit Aller Rath und Beiſtimmung und aus freier Wahl, wie Billigkeit, Recht und Ordnung ſolche forderten, ſey Markgraf Albrecht von Brandenburg als Regent des Ordens und Fuͤrſt des Landes ſchon erkoren und angenommen, in der Zuverficht, es werde dieſer als des Koͤniges Schweſterſohn und Blutsverwandter auch ſeinen Beifall haben.) Der Koͤnig ſchien jetzt beguͤtigt und erklaͤrte, daß auch ſein Wunſch dahin gehe, nach des ver⸗ ſtorbenen Meiſters Willen den Markgrafen Albrecht zum Ober⸗ haupt des Ordens erwaͤhlt zu fehen. 9 1) Werbung des Poln. Botſchafters an d. Ordensgebietiger Schbl. XXV. 43. Cf. Decii liber de Sigismundi temp. ap. Pistorii Polon. Histor. corp. T. II. p. 334. 2) Antwort der Gebietiger auf die Werbung des Poln. Botſchaf⸗ ters, Schr. IV. Landesſachen Historica. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Komthure in Preuſſen, d. Breslau Donnerſt. nach Converſ. Pauli 1511 Schr. IV. Landesfachen Historica. 2
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404 Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) So vereinten ſich alle Stimmen in Albrechts Wahl. Auf einem Landtage zu Koͤnigsberg dem landſaͤſſigen Adel bekannt gemacht, fand fie auch hier allgemeinen Beifall!“ und es eilten nun Botſchafter nach Deutſchland, um dort die naͤhern Ver⸗ handlungen zu veranlaſſen. Es ward zunaͤchſt ein Tag zu Chemnitz anberaumt, wo Herzog Georg von Sachſen, der hohe Goͤnner des Ordens, als Vermittler mit dem Ordensmarſchall Grafen Wilhelm von Eiſenberg, dem Oberſt-Spittler Nicolaus von Pflug und dem Kanzler Dieterich von Werterde die nö: thigen Berathungen einleitete. Dort erſchienen auch die beiden Markgrafen Kaſimir und Albrecht von Brandenburg, erſterer mit ſeines Vaters Vollmacht, in deſſen Namen mit den Ordens⸗ gebietigern alles, was zur Aufnahme ſeines Sohnes Albrecht in den Orden fuͤr nothwendig befunden werde, zu verhandeln und feinem Willen gemäß unwiderruflich abzuſchließen.) Nach⸗ dem dort Albrecht oͤffentlich vor den Gebietigern ſeinen Wunſch und Entſchluß wegen Aufnahme in den Orden ausgeſprochen und dieſe gefunden, „daß der Markgraf ein geſchickter, junger Fuͤrſt und geſund an Leib und Vernunft ſey“, “ begaben ſich die Fuͤrſten und Gebietiger in das Ordens⸗Kloſter zu Zſchillen, wo am dreizehnten Februar der junge Markgraf in gewoͤhnlicher Weiſe in des Herzogs Georg von Sachſen Gegenwart zuerſt eingeſegnet und zum Ritter geſchlagen, dann mit dem Ordens⸗ kreuze geſchmuͤckt und feierlich in den Orden aufgenommen und eingekleidet wurde.) Darauf ward ihm nach bereits ge⸗ 1) Fol. 1511. p. 169 — 172. 2) Vollmacht des Markgr. Friederich, d. Anſpach Sonnt. Purif. Mariä 1511 Schbl. II. 16. Fol. 1511 p. 224 — 225. Von der Anz nahme des HM.“⸗Amtes iſt darin nicht die Rede, ſondern nur von Albrechts Aufnahme in den Orden. Es ward zu Chemnitz nach dem Berichte im Fol. 1511 p. 23 auch wirklich nichts weiter als dieſe ver⸗ handelt. 3) Fol. 1511. p. 23. 4) Bericht des Ordensmarſchalls und Oberſt⸗Spittlers an die Bi⸗ ſchoͤfe v. Pomeſanien und Samland und an d. Großkomthur, d. Freit. nach Scholaſticd 1511 Schbl. LXIX. 95; damit uͤbereinſtimmend der
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Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) 405 ſchehener Ordenswahl das Hochmeiſteramt „unwiderruflich“ zu⸗ geſagt. Die Fluſten verfügten ſich hierauf mit den beiden Ordens gebietigern nach Rochlitz hinuͤber. Dort ſtellte Markgraf Albrecht zuerſt die Erklaͤrung aus, daß er, von ſaͤmmtlichen Ordens⸗ Praͤlaten, Gebietigern und dem ganzen Orden zur Annahme des Meiſteramtes aufgefordert, zuſage und gelobe: er werde ohne alle Widerrede und Ausflucht zur Stunde, ſobald er nach der Wahl zu ſolchem fürftlichen Amte erkoren ſeyn werde, alle ge⸗ buͤhrlichen, ordentlichen und gewöhnlichen Geluͤbde, Sflichten und Eide, wie die Ordensregel, Gewohnheit und altes Her⸗ kommen es auswieſen, wie feine Mitbruͤder, die Praͤlaten und Gebietiger fie ihm vorhalten wurden und der verſtorbene Meiſter ſie abgelegt, gleichfalls getreulich ablegen.“ Sofort am naͤm⸗ lichen Tage noch, am dreizehnten Februar ward er von den Ordensgebietigern laut ihrer Vollmacht zum Hochmeiſter des Ordens in foͤrmlicher Weiſe erwaͤhlt und mit den Inſignien des Meiſteramtes feierlich geſchmuͤckt. 3) Am Tage darauf Bericht im Fol. 1511 p. 23. Wenn andere handſchriftliche Nachrichten den Tag Valentini als Tag der Aufnahme Albrechts bezeichnen, ſo weicht dieſe Angabe nur um einen Tag ab. Nach einer handſchrift⸗ lichen Nachricht Schr. IV Landesſachen Histor. geſchah es auf des Herzogs Georg beſondern Wunſch, daß Albrecht zu Zſchillen in ſeinem Lande in den Orden aufgenommen wurde. 1) Handſchriftl. Nachricht Schr. IV. Landesſ. Histor. 2) Bekenntniß des Markgr. Albrecht, d. Rochlitz Donnerſt. nach Scholaſtica 1511 Fol. 1511 p. 24 — 25. Schr. IV. Landesſ. Histor. 3) Will man einen beſtimmten Tag des Eintritts des HM. Al⸗ brecht in das HM.⸗ Amt feſthalten, fo kann es nicht, wie Baczko G. IV. 78 nach Bock Leben Albrechts S. 78 annimmt, der 5. Januar, ſondern nur der 14. Februar ſeyn, denn in einer Urkunde vom 13. Fe⸗ bruar 1511 nennt er ſich ſelbſt noch nicht als HM., ſondern bloß als Ordensbruder. Erſt vom 14. Februar an giebt er ſich ſelbſt in den urkunden den Titel Hochmeiſter. ueberhaupt iſt unrichtig, was Bock a. a. O. De Wal T. vnI. p. 8 und Baczko a. a. O. über Al⸗ brechts Wahl zu Mergentbeim anführen; ebenſo bei Treter de eccles. Varm. p. 73. wo noch erwahnt wird, daß Albrecht ibidem iuravit Maxi- miliauo Caesuri et Imperio Romano fidem et obeuientiam.
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406 Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511. machte er als „bewilligter Hochmeiſter“, wie er ſich zuerſt nannte, den Biſchoͤfen von Pomeſanien und Samland, dem Großkomthur Simon von Drahe und allen Gebietigern und Ordensbeamten in Preuſſen feine foͤrmliche Uebernahme des Meiſteramtes bekannt, ihnen zugleich meldend, daß, nachdem er von den Ordensbevollmaͤchtigten in Erfahrung gebracht, welche Bedraͤngniſſe des Ordens von Seiten des Koͤniges von Polen ſein Vorfahr Herzog Friederich nach ſich gelaſſen, die nun durch das Meiſteramt zu weiterer Vollfuͤhrung und Beſeitigung auf ihn übergegangen feyen, er nothwendig ſich noch eine Zeitlang, wie fein Vorfahr, in feinen väterlichen Landen aufhalten muͤſſe und daß er deßhalb die gewoͤhnliche Pflichtleiſtung entweder durch ſeine Bevollmaͤchtigten in Preuſſen oder durch verordnete Gewalthaber der Gebietiger laut ſeiner daruͤber gegebenen Ver⸗ ſchreibung in feinen väterlichen Landen vollführen wolle. Die beiden Biſchoͤfe von Pomeſanien und Samland und den Groß⸗ komthur ernannte er waͤhrend ſeiner Abweſenheit zu Landes⸗ regenten mit der Vollmacht zur Ausführung aller ſeiner Be⸗ fehle und verpflichtete ſaͤmmtliche Gebietiger und Ordensbeamte zu thaͤtigem Beiſtand und puͤnktlichem Gehorſam gegen die Regenten in der geſammten Landesverwaltung.) Die Stände Preuſſens, von ihm in Schutz und Schirm genommen, wurden zugleich aufgefordert, den Landesregenten Huldigung und Eid zu leiſten und dieſe beauſtragt, Lande und Städte feines Schutzes zu verſichern, alſo daß er ſie unangetaſtet bei allen ihren alten Gerechtigkeiten, Begnadigungen und altem Herkommen laſſen werde.?) So trat Markgraf Albrecht, geboren am ſiebzehnten Mai 1490, alſo erſt einundzwanzig Jahre alt, als Hochmeiſter 1) Darüber Original⸗Urk. des Markgr. Albrecht, d. Rochlitz Freit. am T. Valentini 1511 Schbl. II. 18. Schr. IV. Landesſ. Histor. 2) Original⸗Urk. des HM. Albrecht, d. Rochlitz Freit. Valentini 1511 Schbl. II. 19. Fol. 1511. p. 28 — 29. 3) Handſchriftl. Nachricht. De Wal r. vn. 4. Pauli B. IV. 388. Bock S. 72.
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Wahl d. Markgr. Albrecht v. Brandenburg zum HM. (1511.) 407 des Ordens auf. Dieſe Jugend mochte zum Theil mit Anlaß ſeyn, daß ihm ſein Bruder Kaſimir ſogleich bei der Annahme feines ſchweren Amtes in feinem, ſeines Vaters und aller ſeiner Brüder Namen die troͤſtende Zuſicherung ertheilte, daß ſie aus Erkenntlichkeit für die Aufnahme Albrechts als Hochmeiſter dem Orden in Preuſſen waͤhrend ſeiner Regierung und auch nach ſeinem Tode noch in allen Widerwaͤrtigkeiten, in denen er rechtlich und verſoͤhnlich Erkenntniſſe vor dem Papſte, dem Kaiſer oder den Kurflirſten annehmen werde, ſtets mit Rath und That Beiſtand leiſten wuͤrden, nur mit Ausnahme einiger verwandten und befreundeten Fuͤrſtenhaͤuſer, mit denen fie zum Theil in Erbvereinigung ſtanden.) Es ward ferner dem jungen Hochmeiſter zugeſagt, daß ihm jährlich für feine ganze Lebenszeit zu ſeinem fürftlichen Unterhalte aus der Kammer zu Anſpach zweitauſend Rhein. Gulden gezahlt werden ſollten und man ihm außerdem, wenn er ſich zum Beſten und in den Berhältniffen des Ordens im Frankenlande aufhalten muͤſſe, Schloß und Stadt Erlangen und Baiersdorf nebſt allen ihren Einkuͤnften zu feiner Benutzung einraͤumen und ſie ihm auch dann uͤberlaſſen werde, wenn er vielleicht einſt durch Krieg oder ſonſtiges Verderben des Landes aus Preuſſen werde vertrieben werden. Offenbar hatte man bei dieſer Zuſage die bedraͤnglichen Verhaͤltuiſſe des Ordens gegen den Koͤnig von Polen im Auge. Auf den Rath der Ordensgebictiger fand daher der Hochmeiſter auch wohlgethan, in ſeinem und ſeines Vaters Namen noch von Rochlitz aus dem Hauptmann zu Hof Ritter Philipp von 1) Original- urt., d. Rochlitz Donnerſt. nach Scholaftica 1511 Schbl. II. 17. Fol. 1511 b. 225 — 227. Als Sürftenhäufer find aus⸗ genommen „wegen unſer Erbeinung, damit wir verſchrieben find“, die drei Haͤuſer Brandenburg in der Mark, Sachſen und Heſſen, die Krone Boͤhmen, Herzog Wilhelm von Baiern und das Haus Wirten⸗ berg. 2) Original- Urtunde des Markgr. Kaſiimir, d. Rochlitz Freit. Du: lentini 1511 Schi. II. 20. Schr. IV. Landesſ. Histor-
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408 Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1511.) Feilitſch und dem Prothonotar am Roͤm. Stuhle und Dechant am S. Gumprechts⸗Stifte zu Anſpach Georg Ferber als Bot⸗ ſchafter an die Könige von Ungern und Polen zu ſenden, um dem erſtern theils ſeine Meiſterwahl melden zu laſſen, theils ihn dringend zu bitten, durch Rath und Beihüͤlfe die Irrungen zwiſchen dem Orden und dem Könige von Polen wo möglich guͤtlich beizulegen oder durch fernere Verhandlungen die Streit⸗ ſache vorerſt wenigſtens zu einem Anſtand zu bringen, denn der Hochmeiſter geſtand es dem Koͤnige offen: es mache ihm große Sorge, daß dieſer Zwiſt noch obwalte, er wuͤnſche nichts mehr, als daß Mittel und Wege aufgefunden werden moͤchten, damit ein freundlicher, geneigter und „ geſippter Wille“ zwiſchen Polen und dem Hauſe Brandenburg noch laͤnger erhalten und ferner auch gemehrt werden möge.) Dem Könige von Polen kamen beide mit den freundlichſten Geſinnungen entgegen, ihn bittend, er moͤge vor Allem die Blutsverwandtſchaft zwiſchen ihm und dem Hauſe Brandenburg und das hohe Vertrauen beruͤckſichtigen, welches man von Seiten des Markgrafen Frie⸗ derich und deſſen Gemahlin, des Koͤniges Schweſter ſtets gegen ihn gehegt habe. Der Hochmeiſter ließ ihm entbieten: er ſey geneigt, Alles anzuwenden, um in dem „ was gelbuͤhrlich, des Königes Wohlgefallen zu gewinnen, denn bei der Schwere feines Amtes habe er nach Gott nur ihn, den König, zu feinem ein⸗ zigen Troſt; er möge daher den Orden in feinen Schutz und Schirm nehmen. Dabei erhielt die Botſchaft den Auftrag, dem Könige, ſofern er die Beſchwoͤrung des ewigen Friedens fordern werde, zu antworten: es ſey kein Zweifel, Markgraf Albrecht werde in dem, was ihm als Hochmeiſter und von Seiten des Ordens zu thun gebühre und gezieme, nichts verweigern; es ſey ja nicht feine Meinung, mit dem Könige in Widerwaͤrtig⸗ keit zu kommen. Wohl ſey ihm berichtet, daß zwiſchen dem 1) Kredenz⸗ Schr. des HM. für die Botſchafter, d. Rochlitz Freit. Valentini 1511 Fol. 1511. p. 23. Schr. IV Landesſ. Histor. 2) Inſtruction fuͤr die Botſchafter an den Koͤnig d. Ungern. Schr. IV. Landesſ. Histor.
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Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1511.) 409 Könige und dem verſtorbenen Meiſter in etlichen Punkten des Friedens Zwiſt obgewaltet, der noch nicht beſeitigt ſey; es ſey jedoch des jetzigen Meiſters hohe und dringende Bitte, der Koͤnig moͤge deshalb gegen ihn und den Orden keinen Unwillen hegen und die Sache vorerſt in Ruhe laſſen, bis der Meiſter die Regentſchaſt ſelbſt uͤbernommen habe; dann wolle er perſoͤn⸗ lich bei ihm erſcheinen und er hoffe, Alles mit ihm in Guͤte und nach Billigkeit auszugleichen. Da bereits die Rede von einer Zuſammenkunft der Koͤnige von Ungern und Polen in Breslau ſey, ſo wolle gerne dort auch der Hochmeiſter ſich ein⸗ finden, um mit ihnen ſich über die Streitſache freundlich zu berathen. ® Da dieſe Zuſammenkunft erft nach Oſtern Statt finden ſollte, fo begab ſich der Hochmeiſter mit ſeinem Bruder Kaſimir nach Anſpach zurück, mit ihnen auch der Ordensmarſchall, um von dort aus beim Deutſchmeiſter Johann Adelmann von Adelmannsfelden, der obgleich eingeladen bei der Feier der Auf⸗ nahme Albrechts zu Chemnitz nicht erſchienen war, 2 die Zu⸗ ſiümmung zur Meiſterwahl auszuwirken, welche nach einiger Zeit auch erfolgte, doch ſo als habe auch der Deutſchmeiſter ſelbſt für ſich und den Orden in Deutſchland den Markgrafen zum Hochmeiſter neu erwaͤhlt. Ueberall nahmen die Fuͤrſten und die höhere Geiſtlichkeit die Erhebung Albrechts zur hoch⸗ 1) Inſtruction des HM. und des Markgr. Friederich fuͤr die Bot⸗ ſchafter an d. König v. Polen. Schr. IV. Landesſ. Histor., vgl. Fol. 1511. p. 24. 8 2) Fol. 1511. p. 24. 30. De Wal T. VIII. 8 berichtet un⸗ richtig, daß der DM. den Markgrafen Albrecht zum Ritter geſchlagen habe. 3) Die urkundliche Erklarung des DM., d. Dienſt. nach Jubilate 1511. Schbl. II. 21. Wir erfahren übrigens durch ein Schr. des DM. an d. Markgrafen Friederich v. Brandenburg, d. Horneck Samſt. nach Antonii 1511 Schbl. II. 21, daß ſich damals ſchon der Markgraf an den DM. wegen des HM. Amtes für feinen Sobn Albrecht gewandt hatte mit Ueberſendung einer Empfehlung des Kaiſers; vgl. De Wal T. VIII. 7— 8.
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410 Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (15 11.) meiſterlichen Wuͤrde mit großer Freude auf; allenthalben ver⸗ ſprach man ſich davon für den Orden die glüdlichften Erfolge. Seine Wahl hatte an vielen Fuͤrſtenhoͤfen neues Intereſſe für den Orden erweckt; nicht bloß feines Haufe weitverzweigte Verwandtſchaft, ſondern felbft feine Perſoͤnlichkeit mochte dazu viel beitragen, denn „der Fuͤrſt, meldete der Ordensmarſchall dem Großkomthur nach Preuſſen, iſt von Gott ſchon in ſeinen jungen Jahren mit Verſtand, Tugenden, guten Sitten und allem, was einen Menſchen zieren kann, im reichſten Maaße begabt und ſeine fuͤrſtliche Gnade gefaͤllt auch allen Leuten der⸗ maßen, daß alle dem Orden um ſeinetwillen Gluͤck wuͤnſchen und ſagen: wir haͤtten dem Orden ſehr wohlgethan. Viele ſeyen daher jetzt auch mehr bereit dem Orden Beiſtand zu leiſten und man duͤrſe das hochmuͤthige Pochen und Schwoͤren der Polen jetzt nicht mehr ſehr fuͤrchten.“ U Als daher die Zeit der verabredeten Zuſammenkunft der beiden Koͤnige herannahete und der Hochmeiſter, voll Hoffnung, daß es auf dieſem Tage zu einer freundlichen Ausgleichung mit dem von Polen kommen koͤnne,? ſich an eine bedeutende An⸗ zahl Deutſcher Fuͤrſten mit der Bitte wandte, zur Foͤrderung ſeiner Verhandlungen auch ihre Raͤthe auf den Tag mit zu ſenden, erklärten die meiſten auf die freundlichſte Weiſe ſich dazu bereit und alle benutzten dieſen Anlaß, dem jungen fuͤrſtlichen Meiſter ihre wohlwollenden Geſinnungen und ihre Theilnahme an der Sache des Ordens zu bezeugen.)“ Vor allem ſprachen ſich 1) Schr. des Ordensmarſchalls an d. Großkomthur, d. Neuſtadt an d. Aiſch Freit. nach Reminiſ. 1511 Schbl. LXIX. 94. Auch Treter de eccles. Varm. p. 73 ſagt von Albrecht: in rebus tractandis sagax ei adeo magni et excelsi animi, ut parem non facile ferret. 2) Schr. des HM. an die Biſchoͤfe v. Pomeſanien und Samland und an d. Großkomthur, d. Anſpach Mont. nach Reminiſ. 1511 Schbl. C. 399. 3) Schr. des HM. an eine Anzahl Deutf. Fuͤrſten, d. Anſpach Mont. nach Reminiſ. 1511 Fol. 1511. p. 208 — 212. 4) Schr. der Kurfüͤrſten Friederich v. Sachſen und Ludwigs Pfalz grafen vom Rhein, des Herzogs Johann v. Kleve Schbl. VI. 27.
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Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1511.) 411 die Kurfürſten von Mainz, Trier und Brandenburg mit regem Intereſſe und freundlicher Geneigtheit fr den jungen Hochmeiſter aus. Allein der von Trier meldete ihm ſchon, daß wohl wenig günſtiger Erfolg von der Unterhandlung mit dem Koͤnige von Polen zu erwarten ſey, da dieſer ſich gegen des Kaiſers und der Kurfinften Geſandten nichts weniger als friedfertig geaͤußert habe. ) Und nur zubald wurde auch Albrecht in allen ſeinen Hoffnungen getaͤuſcht, denn die Antwort, welche der Koͤnig trotz der angelegentlichen Fuͤrſprache des Koͤniges von Ungern den Geſandten des Hochmeiſters gegeben, ließ vorausſehen, daß auf friedlichem Wege keine Ausgleichung mit ihm moͤglich ſeyn werde; er hatte ihnen erklaͤrt: es ſey ihm nicht unlieb, daß Markgraf Albrecht auf ſeiner Aeltern Wunſch das unter ſeiner Oberherrſchaſt ſtehende Hochmeiſteramt in Preuſſen uͤbernommen habe, 2 ſofern dieß zugleich mit der Abſicht geſchehen ſey, ihm und ſeinem Koͤnigreiche den im ewigen Frieden angeordneten Eid der Treue und Ergebenheit bereitwillig zu leiſten. Ver⸗ halte ſich Markgraf Albrecht in ſolcher Weiſe gegen ihn und ſein Reich bei Uebernahme ſeines Amtes dem Rechte und der Billigkeit gemaͤß, ſo duͤrfe er ſich von ihm als ſeinem nahen Blutsverwandten auch alle Gunſt, Wohlwollen und Beiſtand verſprechen; werde jedoch der Hochmeiſter anders verfahren, als 97. 131. Schr. des Landhofmeiſters und der Regenten des Fuͤrſten⸗ thums Heſſen, d. Kaſſel Mittw. nach Quaſimodog. 1511 Schl. LXVI. 20. 21. Schr. der Herzoge Heinrich und Albrecht v. Meklenburg, d. Schwerin am T. Philippi und Jacobi 1511 Schbl. X. 18. Mehre andere Schr. des Herzogs Wilhelm von Jülich und Berg, des Pfalz⸗ grafen Wilbelm vom Rhein, der Herzoge Ulrich v. Wirtenberg, Georg v. Sachſen u. a. Schbl. VI. 25. 1) Schr. des Erzbiſchofs Uriel von Mainz an d. HM. d. Martins⸗ burg in der Stadt Mainz Freit. nach Lätare 1511 Schbl. V. 60. Schr. des Erzbiſchofs v. Trier an d. HM. d. Köln Donnerſt. nach Judica 1511 Schbl. B. 680. 2) Neque sua Maiestas regia iniquo fert animo, quod ad Ma- gistratum eiusdem ordinis in Prussia existentis sune Maiestali subiechem designaius existat.
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412 Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1511.) es der ewige Friede verlange, werde er durch Zoͤgerung oder durch irgend welche Ausfluͤchte, wie der letzte Hochmeiſter, ſich ſeiner ſchuldigen Pflicht zu entwinden ſuchen, ſo moͤge er gewiß ſeyn: der Koͤnig werde, weil dieß das Recht und ſeines Reiches Ehre forderten, ſolches auf keine Weiſe dulden, ſondern ſtatt ſeiner Geneigtheit ihm mit voller Feindſchaſt entgegentreten muͤſſen, alle Blutsverwandtſchaft hintanſetzen und ihn durch Waffenmacht zu ſeiner Pflicht zwingen. In dieſem Falle wuͤnſche er daher, der Markgraf moͤge das Meiſteramt nicht uͤbernehmen. Dieſe ſeine Willensmeinung moͤge man dem Hochmeiſter mittheilen, damit er ſich einſt nicht mit Unwiſſen⸗ heit entſchuldigen koͤnne oder wie ſein Vorfahr ſich dahin ver⸗ führen laſſe, ihm den Eid des ewigen Friedens zu verweigern.“ In gleicher Weiſe erklaͤrte der Koͤnig dem Adel und den Ordens⸗ unterthanen in Preuſſen: er habe mit des verſtorbenen Hoch⸗ meiſters Pflichtvergeſſenheit wegen der nahen Blutsverwandt⸗ ſchaft hinlaͤnglich Nachſicht und Geduld gehabt; jetzt nachdem ein neuer Hochmeiſter erkoren ſey, werde er, obgleich auch dieſer ihm durch Blutsverwandtſchaft befreundet, einen ſolchen Schimpf, wie ihn der verſtorbene Meiſter ſich erlaubt, nicht mehr dulden und nur dann gegen den neuen Hochmeiſter und deſſen Unter⸗ thanen ſich wohlwollend und gnaͤdig erweiſen, wenn er der Verpflichtung des ewigen Friedens nachkomme.? So hoͤchſt betruͤbend ſtellte ſich dem Hochmeiſter ſchon in den erſten Tagen ſeines Amtes die Ausſicht in die Zukunſt. Alle Bemühungen des Koͤniges von Ungern und des Mark⸗ grafen Georg von Brandenburg, der von Breslau aus auf den 1) Antwort des Koͤniges v. Polen an die Geſandten des HM. und des Markgr. Friederich im Fol. 1511 p. 274 - 279. Der HM. nennt dieſe Erklaͤrung des Koͤniges Öfter „eine rauhe, abſchlaͤgige Antwort“; Fol. 1511. p. 37. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an den Adel und die Unterthanen Preuſſens, d. in Brzesscze Litthuan, die domin, post festum s. Sophiae 1511 Schbl. XXV. 2. Fol. 1511 p. 280.
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Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1511.) 413 König einzuwirken geſucht, waren fruchtlos geblieben.) Ueber⸗ dieß entriß der Tod dem jungen Hochmeiſter feinen getreuen Rath den Ordensſpittler Nicolaus von Pflug, deſſen bisheriges Komthuramt zu Ragnit ſich jetzt der Ordensmarſchall Graf Wilhelm von Eiſenberg vom Meiſter erbat, weil ihm ſein bis⸗ heriges Amt zu Preuſſ. Holland obne ſein Verſchulden mehr Nachtheil als Nutzen gebracht. 2 Zudem ſchwand Albrechten auch die Hoffnung, in Preuſſen der Verwaltung des Landes bald ſelbſt vorſtehen zu konnen, immer mehr, obgleich ſeine An⸗ weſenheit wegen der Anordnung der Ordensaͤmter und der Lei⸗ tung der uͤbrigen Landesangelegenheiten in vieler Hinſicht ſehr nothwendig war.) Des Koͤniges drohende Sprache aber ver⸗ anlaßte ihn zu dem Befehl an die Regenten in Preuſſen, aufs ſchleunigſte Schlöffer und Städte mit allem noͤthigen Kriegs⸗ bedarf und Lebensmitteln reichlich zu verſorgen, alles zum Kriege vorzubereiten und auf Bewehrung und Bewachung die ſtrengſte Auſſicht zu halten, zugleich auch auf einer Tagfahrt durch die Aelteſten der Landſchaft und der Staͤdte das Land mit der feindlichen Geſinnung des Koͤniges von Polen bekannt zu machen. ® Die Lage des Landes aber ward bei des Meiſters Ab⸗ weſenheit noch bedenklicher und gefahrvoller durch die feindſelige Stellung des Biſchofs von Ermland, veranlaßt durch einen heftigen Streit mit dem Ordensmarſchall Grafen Wilhelm von 1) Schr. des Markgr. Georg v. Brandenburg an ſeinen Vater Markgr. Friederich, d. Breslau Donnerſt. nach Mariä Verkuͤnd. 1511 Schbl. B. 683. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomefanien und d. Groß⸗ komthur, d. Anſpach Mont. nach Quaſimodog. 1511 Schbl. C. 398. 3) Schr. des HM. an d. Livland. Meiſter, d. Anſpach Mont. Stephans Erfind. 1511 Schbl. D. 320. Schr. des Ordensmarſchalls an die Bifhöfe v. Pomeſanien und Samland, d. Anſpach Freit. nach unſ. Herrn Leichnamstag 1511 Schbl. LXVI. 23. Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Anſpach Samſt. nach Aegidii 1511 Schbl. D. 599. 4) Schr. des HM. an die Regenten in Preuſſen, d. Anſpach Donnerſt. nach Judica 1511 Schbl. C. 400.
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414 Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1511.) Eiſenberg, den jener in ſeiner Abweſenheit bei den Landes⸗ regenten mit bittern Schmaͤhungen angeklagt hatte, daß er uͤberall, namentlich in Preuſſ. Holland des Biſchofs Feinde und allerlei liederliche Geſellen gehauſt und beherbergt, die ins biſchoͤfliche Gebiet einbrechend durch Raub, Mord und Brand ſchrecklichen Schaden veruͤbt. Holland ſey, hatte der Biſchof geaͤußert, eine Bubenſchule geworden und wer mit dem Ordens⸗ marſchall zu thun habe, ſey eben ſo ein Bube, wie er ſelbſt. Das alles war dieſem bekannt geworden. Aufs aͤußerſte er⸗ zuͤrnt uͤber des Biſchofs hinterliſtige und unwahre Anklagen und feines redlichen Verhaltens in den ihm angeſchuldigten Verhaͤlt⸗ niſſen ſich bewußt, trat er gegen den Biſchof mit einer hoͤchſt nachdruͤcklichen Rechtfertigung ſeines bisherigen Verfahrens auf, worin er nicht bloß zeigte, mit welcher Strenge und Gewiſſen⸗ haftigkeit er ſtets und in allen Faͤllen auf die Aufrechthaltung der Landesſicherheit gewacht und wie ſehr er es ſich ſtets habe angelegen ſeyn laſſen, die Unterthanen ſowohl des Biſchofs als des Koͤniges von Polen, den beſtehenden Verordnungen gemaͤß, gegen feindliche und raͤuberiſche Anfaͤlle und Mißhandlungen zu ſichern und wie oft er durch ſtrenge Beſtrafung aufgefan⸗ gener Raubgeſellen die unzweideutigſten Beweiſe feiner Gerechtig⸗ keit und Friedensliebe gegeben, ſondern zugleich auch die Gelegen⸗ heit benutzte, das ganze argliſtige, unredliche und verraͤtheriſche Weſen des Biſchofs und deſſen feindſeligen Umtriebe gegen den Orden offen an den Tag zu legen. „Um unſere Ehre, erklaͤrte der Marſchall, gegen des Biſchofs ungegruͤndete Be⸗ zuͤchtigung zu handhaben, muͤſſen wir freilich feine biſchoͤfliche Wuͤrde ſchonen, woran leider Gott zu viel Chriſam verloren hat; wo er aber nicht Biſchof waͤre, wuͤßten wir ihm in aller Wahrheit nachzuſchreiben, daß er uns anloͤge als ein ehrloſer, verraͤtheriſcher Boͤſewicht, denn allen iſt feine Unwahrhaſtigkeit bekannt. Aus allem aber iſt klar zu merken, weil der Biſchof kein Recht und keinen Frieden liebt, daß er alles nur darum thut, damit er, wenn irgend Schaden durch Raub oder Mord geſchieht, ſagen moͤge: ſehet ihr, dieſen Jammer haben wir alle vom Orden, wir werden nimmer zu Frieden kommen, ſo lange
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Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1514.) 415 der im Lande iſt. Es wuͤrde ihm gar nicht ſonderlich zu Herzen gehen, ſein Vaterland mit Feuer und in Blut vor feinen Augen untergehen zu ſehen; er wuͤrde es gerne hören, wenn Danzigs und Elbings Vorſtaͤdte ſammt allen Haͤuſern ſeiner Domherren in Flammen aufgingen, um damit das Kriegsfeuer anzuſchuͤren.“ So ſetzt der Marſchall weiter aus⸗ einander, wie der Biſchof keine Erdichtung, keine Luͤge ſpare, um die Unterthanen dem Orden abtruͤnnig zu machen, dieſen in Haß und Verachtung zu bringen, gegen ihn Klagen und Be⸗ ſchwerden aufzuhaͤufen, ihn felbft, den Marſchall, beim Könige von Polen anzuſchwaͤrzen, als habe er z. B. mit der Stadt El⸗ bing gegen den König einen verraͤtheriſchen Vertrag gefchloffen. Der Biſchof ſey es geweſen, der an die Thore von Preuſſ. Holland und Muͤhlhauſen aufrührerifche Schriften gegen den Orden habe anſchlagen laſſen u. ſ. w. Dieſe nachdruͤckliche Vertheidigungs⸗ ſchrift uͤberſandte der Marſchall nicht bloß den Landesregenten und den Einſaſſen des Gebietes von Holland, um ſie von da aus uͤberallhin verbreiten zu laſſen, ſondern er fertigte ſie auch dem Rathe von Thorn zu, der ſie dem Biſchofe ſelbſt vor⸗ zulegen erſucht ward. Es war demnach beſtimmt zu erwarten, daß im Fall eines Angriffes gegen den Orden der Biſchof von Ermland auf des Königes Seite ſtehen werde. Noch aber beſchaͤftigten dieſen 1) Schr. des Ordensmarſchalls an die Biſchoͤfe v. Pomeſanien und Samland, d. Anſpach am T. Viſitat. Marià 1511 Schbl. LXVI. 27. Schr. deſſelben an die Einſaſſen des Gebietes v. Holland, d. An⸗ ſpach Donnerſt. nach Viſitat. Maria 1511 Schbl. LXVII. 26. Schr. deſſelb. an die Bifchöfe v. Pomeſanien und Samland, d. Anſpach am T. Stephani 1511 Schbl. LXVI. 25. Schr. des Hauskomthurs v. Holland Rüdiger Schenck von Lochow an den Rath v. Thorn, d. Sonn⸗ abend vor Hedwig 1511 Schbl. Adelsgeſch. S. 154. Schr. des Ordens⸗ marſchalls an d. Hauskomthur v. Holland, worin er ibm auftraͤgt, die Vertheidigungsſchrift überall im Holaͤndiſ. Gebiete, in Danzig, Elbing, Koͤnigsberg, ſelbſt dem Kapitel von Frauenburg bekannt zu machen; Schbl. LXVI. 22. Auch Treter de eccles. Varm. p. 70 ſpricht von dieſem Streite, legt ihm aber andere Motive unter. 5
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416 Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1514.) ſeine kriegeriſchen Verhaͤltniſſe gegen die ins Polniſche Gebiet wiederholt einbrechenden Tataren viel zu ſehr, als daß er vorerſt an ernſtere Schritte gegen den Orden denken konnte, denn bis in den Spaͤtherbſt verweilte er im Kriegsfelde an den oͤſtlichen Graͤnzen feines Reiches. Mittlerweile hatte ſich der Hoch⸗ meiſter nach der Ruͤckkehr feiner Geſandten an den Kaiſer, die Kurfuͤrſten und mehre andere Reichsfuͤrſten gewandt, ſie von des Königs Drohungen benachrichtet und aufs dringendſte Kaiſer und Reich um Huͤlfe angerufen, ſofern es jener wagen werde, ihn mit Kriegsgewalt zur Anerkennung des ewigen Friedens zu zwingen,? denn es war ſehr zu beforgen, daß nach Aus⸗ gang von ſechs Monaten, binnen welchen der Meiſter nach dem Laute des Friedens feine Pflicht erfüllen ſollte, im Falle fernerer Weigerung der König feinem drohenden Worte mit dem Schwerte den noͤthigen Nachdruck geben werde.) Der Kaiſer beeilte ſich, mehre Deutſche Fuͤrſten, die Herzoge von Sachſen, den Kurſürſten Joachim von Brandenburg, die Herzoge von Braun⸗ ſchweig⸗Luneburg, Meklenburg und Pommern alsbald aufzufor⸗ dern, mit ihrer ganzen Heeresmacht dem Orden zu Huͤlfe zu ziehen und ihn, „den Aufenthalt des Adels des heil. Reiches und Deutſcher Nation“ in Schutz zu nehmen, weil es ſeine kaiſerliche Pflicht verlange, ihn bei Kaiſer und Reich und Deut⸗ ſcher Nation zu erhalten und vor Abfall und unbilliger Be⸗ 1) Schr. des Herzogs Karl v. Münſterberg an d. Markgr. Ka⸗ ſimir v. Brandenburg, d. Die Samſt. nach Aſſumt. Mariä 1511 Schbl. IX. 54. Der Herzog ſollte im Auftrage des Markgrafen mit dem Koͤnige in der Sache des HM. neue Unterhandlungen anfnüpfen und perſoͤnlich mit jenem zuſammenkommen, meldet aber obige Um⸗ fände als Hinderniſſe. Sarnicii Annal. Polon. p. 1201 — 1202. Dec liber de tempor. Sigismundi ap. Pistor Polon. Histor. corpus T. II. 313. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien und an d. Großkomthur, d. Anſpach Donnerft. nach Judica 1511. Schbl. C. 400. An den Kaiſer hatte der HM. zugleich feinen Rath Veit von Lenters⸗ heim geſandt, um ihn von Allem zu unterrichten; Fol. 1511. p. 37. 3 Fol. 1511. p. 48.
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Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1511.) 417 ſchwerung zu handhaben und zu beſchirmen. Dabei legte er es den Fuͤrſten ans Herz, welchen Nachtheil es dem ganzen heil. Roͤm. Reiche bringen muͤſſe, wenn es dem Koͤnige von Polen gelinge, den Orden ſeiner Gewalt zu unterwerfen.) Er uͤbernahm es zugleich auch, ſobald als moͤglich eine Bot⸗ ſchaſt an den Koͤnig zu ſenden und ihn zur Guͤte und Nach⸗ giebigkeit gegen den Orden aufzufordern. Von Seiten des Hochmeiſters und ſeines Bruders Kaſimir ward Herzog Karl von Münſterberg erſucht, den Koͤnig zu friedlichen Verhand⸗ lungen und zu milderen Maßregeln zu gewinnen. Des letztern Abweſenheit aber in den oͤſtlichen Gebieten ſeines Reichs machte es dem Herzog unmöglich, feinem Auftrage zu genuͤgen. Der Kaiſer hatte bereits den Abt Hermann von Fulda mit Vollmacht ausgeſtattet, den König aufs ernſtlichſte zum Frieden zu ermahnen und mit Hinweiſung auf die Huͤlfsmacht der ge⸗ nannten Deutſchen Fuͤrſten zur Ruhe zu bewegen; ? er hatte fi) dann auch ſelbſt in einem Schreiben an ihn gewandt, worin er ihm fein Mißfallen über feine feindſelige Geſinnung gegen den Orden zu erkennen gab, ihn an die nahe Bluts⸗ verwandtſchaft mit dem Hochmeiſter erinnerte, ihm deſſen red⸗ liches und aufrichtiges Verfahren gegen ihn vorſtellte und ihm endlich eröffnete: weil der Streit eigentlich zwiſchen dem Orden und dem Königreiche Polen obwalte, fo daß die Haͤupter beider ſich ſchwer unter einander vereinigen koͤnnten, ſo habe er, um fernerem Aergerniß und Schimpf zuvorzukommen, obgleich ihm als Oberherrn des Ordens die Sache zu richten zunaͤchſt zu⸗ ſtehe, für gut befunden, fie durch die Kirche entſcheiden zu laſſen und deshalb den Papſt erfucht, die Streitfrage einem Lateran⸗ Concilium zum Erkenntniß zu übertragen. Bis 1) Schr. des Kalſers an die genannten Fuͤrſten, d. Ulm 3 Mai 1511 Fol. 1511. p. 212 — 214. 37 — 38. 2) Bericht des HM. an die Regenten in Preuſſen Fol. 1511 P. 38. 3) Inſtruction des Kaiſers für den Abt v. Fulda Fol. 1511 p. 282 — 285. IX. 27
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418 Stellung des HM. Albrecht zum Könige v. Polen. (1511.) dahin folle ſich der König aller Gewalt gegen den Orden ent⸗ halten.“ Noch wußte man nicht, ob der Koͤnig eine ſolche Ent⸗ ſcheidung annehmen werde, als eines Tages der Erzbiſchof Johannes von Gneſen auf der Ruͤckkehr von Danzig nach Marienwerder kam und ſich dort mit dem Biſchofe von Po⸗ meſanien uͤber die moͤgliche Art und Weiſe beſprach, wie der Streit zwiſchen dem Orden und dem Koͤnige beizulegen ſey, ohne ihm zu verhehlen, daß letzterer beſonders ihn im Verdacht habe, als habe er vor allen den verſtorbenen Meiſter zur Ver⸗ weigerung der gebuͤhrlichen Pflicht bewogen. Der Biſchof, gegen dieſe Beſchuldigung ſich rechtfertigend, verſprach ſeiner Seits gerne zu allem die Hand zu bieten, was zum Frieden führen koͤnne. Bald nach des Erzbiſchofs Abreiſe langte bei ihm ein koͤniglicher Sendbote an, ihm unter eidlicher Ver⸗ ſchwiegenheit meldend: der König ſey entſchloſſen geweſen, mit Waffengewalt in Preuſſen zu erſcheinen, habe dieß aber auf des Erzbiſchofs Rath aufgegeben und ſey jetzt nach Krakau gezogen; dort erwarte er eine geziemende Geſandtſchaft der Regenten Preuſſens, die ihn um eine neue Verhandlung zur Beſcitigung des Streites erſuchen ſolle; er werde dann ver⸗ anlaſſen, daß namentlich der Biſchof von Gneſen und der Bi⸗ ſchof von Pomeſanien dieſer Verhandlung beiwohnen ſollten. 2 Alsbald ging eine Geſandtſchaſt, an ihrer Spitze der Vogt zu Brandenburg Hans von der Gabelenz und der Pfleger zu Ortelsburg Berthold von Altmannshofen, nach Krakau ab und erhielt dort vom Koͤnige den Beſcheid: er wolle auf des Erz⸗ biſchofs von Gneſen Geſuch noch einmal den Weg einer fried⸗ lichen Ausgleichung eroͤffnen und dazu einen Verhandlungstag 1) Schr. des Kaiſers an d. König v. Polen, d. in castris sub Tornaco (Tournay) XXII Sept. 1511 Schbl. IV. 160 (a). (Wahr⸗ ſcheinlich fällt dieſes Schreiben aber erſt ins J. 1513, doch hat es die Jahreszahl 1511.) 2) Bericht des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. im Fol. In⸗ ſtructionen, Antworten und Miſſive p. 1.
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Tagfahrt zu Thorn. (4511.) 419 zu Thorn im December anordnen, wohin auch die Regenten Preuſſens ihre Bevollmächtigten ſenden ſollten.“ Dieſe Tagfahrt zu Thorn fand wirklich Statt. Es er⸗ ſchienen von Seiten des Ordens der Biſchof von Pomeſanien, der Großkomthur Simon von Drahe, der Komthur von Memel Michael von Schwab, der Vogt von Brandenburg und einige andere, von Seiten des Koͤniges der Erzbiſchof von Gneſen, mehre Woiwoden und Fönigliche Beamte und am Schluſſe der Verhandlungen auch der Biſchof von Ermland. Nachdem man mehre Tage ſich über mancherlei mögliche Wege zur Aus⸗ gleichung berathen, wurden von den Polniſchen Bevollmächtigten endlich folgende Vorſchlaͤge den Ordensgeſandten vorgelegt: es ſcheine für das Königreich Polen, wie für den Orden und die ganze Chriſtenheit vielleicht am rathſamſten, daß der jetzige Koͤnig von Polen ſelbſt den Orden annehme und zum Hoch⸗ meiſter erhoben werde, ſo daß der neue Meiſter ſeinem Amte wieder entſage und vom Koͤnige auf irgend eine Weiſe nach feinem fuͤrſtlichen Stande verſorgt werde.) Werde der Papſt dieß wegen des jetzigen Koͤniges Verehelichung nicht zulaſſen wollen, ſo ſolle nach deſſen Tod jeder Nachfolger im Reiche Profeß im Orden werden und als Hochmeiſter eingekleidet ſich nie vermaͤhlen dürfen, „alſo daß das Königreich) und der Orden ein ewig unzertrennlicher Körper werden ſolle“. Da der Hoch⸗ meifter und deſſen Gebietiger in Deutſchland und Livland von dieſen Vorſchlaͤgen in Kenntniß geſetzt werden muͤßten, ſo ſolle der Biſchof von Pomeſanien dem Hochmeiſter Bericht erſtatten und dann nach Krakau zum Kroͤnungsfeſte der Koͤnigin kom⸗ men, um mit dem Koͤnige naͤher zu berathen, wie die Vereini⸗ gung des Königreiches mit dem Orden „zu einem Körper” 1) Schr. der Sendboten der Regenten Preuſſens an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Krakau Sonnab. nach Martini 1511 Schbl. LXV. 64. 2) Zu dieſem Vorſchlage konnte vielleicht Markgraf Friederich v. Brandenburg ſelbſt Anlaß gegeben haben, indem er es durch feine früher erwähnte Botſchaft an den König beſonders hatte hervorheben laſſen, daß ihm die Verſorgung ſeiner zahlreichen Soͤhne vor allem ſehr am Herzen liege. 27
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420 Tagfahrt zu Thorn. (1511.) am füuͤglichſten geſchehen konne; es folle alsdann auch das No: thige wegen des Hochmeiſters Verſorgung feſtgeſtellt und alles auf ewige Zeit beftätigt werden. Werde alles beider Seits ge: nehmigt und beſchloſſen, ſo ſolle Markgraf Albrecht perſoͤnlich beim Könige erſcheinen und „ihm zu Rath und Getreuheit ſchwoͤren.“ — So lautete der Receß der Tagfahrt zu Thorn.“ Der Erzbiſchof von Gneſen fuͤgte noch hinzu: wenn der Hoch⸗ meiſter nach Inhalt des Receſſes vom Meiſteramte abtreten und geiſtlich werden wolle, ſo ſey er ſelbſt bereit, ihm ſein Erz⸗ biſthum zu uͤbergeben; ſey der Meiſter dazu nicht geneigt, ſo werde der Koͤnig ihn in Preuſſen oder Litthauen ſeinem fürft: lichen Stande gemäß verſorgen; jeder König und Fünftige Hochmeiſter werde die Krone Polens und alles, was er vom Orden habe, vom Kaiſer und Reich zu Lehen nehmen. Zur Hälfte ſollten ſorthin immer Deutſche und zur Haͤlfte Polen die Lande und Aemter in Polen, Preuſſen und Litthauen ver⸗ walten und ſtets auch eine Anzahl Deutſche an des Koͤniges Hof einen koͤniglichen Rath bilden. Endlich ſollten auch alle Praͤlaten in Polen in den Orden eintreten und das Ordens⸗ kleid tragen. 2 So feltfam und unreif dieſe Vorſchlaͤge auch waren, fo eilte doch der Biſchof von Pomeſanien, dem Hochmeiſter davon Bericht zu erſtatten. Er traf ihn in den erſten Tagen des Jahres 1512 zu Kulmbach. Albrecht indeß mochte in einer fo wichtigen Sache nicht allein entſcheiden und legte ſie zunaͤchſt ſeinem Vater vor. Es fiel dieſem verſtaͤndigen und klugen Fuͤrſten nicht ſchwer zu entdecken, wo der Koͤnig von Polen mit dieſem Plane hinaus wollte und wie alles nur darauf be⸗ rechnet ſey, das Ordensland an die Krone Polens zu bringen. Er ſtellte klar an den Tag, daß das Fortbeſtehen des Ordens und die Fortdauer des koͤniglichen Stammes in Polen bei 1) Der Receß, d. Thorn Freit. nach Lucid 1511 im Fol. In⸗ ſtruct., Antworten u. Miſſive p. 3 — 4. 2) Bericht des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. im Fol. In⸗ ſtruct. u. ſ. w. p. 1— 3,
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Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1512.) 421 dieſem Plane undenkbar ſey, denn es ſey ja leicht einzuſehen, daß wenn inskünſtige jeder König von Polen zugleich auch Hochmeiſter und unverheirathet ſeyn ſolle, die Soͤhne dieſes Koͤniges aber anderweitig verſorgt werden ſollten, der königliche Stamm gar bald ausſterben muͤſſe. Ueberdieß ſey für feinen Sohn, auch wenn man ihn wirklich mit einem Erzbiſthum oder irgendwie verſorge, die Abtretung des Meiſteramtes immer ſchimpflich. Selbſt in Beziehung auf den Deutſchen Adel ſey die Sache ſehr bedenklich, wenn der Koͤnig von Polen ſtets Hochmeiſter ſeyn ſolle. Jener Adel habe bisher ſeine Soͤhne im Orden verſorgt; die Polen aber wuͤrden bald die Deutſchen aus dem Orden verdraͤngen und ſich darin allein einniſten. Zur Warnung wies der Markgraf auf die Johanniter auf Rhodus hin, deren Orden ſchon ganz aus Franzoſen beſtehe und aus dem der deutſche Adel ſchon völlig verdraͤngt ſeyÿ. So werde auch der Deutſche Orden durch dieſen Plan zu Grunde gehen und Preuſſen eine Polniſche Provinz werden.“ Dieß konnte freilich dem Könige von Polen nicht gefagt werden, denn jetzt zumal war die groͤßte Vorſicht gegen ihn nothwendig. Der Biſchof von Pomeſanien ward daher be⸗ auftragt, ihm zu melden: der Hochmeiſter habe die Verhand⸗ lung zu Thorn mit erfreutem Gemüthe vernommen und ſeiner Seits werde er ſich auch keineswegs beſchwert finden, das Meiſteramt an den König abzutreten, fofern dieß allein bei ihm flände; er wolle jedoch, da er ſich in Eile mit denen, welche die Sache weſentlich mit angehe, nicht habe unterreden konnen, insgeheim den Kaiſer, die Kurfuͤrſten und die Fuͤrſten, ſowie den Deutſchmeiſter von allem unterrichten, ihren Rath darüber hören und dann dem Könige mittheilen, was ihm ſowohl fir die Krone Polens als fir den Orden heilſam duͤnke. Ebenſo wurde der Erzbiſchof von Gneſen erſucht, „das an⸗ gefangene gute Werk zu einem guten und glücklichen Ende zu 1) Bericht des Markgrafen Friederich v. Brandenburg über die Verhandlung zu Thern Fol. Inſtructionen, Antworten u. |. w. p. 7 — 10.
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422 Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (15 12.) fuhren.“) Waͤhrend aber der Biſchof von Pomeſanien nach Krakau zog, berief der Hochmeiſter die Gebietiger in Deutſch⸗ land zu einem Berathungstage nach Rothenburg an der Tau⸗ ber; wie ſie, ſo ſprach ſich auch der Deutſchmeiſter, der ſeine Abweſenheit entschuldigen ließ, aufs entſchicvenſte gegen die ganze Sache aus, rieth jedoch dem Hochmeiſter, ſich mit dem Koͤnige auf irgend eine Weiſe auszugleichen oder einen Anſtand zu gewinnen, um mittlerweile auf einem großen Kapitel oder wenigſtens mit den beiden Meiſtern von Deutſchland und Liv⸗ land zu berathen, wie Preuſſen vor der drohenden Gefahr be⸗ wahrt werde.) Auch den Kaiſer bat Albrecht um Rath und Huͤlfe bei etwaigen Gewaltſchritten des Königes oder um irgend welche Mittel, um den Orden aus der Bedraͤngniß zu retten. ) Es fand bald darauf zwiſchen beiden eine perſoͤnliche Zuſammen⸗ kunft zu Nuͤrnberg Statt, wo der Meiſter wiederholt die Ge⸗ fahr eines gewaltſamen Einſchreitens des Koͤniges von Polen vorſtellte, fofern er nicht entweder den ewigen Frieden beſchwoͤre oder in die zu Thorn gemachten Vorſchlaͤge eingehe. In ſeinen jungen Jahren, antwortete der Kaiſer, habe er oft als die Haupturſache der in Preuſſen ergangenen ungluͤcklichen Händel gehört, daß der Orden ſich nie, wie andere Fuͤrſten und Reichs⸗ glieder, zum Kaiſer und Reich gehalten und viel zu frei daſtehen wolle. Werde der Hochmeiſter die angeſetzten Reichstage be⸗ ſuchen, da jeder Zeit ſeinen Stand und ſeine Seſſion ein⸗ nehmen und hinfort beim Kaiſer thun, was andere Fuͤrſten und ſelbſt auch der Deutſchmeiſter, ſo halte man dafuͤr, die Reichs⸗ 1) Die dem Biſchofe v. Pomeſanien mitgegebene Inſtruction und die Credenzbriefe fuͤr den Biſchof an den Koͤnig v. Polen und den Bi⸗ ſchof v. Gneſen, d. Kulmbach Mont. nach heil. drei Könige 1511 Fol. Inſtruct., Antwort. u. fe w. p. 5— 7. Der HM. ließ ſich zugleich auch als junger Fuͤrſt entſchuldigen, der die Verhaͤltniſſe des Ordens und des Landes Preuſſen noch nicht genau kenne. 2) Die weitlaͤuftigen gegenſeitigen Berichte daruͤber im Fol. In⸗ ſtruct. Antwort. u. ſ. w. p. 10 — 15. 3) Bericht des HM. an d. Kaiſer im Fol. Inſtruct. Antwort. u. ſ. w. p. 15 — 18.
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Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1512.) 423 ſtaͤnde wuͤrden dann auch leichter zu Hilfe und Rath für den Orden zu bewegen ſeyn. Da der Hochmeiſter, das Nicht⸗ erſcheinen feiner Vorgänger auf den Reichstagen mit den ſchweren Kriegen entſchuldigend, die ſie ſo lange haͤtten führen muͤſſen, ſeine Bitte erneuerte, jetzt dem Orden aus ſeiner Noth zu helfen, fo verſprach der Kaifer, die Könige von England und Daͤnemark um Beiſtand erſuchen zu wollen, auch deshalb neue Befehle an die Kurfürſten von Brandenburg und Sachſen und an den Herzog von Pommern ergehen zu laſſen, forderte aber den Hochmeiſter auf, den naͤchſten noch vor Oſtern angeſetzten Reichstag unter allen Umftänden zu beſuchen. Auch der Kurz fürft von Sachſen und mehre andere Fuͤrſten, die um den Kaiſer waren, riethen dem Meiſter, ſich mehr an das Reich anzuſchließen und vor allem der Weiſung des Kaiſers Folge zu leiſten.) Darauf erneuerte dieſer ſeine Befehle an die ge⸗ nannten Füͤrſten zur Unterſtuͤzung des Ordens, fofern es der König von Polen wagen werde, den Hochmeiſter mit Gewalt⸗ mitteln zur Beſchwoͤrung des ewigen Friedens zu zwingen, „der, wie Maximilian ſelbſt erflärte, in allen Stuͤcken dem Kaiſer und Reich und der ganzen Deutſchen Nation an ſeiner Ober⸗ herrlichkeit und allen erworbenen Rechten durchaus nachtheilig, unleidlich und überhaupt nicht zu dulden ſey.“ =) Mittlerweile war der Biſchof von Pomeſanien ſchon im Anfange des Februars in Krakau angekommen.) Der Koͤnig hatte beſtimmt, es ſolle auf naͤchſtem Johannistage ein neuer Verhandlungstag zu Krakau Statt finden, wobei er ſelbſt gegen⸗ waͤrtig ſeyn wollte. Er wuͤnſchte, daß außer den Bevollmaͤch⸗ tigten aus Deutſchland, Preuſſen und Livland auch des Hoch⸗ 1) Die Verhandlung des HM. mit dem Kaiſer zu Nürnberg im Fol. Inſtruct. Antwort. u. ſ. w. p. 24 — 26. Schr. des HM. an den Biſchof v. Pomeſanien und den Großkomthur, d. Anſpach Mont. nach Judica 1512 Schbl. D. 607. Schr. des HM. an den Meiſter von Livland, d. wie vor, Schbl. D. 317. 2) Schr. des Kaiſers an die Fuͤrſten, d. Würzburg 23 Februar 1512 Fol. Inſtruct. Antwort. u. ſ. w. p- 19 — 20. 3) Decii liber de Sigismundi temp. ap. Pistor. T. II. p. 314.
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424 Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1512.) meiſters Bruder Markgraf Kaſimir den Verhandlungen bei⸗ wohnen moͤge. In einer Berathung des Koͤniges mit dem Erzbiſchofe von Gneſen und mehren andern Reichsraͤthen uͤber die Frage: ob es nicht zweckmaͤßig ſey, den ewigen Frieden in ſeinen dem Orden beſchwerlichen Punkten zu mildern oder ihn eine Zeitlang in einen Anſtand zu ſtellen, war dieß dem Koͤnige entſchieden widerrathen worden. Der Biſchof von Pomeſanien hatte daher den Auftrag erhalten, dem Meiſter zu melden: ſofern der angeordnete Verhandlungstag und die zu Thorn aufgenommene Verhandlung abgeſchlagen wuͤrden, ſey der König jetzt feft entſchloſſen, ohne allen Verzug feine Rechte geltend zu machen und Anſtalten zu treffen, damit der ewige Friede ohne alle Veraͤnderung vollzogen werde. Umſonſt hatte der Biſchof um eine laͤngere Friſt des angeſetzten Verhandlungs⸗ tages gebeten; ebenſo war ſein Antrag, daß auch Bevollmaͤch⸗ tigte des Kaiſers und der Reichsfuͤrſten den Tag mit beſuchen koͤnnten, von des Köͤniges Näthen als unzuläffig und nutzlos zuruͤckgewieſen worden, indem ſie erklaͤrten: wenn auf dem Tage alles zu gutem Ende gebracht ſey, ſo koͤnne der Hoch⸗ meiſter auf naͤchſtem Reichstage dem Kaiſer und Reich das Noͤthige vorlegen und um Zulaſſung und Beſtaͤtigung bitten und ebenfo beim Papſte.!“) Der Biſchof von Pomeſanien kehrte jetzt nach Preuſſen zuruͤc. Des Koͤniges ernſte Sprache bewog die in einem Kapitel verſammelten Praͤlaten und Gebietiger, eiligſt alles zur 1) Bericht des Biſchofs v. Pomeſanien über feine Verhandlungen zu Krakau, durch Hans von Schönberg dem Hen. uͤberbracht, Fol. Inſtruct., Antwort. u. ſ. w. p. 30 — 33. In einem Berichte heißt es: der Koͤnig habe dem Biſchofe von Pomeſanien auch geſagt: ſchon zu Thorn ſey davon die Rede geweſen, daß der Orden ſeine Profeſſion nicht erfülle, indem er nicht mehr gegen die Heiden ſtreite, ſondern „daheim in Traͤgheit verfaule.“ Die Ordensbevollmaͤchtigten haͤtten dieß damit entſchuldigt, daß der Orden dieß nicht füglich auf einem andern Wege vermoͤge, als durch das Koͤnigreich Polen. Der Koͤnig habe darauf auf die Vorſchlaͤge in Thorn hingewieſen, die dem Orden es leicht moͤglich machen wuͤrden.
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Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1512.) 425 Beſendung des angeordneten Tages vorzubereiten; man er⸗ nannte alsbald auch die Geſandten. Allein der Meiſter von Livland ſetzte die Landesregenten in nicht geringe Verlegenheit, indem er ſich auf keine Weiſe bewegen ließ, auch feiner Seits bevollmaͤchtigte Sendboten abzufertigen.) Wie er, ſo waren auch der Deutſchmeiſter und beſonders der Ordensmarſchall Graf Wilhelm von Eiſenberg hoͤchſt unzufrieden damit, daß der Biſchof von Pomeſanien ohne Wiſſen und Willen des Hoch⸗ meiſters und der Übrigen oberſten Gebietiger ſich in die Ver⸗ handlungen zu Thorn eingelaffen habe.) Albrecht ſelbſt aber hielt es unter allen Umſtaͤnden fuͤr nothwendig, den angeſetzten Verhandlungstag, um welchen er ſelbſt gebeten hatte, an⸗ zunehmen und von ſeinem Bruder Kaſimir beſuchen zu laſſen und er hoffte auch die beiden Meiſter von Deutſchland und Livland dazu noch zu gewinnen. An den letztern wandte er fi mit einer ſchriſtlichen Bitte. Um ſich mit dem erſtern näher zu berathen, begab er ſich, um zugleich den Reichstag zu beſuchen, nach Oſtern an den Rhein.“ Dem Kaiſer und den Reichsſtaͤnden hatte der Hochmeiſter bereits vom Erſolge der Verhandlung des Biſchofs von Pome⸗ ſanien in Krakau Bericht erſtattet; man war allgemein der Meinung, man muͤſſe vor allem noch Zeit zu gewinnen und des⸗ halb den König zu einem längern Aufſchub des Verhandlungs⸗ 1) Schr. des Großkomthurs an d. HM. d. Koͤnigsb. Dienſt. nach Cantate 1512 Schbl. C. 370. Fol. 1512 p 2. Schr. des Komthurs v. Memel Michael v. Schwab und des Pflegers v. Neidenburg Soft Truchſes an d. Großkomthur, d. Neuer⸗ Muͤhlen Sonnab. nach Cantate 1512 Schbl. C. 369. Dieſe beiden hatte man zum Livland. Meiſter geſandt. 2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Wolram Sonnt. Reminif. 1512 Schbl. LXV. 101, worin er ſich beſonders über den Ordensmarſchall beklagt. 3) Schr. des HM. an die Regenten in Preuſſen, d. Anſpach Dienſt. nach Quaſimodogen. 1512. Schr. deſſelb. an d. Livlaͤnd. Meiſter, d. wie vor, im Fol. Inſtruct. Antwort. u. fe w. p. 33 — 34. 4) Schr. des HM. an d. DM. d. Freit. nach Oſtern 1512 Schbl. D. 606. Er reiſte am Montag darauf nach dem Rhein ab.
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426 Der HM. auf dem Reichstage zu Trier. (1512. tages zu bewegen ſuchen. Als darauf der Reichstag zu Trier eröffnet ward, uͤberreichte Albrecht dem Kaiſer und den Reichs⸗ fuͤrſten ein Vorſtellen, worin er in einer ebenſo buͤndigen als lichtvollen Darſtellung ſeit der Entſtehung des ewigen Friedens den Gang und die Erfolge aller bisherigen Verhandlungen zwiſchen dem Orden und dem Koͤnige uͤber die weſentlichſten ſ. g. beſchwerlichen Artickel auseinander geſetzt und am Schluffe gezeigt hatte, wie die zu Thorn geſchehenen Vorſchlaͤge der Fundation des nur fuͤr die Deutſche Nation geſtifteten Ordens durchaus widerſtreitend und es an ſich ſchon unzulaͤſſig ſey, daß ein Hochmeiſter ein Weib habe, daß ferner Preuſſen und dann unvermeidlich auch Livland, wonach die Polen ſchon laͤngſt getrachtet, fuͤr das Deutſche Volk ganz verloren ſeyn und „das neue Deutſchland, die nova Germania“, wie Preuſſen in etlichen Hiſtorien heiße, mit ſeinen feſten Schloͤſſern, in denen ſich ſonſt wohl zweitauſend Ritter des hohen und niedern Adels auf⸗ gehalten, in die Haͤnde der Polen kommen werde. Der Meiſter bat daher den Kaiſer, „er moͤge als oberſtes Haupt und Be⸗ ſchirmer der Kirche, deſſen Mannheit in allen Reichen vortreff⸗ lich beruͤchtigt und erkannt, ſeine mannliche, wehrliche Hand in dem Dienfle der Mutter Gottes zur Erhaltung ihres loͤb⸗ lichen ritterlichen Ordens erheben, dieſen nicht unterdruͤcken laſſen und mitſammt den Ständen Huͤlfe und Rath ertheilen.“ !“) Ungern vermißte der Meiſter zur Fuͤrſprache in feiner Bitte auf dem Reichstage die Anweſenheit ſeines Verwandten, des Kurfürften von Brandenburg.?) Der Kaiſer verſprach, bei den Reichsſtaͤnden wo möglich fir den Orden Huͤlfe zu bewirken 1) Das Vorſtellen des HM. auf dem Reichstage zu Trier im Fol. Inſtruct. Antwort. u. ſ. w. p. 38 — 42. Bericht des Komthurs v. Oſterode über den Reichstag Schbl. LXVII. 2) Schr. des HM. an den Kurfuͤrſten Joachim v. Brandenburg, d. Trier Dienft, nach Jocunditat. 1512 Schbl. D. 609. Fol. Inſtruct. Antwort. u. ſ. w. p. 43 — 44. Der HM. erſucht den Kurfürſten, die Sache des Ordens durch ſeinen Geſandten am Reichstage Eitelwolf von Stein bei den Reichsſtaͤnden thätigft befürdern zu laſſen.
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Der HM. auf dem Reichstage zu Trier. (1512) 427 und ſobald er ſich mit ihnen uͤber die Huͤlfsleiſtung geeinigt habe, dem Meiſter darüber Beſcheid zu ertheilen. Albrecht begab ſich hierauf nach Koblenz, um dort mit dem Deutſchmeiſter und den Landkomthuren aus Deutſchland einen Berathungstag zu halten. Dort erklaͤrte er, um die Gebictiger zum Beiſtand fuͤr den Orden zu gewinnen: es gebe aus der Abfertigung des Biſchoſs von Pomeſanien in Krakau klar hervor, daß der Koͤnig von Polen weder auf rechtlichem, noch verſoͤhnlichem Weg anders mit dem Orden verhandeln wolle, als daß entweder die zu Thorn gemachten Vorſchlaͤge angenommen oder der ewige Friede beſchworen werden ſolle. Da beides zu des Ordens voͤlliger Vernichtung fuͤhre, ſo ſey jetzt keine andere Wahl als Krieg, womit der König auch be⸗ reits in klaren Worten gedroht habe. Weil der Hochmeiſter die ſichere Hoffnung ausſprach, daß Kaiſer und Reich und namentlich auch der Deutſche Adel den Orden in ſeiner Be⸗ draͤngniß nicht ohne Beiſtand laſſen wuͤrden, fo verhießen auch der Deutſchmeiſter und die Gebietiger, ihm in dieſem Falle mit einem Streithaufen von tauſend Mann zu Huͤlfe zu ſtehen, doch rieth erſterer ebenſalls, beim Koͤnige vor allem, um wenig⸗ ſtens noch Zeit zu gewinnen, durch den Markgrafen Kaſimir einen laͤngern Aufſchub des Verhandlungstages zu Krakau zu bewirken.) Dick ward auch bald erreicht, da nicht nur der Hochmeiſter und fein Bruder Kaſimir dem Könige vorftellten, daß wegen ſehr dringender Geſchaͤfte der letztere nach des Ko: niges Wunſch den auf Johannistag angefegten Verhandlungen unmoͤglich beiwohnen koͤnne, ſondern auch der Kaiſer den Koͤnig ſelbſt um eine Verlaͤngerung des Tages erſuchte. Letzterer willigte in den Aufſchub bis Martini ein, weil er ſelbſt auf 1) Bericht des Komthurs von Oſterede über den Reichstag Schbl. LXVII. 2) Verhandlung des HM. mit dem DM. zu Koblenz am Sonnt. Cantate 1512 Fol. Inſtruct. Antwort. u. ſ. w. p. 36 — 38. Bericht des Komthurs v. Oſterode vom Reichstage Schbl. LXVII.
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428 Der HM. auf dem Reichstage zu Trier. (1512.) die Vermittlung des Markgrafen Kaſimir großes Gewicht zu legen ſchien.“ Der Hochmeiſter kehrte auf den Reichstag nach Trier wieder zuruck, wo man ſich eifrig mit der Eintheilung des Deutſchen Reiches in zehn Landfriedenskreiſe beſchaͤftigte. Da kam es wahrſcheinlich auf Anlaß der Vorſtellungen des Hoch⸗ meiſters auch zur Sprache, Preuſſen und Livland gleichfalls als einen beſondern Kreis dem Deutſchen Reiche noch naͤher anzuſchließen. Allein der Plan gelangte, weil Albrecht allein und ohne Mitrath der Staͤnde Preuſſens und des Meiſters von Livland darüber nicht entſcheiden konnte, nicht zur Aus⸗ führung. ? Der Meiſter erſuchte nun wiederholt den Kaiſer um Antwort auf ſein Huͤlfsgeſuch, ihm vorſtellend, welche Ge⸗ fahr im laͤngern Verzuge ſey und wie ſehr man einen feind⸗ lichen Einfall des Koͤniges von Polen in Preuſſen zu befürchten habe, wenn man ſich ſeinen Forderungen nicht fuͤgen werde. Da indeß Maximilian die Antwort gab: er habe ſich mit den Reichsſtaͤnden noch nicht vereinigt, wolle aber dem Hochmeiſter erlauben, wenn ihm laͤngeres Verweilen beſchwerlich falle, den Reichstag zu verlaſſen, fo verabſchiedete ſich diefer beim Kaiſer und trug dem Komthur von Koblenz Ludwig von Senßheim auf, den kaiſerlichen Beſcheid in Empfang zu nehmen, jedoch 1) Schr. des HM. an den Koͤnig v. Polen und Schr. des Markgr. Kaſimir an denſelb. d. Trier Freit. nach Himmelf. 1512 Fol. Inſtruct. Antwort. p. 44 — 45. Der Markgraf ſchrieb: er habe ſich zwar „als feiner Majeſtaͤt des Kaiſers Diener“ um die Erlaubniß bemüht, den Koͤnig in ſeinen Geſchaͤften beſuchen zu duͤrfen, „wir haben's aber Geſchaͤfte halber, die uns vor der Zeit von ſeiner kaiſerl. Majeſtaͤt befohlen, bisher nicht moͤgen erlangen.“ Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Cracoviae octavo Junii 1312 Schl. C. 367 — 368. % 2) De Wal Histoire de l’Ordre T. T. VIII. 11—15. Pfi⸗ ſter Geſchichte d. Deutſch. B. III. 617 ſagt: die Preuſſiſchen und Livländiſchen Staͤnde haͤtten ſich geweigert, in dieſe Verfaſſung zu treten. Allein wir finden keine Spur, daß die Sache überhaupt an die Stände gebracht worden ſey. Pauli B. IV. 388. Olen⸗ ſchlager Samml, der Reichs⸗Abſch. T. I. 149. Bock S. 86.
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Reiſe des Hochmeifters nach Preuſſen. (1512.) 429 mit der Weiſung, ſofern er unguͤnſtig ausfalle, dem Reichstage eine Proteſtation einzureichen, daß es nicht des Hochmeiſters Schuld ſey, wenn er aus hoher Noth gedrungen ſich mit dem Koͤnige von Polen auf irgend eine Weiſe auszugleichen ſuchen muͤſſe. So kehrte der Meiſter, ohne ſeine Hoffnung auf dem Reichstage erfullt zu ſehen, nach Anſpach zuruͤck.) Es gingen Monate voruͤber, ohne daß der Komthur von Koblenz eine ent⸗ ſchiedene Antwort vom Kaiſer erhalten konnte; vielmehr ſchwand, „da die Läufe in Deutſchland immer wilder und ſeltſamer“ wurden, die Ausſicht zur erwuͤnſchten Reichshuͤlfe immer mehr. Auch die Bemuͤhungen des Komthurs von Koblenz, mehrer anderer Gebietiger und beſonders des Ritters Wend von Eulen⸗ burg, den hohen Adel in der Pfalz, in Schwaben, Wirtenberg und in den Gebieten von Köln, Trier, Jülich und Kleve zur Hülfe für den Orden zu gewinnen, ſchienen wenig Erfolg zu bringen, da alles von dem Beſcheide abhing, den man vom Kaiſer erwartete.) Da endlich vorauszuſehen war, daß, wie dieſer Beſcheid auch ausfallen mochte, bei den mißhelligen Vers haͤltniſſen unter den Kurflnften und Reichsſtaͤnden auf keinen erfolgreichen Beiſtand aus dem Reiche zu rechnen ſeyn werde,) fo fand es der Hochmeifter jetzt rathſam, ſobald als möglich ſeine Reiſe nach Preuſſen anzutreten. Er ſandte jedoch zuvor ſeinen Oberkompan Heinrich von Miltitz an den Koͤnig von Polen, theils um ſich von ihm die Erlaubniß zum Durchzuge durch einen Theil ſeines Gebietes und ſicheres Geleit zu er⸗ 1) Bericht des Komthurs v. Oſterode uͤber den Reichstag zu Trier Schbl. LXVII. 2) Schr. des Komthurs v. Koblenz an d. HM. d. Koͤln Mont. nach Vincula Petri 1512 Schbl. C. 366. Schr. deſſelb. an d. HM. d. Koͤln Sonnt. Jacobi 1512, ebendaſ. Der Reichstag wurde be⸗ kanntlich von Trier nach Köln verlegt; vgl. Voigt Franz v. Sickingen und der Deutſ. Orden in Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. II. 345. 3) Schr. des Komthurs v. Koblenz an d. HM. d. Mont. nach Vincula Petri 1512 Schbl. C. 366.
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430 Reiſe des Hochmeiſters nach Preuſſen. (1512.) bitten, theils um ſeine Geſinnungen naͤher ausforſchen zu laſ⸗ ſen, ) denn man glaubte ihn jetzt noch mehr gegen den Orden erbittert, weil kurz zuvor ein Deutſches Spott⸗ und Schmaͤh⸗ gedicht auf den Koͤnig erſchienen war, welches ins Lateiniſche uberſetzt in Polen um ſo mehr Aerger und Erbitterung erregt hatte, da man es, obgleich es zu Metz gedruckt worden war, einem Ordensgebietiger zuſchrieb. 2 Die Reiſe nach Preuffen ſchien dem Meiſter um fo noth⸗ wendiger, weil theils der Koͤnig ihm gemeldet, daß er den früher in Krakau anberaumten Verhandlungstag lieber in Pe⸗ trikau, wo ohnedieß um die beſtimmte Zeit allgemeiner Reichs⸗ tag ſeyn ſollte, zu halten wuͤnſche, theils weil er auch hoffte, von Preuſſen aus den Meiſter von Livland leichter zur Theil⸗ nahme an den Verhandlungen mit dem Könige zu gewinnen.“ Auch bewog ihn die fortwaͤhrende, ſehr bedenkliche Krankheit des Biſchofs Günther von Samland, den er außerordenrlich hochſchaͤtzte, die Reiſe fo viel als möglich zu beſchleunigen.“ Ueberdieß erhielt er vom Komthur von Koblenz auch bald die Nachricht: der Kaiſer folle feine Raͤthe zwar beauftragt haben, mit den Kurfürften und Reichsſtaͤnden wegen eines dem Hoch⸗ meiſter zu gebenden Beſcheides in Unterhandlung zu treten und 1) Bericht des Komthurs v. Oſterode vom Reichstage Schbl. LXVII. 2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. am T. Mariä Magdal. 1512 Schbl. LXV. 63. 3) Schr. des Königes v. Polen an d. HM. d. Cracoviae VIII Jun, 1312 Schbl. C. 367 — 368. Die Sprache des Koͤniges gegen den HM. iſt in dieſem Schreiben wieder ganz beſonders freundlich und huldvoll. 3) Schr. des HM. an die Biſchoͤfe v. Pomefanien und Sam⸗ land und an den Großkomthur, d. Anſpach am Abend Mariä Magdal. 1512 Schbl. C. 479. 5) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. am T. Maris Magdal. 1512 Schbl. LXV. 63. Schon in einem Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Anſpach Dienſt. nach Judica 1511 Schbl. D. 317 (15) ſpricht der HM. ſein großes Bedauern aus, daß er vielleicht bei der ſehr gefaͤhrlichen Krankheit des Biſchofs v. Sam⸗ land dieſen nicht mehr am Leben finden werde.
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Reiſe des Hochmeiſters nach Preuffen. (1512.) 431 einen Beſchluß zu faſſen, und die Antwort ſolle auch ſchon abs gefaßt ſeyn, jedoch ſo viel man hoͤre, dahin lauten: man wolle, da die Sache ſelbſt von hoher Wichtigkeit und nur eine geringe Anzahl von Kurfürften und Reichsſtaͤnde jetzt verſammelt ſey, alles bis zum naͤchſten Reichstage zu Frankfurt im Anfange des naͤchſten Jahres auf ſich beruhen laſſen, um dann bei einer zahlreicheren Fuͤrſtenverſammlung die Sache nach ihrer Groͤße und Wichtigkeit reiflicher zu erwaͤgen.) Da ſomit der Hoch⸗ meiſter keinen weitern Erſolg ſeines laͤngern Aufenthalts in Deutſchland erwarten konnte, die Geleitsbriefe des Koͤniges von Polen auch bereits bei ihm angelangt waren, ſo beeilte er die Anſtalten zu ſeiner Reiſe nach Preuſſen ſo viel nur irgend möglich.) Indeß nahmen die Vorbereitungen zu dem ſo wichtigen Verhandlungstage mit dem Koͤnige ſeine Thaͤtigkeit eine Zeitlang noch ſehr in Anſpruch. Er ſuchte nicht bloß die beiden Meiſter von Deutſchland und Livland, ſondern auch den Erzbiſchof von Magdeburg, den Kurfuͤrſten Friederich und den Herzog Georg von Sachſen und den Kurfuͤrſten Joachim von Brandenburg zu bewegen, den Tag durch ihre Abgeordneten zur Foͤrderung der Ordensſache beſuchen zu laſſen,“ und da er bald vernahm, daß der Biſchof von Pomeſanien wahrſchein⸗ lich wegen der Öftern Vorwürfe über die Verhandlung zu Thorn und nach ihm auch mehre andere Bevollmaͤchtigte ſich geweigert hatten, auf den Tag nach Petrikau mitzuziehen, ſo erließ er auch nach Preuſſen das ernſte Gebot, der Biſchof von Pome⸗ 1) Schr. des Komthurs v. Koblenz an d. HM. d. Köln, Freit. nach Bartholom. 1512 Schbl. C. 366. 2) Geleitebrief des Königes v. Polen, worin dem HM. erlaubt wird, mit 400 Pferden durch die Gebiete ſeines Koͤnigreiches zu ziehen, d. Cracoviae quarta Augusti 1512 Schbl. XXIX. 83. C. 368. Schr. des HM. an die Regenten in Preuſſen, d. Anſpach Sonnt, nach Bar⸗ tholom. 1512 Schbl. D. 317. 3) Schr. des HM. an die Biſchoͤfe v. Pomeſanien und Sam⸗ land und an d. Großkomthur, d. Anſpach Sonnt. nach Bartholom. 1512 Schöbl. D. 317 (19). Schr. des HM. an d. Livland. Meiſter, d. Anſpach Samſt. nach Bartholom. 1512 Schbl. D. 610.
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432 Reiſe des Hochmeiſters nach Preuffen. (1512) ſanien, die Komthure von Memel und Oſterode und Georg von Polenz ſollten unter allen Umftänden mit den Geſandten aus Livland auf dem Tag erſcheinen.) Auch die Werbungen um Huͤlfe unter dem Adel am Rhein, in Baiern, Franken und andern Gegenden ließ der Hochmeiſter durch den Komthur von Blumenthal Friederich Sturmfeld und andere Gebietiger noch mit Eifer fortſetzen, um wenigſtens auf einigen Beiſtand von dorther rechnen zu koͤnnen, im Fall der Erfolg der Verhand⸗ lungen zu Petrikau für den Orden unguͤnſtig ausfallen werde. Allein die Bemuͤhungen der Gebietiger wurden im Ganzen wenig belohnt; der Adel ſchien ziemlich lau und gleichgültig für die Sache des Ordens, ſofern fie ihm Opfer koſten ſollte. 2 Albrecht ſollte jedoch ſeine Heimat nicht verlaſſen, ohne einen ſehr ſchmerzlichen Verluſt zu beweinen. Mitten in ſeinen Vorbereitungen zur Reiſe ſtarb feine von ihm zaͤrtlich geliebte Mutter, die Markgraͤfin Sophie, des Koͤniges von Polen Schweſter. Wenige Tage darauf, nachdem er ihren Sarg zur Gruft begleitet und einen Eilboten an den Großkomthur ge⸗ ſandt mit der Anzeige, daß er bei feiner Ankunft in Königs- berg der Dahingeſchiedenen ein feierliches Begaͤngniß anordnen wolle und ſeine Diener und ſein ganzes Hofgeſinde ſchwarz ge⸗ kleidet ſeyn follten, 3) trat er am elften October mit ſeinem Bruder, dem Markgrafen Kaſimir die Reiſe an, von ſeinem Vater und deſſen Hofgeſinde eine Strecke Weges begleitet. 9 Beim Bifchofe von Bamberg fand er eine ſehr freundliche Aufnahme. In Kulmbach ließ er ſeiner verſtorbenen Mutter 1) Inſtruction für den Sendboten Schbl. D. 566. 2) Schr. des Komthurs v. Blumenthal an d. HM. d. Sonnt. nach Michaelis 1512 Schbl. C. 366. Schr. des Ritters Ludwig von Hutten und des Marſchalls Otto Voyt an d. Ritter Hans Truchſes, Ernſt v. Wolmershauſen u. a. d. Freit. nach Franciſci 1512 Schbl. LXI. 29 (a). 3) Inſtruction fuͤr den Sendboten Schbl. D. 566. 4) Wir haben uͤber die Reiſe des HM. nach Preuſſen einen gleich⸗ zeitigen Bericht, woraus Faber im Preuſſ. Archiv B. II. S. 21 ff. einen Auszug geliefert hat. ®
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Reiſe des Hochmeiſters nach Preuſſen. (1512) 433 ein feierliches Seelenamt halten. In Hof ſchloß ſich das dort verſammelte Geleite, welches mit ihm nach Preuſſen ziehen ſollte, an ihn an, darunter Graf Berthold von Henneberg, Graf Wilhelm von Eiſenberg der Ordensmarſchall, Graf Hein⸗ rich von Schwarzburg, die Brüder Hynzke und Chriſtoph von Pflug, die Ritter Sigismund von Heßberg, Hans Truchſes, Philipp von Feilitſch, Bernhard von Berlichingen, der Ober⸗ kompan Heinrich von Miltitz und eine bedeutende Zahl anderer Ritter und Edle, das ganze Geleit 237 geruͤſtete Pferde ſtark. ? Ueber Schleiz ? und Gera kam der Meiſter nach Leipzig, wo ihn Herzog Georg von Sachſen mit hohen Ehrenbezeugungen aufnahm und der Erzbiſchof von Magdeburg ihn mit einem Beſuche erfreute. Auch in Wittenberg, wohin ihn ein vom Kurfüͤrſten Friederich von Sachſen entgegengeſandtes Ehren⸗ geleite von 800 Gewappneten fuͤhrte, fand er eine glaͤnzende Aufnahme. An der Graͤnze des Kurfürften von Brandenburg empfing ihn der Ritter Eitelwolf von Stein an der Spitze einer Anzahl von Abgeordneten und fuͤhrte ihn nach Berlin, wo ihm der Kurfuͤrſt Joachim und deſſen Bruder als Vetter mit zahl⸗ reichem Hofgeſinde entgegenritten und ihn unter Trompeten⸗ und Paukenſchall und mit großem Gepraͤnge in die Stadt be⸗ gleiteten.) Im Schloſſe empfing ihn die Kurfuͤrſtin Eliſabeth mit ihrem ganzen Hofſtaate in feſtlichem Schmucke mit größter Freundlichkeit; ihr junger Sohn bewillkommte den hohen Gaſt mit einer Lateiniſchen Rede, die vom Hochmeiſter mit herzlichem Danke erwiedert wurde. Zwei Tage verbrachte dieſer im Kreiſe der kurſuͤrſtlichen Familie, erfreut durch zahlreiche Beweiſe von Freundſchaft und Beehrung, mit denen man ihm und den 1) Faber a. a. O. S. 24. 2) Von Schleitz aus ſandte der HM. den Licentiaten Georg v. Polenz an den Biſchof v. Pomeſanien, dieſen nochmals dringend er⸗ ſuchend, den Verhandlungstag zu Petrikau mit zu beſuchen. Credenz⸗ brief für Georg v. Polenz, d. Schleitz Sonnt, nach Galli 1512 Schöl. D. 611. 3) Faber a. a. O. S. 27. IX. 28
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434 Reiſe des Hochmeiſters nach Preuſſen. (1512.) Seinigen von allen Seiten entgegenkam. ) Von Berlin aus hatte der Hochmeiſter ſeinen Weg durch Pommern nehmen wollen; da ihm indeß der Herzog Boguslav von Stettin mel⸗ dete, daß in mehren Staͤdten ſeines Herzogthums große Sterblichkeit herrſche und er ſelbſt mit ſeinem ganzen Hoflager aus Stettin ſich habe entfernen müffen, ? ſo entſchloß er ſich mit feinem Bruder feine Reiſe über Poſen fortzuſetzen, wovon der letztere den König von Polen wegen etwaniger Verſpaͤtung feiner Ankunft zu Petrikau benachrichtete. Bei der Abreiſe aus Berlin von der Kurfuͤrſtin mit manchen koſtbaren Klei⸗ nodien und vom Kırfürften und deſſen Bruder mit ſchoͤnen Hengſten beſchenkt, ſetzten der Hochmeiſter und ſein Bruder in den letzten Tagen des Octobers die Reiſe weiter fort. Der Kurfinft erfüllte auch fein fruher ſchon gegebenes Verſprechen, indem er das Ehrengeleite des Meiſters noch mit hundert und einigen dreißig wohlgeſchmuͤckten und geharniſchten Reitern ver⸗ ſtaͤrkte, die er in die Farben des Hochmeiſters hatte einkleiden laſſen und ihn bis Preuſſen begleiten follten, ® darunter auch eine Anzahl Maͤrkiſcher Edelleute.“ In Frankfurt a. d. O. wurde Albrecht von der ganzen Univerſitaͤt und vom Rathe mit großen Ehrenbezeugungen empfangen und glaͤnzend bewirthet. Darauf ins Polniſche Gebiet eintretend, bis wohin kurfinſtliche Abgeordnete die beiden Finften begleitet hatten, gelangten fie 1) Faber a. a. O. S. 2728. 2) Schr. des Herzogs Boguslav v. Pommern an d. HM. d. Wollin Dienſt. nach Dionyſ. 1512 Schbl. B. 350. 3) Schr. des Markgr. Kaſimir an d. König v. Polen, d. Berlin am T. Simon u. Judaͤ 1512 Schbl. D. 612. 4) Schr. des Kurfürften Joachim an d. HM. d. Köln a. d. Spree Sonnt. nach Mauritii 1512 Schbl. XII. 145. Der Kurfuͤrſt hatte ihm damals nur 100 Pferde verſprochen, gelb, aſchfarb und ſchwarz gekleidet. Faber a. a. O. S. 28— 29. 5) 8. B. der Oberſtz Hauptmann Chriſtian Burd, Hans v. Bre⸗ dow, Georg v. Loſſow, Georg v. Arnim, Zobel Holzendorf, Friederich p. Schlaberndorf, Lorenz v. Wedel, Heinrich v. Barfuß, Jacob v. Zieſer u. a.
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Reiſe des Hochmeiſters nach Preuffen. (1512) 435 über Meſeritz und Pinne nach Poſen, wo fie vom Rathe der Stadt mit zwei Hirſchen beſchenkt wurden. ) Dort trennten ſich beide Bruͤder, indem Markgraf Kaſimir mit vollſtaͤndiger Vollmacht des Hochmeiſters verfehen ? feine Reiſe nach Petrikau fortſetzte, dieſer aber den Weg nach Thorn einſchlug, wo ihm bei feiner Ankunft die Gemache eingeräumt wurden, die der Koͤnig, wenn er anweſend war, zu bewohnen pflegte. Er fand auch hier gaſtfreundliche Bewirthung.) Von dort war theils vom Koͤnige, theils vom Biſchofe von Pome⸗ ſanien alles zu feiner Aufnahme vorbereitet. © Auf des erſtern Anordnung empfing ihn zu Graudenz der Hauptmann von Marienburg und geleitete ihn nach Marienwerder, wo bei ſeiner Ankunft ein feierliches Te Deum geſungen wurde. Dar⸗ auf feine Reiſe uͤber Preuſſiſch⸗Holland und Muͤhlhauſen fort: ſetzend fand der Meiſter zu Heiligenbeil und an der Graͤnze vor Braunsberg eine Anzahl von Ordensgebietigern und Beam⸗ ten, von den Landesregenten ihm zum Empfange entgegengeſandt. Mit ihnen und dem Ritter Dieterich von Schlieben, der des Meiſters Ehrengeleite noch mit zwanzig auf ſeine Koſten ge⸗ harniſchten Reitern verſtaͤrkte, langte dieſer am zweiundzwanzig⸗ ſten November, einem durch Sturm und Hagel hoͤchſt un⸗ freundlichen Tage, in Koͤnigsberg an, vor der Stadt von den Regenten, Prälaten und Gebietigern, dem Biſchofe Günther von Samland, dem Großkomthur Simon von Drahe, dem Ordenstrappier Rudolf von Tippelskirch, Komthur zu Rhein, den Voͤgten Hans von der Gabelenz zu Brandenburg, Werner von Drachenfels zu Soldau, Heinrich Reuß von Plauen zu Eilau u. a. empfangen; ) auch viele von der Landesritterſchaft, 1) Faber S. 31. 2) Vollmacht des HM. d. Poznaniae IV Non, Novemb. 1312 Schbl. 71. 1. vgl. De Hat T. VI. 16. 3) Faber S. 32, 4) Schr. des HM. an den Statthalter zu Rieſenburg, d. am T. Simon u. Juda 1512 Schbl. D. 554, 5) Faber S. 34. Auffallend iſt, daß es heißt: alle Ordens⸗ gebietiger ſeyen „in einer Farbe, nämlich roth gekleidet“ geweſen; 28 *
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436 Ankunft des HM. zu Königsberg. (1512.) Abgeordnete der Städte und eine große Menſchenzahl aus Königsberg waren ihm entgegen gezogen. Am Thore, wo ihm die Rathsherren der Stadt ihre Ergebenheit bezeugten, ordnete ſich der Zug zu einer Proceſſion mit Kerzen, Fahnen, Schuͤlern, Prieſtern und Reliquien der Heiligen; auf beiden Seiten der Straße glaͤnzten in Reihen aufgeftellt die Jungfrauen und Frauen der Stadt im ſchoͤnſten Schmucke. Nicht in der pracht⸗ vollen Ritterruͤſtung die er mit ſich führte, ſondern auf Fraͤnkiſche Weiſe ganz ſchwarz gekleidet wegen der Trauer zog der Meiſter tiefgeruͤhrt durch die Volksmenge auf das Schloß. Bevor er ſeine Wohngemache betrat, eilte er in die Kirche, um dem Te Deum zur Freude uͤber ſeine Ankunft beizuwohnen. Sechs Wochen hatte er auf der Reiſe zugebracht.“ Der Hochmeiſter benutzte in den erſten Tagen die Anweſen⸗ heit der Gebietiger und Ordensbeamten, um ſie davon zu unter⸗ richten, was er in Deutſchland beim Kaiſer und Reich, nament⸗ lich auf dem Reichstage zu Trier zur Beſeitigung der Streit⸗ haͤndel mit der Krone Polens gethan und wie fein Bruder jetzt auf dem Tage zu Petrikau nochmals eine guͤtliche Aus⸗ gleichung mit dem Könige verſuchen ſolle. Der Biſchof Guͤn⸗ ther von Samland bezeugte im Namen Aller ihre volle Zu⸗ friedenheit mit allen bisherigen Verſuchen und Bemuͤhungen des Hochmeiſters.) Nachdem dieſer darauf die Fraͤnkiſchen und Maͤrkiſchen Edelleute und das ſaͤmmtliche Ehrengeleite nach alſo nicht im Ordensmantel? De Wal T. VIII. 20. B o ck S. 87 — 88. 1) Faber S. 35 — 36. Eine handſchriftliche Nachricht fagk: Der HM. ſey „wehmuͤthig und traurig, in Schwarz für feine Perſon gekleidet und auf die Fraͤnkiſche Weiſe verhuͤllet eingeritten wegen des Todes feiner Mutter; er brachte mit ſich eine Hübfche Ruͤſtung, aber er mochte in derſelben nicht einreiten, wie es wohl, ſo das Trauern nicht geweſen, hatte geſchehen ſollen. In einem Schr. des HM. an Markgr. Kaſimir, d. Freit. nach Katharina 1512 Fol. 1513 p. 17 ruͤhmt er ſelbſt feinen überaus freundlichen Empfang. Treier de eccles. Varm. p. 73 — 74. 2) Die gegenfeitig gehaltenen Reden darüber Fol. 1513 p. 1— 3.
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Ankunft des HM. zu Königsberg. (1512.) 437 geziemender Beſchenkung entlaſſen, ) wandte er feine Thaͤtigkeit zunächſt dem Verwaltungsweſen zu, entwarf mehre Verordnun⸗ gen, welche theils die zu leiſtende Huldigung noch vor Beendi⸗ gung des Tages zu Petrikau, theils den Vortrag und die Behandlung der Negierungsgeſchaͤfte, theils die genaue Rech⸗ nungsſührung der Ordens beamten, eine beſſere Verwaltung des Bernſteinertrages für die hochmeiſterliche Kaffe u. dgl. betrafen. 2 Ueberall ſtieß er auf Mängel und Gebrechen in der Landes⸗ ordnung, zum Theil die traurigen Folgen der langen Abweſen⸗ heit des Landesfürſten, die jetzt beſeitigt werden mußten. Be⸗ ſonders waren ſtrenge Maaßregeln in der Ordnung der Finanzen nothwendig. Der Meiſter ſelbſt war auf ſeiner Reife nicht einmal im Stande geweſen, dem Ritter Eitelwolf von Stein eine Anforderung von dreihundert Gulden zu entrichten und hatte ihn bitten muͤſſen, ſich fuͤr die ganze Summe mit hundert Gulden zu beftiedigen.) Außer einer Menge von Forderungen, die jetzt beim Meiſter einliefen, waren mehre Ordensſchloͤſſer, z. B. Lochſtaͤdt in einem fo verwahrloſten und baufaͤlligen Zuſtande, daß die vorhandenen Mittel nicht einmal hinreichten, die dringendſten Bedürfniſſe zu beſtreiten.“ Auch im ſittlichen Leben der Unterthanen war vieles aus der Bahn der Ordnung gewichen; es hatte z. B. die alte Sitte des uͤbermaͤßigen Zu⸗ trinkens, die Quelle von vielen andern Unſittlichkeiten, ſo ſehr uͤberhand genommen, daß ſie mit ſtrengem Nachdrucke unterſagt werden mußte. Um ſelbſt ein Beiſpiel der Mäßigung zu geben, 1) Faber S. 37. Schr. des HM. an Markgr. Kaſimir, d. Freit. nach Katharina 1512 Fol. 1513 p. 17. 2) Fol. 1513 p. 6. De Wal T. VIII. p. 20. Bock S. 88. 3) Schr. des HM. an den Ritter Eitelwolf v. Stein, d. Dienſt. Aller Seelen 1512 Schbl. D. 608. 4) Schon in einem Schr. des Großkomthurs an d. HM. d. Königsb. Dienſt. nach Cantate 1512 Schbl. C. 370 machte der Groß⸗ komthur den Vorſchlag, das fo ſehr baufaͤllige Haus Lochftadt den drei Ordensbrüdern Leo, Adrian und Fauſtin v. Weiblingen, ſofern ſie es neu ausbauen würden, auf ihre Lebenszeit einzuräumen, weil niemand es ſonſt übernehmen wolle, das Haus wieder in Stand zu ſetzen.
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438 Der Verhandlungstag zu Petrikau. (1512.) traf Albrecht die Einrichtung, daß er mit ſeinem Hofgeſinde zuſammen in der |. g. Hofſtube ſpeiſte. D Mittlerweile hatte der Tag zu Petrikau begonnen.) Außer dem Markgrafen Kaſimir und den Ordensbevollmaͤchtigten, an deren Spitze der Biſchof von Pomeſanien, waren dort auch Botſchafter der Kurfuͤrſten von Brandenburg und Sachſen und des Herzogs Georg von Sachfen erſchienen. Der König gab ſchein⸗ bar gegen den Orden gnaͤdige Geſinnungen kund und machte beſonders die langmuͤthige Geduld geltend, die er bisher in der Streitſache gegen den Orden bewieſen. Er erklaͤrte jetzt ſelbſt, daß er den Vorſchlaͤgen ſeiner Raͤthe zu Thorn ſeine Zuſtim⸗ mung verſagen muͤſſe, weil ſie ſeinem Geſchlechte den Unter⸗ gang bringen wunden; er finde daher am rathſamſten, daß der obwaltende Streit nach Ausweis des ewigen Friedens geſchlichtet werden moͤge; zugleich aber forderte er den Markgraſen Kaſimir auf, wenn man in dieſe Forderung nicht eingehen wolle, andere Vergleichungswege in Vorſchlag zu bringen. Dieſer rieth, man moͤge den ewigen Frieden aufgeben und ſtatt deſſen mit dem Orden einen andern ſchließen, wobei man ebenfalls den Vor⸗ theil der Krone im Auge behalten koͤnne.) Da dieß der Koͤnig aber ohne weiteres zuruͤckwies, feſt darauf beharrend, man ſolle ihm Vorſchlaͤge zur Ausgleichung vorlegen, ſo erſuchte ihn der Markgraf um Ernennung eines Ausſchuſſes aus den Eöniglichen Raͤthen, an deſſen Spitze der Erzbiſchof von Gneſen ſtehen möge und mit dem er und die Abgeordneten aus Pieuſſen und der beiden Kurfinften die etwanigen Vorſchlaͤge zuvor berathen und verhandeln koͤnnten. Der König willigte ein.) Man 1) Fol. 1513 p. 6. 2) Ein Bericht uͤber die Verhandlungen zu Petrikau im Fol. 1513 p. 7 sed. Die Nachrichten über dieſen Tag bei De ul T. VIII. 16 — 19 find theils unrichtig, theils unvollſtaͤndig. 3) Bericht im Fol. 1513. p. 8. 4) Bericht a. a. O. p. 9, wo der gebildete Ausſchuß naͤher be⸗ zeichnet iſt. Außer dem Erzbiſchof v. Gneſen waren darin auch die Biſchoͤfe von Poſen und Ermland (alſo auf der Seite des Königes), der Woiwode von Krakau u. a.
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Der Verhandlungstag zu Petrikau. (1512.) 439 beſchäͤftigte ſich nun in dieſem Ausſchuſſe mehre Tage lang mit ſehr verſchiedenen Vorſchlaͤgen, konnte ſich aber wegen der Schwierigkeiten ihrer Ausführung über keinen vereinigen.“ Die Polniſchen Raͤthe erklärten daher endlich, es heiße nur die Zeit verderben, wenn man weiter uͤber Mittel und Wege verhandele, die zu keinem Ziele führen koͤnnten. Das Einzige, was alle Zwie⸗ tracht ſtillen werde, fey, daß der Hochmeiſter dem ewigen Frieden gemäß feine Pflicht erfuͤlle. Dem entgegnete aber der Mark⸗ graf: dieſem Anſinnen koͤnne der Hochmeiſter mit gutem Ge⸗ wiſſen und ohne Verletzung feiner Ehre nicht genügen und darin rem Könige nicht willfahren; er brachte in Vorſchlag: der ewige Friede moͤge noch einige Jahre, jedoch keinem Theile zum Nach⸗ theil, beſtehen und der Hochmeiſter unterdeß dem Könige Raths⸗ pflicht leiſten; werde letzterer waͤhrenddeß von Unglaͤubigen an⸗ gegriffen, ſo ſolle der Orden ihm zu Huͤlfe ſtehen und wenn der König mit ins Feld ziehe, auch der Hochmeiſter perſoͤnlich mit erſcheinen. Mittlerweile wurden ſich leicht Wege finden, die Irrungen zu beſeitigen.“ Aber auch dieſen Vorſchlag ver⸗ warf der Koͤnig, erklaͤrend: er habe mit feinen Räthen be: ſchloſſen, den Meiſter nochmals an ſeine Pflicht zu mahnen, folge dieſer nicht, ſo müffe er als König thun, was ſeine Pflicht gegen die Krone von ihm fordere; auf weitern Verzug werde er ſich nicht einlaſſen, weil bereits zwei Koͤnige von Polen und der letzte Hochmeiſter waͤhrend eines ſolchen Ver⸗ zuges ohne Erfolg ihrer Verhandlungen geſtorben ſeyenz 9 er habe auch einmal ſchon erklärt: wenn der Meifter fortan feine Pflicht verweigere, ſo werde er ihn mit dem Ernſte des Krieges dazu zwingen. Um jedoch noch einen Weg zum Vergleiche 1) Bericht a. a. O. p. 9 — 13. Es würde überiüffig ſeyn, die einzelnen Vorſchlaͤge naͤher anzufuͤhren. De Wal T. VIII. 18. Decii liber de Sigismundi temp. ap- Pisior. Polon. Histor. T. II. P. 334. 2) Bericht p. 1314. 3) Bericht p. 14 — 15.
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440 Der Verhandlungstag zu Petrikau. (1512.) einzuſchlagen, ward vom Koͤnige eine Commiſſion ernannt, „ die den Inhalt des ewigen Friedens aufs genaueſte pruͤfen, die bereits bekannten beſchwerlichen Artikel noch einmal erwaͤgen und wo moͤglich ermaͤßigen ſollte. Die Polen ſetzten folgende Beſtimmungen feſt: 1. Der Hochmeiſter ſolle nach dem Papſte keinen andern Herrn als nur den König von Polen über ſich anerkennen. 2. Er ſolle ſchuldig ſeyn, in allen Widerwaͤrtig⸗ keiten ohne irgend eine Ausnahme der Krone Polens mit aller Macht zu Huͤlfe zu ſtehen. 3. Wenn der Papſt aus eigener Bewegung ihn von dem Vertrage und dem Eide entbinden wolle, fo folle er ſolches nicht annehmen und jenem darin keinen Gehorſam leiſten. 4. Er ſolle nach Laut des ewigen Friedens verpflichtet ſeyn, zur Haͤlſte Polen in den Orden aufzunehmen und ſie zu gleichen Aemtern kommen zu laſſen. 5. Das Biſthum Kulm ſolle dem Erzbiſchofe von Riga entzogen und aus ſeiner regulirten Kirche eine weltliche gemacht werden. 6. Der Hochmeiſter ſolle auf alle ihm abgedrungenen Lande Verzicht leiſten.) — Weitere Verhandlungen führten zu keinem Erfolge. Der Markgraf verſprach dem Hochmeiſter alles zu weiterer Berathung vorzulegen und nachdem ein an⸗ derer Verhandlungstag zu Poſen auf den zwoͤlften April naͤchſtes Jahres, wo der Hochmeiſter ſelbſt mit dem Koͤnige zuſammen⸗ kommen ſollte, aufgenommen war, verabſchiedete ſich der Mark graf vom Könige und begab ſich nach Königsberg. 3) 1) Bericht p. 16. Von Seiten des Ordens waren in der Com⸗ miſſion der Biſchof v. Pomeſanien, Dieterich v. Werterde und Doctor Johann v. Kitſcher Propſt zu Altenberg. 2) Bericht p. 17 21. Schütz p. 442. De Nat T. vum. 19 thut dem Markgrafen Kaſimir voͤllig unrecht, wenn er ihn in dieſen Verhandlungen ſich ſchwach und lächerlich zeigen laßt. Wir finden in dem erwähnten Berichte, daß er ſich beftändig fehr würdig benahm. Uebrigens ſtimmt die Darſtellung der Sache in Dec liber de Sigis- mundi temp. I. o. mit dem urkundlichen Bericht nicht überein. Bock S. 89. 3) Fol. 1513 p. 17. Faber Preuſſ. Archiv B. 37. Der Marks graf kam am 20. Decemb. in Koͤnigsberg an.
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Verhandlungen Über die Beſchluͤſſe zu Petrikau. (1513.) 441 Dort fand der Hochmeiſter in Berathung mit ſeinem Bruder und den vornehmſten Gebietigern vor allem nöthig Zeit. zu gewinnen.) Man beſchloß, den Koͤnig zu erſuchen, den im April anberaumten Tag bis auf naͤchſten Michaelistag zu verſchieben, theils weil es dem Meiſter in jener kurzen Friſt nicht moͤglich ſey, den Rath und die Vollmacht der beiden Meiſter von Deutſchland und Livland einzuholen, theils auch, weil man die neue Verhandlung ohne des Papſtes Mitwiſſen nicht eingehen koͤnne.) Der König aber gab die unbeſtimmte Antwort, daß er ſeiner Seits des Hochmeiſters Bitte wohl zu erfüllen bereit ſey, jedoch den Aufſchub des Tages der Wichtig⸗ keit der Sache wegen zuvor mit dem Reichsrathe Überlegen muͤſſe.) Man fand ferner rathſam, nicht bloß den Papſt noch mehr als bisher mit in die Streitſache hereinzuziehen und ihn deshalb in Eile durch den Ordensprocurator mit den Ver⸗ handlungen zu Petrikau in Kenntniß ſetzen zu laſſen,“ ſondern auch den Kaiſer und die Reichsſtaͤnde vom Erfolge des Tages zu unterrichten. Der Pfleger zu Ortelsburg Berthold von Altmannshofen ward alsbald an dieſe abgeſandt, zugleich um ſie um Rath zu fragen, welche Schritte jetzt zu thun ſeyen. Dem Kaiſer ließ der Meiſter melden: er ſey, wenn ihm vom Kaiſer und Reich ſichere Beihuͤlfe verbuͤrgt werde, feſt ent⸗ ſchloſſen, ſich des Koͤniges gewaltſamem Vornehmen ftandhaft zu widerſetzen, den Orden mit den ihm abgedrungenen Landen 1) Die Berathungen und Verhandlungen des HM. mit dem Markgrafen und den Gebietigern im Fol. 1513 p. 23 — 25. Auch hierüber find die Angaben, die ſich auf Schütz p. 444 fügen, bei De Wal T. vill. 20 unrichtig. 2) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Donnerft. vor heit. drei Könige 1513 Fol. 1513 p. 36. Bock S. 91. 3) Schr. des Koͤniges an d. HM. d. Poznaniae XVI Januar 1513 Schbl. XXV. 12. 4) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Donnerft. nach Neujahr 1513 Fol. 1513 p. 1— 2. Gewiſſen Kaufleuten wurden SO Gulden verſprochen, wenn ſie dieſes Schreiben binnen drei Wochen nach Rom foͤrderten.
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442 Verhandlungen über die Befchläffe zu Petrikau. (1513.) in keiner Weiſe vom Kaiſer und Reich zu trennen und unter Polens Obmacht bringen zu laſſen. Aber ohne Beihuͤlfe ſey es ihm nicht möglich, ſich der Uebermacht zu erwehren. Zum wenigſten beduͤrfe der Orden eine Kriegshuͤlfe von viertauſend Mann auf drei Jahre. Der Kaiſer moͤge bedenken, der Orden ſey jetzt in der allerhöchften Noth; aus eigener Macht koͤnne er ſich nicht retten; bleibe er ohne Huͤlfe und dringe der Koͤnig mit Gewalt darauf, die Artickel zu Petrikau zu beſchwoͤren, ſo ſey es ganz gewiß, daß, wenn der Hochmeiſter ſich weigere oder auch nur zoͤgere, der Orden aus Preuſſen vertrieben werde, da er rings von des Koͤniges Landen umgeben ſey u. ſ. w. ) Der Markgraf Kaſimir verweilte nicht lange in Koͤnigs⸗ berg. Nachdem beide Brüder dem feierlichen fuͤrſtlichen Bea gaͤngniß ihrer verſtorbenen Mutter beigewohnt und Albrecht dem Markgrafen ein glaͤnzendes Abſchiedsfeſt gegeben hatte, wobei zur Ergoͤtzung des Volkes ein kuͤnſtliches Feuerwerk ab⸗ gebrannt ward, brach dieſer mit ſeinem Geleite, vom Hoch⸗ meiſter mit Geſchenken von Pferden und andern Gaben er⸗ freut, zur Heimkehr nach Deutſchland auf.) Er war zuvor noch mit mehren ſeiner Begleiter, z. B. dem Grafen Berthold von Henneberg in die Halbbruͤderſchaft des Ordens aufgenom⸗ men worden, denn es war jetzt uͤberhaupt wieder mehr ge⸗ braͤuchlich, vornehme Perfonen, Fuͤrſten und Ritter, die man fie den Orden gewinnen wollte, ſelbſt auch Fuͤrſtinnen und edle Frauen, wie die Markgraͤfinnen Margaretha, Sophia, Anna und Barbara von Brandenburg mit der Halbbruͤder⸗ und Schweſterſchaft zu beehren. 1) Inſtruction fuͤr den Pfleger von Ortelsburg bei ſeiner Sendung an den Kaiſer und mehre Reichsfuͤrſten, d. Montag nach heil. drei Könige 1513 Fol. 1513 nro 64. 2) S. den Bericht bei Faber a. a. O. S. 37 — 38. Fol. 1513 r- 20. 3) Fol. 1513 p. 18. Die genannten Markgraͤfinnen waren des HM. Schweſtern. Auch Markgraf Friederich „der Alte“ (des HM. Vater, zum Unterſchied von ſeinem Bruder Friederich ſo genannt)
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Verhandlungen über die Beſchlͤſſe zu Petrikau. (1513.) 443 Mit Sehnſucht erwartete jetzt der Hochmeiſter die Er⸗ klaͤrungen des Kaiſers und der Reichsfuͤrſten, denn da er vom Koͤnige wegen Aufſchub des Tages ohne Antwort blieb, ob⸗ gleich er ſeine Bitte erneuerte, ſo zweifelte er uͤberhaupt, daß er darein willigen werde.) Die erſte warnende Stimme, die ihm aus Deutſchland zukam, war die des Herzogs Georg von Sachſen. Er rieth aber, der Orden moͤge ſich in die zu Pe⸗ trikau gemachten Vorſchlaͤge fügen; weiſe er fie zuruͤck, fo werde nachher durch Guͤte gar nichts mehr zu erreichen und nur Gewaltſchritte und Krieg die letzte Loofung ſeyn.) Da trat ein Ereigniß ein, von welchem der Hochmeiſter einen völligen Umſchlag feiner Verhaͤltniſſe zum Könige erwarten zu dürfen glaubte; es war der gewaltige Einfall des Großfuͤrſten von Moskau Waſilji Iwanowitſch in die Gebiete Litthauens mit einer Heermaſſe und einer Menge ſchweren Geſchuͤtzes, wie man ſie damals noch nicht geſehen haben wollte. Der Großfinft hatte erklart: „er werde Litthauen keine Ruhe laſſen, ſo lange ſeine Roſſe noch laufen koͤnnten und ſein Schwert noch ſchnei⸗ de.“ 3) Der Hochmeiſter, dadurch neuermuthigt, hielt ſuͤr rath⸗ ſam, dieſes Ereigniß zur Rettung des Ordens aus ſeiner Be⸗ draͤngniß zu benutzen. Er wandte ſich eiligſt an den Meiſter von Livland, den der König bereits zur Beihilfe gegen die Ruſſen aufgerufen,) mit dem Plane: man muͤſſe jetzt eiligſt wurde unter die Halbbruder des Ordens aufgenommen; man nannte es jetzt „einem die Geſellſchaft des Ordens geben 4 1) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Sonnt. Meminiſ. 1513 Fol. 1513 p. 37. 24. 2) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. HM. d. Dresden Sonnt. nach Erhardi 1513 Schbl. B., 336. 3) Schr. des Livtänd. Meiſters an d. HM. d. Wenden im Ja⸗ nuar 1513 Schbl. XXIX. 43. Das Nähere über den Einfall der Rufen in Litthauen bei Karamſin B. VII. 42; Kojalowiez p. 350 — 351. 4) Schr. des Vogts v. Soldau und des Licenciaten Georg v. polenz an d. HM. d. Tockenbeim Donnerſt. nach Faſtnacht 1513 Schbl. LXX. 33. Sie geben das Ruſſiſche Heer auf 300,000 Mann
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444 Verhandlungen über die Beſchluͤſſe zu Petrikau. (1513.) zum Kriege ſchreiten; Mittel dazu wuͤrden ſich ſinden; die Balleien und Ordensgebiete in Deutſchland und Livland wuͤrden eine Kriegsſumme von viermalhunderttauſend Gulden bald zu⸗ ſammenbringen, womit auf ein Jahr das nöthige Kriegsvolk unterhalten und die Kriegsbeduͤrfniſſe beſtritten werden koͤnnten; mit Geſchuͤtz wuͤrden ihn verwandte Fuͤrſten hinlaͤnglich unter: ſtuͤtzen u. ſ. w. Allein der Livlaͤndiſche Meiſter ſowohl als der Deutſchmeiſter widerriethen ihm dieſen Plan, beide der Meinung: man ſolle den Einfall der Ruſſen benutzen, um vom Koͤnige einen Anſtand auf zwei bis drei Jahre zu erlangen; mittlerweile könne man auf Mittel denken, um einen vortheil⸗ haften Frieden zu bewirken; nur wenn der Koͤnig ſolchen An⸗ ſtand nicht bewilligen, feſt auf den Beſchluͤſſen zu Petrikau beharren und ſie mit Gewalt durchſetzen wolle, muͤſſe man zu den aͤußerſten Mitteln greifen, um Lande und Leute für den Orden zu retten.“) Da langte in denſelbigen Tagen beim Meiſter auch die entſchiedene Erklaͤrung des Kaiſers an. Vom Markgrafen an mit 800 Stück Geſchuͤtz. Schr. des Livlaͤnd. Meiſters an d. HM. d. Wenden am T. Eſtomihi 1513 Schbl. XXIX. 3. 1) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Wenden Sonnt. Invocavit 1513 Schbl. XXI. 109. Schr. des DM. an d. HM. d. Mergentheim am T. Mathia 1513 Schbl. C. 364. Wir erfahren aus erſterm Schreiben zugleich, daß der HM. um dieſe Zeit auch den Ge⸗ danken der Wiedereinlöfung der Neumark gefaßt hatte. — Ganz un⸗ richtig iſt übrigens die bei Pauli B. IV. 390, Bacz ko IV. 79 — 80 u. a. wieberhelt Behauptung, der HM. habe dem Livlaͤndiſ. Meifter gegen eine Tonne Goldes die jaͤhrliche Abgabe an den HM. erlaſſen und ihn von allen Verbindlichkeiten gegen das Hochmeiſterthum los⸗ geſagt. De al T. VIII. 32 fagt ſchon: I est assez probable qu'il emprunta une somme de Maitre de Livonie; mais nous ne croyons pas que ce fut alors qu'il Paffranchit du toute vassalité en- vers le chef de I Ordre, comme le pretendent les historiens Prussiens, Das geheime Archiv enthält über jene behauptete Loslaſſung nicht nur nicht das Mindeſte, ſondern es widerlegt ſie auch die nachfolgende Zeit⸗ geſchichte, vor allem namentlich auch ein Schr. des HM. an den Bi⸗ ſchof von Samland, d. Nürnberg 21 April 1524 im Fol. N. 188 — 189, wovon ſpaͤter die Rede ſeyn wird.
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Verhandlungen über die Befchlüffe zu Petrikau. (1513.) 445 Kaſimir über die Verhandlungen zu Petrikau unterrichtet, legte er das Machtwort ein: weil er erſehe, daß bei Vollziehung dieſer Beſchluͤſſe ihm und dem Reiche an ihrer Oberherrlichkeit großer Abbruch und Verluſt geſchehen, dem Orden aber daraus Schaden und offenbares Verderben erfolgen werde, ſo gebiete er dem Hochmeifter, allen Prälaten, Gebietigern und Staͤnden Preuſſens bei den Pflichten, womit ſie ihm und dem Reiche verwandt ſeyen, und bei Strafe der Entziehung aller ihrer Re⸗ galien, Begnadigungen und Freiheiten, die ihnen vom Kaiſer und Reich verliehen worden, kraft Röm. kaiſerlicher Macht aufs ernſtlichſte, die Verhandlung und den Abſchied zu Petrikau in keiner Weiſe anzunehmen, den ewigen Frieden nicht zu be⸗ ſchwoͤren, ſondern dem Kaiſer und Reiche, denen ſie unmittelbar zugehoͤrten, treu anzuhangen, ſich an dieſelben zu halten und ſolchem Befehle ſich gehorſam zu beweiſen. So ernſt auch des Kaiſers Sprache war, fo erwuͤnſcht mußte fie dem Hoch⸗ meiſter ſeyn, zumal da er bei dem eben erfolgten Tode des Papſtes Julius des Zweiten vorerſt nicht erwarten durfte, daß vom Rom. Hofe her auf den König zu Gunſten des Ordens gewirkt werden koͤnne. Noth und Gefahr aber zwangen jetzt dem Koͤnige ſelbſt auch eine mildere Sprache auf. Dem Meiſter meldend, daß der Moskowiter bereits einen großen Theil Litthauens uͤberzogen habe und alles anwende, einige der wichtigften Schlöffer des Landes zu erſtuͤrmen, bat er dringend um Beihüͤlfe zur eiligen Bekämpfung des mächtigen Feindes.) Albrecht, um zu zeigen, daß er der Bitte des Koͤniges gerne Gehoͤr zu geben geneigt ſey, bezeugte ihm nicht bloß ſeine innige Theilnahme am Un⸗ 1) Schr. des Kaiſers Maximilian an d. HM., die Prälaten, Gebietiger und Stande in Preuſſen, d. Landau Sonnt. Oculi 1513 Schbl. C. 364. 2) Schr. des Ordensprocurators Dr. Johann Blankenfeld an d. HM. d. Rom 21 Febr. 1513 Schbl. II. 132. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Poznaniae XXI Februar 1513 Schbl. XXV. 15.
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446 Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1513.) gluͤck feines Landes, ſondern verhieß auch feinen Beiſtand, ſo⸗ bald er des Koͤniges Geſuch nur erſt den Staͤnden des Landes zur naͤhern Berathung vorgelegt habe.) Wie der Meiſter von Livland und die Biſchoͤfe von Pomefanien und Samland, fo riethen auch die Kurfuͤrſten von Brandenburg und Sachſen und mehre andere Fuͤrſten, an die ſich der Hochmeiſter um Rath gewandt,? dem Könige die Beihuͤlſe nicht abzuſchlagen, weil, wie der Kurfuͤrſt von Brandenburg bemerkte, jener erſt zu Petrikau wieder ſo großes Gewicht auf die urſpruͤngliche Beſtimmung des Ordens, naͤmlich auf den Kampf wider die Unglaͤubigen und Anfechter des Glaubens gelegt habe und jetzt für den Orden Gelegenheit ſey, vor des Koͤniges Augen und ihm „zum nachbarlichen Dienſt“ dieſer Beſtimmung nach⸗ zukommen. 3) Der Biſchof von Pomeſanien und der Meiſter von Livland gaben den Rath, an die Huͤlfsleiſtung die Be⸗ dingung zu knuͤpfen, daß der König die Verhandlung zu Pe⸗ trikau und den Tag zu Poſen entweder ganz aufgeben oder fuͤr den letztern doch wenigſtens einen Anſtand von einigen Jahren geftatten folle. ® Der Meifter berief jetzt auf des Königes wiederholte Bitte die Staͤnde zu einem Landtage am dritten April nach Koͤnigs⸗ 1) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Freit. nach Oculi 1513 Fol. 1513 p. 38. 2) Schr. des HM. an die Kurfuͤrſten v. Sachſen und Branden⸗ burg, Herzog Georg v. Sachſen und die Markgr. Friederich und Ka⸗ ſimir v. Brandenburg, d. Donnerſt nach Laͤtare 1513 Fol. 1513 p. 20. 3) Schr. des Kurfuͤrſten Friederich v. Sachſen an d. HM. d. Wittenberg Sonnt. Judica 1513 Schbl. XXI. 72. Schr. des Kurz fürften v. Brandenburg an d. HM. d. Köln a. d. Spree Sonnab. nach Judica 1513 Schbl. B. 673. Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Fiſchhauſen Dienſt. nach Judica 1513 Schbl. Adels⸗ geſch. B. 67. 4) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Neuer: Mühlen Mittw nach Oculi 1513 Schbl. XXIX. 42. Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Rieſenb. Freit. nach Laͤtare 1513 Schbl. LXV. 61.
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Verhandlungen mit dem Könige d. Polen. (1513.) 447 berg, um mit ihnen das Nähere zu berathen. Man erkannte auch hier die Nothwendigkeit, dem Koͤnige das Geſuch zu ge⸗ waͤhren. Alsbald ward der Biſchof von Pomeſanien an dieſen mit dem Auftrage abgeſandt, ihm des Ordens Bereitwilligkeit zu der von ihm erbetenen Kriegshuͤlfe kund zu geben, aber ihn zugleich auch zu erſuchen, den angeordneten Tag zu Poſen wenigſtens bis Martini oder weiterhin zu verſchieben.) Der Hochmeiſter hoffte jetzt den König für feine Wuͤnſche bereit willig zu finden.) Ehe indeß der Biſchof bei dieſem anlangte, war der Großfuͤrſt, nachdem er Smolensk zwei Monate ver⸗ geblich belagert und alles umher verwüſtet hatte, nicht ohne bedeutende Verluſte nach Moskau zuruͤckgezogen.) Nun nahm zwar der König den Biſchof ziemlich freundlich auf, dankte auch dem Hochmeiſter fir die bereitwillige Huͤlfe, erklärte aber: was den Tag zu Poſen anlange, ſo verdrieße es ihn, daß der Meiſter in Vollfuͤhrung feiner Pflicht wieder neuen Aufſchub ſuche; nach ſo vielen Verhandlungen habe er beſchloſſen gehabt, keinen Verzug mehr zu geſtatten und die Pflicht mit Nachdruck zu fordern; nur die Verwandtſchaftsverhaͤltniſſe hätten ihn bis⸗ her noch zuruͤckgehalten. Auch jetzt, obgleich ſehr gekraͤnkt, wolle er noch einmal die Blutsverwandtſchaft berüͤckſichtigen und die Bitte des Schweſterſohnes nochmals erfuͤllen; jedoch eine beſtimmte Verlaͤngerungsfriſt des Tages koͤnne er nicht feſtſtellen; ſechs Wochen zuvor wolle er ihm Zeit und Ort des Tages anzeigen; vor Martini ſolle dieß nicht geſchehn; allein er hoffe auch gewiß, der Meiſter werde dann unfehlbar mit 1) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Sonnt. Judica 1513 Fol. 1513 p. 38. 2) Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Polen, d. Freit. nach Quaſi⸗ modogen. 1513 Fol. 1513 p. 10. Inſtruction für den Biſchof v. Pomeſanien d. Sonnt. Miſericord. 1513 Schbl. C. 365. 3) Schr. des HM. an d. Kaiſer und den Kurfüͤrſten v. Branden⸗ burg, d. Sonnt. Miſericord. 1513 Fol 1513 Pp. 15. 20 21. 4) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Wenden in coena domini 1513 Schbl. XXIX. 4. Karamſin B. VII. 43.
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448 Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1513.) ſeinen Gebietigern erſcheinen und ſeine Pflicht erfuͤllen.) So war Albrecht auch jetzt um nichts weiter gekommen. Ebenſo unerfreulich waren die Verhältniffe in den naͤchſten Gränzlanden. Der Hauptmann von Samaiten erlaubte ſich fort und fort in Veraͤnderung der Graͤnzen un verantwortliche Willkuͤhrlichkeiten, verbrannte die Graͤnzzeichen und eignete ſich Aecker und Wieſen zu, wo es ihm beliebte, ohne daruͤber Rede zu ſtehen, mit welchem Rechte dieß geſchehe.) Das alte Raubweſen und die raͤuberiſchen Ueberfaͤlle nahmen wie im Biſthum Ermland, ſo im Ordensgebiete und in den koͤnigl. Landestheilen wieder gewaltig uͤberhand, ſo daß ſelbſt der Hauptmann von Chriſtburg eine halbe Meile von der Stadt raͤuberiſch uͤberfallen wurde und kaum noch das Leben rettete.?) Der dem Orden feindlichgeſinnte Biſchof Lucas von Ermland war zwar im vorigen Jahr geſtorben;“ fein Nachfolger aber Fabian von Luſianis war nach vielen Streitigkeiten uͤber ſeine Wahl auf eine Weiſe und erſt nach einem Vertrage mit dem Koͤnige von Polen ins Amt gekommen, die in Zukunft die Biſchofs⸗ wahl in Ermland faſt ganz in des letztern Haͤnde bringen mußten, da er nur zu beſtimmen hatte, wer ihm als Biſchof angenehm ſey.) Kaum aber ſaß der neue Biſchof im Amte, 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Poznaniae XVII Mart. 1513 Schbl. XXV. 14. Antwort des Koͤniges an d. Biſchof v. Pomeſanien Schbl. C. 365. 2) Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM. d. Labiau Sonnab. nach Cantate 1513 Schbl. XVI. 44. 3) Schr. des Hauptmannes v. Chriſtburg Hans Rabe an d. Bi⸗ ſchof v. Pomeſanien, d. Chriſtburg Himmelf. 1513 Schbl. LXV. 34. 4) Treter de eccles. Varm. et episcopis p. 70. 5) Die Verhandlungen darüber, an denen unter den Ermländiſ. Domherren auch Nicolaus Kopernikus Theil nahm, im Original im geh. Staatsarchiv zu Berlin Nro 230. 51 — 54. Die vertragsmäßige Uebereinkunft des neuen Biſchofs Fabian v. Ermland mit dem Koͤnige v. Polen über die Art der Fünftigen Biſchofswahl, d. in conventione generali Pietrkov. VII Decembr. 1512. Treter de ecclesia Varın. et episcopis p. 73.
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Eingreifen des Papſtes in die Streitſache. (1513.) 440 fo erhob auch er bittere Klagen uͤber „die unaufhoͤrlichen Fehden, ungebuͤhrlichen Angriffe und Plackereien im Lande“, aufs drin⸗ gendſte um geeignete Maaßregeln bittend, um „folder ſchalk⸗ haften Uebung“ Einhalt zu thun. Daß der Koͤnig von Polen jetzt zu keiner Milderung ſeiner Forderungen zu bewegen ſeyn werde und der Tag zu Poſen keinen erfreulichen Erfolg bringen konne, war dem Meiſter nur zu gewiß. Nur auf den Roͤm. Hof und auf den Kaifer und das Reich blickte dieſer noch mit einiger Hoffnung hin. Auf dem Roͤm. Stuhle ſaß ſeit dem März der Papſt Leo der Zehnte. Der Ordensprocurator Johannes Blankenfeld hatte nicht ver⸗ ſaͤumt, ſchon wenige Tage nach feiner Wahl ihm die fo höchft bedrängte Lage des Ordens in Preuſſen umſtaͤndlich vorzuſtellen und ihn um ſeine Mithuͤlfe zu bitten. Der Papſt hatte auch mit regſter Theilnahme an den traurigen Verhaͤltniſſen des Or⸗ dens nicht nur verſprochen, ſich deſſelben in aller Weiſe an⸗ zunehmen, ſondern zugleich auch das Kardinal⸗ Collegium zur Berathung Über die zweckmaͤßigſten Maaßregeln aufgefordert, um die Irrungen auf dem Wege der Verfühnung oder des Rechts in Rom auszugleichen. Zwei Breven ſollten den Hoch⸗ meiſter und den Koͤnig von ſeinen Schritten und Wuͤnſchen benachrichtigen?) und feine öffentliche Erklaͤrung, daß es ihm ſehr leid thue, wenn der Orden durch Verträge oder in anderer Weiſe zu etwas gezwungen werde, was ſeiner Ehre und ſeinem Nutzen entgegen ſey, ließ den Hochmeiſter die beſte Hoffnung faſſen.) Dieſer behielt das an den König gerichtete Breve aus mehren Urſachen zurück, den Procurator beauftragend: heimlich mit Hülfe der Ordensfreunde zwei andere Breven aus⸗ zuwirken, worin der Papſt nicht nur beſtimmt ausſpreche, daß 1) Schr. des Viſchofs Fabian v. Ermland an d. HM. d. Heils⸗ berg Mont. nach Johannis ante portam latinam 1513 Schbl. A. 284. Tyeier I. c. p. 74. 2) P. Bembi Epist. L. I. ep. 5. 22. 3) Schr. des Ordensprocurators an d. HM. d. Rom 17 Apri 1513 Schbl. II. 133. IX. 29
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450 Eingreifen des Papſtes in die Streitſache. (1513.) er jetzt die Ausgleichung des Streites uͤbernommen habe, fon dern den Orden und den Koͤnig zugleich auch auffordere, Be⸗ vollmaͤchtigte zu dem bereits begonnenen Concilium zu ſenden, wo ein endliches Erkenntniß in der Sache erfolgen ſolle, daß aber mittlerweile beide Theile ſich aller Gewaltſchritte enthalten follten. ® Auch die Hoffnung auf des Kaiſers Hülfe hielt der Mei⸗ ſter noch feſt.) Er ſandte an ihn den Komthur von Oſterode Georg von Eltz, um wo moͤglich endlich einen beſtimmten Be⸗ ſcheid bei ihm auszuwirken, denn es war immer noch ungewiß, ob man im Fall der Noth auf thaͤtige Beihuͤlfe von Seiten des Kaiſers rechnen duͤrfe.) Gerne wäre Maximilian, da er eben die Städte Danzig und Elbing in die Reichsacht erklaͤrt hatte, weil ſie in einem Proceſſe mit Thomas Jodeck wegen Wegnahme einer ſehr bedeutenden Getreidemaſſe auf Weichſel⸗ Schiffen vor dem Kammergerichte nicht erſchienen waren und ſich überhaupt trotzig und ungehorſam bewieſen hatten, ſelbſt mit einer Kriegsmacht nach Preuſſen gekommen; allein feine Kriege in Welſchland und Frankreich beſchaͤftigten ihn fort und fort noch viel zu ſehr. Die Gefahr für den Orden ſteigerte ſich bald noch mehr. Der Koͤnig von Polen, der mittlerweile durch ein paͤpſtliches Breve zur Ruhe und Frieden und uͤber⸗ haupt zu milderer Geſinnung gegen den Orden mit allem Ernſte ermahnt und ebenſo wie der Hochmeiſter aufgefordert 1) Schr. des HM. an d. Procurator in Rom, d. am Abend Corpor. Chriſti 1513 Fol. 1513 p. 4— 5. Der HM. raͤth, die Sache mit groͤßter Heimlichkeit zu betreiben, damit der in Rom anweſende Erzbiſchof v. Gneſen ſie nicht erfahre. 2) Schr. des HM. an d. Kaiſer, d. Freit, nach Corpor. Chriſti 1513 Fol. 1513 p. 15. 3) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Dienſt. nach Erasmi 1513 Schbl. LXV. 62. 4) Die Achtserklärung des Kaiſers gegen Danzig und Elbing, d. Worms 6 Juni 1513. Vgl. Voigt Franz v. Sickingen und der Deutſ. Orden in Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. II. 347 ff.
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Eingreifen d. Papſtes u. des Kaiſ. in die Streitſache. (1513.) 451 worden war,” feine Streitſache durch Bevollmaͤchtigte zur Entſcheidung des in Rom verſammelten Conciliums zu brin⸗ gen, 2 ließ jetzt dieſem fein großes Befremden und feinen Un: willen zu erkennen geben, daß ſich der Hochmeiſter nicht nur beim Papſte, Kaiſer und Reich bemühe, die Erfüllung feiner Pflicht immer weiter hinauszuſchieben, ſondern daß man ihn, den Koͤnig, auch uͤberall als „einen ungerechten Gewalthaber der ehemaligen Ordenslande“ anzuſchwaͤrzen und zu verun⸗ glimpfen ſuche. Er verlangte daher, der Meiſter ſolle ſich deſſen hinfort enthalten und leiſten, was ihm die Pflicht gebiete, dann werde er von ſelbſt ſchon ſeine Regentſchaft in Friede und Ruhe führen koͤnnen.) Albrecht erwiederte ihm: daß er ſich beim Papſte befrage, wie er ſich als Fuͤrſt des Hauſes Brandenburg in der Streitſache geziemend zu verhalten habe, könne ihm niemand wehren; übrigens werde er ſich ganz nach dem ihm zugekommenen paͤpſtlichen Breve richten. Oer Kaiſer aber verfolgte bereits zur Unterſtuͤtzung des Ordens den Plan, zwiſchen dem Koͤnige von Daͤnemark, dem Orden in Preuſſen und Livland und dem Großfuͤrſten von Moskau ein Huͤlfsbündniß gegen den König von Polen zu Stande zu bringen, wozu ihm, wie es ſcheint, des letztern Ein⸗ fall in Litthauen den erſten Anlaß gegeben.“ Es war um 1) Breve an d. HM. gerichtet, d. Romae die XXVII Juli 1513 Schbl. XVI. 1. Schitz p. 444 De Wal r. VIII. p. 23. PF. Bembi Epist. L. I. epist. 5.22. Raynaldi Annal. eccles. an. 1513 nro 34. Roscoe Leben Led X B. II. 65. 2) De al r. VIII. 24. P. Bembi epist. L. I. epist. 5. Raynaldi Annal. eccles. an. 1513 nro 33. 3) Credenzſchreiben des Koͤniges v. Polen für den Hauptmann zu Marienburg bei deſſen Sendung an d. HM. d. Radom XX Juni 1513 Schbl. 71. 12. Werbung des Hauptmannes beim HM. Sonnab. nach Maria Magdal. 1513 Schbl. C. 389. Schütz p. 444. 4) Antwort des HM. an d. Koͤnig v. Polen Schbl. C. 389. 5) Schr. des Markgr. Kaſimir v. Brandenburg an d. Komthur v. Koblenz, d. Plaſſenburg Freit. nach Bonifacii 1513 Schbl. B. 672. Der Kaiſer hatte dem Markgrafen ſeinen Plan auf dem Tage zu Augs⸗ burg mitgetheilt. Kojalowicz P. 351. 29 *
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452 Eingreifen d. Papſtes u. des Kaiſ. in die Streitſache. (1513, die Mitte des Auguſts, als er ſeinen Rath Georg Schnitzen⸗ painer mit dem Auftrage abfertigte, zuerſt den Kurfürften Joachim und den Markgrafen Friederich von Brandenburg, des Hochmeiſters Vater, dann auch den Kurfürften Friederich und den Herzog Johann von Sachſen fuͤr das Buͤndniß zu ge⸗ winnen.) Sie traten ſaͤmmtlich bei. Darauf erſchien der Geſandte auch beim Hochmeiſter und nachdem er mit dieſem das Noͤthige verhandelt, begab er ſich zum Großfürften nach Moskau, dem er unter mancherlei Klagen gegen den König von Polen in des Kaiſers Namen vorſtellte, wie „unbillig ge⸗ gen das Roͤm. Reich, wie faſt veraͤchtlich ſich dieſer beweiſe und wie er muthwillig ſich unterſtehe, den Deutſchen Orden, dieſe ehrſame Hinterhut und Zuflucht der Deutſchen Edelleute, das gemeine Spital des Adels Deutſcher Nation zu verderben und zu unterdruͤcken und wie des Großfürſten Vortheil und des Kaiſers Pflicht es erforderten, ſich des gefaͤhrdeten Ordens mit Kraft und Macht anzunehmen und des Königes von Po⸗ len Beginnen zu begegnen.“ Es bedurfte beim Großfuͤrſten kaum dieſer Vorſtellung, um auch ihn für das Buͤndniß zu gewinnen.) Das Naͤhere daruͤber ſollte durch eine Geſandt⸗ ſchaft des Großfuͤrſten an den Kaifer verhandelt und dann von dieſem auch Koͤnig Chriſtian von Daͤnemark mit in den Bund gezogen werden; mit dem Fuͤrſten der Walachei wollte Maximilian einen beſondern Vertrag abſchließen, nach welchem auch dieſer gegen Polen bewaffnet auftreten ſollte. 9 So großartig dieſer Plan auch ſchien, ſo ſah der Hoch⸗ 1) Credenzbrief des Kaiſers fuͤr ſeinen Rath Georg Schnitzenpai⸗ ner, d. am 11 Auguſt 1513 Schbl. 81. Treter p. 74. nennt auch den Herzog von Braunſchweig. Deo liber de Sigismundi temp, ap. Pistor. T. II. p. 317. 2) Inſtruction des Kaiſers für Georg Schnitzenpainer bei deſſen Sendung an d. Großfuͤrſten v. Moskau, d. in Aire 11 Auguſt 1513 Schbl. 81. Nach Karamſin B. VII. 45 kam der kaiſ. Geſandte erſt im Februar 1514 in Moskau an. 3) Inſtruction des Kaiſers fuͤr ſeinen Rath und Geſandten Mel⸗ chior v. Manſmuͤnſter Schbl. 81.
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Eingreifen d. Papſtes u. des Kaif. in bie Streitſache. (1513.) 453 meiſter doch bald ein, daß ein ſolches Buͤndniß fo weit von einander entfernter und von fo verſchiedenartigen Intereſſen ge⸗ leiteter Fürſten ihn gegen die nahe drohende Gefahr nicht werde ſchuͤtzen koͤnnen. War es doch feinen Geſandten Georg von Eltz und dem Komthur von Koblenz Ludwig von Senß⸗ heim noch nicht einmal moͤglich geweſen, beim unſtaͤt hin und herziehenden Kaiſer einige Schreiben an den Papſt und ſeinen Geſandten in Rom auszuwirken, um dort die Sache des Or⸗ dens mehr zu fördern und den Umtrieben der in Rom befind⸗ lichen Polniſchen Geſandten, namentlich des Erzbiſchofs von Gneſen zu begegnen.) Da es dieſen aber bereits gelungen war, den Papſt durch ihre Vorſtellungen ſo weit umzuſtim⸗ men, daß dieſer dem Orden und dem Hochmeiſter den Beſehl zuſandte, ihrer Verpflichtung gegen den Koͤnig von Polen ohne weiteres nachzukommen, 2 da ferner die Zeit, wo dieſer den Meiſter zu dem früher erwähnten Tage auffordern konnte, jetzt näher heranruͤckte und ein beſtimmter Entſchluß gefaßt werden mußte, welcher Weg dann einzuſchlagen ſey, und da endlich der Deutſchmeiſter, den Albrecht deshalb um Rath gefragt, ihm meldete, daß auf eine Beihuͤlfe vom Kaiſer und Reich unter den in Deutſchland obwaltenden Verhaͤltniſſen gar nicht zu rechnen ſey und er daher rathen muͤſſe, dem Koͤnige das Erſcheinen auf dem Tage nicht abzuſchlagen, ſondern wie es nur irgend möglich und leidlich ſey, ſich mit ihm auf eine 1) Schr. des Komthurs v. Oſterode Georg v. Eltz an d. HM. d. Mecheln Mont. nach Aegidii 1513 Schbl. C, 364. Er fagt: der Kai⸗ fer bleibe nach alter Gewohnheit nicht über zwei Nächte an einem Orte. Schr. des Komthurs v. Koblenz an d. HM. d. Koͤln Freit. nach Nativit. Mariä 1513 Schbl. C. 364. 2) Schütz p. 444. De Wal T. VIII. 27 — 28. Wir moͤchten es aber faſt noch in Zweifel ſtellen, ob ein ſolcher Befehl vom Papſte wirklich ausgegangen ſey. Die Schreiben bei Bembo Epist. L. I. epist. 5. 22 ſprechen wenigſtens nicht dafür; nur koͤnnte eine Stelle in einem andern Schreiben an den HM. Epist. I. II. ep. 20 wohl dahin gedeutet werden. Raynaldi Annal. eccles. an. 1513 no. 37.
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454 Eingreifen d. Papſtes u. des Kaiſ. in die Streitſache. (1513.) guͤtliche Weiſe abzufinden,) fo ſchien auch jetzt dem Hoch⸗ meiſter kein anderer Ausweg mehr uͤbrig. Kaum aber hatte der Kaiſer vernommen, daß zwiſchen dem Hochmeiſter und dem Koͤnige Unterhandlungen zur Bei⸗ legung des Streites im Werke ſeyen, als er ſofort an jenen die Mahnung erließ: „weil ihm als Roͤm. Kaiſer in ſolchen Verhandlungen und Vertraͤgen darauf zu ſehen und zu verhü⸗ ten gebuͤhre, daß fie dem Orden nicht zum Abfalle und Scha⸗ den gereichten, ſo gebiete er kraft kaiſerlicher Macht bei Ver⸗ meidung feiner Ungnade und ſchwerer Strafe aufs ernſtlichſte, daß wofern eine ſolche Verhandlung mit dem Koͤnige vorge⸗ nommen ſey, der Hochmeiſter ſich auf keine Weiſe ohne des Kaiſers Wiſſen, Willen und Befehl auf einen Vertrag einlaſ⸗ ſen ſolle, da er ſoeben auch den Papſt erſucht habe, ſich mit ihm der Sache des Ordens anzunehmen und ſie beilegen zu helfen oder auf dem jetzigen Concilium vornehmen und ver⸗ handeln zu laſſen.“ ?)? Somit ſchnitt dieſes Mandat dem Meiſter nun auch die Möglichkeit ab, ſich nach eigenem Wil⸗ len mit dem Koͤnige ausgleichen zu koͤnnen. Ueberdieß langten in denſelben Tagen wieder zwei Breven an den Koͤnig und an den Meiſter an, ihnen gebietend, ihre Streitſache dem Con⸗ cilium zum richterlichen Austrage vorzulegen.) Wie die Sache ſich nun geſtalten werde, war vorerſt kaum abzuſehen, denn daß der Koͤnig unter keinen Umſtaͤnden nachgeben werde, konnte man ſchon aus ſeiner Aeußerung entnehmen: er wolle lieber ganz Litthauen den Feinden Chriſti uͤberlaſſen, als auch nur das Mindeſte in Preuſſen verlieren. Albrecht ſtellte ihm jetzt vor: er habe ſich aufs moͤglichſte bemuͤht, zur weitern Verhandlung mit ihm auf die Beſtimmungen zu Petrikau des 1) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck Sonnt. nach Kreuz ⸗ Erhoͤh. 1513 Schbl. C. 364. 2) Schr. des Kaiſers an d. HM. d. im Lager vor Doornick 21 Sept. 1513 Schbl. W. 150 (a). P. Bembi Epist. L. I. epist. 22. 3) Schr. des HM. an d. Markgr. Kaſimir, d. Dienſt. nach Dio⸗ nyſ. 1513 Fol. 1513 p. 26. Der König erhielt das Breve zu Wilna. Darüber auch P. Bembi Epist. L. I. ep. 5, 22.
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Eingreifen d. Papſtes u. des Kaif. in die Streitſache. (1513.) 455 Papſtes und des Kaiſers Beiſtimmung zu erhalten, bei beiden aber ohne Erfolg; vielmehr habe er vom Kaiſer ein Verbot und vom Papſte ein Breve bekommen, woraus der Koͤnig entneh⸗ men koͤnne, daß er dem Papſte Gehorſam leiſten und das Concilium beſenden muͤſſe; er bitte ihn daher aufs freundlichſte, auf andere Wege zu denken, die jenen beiden annehmlicher und der Krone Polens und dem Orden nützlicher ſeyen; was er ohne Verletzung ſeiner Fuͤrſtenehre dem Koͤnige zu Gefallen thun könne, werde er willig leiſten.) Der Koͤnig aber ant⸗ wortete: des Papſtes und des Conciliums Erkenntniß in der Sache werde er nicht annehmen, weil es deſſen nicht beduͤrfe, vielmehr zu gelegener Zeit den Meiſter nochmals auffordern, feiner Pflicht zu genügen und den Frieden zu beſchwoͤren. Albrecht befand ſich ſonach in einer hoͤchſt verwickelten Lage. Sein Bruder Markgraf Kaſimir, der Meiſter von Liv: land und andere riethen ihm, es nicht aufs aͤußerſte kommen zu laſſen und den erzürnten König nicht noch mehr zu reizen, ſondern in der Noth ſich ſeinem Willen zu fuͤgen, um nicht Lande und Leute ins Verderben zu führen. Der Meiſter ſah wohl ein, daß er des Koͤniges Aufforderung, wenn ſie er⸗ folge, nicht werde abweiſen duͤrfen; allein er war doch auch dem Kaiſer und dem Papſte Gehorſam ſchuldig, er mußte nothwendig auch das Concilium beſenden, wozu er auch den Meiſter von Livland aufforderte, zugleich mit der Bitte um ein Darlehn von ſechstaufend Gulden, weil es ihm zur Be⸗ ſtreitung der Koſten an den noͤthigen Mitteln gebrach. In dieſer Bedraͤngniß ſuchte er vor allem der Aufforderung des Koͤniges moͤglichſt vorzubeugen; er wandte ſich nicht nur eiligft nach Rom, um von dorther durch den Papſt auf den 1) Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Polen, d. Sonnab. nach Simon u. Juda 1513 Fol. 1513 p. 40. 2) Schr. des Markgr. Kafımir an d. HM. d. Plaſſenburg Dienſt. nach Leonhardi 1513 Schbl. B. 675. Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Ruyen Sonnt. nach Calixti 1513 Schbl. XXIX. 52. 3, Inſtruction für den Geſandten des HM. bei ſeiner Sendung an d. Livländ. Meiſter, d. Mittw. nach Martini 1513 Fol. 1513.
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+56 Eingreifen d. Papſtes u. des Kaiſ. in die Streitſache. (1513.) König und die Polniſchen Reichsſtaͤnde durch geeignete Mittel einzuwirken, weil das letzte Breve von jenem kaum beachtet ward,! ſondern er ſandte zugleich auch an den Koͤnig ſelbſt, um ihm vorzuſtellen, wie ſehr es ihn ſchmerze, daß dieſer voll Argwohn und Verdruß ihm Unbeſtaͤndigkeit und Wankelmuth vorwerfe, meinend, daß er Überall nur unnütze und arglistige Verzoͤgerungen und Auswege ausſinne, da es doch klar am Tage liege, wie er, ſein Vater Friederich und ſein Bruder Kaſimir bisher alle Mittel aufgeboten haͤtten, die obwaltenden Irrungen auf friedlichem Wege zu beſeitigen. Dem Kaiſer aber und dem Papſte, deren Befehle dem Koͤnige hinlaͤnglich bekannt ſeyen, muſſe er ſich unter allen Umſtaͤnden gehorſam beweiſen; der König möge doch alles reiflich erwaͤgen und den Streit zum Erkenntniſſe des Papſtes und des Conciliums kom⸗ men laſſen oder auf andere, dem Kaiſer und Papſte genehme Mittel denken; er ſelbſt werde alles vermeiden, was den König zum Zorn reizen konne.) Es war indeß kaum zu erwarten, daß Albrecht mit dieſer Bitte Gehoͤr finden werde. Seine Lage ward dadurch noch troſtloſer, daß ihm faſt niemand unter den Gebietigern zur Seite ſtand, der in friſcher Kraft mit ihm in die wirren Verhaͤltniſſe thätig hätte eingrei⸗ fen koͤnnen. Der alte Großkomthur Simon von Drahe, ſchwach, krank und lebensmude, hatte ſchon im Auguſt dieſes Jahres um Entlaſſung von ſeinem Amte gebeten, um die letzen Tage feines Alters in Ruhe hinzubringen.) Der Mei- ſter bewog ihn zwar, das Amt noch bis ins naͤchſte Jahr zu verwalten und bot es dann dem Ordensmarſchall Grafen 1) Schr. des HM. an d. Procurator zu Rom, d. Koͤnigsb. Mont. nach Eliſabeth 1513 Schbl. C. 387. 2) Inſtruction für den Hauskomthur zu Koͤnigsberg Joſt Truch⸗ ſes bei ſeiner Sendung an den Koͤnig v. Polen, d. Sonnt. Nicolai 1513 Fol. 1513 p. 36. Schr. des Kaſtellans Chriſtoph von Schydlo⸗ witz an Joſt Truchſes, d. Punya Feria IV qnatuor tempor. s. Luciae 1513 Schbl. XXX. 67. Schr. des Joſt Truchſes an d. HM. d. Kauen Donnerſt. nach Lucid 1513 Schbl. XXIX. 34. 3) Schr. des Großkomthurs an d. HM. d. Donnerſt. nach Bar: tholom. 1513 Schbl. LXX, 95.
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Eingreifen d. Papſtes u. des Kaiſ. in die Streitſache. (1513.) 457 Wilhelm von Eiſenberg an, der ihn fruͤher mehrmals darum erſucht. Dieſer indeß, ebenfalls durch Koͤrperſchwaͤche und fortwährende Krankheit ſchwer niedergebeugt, bat den Meiſter, ihn aller ſeiner Aemter zu entheben und ihn außerhalb Preuſ⸗ ſens irgendwo zu verſorgen, um in veraͤnderter Luft und mit Hülfe verſtaͤndiger Aerzte feine Geſundheit wieder zu befeſtigen. Der Hochmeiſter, ihm die Bitte erſuͤllend, erſuchte den Deutfch- meiſter ihm in der Ballei Elfaß ein Haus anzuweiſen, wo er in der Naͤhe eines Kloſters ſich aller Welthaͤndel entſchlagend nur der Sorge für fein Seelenheil ungeſtoͤrt leben konne.“ Das von ihm bisher zugleich verwaltete Amt zu Ragnit ward ſeitdem mit zur Beſtreitung allgemeiner Ordensbeduͤrfniſſe zur Kammer oder Treſſel des Meiſters gezogen.“ Die übrigen Gebietiger waren meiſt noch neu in ihren Aemtern und ohne Reife der Erfahrung.?) Von den beiden Biſchoͤfen griff der von Samland Guͤnther von Buͤnau ſeit des Meiſters Anwe⸗ ſenheit wenig mehr in die oͤffentlichen Verhaͤltniſſe ein theils wegen fortdauernder Kraͤnklichkeit, theils auch wegen langwie⸗ riger Streitigleiten mit den Ordensbeamten, namentlich dem Pfleger zu Lochſtaͤdt.) Am thaͤtigſten hatte mehre Jahre hindurch der Biſchof Hiob von Pomeſanjen dem Hochmeiſter zur Seite geſtanden und ſich manche hohe Verdienſte um den ganzen Orden erworben. Gerne hatte ihm daher auch Albrecht von dem ſchon von ſeinem Vorfahr dem Biſchofe wegen ſeiner Armuth verſchriebenen Gebiet von Preuſſiſch⸗Mark das jaͤhr⸗ 1) Schr. des HM. an d. DM. und den Landkomthur v. Elſaß o. D. 1514 Fol. 1514 nro 52. 2) Ebendaſ. 3) Als ſolche werden unter andern im Anfange des J. 1514 ge⸗ nannt Rudolf v. Tippelstirch Oberſt-Trappier u. Komthur zu Rhein, Michael v. Schwab Komthur zu Memel, Werner v. Drachenfels Vogt zu Soldau, Philipp v. Creitz Pfleger zu Inſterburg u. a. 4) Beſonders betrafen die Streitigteiten Graͤnzangelegenheiten, worüber das Naͤhere Schbl. LXVII. 69— 71. LXX. 87. Das Schloß Lochſtädt hatte bereits der HM. unter den bereits erwähnten Bedin⸗ gungen den drei Bruͤdern Leo, Adrian und Fauſtin v. Weiblingen auf Lebenszeit und „zu ihrer Firmarie“ übergeben, Schbl. XXXVI. 4.
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458 Eingr. d. Papſt. u. d. Kaiſ. in die Streitſache. (1513—1514.) lich der Ordenskaſſe abzuleiſtende Deputat auf ein Jahr ent> laſſen und als im Anfange des Jahres 1513 der Biſchof bei ihm mit der Bitte einkam, ihm das Gebiet fin feine ganze Lebenszeit zu feinem Unterhalte zu uͤberlaſſen, weil er ſich in ſeinem Stifte auf keine Weiſe erhalten konnte, erfuͤllte ihm Albrecht in Rückſicht feiner vielfachen Verdienſte um den Or⸗ den auch dieſen Wunſch und uͤbergab ihm das Schloß und Gebiet Preuſſiſch⸗Mark nebſt den Kammeraͤmtern Liebmuͤhl, Deutſch⸗ Eilau und Dollſtaͤdt auf Lebenszeit gegen eine jährliche Zinslei⸗ ſtung von dreihundert Mark an die hochmeiſterliche Kammer.) So begann das Jahr 1514 mit hoͤchſt trüben Ausſichten. Die Hoffnung auf Beihuͤlfe von außenher ſchwand mit jedem Tage mehr. Das Buͤndniß, an welchem der Kaiſer gegen den König von Polen arbeitete, ſchien wenig Erfolg zu ver⸗ ſprechen. Der Koͤnig von Daͤnemark, an den ſich Albrecht durch die Kurfürſtin Eliſabeth von Brandenburg, Schweſter des Daͤniſchen Koͤniges, deshalb gewandt, ließ ihm die kalte Antwort geben: er ſey zwar bereit, dem Meiſter Beiſtand zu leiſten, jetzt aber mit zu vielen Geſchaͤften beladen; um Pfing⸗ ſten, wo er feine Reichsraͤthe verfammeln werde, möge ber Hochmeiſter ihm einen Botſchafter ſchicken.) Der Kurſfuͤrſt von Brandenburg, des Hochmeiſters naher Verwandter, den dieſer um Rath fragen ließ: was er thun ſolle, wenn der König von Polen die Entſcheidung des Papſtes und des Con: ciliums verwerfe und mit Gewalt einſchreiten werde? ertheilte die kahle Antwort: er muͤſſe aus der Noth eine Tugend machen und wie mancher andere König und Herr, der nicht weiter koͤnne, alles leiden, bis Gott die Zeiten andere; ? und 1) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Rieſenburg am T. Erhardi 1513 Schl. IIII. 54. Die Verſchreibung des HM. über die genannten Gebiete, d. Holland Sonnt. nach S. Anna 1513 Schbl. L. 44. Der HM. hebt die großen Verdienſte des Biſchofs um den Orden ganz beſonders ruͤhmend hervor. 2) Schr. der Kurfuͤrſtin Eliſabeth von Brandenburg an d. HM. d. Koͤln a. d. Spree Freit. zu Weihnachten 1514 Schbl. B. 660. 3) Schr. des Komthurs Georg v. Eltz an d. HM. d. Berlin Dienſt. nach Neujahr 1514 Schbl. C. 363.
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Einwirken d. Papſtes u. tes Kaiſ. in die Streitſache. (1514.) 459 ſchon wenige Wochen darauf ſchloß der Kurfürft mit dem Könige von Polen einen Vertrag ab, worin unter andern auch beſtimmt war, daß kein Theil des andern Feinde in ſeinen Landen hegen und unterftügen oder ihnen den Durchzug ges ftatten ſolle.) Wenn daher auch der Kaiſer den Kurfuͤrſten und die Herzoge von Pommern, Meklenburg, Braunſchweig und Lüneburg auf des Hochmeiſters dringendſte Vorſtellung ſeiner hohen Noth von neuem aufforderte, dem Orden bei et⸗ wanigen Gewaltſchritten des Koͤniges von Polen zu Huͤlfe zu ftehen, 2 fo ließ ſich davon doch wenig oder kein Erfolg erwarten. Der Hochmeiſter vernahm daher nicht ohne Freude, daß ſchon im Januar d. J. der Großfürſt von Moskau von neuem mit gewaltiger Macht in Litthauen eingefallen ſey und abermals Smolensk belagere, 9 denn dieſer neue Kriegs ſturm nahm nun wieder des Koͤniges ganze Thaͤtigkeit in Anſpruch, waͤhrend er ſelbſt alles im Lande eiligſt ruͤſten und in kriegs⸗ fertigen Stand ſetzen, beſonders die Schloͤſſer in den Graͤnz⸗ landen mit allem Nöthigen verforgen ließ, um etwanigen Ein fällen ins Ordensgebiet zu begegnen.“ Waͤhrend aber der Hochmeiſter immer noch hoffte, daß vom Concilium aus, welches ja eben nach ſeinem Hauptzwecke zur Schlichtung der Streitigkeiten der Fuͤrſten verſammelt worden war, ) wenn auch nicht eine völlige Loͤſung und Aus⸗ 1) Der Vertrag zwiſchen dem Könige v. Polen u. dem Kurfuͤr⸗ ſten v. Brandenburg, d. Wäilnae feria IV ante Festum s. Mathiae 1514 bei Gercken Cod. diplom. Brandenb. T. V. p. 318. Dogiel Cod. diplom. Polon. T. I. p. 418. 2) Schr. des Kaiſers an die genannten Fuͤrſten, d. Inſpruck 29 Januar 1514 Schbl. IV. 147. 147 (a) XXIX. 36. 3) Karamſin B. VII. 49. Kojalowicz p. 352. Decii liber de Sigismundi temp. ap. Pistor. T. II. P- 318 — 319. 4) Ausſchreiben des HM. an die Aemter, d. am T. Blafit 1514 Fol. 1514 nro 62, 5) In dem paͤpſtl. Breve an d. HM. d. Romae die XXVII Ju- 1 1513 Schbl. XVI. 1. heißt es ausdruͤcklich: Instituerimus ceptum sacrosanctum Lateran, concilium, ut christianorum principum odia et simultates componerentur, continuare. P. Bembi Epist. L. I. ep. 5,
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460 Einwirken d. Papſtes u. des Kaff, in die Streitſache. (151+.) gleichung aller Streitpunkte, ſo doch wenigſtens eine Ermaͤßi⸗ gung der Forderungen des Koͤniges bewirkt werden koͤnne, kam aus Rom die Nachricht, daß der Erzbiſchof von Gneſen ſich beim Papſte aufs eifrigſte bemuͤht habe, den Kardinal von Gran als Legaten nach Preußen zu ſenden, mit dem Auftrage, dort uͤber die obwaltenden Streithaͤndel ein ſtrenges Verhoͤr anzustellen und dann im Namen des Papſtes eine Entſcheidung zu geben, auch daß vom paͤpſtlichen Stuhle aus dem Orden befohlen werden ſolle, dem Koͤnige wider die unglaͤubigen Ruſſen zu Hülfe zu ſtehen. Beidem mußte auf jede Weiſe entgegengewirkt werden, theils weil der Kaiſer immer noch an dem Buͤndniſſe mit dem Großfuͤrſten von Moskau arbeitete, theils auch weil man erfuhr, daß nicht nur der erwaͤhnte Kar⸗ dinal weit mehr dem Intereſſe des Koͤniges von Polen als dem des Ordens zugethan ſey, ſondern auch der Erzbiſchof von Gneſen bei dieſer Sendung eines Legaten nur die argliſtige Abficht verfolge, auf dieſe Weiſe die Streitſache dem Concilium wieder zu entziehen und vom einſeitigen Urtheile eines Legaten abhaͤngig zu machen. Eiligſt wurde daher der Komthur von Oſterode Georg von Eltz nach Rom geſandt, um wo möglich beim Papſte ein Breve gegen die Sendung des Kardinals oder doch wenigſtens den Befehl auszuwirken, daß er nichts gegen den Orden vornehmen ſolle, was nicht auch die Geneh⸗ migung des Conciliums erhalten werde.) Zugleich aber erſuchte der Hochmeiſter auch ſeinen Bruder den Markgrafen Kaſimir, den Kaiſer zu der Erklärung zu bewegen, daß er den Kardinal als Legaten in den Reichslanden unter keiner Bedingung auf: wo in einem Briefe an den Koͤnig v. Polen es ebenfalls von dem Concilium heißt: a quo porro maxime convenit Regum et Ducum et magnorum principum contentiones controversiasque termineri; cf. epist. L. II. ep. 19. 1) Schr. des HM. an den Komthur v. Sſterode Georg v. Eltz, d. am Abend Antonii 1314 Fol. 1514 nro I. Schr. des HM. an d. Procurator Johann Blankenfeld o. D. Fol. 1514 nro I. Auf dieſe Sendung bezieht ſich ein Schreiben des Papſtes an den Meiſter v. Livland in P. Beunbi Epist, L. IX. ep. 4,
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Verhättniffe des HM. zu den Nachbarlanden. (1514.) 461 nehmen und dem Hochmeiſter, der mit feinen Landen dem Reiche unterworfen ſey, auf ernſtlichſte gebieten werde, den Legaten in den Ordenslanden nicht zuzulaſſen.) Man ſieht daraus, für wie wichtig der Hochmeiſter die Sache nahm. Um fo er freulicher war ihm nach einigen Monaten die Nachricht, daß die Legation des Kardinals durch Einwirken mehrer Kardinaͤle und des kaiſerlichen Geſandten nur auf die Laͤnder Ungern, Böhmen, Dalmatien und Kroatien beſchraͤnkt worden ſey, denn wenn es dabei auch hieß: der Erzbiſchof von Gneſen ſey als Legat für Polen und Preuſſen beſtimmt oder ſolle dazu beſtimmt werden, ſo hatte dieß bei weitem nicht die Wichtigkeit, ſchon weil der Erzbiſchof im Streite mit Partei war. Jetzt gingen Monate voruͤber, in denen in den ſtreitigen Angelegenheiten kein weiterer Schritt geſchah, denn in Rom wurde Alles immer mehr in die Laͤnge gezogen, ſo daß ſelbſt im Herbſt dieſes Jahres dort die Streitſache um nichts weiter gefördert war.) Den König beſchaͤftigten feine Kaͤmpfe mit den Ruſſen, über die er im September am Dniepr einen glaͤn⸗ zenden Sieg errang, waͤhrend des ganzen Sommers bis tief in den Herbſt fo unablaͤſſig, daß er an feine Streithaͤndel mit dem Orden weiter gar nicht denken mochte. Doch konnte er es ſich nicht verſagen, dem Hochmeiſter von dem erwaͤhnten Siege über die Moskowiter ſelbſt naͤhere Nachricht zu geben und dieſer benutzte die Gelegenheit, in ſeinem Gluͤckwunſche 1) Schr. des HM. an d. Markgr. Kaſimir v. Brandenburg, d. am T. Blafii 1514 Fol. 1514 nro 5. 2) Schr. des HM. an d. Komthur v. Oſterode u. d. Procurator, d. Sonnt. Reminiſ. 1514 Fol. 1514 uro I. Schr. des HM. an die⸗ fen, d. Mittwoch nach Vincula Petri 1514 ebendaf. 3) Schr. des HM. an d. Komthur v. Oſterode, d. Dienſt. nach Dionyſ. 1514 Fol. 1514 nro I. 4) Ueber die Kriegsereigniſſe nähere Nachrichten Schbl. 81; vol. Karamſin B. VII. 44. 49 ff. Index corpor. histor. diplom. Livo- niae T. II. p. 138 — 139. Schütz p. 445 — 346. Kojalowiez P. 358— 359. Decii liber de Sigismundi temp. ap. Pistor. T. II. b. 315 — 316. /
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462 Verhättniffe des HM. zu den Nachbarlanden. (1514.) gegen den König die freundlichſten Geſinnungen auszuſprechen.“ Albrecht war währenddeß bemüht, mit den Nachbarlanden die freundlichen Verhaͤltniſſe zu befeſtigen. Die Herzogin Anna von Maſovien war ihm bei einer Ausgleichung einiger Streitig⸗ keiten zwiſchen ihren beiderſeitigen Unterthanen ſchon im Anfange dieſes Jahres mit ſehr geneigten Geſinnungen und mit dem Wunſche nachbarlicher Einigkeit entgegengefommen. ? Auf ihre Bitte ſandte er an ſie nach Warſchau den Hauskomthur von Koͤnigsberg Joſt Truchſes und ſeinen Hofmarſchall Michael von Wirsberg als Bevollmaͤchtigte. Der Zweck ihrer Sendung betraf zunaͤchſt eine Doppelheirath des dem Brandenburgiſchen Hauſe als Schweſterſohn des Markgrafen Friederich nahever⸗ wandten gefuͤrſteten Grafen Berthold von Henneberg mit der Prinzeſſin Sophia aus dem Maſoviſchen Hauſe und des jungen Herzogs Stanislaus, des aͤlteſten Sohnes der Herzogin, mit einer Schweſter des Hochmeiſters, ) eine Verbindung, welche dieſer zur Befeſtigung der Freundſchaft der beiden Fuͤrſtenhaͤuſer von Maſovien und Brandenburg auch ſeiner eigenen Verhaͤlt⸗ niffe wegen ſelbſt ſehr wuͤnſchte und zu befördern ſuchte. 9 Auch mit dem Biſchofe Fabian von Ermland waren die Ver⸗ haͤltniſſe ungleich freundlicher geworden. Eine Menge einzelner Streitfaͤlle der beiderſeitigen Unterthanen, namentlich ein Streit des Hochmeiſters mit dem Ritter Dieterich von Schlieben, worin der Biſchof als Vermittler auftrat und gegen den Or⸗ 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. in castris apud Borissow in die exaltat. crnc. 1514 u. Antwort des HM. an ihn Schbl. XXIX. 82. 2) Schr. des HM. an die Herzogin v. Maſovien, d. Donnerſt. nach Converſ. Pauli 1514 Fol. 1514 nro 11. 3) Wagner Geſch. Polens S. 386. Welche Schweſter des HM. gemeint war, wird nicht erwähnt. 4) Inſtruction fuͤr die Geſandten des HM. an die Herzogin v. Maſovien, d. Koͤnigsb. Dienſt. nach Viſit. Mariä 1514 Schbl. XIX. 79. Fol. 1514 nro 64. Bericht der Geſandten an d. HM. d. Warſchau am T. Margaretha 1514 Schbl. XIX. 80. Die Sache kam, wie es ſcheint, nicht zum Schluſſe.
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Huͤlfsbuͤndniß für den Orden. (1514.) 463 den eine geneigte und friedfertige Geſinnung zu erkennen gab, hatten, weil der Meiſter und der Biſchof ſich in dieſen An⸗ gelegenheiten öfter perfönlich ſprachen, eine erfreuliche Annaͤhe⸗ rung zur Folge gehabt. Da erhielt der Hochmeiſter die Nachricht, der Koͤnig habe mittlerweile jenes paͤpſtliche Breve erhalten, nach welchem er dem ewigen Frieden ohne Verzug Genüge leiſten ſolle; es habe am Föniglichen Hofe außerordentliche Freude erregt, weil man dadurch um ſo mehr Fug und Recht erhalten habe, den Mei⸗ ſter mit Gewalt zu ſeiner Pflicht zu zwingen; aus gewiſſen Grimden habe man noch Anſtand genommen, es dem Hoc): meiſter zu uͤberſenden, bis man ſehe, daß nur Krieg und Ge⸗ walt ihn zur Nachgiebigkeit bewegen würden.“ Albrecht, der ſich gegen alle Erwartung nun auch vom Papſte und dem Con⸗ cilium verlaſſen ſah, glaubte ſich jetzt nur dadurch noch retten zu können, daß er dem Könige „zum Schein“ die gewöhnliche Rathspflicht leiſte, die Ausgleichung der Streitſache aber dem Erkenntniſſe und der Vermittlung des Kaiſers anheimſtelle, denn auf dieſe Weiſe ſchienen ihm zugleich auch die Polniſchen Reichsſtaͤnde, die bisher unabläffig auf Krieg gegen den Orden oder auf unbedingte Vollziehung des ewigen Friedens gedrungen hatten, einigermaßen befriedigt werden zu koͤnnen. Dieſer Ausweg war ihm bereits auch vom Kurfuͤrſten von Branden⸗ burg und ſeinem Bruder Kaſimir angerathen worden und die 1) Schr. des Biſchofs v. Ermland an Dieterich v. Schönberg u. Chriſt. Gattenbofer, d. Heilsberg Sonnab. nach Magdalena 1514 Schbl. A. 344. Schr. des Biſchofs an d. HM. d. Braunsberg Mittw. nach Vincula Petri 1514 Schbl. A. 346. Schr. des HM. an den Biſchof, Fol. 1514 uro 14. 2) Inſtruction des HM. für feine Geſandten Heinrich v. Miltitz Pfleger zu Neidenburg u. den Licenciaten Georg v. Polenz an den Kaiſer Fol. 1514 nro 64. 3) Der HM. ſagt ſelbſt: „Domit Ire Irlucht. die gemeinen ſtende der Cronen, die allzeit emßiglich begert, den orden mit krieg und gewalt zu noͤttigen, den ewigen friede zu ſweren und demſelben ſeines Inhalts nachzukommen, ſetigen mochte.“
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464 Huͤlfsbuͤndniß für den Orden. (1514.) Gebietiger und Stände hatten ihn gebilligt.) Doch ohne Mit⸗ wiſſen und Genehmigung des Kaiſers, auf den er jetzt noch ſeine einzige Hoffnung ſetzte, wollte er auch hierin keinen Schritt thun und fertigte deshalb eiligft den Pfleger von Neidenburg Heinrich von Miltitz und den Licenciaten Georg von Polenz als Geſandten an ihn ab.?) Sie fanden ihn zu Gemuͤnd und erhielten von ihm auf ihre Vorſtellung die Antwort: der Groß⸗ fuͤrſt von Moskau habe das ihm angebotene Buͤndniß angenom⸗ men, in Anweſenheit der kaiſerlichen Botſchaft darauf das Kreuz gekuͤßt und dann auch ſeine Botſchaft an den Kaiſer geſandt, der in ihrer Gegenwart gleichfalls durch Kreuzkuͤſſung den Bund feſt gefchloffen habe.) Jetzt ſey aber nothwendig, daß die Bundesverwandten durch Bevollmaͤchtigte zuſammenkaͤmen, um theils das Buͤndniß auch mit dem Koͤnige von Daͤnemark foͤrmlich abzuſchließen, “ theils ſich zu vereinigen, auf wie viel Hülfe man gegen Polen zu rechnen habe. Da mm der Kaiſer rathſam finde und mit dem Großfuͤrſten darin uͤbereingekommen ſey, daß man von Seiten aller Bundesverwandten an den Nö: nig von Polen zuvor gewiſſe zu Ruhe und Frieden führende Forderungen ſtelle und wenn dieſe nicht gutwillig zugeſtanden würden, ſaͤmmtliche Verbuͤndete auf S. Georgs-Tag mit ihrer ganzen Macht zu Feld ziehen ſollten, um den Koͤnig durch 1) Inſtruction des HM. für feine Geſandten an den Kaiſer Fol. 1514 nro 64. 2) Inſtruction für die Geſandten an den Kaifer a. a. O. 3) Das Nähere über dieſes Buͤndniß mit dem Großfuͤrſten kann man bei Karamſin B. VII. 45. 450 u. De Wal T. VIII. 34 ff. nachleſen, welcher letztere eine Ueberſetzung des weſentlichſten Theils des Bündniſſes hat. Nach Karamſin kehrte der kaiſerl. Geſandte Schnigenfainer im Maͤrz mit den Ruſſiſchen Geſandten nach Deutfche land zuruck und Maximilian beſtaͤtigte den Vertrag am 4 Auguſt durch feinen Eidſchwur und feine eigenhaͤndige Unterſchrift. 4) Der Kaiſer machte es bei der Verlobung ſeiner Enkelin Iſa⸗ belle mit dem Koͤnige Chriſtian v. Daͤnemark 1514 dieſem zur Pflicht, an dem Buͤndniſſe Theil zu nehmen. Lünig Cod. Germ. dipl. I. p. 571. Lancizolle Bild. des Preuſſ. Staats B. I. 395.
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Huͤlfsbuͤndniß für den Orden. (1514.) 465 Waffengewalt zur Erfüllung jeder Forderung zu zwingen, fo habe er zu der erwähnten guͤtlichen Verhandlung auf Eünftige Lichtmeß einen Tag zu Lubeck feſtgeſtellt und den König von Polen bereits aufgefordert, dorthin ſeine Bevollmaͤchtigte zu ſenden. Mittlerweile ſollten der Hochmeiſter und der Meiſter von Livland ſich mit Macht ruͤſten, um ſofort, wenn die Ver⸗ handlung mit dem Koͤnige keinen erwuͤnſchten Erfolg bringe, am genannten Tage mit den übrigen Verbuͤndeten zu den Waf⸗ fen zu greifen.“ Der Hochmeiſter, von dieſer Anordnung des Kaiſers be⸗ nachrichtigt, traf alsbald die noͤthigen Vorbereitungen. Allein beim Koͤnige von Polen hatte ſeitdem das Mißtrauen wieder neue Nahrung gewonnen. Er hatte ebenfalls beim Kaiſer Ge⸗ ſandte gehabt, die nicht bloß das ihnen vorgelegte Erbieten des Hochmeiſters ohne weiteres zuruͤckgewieſen, ſondern jetzt auch beim Kaiſer darauf angetragen hatten, den Meiſter ohne Ver⸗ zug zur Vollfuͤhrung feiner Pflicht gegen den König anzuhalten; ſie hatten dem Kaiſer geradehin erklaͤrt: es befremde den Koͤnig, daß er ſich des Streites zwiſchen Polen und dem Orden „alſo hart“ annehme, da doch ſein Vater Kaiſer Friederich nie von einer Unbilligkeit der Krone Polens gegen den Orden gewußt, vielmehr die Vertraͤge zwiſchen ihnen beſtaͤtigt habe.) Da nun wahrſcheinlich durch dieſe Geſandten der Koͤnig auch Nachricht von dem Buͤndniſſe mit dem Großfuͤrſten erhalten hatte, ſo erließ er alsbald an den Hochmeiſter die Anfrage: ob er wirk⸗ lich auch Theilnehmer dieſes Bundes gegen ihn ſey? Albrecht laͤugnete jede Verbindung und der Koͤnig ſchien daruͤber be⸗ ruhigt, ) er erklaͤrte jedoch, daß er feiner Seits den Tag zu Luͤbeck nicht annehmen werde, denn auf ſolche Tage wolle er 1) Die Erklärung des Kaiſers, d. Gemuͤnd 17 Auguſt 1514 Schbl. 81 u. Fol. 1514 nro 64, wo ſie aber vielleicht durch einen Schreibfehler am 7 Auguſt datirt iſt. 2) In einer Inftruction an den DM. Fol. 1514 uro 64. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Wilnae XXV Sep- tem. 1514 Schbl. 71. 53. IX. 30
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466 Verſuche des HM. zur Verbeſſ. d. Finanzen. (1514.) ſich nicht mehr einlaſſen, uͤberhaupt gehe die Streitſache nie⸗ mand an als ihn und den Hochmeiſter.) Man ſah daraus, daß der König auch die Einmischung des Kaiſers nicht weiter gelten laſſen wollte. Da dieſer indeß bereits ſeinen Rath Mel⸗ chior von Manſmuͤnſter an den Markgrafen Friederich und an die Kurfuͤrſten von Brandenburg und Sachſen als Geſandten abgefertigt hatte, um dieſe Fuͤrſten jetzt aufzufordern, ihre Be⸗ vollmächtigten mit ihm zum Abſchluſſe des Buͤndniſſes mit dem Könige von Daͤnemark und zur Vereinigung Über die zu leiſtende Kriegshüͤlfe nach Kopenhagen zu ſenden,“ fo verfah nun auch der Hochmeister zu dieſem Zwecke feine Geſandten Hans von der Gabelenz Vogt zu Soldau und Heinrich von Miltitz Pfleger zu Neidenburg mit der noͤthigen Vollmacht. 3) Die wichtigfte Aufgabe aber für den Hochmeiſter war jetzt, theils zur Koſtenbeſtreitung der fo häufigen Botſchaſten bald nach Rom, bald an den Kaiſer, bald an andere Fuͤrſten, theils auch zu der vom Kaiſer angerathenen Kriegsruſtung die nöthigen Geldmittel aufzubringen. Da es ihm nicht möglich ſchien, daß das verarmte Land die nothwendigen Opfer werde bringen können,“) fo wandte er ſich an ſeinen Bruder den Markgrafen Kaſimir, um beim Kaiſer zu bewirken, ein ſ. g. Jubeljahr durchs ganze Reich für den Orden ergehen zu laſſen und wenn es dieſer bewillige, ihn zugleich zu erſuchen, ſolches durch feine Geſandten in Rom und durch eine Fürbitte beim 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Wilune XXIX Septem. 1514 Schbl. XXV. 32. 2) Inſtruction des Kaiſers für feinen Geſandten Melchior v. Manf⸗ möünfter o. D. Schbl. 81. unrichtig wird dieſe Inſtruction im Index corpor. histor. diplom. Livoniae T. II. p. 148 ins J. 1512 oder 1513 geſetzt; weil in ihr von dem auf Lichtmeß 1515 zu Luͤbeck zu haltenden Tage die Rede iſt, ſo gehoͤrt ſie unzweifelhaft in den Spaͤtherbſt 1514. 3) Vollmacht des HM. fuͤr die Geſandten nach Daͤnemark, d. Holland am T. Michaelis 1514 Schbl. XXIX. 2. Fol. 1514. nro 64. 4) Der HM. ſagt bei dieſer Gelegenheit ſelbſt: er babe „als ein regierender Fuͤrſt das lant ganz nackent und bloß an Barſchaft, gelt und anderm, fo zu ſolchen ſachen gehörig, gefunden.“
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Steueranlage des HM. (1514.) 467 Papſte ſobald als möglich auszuwirken; als Grund dazu möge der Kaiſer dem Papſte die große Armuth des Ordens und des Landes Preuſſen, den Verfall der Kirchen, des Gottes⸗ dienſtes u. dgl. anſuͤhren.) Da indeß dieſe Ausſicht zu den noͤthigen Mitteln noch in weiter Ferne lag, fo berief Albrecht im November die Gebietiger und die Staͤnde zu einem Land⸗ tage nach Heiligenbeil, ihnen vorſtellend, daß, da ſeine Schatz⸗ kammer durch die wegen der langwierigen Irrungen mit Polen nothwendigen häufigen Sendungen an den Kaiſer, Papſt u. ſ. w. bereits gänzlich erſchoͤpſt ſey und er die fernern Koſten ohne Beihilfe des Landes nicht mehr erſchwingen koͤnne, er aufs dringendſte um eine Huͤlſsſteuer bitten muͤſſe. Obgleich er ins deß erklaͤrte, daß die aͤußerſte Noth ihn hiezu zwinge, ſo woll⸗ ten doch Adel und Staͤdte die Sache erſt zu naͤherer Berathung an ihre Aelteſten und Communen bringen. Der Meiſter wollte dieß zwar nicht geſtatten und ließ ihnen auf ihr Geſuch eine Steueranlage uͤbergeben, nach welcher auf ein Jahr eine be⸗ ſtimmte Abgabe von Getraͤnken, Korn, Flachs, Holz, Honig, Wachs, Hopfen, Salz, Oel u. ſ. w., namentlich bei der Aus⸗ fuhr dieſer Artickel aus dem Lande verlangt wurde; allein Lande und Staͤdte verſtanden ſich doch erſt auf einer zweiten Tagfahrt im December zur Leiſtung dieſer Abgabe und zwar der Adel, wie ſie unter dem Hochmeiſter Friederich von Sachſen, und die Staͤdte, wie ſie unter dem Meiſter Hans von Tiefen ge⸗ geben worden ſey.) Sonach entrichteten die letztern eine bes ſtimmte Haus- und Vermoͤgensſteuer, das Land dagegen eine beſtimmte Viehſteuer, die man auch fofort nach einer feſtgeſetz⸗ ten Steuerordnung in allen Aemtern einforderte.“ 1) Inſtruction fuͤr den Hofmarſchall Michael v. Wirsberg bei ſei⸗ ner Sendung an d. Markgr. Kaſimir Fol. 1514 nro 61. 2) Die Verhandlungen auf den Tagfahrten zu Heiligenbeil am Sonnt. nach Aller Heilig. u. am T. Barbara 1514 Fol. 1514 nro 16. 3) Ausſchreiben des HM. an die Gebictiger u. Aemter, d. am T. Lucic 1514 Fol. 1514 nro 62. Das Nähere der Steuerordnung ebenda. 30 *
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468 Widerwilled.Stände üb. d. Buͤndniß m. d.Moskowiter. (1514.) Es kam aber auf dieſem Landtage auch die Verbindung mit dem Großfürften von Moskau zur Sprache, uͤber welche die öffentliche Meinung im Lande ſich ſchon mehrmals tadelnd ausgeſprochen hatte. Der Hochmeiſter fand rathſam, oͤffentlich zu erklaͤren: eine ſolche Verbindung habe nie in ſeinem Willen gelegen; da der Kaiſer ſich jetzt mehr als je bemuͤhe, dem Or⸗ den behilflich zu erſcheinen, fo koͤnne es wohl ſeyn, daß er eine ſolche im Plane habe.) War dieß nun auch nicht die Sprache der Aufrichtigkeit, ſo ließ ſie ſich in der Lage, in welcher ſich Albrecht jetzt befand, doch in jeder Weiſe rechtfer⸗ tigen. Noch galt in der Meinung ber chriftlichen Welt der Moskowiter immer als Unglaͤubiger. Erſt vor kurzem noch hatte der Orden ſelbſt von den Ruſſen als von unglaͤubigen, abgeſonderten Heiden geſprochen. Durfte nun jetzt der Hoch⸗ meiſter, er, der die Verpflichtung hatte, gegen Heiden und Ungläubige zu kaͤmpfen, offen bekennen, daß er mit ihnen im Buͤndniſſe ſtehe? Hatte ihn nicht eben erſt der König von Po⸗ len daruͤber gewiſſermaßen zur Rede geſtellt und würde nicht ein ſolches Buͤndniß dieſem neue Waffen gegen den Orden in die Haͤnde gegeben haben? Beſchuldigte man doch ohnedieß ſchon den Orden, daß er den Großfürſten in ſeinem Kriege gegen Polen mit Geſchuͤtz und Mannſchaft heimlich unterſtüͤtzt habe? und wurde doch ſchon auch in Rom der Hochmeifter ſeines angeblichen Buͤndniſſes wegen mit dem Moskowiter ſtark angeſchuldigt und ihm dieß zum Schimpf und Schmach ausgedeutet, ſo daß er den Procurator dringend erſuchen mußte, ihn gegen die Beſchuldigung an geeigneten Orten zu rechtfer⸗ tigen.) Es war alſo wohlgethan, wenn er alle Klugheit an⸗ wandte, um nicht neues Mißtrauen und neue Anklagen gegen den Orden anzuregen. Wenn man daher in Preuſſen und Liv⸗ land immer ſehr bemuͤht war, die hin⸗ und herziehenden Bot⸗ 1) Fol. 1514. nro 16. 2) Schr. des HM. an den Procurator, d. am T. Nicolai 1514 Fol. 1514 nro 1. 3) Schr. des HM. an d. Procurator a. a. O.
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Kriegsrüſtung in Preuſſen. (1515.) 469 ſchafter des Kaiſers und des Großfürſten auf ihren Reiſen zu fördern und auf alle Weiſe zu unterftügen, ſo mußte doch auch dieſes nur mit großer Vorſicht geſchehen. 5 Schon im Anfange des Jahres 1515 aber erfuhr der Hochmeiſter, daß die Verhandlungen in Daͤnemark keinen ſon⸗ derlichen Erfolg bringen wurden. Der Kaiſer hatte ſeinem Ab⸗ geordneten Melchior von Manſmuͤnſter gemeldet, daß die Kö: nige von Ungern und Polen den Tag zu Luͤbeck nicht beſenden wollten, wohl aber ſich bereit erflärt hätten, auf einem Tage zu Preßburg zu erſcheinen;? er forderte daher jetzt die Kur⸗ fürſten von Brandenburg und Sachſen auf, ihre Abgeordneten mit denen der übrigen Verbuͤndeten auf dieſen neuen Verhand⸗ lungstag zu ſenden, doch wuͤnſchte er, daß zuvor auf dem Tage zu Lübeck das Buͤndniß förmlich abgeſchloſſen werde, denn er hoffte, daß dieß auch auf dem Tage zu Preßburg für den Dis den von großem Vortheil ſeyn werde. 3) Theils dieſer Umſtand, theils auch die jetzt haͤufig wiederholten Klagen des Koͤniges von Polen bald uͤber Beraubung und Mißhandlung ſeiner Kaufleute im Ordensgebiete, ® bald uͤber die Aufnahme eines gewiſſen Simon Matern, der von den Ordenslanden aus mit feinen Raubgeſellen die Danziger und andere koͤnigliche Unter thanen fort und fort belaͤſtige und beſchaͤdige, ® bald über eine Menge anderer ähnlicher Ereigniſſe, alles Beſchwerden, durch welche der König faſt täglich feinen Unmuth über die Verhaͤlt⸗ niffe in Preuſſen an den Tag legte, bewogen jetzt den Hoch⸗ 1) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM. d. Burtnick Dienſt. nach heil. drei Könige u. Wenden Mittw. nach Dorothea 1515 Schbl. XXIX. 15. 17. 2) Schütz p. 447. 3) Schr. der Abgeordneten des HM. d. Sonnt. nach Converſ. pauli 1515 Schbl. C. 354. Schr. des Kaiſers an die Kurfuͤrſten v. Sachſen u. Brandenburg, d. Inſpruck 5 Januar 1515 ebendaf. 4) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Wilna Sonnt. vor Aller Heilig. 1514 Schbl. 71. 56. 5) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Grodno feria IV Post trium Regum 1515 Schbl. XXIX. 4. Schütz p. 447.
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470 Kriegsruͤſtung in Preuſſen. (1515.) meiſter um ſo mehr, ſeine Ruͤſtungen ſo viel als moͤglich zu beſchleunigen, zumal da bald auch aus Polen Nachrichten von kriegeriſchen Bewegungen anlangten. Er erließ daher ſchon im Anfange dieſes Jahres ein allgemeines Landgebot in alle Aemter und Gebiete, daß jeder nach Laut ſeiner Handfeſte ſich kriegsfertig halten und die Beamten mit Strenge darauf ſehen ſollten, daß überall Harniſch, Wehren und Roſſe bei naͤchſter Heerſchau in Ordnung beſunden wuͤrden. Den Gebietigern und übrigen Beamten fertigte er ſodann eine Ruͤſtordnung zu mit dem Befehl, die erforderlichen Kriegsleute zu Roß und Fuß insgeheim aufs eiligſte in die Schlöffer einzuziehen, um fie im Fall der Noth alsbald ins Feld ſtellen zu koͤnnen.“ Seiner Scits ſuchte er fo viel als möglich die wichtigſten Ordenshaͤu⸗ for mit dem noͤthigen Geſchütz zu verſorgen. Er hatte ſich des⸗ halb auch an den Kaiſer um Zuſendung einiger Stuͤcke ſchwe⸗ ren Geſchuͤtzes gewandt; weil jedoch dieſer die Transportkoſten zu bedeutend fand, fo fandte er dem Hochmeiſter einen tuͤch⸗ tigen Buͤchſenmeiſter und Kupſer zu mehren Feldſchlangen, die auf feine Koſten gegoffen werden ſollten, um fie dem Meiſter „als Hausſteuer“ zu ſchenken.) Außerdem erſuchte Albrecht auch den Erzbiſchof von Magdeburg, den Biſchof von Wuͤrz⸗ burg und ſeinen Bruder Kaſimir um einige geſchickte Buͤchſen⸗ oder Zeugmeiſter, denn in dem fruͤher ſo kriegsgeuͤbten Orden waren jetzt dieſe Leute ſchon ſelten geworden.) Und doch trotz alier dieſer Bemühungen fand er, als ihm nach abgehaltener 1) Schr. des HM. an d. Markgr. Kaſimir u. an d. Kurf. v. Brandenburg, d. Mittw. nach Laͤtare 1515 Fol. 1515 nro 8. Schäiz p. 447. 448. “ 2) Landgebot des HM. d. Donnerft. nach Epiphan. 1515 Fol. 1515 nro 62; dort auch die erwaͤhnte Ruͤſtordnung, nach welcher Koͤnigsberg die meiſten Kriegsleute, naͤmlich 100 Reiter und 400 Mann zu Fuß ſtellen ſollte. 3) Schr. des Georg Goldacker an d. HM. d. Augsburg 24 De⸗ cemb. 1513 Schbl. LXI. 34. 4) Schr. des HM. an d. Erzbiſchof v. Magdeburg u. d. Biſchof v. Würzburg, d. Mirtw. nach Laͤtare 1515 Fol. 1515 nro 2. 5.
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Finanzverhaͤltniſſe des HM. (1515.) 471 Heerſchau die Muſterverzeichniſſe eingeliefert wurden, daß nir⸗ gends feinen Befehlen vollkommen Gnüge geleiſtet worden fey, den Leuten in den Staͤdten wie auf dem Lande es überall am erforderlichen Harniſch fehle und daß weder die kriegspflichtigen Landsknechte mit den nöthigen Waffen, noch die Burgen hin⸗ reichend mit Geſchuͤz und ſonſtigem Kriegsbedarf verſehen ſeyen. “) Der Grund davon lag in der großen Verarmung des ganzen Landes und beſonders auch in dem aͤußerſt zerrütteten Finanzzuſtande des Hochmeiſters ſelbſt. Die alten Wunden waren noch immer nicht alle geheilt; jährlich noch traten Er⸗ ben der fruͤheren Soͤldnerhauptleute mit Schuldforderungen gegen den Orden auf, ohne immer befriedigt werden zu koͤn⸗ nen. Ferner waren wie ſchon unter dem Hochmeiſter Frie⸗ derich von Sachſen, ſo auch unter Albrecht die Koſten zur Beſtreitung des fürſtlichen Hofhaltes ungleich bedeutender als in frühern Zeiten, denn je mehr in ihnen der Hochmeiſter in ſeiner einfachen Lebensweiſe gleichſam zuruͤckgetreten war, deſto mehr war der Fürſt mit den zahlreichen Anforderungen und Bedürfniſſen eines fürſtlichen Hoſſtaates hervorgetreten. Aem⸗ ter und Anſtellungen, fruͤher am Hofe des Hochmeiſters gar nicht gekannt, forderten jetzt einen viel bedeutenderen Haus⸗ und Hofetat, z. B. die beſondern Aemter eines Hofmarſchalls, eines Hofkanzlers, eines Hofjaͤgermeiſters, die Anftellungen 1) Ausſchreiben des HM. an die Präfaten, Gebietiger und Be amte wegen der Heerſchau, d. Mittw. nach Judica 1515 Fol. 1515 nro 62. Schr. des Paul Miliſch an d. HM. d. Tilſit Freit. nach Viſit. Mariä 1515 Schbl. XVI. 78. Die Angabe von 237 Büchfen und 50 Mörfern zum Feuerwerfen, die der HM. um dieſe Zeit habe gießen laſſen und von den 800 Laſt Pulver, die in Balga als dem Hauptzeughauſe aufbewahrt geweſen ſeyn ſollen, wie wir bei Baczko B. IV. 82 leſen, iſt ſchwer zu glauben; es widerfpricht ihr ein Schr. des HM. an ſeinen Bruder Markgr. Kaſimir, d. Freit. nach Miſeri⸗ cord. 1515 Fol. 1515 nro 5. Ihre Quelle iſt auch nur Simon Grunau; ſ. Bock S. 94. 2) Darüber mehre Schr. aus dem 3. 1515 Schbl. LXXV. u. Adelsgeſch. W. 31.
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472 Finanzverhaͤltniſſe des HM. (1515.) eines Hofmalers, eines Hoffechtmeiſters und ein zahlreiches Hofgeſinde.) Und doch klagte der Meiſter uͤber Mangel an brauchbaren, zu Geſchaͤften tuͤchtigen Männern an feinem Hofe und wandte ſich, weil auch unter den Ordensgebietigern ſolche jetzt ſchwer zu finden waren, an ſeinen Bruder den Markgra⸗ fen Kaſimir, um durch deſſen Fuͤrſprache beim Herzog Georg von Sachſen zu bewirken, daß Hans von Schoͤnberg, Haupt⸗ mann zu Radeberg, eine Zeitlang als Rath in ſeine Dienſte treten dürfe.?) Dieß alles nahm natuͤrlich die Kammerkaſſe des Hochmeiſters ſehr bedeutend in Anſpruch, ſo daß obgleich außer Balga und Brandenburg auch bereits Ragnit und einige andere Aemter mit ihren Einkuͤnften zu dieſer Kaffe hinzugezo⸗ gen waren, ſie dennoch faſt beſtaͤndig erſchoͤpft war, beſonders unter den jetzigen Verhaͤltniſſen zum Koͤnige von Polen. Da die zu Heiligenbeil bewilligte allgemeine Landſteuer nur wenig eingebracht hatte, fo ſah ſich der Hochmeiſter genöthigt, ſchon im Februar d. J. einen neuen Landtag nach Koͤnigsberg aus⸗ zuſchreiben, um ſich mit den Staͤnden über eine andere Hülfs- ſteuer zu berathen.) Allein er fand auch hier in feiner For⸗ derung, ihm eine außerordentliche „Ziſe“, wie ſeinem Vorfahr zu bewilligen, beharrlichen Widerſtand, indem die Abgeordneten erklaͤrten, daß ſie ohne Zuſtimmung der Lande und Staͤdte in die Erhebung dieſer Abgabe nicht einwilligen koͤnnten und es ſomit bei der zu Heiligenbeil gegebenen Zuſage ſein Be⸗ wenden haben muͤſſe. Hoͤchſt unzufrieden uͤber dieſe unerwartete Erklaͤrung entließ der Meiſter die Abgeordneten, berief aber bald darauf die Staͤnde zu einem neuen Tage und ließ ihnen auf dieſem kund thun: er habe ihnen ſchon auf der Tagfahrt 1) Fol. 1518 nro 2. Der Hofmaler hieß Wolfgang Rieder. 2) Schr. des HM. an d. Markgr. Kaſimir, d. Mitten nach Laͤ⸗ tare 1515 Fol. 1515 nro 5. Schr. des HM. an Hans v. Schönberg d. wie vor Fol. 1515. nro 6. 3) Ausſchreiben des HM. an alle Aemter, d. Sonnab. nach Va⸗ lentini 1515 Fol. 1515 nro 62. Der HM. verlangt ausdrücklich, die Abgeordneten ſollten eine Vollmacht haben „ohne allen Hintergang.“
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Steuerforderungen des HM. (1515.) 473 zu Heiligenbeil die dringenden Urſachen ſeiner Steuerforderung, namentlich die Koſtſpieligkeit der ſo langwierigen Zwiſtigkeiten mit Polen, auseinandergeſetzt und ihnen zur Erwaͤgung vor⸗ geſtellt, welchen hoͤchſtnachtheiligen Einfluß dieſe Irrungen ſo⸗ wohl für die Lage des Edelmannes, des Freien und des Bauers, als fir die Gewerbsthaͤtigkeit des Bürgers, Kaufmannes und Handwerkers mit ſich führten und alſo das Heil und die Wohl⸗ fahrt des ganzen Landes eine baldige Beendigung dieſer Streit⸗ haͤndel dringend forderten. Die Sendung nach Luͤbeck und auf den neuen Tag zu Preßburg erſorderten von neuem außer⸗ ordentliche Ausgaben, die er ohne des Landes Beihülfe un: möglich beftreiten koͤnne; ſeit dem Antritte feines Meiſteramtes habe er bereits zehn⸗ bis zwoͤlftauſend Mark allein nach Rom geſandt und wenigſtens eine gleiche Summe auf die Sendungen an den Kaiſer und viele andere Orte verwenden muͤſſen. Er vertraue alſo jetzt feſt darauf, daß man ihm mit der verlangten Ziſe zu Hülfe kommen werde. Wir wiſſen nicht, ob die Stände fi in des Meiſters Verlangen gefügt. Zureichend aber war der Ertrag der Abgabe keineswegs, denn die fortdauernden Verhandlungen am kaiſerl. und paͤpſtl. Hofe zwangen ihn bald, beim Biſchofe von Samland, der eine Geldſumme in Sachſen zu fordern hatte, eine Anleihe von zweitauſend Gulden auf⸗ zunehmen. Da der Hochmeifter jetzt vom Röm. Hofe aus wenig oder nichts mehr zur Foͤrderung feiner Streitſache mit dem Koͤnige von Polen erwarten durfte und die Thaͤtigkeit des dortigen Procurators ſich nur darauf beſchraͤnkte, daß nicht noch nach⸗ theiligere Beſchluͤſſe durch die Polniſchen Sachwalter gegen den Orden durchgeſetzt wuͤrden, ſo blieb ihm nur noch die Hoffnung auf den Beiſtand des Kaiſers uͤbrig, der nicht nur einen Reichs⸗ 1) Ausſchreiben des HM. und Inſtruction fuͤr die Gebietiger und Ordensbeamte, d. Donnerſt. nach Reminiſ. und Mont. nach Laͤtare 1515 Fol. 1515 nro 62. 64. 2) Verhandlung des HM. mit dem Biſchofe v. Samland, Dienſt. nach Quaſimodog. 1515 Schbl. C. 362.
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474 Tod des Deutſchmeiſters. (1515.) tag nach Freiburg ausgeſchrieben hatte, um dort die Bundes⸗ verwandten unter den Kurfuͤrſten und den andern Reichsfuͤrſten zum endlichen Abſchluſſe des Buͤndniſſes, der zu Luͤbeck nicht erfolgt war, zu bewegen,“ ſondern auch dem Hochmeiſter das tröftende Verſprechen gab, er werde feiner Seits beim Könige von Polen alles auf bieten und ſolche Wege einſchlagen, daß der Streit zu völliger Zufriedenheit des Meiſters und zum Vortheil des Ordens beigelegt werde.) Auch eine Veraͤnderung im Orden in Deutſchland eröffnete eine Zeitlang guͤnſtigere Ausſichten auf wirkſameren Beiſtand. Der alte Deutſchmeiſter Johann Adelmann von Adelsmansfelden, der ſich ſchon mehre Jahre lang wenig um die Verhaͤltniſſe in Preuſſen bekuͤmmert und nicht einmal ſeine Abgeordneten auf den Tag zu Luͤbeck zeitig genug abgefertigt hatte,) war im Fruͤhling dieſes Jahres geſtorben.“ Nicht ohne Zwiſt zwiſchen dem Landkomthur von Franken Wolfgang von Eiſenhofen und den uͤbrigen Land: komthuren und Statthaltern uͤber die Wahlart eines Deutſch⸗ meiſters waren nach hergebrachter Ordnung im Wahlkapitel zu Frankfurt dem Hochmeiſter zwei Erwaͤhlte zur Beſtaͤtigung vor⸗ geſchlagen. Dieſer ſandte dem bisherigen Landkomthur von Heſſen Dieterich von Cleen ?“ die Kappe und den Ring als 1) Schr. des HM. an den Procurator, d. Mont. nach Miſericord. 1515 Fol. 1515 uro 1. 2) Inſtruction des HM. für Berthold von Altmannshofen, d. Sonnt. Cantate 1515 Fol. 1515 nro 64. 3) Schr. der Komthure Burchard v. Seckendorf zu Virnsburg und Hans v. Welden zu Heilbronn, d. Sonnt. nach Apollonia 1515 Schbl. C. 361. 4) Bachem Verſuch einer Chronol. der HM. S. 52 giebt un⸗ richtig das Todesjahr 1514 an, denn nach dem erwaͤhnten Schr. der Komthure v. Virnsburg und Heilbron lebte der bisherige DM. noch im Februar 1515. Der HM. erlaͤßt auch erſt am Montag nach Corpor. Chr. 1515 an alle Gebietiger und Ordensbeamte den Befehl zum Begaͤngniß des verſtorbenen DM. in ihren Kirchen, Fol. 1515 nro 62. 5) Die Landkomthure nannten ihn als „den wegeſten und beſten.“
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Der Verhandlungstag zu Preßburg. (1515.) 475 Inſignien feiner Beftätigung zu, v jedoch zugleich ihn an die Huͤlfsleiſtung mahnend, die ſchon fein Vorfahr dem Orden in Preuſſen zugeſagt habe und jetzt vom Hochmeiſter mit aller Zuverſicht erwartet werde, 2 Des Meiſters Hoffnung aber auf den Kaiſer ward nur zu bald aufs bitterſte getaͤuſcht. Der Tag zu Preßburg war zu Stande gekommen und der Kaiſer hatte dorthin auch die Ordensgeſandten von Lubeck beſchieden, um ihnen ſeinen Be⸗ ſcheid zu ertheilen.?) Allein die Verhandlungen, vorzuͤglich vom Kardinal Mathias von Gurk geleitet, nahmen eine Wendung, wie ſie der Hochmeiſter nicht im entfernteſten geahnet hatte. Der König Wladislav von Ungern und Böhmen nämlich, der dort mit feinem Bruder, dem Könige von Polen zuſammen kam, 0 ſtand bereits in ziemlich hohem Alter. Nun hatte aber der zwiſchen ihm und Maximilian ſchon im Jahre 1491 ge⸗ ſchloſſene Friedensvertrag dem letztern die Ausſicht geſtellt, nach Wladislaws Tod oder nach dem Ausſterben ſeines Manns⸗ ſtammes den Koͤnigsthron von Ungern und Böhmen einzuneh⸗ men, und dieſe Hoffnung hatte er auch nicht aufgegeben, nach⸗ dem Wladislav mehre Jahre nachher noch eine Tochter Anna und einen Sohn Ludwig erhalten hatte, er ſuchte ſie vielmehr durch eine Wechſelheirath noch mehr zu befeſtigen, indem er den genannten Prinzen mit ſeiner Enkelin Maria, der Tochter 1) Schr. der Landkomtbure von Franken u. ſ. w. an den HM., d. Frankfurt Mittw. nach Miſericord. 1515 Schbl. DM. 69. Ueber den Streit der Landkomthure ein Interimsvergleich bei Jaeger Cod. diplom. O. T. s. h. a. Die Präfentation der beiden Erwählten Diete⸗ richs v. Cleen und des Komthurs von Frankfurt Walther v. Kronberg, d. Frankfurt Dienſt. nach Miſericord. 1515 Schbl. DM. 52. Die urkundliche Beſtaͤtigung des DM. Dieterich v. Cleen durch den HM. d. Mont. nach Corpor. Chr. 1515 bei Jaeger I. e. 2) Inſtruction für den Statthalter der Ballei Sachſen Wigand Holzſattel von Naſſen-Erfurt, d. Mont. nach Corpor. Chr. 1515 Schbl. 106, 70. 3) Inſtruction für den Statthalter der Ballei Sachſen a. a. O. 4) Sommersberg Scripior. ver, Siles. T. II. p. 386.
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476 Der Verhandlungstag zu Preßburg. (1515.) ſeines Sohnes Philipp und Wladislavs Tochter Anna mit einem ſeiner Enkel Karl oder Ferdinand vermaͤhlt zu ſehen wuͤnſchte.) Je mehr er aber jetzt dieſen Wunſch mit Eifer verfolgte, um ſo weniger hielt er es für rathſam, fich in der Streitſache des Ordens den Forderungen des Koͤniges von Polen, des Bruders Wladislavs, ferner noch entgegen zu ſtellen; es mußte vielmehr aus mehren Gruͤnden ſein Streben ſeyn, dieſen fuͤr ſich zu gewinnen, und ſo war bei Maximilian leicht alles vergeſſen, was er dem Meiſter Jahre lang als troͤſtende Hoffnung zugeſagt. Es kamen daher auf dem Tage zu Preß⸗ burg Beſchluͤſſe zu Stande, die allem, was bisher der Kaiſer geboten und verheißen, widerſprachen. Der kaiſerliche Sach⸗ walter und Bevollmaͤchtigte, Kardinal Mathias von Gurk und der Koͤnig von Polen vereinigten ſich in folgenden Punkten: der Kaiſer wolle es ſich gefallen laſſen, daß die Stellung der Verhaͤltniſſe zwiſchen der Krone Polens und dem Orden in Preuſſen ganz ſo verbleiben ſolle, wie ſie nach Laut des ewigen Friedens zur Zeit des Koͤniges Kaſimir beſtimmt worden, alſo daß der Kaiſer den Hochmeiſter von der Leiſtung feiner Pflicht gegen den König ferner nicht mehr abhalten wolle, ihn auch forthin weder mit Rath noch Beihuͤlfe zum Nachtheile Polens unterſtuͤtzen werde. Treten innerhalb fünf Jahren Irrungen und Streitigkeiten zwiſchen dem Meiſter und dem Koͤnige ein, ſo ſolle jener dieſen zuerſt um eine guͤtliche Ausgleichung er⸗ ſuchen; gelinge ſolche nicht, ſo ſollten die Streithaͤndel der guͤt⸗ lichen Entſcheidung des Kaiſers, des Koͤniges von Ungern, des paͤpſtl. Legaten Thomas Erzbiſchof von Gran und des Kar⸗ dinals von Gurk anheimgeſtellt werden. Um des Friedens willen wolle der Koͤnig nicht ferner darauf beſtehen, daß zur Haͤlfte Polen in den Orden aufgenommen werden ſollten. Es follten geeignete Wege ergriffen werden, um auch die Streit⸗ 1) Cuspiniani Diar. de congress Maximiliani ap. Freher T. II. 305. Deca liber de Sigismundi temp. ap. Pistor. T. II. p- 323.
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Verhandlungstag zu Wien. (1515.) 477 ſache der mit der Reichsacht belegten Staͤdte Danzig und El⸗ bing auszugleichen. Der Kaiſer ſolle in Verbindung mit dem Koͤnige von Ungern und den beiden genannten Kardinaͤlen ver⸗ ſuchen, den Streit zwiſchen Polen und dem Hochmeiſter guͤtlich beizulegen; wenn aber dieß auch nicht gluͤcke, fo ſollten doch die ebenerwaͤhnten Beſtimmungen in voller Kraft und Geltung bleiben. So weit hatte man ſich bereits uͤber die wichtigſten Punkte verſtaͤndigt, als der Koͤnig Sigismund nebſt ſeinem Bruder mit dem Kaiſer in der Mitte des Juli eine Zuſammenkunft in Wien hatte. Der Wichtigkeit der Verſammlung der Monarchen entſprach der außerordentliche Glanz und Pomp, in dem die Könige wetteiferten.? In der Verhandlung über die Streit⸗ ſache des Ordens erklaͤrte der Koͤnig von Polen zwar, daß er über die Gültigkeit des ewigen Friedens ſich die Entſcheidung des Papſtes, des Kaiſers und der Könige von Frankreich und Ungern gefallen laſſen wolle; aber an demſelben Tage, am zweiundzwanzigſten Juli, an welchem die verabredeten Heiraths⸗ vertraͤge abgeſchloſſen wurden und ſomit des Kaiſers Wuͤnſche erfüllt waren, wiederholte dieſer den Beſtimmungen zu Preß⸗ burg gemaͤß auch ſelbſt das Verſprechen, er werde, damit man mit vereinter Macht die Waffen gegen den Feind des Glaubens wenden koͤnne und mit dem Koͤnige von Polen ein freundliches und bruͤderliches Wohlwollen begründet und aufrecht erhalten 1) Die über die erwähnten Beſtimmungen abgefaßte Urkunde, d. Posonü die XX Maji 1515 bei Dogiel Cod. Polon. T. IV. p. 189. De Fal T. VIII. p. 44. Durch Verwechſelung des Namens Po- sonium mit Posnania hat Baczko B. IV. 81 die Verhandlung auf einen Reichstag nach Poſen verlegt. Schütz p. 449. Raynaldi Annal. eceles, an. 1515. nro 48. Decii liber de Sigismundi temp. I. c. P. 325. 2) Vgl. Cuspiniani Diar. de congress Maximiliani etc, apud Ereher T. II. 308—310. Hegewiſch Geſch. der Regierung Kaifer Maximilian S. 151. Dubrav. Histor. Boemica L. XXXII. p. 305. Deci liber de Sigismundi temp. I. c. P. 326.
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478 Des Kaiſers Umwandlung. (1515.) werden möge, den Orden in Preuſſen nicht ferner mehr der Lehenshoheit der Krone Polens entziehen, den ewigen Frieden als ferner gültig anerkennen und dem Orden fortan zum Nach⸗ theil des Koͤniges von Polen weder Huͤlfe noch Rath ertheilen, auch die Reichsacht gegen Danzig und Elbing aufheben und den Reichsgerichten verbieten, gegen dieſe Staͤdte fernerhin gericht⸗ lich einzuſchreiten.) So hatte alſo der Kaiſer, der Jahre lang ſo viel von ſeiner wichtigen Pflicht als des Reiches erſtes welt⸗ liches Oberhaupt zu Schutz und Schirm der Reichsglieder zu ſprechen gewußt, der es ſich mehrmals zu Schmach und Schimpf angerechnet, wenn er die Losreißung des Ordens vom Reichs⸗ verbande dulden werde, dieſen dennoch ſeinem traurigen Schick⸗ ſale ohne weiteres Preis gegeben und der Ausſicht aufgeopfert, einſt die Koͤnigreiche Ungern und Boͤhmen fuͤr das Haus Oeſter⸗ reich zu gewinnen. Der Hochmeiſter erhielt die traurige Botſchaft aus Wien nicht ohne großes Erſtaunen in einer höchft jammervollen Zeit, gerade als das ganze Land, beſonders die Hauptſtadt Koͤnigs⸗ berg durch eine Peſtkrankheit ſo ſchrecklich heimgeſucht war, daß bei der außerordentlichen Sterblichkeit in Stadt und Land auch eine bedeutende Zahl von Ordensrittern hingerafft wurden und das ganze Land mit Trauer und Noth erfüllt war.“ Er hielt daher, um ſeine Unterthanen nicht noch mehr zu entmuthigen, auch 1) Die urkundlichen Erklaͤrungen des Kaiſers, d. Wiennae XXII Julii und IV Augnsti 1515 bei Dogiel T. IV. 200 — 202. De n T. VIII. 46 — 48. Bock S. 92. 2) Von der Thaͤtigkeit der Ordensgeſandten bei den Verbands lungen zu Wien hoͤren wir nichts weiter; es waren dort gegenwaͤrtig der Ordensmarſchall Georg v. Eltz und der Pfleger zu Neidenburg Heinrich v. Miltitz. Nach Herberstein Rer. Moscovit. Commentar. p. 136 wurde von Wien aus eine Geſandtſchaft an den Großfürften von Moskau abgefertigt, um zwiſchen ihm und dem Koͤnige v. Polen einen Frieden zu vermitteln. Decm liber de Sigismundi temp. I. c. p. 329. 3) Schr. des HM. an den Herzog Karl v. Burgund, d. Freit. nach Franciſci 1515 Fol, 1515 uro 5. Eine Nachricht Über die große
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Des Kaiſers Umwandlung. (1515.) 479 nicht fur rathſam, die traurige Nachricht bekannt zu machen, ſondern ließ durch Gebietiger und Beamte nur kund thun: der Kaiſer habe den Ordensgeſandten den Beſcheid ertheilt: er ſey ſehr geneigt geweſen, den langwierigen Streit mit Polen aus⸗ zugleichen; wichtige Gefchäfte aber hätten ihn gehindert; er habe ſich daher auch eiligſt aus Wien entfernen muͤſſen; damit jedoch der Hochmeiſter und deſſen Unterthanen des Kaiſers geneigte Geſinnung erkennten, habe er den Koͤnig von Polen bewogen, feine Bevollmächtigten am kaiſerlichen Hofe zu laſſen, der Orden möge daſſelbe thun und er hoffe, wo moͤglich alle Streitigkeiten noch auszugleichen. Dabei ließ jedoch der Hochmeiſter alle ſeine Unterthanen auffordern, ihm und dem Orden mit Treue und Gehorſam beizuſtehen, wenn etwa der Koͤnig ferner mit Zwang und Gewalt einſchreiten wolle.) Es galt in der That jetzt alle Klugheit und Vorſicht aufzubieten, um keinen Schritt zu thun, der den Orden noch tiefer ins Verderben ſtuͤrzen koͤnne. Das Wichtigſte, worauf jetzt Albrechts ganze Thaͤtigkeit gerichtet ſeyn mußte, war eines Theils ſich unter den Reichs⸗ finften und wo moͤglich auch am Kaiſerhofe Freunde und Gönner zu erwerben, deren Rath und Beiſtand er in der Noth ver⸗ ſichert ſeyn konnte, andern Theils die noͤthigen Geldmittel auf zubringen, denn es war ſehr zu finchten, daß jetzt der Koͤnig von Polen bald ernſtere Schritte wagen werde. Dieterich von Schönberg, der als Rath vor kurzem in des Meiſters Dienſt getreten war,? ward eiligſt an den Kurfuͤrſten von Branden⸗ burg, an die Herzoge von Braunſchweig und Baiern, an den Sterblichkeit in Koͤnigsberg auch noch im Septemb. d. J. Schbl. L. 39. Der HM. mußte die verpeſtete Stadt verlaſſen. 1) Ausſchreiben des H. an alle Aemter u. Gebiete, d. Donnerſt. nach Nativit. Mariä 1515 Fol. 1515 uro 62. 2) Dieterich v. Schönberg, ein Bruder des Antonius und Hans v. Schönberg, war auf deren Anſuchen erſt in dieſem Jahre in des HM. Dienſt getreten, ohne daß dieſer ibm jetzt ſchon eine Dienſt⸗ unterhaltung. beſtimmte, weil er erſt ſehen wollte, zu welchen Geſchaͤften er brauchbar ſeyn werde, Schbl. D. 317 (20).
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480 Des Kaiſers Umwandlung. (1515.) Markgrafen Kaſimir und mehre andere Fuͤrſten geſandt, um ihre Hülfe gegen Polen nachzuſuchen. Den Kurfürſten von Brandenburg ſprach der Meiſter zugleich um eine Geldanleihe an mit dem Anerbieten, ihm das Darlehn dadurch ſicher zu ſtellen, daß er es als erhoͤhte Pfandſumme auf die Neumark betrachten wolle, denn er ließ den Kurfürſten ausdruͤcklich darauf aufmerkſam machen, daß die Neumark immer noch als ein Pfand anzufehen ſey, zu deſſen Auslöfung der Orden fortan noch ein Recht habe. Allein der Kurfuͤrſt ließ ſich dadurch nicht irren, daß Dieterich von Schönberg beauftragt war, ihm aus Schriften nachzuweiſen, daß die Neumark immer noch ein wiederkaͤufliches Pfand ſey, obgleich er fich bereit erklaͤrte, dem Meiſter durch eine Geldanleihe zu Huͤlfe zu kommen.“ Auch zum Kaiſer ward Dieterich von Schoͤnberg geſandt; ihn konnte und wollte Albrecht in ſeinen Hoffnungen noch nicht ganz aufgeben; ſelbſt der Kurfuͤrſt von Brandenburg und der Erzbiſchof von Mainz hatten ihm den Rath ertheilt, er muͤſſe den Kaiſer von neuem bitten, die ihm ſo oft gegebene Ver⸗ teöftung endlich in Erfüllung zu bringen, damit der Streit zur Entscheidung komme. Da aber Maximilian immer nur laͤngern Verzug fuchte, feine Antworten ſtets ausweichend und zweideutig waren d und faft ein halbes Jahr voruͤberging, ohne daß der Hochmeiſter von ihm ſelbſt eine Mittheilung uͤber die zu Preß⸗ burg und Wien gefaßten Beſchluͤſſe erhielt, ſo erließ dieſer an ihn mit einem Geſchenke von zwoͤlf ausgezeichneten Jagdfalken ein Schreiben, worin er ihm meldete: der Landkomthur von Oeſter⸗ reich Chriſtoph von Auer habe ihm berichtet, daß der Kaiſer immer noch mit Eifer ſich der Ordensſache annehme; da dieſer 1) Inſtruction für Dieterich v. Schoͤnberg bei ſeiner Sendung an d. Kaifer, den Kurfürften v. Brandenburg u. ſ. w. d. Sonnab. nach Auguſtini 1515 Schbl. C. 362. 2) Schr. des Erzbiſchofs Albrecht v. Mainz und des Kurfürſten v. Brandenburg an d. HM. d. Zieſer Dienſt. nach Galli 1515 Schbl. Adelsgeſch. G. 42. 3) Schr. des Landkomthurs von der Etſch an d. HM. d. Ins ſpruck 20 Sept. 1515 Schbl. 101. 90.
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Bebrängte Lage des HM. (1515.) 481 ihm bisher immer die erfreulichſten Verſicherungen gegeben, ſo koͤnne er auch der von Polen aus unter den Ordensunterthanen verbreiteten Nachricht keinen Glauben ſchenken, daß der Kaiſer zu Wien zugeſtanden habe, der Hochmeiſter ſolle den ewigen Frieden beſchwoͤren und der Orden der Krone Polens unter⸗ than ſeyn, eine Nachricht, die alle Unterthanen des Ordens mit Schrecken erfullt habe.) Offenbar ſollte das Schreiben den Kaiſer zu einer beſtimmten, offenen Erklarung auffordern. Allein er ſchwieg und ſo dringend nun auch der Hochmeiſter nicht nur dem einflußreichen Kardinal von Gurk, ſondern auch mehren andern angeſehenen Raͤthen am Kaiſerhofe ſeinen dort⸗ hin abgefertigten Geſandten, den Ordensmarſchall Georg von Eltz und die Sache des Ordens empfahl,? fo mußte er doch bald erfahren, daß auch dieſe feine letzte Hoffnung getäufcht ſey, denn die Geſandten des Koͤniges von Polen, die nach dem Abſchiede zu Wien zur ſchließlichen Verhandlung mit denen des Ordens beim Kaiſer erſchienen waren, hatten ſich nach Venedig begeben, um zwiſchen der Republik und dem Kaiſer einen Frieden unterhandeln zu helfen, aber nach einem uͤblen Em⸗ pfang unter vielem Verdruß von dort ſich wieder entfernt, ohne an den Kaiſerhof zurückzukommen. Sonach fanden auch weiter keine Unterhandlungen mehr Statt. Aber nicht minder betruͤbend war die Ausſicht in die Zu⸗ kunft, wenn der Meiſter auf fein eigenes Land hinſah. Alle bisherigen Geſuche an die Stände wegen Leiſtung einer Steuer waren faſt ohne allen Erfolg geblieben, denn die ihm einmal bewilligte hatte nur wenig Ertrag gebracht. Da nun ſeit kurzem die Verhaͤltniſſe mit Polen wieder ungleich bedenklicher 1) Schr. des HM. an den Kaiſer, d. am Abend Martini 1515 Fol. 1515 nro 4. 2) Schr. des HM. an den Kardinal v. Gurk, an den oberſten Stallmeiſter, an den Kanzler Cyprian von Sorntayn u. a. d. am Abend Katharinäd 1515 Fol. 1515 nro 2. 6. 3) Schr. des Landkomthurs an d. Etſch Heinrich v. Knorringen an d. HM. d. Inſpruck 22 Decemb. 1515 Schbl. C. 354. Decis lib, de Sigismundi temp. ap. Pistor. T. II. p. 329, IX. 31
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482 Bedraͤngte Lage des HM. (1516.) geworden waren, ſo berief er im Anfange des Jahres 1516 die Stände abermals zu einer Tagfahrt nach Heiligenbeil.) Zuerſt indeß erklaͤrten ſich die Städte Koͤnigsberg ſchon darüber höchft unzufrieden, daß ſolche Tagfahrten gegen alle Gewohnheit jetzt immer nach Heiligenbeil und nicht nach Koͤnigsberg als des Landes Hauptſtadt verlegt wuͤrden. Erſt nach langen Ver⸗ handlungen daruͤber und nachdem der Meiſter zugeſagt, fortan alle Tagfahrten nach Koͤnigsberg zu berufen, fuͤgte man ſich dießmal noch. ) Als darauf aber der Hochmeiſter die Staͤnde mit dem Stande der Verhaͤltniſſe mit Polen, mit dem Verlaufe der Verhandlungen vom Tage zu Luͤbeck an bis zu der in Wien, mit dem Erfolge der letzten Sendung des Ordens⸗ marſchalls an den Kaiſerhof bekannt gemacht, ihnen die Koſten bei der Wehrhaftmachung des Landes vorgelegt und ihnen er⸗ Hört hatte, daß er alles dieſes faſt ganz allein aus eigenen Mitteln habe beſtreiten muͤſſen, daß er deshalb jetzt bei gaͤnz⸗ licher Erſchoͤpfung ſeiner Geldmittel die Staͤnde aufs dringendſte um eine ſtattliche Beihuͤlfe und namentlich um die Steuer ers ſuchen müſſe, wie man fie feinem Vorfahr dem Herzog Frie⸗ derich von Sachſen bewilligt gehabt,“ ſchuͤtzten die Abgeordneten abermals Mangel an hinreichender Vollmacht vor, verlangten eine Verlegung der Tagfahrt nach Königsberg und da dieſe der Hochmeiſter nicht zugeben wollte, erklärten die von Königs: berg: man habe eine urkundliche Zuſage des letztverſtorbenen Hochmeiſters, daß die unter ihm erhobene Ziſe nur auf ein Jahr und in der Zukunft nie wieder erhoben werden ſolle. Erſt nach langen Verhandlungen bewilligte man die erbetene Steuer auf ein Jahr und eine Getraͤnkſteuer, namentlich vom Bier, die aber erſt von Johanni ab erhoben werden ſollte.“ 1) Schr. des HM. an alle Prälaten, Gebietiger, Lande und Städte, d. am Abend Thomaͤ 1515 Fol. 1515 uro 62. 2) Schr. des HM. und Verhandlungen auf der Tagfahrt, Mittw. nach Beſchneid. Chr. 1516 Fol. 1516 nro 16. 3) Verhandlung des Tages zu Heiligenbeil, Freit. nach heil. drei Könige 1516 Fol. 1516 uro 16. 4) Die ſehr weitlaͤuftigen Verhandlungen daruͤber Fol. 1516
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Kriegsvorbereitungen im Lande. (1516.) 483 Da ſich der Hochmeiſter jetzt vom Kaifer gänzlich verlaffen ſah, von den Reichsfuͤrſten auch kaum noch Huͤlfe zu erwarten war und an den Abſchluß des fruͤher erwaͤhnten Huͤlfsbuͤnd⸗ niſſes nun gar nicht mehr gedacht werden konnte, ſo wandte er ſich von neuem mit einer flehentlichen Bitte an den Papſt, ihm vorſtellend, daß ſeine Hoffnung auf den Kaiſer durch die Erfolgloſigkeit der Verhandlungen zu Wien und durch die fort⸗ waͤhrende Verzoͤgerung der endlichen Entſcheidung am Kaiſer⸗ hofe ſo gaͤnzlich geſunken ſey, daß er jetzt ſein ganzes Ver⸗ trauen nur noch auf ihn, den Papſt, des Ordens Schutz und Hort und deſſen wahren, unmittelbaren Oberherrn fegen koͤnne, darum bitte er ihn aufs demuͤthigſte und inſtaͤndigſte, Mittel und Wege aufzufinden, wie der wirre, troſtloſe und zerworfene Zuſtand des Ordens endlich einmal zu Ruhe und Frieden ge⸗ deihen und er der Forderung des Koͤniges von Polen, den mit Gewalt erzwungenen ewigen Frieden zu beſchwoͤren, uͤberhoben werden konne, denn mit dieſer Forderung werde jetzt nach den Verhandlungen zu Wien der König ohne Zweifel bald hervor⸗ treten.) Er bat den Papſt um Rath, wie er ſich in dieſem Falle verhalten ſolle. Leo antwortete nur kurz und kalt: der Hochmeiſter ſolle in Betreff der Lehen und Rechte des Ordens, ohne den Roͤm. Stuhl um Rath befragt zu haben, nichts thun, was etwa die Rechte der Röm. Kirche beeinträchtigen konne. Albrecht ſah jetzt klar ein, daß wenn der drohende Sturm hereinbrechen ſollte, er nur noch in den Huͤlſskraͤſten des Or⸗ dens und des Landes eine Rettung ſuchen muͤſſe. Er ertheilte nro 16. 64. Schr. des HM. an den Biſchof v. Pomeſanien, d. Donnerſt. nach Vincentii 1516 Fol. 1516 nro 48. 1) Schr. des HM. an den Papſt o. D. (aus dem Anfange des J. 1516) Fol. 1516 nro 1. 2) Schr. des Papſtes an den HM. o. D. Fol. 1516 nro 1. Der Papſt ſagt: Nobilitatem inam hortamur , requirimus et monemus ac ei in virtute sancte obedientie precipimus et mandamns, ne super eiusdem militie feudis et iuribus quidquam, quod in eius ac nostro- rum ac ecelesie Romane inrinm preiudicium vergere possit nobis pro- sertim inconsultis agere velis. 31 *
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484 Kriegsplan des HM. gegen Polen. (15 16.) zwar dem Ordensmarſchall Georg von Eltz den Auftrag, den Kaiſer nochmals dringend zu erſuchen, ihn der Beſchwoͤrung des ewigen Friedens zu entheben und den König von Polen von dem angedrohten Einfall in Preuſſen zurückzuhalten; er ließ ferner zwar auch mehre der vornehmſten Reichsfuͤrſten bit⸗ ten, auf den Kaiſer zu Gunſten des Ordens einzuwirken.! Allein ſein eiſrigſtes Bemuͤhen ging vor allem jetzt darauf hin, alle Kräfte feines Landes zuſammenzufaſſen, um fie im Falle der Noth ſogleich zu ſeiner Vertheidigung benutzen zu koͤnnen. Aus allen Aemtern forderte er eiligſt Berichte ein, wie viel Mannſchaft als Beſatzung in den Schloͤſſern liege, wie viel Platendienſte von den Edlen und Freien jedes Bezirkes ge⸗ leiſtet werden müßten u. ſ. w. Er hielt dann felbft einen Umzug durch die wichtigſten Theile des Landes, um alle Kriegs⸗ und Vertheidigungsanſtalten in Augenſchein zu nehmen; er traf Anordnungen, um das Land ſo viel als moͤglich von den herumziehenden loſen Dienſtleuten und Muͤſſiggaͤngern zu ſaͤu⸗ bern und ſie nach Balga ſchaffen zu laſſen, wo ſie zweckmaͤßig beſchaͤſtigt wurden.) Um die Verſorgung der Schloͤſſer und Städte zu fürdern und das Land bei dem Ausbruche des Krieges gegen Mangel zu ſichern, unterſagte er alle Getreide⸗ ausfuhr unter namhafter Strafe.“) Dieß alles zielte mit auf die Ausfuͤhrung eines Planes hin, der, wie der Meiſter hoffte, den Orden endlich aus ſeiner hoͤchſt⸗ bedraͤngten Lage retten und fuͤr immer von den Banden be⸗ freien ſollte, in welchen der Koͤnig von Polen ihn bisher durch den ewigen Frieden gefeſſelt hielt. Albrecht nämlich war jetzt 1) Inſtruction für den Ordensmarſchall Georg v. Eltz, d. Mont. nach Quaſimodogen. 1516 Fol. 1516 nro 64. 2) Ausſchreiben des HM. an die Aemter und Gebiete, d. am L. Purif. Mariä 1516 Fol. 1516 nro 62. 3) Ausſchreiben des HM. an die Aemter, Praͤlaten, Gebietiger u. ſ. w. d. Mittw. u. Donnerſt. nach Quaſimodegen. 1516 Fol. 1516 nro 62. 4) Ausſchreiben des HM. an dieſelben, d. Dienſt nach Miſeri⸗ cord. 1516 Fol. 1516 nro 62.
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Kriegsplan des HM. gegen Polen. (iS16.) 480 entſchloſſen, den Krieg nicht zu erwarten, ſondern zuerſt das Schwert zu ergreifen. Laͤngſt ſchon mit dieſem Gedanken be⸗ ſchaͤftigt bewog er jetzt den Meiſter von Livland Walther von Plettenberg, mit dem er wie ſelten zuvor ein Hochmeiſter mit einem Livlaͤndiſchen Meiſter in den vertraulichſten und freund⸗ lichſten Verhaͤltniſſen ſtand (er nannte ihn gewoͤhnlich nur „lieber Bruder“), gegen Ende des Februars zu einer perſoͤn⸗ lichen Zuſammenkunft in Memel.) Nachdem ſich beide nebſt ihren vertrauten Raͤthen zur tieſſten Verſchwiegenheit uͤber ihre Verhandlungen verpflichtet, ſtellte Albrecht dem Meiſter von Livland vor, wie verlaſſen und huͤlflos er vom Kaiſer, vom Papſte, dem Reiche und dem Deutſchen Adel daſtehe, wie ſchrecklich es für fie beide ſeyn muͤſſe, wenn gerade in ihrer Lebenszeit und unter ihrer Waltung der Orden gaͤnzlich unter⸗ druckt werden ſollte und wie leicht ihn doch jetzt dieſes Schickſal treffen könne, wenn es zwiſchen dem Koͤnige von Polen und dem Moskowiter, wie ſehr zu fürchten ſey, zum feſten Frieden komme, denn jener werde dann, wenn man den ewigen Frieden nicht beſchwoͤren wolle (was er als Meiſter nimmer erleben werde), ſofort Preuſſen und der Moskowiter Livland mit Krieg überwältigen und der Orden ohne Zweifel aus beiden Landen vertrieben werden. Dieß zu verhuͤten, wolle er dem Meiſter einen Plan mittheilen, über den er ſich bisher noch mit nie: mand als nur mit ſeinem getreuen und vertrauten Rathe Die⸗ terich von Schönberg berathen habe.“ „Wir haben, fuhr der Hochmeiſter fort, von unſern Blutsverwandten, dem Kurfuͤrſten von Brandenburg, unſerm Bruder dem Markgrafen Kaſimir 1) Die Zuſammenkunft und Berathung dauerte vom 24 Febr. bis 6 März. Wir haben darüber einen ſehr vollſtaͤndigen Bericht unter dem Titel: Handlung zwiſchen den Herren Hoemeiſter in Preuſſen und Meiſter in Eifflant zur Mimmel geſchehen, Anno 1516, Fol. 1516. Leider iſt der Bericht in einem mitunter ſehr verwirrten Deutſch ge⸗ ſchrieben, aus dem in vielen Stellen der Sinn nur errathen werden kann. 2) Daß Dieierich von Schönberg den ganzen Plan mit eni⸗ worfen hatte, geht aus dem Ganzen ziemlich klar hervor. *
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4286 Kriegsplan des HM. gegen Polen. (1516.) und andern Freunden troͤſtende Zuſagen auf Hülfe und Bei⸗ ſtand erhalten. Auch ihr verſprecht uns Rath und Unterftügung und wir danken es Gott im Himmel, daß er uns und unſerm Orden an euch einen ſo tapfern Mann beſchert hat, der un⸗ ſerer Vorfahren Fußtapfen zu folgen Willens iſt, weswegen wir euch auch wie einen leiblichen Bruder lieben, ehren und fördern wollen. Offenbar aber wäre es nun für den Orden großes Verderben, wenn man den Polen geſtattete, den Krieg gegen uns anzufangen; wir wollen vielmehr auf euere und anderer Freunde Troſt und Zuſage das Schwert im Namen unſerer lieben Frauen und Patronin ſelbſt zuerſt erheben, der gewiſſen Zuverſicht, fie werde uns zu Gluͤck und Sieg führen. Darauf legte Dieterich von Schönberg im Auftrag des Hochmeiſters den Kriegsplan ſelbſt vor. Es ſey laͤngſt daran gearbeitet worden, dem Orden eine Kriegsmacht von achttauſend guten Soldknechten und zweitauſend gutgerüfteten Reiſigen zu verſchaffen zum Kriege gegen Polen; jetzt habe der Hochmeiſter mit ſeinen Verwandten alles ſo weit verhandelt, daß man dieſe Kriegsmacht werde aufbringen und vorerſt auf acht Monate für des Ordens Dienſt gewinnen koͤnnen. Der Kurſuͤrſt von Brandenburg habe ſich erboten, beim Daͤniſchen Könige zu bes wirken, daß dieſer dem Feinde weder Proviant noch Kriegsvolk zur See zukommen laſſen werde, dem Orden dagegen freien Ankauf aller Kriegsbeduͤrſniſſe in Daͤnemark erlauben ſolle. Auch der Deutfchmeifter habe eine anfehnliche Kriegshuͤlfe zus geſagt, die nicht unter anderthalbmalhunderttauſend Gulden bes tragen ſolle. Außer dem ſchweren Geſchuͤtz und Kriegsmaterial, welches der Hochmeiſter felbft in Bereitſchaft habe, dürfe man auch auf das des Kurfuͤrſten von Brandenburg und das aus Livland rechnen. Den Krieg gedenke man auf folgende Weife zu führen. Das herankommende fremde Kriegsvolk ſolle zuerſt vor Danzig ruͤcken. Zu gleicher Zeit werde der Hochmeiſter ſich mit den Streithaufen des Meiſters von Livland in Sa⸗ maiten vereinigen, die dortigen Schloͤſſer erobern, das Land mit Raub und Feuer verheeren, dann in Maſovien und in das Biſthum Ermland einfallen, um beide zur Hülfe für den Orden
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Ktiegsplan des HM. gegen Polen. (1516.) 487 aufzufordern und wofern fie ſich weigerten, beide Lande mit Plimderung und Brand zu verwuͤſten. Hierauf ſolle die ganze Kriegsmacht gegen die Weichſel hin bis vor Danzig vorziehen, dort alle Schiffe verbrennen und die Stadt mit Sturm an⸗ greifen, ſofern ſie ſich nicht freiwillig ergebe. Alsdann werde man nach Thorn eilen und hier auf gleiche Weiſe verfahren. Seyen dieſe beiden wichtigſten Städte gewonnen, fo wuͤrden Elbing und Marienburg ſich von ſelbſt ergeben muͤſſen. Sey der Weichſel⸗Strom und alles Land umher in des Ordens Beſitz, ſo wolle der Hochmeiſter alsdann in Polen ſelbſt „mit Mord, Raub und Brand in dem Maaße wirthſchaften, daß Küche und Keller es den Polen verbieten ſollten, Preuſſen zu überziehen.” Mehre Tage lang ward zwiſchen beiden Meiſtern tiber dieſen Kriegsplan berathen und verhandelt und endlich der Be⸗ ſchluß gefaßt: der Hochmeiſter ſolle ſich uber alles mit dem Kurfürften und feinen übrigen Freunden genau verſtaͤndigen und vereinigen und dann dem Meiſter von Livland uͤber den Erfolg Bericht abſtatten; mittlerweile ſolle dieſer den mit dem Moskowiter vor einiger Zeit geſchloſſenen Frieden noch zu be⸗ feſtigen ſuchen, damit Livland gegen dieſen ſicher geſtellt werde. Vorerſt aber ſolle alles noch ſtreng geheim gehalten werden und nur zwei der vertrauteſten Rathsgebietiger des Meiſters von allem naͤhere Kenntniß bekommen. Nach erhaltener Bot⸗ ſchaft vom Hochmeiſter ſolle man in Livland mit Eifer ſich ſo zum Kampfe vorbereiten, daß er wenigſtens in Jahresfriſt be⸗ ginnen konne.) Erfreut über des Meiſters von Livland wil⸗ lige und geneigte Geſinnung kehrte der Hochmeiſter nach Königs⸗ berg zuruͤck. ?) 1) Dieſer Beſchluß wurde gefaßt au Donnerft. nach Latare. 2) Der HM. beſchenkte den Livland. Meiſter beim Abſchiede mit einer Ehrengabe von ſüͤßem Spaniſ. und Rhein⸗Wein. Schr. der Livland. Meiſters an d. HM. d. an der heil. Aa Freit. nach Lalare 1516 Schbl. XXIX. 21.
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488 Kriegsplan des HM. gegen Polen. (1516.) Es kam vor allem jetzt darauf an, die noͤthigen Geldmittel fir den Krieg aufzubringen; man glaubte durch folgende Mittel zum Ziele zu gelangen. Man hatte den Kriegsanſchlag auf 400,000 Gulden berechnet. Dazu ſollten die Balleien Koblenz, Elſaß, an der Etſch und in Oeſterreich durch Guͤterverpfaͤndungen 100,000 Gulden beiſteuern und die uͤbrige Summe vom Hoch⸗ meiſter und den beiden Meiſtern von Deutſchland und Lioland bargeliehen werden. Um Geſchuͤtz und Buͤchſenmeiſter wollte man den Kurfuͤrſten von Brandenburg, den Herzog von Pom⸗ mern, den Erzbiſchof von Magdeburg, den Kurfuͤrſten von Sachſen u. a. anſprechen. Um die beiden erſten benachbarten Fuͤrſten um ſo leichter zur Beihuͤlfe zu gewinnen, wollte man gewiſſe Dokumente benutzen, in denen der Wiederkauf der Neu⸗ mark und die Wiedereinloͤſung einiger dem Herzog von Pom⸗ mern fruͤher verpfaͤndeten Staͤdte vorbehalten ſey. Beiden Fuͤrſten wollte man den Antrag ſtellen, daß der Orden auf das Wiedereinloͤſungsrecht verzichten werde, ſofern ſie ihm zu ſeinem Kriegsunternehmen mit einer beſtimmten Anzahl von Kriegs⸗ leuten zu Huͤlfe ſtehen wuͤrden. Ihr Kriegsvolk ſolle ſich mit den achttauſend in Deutſchland geworbenen Soldtruppen ver⸗ einigen und dieſe geſammte Macht ſich vor Danzig werfen. Man hoffte dann dieſe Stadt, weil man ſie nicht fuͤr beſonders befeſtigt hielt, in wenigen Tagen zu gewinnen und auch der Koͤnig von Polen, meinte man, werde den Kampf nicht lange aushalten, weil der Krieg gegen die Ruſſen ſeine Macht ſehr geſchwaͤcht habe und ſein Reich gegen dieſen Feind immer noch in Gefahr ſey.!“ Der Hochmeiſter ſandte alsbald ſeinen Oberkompan Friede⸗ rich von Heideck und den Rath Dieterich von Schoͤnberg mit dem erwaͤhnten Kriegsplane an den Kurfuͤrſten von Brandenburg und an den Deutſchmeiſter, um ihre Meinung daruͤber zu ver⸗ 1) Wir haben zwei ſolche Kriegsanſchlaͤge Schbl. C. 353; der eine wurde auf Befehl des HM. mit Beirath des Biſchofs v. Pome⸗ ſanien angefertigt.
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Kriegsplan des HM, gegen Polen. (15 16.) 489 nehmen.) Die Ruͤſtungen und Kriegsanſtalten im Lande wurden waͤhrenddeß mit größtem Eifer fortgeſetzt. Um jedoch beim Koͤnige nicht neues Mißtrauen zu erregen, gab der Mei⸗ ſter vor, glaubhafte Warnung erhalten zu haben, daß der Türke ſich mit dem Moskowiter und den Tataren in einem Friedensſchluſſe vereinigt, um die naͤchſtgelegenen chriſtlichen Lande zu überfallen; den Orden fordere daher ſeine Pflicht auf, dieſem Vorhaben der Unglaͤubigen mit den Waffen entge⸗ genzutveten.? Ohnedieß haͤuften ſich die Klagen und Be⸗ ſchwerden des Koͤniges uͤber den Hochmeiſter und deſſen Be⸗ amte und Unterthanen von Tag zu Tag und wurden häufig offenbar mit Abſicht erhoben und vielfach mit bitterem Zorne geführt. Die Gefangennehmung eines Ritters im Ordensge⸗ biete auf ſeiner Reiſe nach Rom, die Feſthaltung einiger ent⸗ laufenen Menſchen aus Samaiten, die Wegnahme einiger Pferde, die man nach dem beſtehenden Geſetze nicht hatte aus dem Lande führen laſſen wollen,) haͤufige Raͤubereien, die vom Ordensgebiete aus an koͤniglichen Unterthanen geſchehen follten, kurz Alles wurde vom Koͤnige gerne als Anlaß ergrif⸗ fen, um uber des Meiſters Regierungsweiſe Tadel und Kla⸗ gen auszuſprechen und mitunter in ſtrengem Ernſte zu fordern, daß man dem Raubweſen im Ordenslande Einhalt thun folle, ® In den meiſten Fällen wußte ſich zwar der Hochmeiſter völlig zu rechtſertigen; die Wegnahme der Pferde z. B. war, wie er 1) Inſtruction fuͤr Friederich v. Heideck u. Dieterich v. Schoͤn⸗ berg bei ihrer Sendung an den Kurfürſten v. Brandenburg, d. Hol⸗ land am T. Miſericord. 1516 Schbl. C. 353. 2) Ausſchreiben des HM. an die Gebietiger und Aemter, d. Sonnt. Jubilate 1516 Fol. 1516 uro 62. ; 3) Schr. des Königes v. Polen an d. HM. d. Wilna feria IV ante festum s. spiritus 1516 Schbl. 71. 25. 6. 55. 4) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Wilna XVI Jun. 1516 Schbl. XXIX. 10; der König ſpricht ſein großes Befremden aus, daß ſo etwas aus dem Ordensgebiete geſchehen koͤnne, cum itaque res indigna sit malos homines fovere, postalamus ab IIlust. vestra, ut provideat in terra sua, ne inde subditis nostris aliquod dispendiam accidat, nam deinceps nullo modo ferze possemus.
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490 Maaßregeln gegen das Raubweſen im Lande. (1516.) dem Koͤnige meldete, dem Geſetze gemaͤß geſchehen, weil er das Verbot hatte ergehen laſſen, daß man, um das Land nicht zu ſehr von guten Pferden zu entbloͤßen, keins von einer beſtimm⸗ ten Groͤße und Kaufpreis aus dem Lande fuͤhren ſolle ohne obrigkeitliche Bewilligung; auf die Beſchuldigung des Koͤniges, daß man abſichtlich im Ordensgebiete Raͤuber und liederliche Geſellen hege, welche von da aus die koͤnigl. Unterthanen befehdeten, erwiederte der Meiſter: er moͤge doch nicht gar zu leicht falſchen Angaben Glauben ſchenken und ſeinem Worte mehr vertrauen; er verſichere ihn, daß niemand mehr als er ſolchen Plackereien und Raͤubereien abhold ſey, ſie oft auch ſchon aufs nachdruͤcklichſte beſtraft und auf alle Weiſe zu ver⸗ hindern geſucht habe. Aber freilich das Vorhandenfein des Uebels ſelbſt mußte Albrecht zugeben. Es herrſchte indeß kei⸗ neswegs bloß im Ordensgebiete; auch im Biſthum Ermland 9 und in den koͤniglichen Landestheilen ging kaum eine Woche vorüber, in der auf öffentlichen Landſtraßen nicht fürmliche Raubangriffe verübt wurden, fo daß die auf einer Tagfahrt zu Elbing verſammelten Praͤlaten, Woiwoden, Kaſtellane und Staͤnde ſich ſelbſt an den Hochmeiſter mit der Aufforderung wandten, ſich gegenſeitig zu geeigneten Maaßregeln zu verbin⸗ den, um den raͤuberiſchen Ueberfaͤllen und feindlichen Einritten beſonders an den beiderſeitigen Graͤnzen aufs moͤglichſte zu ſteuern. “) Nicht minder klagte über das immer mehr uͤberhandneh⸗ mende Raubweſen der Biſchof von Ermland. Auch ihm ſchlug der Hochmeiſter wie den Polniſchen Ständen mancherlei Maaß⸗ regeln vor, wie den verderblichen Straßenraͤubereien möglichit Einhalt gethan werden koͤnne und forderte den Biſchof auf, 1) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Dienſt. nach Viſi⸗ tat. Mariä 1516 Fol. 1516 nro 10, 2) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. am T. Margaretha. 1516 Fol. 1516 nro 10. 3) Treter p. 74. 4) Schr. der Poln. Praͤlaten, Woiwoden u. ſ. w. an d. HM. d. Elbing 31 Mai 1516 Schbl. XXIX. 4.
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Maaßregeln gegen das Raubweſen im Lande. (1516.) 491 ſich deshalb mit ihm und den Staͤnden in Weſtpreuſſen zu verbinden.) Allein es fehlte überall an kraͤftger Ausführung der vorgeſchlagenen Anordnungen, denn wenn der Hochmeiſter auch das Gebot erließ, daß in feinem Gebiete alles herren ⸗ und dienſtloſe Geſinde, Muͤßiggaͤnger und Vagabonden aufge⸗ griffen und nach Balga gebracht werden ſollten, fo fluͤchteten ſich die meiſten dieſer unnützen Geſellen ins nahe Ermlaͤndiſche Gebiet und drangen dann von Zeit zu Zeit immer wieder in die Ordenslande ein; wenn dann der Hochmeiſter ſich deshalb beim Biſchofe befehwerte, ? fo kam ihm dieſer wieder mit den Klagen entgegen, daß bald aus dem Gilgenburgiſchen, Hohen⸗ ſteiniſchen und Oſterodiſchen, bald aus dem Balgaiſchen und Brandenburgiſchen Gebiete raͤuberiſche Einfaͤlle in ſein Biſthum geſchaͤhen, feine Unterthanen oft graͤßlich gemißhandelt, mitunter gemordet, ihnen die Haͤnde abgehauen oder doch wenigſtens Habe und Gut geraubt würben, wobei es nicht an Vorwürfen fehlte, daß ſolche Raubgeſellen im Ordensgebiete nirgends ein⸗ mal beſtraft, ja nicht einmal in Unterſuchung gezogen wuͤr⸗ den.) Der Meiſter vertheidigte ſich gegen die Anklagen; allein der Biſchof erwiederte ihm ſpoͤttiſch: er wiſſe doch auch, daß ſolches Raubvolk nicht in der Luft ſchwebe und feine Pferde nicht aus der Erde rupfe. ) Ließ nun der Hochmei⸗ ſter ſolche Raubgeſellen aufgreifen, um ſie zur Beſtrafung zu ziehen, ſo verlangte dann haͤufig der Biſchof, daß ſie in ſeinen Gerichtszwang ausgeliefert würden, was Albrecht nie zugeben wollte, woruͤber dann wieder neue Streithaͤndel entftanden. 9 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. Donnerſt. nach Erasmi 1516 Fol. 1516 uro 14. Schr. des Biſchofs an d. HM. d. Heilsberg am T. Barnabä 1516 Schbl. LXVI. 88. 2) Schr des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. Dienſt. nach Jubilate 1516 Fol. 1516 uro 14. 3) Schr. d. Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsberg Freit. nach Kiliani 1516 Schbl. LXVI. 92. 90. 89. 4) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsb. am T. Margaretha 1516 Schbl. LXVI. 101. 5) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM., d. Heilsb. am T.
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492 Maaßregeln gegen das Raubweſen im Lande. (1516.) Man erließ endlich beider Seits neue nachdruͤckliche Verord⸗ nungen. Der Biſchof publicirte ein allgemeines Landgebot, daß jedermann, der von einem Raub, Mord oder Brand die erſte Nachricht erhalte, verpflichtet ſeyn ſolle, alsbald die Sturm⸗ glocke zu laͤuten und ſo von Dorf zu Dorf ein Landgeſchrei zu veranlaſſen; dann ſollten in Eile alle berittenen und wehrhaf⸗ ten Leute, die es hoͤrten, bei Tag und Nacht auſſitzen und mit dem Schwerte bewaffnet den Raͤubern, Moͤrdern und Brandſtiftern nachjagen und fie aufgreifen; daher ſolle auch leder Bürger ſtets Pferd und Harniſch zu dieſem Zwecke in Bereitſchaft halten.) Auch der Hochmeiſter erneuerte und ſchaͤrfte die Befehle zur Wachſamkeit und Strenge gegen die reitenden Raubgeſellen und alles loſe Geſindel, und um den Biſchof zu Überzeugen, wie ernſt und redlich er es mit feinen Bemühungen um die Öffentliche Sicherheit meine, ftellte er ihm auf ſein Verlangen ſ. g. Fahebriefe aus, wodurch er die Er⸗ laubniß erhielt, alle ſeine abgeſagten Feinde auch ſelbſt im Ordensgebiete, wo man ſie finde, aufgreifen zu laſſen und ſich dazu auch der Beihüͤlfe der Ordensbeamten bedienen zu können, die zugleich beauftragt wurden, dem Inhalte dieſer Briefe ſtets aufs puͤnktlichſte Folge zu leiſten.) Allein auch ſelbſt durch dieſe Anordnungen war der Unſicherheit im Lande noch keines⸗ wegs abgeholfen und wie war ihr abzuhelfen, wenn es ſich ſelbſt der Koͤnig von Polen erlaubte, einem kaiſerlichen Bot⸗ Margaretha 1516 Schl. 101 und mehre andere Schr., worin uber das biſchoͤftiche Gerichtsweſen und die Gerichts verhaͤltniſſe in den obener⸗ waͤhnten Angelegenheiten manches Wichtige verhandelt wird Schbl. LXVI 16. 87. 99. A. 385, 1) Landgebot des Biſchofs v. Ermland, d. Heilsberg am T. Mar⸗ garetha 1516 Schbl. LXVI. 15. 2) Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Dienſt. nach Marga⸗ retha 1516 Fol. 1516. nro 17. Ausſchreiben des HM. an die Kom: thure, d. Koͤnigsb. am T. Exaltat. Crucis 1516 Schbl. LXVI. 14, Schr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. am T. Kreuz: Erhoͤh. 1516 Fol. 1516 nro 14. 3) Schr. des HM. an die Gebietiger u. Aemter, d. Dienſt. nach Hieronymi 1516 Fol. 1516 nro 62,
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Maaßregeln gegen das Raubweſen im Lande. (1516.) 493 ſchafter, der zum Großfürſten von Moskau eilen ſollte, auf dem Samaitiſchen Strande auflauern, ihn gefangen nehmen und ſich überliefern zu laſſen, D während er immer aufs bit⸗ terſte über das räuberifhe Unweſen klagte und deſſen Abſtel⸗ jung vom Hochmeiſter mit gebieteriſchem Ernſte verlangte. Mittlerweile hatte der Meiſter die Kriegsanſtalten im Lande immer mit Eifer fortgeſetzt; “) allein feine Hoffnung, ſeinen entworfenen Kriegsplan, auf den ſie alle hinzielten, im nächften Jahre ausführen zu konnen, ſchwand bald immer mehr. Der Deutſchmeiſter legte ihm zuerſt große Bedenklich⸗ keiten entgegen. Was feine Unterſtuͤtzung betraf, fo erklärte er: ſeine Gebietiger, die er wegen des Geſuches des Hochmei⸗ ſters in einem Kapitel zu Eſchenbach verſammelt, erinnerten ſich allerdings wohl der dem Hochmeiſter auf dem Tage zu Koblenz früher gegebenen Zuſage, ihn von Seiten des Ordens in Deutſchland auf ein Jahr mit Reiſigen und Fußvolk gegen Polen unterſtuͤtzen zu wollen, jedoch in der Vorausſetzung, daß auch der Kaiſer, die Reichsſtaͤnde, der Adel in Deutſchland und der Meiſter von Livland zuverlaͤſſige Huͤlfe leiſten wuͤrden. Da nun aber der Kaiſer, mit ſeinen eigenen Angelegenheiten außerordentlich beſchaͤftigt, mit der Krone Polens im Einver⸗ ſtaͤndniß, gegen fie nicht feindlich auftreten werde, da die Reichsſtaͤnde unter den jetzigen Zeitereigniſſen jeder nur auf ſeine Lande und Leute zu ſehen habe und der Adel ohne Geld und Sold ſich fuͤr nichts gewinnen laſſe, ſo ſey aller Gebie⸗ tiger ernſtlicher Rath: der Hochmeiſter moͤge ſich in keinen Krieg mit dem Koͤnige von Polen einlaſſen, ſondern auf billige 1) Schr. des HM. an d. Kaiſer, d. Sonnab. nach Diviſ. Apoſtol. 1516 Fol. 1516 nro 4. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Wilna feria V ante festum translat. Stanislai 1516 Schbl. XXIX 26. 3) Ausſchreiben und Vorſchriften über die Rüſtung an die Gebie⸗ tiger und Aemter, d. Dienſt. nach Hieronymi 1516 Fol. 1516 nro 62. In einem Schr. des HM. an Herzog Heinrich v. Braunſchweig, d. Donnerſt. nach Sixti 1516 Fol. 1516 nro 3. beſtellt er 800 eiſerne Kugeln.
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494 Verhandl. m. d. Kaiſer in der Streitſache mit Polen. (1516.) Bedingungen, die man vorzeichnete, durch einen Vertrag ſich mit ihm vergleichen; nehme der Koͤnig ſolche Bedingungen nicht an, ſo muͤſſe der Hochmeiſter aus der Noth eine Tugend machen und dem bedringlichen Frieden, wie ſeine Vorfahren, ſich fügen, „der hohen Hoffnung, die Mutter Gottes als Pa⸗ tronin des Ordens werde es mit der Zeit, wo ſie anders den Orden in fernerer Erhoͤhung halten will, in beſſern Stand ver⸗ fuͤgen.“ Nur moͤge man, wenn es irgend umgangen werden koͤnne, Deutſchland und Livland nicht mit in den Vertrag ziehen. ı Somit auch hier ohne Hoffnung, durch feinen Kriegs⸗ plan zum erwuͤnſchten Ziele zu gelangen, blieb dem Hochmei⸗ ſter nichts anderes übrig, als wo möglich noch beim Kaiſer oder am paͤpſtlichen Hofe eine Aenderung ſeiner bedraͤngten Verhaͤltniſſe herbeizufuͤhren. Von des erſtern Ruͤckkehr aus Italien kaum benachrichtigt, wandte er ſich von neuem an ihn mit der dringendſten Bitte, endlich dem langen, fuͤr den Or⸗ den ſo koſtſpieligen Verzug in der Entſcheidung der Streit⸗ ſache ein Ende zu machen, des Ordens Gerechtſame und Frei⸗ heiten in Schutz zu nehmen und ihm in ſeinen Bedraͤngniſſen mit Rath und That beizuſtehen.) Um auch vom päpftlichen Hofe auf den Kaiſer einzuwirken, beauftragte er den Procura⸗ tor Biſchof von Reval, beim Papſt ein Breve und Ermah⸗ nungsſchreiben auszuwirken, wodurch der Kaiſer zur endlichen Entſcheidung der Sache aufgefordert werde, zugleich bittend, der Papſt moͤge auch die Kurfuͤrſten und andere namhafte 1) Schr. des DM. an den HM. d. Eſchenbach Mittw. nach Jo⸗ hannis Bapt. 1516 Schbl. DM. 49. Den obenerwähnten Rath wie⸗ derholte der DM. auch in einem ſpaͤtern Schr. an d. HM. d. Freit. nach Matthaͤi 1516 Schbl. DM. 48 (b). Als weſentlichſte Bedingun⸗ gen ſtellte er hin, daß man nicht verbunden ſeyn ſolle, die Hälfte Po⸗ len in den Orden aufzunehmen, ferner daß wenn zwiſchen dem Roͤm. Reiche und Polen Krieg entſtehe, der Orden in Preuſſen nicht verpflich⸗ tet ſeyn ſolle, dem letztern wider das Reich Huͤlfe zu leiſten u. ſ. w. 2) Schr. des HM. an den Kaiſer, d. Sonnab. nach Diviſ. Apo⸗ fiel. 1516 Fol. 1516 nro 4.
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Verhandl. m. d. Kaiſer in der Streitſache mit Polenr (1516.) 495 Deutſche Fürſten erſuchen, den Kaifer zum thaͤtigen Eingreifen in die Streitſache anzuhalten, und fofern dieſer nicht zur That ſchreiten werde, ſollte der Procurator die erforderlichen Einlei⸗ tungen treffen, den Streit wieder zur Rechtsentſcheidung an den paͤpſtlichen Hof zu bringen. Vor allem aber ſollte der Procurator beim Papſte Befehle ſowohl an die großen Staͤdte im Koͤnigstheile und an die Biſchoͤfe von Ermland und Ku⸗ javien, als an den Orden zu erlangen ſuchen, daß kein Theil gegen den andern irgend etwas anders als auf dem Wege des Rechts unternehmen ſolle. Bei den Gnadenbezeugungen, deren ſich der Orden ſeit einiger Zeit vom paͤpſtlichen Hofe wieder zu erfreuen gehabt, hatte der Hochmeiſter wieder mehr Vertrauen zu ihm gefaßt.“ Auch die Hoffnung auf den Kaiſer belebte ſich wieder, als vom Ordensmarſchall Georg von Eltz aus dem Kaiſerhofe die Meldung kam: man habe dort die Ordensſache wieder vor⸗ genommen. Der Kaiſer, uͤberzeugt, daß der Koͤnig von Polen dem Kaiſer und Reich nicht entgegen handeln werde, wolle ſie nochmals vor eine Anzahl unparteüſcher Raͤthe in Wien brin⸗ gen, um wo moͤglich zugleich einen Vertrag herbeizufuͤhren; bis dahin werde der Koͤnig von Polen ſich keinen Einfall und überhaupt keine Feindseligkeit gegen den Orden erlauben; der Hochmeiſter möge ebenfalls feine Bevollmächtigte nach Wien fenden,? wozu der Kaiſer ihn auch ſelbſt aufforderte. So gerne ſich aber Albrecht dazu auch bereit erklaͤrte, ſo ſchien ihm doch jetzt bei den Verhaͤltniſſen des Kaiſers zum Koͤnige von Polen die größte Vorſicht nothwendig. Bevor er ſich daher gegen den erſtern uͤber die Annahme neuer Friedensantraͤge ausließ, trug er dem Ordensmarſchall auf, dem Kaiſer zu er⸗ Öffnen: der Meiſter muͤſſe nothwendig zuvor unterrichtet ſeyn, auf welche Bedingungen jetzt unterhandelt werden ſolle; der 1) Inſtruction des HM. für den Procurator Biſchof v. Reval, d. Mont. nach Jacobi 1516 Fol. 1516 nro 64. 2) So giebt der HM. ſelbſt den Inhalt eines Schr. Georgs v. Eltz an ihn, d. Koſtnitz Samiſt. nach Johannis Bapt. 1516 Fol. 1516 uro 64 an.
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496 Verhandl. m. d. Kaiſer in der Streitſache mit Polen. (1516.) Orden habe bisher immer bei den Haͤuptern der Chriſtenheit, auch ſchon bei ihm mehrmals die Forderung geſtellt und erhebe ſie auch jetzt noch, daß ihm alle ſeine abgenommenen Lande wieder abgetreten winden nebſt Erſtattung der bisherigen Be⸗ nutzung; der Hochmeiſter koͤnne als geordnete Perſon ohne Wiſſen feiner oberſten Gebietiger, namentlich der Meiſter von Deutschland und Livland nichts feſt beſchließen; auch muͤſſe er ſtets des Ordens Verhaͤltniß zum Papſte ins Auge faſſen. Werde der Kaiſer ſich darüber erklaͤrt haben, inwiefern er die erwaͤhnte Forderung des Ordens in den Verhandlungen zur Sprache bringen wolle, ſo werde er das Weitere mit ſeinen Gebietigern berathen und ſich gewiß gegen den Kaiſer ſo viel nur moͤglich nachgiebig beweiſen, denn Friede ſey ſein und ſeines Ordens hoͤchſter Wunſch. Endlich ließ ihm der Hoch⸗ meiſter auch zu erkennen geben, daß der Artikel wegen Auf⸗ nahme der Polen in den Orden keineswegs allein der beſchwer⸗ liche im ewigen Frieden ſey, ſondern daß auch die andern Punkte welche der Stiftung des Ordens widerſtritten und worüber der Kaiſer ſelbſt Verbotsmandate an ihn habe ergehen laſſen, nicht unberuͤckſichtigt bleiben dinften. D So leuchtete wieder einige Hoffnung zu endlicher Ent⸗ ſcheidung des langwierigen Streites. Mehre Deutſche Fuͤrſten, wie die vom Hauſe Brandenburg, die Herzoge Georg und Johann von Sachſen u. a. wandten ſich jetzt an den Kaiſer mit der Bitte, ſich des Ordens gegen Polen mit thaͤtigſtem Eifer anzunehmen und ihm zu ſeinem Rechte zu verhelfen; ſelbſt die verwittwete Landgraͤfin Anna von Heſſen ſprach ſich mit lebendigem Intereſſe fr des Ordens Schutz und Erhal⸗ tung gegen den Kaiſer aus. Vor allen aber machte der 1) Inftruction des HM. für den Ordensmarſchall Georg v. Eltz zur Verhandlung beim Kaiſer, d. Samſt. nach Vincula Petri 1516 Fol. 1516 nro 64. Schr. des HM. an den Kaiſer, d. Sonnt. nach Vincula Petri 1516 Fol. 1516 nro 4; er verſichert darin dem Kaiſer ſein feſtes Vertrauen auf ſeine Gerechtigkeit und ſeine unveränderte guͤ⸗ tige Geſinnung gegen den Orden. 2) Schr. der Herzoge Georg und Johann v. Sachſen, d. Sonnt.
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Verhandl. m. d. Kaiſer in der Streitſache mit Polen. (1516.) 497 Kurfuͤrſt Friederich von Sachſen auf die Wichtigkeit deſſelben für die ganze Chriſtenheit und insbeſondere für das Deutſche Reich aufmerkſam und legte es dem Kaiſer als eine ſeiner er⸗ ſten Pflichten ans Herz, die ritterliche Stiftung für die Deutſche Nation aufrecht zu erhalten und ihr in ihren Streithaͤndeln mit Polen, wie ſich gebuͤhre, Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen.) Auch auf den Koͤnig von Polen ſuchte dieſer Kur⸗ fürft zu Gunſten des Ordens einzuwirken, wie er uͤberhaupt das waͤrmſte Intereſſe fuͤr deſſen Sache zu erkennen gab.? Mittlerweile war der Ordensmarſchall, obgleich ſeine zunehmende Kraͤnklichkeit, fein Geldmangel und feine Schulden feine- Thaͤ⸗ tigkeit vielfach hemmten, ) am Kaiſerhofe unablaͤſſig bemuͤht für den Orden zu wirken. Zu Augsburg verſtattete ihm der Kaiſer Gehör uber die vom Hochmeiſter ihm ertheilten Auf⸗ traͤge. Allein obgleich ihm alle Verhaͤltniſſe jetzt hinreichend bekannt ſeyn mußten und er wohl wußte, auf welche weſent⸗ lichen Punkte es bei Beſeitigung der ganzen Streitſache haupt⸗ ſaͤchlich ankomme, der Ordensmarſchall ihm auch ſeine letzte Inſtruction mittheilte, woraus hervorging, daß der Orden auch die Zurüͤckgabe der ihm entriffenen Lande forderte, ſo drang Maximilian doch fort und fort darauf, man moͤge ihm nur Mittel und Wege vorſchlagen, wie er mit dem Koͤnige von Polen in der Streitſache unterhandeln ſolle. Da der Ordens⸗ marſchall uͤber ſeine Inſtruction nicht hinausgehen konnte, ſo legten endlich der Erzbiſchof Albrecht von Mainz und Mark⸗ Kreuz⸗Erhoͤh. 1516 Schbl. C. 357. Schr. der Landgraͤfin Anna von Heſſen, d. Kaſſel Dienſt. nach Matthaͤi 1516 cbendaf. 1) Schr. des Kurfürften Friederich v. Sachſen an d. Kaiſer, d. Torgau 8 Sept. 1516 Schbl. C. 357. 2) Schr. Heinrichs v. Miltitz an d. HM. d. Köln Sonnt. nach Franciſci 1516 Schöl. C. 357. Der HM. hatte dieſen Pfleger v. Neidenburg an die obengenannten Fuͤrſten wegen Fuͤrſprache beim Kaiſer geſandt. Die Inſtruction für ihn Fol. 1516 nro 64. 3) Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM. d. Augsburg Don⸗ nerſt. nach Luca 1816 Schbl. C. 359. Er hatte aus Geldnoth ſeine 8 Pferde auf vier beſchraͤnken muͤſſen. IX. 32
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498 Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1516.) graf Kaſimir von Brandenburg gewiſſe Vorſchlaͤge vor, die der Kaiſer in Erwaͤgung zog, um ſie dann dem Koͤnige von Po⸗ len zur nähern Berathung mitzutheilen. Er erklaͤrte nun zwar: „er wolle in der Sache nicht gerne für parteiifch gelten, daher er fie auch ungerne mit vielen Leuten verhandele;“ W allein man ſah aus ſeiner ganzen Handlungsweiſe, daß er ſich ſelbſt in ſeiner Stellung zwiſchen dem Koͤnige von Polen, dem Or⸗ den und deſſen Goͤnnern unter den Deutſchen Fuͤrſten in großer Verlegenheit fuͤhlte. Unter ſolchen Umſtaͤnden durfte der Hochmeiſter kaum er⸗ warten, daß auf dieſem Wege ein erfreulicher Erfolg zu ge⸗ winnen ſey. Er ſah voraus, daß der Koͤnig die ihm vorgelegten fünf Artickel nur mit zweideutigen Erklaͤrungen beantworten oder fie den Reichsſtaͤnden zur Begutachtung uͤberweiſen werde, woraus nur neue Verzoͤgerungen hervorgehen und die eigent⸗ lichen Streitpunkte keine weitere Loͤſung finden würben.? Er hatte vor kurzem erſt wieder eine koͤnigliche Botſchaſt mit einer Klagſchrift des Koͤniges erhalten, die nichts weniger als fried⸗ liche und verſoͤhnliche Geſinnungen verrieth. Dieſer befchwerte ſich naͤmlich abermals aufs allerbitterſte über die fortdauernden Belaͤſtigungen und Gewaltthaten, die ſeinen Unterthanen aus den Ordenslanden zugefuͤgt ſeyn ſollten. Er ließ den Hoch⸗ meiſter im ſtrengſten Ernſte ermahnen, endlich einmal Anſtalten zu treffen, um ſolchen Mißhandlungen Einhalt zu thun und ſeine Unterthanen anzuhalten, ſolche verbrecheriſche Menſchen und offenbare Feinde feines Reiches nicht ferner zu herbergen; oft ſchon, ließ der König ſagen, habe er ihn erfuchen laſſen, den Raͤubereien vorzubeugen und immer ohne Erfolg, denn wie zu ſeinem Spott und ſeiner Verachtung haͤtten die Uebelthaten ſich nicht nur nicht vermindert, ſondern ſogar vermehrt; von ganz gemeinen Leuten erfolgten an Polniſche Unterthanen Drohungen und Entſagungen; haͤufig wuͤrden der letztern Hoͤfe in Brand 1) Schr. des Ordensmarſchalls a. a. O. 2) Schr. des HM. an Georg v. Eltz, d. Tapiau am T. Barbara 1516 Schbl. C. 359.
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Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1516.) 499 geſteckt, die Bewohner verſtuͤmmelt, beraubt und auf alle Weiſe gemißhandelt, und dieß alles durch Raͤuber, die im Ordens⸗ gebiete gehauſt und gehegt wuͤrden. Der König koͤnne daher ſchon kaum anders glauben, als daß der Hochmeiſter und der Orden die Föniglichen Unterthanen nur deshalb bedraͤngen und beaͤngſtigen ließen, um ſie dadurch zum Gehorſam und zur Unterthaͤnigkeit gegen den Orden zu zwingen oder um von ihnen einen Tribut oder ein Schutzgeld zu erpreſſen: Urſache genug für den König, gegen den Orden in gleicher Weiſe zu verfahren und ſeinen Unterthanen ebenfalls ſolche Gewaltthaten zu erlauben. Noch einmal indeß wolle er aus Ruͤckſicht auf die Verwandtſchaft den Meiſter warnen; er muͤſſe jedoch mit allem Ernſte darauf dringen, daß den Graͤuelthaten geſteuert werde und ſeinen Unterthanen Gerechtigkeit widerfahre, laͤnger könne und werde er keine weitere Nachſicht haben. — Der Hochmeiſter erwiederte: er bedauere, daß des Koͤniges Unter⸗ thanen ſich abermals über Ungerechtigkeiten beklagt haben ſollten; er ſelbſt wiſſe von allem nicht das Mindeſte; jedermann ſey bekannt, wie oft er mündlich und ſchriftlich alle ſeine Unter⸗ thanen unter hoher Strafe bedroht habe, des Koͤniges und ſeiner Unterthanen Feinde und Beſchaͤdiger weder zu herbergen noch zu unterſtützen; die ihm als ſchuldig Angezeigten, habe er auch jeder Zeit beſtraft, bald aus dem Lande verjagt, bald in Thuͤrme gelegt oder ſonſt beſtrickt; auch ſey er jedem Klagenden ſtets zu Recht erbötig geweſen u. ſ. w. Albrecht erließ zwar alsbald ein neues ſcharfes Verbot, daß man nirgends das loſe Raubgeſindel beherbergen oder ihm irgendwie behilflich ſeyn ſolle; 2) allein er vermuthete ſchon, der Koͤnig habe alle dieſe Klagen gerade jetzt nur deshalb erhoben, um ſie auch beim Kaifer anzubringen und den Orden bei dieſem zu verdaͤchtigen, weshalb er auch im voraus dem Ordensmarſchall auftrug, der 1) Werbung der Poln. Geſandten beim HM. und deſſen Antwort Schbl. XXX. 69. 2) Ausſchreiben des HM. an die Aemter, d. Freit. nach Aller Heilig. 1516 Fol. 1516 nro 62. 32 *
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500 Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1517.) Anklage beim Kaiſer durch Enthüllung ihrer Abſicht ihre Kraft zu entnehmen.) Nun ward im Anfange des Jahres 1517 auf einer Tag⸗ fahrt zu Marienburg auf des Koͤniges Befehl durch die ver⸗ ſammelten Staͤnde eine allgemeine Kriegsruͤſtung und Heerſchau in den koͤniglichen Landen Preuſſens angeordnet, wobei der Koͤnig nicht unterlaſſen hatte, auf des Hochmeiſters wiederholte Verweigerung des Huldigungseides hinzuweiſen; er hatte ſelbſt die Staͤnde zur Berathung aufgefordert, welche Maaßregeln gegen den Meiſter anzuwenden ſeyen, fofern er fortfahre ſich ſeiner Pflicht zu entziehen, wobei er ſelbſt auf ernſte Schritte gegen dieſen hingedeutet hatte. 2) Da dem Hochmeiſter nicht bekannt war, daß die Stände dem Könige den Krieg gegen den Orden unter den jetzt noch obwaltenden Umſtaͤnden ent⸗ ſchieden widerrathen hatten, ſo ſetzte die Nachricht von dem Beſchluſſe der Stände, daß die Ruͤſtung fo beſchleunigt werden ſolle, um das Kriegsvolk auf S. Georgstag ins Feld rücken zu laſſen, ihn in die groͤßte Beſorgniß, denn er zweifelte um ſo weniger, daß das Kriegsgebot gegen den Orden gerichtet ſey, da der Koͤnig ſoeben neue heftige Klagbeſchwerden über die vom Pfleger zu Ragnit veranlaßte Wegnahme einiger ſchweren Geſchütze und einiger Faͤſſer Salpeter, die durchs Ordensgebiet dem Woiwoden von Wilna hatten zukommen ſollen, erhoben und im Zorne erklaͤrt hatte, daß er jetzt alle nachbarliche Freund⸗ ſchaft für verletzt betrachten muͤſſe. 3) Der Meiſter erließ daher ſofort in alle Aemter das Gebot, daß man ſich uͤberall zum Kriege fertig und bereit halten ſolle.“ Da er bei den vor⸗ genommenen Kriegsmuſterungen haͤufig noch eine ſehr mangel⸗ hafte Bewaffnung vorgefunden, ſo erwartete er jetzt mit Sehn⸗ 1) Schr. des HM. an den Ordensmarſchall Georg v. Eltz, d. am T. Aller Heilig. 1516 Schbl. XXX. 69. 2) Schütz p. 451. De Wal T. VIII. 54. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Wilna domin. Invocavit 1517 Schbl. XXV. 34. 4) Ausſchreiben des HM. an die Aemter, d. Mont. nach Oculi 1517 Fol. 1517 p. 573.
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Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orben. (1517.) 501 ſucht eine bedeutende Sendung von Spießen und Hellebarden, die er bei einem Waffenſchmidt in Schwabach beſtellt hatte, um fie im Lande zu vertheilen.) So drohte alſo jetzt mehr als je der Ausbruch eines Krieges. Wie ihn der Orden werde führen koͤnnen, war noch gar nicht abzuſehen. Die Kräfte des Landes allein reichten unmoͤglich hin. Auf Beihuͤlfe aber aus Deutſchland war vorerſt gar nicht zu rechnen. Die verſchiedenen Landkomthure erwiederten auf jedes Geſuch des Hochmeiſters um Unterſtüͤtzung durch Gelb: mittel oder Mannſchaft, daß der aͤußerſt traurige Zuſtand und die Schuldenlaſt ihrer Balleien fie dazu völlig außer Stand ſetztn.) Der Deutſchmeiſter Dieterich von Cleen widerrieth daher auch mit ſeinen Gebietigern nach jeder Kapitelverſamm⸗ lung dem Hochmeiſter den Krieg mit Polen aufs entſchiedenſte und ſchilderte ihm den innern Zuſtand des Deutſchen Reiches und das Zerwürfniß der Reichsfürſten als fo verwirrt und troſt⸗ los, daß ſchon dadurch jegliche Ausſicht auf Beihuͤlfe von dort⸗ aus verſchwinden mußte, wie er denn auch ſeiner Seits dem Hochmeiſter jede Hoffnung auf Unterſtuͤtzung benahm.) Es fehlte zwar in Deutſchland keineswegs ein gewiſſes Intereſſe für den Orden wie unter den Fuͤrſten, ſo im Deutſchen Adel; allein es war mehr nur das Intereſſe des Eigennutzes, welches 1) Der HM. hatte 5000 Spießeiſen und 600 Hellebarden beſtellt, Fol. 1517 p. 74. 78. 2) Schr. des Landkomthurs an der Etſch, d. am T. Leonhardi 1516 Schbl. C. 357. Schr. des Pflegers v. Neidenburg Heinr. v. Miltitz an d. HM. d. Wien Mont. vor Katharina 1516 Schbl. C. 357. Der Pfleger zog in den Balleien Koblenz, Elſaß, an der Etſch u. fe w. wegen Geldunterſtuͤtzung umher, aber überad ohne Erfolg. 3) Schr. des DM. an den Oberkompan des HM. Friederich v. Heideck, d. Rothenburg a. d. Tauber Samſt. nach Eſtomihi 1517 Schbl. DM. 50. Er widerrieth den Krieg auch aus dem Grunde, „weil jetzt zur Zeit uff keyſerl. Maj. ernſtlich mandiren ein merklich entberung (Empörung) im reich iſt, derhalben ſich dieſelb, Churfuͤrſten, fürſten und andere ſtende des reichs nit balde zu andern ſachen begeben und bewegen laſſen werden.“ 5
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502 Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1517,) der Hochmeiſter benutzte, wenn er vornehmen Edelleuten, wie dem Grafen Heinrich von Schwarzburg, den Rittern Hinzke von Pflug, Sigismund von Heßberg, Philipp von Feilitſch, Bernhard von Berlichingen, Ernſt von Wallenfels, Hans von Bredow, Chriſtian von Berg oder auch edlen Jungfrauen wie Dorothea von der Tann, Margaretha von Stein u. a. die Halbbruͤder⸗ und Schweſterſchaft ertheilte, fie aller frommen Werke des Ordens theilhaftig erklaͤrte und ſie und ihre Fami⸗ lien dadurch an dieſen kettete.) Es war daſſelbe Intereſſe eigennüßiger Rückſichten, wenn man den Orden in Preuffen als das Spital des Deutſchen Adels anſah und haͤufig auch ſo nannte, wenn ſich demnach auch immer noch von allen Seiten her Soͤhne edler Familien zur Aufnahme in ihn herzudraͤngten und ſich deshalb von Fuͤrſten und beruͤhmten Rittern dem Hoch⸗ meiſter empfehlen ließen, wie es z. B. vom Kurfuͤrſten von Brandenburg fuͤr den Grafen von Muͤhlingen und Barby, und fuͤr einen von Wallenrod, vom Biſchofe von Bamberg fuͤr den jungen Wolfgang von Heideck, vom Ritter Eitelwolf von Stein fuͤr ſeinen Bruder Wolf Heinrich von Stein und in vielen andern Fallen geſchah.) Man betrachtete den Orden meiſt nur noch wie eine Verſorgungsanſtalt, in welcher man fuͤr jüngere Söhne adeliger Familien einen bequemen Unterhalt und ein anſtaͤndiges Unterkommen ſuchte. Selbſt die Art der Aufnahme bewies, daß meiſt nur weltliches Intereſſe dabei im Spiele war. Man kleidete ſchon niemand mehr in den Orden 1) Darüber erhielt jeder der Genannten einen ſ. g. Bruder⸗- oder Geſellſchaftsbrief, d. Dienſt. nach Katharina 1513 Fol. 1513 p. 27 — 29, Fol. 1516 nro 6. Sie mußten jeden Tag 11 Paternoſter und 11 Ave Maria beten. Unter den Aufgenommenen werden noch genannt Hein⸗ rich und Chriſtoph v. Beulwitz, Georg und 1 v. Volmers hauſen, Graf Hans v. Hohenſtein u. a. . 2) Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenburg an d. HM. d. am T Mathiaͤ 1514 Fol. 1514 nro 1. Schr. des Biſchofs v. Bamberg, * Bamberg Freit. nach Jacobi 1515 Schbl. V. 29. Schr. Eitelwolfs v. Stein an d. HM. d. Berlin Sonnt. nach Eliſabeth 1512 Schbl. Adels⸗ geſch. S. 130, andere Falle Schbl. B. 32, Fol. 1515. 1516.
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Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1517.) 503 ein, dem nicht von ſeiner Familie zuvor ein jaͤhrliches Leib⸗ geding von mindeſtens dreihundert Gulden und eine vollſtaͤndige Ausruͤſtung mit Hengſten und Harniſchen u. ſ. w. zugeſichert waren.) Auch Fürftenföhne verſchmaͤhten es nicht, unter ſolchen Bedingungen in den Orden einzutreten. So hatte ſchon vor einigen Jahren Herzog Heinrich von Braunſchweig ſich an den Hochmeiſter mit der Bitte gewandt, ſeinen jungſten Bruder Herzog Erich, damals erſt funfzehn Jahre alt, in den Orden aufzunehmen. Sein Wunſch wurde ihm in dieſem Jahre erſuͤllt, nachdem auch er zuvor ſeinem Bruder deſſen Stande gemäß ein geziemendes Leibgeding ausgeſetzt 3) und der junge Herzog vor mehren Abgeordneten des Hochmeiſters ſich zum ſtrengſten Gehorſam verpflichtet, zugleich aber auch die eidliche Zuſage gegeben hatte, „daß er nie mit einer Ordens⸗ perſon oder einem andern Menſchen wider den Meiſter einen An⸗ hang ſtiften, nie einen Plan oder Rath faſſen wolle, der wider des Meiſters Leib, Gut, Gericht oder Regierung abziele, eben ſo wenig Parteien oder Meutereien anſtiſten, vielmehr ſolche im Lande und im Orden mit Rath und Wiſſen des Hoch⸗ meiſters zu beſchwichtigen ſuchen und alles dem letztern zu melden und abzuwenden bemüht ſeyn werde, was ihm an Leib, Gut oder Regierung nachtheilig werden mochte.!“ Nach⸗ 1) Aus einem Schr. des HM. an Klaus v. Heßberg, d. am Abend Laurentii 1517 Fol. 1517 p. 60 geht hervor, daß gewöhnlich der junge in den Orden aufzunehmende Edelmann außer dem zu⸗ geſicherten Leibgedinge drei gerüftete Pferde und zwei Mannsharniſche mitbringen mußte. 2) Schr. des DM. an den HM. d. Horneck Mont. nach 11,000 Jungfr. 1515 Schbl. LXXL 65. 3) Nach einem Schr. des Herzogs Heinrich v. Braunſchweig an Dieterich v. Schönberg, d. Wolfenbüttel Donnerſt. Eircumeif. Dom. 1517 Schl. XI. 29 war darüber zwiſchen den Rathen des Herzogs und Dieterich v. Schönberg zu Naumburg ein foͤrmlicher Vertrag ge⸗ ſchloſſen. 4) Inſiruction für Georg v. Polenz Hauskomthur zu Koͤnigsberg und Bernhard v. Caſtelalter Pfleger zu Holland bei ihren Verhand⸗
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504 Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1517. dem der junge Herzog darauf nach Koͤnigsberg gekommen war, ward er am Tage des heil. Ritters Georg vom Hochmeiſter zuerſt in foͤrmlicher Weiſe zum Ritter geſchlagen und dann nach altem Brauch in den Orden eingekleidet.) Indeß kam Herzog Heinrich von Braunſchweig ſeinem Verſprechen wegen eines jaͤhrlichen Deputats fuͤr ſeinen Bruder ſo wenig nach, daß der Hochmeiſter ihn mehrmals an ſeine Zuſage mahnen und die Schuldſumme einfordern laſſen mußte.? Solche Art der Theilnahme am Orden in Deutſchland konnte alſo wenig Hoffnung erwecken, ihn von dorther aus ſeiner Bedraͤngniß gegen Polen gerettet zu ſehen. Noch gab zwar der Meiſter nicht alles Vertrauen auf den Kaiſer und die Reichsfuͤrſten auf und es kamen Zeiten, in denen er immer noch von dorther einen gluͤcklichen Ausgang erwartete; allein die Ausſichten truͤbten ſich bald auch immer wieder. Da faßte Albrecht den Plan, ſich und den Orden wo moͤglich dadurch ſeiner troſtloſen Lage zu entwinden, daß er ſich mit dem Koͤnige von Polen uͤber den Beſitz des Landes auf irgend eine Weiſe abfinden, Preuſſen dann ganz verlaffen und den Orden nach Friesland verpflanzen wollte; er hoffte, der junge Koͤnig Karl, der im vorigen Jahre die Herrſchaft der Niederlande uͤber⸗ nommen hatte und durch den Tod des Koͤniges Ferdinand des Katholiſchen auch in den Beſitz der Krone Spaniens gekommen war, werde ſich leicht bereit finden laſſen, dem Orden Friesland gegen eine namhafte Geldſumme zu uͤberlaſſen. Er theilte lungen zu Stettin am Sonnt. Laͤtare wegen Einkleidung des Herzogs Erich v. Braunſchweig, Schbl. XV. 240. 1) Fol. 1517. p. 180. Beim Ritterſchlage ſtanden neben dem Herzog der Oberkompan Friederich v. Heideck und der Hauskomthur zu Koͤnigsberg Georg v. Polenz in gewiſſer Weiſe ritterlich zu Ge⸗ vatter. 2) Inſtruction fuͤr Anton v. Schoͤnberg bei ſeiner Sendung an Herzog Heinrich v. Braunſchweig Schbl. XV. 240. Der HM. hatte dem Herzog Erich zu ſeinem Unterhalte 2800 Gulden vorſchießen muͤſſen. 3) Schr. des HM. an Herzog Georg v. Sachſen, d. am T. Georgii 1517 Fol. 1517 p. 44.
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Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1517.) 505 dieſen Plan ſeinem Bruder dem Markgrafen Johann von Brandenburg mit, der ſich damals beim Koͤnige Karl in den Niederlanden befand, um mit dieſem das Weitere zu verhandeln. Der Markgraf indeß war zwar dem Plane nicht geradezu ent⸗ gegen und verſprach unter gewiſſen Umftänden auch feine Mit⸗ hülfe zu deſſen Ausführung; allein noch ſchien ihm die Lage der Verhaͤltniſſe und der unruhige. Zuſtand Fries lands ſelbſt nicht geeignet, die Sache jetzt beim Koͤnige in Anregung zu bringen; er rieth daher, fie vorerſt noch in Ruhe zu laſſen, bis die Zeit ihr guͤnſtiger ſeyn werde.!) Es blieb ſonach dem Meiſter nichts anderes uͤbrig, als zu erwarten, ob am Kaiſerhofe nicht noch irgend eine fuͤr den Orden gimflige Wendung der Verhaͤltniſſe eintreten werde. Um dieſe aber durch zweckmaͤßige Mittel zu befoͤrdern und im ſchlimm⸗ ſten Falle ſich nicht ganz der Willkuͤhr und dem Machtgebote des KRöniges von Polen hingeben zu muͤſſen, ſchien ihm vor allem nothwendig, den Zuſtand ſeiner Finanzen zu verbeſſern und ſich auch dadurch mehr Mittel zum Kriege zu verſchaffen. Er be⸗ rief daher im Fruͤhling dieſes Jahres abermals einen Landtag zuſammen, theils um das Land von der dem innern Betriebe ſo nachtheiligen Beſorgniß eines feindlichen Ueberfalles von Polen her, den der Kaifer vorerſt beim Koͤnige abgewendet, zu befreien, theils um den Landſtaͤnden die nothdringenden Ver⸗ hältniffe vorzuſtellen, durch die er ſich abermals gezwungen ſehe, die Staͤnde um eine nochmalige Bewilligung der bis⸗ herigen Steuer zu erſuchen. Er erklaͤrte ihnen, wie ſchwer es ihm falle, das Land von neuem mit einer ſolchen Steuerleiſtung beläftigen zu muͤſſen, eroͤffnete ihnen aber zugleich, daß ſeine und des Ordens Finanzquellen bereits gänzlich erſchöpft ſeyen, da er ſeit ſeiner Regierung weit uͤber hunderttauſend Mark auf Geſchüͤtz, Rüftung und überhaupt zum Beſten des Landes ver⸗ wandt, ſeine Rathsgebietiger auch weit über das Verhaͤltniß ihrer Einkuͤnfte zu den Landesbeduͤrfniſſen beigeſteuert und er 1) Schr. des Markgrafen Johann v. Brandenburg, d. Brüſſel Donnerſt. nach Quaſimodogen. 1517 Schbl. XII. 142.
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506 Feindſelige Stellung d. Kon. v. Polen geg. d. Orden. (1517.) ſelbſt auch ſchon mehre Aemter zu ſeiner Rentkammer zugezogen habe.) Die Stände erkannten die dringende Nothwendigkeit ſeiner Forderung und willigten ohne weiteres ein. Darauf entwarf der Meiſter auch eine beſtimmtere Zollordnung, um auch dadurch die Einkünfte feiner Kammer zu vermehren. 2 Allein der König von Polen überhäufte ihn bald auf die Klagen der Kaufleute aus Wilna, Danzig und andern Staͤdten deshalb mit bittern Vorwuͤrfen und forderte, da nach dem ewigen Frieden neue, druͤckende Zoͤlle nicht gedul⸗ det werden koͤnnten, ſofort deren Abſtellung, widrigenfalls er, wie er erklaͤrte, den Belaͤſtigungen ſeiner Unterthanen durch geeignete Mittel abhelfen muͤſſe.) Albrecht wies die ungegruͤndeten Klagen der Städte durch die Erklaͤrung zuruck, daß er keinesweges neue Zölle angeordnet, ſondern nur dem Unterſchleif und den Betruͤgereien vorgebeugt habe, die bisher beim Zollweſen ihm zum großen Schaden Statt gefunden.“ Bald jedoch beſchwerte ſich der Koͤnig von neuem auch daruͤber, daß man in Koͤnigsberg Maſtbaͤume, die er nach Danzig be⸗ ſtinmnt gehabt, aufgehalten habe, und als ihm der Hochmeiſter meldete, es fey dabei nur der Zweck geweſen, fie für den König um einen beſſern Preis zu verkaufen, antwortete ihm dieſer: er habe vom Hochmeiſter nie gewuͤnſcht, ſich um ſeinen Nutzen zu bekuͤmmern; es befremde ihn daher, daß ſolche Ungerechtig⸗ keiten und Belaͤſtigungen nun ſchon nicht mehr bloß an ſeinen 1) Einberufung des HM. an die Biſchoͤfe und Aemter zum Land⸗ tage, d. Mont. nach Judica 1517 Fol. 1517 p. 574. Inſtruction des HM. für das Anbringen feines Geſuches an die Stände, d. Dienft. nach Miſericord. 1517 Fol. 1517. p. 575. 2) ueber die Erhebung der Ziſe und Abgaben von den Land⸗ bewohnern, eine Brau- und Trankſteuer, wie fie von Johanni 1516 bis Johanni 1517 eingenommen werden ſollte und uͤber die Zollordnung das Naͤhere Schbl. LVII. 80. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM., d. Wina feria III rogation. 1517 Schbl. XXV. 36. 4) Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Polen, d. Mittw. nach Exaudi 1517 Fol. 1517 p. 105 — 106.
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Feindſelige Stellung d. Kön. v. Polen geg. d. Orden. (1517.) 507 Unterthanen, ſondern auch an ihm ſelbſt verübt wuͤrden.) So fand er immer wieder Anlaß zu neuen Klagen gegen den Meiſter und alle geſchahen bald im Tone des Gebieters, bald des drohenden Feindes, denn immer ſollten Pflichten verabſaͤumt oder Vertraͤge verletzt ſeyn, auf denen allein der Friede zwiſchen beiden Landen beruhe. Aus dem allen ließ ſich auch wohl erkennen, daß es nur noch der Kaiſer war, der den Koͤnig von Gewaltſchritten gegen den Orden zuruͤckhielt. Weil indeß bald ein Ausbruch des Krieges oder wvenigſtens feindliche Zwangsmaaßregeln täglich mehr zu befürchten waren, ſo mußte auch die Ruͤſtung im Lande, die Verſorgung und Befeſtigung der Schlöffer und Staͤdte wieder mit neuem Eifer betrieben werden, wozu Al⸗ brecht einen ſehr erfahrenen Kriegshauptmann Wilhelm von Grun aus Anſpach auf eine Zeitlang nach Preuſſen kommen ließ.) Es war natürlich unter dieſen Umftänden auch nicht daran zu denken, der Herzogin Anna von Maſovien, die wegen der Regentſchaft ihres älteften Sohnes Stanislaus mit dem Adel ihres Landes in offener Fehde lag, die verlangte Beihuͤlfe an Mannſchaft, Geld und Feldgeſchuͤt zukommen zu laſſen. Wie ſchon im vorigen Jahre, ſo erneuerte der Hochmeiſter auch jetzt ſein Anerbieten, den Streit zwiſchen der Herzogin und der Landſchaft durch eine gütliche Vermittelung beilegen zu helfen, denn an der Freundſchaft des herzoglichen Hauſes von Maſovien mußte ihm gerade jetzt allerdings viel gelegen ſeyn, weshalb er auch den jungen Herzog bei ſeiner erſten Ruͤſtung mit einem Streitroſſe und einem ſchoͤnen Küraß beſchenkte. 2 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Wilna feria II intra Octavas Ascens. dom. 1517 Schbl. XXIX. 81. 2) Solche Klagſchreiben des Koͤniges an d. HM. aus dem Som⸗ mer des J. 1517 Schbl. 71. 8. 10. XXV. 35. 3) Schr. des HM. an Wilhelm v. Grün, d. Dienſt. nach Jo⸗ cundit. 1517 p. 59. 4) Inſtruction des HM. für den v. Heideck und Hans v. Schoͤn⸗ berg bei ihrer Sendung an die Herzogin v. Maſovien, d. Dienſt. nach Laurent. 1516 Fol. 1516 nro 11. Schr. des HM. an die Herzogin
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508 Raubweſen im Lande. (1517.) Auch auf die innere Landesverwaltung richtete jetzt Albrecht wieder ſeine Thaͤtigkeit. Bei den ſchon ſeit mehren Jahren wiederholten Anforderungen, die er an das Land hatte machen muͤſſen, ſchien es vor allem nothwendig, den oͤftern Beſchwerden beſonders der kleinern Landſtaͤdte wegen Abbruch ihres gewerb⸗ lichen Betriebes und Einkommens fo viel als möglich abzuhelfen. Es ward daher z. B. das Verbot erlaſſen, daß fortan kein Bauer mit irgend welcher Waare auf dem Lande Handel treibe; nur was er auf ſeinem eigenen Boden baue, ſolle er verkaufen oder gegen andere Waare umtauſchen koͤnnen. Alles Hauſiren mit Waaren auf dem Lande ward ſtreng unterſagt und weil dieß beſonders von den nahe gelegenen Ermlaͤndiſchen Staͤdten Braunsberg und Wormditt aus haͤufig im Ordensgebiete ge⸗ ſchah, ſo erließ der Hochmeiſter die Verordnung, daß dem Kaͤufer ſolche eingeſchleppte Wgare, wo fie entdeckt werde, weggenommen und er ſelbſt mit einer namhaften Strafe belegt werden ſolle. Auch den häufig vorkommenden Betruͤgereien im Verkehr, na⸗ mentlich beim Verkauf der Aſche, des Theers, Pechs u. ſ. w. mußte mit Nachdruck vorgebeugt werden.“ Ein großes Hinderniß der gedeihlichen Betriebſamkeit für das ganze Land, beſonders für die kleinen Staͤdte war die fort⸗ dauernde Unſicherheit der Landſtraßen und der Mangel faſt aller policeilichen Ordnung im Lande. Die Beſchwerden des Bi⸗ ſchofs von Ermland beim Hochmeiſter und die Klagen des letztern bei jenem über Mord⸗Ueberfaͤlle, Raͤuberei und Brand⸗ ſtiftung, die in den gegenſeitigen Gebieten von zuſammen⸗ gerotteten reitenden Raubgeſellen und anderem herumziehenden liederlichen Geſindel veruͤbt wurden,? hörten gar nicht auf. v. Maſovien, d. Freit. nach Cantate 1517 Fol. 1517 p. 122. Auf⸗ trag des HM. an Dieterich v. Schlieben bei ſeiner Sendung an die Herzogin, d. Sonnt. Jocundit. 1517 Fol. 1517 p. 614. Schr. des HM. an den Herzog Stanislaus v. Maſovien, d. Sonnt. nach Aſſumt. Mariä 1517 Fol. 1517 p. 123; vgl. Wagner Geſch. v. Polen, S. 386. 1) Ausſchreiben des HM. an die Praͤlaten, Gebietiger und Aem⸗ ter, d. Mont. nach Divif. Apoſtol. 1517 Fol. 1517 p. 576. 2) Vgl. Treter de eccles. Varm. p. 74 —75.
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Raubweſen im Lande. (1517.) 509 Auch die Nitterfchaft und die kleinen Staͤdte der Gebiete von Bartenſtein, Raſtenburg, Barten, Seeſten, Friedland und Schippenbeil kamen beim Hochmeiſter mit einer eindringlichen Klagſchrift über das immer mehr uͤberhandnehmende Raubweſen und die große Unſicherheit der Landſtraßen ein, ihm vorſtellend, daß dadurch die Gewerbsthaͤtigkeit der kleinen Städte ganz und gar zu Grunde gehe, weil niemand mehr ohne die groͤßte Ge⸗ fahr ihre Märkte befuchen oder die Bürger mit ihren Waaren auf andere Märkte ziehen koͤnnten. Gleiche Klagen wurden im Gebiete von Preuſſ. Holland und mehren andern gefuͤhrt. Der Hochmeiſter indeß konnte ſich nur damit entſchuldigen, daß er gegen das Unweſen hinlaͤnglich Geſetze und Verordnungen und insbeſondere dem Biſchofe von Ermland wiederholt Vor⸗ ſchlaͤge und Maaßregeln aller Art an die Hand gegeben habe; da es aber im Biſthum durchaus an allem Fräftigen Willen und an Eifer zu beharrlicher Ausführung fehle, fo ſtehe es nicht in feiner Macht, „der Plackerei im Lande“ ein Ende zu machen.“ So füllte ſich das ganze Land, beſonders das Biſthum Erm⸗ land mit ſolchem Raubgeſindel, welches nur von der Fauſt lebte, immer mehr an; kam es doch ſo weit, daß man aus den Nachbarlanden Bettler und andere liederliche Raubgeſellen ins Ordensgebiet mit dem foͤrmlichen Auftrage zu Brand⸗ ſtiſtungen und andern verbrecheriſchen Handlungen ausſandte. Es entſtanden darüber Häufig die aͤrgerlichſten Zwiſtigkeiten. Elbing, welches der Hochmeiſter beſchuldigt hatte, daß es ſolches Raubgeſindel abſichtlich in feinem Gebiete hege, fand ſich da⸗ durch an ſeiner Ehre ſo gekraͤnkt, daß ſich der Rath ſelbſt an den König von Polen wandte und ihn um ein rechtliches 1) Antwort des HM. auf die Supplication der Ritterſchaft und der kleinen Städte, d. Freit. nach Divif. Apoſtol. 1517 Fol. 1517 p. 577. Schr. des Johann Krapigs an Hans Haugwitz Landrichter im Gebiete v. Holland, d. Frauenburg am T. Marid Magdal. 1517 Schbl. XXIX. 6. 2) Ausſchreiben des HM. an die Praͤlaten, Gebietiger und Aem⸗ ter, d. Donnerft, nach Jacobi 1517 Fol. 1517 P. 580.
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510 Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1517.) Erkenntniß in der Sache erſuchte.) Zwiſchen dem Biſchofe von Ermland und dem Hochmeiſter kam es mehr und mehr zu ſehr ernſtlichen und nachdrücklichen Erklärungen; erſterer nahm es nun auch aͤußerſt uͤbel auf, als dieſer ihm ſein Verbot des Hauſirens aus den Städten Braunsberg und Wormditt zur Warnung für die Unterthanen bekannt machte. Er erließ nicht nur ſofort ein aͤhnliches Verbot, welches ſeinen Unter⸗ thanen mit großer Strenge uͤberhaupt allen Handelsverkehr und alle Zufuhr von Getreide, Lebensmitteln und ſonſtigen Waaren ins Ordensgebiet unterſagte und ſomit durchaus jede Handels⸗ verbindung zwiſchen den beiden Nachbarlanden aufhob, 9 ſondern es trat auch bald zwiſchen dem Meiſter und dem Biſchofe eine fo feindfelige Spannung ein, daß, als ein Botſchafter des letz⸗ tern ſich gegen jenen ſogar Drohungen erlaubte und bald dar⸗ auf ein hochmeiſterlicher Diener auf freier Landstraße nieder⸗ geworfen, gemißhandelt und dem Biſchofe überliefert, von dieſem aber trotz aller Bitten des Hochmeiſters nicht frei gegeben wurde, der letztere ſeinen Rath Jacob von Dobeneck an den Biſchof ſandte, um ihn zu einer Erklaͤrung aufzufordern, was ſolche feindliche Schritte bedeuten ſollten und ob der Orden im Bi⸗ ſchofe einen Freund oder Feind zu erkennen habe.) Dieſer gab nun zwar zur Antwort, daß er ſeinem Botſchafter keine Drohung gegen den Meiſter aufgetragen, auf ſeinen Befehl auch keine Feindſeligkeit veruͤbt worden ſey; jedoch er erklaͤrte dabei auch, daß er ſich in Ruͤckſicht des gefangenen Dieners in ſeinen Gerichtszwang nicht eingreifen laſſe; uͤberhaupt ver⸗ 1) Schr. des Rathes v. Elbing an d. HM. d. Elbing Sonnab. vor Bartholom. 1517 Schbl. 71. 57 (a). 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. Mont. nach Diviſ. Apoſtol. 1517 Fol. 1517 p. 148. 3) Erlaß des Biſchofs v. Ermland, d. Heilsberg Dienſt. am T. Michaelis 1517 Schbl. LXVI. 17. 4) Inſtruction des HM. für Jacob v. Dobeneck bei ſeiner Sen⸗ dung an d. Biſchof v. Ermland, d. am T. Divif, Apoſtol. 1517 Fol. 1517 p. 613. Treter I. c. P. 75 — 76.
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Streit mit dem Biſchofe v. Ermland. (1517) 511 rieth ſeine ganze Sprache ſeine feindliche Geſinnung.v Die Erbitterung ſteigerte ſich noch, als bald darauf vom Biſchofe und dem Domkapitel beim Meiſter von neuem die Klage ein⸗ lief: es ſey abermals eine Anzahl Raubreiter aus dem Gebiete von Balga, die ſich bei Heiligenbeil zuſammengerottet, ins Ermlaͤndiſche eingefallen und hätten mehre Dörfer und die Vor⸗ ſtadt von Melſack abgebrannt und Feuerpfeile in die Stadt geſchoſſen;? der Hauptmann eines Haufens von 87 Pferden habe einigen Ermländern ein halbes Hufeiſen mit den Worten eingehaͤndigt: „bringt dieß Eiſen dem Buͤrgermeiſter von Mel⸗ ſack zum Wahrzeichen und ſaget ihm an: wenn die von Mel⸗ ſack in vier Tagen ihren Burggrafen uns nicht ausliefern, ſo werden wir die Stadt mit einem Sturm begruͤßen und alles darin morden und verbrennen und ebenſo alle Doͤrfer des Ka⸗ pitels; reichen dazu 200 oder 400 Mann nicht hin, ſo koͤnnen wir auch mit 600 kommen und nicht etwa bei Nacht, ſondern bei hellem Tagesſcheine werden wir die Stadt mit aller Macht angreifen.“ Man meldete zugleich dem Hochmeiſter: dieſe Raubreiter ſeyen nicht gemeines Raubgeſindel, ſondern unter dem Orden angeſeſſene Edelleute, die in Haufen fort und fort an den Ermlaͤndiſchen Graͤnzen umherſtreiften und immer mehr Volk an ſich zoͤgen. Auch die Vorſtadt Braunsbergs hatten ſie in Brand geſteckt.) Man bat den Meiſter aufs dringendſte, dieſem Unweſen doch moͤglichſt ſchnell Einhalt zu thun.“ Er verſprach, gegen die Orte im Balgaiſchen, wo ſich die Rotten verſammelt, eine ſtrenge Unterſuchung anzuordnen und erneuerte die dem Biſchofe ſchon fruͤher ertheilte Erlaubniß, die Beſchaͤ⸗ diger ſeines Landes im Ordensgebiete, wo man ſie finde, auf⸗ 1) Antwort des Biſchofs v. Ermland auf Jacobs v. Dobeneck Anbringen Fol. 1517 p. 618. 2) Vgl. Schütz P. 452. 3) Schüsz p. 452. 4) Anbringen der Abgeordneten des Burggrafen v. Braunsberg von Seiten des Ermland. Biſchofs an d. HM. d. Freit. Auguſtini 1517 Fol. 1517 P. 149. Schr. des Domkapitels v. Ermland an d. HM, d. Frauenburg Samſt. nach Aegidii 1517 Schbl. A. 365.
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512 Tagfahrt zu Marienburg. (1517.) greifen zu laſſen und gegen ſie überall fein Recht zu vers folgen.“) Waͤhrenddeß hatten ſich auch die auf einer Tagfahrt zu Marienburg verſammelten Staͤnde uͤber zweckmaͤßige Mittel zur gruͤndlichen Austilgung der beſonders im Ermland immer mehr uͤberhandnehmenden „ Plackerei“, des faſt täglichen Mord⸗ brandes und Straßen⸗ und Kirchenraubes berathen. Man hatte für gut befunden, um das Uebel zu gleicher Zeit an allen Orten und Enden auszurotten, auch an Koͤnigsberg, an die meiſten kleinen Staͤdte und eine Anzahl von Landesrittern im Ordensgebiete Aufforderungen ergehen zu laſſen, mit geeigneten Maaßregeln gegen das Unweſen zur Hand zu gehen und ſich mit den Staͤnden der koͤniglichen Lande zur Ausführung der zweckmaͤßigſten Mittel gemeinſam zu verbinden, woruͤber man ſich auf einer angeordneten Tagfahrt naͤher beſprechen und ver⸗ einigen wollte.) Es haͤtte auf dieſem Wege allerdings wenig⸗ ſtens der Anfang eines beſſern Zuſtandes der Dinge eingeleitet werden konnen. Allein es war darin gefehlt, daß man, ohne den Hochmeiſter in Kenntniß zu ſetzen, die Aufforderungen zur Tagfahrt unmittelbar an die Staͤdte ſelbſt hatte ergehen laſſen. Es erwachte bei ihm Mißtrauen gegen den angegebenen Zweck; er ließ ſich daher alle Einladungsſchreiben von den Staͤdten einliefern, ſchrieb ihnen ſelbſt eine Antwort an die Polniſchen Stände vor und unterſagte das Erſcheinen auf der Tagfahrt, weil, wie er offen erklaͤrte, wohl zu vermuthen ſey, daß man dabei auch andere Zwecke ins Auge gefaßt habe. Dieß 1) Antwort des HM. auf das Anbringen des Burggrafen v. Braunsberg Fol. 1517 p. 149. 151. 2) Schr. der Praͤlaten, Woiwoden u. ſ. w. auf der Tagfahrt zu Marienburg an die Städte Friedland, Schippenbeil u. a. dat. Sonnab. nach Diviſ. Apoſtol. 1517 Schbl. LXI. 24. 29. 30. 31. 19. Das Nähere über die Tagfahrt bei Schuur p. 451 — 452. 3) Ausſchreiben des HM. an mehre vom Adel und die Buͤrger⸗ meiſter der kleinen Städte, d. Donnerſt. nach Jacobi 1517 Fol. 1517 p. 576, 579,
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Streit mit dem Domkapitel von Samland. (1517.) 513 hatte indeß, wie wir ſpaͤter ſehen werden, beim Koͤnige von Polen wieder neuen Zorn aufgeregt. Mittlerweile waltete auch mit dem Domkapitel von Sam⸗ land ein höchft aͤrgerlicher Streit ob, der nicht nur im ganzen Lande außerordentliches Aufſehen erregte, ſondern zugleich auch beweiſt, wie tief auch ſelbſt die Domherren in ihrem ſittlichen Lebenswandel um dieſe Zeit geſunken waren. Schon im An⸗ fange dieſes Jahres naͤmlich trat eine ſchwachſinnige Magd gegen den Official und Domherren Andreas Brachwagen mit der Beſchuldigung eines vertrauten Umganges auf, der, wie ſie vorgab, auch nicht ohne Folgen geblieben fey. Das Dom⸗ kapitel zerfiel darüber in zwei Parteien. Die aͤltern und beſſer⸗ geſinnten Mitglieder behaupteten mit allem Eifer die Unſchuld des Angeklagten, welche dieſer auch ſelbſt auf Eid und Ehre betheuerte. Trotz dem kam es ſo weit, daß ihm das Ordens⸗ kreuz abgeriſſen und die Schlüffel zu feiner Habe, ſowie das Ofſicial⸗Siegel abgenommen wurden. Auf ſeine und ſeines nahen Verwandten Michael Brachwagen Klage beim Hoch⸗ meiſter berichtete dieſer den Vorfall an den Biſchof von Sam⸗ land, der ſich zur Wiederherſtellung feiner ſehr geſchwaͤchten Geſundheit nach Merſeburg begeben hatte. Dieſer beauftragte nun zwar den Hochmeiſter und den Biſchof von Pomeſanien mit einer ſtrengen Unterſuchung der Sache; waͤhrenddeß aber fiel der angeſchuldigte Domherr in tiefe Schwermuth und ſtarb aus Gram über die erlittene Schmach, indem er noch in der Todesſtunde eidlich ſeine Unſchuld verſicherte. Sein Ver⸗ wandter drang indeß unabläffig auf Unterſuchung ſowohl beim Biſchoſe als beim Meiſter, behauptend, daß nur Haß und Neid der Domherren den Angeklagten ins Grab gebracht. Sie erfolgte endlich und legte die Unſchuld klar an den Tag. Auf des Hochmeiſters Bericht daruber erließ der Biſchof aus Merſe⸗ burg an die Gegner des Verſtorbenen einen aͤußerſt ſcharfen 1) Joh. Freibergs Chron. über preuſſ. S. 287. Schr. des Michael Brachwagen an d. Biſchof v. Samland, d. Elbing 20 April 1517 Schbl. LXVIL 10. IX. 33
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514 Streit mit dem Domkapitel von Samland. (1517.) und nachdruͤcklichen Verweis, ihnen vorhaltend, daß ſelbſt im Falle der Schuld des Angeklagten ſie doch billig bruͤderlicher und heimlicher in der Sache hätten verfahren müſſen, wohl bedenkend, daß ein Theil von ihnen vor dieſer Zeit noch viel groͤbere Laſter und Schandthaten begangen, die er mit dem Hochmeiſter damals zu ihrer Schonung unterdruͤckt und un⸗ beſtraft gelaſſen. Am ſchwerſten tadelte der Biſchof den Dom⸗ propſt Stephan Gerd, der an der Spitze der Gegenpartei ſtand und dem es jener mit ſtrengſtem Ernſte verwies, „daß er ſolche hoffaͤtige und neidiſche Händel noch mit einer unſchicklichen Schrift habe beſchoͤnigen und feiner böfen Sache gerne noch eine gute Farbe anſtreichen wollen.“ Er erklaͤrte zugleich den Domherren, daß er „ihre muthwillige, unförmliche und uns brüderliche That“ nicht unbeſtraft laſſen werde und erſuchte den Hochmeiſter, gegen die Domherren, wozu er an ſich ſchon als Landesfürſt vollkommen berechtigt ſey, als Richter auf zutreten und mit ſeinen nach Preuſſen zuruͤckkehrenden Vettern Heinrich und Günther von Bünau, die er dazu beauſtragt, uͤber die Beſtrafung der Schuldigen das Nöthige zu verhandeln, 2) Diefe wurden darauf auch gefänglich eingezogen; ba fie indeß ihr Unrecht bald offen eingeftanden, fo flimmten die beiden von Buͤnau dafür, die Sache nun wo möglich in Güte beizulegen, wozu ſie auch den Biſchof von Pomeſanien durch ein Fuͤrwort zu gewinnen ſuchten. Damit aber war der Streit noch nicht 1) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. Samlaͤnd. Kapitel, d. Merſeburg Sonnt. Cantate 1517 Schbl. LXVII. 15. 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Merſeburg Dienft. zu Pfingſt. 1517 Schl. LXVII. 9. Der Biſchof ſagt ſelbſt: er ſey uͤberzeugt, daß Andreas Brachwagen unſchuldig und dem armen Manne alles durch den Propſt und deſſen Anhang nur aus Neid ans gedichtet, das Weib auch von ihnen dazu beſtellt ſey, auf ihn zu be⸗ kennen. 3) Werbung Günthers und Heinrichs v. Bünau an d. HM. d. Balga Donnerſt. nach Johanni 1517 Schbl. LXVII. 6. Schr. der⸗ ſelben an den Biſchof v. Pomeſanien, d. Fiſchhauſen Mont. nach Divif. Apoſtol. 1517 Schbl. LXVII. 7. 8.
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Streit mit dem Domkapitel von Samland. (1517.) 515 beendigt. Schon waͤhrend der Unterſuchung hatten die Dom⸗ herren dagegen proteſtirt, daß der Hochmeiſter, ein Laie, wie fie ihn nannten, ihr Richter ſeyn ſolle. Der Biſchof hatte ſie zwar auch daruber aufs nachdruͤcklichſte zurecht gewieſen; v allein das Domkapitel trat jetzt dennoch gegen den Hochmeiſter mit einer heſtigen Beſchwerde wegen willkuͤhrlicher Eingriffe in ſeine Rechte auf, behauptend, der Meiſter verkürze die Privile⸗ gien und Emunitaͤten, indem er vorgebe, die Domherren ſeyen wegen des Ordenskreuzes, welches ſie truͤgen, auch des Ordens Strafgeſetzen unterworfen, müßten den Hochmeiſter und den Orden als ihre unmittelbare Oberſten anerkennen, ſich keines⸗ wegs als eremt vom Gehorſam gegen den Hochmeiſter anſehen wollen, ſondern ſeyen als geordnete Perſonen ebenſo wie an⸗ dere Ordensbrüͤder den Geſetzen des Ordens untergeben. Die Domherren ließen hierauf alle ihre Beſchwerden gerichtlich zu⸗ ſammenfaſſen, ernannten Bevollmaͤchtigte zu ihrer Rechtsver⸗ theidigung und ſandten dieſe mit einer förmlichen Appellation an den Röm. Hof. Weil fi) dadurch aber der Verband zwiſchen dem Domkapitel und dem Hochmeiſter vorerſt faſt ganz auflöfte, fo übertrug jetzt der Biſchof von Samland waͤh⸗ rend ſeiner Abweſenheit die Verwaltung ſeines Stiftes mit Beirath des Kapitels ſeinem Vetter Guͤnther von Buͤnau. Da kamen durch den Kurfinften von Brandenburg un⸗ erwartet tröſtende Nachrichten vom Kaiſer an. Nach langer Zoͤ⸗ gerung hatte dieſer auf wiederholtes Anregen des genannten Fuͤrſten die Ordensſache wieder aufgenommen und eine neue Botſchaft an den König von Polen geſandt, auch die Hoff⸗ nung gegeben, der Koͤnig werde jetzt alles auf friedlichem 1) Im erwaͤhnten Schreiben Schbl. LXVII. 15. 2) Die Notariatsinſtrumente darüber, d. Königsberg 12 Auguſt 1517 Schbl. LXVII. 5 3) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Naumburg Mitt, nach Franciſci 1517 Schbl. LXVII. 14. Gebſer Geſch. des Doms zu Koͤnigsb. B. J. 239 — 240. 33 *
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516 unterhandlungen mit dem Könige von Daͤnemark. (1517.) Wege auszugleichen fuchen. Die beſtaͤrkte den Meiſter in feinem bereits früher gefaßten Entſchluſſe, ſich zu einer perſön⸗ lichen Berathung mit dem Kurfuͤrſten nach Berlin zu begeben, denn außer den wichtigen Ordensangelegenheiten, uͤber die er dort auch mit ſeinem Vetter dem Erzbiſchofe Albrecht von Mainz, ſeinem Bruder Markgrafen Kaſimir und dem Deutſch⸗ meiſter vieles zu verhandeln fuͤr noͤthig fand,? wollte er ſich mit ſeinem ebengenannten Bruder auch uͤber die Aufnahme ihres Bruders des Markgrafen Wilhelm in den Orden, woruͤber ſie bereits in Unterhandlung ſtanden, näher verftändigen. ®) Die Reiſe hinderten indeß noch mehre Monate manche drin⸗ gende Angelegenheiten, welche den Hochmeiſter fortwährend bes fchäftigten, zuerſt Unterhandlungen mit dem Koͤnige Chriſtian von Danemark wegen eines von dieſem dem Orden angebote⸗ nen Hüͤlfsbündniſſes, weshalb er ſeinen Rath Dieterich von Schönberg mit der nöthigen Vollmacht nach Daͤnemark ſandte, um mit dem Könige das Weitere über den Abſchluß des Buͤnd⸗ niſſes zu verhandeln, dann wieder Streithaͤndel mit dem Könige von Polen theils über unrechtmaͤßige Eingriffe des Hauptmannes von Samaiten ins Ordensgebiet, woruber man ſich ſchon ſeit Jahren ohne Erfolg hin und hergeſtritten, 5) theils über die Erhebung newer Zölle in den Ordenslanden, theils 1) Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenburg an d. HM. d. Koͤln a. d. Spree Mont. nach Vincula Petri 1517 Schbl. XII. 22. 2) Schr. des Kurfürſten v. Brandenburg a. a. O. Schr. des HM. an den Kurfuͤrſten, d Donnerſt. nach Nativit. Maria 1517 Schbl. XII. 136. Nach einem Schreiben Schbl. LXI. 21 hatte der HM. ſchon im Fruͤbling den Plan zu dieſer Reiſe gefaßt. 3) Die bereits darüber gepflogenen Unterhandlungen Schbl. B. 537 — 538. 4) Die „Vertrags⸗Notel““ oder der Vorſchlag des Koͤniges zu dem Buͤndniſſe, abgefaßt am T. Matthaͤi 1517 u die Inſtruction fuͤr Dieterich v. Schoͤnberg bei ſeiner Sendung an den Koͤnig Schbl. E. 54. Vgl. Faber die Verbindung des HM. Albrecht mit dem Koͤnige Chri⸗ frian v. Danemark in Beitragen zur Kunde Preuſſ. B. VI. S. 529 — 530. 5) Der Streit betraf beſonders das Dorf Koadjuten, deſſen ſich der Hauptmann bemäͤchtigt.
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Des Kaiſers Kriegsverbot. (1517.) 517 über das Unweſen der Naubfehden zwiſchen den koͤniglichen Landen und dem Ordensgebiete, woruͤber es trotz aller Ver⸗ handlungen durch Botſchaſter immer noch zu keiner Verſtaͤndi⸗ gung gekommen warz uͤberdieß hatten auch die bereits erwaͤhnte Klage des Rathes von Elbing über des Meiſters Anſchuldi⸗ gung und die Verhandlungen der Staͤnde auf der Tagfahrt zu Marienburg dem Koͤnige neuen Anlaß zu großer Unzufrieden⸗ heit und zu Beſchwerden gegen den Orden dargeboten. In⸗ deß blieb es vorerſt doch nur eben bei Klagen und Beſchwer⸗ den, weil ihm, wie er ſelbſt erklaͤrte, Kriegsgeſchaͤfte und an⸗ dere wichtigere Reichsangelegenheiten noch nichts weiter geſtat⸗ teten.) Seiner Seits ermuͤdete der Hochmeiſter auch jetzt noch nicht, dem Koͤnige ſeine friedfertige Geſinnung und wie⸗ derholt auch ſeinen Wunſch zu erkennen zu geben, daß ein freundliches und gutnachbarliches Verhaͤltniß zwiſchen ihnen hergeſtellt und wo moͤglich alle Urſachen der Unzufriedenheit hinweggeraͤumt werden mochten, und um den Koͤnig ſelbſt zu uͤberzeugen, welche ungerechte Beſchuldigungen man oft gegen ihn erhebe und welche unbilligen Forderungen man ihm auf⸗ buͤrde, theilte er ihm ein Anbringen der Polniſchen Reichs⸗ ſtaͤnde mit, welches ihm dieſe von der Tagfahrt zu Marien⸗ burg aus zugefertigt hatten. Dennoch eröffnete bald darauf der König eben dieſen Reichsſtaͤnden, daß er fortan nicht mehr Willens ſey, vom Hochmeiſter feine Geduld und Langmuth noch laͤnger mißbrauchen zu laſſen, ſondern auf naͤchſtem Reichs⸗ tage mit ihnen die noͤthigen Mittel und Wege zu berathen, wie der Meiſter zur Leiſtung ſeiner Pflicht zu zwingen ſey. Da geſchah vom Kaiſer ein neuer Schritt. Er fette jetzt mit dem Papſte alles in Bewegung, um ſcinen großartigen 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. in castris circa Poloczno feria IV post ſestum Matthaei 1517 Schbl. XXV. 19. Antwort des HM. auf eine Botſchaft der poln. Reichs⸗ Regenten, d. Dienſt. nach Franciſci 1517 Fol. 1517 p- 627. 2) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Sonnab. nach Dionyſ. 1517 Fol. 1517 p. 108. 622 — 627. Schütz p. 452 — 453. 3) Schütz p. 451.
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518 Des Kaiſers Kriegsverbot. (1517.) Plan eines europäifchen Heereszuges gegen die Türken in Aus⸗ fuͤhrung zu bringen und dadurch die Thaten ſeines Lebens ge⸗ wiſſermaßen zu kroͤnen. Wie bisher ſchon immer, ſo mußte jetzt um ſo mehr ſein Streben dahin gerichtet ſeyn, es zwiſchen Polen und dem Orden nicht zum Ausbruche eines Krieges kommen zu laſſen, weil er bei ſeinem großen Unternehmen mit auf beider Beihuͤlfe rechnete. Er ſandte daher ſowohl an den tönig als an den Hochmeiſter, um dieſem anzuzeigen: er ver⸗ nehme mit großem Mißfallen, daß die laͤngſt drohende Fehde zwiſchen Polen und dem Orden jetzt anheben ſolle; da ſie aber gerade jetzt der ganzen Chriſtenheit zum größten Nachtheil ges reichen werde, fo gebühre ihm als Kaiſer und Oberhaupt der chriſtlichen Welt ſolch verderblichem Unheil vorzubeugen, zumal da zu beſorgen ſey, daß jetzt der Tuͤrke nach feinen Siegen verſuchen werde, weiter in die chriſtlichen Lander vorzuſchreiten. Komme es nun zum Kampfe, ſo wuͤrden beide ihre Macht ſchwaͤchen; breche dann der Tuͤrke in des Koͤniges Lande ein, ſo laufe dieſer leicht Gefahr, ſein ganzes Koͤnigreich zu verlieren. Darum habe er dieſen auch aufs neue aufgefordert, die Streit⸗ ſache der Vermittlung des Kaiſers anheim geſtellt ſeyn zu laſſen; man ſolle Zeit und Ort beſtimmen, um durch beider⸗ feitige Bevollmaͤchtigte Spaͤne und Irrungen zu verhoͤren und in Guͤte beizulegen. Auf keinen Fall duͤrfe es jetzt der Koͤnig oder der Hochmeiſter zum Kampfe kommen laſſen, um nicht dem Chriſtenfeinde durch ihre Streithaͤndel Vorſchub zu leiſten.“ So vorerſt gegen einen Krieg mit dem Könige geſichert, traf jetzt Albrecht die noͤthigen Vorbereitungen zu ſeiner Reiſe zum Kurfurſten von Brandenburg. Obgleich er hoffte, daß ſeine Abweſenheit nur von kurzer Dauer ſeyn werde, ſo ernannte er doch nach herkoͤmmlicher Sitte zur einſtweiligen Verwaltung 1) Credenz⸗ Schreiben des Kaiſers Maximilian für feinen Bot⸗ ſchafter Lorenz Miſchillinger an d. HM. d. Vaden in Oeſterreich unter der Ens 7 Octob. 1517 Schbl. C. 298. Inſtruction fuͤr den Geſand⸗ ten, d. Baden 6 Octob. 1517 Schbl. C. 301. Ueber dieſe Sendung des Kaiſers auch ein Schr. deſſelben an d. Markgr. Kaſimir v. Bran⸗ denburg, d. Neuſtadt 18 Nov. 1517 Schbl. C. 299.
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Ablaßkraͤmerei in Preuſſen. (1517.) 519 des Landes ein f. g. Landes » Regiment, wozu er den Biſchof Hiob von Pomeſanien, den Herzog Erich von Braunſchweig, den Großkomthur Georg Truchſeß von Wetzhauſen und den alten Großkomthur Simon von Drahe auserkor. 9 Noch hatte er Königsberg nicht verlaſſen, als in denſelbigen Tagen bei ihm ein von Herzog Boguslav von Pommern ihm empfohle⸗ ner Ablaßkraͤmer Fauſtus Sabeus als Kommiſſarius für ein Hospital zu Rom mit einem paͤpſtlichen Schreiben erſchien, ihn erſuchend, die vom Papſte dem Hospital verliehenen Gna⸗ denſpenden und Ablaſſe als Gewalthaber ſolcher Gnaden unter Aufrichtung des Kreuzes in den Ordenslanden verkündigen zu dürfen. Die Fuͤrbitte des Herzogs bewog den Meiſter, dieß dem Ablaßkraͤmer zu geſtatten. Zur naͤmlichen Zeit ließ auch der Franciſcaner⸗Moͤnch Simon Nenmeifter, der ſich ſchon feit dem Frühling in Preuffen aufhielt, um den Hochmeiſter zur Errichtung eines neuen Kloſters ſeines Ordens in Koͤnigsberg oder in der Naͤhe der Stadt zu gewinnen, 9 ebendaſelbſt un⸗ ter großen Feierlichkeiten „zum Lobe Gottes, der heil. Jung⸗ frau Maria, des heil. Franciſcus und zu Ehren des Papſtes“ ein heiliges Kreuz aufrichten und benediciren, wobei ebenfalls ein vierzigtägiger Ablaß allen denen zugeſichert ward, die vor dem Kreuze eine beſtimmte Anzahl Paternoſter und Ave Maria beten würden. So ging auch jetzt in Preuſſen die Ablaßkraͤ⸗ merei mehr als je im Schwange, gerade als in Deutſchland der Gottesheld Doctor Martin Luther ſein kraftvolles Wort 1) Schr. des HM. an die Präfaten, Gebietiger und Aemter, d. Mont. nach Aller Heilig. 1517 Fol. 1517 p. 583. 2) Schr. des Herzogs Boguslav v. Stettin an d. HM. d. Wol⸗ lin am 8. Tag aller Heilig. 1517 Schbl. XV. 152. 3) Schr. des Simon Neumeiſter an d. HM. d. Brandenburg Sount. gätare 1517 Schbl. LVII. 40; er nennt ſich ſelbſt Custos Livoniae et Prussiue imzneritus; der Erzbiſchof v. Riga bezeichnet ihn in einem Empfehlungsſchreiben an den Biſchof v. Pomeſanien als Monasteriorum ordinis s. Francisci in Livonia consistentium generalis Custos. In einem andern Schr. lautet ſein Titel: Gustos Prussiae et Livoniae fratrum ordinis minorum regularium.
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520 Reiſe des HM. nach Berlin. (1517.) gegen das Unweſen erhob. Zwar ward im Ordensland noch keine ſo maͤchtige Stimme dagegen laut; allein es wagten es doch auch hier ſchon mehre unter den Geiſtlichen, die mit er⸗ leuchtetem Geiſte das Hohle und Leere des Ablaßhandels ein⸗ ſahen, ſich mit ernſtem Nachdruck über das ſchnoͤde Feilſchen mit Gnadengaben und Suͤndenerlaß auszuſprechen.) Freilich ihre Stimme verhallte noch und fand noch wenig Gehoͤr, denn noch war der Tag der Erleuchtung für Preuſſen nicht erſchienen. In der Mitte des Novembers trat Albrecht die Reiſe an, begleitet von Georg von Polenz, Hauskomthur zu Königsberg, Eberhard von Freiberg Pfleger zu Tilſit, Friederich von Hei⸗ deck u. m. a. Schwer leidend wegen eines Schadens an einem Schenkel, der mehr und mehr zu ſchwinden anfing, 2 kam er nach langſamer Fahrt in Berlin an, wo er den Deutſch⸗ meiſter, den Ordensmarſchall Georg von Eltz, den alten Gra⸗ fen Wilhelm von Eiſenberg und mehre andere Gebietiger bereits anweſend fand. Auch fein Bruder Markgraf Kaſimir langte bald an. Ihm hatten der Kurfuͤrſt und Erztruchſeß Ludwig und Friederich Pfalzgrafen vom Rhein den Auſtrag gegeben, mit dem Hochmeiſter die noͤthigen Verhandlungen wegen der Aufnahme ihres Bruders des Herzogs Wolfgang in den Or⸗ den einzuleiten und wo moͤglich die vom Meiſter bereits ge⸗ 1) Schr. des Simon Neumeiſter an d. HM. d. am T. Simon u. Juda 1517 Schbl. LVIL 39. Die Errichtung des Kreuzes ſollte am T. Aller Heilig. oder Martini geſchehen. Er ſagt ſelbſt: „Ich ſehe och keyne andere weyße, etlichen Priſtern den Mund zu ſtoppen, dy yn widder got und ſeyne knechte alzu weit offen tragen, och myt dem feuer zu ſtoppen, als man fünde off das rechte ſpore kommen, welche och etlichermoßen ſich han laſſen vornemen, (wo ewer f. G. das hobt legete) ſo wolden ſy recht mit uns omme ſpringen. Aber wann das creuze ower ende ſteit, ſo ſollen ſy wol geſtilt werden. Ich weis woll, das alle gutte Dinge wederſtant haben von dem boßen geiſte, der et⸗ licher zungen gebraucht, eyn ſolches zu vorſtuͤren.“ 2) Schr. des Kurfürften Friederich v. Sachſen an d. HM. d. Wittenberg Mittw. nach Katharina 1517 Schbl. LXII. 43. Der Kur⸗ fuͤrſt fandte dem HM. ein Heilmittel, und da dieſes nicht anſchlug, auch einen erfahrenen Arzt zu.
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Verhandlungen mit dem Deutſchmeiſter. (1517.) 521 ſtellten, für fie beſchwerlichen Bedingungen zu ermäßigen, D Vom Kaiſer aber war er ausdruͤcklich bevollmaͤchtigt, in Ber: handlungen mit dem Hochmeiſter alles anzuwenden, um die obwaltende Streitſache mit Polen durch einen guͤtlichen Ver⸗ trag auszugleichen und dem Kriege vorzubeugen. 15 Zuerſt begannen die Verhandlungen mit dem Deutſch⸗ meiſter wegen der Verhaͤltniſſe zum Könige von Polen. Da der Ordensmarſchall, der ſich bisher faſt beſtaͤndig am Kaiſer⸗ hofe aufgehalten, die Nachricht mittheilte, daß der Kaiſer bis jetzt in der Hauptſache eigentlich noch faſt gar nichts verhan⸗ delt habe, ſo glaubte der Hochmeiſter auch fortan wenig oder nicht auf ihn vertrauen zu duͤrfen. Er ſprach daher gegen den Deutſchmeiſter ſeine großen Beſorgniſſe wegen des Planes aus, den der Koͤnig von Polen gegen den Orden auszufuͤhren entſchloſſen ſeyn ſollte, ſobald er ſich mit dem Moskowiter in einem Frieden vereinigt haben werde; er erwaͤhnte ferner, daß ſich der König mit dem Papſte wegen eines Tributs vereinigt habe, um ihn zur Nachgiebigkeit zu gewinnen, wie er ferner den Orden fort und fort verunglimpfe, beſtaͤndig mit neuen Klagen belaͤſtige und bereits auch Kriegsruͤſtungen begonnen, die offenbar gegen den Orden zielten. Dieß alles, erklaͤrte der Meiſter, zwinge den Orden darauf zu denken, Gewalt mit Ge⸗ walt zu vertreiben. Er forderte demnach den Deutſchmeiſter auf, den Orden in Preuſſen, wenn er zum Kriege mit Polen 1) Schr. des Kurfuͤrſten Ludwig und Friederichs Pfalzgrafen vom Rhein an d. Markgr. Kaſimir v. Brandenburg, d. Heidelberg Dienſt. nach Dionyſ. 1517 Schbl. VI. 92. Wolfgang hatte ſich eine Zeitlang auf den hohen Schulen in Italien und Deutſchland ausgebildet und zuletzt ſich in Wittenberg aufgehalten, um ſich zum geiſtlichen Stande vorzubereiten. Der HM. hatte bereits in den Unterhandlungen wegen ſeiner Aufnahme in den Orden unter andern auch die Bedingung ge⸗ ſtellt, die beiden Brüder ſollten ſich verpflichten, dem HM. bei einem etwanigen Kriege mit 1500 Fußknechten zu Huͤlfe zu kommen. Dieſe Verpflichtung fanden fie zu druckend. 2) Kredenz⸗ Schreiben des Kaiſers an d. Markgr. Kaſimir, d. Neuſtadt 18 Nov. 1517 Schbl. C. 299. 300.
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522 Verhandlungen d. HM. m. d. Kurf. v. Brandenb. (1517.) gezwungen werde, entweder mit einer Kriegshuͤlfe von zwei⸗ hundert zu Roß und achthundert Mann Fußvolk oder ſtatt d heren mit einer Kriegsbeiſteuer von hunderttauſend Gulden zu unterſtuͤtzen, wobei er zu bedenken gab, daß wenn der Orden in Preuſſen vom Könige unterdrückt werde, er auch in Deutſch⸗ land ſeiner Beſitzungen nicht mehr lange ſicher ſey. Der Deutfchmeifter, obgleich auch jetzt noch keineswegs für den Krieg ſtimmend, ſagte nach mancherlei Verhandlungen die ver⸗ langte Beihuͤlfe durch Kriegsmannſchaft zu, ſtellte jedoch das Naͤhere zunächſt erſt einer weitern Berathung mit ſeinen uͤbri⸗ gen Gebietigern anheim. Darauf folgten Verhandlungen mit dem Kurfürften von Brandenburg. An der Freundſchaft und Beihuͤlfe dieſes ver⸗ wandten Fürften mußte dem Hochmeifter vor allem jetzt um ſo mehr gelegen ſeyn, weil es nur mit ſeiner Genehmigung moͤglich war, Kriegsvolk aus Deutſchland durch ſeine Lande dem Orden in Preuſſen zuzuführen. Er begab ſich daher jetzt auf Joachims Verlangen in Uebereinſtimmung der Ordensge⸗ bietiger aller bisherigen Anſprüche auf jedes Wiederkaufs und Einlöſungsrecht in Betreff der Neumark, welche der Orden beim frühern Verkaufe des Landes an den Kurfürften Friederich ſich vorbehalten, und lieſerte alle darauf Bezug habende Briefe und Dokumente aus, wogegen der Kurfuͤrſt ihm und allen ſeinen Nachkommen freien Hin- und Wiederzug wie durch die Neumark, ſo durch alle ſeine Lande auf ewige Zeiten zuſagte, jedoch alſo daß der Orden ſich zur Vergütung alles etwanigen Schadens im Lande verpflichten mußte.“ Darauf ward zwi⸗ 1) So die Verhandlungen mit dem DM. in einem Bericht vom Freit. nach Katharina 1517 Schbl. C. 295. 2) Das Obige geht aus den nachfolgenden Verhandlungen hervor. Daß der DM. feine Zuſage erſt zur nähern Erwaͤgung und Genehmi⸗ gung an die Landkomthure und RNathsgebietiger bringen wollte, ſagt er ſelbſt in einem Schr. an d. HM. d. Frankfurt a. M. Mittw. nach Reminiſ. 1518 Schbl. 98. 63. 3) Das Original der vom HM. ausgeſtellten Urkunde, d. Koln a. d. Spree Sonnab. nach Katharina 1517 im geheim. Staatsarchiv
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Verhandlungen d. HM. m. d. Kurf. v. Brandenb. (1517.) 523 ſchen dem Meiſter und dem Kürfuͤrſten noch ein beſonderes Hüͤlfsbündniß abgeſchloſſen, in welchem der letztere verſprach, dem Orden, ſobald er es verlange, gegen die Krone Polens eine Huͤlfsſchaar von fuͤnfhundert geruͤſteten Pferden auf des Hochmeiſters Koſten und ſechshundert Fußknechten auf feinen eigenen Sold acht Monate lang zuzuſenden und ſofern der Krieg laͤnger dauern und der Orden um fernere Huͤlfe nach⸗ ſuchen werde, ihm auch aufs naͤchſte Jahr nach Zuruͤckkunft jener Kriegsſchaar abermals auf ſechs Monate einen Reiter⸗ haufen von dreihundert geruͤſteten Pferden auf des Meiſters Koſten zukommen zu laſſen. Albrecht verpflichtete ſich dafür zu ſorgen, daß dieſe Kriegshaufen durch des Herzogs von Stettin Lande hin und wieder freien Durchzug erhalten ſoll⸗ ten.“) Gleiche Huͤlfe verhieß er ſeiner Seits auch dem Kur⸗ fürſten, ſofern dieſer einſt mit dem Koͤnige von Polen oder ſonſt in Krieg gerathen ſollte. 2 Auf ſolche Hülfe vertrauend ſchien Albrecht jetzt entſchie⸗ den zu kriegeriſchen Schritten geneigt, zumal da eben der Koͤnig von Polen auch durch andere Feinde noch vielfach beſchaͤftigt wurde; er erklaͤrte offen: obgleich er ſonſt Blutvergießen gerne zu vermeiden ſuche, ſo ſcheine es ihm doch jetzt an der Zeit, daß der Orden das, was er noch eben beſitze, mit der Fauſt zu erhalten bemüht ſeyn muͤſſe. Nicht ſo der Kurfuͤrſt und zu Berlin nro 430 A, gedruckt bei Gercken Cod. diplom. Brandenb. T. V. p. 274 — 278; die vom Kurfuͤrſten ausgeſtellte gleichlautende Urk. vom naͤmlichen Dat. in Abſchrift Schbl. XII. 21. 1) Dieſer Huͤlfsvertrag, abgeſchloſſen am Sonnab. nach Katha⸗ rina 1517 in Abſchrift Schbl. XII. 23. Der HM. confirmirt den ge⸗ ſammten Inhalt dieſes Vertrages in einer beſondern, eigenhaͤndig voll⸗ zogenen Urkunde, d. Koͤln a. d. Spree Mittw. nach Andrea 1517 Schbl. XII. 20. Es iſt unrichtig, wenn Bock Leben Albrechts S. 95 und nach ihm Baczko B. IV. 82 und Lancizolle Bild. des Preuſſ. Staats S. 397 von dieſem Vertrage erſt im J. 1518 ſprechen und den HM. auch erſt in dieſem Jahre nach Deutſchland reiſen laſſen. Albrecht verweilte das ganze Jahr 1518 hindurch in Preuſſen. Der Irrthum ift aus Runau p. 161 in Baczko B. IV. 82 übergegangen. 2) Der Entwurf dieſer Zuſage o. D. Schbl. XII. 24.
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524 Neue Geſandtſchaften an d. Kaiſer u. d. Kurfuͤrſten. (1517.) der Markgraf Kaſimir, die es rathſam fanden, zuvor noch ein⸗ mal den Weg guͤtlicher Vermittlung zu verſuchen, weshalb fie ſich erboten, zu Faſtnacht, wenn der Koͤnig zu Krakau das Beilager halten werde, dorthin nochmals eine Botſchaft zu ſenden, um wo moͤglich noch einen Austrag der Streitſache zu bewirken; im Fall aber durch Güte beim Könige nichts zu gewinnen ſey, verſprachen ſie die zugeſagte Huͤlfe ohne weiteres zu leiften. D Albrecht verſprach ſich davon wenig Erfolg. Er wandte ſich ſchon von Berlin aus nicht bloß an den Herzog von Stet⸗ tin, um auch ihn zur Beihuͤlfe für den Orden zu gewinnen, ſondern er ſandte den alten Grafen Wilhelm von Eiſenberg auch an den Herzog Georg von Sachſen, um dieſen von des Ordens ſchwerer Bedraͤngniß naͤher zu unterrichten und auch feine Huͤlfe in Anſpruch zu nehmen.“ Den Ordensmarſchall Georg von Eltz fertigte er von neuem an den Kaiſer und an⸗ dere Botſchafter an die Kurfürſten und verſchiedene Reichs⸗ fuͤrſten ab mit dem Auftrage, ihnen vorzuſtellen: wie nun der Orden ſchon uͤber zwanzig Jahre mit Polen unterhandelt habe, um ſich ſeiner Bedraͤngniſſe zu entledigen, und immer ohne Erfolg. Um nichts zu verſaͤumen, was zum Frieden dienlich, habe er auch eine Botſchaft auf das naͤchſtgehaltene Concilium geſandt und den Papſt um Recht angerufen; ſolches ſey ihm in Anweſenheit ſowohl der Polniſchen als vieler andern Fuͤrſten Botſchafter vom Papſte auch zugeſagt, nachmals aber aus Urſachen, die man nicht kenne, wieder abgeſchlagen worden; wie man ſage, ſolle der Papſt darob „ſein vaͤterliches Be⸗ 1) Bericht von der Verhandlung am Dienſt. nach Andrea 1517 Schbl C. 294. Es wird darin auch der Anweſenheit des Biſchofs v. Reval und der Näthe des Erzbiſchofs v Mainz erwähnt. De ul T. VIII. 58 fuͤhrt mehre Anweſende an, die ſicherlich nicht zugegen wa⸗ ren, z. B. der Kurfuͤrſt Friederich und Herzog Georg v. Sachſen. 2) Inſtruction für eine Botſchaft an den Herzog v. Stettin, d. Sonnt. nach Concept. Mariaͤ 1517 Schbl. C. 294. 3) Schr. des Grafen Wilhelm v. Eiſenberg an d. HM. d. Leip⸗ zig Freit. nach Lucia 1517 Schbl. Adelsgeſch. E. 40.
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Des HM. Ruͤckkehr nach Preuſſen. (1517.) 525 denken“ gehabt haben. Auf des letztern Verlangen habe ſo⸗ dann der Kaiſer von neuem eine gütliche Verhandlung zwiſchen Polen und dem Orden angeknüpft; täglich habe bisher der Hochmeiſter eine friedliche Beilegung des Streites erwartet. Statt deſſen habe er jetzt in Erfahrung gebracht, was der König von Polen am paͤpſtlichen Hofe habe anbringen laſſen: ſobald er naͤmlich mit dem Moskowiter zur Ruhe gekommen ſey, wolle er den Orden mit Gewalt auch aus dem noch uͤb⸗ rigen Theile Preuſſens vertreiben und ſich mit dem Papſie wegen eines jährlichen Tributs vom Lande vereinigen; der Hochmeiſter ſey unterrichtet, daß des Koͤniges Botſchafter auch am Kaiſerhofe etwas Aehnliches habe vernehmen laſſen und daß der Koͤnig bereits Hauptleute und Kriegsvolk in Boͤhmen, Schleſien und andern Landen anwerben laſſe; in den koͤnig⸗ lichen Landen beginne man überall Kriegsanſtalten, ernenne die oberſten Hauptleute, halte Truppenmufterungen u. ſ. w. Der Hochmeiſter muͤſſe daher auf Rettung und Vertheidigung ſeines Landes denken und ſpreche die Fuͤrſten um Rath und Huͤlfe an, um ſich der Gewalt mit Gewalt zu erwehren; er flehe demnach auch den Kaiſer an, ihn und ſeinen Orden in der Noth nicht zu verlaffen. ” Darauf kehrte Albrecht noch im December dieſes Jahres nach Preuffen zuruck. Die Kriegsruͤſtungen nahmen ſogleich ſeine ganze Thaͤtigkeit in Anſpruch. Da das Land um dieſe Zeit großen Mangel an geeigneten Kriegspferden litt, ſo wandte er ſich deshalb an mehre Fuͤrſten und Biſchoͤfe in Deutſchland. 2 1) Inſtruction für die Geſandten des HM. an die Kurfuͤrſten und Sürften und für Georg v. Eltz bei feiner Sendung an den Kaiſer, d. Köln a. d. Spree am T. Concept. Mariä 1517 Schbl. C. 294, beide faſt gleiches Lautes. In der an die Kurfuͤrſten ſteht noch folgender Satz: „Es iſt auch auf den HM. beſtellt, mit Gift zu vergeben, wie denn ſolches der HM. mit der Perſon, die er darum benommen und noch gefänglich haͤlt, zu beweiſen hat, die ohne Marter ſolches geſtanden, von wem ſie beſtellt ſey und wer ihr Geld darum gegeben habe.“ Dieſe Stelle iſt in der Inſtruction an den Kaiſer ansgeſtrichen. 2) Schr. des HM. an mehre Füͤrſten und Biſchoͤfe Fol. 1517 b. 0. 44.
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526 Des Kaiſers Friedensvorſchlaͤge. (1517.) Die Stuͤckgießerei in Königsberg war Tag für Tag in Arbeit. Weil ſie aber in der Kürze der Zeit nicht die gewuͤnſchte An⸗ zahl ſchwerer Geſchuͤtze liefern konnte, ſo richtete er an den Herzog von Sachſen, der, wie er erfahren hatte, noch viel ſchweres Geſchüͤtz in Friesland ſtehen hatte, die Bitte, ihm ſolches gegen Bezahlung zu uͤberlaſſen. “ In dieſem Eifer beftärkte ihn noch eine Meldung des kaiſerlichen Rathes Sigis⸗ mund von Herberſtein, den Maximilian mit Friedensvorſchlaͤgen an den Koͤnig von Polen geſandt, freilich Vorſchlaͤgen, von denen faſt entſchieden vorauszuſehen war, daß ſie nicht zum Frieden führen wurden, denn wenn er den König, wie er be⸗ richtete, allerdings auch zum Frieden geneigt gefunden, wie war zu erwarten, daß dieſer Bedingungen annehmen werde, welche von ihm verlangten: er ſolle alle im ewigen Frieden der Krone Polens abgetretenen Lande gegen einen der Krone zu leiſtenden jährlichen Tribut, den der Papſt und ſechs Kurſürſten beſtimmen ſollten, dem Orden wieder einräumen, oder dem Orden Kulmer⸗ land und Pommerellen, worauf die Krone nie Anſpruͤche ge⸗ habt, wieder abtreten und dieſer dann auf alle andern ihm ab⸗ genommenen Lande Verzicht leiſten, oder auch er ſolle dem Orden die Lande jenſeits der Weichſel, welche dieſer vor dem Vertrage ruhig beſeſſen, wieder zurückgeben, fo daß fortan dieſer Strom eine feſte Gränze bilde oder endlich er möge dem Orden ſtatt jener Lande Samaiten und Litthauen uͤberlaſſen, damit die Krone forthin deſto mehr gegen die Ruſſen geſichert ſey.“ Der Koͤnig hatte auf alles dieſes nur kurz geantwortet: „er wolle in allem dem Kaiſer willfahren, ſo daß die Werke Zeugen davon ſeyn ſollten, und werde alles in weitern Betracht neh⸗ men.“ 3) Der größte Theil der Reichsgroßen riethen aufs ent ſchiedenſte: man muͤſſe den Hochmeiſter zum Frieden zwingen, 1) Fol. 1517. p. 632. 2) Inſtruction des Kaiſers fuͤr Sigismund v. Herberſtein bei ſeiner Sendung an d. Koͤnig v. Polen Schbl. C. 359. 3) Schr. des Ritters Sigismund v. Herberſtein an d. HM. d. Moſkfa (Moskau) 19 Decemb. 1517 Schbl. C. 359.
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Verhandlungen mit d. Ständen zu Königsberg. (1518.) 527 zehntauſend Tataren wuͤrden hinreichen, den Meiſter gehorſam zu machen und den Orden zu vernichten.“ Bald nach ſeiner Rückkehr berief Albrecht im Anfange des Jahres 1518 einen Landtag, theils um den Gebietigern und Ständen von ſeinen Verhandlungen in der Ordensſache Bericht zu erftatten, theils um ihnen mehre Beſchluͤſſe zur Genehmigung vorzulegen.) Vor allem ſuchte er durch eine gründliche Vor⸗ ſtellung der aͤußerſt nachtheiligen Folgen des ewigen Friedens nicht bloß für das fernere Beſtehen des Ordens, ſondern vor⸗ nehmlich auch für die Freiheit und den Wohlſtand aller Unter⸗ thanen (die, wenn der ewige Friede in Kraft erhalten werde, nothwendig in die unertraͤglichſte Polniſche Dienſtbarkeit und Knechtſchaft und unter die Gebote völliger Tyrannei gerathen muͤßten), die Staͤnde für fein Geſuch geneigt zu ſtimmen, ihm zur Koſtenbeſtreitung bei den noch fortdauernden Verhandlungen am Röm. Hofe und beim Kaiſer, die Ziſe, wie man ſie ihm ſeit zwei Jahren zugeſtanden, noch auf einige Jahre zu ber willigen. Er unterließ dabei nicht, den Staͤnden anzuzeigen, daß ſich ſeit kurzem am Röm. Hofe die Ausſichten für den Orden wieder ungleich guͤnſtiger geſtellt hätten, indem der Papſt ſtatt des bisherigen Protectors des Kardinals S. Georgii ſeinen eigenen Bruder den Kardinal von Medici zum Protector des Ordens ernannt habe, einen Mann, von deſſen Wirkſamkeit in den Angelegenheiten des Ordens, da er ſelbſt Johanniter und dem Deutſchen Orden ſehr geneigt ſey, nur das Beſte für dieſen erwartet werden duͤrfe.) Die Staͤnde erklaͤrten ſich alsbald bereit, die Steuer von Johanni ab noch auf ein Jahr zu be⸗ willigen, jedoch den Antrag wegen Bewilligung noch auf mehre 1) Schr. des Landkomthurs an der Etſch an d. HM. d. 12 Maͤrz 15183 er hatte die Nachrichten aus Herberſteins Munde. 2) Ausſchreiben des HM. an die Prölaten, Gebietiger u. ſ. w. d. am T. der unſchuld. Kindlein 1518 Fol. 1518 mro 62. 3) Antrag des HM. an die Stände, den Dieterich v. Schoͤnberg vortragen mußte, am T. Fabian u. Sebaſt. 1518 Fol. 1518 mo 62. Schr. des HM. an den DM. und den Meiſter v. Livland, d. Abend Eircumcif, Dei 1518 Fol. 1518 nro 52. 57.
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528 Turnier zu Königsberg. (1518.) Jahre zuvor Landen und Städten zur Berathung vorzulegen, um auf einem ſpaͤtern Landtage daruͤber einen Beſchluß zu faſſen. Dem Hochmeiſter genügte dieß, zumal da die Staͤnde ihm die feſte Zuſicherung gaben, fie winden auch fortan ihm und den Orden als getreue Unterthanen mit Leib und Gut nach ihrem ganzen Vermögen zu Huͤlfe ſtehen. “) Erfreut über dieſe treue Bereitwilligkeit der Stande beſchloß der Meiſter, ihnen ſeinen Dank durch ein großes Feſt zu be⸗ zeugen, welches er auf Faſtnacht dieſes Jahres anordnete. Wie bisher gewoͤhnlich um dieſe Zeit ſchon unter ſeinem Vorgaͤnger und ſtets auch waͤhrend ſeiner Regierung die Verheirathung eines oder mehrer Diener des Hochmeiſters und das für fie von ihm angeordnete Hochzeitsfeſt dazu gedient hatte, fuͤr die dann jedesmal zahlreich eingeladenen Gaͤſte beſonders aus dem Adel des Landes den Ernſt des Lebens auf einige Tage durch Luft und Spiel am fuͤrſtlichen Hofe vergeſſen zu laſſen,“ fo berief er auch dießmal eine große Zahl von Gaͤſten, darunter auch die Biſchoͤfe, felbft den von Ermland, nach Königsberg, um zumächft dem Hochzeitsfeſte ſeines Kaͤmmerers Thomas Raymann beizuwohnen. Die Anſtalten zu dem Feſte und die Zahl der Eingeladenen waren aber dießmal viel bedeutender als je zuvor.) Der Meiſter verband nämlich mit dem Feſte ein großes Turnier, das erſte, welches in Preuſſen, ſo viel wir wiſſen, Statt fand.) Da den meiſten Theilnehmern, wenigſtens 1) Antwort der Staͤnde auf den Antrag des HM. Fol. 1518 nro 62. 2) Ein ſolches Feſt war um Faſtnacht auch erſt im J. 1517 zu Koͤnigsberg gehalten worden. Der HM. erließ dann jedesmal ein Ausſchreiben an die Aemter zur Lieferung des noͤthigen Wildprets, Fol. 1517 Pp. 572 u. Fol. 1518 nro 62. 3) Einladungs-Ausſchreiben an die Prälaten, Gebietiger und Edelleute, d. Donnerſt. u. Sonnab. nach Converſ Pauli 1518 Fel. 1518 nro 14. 62. Dort auch das Verzeichniß der eingeladenen Edel⸗ leute, deren Frauen und Toͤchter ebenfalls mit zu Gaſt gebeten wurden. n bezeichnet das Feſt als Ordnung und Gewohnheit der chriſtl. irche. 4) Die Nachrichten über früher in Preuſſen gehaltene Turniere,
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Turnier zu Königsberg. (1518.) 529 den Landesrittern, die Turniergeſetze noch unbekannt ſeyn moch⸗ ten, ſo ward zuvor eine Turnierordnung entworfen und bekannt gemacht. Das Waffenfeſt begann am Faſtnachtsſonntage, nachdem die Braut zur Hochzeitsfeier in Königsberg eingezogen war. Haupttheilnehmer waren der Meiſter ſelbſt, ſein jüngerer Bruder Markgraf Wilhelm, der mit ihm nach Preuſſen ge⸗ kommen war, Herzog Erich von Braunſchweig und mehre an⸗ dere Ordensbeamte und Landesritter. Am erſten Tage bielt der Hochmeiſter einen Rennkampf mit ſeinem Rathe Philipp von Greuſing; beide wurden wohl getroffen; der erſtere kam dem Pferde auf dem Halſe zu liegen, der letztere fiel ruͤckwaͤrts vom Roſſe. Ein anderes Rennen erfolgte zwiſchen dem Ober⸗ kompan Friederich von Heideck und Dieterich von Schlieben. Am Tage darauf fand ein Stechen zwiſchen dem Herzog von Braunſchweig und dem Braͤutigam Statt, wobei der Herzog fiel. Darauf ſtach Markgraf Wilhelm mit Peter von Dohna in dreimaligem Treffen, in deren einem beide mit den Roſſen ſtürzten. Am dritten Tage kaͤmpften zuerſt mehre Landesritter, dann begann ein ſ. g. Waͤlſches Turnier in zwei Streithaufen mit Schwert und Spieß, deren einen der Hochmeiſter ſelbſt, den andern Markgraf Wilhelm unter Trompetenſchall auf die Rennbahn führten. Auf des Meiſters Seite kaͤmpften der Herzog von Braunſchweig, Friederich von Heideck, Dieterich von Schlieben, Kaspar von Muſſel, auf der des Markgrafen der Hauskomthur Georg von Polenz, Friederich Truchſeß, Peter von Dohna und des Meiſters Schenk Dieterich von Spor. Der Kampf begann zwiſchen dem Hochmeiſter und dem Haus⸗ komthur von Koͤnigsberg und dann der Reihe nach zwiſchen den Uebrigen. Die Spieße und Schwertſchlaͤge trafen ſo heftig, daß bald die Viſiere aufgeſchlagen, bald die Spieße zerbrochen, die Ritter zaumios gemacht, die Helmbüſche vom Kopfe ab⸗ z. B. über das unter Winrich v. Kniprode haben nur den Simon Grunau oder andere unzuverlaͤſſige Chroniſten zur Quelle. 1) Wir haben noch ein Fragment davon Schbl. LXII. 15, ge⸗ druckt in Faber Preuſſ. Archiv B. III. 185. IX. 34
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530 Schwanken zwiſchen Krieg und Frieden. (1518.) gehauen wurden, bis die ſ. g. Grieswaͤrtel oder Turnieraufſeher mit den Griesſtangen die Kaͤmpfer von einander ſchieden. Wer aber den Ehren⸗Dank an dieſem Tage errungen, iſt uns nicht berichtet.) Dem heitern Ritterſpiele indeß folgte bald wieder der ſchwere Ernſt des Lebens. Zuerſt kam vom Kurfuͤrſten Frie⸗ derich und Herzog Johann von Sachſen die Kunde, daß ſie des Meiſters Bitte um Huͤlfe nicht erfüllen koͤnnten, da fie ſelbſt mit einigen ihrer Widerſacher viel zu ſchaffen hätten. ) Auch vom Herzog Georg von Sachſen, dem alten Freunde des Ordens, der ſich deſſen ſonſt immer noch mit vieler Liebe an⸗ nahm, erhielt der Meiſter keine troͤſtende Zuſage. Er wies unter vielen Lobeserhebungen auf des Kaiſers Vermittlung hin, 3) widerrieth den Krieg mit Polen aufs entſchiedenſte, den Hochmeiſter erinnernd, wie es ſeinen Vorfahren mit dem Soͤldnervolke in fruͤ⸗ heren Kriegen ergangen ſey und welchen Gefahren auch er mit ſolchem Volke, wenn er es in Sold nehme, entgegengehe, „da es noch nie fo theuerlöhnig und fo ungewiß geweſen, als es leider jetzt ſey.““) Am meiſten aber befremdete Albrechten die Meldung des Deutſchmeiſters, daß er ſeine Rathsgebietiger in einem Kapitel zu Frankfurt uͤber die von den Deutſchen Ordens⸗ balleien verlangte Kriegshuͤlfe oder Kriegsbeiſteuer befragt, jedoch die Antwort erhalten habe, der traurige Zuſtand der Balleien mache die Leiſtung unmöglich; man wolle indeß das früher zu Koblenz gegebene Verſprechen halten, dem Hochmeiſter, ſofern auch der Kaiſer, die Fuͤrſten und andern Reichsſtaͤnde, die Deutſche Ritterſchaft und der Meiſter von Livland den Orden gegen 1) Die vonftändige Beſchreibung des Turniers Schbl. LXII. 15 und bei Faber a. a. O. 2) Schr. des Kurfuͤrſten Friederich und des Herzogs Johann v. Sachſen an d. HM. d. Altenburg Mont. der unſchuld. Kindlein 1518 Schr. 3. F. 15. nro 3. 3) Er nennt den Kaiſer den „billigſten und nüͤtzlichſten Händler, den Euer Lieb gehaben moͤgen u. ſ. w.“ 4) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. HM. d. Leipzig Mont. nach Circumciſ. Dni 1518 Schr. 3. F. 15 nro 2.
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Schwanken zwiſchen Krieg und Frieden. (1518.) 531 Polen unterſtutzen wuͤrden, mit zweihundert Mann zu Roß und achthundert zu Fuß auf ein Jahrlang zu Huͤlfe zu ſtehen. Daß aber der Hochmeiſter bei dieſer feiner Huͤlfsforderung den Deutſchmeiſter an Gehorſam erinnere, ſey wider alle Gewohn⸗ heit, denn wenn ſonſt ein Hochmeiſter Huͤlfe vom Deutſch⸗ meiſter begehrt, habe er dieſen freundlich darum erſucht und gebeten; auch habe man dem Deutſchmeiſter wohl Schadebriefe ausgeſtellt, um ihm und ſeinem Gebiete die aufgewandten Koſten wieder zu erſtatten. Man muͤſſe daher den Hochmeiſter bitten, daß auch er es beim alten Gebrauche laſſe. Wolle er aber auf feinem Gebote beharren, fo ſey der Deutſchmeiſter erboͤtig, die Sache zu weiterer Eroͤrterung vor ein großes Kapitel zu bringen und von dieſem die Entſcheidung geben zu laſſen, was er in ſolchem Falle zu thun ſchuldig ſey.) Nicht ohne Zorn ließ Albrecht ihm entgegenſagen: nach dem, was ſie in Berlin beredet, habe er eine ſolche Antwort keineswegs erwartet; das Deutſche Gebiet, lange Zeit durch Friede begluͤckt, koͤnne un⸗ moͤglich an Geld ſolchen Mangel leiden wie Preuſſen und Liv⸗ land; er hoffe nicht, daß man ihm mit der Zuſage zu Berlin werde verſpottet haben, denn tauſend Mann koͤnnten auf Jahr und Tag in fremden Landen unter hunderttaufend Gulden doch gewiß nicht unterhalten werden; er erwarte daher, der Deutſch⸗ meiſter werde ſeinem Gehorſam nach, wie ſich's gebuͤhre, ſeine Zuſage halten und durch die That bewaͤhren. An dieſen Gehor⸗ ſam, den der Deutſchmeiſter und alle Ordensglieder in Deutſch⸗ land ihm als Oberhaupt des ganzen Ordens ſchuldig ſeyen, ermahnte er jenen von neuem mit nachdruͤcklichem Ernſte, dro⸗ hend, ihm auf naͤchſtem Reichstage, wenn er es dahin kommen laffe, ſelbſt durch den Kaiſer die Pflichtleiſtung des ihm ſchul⸗ digen Gehorſams anbefehlen zu laſſen. Schlage aber wegen des Deutſchmeiſters und ſeiner Anhaͤnger Ungehorſam und Laͤſſig⸗ keit etwas zum Schaden und Ungluͤck aus, ſo proteſtire er im voraus, es ſey dann nicht ſeine, ſondern des Deutſchmeiſters 1) Schr. des DM. und der Landkomthure im Kapitel zu Frank⸗ furt a. M. d. Mittw. nach Reminiſ. 1518 Schöbl, 98. 63. 34
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532 Schwanken zwifchen Krieg und Frieden. (1518.) Schuld.) Endlich ward auch die Ausſicht auf Beihülfe aus Livland getruͤbt, als ploͤtzich der Hauptmann von Samaiten den Strand zwiſchen Livland und Preuſſen ſtark beſetzte und alle Verbindung unterbrach, ſo daß nicht einmal Kaufleute des Weges mehr hin und her ziehen durften. Der Hochmeiſter ließ ihn zwar mit ſcharfem Nachdruck auffordern, fein ungewöhnliches Vornehmen abzuftellen und drohte mit Maafregeln der Gewalt; allein der Hauptmann war nicht der Mann, der ſich leicht ſchrecken ließ. Da kam ein neuer Botſchafter des Kaiſers an, den Hoch⸗ meiſter abermals zur Aufrechthaltung des Friedens zu ermahnen. Albrecht erklaͤrte ihm: fo weit es dem Orden und der Chriſten⸗ heit frommen konne, ſey er gerne bereit, ſich des Kaiſers Wuͤn⸗ ſchen zu fügen und fi) ihm gehorſam zu zeigen; der drohenden Gefahr wegen vor den Tuͤrken wolle er gerne feiner Seits die Fehde mit Polen auf ſich beruhen laſſen.) Auch beim Könige ſuchte Maximilian durch wiederholte Botſchafter friedliche und mildere Geſinnungen gegen den Orden zu erwecken, ihn auf fordernd, feine Kriegskraͤſte gegen die Unglaͤubigen zu verwenden. Allein dieß alles brachte den Hochmeiſter nicht aus ſeiner ſchwer⸗ bedrängten Stellung. Selbſt des Kaiſers Forderung, mit dem Könige einen Waffenſtillſtand auf ſechs Jahre abzuſchließen, hätte ihm wenig fruchten koͤnnen.) Indeß war er fort und fort bemüht, ſich des Kaiſers und der Deutſchen Fuͤrſten Gunſt zu erhalten; jenen erfreute er auf deſſen Geſuch mit Geſchenken 1) Inſtruction des HM. fuͤr den v. Heideck bei ſeiner Sendung an d. DM. o. D. Fol. 1517 p. 632; ſie ſteht am Schluſſe dieſes Fo⸗ lianten, gehoͤrt aber offenbar ins J. 1518. 2) Inſtruction für Albrecht v. Schlieben bei ſeiner Sendung an d. Hauptmann v. Samaiten, d. Koͤnigsb. am Neujahrstage 1518 Schbl. XVI. 53. 3) Antwort des HM. auf die Werbung des kaiſ. Botſchafters Lorenz Miſchillinger, d. Koͤnigsb. Sonnt. nach Dorothea 1518 Schbl. C. 301. 4) Schr. des HM. an Georg Klingenbeck, d. Dienſt. nach Quaſi⸗ modog. 1518 Fol. 1518 nro 45.
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Schwanken zwiſchen Krieg und Frieden. (1518,) 533 von ſeltenen Gehörnen, namentlich vom Wiſonthiere, D dieſe mit Jagdfalken, den Kurfuͤrſten von Brandenburg mit einer Uhr und mit Wildpret, welches in der Mark damals ſelten war.? Ebenſo mochte er auch dem Könige von Danemark die Bitte nicht verſagen, ihn zu ſeinem Kriege gegen die vom Kaiſer in die Acht erklaͤtten Schweden mit ſchwerem Geſchuͤtz und Pulver zu verſorgen; er ſandte ihm namentlich eine treff⸗ liche Karthaune, die Singerin genannt, weil das ſchwere Ge⸗ This des Koͤniges damals noch in ziemlich üblem Zuſtande und wenig zu gebrauchen war. Dagegen erfuchte er dieſen, dem Kaiſer, wenn er vielleicht Nachfrage wegen der vom Koͤnige dem Orden verſprochenen Kriegshülfe werde halten laſſen, nichts darüber anzuzeigen und überhaupt über ihr gegenfeitiges Huͤlfs⸗ buͤndniß vorerſt noch tiefes Stillſchweigen zu beobachten.“ Den Mangel feines Geſchüͤtzes erſetzte er ſich nicht bloß durch Be⸗ ſtellungen von mehren hundert Hakenbuͤchſen, die er zu Prag verfertigen ließ, ſondern rief auch den jungen Grafen Rein⸗ hard von Solms, der ſich eine Zeit lang in Frankreich auf⸗ gehalten und dort im Artillerieweſen und andern Kriegskuͤnſten manche Erfahrung geſammelt hatte, auf ein halbes Jahr nach Preuſſen, um deſſen Rath in ſeinen Kriegsanordnungen zu be⸗ nutzen.)“ Von dem erfahrenen Kriegshauptmanne Wilhelm 1) Schr. des HM. an d. Kaißer, d. Mont. nach Antonii 1518 Fol. 1518 uro 4. 2) Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenburg an d. HM. d. Koͤln a. d. Spree Aſchermittw. 1518 Schbl. XII. 151. Der Kurfürft machte dem HM, ein Gegengeſchenk mit einem Kreuze, Schbl. B. 552. 3) Schr. des Koͤniges v. Daͤnemark an d. HM. d. Kopenhagen Sonnab. nach Annuntiat. Marid 1518. Schr. Georg Klingenbecks an d. HM. d. Kopenhagen Dienſt. nach Palmar. 1518. 4) Schr. des HM. an Georg Klingenbeck in Daͤnemark, d. Dienſt. nach Quaſimodogen. 1518 Fol. 1518 uro 45. 5) Schr. des HM. an Georg Pullenreiter, d. Sonnt. Quaſimo⸗ dogen. 1518 Fol. 1518 nro 45. 6) Schr. des HM. an den Grafen v. Solms, d. Dienſt. nach Quaſimodogen. 1518 Fol. 1518 nro 6. Der HM. ſagt dabei, daß er ſich auch taglich mit „der Kunſt der Artillerie“ beſchaͤftige. Vgl.
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934 Schwanken zwiſchen Krieg und Frieden. (1518.) von Gruͤn erbat er ſich Muſter zu Schiffbruͤcken nach Italie⸗ niſcher Art und belohnte ihn mit der gewuͤnſchten Aufnahme in die Ordensbruͤderſchaft.) So verſaͤumte der Meiſter nichts, was nur irgend zur Landesvertheidigung nothwendig war, wes⸗ halb er im Fruͤhling auch wieder einen Umzug durch alle Ordens⸗ haͤuſer hielt, um die Wehranſtalten zu befichtigen. 2 Mittlerweile langte beim Meiſter eine paͤpſtliche Bulle an, worin allen Koͤnigen und Fuͤrſten bei Strafe der Excommu⸗ nication ein fuͤnfjaͤhriger Gottesfriede anbefohlen ward, um waͤhrend deſſen theils auf dem allgemeinen Concilium die ge⸗ eignetſten Mittel zu berathen, wie der Uebermacht und Tyrannei der Tuͤrken zu begegnen ſey, theils auch die Kriegskraͤfte der chriſtlichen Reiche zum Kampfe gegen den Glaubensfeind zu vereinigen.) Der Papſt ſandte uͤberdieß als Legaten den Predigermoͤnch Nicolaus von Schoͤnberg an den Hochmeiſter zur weitern Berathung mit ihm über die Tuͤrkiſchen Angelegen⸗ heiten und über die Verhaͤltniſſe mit Polen. ) Albrecht hatte ferner durch einen neuen kaiſerlichen Botſchafter, der mit dem Ordensmarſchall Georg von Eltz nach Preuſſen kam, die Auf⸗ forderung erhalten, auf dem Reichstage zu Augsburg, der am 18ten April eroͤffnet werden ſollte, entweder in Perſon zu er⸗ ſcheinen, oder feine Bevollmaͤchtigte zu fenden.? Obgleich der Baeczko über die militaͤr. Kenntniſſe des Markgr. Albrecht in Bei⸗ trägen zur Kunde Preuſſ. B. III. 347 ff. 1) Schr. des HM. an Wilhelm v. Gruͤn, d. Mont. nach Judica 1518 Fol. 1518 nro 6. Schr. des HM. an denſelb. d. Sonnt. nach heil. drei Könige 1519 Fol. 1519 uro 6. 2) Ausſchreiben des HM. an die Aemter, d. Mont. nach Miferis cord. 1518 Fol. 1518 nro 62. 3) Die paͤpſtl. Bulle, d. Romae VI Idus Martii 1517 Schbl. XVI. 3. Die Bulle gehoͤrt ins J. 1518, weil, wie aus dem Datum ſelbſt deutlich wird, Leo hier das Jahr nach Art der Florentiner zaͤhlt. 4) Wir haben hieruͤber nur noch das Creditiv des Papſtes in einem Breve, d. Romae XVIII Martii 1518 Schbl. XVI. 3 (a). 5) Das gedruckte Ausſchreiben des Kaiſers zum Reichstage, d. Augsburg 9 Februar 1518 Schbl. G. 359. Credenzſchreiben des Kaiſers
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Huülfsbündniß zwif. d. HM. u. d. Großf. v. Moskau. (1518.) 535 Kurfürſt von Brandenburg und der Erzbiſchof von Mainz dem Meiſter wohlmeinend riethen, der Stimme des Papſtes und des Kaiſers Gehör zu geben, den Krieg mit Polen moͤglichſt zu vermeiden und auf den naͤchſten Reichstag zu vertrauen, wo auch die Sache des Ordens zur Sprache kommen ſollte, ſo war es ihm, wie er dieſen Fürſten offen geſtand, doch ſchwer, auf den Papſt und den Kaiſer noch einige Hoffnung zu ſetzen. Die Art, wie erſterer auf dem letzten Concilium zu Rom die Ordensſache behandelt, war noch in friſchem Andenken. Auf Reichstagen war ſchon zweiundzwanzig Jahre lang den Streit mit Polen zu entſcheiden verſprochen worden. Indeß beſchloß der Meiſter, um ſich dem Kaiſer und Reich als gehorſamer Fürft zu beweiſen, Geſandten auf den Reichstag abzufertigen, darauf vertrauend, die beiden genannten Kurfürften und andere dem Orden wohlgeneigte Reichsſtaͤnde würden jetzt den Kaiſer mit allem Nachdruck an die dem Orden gegebenen Verſprechun⸗ gen und Mandate erinnern, um endlich einmal eine Entſcheidung zu bewirken.) Was ihn in dem Beſchluſſe noch beſtaͤrkte, war die Ruhe, welche der Koͤnig von Polen trotz ſeiner kriege⸗ riſchen Sprache gegen die Staͤnde Weſtpreuſſens gegen ihn ſeit feiner Ruͤckkehr aus Berlin beobachtet hatte, die freilich beſonders in der letztern Zeit eine Folge davon war, daß der Großfuͤrſt von Moskau wieder mit großer Macht an den Graͤnzen ſeines Reiches lag. Der Großfuͤrſt aber und der Hochmeiſter waren ſich laͤngſt ſchon naͤher getreten, denn beider fortdauernde Feindſchaft gegen Polen machte fie an ſich ſchon zu natuͤrlichen Bundesgenoſſen. Bereits im vorigen Jahre hatte Albrecht ſeinen vertrauten Rath Dieterich von Schönberg nach Moskau geſandt, wo er mit fuͤr ſeinen Rath Jobſt von Oberweimar und den Ordensmarſchall bei ihrer Sendung an d. HM. d. Augsburg 15 Febr. 1518 Schl. LXX. 9. 1) Antwort des HM. auf das Anbringen des Geſandten des Kurfürsten von Brandenburg, d. Mittw. nach Palmar. 1518 Fol. 1518 uro 64. 2) Schutz p. 456.
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536 Huͤlfsbuͤndniß zwiſ. d. HM. u. d. Großf. v. Moskau. (1518.) hoher Achtung und Auszeichnung empfangen worden war. Es war damals ſchon zwiſchen dem Großfuͤrſten und dem Orden ein Angriffs- und Vertheidigungsbuͤndniß gegen den König von Polen zu Stande gekommen. Der Hochmeiſter verlangte eine monatliche Summe von ſechzigtauſend Rhein. Gulden zum Unterhalt von zehntauſend Mann Fußvolk und zweitauſend Reitern und der Großfürft verſprach fie, ſobald der Orden Danzig, Thorn, Marienwerder und Elbing einnehmen und dann ſeine Waffen gegen Polen ſelbſt richten werde. Nur die Be⸗ dingung wollte er in den Vertrag nicht mit aufnehmen, daß Rußland keinen Frieden mit Polen ſchließen ſolle, bevor man dem Könige nicht alle ehemals dem Orden zugehörigen Staͤdte wieder abgenommen habe. Es war damals beſchloſſen worden, das Buͤndniß noch geheim zu halten, damit der König nicht Zeit gewaͤnne, ſich zum Kriege vorzubereiten.) Der Hoch meiſter hatte ſchon damals den Wunſch geaͤußert, der Großfuͤrſt möge das verſprochene Silber nach Königsberg ſenden, wo es in Anweſenheit Ruſſiſcher Beamten in Muͤnze verwandelt werden ſollte; allein man hatte ihm geantwortet: das Silber fey bereit; bevor man es aber ſende, muͤſſe der Orden den Krieg eröffnen. 2 Dieß hatte jedoch im Laufe des vorigen Jahres, wie wir ge⸗ ſehen, nicht geſchehen koͤnnen. Mittlerweile nun hatte der Kaiſer durch ſeinen ſchon erwaͤhnten Geſandten Sigismund von Herber⸗ ſtein Friedensunterhandlungen zwiſchen dem Koͤnige und dem Großfürften anknuͤpfen laſſen, weil er feines Tuͤrkenzuges wegen den erſtern gegen Rußland ſicher zu ſtellen ſuchte. Es war ihm nun zwar nicht gelungen, den Ruſſiſchen Herrſcher zur Niederlegung der Waffen zu bewegen, vielmehr hatte dieſer dem Kaiſer anſagen laſſen: er werde den Krieg nicht eher beendigen, 1) Karamſin B. VII. 66 bemerkt: Dieterich v. Schönberg ſey mit einem ſammetnen Pelz, 40 Zobeln und 2000 Eichhornfellen be⸗ ſchenkt in Begleitung eines Ruſſiſchen Botſchafters nach Koͤnigsberg zurückgekehrt, wo in deſſen Gegenwart die Eides-Urkunden ausgewech⸗ ſelt worden ſeyen. 2) Karamfin aa. O.
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Huͤlfsbuͤndniß zwiſ. d. HM. u. d. Großf. v. Moskau. (1518.) 537 als bis der König alle feine Forderungen erfulle.) Allein der Umftand ſchon, daß der Großfuͤrſt ſich in friedliche Unterhand⸗ lungen eingelaſſen und der kaiſerliche Geſandte immer noch die Hoffnung hegte, wenn auch nicht einen Frieden, doch einen mehrjährigen Waffenſtillſtand zwiſchen beiden Fuͤrſten zu Stande zu bringen,“ bewog den Hochmeiſter ſchon im Februar dieſes Jahres ſeinen Rath Dieterich von Schoͤnberg abermals an den Großfürſten zu ſenden, theils um ihm bie Gruͤnde anzuzeigen, warum er feine Kriegsunternehmung gegen Polen nicht habe ausführen koͤnnen, da ihn der Kaifer gehindert, theils ihm zu melden, daß er, da jetzt die Unterhandlungen des Kaiſers ſchon faft gaͤnzlich abgebrochen ſeyen, den Krieg gegen Polen be⸗ ginnen werde, ſobald es nur irgend die Zeit geſtatte. Er ließ ihn daher dringend bitten, den Kampf gegen den Koͤnig jetzt unter allen Umſtaͤnden fortzuſetzen, ihm meldend: die Litthauer und Polen wollten dem Könige eine von ihm geforderte Steuer nicht eher geben, als bis er mit Rußland Friede ſchließe; die Fortſetzung des Krieges hindere dieſen alfo an der Erhebung der Steuer und ohne dieſe konne er nicht Krieg führen. Als brecht rieth dem Großſuͤrſten, um Oſtern, wo der Koͤnig mit allen Polniſchen Herren ſein eheliches Beilager zu Krakau feiern werde, ) in Litthauen oder Samaiten einzubrechen, wo im offenen Lande kein Kriegsvolk und keine Feſtung ſeinen Waffen Widerſtand leiſten werde; endlich brachte er beim Großfuͤrſten feine verheißene Geldunterſtutzung von neuem in Erinnerung. a Dieſer verſprach, feinem Bündniffe mit dem Meifter auch ferner: hin getreu zu bleiben, den Krieg gegen Polen keineswegs ein⸗ zuſtellen, doch in der Hoffnung, daß auch der Hochmeiſter ſein 1) Schr. des Landkomthurs an der Etſch an d. HM. d. 12. Maͤrz 1518. 2) Darüber das Nähere bei Karamſin B. VII. 67 - 72. 3) Schütz p. 456. Auch der Kurfuͤrſt v. Brandenburg war dorthin eingeladen, Schbl. B. 551. 4) Die Werbung Dieterichs v. Schönberg an die vom Öroffürften dazu verordneten Raͤthe zu Moskau am Sonnt. Judica 1518 Schöl. 81. Schönberg kam nach Moskau am Sonnab. nach Invocavit.
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538 Huͤlfsbündniß zwif. d. HM. u. d. Großf. v. Moskau. (1518.) im Buͤndniſſe gegebenes Verſprechen erfüllen und feine Kriegs⸗ unternehmung gegen den König ſobald als möglich ausführen werde; ſobald er dann nach Inhalt des Vertrages dieſem die entriſſenen Staͤdte und Lande wieder abgewonnen und ſeinen Kriegszug gegen Polen ſelbſt gerichtet habe, verhieß der Groß: ſuͤrſt ihm auch die zugeſagte Unterſtuͤtzung aus feinem Schatze. Auch des Meiſters Bitte, dem Koͤnige von Frankreich ſchriftlich zu melden, daß er ſich des Ordens huͤlfreich angenommen und zum Schutze feines Landes ſich mit ihm verbindet habe, erfüllte der Großfürſt durch Ueberſendung eines Schreibens, welches der Meiſter ſelbſt nach Frankreich befoͤrdern ſollte.) Endlich ſandte er auf des letztern Geſuch auch einen Botſchafter mit nach Preuſſen, welcher der Kriegsunternehmung des Ordens als Augenzeuge beiwohnen ſollte, wobei er melden ließ: ſobald dieſer Botſchafter ihm Nachricht gebe, daß der Kriegszug be⸗ ginne, ſo werde er ohne Verzug ſeinem Schatzmeiſter in Ples⸗ cow Befehl ertheilen, mit einer namhaften Summe ſich zum Hochmeiſter zu verfügen. ? Gegen Ende des Mai langte Die: terich von Schoͤnberg mit dem Botſchafter in Labiau an und ertheilte dort dem Meiſter Nachricht vom Erfolge ſeiner Sen⸗ dung. Seitdem beſtand eine fortwaͤhrende Verbindung zwi⸗ ſchen beiden Fuͤrſten, indem beide von Zeit zu Zeit von den Verhaͤltniſſen ihrer Stellung gegen den König ſich gegenfeitig benachrichtigten.“ 1) Warum dieß der HM. gewuͤnſcht, iſt nicht ganz klar; es heißt aber ausdruͤcklich, daß Diet. v. Schoͤnberg gebeten habe ex parte Al- berti generalis magistri domini Prucie, ut nos vellemus sibi graciam facere mittere pro eo nostram litteram ad regem Gallie, notum facere boc, quod nos generali magistro fecimus graciam, suscepimus ipsum ad nos in unitatem et pro ipso pro ipsiusqne terra stamus. 2) Bericht uͤber die Antwort des Großfuͤrſten auf die Werbung Schoͤnbergs Schbl. 81. 3) Am Dienſt. nach Trinitat. ertheilte der HM. dem Ruſſiſ. Bot: ſchafter zu Labiau Audienz; Schbl. 81. 4) Schr. des HM. an d. Meiſter v. Livland, d. Sonnt. nach Kiliani 1518 Fol, 1518 nro 57. Index corp. histor. diplom. Livoniae T. II. p. 179.
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Verhandlung mit dem Könige v. Polen. (1518.) 539 Vertrauend auf dieſe Beihuͤlfe aus Rußland ſetzte der Meiſter ſeine Kriegsruͤſtungen mit doppeltem Eifer fort, be⸗ ſtellte in Augsburg Waffen, ließ aus Deutſchland Streithengſte nach Preuſſen kommen,! gebot allen kriegspflichtigen Ein⸗ ſaſſen der Gebiete ſich vollkommen kriegsfertig zu halten, hielt felbft Kriegsmuſterung durchs ganze Land, verbot alle Getreide⸗ ausſuhr, ließ die Städte überall mit Proviant verſorgen und alles in Wehrſtand ſetzen.) Auch auf des Daͤniſchen Königes Hülfsgenoſſenſchaft ſah der Hochmeiſter nicht ohne Hoffnung hin. Bei Kopenhagen hatte ſich bereits ein kernhafter Streit⸗ haufe von fünftaufend Söldnern geſammelt, deren Hauptleute gerne in des Ordens Dienſte treten wollten. Vergebens hat⸗ ten die Danziger verſucht, ſie in ihren oder des Polniſchen Königes Sold zu locken.“ Der Koͤnig von Daͤnemark hoffte gewiß die Schweden, deren Hauptſtadt Stockholm er im Sommer ſtark belagerte, bald zum Gehorſam zu zwingen und verſprach dem Hochmeiſter wiederholt, ihm ſeine vielfaͤltigen Huͤlfsleiſtungen im Kriege gegen Schweden reichlich zu ver⸗ gelten.“ Des Meiſters Eifer in ſeinen kriegeriſchen Vorbereitungen belebte bald noch mehr die von neuem ſchwer drohende Sprache, mit welcher der Koͤnig nach der Feier ſeines Beilagers zu Krakau, wobei er die Klagen gegen den Orden nicht hatte vergeſſen koͤnnen, den Hochmeiſter durch einen Botſchafter abermals zur Rede ſtellen ließ, daß er widerſpaͤnſtiges Geiſtes immer noch ſaͤume, feinen Pflichten gegen ihn, den Lehensherrn, 1) Fol. 1518 nro 2. 7. 2) Schr. des HM. an die Gebietiger, d. am Abend Margareth. 1518 Fol. 1518 nro 62. 3) Schr. Georgs v. Klingenbeck an d. HM. d. Kopenhagen Dienſt. nach Palm. 1518. 4) Schr. des Koͤniges Chriſtian v. Daͤnemark an d. HM. d. vor Stockholm am T. Divif. Apoſt. 1518. 5) Schr. des Kurfürſten v. Brandenburg an d. HM. d. Koͤln a. d. Spree am T. Johannis Bapt. 1518 Schbl. B. 552. Der Kur⸗ fürft ſandte dem HM. die Klagartickel zu.
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540 Verhandlung mit dem Könige v. Polen. (1518.) wie der ewige Friede fordere, nachzukommen. Es hatte ihn wie⸗ der ſehr erbittert, daß Albrecht, von ihm eingeladen, bei jenem Feſte weder in Perſon erſchienen war, noch auch einen Bot⸗ ſchafter geſandt hatte. Markgraf Kaſimir, der dem Feſte bei⸗ gewohnt, rieth ſeinem Bruder jetzt dringend, ſich mit dem Könige auszugleichen, fo ſehr hatte ihn deſſen Zorn erſchreckt. “ Sigismund beſchuldigte jetzt in ſeinen Klagen uͤber das fort⸗ dauernde wilde Raubweſen den Hochmeiſter geradezu, daß er dieſes Unweſen dadurch am meiſten ſelbſt beguͤnſtige, daß er in ſeinem Lande allerlei muthwilliges und freches Raubgeſindel dulde und ſomit ſelbſt dem Rauben, Morden und Brennen in des Koͤniges Landen Vorſchub leiſte. Auch uͤber des Mei⸗ ſters Verbot der Getreideausfuhr ließ er Beſchwerde fuͤhren und endlich daruͤber eine Erklaͤrung fordern, warum der Hoch⸗ meiſter, wie man ſicher erfahre, bei mehren Fuͤrſten gegen Po⸗ len Hülfe ſuche und ſich fo eifrig in Deutſchland um Kriegs⸗ volk bewerbe.) Albrecht ließ ihm die Antwort bringen: er koͤnne nicht zweien Herren, dem Kaiſer und dem Koͤnige dienen. Vom Kaiſer aber haͤtten ſeine Vorfahren und ſomit auch er das Land bekommen und dem Kaiſer habe er nun einmal ge⸗ ſchworen. Von boͤſen und frechen Raubgeſellen wiſſe er nichts in ſeinem Lande, wohl aber ſeyen etliche Reiter und Kriegs⸗ geſellen mit der Klage gekommen, daß ihnen von Unterthanen des Koͤniges kein Recht widerfahre, obgleich ſie ſich mehrmals an den Koͤnig ſelbſt gewandt; er habe ihnen daher nicht ver⸗ bieten koͤnnen, ſich ihres Schadens ſelbſt zu erholen. Den Han⸗ del mit des Koͤniges Unterthanen habe er keineswegs unterſagt, ſondern nur die Ausfuhr der ſeinem Lande ſelbſt beduͤrftigen Lebensmittel zur Vermeidung allzu großer Theuerung. Ueber die Buͤndniſſe, die er mit fremden Fuͤrſten geſchloſſen haben ſolle, duͤrfe man nicht großes Aufheben machen; er habe viele verwandte Fuͤrſten und Herren, von denen er ſich gewiß Hülfe 1) Schr. des HM. an den Markgrafen Kaſimir, d. Freit. nach Octava Corp. Chriſti 1518 Schbl. B. 561. Bock S. 93 — 94. 2) Schütz p. 458. .
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Tod des Biſchoſs v. Samland. (1518.) 541 und Beirath verſprechen konne, ſobald ihm irgend Gewalt und Gedrang widerfahre. Habe ubrigens der Koͤnig oder einer von deſſen Unterthanen Anſpruͤche an ihn, fo ſey er ſtets bereit, ſich darin vor feinen gebührlichen Richter zu ſtellen. * So die windige Sprache des Meiſters; fo aber faßte man ſich gegenfeitig auch immer fehärfer ins Auge. Mit jedem Tage nun ſtieg die feindliche Spannung hoͤher. Das zeigte ſchon des Koͤniges bald darauf erfolgende Verordnung, welche allen Polniſchen Unterthanen den Handel in die Ordenslande bei Leibesſtrafe und Verluſt aller Guͤter aufs ſtrengſte unter⸗ ſagte.“ Je mehr aber der Hochmeiſter unter ſolchen Ver⸗ haͤltniſſen den baldigen Ausbruch eines Krieges erwarten zu muͤſſen glaubte, um ſo mehr kuͤmmerte es ihn, den Deutſch⸗ meiſter und die ihm untergebenen Landkomthure bei ihrer Ver⸗ weigerung der in Berlin zugeſagten Kriegshuͤlfe beharren zu ſehen. Er forderte daher den erſtern jetzt nochmals auf ſeinem Verſprechen nachzukommen. Ebenſo ſah der Hochmeiſter nicht ohne Beſorgniß auf Livland hin, denn dort hinderte eine bedenkliche langwierige Krankheit den Meiſter Walther von Plettenberg faſt an aller Thaͤtigkeit.“ Dazu kam noch die traurige Nachricht von des Biſchofs von Samland Tod, der, nachdem er kurz zuvor ſein Andenken noch durch die Stiftung eines Stipendiums fuͤr einen Stu⸗ direnden aus der Familie von Buͤnau verewigt hatte, den mehrjährigen Leiden einer ſchweren Krankheit am ſechzehnten Juli zu Merſeburg hatte erliegen muͤſſen.) Der Hochmeifter, 1) Schütz p. 458 — 459. 2) Das Manifeſt des Koͤniges, d. Krakau am T. Johannis des Täuf. 1518 bei Schütz p. 459. 3) Schr. des HM. an den DM. d. Dienſt. nach Aſſumt. Mariä 1518 Fol. 1518 nro 52. 4) Mehre Schr. des HM. daruͤber vom Donnerſt. nach Aſſumt. Mariä bis in den Novemb. 1518 Fol. 1518 nro 57. 5) Vgl. Geb ſer Geſch. des Doms zu Königeb. B. I. 240. 6) Den Todestag des Biſchofs erfahren wir aus zwei Schr. des Bifchofs Adolf von Merſeburg Fürſten von Anhalt an den HM. und
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542 Tod des Biſchofs v. Samland. (1518.) dem er ſtets mit Liebe und Anhaͤnglichkeit zu Rath und That zur Seite geſtanden, ließ ſeine Gedaͤchtnißfeier durch einen Trauergottesdienſt im ganzen Lande begehen.) Wer aber konnte jetzt das verwaiſte Biſthum, welches ſo ſehr eines kraͤf⸗ tigen und durch Bildung ſich auszeichnenden Oberhirten be⸗ durfte, würdiger verwalten, als der Mann, der einſt mit dem Hochmeiſter zugleich das Ordenskleid angelegt, bisher in ver⸗ ſchiedenen Ordensaͤmtern vielfache Erfahrungen geſammelt, ſeine einſt in Italien, namentlich auch am paͤpſtlichen Hofe erworbenen Lebens- und Geſchaͤftskenntniſſe und ſeitdem viel⸗ ſeitig erweiterte Bekanntſchaft mit den Verhaͤltniſſen der Welt theils in den verwickeltſten Angelegenheiten des Ordens als Unterhaͤndler beim Könige von Polen, theils durch Sendungen an den Kaiſerhof, an den paͤpſtlichen Stuhl und verſchiedene Deutſche Reichsſtaͤnde, theils auf manche andere Weiſe fo trefflich bewaͤhrt hatte, Georg von Polenz naͤmlich, der ſich zuletzt noch als Hauskomthür zu Kort berg durch ſeine eifrige Amtsthaͤtigkeit das hohe Wohlwollen und Vertrauen des Hoch⸗ meiſters erworben hatte.) Auf ihn fiel daher auch deſſen erſter Blick bei der Erledigung des Samlaͤndiſchen Biſchofsſtuhles. Seine Wahl indeß verzoͤgerte ſich noch, da der Hochmeiſter zuvor um ein gerichtliches Inſtrument uͤber den Tod des letz⸗ ten Biſchofs beim Biſchofe von Merſeburg einkommen mußte, weil es noͤthig war, ein ſolches bei der Wahl eines neuen Biſchofs am Rom. Hofe einzureichen. ® an das Domkapitel v. Samland, d. Merſeburg Sonnab. nach Diviſion. Apoſt. 1518 Schbl. LXVII. 17. 18, worin er meldet, daß der Biſchof Günther geſtern Nachmittag um 4 uhr geſtorben und am heutigen Tage in der dortigen Stiftskirche beſtattet worden ſey. Die aus Simon Grunau Tr. XX von Leo p. 345 u. 378, Henneberger p. 132, De Wal r. viII. 66 aufgenommene Erzählung, die man bei Geb⸗ ſer a. a. O. nachleſen kann, entbehrt aller Glaubwürdigkeit. 1) Ausſchreiben des HM. an alle Aemter, d. Donnerſt. nach Lau⸗ rent. 1518 Fol. 1518 nro 62. 2 2) Ueber die nähern Lebensumſtaͤnde Georgs v. Polenz vor ſeiner Biſchofswahl ſ. Gebſer a. a. O. S. 244 ff. 3) Schr. des HM, an den Biſchof v. Merſeburg, d. am T. Na⸗
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Verhandlung auf dem Reichstage. (1518.) 543 Nun war im Auguſt der Reichstag zu Augsburg eröffnet worden. Der Hochmeiſter hatte ſeinen Rath Sigismund von Sichau als Botſchafter dorthin geſandt, “ aber zugleich auch dem Ordensmarſchall Georg von Eltz und dem Landkomthur an der Etſch Heinrich von Knorringen den Auftrag ertheilt, dort ſeine Stelle zu vertreten und nach einer ihnen zugefertig⸗ ten ſehr ausfuͤhrlichen Inſtruction vor dem Kaiſer und den Reichsſtaͤnden die Verhandlungen uͤber die Verhaͤltniſſe des Ordens mit Polen einzuleiten.) Sie waren beſonders ange⸗ halten, ſich vor der Verhandlung uͤber alles mit den Raͤthen des Markgrafen Kaſimir und des Kurſuͤrſten von Brandenburg ſorgſam zu berathen. Am 17. Auguſt erhielten fie Gehör beim Kaiſer und legten ihm laut ihrer Inſtruction eine gruͤndliche Erörterung der Streitſache vor. Er antwortete aber nur: er wolle die Sache, da ſie von großer Wichtigkeit ſey, zuvor erſt naͤher bedenken und zunaͤchſt auch die Vorſtellung der Pol⸗ niſchen Botſchafter vernehmen. Als ſolche waren auf dem Reichstage erſchienen der Biſchof von Ploczk Raphael von der Lißt, ein Woiwode aus Litthauen und einige andere. Ihnen ertheilte der Kaiſer, da ihn die Ordensgeſandten ausdruͤcklich gebeten hatten, die Sache nicht zu lange zu verſaͤumen, nach einigen Tagen ebenfalls Gehoͤr im Beiſeyn aller Kurfuͤrſten, Fürften und Reichsſtaͤnde. Der Polniſche Biſchof trat mit einer langen Rede auf, „die voll von Schaͤndungen und Schmaͤhungen gegen den Orden war.“) Als er geendet, ließ der Ordensmarſchall den Kaiſer durch den Hofmarſchall um tivitat. Mariä 1518 Fol. 1518 mo 2. Es heißt: Nachdem uns dem Landes fürſten eigen und geziemen will, das gemelt Biſtumb widerumb mit einem haubre zu verändern, wil uns von noͤthen fein, dieweil wir ſolches am Baͤbſtl. Hoff zu Rom ſuchen und erheben muͤſſen, das durch einen Notarien und Inſtrument bezeugt werde, wenn und wie unſer Freund von Samland ſeine letzte Zeit beſchloſſen u. ſ. w. 1) Inſtruction fuͤr Sigismund v. Sichau o. D. Fol. 1518 nro 64, 2) Die Inſtruction vollſtaͤndig Schbl. C. 310. 3) Davon theilt Georg v. Eltz in ſeinem Berichte an den HM. eine Probe mit.
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544 Verhandlung auf dem Reichstage. (1518.) Erlaubniß bitten, auf dieſe Auslaſſung der Gegner ihm vor der Verſammlung ein Wort zu goͤnnen. Der Kaiſer aber ſchlug es ab; umſonſt fiel ihm der Marſchall bittend zu Fuͤßen; er beharrte bei ſeiner Verweigerung, ihn mit den Worten zu⸗ rückweiſend: „Es iſt jetzund nicht Zeit, ihr folltet doch meiner Ehre daran verſchonen; ich werde euch wohl ſagen, wann es Zeit ift, doch ſeyd nicht zu hitzig in der Sache!“ — „ Alſo habe ich ſchweigen müffen, ſagt der Marſchall, und habe die beiden Kurfürſten von Brandenburg und Mainz und den. Markgrafen Kaſimir gar erbarmlich angeſehen, der Hoffnung, fie follten ſich der Rede annehmen. Es hat mir aber leider mein ſaures Ausſehen nicht helfen mögen.” Mehrmals ließen die Ordensgeſandten den Kaiſer erſuchen, er moͤge mit der Pol⸗ niſchen Botſchaft verhandeln, damit ſie endlich zur Antwort kommen koͤnnten; ſie wollten dann nach Umſtaͤnden des Or⸗ dens Beſchwerniſſe auch an die Kurfürfien und Reichsſtaͤnde bringen und auf der Polen Schmaͤhworte hinreichende Antwort geben. Statt deſſen aber ließ Maximilian ihnen durch den Kurfürſten von Brandenburg den Beſcheid ertheilen: der Kai⸗ ſer habe mit der Polniſchen Botſchaft wegen eines Compro⸗ miſſes an ihn, einige Kurfürften und Reichsfuͤrſten verhandelt, aber zugleich auch eine guͤtliche Verhandlung zu endlicher Bei⸗ legung des Streites vorgeſchlagen. Beides habe ſie nicht an⸗ genommen. Er wolle jetzt mit den Reichsſtaͤnden verſuchen, die Botſchafter zur Annahme von Commiſſarien zu gewinnen und dann ſolche aus den Kurfuͤrſten und Fürſten ernennen, die an einem geeigneten Orte zuſammen kommen ſollten, um den Streit guͤtlich beizulegen. Wofern dieß nicht geſchehe, fo ſollten die Commiſſarien vom Papſte und dem Kaiſer den Befehl haben, auf fuͤnf Jahre Friede zu gebieten. Da auch der Kurfinfi von Brandenburg den Ordensgeſandten rieth, dieſen Beſcheid ohne weiteres anzunehmen, ſo blieb ihnen nichts übrig, als ſich hierbei zu beruhigen, denn der Kaiſer und der Reichstag beſchaͤſtigten ſich nun mit andern wichtigen Reichs⸗ angelegenheiten. Wahrenddeß aber benutzten die Ordensgeſandten die An⸗
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Verhandlung auf dem Reichstage. (1518.) 545 weſenheit einer großen Zahl von Grafen, Rittern und Edel⸗ knechten auf dem Reichstage, mit dieſen in naͤhere Verhandlung zu treten. Sie ſuchten fie dahin zu vermögen, den Reichs⸗ fürſten Öffentlich zu erflären: da fie vernaͤhmen, daß der Orden“ in Preuſſen mit Gewalt und wider Recht von der Krone Po⸗ lens ſchon zum Theil verdraͤngt worden und nun auch um das übrige Land gebracht werden ſolle, ihre Voraͤltern aber dieſe Lande den Unglaͤubigen mit ihrem Blute abgenommen hätten, der Orden ſich auch vor Papſt, Kaiſer, Königen und Fuͤrſten zu Recht erboten und immer ohne Erfolg, ſo ſey jetzt, da ſie Preuſſen gewiſſermaßen mit als ihr Eigenthum betrachteten, ihr Wille, den Orden in keiner Weiſe zu verlaſſen, hoffend, daß auch die Kurfürften und Fuͤrſten, wenn fie bedaͤchten, welcher Nachtheil der ganzen Chriſtenheit aus ſeiner Vertreibung ent⸗ ſtehen werde, ihm nicht minder mit getreuer Hülfe und Rath beiftehen wuͤrden u. ſ. w.) So ging der Reichstag hin, ohne daß der Orden irgend eine nahe Ausſicht zur Beendigung ſeiner Mißverhaͤltniſſe mit Polen gewonnen; der Hochmeiſter hatte ſie auch kaum erwartet; aber auch die Polen fanden ſich durch des Kaiſers Anordnung keineswegs zufrieden geftellt. ®) Wie der Reichstag aber von neuem gezeigt hatte, ließ ſich von den Reichsfuͤrſten wenig Beiſtand zur Rettung des Ordens aus feiner Bedraͤngniß erwarten; erflärte doch dem Hochmeiſter ſein naher Verwandter der Kurfuͤrſt von Mainz, daß er ihm wegen der unruhigen Bewegungen im Reiche ſein Verſprechen, ihn auf ein Jahrlang mit achthundert Mann unterftügen zu wollen, nicht erfüllen koͤnne.“ Der Kurfuͤrſt von Branden⸗ 1) Schr. des Ordensmarſchalls Georg v. Eltz und des Land⸗ komthurs Heinrich v. Knorringen an d. HM. d. Augsburg 1 Sept. 1518 Schbl. C. 310. 2) Daß in der Ordensſache auf dem Reichstage ſonſt nichts weiter geſchah, beweiſt ein Schr. des Ordensmarſchalls an d. HM. d. Augsburg 12 Sept. 1518 Schbl. C. 310. Schr. des Kurfürften v. Bran⸗ denburg an d. HM. d. Augsburg Sonnt. Decollat. Johannis 1518 Schbl. B. 550. 3) Schr. des Erzbiſchofs v. Mainz an d. HM. d. Halle auf der Moritzburg Sonnt. nach Aller Heilig. 1518. IX. 35
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546 Theuerung im Lande. (1518.) burg verſprach zwar ihm feine Zuſage getreu halten zu wollen, machte jedoch ſeine Beihuͤlfe von der ſeiner Vettern und der Brüder des Hochmeiſters abhängig. D Um fo mehr mußte es des Meiſters Beſtreben ſeyn, ſo viel als moͤglich den Adel in Deutſchland zur Huͤlfe für den Orden zu gewinnen. Wolf von Schönberg, ein naher Verwandter Dieterichs von Schoͤn⸗ berg, erhielt daher den Auftrag, unter dem Deutſchen Adel uberall Verbindungen anzuknüpfen und Verabredungen zu tref⸗ fen. Mehre adelige Häufer, wie das der von Plauen, der von Sparneck am Rhein u. a. gewann der Meiſter ſelbſt durch die Aufnahme ihrer Söhne an feinen Hof oder in den Orden.“ Vor allem aber war nothwendig, die innern Kraͤſte des Landes zuſammenzuhalten und ſo viel als moͤglich zu vermehren, wobei ſich Albrecht viclfach des Rathes des erfahrenen und viel⸗ verdienten Biſchofs Hiob von Pomeſanien zu erfreuen hatte; mit ihm zog er alle wichtigen Angelegenheiten des Landes in Berathung.“ Bunächft war es die ſteigende enorme Theue⸗ rung aller Lebensbeduͤrfniſſe und die dadurch im Volke immer zunehmende Armuth, auf deren Milderung und Ermaͤßigung beide ihre Thaͤtigkeit richten mußten. Der Hochmeiſter berief daher zu näherer Berathung uͤber zweckdienliche Maßregeln eine An⸗ zahl der angeſehenſten Landesritter nach Königsberg; man fand aber, ehe man ſolche ergreifen zu koͤnnen glaubte, für nothwendig, zuerſt uͤber den geſammten Getreide⸗Beſtand im 1) Schr. des Kurfürften v. Brandenburg an d. HM. d. Auges burg Sonnt. Decollat. Johannis 1518 Schbl. B. 550. 2) Schr. des HM. an Wolf v. Schönberg, d. Mont. nach Galli 1518 Fol. 1518 nro 6. ) 3) Schr. des HM. an d. Grafen v. Henneberg, d. Donnerſt. nach Aſſumt. Mariä 1518. Schr. deſſ. an die v. Sparneck, d. Mittw. nach Kreuz⸗Erhoͤh. 1518 Fol. 1518 nro 5. 6. 4) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Sonnt. nach Matthäi 1518 Fol. 1518 nro 48. 5) Ausſchreiben des HM. an die Landesritter Bot v. Eulenburg, Dieterich v. Schlieben, Heinrich v. Kitlitz, Hans v. Haugwitz u. a. d. am T. Präfentat. Mariä 1518 Fol. 1518 nro 62.
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Theuerung im Lande. (1518.) 547 Lande eine Ueberſicht zu gewinnen, weshalb verordnet ward, daß in jedem Amte gewiſſe Beamte in allen Dörfern den Be⸗ ſtand des Getreides aufnehmen und Verzeichniſſe daruͤber ein⸗ liefern ſollten.) In den wichtigſten Ordenshaͤuſern wurden dann Magazine angelegt? und das Verbot der Getreides Aus: fuhr erneuert und geſchaͤrft.) Um den Wohlſtand des Land⸗ mannes zu heben, ſuchte ihm der Meiſter ſeine Verpflichtungen ſo viel als moͤglich zu erleichtern. Wenn daher z. B. die Freien im Gebiete von Inſterburg bei ihm klagten, daß der dortige Pfleger Philipp von Creutz ſie jetzt mit Schaarwerks⸗ dienſten in Anſpruch nehme und dadurch ganz zu Grunde richte, ſo zog ihn der Hochmeiſter ſogleich zur Verantwortung.) Er ſchlug ferner auch den Moͤnchsbruͤdern des heil. Geiſtes und ſelbſt auch dem Biſchofe von Pomeſanien, an den ſie ſich um Fürbitte gewandt, ihr Geſuch ab, ihnen zu erlauben, im Ordens⸗ gebiete Almoſen einſammeln oder, wie ſie es nannten, ihre Sta⸗ tionen halten zu duͤrfen, denn ſo loͤblich auch ihr Zweck war, indem ſie das Almoſen dazu verwandten, elende Kinder und Findlinge aufzunehmen, zu erziehen und in Schulen zu unter⸗ richten, ſo fand er die Armuth auf dem Lande jetzt doch zu druckend und der Landmann ward in feinen geringen Mitteln an⸗ derweitig viel zu ſehr in Anſpruch genommen, als daß er das Anſuchen der Mönche hätte geſtatten duͤrfen.) Es kam ihm ſchwer genug an, nach einem durch den Nuntius Nicolaus von Schönberg erhaltenen paͤpſtlichen Mandat des Tuͤrkenzuges 1) Ausſchreiben des HM. an die Aemter, d. Freit. nach Concept. Mariä 1518 Fol. 1518 nro 62. 2) Ausſchreiben des HM. an die Aemter, d. Donnerſt. nach Mat⸗ thaͤi 1518 Fol. 1518 nro 62. 3) Ausſchreiben des HM. an d. Aemter, d. Mont. nach Präfent, Maria 1518 Fol. 1518 nro 62. 4) Schr. des HM. an d. Pfleger v. Inſterburg, d. am Abend Eliſabeth 1518 Fol. 1518 nro 38. Schr. des Pflegers v. Inſterburg, d. Mittw. am Abend Katharina 1518 Schbl. Adelsgeſch. C. 4 5) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanſen an d. HM. d. Rieſenb. Freit. nach Matthaͤi 1518 Schbl. LIII. 52. Schr. des HM. an d. Biſchof, d. Donnerſt. nach Franciſci 1518 Fol. 1518 nro 48, 35
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548 Verhandlung mit Polen. (1518.) wegen die ſ. g. Cruciata auch im Ordenslande ankuͤndigen und abhalten laſſen zu muͤſſen, ein Befehl, den er jetzt ohne den Papſt zu erzürnen nicht wohl umgehen konnte. 9 In den Verhaͤltniſſen zu Polen faßte Albrecht eine Zeit⸗ lang wieder einige Hoffnung zu einer friedlichen Verſtaͤndigung. Das dem Koͤnige bekannt gewordene Buͤndniß zwiſchen dem Hochmeiſter und dem Großfürften hatte auf ihn ſichtbar großen Eindruck gemacht, zumal da er bereits wußte, daß auch der Kurfinft Joachim von Brandenburg entſchieden auf des Ordens Seite ſtand. Auch die Verhaͤltniſſe des Ordens mit dem Könige von Daͤnemark waren ihm nicht mehr unbekannt. Dieß alles hatte ihn zaghaſter gemacht. Nun war, wie bereits erwaͤhnt, der paͤpſtliche Botſchaſter Nicolaus von Schönberg, ein Bruder des hochmeiſterlichen Rathes Dieterich von Schönberg, mit einer paͤpſtlichen Bulle angekommen, welche allen Koͤnigen und Fuͤrſten einen fuͤnfiaͤhrigen Waffenſtillſtand gebot. Er war zuvor auch in Krakau geweſen und der Koͤnig hatte ſich zu einem fried⸗ lichen Vergleich oder wenn dieſer noch Hinderniſſe finden ſollte, wenigſtens zum Abſchluſſe eines Waffenſtillſtandes auf zwei oder fünf Jahre, ſofern der Tuͤrkenzug zu Stande komme, geneigt erklart, auch ſich zu einer nochmaligen Verhandlung über die Hauptſtreitfrage bereitwillig erboten und zwar in einer perſoͤn⸗ lichen Zuſammenkunft mit dem Kaiſer und dem Hochmeiſter, wozu der paͤpſtliche Botſchafter das Noͤthige weiter einleiten ſollte.) Dieſer legte nun auch dem Meiſter des Papſtes Ge: bot wegen des Waffenftillftandes und deſſen Aufforderung zur Tuͤrkenhülfe vor, bezeugte ihm auch des Königes Bereitwillig⸗ keit zu einer friedlichen Ausgleichung. Albrecht erklaͤrte ſich zu erſterer ſehr bereit, machte ſie jedoch inſofern von der letztern 1) Ausſchreiben des HM. an die Praͤlaten u. Gebietiger, d. am T. Präſent. Moria 1518 Fol. 1518 nro 48. 62. Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Eilau am T. Katharinä 1518 Schbl. LXV. 24. 2) Antwort des Koͤniges v. Polen an den papſtl. Botſchafter Schbl. C. 381. 3) Ebendaſ.
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Verhandlung mit Polen. (1518.) 549 abhängig, weil ihm nur durch dieſe die dazu benoͤthigten Mittel zur Hand ſtehen wuͤrden. Als erſte Bedingung eines völligen Friedens mit Polen ſtellte er aber die Forderung auf, daß dem Orden alle abgedrungenen Lande wieder eingeraͤumt wuͤrden. Wegen Beobachtung des fünfiährigen Waffenſtillſtandes wollte er ſich gegen den Papſt erſt dann erklaͤren, wenn er von den Verhandlungen auf dem Reichstage zu Augsburg naͤheren Be⸗ richt werde erhalten haben.) Der paͤpſtliche Botſchafter begab ſich darauf nach Krakau zurück, um mit dem Könige weiter zu verhandeln und dann vor ſeiner Ruͤckreiſe nach Rom auch erſt den Kaiſer zu beſuchen, denn der Hochmeiſter hatte ſich einer persönlichen Zuſammenkunft mit dem Koͤnige und dem Kaiſer nicht abgeneigt gezeigt. Auf den Kaiſer freilich hatte Albrecht faſt alles Vertrauen aufgegeben. Noch vor dem Reichstage zu Augsburg ſchrieb er dem Kurfürſten von Brandenburg: „was die kaiſerlichen Zu⸗ ſagen den Fuͤrſten bisher genützt, habt ihr, ich will andere ver⸗ ſchweigen, an uns Deutſchen, als an unſerm Herrn Vater, an Sachſen, Juͤlich, Braunſchweig, Anhalt und andern, auch an meinen und meines Ordens Sachen zu erſehen. Ich beſorge, der Kaiſer ſey auch euch im Grunde nicht hold; weil er euch aber jetzt zur Wahl eines Röm. Königes bedarf, ſo iſt dieß in dieſem Spiele die Braut, um die er tanzt, denn nach Ausgang dieſes Anſchlages der Wahl werden alle Sachen wieder im langen Kaſten liegen.“ Aber auch in Beziehung auf den Koͤnig von Polen verſchwand bald wieder alle Ausſicht zu einer fried⸗ lichen Verſtaͤndigung, denn der paͤpſtliche Botſchafter meldete dem Meifter aus Krakau: der König ſelbſt habe ſich auf ſeine Vorſchlaͤge zu einer Ausgleichung zwar ſehr freundlich erklaͤrt, indeß glaube dieſer nicht, daß ſeine Reichsgroßen, ohne welche er nichts beſchließen koͤnne, zugeben würden, daß irgend etwas in Preuſſen ſowohl dieſſeits als jenſeits der Weichſel an den 1) Antwort des HM. an den päpſtl. Botfchafter Schbl. C. 381. 2) Schr. des HM. an d. Kurfürſten v. Brandenburg, d. Donnerſt. nach Margaretha 1518 Schbl. B. 542.
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550 Verhandlungen in der Streitſache mit Polen. (1518.) Orden abgelaſſen werde; man habe daher den alten Vorſchlag wiederholt, dem Orden etwa ganz Podolien, ein Land etwa ſunfzig Meilen lang und ſehr fruchtbar, und eine verwuͤſtete Landſtrecke von Litthauen dieſſeits des Dneprs abzutreten; doch auch dieſen Vorſchlag wolle der Koͤnig noch erſt mit einigen feiner vertrauteſten Raͤthe näher berathen.) Der Meiſter indeß erwiederte hierauf: „wir wiſſen gar wohl, worauf die Polen ausgehen, uns gerne an einen Ort hinzuweiſen, wo wir nie⸗ mand zu uns und von uns bringen Fünnten.” 9 War ſchon hiernach auf keine friedliche Zukunft zu rech⸗ nen, ſo bewies der Koͤnig auch durch ſeine fortwaͤhrenden Klag⸗ beſchwerden, mit welchem Unwillen er ſtets auf Preuſſen hinſah. Es durfte nur ein Danziger einiger Schulden wegen vom Hauskomthur zu Ragnit auf einige Zeit ins Gefaͤngniß ge⸗ bracht werden, ſo klagte jener aufs bitterſte uͤber die vielen Ungerechtigkeiten, Gewaltthaten und Beſchaͤdigungen ſeiner Unter⸗ thanen im Ordensgebiete und drang mit allem Nachdruck auf Abſtellung ſolcher Uebelthaten, ) oder es durften nur einigen Kaufleuten aus Danzig ihre nachgemachten Silberwaaren, die ſie als verbotene Waare zum Verkauf auf den Markt nach Königsberg gebracht, weggenommen werden, fo miſchte fich, ob⸗ gleich der Rath von Danzig die Sache mit dem Hochmeiſter ausgleichen wollte, doch auch der Koͤnig darein und forderte mit ernſtem Befehl: die Wiederauslieferung.) Dabei glaubte er oder ſchien doch wenigſtens alles zu glauben, was ihm von 1) Schr. des paͤpſtl. Nuntius Nicolaus v. Schönberg an d. HM. d. Krakau Donnerſt. nach Bartholom. 1518 Schbl. B. 167. 2) Schr. des HM. an Nicolaus v. Schoͤnberg o. D. Schbl. C. 167. Dadurch beſtaͤtigt ſich die Behauptung bei De Wal T. VIII. 18 von dem Vorſchlage der Verpflanzung des Ordens nach Podolien, welcher Lancizolle Bild. des Preuſſ. Staats B. I. 391 widerſpricht. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen a. d. HM. d. in Brzessczye Lithuan. VII Sept. 1518 Schbl. XXV. 29. 4) Schr. des Rathes v. Danzig an d. HM. d. am Abend Jacobi 1518 Schbl. A. 63. Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Krakau Sonnt. vor Franciſci 1518 Schbl. XXV. 28.
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Verhandlungen in der Streitſache mit Polen. (1519.) 551 feindlichgeſinnten Beamten und Hofleuten zum Nachtheil und Unglimpf des Ordens hinterbracht wurde. So erhob er in mehren Schreiben an den Hochmeiſter daruber einen gewaltigen Laͤrm, daß der Hauskomthur von Ragnit mit dreihundert Be⸗ waffneten ins Samaitiſche Gebiet eingefallen, Getreidefelder verwuͤſtet, Dörfer ausgepluͤndert, die Bewohner in die Waͤlder verjagt und andere Graͤuel veruͤbt haben ſollte, und drohte mit der ſtrengſten Ahndung, bis ihm der Hochmeiſter den wahren Thatbeſtand meldete und ihn erſuchte, ſolchen Erdichtungen und Entſtellungen doch nicht fo leicht Gehör zu geben.. Und als die Quelle dieſer Klagbeſchwerden einige Zeit zu verſiegen chien, waren es wieder die Streithaͤndel uͤber die Graͤnzen zwiſchen Samaiten und dem Ordensgebiete, welche der Koͤnig wieder hervorſuchte, indem er von neuem eine Unterſuchung verlangte, in welcher die Graͤnzen nach Laut alter Graͤnzberichte berichtigt werden ſollten, woran ſchon fruͤhere Verhandlungen geſcheitert waren. So brach das Jahr 1519 unter manchen truͤben Aus⸗ ſichten an. Der Hochmeiſter, laͤngſt von dem Wunſche beſeelt, unter ſo drohenden Verhaͤltniſſen vor allem die Mißhelligkeiten mit dem Deutſchmeiſter beizulegen, hatte ihn, weil er ſich ſelbſt dazu erboten, zu einem großen Ordenskapitel in dieſem Jahre entweder zu Koͤnigsberg oder zu Kolberg oder an einem andern geeigneten Orte eingeladen. Dieſer legte indeß, da er offenbar einer perſoͤnlichen Zuſammenkunft mit dem Hochmeiſter aus⸗ zuweichen ſuchte, allerlei Schwierigkeiten, die Feindſchaft des Koͤniges von Polen, ſeine ſchwaͤchliche Geſundheit, die Weite der Reiſe u. dgl. in den Weg. Dann forderte er auch, der Hochmciſter muͤſſe ihm, wenn er ſich vielleicht noch zum perſönlichen Erſcheinen oder wenigſtens zur Sendung von Be⸗ 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Cracoviae Feria V iulra octav- nativit. Mariae 1518 u. Sonnt. vor Simon u. Juda 1518 Schbl. XXV. 30. 31. Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Polen, d. Sonnt. nach Matthäi 1518 Fol. 1518 uro 10. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Brzeitezye Li- ihuan. Feria W ante Festum natal. domivi 1518 Schbl. XVI. 25.
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552 Beförderung des Handels. (1519.) vollmächtigten entſchließen ſollte, auf jeden Fall nach altem Brauche zuvor die Hauptpunkte, welche zur Verhandlung ge⸗ bracht werden ſollten, zur vorlaͤufigen Berathung mit ſeinen Gebietigern zuſenden. Statt ſich über fein Verhaͤltniß zum Hochmeiſter weiter auszulaſſen, widerrieth er einen Plan, den der Kaiſer vor kurzem zur Sprache gebracht haben ſollte, naͤm⸗ lich den Johanniter⸗, den S. Georgs⸗ und den Deutſchen Orden zu Einem zu verbinden.“) Auf zwei Ziele hin mußte der Meiſter noch fort und fort ſeine ganze Thaͤtigkeit richten, um dem Sturme, wenn er herein⸗ brechen ſollte, mit Kraft entgegentreten zu koͤnnen, auf Be⸗ wehrung ſeines Landes und Verſtaͤrkung ſeiner Kriegsmittel, und auf Beförderung des Wohlſtandes feiner Unterthanen. Die Ordensburgen und Staͤdte wurden noch ſtaͤrker bemannt; um ſie reichlicher mit Kriegsbedarf zu verſorgen, ließ der Meiſter von neuem eine bedeutende Anzahl von Buͤchſen und ſchweres Geſchuͤtz aus Prag kommen?) und berief aus Deutſchland Buͤchſenmeiſter, Wagenburgmeiſter, Wagenburgſchließer und andere im Bau- und Kriegsweſen geſchickte Maͤnner in ſeinen Dienft.? Zur Forderung des Wohlſtandes der Unterthanen erließ er im Anfange dieſes Jahres, dem Verbot des Koͤniges von Polen gegenüber, ein neues Handels-Mandat, worin er nicht nur ſein Bedauern uͤber die nachtheiligen Wirkungen aus⸗ ſprach, welche das Handelsverbot des Koͤniges auf den Wohl⸗ ſtand und das Gedeihen des Kaufmannsſtandes und der Unter⸗ thanen beider Lande nothwendig mit ſich führen müffe, ſondern auch den Wunſch zu erkennen gab, daß er gerne dahin wirken moͤge, 1) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck am T. Eircumeif. Dni 1519 Schbl. XIV. 62. 2) Schr. des HM. an die Regenten der Krone Boͤhmens, d. am Abend Purif. Moriä 1519 Fol. 1519 nro 8. 3) Schr. des HM an mehre Wagenburgmeiſter u. ſ. w. Sonnt. nach heil. drei Koͤn. 1519 Fol. 1519 mo 7. Schr. Wolfs v. Schönberg, d. Eulenburg am T. Pauli Bekehr. 1519 Schr. III. F. 31. nro 54. Schr. des Herzogs Heinrich v. Braunſchweig an d. HM. d. Wolfen⸗ buͤttel Dienſt. nach Antonii 1519 Schbl. XI. 16.
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Beförderung des Handels. (1519.) 553 durch freien und ſichern Handelsverkehr die jetzt durch Sper⸗ rung der Handelsſtraßen ohne Verbindung und getrennt neben einander liegenden Lande wieder in freundlichen Verkehr zu bringen. Er verordnete daher: es ſolle jeder Kaufmann, er moͤge von Danzig und andern Orten oder von der See her kommen, nirgends im Lande beim Verkaufe ſeiner Waaren oder überhaupt in feinem Handelsgeſchaͤſt gehemmt oder irgendwie gehindert werden. Um jedoch eine genaue Aufficht auf den Handelsbetrieb möglich zu machen und allen Betruͤgereien im Verkehre vorzubeugen, ſolle jeder die Waare, die er zum Ver⸗ kauſe ſtellen wolle, und ebenſo fremde Kaufleute aus Litthauen, Maſovien, Danzig, Thorn, Elbing u. ſ. w., die ihre Waaren durchs Land durchführen wollten, ſolche zuerſt zur Niederlage nach Koͤnigsberg bringen, dort zum Verkaufe ſtellen oder von dort zur See durchs Tief ausſchiffen. Es ſolle aber keinem fremden Kaufmanne weder aus des Königes von Polen Lan⸗ den, Litthauen, Maſovien, Danzig u. ſ. w., noch aus irgend einer Seeſtadt der Handel und Verkehr im Ordensgebiete oder auch der Durchzug nach Litthauen, Maſovien, Livland oder Moskau auf irgend eine Weiſe ſonſt beſchraͤnkt, gehemmt oder irgendwie verwehrt ſeyn, „damit jeder ſeinen Nutzen und ſein Beſtes ſuchen und fördern koͤnne.“ Es ſtellte ſich uͤberhaupt in dieſem neuen Handels-Mandat ein fo liberaler, wohl⸗ wollender und landesvaͤterlicher Sinn, ſelbſt gegen den Koͤnig von Polen ein ſo ſchonender und friedfertiger Geiſt an den Tag, der dem Hochmeiſter in der That hohe Ehre macht.“ Er ließ dieſes Handels Mandat im ganzen Lande bekannt machen, mit dem ausdrücklichen Verbote, daß fortan auch kein Flachs, der damals im Lande ſehr ſtark gebaut wurde, mehr nach Danzig, Elbing, Braunsberg und überhaupt ins Biſthum Ermland, wohin er bisher in ſtarken Ladungen zu 1) Das Handels⸗Mandat des HM. d. Koͤnigsb. am T. Ste⸗ phani 1519 Fol. 1519 nro 6, Schbl. D. 326, gedruckt bei Schütz p. 459; einige Ergänzungen und Erläuterungen dazu im Fol. 1519 uro 46.
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554 Beförderung des Handels. (1519.) Markte gebracht worden war, ausgefuͤhrt, ſondern nach dem neuen Handelsgeſetze ebenfalls zum Verkauf nach Koͤnigsberg geſchafft werden ſollte.“ Um auch dem Handel mit dem Aus⸗ lande wieder freiere Bahnen zu eroͤffnen, beauftragte er nicht nur den Meiſter von Livland, die Litthauiſchen Landesherren mit ſeinem Handelsgeſetze bekannt zu machen und ſie auf⸗ zufordern, die Sperre der Handelsſtraßen aufzuheben, weil beſonders Kauen immer noch in vielfachen Handelsverbindungen mit Königsberg ſtand, ?) ſondern er wandte ſich auch an die Staͤdte Stettin, Stralſund, Wismar, Roſtock u. a., theilte auch ihnen ſeine neue Handelsordnung mit und lud ſie ein, das Ordensgebiet mit Getreidezufuht und andern Handelsgegen⸗ ſtaͤnden forthin zahlreich zu befuchen. ® Auch die Mißverhaͤlt⸗ niſſe zwiſchen den Wendiſchen Staͤdten der Hanſe und den Städten Königsberg, deren Sendboten wegen Beleidigungen und Verletzung ihrer Privilegien eine Zeitlang auf den Hanſea⸗ tiſchen Tagfahrten gar nicht mehr erſchienen waren, ſuchte der Hochmeiſter auf den Wunſch der Luͤbecker ſelbſt beizulegen,“ ſowie er auch bemüht war, die durch die langwierigen Kriegs⸗ haͤndel zwiſchen Daͤnemark und Schweden fuͤr den Handel mit den Skandinaviſchen Reichen eingetretenen Hinderniſſe ſo viel als moͤglich zu beſeitigen. Er erinnerte nicht nur den König von Danemark von neuem an die ſchon früher gegebene und bisher immer noch nicht erfüllte Zuſage, daß die Koͤnigs⸗ 1) Publication des Handels⸗-Mandats, d. am T. Stephani 1519 Fol. 1519 nro 61. 2) Schr. des HM. an den Livländ. Meiſter, d. Mont. nach heil. drei Koͤn. 1519 Fol. 1519 nro 56. 3) Schr. des Rathes v. Kauen an d. HM. d. Kauen am 8. Tage Franciſci 1518 u. Donnerſt. nach Franciſci 1519 Schbl. XXXIV. 47. 49. 4) Schr. des HM. an die genannten Städte, d. Sonnt. nach heil. drei Koͤn. 1519 Fol. 1519 nro 7. 5) Schr. des HM. an Luͤbeck, d. Mittw. nach Miſericord. Dni 4519 Fol. 1519 uro 7. Schr. des HM. an die Buͤrgermeiſter der ſechs Wendiſchen Städte zu Lübeck verſammelt, d. Freit. nach Himmelf. 1517 Fol. 1517 p. 76.
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Tod des Kaiſers. (1519) 555 bergiſchen Schiffe im Sund fortan keinen hoͤhern Zoll mehr geben ſollten, als die Danziger, ſondern er benutzte auch gerne den vom Papſte ihm gewordenen Auftrag, eine gütliche Ver⸗ handlung zwiſchen dem Koͤnige und den Schwediſchen Reichs⸗ großen einzuleiten, um entweder einen Frieden oder doch einen Anſtand zu bewirken. Allein die Verhandlungen hatten wenig Erfolg.) Endlich ließ es der Hochmeiſter auch nicht an Be⸗ muͤhungen fehlen, dem Handel mit England, wohin von Preuſſen aus Holz, Pelzwerk u. dgl. gingen, wieder mehr Leben zu verfehaffen. ? Da traf die Nachricht von dem am zwoͤlften Januar er⸗ folgten Tode des Kaiſers ein, zugleich mit der Warnung des Erzbiſchofs von Mainz an den Meiſter, jetzt nichts Feindliches zu unternehmen, ſondern bis zur Wahl eines neuen Kaiſers ſich ruhig zu verhalten, weil auf jeden Fall von dem neuen Ober⸗ haupte für den Orden ungleich mehr Huͤlfe und Troſt zu er⸗ warten ſeyn werde.?) Albrecht faßte neue Hoffnungen. Er wandte ſich alsbald an den Kurfürften von Sachen als Reichs⸗ verweſer, an feine Brüder Kaſimir und Georg Markgrafen von Brandenburg und mehre andere Fürſten mit der Bitte, bei der neuen Kaiſerwahl beſonders auch die Rechtsſache des Ordens von neuem in Anregung zu bringen und insbeſondere den neuzuerwaͤhlenden Kaiſer uͤber die verwickelten Verhaͤltniſſe deſ⸗ ſelben zu Polen genau zu unterrichten; ) er unterließ jedoch auch nicht, die Fürſten zugleich um die ihm zugeſagte Beihuͤlfe 1) Inſtruction fuͤr den Hofmarſchall Melchior v. Rabenſtein und Georg Klingenbeck bei ihrer Sendung nach Daͤnemark, d. Dienſt. nach Antonii 1519. Faber die Verbindung des HM. Albrecht mit dem Könige v. Dänemark in Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. VI. 532. 2) Schr. des HM. an den Koͤnig v. England, d. Mont. nach Oculi 1519 Fol. 1519 aro 8. Schr. des Koͤniges Heinrichs VIII an d. HM. d. Grenwich 3 Mai 1519 Schbl. XXXII. 45. 3) Schr. des Erzbiſchofs v. Mainz an d. HM. d. Halle auf der Moritzburg Freit. nach Pauli Bekehr. 1519 Schbl. IV. 150. 4) Schr. des HM. an den Markgrafen Kaſimir o. D. (1519) Schbl. B. 586.
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556 Drohender Ausbruch des Krieges. (1519.) zu erſuchen, im Fall er ihrer bedürfen werde.) Die Ungewiß⸗ heit aber, wer die Deutſche Kaiſerkrone erhalten und welche Stellung der Neuerwaͤhlte gegen den Orden nehmen werde, gebot noch fortwaͤhrend und jetzt noch um ſo mehr neue Vorſichtsmaaßregeln und Vorbereitungen zu dem immer mehr drohenden Kriege, denn der Koͤnig, das wußte der Meiſter wohl, hatte die angedrohten Gewaltſchritte nur aufgeſchoben und keineswegs aufgegeben. Im Wechſel mit Freudenfeſten und Luſtbarkeiten, wozu er um Faſtnacht ſeinen Landesadel abermals in Koͤnigsberg um ſich verſammelte, um das Band der Anhaͤnglichkeit an die Landesherrſchaft immer feſtzuhalten,? ließ er die Kriegsanſtalten auch jetzt noch mit allem Eifer fort⸗ ſetzen, hielt zur Kriegsmuſterung einen abermaligen Umzug durchs ganze Land) und war zugleich auch bemüht, die Noth im Lande durch Getreideeinfuhr aus dem Auslande, namentlich aus Pommern und auf jede andere Weiſe ſo viel als moͤglich zu erleichtern. Die Zeiten aber wurden bald noch ernſter und der Kriegs⸗ ſturm drohte immer ſchwerer. Auf einem Reichstage zu Petrikau im Anfange des Februar, alſo bald nach des Kaiſers Tod, waren auch Abgeordnete aus dem Polniſchen Preuſſen erſchienen theils mit bittern Klagen uber die Belaͤſtigungen und Beſchaͤ⸗ digungen ihrer Staͤdte und Lande aus dem Gebiete des Or⸗ dens, theils mit wiederholter Bitte um ſtaͤrkere Befeſtigung und Bemannung ihrer Graͤnzſchloͤſſer und Staͤdte und endlich 1) Schr. des HM. an den Kurfuͤrſten v. Sachſen u. an d. Mark⸗ grafen Kaſimir, d. Donnerſt. nach Valentini 1519 Schbl. B. 593. D. 317. Schr. des HM. an d. Markgrafen Georg, d. am Abend Mathiä 1519 Schbl. B. 600. Schr. deſſ. an den Herzog v. Geldern, d. Mont. nach Dorothea 1519 Fol. 1519 nro 5. 2) Ausſchreiben des HM. an die Aemter und Einladung an den Landadel, d. Dienft. nach Dorothea 1519 Fol. 1519 nro 48. 61. 3) Schr. des HM, an d. Gebietiger u. Aemter, d. Dienft- nach Oculi 1519 Fol. 1519 nro 61. 47. 4) Schr. des HM. an d. Herzog v. Pommern, d. Sonnt. nach Gregorü 1519 Fol. 1519 uro 5.
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Drohender Ausbruch des Krieges. (1549.) 557 auch um des Königes perſoͤnliche Ankunft in Preuſſen mit kriegeriſcher Macht zum Schutze des Landes.) Da der Groß⸗ fürſt von Moskau der Geſandtſchaft des Kaiſers vor kurzem erſt ſein Wort gegeben hatte, im Verlaufe dieſes Jahres Lit⸗ thauen und Polen nicht weiter mit Krieg zu bedraͤngen, ſofern der Koͤnig ſeiner Seits Rußland nicht beunruhigen werde,? fo gewann dieſer jetzt Muth genug, auf dem Reichstage gegen den Orden Krieg zu beſchließen, ſofern der Meiſter jetzt ſeiner Pflicht nicht genügen und des Koͤniges Geboten ſich nicht fuͤgen werde. 3) Ueberall ward nun der feindliche Geiſt regſam und thaͤig. Danzig ward ſtaͤrker befeſtigt und mit ſolcher Eile, daß außer den Bürgern, Reichen und Armen, taͤglich noch ſiebenhundert Mann ſelbſt an Feiertagen fort und fort an Willen und Blockhaͤuſern arbeiteten. Aus Böhmen wurden dreitauſend Hakenbuͤchſen herbeigeſchafft und aus den Schiffen alles Geſchütz zur Bewehrung der Stadt genommen. 40 Da Albrecht bald Nachricht erhielt, daß die Danziger den Plan gefaßt, das Tief zu verſenken, ſo erſuchte er eiligſt den dem Orden wohlgeneigten oberſten Hauptmann auf Gothland, einen ſehr erfahrenen Seemann, zuweilen mit einigen Jachten um Hela und dortumher zu ſtreiſen, um den Danzigern aufzulauern und ihr Vornehmen zu hindern.) Auch Elbing gab bei jeder Gelegenheit feinen feindſeligen Geiſt gegen den Orden kund; man nahm dort jeden Anlaß wahr, gegen den Meiſter die bitterften Beſchwerden zu führen. ® Da zeigte der König dem Hochmeiſter an, daß er auf ſei⸗ ner Unterthanen Klagen uͤber die fortdauernden Raͤubereien und Plackereien aus dem Ordensgebiete und auf ihre Bitten um Schutz 1) Schiitz p. 460. 2) Karamſin B. VII. 74. 3) Schütz p. 460. 4) Schütz p. 460. Löihin Geſchichte Danzigs B. I- 134. 5) Schr. des HM. an d. oberſten Hauptmann auf Gothland Se⸗ verin Norby, d. am T. Annuntiat. Mariä 1519 Fol. 1519 nro 9. 6) Schr. des Ratbes v. Elbing an d. HM. d. Elbing Monte nach Judica 1519 Schbl. A. 131. 137.
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558 Drohender Ausbruch des Krieges. (1519.) gegen ſolche Gewaltthaten beſchloſſen habe, eine Anzahl Reiter ins Land zu ſenden; er erwarte vom Hochmeiſter, daß man ihnen, wenn ſie zur Verfolgung der Raubgeſellen ins Gebiet des Ordens einſprengen wuͤrden, ſolches ohne weiteres geſtatten werde. Albrecht wohl vermuthend, daß der Koͤnig hiemit nur Anlaß ſuche, neues Kriegsvolk ins Land zu bringen und ſeine Staͤdte ſtaͤrker zu beſetzen, erklaͤrte ihm zwar: er wundere ſich, daß des Königes Unterthanen ſolche unglimpfliche Anklagen auf die Bahn bringen und ihn mit ſolchen geringfuͤgigen Dingen belaͤſtigen koͤnnten; er duͤrfe ſolchen Klagbeſchwerden keinen Glauben ſchenken, da ſie von ſolchen ausgingen, die nur Zwie⸗ tracht und Feindſchaft anzuſtiften ſtrebten; wer Recht ſuche, finde es im Lande auch uͤberall, es beduͤrfe zum Schutze des Landes keiner fremden Bewaffneten.) Demungeachtet aber waren bald alle Staͤdte mit koͤniglichen Truppen beſetzt; Dan⸗ zig erhielt 600 Mann, wozu bald noch 300 Soͤldner kamen; 2 auch in Elbing, Tolkemit und Frauenburg zog Polniſches Kriegsvolk ein und da die Rede ging, daß die dortigen Be⸗ ſatzungen den Plan gefaßt, Braunsberg zu erſtuͤrmen, ſo ſandte der Meiſter zum Schutze der Stadt einen ſtarken Kriegs⸗ haufen unter dem Befehl feines Oberkompans.) An der Weichſel nahm die Zahl der Kriegsſchaaren mit jedem Tage zu und faſt taͤglich kam es an den Graͤnzen des Ordensgebie⸗ tes ſchon zu feindfeligen Auftritten, fo daß der foͤrmliche Aus: bruch des Krieges faſt außer allem Zweifel ſtand.) Wie ihn aber der Orden ohne fremde Beihuͤlfe werde führen koͤnnen, war kaum abzuſehen. Einen fruͤher aus Daͤnemark herbeige⸗ ſandten Kriegshaufen hatte der Meiſter, weil er ihn damals nicht brauchte, wieder entlaſſen. Eine andere bedeutende Soͤld⸗ 1) Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Polen, d. Freit. nach Palmar. 1519 Fol. 1519 nro 10. 2) Schütz p. 460. Loͤſchin a. a. O. 3) Schr. des Oberkompans an d. HM. d. Braunsberg Sonnab. nach Judica 1519 Schbl. LXX. 11. Treter de eccles. Varm. p. 76. 4) Schr. des Markgrafen Wilhelm v. Brandenburg an ſ. Bruder Kaſimir, d. Sonnt. Cantate 1519 Schbl. R 605.
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Huͤlfsgeſuche des HM. (1519.) 559 nerſchaar, die in Deutſchland geſammelt durch die Neumark bis an die Weichſel vordringen wollte, auf dem Zuge aber Meſeritz überfiel und niederbrannte, konnte, weil die Heerſtra⸗ ßen überall ſtark beſetzt waren, weder uͤber Poſen, noch über Schlochau und Konitz weiter vorruͤken und weil auch Herzog Boguslav von Pommern, des Koͤniges Schwager, den Weg durch Pommern ſperrte, fo kehrten viele nach Deutſchland zu⸗ rück und ein Theil ging in die Dienſte des Koͤniges von Daͤnemark.“ Unerwartet kam fuͤr den Orden Rettung. Der Chan der Tataren aus der Krimm Mohamed - Girey war plotzlich im Frühling mit dreißig⸗ bis vierzigtauſend Mann, durch das wehrloſe Podolien und Volhynien beranftürmend, in Litthauen eingefallen und hatte zugleich auch Lemberg, Belcz, Lublin und bis nach Krakau hin alles aufs ſuͤrchterlichſte verwuͤſtet. Der Litthauiſche Hauptmann Conſtantin von Oſtrog, dem Feinde mit einigen tauſend Mann bis an den Bug entgegengehend, ward im Kampfe bei Sokala aufs Haupt geſchlagen, worauf das Tatarenheer nach unmenſchlichen Grauſamkeiten mit einer Unzahl von gefangenen Landeseinwohnern den Ruͤckzug an⸗ trat.? Dieſes ſchwere Ungluͤck feines Landes hatte den König genoͤthigt, die gegen den Orden gefammelte Streitmacht aus den Weichſelgegenden hinwegzuziehen, um ſein Reich im Oſten gegen die Tataren zu ſchuͤtzen. So erfreulich aber fr den Meiſter die Rettung, fo war die Gefahr fuͤr ihn doch auch Warnung.“ Eiligſt ertheilte er jetzt feinen Botſchaftern in Kopenhagen den Auftrag, das Huͤlfsbündniß mit dem Könige von Daͤnemark ohne Verzug zu erneuern und es wurden dort gegenſeitig neue Zuſicherun⸗ gen feſtgeſtellt.) Auch anderwaͤrts bemühte ſich Albrecht aufs 1) Schütz p. 460. 2) Kojalowiex p. 375. Wagner Geſchichte Polens S. 387. Karamſin B. VII. 77. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Dorpat, d. Mont. nach Cantate 1519 Fol. 1519 nro 57. 4) Darüber die Vorſchlaͤge des HM., durch feinen Botſchafter
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560 Hürfsgefuche des HM. (1519.) Neue um Huͤlfe und Beiſtand. Der Ordensmarſchall Georg von Eltz zog noch vor der Wahl des neuen Kaiſers bei den Kurfuͤrſten und Reichsſtaͤnden umher, um ihnen die Sache des Ordens aufs dringendſte zu empfehlen und fand ſie auch alle dem Orden freundlich geneigt.) Auch an der Freundſchaſt des Großfürſten von Moskau hielt der Meiſter noch feſt. Auf ſeinen Wunſch erließ dieſer abermals freundſchaftliche Schreiben an den Koͤnig Franz von Frankreich und an die Kurfuͤrſten, an jenen mit der Bitte, ſich des von Polen aus bedraͤngten Ordens durch Huͤlfe und Rath in jeder Weiſe anzunehmen, an dieſe mit dem Geſuche, einen Kaiſer zu erwaͤhlen, der mit mächtiger Hand die Chriſtenheit gegen die Ungläubigen zu ver⸗ theidigen und die wackere deutſche Ritterſchaft eifriger als Maris milian zu ſchuͤtzen vermöge. ? Die zu Frankfurt eben verſam⸗ melten Kurfuͤrſten nahmen das Schreiben des Ruſſiſchen Zaars mit großer Freundlichkeit auf, ihm ihre Freude und Erkennt⸗ lichkeit bezeugend, daß er den Orden bisher ſo ſorgſam geſchuͤtzt, und ihn bittend, er moͤge ihm auch ferner in allem, was Bil⸗ ligkeit und Recht fordere, zu Hülfe ſtehen und ſich ihm als ſeinen „Verehrer, Goͤnner, Raͤcher und Vorkaͤmpfer“ bewei⸗ fen.? Das Schreiben an den Koͤnig von Frankreich, von dem damals noch ungewiß war, ob er in ſeiner Bewerbung um die Kaiſerkrone den Sieg davontragen werde, uͤberſandte der Hochmeiſter dem Kurfürften von Brandenburg, mit der Bitte es dem Könige einhaͤndigen zu laſſen und ihm meldend, wie viel dem Zaar daran liege, ſich der Freundfchaft des Köͤ⸗ niges Franz zu verſichern, weshalb er ihm als Beweis ſeines Melchior v. Rabenſtein u. Georg Klingenbeck dem Koͤnige vorgelegt, und deſſen Antwort darauf, d. Donnerſt. nach Miſericord. 1519 Schbl. E. 49. Vgl. Faber Verbindung des HM. Albrecht mit dem Kö⸗ nige v. Dänemark in Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. VI. 533. 1) Schr. Georgs v. Eltz an d. HM. d. Koblenz 23 Mai 1519 Schbl. V. 13. = 2) Karamſin B. VII. 80. 3) Schr. der Kurfürften an den Ruſſiſ. Kalſer Baſilius, d. Frank⸗ furt 17 Juni 1519 Schbl. IV. 151.
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Drohender Ausbruch des Krieges. (1519,) 561 hohen Wohlwollens ein Geſchenk von mehren weißen Falken uͤberſende.) Die Gefandtfchaft des Zaars wurde uͤbrigens in Koͤnigsberg mit außerordentlichen Ehrenbezeugungen aufgenom⸗ men und nichts verſaͤumt, wodurch der Meifter dem Großfür- ſten feine Ehrfurcht, Ergebenheit und Vertrauen beweifen konnte.) Auch dem Papſte endlich durfte Albrecht feine ge⸗ rechte Klage nicht verſchweigen; er ſtellte ihm vor, wie trotz des von ihm befohlenen fünfjährigen Waffenſtillſtandes der Koͤ⸗ nig von Polen auf alle Weiſe Feindſchaft uͤbe, wie ſein Bot⸗ ſchaſter der Biſchof von Ploczk auf dem Reichstage ſich nicht geſcheut, den Orden vor dem Kaiſer und allen Reichsſtaͤnden mit Verkehrung aller Wahrheit zu ſchmaͤhen und zu verun⸗ glimpfen, wie des Ordens Unterthanen jetzt ſchon Tag für Tag durch Gewaltthaten zu Waſſer und Land in Gefahr ge⸗ ſetzt, die Landſtraßen geſperrt und die Ordenslande aus den königlichen Landen faſt taͤglich mit Raub, Brand und Mord überfallen winden. Der Meiſter bat daher den Papſt aufs dringendſte mit einem Machtworte einzuſchreiten und den Koͤnig zum Frieden zu ermahnen.“ Seit dem Reichstage zu Petrikau war in der That kaum eine Woche hingegangen, in der nicht hier oder dort gegen den Orden und feine Unterthanen Feindſeligkeiten verübt worden waren. Der alte Feind des Ordens, der Hauptmann von Samaiten hatte jetzt mehr als je durch Einfaͤlle und Pluͤnde⸗ rungen ſeinem Muthwillen freien Lauf gelaſſen und keine War⸗ nung und Drohung des Hochmeiſters hatte ſeine Raubluſt zaͤh⸗ men koͤnnen.) Der Hauptmann zu Marienburg hatte ohne allen Anlaß den Marſchall des Herzogs Erich von Braun⸗ ſchweig, Komthurs von Memel, auf ſeinem Hereinzuge mit 1) Schr. des HM. an d. Kurfuͤrſten v. Brandenburg, d. Koͤnigsb. Mittw. nach Jocunditat. 1519. 2) Karamſin a. a. O. Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pos meſanien, d. Dienft. nach Jocundit. 1519 uro 47. 3) Schr. des HM. an den Papſt o. D. (1519) Schbl. C. 381. 4) Antwort des HM. an einen Botſchafter der Großen Litthauens, d. Sonnt. Miſericord. 1519 Schbl. XXIX. 32. IX. 36
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562 Drohender Ausbruch des Krieges. (1519.) nur wenigen Pferden bei Pelplin niederwerfen und gefangen nehmen laſſen.) Der Biſchof von Pomeſanien beſchwerte ſich beim Hochmeiſter aufs bitterſte uͤber den Uebermuth und die Gewaltthaten der um ihn her wohnenden Pol⸗ niſchen Beamten und Unterthanen und da des letztern Klage daruͤber beim Könige nichts fruchtete, fo ſah er ſich genöthigt eine Anzahl Reiter zum Pfleger von Holland einzulegen, um der Umgegend wenigſtens einigen Schutz zu gewähren, zumal da auch die Elbinger faft täglich das nahe Ordensgebiet beun⸗ ruhigten.) Auch im benachbarten Maſovien begannen feind⸗ ſelige Bewegungen und kriegeriſche Ruͤſtungen, fo daß die Ges bietiger und Beamten von Oſterode, Soldau, Neidenburg, Ortelsburg u. ſ. w. ernſtlich gewarnt werden mußten auf ihrer Hut zu feyn.9 Laͤngs der Graͤnze Litthauens und Samaitens fielen fort und fort Meutereien und gewaltthätige Ereigniſſe vor, wobei es haͤufig bis zu Mord und Todtſchlag kam. Um die Verbindung mit Livland abzuſchneiden, hielt der Hauptmann von Samaiten den Samaitiſchen Strand noch immer ſtark be⸗ ſetzt und es half nichts, daß der Hochmeifter daruͤber beim Könige Klage führte. ® Aus allem war zu ſehen, daß es für den König nur ru⸗ higere Zeiten in ſeinem Reiche beduͤrfe, um ſeinen unterbrochenen Kriegsplan gegen den Orden auszufuͤhren. Der Hochmeiſter hatte daher dem Ordensmarſchall Georg von Eltz und Wolfen von Schönberg, den er in feinen Dienſt genommen, bereits auch 1) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Rieſenburg Mittw. nach Jocundit. 1519 Schbl. LXV. 15. Schr. des HM. an den Hauptmann v. Marienburg, d. Freit. nach Jocundit. 1519 Fol. 1519 nro 15. 2) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Freit. nach Viti 1519; Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. am T. Mar⸗ garetha 1519 Fol. 1519 nro 10. 47. 3) Schr. des HM. an die Gebietiger u. Beamte, d. Mittw. nach Jocundit. 1519 Fol. 1519 uro 61. 4) Schr. des HM. an d. König v. Polen, d. Mittw. nach Tri⸗ nitat. 1519 Fol. 1519 uro 10.
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. Hüͤlfsgeſuche des HM. (1519.) 563 Aufträge ertheilt, fo eilig als möglich theils Kriegsvolk an⸗ zuwerben und nach Preuſſen zu ſenden, theils auch die zu Frankfurt verſammelten Kurfuͤrſten und Reichsſtaͤnde mit der jetzt ſo ſchwer drohenden Gefahr fuͤr den Orden bekannt zu machen und nochmals aufs dringendſte ihre Hülfe zu feiner Rettung in Anſpruch zu nehmen. Allein es zeigte ſich auch jetzt wieder, daß von den Fuͤrſten wenig Troſt zu erwarten fiy. Viele ſchwiegen; andere, wie der Kurfuͤrſt von Sachſen riethen nicht nur entſchieden von allen offenen Feindſeligkeiten ab, ſondern verſagten dem Orden auch jeden Beiſtand, nur ihre Beihülfe zu einer friedlichen Vermittlung erbietend. Selbſt der Deutſchmeiſter wußte in den Kriegsereigniſſen wegen des Herzogs von Wirtenberg für feine Unthaͤtigkeit eine Ent⸗ ſchuldigung zu finden und wollte ſich erſt noch mit feinen uͤb⸗ rigen Gebietigern wegen etwaniger Hülfe des weitern berathen. 2 Ebenſo blieb die Aufforderung an den Hauptmann auf Goth⸗ land Severin Norby, ſich eiligſt mit einer Anzahl von Schiffen vor Danzig zu legen, fruchtlos, weil er ſich auf feines Koͤniges Befehl mit ſeinen Schiffen vor Kalmar aufſtellen mußte, welches erſtürmt werden ſollte. Ob Luͤbeck, an welches ſich der Meiſter ebenfalls um Huͤlfe gewandt, ſolche leiſten werde, war vorerſt noch ungewiß.) Sonach war wenig Ausſicht zu auswaͤrtigem Beiſtande. Nur die Thaͤtigkeit des Ordensmarſchalls, Wolfs, Hanſens und Dicterichs von Schönberg und des alten Grafen Wilhelm von Eiſenberg, der mit einem Jahrgehalte am Rhein lebte und jetzt ebenſo wie jene den Deutſchen Adel beſonders in 1) Schr. des Kurfürften v. Sachſen an d. HM. d. Frankfurt Freit. nach dem Sten T. des Frohnleichnamsf. 1519 Schbl. VI. 129. XXIX. 18. 2) Schr. des DM. an den HM. d. Mergentheim Donnerſt. Viſitat. Mariä 1519 Schbl. XXIX. 15. 3) Schr. des Hauptmannes v. Gothland an d. HM. d. Gothland Mittw. nach Johannis ante portam Iatinam 1519 u. Mont. nach Vi⸗ ſitat. Mariä 1519. 4) Schr. des HM. an Luͤbeck, d. Sonnab. nach Kiliani 1519 Fol. 1519 uro 7. 36 *
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564 Georg von Polenz wird Biſchef von Samland. (1510. den Rheinlanden für den Orden zu gewinnen ſuchte, gab dem Meiſter noch einige troͤſtende Hoffnungen. Mittlerweile fand in Koͤnigsberg zu Ende des Juni in Anweſenheit der Biſchoͤfe von Pomefanien und Ermland die Kroͤnungsfeier des vom Papſte beſtaͤtigten Biſchoſs von Sam⸗ land Georg von Polenz Statt, faſt ein Jahr nach ſeines Vor⸗ gaͤngers Tod.) Der Hochmeiſter hatte dieſe Verzoͤgerung großen Theils ſelbſt verſchuldet, denn fo entſchieden er ſich An fangs fin die Wahl Georgs von Polenz zum Biſchoſe erklaͤrt, fo ſcheint er bei der Anweſenheit des paͤpſtlichen Nuntius Nico: laus von Schönberg im vorigen Jahre doch dieſem das Biſthum haben zuwenden wollen, wenigſtens meldete er ihm, daß Georg von Polenz nur zum Schein poſtulirt worden ſey und ihm der biſchoͤfliche Stuhl zukommen ſolle.) Sey es nun, daß Albrecht wirklich dem paͤpſtlichen Nuntius das Biſthum zugedacht hatte oder daß er dieſen damals, wo er deſſen Gunſt bedurfte, nur mit Hoffnungen vertröften wollte, gewiß iſt, daß Georg von Polenz als poſtulirter Biſchof galt und ſeine Beſtaͤtigung in Rom, wahrſcheinlich aus Mangel an den nöthigen Geldſummen zur Beſtreitung der Koſten, erſt im Februar oder Maͤrz dieſes Jahres erfolgte.“) In denſelbigen Tagen (28. Juni) war König Karl von Spanien zum Kaiſer erwaͤhlt worden, vielleicht nicht nach des Hochmeiſters Wunſch, der es wahrſcheinlich lieber geſehen hätte, 1) Schr. des Grafen Wilhelm v. Eiſenberg an d. HM. d. Frank⸗ furt Dienſt. nach Viſit. Mariä 1519 Schbl. Adelsgeſch. E. 44. 2) Schr. des HM. an den Biſchof v. Pomeſanien, d. Freit. nach Corpor. Chr. 1519 uro 47. Die Krönung erfolgte am T. Petri und Pauli (29 Juni). 3) Schr. des HM. an Nicolaus v. Schönberg, d. am T. Exaltat. Crucis 1518 Schbl. B. 167. 4) Daß der HM. die Beftätigung Georgs v. Polenz aus gewiſſen urſachen verzoͤgert habe, ſagt er ſelbſt in einer Inſtruction fuͤr einen Sendboten an Georg v. Eltz o. D. Fol. 1519 nro 63, woraus zugleich bervorgeht, daß es auch am noͤthigen Gelde zur Auswirkung der Bullen fehlte; . Gebſer Geſch. des Doms zu Koͤnigsb. S. 252.
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Drohender Ausbruch des Krieges. (1519,) 565 wenn der für ritterliches Weſen noch ſehr eingenommene König Franz von Frankreich den Preis in der Bewerbung davon ge⸗ tragen hätte, Uebrigens war in der Wahlverſammlung zu Frankfurt nichts für den Orden beſchloſſen worden. In Polen dagegen war man ſogleich bemuͤht, dem neuen Kaiſer ein an den Hochmeiſter gerichtetes Mahnſchreiben unterzuſchieben, worin er dieſen zur ſchnellen Erfüllung der gegen den Koͤnig von Polen ſchuldigen Verpflichtungen aufforderte.) Das Polniſche Mach⸗ werk aber ſcheint vom Meiſter, wenn es ihm bekannt wurde, weiter nicht beachtet worden zu ſeyn, zumal da der Kaiſer nach einigen Monaten das Mandat erließ, daß bis zu feiner Ankunft im Reiche alles friedlich bleiben und keiner dem andern Anlaß zu Krieg und Fehde geben folle. ? Der Koͤnig von Polen indeß war kaum von ſeinem wildhauſenden Feinde, den Tataren 1) Das angebliche Mahnſchreiben des Kaiſers an den HM. bei Dogiel T. IV. p. 205. Es iſt ſicher unaͤcht und untergeſchoben, denn 1. hat es weder eine Adreſſe und eine gehoͤrige diplomatiſche Form, noch ein Darum. 2. Schrieb um dieſe Zeit der Kaiſer immer ſchon in Deutſcher Sprache an den HM. 3. Findet ſich im geheimen Archiv, wo die Nachrichten für dieſe Zeit fo reichlich find, keine Spur von einem ſolchen Schreiben des jungen Kaiſers. 4. Liegt darin auch ein Wider⸗ ſpruch im Schreiben ſelbſt, daß der Kaiſer erſt befiehlt, der HM. folle den Huldigungseid und die Lehnspflicht leiſten und dann binzufuͤgt: daturi sumus operam, cum primum in Germaniam venerimus, quod Deo dante propediem futurum speramus, ut huius modi inter vos quaestio amice et pro dignitate utriusdue componatur. 5. Kommt der umſtand hinzu, daß gegen Ende des Novemb. d. J. der Ordens⸗ marſchall im Auftrage des HM. ſich nach Spanien zum erwaͤhlten Kaiſer begeben follte, „damit von dieſem dem Orden nichts Nach⸗ theiliges geſchehe“. Dieß widerſpricht dem Inhalte des erwähnten Mahnſchreibens; Schr. Georgs v. Eltz an Dieterich v. Schoͤnberg, d. Nürnberg 22 Novemb. 1519 Schbl. XXIX. 19. Völlig zur Gewiß⸗ beit über die Unächtheit des Schreibens kommt man durch ein Schrei⸗ ven des Kaiſers an den König v. Polen aus Brüfel vom 26 Juni 1520 Schbl. D. 618. XXIX. 44, welches wir fpäter kennen lernen werden. 2) Antwort des Kurfuͤrſten Friederich u. des Herzogs Georg v. Sachſen an einen Abgeordneten des HM. o. D. Schbl. XII. 120.
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566 Drohender Ausbruch des Krieges. (1519.) befreit, als er im Anfange des Auguſts mit neuen heftigen Anſchuldigungen und Klagen gegen den Hochmeiſter auftrat. Anlaß dazu bot ihm der Raubeinfall einiger Reiter, der aus dem Ordensgebiete in des Koͤniges Land gefchehen ſeyn ſollte. Er warf dem Meiſter „mit hitzigen Worten“ vor: er habe die Frevelthat gebilligt und durch ſie einen Aufruhr unter dem gemeinen Volk anregen wollen. Die Sache war ihm offen⸗ bar von ſolchen, die ihn wider den Orden immer mehr aufzu⸗ hetzen ſuchten, ſehr entſtellt berichtet worden. Nun gab zwar Albrecht dem Könige fein großes Befremden darüber zu er kennen, daß er ihm eine ſolche Frevelthat als Schuld beimeſſe und fo argliſtige Abſichten unterſchiebe, er rechtfertigte ſich auf jede Weiſe durch die von ihm ſo haͤufig gegen ſolche Gewalt⸗ thaten ergangenen Verordnungen und bereits in ſolchen Faͤllen ergriffenen Maaßregeln; er berief ſich auf eine beſſere Beleh⸗ rung, die ſich der Koͤnig uͤber die vorliegende Thatſache leicht verſchaffen koͤnne. Allein es war vorauszuſehen, daß dieſer der Verantwortung des Meiſters wenig Glauben ſchenken werde; er wollte offenbar nur noch mehr Gruͤnde zum offenen Kampfe gegen den Orden aufſtellen. Selbſt feine Erklärung, daß dem Hauptmanne von Samaiten die Beſetzung des Sa⸗ maitiſchen Strandes und die Aufrichtung der dortigen Bes feſtigungswerke von ihm ſelbſt anbeſohlen worden ſeyen, um das Hin⸗ und Herziehen der Ruſſiſchen Botſchafter zu hindern, war eine Anklage gegen den Hochmeiſter wegen deſſen Verbin⸗ dung mit dem Großfuͤrſten. Der Krieg gegen den Orden wuͤrde auch ohne Zweifel bald begonnen haben, waͤren nicht ſeit dem Auguſt dieſes Jah⸗ res drei verſchiedene Ruſſiſche Heere theils in Litthauen theils in des Koͤniges übrigen oͤſtlichen Lande mit ſchweren Verhee⸗ rungen eingefallen, welche die koͤnigliche Heeresmacht dort fort und fort beſchaͤftigten.) Der Hochmeiſter hatte, wie es ſcheint, 1) Antwort des HM. auf die Anklagen des Koͤniges v. Polen, d. Dienft. nach Vincula Petri 1519 Fel. 1519 uro 63. 2) Karamſin B. VII. 81 — 82.
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Drohender Ausbruch des Krieges. (1519.) 567 den Plan, dieß zu benutzen und dem Könige durch einen Ein⸗ fall in ſein Reich zuvorzukommen. Allein noch war ſeine Kriegsmacht nicht ſtark genug. Es lagen zwar ſchon mehre tauſend angeworbene Soͤldner in der Mark Brandenburg zum Heranzuge bereit; Albrecht erſuchte indeß den Kurfünſten, fie dort noch eine Zeitlang zuſammenzuhalten, bis alles im Lande zum Beginne des Krieges vorbereitet fey und der Graf Wil⸗ helm von Eiſenberg auch die von ihm geworbenen Soͤldner⸗ haufen herbeigeführt haben werde. ) Es waren deren gegen ſechstauſend Mann, die zwiſchen Lüneburg und der Branden⸗ burgiſchen Graͤnze ſtanden, an ihrer Spitze der Graf ſelbſt, der nur noch den Befehl des Hochmeiſters erwartete, ob er den ganzen Heerhaufen oder nur einen Theil dem Orden zu⸗ führen ſollte. Der Kurfürſt war bereit, fir die noͤthigen Sold⸗ gelder vorläufig zu ſorgen, denn auch von Danzig aus waren an die Hauptleute ſchon Anerbietungen ergangen, um ſie in den Sold dieſer Stadt zu locken.) Da jedoch der Graf von Eiſenberg lange vergebens auf naͤhere Befehle des Meiſters wartete und endlich den ganzen Heerhaufen, den er kaum noch zuſammenhalten konnte, ohne weiteres in des Kurfuͤrſten Land einführen wollte, fo kam es zwiſchen ihnen zu Mißhelligkeiten, denn Joachim wollte durchaus ſeinen Unterthanen mit der Un⸗ terhaltung eines ſolchen Kriegshaufens auf unbeſtimmte Zeit nicht zur Laſt fallen. Er mußte endlich ſogar dem Grafen im firengften Ernſte mit Gewaltmitteln drohen, wenn er ſeinen Plan verfolgen werde, denn es war wirklich ſchon ein Theil des Haufens in die Kurmark eingeruͤckt.“ 1) Schr. des HM. an d. Kurfürften v. Brandenburg, d. Dienſt. nach Bartholom. 1519 Schbl. B. 608. Runa Hiſtorie des kleinen Kriegs p. 162 fpricht von 12,000 Mann, die in der Mark gelegen und vor Danzig hätten ziehen ſollen. Der HM. bittet den Kurfürften wenigſtens 2000 Mann zuſammenzuhalten. Bock S. 96— 97. 2) Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenburg an d. HM. d. Schoͤn⸗ beck Sonnab. nach Nativit. Maris 1519 Schbl. B. 614. 3) Schr. des Kurfürften v. Brandenb. an d. Grafen Wilhelm v. Eisenberg, d. Köln a. d. Spree Sonnt. nach Kreuz⸗Erhoͤh. 1519 Schbl.
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568 Kriegsrüſtungen des HM. (1519.) Mittlerweile war der Meiſter aufs eifrigſte mit der Ruͤ⸗ ſtung beſchaͤftigt. Die tiefer im Lande liegenden und deshalb am meiſten bedrohten Städte wurden zu ſtaͤrkerer Bewehrung jede mit zwanzig bis dreißig Büchfen verſehen gegen Einzah⸗ lung eines beſtimmten Kaufpreiſes.) Da man häufig hie und da immer noch Verſaͤumniſſe in der bereits mehrmals an⸗ befohlenen Bewehrung und Ruͤſtung wahr genommen hatte, ſo erließ der Hochmeiſter nochmals ein ſehr ernſtes und ſchar⸗ fes Wehrgebot, worin bei fernerem Ungehorſam oder Nach⸗ laͤſſigkeit mit der nachdruͤcklichſten Strafe an Leib und Gut gedroht wurde; jeder Gebietiger und Beamte erhielt die Wei⸗ ſung, mit groͤßter Strenge darauf zu ſehen, daß jeder Kriegs⸗ pflichtige nach Laut ſeiner Handfeſte ſich aufs vollſtaͤndigſte kriegsfertig halten ſolle. Auf des Meiſters Befehl zog bald darauf der Ritter Dieterich von Schlieben im ganzen Lande umher und hielt ſtrenge Muſterung.) Albrecht ſandte nun auch einen Eilboten, den Ritter Georg von Wittmannsdorf an den Koͤnig von Daͤnemark, ihn zu erſuchen, ſeiner Zuſage nach dem Orden aufs ſchleunigſte durch Zufuhr von Getreide und Lebensmitteln und mit etwa tauſend Kriegsleuten und einer Anzahl Schiffe zu Huͤlfe zu kommen. Der König indeß gab die untroͤſtliche Antwort: Der Hochmeiſter habe ihm ja un⸗ laͤngſt erſt gemeldet, daß er den Krieg gegen Polen vorerſt noch anſtehen laſſen muͤſſe. Die Mißerndte in dieſem Jahre erlaube keine bedeutende Ausfuhr und ſeine Schiffe und Kriegs⸗ leute laͤgen jetzt meiſt in der See gegen feine eigenen Feinde; uͤberhaupt ſey in der Kuͤrze der Zeit des Meiſters Bitte nicht zu erfüllen. So viel er vermoͤge, wolle er thun.“ Den Adelsgeſch. E. 43. Schr. des Grafen Wilh. v. Eiſenberg an d. HM. d. Bornsdorf Donnerft. nach Franciſci 1519 Schbl. Adelsgeſch. E. 42. 1) Schr. des HM. an die Staͤdte, d. Dienſt. nach Nativit. Mariä 1519 Fol. 1519 uro 61. Die Buͤchſe wurde zu 6 Mark angeſchlagen. 2) Schr. des HM. an die Aemter, d. Freit. nach Nativit. Maria 1519. Schr. deſſ. an Dieterich v. Schönberg, d. Donnerft, nach Mat⸗ thai 1519 Fol. 1519 nro 17. 61. 3) Schr. des HM. an d. König v. Dänemark, d. Dienſt. nach
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Kriegsrüſtungen des Koͤniges v. Polen (1519,) 569 Koͤnig ſchien es zu verdrießen, daß der Hochmeiſter ſein im Huͤlfsvertrage gegebenes Verſprechen nicht halte, den Krieg mit Polen nicht eher anzuheben, als bis der Koͤnig den Kampf mit ſeinen Feinden ausgefochten habe.“) Allein es ſtand keineswegs mehr in des Meiſters Macht, den Kriegsſturm noch laͤnger aufzuhalten. Es kamen ihm bereits Nachrichten von außerordentlichen Ruͤſtungen in Polen, von einer Streitmacht Über dreißigtauſend Mann ſtark, die der Koͤnig ſelbſt nach Preuffen führen wolle, ebenfo von bedeuten⸗ den Kriegsanſtalten im Polniſchen Preuſſen, beſonders der Elbinger und Danziger und von dem Plane der letztern, das Tief zu verfenfen.? Der Meiſter erließ alsbald an alle Ge⸗ bietiger den Befehl, alles in Wehr und Waffen zu halten, um ſogleich beim erſten Aufrufe ins Feld zu ruͤcken; allen ſandte er eine genaue Kriegsordnung zu mit der Weiſung, Tag und Nacht auf ihre puͤnktlichſte Befolgung zu wachen.) Gegen Ende des Octobers trat nun der Koͤnig ſchon offen mit ſeinem Entſchluſſe zum Kriege gegen den Orden hervor, als Gruͤnde dazu hervorhebend die fortwaͤhrende Verweigerung des Lehen⸗ eides, die unaufhoͤrlichen Bedruͤckungen und Beſchaͤdigungen ſeiner Unterthanen durch Raub, Brand, Mord und Einkerkerung und die verrätherifche Verbindung des Hochmeiſters mit den Moskowitern und Tataren gegen die Krone Polens. Zur Berathung uͤber die Kriegsangelegenheiten kuͤndigte er einen Dionyſ. 1519. Fol. 1519 nro 9. Bericht Georgs v. Wittmannsdorf, d. Donnerft. nach Aller Heil. 1519. Schr. des Koͤniges v. Daͤnemark an d. HM. d. Nyföping Mont. nach Lucid 1519. 1) Schr. Simons zu Eſſeß an Dieter. v. Schoͤnberg, d. Braun⸗ ſchweig Sonnt. vor Martini 1519 Schbl. B. 38. 2) Schr. des Johann Reymann an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Bareuth 30 Sept. 1519 Schl. LXV. 58. Schr. des HM. an die Gebietiger und Aemter, d. Mont. nach Michael. 1519 nro 61. 3) Schr. des HM. an die Gebietiger und Aemter, d- Mont. nach Michael 1519 Fol. 1519 nro 61. Die dabei befindliche Kriegsord⸗ nung iſt für die damalige Kriegsmanier lehrreich und intereſſant.
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570 Söldner » Werbung. (1519.) Reichstag zu Thorn an, wozu er auch den Biſchof Fabian von Ermland einlud.“ Der Hochmeiſter kam jetzt in eine hoͤchſt bedenkliche Lage. Der nahebefreundete Kurfuͤrſt von Brandenburg, an welchen er in groͤßter Eile feinen Rath Dieterich von Schönberg ges ſandt, erklaͤrte jetzt, nachdem er bisher immer von freundſchaft⸗ licher Bereitwilligkeit und Huͤlfe geſprochen, wegen des in ſeinen Landen von den Kriegsleuten erlittenen Schadens vor⸗ erſt ſeines Verſprechens der Beihilfe überhoben zu ſeyn; er ſchien abwarten zu wollen, ob ihm der Hochmeiſter dieſen Schaden auf irgend eine Weiſe verguͤten werde.) Dieterich von Schoͤnberg war auch beim Kurfuͤrſten von Sachſen, beim Erzbiſchofe von Mainz, beim Markgrafen Kaſimir von Bran⸗ denburg u. a., um Huͤlfe bittend und an die früheren Zuſa⸗ gen in Berlin erinnernd, umhergezogen. Allein ſelbſt der letztere, des Hochmeiſters Bruder, mochte ſich zu nichts ver⸗ ſtehen, weder zur Beihuͤlfe durch Kriegsmannſchaſt, noch zu einer Anleihe von zehntauſend Gulden, womit Dieterich von Schönberg einen Reiterhaufen unter der Anfuͤhrung des Ritters Franz von Sickingen, den der Hochmeiſter bereits auf zwei Jahre in feinen Dienſt genommen,“) nach Preuſſen aufbrin⸗ gen wollte. Große Kriegskoſten in der Fehde mit Herzog Ulrich von Wirtenberg, tägliche Kriegsgefahr von Seiten Nürnbergs, Unzufriedenheit Über des Hochmeiſters Buͤndniß mit dem Moskowiter u. dgl. dienten dem Markgrafen als Entſchuldigung.) In den Rheinlanden hatte zwar Wolf von Schoͤnberg mit großem Eifer eine anſehnliche Soͤldnerzahl zum 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Biſchof v. Ermland, d. Cracoviae feria VI die XI M. virg 1519 Schbl. XXIX. Schätz p 460. Treter de eccles. Varm. p. 76. 2) Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenb. an d. HM. u. an Dieter. v. Schönberg, d. Köln a. d. Spree Sonnab. nach 11,000 Jungfr. 1519 Schbl. XII. 137. C. 36. 3) S. Voigt Abhandl. Franz v. Sickingen u. der D. Orden in Beitraͤgen zur Kunde Preuſſ. B. II. S. 356 ff. 4) Schr. des Markgr. Kaſimir v. Brandenb. an d. HM. d. An⸗ ſpach am T. Eliſabeths 1519 Schbl. B. 604.
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S:ätöner - Werbung. (1519.) 571 Dienſt für den Orden gewonnen; die Ritter und Soͤldner⸗ hauptleute Urban von Hattſtatt, Konrad von Hattſtein, Johann von Herſel, Philipp Schluchter von Erfenſtein, Ludwig von Ottenſtein, Hartmann von Kronberg, Mordian von der Reck, Hans von Sickingen, Franzens Sohn u. a. hatten ſich zum Dienſte des Ordens bereit erklaͤrt; man hielt einen Rittertag zu Mainz, um mit ihnen das Nähere über ihre Dienſtverhäͤlt⸗ niſſe zu berathen; allein man konnte ſich nicht vereinigen, denn die Ordensgeſandten hatten vor allem auf eine Geldanleihe von zehntauſend Gulden beim Deutſchmeiſter gerechnet.“ Die⸗ ſer zeigte ſich jetzt zwar willig, die dem Hochmeiſter zugeſagte Kriegsmannſchaft von tauſend Reitern und Fußknechten ſobald als moͤglich auszuruͤſten, allein wegen der verlangten Geld⸗ huͤlfe wollte er ſich wieder erſt mit ſeinen Gebietigern berathen und überhaupt ſich nicht eher beſtimmen, als bis er erfahre, ob und wann der Krieg beginnen ſolle.) Erſt nach vielen Verhandlungen verſtand er ſich dazu, die verlangte Summe im Ordenshauſe zu Frankfurt a. M. niederlegen und vom dortigen Komthur Zahlung leiſten zu laſſen, ſobald irgend je⸗ mand auf des Hochmeiſters Beſehl Soldtruppen aufnehmen werde.) Unterdeß aber hatte das Geruͤcht, der Hochmeiſter habe mit dem Könige einen Waffenſtillſtand aufgenommen, viele Ritter und Soͤldner vom Dienſte des Ordens abge⸗ ſchreckt;“) auch jener bei Lüneburg und Braunſchweig liegende Soͤldnerhauſe hatte ſich ſeitdem großen Theils wieder verlaufen theils nach Dänemark, theils in andere Gegenden und es war 1) Beſtallungsbriefe für die Soͤldnerhauptleute, d. Mainz Don⸗ nerſt. nach Andrea 1519 Schbl. C. 311. 312. Voigt Franz v. Sickin⸗ gen u. der D. Orden a. a. O. S. 360 ff. 2) Schr. des DM. an Wolf v. Schönberg, d. Horneck Sonnab. nach Catharina 1519 Schbl. 98. 62. 3) Anbringen Wolfs v. Schoͤnberg an den DM. und die Ant⸗ wort des letztern, d. Horneck Mittw. nach Nicolai 1519 Schbl. 106. 67. Bekenntniß Dieter. v. Schönberg über die Zuſage des DM. d. Mittw. nach Nicolai 1519 Schbl. D. 392. Verhandlungen mit dem DM. Schbl. 106. 66. 4) Voigt a. a. O.
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572 Söldner » Werbung. (1519.) Sigismunden von Sichau kaum moͤglich geweſen, einen kleinen Haufen bei Braunſchweig noch zuſammenzuhalten.) So gin⸗ gen Monate hin, ohne daß von Deutſchland aus auf irgend welche Kriegshuͤlfe zu rechnen war. Die Kurfuͤrſten, ſtatt mit Hülfe aufzutreten, bemuͤhten ſich von neuem Unterhandlungen zu einer gütlichen Ausglei⸗ chung einzuleiten. Vom nahen Ausbruche des Krieges in Preuſſen benachrichtet, hatten die Kurfuͤrſten von Mainz, Brandenburg, Sachſen und von der Pfalz und Herzog Georg von Sachſen beſchloſſen, eine Botſchaft an den Hochmeiſter und den Koͤnig zu ſenden, um wo möglich vorerſt einen ſried⸗ lichen Anſtand und dann einen Austrag der ſtreitigen Verhaͤlt⸗ niſſe herbeizuführen. Hans von Knobelsdorf eilte im Auftrage des Kurſuͤrſten von Brandenburg zuvor nach Preuſſen, um vor allem des Hochmeiſters Rath und Zuſtimmung zu dem Plane einzuholen. Der Kurfürft ließ ihm vorſtellen, welch ein gewagtes Spiel fuͤr den Orden der Krieg mit dem mächti⸗ gen Koͤnige ſey, der ſich durch Freunde und Anhaͤnger bedeu— tend verſtaͤrken könne, bereits auch weit umher ſich um Kriegs⸗ huͤlfe bemuͤht habe. Der Koͤnig von Ungern habe ſchon er⸗ klaͤrt, daß er die Krone Polens nicht ohne Beiſtand laſſen und nicht dulden werde, daß des Hochmeiſters Verwandte un⸗ ter den Fuͤrſten den Orden unterſtuͤtzten; er habe zugleich dem Kurfuͤrſten gedroht, ihm alle ſeine Lehen und Pfandſchaften in Böhmen zu entziehen, ſofern er dem Orden Hülfe leiſte u. ſ. w. Albrecht gab zwar zur Abfertigung einer Geſandtſchaft an ihn und den Koͤnig ſeine Zuſtimmung, erklaͤrte jedoch offen, daß ein ſ. g. friedlicher Anſtand dem Orden und dem Lande nur nachtheilig ſeyn werde, obgleich er ihn nicht zuruckweiſen wolle. Was die Drohung des Koͤniges von Ungern betreffe, ſo muͤſſe er den Kurfuͤrſten erſuchen, ſeinem Buͤndniſſe und dem ihm zu Berlin gegebenen Verſprechen getreu zu bleiben und dem gemaͤß zu handeln. 1) Schr. Sigism. v. Sichau an Dieter. v. Schönberg, d. Braun⸗ ſchweig am T. Nicolai 1519 Schbl. D. 297. 2) Verhandlung zwiſchen dem HM. und Hans v. Knobelsdorf,
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Ausbruch des Krieges mit Polen. (1519,) 573 Mittlerweile war der König von Polen in den erſten Tagen des Decembers „mit großem Schein und Gepraͤnge, wie einem mächtigen Könige zuſteht,“ mit allen Praͤlaten der Krone und einem Kriegsgeleite von ſechzehnhundert Pferden in Thorn angekommen. Seine Kriegsmacht betrug nach der ge⸗ ringſten Angabe zwanzigtauſend Mann; nach uͤbertriebenen Gerüchten gab man ſie auf achtzigtauſend Mann an; ſie lag noch großen Theils in Kujavien zwoͤlf Meilen weit zerſtreut. Der König erwartete nur noch den Zuzug einer bedeutenden Heerſchaar von Böhmen, Maͤhren und Schleſiern, worunter zweitauſend auserleſene Kriegsleute, welche der König von Ungern unter der Führung ſeiner ausgezeichnetſten Hauptleute zu Huͤlfe geſandt.) Vergebens hatte ein Botſchafter der Markgrafen Kaſimir und Georg von Brandenburg zu Krakau vom Be: ginne des Krieges abgerathen, man hatte ihn ohne weiteres zurückgewieſen und alle Verhandlungen verweigert.) Verge⸗ bens ſuchte jetzt auch der zunaͤchſt bedrohte Biſchof von Pome⸗ ſanien den wilden Sturm von ſeinem Biſthum abzuwenden und den Koͤnig durch den Erzbiſchof von Gneſen zu milderen Geſinnungen zu bewegen. 3) Sigismund ließ den Hochmeiſter jetzt nochmals auffordern, vor ihm in Thorn zu erſcheinen und ſeiner Pflicht nachzukommen. Da dieß am beſtimmten Tage nicht geſchah, ſo ſandten die Polniſchen Hauptleute, nicht aber d. Sonnt. nach Concept. Mariä 1519 Schbl. B. 615. D. 529. Schr. des HM. an den Pfalzgrafen und Kurfuͤrſt. v. der Pfalz, d. Dienſt. nach Concept. Mariä 1519 Fol. 1519 uro. 5. 1) Die Angaben über die Stärke des koͤn. Kriegsheeres ſind nicht zu vereinigen. Schiits p. 461 giebt die geringere Zahl an; ein Be⸗ richterſtatter aus Thorn an d. HM. d. Thorn am Abend Katharina und Freit. nach Andrea 1519 Schbl. XXIX. liefert die groͤßern An⸗ gaben, ſchreibt aber offenbar Polniſche Gerüchte nach, wie er ſelbſt ſagt. Der HM. ſelbſt nennt außer dem übrigen Heer 1200 Pferde und 12,000 ungern und Böhmen, Schbl. XXIX. 65. 2) Bericht aus Thorn an d. HM. d. Thorn am Abend Katharina 1519 Schbl. XXIX. 3) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. am T. Jo⸗ bannis Evang 1520 Schl. D. 464. 2
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574 Ausbruch des Krieges mit Polen. (1519.) der König ſelbſt, dem Meiſter ihre Abſagbriefe und das Kriegs⸗ volk rückte nun weiter ins Land ein.“) Als dem Hochmeiſter die Nachricht zukam, der Koͤnig wolle ſich zuerſt des Biſthums Pomeſanien bemaͤchtigen und dann weiter ins Ordensgebiet eindringen, erließ er eiligſt durchs ganze Land ein allgemeines Aufgebot; alle Wehrpflich⸗ tigen ſammelten ſich zu Hauf und ruͤckten ins Feld. Der Biſchof von Samland ward beauftragt, ſchleunigſt die Nehring zu be⸗ ſetzen, um dort die Danziger von einem Einfall ins Land zu⸗ rückzuhalten.) Im Einverſtaͤndniſſe mit dem Biſchofe ließ ſich der Hochmeiſter, um die erſten Kriegskoſten zu beſtreiten, aus allen Kirchen Samlands und Natangens die Kirchenge⸗ raͤthe und Kleinodien nach Koͤnigsberg einliefern, wo ſie ver⸗ münzt wurden.) Auch in alle übrigen Aemter erging der Befehl, alle Kirchenſchaͤtze und gottesdienſtlichen Geraͤthe in ſicheren Verwahrſam zu bringen, denn es kam die Nachricht: der Feind wolle das ganze Land rein auspluͤndern, die Bewoh⸗ ner groͤßten Theils nach Polen entfuͤhren und der Herrſchaſt des Ordens auf alle Zeiten ein Ende machen, um Preuſſen unter das Machtgebot eines weltlichen Fuͤrſten zu bringen; „einen brennenden Krieg“ wolle der Koͤnig fuͤhren, der alle Spuren des Regiments des Ordens vernichten folle. 9 1) Schütz p. 461. Runau p. 162 erwaͤhnt einer Abſage des Koͤniges vom 28 Decemb. Der HM. aber erklaͤrte ſpaͤter mehrmals, keinen Abſagebrief von ihm erhalten zu haben. Zwar heißt es auch bei Faber Preuſſ. Archiv B. II. 43: Der HM. habe vom Koͤnige den ebendaſ. gedruckten Abfagebrief erhalten; allein im Iser., welches Faber benutzte, heißt es ausdruͤcklich: „doch fo hat Fön. Majeft. von Polen ihrer Ehre wider den Orden dieſer feindlichen That keine Ver⸗ wahrung gethan.“ Vgl. Bock S. 98. 2) Schr. des HM. an die Aemter und an d. Biſchof v. Sam⸗ land, d. am T. Luciä 1519 Fol. 1519 nro 61, 3) Vgl. Faber Pr. Arch. B. II. 75. 4) Schr. des HM. an die Aemter, d. Donnerſt. nach Thoma 1519 Fol. 1519 nro 61. Schr. des HM an Dieter. v. Schönberg, d. Freit. nach Thoma 1519 Schbl. XXIX. 65. 110.
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Ausbruch des Krieges mit Polen. (1519.) 575 Viertes Kapitel. Also brach ſchon in den letzten Tagen des Jahres 1519, nach⸗ dem die wichtigften Staͤdte in des Koͤniges Landen bereits ſtark beſetzt waren, der laͤngſt drohende wilde Kriegsſturm uͤber das Ordensgebiet herein. Seine ganze Macht entlud ſich zuerſt im Biſthum Pomeſanien, in welches der Koͤnig noch vor dem An⸗ fange des Jahres 1520 einruͤckte. Da ein großer Theil ſeines Heeres aus rohen Tatarenhaufen beſtand, ſo ward an den Be⸗ wohnern faſt jede nur erdenkliche Grauſamkeit veruͤbt; es wurden Kirchen geplündert, die Altäre umgeſtürzt, die Heiligthuͤmer bes ſudelt und entweiht, Kinder und Greiſe erwuͤrgt, Frauen und Jungfrauen gemißhandelt und entehrt. Das ganze Biſthum erlag einer furchtbaren Verheerung durch Raub, Mord und Brand. ) „Es iſt eine ſolche Furcht ins Volk gekommen, ſchrieb der Biſchof dem Hochmeiſter, daß alles vom Lande ent⸗ läuft. Man giebt mir's ſuß ums Maul; wie es aber gemeint iſt, wird ſich am Ende zeigen. Ich muß mich nun ſchon wie 1) Wir haben über dieſen Krieg ein altes, ziemlich gleichzeitiges Manuſcript einer Beſchreibung, welche hoͤchſt wahrſcheinlich auf Ver⸗ anlaſſung des HM. ſelbſt verfaßt wurde. Aus ihm hat Faber Preuſſ. Archiv B. II. 41 ff. einen Auszug geliefert. Wir werden dieſe Quelle hier bloß mit der Angabe Mscr. citiren. Sie theilt gleich Anfangs die Abſagebriefe der koͤnigl. Hauptleute mit und giebt eine Schilderung der Verheerungen und Grauſamkeiten in Pomeſanien. Schätz p. 461. Runau Hiſtorie des zweijährigen Kriegs p. 163. Ordens⸗Chron. p. 139.
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576 Ausbruch des Krieges mit Polen. (1520.) ein armer Reiter ernähren, fo haben fie mich verderbt. “) Der Polniſche Hauptmann Stanislaus Koſtka hatte ſich vor Rieſen⸗ burg, des Biſchofs Reſidenz, geworfen und forderte ſie unter harten Drohungen zur Uebergabe auf. „Ihr habt zu lange geſaͤumt mit eueren Schreiben, antwortete man ihm, es hat uns unſer Herr mit trefflichen Hauptleuten und Kriegsvolk verſorgt, die euerer warten. Es nimmt uns Wunder, daß ihr ſolche Leute an uns ſuchet, die ihr nicht finden werdet; ſuchet ſie in euerer Joppe. Damit wiſſet, daß wir unſerem Herrn ſtets treu zur Seite ſtehen und als fromme Unterthanen an ihm handeln werden, und darnach wiſſet euch zu richten.“? Nicht ſolchen Muth bewieſen Deutſch⸗Eilau und das Schloß Schönberg; fie ergaben ſich ohne Widerſtand, erſtere Stadt ver⸗ trieb muthwillig des Biſchofs Hauptmann mit Gewalt aus ihren Mauern. Bevor der Hochmeiſter das Schwert ergriff, erließ er nach ritterlichem Brauch einen Abſagebrief, darin die Gruͤnde vor⸗ legend, die ihn zum gerechten Kampf gegen den König ge⸗ drungen: die gewaltthätige Wegnahme des Ordenslandes durch den erzwungenen Vertrag ſchon unter ſeinen Vorfahren, die Verwerfung jedes billigen, dem Könige vor Papſt, Kaiſer, Koͤnigen und Reichsſtaͤnden dargebotenen Vergleiches, die groben Schmaͤhungen und Läfterreden des Biſchofs von Ploczk auf dem Reichstage zu Augsburg gegen des Ordens Ehre und guten Leumund, die vertragswidrige Anordnung neuer Zölle, Maͤrkte und anderer Handelsbelaͤſtigungen zum Schaden des Ordenslandes, die Sperre der Land- und Handelsſtraßen, die vielfachen Mißhandlungen an des Ordens Unterthanen, der aus allen Handlungen des Koͤniges hervorgehende Plan der gaͤnz⸗ 1) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. am T. aller Kindlein 1520. 2) Aufforderung des Poln. Hauptmannes, d. Sonnt. nach Ehrifti Geburt 1519. Antwort der Rieſenburger, d. Mont. nach Beſchneid. Chr. 1520 Schbl. XXIX. 64. 3) Schr. des Biſchofs von Pomeſanien an d. HM. d. am Abend Epipban. 1520 Schbl. D. 479.
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Ausbruch des Krieges mit Polen. (1520,) 577 lichen Vernichtung und Vertreibung des Ordens, „um mit em⸗ ſigem Durſte auch das übrige kleine Erbſtuͤck unſerer lieben Frauen in Preuſſen dem Orden zu entreißen“ u. ſ. w.; dieſe Beraubung der Erblande der heiligen Jungfrau, dieſer Abbruch der Gerechtigkeit der Kirche und Deutſcher Nation, dieſes Ver⸗ derben der Lande Preuſſen zwinge ihn, der Krone Polens oͤffent⸗ licher Feind zu ſeyn; „doch, fuͤgte der Meiſter hinzu, wollen wir hievon ausnehmen des Koͤniges eigene Perſon, die loͤbliche Koͤnigin und ihre Kinder, wider die wir in dieſer unſerer Fehde mit unſerem Willen nicht handeln wollen, auch das Fuͤrſten⸗ thum Maſovien, weil ſolches vom Roͤm. Stuhle zu Lehen geht, und das Großfürſtenthum Litthauen, weil wir jetzt zumal von ihm keine Urſache zur Feindschaft erhalten. Darum wollen wir fie beide gerne verſchonen. Darauf zog der Meiſter ins Feld. Am Neujahrstage, einem dunklen, ungeſtuͤmen Wintertage ruͤckte er mit einem kleinen Reiterhaufen und einigem Fußvolke gegen Braunsberg hinan. Er hatte Widerſtand erwartet; die Eroberung der Stadt aber koſtete nur einem Greiſe das Leben, der durch Auf⸗ ziehen der Zugbrücke das Eindringen der Feinde hindern wollte. Die Bewohner ergaben ſich ohne Gegenwehr und leiſteten dem Meiſter ohne weiteres die Huldigung. Man beſetzte die Stadt mit nur geringer Mannſchaft unter dem Befehle Friederichs von Heideck, des Unterkompans Friederich Truchſes und des Ritters Dieterich von Schlieben. Der Meiſter eilte wieder nach Koͤnigsberg, um von dorther die Beſatzung noch zu ver⸗ 1) Kopie des Abſagebriefes des HM. o. D. (1520) Schbl. XXIX. 97. 2) Mser. p. 1. Runau p. 162 — 163. Schr. des Hauskomthurs v. Königsberg an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Koͤnigsb. Mont. nach Neujahr 1520 Schbl. D. 452. Nach Schütz p. 461 hatte der HM. die Stadt durch Liſt gewonnen, indem er nur um Durchzug bat, um, wie er vorgab, zum Koͤnige zu ziehen; die Erzählung aber iſt wahr⸗ ſcheinlich dem Simon Grunau Tr. XXI nachgeſchrieben, der von der Einnahme Braunsbergs wunderliche Dinge zu berichten weiß. De al T. VI. 94 — 95 erzählt ihm nach. Ordens⸗Chron. p. 139. IX. 37
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578 Ausbruch des Krieges mit Polen. (1520.) fiärfen. Der kleine Heerhaufe aber, den die Staͤdte Koͤnigs⸗ berg ſtellten, reichte bei weitem nicht hin, theils weil man der Treue der Burger noch keineswegs ſicher war, theils auch weil die Nachricht kam, daß die Elbinger die feindliche Beſatzung in Frauenburg noch anſehnlich verſtaͤrkten, die Straße nach Preuſſ. Holland beſetzen, alle Verbindung dorthin abſchneiden und die Zufuhr nach Braunsberg aufheben wollten. Auch Holland bedurfte ſtaͤrkere Beſatzung, denn die Polen ruͤckten ſchon mit Macht heran. Soldau war bereits vom Feinde er⸗ ſtürmt, geplündert und verbrannt; ? Gilgenburg und Hohen ſtein ergaben ſich ohne Gegenwehr. Vor Mohrungen fand ein feindlicher Heerhaufe einige Tage Widerſtand; der dortige Haupt⸗ mann, ein Boͤhme, wollte die Stadt vertheidigen, ward aber bald von der Beſatzung verlaſſen, denn es ergriff das Volk ſolche feige Furcht, daß niemand mehr ſich wehren mochte und große Haufen der Stadt entliefen. 3) Auch Raſtenburg war dem Feinde ſchon zugefallen. Preuſſiſch⸗Mark rettete noch eine Verſtärkung der Beſatzung, welche der Biſchof von Pomeſanien ſandte. ) Rieſenburg und Marienwerder hielten ſich noch tapfer, obgleich letzteres vom ſchweren Geſchuͤtze des Feindes gewaltig beſchoſſen ward. Zwiſchen Liebmühl aber und Oſterode wurde ein Heerhaufe des Ordens, der beiden Staͤdten zu Huͤlfe eilen follte, von Polen und Samaiten, die Liebmuͤhl bereits beſetzt hatten, niedergeworfen und zum Theil aufgerieben.“) 1) Faber a. a. O. S. 44. Schr. Friederichs Truchſes an d. HM. d. Braunsberg Mont. nach Neujahr 1520 Schbl. D. 126. 215. Schr. Friederichs v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Donnerſt. nach heil. drei Koͤn. 1520 Schbl. C. 131. 2) Bock Leben Albrechts S. 100. 3) Msecr. p. 1. Schütz p. 462. Schr. des Hauptm. Paul Fa⸗ ſolt an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Pr. Mark Sonnt. nach h. drei Kön. 1520 Schöl. D. 474. Kriegslied v. J. 1520 in Beiträgen zur Kunde Preufſ. B. II. 389. Ordens⸗Chron. p. 139. 4) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Sonnt. nach Felicis 1520 Schbl. D. 485. 5) Runau p- 163. Schitz p. 462. De Wal T. VII. 96.
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Belagerung Pr. Hollands. (1520.) 579 Jetzt drängte der Feind immer mehr nach Preuſſ. Holland heran; die Stadt war weder mit Mannſchaft, noch mit Lebens⸗ mitteln hinlaͤnglich verſorgt. Friederich von Heideck bat daher den Meiſter aufs dringen dſte um Huͤlfe und Verſtaͤrkung dort: hin, ſowie um Geld und Proviant fuͤr die Beſatzung Brauns⸗ bergs, die jetzt zweitauſend Mann ſtark ſich nicht laͤnger halten wollte. D Eiligſt ward der Hauptmann Georg von Witrams⸗ dorf mit einer Huͤlfs ſchaar nach Holland hinauf geſandt; allein ſeit der Pfleger des Hauſes ſich nach Königsberg begeben, wollte keiner jenem Hauptmanne gehorchen; alles war in Zwie⸗ tracht, obgleich der Feind ſich ſchon taͤglich in der Naͤhe der Stadt zeigte.) Da zog der Hochmeiſter ſelbſt mit 1800 ann gegen Holland hinauf; allein er fand es bereits von 8000 Polen rings umlagert und mußte, da er mit ſeinem ſchwachen Heerhaufen keinen Angriff wagen durfte, ohne Er⸗ folg nach Königsberg zurückkehren.) Aber auch die Polen hatten vorerſt dort wenig Gluͤck, denn die Stadt war unterdeß mit Mannſchaft, Proviant und Kriegsbedarf hinreichend ver⸗ ſehen. Danzig und Elbing beeiferten ſich zwar, die Belagerer mit Geſchoß und Lebensmitteln moͤglichſt zu verſorgen und die Mannſchaſt aus Elbing fing eines Tages auch an, am Thore und am großen Thurme des Schloſſes zu brechen; allein es fehlte am noͤthigen Belagerungsgeſchuͤtz; die Dörfer ringsumher waren geplündert und abgebrannt. Die Beſatzung der Stadt, befehligt von Dieterich von Schlieben, wehrte ſich gegen den Feind mit außerordentliche Tapferkeit, fo daß dieſer in kurzem 2000 Todte zaͤhlte, die ihm das Schwert, Hunger und Kaͤlte hingerafft.) Da endlich das von Danzig herbeigebrachte Ge⸗ 1) Schr. Fried. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Freit. u. Sonnab. nach Erhardi 1520 Schbl. D. 113. 163. 2) Schr. Georgs v. Witramedorf an d. HM. d. Mont. nach Hilarii 1520 Schbl. D. 242. Witramsdorf war ein Fremdling und des Landes unkundig. 3) Dlser. p. 1—2. Schütz p. 462. Faber a. a. O. S. 45. 4) Schr. des Ritters D. v. S (Schlieben) an d. HM. d. Hol⸗ land nach Pauli Converſ. 1520. Schr. des Hauptm. Stephan v. 37 *
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580 Wankendes Kriegsglück zwif. den Polen u. dem Orden. (1520.) ſchuͤtz meiſt zerſprungen war, ein kuͤhner Livlaͤndiſcher Ritter aus Rieſenburg den Polen die Proviantzufuhr wegnahm und fonft großen Schaden brachte, das Polniſche Belagerungsvolk eins Tages auch den heil. Ritter Georg auf der Mauer von Holland mit kaͤmpfend geſehen haben wollte, fo mußte die Be⸗ lagerung aufgegeben werden, Y denn es half auch nichts, daß der Woiwode von Czandomir, Nicolaus von Dambrowitz, der Polen oberſter Feldhauptmann, die Stadt zur Ergebung auf: forderte, ihr glaͤnzende Privilegien verhieß und zugleich auch mit ſchwerem Blutvergießen drohte.“ Die Belagerer aber, in un⸗ geordnetem Abzuge gegen Braunsberg binziebend, wurden von einer Reiterſchaar aus Holland verfolgt, uͤberfallen und ein großer Theil erſchlagen.“ Mittlerweile hatte ein anderer Theil des Polniſchen Heeres Oſterode und Allenſtein eingenommen und lagerte vor Paſſen⸗ heim.) Auch Marienwerder ward vom Feinde ſtark bedraͤngt. Er bot, da das ganze Biſthum bereits von ihm beſetzt war, jetzt alle Kräfte auf, ſich der Stadt zu bemächtigenz fie wurde täglic) berannt; eine Vorſtadt und viele Scheunen gingen in Flammen auf. Elbing und Danzig ſandten auch hieher den Polen Geſchuͤtz, Sturmleitern und Mannſchaft zu; allein es fehlte auch hier an grobem Belagerungsgeſchuͤtz und die Be⸗ ſatzung wehrte ſich auf dem Dom und von den Mauern der Stadt mit ſolcher Tapferkeit, daß endlich der Feind, an der Eroberung verzweifelnd, ſich zurückzog. Ein Raubritter Puſch wuͤthete währenddeß im Gebiete von Preufl. Mark mit Raub und Mord. Der Biſchof dagegen ſandte einen Streithaufen nach Chriſtburg, wo die Vorſtäͤdte, ein großer Theil der Stadt Hertel an d. HM. d. Wormditt Donnerſt. nach Pauli Converſ. 1520 Schbl. D. 239. Mscr. p. 2. Schütz p. 462. Bock S. 106. 1) Mscr. p. 2. Faber v 45. Ordens ⸗Chron. p. 139. 2) Die Aufforderung zur Uebergabe, d. im Poln. Heere Sonnt. vor Purif. Maria 1520. 3) Schütz p. 462. Ordens⸗Chron. p. 139. 4) Schr. des Statthalters zu Ortelsburg, d. Sonnt, nach Felicis 1520. Schütz I. c.
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Waukendes Kriegsglüͤck zwiſ. den Polen u. dem Orden. (1520.) 581 ſelbſt, Mühlen und Höfe in Aſche gelegt und funfzig Polen erschlagen wurden, während zugleich ein anderer biſchöͤflicher Haufe die Dörfer im Gebiete von Stuhm ausplünderte. Zwar kam dem Biſchofe vom Erzbiſchofe von Gneſen das Anerbieten: ſofern er ſich in des Köͤniges Schutz und Gehorſam ergebe, ſolle ihm das ganze Biſthum wieder eingeräumt, Staͤdte und Schloͤſſer übergeben und der erlittene Schaden ſo viel als moͤglich ver⸗ gütet werden; allein der Biſchof antwortete: „nun das Gut verloren, will man mich auch um die Ehre bringen? Solche hat für mich mehr Werth als alles verlorene Gut!“ ® Waͤhrend die Polen Preuſſ. Holland belagerten, waren die Straßen von Braunsberg dorthin vom Feinde ſchon überall beſetzt und alle Verbindung abgeſchnitten.) Friederich von Heideck wandte daher ſeine Kriegsthaͤtigkeit ins Innere des Landes. Obgleich der Feind, immer ftärker gegen Braunsberg heranziehend, im Anfange des Februar ſchon bis uͤber die Paſ⸗ farge vorgedrungen war, ſo faßte jener doch den Plan, zuvor die Stadt Melſack, deren verdaͤchtigen Burggrafen Michael Pfaffe er bereits aufgefangen, zu erftürmen. Während daher der Hochmeifter den Adel und die Freien der Gebiete Balga und Brandenburg aufbot, um ſie den herandraͤngenden Pol⸗ niſchen Heerhaufen entgegenzuſtellen und Peter von Dohna mit einer Reiterſchaar den Feind bei Mühlhauſen fort und fort nicht ohne Gluck beſchaͤftigte, brach der von Heideck mit einem Huͤlfs⸗ haufen des Meiſters gegen Melſack auf.) Allein von Muͤhl⸗ haufen heranſtürmend hatten ſich die Polen der Stadt ſchon 4) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Mittw. am T. Pauli Bekehr. u. am Abend Purif. Mariä 1520 Schbl. D 473. 498. Schr. Frieder. v. Heideck, d. Braunsb. Mont. nach Blaſii 1520 Schbl. D. 132. Schütz p. 462. 2) Schr. Frieder. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Dienſt. nach Sebaſt. 1520 Schbl. D. 105. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Braunsb. Sonnt. nach Converſ. Pauli 1520 Schbl. D. 646. 4) Schr. Frieder. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Donnerſt. unf. lieb. Frauen u. Mont. nach Blaſi 1520 Schbl. D. 132. 141. 328.
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582 Wankendes Kriegsglüd zwif. den Polen u. dem Orden. (1520.) bemächtigt. Der von Heideck ruͤckte jedoch heran, fie wurde mit Macht erſtürmt und mehre der angeſehenſten Hauptleute der Polen und Böhmen nebſt 300 Mann der Beſatzung er: lagen dem Schwerte. Auch Peter von Dohna war herbeigeeilt und nahm am Kampfe Theil. Die Stadt ward in Eile ſtaͤrker befeſtigt und bemannt, denn die Bürger waren meiſt ge⸗ flüchtet. ) Ueberall brannte nun ſchon das Kriegs feuer mit wild verzehrender Wuth. Der Koͤnig ſandte fort und fort von Thorn herab Geſchuͤtz und neues Kriegsvolk. Das Biſthum Pome⸗ ſanien lag ſchon wie eine Einoͤde da; in den Dörfern um Preuſſ. Mark wurde täglich geraubt, gemordet und gebrannt. Auch Holland war wieder vom Feinde bedroht, doch wagte er ſich, das Büͤchſenfeuer der Beſatzung fürchtend, nicht bis an die Mauern der Stadt, weil der König noch mehr Mannſchaft und Geſchoß verſprochen.) Danzig hatte unterdeß einen Heer⸗ haufen auf die Nehring geſandt, um einen Einfall in Samland zu wagen; zeitig genug jedoch davon unterrichtet ließ der dor⸗ tige Biſchof durch den Hochmeiſter alles waffenfaͤhige Volk aus Samland aufbieten, um dem Feinde mit Macht zu begegnen.“ Mittlerweile aber war der Feind bis unter die Mauern Brauns⸗ bergs vorgedrungen, hatte die Stadt an mehren Orten berannt, Haͤuſer in der Vorſtadt niedergebrannt und die Doͤrfer mehre Meilen umher geplündert und zum Theil in Aſche verwandelt. Friederich von Heideck war wegen Mangel an Reiterei und 1) Schr. Frieder. v. Heideck an d. HM., d. Braunsb. Sonnt. nach Apollonia 1520 Schbl. D. 180. Kriegslied v. J. 1520 in Bei⸗ trägen zur Kunde Preuſſ. B. II. 390. 2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Sonnab. nach Apollonia 1520 Schbl. D. 495. 3) Schr. Frieder. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Freit. nach Apollonia 1520 Schbl. D. 159. 4) Schr. Frieder. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Mont. nach Apollonia 1520 Schbl. D. 173. 176; er giebt den Danziger Heerhaufen auf 500 Mann an. Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Fiſchhauſen am Abend Valentini 1520 Schbl. D. 220.
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Wankendes Kriegsglüͤck zwiſ. ben Polen u. dem Orden. (1520.) 583 Kriegsbedarf mit nur 500 Fußknechten nicht im Stande, dem doppeltſtarken Feinde entgegenzutreten, zumal da er wegen Feig⸗ heit des Volkes nicht einmal Kundſchafter gewinnen konnte, um des Feindes Stellung auszuforſchen, auch der Treue der Braunsberger, unter denen er Verraͤther fürchtete, keineswegs noch ſicher war.) Da er uͤberdieß unter ſeinen Kriegsleuten, die ſtürmiſch ihren Sold forderten, Meuterei beſorgen mußte, den Hochmeiſter aber eine Krankheit an aller Thaͤtigkeit hin⸗ derte, fo ſchwaͤrmte der Feind ungehindert Meilenweit raubend und mordend im Lande umher. Es brach auch ſchon ein ſtarker Heerhaufe mit Mord und Brand in Natangen ein, er⸗ ſchlug eine große Zahl zuſammengerotteter Bauern, pluͤnderte die Kirchen, erſtürmte Domnau, brannte Preuſſ. Eilau ab und belagerte das Schloß; doch vertheidigten dieſes der Ordens⸗ hauptmann Friederich Truchſes und der Livloͤndiſche Edelmann von Viereck, mit vitterlicher Tapferkeit und ſchlugen den Feind zuruͤtk. Er warf ſich jetzt vor Zinten. Die braven Bürger aber, denen der Meiſter zuvor einige Hilfe geſandt, ſchoſſen die Häufer und Scheunen vor der Stadt, die der Feind beſetzt hatte, waͤhrend der Nacht in Brand und trieben dieſen zur Flucht. Er trennte ſich in zwei Haufen; die Polen, mit großer Mühe uber die Paſſarge ſetzend, eilten ins Lager vor Holland; die Böhmen aber, 400 Mann ſtark, ſtürmten abermals vor Melſack; es mußte ſich dem Feinde, der Sicherheit an Leib und Gut verſprach, ergeben. Die Böhmen aber brachen den Vertrag, pluͤnderten die ganze Stadt und ließen acht Raths⸗ herren enthaupten. 6) 1) Schr. Frieder. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Mittw., Donnerſt. u. Freit. nach Valentini 1520 Schbl. D. 110. 144. 148. 149. 2) Schr. Fried. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Donnerſt. nach Kathedra Petri 1520 Schbl. D. 110. 179. 3) Mser. p. 2. Faber S. 45. 4) Mscr. p. 2. Ordens ⸗Chron. P- 140. 5) Nscr. p- 2. Schr. F. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Mittw. nach Invocavit 1520 Schbl. U. 135. Schr. des Großkomthurs
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584 Wankendes Kriegsglüͤck zroif. den Polen u. dem Orden. (1520,) Die Lage des Ordens ward mit jedem Tage trauriger. Der Biſchof von Pomefanien, an aller Rettung ſchon ver: zweifelnd, bot bereits alles auf, durch den Hauptmann von Golub und den Erzbiſchof von Gneſen von neuem des Koͤniges Gnade und Gunſt zu erwerben und erklaͤrte ſich bereit, vor dem Könige zu erſcheinen, um in perſoͤnlicher Rechtfertigung und Vertheidigung ſeines bisherigen Verhaltens ſich mit ihm aus⸗ zugleichen.) In Pr. Holland herrſchte fort und fort wie unter den Hauptleuten, ſo unter der Beſatzung Mißmuth, Uneinigkeit und Zerwuͤrfniß. Dieterich von Schlieben und Georg von Witramsdorf konnten ſich über nichts mehr verſtaͤndigen. Ein Theil der Beſatzung, aus Braunsberg dahin geſandt, bat den Hochmeiſter um die Erlaubniß, in letztere Stadt zuruͤckziehen zu duͤrfen, weil ſie in Holland faſt verhungern muͤſſe. So konnte gegen den Feind, der ſich der Stadt immer kuͤhner naͤherte, nichts von Bedeutung unternommen werden. „Von Holland, ſchrieb Friederich von Heideck dem Hochmeiſter, gilt das alte Sprichwort: wenn eine Stute zergehen ſoll, ſo beißen die Stritzen einander ſelbſt.“? In andern hart bedraͤngten Staͤd⸗ ten fehlte es an zureichender Mannſchaſt, Geſchuͤtz und Kriegs⸗ bedarf oder an Geld zur Beſoldung der Kriegsleute; zu Paſſen⸗ heim wollte keiner mehr dem Hochmeiſter um den bisherigen Sold dienen; alle forderten mit Ungeſtuͤm ihre Ruͤckſtaͤnde. Raſtenburg hatte als Beſatzung nur ſechzehn loſe Knechte und nur vier Falkonette.) Um in Braunsberg dem Mangel an an d. HM., d. Balga Mittw. nach Invocav. 1520 Schbl. D. 129. Runau p. 163. Ordens⸗Chron. p. 140. 1) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. Hauptm. zu Golub, d. Rieſenb. Sonnt. nach Apollonia 1520 Schbl. D. 496. Schr. deſſelb. an d. Erzbiſchof v. Gneſen, d. Donnerſt. nach Cinerum 1520 Schbl. D. 467. 2) Schr. F. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Donnerſt. nach Invocavit 1520 Schbl. D. 156. Schr. Georgs v. Witramsdorf an ſeinen Stallbruder Georg Klingenbeck, d. Mont. nach Invocav. 1520 Schbl. D. 292. 3) Schr. des Ordensritters Matthes v. Deben an Berthold v.
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Wankendes Kriegsgluͤck zwiſ. den Polen u. dem Orden. (1520.) 585 Blei abzuhelfen, rieth der Meiſter Friederichen von Heideck, Kannen und Schuͤſſeln und ſelbſt die Orgeln in den Kirchen anzugreifen; ) vierhundert Bauern mit 60 Fußknechten mußte dieſer aus der Stadt entlaſſen, die als pluͤndernder Haufe im Lande umherzogen. Kein Wunder, daß dieß alles dem Meiſter ſchwer und tief zu Herzen ging. 2 Da aber der Feind bei Melſack ſich immer mehr verſtaͤrkte und zu erwarten war, daß er ſich noch tiefer ins Land werfen und des Ordens Streitkräften noch groͤßern Abbruch thun werde, ſo ſammelte auf Friederichs von Heideck dringenden Rath der Hochmeiſter im Anfange des Maͤrz eine Streitmacht von zweitauſend Mann und zog, waͤhrend jener den Feind an der Paſſarge durch wiederholte Angriffe beſchaͤſtigte, mit treff⸗ lichem Belagerungsgeſchuͤtz verſehen, gegen die genannte Stadt heran. Es koſtete einen Kampf von ſieben Stunden, ehe ſie erſtürmt ward. Ueber dreihundert Böhmen wurden erſchlagen und eine ansehnliche Zahl gefangen, wahrend der Meiſter, der ſelbſt verwundet war, nur 30 bis 40 Mann verlor. Sechs erbeutete Fahnen brachte man in den Dom nach Königsberg. 9 Waͤhrenddeß hatte Friederich von Heideck den Feind an der Paſſarge zuruͤckgeſchlagen, ihm ſeine Beute und reichen Proviant abgenommen und die Straße nach Preuſſ. Holland wieder frei gemacht, um dieſes mit Mannſchaft und Lebensmitteln wieder beſſer zu verſorgen.) Auch auf Frauenburg wagte er einen Altmannshofen, d. Paſſenheim Mont. nach Invocav. 1520. Schr. des Hauskomthurs zu Koͤnigsb. an d. HM. d. Raſtenb. Mittw. nach In⸗ vocav. 1520 Schbl D. 289. 108. 1) Vgl. Faber Pr. Archiv B. II. 78. 2) Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Mittw. nach Invocav. 1520 Schbl. D. 131. 156. 3) Mser p. 2. Schr. des HM. an Wolf v. Schönberg, d. Mittw. vor Lätare 1520 bei Faber a. a. O. S. 80 weicht in der Zahl der Todten und Gefangenen etwas ab. Rumau p. 164 ſtimmt nicht ganz überein. Ordens⸗Chron. p. 140. 4) Schr. F. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Mont. nach Reminiſ. 1520 Schbl. D. 169. 178.
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586 Ergebung des Viſchofs v. Pomeſanien an den König. (1520.) Angriff, um, wie er ſagte, das Neſt fo zu zerſtören, daß dieſen Sommer wenigſtens kein Vogel mehr darin niſten ſollte.“ Das Unternehmen aber gluͤckte nicht, weil er zu gleicher Zeit einen Theil ſeiner Mannſchaft nach Heiligenbeil hatte ſenden muͤſſen.) Viertauſend Polen und Koſacken nämlich hatten ſich mittlerweile vor Zinten geworfen und griffen zu gleicher Zeit tie Stadt auf allen Seiten an. Die Hauptleute Hans von Heinitz, Fritz von Knobloch und Wolf von Pack mußten alle Kraͤfte ausbieten, den gewaltigen Kampf zu beſtehen, bis es endlich gelang, das feindliche Lager mit Feuerpfeilen in Brand zu ſtecken. Vierzig Pferde, mehre Menſchen, Waffen, Reiſig⸗ zeug und Proviant wurden vom Feuer verzehrt, aber zugleich auch die ganze Vorſtadt, in die ſich der Feind gelagert. Er warf ſich darauf nach Heiligenbeil hinuͤber, um dieſes zu er⸗ ſtuͤrmen. 9 Wenn hier indeß das Kriegsgluͤck dem Orden auch einiger⸗ maßen guͤnſtig war, ſo truͤbten es anderwaͤrts manche traurige Ereigniſſe. Dem Biſchofe von Pomeſanien, der wiederholt den Hochmeiſter um kraͤftigere Hülfe zur Rettung der noch übrigen zwei Städte Rieſenburg und Marienwerder gebeten und kaum ſich des Feindes noch erwehren konnte, hatten Polniſche Haupt⸗ leute gedroht, von neuem mit ſchwerem Geſchuͤtz vor Marien⸗ werder zu erſcheinen und die Stadt in Grund und Boden zu vernichten, ſofern er mit ſeinen Hauptleuten und Unterthanen ſich dem Koͤnige nicht zu Gehorſam untergebe. Der Biſchof wandte ſich nun zwar eiligſt an dieſen mit der Erklaͤrung: er kabe ihn laut des ewigen Friedens immer fir den Schutzherrn feiner Kirche gehalten und anerkannt; er möge daher auch jetzt ſolche gegen jene Drohung in Schutz nehmen und es ſie nicht 1) Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Freit. nach Reminiſ. 1520 Schbl. D. 224. 2) Schr. Fr. v. Heideck an d. Großkomthur Klaus v. Bach, d. Braunsb. Dienft. nach Reminiſ. 1520 Schbl. D. 153. 3) Schr. des Hans v. Heinitz u. a. an d. HM. d. Mont. nach Reminif. 1520 Schul. Adelsgeſch II. 59. Runau p. 163. Ordens Chron. p. 140. 3 2
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Ergebung des Biſchofs v. Pomeſanien an den König. (15 20.) 587 entgelten laſſen, daß er mit dem Hochmeiſter Krieg fuͤhre.!“ Allein am 12. Maͤrz erſchien dennoch ein ſtarker Polniſcher Heerhaufe mit zahlreichem ſchweren Geſchüͤtz vor Marienwerder. Der Biſchof hatte die Beſatzung zwar etwas verſtaͤrkt; ) trotz ihrer Tapferkeit aber wuͤtheten die Polniſchen Geſchoſſe ſo un⸗ aufhoͤrlich und zwei Tage lang wurden die Sturmangriffe auf die Mauern der Stadt ſo oft und mit ſolcher Kraft wiederholt, daß die Beſatzung endlich nicht mehr widerſtehen konnte. Als daher große eiſerne Kugeln, wie man ſie ſonſt ſelten noch ge⸗ brauchte, das Schloß ſeiner Wehren ſchon ganz beraubt, im Dom die S. Dorotheen⸗Kapelle und einen Thurm an der Stadtmauer ſchon voͤllig vernichtet hatten, trat die Beſatzung mit dem Feinde in Unterhandlung. Der Biſchof erſuchte den Hoch⸗ meiſter zwar nochmals aufs dringendſte um ſchleunige Hülfe, um vielleicht die Stadt noch zu retten. Zugleich indeß wandte er ſich auch an den Koͤnig um Schutz und Gnade und um ein ſicheres Geleit, um perſoͤnlich vor ihm zu erſcheinen.“ Aber in denſelbigen Tagen ſchon ergab ſich Marienwerder dem Feinde auf freien Abzug der Beſatzung und dem Koͤnige ward gehuldigt. Als einige Tage darauf ein Polniſcher Heerhaufe auch vor Rieſenburg erſchien, um auch dieſe letzte Stadt des Biſchofs zu erſtinmen, ſandte dieſer eiligſt einen Botſchafter nach Thorn an den König, bat um Gnade, erbot ſich zu Ge⸗ horſam “) und ſtellte dann ein Öffentliches Bekenntniß aus, „daß er den König laut des ewigen Friedens als ſeinen Schutz⸗ 1) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. König v. Polen, d. Rieſenb. Sonnab. nach Reminiſ. 1520 Schbl. D. 491. 2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſan. an d. HM. d. Dienft- nach Oculi 1520 Schbl. D. 465. 3) „Größer als die geweinen Karthaunen treiben, faſt wie die ſcharfe Metze“. Schr. des Hauskomthurs v. Koͤnigsb. an d. HM. d. Dienſt. nach Oculi 1520 Schbl. D. 184. 4) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. u. an d. König, d. Rieſenb. Sonnab. nach Oculi 1520 Schl. D. 469. 490. Bock S. 108. 5) Schr. des Biſchofs v. Pomeſ. an d. HM. d. Mont. nach Lätare 1520 Schbl. D. 468. Schütz P. 462 — 463. Geleitsbrief des
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588 Feindſeligkeiten der Danziger. (1520.) herrn anerkenne, ihm alles, was recht, treu leiſten, in dieſem Kriege mit feinen Schloͤſſern und Unterthanen keinem Theile zu Huͤlfe ſtehen, der Krone Polens treu und hold ſeyn und wenn es der Koͤnig verlange, ihm Rathspflicht zu ſchwoͤren ſich nicht weigern wolle.“ Zudem drohte dem Orden noch ein anderes Ungluͤck. Des Hochmeiſters Rath Dieterich von Schoͤnberg hatte ſich bereits mit dem Kurfuͤrſten von Brandenburg uͤber die Zuſendung eines anſehnlichen Kriegshaufens verſtaͤndigt, der uͤber See nach Preuſſen gebracht werden follte. Joachim verſprach auch, dem Hochmeiſter eine Huͤlfsſumme von zwanzigtauſend Gulden vorzuſtrecken, wofuͤr er der dem Orden zugeſagten übrigen Hülfe fire dieſes Jahr entledigt ſeyn ſollte.) Die Danziger aber, von dem allen benachrichtigt, beſchloſſen, die Zufuhr dieſes Huͤlfs⸗ volkes zu hindern und dem Orden zugleich auch ſeine Verbin⸗ dung mit Deutſchland wo moͤglich ganz abzuſchneiden. Es erſchienen von Danzig aus acht große, mit Steinen beladene Schiffe, längs der Nehring herſegelnd, am alten Tief bei Balga. Man vermuthete einen Einfall in Samland; allein am 17ten Maͤrz wurden mehre dieſer Schiffe im Tief verſenkt und ſo die Einfahrt ins Haff unmöglich gemacht. Einige Tage darauf ſollte daſſelbe auch am neuen Tief geſchehen; der heftige Nord⸗ wind jedoch hinderte es. Einige der begleitenden Schiffe ſtran⸗ deten und verbrannten, die andern mußten drei Tage vor Anker liegen. Mittlerweile aber eilte der Hochmeiſter mit Kriegsvolk herbei, ſchoß zwei Jachten in den Grund und zwang ſomit die übrigen zur Rückkehr. Man ſchrieb das Mißlingen der Unter⸗ nehmung der Danziger dem heil. Adalbert zu. Koͤniges v. Polen für d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Thorunii feria III post domin. Laetare 1520 Schbl. 71. 3. 1) Das Bekenntniß des Biſchofs v. pomeſan., d. Sonnt. Judica 1520 Schbl. D. 466. 2) Der Vertrag zwiſchen dem Kurfurſten v. Brandenburg u. Dieterich v. Schönberg, d. Köln a. d. Spree Mittw. nach Laͤtare 1520 Schbl. C. 31. 3) Msor. p. 2. Faber S. 48. Schr. des Biſchofs v. Samland
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Ungünſtige Stimmung der Staͤdte gegen den Orden. (1520.) 589 Vor allem hinderten den gluͤcklicheren Fortgang der Waffen des Ordens theils der ſo oft eintretende Mangel an Kriegs⸗ bedarf und Lebensmitteln, wie zu Preuſſ. Holland, theils die Unzufriedenheit und der Mißmuth der Bücjfenmeifter und Sold⸗ knechte, wie zu Braunsberg, Paſſenheim, Soldau und andern Orten. Häufig drohten auch die Soͤldner, ohne Solderhoͤhung aus dem Dienfte treten zu wollen und hatte man einem Haufen den Sold erhoͤht, ſo verlangten ſolches auch andere. Ueber⸗ dieß war der Orden auch der Treue feiner Städte nicht überall gewiß. Die Bartenſteiner hatten laͤngſt erflärt: ſobald die Polen vor ihren Mauern erſchienen, würden fie ſich nicht eben lange berathen, welchem Herrn ſie ſich zuzuwenden hätten. 2 Auch in Raſtenburg fehlte den Buͤrgern einmuͤthige Bereitwillig⸗ keit; ſie waren nicht einmal zu bewegen, ihre Wehren beſſer anzurichten oder ſonſt irgend ein Opfer zu bringen. 3) Ueber⸗ haupt hatte ſich der Meiſter bisher noch wenig der beſondern Standhaftigkeit irgend einer Stadt zu erfreuen gehabt. Daher ſchrieb er feinem Rathe Dieterich von Schönberg: „Rhein, Seeſten, Johannisburg und andere Städte, die der Feind nun inne hat, find boͤswillig abgefallen; es iſt mir allein um den armen Adel zu thun, den ich mit dieſem Troſte ſtetig erhalte, ſo Gott wiederum ſeine Gnade verleihe, wurde ich fie nicht verlaffen, ſondern ihnen ihren Schaden gnaͤdiglich erſetzen. Leider, fügt er hinzu, hat mich Gott bei anderthalb Monaten an d. HM. d. Fiſchhauſen Dienſt. nach Oculi 1520 Schbl. D. 120. Schr. des Hans v. Schoͤnberg an d. HM. d. Freit. nach Oculi 1520 Schbl. v. 245. Schütz p. 463. Runau p. 164. Bock S. 109 — 110. Ordens-Chron. p. 140- 1) Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb Dienſt. nach Laͤtare 1520; Schr. des Hauskomth. v. Koͤnigsb. d. Naſtenb. Dienſt. nach Reminiſ. 1520. Schr. Diet. v. Schlieben an Fr. v Heideck, d. Faſtelabend 1520 Schbl. D. 152. 240. 2) Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Mittw. nach Blaſi 1520 Schbl. D. 132. 3) Schr. des Hauskomth. v. Koͤnigsb. an d. HM. d. Raſtenb. Dienſt. nach Reminiſ. 1520 Schbl. D. 240,
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590 Uebergabe Pr. Hollands an die Polen. 11520.) mit Krankheit geftraft, D fo daß ich nur noch Haut und Bein an mir habe. Jetzt aber bin ich von dem Uebel ganz frei und nun will ich thun als ein Mann, da ſoll mir Gott helfen und in der aͤußerſten Noth ſoll ſolches befunden werden.“? In der That bedurfte es jetzt auch neuer kraͤſtiger Ans ſtrengung. Die Polen hatten ſich zwar gegen Ende des Maͤrz aus ihrem Lager vor Holland hinweggezogen theils gegen El: bing hin, theils mit der Wagenburg nach der Paſſarge zu. Man fuͤrchtete, fie würden ſich von neuem vor Braunsberg werfen, weshalb man dieſes ſtaͤrker bemannte. Wenige Tage nach Oſtern aber ruͤckten die Polen, mit vielem ſchweren Ge: ſchütz verſehen, von neuem mit verſtaͤrkter Macht vor Holland, umringten jetzt die ganze Stadt, beſetzten alle Landſtraßen und ſchnitten ihr alles Waſſer und alle Zufuhr ab. Bald erzeugten Hungersnoth und der gaͤnzliche Waſſermangel unter Menſchen und Thieren ein entſetzliches Sterben; der erſtern raffte der Tod nahe an fünftaufend hin, denn es fehlte auch an aller ärztlichen Huͤlſe. Anfangs lag der Feind ruhig vor der Stadt; ® darauf aber beſchoß er fie unabläffig mit grobem Geſchuͤtz von fünf Seiten her, fo daß über tauſend Tonnen Pulver verbraucht wurden. Dennoch hielt ſich die Beſatzung, endlich bis zu andert⸗ halbhundert Mann zuſammengeſchmolzen, noch faſt drei Wochen lang und fie würde ſich noch länger gehalten haben, wenn nicht immer noch Uneinigkeit unter den Hauptleuten geherrſcht hätte. Erſt als am 20ſten April ein Thurm von den Böhmen cr: fliegen ward, ergaben ſich Schloß und Stadt dem Feinde. 1) Der HM. nennt es ein hitziges Fieber, welches ihn dem Tode nahe gebracht. 2) Schr. des HM. an Diet. v. Schoͤnberg, d. Koͤnigsb. Sonnt. Oculi 1520 Schbl. XV. 11. 3) Schr. Georgs v. Witramsdorf an d. HM. d. Donnerſt. noch Oculi 1520. Schr. Fried. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Sonnab. nach Judica 1520 Schbl. D. 155. RBunan p. 164. 4) Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. am grünen Donnerſt. 1520 Schbl. D. 154 Schr Philipp Greuſing an d. HM. d. Holland Freit. nach Ofern 1520. Mser. P. 2. Faber S. 48.
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Der Biſchof v. Pomeſanien. (1520.) 591 Die Beſatzung ward gefangen genommen, der Hauptmann Philipp Greufing nach Marienburg gebracht und dort wegen eines ihm angeſchuldigten Meineides zu Tode gemartert. Waͤhrenddeß wandte der Meifter alles an, um dort wenig⸗ ſtens Rieſenburg und Preuſſ. Mark fuͤr den Orden noch zu retten. Das letztere behauptete mit einer ziemlich zahlreichen Beſatzung der entſchloſſene Ordenshauptmann Paul Faſolt. Den Biſchof von Pomeſanien hatte allerdings nur Noth und Huülfloſigkeit auf des Koͤniges Seite getrieben. In Geſinnung immer noch dem Orden zugewandt, mochte er dieß gerne dem Meiſter ſelbſt bezeugen und ſich mit ihm berathen; umſonſt aber bat er den Koͤnig um Erlaubniß, den Hochmeiſter in ſeiner Krankheit beſuchen zu dürfen. 2) Dieſer hegte auch zum Bi⸗ ſchofe noch Vertrauen, ermahnte ihn, ſich mit dem Könige nicht zu tief einzulaſſen, ſtets fich als ehrenhaften Mann zu zeigen und an feiner Ehre feſtzuhalten; um ihn zu ermuthigen, wies er ihn auf die Huͤlfe hin, welche er aus Deutſchland durch Wolf von Schoͤnberg und vom Kurfürften von Brandenburg baldigſt zu erwarten habe. ® Der Koͤnig indeß, dieſes Verhaͤlt⸗ niß bald durchſchauend, ſchrieb dem Biſchofe gewiſſe Vertrags⸗ artickel vor, welche dieſer ohne weiteres genehmigen mußte, darin verſprechend, Rieſenburg und Preuſſ. Mark weder ſtaͤrker zu befeſtigen, noch mit Mannſchaft oder Kriegsbedarf und Ge⸗ ſchoß beſſer zu verſorgen, gegen des Königes Schlöffer, Städte und Kriegsvolk nichts Feindliches vorzunehmen, ohne ſeine Ge⸗ 4) Msor. Pp. 2. Schätz p. 463. Runau p. 164. Schr. des HM. an den Kurfuͤrſt. v. Brandenburg, d. Dienſt. nach Jocund. 1520 Schbl. C. 18. er berichtet: Holland ſey am Sonnab. nach Jubilate an den Feind übergeben, die Beſatzung gefangen nach Thorn geſandt. Bock S. 108. Ordens⸗Chron. p- 140. 2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. Koͤnig v. Polen, d. Dienſt. nach Palmar. 1520 Schbl. D. 500. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſan. d. Mittw. nach Palmar. 1520 Schbl. P. 459. Der HM. fagt: er erwarte vom Kurz fürften 8 Tage nach Oſtern 40,000 Gulden, 2000 Knechte von Wolf v. Schönberg und 2000 Mann vom Könige v. Daͤnemark.
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592 Der Biſchof v. Pomeſanien. (1520.) nehmigung ſich nicht zum Hochmeiſter zu begeben, noch ihm Briefe oder Botſchaft zuzuſenden zu des Koͤniges Nachtheil und wenn es dieſer verlange, ſich ſofort zu ihm zu verfuͤgen und ihm über fein ferneres Verhalten Eid zu leiſten. Dafuͤr verhieß ihm Sigismund Schutz und Schirm in allen ſeinen Beſitzungen, namentlich in feinen Schloͤſſern und Staͤdten Rieſenburg und Preuſſ. Mark.) Der Biſchof ſandte alsbald dieſen Vertrag durch einen heimlichen Boten dem Hochmeiſter zu, ſich mit deſſen Krankheit entſchuldigend, daß er ihn habe annehmen muͤſſen und zugleich erklaͤrend: er werde ſich ſtets ſo halten, wie es einem frommen Praͤlaten gezieme und er es vor jedem rechtſchaffenen Manne verantworten koͤnne.) Der Meiſter ließ ihn auffordern, Rieſenburg und Preuſſ. Mark wo moͤglich noch dem Orden zu uͤbergeben, ehe er ſich zum Koͤnige verfüge, denn er fuͤrchtete, die Polen möchten ſich leicht auch dieſer beiden Staͤdte noch bemaͤchtigen.) In Betreff Preuſſ. Marks ließ der Hauptmann Paul Faſolt den Biſchof nicht lange in Verlegenheit, erklaͤrend: er werde ohne des Hoch⸗ meiſters Willen nie einen Polen in die Stadt einlaſſen, auch wenn der Biſchof ſie uͤbergeben wolle. Als daher ein Pol⸗ niſcher Streithaufe, der ſich bei Chriſtburg gelagert, bei ihm an⸗ fragen ließ, ob er mit ihnen Freundſchaft und gute Nachbar⸗ ſchaft halten wolle, gab er zur Antwort: ſie haͤtten es am Orden und dem Meiſter nicht verdient, daß man mit ihnen von Freundſchaft rede. Dafur mußte er freilich fehen, daß der Feind das ganze Gebiet ringsumher durch Raub und Feuer verwuͤſtete. 1) Die Vertrags- Artickel o. D. Schbl. D. 459. 2) Schr. des Biſchofs v. Pomeſanien an d. HM. d. Rieſenb. Oſterabend 1520 Schbl. D. 329. 458. 3) Schr. des HM. an F. v. Heideck u. an d. Biſchof v. Po⸗ meſan. d. Dienſt. zu Oſtern 1520 Schbl. D. 456. 4) Schr. Paul Faſolts an d. Biſchof v. Pomeſan. d Pr. Mark Cbarfreit. u. Schr. deſſ. an d. HM. d. Oſterabend 1520 Schbl. D. 501. 454.
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Verwuͤſtungen in Pomeſanien. (1520.) 593 Jetzt aber draͤngte ſich die Hauptmaſſe des feindlichen Heeres gegen das Gebiet des Pregels heran, denn das naͤchſte Ziel war nun, wie man auskundſchaftete, die Eroberung Köͤ⸗ nigsbergs und ein Raubeinfall in Samland.) Ein Streit⸗ haufe von tauſend Mann warf ſich vor Bartenſtein; er kam mit der Beſatzung, meiſt aus Livländern beſtehend, zu einem blutigen Kampfe; funfzig Ritter, Reiſige und Buͤrger erlagen dem Schwerte. Der Feind erkaufte den Sieg mit zweihun⸗ dert der Seinigen. Bartenſtein aber ging an ihn über. ? Dann zog der Heerhaufe weiter ins Land, verheerte die Ge⸗ genden von Friedland, Schippenbeil und Raſtenburg und bemaͤchtigte ſich zum Theil auch dieſer Staͤdte.“) Eine andere große Heermaſſe zog durchs Biſthum Ermland gegen Brauns⸗ berg heran; eine Schaar von vierhundert legte ſich in die Neuſtadt und brannte ſie gaͤnzlich nieder, nachdem ſie acht Tage lang Grauſamkeiten aller Art veruͤbt.) Ueberhaupt er⸗ lag das Biſthum jetzt einer fuͤrchterlichen Verwuͤſtung. 9 Vieles hatte der Biſchof ſelbſt verſchuldet, denn er hatte ſich weder dem Orden noch dem Koͤnige ganz entſchieden zuge⸗ wandt, alſo daß er bei beiden fuͤr einen heimlichen Feind galt. An den Meiſter ſandte er den Ritter Botho von Eilenburg mit der Bitte um Schutz und Schonung feiner Stiftslande, unterließ aber nicht, ihm Vorwuͤrfe wegen der Einnahme Braunsbergs und Melſacks zu machen. Albrecht ließ ant⸗ worten: er ſehe nicht ab, warum er das Biſthum jetzt ſchuͤtzen 1). Schr. F. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Sonnab. nach Quaſimodog. 1520 Schbl. D. 182. 241. 2) Mser. p. 2. Aufforderung des Poln. Hauptmanns Nicolaus v. Dzyalin an Bartenſtein Schbl. XXIX. 8. LXI. 14. Bock S. 104. Ordens = Ehron. p. 140. 3) Schr. des Hauptmanns Hans v. Helb an d. HM. d. Braunsb. Dienſt. nach Quaſimodog. 1520 Schbl. D. 241. 4) Mser. p. 2 — 3. Schr. des Hans v. Helb an d. HM. d. Braunsb. Sonnt. Quaſimodogen. 1520 Schbl. D. 238. 5) Bol. das Kriegsgedicht v. J. 1520 in Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. II. 389. IX. 38
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594 Vorrücken der Polen bis Heiligenbeil. (1520.) ſolle, aus dem das Ordensland zuvor ſo vielfach belaͤſtigt worden.) Auf der Heimkehr ward Botho mit ſeinem Bru⸗ der Wend von Eulenburg von Tataren gefangen genommen, um Zeuge der unmenſchlichen Grauſamkeiten zu ſeyn, die im Biſthum von dieſen Barbaren begangen wurden. Als der Biſchof einen Polniſchen Hauptmann des wilden Würbens und Mordens wegen zur Rede ſetzte, entgegnete dieſer: „Der Hochmeiſter hat unſern Herrn den Koͤnig mit Unglaͤubigen bekriegen wollen, ohne zu wiſſen, wie der Krieg unter Unglau: bigen zugeht. Das haben wir ihm jetzt durch eine kleine An⸗ zahl zeigen wollen. Doch die rechten Tataren erwarten wir erſt noch, dann wird der Meiſter wohl lernen, was ihre Kriege ſind.“ 2 Der Feind ruͤckte nun ſchon bis vor Heiligenbeil vor, denn weder von Braunsberg aus, noch ſonſt woher konnte ihm kraͤftiger Widerſtand geleiſtet werden. Die Straßen nach Königsberg waren von ihm ſchon allenthalben beſetzt und un⸗ gehindert ſtreiſten bereits mehrmals einzelne Haufen bis an die Vorſtadt Königsbergs, um fie wo moͤglich in Brand zu ſtecken.) Vor allem erhob der Umſtand, daß man dem Or⸗ den nirgendswoher aus andern Landen Huͤlfsvolk zukommen ſah, den Muth der Feinde immer mehr.“ Vom Großfuͤrſten von Moskau hatte der Meiſter bald nach der Einnahme Braunsbergs zwar eine anſehnliche Geldſumme zur Fortſetzung des Krieges erhalten; ſeitdem aber war zwiſchen ihm und Polen ein Waffenſtillſtand auf ſechs Monate aufgenommen und der Orden blieb ohne weitere Hülfe.d Auch des Koͤni⸗ 1) Schr. des HM. an Botho v. Eulenburg, d. Koͤnigeb. Oſter⸗ abend 1520 Schbl. D. 317. 2) Schr. Wends v. Eulenburg an Konrad Truchſes zu Koͤnigsb. d. Heilsberg Mittw. nach Quaſimodogen. 1520 Schbl. Adelsgeſch. E. 17. 3) Schr. des Hans v. Helb an d. HM. d. Brauns b. Sonnt. Ouaſimodogen. 1520 Schbl. D. 238. 241. Ordens⸗Chron. v. 141. 4) Ebendaſ. 5) Schr. des HM. an Dieter. v. Schoͤnberg, d. Koͤnigsb. Sonnt.
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Ausbleiben der Kriegshuͤlfe aus Deutſchland. (1520.) 595 ges von Daͤnemark oft verſprochener Beiſtand war bis jetzt noch nicht erfolgt.) Auf Deutſche Beihuͤlfe konnte vorerſt noch wenig gerechnet werden. Der Ordensmarſchall Georg von Eltz war nach langſamer Reiſe erſt vor kurzem in Spa⸗ nien beim Kaiſer angelangt, um von ihm Rettung zu erbitten. ? Die Deutſchen Landkomthure klagten fort und fort uͤber ihre Geldnoth.“ Der Kurfuͤrſt von Brandenburg hatte dem Mei⸗ ſter zwar wiederholt die Sendung einer Huͤlfsmannſchaft und Geld zu ihrer Unterhaltung zugeſagt und ihm Muth einge⸗ ſprochen, verſichernd, er werde ihn und den Orden mit ſeinem Rathe und Beiſtand nicht verlaſſen, man möge nur Vertrauen zu ihm faſſen. Allein vergebens hoffte der Meiſter auf die Ankunft des verſprochenen Huͤlfsvolkes.) Die bedeutendſte Kriegshuͤlfe ſollten aus Deutſchland Wolf und Dieterich von Schönberg herbeifuͤhren; fie gaben ſich auch in mehren Bera⸗ thungen zu Naumburg und Nordhauſen mit den Raͤthen der Kurfürſten von Mainz, Sachſen, Brandenburg und mehrer anderer Fuͤrſten alle mögliche Muͤhe theils wegen Aufbringung von Huͤlfstruppen theils wegen ihres Durchzuges durch der Fuͤrſten Laͤnder. Allein es gebrach ihnen nicht nur an den noͤthigen Kriegsgeldern, ſondern ſie lebten auch fort und fort in feindlicher Spannung gegen einander und einer hinderte die Thaͤtigkeit des andern.) Wenn ſich daher auch Kriegsvolk in großer Zahl zum Dienſte des Ordens einfand und anbot, ſo Oculi 1520 Schbl. XV. 11. Der Großfuͤrſt hatte 18,000 Mark ge⸗ ſandt. Karamſin B. VII. 83. 1) Schr. des Koͤniges v. Daͤnemark an d. HM. d. Kopenhagen Sonnab. nach Judica 1520 Schbl. E. 45. 2) Nach einer Nachricht Schbl. XXIX. 21. 3) Schr. der Landkomthure v. Oeſterreich u. an der Etſch Schbl. XXIX. 23. 24. 4) Schr. des Kurfürften v. Brandenburg an d. HM. d. Donnerſt. nach Judica 1520 Schbl. C. 319. Schr. des HM. an d. Kurfürften, d. Oſtern 1520 Schbl. C. 32. 5) Schr. Wolfs v. Schönberg an d. HM. d. Halle Samſt. nach Quaſimodogen. 1520 Schr. 3. F. 31. nro 48. 5 38 *
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596 Fruchtloſe Friedensverhandlungen zu Thorn. (1520.) war es aus Geldmangel nicht möglich, es anzuwerben und in Bewegung zu ſetzen.“ Die genannten Fürſten aber wollten vor allem den Er: folg der friedlichen Unterhandlungen erwarten, die ſie bereits zur Beilegung des Streites eingeleitet. Schon im Februar hatte der Papſt in einem Breve den Hochmeiſter aufs nachdrück⸗ lichſte zum Frieden ermahnt? und im Anfange des März halten Botſchafter des Koͤniges von Ungern von Thorn aus Unterhandlungen mit dem Hochmeiſter angeknuͤpft, je: doch ohne Erfolg.?) Da erſchienen im Anfange des Mai zu Thorn beim Könige ein paͤpſtlicher Botſchafter der Bi: ſchof Zacharias von Garda und Bevollmaͤchtigte des Erz⸗ biſchofs Albrecht von Mainz, der Kurfuͤrſten Friederich von Sachſen und Joachim von Brandenburg, der Herzoge Georg und Johann von Sachſen, der Biſchof von Raab als Bot⸗ fehafter des Koͤniges von Ungern und einige Sendboten des Herzogs Boguslav von Pommern; der Herzog Friederich von Liegnitz, des Hochmeiſters Schwager, hatte ſich perſoͤnlich eingefunden, alle mit dem Auftrage von ihren Fuͤrſten, wo moͤglich eine friedliche Ausgleichung zu vermitteln oder doch wenigſtens durch einen einſtweiligen Anſtand dem Blutvergießen ein Ende zu machen. Obgleich der Hochmeiſter wenig Hoff: nung zur Nachgiebigkeit des Koͤniges hegte,“ fo erklärte er ſich den Botſchaftern doch ſogleich zu einer guͤtlichen Unter⸗ handlung ſehr geneigt, auch zu einem friedlichen Anſtande, fo: fern eine völlige Ausgleichung nicht erfolgen koͤnne. Er er 1) Schr. Wolfs v. Schönberg an Diet. v. Schönberg, d. Naum⸗ burg am T. Marci 1520 Schr. 3. F. 31 nro 49. 2) Das Breve des Papſtes an d. HM. d. Rom 28. Febr. 1520 Schbl. XVI. 3. (c). 3) Geleitsbrief des Koͤniges v. Polen, d. Thorn Donnerſt. nach Reminiſ. 1520 Schbl. C. 341. 4) Das Verzeichniß der Bevollmächtigten Schbl. C. 336. Cre⸗ denzſchreiben der genannten Fuͤrſten, d. Kalbe Freit. nach Cinerum 1520 Schbl. C. 321. Spalatini Chron. ap. Mencken T. II. 600. 5) Schr. des HM. an d. Kurfürſten v. Brandenburg, d. nach Oſtern 1520 Schbl. C. 32.
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Fruchtloſe Friedensverhandlungen zu Thorn. (1520). 597 ſuchte auch den Biſchof von Ermland, wenigſtens zu einem Waffenſtillſtande mit hinzuwirken.“ Allein der Koͤnig wies den Antrag wegen eines ſolchen als unzuläffig zurück, den Unterhändlem erklaͤrend: der ewige Friede müffe unter allen Umftänden aufrecht erhalten werden, doch wolle er zugeben, daß die ſchwierigſten Punkte in ihm theils ausgethan, theils ermäßigt werden koͤnnten. Darüber unterhandelte man nun mehre Tage lang; auch der Hochmeiſter ward zur Darlegung ſeiner Meinung aufgefordert, wie der Friede herzuſtellen ſey. * Dieſer indeß beſtand auf einem Waffenſtillſtande von wenig⸗ ſtens zwei Monaten, um waͤhrenddeß über die ihm vorgelegten Friedensartikel den Willen des Papſtes zu erfahren und ſich mit feinen Ordensgebietigern berathen zu können.“ Der König jedoch ließ ſich hiezu trotz aller Bemühungen der Botfchafter auf keine Weiſe gewinnen, erklaͤrend: der Krieg, zu welchem der Meifter ihn „groͤblich“ gedrungen, habe nun ſchon fünf Monde gedauert; in dieſer Zeit habe man die Ordensgebietiger wohl zuſammmenberufen koͤnnen; es ſey nicht denkbar, daß der Meiſter in einem oder zwei Monaten den Papſt und die oberſten Gebietiger werde beſuchen laſſen koͤnnen; er wuͤnſche den Anſtand offenbar nur, um mittlerweile Kriegsvolk aus Deutſchland an ſich ziehen zu koͤnnen. Die Bevollmaͤchtigten erreichten demnach nichts; auch ein noch Einzerer Anſtand von nur zehn Tagen ward vom Könige nur unter Bedingungen zugeſtanden, die der Meiſter nicht annehmen konnte. Ein 1) Schr. des HM. an Lewin v. Veltheim und Dr. Stublinger o. D. Schbl. C. 337. 334. Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM, d. Heilsberg Sonnt. Jubilate 1520 Schbl. A. 263. 2) Schr. des Ritters Degener v. Bugenhagen und Georg Bone an d. HM. d. Thorn Donnerſt. nach Reminiſ. 1520 Schbl. E. 70. 3) Schr. der Raͤthe der Kurfürſten und Fuͤrſten an d. HM. d. Thorn Donnerſt. Philippi und Jacobi 1320 Schbl. C. 329. 330. Schr. des Herzogs v. Liegnitz an d. HM. d. Thorn am T. Kreuz Erſind. 1520 Schbl. C. 324. 4) Schr. des HM. an d. Herzog v. Liegnitz, d. Donnerſt. nach Cantate 1520 Schbl. C. 331. Schr des HM. an die Botſchafter, d. Mittw. nach Jubilate 1520 Schbl. C. 320.
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598 Fruchtloſe Friedensverhandlungen zu Thorn. (1520.) Theil der Botſchafter, namentlich der paͤpſtliche und die aus Ungern reiſten daher gegen Mitte des Mai von Thorn wieder ab.“ Die Nachricht aber, daß alle Friedenshoffnung verſchwun⸗ den ſey, beugte überall im Ordensgebiete die Gemüther tief darnieder. Da es kaum moͤglich ſchien, die Laſt des Krieges noch laͤnger zu tragen, ſo ſprach ſich bald allenthalben der Wunſch aus, es moͤchten Abgeordnete des Landes mit des Meiſters Einwilllgung ſich zum Koͤnige begeben, um ihrer Seits noch einen Verſuch zur Wiederherſtellung des Friedens zu machen. Die Staͤnde faßten um ſo mehr noch Hoffnung, da auf ihr Geſuch um ſicheres Geleit der König zwar einen Waffenſtillſtand ſchon im voraus ohne weiteres abgewieſen, jedoch zum Frieden ſich ſehr geneigt erklaͤrt hatte, da ihm der Krieg, wie er aͤußerte, durch die Ungerechtigkeiten und Feind⸗ feligfeiten des Hochmeiſters nur aufgedrungen ſey.) Der Hochmeiſter ſandte auch ſelbſt den Pfleger von Neidenburg Heinrich von Miltitz nach Thorn, um die Verhandlungen wie⸗ der anzuknuͤpfen; allein bei feiner Ankunft hatten auch die uͤbrigen Botſchafter, weil alle ihre Bemuͤhungen ohne Erfolg geblieben, bereits die Ruͤckkehr angetreten. 9 Der Kriegsſturm hatte ſich waͤhrenddeß der Hauptſtadt des Landes ſchon ſo weit genaͤhert, daß kaum noch eine Ret⸗ tung moͤglich ſchien. Wiederholt hatte der Hochmeiſter ſowohl den Kurfuͤrſten von Brandenburg als Dieterichen von Schoͤn⸗ berg auf dringendſte um ſchleunigſte Herbeiſendung des ver⸗ ſprochenen Hüͤlfsvolkes gebeten, ebenſo feinen Bruder den Markgrafen Kaſimir und mehre andere füuͤrſtliche Gönner und Freunde des Ordens, denn bis Pfingſten, fürchtete er ſchon, werde der Orden nicht mehr im Lande und „das Spital des 1) Schr. der Raͤthe der Kurfuͤrſten an d. HM. d. Thorn Sonnab. nach Jocunditat. 1520 Schbl. C. 326. Schr. des paͤpſtl. Botſchafters an den HM. d. Thorn 20 Mai 1520 Schbl. C. 340 325. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an die Staͤnde Preuſſens, d. Thorun feria VI rogation. 1520 Schbl. D. 626. Mscr. p. 3. 3) Schr. des HM. an d. Kurfürften v. Brandenburg, d. Dienft, zu Pfingſt. 1520 Schbl. C. 26.
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Eroberung d. Ordensgeb. durch d. Polen bis Königsb. (1520.) 599 Deutſchen Adels aufs jammerlichſte für ewige Zeit vernichtet ſeyn. Wir warten auf Rettung wie die Altvaͤter in der Hölle,” ſchrieb er Dieterichen von Schoͤnberg. Dennoch war er bis in die Mitte des Mai ohne alle Huͤlfe geblieben. Dieß hatte aber auch auf die Stimmung im Lande hoͤchſt nachtheilig ein⸗ gewirkt, denn die Hülflofigkeit, in welcher der Orden jetzt da⸗ ſtand, mußte je mehr und mehr den Unterthanen allen Muth entnehmen. „Sie haben uns, ſchrieb Albrecht dem Kurfuͤrſten von Brandenburg, bereits mehrmals erklart, daß ſie, wenn wir nirgends Unterſtützung finden und ſo ganz verlaſſen da⸗ ſtehen bleiben, auf andere Wege denken muͤſſen. Alſo muͤſſen wir uns jetzt noch mehr vor unſern eigenen Unterthanen als vor den Feinden fuͤrchten, denn erhalten wir in laͤngſtens zwei Monaten keine Hülfe, ſo wird ein allgemeiner Ungehorſam ausbrechen und wir dann ſelbſt des Lebens nicht mehr ſicher ſeyn. ? Die Lage des Meiſters war fürwahr verzweiflungsvoll. Nicht einmal viertauſend Mann war er im Stande ins Feld zu ſtellen.) Mehre feiner beſten Feldhauptleute, wie Philipp Greuſing, der kriegsgewandte Ritter Sigmund von Zwikopf u. a. waren ihm durch Gefangenſchaft entriſſen;“ andere wurden mißmuthig und verdroſſen. Selbſt der ſo entſchloſſene Friederich von Heideck wollte vom Kriegsſchauplatze abtreten, denn da er ſich einige Tage aus Braunsberg entfernt gehabt und die Feinde waͤhrenddeß bei einem Anſall auf die Stadt 1) Schr. des HM. an Diet. v. Schönberg, d. Sonnt. Judica 1520 Schr. deſſelb. an d. Kurfürften v. Brandenb. d. Sonnt. nach Judica 1520 im Rgſtr. Nro 22, 2) Schr. des HM. an d. Kurfürſten v. Brandenburg, d. Dienſt. nach Jocundit. 1520 Schbl. C. 18. 3) Ebendaf. 4) Nach einem Schr. Fried. v. Heideck an d. Hm, Schbl. D. 158 muß Sigmund v. Zwikopf (Smwifauf) auch in Deutſchland in ſehr großem Anſehen geſtanden haben. Die Polen wollten ihn gerne in ihre Dienſte locken; er ſchlug ſie aber aus. Er mußte ſich dem Koͤnige als Gefangener ſtellen; vgl. Voigt Franz v. Sickingen und der D. Orden in den Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. II. S. 348.
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600 Eroberung d. Ordensgeb. durch d. Polen bis Königsb. (1520.) aufs ſuͤrchterlichſte gewuͤthet, in den Vorſtaͤdten und Dörfern Buͤrger und Bauern erſtochen, Frauen, Woͤchnerinnen und Kinder in der Wiege erwuͤrgt und überhaupt wie Heiden und Barbaren am Landvolke graͤßliche Miſſethaten aller Art veruͤbt hatten, D fo machte der Meiſter ihm Vorwürfe, daß er dem Feinde nicht kraͤftig genug entgegentrete und alles viel zu ſaͤumig betreibe. Friederich rechtfertigte ſich zwar, ſchrieb alles Ungluͤck ſeinem Mangel an Mannſchaft und Lebensmitteln zu, da er unmoͤglich das Landvolk in die Stadt nehmen koͤnne, bat aber zugleich den Meiſter, lieber einen andern Hauptmann nach Braunsberg zu ſenden, der das Kriegswerk beſſer ver⸗ ſtehe.) Wie in Braunsberg, fo fehlte es überall an Lebens⸗ mitteln, Kriegsleuten und Geld zu ihrem Solde; faſt uͤberall drohten die Beſatzungen, dem Dienſte zu entlaufen, denn die Bürger, allenthalben verarmt und ausgezehrt, konnten zu ihrer Unterhaltung nichts mehr leiſten.“ So war unter ſolchen Umſtaͤnden an Widerſtand gegen den Feind nirgends mehr zu denken. In Braunsberg mußte man ruhig zuſehen, als die Danziger an der Paſſarge landend das arme Fiſchervolk am Friſchen Haff völlig auspluͤnderten und mißhandelten. 9 Auch Heiligenbeil konnte nicht laͤnger behauptet werden und nachdem dieſes verloren war, ruͤckte der Feind mit ganzer Macht vor das Schloß Brandenburg und beſchoß es alsbald mit ſchweren Steinkugeln.) Da kaum ſiebzig Mann die Wehren beſetzen 1) Schr. Wolfs v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Abend Phis lippi und Jacobi 1520 Schbl. D. 100. Schr. F. v. Heideck an d. HM. d. Mont. nach Cantate 1520 Schbl. D. 157. 2) Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. Mittw. nach Cantate 1520 Schbl. D. 107. 3) Schr. des Unterkompans Friedr. Truchſes an d. HM. d. Eilau Donnerſt. nach Cantate 1520 Schbl. D. 97. Schr. der Hauptleute in Braunsb. an den HM. d. Abend Philippi und Jacobi 1520 Schbl. D. 100. 4) Schr. F. v. Heideck an d. HM. d. Mittw. nach Cantate 1520 Schbl. D. 107. 5) Schr. Egloffs v. Dippelskirch u. C. v. Feſtenberg an d. HM, d. Brandenb. Mont, nach Exaudi 1520 Schbl. LXXII. 99.
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Eroberung d. Ordensgeb. durch d. Polen bis Koͤnigsb. (15 20.) 601 und vertheidigen konnten, weil das gemeine Bauernvolk von Schrecken betaͤubt nicht zu bewegen war, die Mauern zu be⸗ ſteigen, ſo blieb keine Hoffnung, die Burg gegen den achttau⸗ ſend Mann ſtarken Feind zu behaupten, denn die Straße nach Königsberg war von dieſem beſetzt und von dorther keine Huͤlfe mehr moͤglich. Alſo ging die Burg am Freitag vor Pfingſten, den 26ſten Mai an den Feind über und die Beſatzung fiel in Gefangenſchaft.) In denſelbigen Tagen flinmte auch ein ſtarker Polniſcher Heerhaufe vor die Burg Balga an; der Woiwode Nicolaus von Dambrowitz erließ fofort eine Auffor⸗ derung zur Uebergabe, drohend, widrigen Falls das ganze Gebiet mit Feuer zu verwuͤſten. Allein man gab dem kein Gehoͤr. Die beiden Gebiete von Brandenburg und Balga waren der fuͤrchterlichſten Verheerung Preis gegeben.) Am zweiten Pfingſttage kam die Nachricht von der Annaͤherung einer großen feindlichen Heerſchaar nach Koͤnigsberg; da brann⸗ ten eiligſt die Burger einen Theil der aͤußerſten Vorſtadt, den Haberberg bis an die Zugbruͤcke ab und riſſen das S. Georgs⸗ Hospital nebſt der Kirche bis zum Grunde nieder, damit der Feind dort nicht feſten Poſten faſſen könne. ® Alſo ſtand nun der Feind in der Naͤhe Koͤnigsbergs. Da erließen der oberſte Feldhauptmann des Polniſchen Heeres, Nicolaus von Dambrowitz, der oberſte Hauptmann des Boͤh⸗ miſchen Heerhaufens Johann Seredinzki auf Straffnitz und die übrigen Woiwoden und Hauptleute eine Aufforderung zur Uebergabe nicht bloß an den Rath und die gemeinen Zechen!“ „der Drei Städte Königsberg, ſondern zugleich an alle um⸗ 1) Mscr. p. 4. Faber S. 50. Schr. der Edelleute auf dem Schloſſe zu Brandenburg an d. HM. d. Donnerſt. nach Exaudi 1520 Schbl. LXXII. 100. Schütz p. 463. Runau p. 165. Bock S. 111. Ordens-Chron. p. 141. x) Mscr. P. 3. Schr. des Kompans v. Balga an d. HM. d. Balga Sonnt. nach Exaudi 1520 Schbl. LXXII. 98. 3) User. p- 3. Faber S. 51 — 52. Ordens s Chron. p. 141. 4) D. h. Zuͤnfte, Innungen.
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602 Aufforderung zur Uebergabe an Königsberg. (1520.) herliegenden Städte, mit dem Verſprechen, man werde fie, wie Danzig und andere Staͤdte bei allen ihren Freiheiten und Privilegien laſſen und der Koͤnig ſie noch vermehren, wo nicht, ſo werde man ſie zu Waſſer und Land belagern. Eine ſolche Aufforderung erging auch an die Schultheißen und das ge⸗ ſammte Landvolk ſowohl in Königsberg als in Samland. » Der Rath und die gemeinen Zechen antworteten mit vieler Hoͤflichkeit: da die Aufforderung nicht an fie allein, ſondern auch an die umliegenden Städte gerichtet ſey, fie alſo ohne deren Mitwiſſen und Einwilligung keine Entſcheidung faſſen koͤnnten, ſo moͤge man dieſen Staͤdten zuvor ſicheres Geleit geben, um nach Koͤnigsberg zur Berathung zu kommen; dann wolle man Antwort ſenden und „dieſe alſo ſtellen, daß ſie den Hauptleuten annehmlich und den Staͤdten unverweislich ſeyn ſolle.“ „Man ſieht, ihr ſuchet nur Aufſchub, erwiederten jene, fo viel iſt wohl Volk in der Stadt, daß ihr nicht noͤthig habt, euch an andere zu berufen. Man hat ſich von euch einer andern Antwort verſehen; doch weil es euch alſo gefällt, wollen wir es dabei laſſen; doch moͤchte die Zeit wohl kommen, wo ihr das Dargebotene gerne annehmen wuͤrdet. ““ Der Feind ruͤckte jetzt vor die Stadt und ſuchte die Beſatzung ins Freie zu locken; jedoch von der Stadt aus mit ſchwerem Ge⸗ ſchuͤtz ſtark begruͤßt, zog er ſich wieder in das naheliegende Dorf Haffſtrom zuruͤck, um von da einen Einfall in Sam⸗ land zu verfuchen. Er mißgluͤckte indeß, weil die Samlaͤnder ſtark verſchanzt auch dort die Polen mit zahlreichem ſchweren Geſchuͤtz zuruͤcktrieben. Und doch ſchien Samland kaum ge: rettet werden zu koͤnnen, da eben die Danziger Memel ange⸗ griffen, einen Theil der Stadt niedergebrannt hatten und von 1) Die beiden Aufforderungen der Poln. Hauptleute, d. im Heere anderthalb Meilen hinter Koͤnigsb. Dienſt. u. Donnerſt. nach Pfingſt. 1520 Schbl. LVII. 50. 2) Antwort der Königsberger, d. Freit. nach Pfingſt. 1520. Ent: gegnung der Poln. Hauptleute, d. im kön, Heere Freit. vor Trinitat. 1520 Schbl. LVII. 50.
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Friedensverhandlungen zu Thorn. (1520. ) 603 dorther eine Landung der Polen in Samland unterſtuͤtzen konnten. Wenige Tage zuvor waren die nach Thorn entſandten Abgeordnete der Staͤnde mit einem ſichern Geleitsbriefe für den Hochmeiſter nach Koͤnigsberg zurückgekehrt, begleitet von einigen Hauptleuten aus dem Polniſchen Lager. Der Meiſter begann mit dieſen Unterhandlungen wegen eines Waffenſtill⸗ ſtandes, denn nicht nur die Polniſchen Hauptleute und der Biſchof von Ermland riethen ihm, ſich perfönlich zum Koͤnige zu begeben, um ſich wo moͤglich mit ihm auszugleichen, ſon⸗ dern es ſtimmten dem auch die in Koͤnigsberg anweſenden Ordensbeamte und die Abgeordneten der Staͤnde bei, weil nur auf dieſem Wege Samland noch gerettet werden konnte. Der Waffenſtillſtand ward dahin abgeſchloſſen, daß vierzehn Tage lang bis zu des Meiſters Ruͤckkehr in keine Stadt oder Schloß weder Geſchoß und Kriegsbedarf noch Lebensmittel ein⸗ gebracht oder die Beſatzungen verſtaͤtkt, noch ſonſt eine Ver⸗ änderung im Stande der Dinge vorgenommen werden folle. ® Am naͤmlichen Tage noch, den sten Juni trat Albrecht nebſt zwei Polniſchen Hauptleuten und einigen Ordensrittern unter einem Geleite von Polen, Boͤhmen und Tataren die Reiſe nach Thorn an. Dort angelangt erhielt er vom Koͤnige die Forderung geſtellt: er ſolle vor allem, um den Krieg zu bren= digen, den Huldigungseid leiſten. Es bedurfte keiner langen Verhandlungen, wozu auch keine Zeit geſtattet war. Dem Meiſter blieb jetzt keine Wahl mehr, denn der Koͤnig beharrte feſt auf ſeiner Forderung. Albrecht hatte ſich ſchon bereit er⸗ Hört, ſich in das Gebot zu fügen und den Lehenseid zu voll⸗ 1) Mscr. P. 3. Runau p. 165. Schütz p. 463. Ordens ⸗Chron. p. 141. 2) Mscr. P. 3. Schütz I. c. Runau 5. 165 — 166. Schr. des Ungeriſ. Biſchors Johannes Czetzthen an d. Biſchof v. Ermland, d. Graudenz Dienſt. nach Trinitat. 1520 Schbl. VII. 45. Bock S. 112. Ordens Chron. P- 141. 3) Mscr. P. 3 Schitz I. c. Ordens⸗Chron. d. a. O.
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604 Friedensverhandlungen zu Thorn. (1520.) führen. D Da kam ihm von Friederich von Heideck die Nach⸗ richt zu, daß eben zweitauſend Mann Huͤlfsvoͤlker, vom Koͤnige von Daͤnemark geſandt, unter Anfuͤhrung der Hauptleute Georg Anger, Moritz Knebel, Heinrich Doberitz, Rudolf von Maſſow, Burchard von Sichau u. a. in Samland gelandet und in Koͤnigsberg angelangt ſeyen.) Zugleich erhielt er auch troͤſtende Botſchaft vom Großkomthur Nicolaus von Bach, den er zum Kurfuͤrſten von Brandenburg, an Wolf und Dieterich von Schoͤnberg und an den Koͤnig von Daͤnemark geſandt, um den Heranzug der geſammelten Soldtruppen aus Deutſchland zu beſchleunigen.) Der Kurfuͤrſt ſelbſt meldete: es gebreche nur noch an Geld, dann wolle er alles anwenden, das Kriegs⸗ volk eiligſt herbeizuſenden. Der Meiſter verſprach ihm ſofort in einigen Wochen wenigſtens neuntauſend Horngulden zuzu⸗ fertigen.) Aber er beſchloß zugleich, das Joch, welches die Noth ihm faſt ſchon aufgedrungen, wieder von ſich abzuwerfen. Er brach alsbald die Unterhandlungen mit dem Könige ab, vorwendend, daß der Einfall der Maſovier ins Ordensgebiet mit Verletzung des Beifriedens und die fortwaͤhrenden Raͤube⸗ reien, Mordthaten und Feindſeligkeiten der koͤniglichen Kriegs⸗ volker in Natangen inmitten des Waffenſtillſtandes feine eiligſte Ruͤckkehr nach Koͤnigsberg nothwendig machten.) Wie der 1) Die Verhandlungen zwiſchen dem Koͤnige, dem HM. und de⸗ ren Raͤthen vollſtaͤndig bei Schütz p. 464 — 468. Bock S. 112. 2) Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. Freit. nach Octava Corp. Chr. 1520 Schbl. D. 140. Runau p. 166 ſpricht von 2500 Mann, ebenfo das Mser. p. 3. Ordens = Chron. p. 141. 3) Schr. des Großkomthurs Nicolaus v. Bach an d. HM. d. Kopenhagen Donnerft. nach Pfingſt. 1520 Schbl. C. 130. D. 218. 4) Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenburg an d. HM. d. Tanger⸗ münde Mont. nach Exaudi 1520 Schbl. C. 25. Der Kurfuͤrſt wollte kein Geld mehr vorſtrecken. Gedenkzettel fuͤr den Großkomthur bei ſeiner Sendung an den Kurfuͤrſten Schbl. C. 27. Schr. des HM. an d. Kurfuͤrſten, d. Mont. nach Johannis Bapt. 1520 Schbl. C. 34. 5) Mser. p. 3. Schr. des Ordensritters Chriſtoph v. Gröben an Adrian v. Weiblingen, d. Octava Corpor. Chr. 1520. Schütz p. 468, Bock S. 113.
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Neue Feindſeligkeiten. (1520.) 605 König, fo ſtellte auch der Meiſter eine oͤffentliche Proteſtation aus, daß die Vereitelung des Friedens, zu dem er ſich erboten, nicht ſeine Schuld ſey. Erſterer war uͤber Albrechts plößlichen Rückſchritt fo erzumt, daß er ihm nicht einmal eine Audienz bewilligte, um ſich bei ihm zu verabſchieden. „Er mag zie⸗ hen“, ließ er dem Meiſter antworten, und ſo eilte dieſer nach Königsberg zurück, wo er am 2ten Juli wieder anlangte. Er brachte zu naͤherer Erwaͤgung und Berathung mit ſeinen Gebietigern und den Staͤnden gewiſſe vom Koͤnige ihm vorgeſchriebene Bedingungen mit, die zur Grundlage eines feften Friedens dienen ſollten. Als er ſie indeß bedeutend veraͤndert und anders geſtellt zuruͤckſandte, verwarf fie der Koͤnig und brach nun alle Unterhandlungen ab.“ Der Krieg begann von neuem. Die Polen ſetzten ihre Verheerungen mit noch groͤßerer Graufamkeit fort. Noch am Tage der Ruͤckkehr des Meiſters brachen ſie ihr Lager in der Naͤhe von Koͤnigsberg ab, legten Haffſtrom und achtzehn andere Doͤrfer ringsumher in Aſche, zogen dann nach Brandenburg zuruͤck und uͤbten auch dort⸗ umher das fluchterlichſte Mordbrennen. Die ganze Gegend bis Balga und Braunsberg ward faſt in eine Wuͤſte verwandelt. Balga hielt noch feſten Widerſtand. Braunsberg wurde von neuem belagert. Der Feind verſchanzte ſich zuerſt faſt bis an die Mauern der Stadt, ſo daß das ſtaͤdtiſche Geſchuͤtz in den naͤchſten Schanzen ſchon weiter nicht mehr ſchaden konnte. Dann bot er alle Kraft auf, ſich der Stadt zu bemaͤchtigen. Drei Tage wurde ſie ohne Unterlaß beſchoſſen und Kirchen und Häufer fürchterlich verwuͤtet. Die Beſatzung aber, obgleich nur noch gering an Zahl, wehrte ſich mit aͤußerſter Entſchloſſen⸗ heit. Vom Meiſter durch neue Verſprechungen friſch ermuthigt, 1) Mscr. P. 3. Schütz p. 469. 2) Die gegenſeitigen Bedingungen und die Antwort des Koͤniges bei Schütz p. 469 — 471. Chr. des HM. an d. Biſchof v. Pome⸗ ſanien, d. Donnerſt. nach Viſitat. Mariä 1520 Schbl. C. 283. 3) Mser. p. 3. Schiitx p. 472. Rund p. 166 — 167. Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Donnerſt. nach Kiliani 1520 Schbl. C. 108, Ordens⸗Chron. p. 142.
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606 Des Kaiſers Einmiſchung. (1520.) bald auch durch einige Faͤhnlein Volkes noch verſtaͤrkt und mit Geld und Kriegsbedarf verſehen, brachte ſie dem Feinde theils durch ihr Geſchoß, theils durch wiederholte muthige Angriffe und Ausfaͤlle auf das feindliche Lager und die Verſchanzungen außerordentlichen Schaden bei, und dieſes wilde Kriegsgetüͤmmel vor Braunsberg dauerte den ganzen Sommer hindurch, denn heute war der Eine Sieger, morgen der Beſiegte.) , Bald aber ward Muth und Vertrauen im Orden noch mehr gehoben. Der junge Kaiſer Karl war im Juni aus Spanien in Bruͤſſel kaum angekommen, als er von einigen Deutſchen Reichsfuͤrſten“ über die traurigen Vorgänge in Preufien und über des Ordens ſchwere Bedraͤngniß unterrichtet, von dort an den Koͤnig von Polen ein ernſtes Ermahnungs⸗ ſchreiben erließ, darin erklaͤrend, daß es feine Pflicht fordere, ſich des Ordens mit Kraft und Eifer anzunehmen „Dieweil, hieß es, der Großmeiſter in Preuſſen ein edel und wuͤrdig Glied des heil. Roͤm. Reiches und der Orden eine Zuflucht und Ber hältniß des Adels Deutſcher Nation iſt, will ſich's unſerem Namen und unſerer Gewalt in keiner Weiſe geziemen, ihn unter unſerer Regierung austilgen oder auch nur ſchwaͤchen zu laſſen. Die Reichsfuͤrſten haben uns daher mit allem Fleiße gebeten und ermahnt, ihm Hülfe und Rettung zu bringen. Da nun, ſeit wir die Regentſchaft angehoben, wir mit allem Eifer bemüht geweſen, in der Chriſtenheit Friede und Einig⸗ keit zu ſtiſten, ſo geziemt es uns um ſo mehr, uns des Hoch⸗ meiſters mit Schutz und Hülfe anzunehmen, weil es dem Reiche ſchaͤlich ſeyn wuͤrde, ein edles Glied von unſerem Reichs körper trennen zu laſſen, zumal da das Brandenburgiſche Geſippe, worin der Meiſter geboren, unferem Haufe Oeſterreich durch Blutsverwandtſchaft verbunden iſt. Es bewegt uns weniger, 1) Mscr. p. 3— 4. Runau p. 167. Schätz p. 472. Schr. des Unterkompans an d. HM. d. Sonnab. nach Margatetha 1520 Schbl. C. 110. Kriegslied v. J. 1520 in Beiträgen z. Kunde Preuſſ. B. II. 392. 2) Namentlich des Pfalzgrafen Friederich v. Rhein u. des Mark⸗ grafen Johann v. Brandenburg.
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Neue Ermuthigung des HM. (1520.) 607 daß des Meiſters Vorfahren uns und unſern Vorfahren ſo ge⸗ ſtreng in Gefahr und Gluͤck ſtets mit Hülfe zugerhan geweſen; wir verſchweigen auch, daß feine Bruder Markgraf Kaſimir und Markgraf Johann, der ſich bei uns aufhaͤlt, ſich uns durch ihre Verdienſte theuer und werth gemacht. Uns bewegt in der obliegenden Sache jetzt nichts anderes, als daß wir den Orden und deſſen Meiſter nothwendig beſchuͤtzen muͤſſen und daß wir ihm aus keiner Urſache unſeren Beiſtand verſagen dürfen, wenn wir nicht das Röm. Reich, deſſen Zuͤgel uns ge⸗ geben ſind, unſern Namen, unſere Dignitaͤt und uns ſelbſt ver⸗ laſſen und aufgeben wollten.“ Der Kaiſer meldete daher dem Könige, daß er beſchloſſen habe, ſobald als moͤglich feine Bot⸗ ſchaſter an ihn zu ſenden, um alles anzuwenden, was zur Schlichtung des Streites zwiſchen ihm und dem Hochmeiſter und zur Beendigung des Krieges dienen koͤnne. Er forderte demnach den Koͤnig auf, bis zur Ankunft ſeiner Botſchafter die Waffen alsbald niederzulegen. Erhob ſchon dieſer Schritt des Kaiſers den Meiſter zu neuen Hoffnungen, ſo ermuthigte ihn auch bald neuer Troſt vom Kurfuͤrſten von Brandenburg, denn dieſer gab die feſte Zuſicherung, daß dem Orden außer der bereits zugeſandten Kriegshuͤlfe aus Dänemark bald wenigſtens noch vier⸗ bis fünſtauſend Kriegsleute durch Pommern oder aus Daͤnemark und wenn das noͤthige Geld vorhanden ſey, noch zehn: bis zwölftaufend Soldtruppen vom Großkomthur und Wolf von Schönberg zugeführt werden ſollten. „Nur bleibet getroſt und gutes Muthes, ſchrieb ihm der Kurfuͤrſt, faſſet ein maͤnnliches Herz, haltet euch noch eine Zeitlang aufs Beſte; wir werden zu euerer Rettung thun, was nur immer moglich.“? Er ließ 1) Schr. des Kaiſers an d. König v. Polen, Bruͤſſel 26 Junk 1520 Schbl. XXIX. 44. D. 618. CI. De al T. vIII. 135. Auch dieſes Schreiben widerlegt die Aechtheit des kaiſerlichen Mandats an den HM. bei Dogiel T. IV. p. 205 und Raynald. Annal. eccles. an. 1520, wovon wir oben ſchon geſprochen haben. 2) Schr. des Kurfürſten v. Brandenb. an d. HM. d. Koͤln a. d. Spree Sonnab. vor Viſitat. Maric 1520 Schbl. C. 109. 8
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608 Neue Ermuthigung des HM. (1520.) daher dem Meiſter auch rathen, ſich in keine verfänglichen Friedensverhandlungen mehr einzulaſſen, denn er hatte die bis⸗ herigen ſchon ungerne geſehen.) Konnte ferner der Hochmeiſter vom Koͤnige von Daͤnemark auch wenig mehr erwarten, ſo ver⸗ traute er um ſo feſter noch auf den Großfuͤrſten von Moskau, der noch immer mit einer großen Macht an der Graͤnze vit⸗ thauens lag und deſſen Botſchafter mit der verheißenen Geld⸗ ſumme er jeden Tag entgegenſah. War er im Beſitze dieſer Geldmittel, ſo konnte es ihm an bedeutender Huͤlfe aus Deutſch⸗ land nicht lange fehlen, denn Kriegsvolk war dort fuͤr Geld im Ueberfluſſe aufzubringen.) Selbſt die ritterliche Standhaftig⸗ keit und Treue der Hauptleute in Braunsberg, Paul Faſolts auf Preuſſ. Mark und mehrer andern ſtaͤrkten den Muth des Hochmeiſters, denn der genannte Hauptmann zu Preuſſ. Mark griff gegen den Biſchof von Pomeſanien, der ihm die Burg entreißen wollte, ſchon zu offenen Gewaltmitteln, um ſie dem Orden zu erhalten. ? So neuermuthigt wagte nun der Hochmeiſter gegen den Feind auch ſchon den offenen Angriff. Unter des Ritters Die⸗ terich von Schlieben und Moritz Knebels Fuͤhrung ſandte er einen Heerhaufen von Reiſigen und Knechten, der ſich von Ort zu Ort verſtaͤrkte, gegen die Graͤnze Maſoviens hinab. Johannisburg wurde mit Sturm genommen und 200 Polen dabei erſchlagen; die Übrige Beſatzung erhielt freien Abzug.“) Dann brach der Heerhaufe in Maſovien ein; zwei Staͤdte und zweihundert Dörfer wurden theils ausgepluͤndert, theils nieder⸗ 1) Schr. F. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Mittw. nach Kiliani 1520 Schl. C. 112 (in Cbiffernſchrift). 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Donnerſt. nach Viſit. Mariä 1520 Schbl. C. 283. 3) Schr. Paul Faſolts an d. HM. d. Preuſſ. Mark Freit. nach Bifit. Mariä 1520 Schbl. D. 642. Schr. des HM. an Paul Faſolt, d. Königsberg Freit. nach Diviſ. Apoſt. 1520 Schbl. D. 616. 4) Erklaͤrung der Polen wegen der Uebergabe an den Ritter Die⸗ terich v. Schlieben u. Moritz Knebel in Stelle des HM. d. Johannis⸗ burg Mont. nach Maria Magdal. 1520 Schbl. D. 639.
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Fortgeſetzte Friedensverhandlungen. (1520.) 609 gebrannt, worauf er mit großer Beute ins Ordensgebiet zuruͤck⸗ kehrte.) Mittlerweile unterhandelten der Biſchof von Pome⸗ ſanien und der wackere Turnierkaͤmpfer Ritter Hans von Rechenberg, ein beim Könige ſehr angeſehener Hauptmann,? der vor Braunsberg lag, dem Orden aber immer eine ſehr ge⸗ neigte Geſinnung bewahrte, fort und fort uͤber den Frieden, denn beide ſahen das wilde und wuͤſte Kriegsgetreibe als völlig erfolglos an. Hans von Rechenberg gab ſich alle moͤgliche Muͤhe, durch den Biſchof den Koͤnig und den Meiſter einander mehr zu naͤhern und letzterer erklaͤrte auch offen, daß er ſich gerne mit dem Könige in Suͤhne und Einigkeit vertragen möge, gab auch dem Biſchofe den Auftrag, die Friedensſache auf alle Weiſe zu fürdern. I Beſonders wirkte auf ihn auch der ernſte Rath des Meiſters von Livland und deſſen Gebietiger; ſie ſtellten ihm in einer ſehr entſchiedenen Sprache vor, wie noth⸗ wendig man jetzt auf Mittel und Wege zu denken habe, um das, was der Orden noch im Beſitze habe, ihm fortan zu er⸗ halten und nicht vielleicht zugleich auch Livland in unuͤberwind⸗ liches Verderben zu ſtuͤrzen; fie warnten, dem Könige nicht noch mehr Anlaß zur Erbitterung zu geben, machten aufmerk⸗ ſam auf die immer noch ungewiſſe Hülfe aus Deutſchland und auf die unzuverlaͤſſigen Zuſagen des Moskowiters; ſie legten endlich ſogar einen foͤrmlichen Proteſt ein, ſich im voraus von aller Schuld frei erklaͤrend, wenn der Hochmeiſter ihren Rath 1) Mser. p. 4. Der HM. unternahm dieſen Zug nicht ſelbſt, wie ſeine waͤhrenddeß in Koͤnigsberg ausgeſtellten Briefe ausweiſen. 2) Hans v. Rechenberg nennt ſich ſelbſt Ritter von Windiſch Boraw auf Freiſtadt, Slaw und Wartenberg. Daß er beim Koͤnige in großem Anſehen ſtand, geht auch daraus hervor, daß ihm dieſer in einem eigenen Schreiben (Schbl. 71. 18) die Geburt feines juͤngſten Sohnes anzeigte; vgl. über ihn Sommersberg Script. rer. Siles. T. II. 386. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Koͤnigsb. Mittw. nach Diviſ. Apoſt. 1520 Schl. D. 471. Schr. des Ritters Hans v. Rechenberg an d. Biſchof, d. vor Braunsb. Donnerſt. nach Diviſ. Apoſt. 1520 Schbl. D. 480. 507. IX. 39
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610 Fortgeſetzte Friedensverhandlungen. (1520.) verwerfe und den Orden durch böfer Leute Einreden noch mehr ins Verderben ftürze. ” Albrechts Vertrauen auf den Großfürſten fing auch wirk⸗ lich an mehr und mehr zu wanken, denn ein Botſchafter deſ⸗ ſelben berichtete ihm, wie ſehr ſeine Friedensunterhandlungen mit dem Koͤnige den Zaar befremdet und daß dieſer auch des⸗ halb ſchon die weitere Sendung des Huͤlfsgeldes unterlaſſen habe. Er hatte nun zwar feine Zuſage noch keineswegs zurüͤck⸗ genommen, aber doch von neuem erklaͤrt: der Hochmeiſter kenne ihr beiderſeitiges Uebereinkommen, er ſolle erſt dem Koͤnige eine Schlacht liefern und in deſſen Land einfallen, dann ſolle auch das Huͤlfsgeld erſolgen, womit zwoͤlſtauſend Mann zu Roß und zu Fuß beſoldet werden koͤnnten. Dieſe Bedingung aber ſetzte eben den Meiſter in große Verlegenheit, denn er bedurſte eben des Huͤlfsgeldes, um fie zu erfüllen, weil er ohne dieſes das Kriegsvolk in Deutſchland nicht aufzubringen vermochte. Er ſtand deshalb mit dem Großfuͤrſten immer noch in Ver⸗ handlungen und weil es noch ungewiß war, wie ſich dieſer endlich noch entſcheiden werde, ſo trug er dem Biſchofe von Pomeſanien auf, die Friedensunterhandlungen mit dem Könige noch nicht abzubrechen, um wenigſtens vorerſt noch Zeit zu ge⸗ winnen, damit wenn alles zuruͤckgehe, der Orden dann irgend einen geeigneten Schritt thun koͤnne.) Die Verhandlungen wurden alfo fortgefeßt. Hans von Rechenberg bot jedoch um: ſonſt alle Gruͤnde auf, um den Hochmeiſter von ſeiner Forde⸗ rung der Zuruͤckgabe aller dem Orden im Thorner Frieden ent⸗ riſſenen Lande zuruͤckzubringen, eine Forderung, die wie er ſagte, „den König nur noch mehr vergiftete “.) Er ſuchte nun zwar in einer perſoͤnlichen Zuſammenkunft mit dem Biſchofe von 1) Schr. des Meiſters v. Livland an d. HM. d. Wenden Abend Jacobi 1520 Schbl. XXIX. 95. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. am T. Jacobi 1520 Schbl. C. 284. 3) Schr. des Hans v. Rechenberg an d. HM. d. vor Braunsb. Sonnab. nach Vincula Petri 1520 Schbl. D. 390. Antwort des Hon. d. Koͤnigsb. am T. Stephani 1520 Schbl. D. 317 (30).
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Fortgeſetzte Friedensverhandlungen. (1520.) 611 Pomeſanien zu Preuſſ. Holland in der Mitte des Auguſts eine neue Friedensverhandlung einzuleiten; es wurden auch neue Friedensartickel entworfen, die man zuerſt dem Hoch⸗ meiſter und wenn dieſer darauf eingehen werde, auch dem Könige vorzulegen beſchloß.) Albrecht indeß wies fie ohne weiteres zurück, denn wenn nach ihnen dem Orden die ihm jetzt abgewonnenen Lande auch wieder zurückgegeben und Über: dieß auch noch ein Landgebiet gegen die Unglaͤubigen eingeräumt werden ſollte, ſo ſollte doch der Hochmeiſter vor allem den Lehenseid ſchwoͤren, ſeiner Forderung der fruͤher entriſſenen Ordenslande entſagen, Braunsberg dem Könige uͤberliefern u. ſ. w. Nur Mißbilligung des ganzen Ordens, erklaͤrte der Hochmeiſter, nur Spott und Hohn vor aller Welt werde ihm zu Theil werden, wenn er „ſolche ſchwere Artickel“ annehme, zumal da der Eid geleiſtet werden ſolle, ehe noch die abgedrun⸗ genen Lande dem Orden wieder eingeräumt würden, und was gewinne dann der Orden Erſprießliches, wenn ihm ein ver⸗ derbtes und veroͤdetes Land wieder zukomme! So etwas Schimpfliches koͤnne er nicht annehmen, wenn ihn nicht nach⸗ her die ganze Laſt der Schande allein treffen ſolle. Alſo zer⸗ ſchlugen ſich vorerſt alle Unterhandlungen wieder. Mittlerweile aber war es auch mit dem Biſchofe von Erm⸗ land zum Zerwuͤrfniß gekommen. Ohne ſich ganz entſchieden fir den Orden, noch für den König zu erklaͤren, hatte ſich diefer mit dem Hochmeiſter wegen eines Beifriedens verſtaͤndigt. In einzelnen Irrungen zwiſchen ihm und dem Meiſter uͤbernahm Heinrich Reuß von Plauen zu Bartenſtein, dem der Biſchof immer großes Vertrauen ſchenkte, die Vermittlung. Da aber, nachdem die Feinde einen großen Theil des Biſthums uͤber⸗ zogen, es nicht fehlen konnte, daß im Kriegsgetümmel hie und da auch einzelne Heerhaufen des Ordens bald aus Eilau, bald 1) Der Entwurf dieſer Friedensvorſchläge, d. Freit. nach Aſſumt. Mariä 1520 Schbl. D. 483. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Königsb. am T. Kreuz⸗Erhoͤh. 1520 Schbl. D. 620. 39 *
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612 Einfall ins Biftyum Ermland. (1520.) aus Schippenbeil ins Biſthum einfielen und an bijchöflichen Unterthanen vielfache Mißhandlungen und Pluͤnderungen verübt wurden, ) fo kam es bald zu offenem Zwieſpalt. Der Hochs meiſter maß es dem Biſchofe zur Schuld bei, daß die Feinde ſich im Biſthum feſtgeſetzt und von da aus den Ordensunter⸗ thanen der meiſte Schade durch Raub und Brand geſchehe. Ihm Zweideutigkeit in Wort und That vorwerfend verlangte er endlich: der Biſchof ſolle ſich mit feinem Stifte dem Orden untergeben.? Da ſich dieſer nicht fügte, vielmehr den Hoch⸗ meiſter wegen der Einnahme Braunsbergs des Raubes an ſeinem Beſitzthum beſchuldigte, ihm es als ſchwere Schuld an⸗ rechnete, daß der Feind ſich in das Biſthum eingelagert, ihm den erſten Anlaß zu allen Feindſeligkeiten, Näubereien und Gewaltthaten in den Stiftslanden zuſchrieb und es endlich als eine Verletzung ſeiner Ehre erklaͤrte, wenn er ſich dem Orden untergeben und dem Papſte, „welcher, nicht aber der Orden, ſeine Kirche fundirt und dotirt habe“, ſeines Stiftes Unter⸗ thaͤnigkeit entziehen ſolle, ) fo trat ihm der Hochmeiſter nun als offener Feind entgegen. An der Spitze von fuͤnſtauſend Mann zu Roß und Fuß und hinlaͤnglich mit Geſchuͤtz verſehen brach er in der Mitte des Auguſts ins Biſthum Ermland ein, verbrannte und brandſchatzte eine Anzahl Doͤrfer und belagerte ſofort des Biſchofs Wohnſitz Heilsberg, deſſen Bewohner er, wiewohl umſonſt, zur Ergebung aufforderte.“ Er erließ als⸗ bald aus dem Lager an den Biſchof eine offene Erklaͤrung, worin er ihm „die Betruͤglichkeit und den Undank“ vorwarf, womit er bisher gegen den Orden gehandelt und „ihn am 1) Schr. des Biſchofs v. Ermland an Heinr. Reuß v. Plauen, d. Heilsberg Sonnab. nach Jacobi 1520 Schbl. A. 261. 260. Schr. Botho's v. Eulenburg an denſelb. d. wie vor, Schbl. D. 290. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, o. D. Schbl. A. 268. 3) Schr. des Biſchofs v. Ermland an d. HM. d. Heilsb. Samſt. nach Aſſumt. Mariä 1520 Schbl. A. 268. 4) Antwort des Rathes v. Heilsberg auf die Aufforderung des HM. d. Sonnab. nach Aſſumt. Mariä 1520 Schbl, A. 251,
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Belagerung Heilsbergs. (1520.) 613 Seile geführt”; er ſey gekommen, dieß zu beſtrafen; doch wolle er ihn zuvor noch einmal ermahnen, ſich eines Beſſern zu be⸗ ſinnen, damit er nicht in weiteres Verderben gerathe; habe er Klagen gegen den Orden, ſo moͤge er unter ſicherem Geleite zu ihm kommen; „jedoch mit Worten, ſagte der Meiſter, laſſen wir uns nicht weiter abſpeiſen.“) Allein der Biſchof kam nicht. Vergebens bot dem Hochmeiſter Botho von Eulenburg friedliche Unterhandlungen an und ſuchte den Biſchof zu ent⸗ ſchuldigen.? So zog ſich die Belagerung hin. Moritz Knebel und einige andere Hauptleute fäuberten unterdeß die Gegenden von Schippenbeil und Bartenſtein vom Feinde.) Der Meiſter ſelbſt vertrieb ihn von Raſtenburg. Zweitaufend Tataren warfen ſich in die Gegend von Dreng⸗ furt und ins Gebiet von Barten und machten uͤberall be⸗ deutende Beute. Auf die Nachricht, daß auch zu Roͤßel ein Tatarenhaufe jener erwarte, um ſich mit ihnen zu vereinigen, überfiel ihn der Hochmeiſter zur Nachtzeit und erſchlug der Barbaren ſechshundert Mann; 700 Pferde wurden ihm zur Beute. Nachdem er darauf auch eine Aufforderung an alle Bewohner des Biſthums zur Ergebung an den Orden erlaſſen, ® zog er nach Heilsberg zuruck. Mehre Wochen lang wurden über 800 große eiſerne Kugeln und mehr als 200 Feuerkugeln in die Stadt geworfen, mehre Thuͤrme und Mauern nieder⸗ geſchoſſen und beide Vorſtaͤdte abgebrannt; allein trotz dieſes 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Ermland, d. im Lager vor Heilsberg 1520 Schbl. D. 635. 2) Schr. Botho's v. Eulenburg an d. HM. d. Heilsberg Sonnab. nach Aſſumt. Mariä 1520 Schl. A. 257. 3) Mscr. P. 4. Schr. Moritz Knebels an d. HM. d. Dienſt. nach Aſſumt. Mariä 1520 Schbl. D. 196. 4) Mser. p. 4. Faber S. 57. Schr. Wilhelms v. Schaum⸗ burg Pfleger zu Barten, d. Barten Mittw. nach Agapeti 1520 Schbl. XXIX. 73. Schr. des HM. an Diet. v. Schönberg, d. Abend Na⸗ tivit. Mariä 1520 Schbl. D. 636. Kriegölied v. J. 1520 in Bei⸗ maͤgen zur Kunde Preuſſ. B. II. 392. 5) Aufforderung des HM. an die Ermländer, d Sonnab. nach Aſſumt. Mariä 1520 Schbl. A 208.
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614 Belagerung Braunsbergs. (1520.) „Freudenfeuers“, wie es der Meiſter nannte,) konnte er nicht zum Ziele kommen und keinen eigentlichen Sturm wagen, denn Schloß und Stadt waren außerordentlich ſtark mit Boͤhmen und Polen bemannt. Da nun die Nachricht kam, daß ein Heerhaufe aus dem Lager vor Braunsberg gegen Königsberg anruͤcken ſolle, um es durch Ueberfall wo moͤglich zu gewinnen, fo eilte der Meiſter hieher zuruck. 2 Hier war ſeine Gegenwart hoͤchſt nothwendig, denn in Braunsberg ſowohl als in Balga, wo das Kriegsvolk nur noch bloßes Waſſer zu trinken hatte und großen Mangel an Lebensmitteln litt, waren unter den Beſatzungen die groͤßte Un⸗ zufriedenheit und ſelbſt ſchon Meutereien ausgebrochen, ſo daß das gemeine Kriegsvolk „eine Ambaſſade“ an den Meiſter ſandte, um ihm ſelbſt ſeine große Noth vorzuſtellen. Da Braunsberg immer noch von ſiebentauſend Polen und Boͤhmen belagert war, ſo mußten alle Mittel aufgeboten werden, um die Befagung zu befriedigen.“ Man benutzte dazu die Brand: ſchatzung, welche der Brandmeiſter Hans Frank, vom Haupt⸗ manne Moritz Knebel unterftügt, in den Dörfern des Biſthums Ermland mit größtem Eifer eintrieb.) Und doch ſchien Braunsberg kaum noch lange behauptet werden zu koͤnnen, denn aus den Hinterlanden von Moritz Knebel vertrieben warfen ſich mehre Tataren- und Koſackenhaufen zum Bela⸗ gerungsheere vor Braunsberg, ſo daß dieſes in der Mitte des Septembers noch um zweitauſend Mann verſtaͤrkt ward. Der Hochmeiſter fand ſich viel zu ſchwach, um den Feind in dieſer 1) Schr. des HM. an Diet. v. Schoͤnberg a. a. O. 2) Schr. des Kompans v. Balga an d. HM. d. Balga Mont. am Abend Auguſtini 1520. Schr. Paul Faſolts, d. Pr. Mark am Abend Bartholom. 1520 Schbl. D. 484. Schütz p. 472. 3) Schr. des Kompans v. Balga, d. Freit. nach Aſſumt. Mariä 1520. Schr. Fr. v. Heideck an d. HM. d. Braunsb. Sonnt. nach Bartholom. 1520 Schbl. D. 166. 167. 4) Daruͤber mehre Schr. Moritz Knebels und des Brandmeiſters aus dem Sept. 1520 Schbl. D. 191 — 193. 202. 203. 207. 137.
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Deutſche Soldtruppen. (1520.) 615 Stärfe anzugreifen.) Er hatte ſich ber Stadt ſchon ſo ge⸗ naͤhert, daß man mit einem Steine hineinwerfen konnte; man ſing bereits auch an, die Mauern zu untergraben. Es drohte daher jetzt mehr als je die Gefahr, daß die Polen doch endlich zum Ziele gelangen und die Stadt erftünmen wuͤrden. Da kam die frohe Botſchaft ins Land, daß endlich die vom Großkomthur Nicolaus von Bach, von Wolf und Die⸗ terich von Schoͤnberg und dem Grafen Wilhelm von Eiſenberg geworbenen Deutſchen Soͤldnerhaufen zum Heranzuge in Be⸗ wegung ſeyen. Lange hatte außer dem Geldmangel auch die fortwaͤhrende Uneinigkeit zwiſchen Dieterich und Wolf von Schönberg die Sammlung und Zuſendung dieſer Kriegsvölker verhindert. „Sie raffen ſich um meines Ordens Haar und ſo geht der Verzug immer weiter“ fagte der Meiſter. Wolf von Schoͤnberg hatte endlich mit Beihuͤlfe des edlen Ritters Franz von Sickingen, der für den Orden außerordentlichen Eifer bewies,) alle andern Schwierigkeiten beſeitigt; er er⸗ wartete nur noch die vom Hochmeiſter zugeſagte Geldſumme von ſechzigtauſend Gulden und wandte ſich deshalb auch an den Kurfuͤrſten von Brandenburg, weil er es bedenklich fand, das Soͤldnervolk unbeſriedigt und ohne Geld in die Naͤhe des feindlichen Landes zu führen.“) Da trat aber unerwartet der Deutſchmeiſter Dieterich von Cleen mit einer neuen Forderung auf. Man war nämlich mit ihm uͤbereingekommen, daß er ſtatt der zugeſagten Kriegshuͤlſe durch Mannſchaft dem Orden 1) Schr. des HM. an Diet. v. Schönberg, d. Abend Nativit. Mariä 1520 Schbl. D. 636. 2) Schr. des Hauskomtburs zu Koͤnigsb. an d. HM. d. Raſten⸗ burg Sonnt. nach Crucis 1520 Schbl. D. 232. 3) Schr. des HM. an den Biſchof v. Pomeſanien, d. Donnerft- nach Viſit. Maria 1520 Schbl C. 283. 4) Val Voigt Franz v. Sickingen u der D. Orden in Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. II. 375 ff. Münch Franz v. Sickingen B. I. S. 140. 5) Schr. Woljs v. Schönberg an d. Kurf. v. Brandenburg, d. Mainz Mittw. nach Margar, 1520 Schl. C. 19.
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616 Anzug Deutſcher Hüͤlfsvoͤlker. (1520.) in Preuſſen die Summe von achtzigtauſend Gulden zahlen ſolle. Da bei ihm nun aber die Bedenklichkeit entſtand, daß die in Deutſchland zahlreich fuͤr den Orden aufgenommenen Soͤldner⸗ haufen, wenn ſie in Preuſſen in ihrem Solde nicht befriedigt werden koͤnnten, nach ihrer Ruͤckkehr laut ihrer Beſtallungs⸗ briefe ſich an die Ordensguͤter in Deutſchland halten und wie fruͤher ſich an dieſen ihres Schadens erholen wuͤrden, ſo ver⸗ langte er: bevor er die verfprochene Geldſumme leiſte, ſolle ihn der Hochmeiſter gegen dieſen Fall im voraus ſicher ſtellen. Der Groß komthur mußte ihm daher in des letztern Namen das Ver⸗ ſprechen geben, daß der Deutfchmeifter und deſſen übrigen Ge⸗ bietiger, wenn etwa von den Söldnern wegen hinterſtelligen Soldes an ſie Forderungen erhoben wuͤrden, vom Hochmeiſter ſchadlos gehalten werden ſollten, alſo daß der Deutſchmeiſter, wenn dieß binnen einem Jahre nicht geſchehe, das Recht haben ſolle, ſich des Gebietes in Preuſſen oder der Balleien Koblenz und an der Etſch nach Berhältniß des Schadens zu unterziehen und darüber zu ſchalten und zu walten, bis der Schade er⸗ ſetzt ſey.“ Nun meldete zwar der Kurfuͤrſt von Brandenburg dem Meiſter die frohe Botſchaft: der große Zug, dreitauſend zu Roß und elftauſend Knechte ſeyen jetzt in Bewegung; der Hochmeiſter möge ſich darauf einen guten Trunk ſchmecken laſſen; man höre auch, daß die Kriegsleute manche gute Vögel, die Singerin und Nachtigal und anderes gutes Feldgeſchutz mitbringen wuͤr⸗ den, nur moͤge er eiligſt die zugeſagte Geldſumme ſenden, um Schimpf und Schaden zu verhuͤten; der Hochmeiſter meldete ihm auch, die Summe von ſechzigtauſend Gulden liege bei ihm bereit, nur trage er der Gefahr wegen vor den Feinden Be⸗ denken, ſie zu Waſſer oder zu Land hinauszuſenden; er bat daher den Kurfünften, das Geld vorläufig vorzuſtrecken. Statt 1) Schr. des Großkomthurs u. Wolfs v. Schoͤnberg an d. HM. d Mainz Mittw. nach Margar. 1520 Schbl. C. 133. Das vom Groß⸗ komthur im Namen des HM. für den DM. ausgeſtellte Zeugniß, d. Freit. nach Margar. 1520 Schbl. 106 nro 35, 65.
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Anzug Deutſcher Hülfsvölker. (1520. ) 617 deſſen aber verlangte dieſer wiederholt die Rückzahlung der für den Orden ſchon ausgelegten Summe von zehntauſend Gulden, da er ſelbſt Geldmangel litt.) Dieß brachte neue Verzoͤgerun⸗ gen. Der Hochmeiſter bat und mahnte aufs dringendſte um Eile. um den Kurfürften und die Soͤldnerhauptleute ſicher zu ſtellen und Vertrauen zu gewinnen, ſtellte er jenem eine Pfandverſchreibung auf die Ballei Oeſterreich, dieſen eine gleiche auf die Balleien Elſaß und an der Etſch aus und ſandte fie dem Großkomthur, doch mit der Weiſung, ſie nur in der letzten hoͤchſten Noth zu gebrauchen.) Dieſen Mitteln und feinen flehentlichſten Bitten gelang es endlich, noch im Verlaufe des Septembers die Soͤldnerhaufen zum Heranzuge in Bewegung zu ſetzen. Die Deutſchen Fürften hatten dazu nur wenig Huͤlfe geſtellt, des Meiſters eigener Bruder Markgraf Kaſimir z. B. nur zweihundert Pferde, Herzog Heinrich der Juͤngere von Braunſchweig nur ſechs Feldſchlangen.“ Eine Folge dieſer Nachricht vom Heranzuge einer ſo be⸗ deutenden Kriegshuͤlfe war ohne Zweifel, daß der König von Polen nun auch ſelbſt in die zwiſchen dem Hauptmanne Hans von Rechenberg und dem Biſchofe von Pomeſanien bisher im⸗ mer noch fortgeſetzten Friedensunterhandlungen mit eingriff, indem er beiden den Auftrag ertheilte, ſich mit Vollmacht zu neuen Verhandlungen zum Hochmeiſter zu begeben, erklaͤrend: er werde fich, wie es einem chriſtlichen Könige gezieme, gerecht und billig finden laſſen, wenn man ihm annehmliche und dem 1) Schr. des Kurfürften v. Brandenburg an d. HM. d. Köln a. d. Spree Donnerft, u. Freit. nach Aſſumt. Mariaͤ 1520 Schbl. C. 22, 33. 2) Schr. des HM. an d. Kurfürften v. Brandenburg, an d. Großkomthur, an Wolf u. Dieterich v. Schoͤnberg u. an die Soͤldner⸗ hauptleute, d. am Abend Nativit. Mariä 1520 Schbl. D. 617. 631 — 637. 3) Schr. des Markgr. Kaſimir v. Brandenb. an d. HM. d. Neu⸗ ſtadt an d. Aiſch Mittw. nach Aegidii 1520. Schr. des Herzogs v. Braunſchweig, d. Wolfenbuͤttel Donnerſt. nach Nativit. Maria 1520 Schbl. C. 207. 21%
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618 Anzug Deutſcher Huͤlfsvoͤlker. (1520.) ewigen Frieden nicht nachtheilige Bedingungen in Vorſchlag bringe.) Hans von Rechenberg gab ſich auch die moͤglichſte Muͤhe, den Hochmeiſter noch vor der Ankunft der neuen Huͤlfs⸗ volker zu friedlichen Geſinnungen zu bewegen. „Euere Gnade, ſchrieb er ihm, laſſe nur das junge Gebluͤt ruhen und gebrauche der alten Vernunft, die euch der allmaͤchtige Gott uͤbermaͤßig gegeben hat“; er ſtellte dem Meiſter auch die Hoffnung vor, daß er, wenn es zur Verſoͤhnung komme, als angeborener Freund beim Koͤnige gewiß weit mehr gelten werde, als jetzt in Preuſſen. Dabei aber unterließ der Koͤnig nicht, nachdem er einige Fehdebriefe von den Anführern der heranziehenden Soͤldnerhauſen erhalten hatte, einen Theil ſeines Belagerungs⸗ volkes vor Braunsberg und ſeiner Beſatzungen aus Heilsberg und andern Staͤdten zuruͤckzuziehen, um, nur die nothwendigſten Beſatzungen in Preuſſen zuruͤcklaſſend, mit einer ſchnell geſam⸗ melten Kriegsmacht jenen Kriegsſchaaren entgegenzugehen und ihren Einzug nach Preuſſen zu hindern.“) Dieß benutzend zog der Hochmeiſter, da ihm eben auch einige Verſtaͤrkung aus Livland, Deutſchland und Schweden zugekommen war, einen Theil feiner Streitkraͤſte aus dem Lande zuſammen und brach mit dieſen zu einer neuen Belagerung nach Heilsberg auf,“ waͤhrend die Hauptleute Dieterich von Schlieben und Moritz Knebel in Schippenbeil und Bartenſtein Befehl erhielten, von der andern Seite her ins Biſthum Ermland gegen Roͤßel und Heilsberg hin einzufallen. Da jedoch die Unzufriedenheit ihrer Soldtruppen, die ſtinmiſch ihren Sold fordernd kaum noch im 1) Schr. des Hans v. Rechenberg an d. HM. d. am Abend Exalt. Crucis 1520 Schbl. D. 385. 386. Schr. des Koͤniges v. Polen an Hans v. Rechenberg, d. Dienſt. vor Michael. 1520 Schbl. 71. 20. Mscr. p. 4. Faber S 57. 2) Schr. des Hans v. Rechenberg an d. HM. d. vor Braunsb. im Boͤhmiſ. Heere Freit. nach Dionyſ. 1520. Schbl. D. 388. 3) Mser. p. 4. Schütz p. 473 — 474. 4) NIser. p. 4. Schr. des HM. an die Kammerämter, d. Koͤ⸗ nigsb. Mittw. nach Dionyſ. 1520 Schbl. D. 360. Schr. der Regenten an d. HM. d. Koͤnigsb. Sonnt. Calixti 1520 Schbl. D. 125.
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Anzug Deutſcher Hülfsvölker. (1520.) 619 Gehorſam zu erhalten waren, dieß nicht zuließ, ) fo blieb der Meiſter vor Heilsberg ohne dieſe Beihuͤlfe und mußte ſich ſo⸗ mit nur begnuͤgen, die Stadt zu umlagern und ſtark zu be⸗ ſchießen, ohne fie erſtuͤrmen zu koͤnnen.“ Waͤhrend der Meiſter aber noch vor Heilsberg lag, ruͤckte das Deutſche Kriegsvolk vierzehntauſend Mann ſtark, unter der Anführung Wolfs von Schönberg und des Grafen Wilhelm von Eiſenberg, mit denen Franz von Sickingen ſeinen Sohn Hans von Sickingen als Rottenfuͤhrer eines Reiterhaufens mit geſandt, ) von Frankfurt, wo es ſeine erſte Soldzahlung erhielt, gegen Meſeritz heran. Am 12%ten October wurde die Stadt erſtürmt und von den Polen, die ſich eiligft ins Schloß warfen, bis auf den Grund niedergebrannt; auch das Schloß ward mit Sturm erobert und die ganze Polniſche Beſatzung, mit Aus⸗ nahme von zwei Hauptleuten, erſchlagen. Nachdem die Deuts ſchen dann mehre Dörfer in Aſche gelegt, ging der Fortzug uͤber Drieſen, Tutz und Krone, wo die Polen ſchon vorher alle Dörfer verwuͤſtet, dann weiter nach Landeck. Weil dort große Unzufriedenheit unter den Reiſigen und Knechten wegen Mangel an Lebensmitteln entſtand, ſo mußte das Kriegsvolk von neuem in Eid und Pflicht genommen werden. Konitz indeß, ohne Widerſtand gewonnen, bot ihm wieder Erholung dar. Man ließ dort eine Beſatzung unter einem Hauptmanne. ) Die Schloͤſſer Tuchel und Schlochau ließ man ungewonnen im Ruͤcken liegen. Von dorther erhielt der Meiſter die erfreuliche Botſchaft vom Heranzuge der Soͤldnerſchaaren, zugleich mit der Aufforderung, eiligft in eigener Perſon mit einem Kriegshaufen ſich an die Weichſel zu begeben, um ſich mit ihnen zu vereinigen. 1) Schr. Dieter. v Schlieben u. Moritz Knebels an d. HM. d. Schippenbeil u. Bartenſtein Mittw. nach Michael. u. Dienſt. nach Remigii 1520 Schbl. D. 197. 209. 2) Mscr. P. 4. 3) Voigt Franz v. Sickingen u. ſ. w. in den Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. II. 378 fl. Münch Franz v. Sickingen B. I. 145. 4) Runau p. 167. Schütz p. 474. Regiſtr. Dieterichs v. Schönberg 1520 p. 71 — 73.
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620 Anzug Deutſcher Huͤlfsvoͤlker. (1520.) Er uͤberließ alsbald die Belagerung Heilsbergs dem oberſten Hauptmanne Georg Anger und eilte nach Koͤnigsberg.) Die Unzufriedenheit ſeiner Kriegsleute, die nicht eher wieder zu den Waffen greifen wollten, als bis ſie ihren ruͤckſtaͤndigen Sold erhalten, hatte abermals alle Bemühungen vereitelt, zumal da auch das Kriegsvolk des Biſchofs von Samland ſchon fruͤher aus dem Lager weggezogen war. Unterdeß wurden vom Deutſchen Kriegsvolke in den erſten Tagen des Novembers auch Stargard und Dirſchau ohne Widerſtand eingenommen und beſetzt. Die dort umher erhobene Brandſchatzung reichte ziemlich hin, den Beſatzungen ihren Sold zu entrichten.! Man wollte von da über die Weichſel ſetzen und einige Faͤhnlein auf der Nehring bis an das Tief voraus⸗ ſenden, um dort den Hochmeiſter mit Geld, Pulver und Ge⸗ ſchuͤtz zu empfangen und ihn bis zum Heere zu geleiten. Da aber der Mangel an Fahrzeugen dieß nicht zuließ, ſo brach das Kriegsvolk am Eten November gegen Danzig auf.“) Der Koͤnig aber hatte mittlerweile den Danzigern tauſend Mann zu Huͤlfe geſandt; dreitauſend Polen blieben im Werder laͤngs der Weichſel liegen, um alle Verbindung der Deutſchen Hauptleute mit dem Hochmeiſter abzuſchneiden.)) Als der Rath von Danzig vom Anzuge des Feindes Nachricht erhielt, ließ er in aller Eile alle Haͤuſer, Scheunen und Hospitaͤler vor der Stadt, ſelbſt auch mehre umherliegende Doͤrfer niederbrennen, um es dem Feinde unmoͤglich zu machen, in der Naͤhe der Stadt feſten Poſten zu faffen. Wolf von Schönberg und Graf 1) Schr. des HM. an d. Hauptmann Georg Anger, d. am T. Simon u. Judaͤ 1520. 2) Schr. des HM. an den Secretaͤr Chriſtoph Gattenhofer, d. Heilsberg am T. Aller Heilig. 1520 Schbl. C. 105. 3) Die Brandſchatzung betrug 3048 Gulden. Regiſtr. v. J. 1520. Runau p. 168. Schütz p. 474. Schr. Peter Greifenbergs an einen ungenannten uͤber die Einnahme von Dirſchau o. D. Schbl. D. 200 (n). 4) Regiſtr. v. J. 1520 p. 76. Scl I. . Run p. 168. 5) Schütz p. 473. Runau p. 169. 6) Schütz p. 474. Runau p. 168. Faber S. 64.
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Belagerung Danzigs. (1520.) 621 Wilhelm von Eiſenberg lagerten ihr Kriegsvolk theils unter den Mauern der Stadt, theils auf dem Biſchofsberge und be⸗ ſchoſſen die Stadt von da aus mehrere Tage lang, jedoch ohne ihr wegen Mangel an ſchwerem Belagerungsgeſchütz gro⸗ ßen Schaden zufügen zu koͤnnen, denn unter neunzehn Kano⸗ nen hatten fie nur zwei große Belagerungsſtuͤcke.) Ihre Auf⸗ forderung zur Uebergabe blieb daher auch ohne Erfolg.“ „Ihr hochmuͤthigen Danziger, ließ ihnen der Graf von Eiſenberg ſagen, ihr habt wohl jetzt an den Spießen viele gebratene Gaͤnſe; wir muͤſſen fie mit euch aufeſſen.“ „Ja Herr Graf, ward ihm erwiedert, das Zugemuͤße iſt auch ſchon beigeſetzt; ihr koͤnnet zur Mahlzeit kommen, wenn es euch beliebt, ſonſt muͤſſen wir es allein eſſen.“ 3 Mit Sehnſucht erwartete man des Meiſters Ankunft mit dem ſchweren Geſchuͤtze. Dieſer indeß hatte ſich wieder ins Lager vor Heilsberg begeben, hoffend, die Stadt in kurzer Zeit gewinnen zu koͤnnen, und den Hauptleuten meldend, er werde ihnen, wenn Danzig gewonnen ſey, naͤher anzeigen, wohin ſie ſich zu wenden haͤtten.) Seine Hoffnung aber blieb un⸗ erfüllt. Der Muth des Biſchofs und ſeiner getreuen Buͤrger ward durch die Nachricht neu gehoben, daß der Koͤnig mit einem ſtarken Heere bald heranruͤcken werde, um die Stadt zu befreien und ihre wackern Vertheidiger koͤniglich zu beloh⸗ nen.) Nachdem der Hochmeiſter die Stadt mehre Tage mit Feuerkugeln beſchoſſen, zog er nach Guttſtadt hinuͤber, ſtuͤrmte und pluͤnderte; viele der Bewohner wurden grauſam ermordet. Dann rückte er vor Wormditt; der erſte Sturm mißglückte 1) Schitz p. 474. Regiſtr. v, J. 1520. Faber 64. 2) Schiitx p. 474 — 475. Runau p. 168. 3) Schiitz p. 474. Bock S. 117. 4) Schr. eines Ungenannten an d. HM. d. Lauenburg Freit. nach Clement. 1520 Schbl. D. 627. 5) Schr. des Kaſtellans zu Danzig Johann Balynski an d. Bi⸗ ſchof v. Ermland, d. Marienb. Donnerſt. nach Martini 1520 Schl. XXIX. 13.
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622 Vergebliche Friedensverhandlungen in Königsberg. (1520.) mit einem Verluſte von achtzig Kriegsleuten; wenige Tage darauf aber ergab ſich die Stadt auf freien Abzug der Polni⸗ ſchen Beſatzung. So vergeudete der Meiſter mit der Erobe⸗ rung dieſer und anderer kleinen Staͤdte im Ermland Zeit und Kräfte. Die ihm aus Livland zugekommenen Huͤlfsvolker wur⸗ den großen Theils aufgerieben; andere, die ihm der Livlaͤndiſche Meiſter noch zuſenden wollte, konnten nicht herankommen, weil der Strand durch die Samaiten ſehr ſtark beſetzt und durch tiefe Graben geſperrt war, der König auch dem Staro⸗ ſten von Samaiten und allen Bajoren mit Todesſtrafe gedroht hatte, wenn ein einziger Menſch auf dem Strande durchgelaſ⸗ fen werde. Ueberdieß verlor der Meiſter auch ſeine Zeit mit frucht⸗ loſen Friedensverhandlungen. Anlaß dazu gab ſein Schwager Herzog Friederich von Liegnitz, der vom Markgrafen Kaſimir und dem Kurfürften von Brandenburg dringend gebeten, ſich perſoͤnlich zuerſt zum Könige und von dieſem mit Friedens: auftraͤgen verſehen nach Koͤnigsberg begeben.) Dort traf auch bald der Hochmeiſter ein und es begannen Verhandlungen, die ſich jedoch bald wieder zerſchlugen, weil der Koͤnig keine Ein⸗ miſchung des Kurfürften von Brandenburg geſtatten wollte.“ 1) Mscr. p. 4— 3. Schr. des Achatus Freund an feinen Schwa⸗ ger Hieronymus Schirmer, d. Heilsb. Freit. nach Martini 1520 Schbl. D. 641. Schr. der Domherren v. Ermland an d. Koͤnig v. Polen, d. Allenſtein 16 Nov. 1520 Schbl. D. 640. Schr. des Ra⸗ thes v. Wormditt an d. Rath v. Elbing, d. am Abend Eliſabeth 1520 Schbl. D. 638. 2) Schr. des Ordensritters Eberhard v. Schönberg an d. HM. d. Mont. nach Martini 1520. Schr. Veit Gattenhofers an ſ. Bruder Chriſtoph Gattenhofer, d. Memel Mont. nach Martini 1520. Schr. des Statthalters zu Memel, d. Dienſt. nach Martini 1520 Schbl. C. 121 — 123. 126. 3) Schr. des Herzogs Friederich v. Liegnitz an d. HM. d. Clbing am T. der 11,000 Jungfr. 1520 Schbl. XXIX. 74. 4) Schr. des Herzogs Friederich v. Liegnitz an d. HM. d. Brom⸗ berg Dienſt. nach Martini 1520 Schbl. XXIX. 74.
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Die Belagerung von Heilsberg aufgehoben. (1520). 623 Mittlerweile aber hatten die Kriegsereigniſſe im Ermland die traurigſte Wendung genommen. Waͤhrend des Meiſters Ab⸗ weſenheit hatte der Hauptmann Moritz Knebel die Belagerung Heilsbergs fortgeſetzt. Thore und Mauern der Stadt waren zwar ſchon ganz niedergeſchoſſen, allein es ſchuͤtzte ſie noch ein ungewoͤhnlich tiefer und breiter Wallgraben und es ver⸗ theidigte ſie noch fort und fort eine ſtarke und tapfere Be⸗ ſatzung. Das Belagerungsvolk dagegen ſchrie Tag fuͤr Tag nach Sold und Brot; mancher hatte in fuͤnf Tagen ſolches nicht gegeſſen, denn acht Tage lang war dem Lager nichts mehr zugefuͤhrt worden. Das hungerige Kriegsvolk ward immer trotziger und widerſpaͤnſtiger; niemand folgte mehr einem Be⸗ fehle, keiner wollte an einem ernſten Streite mehr Theil neh⸗ men. Der Feind ritt taͤglich frei und ungehindert vor den Zelten auf und nieder. Es entſtand bald Aufruhr und Meu⸗ terei, ſo daß der Hauptmann ſich endlich genoͤthigt ſah, die Belagerung gänzlich aufzuheben und ſich mit dem Geſchuͤtz nach Bartenſtein und Schippenbeil zurückzuziehen, wo jedoch ebenfalls großer Mangel an Lebensmitteln herrſchte.. Es drohte ferner auch ſchon der Verluſt von Wormditt, denn dort mochte niemand mehr die Wache beſetzen und wenn der Haupt⸗ mann Georg Anger dazu Befehle ertheilte, jo ſchrien die Reis fige ihm entgegen: er ſolle erſt Brot und Bier ſchaffen. Es herrſchte auch dort die ſchrecklichſte Noth, ſo daß der Haus⸗ komthur von Riga endlich gezwungen war, die ausgehungerte Stadt mit ſeinen Livlaͤndern zu verlaſſen.) Der Meiſter mußte ſelbſt dahin eilen, um die Stadt wo moͤglich noch zu erhalten. Noch trauriger waren die Ereigniffe bei Danzig. Wolf von Schönberg und die Übrigen Hauptleute hatten den Hoch⸗ meiſter wiederholt und immer aufs dringendſte gebeten, ſich 1) Mser. p. 4. Schr. des Hauptm. Moritz Knebel an d. HM. d. Bartenſtein Mittw. nach Katharina 1520 Schbl. D. 138. 2) Schr. Georg Angers an d. HM. d. Wormditt Sonnab. u. Mont. nach Andrei 1520 Schbl. D. 171. 199.
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624 Abzug der Deutſchen Huͤlfsvölker. (1520.) eiligſt mit Belagerungsgeſchuͤtz zu ihnen zu begeben. Mehr: mals aber hatten ſie gar keine Antwort erhalten, denn des Meiſters Sendboten hatten zu Land durch die Feinde nicht durchkommen koͤnnen und das ungeſtuͤme Wetter auch ihre Ueberfahrt zu Waſſer unmoͤglich gemacht. Als dann endlich dort die Meldung des Meiſters anlangte: er koͤnne vielleicht erſt in drei Wochen bei ihnen eintreffen, denn er muͤſſe erſt ſeiner Sache im Ermland ein Ende machen und vor allem Heilsberg und Roͤßel erobern, weil ihm ſonſt, ohne das ganze Biſthum unterworfen zu haben, großer Schaden und Gefahr drohe, da brach unter dem Kriegsvolke im Lager allgemeiner Unwille aus. Ein Theil des Belagerungsheeres warf ſich in das Kloſter Oliva und in den Putziger Winkel unter grauſamer Verwuͤſtung der dortigen Doͤrfer. Ein großer Haufe verlief ſich ſchon, fo daß beim Geſchuͤtze kaum noch zweitauſend Mann blieben. Wolf von Schoͤnberg konnte nur mit Muͤhe den an⸗ dern Theil des Belagerungsheeres noch einige Tage im Feld⸗ lager zuſammenhalten. Er wandte ſich eiligſt noch einmal mit der dringendſten Bitte an den Meiſter, er moͤge ſeinen Zug beſchleunigen; „wofern ihr nicht alsbald perſoͤnlich kommt, ſchrieb er ihm, ſo wird euch nicht allein Spott und Schaden, der darauf gegangen iſt, zu Theil werden, ſondern es ſteht euer und des Ordens Verderb darauf, den ihr nimmer wieder verbeſſern koͤnnet, denn es iſt zu vermuthen, daß die Kriegs⸗ leute alle zu den Feinden uͤbergehen, ſonderlich die Knechte.“ Einige Tage noch wurde Danzig mit kleinem Geſchuͤtze beſchoſ⸗ ſen. Reiter und Fußknechte aber verliefen ſich immer mehr, denn vielen kam in der rauhen Jahreszeit die Gelegenheit er⸗ wuͤnſcht, mit Ehren wieder zuruͤckzuziehen. So ſah ſich endlich Wolf von Schoͤnberg gezwungen, die Belagerung voͤllig auf⸗ zugeben.) Vergebens wandte ſich nun der Meiſter mit drin⸗ 1) Schr. der Hauptleute an d. HM. d. im Felde im Putziger Winkel Freit. nach Martini 1520 Schbl. C. 129. Schr. Wolfs v. Schoͤnberg an d. HM. d. im Feldlager vor Danzig Sonnab. nach Leonhardi 1520 Schbl. Adelsgeſch. S. 8. Dieſes Schreiben beweiſt,
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Mißgeſchick des HM.nac) Abzug d. Deutf. Hͤlfsvölker. (1520,) 625 genden Bitten an den Grafen von Eifenberg, ſich um Oliva und im Putziger Winkel noch eine Zeitlang zu halten;“ ver⸗ gebens verſprach er jetzt Wolfen von Schoͤnberg, ſich mit ihm in kurzer Zeit auf der Nehring mit dem ſchweren Geſchuͤtze zu vereinigen, wenn es ihm gelinge, das Kriegsvolk bei Oliva oder im Werder zuſammenzuhalten.) Die Kriegshaufen hats ten ſich bereits nach Pommern zerſtreut; ein Theil ward von den Bewohnern wegen der veruͤbten Pluͤnderungen und von den nachfolgenden Polen aufgerieben; die Uebrigen nahmen in eiliger Flucht ihren Ruͤckzug nach Deutſchland. 3 So war dort durch des Meiſters eigene Schuld alles wie⸗ der verloren. Die Staͤdte Dirſchau, Stargard und Konitz, wo nur aͤußerſt geringe Beſatzungen geblieben waren, wurden von den Polen leicht wieder gewonnen.“ Aber es war ferner auch zu beſorgen, daß das nach Deutſchland zuruͤckkehrenbe Kriegsvolk wegen des ruͤckſtaͤndigen Soldes die Deutſchen Or⸗ densballeien in Anſpruch nehmen wuͤrde. Mit ſchwerer Be⸗ trübniß vernahm der Hochmeiſter den Abzug feiner Huͤlfsvoͤlker; er maß das Ungluͤck dem Umſtande bei, daß man den Kriegs⸗ leuten geſagt habe, der Koͤnig von Ungern und andere Fuͤrſten bemühten ſich, einen Waffenſtillſtand oder Frieden zu vermit⸗ daß die Belagerung Danzigs nicht ſchon am T. Martini (11 Nov.), wie Faber S. 64 angiebt, ſondern erſt nach dem 17 Novem. auf⸗ gehoben wurde. Runau p. 169 läßt das Heer vor Danzig ſchon am Abend Martini abziehen. Vgl. Schütz p. 474 — 473. Schr. eines Ungenannten an d. HM. d. Lauenburg Freit. nach Clement. 1520 Schbl. D. 627. 1) Schr. des HM. an d. Grafen v. Eiſenberg, d. Wormditt am T. Katharina 1520 Schbl. D. 619 (Chiffernſchrift). 2) Schr. des HM. an Wolf v. Schönberg, d. Dienſt. nach Ka⸗ tharind 1520 Schbl. D. 317 (27). 3) Name Pp. 169 — 170. Schlitz p. 475. Kojalowicz 377 — 378. 4) Schr. eines ungenannten an d. HM. a. a. O. Hud P. 171. Schütz 1. c. IX, 40
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626 Mißliche Lage des Hochmeiſters. (1520.) teln.) Zudem war aus Rußland auf ſeine Mahnung um Geldhuͤlfe abermals die Antwort gekommen: der Großfuͤrſt wolle die zweite Haͤlſte der Huͤlfsgelder nicht eher ſenden, als bis der Hochmeiſter Danzig, Thorn und andere dem Orden entriſſenen Staͤdte wieder gewonnen oder ſeinen Kriegszug gegen Krakau gerichtet habe. Dieſe Nachricht druͤckte den Meiſter ſo ſchwer darnieder, daß er ausrief: „eher haͤtte ich mich des Todes, als dieſes Abſchlages ſo vielfaͤltiger Zuſagen ver⸗ muthet.“ 9 So war Albrecht wieder nur auf ſeine eigenen Kraͤfte hin⸗ gewieſen. Die Brandſchatzung im Biſthum Ermland brachte wenig mehr ein, weil die Feinde von Liebſtadt aus die Gegen⸗ den von Wormditt, Guttſtadt und Melſack faſt taͤglich durch Streifereien beunruhigten, pluͤnderten, mordeten und Jung und Alt vertrieben.) Braunsberg, von Koͤnigsberg aus noch mehr mit ſchwerem Geſchuͤtze verſehen, hielt ſich noch unter dem Be⸗ fehle des Hauptmannes Peter von Dohna. ) Wormditt aber und Guttſtadt, wo die Ordensritter Melchior von Rabenſtein und Wilhelm von Schaumburg befehligten, waren ſchon im December in der größten Gefahr, von den Polen erſtuͤrmt zu werden, denn die Ordensbeſatzungen, wegen ihres ruͤckſtaͤndigen Soldes und Mangels an Lebensmitteln hoͤchſt unzufrieden, hielten nicht nur keine Zucht und keinen Gehorſam mehr, ſon⸗ dern die Feinde hatten ſich auch beiden Staͤdten ſchon bis auf wenige Meilen genaͤhert. In Bromberg war bereits in einem Kriegsrathe aller Hauptleute und Woiwoden in Preuſſen und 1) Schr. des HM. an einen Ungenannten, d. Koͤnigsb. Dienſt. nach Concept. Maria 1520 Schbl. D. 317 (28). 2) Schr. des HM. an Wolf v. Schoͤnberg, d. Dienft. nach Ka⸗ tharinaͤ 1520 Schbl. D. 317 (27). 3) Schr. des Brandmeiſters Hans Frank an d. HM. d. Guttſtadt Mont. nach Concept. Mariä 1520 Schl. D. 190. Selbſt Kinder von 6 Jahren wurden gemartert und aufgehaͤngt, wenn ſie den Aufenthalt ihrer geflüchteten Aeltern nicht angeben wollten. 4) Schr. Frieder. v. Heideck an d. HM. d. Wormditt am T. Bar⸗ barä 1520 Schbl. D. 106.
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Bedraͤngniß des HM. durch die Soͤldner. (1521.) 627 aus Groß⸗ und Klein- Polen beſchloſſen worden, alle Kriege: ſchaaren, an achtzehntauſend Mann ſtark, zu vereinigen, mit dieſer Macht in Ermland einzufallen, es von den Ordenstrup⸗ pen ganz zu ſaͤubern, dann auch Oſterode, Liebmuͤhl, Eilau und andere Staͤdte zu erſtuͤrmen und fo die Ordenswaffen wo möglich völlig unthaͤtig zu machen. Auch Braunsberg ſchien bald nicht mehr ſicher, denn ein Haufe unzufriedener Kriegs⸗ leute ſollte den Elbingern unter ſchwerer Anklage des Hoch⸗ meiſters gemeldet haben: man werde, wenn die Polen wieder zahlreicher vor die Stadt ruͤckten, ihnen dieſe ſobald als moͤglich übergeben; und ebenſo drohten die Kriegsknechte in Guttſtadt.“) So brach das Jahr 1521 an, fuͤr den Hochmeiſter mit hoͤchſt traurigen Ausſichten. Seine Kriegsmacht beſtand zwar noch aus etwa ſiebentauſend Fußknechten, zweitauſend Reiſigen und mit dem bewaffneten Landvolke aus etwa funfzehn- bis ſechzehntauſend Mann, ſo daß er ſich damit noch eine Zeitlang aufrecht zu erhalten hoffte.) Allein auf die Dienſttreue eines großen Theiles dieſes Kriegsvolkes war auf die Laͤnge nicht zu rechnen. Unter der Beſatzung von Guttſtadt brach ſchon in den erſten Tagen dieſes Jahres eine wilde Meuterei aus. Das gemeine Kriegsvolk forderte ſtuͤrmiſch ſeinen Kriegsſold, ver⸗ änderte ſelbſt feinen f. g. Artickelbrief und ſchrieb dem Hoch⸗ meiſter andere, fuͤr ſie vortheilhaftere Dienſtbedingungen vor. Die Hauptleute Moritz Knebel und Georg Klingenbeck ſuchten zwar die Rottmeiſter, Faͤndriche und Doppelſoͤldner durch Vor⸗ ſtellungen zu beguͤtigen; allein der gemeine Kriegshaufe ver⸗ weigerte die Muſterung, wenn ihm nicht der Sold entrichtet werde.) Auch in Balga war das Volk wegen Mangel an 1) Schr. Melchiors v. Rabenſtein u. Stephans v. Herbilſtadt an d. HM. d. Wormditt am T. Thoma 1520 Schbl. D. 246. 247. 2) Schr. des Kurfürften v. Brandenburg an d. Markgr. Georg v. Brandenburg, d. Köln a. d. Spree am T. Beſchneid. Chr. 1521 Schbl. B. 506. Der Kurfürſt hatte die Angaben wahrſcheinlich vom HM. ſelbſt. 3) Schr. Georg Klingenbecks u. Moritz Knebels an d. HM. d. Guttſtadt Freit. nach heil. drei Koͤn. 1521 Schbl. D. 276. 277. 40 *
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628 Bedraͤngniß des HM. durch die Soldner. (1521.) Lebensmitteln fo ſtoͤrrig und widerſpaͤnſtig, daß der dortige Kompan das Haus kaum noch behaupten konnte. Der Hochmeiſter eilte jetzt ſelbſt nach Braunsberg, Wormditt und Guttſtadt und bot alle Mittel auf, die Unzufriedenen in ihren Forderungen moͤglichſt zu beguͤtigen. Alles Silberwerk, wel⸗ ches ihm in Braunsberg die Moͤnche und Pfaffen eingeliefert und zum Theil Friederich von Heideck bei einem Ueberfall in Frauenburg und mehren Doͤrfern erbeutet, auch das Kirchen⸗ geräthe aus Guttſtadt und aus den Ordenskirchen wurde in Muͤnze verwandelt, und da drei Ermlaͤndiſche Domherren be⸗ ſchuldigt wurden, mit Beihuͤlſe eines andern Geiſtlichen einen Theil der Kirchenkleinodien heimlich vergraben zu haben, ſo ließ ſie der Hochmeiſter, um ſie zum Geſtaͤndniſſe zu bringen, nach Tapiau in ſtrengen Verwahrſam bringen. ? Und doch gelang es ihm nicht, mit den ihm zu Gebote ſtehenden gerin⸗ gen Mitteln die aufruͤhreriſchen Soͤldnerhaufen überall zu be: ruhigen. In Guttſtadt brach ein neuer wilder Aufruhr aus. Er hatte Befehl ertheilt, es ſolle ſich eine Kriegsmacht zuſam⸗ menziehen, mit der er einen Einfall ins Kulmerland unterneh⸗ men wollte, theils um das unruhige Soͤldnervolk, theils auch den Feind zu beſchaͤftigen. Allein die Unzuſriedenen, die ihren Hauptleuten ſchon gar keinen Gehorſam mehr leiſteten und bei denen auch Ermahnungen und Drohungen fruchtlos blieben, verweigerten hartnaͤckig den Zuzug, bis man ſie vollig befriedigt habe. Der Kriegszug ins Kulmerland ward nun zwar mit eini⸗ 1) Schr. des HM. an d. Secretaͤr Chriſt. Gattenhofer, d. Mont. nach heil. drei Koͤn. 1521 Schbl. C. 84. 87. 2) Schr. des HM. an d. Secretaͤr Chriſt. Gattenhofer, d. Brauns b. Mittw. nach heil. drei Koͤn. 1521 Schbl. C. 96. Schr. des HM. an denſ. d. Guttſtadt am T. Erhardi 1521 Schbl. C. 76. 95. 3) Schr. d. HM. an Chriſt. Gattenhofer, d. Guttſtadt Sonnt. nach Erhardi 1521 Schbl. C. 95. Schr. Ernſts v. Rechenberg an d. HM. d. Guttſtadt Mont. nach Erhardi 1521 Schbl. D. 316. Schr. des Statthalters zu Guttſtadt an d. HM. d. Mont. nach Erhardi 1521 Schbl. A. 282.
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Kriegsereigniſſe. (1521.) 629 gen zuſammengebrachten Heerhaufen dennoch in der Mitte des Januars unternommen. Der Meiſter legte ſich vor Loͤbau, kam mit den Polen in einige Gefechte und warf ſie in die Flucht; damit aber begnuͤgte man ſich auch. Man brannte die Vorſtadt ab und zog dann vor Neumark. Es gluͤckte, die Stadt einzunehmen, bevor noch der Polniſche Hauptmann Jo⸗ hann Boratynski zu Huͤlfe ziehen konnte. Dieß war der ganze Erfolg dieſes Zuges. Vom weitern Eindringen ins Land hielt den Hochmeiſter die Meldung Peters von Dohna ab, daß ein anſehnlicher feindlicher Streithaufe aus Danzig und Elbing ſich nach Holland und Mohrungen begeben habe, wahrſcheinlich um ihm in den Ruͤcken zu fallen.) Einen andern Zug wagte der Meiſter hierauf auch nach Maſovien und brachte dem Feinde durch Raub und Brand dort großen Schaden. Es rückte ihm zwar bald eine bedeutende Streitmacht von Polen und Maſoviern entgegen, ſo daß nur eine halbe Meile beide Lager trennte. Keiner aber wagte es, den andern in offenem Kampfe anzugreifen, obgleich die Uebermacht der Polen ganz entſchieden war. Nachdem die Streithaufen ſechs Tage einan⸗ der gegenüber geſtanden, trat der Meiſter den Ruͤckzug an, ohne daß der Feind ihn verfolgte.) Mittlerweile war das ſchoͤne Schloß zu Preuſſ. Holland bis auf den Grund ab⸗ gebrochen worden. Die Elbinger hatten den Koͤnig, weil ihnen von dorther ſo mancher empfindliche Schaden geſchehen war, ausdruͤcklich um die Erlaubniß gebeten, das alte Ordenshaus 1) Mser. p. 5. Faber S. 60. Schr. Peters v. Dohna an d. HM. d. Braunsb. Freit. nach Antoni 1521 Schbl. D. 272. Schr. Paul Faſolts an d. HM. d. Eilau Freit. nach Antonit 1521 Schbl. D. 383. Schr. Melchiors v. Rabenſtein an Chriſt. Gattenhofer, d. Neumark Dienſt. nach Fabian u. Sebaſt. 1521 Schbl. C. 93. Schr. des Poln. Hauptmannes Johann Boratynski an d. Rath v. Neumark d. Loͤbau Sonnt. am T. Fabiani 1521 Schbl. D. 382. 2) Mser. p. 8. Es heißt: „Die Polen wollten den Fuchs nicht beißen, wiewohl als fie ſich ſelbſt ruͤhmen, find fie 8000 ſtark geweſen und der Hochmeiſter nicht 3000 ſtark zu Roß und zu Fuß.“ Kriegslied v. J. 1520 in Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. II. 393.
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630 Abſchluß eines vorlaͤuf. Waffenſtillſtandes. (1521.) vernichten zu duͤrfen. Dieſer ertheilte ſolche nicht nur ſehr be⸗ reitwillig, ſondern ließ auch ſelbſt durch den auf Holland lie⸗ genden Kriegshaufen die Vernichtung des Schloſſes mit be- ſchleunigen, denn er wuͤnſchte aus mehren Gründen, daß die Zerſtoͤrung deſſelben vollendet werde, bevor noch die bei ihm bereits angemeldeten kaiſerlichen Botſchafter angelangt ſeyn winden. D Bald darauf kamen die dem Könige ſchon im November des vorigen Jahres vom Kaiſer angekuͤndigten Friedensunter⸗ haͤndler, von Seiten des Kaiſers Georg von Rogendorf Ba⸗ ron zu Mellenburg und Sebaſtian Sperancius Dompropſt zu Brixen,? von Seiten des Koͤniges von Ungern der Markgraf Georg von Brandenburg, der Herzog Friederich von Liegnitz und verſchiedene andere Sendboten zu Thorn an.) Bei der Erſchoͤpfung beider kriegfuͤhrenden Theile gluͤckte es ihnen zuerſt, einen Waffenſtillſtand herbeizufuͤhren, der vom Ende des Februars bis acht Tage vor Oſtern dauern ſollte. Es ward beſtimmt: die Städte beider Theile ſollten keine Handels⸗ gemeinfchaft mit einander haben; Schloͤſſer und Städte jeg⸗ liches Theiles ſollten mit Proviant nur aus den Landſchaften verſorgt werden, die jeder inne babe; Vergehungen Einzelner gegen dieſe und andere Beſtimmungen ſollten nicht als Bruch des Beifriedens betrachtet, wohl aber unterſucht und beſtraft werden. Sobald der Anſtand beginne, ſollte das noch im Felde liegende Kriegsvolk in die Schloͤſſer und Städte zurüd- gezogen werden und darin verbleiben bis zum Ausgange des 1) Mscr. p. 6. Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Rath v. El: bing, d. Breßke am T. Priſcà 1521 im Rathsarchiv zu Elbing. Die Elbinger werden aufgefordert, die Zerſtöͤrung des Schloſſes zu Holland zu beſchleunigen. Bock S. 119. 2) Schr. des Kaiſers Karl an d. König v. Polen, d. in civitate Colonia XV Novemb. 1520 Schbl. D. 629. Dogiel T. IV. p. 217. Den Dompropſt von Brixen nennt der HM. in einer Urkunde (Schbl. 26. 1) Sebaſtian Sprentzs. 3) Mser. p. 5. Faber S. 65.
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Friedensunterhandlung zu Thorn. (1521.) 631 Beifriedens. v Es fielen nun zwar theils noch vor Beginn des Waffenſtillſtandes, theils auch im Verlaufe deſſelben hie und da noch einzelne feindliche Ereigniſſe vor; bei Roͤßel z. B. hauſten die Feinde mehre Tage lang auf die fuͤrchterlichſte Weiſe, brannten Doͤrfer, ſelbſt die elenden Huͤtten und Buden nieder, die ſich das arme, vertriebene Landvolk erbaut hatte, ebenſo bei Barten und Gerdauen.? Allein ſolche und aͤhn⸗ liche Ausbrüche kriegeriſcher Wildheit, nur von einzelnen Haupt: leuten ausgehend, hatten auf die nachfolgende Geſtaltung der Verhaͤltniſſe keinen beſondern Einfluß weiter. Der Hochmeifter begab ſich jetzt in der Mitte des März unter des Königes ſicherem Geleite nach Rieſenburg, wo ſich die erwaͤhnten Friedensvermittler ebenfalls eingefunden hatten. ® Man kam dort uͤberein: der Meiſter folle gewiſſe Abgeordnete zur Friedensunterhandlung zum Koͤnige nach Thorn ſenden. Er erkor und bevollmaͤchtigte als ſolche den ehrwuͤrdigen Bi⸗ ſchof Hiob von Pomeſanien, den Pfleger zu Neidenburg Hein⸗ rich von Miltitz, den Landesritter Georg von Kunheim und Hans Federau aus der Altſtadt Koͤnigsberg.) Da ſowohl der Kaiſer als der Papſt wiederholt den Koͤnig aufs dringendſte zum Frieden ermahnt, ihm ſelbſt auch der Andrang der Tin: 1) Eine Abſchrift dieſes Beifriedens vom Koͤnige v. Polen aus⸗ geſtellt, d. Thorn Freit. vor Invocavit 1521 Schl. 71. 29. XXIX. 87. Dogiel T. IV. p. 217. 2) Schr. Heinrichs v. Kittlitz an d. HM. d. Schippenbeil Sonnt. Reminiſ. 1521 Schbl. XXIX. 45. 3) Dahin gehoͤrt auch, daß ſich die Polen durch einen Ueberfall der Stadt Paſſenheim bemächtigten. Schiitæ p. 476. Schr. des Statt⸗ halters v. Ortelsburg, d. Mittw. nach Oculi 1521 Schbl. D. 573. 4) Geleitsbrief des Koͤniges v. Polen, d. Thorun feria V post domin. Reminisc. 1521 Schbl. XXV. 21. XXIX. 101. Dogiel T. IV. p- 217. Schr. d. HM. an d. Biſchof v. Pomeſanien, d. Mohrungen Mittw. nach Lätare 1521 Schbl. D. 334. Mser. p. 6. 5) Vollmacht des HM. fuͤr die Abgeordneten, d. Rieſenburg am grün. Donnerſt. 1521 Schbl. 26. 1. Dogiel T. IV. p. 218. 6) Dogiel T. IV. p. 208 — 212.
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632 Abſchluß eines vierjaͤhrigen Waffenftiltitandes. (1521.) ken in Ungern und an den Graͤnzlaͤndern Polens, außer den innern Verhaͤltniſſen feines Reiches, den Frieden jetzt mehr als je herbeiwuͤnſchen ließ, da ferner die Friedensunterhaͤndler bereits manche Schwierigkeiten in vorlaͤufigen Verhandlungen aus dem Wege geräumt, beide Theile auch in ihren Kriegs⸗ kraͤften völlig erſchoͤpft daſtanden, fo gingen die Unterhandlun⸗ gen ziemlich ſchnell und glücklich von Statten. Schon am fünften April kam man in folgenden Beſtimmungen uͤberein: 1. Zwiſchen dem Koͤnige, den Herzogen Stanislaus und Jo⸗ hannes von Maſovien und dem Hochmeiſter und allen ihren Unterthanen fol vom 10ten April ab ein Waffenſtillſtand auf vier Jahre aufgenommen ſeyn und waͤhrenddeß keine Feind⸗ ſeligkeit irgend welcher Art veruͤbt, auch von keinem Theile Diebe, Raͤuber und Moͤrder im Lande dem andern zum Scha⸗ den gehauſt und geherbergt werden. 2. Der Koͤnig ſtellt die Verpflichtung des Hochmeiſters, ihm und der Krone Polens nach Laut des ewigen Friedens den Huldigungseid leiſten zu muͤſſen, zum Erkenntniſſe des Kaiſers oder in deſſen Abweſen⸗ heit zum ſchiedsrichterlichen Ausſpruche des Erzherzogs Ferdi⸗ nand und des Königes Ludwig von Ungern und Böhmen, dergeſtalt daß dem erſtern als Mitſchiedsrichter noch der Kar⸗ dinal Matthaͤus von Salzburg und Herzog Georg von Sach⸗ ſen, dem andern der Kardinal Thomas von Gran und der Biſchof Georg von Fuͤnfkirchen beigegeben werden ſollen. Diefe aber ſollen ihr Erkenntniß noch vor Ablauf des vierjährigen Anſtandes ausſprechen. 3. Die Soͤldner und Kriegsleute bei⸗ der Theile ſollen binnen vier Wochen von Oſtern ab ohne alle Gewaltthaͤtigkeiten und Beſchaͤdigungen abziehen, die des Or⸗ dens zuerſt nach Koͤnigsberg, Balga oder Braunsberg, von da dann ſtracks uͤber die Nehring nach Danzig und Pommern, jedoch ohne irgend welchen Schaden zu veruͤben, nirgends auch in einer Stadt, ſondern nur im Felde oder in Dörfern ſich lagern und übernachten. Der König foll das abziehende Kriegs⸗ 1) Dogiel T. IV. p. 212.
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Abſchluß eines vierjährigen Waffenftiliftandes. (1521.) 633 volk für Geld, wie es vor dem Kriege im Gange geweſen, nöthigenfalls mit Schiffen und Proviant verſorgen. Etwanige Gewaltthaͤtigkeiten und Beſchaͤdigungen der Kriegsleute ſollen dem Erkenntniſſe der genannten Schiedsrichter anheimgeſtellt werden. 4. Auch über den Beſitz der von beiden Theilen er⸗ oberten Schlöffer und Staͤdte und uͤber den gegenfeitig zu lei⸗ ſtenden Schadenerſatz ſollen die Schiedsrichter erkennen. 5. Alle Gefangenen follen von beiden Theilen ohne Loͤſegeld frei ges geben werden. Damit aber, hieß es am Schluſſe des Ver⸗ trages, dieſe Friedenspunkte durch eine hinreichende und voll⸗ kommene Auctoritaͤt beſtaͤtigt und in Zukunft durch keine Neue⸗ rungen verletzt und gebrochen werden möchten, fo folle der Papſt erſucht werden, den erwähnten beiden Kardinaͤlen zu befehlen, bei den mit der Verhandlung dieſer Angelegenheiten beauftrag⸗ ten Fuͤrſten allen Fleiß anzuwenden, daß ein ſteter und wohl⸗ begruͤndeter Friede aufgerichtet werde. Auch ſollten die beiden Kardinaͤle ſelbſt den Vertrag beſtaͤtigen und kraft paͤpſtlicher Vollmacht zu ewiger Dauer mit Poͤnen und Strafen befeſtigen. Das uber dieſen Beifrieden abgefaßte Inſtrument ward von allen Friedensunterhaͤndlern eigenhaͤndig unterzeichnet.) Ueber die Freilaſſung der Gefangenen ward noch ein beſonderes Uebereinkommen getroffen und zugleich auch beſtimmt, daß die beiderſeitigen Unterthanen, welche in dieſem Kriege von ihren Guͤtern ihrem Oberherrn keine Kriegsdienſte geleiſtet oder dieſem abtrümnig geworden ſeyen, bis auf Jacobi-Tag zu ihrem Ober herrn zuruͤckkehren und ſich mit ihm ausgleichen koͤnnten. Wo eine ſolche Ausgleichung nicht erfolgen Fünne, ſolle die Sache zur ſchiedsrichterlichen Verhandlung auf einem anberaumten 1) Das vom Koͤnige ausgeſtellte Original dieſes Beifriedens, d. in civitate nostra Thorun die domin. Quasimodog 1521 Schbl. 71. 5. Dogiel T. IV. nro CLXV. Die Urkunde des HM. ebendaſ. nro. CLXIV., beide in mehren gleichzeitigen Abſchriften Schbl. XXV. 41. Das von den Friedensunterhaͤndlern, im Weſentlichen gleichlautende Original des Beifriedens, d. in oppido Thorun V April. 1521 Schl. 71. 6. De Wal. T. VIII. 130 — 154.
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634 Fehden während der Friedensverhandlungen. (1521.) Tag nach Graudenz gebracht werden.) Wenige Tage nach Ab: ſchluß dieſes Beifriedens kehrte der Meiſter nach Königsberg zurück. Aber ſelbſt waͤhrend dieſer Friedensverhandlungen hatten die Kriegsfehden noch fortgedauert. Friederich von Heideck hatte durch einen Ueberfall Heilsberg erſtuͤrmen wollen und da ihm dieß nicht gelungen war, ſo hatte er mit ſeiner Reiter⸗ ſchaar das Biſthum unter Raub und Brand weit und breit durchzogen. Heilsberg wuͤrde ohne Zweifel in ſeine Haͤnde gekommen ſeyn, wenn nicht das unzufriedene und aufruͤhreriſche Soͤldnervolk, „ehr⸗ und treuloſe Buben,“ wie er ſie nennt, ſeinen Plan vereitelt haͤtte.) Auch die Danziger hatten nicht ruhig geſeſſen. Sie verfolgten und trieben die Kriegsſchiffe des Ordens auf dem Friſchen Haff bis in den Pregel zurück. Eine Kriegsjacht der Kneiphoͤfer von ſiebenzig bis achtzig Laſt, mit allem reichlich ausgeruͤſtet, trieben fie an der Einmündung des Pregels auf den Grund und bemaͤchtigten ſich ihrer nach einem fiebenftündigen Kampfe.) Damit endigte dieſer Krieg, „armſelig an wichtigen Begebenheiten, großen Männern und Thaten, aber um fo reicher an Graͤueln und Verheerungen.“ » Er hatte ungeheuere Geldopfer gekoſtet. Obgleich er nur ein Jahr und einige Monate gedauert, ſo beliefen ſich doch die Kriegskoſten auf 174,200 Mark, wozu der Meiſter von Liv⸗ land 75,000, der Großfuͤrſt von Moskau 30,000, der Hoc): meiſter ſelbſt 50,000 Mark aus ſeiner Rentkammer an Silber⸗ geſchirr und Baarſchaft beigeſteuert hatten, ungerechnet die Geldſummen, welche die Städte Koͤnigsberg zum Kriege ge⸗ geben.) Der dem Lande zugefuͤgte Schaden ward weit über 1) Das darüber vom Könige ausgeſtellte Originaldocument, d. Tho- run Feria III. post domin. Ouasimodog. 1521 Schl. 71. 4., das des HM. vom naͤmlichen Dat. bei Dog iel T. IV. p. 223. 2) Schr. des Oberfompans Fr. v. Heideck an d. HM. d. Koͤnigob. Mont. nach Palmar. 1521 Schbl. D. 577. 3) Schütz p. 476. Humm p 174, 4) Baczko B. IV. 90. 5) Faber S. 69 nach einem im geheim. Archiv befindlichen Auf⸗ ſatz des Lucas David.
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Zuchtloſigkeit der Sölbner. (1521.) 635 400,000 Mark geſchaͤtzt. Und doch hatten alle dieſe Opſer nicht hingereicht, die Soͤldnerhaufen in ihren Forderungen zu befriedigen. Der Großkomthur Nicolaus von Bach allein hatte fuͤr das Kriegsvolk Wolfs von Schoͤnberg die Summe von 48,600 Rhein. Gulden gezahlt“ und der Kurfuͤrſt von Bran⸗ denburg fir dieſes dem Orden fo vollig nutzloſe Soͤldnerheer die Summe von 20,000 Gulden vorgeſchoſſen,) und doch war auch dieſes Kriegsvolk, „welches ſich, wie Wolf von Schoͤnberg ſelbſt ſagt, wie Buben gehalten,“ noch nicht beſrie⸗ digt, denn kaum nach Deutſchland zuruͤckgekehrt, erhoben dort die Soldner, Hauptleute nicht weniger als Doppelſöͤldner und Reiter, drohende Forderungen an die Deutſchen Ordens-Bal⸗ leien. Franz von Sickingen, der ſelbſt Anforderungen an den Orden hatte, ® die beiden Grafen Eberhard von Koͤnigſtein und Wilhelm von Naſſau mußten ſich mit dem Grafen Wil⸗ helm von Eiſenberg, Georg von Eltz, Ludwig von Senßheim und Wolf von Schönberg ins Mittel ſchlagen, um die Unge⸗ ſtümen zu beruhigen, und doch gelang dieß bei den meiſten nicht. Sie verlangten durchaus Bezahlung. ® In Preuffen ſelbſt aber kannte das hungrige Soͤldnervolk ſchon laͤngſt keine Zucht und Ordnung mehr. Wo es als Beſatzung lag, war Aufruhr und Meuterei faſt an der Tages⸗ ordnung. Von Tolkemit, von wo der Hauptmann Heinrich Doberitz einen Soͤldnerhaufen in den Werder fuͤhren ſollte, ſtürmte dieſer trotz ſeines Hauptmannes Befehl mit Gewalt 1) Schr. des Großkomthurs Nicol. v. Bach an d. Secretaͤr Jo⸗ hann Pain, d. Berlin Sonnab. nach Kreuz = Erfind. 1521 Schbl. Adelsgeſch. P. 70. 2) Schr des HM. an d. Großkomthur, d. Koͤnigeb. Sonnab. nach Miſericord. 1521. Bekenntniß des HM. über die Anleihe des Kurfürft. v. Brandenburg, d. Koͤnigsb. Donnerſt. nach Aegidii 1521 Schbl. XV. 91. 3) Voigt Franz v. Sickingen u. f. w. in Beiträgen zur Kunde Preufſ. B. II. 379 fl. Münch Franz v. Sickingen B. I. 146. 4) Schr. Wolfs v. Schoͤnberg an d. HM. d. Worms Dienſt. nach Invocavit 1521 Schbl. LXXV. 70.
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636 Zuchtloſigkeit der Söldner. (1521.) nach Königsberg; ihm folgten bald andere Rotten und veran⸗ laßten in der angefüllten Stadt eine ſolche Theuerung, daß man eine Tonne Mehl mit drei Mark, ein Huhn mit einer halben Mark und ein Kalb mit drei Mark bezahlen mußte.!) In Deutſch-Eilau mußte Paul Faſolt alle erſinnlichen Mittel anwenden, um die dortigen Kriegsknechte einigermaßen im Zaum zu halten. In Guttſtadt waren dem dortigen Statt⸗ halter Wilhelm von Schaumburg ſchon eine Anzahl der wilde⸗ ſten Schreier aus den Doppelſoͤldnern entlaufen und zum Feinde uͤbergegangen. Der noch uͤbrige Haufe wuͤthete in der Stadt und der Umgegend faſt wie in Feindes Land; es blieb kein Bette mehr in einem Hauſe. Eiſenwerk, Glasfenſtern u. dgl. wurden von den Kriegsknechten verkauft, die Staͤlle ausgeraͤumt und nicht ſelten Haus und alles verbrannt. > Um ſo mehr eilte jetzt der Hochmeiſter, das nutzloſe Volk ſo⸗ bald als moͤglich aus dem Lande zu entfernen und gerne er: theilte der König zu feinem Fortzuge über Elbing und Danzig die nöthigen Paͤſſe.) Sehr erwuͤnſcht kam daher dem Meiſter Friederich von Rechberg mit dem Plane entgegen, das in Preuſſen noch liegende Soͤldnervolk in den Dienſt des Koͤniges Franz von Frankreich zu nehmen. Wie aber ſollte nun dem verwuͤſteten und veroͤdeten Lande, den ausgehungerten und nahrungsloſen Staͤdten, den ausge⸗ plünderten, zum Theil niedergebrannten oder doch menſchenlee⸗ ren Dörfern wieder emporgeholfen werden? Geldmittel waren nirgend mehr vorhanden, und wo der Hochmeiſter ſie ſuchte, z. B. bei ſeinem Bruder dem Markgrafen Johann, wurden 1) Schr. des Hauptmannes Heinr. Doberitz an d. HM. d. Koͤnigsb. Mont. nach Palmar. 1521 Schbl. D. 574. 575. Faber S. 63. 2) Schr. Paul Faſolts an d. HM. d. Deutſch⸗Eilau Sonnab. vor Oſtern 1521 Schbl. LXXV. 107. Schr. des Ordensritters Wil helm v. Schaumburg an d. HM. d. Mont. nach Tiburt. und Vale⸗ riani 1521 Schbl. XXIX. 46. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Thorn Sonnab. vor Jubilate 1521 Schbl. 71. 28.
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Heife des HM. nach Deutſchland. (1521.) 637 ſie ihm abgeſchlagen.) Die Landesmuͤnze war waͤhrend des Krieges ſo ſehr verſchlechtert, daß ſie nun auf ein Drittheil des ehemaligen Werthes herabgeſetzt wurde. „Mag ſie immer⸗ hin roth ausſehen, ſchrieb Albrecht noch im Anfange dieſes Jahres feinem Secretaͤr, wir fragen nicht ſonderlich darnach, wenn wir nur die Knechte damit zufrieden ſtellen Tonnen.‘ ” An neue Hülfsquellen durch den Handel war vorerſt nicht zu denken, denn dieſen hemmten nicht nur die Schlechtigkeit der Landesmuͤnze und die allgemeine Verarmung und Verwuͤſtung des ganzen Landes, ſondern auch die Handelseiferſucht der Danziger und Elbinger, die Koͤnigsbergs Handel fo viel als moͤglich niederzudruͤcken ſuchten. Gerne mochte der Hochmeiſter den alten, erfahrenen Großkomthur Nicolaus von Bach nach Preuſſen zurückkommen ſehen, um ſich mit ihm uͤber die Mittel und Wege, dem Lande wieder emporzuhelfen, naͤher zu bera⸗ then. Er rief ihn daher nach Preuſſen zuruck; allein es feſſel⸗ ten ihn in Berlin bedeutende Schulden, die der Hochmeiſter nicht beſtreiten konnte. Er ſiel dann in eine gefaͤhrliche Krank⸗ heit, der er im Juni dieſes Jahres erlag. 3) Albrecht hatte bereits im Mai den Gedanken gefaßt, ſich nach Deutſchland zu begeben, um theils bei ſeinen Verwandten, theils bei andern Reichsfuͤrſten die Sache feines Ordens zu fördern und wo möglich den Eifer und das Intereſſe für die Aufrechthaltung des Ordens neu zu beleben, zumal nachdem er erfahren hatte, daß im Sommer dieſes Jahres der Kaijer und der Koͤnig von Ungern einer Heirat des letztern wegen eine perfönliche Zuſammenkunft halten wuͤrden, wobei er beide 1) Schr. des Markgr. Kaſimir v. Brandenburg an d. HM. d. Anſpach Donnerſt. nach Exaudi 1521 Schbl. E. 106. 2) Schr. des HM. an feinen Secretaͤr Chriſt. Gattenhofer, d. im Lager zu Dieterichsdorf Mittw. vor Antonii 1521 Schbl. C. 77. Faber Pr. Archiv B. II. 74. 3) Schr. des Großkomthurs an d. HM. d. Berlin Sonnt. Laͤtare 1521. Schr. des HM. an d. Großkomthur, d. Koͤnigsb. Sonnab. nach Miſericord. 1521. Schbl. C. 459. Schr. Johann Pains an d. HM. d. Berlin Sonnt. nach Viti und Modeſti 1521.
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638 Reeiſe des HM. nach Deutſchland. (1521.) Fuͤrſten zur baldigen ſchiedsrichterlichen Entſcheidung feiner Verhaͤltniſſe mit Polen gewinnen zu koͤnnen hoffte. Allein auch hiezu gebrach es ihm an den noͤthigen Geldmitteln. Er wandte ſich an den Koͤnig von Daͤnemark mit der Bitte: er möge ihm jetzt das zu feinem Kriege gegen die Schweden ihm zugeſandte Pulver mit einer Geldſumme wieder verguͤten und dem Orden zugleich auch den Schaden, den dieſer wegen der in ihrem Vertrage zugeſagten, aber nicht geleiſteten Kriegshuͤlfe erlitten, mit einer Summe von zehntaufend Mark erſetzen. “) Der Hauskomthur von Koͤnigsberg Michael von Drahe mußte zu gleicher Zeit nach Livland eilen, um den dortigen Meiſter um eine Geldunterſtuͤtzung zur Reiſe des Hochmeiſters zu er⸗ ſuchen. Allein ſo dringend er dem Meiſter und dem Landmar⸗ ſchall die Wichtigkeit dieſer Reiſe, ſelbſt auch fir die Verhaͤlt⸗ niſſe Livlands ans Herz legte und fo viel er ihnen auch Vor⸗ ſchlaͤge machte, das noͤthige Geld durch Anleihen, durch einen Schoß auf das Land u. ſ. w. zuſammenzubringen, ſo waren fie doch in keiner Weiſe zur Leiſtung einer Beihuͤlfe zu be⸗ wegen; ſie wieſen alles mit der Antwort zuruͤck: den Hoch⸗ meiſter mit Geld zu unterſtuͤtzen, ſey nicht in ihren Kraͤften; er wiſſe ja ſelbſt, mit welchen ſchweren Summen man ihm von Livland aus im vorigen Kriege geholfen; jetzt ſey ihnen an Baarſchaft nichts weiter übrig geblieben, als etwas Kirchen = und Tiſchgeraͤthe; der Hochmeiſter moͤge alſo den Orden in Livland fortan nicht mehr beläftigen.? Auch andere Verſuche, die noͤthigen Reiſemittel aufzubringen, blieben ohne Erfolg. Braunsberg, welches im Kriege ſo außerordentlich gelitten, ver⸗ ſtand ſich zwar auf des Meiſters Aufforderung wegen einer Flachsſteuer zu einer Summe von dreitauſend Mark, verbat 1) Inſtruction des HM. fuͤr Georg Klingenbeck bei ſeiner Sen⸗ dung an d. König v. Daͤnemark, d. Mont. nach Trinitat. 1521 Schl. E. 42. 2) Berichte des Hauskomthurs v. Koͤnigsberg an d. HM. d. Ruyen Mittw. nach Corp. Chr., Mont. u. Mittw. nach Viti und Medeſt. 1521. Schul. XXIX. 26. 66, 67.
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Tröſtende Zuſicherungen der Fürſten a. d. HM. (1521.) 639 ſich aber inskünſtige alle weitere Beſchwerungen durch Zinſen, Schoß oder ſonſtige Abgaben. Der Papſt empfahl dem Könige von Ungern, dem Erz⸗ biſchofe von Salzburg, ſowie den uͤbrigen Schiedsrichtern bei Vollführung ihres Auftrages die moͤglichſte Vorſicht und Be⸗ hutſamkeit.) Vom Kaiſer und dem Könige von Ungern er⸗ hielt der Hochmeiſter auch bald die erfreulichſten Zuſicherungen; uͤberhaupt verſprachen ſaͤmmtliche ernannte Schiedsrichter, ſich der Sache des Ordens zu deſſen Heil und Gedeihen mit allem Eifer anzunehmen und die Entſcheidung des Streites ſo viel als moͤglich zu beſchleunigen.) Auch andere Fuͤrſten, wie der edle Landgraf Philipp von Heſſen ſprachen ſich fuͤr den Orden und deſſen Sache aͤußerſt guͤig aus und verhießen dem Meiſter in ſeinen Angelegenheiten ihre Dienſte, ihren Rath und Bei⸗ ſtand. ) Um ſo weniger mochte er ſeinen Plan zu einer Reiſe nach Deutſchland aufgeben, zumal da ihn nicht bloß die Ordens⸗ gebietiger, ſondern auch die Staͤnde zur Beſchleunigung ſeiner Sache rathſam fanden; er berief daher ſchon den ihm vom Lir⸗ laͤndiſchen Meiſter als in Verhandlungen und im Lateiniſchen Vortrage ſehr bewanderten Biſchof Johannes von Reval, um ihn auf ſeiner Reiſe zu begleiten und in den Verhandlungen zu unterftüßen.® Da indeß ſowohl der Kurfuͤrſt von Branden⸗ burg, als Heinrich Doberitz, den er zuvor mit einigen Auftraͤgen 1) Schr. des Rathes v. Braunsberg an d. HM. d. Sten T. des heil. Leichnams 1521 Schbl. A. 272. 273. 2) Die Breven des Papſtes an den Koͤnig v. Ungern, an den Erzbiſchof v. Salzburg, an d. Biſchof v. Fuͤnfkirchen, d. Romae XIII Juli 1521 Schbl. XVI. 4 6. 3) Schr. des Kaiſers an d. HM. d. Köln 9 Juni 1521 Schl. VI. 119. Schr. des Koͤniges v. Ungern an d. HM. d. Ofen Mittw. vor Viti 1521 Schöl. E. 107. Schr. des Kardinals u. Erzbiſch. v. Salzburg an d. HM. d. Samſt am T. Viti 1521 Schbl. E. 105. 4) Schr. des Landgrafen Philipp v. Heſſen an d. HM. d. Kaſſel Donnerſt. nach Viti 1521. 5) Schr. des HM. an d. Biſchof v Reval, d. Tapiau Mitw. nach Viti 1521 Schbl. L. 9.
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640 Tod des Biſchofs Hiob v. Pomeſanien. (1521.) an den Kaiſer geſandt, ihm meldeten, daß es jetzt nicht die ge⸗ eignete Zeit ſey, die Sache bei dieſem anzubringen und auf Eile zu dringen, indem er ſich eben aus dem Reiche begeben habe und noch zur Zeit kein beſtaͤndiges Regiment beſtehe, ſo ſtellte der Meiſter feinen Reiſeplan noch ein,“ denn es ſchlug ihm uͤberdieß auch die Hoffnung fehl, von dem Bernſteinhaͤndler Andreas Granden zu Augsburg eine Geldanleihe als Vorſchuß fir den ihm zu liefernden Bernſtein zu erhalten. 2 Waͤhrenddeß traf den Hochmeiſter ein ſehr ſchwerer Ver⸗ luſt. Der hochbejahrte und vielerfahrene Biſchof Hiob von Pomeſanien, der wie unter den vorigen ſo auch unter dieſem Meiſter ſich ſo vielfache Verdienſte um den Orden und das Land erworben, deſſen feſten Muth nur erſt die ſchrecklichſte Verheerung ſeines Biſthums in dem unheilvollen Kriegsjahre bis zur Ergebung an den Koͤnig von Polen hatte niederbeugen koͤnnen, ſtarb, wie es ſcheint, ſehr ploͤtzlich am 25ſten Mai dieſes Jahres, dem Hochmeiſter zu um ſo tieferer Betruͤbniß, weil ihm gerade jetzt die reiſe Erfahrung, die tiefe Einſicht und der beſonnene Rath dieſes Praͤlaten in allen Verhaͤltniſſen von der größten Wichtigkeit war.?) Man fand rathſam, das verarmte und verwuͤſtete Biſthum, in welchem ſich ohne beſondere eigene Geldmittel kein Biſchof mehr erhalten konnte, eine Zeitlang unbeſetzt zu laſſen, bis die äußeren Umſtaͤnde ſich wurden ge: N 1) Schr. des HM. an d. Kurfuͤrſten v. Brandenburg o. D. (1521) Schbl. B. 505. Schr. Heinr. Doberitz's an d. HM. d. Berlin Sonnab. nach Viti 1521 Schbl. XL. 6. 2) Schr. des Andreas Granden zu Augsburg an d. HM. d. 8 Juli 1521 Schbl. LXI. 43. 3) Es iſt unrichtig, wenn Hartknoch Kirchengeſch. Pr. S. 169, Arnoldt Kirchengeſch. S. 169 u. a. den Tod des Biſchofs Hiob erſt ins J. 1523 ſetzen und ihn im Stillen dem Lutherthum geneigt ſeyn laſſen. Ueber das Letztere ſprechen durchaus keine gültigen Zeugniſſe. Sein Todestag geht aus einem Schreiben im Fol. Roͤm. Handlung p. 69 hervor, wo es heißt: Vacavit die 25 Mensis Maji proxime pre- teriti ecclesia Pomesaniensis per obitum episcopi Job illius dum vixit novissimi Episcopi. Das Schr. iſt vom J. 1521.
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Tod des Biſchofs Hiob v. Pomeſanien. (1521.) 641 beffert haben, v mittlerweile es jedoch unter eine ſichere und feſte Verwaltung zu ſtellen. Es geſchah daher wahrſcheinlich auf des Hochmeiſters Veranlaſſung, wenigſtens mit deſſen Zus ſtimmung, daß das Domkapitel von Pomeſanien den Biſchof Georg von Samland zur Verwaltung des biſchoͤflichen Amtes der Pomeſaniſchen Kirche poſtulirte. Dieſer erklaͤrte zwar, daß zur Verwaltung zweier Biſthuͤmer feine Kräfte kaum ausreichten, wies jedoch den Antrag nicht geradezu zuruͤck, ſondern ſtellte alles dem weitern Ermeſſen des Papſtes anheim.) Der Hoch⸗ meifter wandte ſich deshalb an feinen Bruder, den Markgrafen Johann Albrecht, der ſich zur Zeit in Rom aufhielt, um beim Papſte zu bewirken, eine neue biſchoͤfliche Wahl und deren Bes flätigung fo lange anſtehen zu laſſen, bis er ſich ſelbſt daruͤber näher erflären werde. Die Propſtei Zſchillen verlieh der Papſt dem erwähnten Markgrafen felbft, obgleich dieſer weder wußte, wo fie lag, noch was fie einbrachte.) Die einſtweilige Ver⸗ waltung ver weltlichen Angelegenheiten des Biſthums übertrug der Hochmeiſter dem Hauskomthur von Königsberg.) Obgleich man nun bald erfuhr, daß der Koͤnig von Polen den Plan verfolge, den biſchoͤflichen Stuhl mit einem ihm ergebenen 1) Es heißt in einem Schr. des Biſchofs Johannes von Dorpat an den Kardinal Sanctorum quatuor, d. Tarbati VI Februar. 1522 Schbl. LXV. 10: Das Domkapitel babe nach ſorgſamer Berathung und Erwägung mit dem HM. den Biſchof v. Samland poſtulirt, ut cum ecclesia Pomesaniensis proximo bello Prutenico vehementer at- trita sit ac redditus et possessiones eiusdem magna ex parte, immo ferme omnes desolate ac direpte, ita ut bona ad mensam episcopalem spectantia prelatum iuxta pontificalis decentiam status sustenfare non possint, presidente reverend. in Christo patre domino episcopo Sam- biensi ecclesia aliquantisper respirare ac in pristinum taudem statum restitui possit. 2) Notariatsinftrument, d. in arce Fischhausen die XXIII Junii 1521 Schbl. L. 46. 3) Schr. des Markgr. Johann Albrecht v. Brandenb. an d. HM. d. Rom 26 Juli 1521. Schbl. B. 510. 4) Schr. des Haus komthurs v. Koͤnigsb. an d. HM. d. Rieſen⸗ burg am Abend Simon u. Juda 1521 Schbl. D. 274. IX. 41
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642 Plan des HM. zu einem Tuͤrkenzuge. (1521.) Manne zu beſetzen, entweder mit dem paͤpſtlichen Legaten, der fruͤher bei ihm in Thorn geweſen, oder mit einem Polen, ſo vertraute der Hochmeifter doch auf den Papſt und widerrieth daher auch den Antrag ſeines Bruders des Markgrafen Ka⸗ ſimir, das Biſthum wo moͤglich einem ſeiner Bruͤder zuzuwen⸗ den, aus mehren Gruͤnden, beſonders wegen der jetzt im ganzen Biſthum herrſchenden Armuth.) So zog ſich die Sache noch unentſchieden bis ins naͤchſte Jahr hinein, denn es war in der That auch nicht leicht, einen Mann zu finden, der außer den übrigen erforderlichen Eigenſchaften auch die nöthigen Geld⸗ mittel und dabei auch den Willen hatte, dieſe zum Beſten des verarmten und verwuͤſteten Biſthums anzuwenden. Ueberdieß ſchien der Hochmeiſter auch erſt abwarten zu wollen, wie ſich die Verhaͤltniſſe im Biſthum Ermland geſtalten wuͤrden, deſſen Biſchof „an den Franzoſen“ ſehr gefaͤhrlich krank lag. Albrecht wuͤnſchte naͤmlich jetzt auch dieſes Biſthum dem Orden zu re⸗ ferviren. 2 Nichts beſchaͤftigte aber den Hochmeiſter eine Zeitlang le⸗ bendiger, als der Gedanke, die ganze vereinte Kriegsmacht des Ordens gegen die Tuͤrken zu wenden. Sein Bruder der Mark⸗ graf Georg, der ſich lange ſchon am Hofe des Koͤniges von Ungern aufhielt, hatte ihn, wie es ſcheint, zuerſt bei ihm an⸗ geregt, als er ſich im Fruͤhling dieſes Jahres in Preuſſen be⸗ fand. Seine Ausfuͤhrung konnte gerade auch unter den jetzigen Verhaͤltniſſen fuͤr den Orden vom groͤßten Nutzen ſeyn. Beim Kaifer, beim Papſte, der den Hochmeiſter und den König von Polen in den letzten Jahren ſo oft zum Kampfe gegen dieſen Glaubensfeind aufgefordert hatte,) beim Könige von Ungern, 1) Schr. des HM. an d. Markgr. Kaſimir, d. Freit. nach Maus ritii 1521. Schbl. B. 523. 2) Schr. des HM. an Dieter. v. Schoͤnberg, d. Koͤnigsb. Freit. nach Matthaͤi 1521 Schbl. C. 458. Die erwaͤhnte Krankheit herrſchte damals haͤufig in Preuſſen. Auch des HM. Bruder, der Markgraf Wilhelm litt eine Zeitlang daran; Schbl. D. 273. 3) S. die Schreiben des Papſtes an d. König v. Polen bei Ray- nald. Annal. eccles. an. 1520 nro 81 — 82. Der Papſt wiederholte
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Plan des HM. zu einem Tuͤrkenzuge. (1521.) 643 deſſen Reich ſeit Jahren fo ſchwer von den Tuͤrken bedrängt war, alſo gerade bei den Fuͤrſten, in deren Haͤnden jetzt vor⸗ zuͤglich die Entſcheidung der Streitſache mit Polen lag, konnte ſich der Hochmeiſter durch eine ſolche Unternehmung nur Gunſt und Beifall und für feinen Orden neues, lebendiges Intereſſe verſprechen. Selbſt auf den König von Polen konnte fie nur guͤnſtig wirken. Ueberdieß konnte der Orden auch von neuem beweiſen, daß er ſeine Beſtimmung und Verpflichtung des Kam⸗ pfes gegen die Unglaͤubigen, wie ihm ſo oft ſchon vorgeworfen war, noch keineswegs vergeſſen habe und endlich konnte, was der Meiſter auch ſicher erwartete, dieſer Pan auch eine ſchnellere Entſcheidung ſeiner Streitſache mit Polen herbeifuͤhren. Er betrieb ihn daher auch eine Zeitlang mit dem groͤßten Eifer. Seinem Rathe Dieterich von Schoͤnberg trug er auf, die Sache beim Papſte anzubringen, damit dieſer dem Deutſchmeiſter und dem Meiſter von Livland durch paͤpſtliche Breven Befehl ertheile, ihn als des Ordens Oberhaupt bei dem Tuͤrkenzuge mit Rath und Hülfe zur Hand zu ſtehen und ihm in allem Folge zu lei⸗ ſten.) Seinen Bruder den Markgrafen Kaſimir erſuchte er, den Kaiſer von ſeiner Bereitwilligkeit zum Kampfe gegen die Türken zu unterrichten und ihn zu bitten, dafür zu forgen, daß während feiner Abweſenheit dem Orden und dem Lande Preuſſen nichts Nachtheiliges widerfahre. Er wandte ſich dann auch an ſeinen Bruder den Markgrafen Georg mit dem Auſtrage, dem Könige von Ungern feine bereitwilligen Dienſte zum Kampfe gegen die Tuͤrken, ſofern er ſie wuͤnſche, anzubieten und mit ihm daruͤber das Naͤhere zu verhandeln, damit die Unterneh⸗ mung auch zum Nutzen und Gedeihen des Ordens gereiche; die Aufforderung an den HM. zum Tuͤrkenkriege in zwei Breven, d. Romae IX Septemb. u. prima die Octobr. 1522 Schbl. XVI. 1. 2. 1) Schr. des HM. an Dieter. v. Schoͤnberg, d. Königsb. Freit. nach Matthaͤi 1521 Schbl. C. 458. 2) Schr. des HM. an Dieter. v. Schoͤnberg, d. Freit. nach Mat⸗ thai 1521 Schbl. C. 458. Schr. des HM. an d. Markgrafen Kaſimir, d. Freit. nach Mauritii 1521 Schbl. B. 523. m 41
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644 Plan des HM. zu einem Tuͤrkenzuge. (1521.) dabei verſchwieg er ihm die Beſorgniſſe nicht, die er im Falle ſeines Abweſens immer noch in Ruͤckſicht des Koͤniges von Polen hegen muͤſſe. Er bat daher, der Koͤnig von Ungern moͤge zuvor die Sache des Ordens und des Koͤniges auszugleichen bemuͤht ſeyn.) An dieſen letztern ſandte er einen Botſchaſter mit der Meldung ſeines Kriegsplanes gegen die Tuͤrken. Er ließ bei ihm ganz beſonders hervorheben, daß der Orden nichts ſehnlicher wuͤnſche, als feiner urſpruͤnglichen Beſtimmung und „Profeſſion“, an deren Ausuͤbung er nach feiner Verpflanzung von Akkon und nach der Unterwerfung der unglaͤubigen Preuſſen ohne ſein Verſchulden in ſpaͤtern Zeiten verhindert worden ſey, jetzt wieder nachzukommen, hoffend und bittend, der Koͤnig werde das Vorhaben des Hochmeiſters mit Wohlgefallen aufnehmen und ihm dabei mit Rath und Huͤlfe beiſtehen. Er ließ endlich nicht unerwaͤhnt, daß der Papſt ihn wiederholt zu einem ſolchen Kampfe gegen den Chriſtenfeind aufgefordert habe. Der Bot⸗ ſchafter ſollte daher den Koͤnig erſuchen, Mittel und Wege vor⸗ zuſchlagen, wie die nach dem zwiſchen ihnen beſtehenden An⸗ ſtande noch obwaltenden Streitpunkte und Irrungen aufs bal⸗ digſte beſeitigt werden und der Hochmeiſter um fo forgenfreier fein Unternehmen vollfuͤhren koͤnne.) Sigismund aber nahm die Sache mit einer Kaͤlte auf, die den Meiſter ſehr befremdete. „Es ſey bekanntlich, antwortete er, zwiſchen ihren Vorfahren ein ewiger Friede geſchloſſen und durch ihn mancherlei nicht 1) Schr. des HM. an d. Markgr. Georg v. Brandenburg, d. Koͤnigsb. Freit. nach Matthaͤi 1521 Schbl. C. 453. 2) Inſtruction fuͤr Heinr. v. Miltitz bei ſeiner Sendung an d. Koͤnig v. Polen, d. Tapiau Mont. nach Matthaͤi 1521 Schbl. XXIX. 43. Merkwuͤrdig iſt, wie ſich der HM. entſchuldigt, daß der Orden lange Zeit ſeiner erſten Beſtimmung nicht nachgekommen ſey. Er habe fie nämlich ſo lange erfült, „bis die oberſten Haͤupter der Chriſtenheit bedacht gut zu ſeyn und dem Orden ſtille zu ſtehen geboten, welches der Orden als ein gehorſam Glied paͤpſtl. Heiligkeit und ein Fuͤrſt des Roͤm. Reichs und Deutſcher Nation wiewohl mit beſchwertem Ge⸗ muͤthe alſo hat thun verfolgen. Der Orden habe ſich daher in eine langwierige Ruhe begeben muͤſſen.“
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„ Neue Vorſchlaͤge zur friedl. Ausgleichung mit Polen. (1521.) 645 unbequeme Mittel vorgeſchlagen, die bisher noch nicht vollzogen ſeyen; andere Mittel in Vorſchlag zu bringen, ſinde er jetzt nicht zweckmaͤßig; kenne der Hochmeiſter bequemere, die dem Koͤnige leidlich und annehmbar, ſo wolle er ſie gerne vernehmen; man möge fie auf die jetzige Reichsverſammlung nach Petrikau bringen; was daraus zum Frieden diene, ſolle ihm nicht be⸗ ſchwerlich ſeyn.“ “) Machte ſchon dieſe Antwort den Hochmeiſter wieder ſcheu gegen des Koͤniges friedliche Geſinnung, ſo ſteigerte ſich das Mißtrauen bald noch mehr durch die wiederholten Verſuche des Polniſchen Hauptmannes zu Mohrungen, den Pfleger zu Worm⸗ ditt aus dem Gebiete von Liebſtadt zu verdraͤngen,? durch die Bemühungen der Polen, ſich des Schloſſes zu Preuſſiſch⸗Mark zu bemaͤchtigen und durch die Nachrichten von neuen kriegeriſchen Rüſtungen in Polen und von Truppenſammlungen an der Ma⸗ ſoviſchen Graͤnze, woraus man entnahm, daß das Land trotz des Waffenſtillſtandes gegen Gewaltthaten von Seiten der Polen nichts weniger als ſicher ſey.) Man fand rathſam, dem Koͤ⸗ nige noch einen Vorſchlag zur friedlichen Ausgleichung vor⸗ zulegen. Gewiſſe Mittelsperſonen, namentlich der Kurfuͤrſt von Brandenburg und Herzog Georg von Sachſen ſollten Friedens⸗ artickel entwerſen, die man als Grundlage eines Vergleiches anſehen wollte.) Obgleich dieſer Man, von den Raͤthen des Hochmeiſters ausgegangen, bei ihm ſelbſt wenig Hoffnung er⸗ regte, ſo ſandte Albrecht doch vorlaͤufig Heinrichen von Miltitz an beide genannte Fuͤrſten, um ihren Rath in der Sache zu vernehmen. Zur Sendung an den Kurfuͤrſten aber bewog auch noch ein anderer Anlaß. Joachim hatte ſchon wiederholt um . 1) Antwort des Koͤniges v. Polen auf das Anbringen Heinrichs v. Miltitz, d. Krakau 20 Octob. 1521. 2) Schr. des Pfiegers v. Wormditt an d. HM. d. Mont. am T. Calixti u. Sonnab. nach Eliſabeth 1521 Schbl. E. 361. 363. 3) Schr. des Hauskomthurs v. Koͤnigsberg an d. HM. d. Rieſen⸗ burg am Abend Simon u. Judaͤ 1521 Schl. D. 274. 4) Schr. des HM. an Dieter. v. Schönberg, d. Koͤnigsb. Sonnab. nach Eliſabeth 1521 Schbl. D. 335.
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646 Finanzverlegenheit des HM. (1521.) Ruͤckzahlung der auch ihm fo ſehr benöthigten Geldſumme ge: beten, fo daß zu beſorgen war, feine Geduld werde ermuͤden. “ Gerade auf ſeine Freundſchaft und thaͤtigen Einfluß rechnete jedoch Albrecht jetzt am meiſten; auf ihn ſetzte er ſein ganzes Vertrauen; an ihn hatte er juͤngſt erſt ſeine Raͤthe Dieterich von Schoͤnberg und Georg Klingenbeck mit der Bitte geſandt, beim Kaiſer und dem Koͤnige von Ungern wo moͤglich zu be⸗ wirken, daß die Verhandlung der Streitſache mit Polen aufs thaͤtigſte beſchleunigt werde. Da der vom Hochmeiſter ſelbſt beſtimmte Zahlungstermin zur Entrichtung des Anlehens heran⸗ nahete, trotz aller Bitten aber beim Meiſter von Livland es nicht moͤglich geweſen war, die verlangte Geldbeiſteuer zu er⸗ halten,) fo mußte eine neue Friſt erbeten werden.) Der Kurfuͤrſt bewilligte fie und erklaͤrte ſich auch dem erwähnten Vorſchlage zur Ausgleichung mit Polen nicht abgeneigt, rieth jedoch, mit aller Vorſicht dabei zu Werke zu gehen. „Wir wollen, ſchrieb ihm der Meiſter, ohne eueren Rath und Gut⸗ duͤnken nichts beginnen, ſondern verhoffen, ihr werdet euch in unſeren Sachen dermaßen beweiſen, daß wir auch hinfort eueren Willen, Rath, Hülfe und Troſt empfinden, denn wir ſtellen in euch all unſer Thun und Laſſen.“ 9 Wie ſehr es aber nöthig war, den König von Polen bei jedem ſeiner Schritte zu beobachten, zeigte ſich dem Meiſter in den erſten Tagen des Jahres 1522. Er erhielt aus Rom die befremdende Nachricht, daß der Papſt Leo der Zehnte kurz 1) Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenburg an d. HM. d. Köln Donnerſt. nach der Octava der heil. drei Koͤn. 1522 Schbl. B. 466. 2) Schr. des Meiſters v. Livland an d. HM. d. Ruyen Dienſt. nach Simon u. Judaͤ 1521 Schbl. XXIX. 68. 3) Schr. des HM. an d. Kurfuͤrſten v. Brandenburg, d. Sonnt. nach Aller Heilig. 1521 Schbl. B. 505. Inſtruction für Dieter. v. Schoͤnberg u. Georg Klingenbeck, d. Lochſtädt o. D. Schbl. B. 508. Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenb. an d. HM. d. Köln a. d. Spree Sonnt. Octava Concept. Mariä 1521 Schbl. B. 520. 4 Schr. des HM. an d. Kurfuͤrſten v. Brandenburg o. D. (1521) Schbl. B. 505.
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Belegung des Biſthums Pomeſanjen. (1522.) 647 vor feinem Tode (der am 1ſten Decemb. 1521 erfolgt war) das Biſthum Pomeſanien dem Kardinal Achilles de Groſſis auf beſon⸗ dere Fuͤrſprache des Koͤniges von Polen, dem dieſer ſchon fruͤher als Legat bekannt geworden, D verliehen habe und zwar deshalb, weil des Koͤniges Geſandte der Biſchof von Ploczk vor einiger Zeit in Rom behauptet hatte: Niefenburg fey, vom Könige im vorigen Kriege erobert, noch jetzt in deſſen Beſitz; wenn daher der Papſt das Biſthum jetzt einem Ordensherrn verleihe, ſo werde dieß den von den kaiſerlichen und Ungeriſchen Friedens⸗ unterhaͤndlern feſtgeſetzten Beſtimmungen des Beifriedens ent⸗ gegen ſeyn und neuen Zwiſt veranlaſſen. Zum Ungluͤck war damals gerade auch kein mit den Verhaͤltniſſen genau bekannter Ordensprocurator in Rom, denn Georg Buſch kam als ſolcher dort erſt im Januar dieſes Jahres an. Er gab nun zwar Hoffnung, die Sache werde, da offenbar Unwahrheilen zu Erunde lagen, unter dem neuerwaͤhlten Papſte Hadrian dem Sechſten ſich wohl anders geſtalten; allein er fah die Schwierig⸗ keiten voraus, die es koſten werde, um dem Orden das Biſthum zu erhalten.) Der Hochmeiſter ließ nun zwar alsbald durch den Biſchof Job annes von Dorpat in einer Schrift, die er nach Rom ſandte, das Vorgeben des Biſchofs von Ploczk gruͤndlich widerlegen, die Wahlrechte des Domkapitels und die Recht⸗ maͤßigkeit der Poſtulation des Samlaͤndiſchen Biſchofs mit allem Nachdruck bekraͤftigen und bot überhaupt alles auf, um die letztere vom Rom. Stuhle beſtaͤtigen zu laſſen und fo das Biſthum dem Orden zu erhalten. Da indeß mehre Monate voruͤbergingen, ehe man auch nur in Rom erfuhr, ob Hadrian das paͤpſtliche Amt angenommen habe und nach Rom kommen 1) Achilles de Groſſis war ſchon im J. 1510 unter dem Papfte Julius II beim Könige als Legat; ſ. Jodoci Dec liber de Sigis- mundi tempor. ap. Pistorii Polon. IIistor. T. II. 309. 2) Schr. des Ordensprocurators Georg Buſch an d. HM. d. Rom 12 Jan. 1522 Fol. Roͤm. Handl. v. 3. 3) Schr. des Biſchofs v. Dorpat an den Kardinal Sanctor. qua - tuor, d. Tarbati VI Febr 1522 Schbl. LXV. 10. Schr. des HM. au d. Procurator, d. Oſtern 1522 Fol. Rom Handl. p- 24.
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648 Verhandlungen mit dem Könige v. Polen. (1522.) werde, fo zog ſich die Sache weit in die Lange. Mittlerweile wurde ſie dadurch noch verwickelter, daß der Kardinal Achilles de Groſſis, der ſich ſchon ſoͤrmlich als Biſchof von Pomeſanien betrachtete, D einen Bevollmaͤchtigten nach Polen und Preuſſen ſandte, der, wie er bei feiner Ruͤckkehr wenigſtens behauptete, im Namen ſeines Herrn vom Biſthum Beſitz genommen und das Verſprechen erhalten hatte, daß dem Kardinal von den Ein⸗ fünften des Biſthums jaͤhrlich dreihundert Ducaten nach Rom gefandt werden follten. 2 Auch in andern Verhaͤltniſſen ſtand der Hochmeiſter noch fortwährend in Verhandlungen mit dem Koͤnige. Nach Laut des Vertrages zu Thorn war zur Schlichtung der einzelnen ge⸗ ringeren Streithaͤndel, die der letzte Krieg herbeigeführt, eine Tagfahrt zu Graudenz ſchon im vorigen Jahre gehalten und einige jener Streitpunkte auch beſeitigt worden, namentlich was die Dienſtpflichten der Unterthanen, die Auslieferung entflohener Bauern, die Landes ſicherheit gegen die Raubreiterei und Plackerei u. dgl. betraf.“ Da aber manches andere noch uneroͤrtert ge⸗ blieben und ein deshalb angeordneter anderer Tag durch die im Herbſt auch in Preuſſen herrſchende Peſtkrankheit verhindert worden war, ſo ſchrieb der Koͤnig auf Dienſtag nach Remi⸗ niſcere eine neue Tagfahrt aus und forderte den Hochmeiſter auf, zur Begruͤndung eines friedlichen Verhaͤltniſſes unter ihren Unterthanen ſeine Bevollmaͤchtigten zu ſenden.) Weil jedoch wie abſichtlich die Tagfahrt in fo kurzer Friſt anberaumt war, daß der Meiſter ſeine Bevollmaͤchtigten nicht dahin abfertigen konnte, ſo bat er den Koͤnig um Verlaͤngerung des Tages, er⸗ hielt aber keine Antwort. Vergebens wandte er ſich auch an 1) Als ſolcher beftätigt er z. B. den von feinem Vorgänger Hiob v. Pomeſanien der Prieſterbruͤderſchaft in Insula maior gegebenen Stif⸗ tungsbrief, d. Marienb. 12 Mai 1522 Schbl. LVIII. 12. 2) Schr. des Ordensprocurators an d. HM. d. Rom 6 Juli 1522 Fol. Rom. Handl. p. 36. 3) Das Nähere bei Schitx p. 479, 4) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Grodno Feria III Post fest. purificat. Mariae 1522 Schbl. 71. 68.
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Finanzverhältniſſe des HM. (1522. 649 deſſen Raͤthe.) Dieß machte ihn noch mißtrauiſcher gegen des Koͤniges redliche Abſichten. Er ſandte daher jetzt auch an dem von ihm ſelbſt beſtimmten Tage ſeine Bevollmaͤchtigten nicht und fo ging die Tagfahrt ohne Erfolg voruͤber, denn ſelbſt die von den Polniſchen Raͤthen dort gepflogenen Verhandlungen über die Verbeſſerung der Münze gediehen zu keinem feſten Beſchluſſe; fie hatten jedoch die Folge, daß der berühmte Erm⸗ laͤndiſche Domherr Nicolaus Kopernicus uͤber das Muͤnzweſen eine belehrende Abhandlung abfaßte und den verſammelten Rathen mittheilte.) Darin indeß kam man überein, daß man die waͤhrend der Regierung dieſes Hochmeiſters in Gang ge⸗ brachte Ordensmünze, ebenſo wie alle Zufuhr ins Ordensland ohne weiteres verbieten wollte, was wirklich auch geſchah und vom Hochmeiſter als ein neuer feindſeliger Schritt betrachtet wurde. Neue Verhaͤltniſſe veranlaßten den Hochmeiſter jetzt noch naher, feine Reife nach Deutſchland zu beſchleunigen. Der Kurfürft von Brandenburg hatte abermals fo dringend an Zahlung ſeines Anlehens gemahnt, daß die Ordensgebietiger ſogar den Plan faßten, wenigſtens dem Meiſter von Livland damit drohten, dem Kurfuͤrſten, wenn der Meiſter keine Bei⸗ ſteuer geben koͤnne, ganz Livland fuͤr die Schuldſumme als Pfand zu verſchreiben. Dadurch bewogen hatte dieſer einen Landtag ausgeſchrieben, um mit den Staͤnden die Beiſchaffung des Geldes näher zu berathen.) Die Gebietiger ſuchten daher 1) Schr. des HM an d. Biſchof v. Ermland, d. Tapiau Freit. nach Eſtomihi 1522 Schbl. 71. 68. Schr. des HM. an d. Koͤnig v. Polen, d. Koͤnigsb. Sonnt. nach Valentini 1522 Schbl. 71. 67. 2) Schütz p. 479 — 480. Schr. der auf der Tagfahrt zu Grau⸗ denz verſammelten Raͤthe des Koͤniges, d. Graudenz 18 Maͤrz 1522 Schbl. 71. 65. 66. Dieſe Schreiben zeigen, daß die Ordens geſandten nicht auf dem Tage erſchienen waren, wie es nach Schütz. o. ſcheinen koͤnnte. 3) Schr. des HM. an d. König v Ungern o. D. Schbl. VII. 21. 4) Schr. des Livland. Meiſters an Herzog Erich v. Braunſchweig, Komthur zu Memel und andere Gebietiger, d. Wenden am T. Va⸗
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650 Des Königes v. Ungern Einladung an d. HM. (1522. den Kurfuͤrſten wenigſtens noch eine Zeitlang zu beruhigen, indem ſie verſicherten, daß der Meiſter jetzt alle Mittel aufbiete, ihn zu befriedigen.) Ferner hatte der Kaiſer auf vielfältiges Bitten des Markgrafen Johann, des Bruders des Hochmeiſters, noch vor ſeiner Reiſe nach Spanien ſeinem Bruder dem Erz⸗ herzoge Ferdinand als Reichsſtatthalter und dem Reichsregiment zu Nuͤrnberg den Auſtrag ertheilt, waͤhrend ſeiner Abweſenheit in allem dem, was der zwiſchen Polen und dem Orden auf⸗ genommene Anſtand in Beziehung auf den ſchiedsrichterlichen Austrag ihm übertrage, mit ernſtem Eifer vorzuſchreiten, damit, weil ſchon eine ziemliche Zeit des Anſtandes verfloſſen ſey, der endliche Austrag nicht zu lange verſaͤumt werde. 2 Auch der Herzog Georg von Sachſen war vom Kaiſer erſucht worden, das Vertrauen, welches beide Parteien vorzüglich auf ihn ſetzten, zu benutzen, um ſobald als moͤglich ſelbſt auch außer dem Com⸗ promiß der Schiedsrichter einen gütlichen Vergleich zu Stande zu bringen.) Endlich aber hatte der König Ludwig von Un⸗ gern den Hochmeiſter um die Oſterzeit nach Prag eingeladen; dort wollte er ſich mit ihm nicht bloß uͤber das ihm ſehr an⸗ genehme Anerbieten in Betreff des Tuͤrkenzuges, ſondern auch über andere dem Orden wichtige Angelegenheiten gerne muͤnd⸗ lich naͤher berathen. Albrecht verſprach dort zu erfcheinen, ® lentini 1522 Schbl. XXIX. 106. Man verlangte vom Livländ, Mei: ſter einen Beitrag von 35,000 Gulden. 1) Schr. des Biſchofs Georg v. Samland „ des alten Großkom⸗ thurs Simon v. Drahe, des Hauskomthurs zu Balga Hans v. der Gabelenz u. a. an den Kurf. v. Brandenburg, d. Petri Stuhlfeier 1522 Schbl. B. 470. 2) Schr. des Kaiſers an d. Reichsſtatthalter und das Reichsre⸗ giment zu Nuͤrnberg, d. 25 Febr. 1522 Schbl. XXIX. 10 (Abſchrift). Schr. des Markgr. Johann v. Brandenburg an d. HM. d. Bruͤſſel 4 April 1522 Schbl. B. 472. 3) Schr. des Kaiſers an d. Herzog Georg v. Sachſen, d. 25 Febr. 1522. Schbl. XXIX. 10. 4) Schr. des Koͤniges v. Ungern an d. HM. d. Ofen Sonnt. nach Dorotheä 1522 Schbl. VII. 60; die Antwort des HM. d. Freit. nach Reminif, 1522 Schbl. C. 416.
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Reiſe des HM. nach Prag. (1522.) 651 denn was konnte ihm jetzt wichtiger ſeyn, als eine perſöͤnliche Zusammenkunft mit einem Fuͤrſten, von dem großen Theils mit die Entſcheidung ſeiner Verhaͤltniſſe mit Polen abhing.) So trat der Hochmeiſter, nachdem ihm der Konig von Polen die feſte Zuſicherung gegeben, ſeine Unterthanen waͤhrend des Meiſters Abweſenheit mit allem Ernſt zur Ruhe und Friede gegen das Ordensgebiet zu ermahnen, am 10ten April die Reiſe nach Deutſchland an.) Ein koͤnigliches Geleite fuͤhrte ihn durch das koͤnigliche Gebiet über Marienburg nach Thorn, Leſlau, Gneſen, Poſen u. ſ. w.) In Prag angelangt ward er ſehr ehrenvoll empfangen; der Koͤnig Ludwig und die uͤbrigen dort verſammelten Fuͤrſten und Herren ritten ihm bei ſeinem Einzuge eine Strecke entgegen. Wenige Tage darauf ließ er dem Könige ſeine Bitte wegen Beſtimmung eines Verhandlungs⸗ tages über feine Streitſache mit Polen vortragen und unter⸗ handelte dann mit ihm auch wegen des Tuͤrkenzuges, in welchem er in des Koͤniges Dienſte treten wollte. Er entwarf zu dieſem Zwecke auch einen Beſtallungsbrief uͤber die naͤheren Dienſt⸗ bedingungen und Dienſtverhaͤltniſſe und ließ ihn dem Koͤnige überreichen.) Dieſer ſcheint indeß in das Anerbieten nicht weiter eingegangen zu ſeyn; auch wegen ſeines andern Geſuches erfuhr der Meiſter nur fo viel, daß Ludwig den König von Polen aufgefordert habe, auf nächſten Johannis-Tag Bevoll⸗ maͤchtigte nach Wien zu ſenden, wo er mit dem Erzherzoge 1) Schr. des HM. an d. Erzbiſchof Albrecht v. Mainz, d. Freit. nach Reminiſ. 1522 Schbl. C. 415. Schr. des HM. an d. Koͤnig v. ungern o. D. Schbl. VII. 21. 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. HM. d. Orany Y April 1522 Schbl. XXV. 39. 3) Schr. des HM. an d. Hauptmann v. Marienburg und an d. Erzbiſchof v. Gneſen, d. Leſlau Dienſt. nach Palmar. 1522 Schbl. C. 262. 263. Das Geleite beſtand aus 120 Pferden. j 4) Entwurf des Beſtallungsbriefes Schbl. VII. 18. 19. Der HM. verlangte ſogleich beim Antritt feines Dienſtes 8000 Gulden und jahr: lich 2000 Gulden als Dienftfold; dafür wollte er dem Koͤnige mit 100 gerüfteten Pferden gewärtig ſeyn.
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652 Verhandlung des Deutſchmeiſters mit dem HM. (1522.) Ferdinand alles anwenden wollte, um die J Irrungen zwiſchen Polen und dem Orden beizulegen und wo moͤglich einen völligen Vergleich zu Stande zu bringen.) Der Meiſter wuͤnſchte ſreilich lieber, daß die Verhandlung auf dem naͤchſten Reichs⸗ tage zu Nuͤrnberg, auf welchem er auch bereits durch ein kaiſer⸗ liches Sendſchreiben zu erſcheinen aufgefordert war, erfolgen moͤge, weil er ſich manches Gute von der Einwirkung der dort verſammelten, dem Orden geneigten Fuͤrſten verſprechen mochte. Er hatte daher auch ſchon Georgen von Eltz an den Erzherzog Ferdinand nach Ulm geſandt, um dieſen fuͤr ſeinen Wunſch zu gewinnen. Der Erzherzog indeß mochte ſich nicht eher uͤber die nähere Beſtimmung eines Tages erklaren, als bis er dar⸗ über die Willensmeinung des Koͤniges von Ungern vernommen habe. Waͤhrend aber der Hochmeiſter noch im Mai in Prag verweilte, kam dorthin der Komthur von Heilbronn als Be⸗ vollmaͤchtigter des Deutſchmeiſters zu einer wichtigen Verhand⸗ lung mit ihm. Albrecht hatte naͤmlich theils vor, theils in und nach dem letzten Kriege wiederholt an die Deutſchen Land⸗ komthure dringende Aufforderungen zur Beihuͤlfe an Geld und Mannſchaft ergehen laſſen, jedoch meiſt unter vielen Klagen uͤber den verarmten und ſchuldbeladenen Zuſtand der Balleien abſchlaͤgige Antworten erhalten. Solche waren ihm erſt juͤngſt auch wieder von den Landkomthuren vom Elſaß, von Utrecht und mehren andern zugegangen.) Die zudringlichen For⸗ derungen aber und ſelbſt Drohungen, welche ſich des Hoch 1) Schr. des HM. an d. Biſchof von Samland, d. Prag Sonnt. Exaudi 1522 Schbl. D. 317 (35). 2) Die Aufforderung zum Reichstage auf Aegidii⸗Tag, d. Nuͤrn⸗ berg 30 April 1522 Schbl VI. 1. 3) Schr. Georgs v. Eltz an d. HM. d. 30 Mai 1522 und das Vorſtellen deſſelb. an d. Erzherzog Ferdinand und deſſen Antwort, d. Ulm Mittw. nach Exaudi 1522 Schol. XXIX. 26. 29. 4) Schr. des Grafen Wilhelm v. Eiſenberg an d. HM. d. Koͤln Donnerſt. nach Judica 1522 Schbl. C. 187.
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Verhandlung des Deutſchmeiſters mit dem HM. (1522.) 653 meiſters Bevollmaͤchtigte hie und da erlaubt,“ hatten gegen die⸗ fen eine gewiſſe widrige Stimmung aufgeregt, die mehr oder minder bei allen Gebietigern in Deutſchland herrſchend gewor⸗ den war. Der Deutſchmeiſter ſelbſt, der von jeher eine gewiſſe opponirende Stellung gegen ihn eingenommen und die zuletzt geleiſtete Beihuͤlfe nur erſt nach langer Widerſetzlichkeit und nur mit Widerwillen zugeſtanden hatte, war nach der Ruͤck⸗ kehr jener Soͤldnerhaufen dadurch aufs neue ſchwer erbittert worden, daß dieſe nun, was er voraus befuͤrchtet, ſich in Ruͤck⸗ ſicht ihrer Soldforderungen an die Deutſchen Ordensguͤter hal⸗ ten wollten. Er glaubte daher jetzt die unter den Deutſchen Gebietigern herrſchende Stimmung benutzen zu müffen, um in der bisherigen Verwaltungsart des Hochmeiſters eine dieſen mehr beſchraͤnkende Veränderung zu bewirken. Nachdem er ſich daruͤber mit den wichtigſten ſeiner Gebietiger berathen, wandte er ſich mit einem Vorſtellen auch an den Meiſter von Livland. Es habe, ſchrieb er ihm, ſchon ſeit Jahren in Preuſ⸗ ſen in vielen Stuͤcken ein viel zu freies und weltliches Regi⸗ ment geherrſcht, indem der Hochmeiſter faſt alles nur mit welt lichen Raͤthen verhandelt und die Ordensgebietiger gar nicht hinzugezogen habe, woher es auch gekommen ſey, daß ſich der Hochmeiſter ohne ſeinen, des Deutſchmeiſters und ſeiner Gebie⸗ tiger und wohl auch ohne des Meiſters von Livland Rath in den verderblichen Krieg mit Polen eingelaſſen habe. Welchen Erfolg dieſer gehabt, liege offen am Tage. Preuſſen ſey ver⸗ heert und verbrannt; er und ſeine Landkomthure haͤtten ſtatt⸗ liche Beihuͤlfe geleiſtet; jetzt nehme das zuruͤckgekehrte Soͤldner⸗ volk das Deutſche Ordensgebiet wegen ſeines Soldes in An⸗ ſpruch und wolle befriedigt ſeyn. Von den Deutſchen Ordens⸗ guͤtern ſeyen wegen Anleihen ſchon ſo viele verkauft und ver⸗ pfaͤndet, daß es der Orden in hundert Jahren nicht werde ver⸗ 1) Graf Wilhelm v. Eiſenberg rieth z. B., der HM. moͤge gegen den Landkomthur v. Utrecht das brachium seculare gebrauchen und ein Breve gegen ſeine Perſon auswirken, „um den Schelm zu den ver⸗ langten 10,000 Gulden zu zwingen.“ P
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654 Verhandlung des Deutſchmeiſters mit dem HM. (1522. winden koͤnnen. Mit zweimalhunderttauſend Goldgulden fey der Schaden nicht zu beſtreiten. Aehnliches werde auch der Meiſter von Livland erfahren haben. „Obgleich es nun aber Noth thue, die Brandſtuͤtzen wieder aufzurichten und ſich in ein Weſen zu ſchicken, um länger Haus halten zu koͤnnen,“ ſo erfahre man doch, daß nach dem Kriege noch wie zuvor vom Hochmeiſter regiert, kein Gebietiger geachtet, wenige der⸗ ſelben im Lande gehalten, die noch uͤbrigen Truͤmmer von Flecken und Doͤrfern vom Meiſter zur Deckung von Kriegs⸗ ſchaden erblich weggegeben und alle Amts- Siegel, die er an ſich gebracht habe, zur Bekraͤftigung ſolcher Verſchenkungen gemißbraucht wuͤrden, und alles das geſchehe vom Hochmeiſter ohne der beiden Meiſter von Deutſchland und Livland und ohne aller Ordensgebietiger Einwilligung. So aber werde der Orden in Preuſſen nothwendig zu Grunde gehen. Weil man jedoch dann ihm und den übrigen Ordensgebietigern dieß zur Schuld beimeſſen werde, wie man denn wirklich öffentlich da⸗ von rede, ſo habe er in Berathung mit ſeinen Gebietigern es für unerlaͤßlich nothwendig befunden, ſich mit dem Meiſter von Livland uͤber eine Veraͤnderung zu verſtaͤndigen, „den Hoch⸗ meiſter zu bitten und zu warnen, ſolches Regiment abzuftellen und es zu des Ordens Ehre, Nutzen und Wohlfahrt einzu⸗ richten, wie es ſich nach des Ordens Regel, Gewohnheit und Statuten gebühre.” Der Deutſchmeiſter forderte daher den von Livland auf, jetzt beim Aufenthalte des Hochmeiſters in Prag und deſſen Reiſe nach Deutſchland eine Geſandtſchaft von einigen der vornehmſten Gebietiger zu ihm nach Horneck zu ſenden, um nach naͤherer Berathung mit dieſen dann das Noͤthige an den Hochmeiſter gelangen zu laſſen. Er ſprach die Hoffnung aus, letzterer werde ſich wohl guͤtlich unterweiſen laſſen und ſich in alles fügen, was ihm gezieme und was des Ordens Ehre und Nutzen verlange; widrigenfalls werde man ſich doch wenigſtens von aller Verantwortlichkeit gegen Gott und Menſchen befreien.“ 1) Dieſes merkwuͤrdige Schr. des DM. an d. Meiſter v. Livland, d. Nürnberg Donnerſt. nach Oſtern 1522 Schbl. DM. 31.
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Verhandlung des Deutſchmeiſters mit dem HM. (1522,) 655 Was der Meiſter von Livland dem Deutſchmeiſter hier⸗ auf geantwortet, iſt unbekannt; es ſcheint, als habe bei ihm die Sache keinen Anklang gefunden. Ohne indeß die Ant⸗ wort abzuwarten, ſandte der Deutſchmeiſter, um ſeinen Plan auch beim Hochmeiſter vorzubereiten, wie bereits erwaͤhnt, den Komthur von Heilbronn zu ihm nach Prag, theils um den Komthur von Koblenz, der eine von ihm geforderte Geldſumme nicht hatte entrichten wollen, gegen die ihm zugedachte Beſtra⸗ ſung wegen Ungehorſams in Schutz zu nehmen, theils um dem Hochmeiſter die Verwickelungen und Verlegenheiten aus⸗ einander zu ſetzen, in die er den Deutſchmeiſter durch die Wol⸗ fen und Dieterichen von Schoͤnberg gegebenen Befehle wegen Aufbringung von Soͤldnern und der uͤber dieſe anzuordnenden Befehlshaber gebracht, theils auch um ihm die nachdrücklich ſten Vorſtellungen daruͤber zu machen, daß das aus Preuſſen zuruͤckgekehrte Soͤldnervolk in feinen Soldforderungen, trotz der vom Hochmeiſter dem Deutſchmeiſter ausgeſtellten Verſchreibung wegen Schadloshaltung, ſich dennoch an den Deutſchen Or⸗ densguͤtern befriedigen wolle. Er forderte daher, das Deutſche Ordensgebiet für die zur Befriedigung der Söldner theils ſchon aufgewandten, theils noch aufzuwendenden Summen durch eine Schuldverſchreibung uͤber 68,000 bis 70,000 Gulden ſchadlos zu halten.) Der Hochmeiſter indeß, eben nicht geneigt, ſich jetzt mit dem Deutſchmeiſter in lange Verhandlungen einzulaſ⸗ ſen, ließ ihm die kurze und etwas ſpoͤttiſche Antwort bringen: er koͤnne nicht umhin, ſich wegen des bei ihm angebrachten Anſinnens fein gnaͤdig zu bedanken; die erwaͤhnten Punkte aber ſeyen zu wichtig, als daß er ſie nicht erſt ſelbſt und mit ſeinen Gebietigern naͤher erwaͤgen muͤſſe; er werde ohne Zwei⸗ fel bei ſeiner Reiſe nach Deutſchland den Deutſchmeiſter ſelbſt zu ſprechen Gelegenheit haben und ſich bis dahin auf eine Antwort bedenken und fie ihm dann mittheilen.) Damit 1) Inſtruction des DM. für den Komthur v. Heilbronn bei feiner Sendung an d. HM. Schbl. 106. 64. 2) Antwort des HM. auf das Anbringen des Komthurs v. Heil⸗ bronn, d. Prag Dienſt. nach Jubilate 1522 Schbl. 106. 64.
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656 unzufriedene Stimmung im Lande. (1522.) brach dießmal die Verhandlung ab. Sie bildet aber immer einen neuen Anfang vieler Verwicklungen und Streitigkeiten, die ſich durch die naͤchſten Jahre hindurchziehen. Der Hoch⸗ meiſter verweilte uͤbrigens in Prag noch bis in den Juli und begab ſich dann nach Franken, um dort dem Reichstage zu Nurnberg näher zu ſeyn.“ Mittlerweile hatten ſich auch die Verhaͤltniſſe in Livland und Preuſſen fuͤr den Hochmeiſter keineswegs guͤnſtiger geſtellt. Der Kurfinft von Brandenburg hatte unterdeß die Gebietiger von neuem aufs dringendſte um Entrichtung wenigſtens der Hälfte der Schuldſumme gemahnt.) Sie ſuchten ihn zu be⸗ gütigen, ihn immer auf die Beihuͤlfe des Livlaͤndiſchen Meiſters vertroͤſtend, ) bis endlich nach mehren Monaten von dieſem die Erklaͤrung kam: der Orden und die Staͤnde Livlands ſeyen nicht im Stande, dem Hochmeiſter mit der verlangten Summe von 35,000 Gulden für den Kurfürften zu Huͤlfe zu ſtehen.“) Für dieſen aber mußte es im hohen Grade ſchmerz⸗ lich ſeyn, einem Fuͤrſten, der ihm ſeit Jahren mit Guͤte und Wohlwollen entgegengekommen war, nicht einmal ſeine gerech⸗ teſten Forderungen befriedigen zu koͤnnen. In Preuſſen ſelbſt hatte ſich bald nach des Meiſters Abreiſe faſt allgemein eine hoͤchſt unzufriedene Stimmung verbreitet und am lauteſten in der Hauptſtadt Königsberg geäußert. Die Beſchluͤſſe der Pol⸗ niſchen Abgeordneten auf der letzten Tagfahrt zu Graudenz wegen des Verbotes der Ordensmuͤnze und wegen Aufhebung 1) Wir haben noch ein Schr. des HM. aus Prag vom Freit. nach Viſitat. Mariä 1522 Fol. Roͤm. Handl. p. 33. Der HM. ſagt darin ſelbſt, er habe ſich in Prag acht Wochen aufgehalten. 2) Schr. d. Kurfuͤrſten v. Brandenburg an d. HM. d. Koͤln Sonnt. Judica 1522. Schbl. B. 471. Das Schreiben kam nach des HM. Abreiſe an die Gebietiger. 3) Schr. des Biſchofs v. Samland u. unſerer Gebietiger an d. Kurfuͤrſten v. Brandenb., d. Montag zu Oſtern 1522. Schbl. C. 236 240. 4) Schr. des Livland. Meiſters an d. HM, d. Riga am T. Lau⸗ rentii 1522 Schbl. XXIX. 107. Die übrigen Nachweiſungen im In- dex corpor. histor. diplom. Livoniae T. II. 200.
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Handelsſperre an ben Graͤnzen Polens. (1522). 657 aller Handelsverbindungen mit den Ordenslanden bis zur Ab⸗ ſtellung der vom Hochmeiſter neu angeordneten Zoͤlle, die man von ihm verlangte, hatten bereits ihre fuͤr den Handel im Ordensgebiete aͤußerſt nachtheiligen Wirkungen gezeigt. Alle Straßen zu Waſſer und Land nach Polen, Maſovien und in des Koͤniges uͤbrigen Lande waren fuͤr das ganze Ordensgebiet mit einemmal geſchloſſen und alle Handelsgemeinſchaft unter⸗ brochen; auch hatte es dabei an den Graͤnzen zwiſchen den beiderſeitigen Unterthanen nicht an allerlei feindlichen Reibun⸗ gen und Haͤndeln gefehlt, wodurch die des Ordens viel hatten leiden muͤſſen.) Der Biſchof Georg von Samland hatte ſich zwar als Landesregent mit der Bitte an den König gewandt, den Beſchluͤſſen der Tagfahrt feine Genehmigung zu verſagen und die Verbote wieder aufzuheben, jedoch ohne Erfolg, denn der Koͤnig erklaͤrte vielmehr: er ſehe jene Beſchluͤſſe nach ſei⸗ nen dem Hochmeiſter ſo oft vorgelegten Klagen ſeiner Unter⸗ thanen über die ihnen fo hoͤchſt nachtheiligen Zölle in den Ordenslanden, die uͤberdieß allen Vertraͤgen widerſtritten, als vollkommen gerecht und billig an. Wie aus beſonderer Gnade hatte er nur erlaubt, daß die Ordensunterthanen in ſeinen Landen bei puͤnktlicher Entrichtung der Zölle alles, was fie wollten, aufkaufen koͤnnten, doch nur „für gutes Geld“, denn die nicht werthhaltige Muͤnze ſolle in ſeinem Lande nicht an⸗ genommen werden, weil er nicht zugeben koͤnne, daß ſich jemand auf Koſten und Schaden feiner Unterthanen bereichere.? Und doch war auch dieſe Gnade des Koͤniges nur auf Berei⸗ cherung ſeiner Unterthanen berechnet, denn der gegenſeitige Handel blieb auch forthin immer noch gehemmt. Der Hochmeiſter hatte aber ferner auch kurz vor ſeiner Abreiſe, um ſeine Reiſekoſten zu beſtreiten, eine neue Handels⸗ 1) Schr. d. Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Koͤnigsb. am Oſtertage 1522 Schbl. LXVII. 73. „Muͤſſen das Spiel, ſagt er, noch eine Zeitlang anſchauen, damit der Unglimpf unſerm Theile nicht zugemeſſen werde.“ 2) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Biſchof v. Samland, d. Wil- nae die s. Vitalis 1522 Schbl. XXV. 40. IX. 42
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658 unzufriedene Stimmung im Lande. (1522. auflage angeordnet, die bis zur Entſcheidung ſeiner Streitſache mit Polen erhoben werden ſollte. Von allen im Lande aus⸗ und eingefuͤhrten Handelsguͤtern nämlich ſollte von der Mark, ſofern die Waaren wirklich zum Verkaufe oder zum Umtauſch kaͤmen, ein Schilling gezahlt werden und nur unverkaufte oder wieder auszufuͤhrende Kaufgüter von der Abgabe frei ſeyn.) Auch dieſe neue Anordnung hatte bald die verderbliche Folge, daß aller Handel und alle Schifffahrt beſonders nach Koͤnigsberg faſt ganz aufhoͤrten. Kein Kaufmann aus andern Landen mochte dort mehr Geſchaͤfte treiben und da bald alle Zufuhr verzollbarer Waaren eingeſtellt war, ſo brachten auch die Zölle wenig oder nichts mehr ein. Die Bürger Koͤnigs⸗ berg erklaͤrten endlich, daß ſie die Auflage ferner nicht mehr entrichten wuͤrden. Es fruchtete nichts, daß der Biſchof von Samland und der Hauskomthur von Königsberg Adrian von Weiblingen ihnen daruͤber Vorſtellungen machten. Rathmanne, Schoͤppen, Kaufleute und Maͤlzenbraͤuer widerſetzten ſich der willkuͤhrlichen Anordnung, „die, wie fie erklaͤrten, nothwendig den größten Theil der Buͤrgerſchaſt an den Bettelſtab und um allen Erwerb bringen muͤſſe.“ Bei der allgemeinen Auf⸗ regung rieth man daher dem Hochmeiſter, zur Aufbringung des noͤthigen Geldes irgend eine andere. Einrichtung zu treffen, die den Handel mit dem Auslande nicht ſo ganz darnieder drucke. Der Biſchof von Samland blieb indeß noch fort und fort bemüht, theils mit den Staͤdten Königsberg wegen der erwaͤhn⸗ ten Auflage wo möglich noch eine Ausgleichung zu treffen, theils eine Zurücknahme der Beſchluͤſſe der Tagfahrt zu Grau⸗ denz zu bewirken. Zu dieſem Zwecke ſandte er gegen Ende 1) Verhandlung auf der Tagfahrt zu Marienburg Schbl. XXIX. 39 Anordnung des HM. zur Abſtellung mehrer Beſchwerden der drei Städte Königeberg u. zur Erhebung einer Landesabgabe, d. Königeb- Mont. nach Purif. Mariä 1522 Schbl. XXXIII. 23. 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Fiſchhauſen Dienſt. nach Jubilate 1522 Schbl. LXVII. 75. Schr. d. Hauskomth. v. Koͤnigsb. an d. HM. d. Freit. nach Jubilate 1522 Schbl. C. 257,
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Hemmung der Handelsthaͤtigkeit. (1522. 659 des Mai auf eine vom Koͤnige neu angeordnete Tagfahrt zu Marienburg einige Bevollmaͤchtigte, theils um den dort ver⸗ ſammelten koͤniglichen Raͤthen und Abgeordneten die Urſachen der Reiſe des Hochmeiſters und die daraus hervorgegangene nothwendige Anordnung der neuen Handelsauflage im richtigen « Lichte darzuſtellen, theils ihnen die Nothwendigkeit einiger im Ordensgebiete noch beſtehender Zoͤlle, z. B. an der Schleuſe bei Tapiau auseinander zu ſetzen, vorzuͤglich aber ſie durch eine Vorſtellung der vielen feindſeligen Irrungen und Störun⸗ gen, welche die Verbote der Ordensmuͤnze und der Einfuhr ins Ordensgebiet zur traurigen Folge haͤtten, wo moͤglich zur Aufhebung dieſer Verbote zu bewegen. Die Sperre der Zu⸗ fuhr, ließ der Biſchof erklaͤren, ſei eigentlich eine feindliche Maaßregel, die dem beſtehenden Anſtande widerſpreche und in Ruͤckſicht der Ordensmuͤnze habe bereits der Hochmeiſter Befehle zu einer Veraͤnderung ertheilt, nur laſſe ſich dieſe ohne großen Schaden nicht fo ſchnell ausführen. D Die koͤ⸗ nigl. Raͤthe ließen ſich indeß darauf nicht weiter ein. Die neue Handelsauflage erklaͤrten ſie fuͤr eine neue Beſchwerde der Unterthanen des Königes, die in und durch das Ordens⸗ land ihre Handelsgeſchaͤfte betrieben, deren Abſtellung alſo auch ſie verlangten. Dann erhoben ſie auch wieder Klagen auf Klagen uͤber Mißhandlungen und Beraubungen koͤnigl. Unterthanen in verſchiedenen Theilen des Ordensgebietes, wo⸗ für fie Schadenerſatz forderten.) „Man geht nur darauf aus, des Ordens Unterthanen zu kraͤnken und zu verderben“, ſchrieb der Biſchof dem Meiſter in Folge dieſer Tagfahrt. “ Sonach zeigte ſich noch gar keine Ausſicht, wie ſich das Land aus ſeiner Armuth und Ermattung irgend wieder zu 1) Inſtruction des Biſchofs v Samland fuͤr die Abgeordneten zur Tagfahrt in Marienburg Schbl. XXIX. 39. 2) Antwort der Poln. Raͤthe auf der Tagfahrt zu Marienburg auf das Anbringen der Ordensbevollmaͤchtigten, d. Freit. nach Urbani 1522 Schbl. XXIX. 39. 3) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. o. D. Schöl. LXVIL 44. 42 *
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660 Trauriger Zuſtand Preuſſens. (1522.) einigem Wohlſtande werde erheben koͤnnen. Zwar brachten es die Litthauiſchen Kaufleute, namentlich die in Kauen beim Koͤ⸗ nige durch vieles Bitten endlich dahin, daß die Sperre der Handelsſtraßen nach Preuſſen wieder aufgehoben wurde; es knuͤpften fi auch bald wieder Handelsverbindungen an, be⸗ ſonders kam der Litthauiſche Holzhandel theils nach Koͤnigs⸗ berg, theils tiber Koͤnigsberg nach Danzig wieder zu einiger Lebendigkeit, weil der Biſchof von Samland ſich geneigt fin⸗ den ließ, die beſchraͤnkenden Verordnungen wegen der Holz⸗ brake in Koͤnigsberg zu mildern. Allein fuͤr das Land trug dieß wenig aus. Die Herzoge von Maſovien blieben trotz aller Bitten ebenſo wie der Koͤnig feſt bei der angeordneten Sperre.) Ueberdieß traten auch wieder neue Mißhelligkeiten mit dem Biſchofe Fabian von Ermland ein, der ſich aufs bit⸗ terſte bei den Landesregenten beſchwerte, daß der Pfleger zu Guttſtadt Wilhelm von Schaumburg ſeine Unterthanen in bi⸗ ſchoͤflichen Waldungen auffangen, pfänden und in ihren Ge⸗ fchäften auf alle Weiſe hindern laſſe. Der Streit wurde vor⸗ züglich dadurch langwierig und in ſeinen Folgen nachtheilig, daß, waͤhrend der Biſchof von Samland dem Pfleger fin „unbilliges Vornehmen“ aufs ernſtlichſte verwies und ihn mit Nachdruck zur Ruhe ermahnte, der Hochmeiſter, dem andere Berichte zugekommen waren, von Nuͤrnberg aus den Pfleger ebenſo ernſtlich aufforderte, ſeinem Amte zu Guttſtadt in dem, was ihm zugehoͤre, durch den Biſchof nichts abdringen zu laſ⸗ ſen und dieſem durchaus keine Neuerungen zu geſtatten.“ Dabei fehlte es nicht mitten im Frieden an Ausbrüchen der 1) Schr. Dieterichs v. Schlleben an d. HM. d. Koͤnigsb. Sonnab. nach Jacobi 1522 Schbl. C. 185. Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Fiſchhauſen am T. Bartholom. 1522 Schbl. LXVII. 43. 2) Schr. des Biſchofs Fabian v. Ermland an die Landesregenten, d. Heilsberg Sonnab. nach Auguſtini 1522 Schbl. A. 210. 217. Schr. des Biſchofs v. Samland an d. Pfleger zu Guttſtadt, d. Fiſchhauſen Dienſt. nach Aegidii 1522 Schbl. LXVI. 65. Schr. des HM. an d. Pfleger zu Guttſtadt, d. Nürnberg Mont, nach Aller Heilig. 1522 Schbl. LXVI. 69.
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Riubereien u. Plackereien im Ordensgebiet. (1522.) 661 alten Feindſeligkeit faſt in allen Theilen des Landes. Bald uͤbten die Polen aus Brathean gegen die Stadt Neumark „allerlei Büberei“, lauerten auf den Jahrmaͤrkten den Neu⸗ maͤrkern auf allen Straßen auf, ließen keine Waaren in die Stadt zu, pluͤnderten und mißhandelten die von daher kom⸗ menden Landleute.) Bald brach ein Haufe bewaffneter Edel⸗ leute aus Maſovien raub⸗ und raufluſtig plotzlich ins Gebiet des Pflegers von Neidenburg ein, erbeuteten, was ihnen be⸗ gegnete, und verübten dabei allerlei Graͤuel.) Die Pfleger zu Wormditt und Preuff. Mark klagten über aͤhnliche Feind⸗ ſeligkeiten des Polniſchen Hauptmannes zu Mohrungen, der Pfleger zu Ortelsburg Über den Hauptmann zu Paſſenheim. Allgemein beſchwerte man ſich auch uͤber die Danziger und El⸗ binger, daß ſie nicht bloß koͤnigliche Unterthanen, ſondern ſelbſt fremde Kaufleute, die mit ihren Guͤtern das Ordensgebiet be⸗ ſuchen wollten, auf offenen Straßen anhielten und keine Zu⸗ fuhr erlaubten, auch den Ordensunterthanen ihre Guͤter und Waaren mit Arreſt belegten u. ſ. w. Man faßte endlich alle dieſe und aͤhnliche Klagbeſchwerden zuſammen und uͤberſandte ſie dem Koͤnige mit der Bitte, dafuͤr zu ſorgen, daß ſolchen Verletzungen des Beifriedens Einhalt geſchehe, zumal da mit⸗ unter Polniſche Beamte offen erklaͤrt hatten: alles geſchehe auf des Königes ausdruͤcklichen Befehl. Der Biſchof von Samland aber als Landesregent konnte und mochte bei ſolchen Klagen zu keinen ernſten Maaßregeln greifen; bald erklaͤrte er: „wir muͤſſen vorerſt ſtille bleiben“, bald: „wir muͤſſen dem Dinge zuſehen.“ Ueberdieß ſtand ihm unter den Ordensbeamten auch kein Mann zur Seite, der mit Kraft und Energie in der Verwaltung ihn hätte unterftüßen 1) Schr. Paul Faſolts an d. Biſchof v. Samland, d. Deutſch⸗ Eilau Mittw. nach Martini 1522 Schbl. C. 189. 2) Schr. des Koͤniges v Polen an d. Biſchof v. Samland, d. Vilnae XX Novemb. 1522 Schbl⸗ XXV. 24. 3) Klagartickel der Amtleute u. Unterthanen des Ordens, d. Mont. nach Thoma 1522 Schbl. XXIX. 38.
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662 Schlaffe Verwaltung des Ordensregiments. (1522). koͤnnen. Der alte Großkomthur Simon von Drahe war ein ſchwacher Greis. Seit dem Tode des Großkomthurs Nicolaus von Bach war das Amt eine Zeitlang unbeſetzt geblieben. Der Meiſter bot es im Sommer dieſes Jahres dem Grafen Wilhelm von Eiſenberg an und wollte ihn wieder nach Preuſ⸗ ſen verſetzen. Dieſer lehnte indeß die Wuͤrde wegen ſeiner ſchwaͤchlichen Geſundheit ab, worauf der Meiſter ſie dem Or⸗ densritter Jobſt Truchſes uͤbertrug, der ſich jetzt aber ebenfalls nicht in Preuſſen befand.) Die faſt ſchon ganz bedeutungs⸗ loſe Wuͤrde des Ordensmarſchalls bekleidete eigentlich immer noch Georg von Eltz, der auf dem Reichstage zu Nuͤrnberg die Sache des Ordens ſo viel als moͤglich wahrnahm. Da ihm der Hochmeiſter die Landkomthurei im Elſaß uͤbergeben hatte, welches Amt ihm jedoch der vom Deutſchmeiſter als Landkomthur im Elſaß erwaͤhlte Rudloff von Fridingen ſtreitig machte,?) fo trug der Hochmeiſter auf Georgs von Eltz eige⸗ nen Wunſch bei den Gebietigern in Preuſſen darauf an, ihm den Titel eines oberſten Marſchalls fuͤr ſeine Lebenszeit zu laſ⸗ ſen. Dieſe indeß verſagten ihre Zuſtimmung, weil ſolches dem Lande keinen Nutzen bringe; wolle Georg von Eltz das Amt behalten, fo muͤſſe er es nach alter Gewohnheit in Preuſſen ſelbſt verwalten.“) Noch aber war gar nicht abzuſehen, wann der Orden aus ſeiner bedraͤngten Lage gegen Polen werde befreit werden. 1) Schr. des Grafen Wilhelm v. Eiſenberg an d. HM. d. Koͤln Donnerſt. nach Viſitat. Maria 1522 Schbl. Adelsgeſch. E. 45. Der Graf billigt die Wahl des neuen Großkomthurs ſehr, „dieweil ich weiß, daß Herr Jobſt viel guter angeborener und erkannter Freunde in Preuſſen hat u. der Lande Sitten erfahren u. mit den Polen weiß zu handeln.“ 2) Schr. des Landkomthurs in Elſaß Georg v. Eltz an d. HM. d. Nürnberg 11. April 1522 Schbl. 103. 62. Schr. des Secreraͤrs Chriſt. Gattenhofer an d. HM. d. Nuͤrnb. Mittw. nach Exaudi 1522 Schbl. 103. 74. 77. 3) Schr. des alten Großkomthurs Simon v. Drahe, Adrians v. Weiblingen, Hanſens v. d. Gabelenz, Heinrichs v. Miltitz u. a. an den HM. d. Koͤnigsb. am T. Hedwigs 1522 Schbl. C. 192.
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Finanzbedraͤngniſſe des HM. (1522. 663 Weder in Wien, noch auf dem Reichstage zu Nuͤrnberg war zur Löͤſung der Hauptſtreitfrage auch nur das Mindeſte ge: ſchehen.) Es konnte auch nichts fruchten, wenn der König Heinrich der Achte von England dem Koͤnige von Polen ſeine große Zuneigung gegen den Hochmeiſter und den Orden zu erkennen gab und ihn dringend erſuchte, ſich mit jenen auf billige Bedingungen auszugleichen und ſeine Streitkraͤfte gegen die Türken zu verwenden.) Gelangte doch die Etreitfache auch felbft dadurch nicht weiter, daß der Kaiſer von Valladolid aus wie an den Koͤnig von Polen, ſo an den Meiſter und die Gebietiger in Preuſſen den Befehl erließ, ſich feinem Statt: halter und dem Reichsregiment zur Beilegung ihres Streites gefügig und geneigt zu zeigen, damit ſo bald als moͤglich ein friedlicher Vertrag zu Stande kommen koͤnne.) Der Hoch⸗ meiſter hatte ſich im Herbſt ſelbſt nach Nuͤrnberg begeben und von dorther dem Livlaͤndiſchen Meiſter die tröftende Hoffnung gemeldet, die Sache werde nun nach täglicher Muͤhe und An⸗ ſtrengung ſehr bald zu einem friedlichen Ende gedeihen; allein er bezweckte mit dieſer Nachricht offenbar nichts weiter, als den Meiſter zu einer Geldunterſtuͤtzung geneigt zu ſtimmen, wozu ihm freilich dieſer auch jetzt noch wenig Hoffnung gab, da ſich, wie er ihm meldete, weder in den Verhaͤltniſſen des Landes, noch in den Anſichten der Praͤlaten, Gebietiger und Stände bisher irgend etwas geändert und er alſo auch noch keine andere Antwort als die bereits gegebene erhalten habe. Er erklaͤrte ſich jedoch bereit, auch ferner alles aufzubieten, um wo möglich eine Huͤlfsſumme zur Forderung der Ordens⸗ 1) Schr. Georgs v. Eltz an d. HM. d. 24 Juni 1522. Schr. Chriſt. Gattenhofers an d. HM. d. Nuͤrnb. Mittw. nach Cxaudi 1522 Schbl. 103. 74. 2) Schr des Koͤniges Heinrichs VIII. v. England an d. Koͤnig v. Polen, d. ex Regia nostra apud Newhal. XXII Sept. 1522 Schbl. XXXII. 49. 3) Schr. des Kaiſers an d. HM. u. die Gebictiger in Preuſſen, d. Valladolid 3 Nov. 1522 Schbl. VI. 100.
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664 Schmäche und Ermattung des Ordens. (1523.) ſache aufzubringen.) Viel hartnaͤckiger bewieſen ſich noch fortwährend die Städte Königöberg, deren Näthe ſich gegen den Biſchof in ihren abſchlaͤgigen Antworten mitunter fo uns ſchicklicher Ausdruͤcke bedienten, daß er dem Hochmeiſter ſchrieb: „Summa Summarum es iſt ein Haufe grober Bauer. Kann nicht anders ſpuͤren, denn daß ſie gerne einen Widerwillen bei der Gemeine erwecken moͤchten.“ ) Dabei fehlte es auch nicht an „Ohrenblaͤſern“, die den Biſchof beim Meiſter wegen mancher Schritte in ſeiner Verwaltung zu verdaͤchtigen und Mißtrauen anzuregen ſuchten, ſo daß es wirklich auch zu man⸗ cherlei Mißverſtaͤndniſſen zwiſchen beiden kam, die ſich jedoch immer bald wieder ausglichen. ) So nothwendig und heilſam aber unter ſolchen Umſtaͤnden die Ruͤckkehr des Hochmeiſters auch geweſen waͤre, ſo zeigten ſich dazu doch auch mit dem Anfange des Jahres 1523 noch gar keine Ausſichten, denn da der Erzherzog Ferdinand und der Koͤnig von Ungern Tag und Malſtatt ihres ſchiedsrichter⸗ lichen Ausſpruches nur mit Vorwiſſen und Einwilligung des Koͤniges von Polen beſtimmen wollten, dieſer aber den Auf- ſchub der Sache eben nicht ungerne zu ſehen ſchien, weil er nach Ablauf des vierjaͤhrigen Anſtandes bei der Schwaͤche und Ermattung des Ordens um ſo ſicherer an fein erwuͤnſchtes Ziel zu kommen hoffte, ſo war kaum abzuſehen, ob uͤberhaupt die Entſcheidung auf dem eingeſchlagenen Wege werde erfolgen koͤnnen. Albrecht, dieß alles wohl erkennend, erſuchte daher ſeinen Bruder den Markgrafen Johann, beim Kaiſer einen 1) Schr. des Meiſters v. Livland an d. HM. d. Ruyen Freit. am Abend Nicolai 1522 Schr. XXIX. 110. Schr. des Livland. Meiſters an d. Bifchof v. Samland, d. Ruyen Freit. nach Barbara 152 Schbl. XXIX. 112. 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Fiſchhauſen Donnerſt. nach Concept. Mariͤ 1522 Schbl. LXVII. 76. 3) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Fiſchhauſen am T. Lucid 1522 Schbl. LXVII. 74; namentlich ein Streit über die bi- fchöfliche Jurisdiction bei Beſtrafung eines Pfarrers.
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Finanzbedraͤngniſſe des HM. (1523.) 665 Befehl auszuwirken, nach welchem die Schiedsrichter ſofort ohne weitere Anfrage beim Koͤnige von Polen oder bei ihm ſelbſt Tag und Malſtatt feſtſetzen ſollten, wie dieß auch dem Compromiſſe vollkommen gemäß ſey.) Was dem Hochmeifter aber feinen Aufenthalt in Deutſchland beſonders druͤckend machte, war die Hülflofigkeit und finanzielle Bedraͤngniß, in der er ſich befand. Er wandte ſich um Beihuͤlfe an den Fraͤnkiſchen Adel und an die Grafen und die Ritterſchaft des Steigerwaldes, die ſich eben damals zu andern Berathungen verſammelt hat⸗ ten. Allein von beiden kamen nur weitausſehende Verſprechun⸗ gen, die nur gegeben ſchienen, um den Hochmeiſter mit einer abſchlaͤgigen Antwort zu verſchonen.) Er hatte ſich ferner auch wieder an den Deutſchmeiſter wenigſtens um eine Hulfs⸗ ſumme von zweitauſend Gulden gewandt und ihn zugleich um eine perſoͤnliche Zuſammenkunft erſucht. Fuͤr dieſe indeß be⸗ ſtimmte der Deutſchmeiſter eine für den Hochmeiſter ganz uns gelegene Zeit, und auf das erſte Geſuch erhielt dieſer nicht ein⸗ mal eine Antwort.“) Ueberdieß traten jetzt zwiſchen beiden neue Verwickelungen ein, denn als der Hochmeiſter erfuhr, daß der Deutſchmeiſter es beim Kaiſer zu bewirken ſuche, zum Keichsfürften mit den einem ſolchen gebuͤhrenden Privilegien ernannt zu werden, war er bemüht, dieſes auf alle Weiſe zu hintertreiben, weil eine ſolche Stellung des Deutſchmeiſters ſich mit dem Gehorſam und der Untergebenheit, die dieſer ihm als Oberhaupt des Ordens ſchuldig war, unvereinbar zu ſeyn ſchien. Daß der Deutſchmeiſter fruͤher ſchon zu einem Fuͤrſten erhoben worden war, ſchien ihm nur deshalb geſchehen zu ſeyn, damit 1) Schr. des HM. an d. Markgr. Johann v. Brandenburg, d. Nürnberg Dienft. nach Antoni 1523 Schbl. C. 418. 2) Schr. des Fraͤnkiſ. Adels an d. HM. d. Schweinfurt Freit. nach Converſ. Pauli 1523. Schr. der Grafen u. der Nirterfchaft des Steigerwaldes an d. HM. d. Sonnt. Oculi 1523 Schbl. XXIX. 37. 38. 3) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck am T. Converſ. Pauli u. Mittw. nach Purif. Mariä 1523 Schbl. DM. 64. 71.
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666 unzufriedene Stimmung in Preuſſen. (1523.) er in des Hochmeiſters Abweſenheit feine Stelle im Reiche, namentlich auf Reichstagen vertreten koͤnne. “ Aus Preuſſen konnte Albrecht wenig auf Beihuͤlfe rechnen. In Koͤnigsberg hatten die fortwährenden Bemühungen des Bi⸗ ſchofs und der Ordensbeamten wegen Erhebung der erwaͤhnten Handelsabgabe die unruhigſten Bewegungen zur Folge gehabt. In einer Kirche vor dem Sacramente hatten ſich Rath und Gemeine verbunden, Alle fuͤr einen Mann zu ſtehen und ſtets mit entſchiedenem Willen und allem Nachdruck allen Anforderun⸗ gen entgegenzutreten. Gegen den Biſchof zumal, der bei einem großen Theile der Buͤrgerſchaft verhaßt war, hatten wiederholt, ſo oft er die aufgeregten Volkshaufen durch Vorſchlaͤge und Vorſtellungen zu beruhigen geſucht, die wildeſten Ausbruͤche des Zorns und des Ingrims Statt gefunden. Er beſaß Überhaupt wenig Vertrauen in der Stadt und konnte daher auch wenig zur Wiederherſtellung der Ruhe wirken. Viele verlangten Hein⸗ richen von Miltitz zum Landesverwalter, weil dieſer des Landes Rechte und Gewohnheiten am beſten kenne. Man vermuthete indeß, daß auch ein Theil der Ordensherren, unter denen eben⸗ falls Hader und Zwietracht herrſchten, bei dieſen Unruhen ihre Haͤnde mit im Spiele haͤtten. Gegen den Hochmeiſter ſelbſt hoͤrte man taͤglich neue ſchwere Anklagen. „Nun er alles weg⸗ gegeben, hieß es, Friedland fuͤr einige tauſend Mark verſetzt, Kaimen einer Gevatterſchaft wegen verſchenkt, Loͤtzen und an⸗ dere Guͤter an Dieterich von Schlieben verliehen, Angerburg an Chriſtoph Schenk verſchrieben hat und auch Wehlau ſchon feil geboten iſt, nun ſollen die Buͤrger Koͤnigsbergs ihm Huͤlfe leiſten; ſind denn die Buͤrger nur da, um ſeine Beutel zu fuͤl⸗ len? u. ſ. w.) Das Beiſpiel Koͤnigsbergs aber wirkte natuͤr⸗ lich auch auf die kleinern Staͤdte, denn ſo ernſt und nachdruͤck⸗ 1) Schr. des HM. an d. Markgr. Johann v. Brandenburg, d. Nuͤrnberg Dienſt. nach Antonii 1523 Schbl. C. 418. 2) Schr. des Secretairs Chriſt. Gattenhofer an d. HM. d. Freit. nach Lichtmeß 1523 Schbl. C. 169. 3) Schr. Chriſt. Gattenhofers an d. HM. d. Donnerſt. nach Apollonia 1523 Schbl. C. 164.
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Tod des Biſchofs Fabian v. Ermland. (1523.) 667 lich auch der Biſchof die Einziehung der von den Ständen für das vorige Jahr zugeſagten Ziſe den Ordensbeamten anbefahl, fo beſchwerten ſich daruber nicht bloß viele, ſondern verweigerten auch die fernere Leiſtung.) Selbſt der Bernſtein⸗Ertrag, der ſonſt zuweilen in der Noth ausgeholfen, war im vorigen Herbſt nur ſehr unbedeutend geweſen.) Die Finanzverhaͤltniſſe in Preuſſen waren daher in einem ſo traurigen Zuſtande, daß der Biſchof von Samland dem Hochmeiſter bei der Meldung des Todes des Ermlaͤndiſchen Biſchofs freudig hinzuſügte: nun werde der Meiſter auch nicht mehr um die fuͤnfhundert Mark, die er dem Biſchofe ſchulde, gemahnt werden, denn die Waͤl⸗ ſchen ſpraͤchen: ein Todter macht keinen Hader.“ Auch dieſer Todesfall erregte neue Beſorgniſſe. Kaum war der Biſchof Fabian am 30ſten Januar verſchieden,“ als der Polniſchgeſinnte Ermlaͤndiſche Vogt Georg Preycke ſich des Schloſſes zu Heilsberg bemaͤchtigte, um es zur weitern Ver⸗ fügung des Koͤniges von Polen zu ſtellen, fo daß er nicht ein⸗ mal den Domherren von Frauenburg eine Verſiegelung erlaubte, ſogar des verſtorbenen Biſchofs Bruder und Mutter ſofort aus dem Schloſſe vertrieb, ihnen den Leichnam am Schloßthore auslieferte, damit er durch einige Buͤrger nach Frauenburg ge⸗ bracht und da beſtattet werden konnte. Das alles aber geſchah, wie man vermuthete, auf des Koͤniges heimlichen Befehl.“) 1) Schr. des Pflegers v. Wormditt an den Hauskomthur zu Koͤ⸗ nigsb. d. Wormditt Sonnab. nach Invocav. 1523 Schbl. A. 312. 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an Chriſt. Gattenhofer, d. Fiſchhauſen am T. Simon u. Judaͤ 1522 Schbl. LXVII. 40. Ein großer Sturm hatte kaum einen Hut voll Bernſtein gebracht. 3) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Koͤnigsb. Donnerft, nach Apollonia 1523 Schbl. LXVIL 60. „Die Walen ſprechen: Mortuo non fa guerra.“ 4) Dieſen Todestag giebt ein Schr. des Secretaͤrs Chriſt. Gatten⸗ hofer an d. HM. d. Freit. nach Lichtmeß 1523 Schbl. C. 169 an. Er fuͤhrt an: man ſage, der Biſchof ſey erſtickt. Andere Nachrichten über ſeinen Tod bei Hartknoch Kirchengeſch. S. 156. 5) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Koͤnigeb. Donnerſt. nach Apollonia 1523 Schbl. LXVII. 60.
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668 Die Biſthuͤmer Ermland u. Pomeſanien. (1523.) So ſtand in Preuſſen ein zweites Biſthum ohne Oberhaupt da. Daß bei der Wahl eines neuen Biſchofs von Ermland der König von Polen fein Intereſſe verfolgen und feine Wüns ſche durchzuſetzen ſuchen werde, war ſchon völlig gewiß, denn wie ſchon vor dem Tode des letzten Biſchofs der Hochmeiſter bemuͤht geweſen, durch ſeine Bruͤder die Markgrafen Johann Albrecht und Gumprecht in Verbindung mit dem Ordensprocu⸗ rator Georg Buſch in Rom zu bewirken, daß das Biſthum bei einer neuen Biſchofswahl in die Hände des Ordens ges bracht werden moͤge, ſo hatte auch bereits der Koͤnig mit dem Domkapitel zu Frauenburg wegen der Wahl einer ihm wohls gefaͤligen Perſon in Unterhandlungen geſtanden, der er ſein Beneplacitum ertheilen koͤnne.) Der Hochmeiſter hatte nun kaum Nachricht von des Biſchofs Tode, als er feinem Bruder Johann Albrecht und dem Ordensprocurator alsbald den Auf⸗ trag ertheilte, dem Papſte die Wichtigkeit und alle die Vortheile auseinander zu ſetzen, die eine Vereinigung des Biſthums Erm⸗ land mit dem Orden fuͤr die Ruhe und den Frieden des Landes haben werde, zumal da dieſer im letzten Kriege ſchon den gröͤß⸗ ten Theil deſſelben erobert habe. Er wuͤnſchte dieß jetzt um ſo mehr, da er vernahm, daß auch im Biſthum Pomeſanien die Polen ſich immer mehr in die biſchoͤfliche Jurisdiction ein miſchten und in die Gerechtſame des Ordens eingriffen, denn auch die Streitfrage, wer hier eigentlich Biſchof ſeyn ſolle, war am paͤpſtlichen Hofe noch nicht erledigt. Der Papſt ſchien zwar geneigt, dieſes Biſthum dem Orden wieder zuzuwenden; allein letzterer ſollte ſein Recht auf daſſelbe erſt durch eine Summe von mehr als tauſend Ducaten gewiſſermaßen wieder erkaufen, worauf ſich der Hochmeiſter auf keine Weiſe einlaſſen, ſondern ſein altes Recht durch den Rechtsgang geltend machen wollte. „Mit Bullen und Briefen, ſchrieb er dem Procurator, ſoll doch der Kardinal de Groſſis das Schloß Rieſenburg mir 1) Schr. des HM. an die beiden genannten Markgrafen in Rom, d. Mont. nach Franciſci 1522 Fol. Rom, Handl. p. 53.
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Verlaſſene Lage des HM. (1523.) 669 num und nimmermehr nehmen.“) Dieß verdroß den Papſt aber dermaßen, daß er auf den Antrag wegen des Biſthums Ermland unwillig antwortete: „er wolle in der Sache gar nichts thun, weder für den Hochmeiſter noch für den Koͤnig von Polen, ſondern überall darin ſtille ſtehen“;? und fo geſchah vorerſt auch nichts weiter. Ueberall alſo, wo der Hochmeiſter in ſeinen Bedraͤngniſſen Huͤlfe und Rath erwarten zu duͤrfen glaubte, beim Deutſch⸗ meiſter, beim Meiſter von Livland, beim Papſte, ſtand er ver⸗ laſſen da. Auch bei dem ſchlaffen Koͤnige Ludwig von Ungern hatte er mit feinem erwähnten Antrage kein Gehör gefunden. „Man habe keine Luft, ſchrieb ihm fein Bruder der Markgraf Georg aus Ofen, den Hochmeiſter oder andere Ausländer im Dienſt zu haben; eher faͤnden Teufel dort Kunden als er und. der Meiſter “.) Es hatte auch keinen Erfolg, daß fi Als brecht durch die Grafen Bernhard von Solms und Eberhard zu Königsftein um Beihuͤlfe an den Rheinlaͤndiſchen Adel wandte, denn die Streithaͤndel der Fuͤrſten, des Erzbiſchofs von Trier, des Pfalzgrafen Ludwig vom Rhein und des Landgrafen Philipp von Heſſen nahmen dort alle Kraͤfte in Anſpruch und erlaubten nicht einmal, daß ſich der dortige Adel fuͤr die er⸗ wuͤnſchten Zwecke des Hochmeiſters verſammeln konnte. ) Gerne nahm dieſer daher das Anerbieten ſeines Vetters des Erzbiſchofs von Mainz an, ihn beim Reichsregiment zu Nuͤrnberg auf ein Vierteljahr neben dem kaiſerlichen Statthalter in der Seſſion zu vertreten und feine Gefchäfte dabei zu beſorgen, wofuͤr ihm dieſer das damit verbundene Einkommen von tauſend Gulden 1) Schr. des HM. an d. Procurator Georg Buſch, d. 24 April 1523 Fol. Röm. Handl. P. 86. Schr. des HM. an denſelb. d. Nürn- berg 4 Mai 1523 Schbl. D. 581. 2) Schr. des Markgr. Johann Albrecht an d. HM. d. Rom 30 Mai 1523 Fol. Roͤm. Handl. p. 90. 3) Schr. des Markgr. Georg v. Brandenb. an d. HM. d. Ofen Donnerſt. nach Petri u. Pauli 1523 Schbl. B. 724 (a). 4) Schr. der Grafen v. Solms u. Koͤnigſtein an d. HM. d. Koͤ⸗ nigſtein Freit. nach Oculi 1523 Schbl. XXIX. 39. 41.
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670 Streitige Verhältniffe des HM. mit d. Deutſchmeiſter. (1523.) zuſicherte. Nachdem er ſich daher im Fruͤhling einige Zeit in Schleuſingen und dortumher aufgehalten, feſſelte ihn dieſe Stel⸗ lung wieder an Nuͤrnberg, wo er nun an den Reichsgeſchaͤften mit Theil nahm.“ Dort aber kam er bald in neue aͤrgerliche Verhandlungen mit dem Deutſchmeiſter. Dieſer naͤmlich glaubte die jetzigen Bedraͤngniſſe des Hochmeiſters benutzen zu muͤſſen, um ſeinen fruͤher erwaͤhnten Plan der Beſchraͤnkung der hochmeiſterlichen Gewalt, ſo viel ihm moͤglich war, durchzuſetzen und ſowohl ſich ſelbſt als dem Deutſchen Ordensgebiete uͤberhaupt eine freiere Stellung gegen den Hochmeiſter zu verſchaffen. Er erbot ſich demnach jetzt, dem letztern mit einer Summe von ſiebentauſend Gulden zu Huͤlfe zu kommen, unter der Bedingung, daß er zehn ihm vorgeſchriebene Artickel genehmige. Darunter waren die wichtigſten: der Hochmeiſter ſolle ſich gegen den Deutſch⸗ meiſter und das Deutſche Gebiet fuͤr ſich und ſeine Nachkommen verpflichten, der Wahl eines Deutſchmeiſters in keiner Weiſe einen Eintrag zu thun, niemand zu deſſen Amt zu fordern oder vorzuſchreiben, ſondern den, der nach geſchehener Wahl ihm als der Tuͤchtigſte praͤſentirt werde, ohne weiteres zu beſtaͤtigen; er ſolle ferner der Regalien wegen, die ein Deutſchmeiſter bereits habe oder noch erhalten werde, keine Neuerung oder Verhinde⸗ rung einlegen oder vorwenden; er ſolle fortan keine ſo belaͤſti⸗ genden Verſchreibungen, wie ſie den Preuſſiſchen Soͤldnern ge⸗ gegeben ſeyen, mehr ausſtellen, worin er das Deutſche Gebiet mit verhafte und des Ordens Freiheit aufhebe; er ſolle ſich auf keine Weiſe mehr unterfangen, Obrigkeiten im Deutſchen Ge⸗ biete ein⸗ oder abzuſetzen oder Anweiſungen auf Praͤlaturen, Komthureien oder ſonſtige Aemter zu geben; er ſolle das Deutſche 1) Schr. des Erzbiſchofs v. Mainz an d. HM. d. Halle in der Moritzburg Mittw. nach Laͤtare 1523 Schbl. V. 69. Schr. deſſelb. an d. kaiſ. Statthalter und die Raͤthe des Reichsregiments, d. Halle Mittw. nach Jubilate 1523 Schbl. V. 71. Schr. des HM. an d. Erzbiſchof, d. Schleuſingen Mont. nach Exaudi 1523 Schbl. V. 70. Schr. des HM. an d. Erzbiſchof wegen Uebernahme der Seſſion, d. Nürnberg Dienſt. nach Philippi u. Jacobi 1523 Schbl. D. 580,
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Streitige Verhaͤltniſſe des HM. mit d. Deutſchmeiſter. (1523.) 671 Gebiet hinfort in keiner Art mehr mit Anſchlaͤgen, Steuern oder Auflagen belaͤſtigen, ſofern nicht die Gebietiger es ſelbſt für billig und nöthig erkennten und der Deutſchmeiſter aus⸗ druͤcklich darein gewilligt habe; im Fall, daß gegen dieſe Punkte oder auch nur einen derſelben von Päpften, Kaiſern oder Kö: nigen cine Befreiung, Briefe oder Mandate ausgewirkt wuͤrden, welche dem Deutſchen Gebiete nachtheilig wären, ſolle der Hoch⸗ meiſter ſich derſelben nicht bedienen, ſondern fie für kraftlos und ungültig erklaͤren. Der Papſt aber und der Kaiſer als die zwei Oberhaͤupter im Geiſtlichen und Weltlichen ſollten dieſe Punkte beſtaͤtigen.) Eine Geſandtſchaft der vornehmſten Deutſchen Gebietiger überbrachte dem Meiſter dieſe Artickel nach Nurnberg.) Um ihn zu ihrer Annahme zu bewegen, war ihnen eine beſondere Inſtruction mitgegeben, welche das Reſultat einer Berathung des Deutſchmeiſters mit ſeinen Gebietigern enthielt und worin die Forderung aufgeſtellt war, daß der Hochmeiſter laut der für das Deutſche Gebiet gegebenen Verſchreibung über Schad⸗ loshaltung wegen der zur Befriedigung der Söldner vorgeſtreck⸗ ten Geldſumme jetzt dem Deutſchmeiſter die beiden Balleien Koblenz und an der Etſch ſo lange einraͤumen ſolle, bis daraus die Ausgabe fir die Soͤldner gedeckt ſey. Ueberdieß ließ der Deutſchmeiſter auch die Vollfuͤhrung des mit dem Koͤnige von Polen aufgenommenen Compromiſſes als ſehr nothwendig dar⸗ ſtellen, um dem Könige keinen weitern Anlaß zu neuen Irrungen zu geben, erklaͤrte aber dabei, daß das Deutſche Gebiet dazu durch eine Geldbeiſteuer mitzuwirken außer Stand ſey, da es bereits dem Hochmeiſter in ſeinen Bedraͤngniſſen ſo bedeutende 1) Die zehn Artickel in zwei Abſchriften Schbl. 106. 59; im Original in der vom HM. ausgeſtellten Urkunde, d. Nuͤrnberg 28 De⸗ temb. 1525 Schbl. 98. 13. 2) Nach den vom DM. für die Geſandten ausgeſtellten Credenz⸗ ſchreiben, d. Horneck Sonnt. Judica 1523 Schbl. 106. 56 waren es: Wolfgang v. Eiſenhofen Landkomthur v. Franken, Wolfgang v. Bibra Komthur v. Virnsberg, Wilhelm v. Neuhauſen Komthur v. Kaffen⸗ burg und Friederich Sturmfeld (1) Komthur v. Blumenthal.
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672 Streitige Verhaͤltniſſe des HM. mit d. Deutſchmeiſter. (1523.) Opfer gebracht.) Kurz es war alles darauf berechnet, die⸗ ſen zur Annahme der ihm vorgelegten Artickel zu zwingen. Albrecht ſchien nach reiflicher Erwägung feiner Verhaͤltniſſe nicht ganz abgeneigt, einige dieſer Punkte zu genehmigen, jedoch nur unter Modificationen und „nicht fo gründlich und lauter als der Buchſtabe ausweiſet“, wie er ſich ausdruͤckte. Da indeß die Gefandten den Befehl hatten, vom Laute der Artickel in keiner Weiſe abzuweichen, „weil ſie nun einmal ſo feſt beſchloſſen ſeyen“, ſo brach er die Verhandlung ohne wei⸗ teres ab,? ließ aber dem Deutſchmeiſter durch die Geſandten erklaͤren: man entnehme aus den Artickeln, daß ſie auf nichts anderes hinzielten, als auf Freiheit von des Hochmeiſters Obrig⸗ keit, ſchon darum ſeyen fie ihm „unleidlich, beſchwerlich und unthunlich“; er hoffe nicht, daß er durch ſeine bisherige Re⸗ gierung das Mißtrauen verdient habe, welches der Deutſch⸗ meiſter gegen ihn zu hegen ſcheine, denn er habe ſich bisher in allem ſeinen Thun fuͤrſtlich und dergeſtalt gehalten, daß man es ſich von ihm nicht verſehen ſolle, als werde er wider altes Herkommen irgend etwas vornehmen; er werde ſtets ſo han⸗ deln, wie es ihm als Hochmeiſter und Fuͤrſten aus dem Hauſe Brandenburg ehrlich und fuͤrſtlich anſtehe. Er machte dann auf mehre einzelne Punkte auſmerkſam, durch welche nicht bloß vor dem gemeinen Manne in dieſer Zeit, „wo ohnedieß uͤber die Geiſtlichkeit viel Geſchrei und Raſen gehe“, der gute Name des Ordens verunglimpft und dieſer „als eine unnuͤtze Reli⸗ gion“ betrachtet, ſondern auch der Papſt und der Kaiſer zum Zorn und Unwillen aufgereizt werden muͤßten. Er forderte daher endlich den Deutſchmeiſter und deſſen Gebietiger auf, auf leidlichere und geziemendere Mittel und Wege zu denken, 1) Inſtruction des DM. fuͤr die eben genannten Geſandten, Schbl. 106. 60. Die für den HM. zu feiner Unterſtuͤtzung verwandten Koften werden hier auf 80,000 Rhein. Gulden, und dann alle einzelne Opfer und Leiſtungen des Deutſchen Gebietes auf 70,000 Gulden angegeben, die beſonders das Meiſteramt und die Ballei Franken geleiſtet Hätten. 2) Eine Verhandlungsſchrift darüber Schbl,. XXIX. 20,
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Streitige Verhaͤltniſſe des HM. mit d. Deutſchmeiſter. (1523.) 673 und erſuchte ſie nochmals, ihn zur Ausfuͤhrung des Compro⸗ miſſes mit einer Huͤlfsſumme von funfzehntauſend Gulden zu unterſtuͤtzen.“ Der Deutſchmeiſter gab hierauf die Antwort: die Ver⸗ ſchreibung der Artickel verlange er aus gewichtigen Urſachen und wegen der Verhaͤltniſſe feines Gebietes, nicht aber aus et⸗ wanigem Mißtrauen gegen den Hochmeiſter; er koͤnne ſelbſt ermeſſen, daß es einem Deutſchmeiſter nicht gebuͤhre, nach ein⸗ mal gefaßtem Beſchluſſe eine Veraͤnderung der Artickel vor⸗ zunehmen; er moͤge alſo die ihm vorgelegten Beſchwerden und ſein, des Deutſchmeiſters, und der Ballei Franken gaͤnzliches Unvermögen und Verderben, ſowie ihre bisherige Treue und Bereitwilligkeit ſorgſam erwaͤgen und es an der Verſchreibung der Artickel nicht fehlen laſſen, weil ſie nichts Neues verlangten, ſondern des Ordens Regeln und Statuten ſolches alles aus⸗ wieſen. Dann ſolle auch uͤber die von ihm erbetene Hülfe zur Ausführung des Compromiſſes weiter verhandelt werden. Ver⸗ weigere jedoch der Hochmeiſter die Verſchreibung, ſo werde er, der Deutſchmeiſter, „der jetzigen geſchwinden, aufrührerifchen und beſorglichen Zeitlaͤufte wegen, die dem Orden bevorſtaͤnden“, ſeine Gebietiger zu einem Geſpraͤche berufen, ihnen des Hoch⸗ meiſters Entgegnung vorlegen und deren weitere Beſchluͤſſe ihm mittheilen. 2 Es ſchien dem Hochmeiſter nicht rathſam, den Streit mit dem Deutſchmeiſter jetzt weiter zu treiben; er ließ ihn mehre Monate ruhen, weil er fuͤr nothwendiger hielt, zuerſt die Streitſache mit Polen ſo viel als moͤglich zu foͤrdern. Der König ging darin mit aller Schlauheit zu Werke. Waͤh⸗ rend er ſeine Botſchaſter bis nach Spanien an den Kaiſer ſandte, um durch allerlei Vorſtellungen eine Veraͤnderung des 1) Die Erklaͤrungen des HM. u. ſeiner Abgeordneten Georgs v. Eltz und Friederichs v. Heideck über die zehn Artickel, d. Freit. nach Oſtern 1523 Schbl. 106. 57. DM. 56. 61. 2) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck Samſt. nach Philippi u. Jacobi 1523 Schbl. XXIX. 13. IX. 43
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674 Schlaues Verfahren des Koͤniges v. Polen. (1523.) Compromiſſes zu bewirken, was ihm jedoch durch den Mark⸗ grafen Johann von Brandenburg vereitelt ward,“ bot er in Preuſſen alles auf, um jeden Vorwurf der Unſriedfertig⸗ keit zu vermeiden, ordnete daher auch auf die Klagen des Bi⸗ ſchofs von Samland Über Ungerechtigkeiten ſeiner Beamten gegen Unterthanen des Ordens ſogleich eine Tagfahrt zu Graudenz an, auf welcher alles ſtreng verhoͤrt und gerichtet und ge⸗ ſchlichtet werden ſollte. Sie fand auch wirklich Statt; “ es ward zwar wie gewöhnlich wenig von Bedeutung dort ent⸗ ſchieden; allein dreiſt und kuͤhn konnte der Koͤnig doch nun beim Reichsſtatthalter, den Reichsfuͤrſten und Reichsſtaͤnden gegen die vom Hochmeiſter bei dieſen angebrachten Klagen über Verletzung der Ordensgebiete und Belaͤſtigung der Ordens⸗ unterthanen mit der Gegenbeſchwerde auftreten: es ſey ſeiner Seits alles geſchehen, was zum Frieden diene; allein er habe laͤngſt gewußt, daß der Hochmeiſter ihn aller Orten anklage, wiewohl doch allbekannt ſey, daß gerade alles, weſſen er die Unterthanen des Koͤniges oder ihn ſelbſt bezüchtige, von ihm, dem Hochmeiſter und deſſen Unterthanen veruͤbt werde. So habe auch zur Anordnung neuer Zölle der Hochmeiſter zuerſt Anlaß gegeben, denn es ſey doch billig, daß man Gegen Zölle eingerichtet habe. „Aber wir achten wahrlich dafür, erklaͤrte der Koͤnig, daß alles Klagen des Hochmeiſters ſich nur dahin wendet, uns in der Fuͤrſten Ungunſt zu bringen und ſich wider uns Huͤlfe und Beiſtand, dem Compromiſſe entgegen, zu ver⸗ ſchaffen. Wollen die Fuͤrſten ihm aber ja mit Rath und Hülfe beiſtehen, ſo ſeyen ſie ihm darin beiſtaͤndig, daß durch ihn der 1) Schr. des Markgr. Johann v. Brandenb. an d. HM. d. Valladolid 14 Febr. u. Freit. nach Reminiſ. 1523 Schbl. B. 730. 731. Schr. des Hofmeiſters Georg v. Wolmershauſen an d. HM. d. Valla⸗ dolid 14 Febr. 1523 Schbl. XXIX. 40. 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Dienſt. nach Reminiſ. 1523 Schbl. LXVII. 47. Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Biſchof v. Samland, d. Krakau 8 April 1523 Schbl. 71. 71. Voll⸗ macht des Biſchofs v. Samland fuͤr die Sendboten zur Tagfahrt, d. Fiſchhauſen Dienſt, nach Miſericerd. 1523 Schbl. 71. 33, L. 45.
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Der HM. ſucht die Huͤlfe d. deutf. Fuͤrſten. (1523.) 675 Krieg nicht wieder erneuert, ſondern Friede und Einigkeit zwi⸗ ſchen uns laut des Anlaſſes aufgerichtet werden, was wir von Herzen wuͤnſchen, indem wir alle Urſachen des Krieges flie⸗ hen.“ ) Der Reichsſtatthalter und die Reichsſtaͤnde erwieder⸗ ten dem Koͤnige: keineswegs meſſe der Hochmeiſter dem Koͤnige ſelbſt, ſondern nur deſſen Amtleuten die Bedraͤngungen der Ordensunterthanen bei; er habe auch keineswegs deshalb ge⸗ klagt, um dem Koͤnige Ungunſt und Haß zu erwecken, ſondern der Meiſter wuͤnſche ſelbſt, daß der Compromiß einen guten Erfolg haben moͤge. Ihrer Seits wuͤrden ſie alles thun, was nur irgend zum Frieden führen koͤnne. > So wuͤnſchte und verhieß jeder die Herſtellung des Frie⸗ dens und doch geſchah dazu nirgends ein entſcheidender Schritt. Der Meiſter ſelbſt zweifelte ſchon mehr und mehr, daß es uͤberhaupt im Verlaufe des friedlichen Anſtandes zu einer Aus⸗ gleichung kommen werde, und wandte ſich daher an mehre Fuͤrſten, an den Kurfuͤrſten Friederich und den Herzog Johann von Sachſen, an den Erzbiſchof von Trier, den Pfalzgrafen Ludwig vom Rhein, den Landgrafen Philipp von Heſſen u. a., um ſich ihrer Beihülfe zu verſichern, im Fall es zu keinem Frieden mit dem Koͤnige kommen koͤnne. Allein bei allen ge⸗ neigten Geſinnungen, welche die Fuͤrſten gegen den Orden an den Tag legten, gaben ſie bei den vielfaͤltigen Unruhen und Fehden, in die ſie im Reiche und in ihren eigenen Landen verwickelt waren, wenig Troſt und Hoffnung zu einer thaͤtigen Beihuͤlfe.) Er wandte ſich ferner auch wieder an feinen 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Pfalzgrafen Friederich v. Rhein als Statthalter u. andere Fürften und Stände des Reiches, d. Krakau 1 April 1523 Schbl. G. 292. 2) Schr. des Pfalzgrafen Friederich v. Rhein als Statthalter und der Reichsfuͤrſten u. Reichsſtaͤnde an d. Koͤnig v. Wola, d. Nuͤrn⸗ berg 2 Mai 1523 Schbl. C. 291. 3) Schr. des Kurfürſten v. Sachſen und des Herzogs Johann v. Sachſen, d. Altenburg Mittw. nach Cantate 1523 Schbl. C. 243. Schr. Wolfs v. Schönberg an d. HM. d. Glauchau Freit. nach Cantate 1523 Schbl. Adelsgeſch. S. 12. Schr. des Erzbiſch. v. Trier und der 43 *
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676 Neuer Befehl d. Kaiſ. z. Entſch. d. Streites m. Polen. (1523.) Bruder den Markgrafen Johann, ihm vorſtellend, daß er nun ſchon ein ganzes Jahr bei den im Compromiſſe ernannten Schiedsrichtern, beim Papſte, beim kaiſerlichen Regiment und bei allen Reichsſtaͤnden alle Muͤhe und Fleiß angewandt habe, um eine Entſcheidung in der Streitſache herbeizuführen, und ihn dringend bittend, beim Kaiſer zu bewirken, daß von ihm peremtoriſch eine Zeit feſtgeſetzt werde, binnen welcher die Sache entſchieden und beigelegt ſeyn muͤſſe, oder daß, wenn Guͤte und Billigkeit beim Koͤnige von Polen nicht Statt faͤn⸗ den, dem Orden vom Kaiſer thaͤtiger Beiſtand geleiſtet werde.“ Karl erließ auch auf des Markgrafen Vorſtellen einen neuen Befehl an das Reichsregiment in Nuͤrnberg und an den Her⸗ zog Georg von Sachſen, die Streitſache zwiſchen Polen und dem Orden noch im Verlaufe des Anſtandes zur Entſcheidung zu bringen.) Endlich wandte ſich Albrecht auch an die Schiedsrichter ſelbſt, an den Erzherzog Ferdinand und den Koͤnig von Ungern, ſowie an ſeinen Bruder den Markgrafen Georg, um durch dieſen auf den König einzuwirken.) Erſte⸗ rer indeß ſchob alle Schuld der bisherigen Verſaͤumniß auf dieſen letztern, von dem er trotz aller feiner oͤſtern Erinnerun⸗ gen nie eine beſtimmte Antwort hatte erhalten koͤnnen.“ Ludwig ſelbſt, bei dem der Hochmeiſter, wie man jetzt erfuhr, nicht in ſonderlicher Gunſt ſtand, ſetzte nun zwar endlich auf eindringliches Bitten ſeiner Gemahlin, der dem Hochmeiſter ſehr geneigten Koͤnigin Maria, des Markgrafen Georg und andern Fuͤrſten an d. HM. d. im Feldlager vor Landſtuhl Sonnt. Jocundit. 1523 Schbl. C. 244. 1) Schr. des HM. an d. Markgr. Johann v. Brandenburg, d. Nüͤrnb. Freit. nach Tiburtii 1523 Schbl. D. 317 (38). 2) Schr. des Markgr. Johann v. Brandenburg an d. HM. d. Bruͤgge 22 Mai 1523 Schbl. B. 733. 3) Schr. des HM. an d. Markgr. Georg v. Brandenb. d. Nuͤrnb. Donnerſt. nach Zrinitat. 1523 Rgſtr. Nro 22 p. 6. Schr. des HM. an d. König v. Ungern, d. Nurnb. Sonnt. nach Pfingſt. 1523 ebendaf. 4) Schr. des HM. an d. Erzherzog Ferdinand, d. Nuͤrnb. Dienſt. nach Trinitat. 1523 Schbl. D. 582. Schr. des Erzherzogs an d. HM. d. Inſpruck 17 Juni 1523 Schbl. C. 247.
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Feindliche Gefinnung d. Kon. v. Polen geg. d. HM. (1523.) 677 des Erzherzogs Ferdinand den naͤchſten Michaelis⸗Tag zur Verhandlung feft ? und der Hochmeiſter knuͤpfte nun alsbald auch wieder Verhandlungen mit dem Deutſchmeiſter an, um ihn zu einer Huͤlfsſteuer zu bewegen oder zur Einraͤumung zweier Ordenshaͤuſer mit ihrem Gebiete, woraus er ſeinen Unterhalt und feine Beduͤrfniſſe ziehen Eönne.? Waͤhrenddeß aber kam bald die Nachricht, daß der Koͤnig von Ungern, ver⸗ anlaßt durch eine Botſchaft des Koͤniges von Polen, den Ver⸗ handlungstag abermals auf mehre Monate verſchoben habe, ohne die Zeit zu beſtimmen, wann er nun Statt finden füllte. Er ſuchte den Hochmeiſter mit der Verſicherung zu beruhigen, es ſolle nur ein kurzer Aufſchub ſeyn und nicht zum Nachtheil des Ordens gereichen. ®) Somit ging wieder alle Hoffnung einer baldigen Entſchei⸗ dung verloren. Es hatte alſo nichts gefruchtet, daß ſich der Papſt Hadrian an die Koͤnigin Bona von Polen gewandt, um durch ſie den Koͤnig zu einem feſten Frieden zu bewegen, denn ſo friedlichgeſinnt und nachgiebig in alle mit der Wuͤrde und den Rechten feines Reiches vertraglichen Bedingungen er ſich auch erklaͤrte und dem Papſte ſich folgſam ſchildern ließ,“ ſo ſtand ſein Wort und ſeine That doch fort und fort im Widerſpruch. Neben anſcheinend friedſamen Geſinnungen ſprach ſich in ſeinen Erklaͤrungen uͤber den Hochmeiſter an die Deut⸗ ſchen Reichsfuͤrſten ein innerer bitterer Zorn aus, der alles, 1) Schr. des HM. an die Königin v. Ungern, d. Nürnb. Mont. nach Corpor. Chr. 1523 Rgſtr. Nro 22 p. 10 — 11. Schr. der Königin v. Ungern an d. HM. d. Ofen 17 Juni 1523 Schbl. VII. 68. Schr. des Markgr. Georg v. Brandenb. an d. HM. d. Ofen Donnerſt. nach Petri und Pauli 1523 Schbl. B. 724 (a). 2) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck Mont. nach Viſitat. Maria 1523 Schbl. XXIX 14. 3) Schr. des Koͤniges v. Ungern an d. HM. d. Budae XIX Aug. 1523 Schbl. C. 249. Schr. des Markgr. Georg v. Brandenb. an d. HM. d. Ofen Mont. nach Mariä Himmelf. 1523 Schbl. C. 245. 4) Schr. der Königin Bona v. Polen an d. Papſt Hadrian, d. Cracoviae XX Jun. 1523 Schbl. XXIX. 77.
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678 Fortwaͤhr. traurige Lage d. HM. u. des Landes (1523.) was Schuld hieß, auf den Nacken ſeines Gegners häufte, " Es konnte daher auch nichts fruchten, daß der Kaiſer den Hochmeiſter und deſſen Sache dem Papſte nochmals aufs drin⸗ gendſte empfahl, ihn ausdruͤcklich bittend, nichts zuzulaſſen, was dem Orden irgendwie zum Nachthell gereichen koͤnne; 2 es brachte endlich eben ſo wenig Erfolg, daß er auch ſeirüm Bruder dem Erzherzoge Ferdinand wiederholt den Befehl er⸗ theilte, die Sache zu beſchleunigen, ſich des Hochmeiſters als eines Reichsfuͤrſten mit Ernſt und Eifer anzunehmen und ihn als Reichsglied gegen alle Verletzungen und Beeintraͤchtigungen zu ſchuͤtzen.) Der König von Polen, obgleich auch ihn der Kaiſer mit Ernſt ermahnte, ſchien kaum noch einen Ausſpruch von Schiedsrichtern, auf welche der Kaiſer und das Reichs⸗ regiment ſo bedeutenden Einfluß uͤbten, zu wuͤnſchen; wenig⸗ ſtens geſchah von ihm nicht das Mindeſte, um die Verhand⸗ lungen zu fördern; öfter vielmehr trat er hindernd entgegen. So ging die Zeit bis zum Herbſt hin, ohne daß die Sache auch nur um einen Schritt vorwaͤrts kam. Die Lage des Hochmeiſters wie die des Landes blieb da⸗ her fortwährend hoͤchſt traurig und beklagenswerth. In dem letztern herrſchte im Sommer dieſes Jahres eine außerordent⸗ liche Theurung aller Lebensbeduͤrfniſſe,“ die dadurch noch be⸗ deutend geſteigert ward, daß man nach einem Beſchluſſe der letzten Tagfahrt zu Marienburg die Zufuhr von Getreide und ſonſtigen Lebensmitteln aus den koͤniglichen Landen aufs ſtrengſte unterſagte, weil auch in dieſen die Theuerung ſchon ſehr groß 1) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Pfalzgrafen v. Rhein und die Reichsfurſten, d. Krakau 20 Jun. 1523 Schbl. XXIX. 78. 2) Schr. des Kaiſers an feinen Rath und Geſandten am paͤßſtl. Hofe Don Ludovico de Kordova Herzog v. Seſſe, d. Valladolid 4 Aug. 1523 Schbl. VI. 122. 3) Schr. des Markgr. Johann v. Brandenb. an d. HM. Valla⸗ dolid 9 Aug. 1523 Schbl. B. 732. 4) Schr. des Kanzlers des HM. N. Halberg an d. HM. d. Koͤnigsb. Donnerſt. nach Viſitat. Maria 1523 Schbl. C. 167. Die Laſt Korn galt 12 bis 14 Mark
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Traurige Lage Preuſſens. (1523.) 679 war. Zwiſchen Elbing, Danzig und Koͤnigsberg waltete ohne⸗ dieß eine ſolche Erbitterung ob, daß ſich Buͤrger der einen Stadt in der andern ohne Beleidigungen durch Schmaͤhworte kaum fehen laffen konnten.) Handel und Wandel lagen im Ordensgebiete noch ganz darnieder. Selbſt der Holzhandel aus Litthauen ward wieder vielfach geſtoͤrt.) Der Bernſteinhan⸗ del nach Luͤbeck hatte beinahe völlig aufgehoͤrt; das dortige Bernſteindrehergewerk ging faſt ganz zu Grunde, weil der Hochmeiſter für gemachte Anleihen den an ſich nicht immer reichen Bernſtein⸗Ertrag an einzelne Bernſteinhaͤndler nach Augsburg liefern mußte, worüber die Luͤbecker ſich bitter beklag⸗ ten und um Abaͤnderung dieſer Neuerung baten.) Die Finan⸗ zen waren daher im Ordensgebiete noch fortwaͤhrend in dem allertraurigſten Zuſtande. Der Rentmeiſter konnte in dieſem Jahre, nachdem er Einnahme und Ausgabe berechnet, dem Meiſter zu ſeinem Unterhalte nur dreitauſend Mark zuſenden und auch „dieſe waren an allen Orten zuſammengeleſen.“ Man hatte z. B. dazu auch zwoͤlfhundert Mark genonmien, welche zur Stiftung S. Albrechts unter vielen Muͤhen geſam⸗ melt worden waren. Die Armuth im Lande war uͤberall ſo drückend, daß die Abgaben nur aͤußerſt ſpaͤrlich eingingen; viele, die noch ſteuern konnten, gaben aus Mißmuth und Un⸗ zufriedenheit nicht, denn die Stimme der Mißbilligung der beſtehenden Verwaltung und das Gefuͤhl des Mißbehagens unter den obwaltenden Verhaͤltniſſen wurden taͤglich lauter und allgemeiner. Der Biſchof von Samland, der Rentmeiſter, der hochmeiſterliche Secretaͤr Gattenhofer u. a. mußten daruͤber oft die bitterften Erfahrungen machen.“ 1) Schr. des Rathes v. Elbing an d. Biſchof v. Samland, d. Freit. Octava Corpor. Chr. 1523 Schbl. A. 116. 2) Schr. des Rathes v. Kauen an d. Biſchof v. Samland, d. Kauen am T. Mariä Magdal. 1523 Schbl. XXIX. 52. 3) Schr. der Alterleute und des Vernſteindreher-Amtes zu Lubeck an den dortigen Rath, d. Freit. nach Corp. Chr. 1523. Schbl. LX XXIII. 60. 4) Schr. des Secretaͤrs Chriſt. Galtenheier a. d. HM. d. Pfiugſt⸗ abend 1523 Schbl. C. 108.
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680 Finanzbedraͤngniſſe des HM. (1523.) So kaͤmpfte auch der Hochmeiſter fort und fort mit den groͤßten Geldbedraͤngniſſen, zumal da ſich viele von den Rott⸗ meiſtern und Reiterhauptleuten, die ihm im letzten Kriege zu Dienſt gezogen waren, in ihren Soldforderungen jetzt auch an ihn ſelbſt wandten, die er von einer Zeit zur andern mit der Bezahlung vertroͤſten mußte.) Da er vom Exzbiſchofe von Mainz nicht einmal das ihm zugeſagte Deputatgeld fuͤr die beim Reichsregiment gehaltene Seſſion zu gehoͤriger Zeit erhalten konnte, weil jener ſelbſt mit ſeinen Finanzen in gro⸗ ßer Unordnung war, ſo mußte er Anleihen auf Anleihen, Schulden auf Schulden häufen.? In dieſer Noth bot ihm die Vertreibung des Koͤniges Chriſtian des Zweiten aus Daͤne⸗ mark, wie er glaubte, die Ausſicht zur Veraͤnderung ſeiner traurigen Lage. Wie er fruͤher dem Koͤnige von Ungern zum Tuͤrkenkriege und dann auch dem Kaiſer in deſſen Kriegen gegen Franz von Frankreich ſeine Dienſte angeboten, ohne bei beiden zum erwuͤnſchten Ziele zu gelangen, “ fo ließ er fi) jetzt auch leicht geneigt finden, der Aufforderung des Kurfuͤrſten von Brandenburg zu folgen, für den vertriebenen König in Deutſchland eine Truppenmacht zu ſammeln, um ihn mit Waffengewalt auf feinen Thron zuruͤckzufuͤhren, zumal da Joachim ihm nicht bloß meldete, daß der Koͤnig mit einem ſehr reichen Schatze aus Daͤnemark entflohen ſey, ſondern daß auch er ſelbſt zur Wiedereinſetzung des Koͤniges mit Kriegshuͤlfe 1) Schr. des HM. an Asmus v. Schoͤnbeck, d. Koͤln Dienſt. nach Vincula Petri 1523 Rgſtr. Nro 22 p. 32. 2) Schr. des HM. an d. Erzbiſchof v. Mainz, d. Nuͤrnb. Abend Petri u. Pauli 1523 Rgſtr. Nro 22 p. 35, Schr. des erzbiſchoͤfl. Kanz⸗ lers Laurentius Czech, d. Halle Freit. nach Nativit. Maria 1523 Schbl. V. 14. D. 583. 3) Daß der HM. auch beim Kaiſer Kriegsdienſte geſucht hatte, ſehen wir aus einem Schr. des Markgr. Johann v. Brandenb. an d. HM. d Brügge 22 Mai 1523 Schbl. B. 733. Vgl. Faber Geheime Unterredung des HM. mil Achatius v. Zemen u. ſ. w. in Beiträgen zur Kunde Preuſſ. B. IV. S. 84.
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Finanzbedraͤngniſſe des HM. (4523,) 681 nach allen Kräften Beiſtand leiſten wolle.“ Seine Finanz⸗ bedrängniffe, Thatenluſt bei feinem ſonſt faſt fruchtloſen Aufent⸗ halt in Deutſchland und ſelbſt auch das perſoͤnliche Intereſſe an dem Könige, mit dem er bisher ſchon in naher Verbindung geſtanden, trieben den Hochmeiſter zu außerordentlichem Eifer in der Sache. Mit dem Grafen Wilhelm von Henneberg in Verbindung warb er nicht bloß in Franken überall Kriegsvolk an, ſondern begab ſich zu gleichem Zwecke auch in die Rhein⸗ lande und Niederlande, wo er durch die Statthalterin Marga⸗ rethe noch mehr in ſeiner eifrigen Thaͤtigkeit ermuntert, mit dem vertriebenen Könige über die ihm zu leiſtenden Huͤlfsdienſte einen fürmlichen Vertrag abſchloß, darauf nach Franken zurüd- kehrend im Verlaufe des Septembers fort und fort theils mit dem Koͤnige, theils mit den zum Dienſte aufgenommenen Soöldnerhauptleuten, theils mit dem Kurfuͤrſten von Branden⸗ burg uͤber Muſterung der Soldtruppen, Zahlungsleiſtung und uͤber den Fortgang des Kriegszuges Unterhandlungen pflog, dann ſich auch, weil dieß alles von dort aus ſich immer weiter hinzog und vom Koͤnige trotz aller Zuſagen keine Zahlung ge⸗ leiſtet ward, gegen Ende des Septembers ſelbſt zum Kurfuͤr⸗ ſten nach Berlin begab, wo ſich damals auch der Koͤnig be⸗ fand, bis er endlich, nachdem er Monate lang mit dieſem uͤber die Zahlung der verſprochenen Kriegsgelder fruchtlos unterhan⸗ delt, immer durch neue Verſprechungen unnuͤtz hingehalten war und durch die Aufnahme der Soldtruppen, die von ihm den Sold verlangten, eine Menge von neuen Anforderungen auf ſich geladen und in zahlloſe hoͤchſt unangenehme Verhaͤltniſſe ſich verwickelt hatte, die traurige Erfahrung machen mußte, daß der Koͤnig keins ſeiner Verſprechen halten konnte, indem er nur ſeine Kleinodien und ſein Silber an Werth gegen zwei⸗ tauſend Gulden zur Beſtreitung der Koſten anzubieten hatte. So hatte der Hochmeiſter bis gegen Ende dieſes Jahres alle 1) Schr. des Kurfuͤrſten v. Brandenburg an d. HM. d. Köln pfingſt. 1523 Schbl. E. 77.
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682 Streit des HM. mit dem DM. (1523.) Muͤhe und Zeit verſchwendet, um ſich abermals in ſeinen Hoff⸗ nungen getaͤuſcht zu fehen. D Aber auch hieruͤber war es zwiſchen ihm und dem Deutſch⸗ meiſter wieder zu neuen Eroͤrterungen gekommen, denn dieſer unterließ es nicht, dem Hochmeiſter unter manchem Tadel ſei⸗ ner Handlungsweiſe ſeine Mißbilligung daruͤber zu erkennen zu geben, daß er durch Uebernahme der Hauptmannfchaft im Daͤniſchen Dienſte feine naͤchſte Pflicht verſaͤume, den Compro⸗ miß endlich zur Ausfuͤhrung zu bringen, und daß der Koͤnig von Polen, wenn der Daͤniſche Krieg vielleicht Danzig oder einen ſeiner Verbuͤndeten beruͤhre, dieß leicht zum Vorwande nehmen koͤnne, den Compromiß fuͤr verletzt und den friedlichen Anſtand fuͤr gebrochen zu erklaͤren, was dem Orden unend⸗ lichen Nachtheil und Schimpf zuziehen werde. Der Deutſch⸗ meiſter ließ daher mit ſeinen zu Heilbronn verſammelten Ge⸗ bietigern eine foͤrmliche Warnung wegen Uebernahme der Haupt⸗ mannſchaft an den Hochmeiſter ergehen und ihn dabei an die eiſrigere Ausführung des Compromiſſes ermahnen. ? Aber auch dabei wieder hatte er nur ſein eigenes Intereſſe im Auge. Da Albrecht naͤmlich die Nachricht erhalten, daß der Verhandlungs⸗ tag nun doch noch auf Michaelis = Tag zu Ofen Statt finden ſolle, und er die Abſicht hegte, ſich ſelbſt dahin zu begeben, fo hatte er den Deutſchmeiſter abermals um eine Unterſtuͤtzung 1) Die Verhaͤltniſſe des HM. zum Koͤnige Chriſtian v. Daͤne⸗ mark ſind hier abſichtlich nur im Allgemeinen beruͤhrt, weil ſie weder merklichen Einfluß auf die Lage des Ordens, noch viel weniger Be⸗ ziehung auf Preuſſen haben u. folglich auch der Geſchichte beider ziem⸗ lich fern liegen. Sie gehoͤren mehr einer Biographie Albrechts an, weil fie ſich mehr nur an feine Perſonlichkeit knuͤpfen. Das geſchicht⸗ liche Material über dieſe Verhaͤltniſſe iſt überaus reich und vollſtaͤndig Schbl. E. B. D. Schbl. V. 58. XXXI. 72. Rgſtr. Nro 22, 2) Eredenzbrief des DM. für Wolfgang v. Bibra Komthur v. Virnsberg u. den Komthur v. Blumenthal bei ihrer Sendung an d—⸗ HM. d. Heilbronn Mont. nach Aegidii 1523 Schbl. Adelsgeſch. B. 115. Inſtruction für dieſelben Schbl. 106. 58.
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Streit des HM. mit dem DM. (1523.) 683 von funfzehntauſend Gulden angeſprochen. Dieſer indeß hatte ihm von neuem eine Verſchreibung uͤber die erwähnten zehn Artickel gegen Ueberſendung einer Summe von ſiebentauſend Gulden als Bedingung geſtellt, jetzt jedoch mit der anſcheinen⸗ den Milderung, daß wenn der Hochmeiſter, wie er geäußert, es zu bedenklich finde, ſeine Nachfolger auf ſolche Weiſe mit ſchweren Verbindlichkeiten zu belaſten, er die Verſchreibung nur für ſich und auf feine Lebenszeit ausſtellen möge; man wolle auch damit zufrieden ſeyn, jedoch unbeſchadet der Ver⸗ ſchreibung über die zugeſagte Schadloshaltung.“ Daneben aber erklärte der Deutſchmeiſter: er und ſeine Gebietiger gingen keineswegs darauf aus, dem Hochmeiſter etwas Unbilliges zu⸗ zumuthen; was ſie gethan, ſey durchaus billig und unbeſchwer⸗ lich; ſie wollten ſich auch mitnichten in Sachen einmiſchen, die ſie nicht angingen; allein ſie vertrauten auch darauf, daß ihr Verlangen bei keinem Verſtaͤndigen dem Hochmeiſter Nach⸗ theil oder Schimpf zuziehen koͤnne. Wenn dieſer jedoch fie in Betreff der Vollfuͤhrung des Compromiſſes auf ihren Ges horſam verweiſe, ſo thue es ihnen leid, wenn man ſolchen bei ihnen bisher vermißt haben ſollte, denn ſie haͤtten zum Beſten des Ordens ohne Zweifel mehr gethan, als ſie nach ihrer Pflicht ſchuldig geweſen oder man von ihnen habe fordern duͤrfen. Den Gehorſam gegen den Hochmeiſter wuͤrden ſie auch ferner ſtets und uͤberall vor Augen behalten, daruͤber ſolle man ihnen keinen Vorwurf machen. Finde aber der Hochmeiſter ihr An⸗ erbieten zur Beihuͤlfe unter den erwaͤhnten Bedingungen auch jetzt noch nicht annehmlich, fo erböten fie ſich zu einem guͤt⸗ lichen Ausgleich durch ſeinen Bruder den Markgrafen Kaſimir oder wenn ihm dieß nicht genehm ſey, ſo moͤge die Streitſache durchs Recht entſchieden werden entweder vor einem allgemei⸗ nen Ordenskapitel, vor welches ſie allerdings zunaͤchſt gehöre, oder auch vor dem Papſte oder dem Kaiſer, als des Ordens Oberhaͤuptern, oder vor dem kaiſerlichen Statthalter, dem 1) Die Verhandrung Schbl. XXIX. 20.
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684 Verzögerung des Compromiſſes. (1523.) Reichsregiment, dem Schwaͤbiſchen Bunde u. ſ. w.) Albrecht wies dieſen Weg der Entſcheidung ohne weiteres zuruͤck. „Dieß iſt, antwortete er, unſers Beduͤnkens nicht vonnoͤthen; wir wiſſen uns wohl zu erinnern, wie wir uns in ſolchem Falle unſers Ordens Statuten, Rechten und Regeln gemaͤß gegen euch zu verhalten haben und was uns hierin der Ge⸗ horſam auflegt. Mit euch deshalb an freinden Orten zu rech⸗ ten, waͤre nach unſers Ordens Statuten nicht weiſe gethan. Wofern ihr aber ſammt eueren Rathsgebietigern, wie wir uns deſſen nicht verſehen, uns die Huͤlfe nochmals verweigert, ſo wollen wir mit dieſem Schreiben proteſtiren und uns fuͤr immer entſchuldigt haben, wenn irgend Nachtheil fuͤr uns und den gemeinen Deutſchen Orden aus euerem Ungehorſam hervor⸗ geht.“?) Somit war die Sache ſchon faſt auf die aͤußerſte Spitze geſtellt, denn auch dieſe Erklaͤrung bewog den Deutſch⸗ meiſter keineswegs, auch nur das Mindeſte von ſeiner letzten Forderung nachzulaſſen. „Es muß bei der Antwort bleiben, die im Geſpraͤch zu Heilbronn nach Beſchluß der Gebietiger gegeben iſt“, antwortete er dem Hochmeiſter. Mittlerweile war die Hoffnung, daß der Verhandlungs⸗ tag zu Oſen die endliche Entſcheidung bringen werde, wieder verſchwunden. Albrecht wandte ſich zwar im Spaͤtherbſt noch⸗ mals an ſeinen Bruder Georg, um durch ihn den Koͤnig von Ungern von neuem dringend zu erſuchen, der langen Verzoͤge⸗ rung endlich ein Ziel zu ſetzen und ihn und den Orden aus der verzweifelten Lage zu retten; er bat den Koͤnig auch ſelbſt aufs inſtaͤndigſte, ihm vorſtellend, wie traurig und verzweife⸗ lungsvoll das Schickſal des Ordens werden muͤſſe, wenn die 1) Das ſehr weitlaͤuftige Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck Freit. nach Nativit. Maris 1523 Schbl. XXIX. 13. 2) Schr. des HM. an d. DM. d. Anſpach Samſt. nach Exaltat. Crucis 1523 Schbl. C. 417. 3) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck am Abend Simon u. Juda 1523 Schbl. XXIX. 16,
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Eroͤffn. des Erzh. Ferdinand ub. Vermittl. d. Streites. (1523,) 685 nur noch kurze Zeit des Anſtandes unbenutzt voruͤber gehen und dann unfehlbar ſchweres Ungluͤck uͤber ihn hereinbrechen werde.) Allein es gingen wieder Monate dahin, ohne daß eine Antwort erfolgte. Endlich fand zwiſchen dem Erzherzoge Ferdinand und Albrecht auf dem Reichstage zu Nuͤrnberg eine perſoͤnliche Zuſammenkunft Statt.“ Erſterer ſchrieb die Schuld der Vereitelung des Verhandlungstages abermals dem Koͤnige von Ungern zu und eroͤffnete dem Meiſter: der Koͤnig von Po⸗ len habe bisher die Anordnung eines neuen Tages verhindert; jetzt aber ſey er mit dem von Ungern uͤbereingekommen, daß dieſer ſich mit dem von Polen uͤber Tag und Malſtatt ver⸗ fländigen und die übrigen Commiſſarien dann alles aufbieten ſollten, die Streitſache zur Entſcheidung zu bringen. Gelinge kein feſter Friede, ſo ſollten ſie dann wenigſtens einen laͤngern Anſtand zu bewirken ſuchen. Somit ſah ſich der Hochmeiſter bei allen troͤſtenden und alles verheißenden Zuſicherungen, mit denen der Erzherzog ihn uͤberhaͤufte, doch immer noch aufs Ungewiſſe hingewieſen,?) denn bei einem neuen Anſtande konn⸗ ten auf gleiche Weiſe noch Jahre hingehen, ehe der Streit ein Ende gewann. Bereits aber war im Verlaufe dieſes Jahres in Albrechts Geiſt der erſte Gedanke zu dem Schritte erweckt worden, der einſt eine Loͤſung feiner verwickelten Verhäaltniſſe herbeiführen ſollte. Schon im Jahre 1519 naͤmlich hatte er vom Papſte Leo dem Zehnten die ernſte Aufforderung erhalten, eine gruͤnd⸗ liche, Haupt und Glieder beruͤhrende Reformation ſeines in ſo tiefen Verſall gerathenen, ſittlich und religiös entarteten und in 1) Schr. des HM. an den Markgr. Georg v. Brandenburg, d. Juͤterbock Mittw. am T. Urſulaͤ 1523 Schbl. VII. 61. 2) Das Einladungsſchreiben an d. HM. d. Nuͤrnb. 5 Sept 1523 Schbl. VI. 3. 3) Die perſoͤnliche Verhandlung zwiſchen dem Erzherzoge u. dem HM. fand Statt am Mont. nach Lucid 1523; der Receß darüber Schbl. C. 261.
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686 Paͤpſtl. Breve a. d. HM. weg. Reform. d. Ordens. (1523.) feinem innern Weſen faſt ſchon völlig aufgeloͤſten Ordens vor⸗ zunehmen. Der darauf folgende Krieg mit Polen aber hatte an ſich ſchon ein ſolches Unternehmen unmoͤglich gemacht und obgleich nachher waͤhrend des Hochmeiſters Anweſenheit in Deutſchland manches uͤber einen ſolchen Reformationsplan am Roͤm. Hofe mit dem dortigen Ordensprocurator verhandelt worden war, ſo hatte darin doch noch kein weſentlicher Schritt geſchehen koͤnnen, weil der Hochmeiſter kaum abſehen mochte, wie es moͤglich ſeyn werde, einem erſtorbenen Koͤrper neues Leben und neuen Geiſt zu geben. Leo's Nachfolger aber, der Papſt Hadrian der Sechſte erneuerte die Aufforderung mit ſchaͤrfſtem Nachdruck, ſtreng verlangend, der Hochmeiſter folle alle Mittel anwenden, den Orden in den alten Stand und zu feiner alten Winde zuruͤckzufuͤhren.) Der Ernſt, mit dem der Papſt jetzt auf die Ausführung feines Befehles drang, ſchien beſonders unter den obwaltenden Verhaͤltniſſen mit Po⸗ len es nothwendig zu machen, irgend welche Schritte zu thun; nur blieb der Hochmeiſter auch jetzt noch ungewiß, was in der Sache geſchehen koͤnne. Nun hatte er waͤhrend ſeines langen lufenthaltes in Nurnberg den dortigen evangeliſchen Prediger Andreas Oſiander kennen gelernt. Durch die feuereifrigen Pre⸗ digten dieſes Mannes und deſſen muͤndliche Mittheilungen war 1) Breve des Papſtes Leo X. an d. HM. d. Romae VI Novemb. 1519 Schbl. XVI. 3 (6); vgl. Faber über die Verhaͤltniſſe des D. Ordens zum paͤpſtlichen Stuhl unter dem letzten HM. in Schuberts Abhandl. der Deutſ. Geſellſchaft B. I. 216. 2) Wir haben dieſe Aufforderung Hadrians VI. nur noch in Ab⸗ ſchrift und ohne Datum Schbl. XVI. Sie ſcheint aus dem J. 1523 zu ſeyn. Der Papſt bezieht ſich darin auf den ſchon daruͤber gegebe⸗ nen Befehl Leo's X. und ſagt: Cum autem, sicut accepimus, littere huiusmodi ante prefati predecessoris obitum et forsan nondum tibi presentate fuerint nec ad earnm quoque execntionem processeris Nos- que cupiamus, ordinem predietum ad pristinum statum reduci, Tibi per presentes committimus et mandamus, quatenus postquam dicte Uttere Tibi presentate fuerint, ad illarum ommimodam executionem in omnibus et per omnia procedas,
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Erſte Bekanntſch. des HM. mit Luthers Lehre. (1523.) 687 in ſeinem Geiſte zuerſt das wahre Licht des Evangeliums auf⸗ gegangen; „durch ihn zuerſt hatte ihn Gott, wie er nachmals felbft bekannte, aus der Finſterniß des Papſtthums geriſſen und zu goͤttlicher, wahrer, rechter Erkenntniß gebracht“ 3 durch ihn, den er „ſeinen geiſtlichen Vater“ nannte, zuerſt mit Luthers Lehre bekannt geworden, hegte er damals ſchon auch zu Luther ſelbſt Vertrauen und hohe Achtung. Letzterer aber hatte auch vom Hochmeiſter bereits eine ſehr guͤnſtige Meinung gewonnen. „Der Meiſter von Preuſſen ſey es ge⸗ weſen, ſchrieb er an Wenceslaus Link, der auf dem Reichstage zu Nurnberg dem paͤpſtlichen Legaten Chieregati auf deſſen An⸗ trag, die Lehre Luthers mit Feuer und Schwert zu vertilgen, geantwortet habe: er moͤge wohl gerne die Kirche unterſtuͤtzen; allein die offenbare Wahrheit zu verdammen und Buͤcher zu verbrennen, ſey nicht der rechte Weg der Kirche emporzuhel⸗ fen.“? An Luther wandte ſich nun Albrecht auch in der Sache der Ordens-Reformation, indem er ihm im Anfange des Juni durch ſeinen getreuen Rath Magiſter Johann Oeden ein Anſchreiben und eine Abſchrift der Ordensſtatute überreichen ließ, mit der Bitte, dieſem feinem Rathe ſeine Meinung uͤber die auf den Grund dieſer Statuten vorzunehmende Reformation ſeines Ordens mitzutheilen. Die Sendung wurde ſehr geheim betrieben. Der Hochmeiſter trug feinem Rathe ausdrücklich auf, Luthern vor allem das Verſprechen abzunehmen, daß er alles, was ihm mitgetheilt werde, bis ins Grab verſchweigen wolle. Dann ſollte er Luthern anzeigen, er werde ihm das Hand⸗ 1) Bock Leben des Herzogs Albrecht S. 123. Hartknoch Kir⸗ chengeſch. S. 267. Faber Melanchthons Briefe S. 194. 2) Luthers Briefe v. De Wette B. II. S. 266; er ſchreibt: Onod de responso Principum ad Legatum pontificium seribimus, fac- mum est a Magistro Prussiae Marchione Friderico: hic enim dixerat, sese Ecolesiam libenter adjntnrum, sed eum non esse modum Eccle- siae invandae, damnare manifestam veritatem et libros exurere, dicitur- que non male de Evangelio sentire. (Im Namen des HM. irrte ſich Luther, wie man klar ſieht.) Der Brief Luthers iſt vom 19 Decemb. 1522.
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688 Luther u. der HM. Albrecht. (1523.) ſchreiben eines Fuͤrſten einhaͤndigen, jedoch mit der Bitte, daſ⸗ ſelbe, ſobald er es geleſen habe, zu verbrennen, nicht etwa wegen Mißtrauen, ſondern damit es nicht in fremde Haͤnde komme, weil daraus ſonſt unwiederbringlicher Schaden und Nachtheil entſtehen koͤnne. Nur erſt wenn Luther dieß alles zugeſagt habe, ſollte der Rath ihm eroͤffnen, daß der Hoch⸗ meiſter für noͤthig finde, eine Reformation feines Ordens an Haupt und Gliedern vorzunehmen, und ſolche auch ins Werk zu ſtellen Willens ſey; er ſende ihm deshalb eine Abſchrift des Ordensbuches, mit der Bitte, daſſelbe zu „emendiren“, das, was er darin chriſtlich finde, auszuzeichnen und ihm Überhaupt daruͤber ſeine Meinung ſchriſtlich mitzutheilen. Der Meiſter ließ Luthern dabei ſagen: er werde in der Reformation des Ordens ganz nach ſeinem Rathe handeln, „damit dieſelbe zur Ehre Gottes ihren Fortgang ohne Aergerniß oder Empoͤrung erlangen moͤchte.“ Endlich ließ er ihn auch um ſeinen Rath bitten, welche Maaßregeln zu ergreifen ſeyen, um die Bifchöfe, Praͤlaten und Geiſtlichen im Ordensgebiete, deren einige regu⸗ lirt, andere aber ohne Regel und frei wie andere Bifchöfe und Praͤlaten ſeien, zu einem wahrhaft chriſtlichen Leben brin⸗ gen zu können. D Albrecht ging demnach jetzt wirklich auf eine Aenderung in der Verfaſſung ſeines Ordens aus. Wir ſind nun zwar nicht unterrichtet, welchen Rath ihm Luther daruͤber ertheilt habe, denn die Heimlichkeit, womit die Verhandlung betrieben ward, hat uns des letztern Mittheilung an den Mei⸗ ſter entzogen.) Als aber dieſer gegen Ende des Septembers ſich nach Berlin zum Kurfuͤrſten von Brandenburg begab, ſeinen Weg uͤber Wittenberg nahm und ſich dort mit Luthern 1) Schr. des HM. an Magiſter Johann Oeden, d. Nuͤrnb. Sonnt. nach Octava Corpor. Chr. 1523 Regſtr. Nro 22 p. 16 — 17. Dieſes Schreiben iſt deshalb ſehr wichtig, weil es, ſo viel wir wiſſen, die erſte Mittheilung zwiſchen Luthern und dem HM. enthaͤlt. 2) Nach Bock a. a. O. S. 132, der ebenfalls von dieſer Sendung an Luther ſpricht, ſoll dieſer dem HM. ſchon damals den Rath ge⸗ geben haben, den kr ihm einige Monate ſpaͤter muͤndlich ertheilte.
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Luther und der HM. Albrecht. (1523.) 689 ſelbſt über die Sache beſprach, rieth ihm dieſer: er folle „die alberne und verkehrte Ordensregel“ auf die Seite werfen, eine Frau nehmen und Preuſſen in ein weltliches Fuͤrſtenthum oder Herzogthum verwandeln. So ging von Luther ſelbſt der erſte Gedanke zu der großen Umwandlung der Verhaͤltniſſe aus, die bald das ganze Schickſal des alten Ordensſtaates umge⸗ ſtaltete. Auch Philipp Melanchthon ſtimmte Luthers Rathe völlig bei. In des Hochmeiſters Seele fand er offenbar An⸗ klang; er laͤchelte ihm Beifall zu, gab jedoch darauf keine weitere Antwort.“ Der Gedanke, Preuſſen in ein weltliches Fuͤrſtenthum zu verwandeln, hatte ſeitdem in des Hochmeiſters Seele tiefe Wurzeln gefaßt. Daß er ins Werk zu ſetzen ſey, war ihm kaum noch zweifelhaft. Allein er mußte mit groͤßter Vorſicht und Beſonnenheit verſolgt werden. Die Verhaͤltniſſe mit Po⸗ len, mit dem Kaiſer, mit dem paͤpſtlichen Hofe, mit den ernann⸗ ten Schiedsrichtern in der Polniſchen Streitſache, die alle noch der alten Kirche eifrigſt zugethan waren, ferner die Stellung des Hochmeiſters zum Deutſchmeiſter und dem Meiſter von Livland verlangten theils vorerſt nothwendig noch das fernere Fortbeſtehen des Ordens in Preuſſen, theils feſſelten ſie im Aeußern den Hochmeiſter noch viel zu ſehr an die alte Kirche. Dieſe Verhaͤltniſſe mußten erſt ſo viel als moͤglich beſeitigt und der Plan, wenn er gelingen ſollte, zu groͤßerer Reife gediehen ſeyn. Obgleich daher nach der von Luther ſchon im Maͤrz dieſes Jahres an die Deutſchen Ordensherren ergangenen „Ermahnung, falſche Keuſchheit zu meiden und zur rechten ehelichen Keuſchheit zu greifen“, ) ſich in Deutſchland, Preuſ⸗ 1) Wir erfahren dieß aus einem Schreiben Luthers an Bris⸗ mann vom 4 Juli 1524, woraus Bock a. a. O. S. 133 die Stelle anführt. Das Schr. Luthers an Brismann in Luthers Briefen von De Wette B. II. 525 — 528. 2) Luthers Werke v. Walch Th. XIX. S. 2157. Luthers Briefe v. De Wette B. II. S. 312., wo die weitern Nachweiſungen. In einem Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. Markgr. Kaſimir v. Brandenburg, d. Sonnab. nach Neujahrstag 1524 Schr. IV. F. 22. IX. 4%
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690 Benehmen d. HM. im Anfang geg. die Reform. (1523.) ſen und Livland bereits mehre Ordensritter vom Orden losſa⸗ gen und ſich verehelichen wollten, ſo fand es der Hochmeiſter doch durchaus nothwendig und zugleich zu feiner Rechtfertigung rathſam, dieſem voreiligen Schritte, der leicht die baldige Auf⸗ loͤung des Ordens noch vor der Ausführung des Planes des Meiſters zur Folge haben konnte, ſo viel als moͤglich vorzu⸗ beugen. Er trug daher nicht nur dem Meiſter von Livland auf (obgleich auch dieſer bereits mit Luther in Verbindung ſtand),) feine Ordensritter ſtreng zu bewachen und jeden, von dem er erfahre, daß er mit dem Gedanken des Abfalles vom Orden und der Verehelichung umgehe, aufs ernſtlichſte zu beſtrafen ohne Gnade und Schonung, um den Orden vom völligen Untergange zu retten,? ſondern er wandte ſich auch alsbald an den Ordensprocurator in Rom, um den Papſt von dem verderblichen Vorhaben im Orden zu unterrichten, ihn um ein ſtrenges Strafedict gegen die Geſetzwidrigen erſuchen zu laſſen und ſich uͤberhaupt ſeine Meinung uͤber die zu ergreifen⸗ den Maaßregeln zu erbitten, denn gegen den Livlaͤndiſchen Meiſter und den Procurator ſprach der Hochmeiſter offen ſeine Beſorgniß aus: der König von Polen, der ſchon vor Jahren dahin geſtrebt, den Orden in weltliche Haͤnde zu bringen, nro 17 heißt es von dieſer Schrift Luthers: Es hat Martinus Lutber ein Buͤchlein an Deutſchen Orden laſſen ausgehen, das da gedruckt iſt und hin und wieder wird ungetragen, darin er fie ermahnt, von den Geluͤbden, die fie in ihrem Orden gethan, abzuſtellen und zum ehe⸗ lichen Stand zu greifen mit einem Geſchwaͤtz, wie das im Leſen ge⸗ funden wird. 1) Schr. Luthers an Spalatin v. 23 Jan. 1523 in Luthers Brie⸗ fen v. De Wette a. a. S. 302. 2) Schr. des HM. an d. Meiſter v. Livland, d. Nürnb. am T. Viti 1523 Agſtr. Nro 22 p. 26. Der HM. ſagt: uns iſt glaublich fürkommen, wie etzliche Ordensperſonen ſich in ehelichen Stand von Luthers wegen begeben wollen. Wo nun ſolches geſchebe, mochts ein endliche Ausreutung unſers Ordens inſunderheit der Lande Preuſſen und Liefland geben, und wo dicſelben faͤllig, as dann der Orden ganz ausgetilgt waͤre, nachdem Polen allwegen darauf gehandelt, daß der Orden in weltliche Hand geſtellt würde.
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Vorbereitungen zur Reformation in Preuſſen. (1523.) 691 werde es gewiß jetzt gerne ſehen, wenn „dieſes ſubtile Gift“ im Orden zu deſſen Verderben Eingang finde.! Aber auch im Volke Preuſſens ſelbſt war das Licht des Evangeliums in dieſem Jahre ſchon angezuͤndet. Das Land war laͤngſt durch ſeine inneren Verhaͤltniſſe und durch die bis⸗ herigen Ereigniſſe zu feinem Empfange vorbereitet. Die Ber: haͤltniſſe zwiſchen biſchoͤflicher und landesherrlicher Gewalt hat: ten ſich hier ſchon von alten Zeiten her viel freier geſtaltet und eine freiere Beweglichkeit in der Entwickelung des menſch⸗ lichen Geiſtes möglich) gemacht. Theils hatten ſchon die dem Orden vielfach ertheilten paͤpſtlichen Freiheitsbriefe, wodurch die biſchoͤfliche Gewalt vom Eingreifen in die kirchlichen Ordens⸗ verhältniffe zuruͤckgewieſen war, theils vorzüglich auch der Um: ſtand, daß die Landesbiſchoͤfe, mit Ausnahme des von Erm⸗ land, ſtets ſelbſt auch Ordensglieder waren und den Geſetzen und der Verfaſſung des Ordens gemaͤß leben und handeln mußten, die Ausbildung und feſte Geſtaltung einer ſtrengen hierarchiſchen Macht nicht zugelaſſen. Die einzelnen Verſuche des Ermlaͤnders hatten jeder Zeit kraͤftigen Widerſtand gefun⸗ den und waren vereitelt worden. Selbſt die Biſchofswahlen, wenngleich ſie immer durch die Domkapitel geſchahen, hingen ſchon laͤngſt entſchieden vom Einfluſſe der Hochmeiſter ab, vor welchem ſelbſt der des Erzbiſchofs von Riga in den letztern Zeiten nicht mehr hatte geltend werden koͤnnen. Haͤufig waren daher ſolche, die entweder fruͤher in des Hochmeiſters Dienſt oder in irgend einem amtlichen Verhaͤltniſſe zu ihm geſtanden, in die Biſchofsaͤmter eingeruͤckt. Noch weniger hatte ſich je⸗ mals eine irgend bedeutende Moͤnchsgewalt im Lande empor⸗ heben koͤnnen. Die Kloͤſter, ohnedieß im Verhaͤltniſſe zum Lande in ihrer Zahl nur gering, waren durch kluge Vorſicht des Ordens ſtets ſehr arm geblieben und friſteten meiſt ihr Daſeyn nur durch kuͤmmerlichen Erwerb. Ihre Vorſteher ſetzte ihnen in der Regel der Hochmeiſter, fo daß ſich von 1) Schr. des HM. an d. Procurator zu Rom, d. Nuͤrnb. Mont. nach Corpor. Chr. 1523 Rgſtr. Nro 22. P. 14. 44 *
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692 Vorbereitung der Reformation in Preuſſen. (1523.) einem bedeutenden moͤnchiſchen Einfluß auf das Volk in der Geſchichte des Landes faſt gar keine Beiſpiele finden.) So niemals durch hierarchiſche Ketten gefeſſelt und eben ſo wenig von kloͤſterlicher Finſterniß umfangen konnte ſich im Volke der geiſt feiner religiöfen Richtung ungleich freier entwickeln und fi) zum Empfange freierer Anfichten in der Erkenntniß goͤtt⸗ licher Dinge vorbereiten. Das alte, enggeſchlungene Band, welches den Orden und mit ihm auch das Land ſeit Jahr⸗ hunderten an Rom gefeſſelt, war zwar noch keineswegs ganz zerriſſen und aufgelöft, aber ſeit länger als einem halben Jahr⸗ hundert doch ſchon immer lockerer geworden. Man ſprach zwar noch vom Gehorſam und von der Untergebenheit gegen den Roͤm. Stuhl, jedoch meiſt nur wenn man es noͤthig fand, feinen Schutz in Anſpruch zu nehmen oder von ihm die Loͤ⸗ fung verwickelter Streitfragen zu erwarten. Paͤpſtliche Satzun⸗ gen und Befehle fanden im Lande und im Orden keine blinde Befolgung mehr. Die alte Achtung gegen den paͤpſtlichen Stuhl war ſchon im Verlaufe des funfzehnten Jahrhunderts in Preuſſen immer tiefer geſunken, denn eben die enge Ver⸗ bindung, in welcher der Orden in feinen wichtigſten Verhaͤlt⸗ niſſen an den Papſt als ſeinen Oberherrn gewieſen war, hatte außerordentlich dazu beigetragen, die hohe Verehrung und die heilige Scheu vor dem heiligen Vater zu mindern. Nirgends mochte man die Laſterflecken und Ungebuͤhrlichkeiten, die Gräuel und Abſcheulichkeiten, die am Roͤm. Hofe im Schwange waren, die Geldgier und Beſtechlichkeit, die Intriguen und Umtriebe und das ganze ſittenloſe und ſuͤndhafte Unweſen, wie es vom Papſte an durchs Kardinalcollegium hindurch bis auf den un⸗ terſten Thuͤrſteher im paͤpſtlichen Pallaſte herrſchte, fo genau kennen, als in Preuſſen, wo die Berichte und Schilderungen der Ordensprocuratoren und bei ihrer Ruͤckkehr ihre muͤnd⸗ lichen Mittheilungen ſchon durchs ganze letzte Jahrhundert hindurch Rom in ſeiner ganzen nackten Bloͤße und in ſeiner ganzen ſittlichen Verworfenheit wie dem Orden ſo dem Volke 1) Vol. den Abſchnitt über das Kloſterweſen B. VI. S. 756 ff.
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Tod Hadrians VI. und des Kardinal de Groſſis. (1523.) 693 vor Augen geſtellt hatten.) Nirgends urtheilte man daher auch uͤber Papſt und Geiſtlichkeit unbefangener als in Preuſſen. Und daß Rom ſich noch in nichts geaͤndert, hatte man wiederum an den letzten Greigniffen im Biſthum Pomeſanien geſehen. Der Papſt hatte, wie erwaͤhnt, wider alles Recht und alle bisherige Ordnung den erledigten biſchoͤflichen Stuhl dem Kardinal De Groſſis verliehen und es war bisher dem Ordensprocurator bei allen feinen Bemühungen nicht möglich geweſen, weder den Papſt noch den Kardinal zur Zuruͤcknahme dieſes unrechtmaͤßigen Schrittes zu bewegen; ſelbſt auf dem Wege des Rechts, den der Hochmeiſter einzuſchlagen Willens war, konnte in Rom, wie der Procurator offen erklaͤrte, gegen des Papſtes einmal ausgeſprochenen Willen nichts erreicht wer⸗ den.) Nur durch eine namhafte Geldſumme, die dem alten Kardinal als Penſion ausgezahlt werden muͤſſe, ſollte es mög: lich ſeyn, dieſen zur Verzichtleiſtung auf das Biſthum zu be wegen.“) Der Hochmeiſter hatte ſich dazu auch ſchon geneigt erklaͤrt und vier⸗ bis fuͤnfhundert Ducaten jährlich ſollten der Willkür des Papſtes geopfert werden, um nur das Biſthum dem Orden zu erhalten.“) Allein auch dieſes fruchtete nicht, weil mittlerweile der Biſchof von Kulm nach Rom ſandte und dem Kardinal mehr bieten ließ. Nun ſtarb zwar der Papſt Hadrian am 14ten September und im November auch der Kardinal De Groſſis, mit dem man keinen Vergleich hatte treffen können, weil auch der Koͤnig von Polen neue Hinder⸗ 1) S. daruͤber meine Abhandlung: Stimmen aus Rom uͤber den päpſtl. Hof im 15ten Jahrh. im Hiſtor. Taſchenbuch v. Raumer Jahrg. IV. 2) Schr. des Ordensprocurators Georg Buſch an d. HM. d. Rom 17 Maͤrz 1523 Fol. Roͤm. Handl. 3) Schr. des Ordensprocurators an d. HM. d. Rom 6 Juli 1523 Fol. Röm. Handl. p. 134. Schr. deſſelb. an d. HM. d Rom 9 Aug. 1523 ebend. p. 152. 4) Schr. des HM. an d. Procurator, d. Nuͤrnb. 13 Herbſtmonat 1523 Fol. Roͤm. Handl. p. 172.
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694 Der Biſchof Erhard v. Queis in Pomefanien (1523.) niſſe entgegen gelegt hatte, D und es wäre nun leicht geweſen, die Sache auf geeignetem Wege zum Beſten des Ordens wie⸗ der auszugleichen. Allein der neuerwaͤhlte Papſt Clemens der Siebente, obgleich man ſich von ihm als bisherigen Ordens ⸗ Protector alles Gute fuͤr den Orden verſprach, verlieh das Biſthum Pomeſanien ſeinem Nepoten dem Kardinal Rudolphis und ſetzte dieſen zugleich auch zum Protector des Ordens ein, fo daß nun kaum noch eine Hoffnung übrig ſchien, dem Orden das Biſthum zu erhalten.) Der Hochmeiſter indeß gab es noch nicht ganz verloren. Auf die Meldung des Bi⸗ ſchofs von Samland, daß es ihm unter der Laſt der Geſchaͤſte forthin unmöglich ſey, zwei Biſthuͤmer zu verwalten, ernannte er den Doctor beider Rechte Erhard von Queis, aus Meißen, vormaligen Kanzler des Herzogs von Liegnitz, zum Pomeſa⸗ niſchen Biſchofe und ſandte ihn ſofort nach Preuſſen, mit dem Befehl an den Biſchof von Samland, auf feine Poſtulation Verzicht zu leiſten und durch das Pomeſaniſche Domkapitel eine neue fuͤr Erhard von Queis zu veranlaſſen, und wenn ſie ſo vorſichtig und verſchwiegen als moͤglich geſchehen ſey, den neuen Poſtulirten alsbald in den Beſitz des Biſthums einzu: ſetzen und die Unterthanen im biſchoͤflichen Gebiete ohne weiteres an ihn als ihren Herrn zu weiſen. Dieß alles fand der Hoch⸗ meiſter zuvor nothwendig, um beim Papſte auf die Beſtaͤtigung des neuen Biſchofs antragen zu koͤnnen. 1) Schr. des Procurators an d. HM. d. Rom 10 und 14 Sept. 1523 Fol. Roͤm. Handl. p 187. 191. 2) Schr. des Markgr. Johann Albrecht an d. HM, d. Rom 26 Novemb. 1523 Fol. Roͤm. Handl. p. 200. Schbl. B. 735. 3) Inſtruction des HM. fuͤr den Doctor Erhard v. Queis bei ſeiner Sendung an d. Biſchof v. Samland, d. Nuͤrnb. 1523 Schbl. LXV. 112. Der HM. ſchreibt ſehr genau vor, wie in der Sache ver⸗ fahren werden ſolle, damit die neue Poſtulation für völlig rechtmäßig anerlannt werden koͤnne. Erhard v. Queis nennt ſich ſchon in einem Schr. an den HM. d. Liegnitz Sonnt. nach Jacobi 1523 Schbl. LXv „zukünftiger Biſchof zu Rieſenburg.“ Vgl. Rhese Programma: vita a Polentis p. 13,
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Moritz Ferber Biſchof von Ermland. (1523). 695 So hatte der Hochmeiſter zur Behauptung eines alten, feſtgegründeten Rechts mit dem Rom. Hofe, den auch hier nur Geldgier und Nepotismus trieben, mehre Jahre hindurch in beſtaͤndigem Widerſtreit geftanden und alles Klagen über die Willkuͤhr, mit welcher die Roͤm. Curie alle bisherige Ord⸗ nung in der Beſetzung der Biſthuͤmer in Preuſſen durchbrochen und verletzt, war ohne Erfolg geblieben. Außerdem war ihm von dorther auch ſein Wunſch vereitelt worden, das erledigte Biſthum Ermland mit dem Orden vereinigt zu ſehen. Das Domkapitel hatte ſeinem Wahlrechte gemaͤß mit Einwilligung des Koͤniges von Polen den Domherrn zu Frauenburg Moritz Ferber, ehemaligen Prothonotar des Papſtes Leo des Zehnten, zum Biſchofe erwaͤhlt. Der Ordensprocurator hatte es durch alle Bemühungen nicht dahin bringen koͤnnen, feine Beſtaͤti⸗ gung am Roͤm. Hofe zu hintertreiben, denn drei Domherren aus Frauenburg waren nach Rom geeilt, um ſie ſo ſchnell als möglich beim Papſte auszuwirken.) Dieſes Feilſchen aber und Intriguiren am paͤpſtlichen Hofe bei Beſetzung der Biſthuͤmer hatte nicht bloß die bitterſte Unzufriedenheit des Hochmeiſters und der ihm näher ſtehenden Ordensgebietiger gegen die geld: gierige Rom. Curie aufgeregt, ſondern man hatte jetzt wieder neue Beweiſe erhalten, daß, während der Orden, die Biſthuͤ⸗ mer, das ganze Land mit druͤckender Armut) zu kaͤmpfen hatten, der Roͤm. Hof doch immer fortfuhr, die letzten Kräfte des Ordens und des Landes gierig zu verfchlingen. Hatte dieß alles ſchon viel dazu beigetragen, der Lehre Luthers im Orden wie im Volke leichten Eingang zu ver⸗ ſchaffen, ſo foͤrderte dieſen nicht minder auch die Perſoͤnlichkeit der Männer, die jetzt als Biſchoͤfe die Leitung der kirchlichen Verhältniſſe in Preuffen in den Handen hatten. Erhard von 1) Schr. des Procurators an d. HM. d. Rom 6 und 20 Juli 1523 Fol. Röm. Handl. p. 146. 149. Schr. deſſelb. an d. HM. d. Rom 9 Aug. 1523 ebend. p. 156 — 157. 2) Darüber ſpricht ſich auch der HM. ſelbſt in mehren Schr. an d. procurator v. J. 1923 oft miß billigend aus; Sol. Roͤm. Handl.
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696 Eingang der Reformation in Preuſſen. (1523.) Queis, deſſen bifchöfliche Wahl durch das Domkapitel von Pomeſanien am 10ten Septemb. geſchehen war und um deſſen Beſtaͤtigung nun auch der Papſt erſucht ward, ) war ein Mann von duldſamem Character, heller Einſicht und gelehrter Bildung. Er ſoll ſchon vor feiner Wahl der Lehre Luthers geneigt geweſen ſeyn und ſeine vom Hochmeiſter ſelbſt veran⸗ laßte Berufung zum biſchoͤflichen Amte, die hoͤchſtwahrſcheinlich nicht ohne Luthers Einfluß erfolgt war, galt als Zeugniß ſeiner geiſtigen Tuͤchtigkeit in feiner ſchweren amtlichen Stellung. Wir finden nun zwar nicht, daß er in der erſten Zeit ſeiner Amtsverwaltung, da er immer noch erſt ſeine Beſtaͤtigung aus Rom erwartete, der Verbreitung der neuen Lehre foͤrderlich vorgearbeitet oder fie beguͤnſtigt habe, zumal da er ſich im naͤchſten Jahre eine Zeitlang wieder in Deutſchland aufhielt; allein es war vorerſt ſchon hinreichend, daß er ihr nicht hinder⸗ lich entgegentrat, denn in mehren nachbarlichen Staͤdten hatte ſie bereits Eingang gefunden. In Danzig hatte ſchon im Jahre 1518 der Prediger Jacob Knade verſchiedene Lehren und Gebräuche der alten Kirche im Geiſte Luthers aufs hef⸗ tigſte bekaͤmpft und ſchon in demſelben Jahre das erſte Bei⸗ ſpiel einer Prieſterehe gegeben.) Nach ihm wirkten in glei⸗ chem Geiſte Johann Boͤſchenſtein, vormals Profeſſor der Hebraͤi⸗ ſchen Sprache zu Ingolſtadt, ferner der Franciſcaner Doctor Bernhard Schulz, deſſen Trinitatis⸗Kirche die Zuhoͤrer ſeiner Predigten bald nicht mehr faſſen konnte, vorzuͤglich aber in den Jahren 1522 und 1523 der als katholiſcher Weltprieſter zur Lehre Luthers uͤbergetretene Jacob Hegge, gewoͤhnlich Jacob 1) Das daruͤber abgefaßte Notariatsinſtrument, d. Koͤnigsb. 10 Sept. 1523 Schbl. I. 47. Er bezeugt zugleich die Reſignation des Biſchofs v. Samland auf die Poſtulation. In einem Notariatsinſtru⸗ ment, d. Fiſchhauſen 2 Febr. 1524 ernennt und bevollmaͤchtigt dieſer Biſchof gewiſſe Perſonen zur Bezeugung ſeiner Ceſſion auf die Poſtu⸗ lation zum bifchöfl. Stuhle von Pomeſanien zu Gunſten Erhards v. Queis; Schbl. L. 48. 2) Gralath Geſchichte Danzigs B. I. 497. Loͤſchin Geſchichte Danzigs B. I. 170.
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Eingang der Reformation in Preuſſen. (1523.) 697 Finkenblock oder Winkelbloch genannt, deſſen feuerige Predigten gegen den Papſt, die Sittenloſigkeit des Clerus und das ganze Unweſen der alten Kirche außerordentlichen Beifall fanden. Tauſende ſtanden um ihn her, wenn er auf dem Hagelsberg unter freiem Himmel gegen „die Spitzhuͤte, Betruͤger und Verfuͤhrer des Volkes“ ſein donnerndes Wort erhob oder auf dem Gertruden⸗Kirchhof von ſeiner Kanzel unter dem Schat⸗ ten einer großen Linde die Nichtswuͤrdigkeit des Pfaffen⸗ und Moͤnchsthums zu ſchildern begann. Die Maſſe feiner Zuhörer vermehrte ſich mit jedem Tage. Es half nichts, daß der Koͤnig von Polen dem Danziger Rathe befahl, dem gottloſen Getreibe des Prieſters Einhalt zu thun. Die große Marien⸗ kirche mußte ihm eingeraͤumt werden; er verheirathete ſich, ging auf ein halbes Jahr nach Wittenberg zu Luther und ward bei ſeiner Ruͤckkehr mit ſeinen Begleitern, die ihm Luther als Gehuͤlfen mitgegeben, in vollem Triumpfe von ſeinen An⸗ haͤngern in die Stadt eingeführt. Seitdem nahm das Werk der Reformation in Danzig reißenden Fortgang.) Auch in Thorn hatte Luthers Lehre ſchon im Jahre 1520 ſo großen Beifall gefunden, daß ſich der Koͤnig von Polen veranlaßt fand, die Einfuͤhrung und Verbreitung der Schriften Luthers mit aller Strenge zu verbieten, 2 und doch ließ ſich auch hier der nach heller Erkenntniß duͤrſtende Geiſt nicht durch Geſetze und Verbote feſſeln, denn als im Jahre darauf der damals dort anweſende paͤpſtliche Legat Zacharias und der Biſchof von Kaminiec es unternahmen, auf dem S. Johannis-Kirchhofe Luthers Bild auf einem Scheiterhaufen verbrennen zu laſſen, mußten die beiden Praͤlaten, um nicht von den zahllos ver⸗ ſammelten Volkshaufen geſteinigt zu werden, ſich durch die Flucht retten. Auch dort entliefen ſchon Moͤnche und Nonnen 1) Alte Danziger Chron. (Mser.) p. 153 — 154. Gralath S. 498. Loͤſchin S. 170 — 172. 2) Zernecke Thorn: Cbron. 114. Hartknoch Kirchengeſch. S. 864 — 865. Das Mandat des Koͤniges bei Raynald. Annal. eccles. an, 1523 nro 80.
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698 Eingang der Reformation in Preuſſen. (1523.) ihren Kloſtermauern, um ſich zu verheirathen.) Daffelbe ge⸗ ſchah in Elbing, wo bereits im Jahre 1522 das Brigitten⸗ Nonnenkloſter nur noch von einer einzigen Nonne bewohnt daſtand. Den Moͤnchen wurde das Nachtlaͤuten und Predigen verboten; ſie verließen deshalb die Stadt und ſchon im Jahre 1523 war der größte Theil des Rathes und der Bingerfchaft der Lehre Luthers zugewandt.) Hier trat nun zwar der ſtreng⸗ eifrige Biſchof Moritz von Ermland dem raſchen Fortgange des guten Werkes noch hemmend entgegen, wie er denn auch be⸗ muͤht war, in ſeinem ganzen Biſthum jeden Keim der auf⸗ wachſenden neuen Lehre im erſten Aufleben wieder zu erſticken. 9 Ueberall indeß gelang ihm dieß doch keineswegs. In Brauns⸗ berg z. B. war Peter von Dohna unermuͤdlich thaͤtig, das neu⸗ erwachte geiſtige Leben im Sinne Luthers zu foͤrdern.“ Am erfreulichſten aber bluͤhte die neue Saat des reinen Evangeliums im Gebiete des Biſchofs von Samland und im ganzen oͤſtlichen Ordenslande auf. Georgs von Polenz wahr⸗ heitsliebender und hellſehender Geiſt, der wenn auch unter ſchweren Muͤhen und nicht ohne Undank, doch zu großem Segen des Landes als Regent faſt ganz allein die Landes⸗ verwaltung leitete, erkannte ſchon im erſten Keime der aus⸗ geworfenen Saat die heilbringende Triebkraft zu einſtiger herr⸗ licher Frucht.“) Ein Mann tiefgebildeten Geiſtes, konnte das Licht der neuen Wahrheit ſein helles Auge nicht mehr blenden. Es geſchah daher offenbar ſchon mit ſeiner Einwilligung, daß, da er ſelbſt ſeiner politiſchen Stellung nach als Landesregent noch nicht ſelbf ſtthaͤtig fuͤr das neue Werk der Glaubensreinigung wirken durſte, einer ſeiner Domherren Georg Schmidt im Jahre 1) Sernede a. a. O. S. 115. Hartknoch a. a. O. S. 865. 2) Hartknoch a. a. O. S. 976. 3) Hartknoch a. a. O. S. 978. 4) Hartknoch a. a. O. S. 1038. Arnoldt Kirchengeſch. S. 259. Bock Leben Albrechts S. 102. 5) Die katholiſche Anſicht über des Biſchofs Wirken lernt man bei Raynald, Annal. eccles. an. 1523 nro 81 kennen.
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Eingang der Reformation in Preuſſen. (1523.) 699 1523 öffentliche Vorträge im evangeliſchen Geiſte hielt; ves geſchah ferner auch nicht ohne ſeine und des Hochmeiſters eigene Genehmigung, daß der aufgeklaͤtte Oberkompan Friederich von Heideck, der den letztern nach Deutſchland begleitet hatte, bei feiner Ruͤckkehr nach Preuſſen von Luther ſelbſt ſich einen Pre⸗ diger erbat, um ihn mit ſich nach Preuſſen zu fuͤhren.) Jo⸗ hann Brismann, früher Franciſkaner, dann in Wittenberg von Luther ſelbſt für die Sache der Reſormation gewonnen, ein gelehrter, durch humaniſtiſche Studien aufgeklaͤrter, in ſeinen Grundſätzen gemaͤßigter und menſchenfreundlicher Mann, folgte zuerſt dem von Luther ſelbſt an ihn ergangenen Rufe nach Preuſſen.) Am vierzehnten September dieſes Jahres in Koͤnigsberg angekommen, hielt er darauf am ſiebenundzwanzig⸗ ſten in der Domkirche, die ihm der Biſchof von Samland bereit⸗ willig eingeraͤumt hatte, vor einer zahlreichen Verſammlung ſeine erſte evangeliſche Predigt.) Der Beifall war außerordentlich und ein Beweis, mit welcher Sehnſucht man das erfriſchende Wort des reinen Evangeliums erwartet hatte. Der Biſchof von Samland ſelbſt ward dadurch noch tiefer und inniger fir die neue Lehre gewonnen. Noch ehe das Jahr endigte, trat er ſelbſt mit einer ganz im evangeliſchen Geiſte durchdachten Pre⸗ digt im Dome auf, öffentlich erklaͤrend: „er ſolle wohl alle Zeit ſelbſt predigen; da er aber aus mancherlei Urſachen ſolches zur Zeit noch nicht vermoͤge, ſo habe er an ſeiner Statt den gelehrten und in der heiligen Schrift erfahrenen Doctor Bris⸗ mann eingeſetzt, der ſeiner Gemeine forthin das Wort Gottes predigen ſolle. Ihn möge man hören ſammt den andern Geiſt⸗ lichen, die Gottes Wort klar ohne Menſchen⸗Tand verkuͤndig⸗ 1) Geb ſer Geſch. der Domkirche zu Koͤnigsb. S. 265, wo die Stellen aus Kaspar Platners Chron. mitgetheilt find. Khesa Pro- gramma: vita Brismanni p. 9. 13. 2) Luthers Briefe von De Wette B. II. 588 — 589. 3) Bhesa Programma: vita Brismanni p. 8 — 10, wo man Naͤ⸗ heres über die Lebensumſtaͤnde Brismanns findet, 4) Henneberger p. 213. Arnoldt Kirchengeſch. S. 251—252. Rhesa vita Brismanni I. c. Gebfſer g. a. O. S. 269 — 270.
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700 Eingang der Neformation in Preuſſen. (1524.) ten.“ Mittlerweile war gleichfalls auf Friederichs von Hei⸗ deck Anlaß auch der evangeliſche Prediger Johannes Amandus, aus Weſtphalen gebuͤrtig, fruͤher Moͤnch, dann in Wittenberg von Luther ſelbſt fir die neue Lehre gewonnen, nach Koͤnigs⸗ berg gekommen, wo er in der altſtaͤdtiſchen Pfarrkirche am neunundzwanzigſten November die erſte evangeliſche Predigt hielt, jedoch in einem weit heſtigeren und ſtuͤrmiſcheren Geiſte als der gemuͤthsruhigere Brismann.“ Freudig und kräftig gedieh und verbreitete ſich nun die in Königsberg zuerſt gegründete Pflanzung der evangeliſchen Kirche Preuſſens. Der Biſchof von Samland, obgleich noch nicht Öffentlich als Bekenner der Lehre Luthers auftretend, foͤrderte das gute Werk nach allen Seiten hin. Mit den erwähnten Begruͤndern deſſelben waren auch wieder neue Schriften Luthers und anderer Reformatoren Deutfchlands nach Preuſſen gekom⸗ men, die von Jung und Alt mit außerordentlicher Begierde ge⸗ leſen und immer weiter verbreitet wurden. Dazu trug nicht wenig bei, daß der Hochmeiſter feinem Secretaͤr Chriſtoph Gatten⸗ hofer und dem Wolfgang Maler auf ihre Bitte die Erlaubniß ertheilte, in Koͤnigsberg eine Buchdruckerei und eine Papier⸗ mühle einzurichten und anzulegen, worüber er die nähere Ans ordnung dem Biſchofe von Samland von Berlin aus übertrug. ® So kam es, daß ſchon mit dem Anfange des Jahres 1524 eine Menge von Schriften für und gegen die Lehre Luthers durchs ganze Land verbreitet waren und in den kleinen Staͤdten, 1) ueber die Predigt Georgs v. Polenz ſ. Gebſer a. a. O. S. 271 — 272. Rhesa Progr. vita a Polentis p. 14. 2) Hartknoch a. a. O. S. 268. 3) Wir haben daruͤber zwei Verordnungen des HM., eine an den Secretaͤr Chriſt. Gattenhofer, d. Köln a. d. Spree nach Simon u. Judä 1523 Schbl. D. 587, eine andere an den Biſchof v. Samland, d. Köln a. d. Spree Mittw. nach Aller Heil. 1523 Fol. Allerlei Miſ⸗ five v. J. 1520 — 1525 u · Schbl. LXVII. 59. Er ertheilt die Erlaubniß mit dem Vorbehalt, „das die Erbgerechtigkeit und fürftliche obrigkeit uns daran zuſtaͤndig, ſampt einer jerlichen Zinſung und nutzung uns vorbehalten und nicht andern verſchrieben werden mogen u. ſ. w.“
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Der HM, von neuem bei Luther. (1524.) 701 z. B. in Bartenſtein mit außerordentlichem Intereſſe geleſen wurden. Waͤhrend dieſer Ereigniſſe in Preuſſen war der Hochmeiſter von Berlin, wo er im November mit dem Kurfuͤrſten viel uͤber die ihm ſehr verdrießlichen Daͤniſchen Angelegenheiten verhandelt hatte, nach Nurnberg zuruͤck gekebrt, um dort auf dem naͤchſten Reichstage alles anzuwenden, ſeine Streitſache mit Polen wo möglich endlich zum Schluſſe zu bringen, denn ſein laͤngerer Aufenthalt in Deutſchland wurde ihm immer lajliger; er ſehnte ſich nach Preuſſen zuruͤck.“ Auf der Ruͤckreiſe nach Nürnberg aber hatte er auch Luthern in Wittenberg von neuem beſucht, viel mit ihm verhandelt, wahrſcheinlich ihm damals auch die Fragen uͤber das Papſtthum und die paͤpſtliche Macht vorgelegt, die ihm Luther bald darauf gründlich beantwortete, 9 und end» lich ihn auch aufs neue erſucht, ihm noch einige tüchtige Pre⸗ diger zuzuweiſen, die er zur Verkuͤndigung des reinen Evan⸗ geliums nach Preuſſen ſenden koͤnne. Seine Lage ward ſeitdem noch ungleich bedenklicher. Seine Zuneigung zu Luthers Lehre war bald ruchbar geworden. Kaum hatte der eifrigglaͤubige Herzog Georg von Sachſen, einer der Mitſchiedsrichter in der Polniſchen Streitſache, davon Nachricht erhalten, als er ſie ei⸗ ligſt dem Bruder des Hochmeiſters Markgrafen Kaſimir mit⸗ theilte, nicht ohne auf die Gefahren hinzuweiſen, denen Albrecht auf dieſem Wege entgegen gehe. „Man höre auch, meldete er ihm ferner, daß auch der Biſchof von Samland, jetzt Statt⸗ halter in Preuſſen, der Lutheriſchen Ketzerei etwas ſtark an⸗ haͤngig ſeyn ſolle, welches, wenn es ſo waͤre, wohl Anzeige ſey, daß auch der Hochmeiſter in dieſelbe Leichtfertigkeit ge⸗ willigt. Da ſey nun wohl zu vermuthen, wenn der Abt 1) Darüber einzelne Nachrichten in einem Berichte v. J. 1524 Schr. IV. F. 22. nro 15 — 17. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Köln a. d. Spree Mittwoch nach Aller Heil. 1523 u. Nürnb. Freit. nach Thoma 1523 Schbl. LXVII. 59. 48. D. 535. 3) Luthers Briefe von De Wette B. U. 467.
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702 Verhaͤltniſſe mit dem Könige v. Polen. (1524.) Würfel lege, ſo wuͤrden alle Bruͤder ſpielen. Es thue ihm leid, daß ein ſolches Uebel von einem Fuͤrſten von Branden⸗ burg angefangen werde wider ſeine Gott und dem Orden ge⸗ thanen Geluͤbde, zumal da er ſelbſt es ſo treulich befoͤrdert habe, daß Albrecht das Haupt des Löblichen Ordens geworden. Der Orden muͤſſe nothwendig dadurch untergehen, weil die Luthe⸗ riſche Ketzerei dem Papſte, dem Kaiſer und vielen Koͤnigen und Fuͤrſten zuwider ſey; auch ſey kein Zweifel, daß dieß die Sache der Polen feſter und beſſer ſtellen muͤſſe. Zoͤgen nun der Papſt, der Kaiſer und die andern chriſtlichen Staͤnde ihre Hand vom Orden ab, ſo werde man leicht ſehen, wie es dann um ihn ſtehe.“ Der Herzog erſuchte daher den Markgrafen dringend, den Hochmeiſter zu warnen und ihn von ferneren Schritten, „die nur zur Verkleinerung des Hauſes Brandenburg fuͤhren müßten”, zuruͤckzuhalten.) Der Hochmeiſter mußte jetzt alle Klugheit und Vorſicht aufbieten, um nicht den Haß der Partei gegen ſich aufzuregen, an deren Haͤupter und Glieder er in allen ſeinen verſchiedenen Verhaͤltniſſen noch zu ſehr gefeſſelt war. Die Entſcheidung ſeiner Streitſache mit Polen hing noch von Fuͤrſten ab, die ins⸗ geſammt noch der alten Kirche zugethan waren. Auch in Nuͤrn⸗ berg hatte er noch keine ſichere Ausſicht gewonnen, wann und wie dieſe Sache entſchieden werden wuͤrde. Er erhielt zwar dort die Nachricht, daß der Koͤnig von Polen jetzt mehr als je eine Entſcheidung und die Herſtellung eines feſten Friedens wuͤnſche, und auf den Antrieb der dem Hochmeiſter immer noch ſehr geneigten Königin Maria von Ungern? übernahmen es auch der Markgraf Georg von Brandenburg und Herzog Friederich von Liegnitz, mit dem Koͤnige neue Unterhandlungen anzuknuͤpfen. Sie ſchlugen gewiſſe Friedensbedingungen vor, 1) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. Markgr. Kaſimir v. Brandenburg, d. Sonnab. nach Neujahrstag 1524 Schr. IV. F. 22 nro 17. 2) Schr. der Königin Maria v. Ungern an d. HM. d. Preßburg 9 Januar 1524 Schbl. VII. 73.
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Verhäͤltniſſe mit dem König v. Daͤnemark. (1524.) 703 ſuchten den Hochmeiſter zu deren Annahme zu gewinnen und begaben ſich dann auch zum Koͤnige, um mit ihm daruͤber zu verhandeln, bemüht, wenigſtens einen Frieden zu bewirken, der auf des Königes und des Meiſters Lebenszeit dauern ſollte, ohne daß der letztere von jenem in ſeinen Ordenspflichten be⸗ drängt werden dürfe. Allein die Unterhandlungen zogen ſich erſt lange hin und zerſchlugen ſich dann ganz, als der Koͤnig von Ungern ſich wieder einmiſchte und nach Laut des Com⸗ promiſſes einen neuen Anſtand auf zwei, drei oder ſuͤnf Jahre zu bewirken ſuchte,“ denn auf einen ſolchen wollte ſich Sigis⸗ mund gar nicht weiter einlaſſen, weil, wie er erklaͤrte, die Er⸗ fahrung bewieſen habe, daß der Orden die Zeit nur benutzen werde, um feine Kriegskraͤſte wieder zu vermehren und dann mit ihm von neuem in den Kampf zu treten.) Auch wollte der Koͤnig bereits Nachricht haben, daß der Hochmeiſter wirk⸗ lich ſchon dieſen Zweck bei mehren Fürften verfolge, weshalb es auch dem Erzherzoge Ferdinand nicht gelang, ihn zur Ver⸗ Yängerung des Anſtandes zu bewegen, obgleich er und der König von Ungern erklärten, daß der Krieg mit den Tuͤrken es ihnen unmoͤglich machen werde, die Streitſache innerhalb des beſtehen⸗ den Anſtandes zur Entſcheidung zu bringen. 4) Auch mit dem Könige von Dänemark, für den der Hoch⸗ meiſter alles fein Silbergeſchirr verpfändet, bedeutende Schulden und eine Menge von Anforderungen ſich aufgebuͤrdet hatte, konnte er noch auf keine Weiſe aufs Reine kommen. Waͤh⸗ rend er ſelbſt in Nürnberg mit Noth und Mangel Fämpfte, in dieſer Stadt allein eine Schuldenlaſt von eilftauſend Gulden 1) Schr. des Markgr. Georg u. des Herzogs Friederich v. Liegnitz an d. HM. d. Brotkau Mittw. nach Pauli Bekehr. 1524 Schbl. C. 72. 2) Schr. des Markgr. Georg u. des Herzogs v. Liegnitz an d. HM. d. Liegnitz Samſtag nach Laͤtare 1524 Schbl. B. 700. 3) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. König v. Ungern, d. Kra⸗ kau 27 April 1524 Schbl. C. 73. 4) Schr. des Koͤniges v. Ungern an d. Koͤnig v. Polen, d. Pfingſt. 1524. Schr. des Erzherzogs Ferdinand an denſ. d. 4 Juni 1524 Schbl. C. 73.
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704 Streit des HM. mit dem Deutſchmeiſter. (1524.) hatte anhaͤufen muͤſſen und von Preuſſen aus faſt ohne alle Unterſtuͤtzung blieb,“) war der König trotz aller feiner und des Kurfuͤrſten von Brandenburg Bemuͤhungen nicht zu bewegen, irgend eine Zahlung zu leiſten, benutzte alle moͤglichen Aus⸗ flüchte, um feinen Verſprechungen auszuweichen und verlangte dabei vom Hochmeiſter dennoch, nach Preuſſen Befehle zu er⸗ theilen, daß ſein Hauptmann Severin von Norby, der auf Gothland Mangel an Lebensmitteln und Geſchuͤtz litt, von Preuſſen aus durch Zufuhr unterſtuͤtzt werde.“ Um ſich den Koͤnig noch geneigt zu erhalten, ertheilte der Hochmeiſter dazu dem Komthur von Memel Herzog Erich von Braunſchweig die Erlaubniß, obgleich die Luͤbecker ſich daruͤber beſchwerten. Der Biſchof von Samland dagegen hatte bereits die Zufuhr unter⸗ ſagt, weil die Koͤnigsberger nach einem den Luͤbeckern gegebenen Verſprechen dem Hauptmanne durchaus keine Unterſtuͤtzung ge⸗ ſtatten wollten. Daruͤber kam es zu allerlei Irrungen; man that von Memel aus, was man in Koͤnigsberg ſtreng ver⸗ boten.) Der Biſchof mußte alles anwenden, um die Un⸗ zufriedenheit in Koͤnigsberg, wo ohnedieß wegen der geforderten Auflagen alles noch in unruhiger Bewegung war, ſo viel als moͤglich zu beſchwichtigen. Mit dem Deutſchmeiſter war es noch immer zu keiner Verſtaͤndigung gekommen. Der Streit mit ihm betraf jetzt eigentlich vier Punkte, zuerſt die Forderung des Hochmeiſters: der Deutſchmeiſter muͤſſe ihm als Oberhaupt des Ordens ohne 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. 17 Febr. 1524 u. Schr. deſſelb. an den Gecretär Chriſt. Gattenhofer, d. Nuͤrnb. 18 Febr. 1524 Fol. N. 156 — 157. 164. 2) Schr. des HM. an d. Kurfürften v. Brandenb. d. Nuͤrnb. Samſt. nach heil. drei Koͤn. 1524 Schbl. E. 313. Schr. des Kur⸗ fürften an d. HM. d. Köln a d. Spree Freit. nach Sebaſtian u. Sonnt. nach Pauli Bekehr. 1524 Schbl. XII. 38. XXXI. 99. 3) Schr. des Rathes v. Luͤbeck an d. Biſchof v. Samland, d. Donnerſt. nach heil. drei Kön. 1524 Schbl. XXæXIV. 40. Schr. des Herzogs Erich v. Braunſchweig an d. HM. d. Memel Sonnt. Judica 1524 Schbl. C. 3.
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Streit des HM. mit dem Deutſchmeiſter. (1524.) 705 weiteres Gehorſam leiſten, dann die zweite Forderung: es ſollten ihm, ſo lange er in der Sache des Ordens in Deutſchland verweilen muͤſſe, zu feinem Unterhalte einige Ordenshaͤuſer ein⸗ geräumt werden, ferner ſolle der Deutſchmeiſter zur Vollfuͤhrung des Compromiſſes den Hochmeiſter mit der von dieſem ver⸗ langten Geldbeiſteuer unterſtützen, und endlich duͤrfe jener waͤh⸗ rend des Hochmeiſters Anweſenheit im Deutſchen Reiche keinen Finſtenſtand und keinen Sitz im Reichsrathe auf dem Reichstage einnehmen.) Der letzte Punkt kam jetzt auf dem Reichstage zu Ninnberg von neuem zur Sprache, indem der Hochmeiſter foͤrmlich dagegen proteſtirte, daß in ſeiner Gegenwart auch noch dem Deutſchmeiſter neben ihm, dem Oberhaupte des Ordens Sitz im Deutſchen Reichsrathe zugeſtanden werde; er that dieß zwar nicht oͤffentlich, um unter den für den Orden ohnedieß fo ſehr bedenklichen Verhaͤltniſſen nicht neuen Zwiſt anzuregen, wandte ſich aber an den Kurfürften von Sachſen als Reichs: marſchall mit dem Geſuche, dem Deutſchmeiſter, „der eigentlich nicht mehr ſeyn ſolle als ein anderer Komthur“, ſobald er ſelbſt als Oberhaupt des Ordens deſſen Fuͤrſtenſtand vertrete, keinen ſolchen Stand einzuraͤumen oder doch an die andern Reichs⸗ ſtaͤnde die Frage zur Entſcheidung zu bringen, ob der Deutſche Orden, wiewohl er nur Ein Fürftentyum bilde, zwei Stimmen im Reiche haben koͤnne. Der Hochmeiſter hoffte eine vernei⸗ nende Entſcheidung und folglich eine Zuruͤckweiſung des Deutſch⸗ meiſters.?) Weit heftiger wurde der Streit uͤber die übrigen Forderungen des Hochmeiſters, namentlich uͤber die Geldbeiſteuer fortgeſetzt. Dieſer hatte jetzt die Entrichtung der Summe von funfzehntaufend Gulden zur Ausführung des Compromiſſes mit 1) Dieſe vier Punkte ſtellte der HM. ſelbſt zu Nuͤrnberg als die weſentlichſten auf; Schbl. DM. 11. 2) Die Proteſtation des HM. gegen die Seſſion des DM. im Reichsrathe, d. 20 Febr. 1524 Schbl. DM. 51. Eine andere Prote⸗ ſtation des HM. in einem Notariateinſtrument, d. Nürnberg 12 Febr. 1524 Schbl. LXI. 15. 3) Nach einem Gedenkzettel für den HM. aus dem Ende des J. 1523 Schbl. D. 584. IX. 45
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706 Verzweifelte Lage des HM. (1524.) aller Strenge gefordert, ſogar drohend, daß bei fernerem Un⸗ gehorſam des Deutfchmeifters „für dieſe Krankheit eine andere Arznei gefunden werden muͤſſe.“ Der letztere wandte ſich daher jetzt an des Hochmeiſters Bruder den Markgrafen Kaſimir mit der dringenden Bitte, als Vermittler eine guͤtliche Verhandlung einzuleiten und den Hochmeiſter wenigſtens ſo lange zu be⸗ gütigen, bis er die Sache noch einmal feinen Gebietigern vor⸗ gelegt habe; er theilte die ſtrengen Forderungen mit, welche der Hochmeiſter in Ruͤckſicht des Gehorſams an ihn mache, erbot ſich abermals zu einer ſchiedsrichterlichen Ausgleichung, bat dann den Markgrafen, er moͤge den Hochmeiſter warnen, ihn mit ſeinen harten Geboten nicht bis zum Aeußerſten zu treiben, und erſuchte ihn endlich, wenn der Hochmeiſter etwa mit Ge⸗ walt gegen ihn einſchreiten werde, die unter ſeinem Schirm gelegenen Ordenshaͤuſer Ellingen, Virnsberg und Nuͤrnberg in ſeinen Schutz zu nehmen.) So war die Sache nun ſchon auf die aͤußerſte Spitze geſtellt. Albrecht war allerdings freilich in der verzweifeltſten Lage. Seine Hoffnung auf die Steuer⸗ leiſtung in Koͤnigsberg, der man ſich hier aufs hartnaͤckigſte widerſetzte, war bisher immer getaͤuſcht worden;? die druͤckendſte Geldnoth hemmte alle ſeine Schritte; uͤberall, wo er ſich Unter⸗ ſtuͤtzung verſprochen, ward er hingehalten oder verlaſſen; alle Mittel und Wege, durch die er ſich Huͤlfe zu verſchaffen ge⸗ ſucht, waren ihm fehlgeſchlagen; die Bernſteinhaͤndler in Augs⸗ burg, die er bei dem fortwaͤhrenden geringen Ertrage des Bern⸗ ſteins nicht befriedigen konnte, verfagten ihm ſchon allen Credit. 9 Es war ſchon ſo weit gekommen, daß, wie ihm der Kurfuͤrſt von Brandenburg insgeheim meldete, Wolf von Schoͤnberg und Thiele Knebel den Plan gefaßt hatten, dem Hochmeiſter, fofern 1) Schr. des DM. an d. Markgr. Kaſimir v. Brandenb. d. Nürnd. am Charfreit. 1524 Schbl. XXIX. 17. 18. 2) Antwort der Buͤrgermeiſter, Raͤthe und Gemeinen der Staͤdte Koͤnigsb. an d. HM. d. Dienſt. nach Lucid 1523 Schbl. LVI 79. 3) Schr. des HM. an Chriſt. Gattenhofer, d. Nürnd. 4 März 1524 Fol. N. p. 181. 182. Schr. des HM. an d. Landkomthur an der Eiſch, d. Nürnb. 9 April 1524 Schbl. 101. 125.
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Verhaͤltniſſe des HM. zu Polen. (1524.) 707 er ihnen auf nächfter Leipziger Meſſe nicht Bezahlung leiſten laſſe, auflauern, ihn niederwerfen und gefangen nehmen zu wollen.) Auch die fr den König von Dänemark in Sold genommenen Rheinlaͤndiſchen Grafen und Rottmeiſter wuͤrden ſchon zu offener Gewalt geſchritten ſeyn, wenn nicht der Erz⸗ biſchof Hermann von Koͤln einen Theil derſelben mit einem Darlehen von einigen tauſend Goldgulden fuͤr den Hochmeiſter zu begütigen geſucht hätte, aber freilich nun von dieſem die Rückzahlung der Summe verlangte.“ Und noch immer eroͤffneten ſich dem Meiſter gar keine Ausſichten zu einer baldigen Rettung aus dieſer ſchweren Be⸗ draͤngniß. Die Zeit des Anſtandes nahte ſich ſchon mehr und mehr ihrem Ende; allein es war gar nicht daran zu denken, daß die Commiſſarien, namentlich der Koͤnig von Ungern, ſo lange fie noch mit den Türkiſchen Angelegenheiten beſchaͤftigt waren, mit Ernſt und Eifer einen entſcheidenden Schritt in der Streitſache thun wuͤrden.) Der Hochmeiſter war in großer Beſorgniß, daß der König von Polen nach Ablauf des Waffen⸗ ſtillſtandes ſogleich wieder zu den Waffen greifen werde, zumal da dieſer bereits mehrmals uber deſſen Verletzung geklagt hatte, denn das Domkapitel von Ermland beſchwerte ſich wiederholt bei ihm, daß der Hauptmann Peter von Dohna zu Brauns⸗ berg mehre im Gebiete von Frauenburg liegende Beſitzungen weggenommen habe und nie aufhoͤre, das Domkapitel mit aller⸗ lei Ungerechtigkeiten zu belaͤſtigen, indem er z. B. den Doͤrfern gebiete, dem Domkapitel fortan keinen Gehorſam zu leiſten, ſondern ihn als ihren rechtmäßigen Herrn anzuerkennen. So⸗ 1) Schr. des Kurfürften v. Brandenb. an d. HM. d. Koͤln Donnerft. nach Jubilate 1524 Schbl. XII. 153. 2) Schr. des Erzbiſchofs v. Köln an d. HM. d. Brül Sonnt. Exaudi 1524 Schbl. LX XV. 108. 3) Schr. des HM an d. Landkomthur an der Etſch, d. Nuͤrnb. 9 April 1524 Schbl. 101. 125. 4) Schr. des Koͤniges v. Polen an d. Biſchof v. Samland, d Petrikau Dienſt. vor Concept. Mariä 1523. Schr. deſſelb. an d. Bi⸗ ſchof v. Samland, d. Krakau 20 April 1524 Schbl. XXV. 26. 72. 45 *
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708 Verhaͤltniſſe des HM. zu Polen. (1524.) nach konnte der Koͤnig immer leicht neue Gruͤnde zum Beginn des Krieges finden. Der Hochmeiſter und mit ihm mehre Fuͤrſten boten alle Mittel auf, um dem vorzubeugen. Auf des erſtern Geſuch empfahl der Erzherzog Ferdinand dem Kaiſer von neuem unter Hervorhebung der großen Verdienſte des Hauſes Brandenburg um das Oeſterreichiſche Haus eine ſchleu⸗ nige Förderung der Angelegenheit des Ordens aufs dringendſte.“ Albrecht wandte ſich auch ſelbſt an ihn. Der Kurfuͤrſt von Brandenburg erſuchte den Herzog Georg von Sachſen, ſeiner Seits dahin zu wirken, daß vor Ablauf des Anſtandes wo moglich noch eine Entſcheidung oder wenigſtens doch ein neuer Anſtand noch auf einige Jahre zu Stande komme. Der Her⸗ zog indeß, der den Meiſter ſchon auf dem Wege zur Lutheriſchen Ketzerei vermuthete, ſprach ſich fin ihn jetzt ſehr lau und gleich gültig aus. „Er ſey, antwortete er, einer der geringſten Unter: haͤndler und es wolle ſomit ihm nicht geziemen, ſich jetzt der Sache ſelbſt zu unterfangen.” 9 Erſt als Albrecht ihn perſoͤn⸗ lich um Foͤrderung ſeiner Angelegenheit erſuchte, ließ er ſich bewegen, in kalten Sendſchreiben an den Koͤnig von Ungern und den Erzherzog Ferdinand die baldige Beſtimmung eines Verhandlungstages in Erinnerung zu bringen.?) Letzterer hatte ſich auch mehrmals zu dem naͤmlichen Zwecke wieder an die Koͤnige von Ungern und Polen gewandt, aber von keinem eine Antwort erhalten.) Endlich hatten auch der Markgraf Georg Schr. des Domkapitels zu Frauenburg an die Landesregenten und Ge⸗ bietiger, d. Frauenb. Sonnt. nach Corpor. Chr. 1524 Schbl. A. 208. 1) Schr. des Erzherzogs Ferdinand an d. Kaiſer, d. Nürnb. 21 April 1524 Schbl. V. 54. 2) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. Kurfuͤrſt. v. Bran⸗ denb. d. Dresden Freit. in d. Pfingſtwoche 1524 Schbl. XXIX. 86. 3) Schr. des Herzogs Georg v. Sachſen an d. Koͤnig v. ungern u. den Erzherzog Ferdinand, d. Chemnitz 10 Juni 1524 Schbl. XXIX. 86. 4) Schr. des Erzherzogs Ferdinand an d. Kurfuͤrſten v. Brandenb. d. Stuttgart 3 Juni 1524 Schbl. C. 64.
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Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) 709 von Brandenburg und Herzog Friederich von Liegnitz ihre Unter⸗ handlungen mit dem Koͤnige von Polen noch fortgeſetzt und waren ſelbſt zu ihm nach Krakau gezogen, wo ſie aber nach langem Harren nur den Beſcheid erhielten: der Koͤnig wolle ihre Vorſchlaͤge in weiteres Bedenken nehmen, ſich darüber erſt auch mit feinen Reichsſtaͤnden berathen und dann gegen Mar⸗ tini hin dem Hochmeiſter feine Entſcheidung zuſenden.“ Da er zugleich erklärte: er werde und koͤnne ohne Wiſſen und Be⸗ willigung feiner Reichsſtaͤnde jetzt keinen weitern Schritt thun und der Reichstag koͤnne vor der erwaͤhnten Zeit nicht verſam⸗ melt werden,? fo blieb auch dem Hochmeifter jetzt nichts uͤbrig, als alles bis auf den Herbſt auf ſich beruhen zu laſſen. Hatten nun aber ſchon dieſe den Meiſter in ſeiner trau⸗ rigen Lage ſchwer bedraͤngenden Verhaͤltniſſe ihm die böchfte Vorſicht und Behutſamkeit in Beziehung auf das Reſorma⸗ tionswerk in allen feinen Schritten zur Pflicht gemacht, fü traten bald noch andere nicht minder wichtige Gruͤnde hinzu, die ihn bewogen, noch nicht oͤffentlich ſelbſtwirkend mit einzu⸗ greifen. Die Sache des Evangeliums hatte ſeit dem Anfange dieſes Jahres in Preuſſen immer kraͤſtigeres Gedeihen gewon⸗ nen und ging in ihrem friſchen Aufleben nnaufhaltſam vor: waͤrts. Der Biſchof von Samland erließ ſchon am Löten Ja⸗ nuar für alle Kirchen Preuſſens die Verordnung, daß fortan in der Landessprache gepredigt und getauft werden und die Geiſtlichen Luthers Schriften, vorzüglich deſſen Deutſche Ueber⸗ ſetzung der heil. Schrift nebſt den Erlaͤuterungen fleißig leſen ſollten. Er verſprach zugleich, Sorge dafuͤr tragen zu wollen, daß auch den Landesbewohnern, welche Litthauiſch, Altpreuſ⸗ 1) Schr. des Markgr. Georg v. Brandenb. u. des Herzogs v. Lieg⸗ nig an d. HM. d. Freienſtaͤdtlein Dienſt. nach h. Leichnam 1524 Schbl. B. 708. Schr. des Kurfürften v. Brandenb. an d. HM. d. Köln a. d. Spree Sonnt. vor Viti 1524 Schbl. B. 698. 2) Schr. des Herzogs Friederich v. Liegnitz an d. HM. d. Lieg⸗ nis Sonnt. nach Margarethe 1524 Schbl. B. 315.
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710 Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) ſiſch oder Polniſch redeten, es nicht an chriſtlichem Unterricht mangeln fole.D Zu gleichem Zwecke chriſtlicher Belehrung wirkte auch Doctor Brismann nicht blos von der Kanzel, ſondern hielt im Remter der Domherren mit großem Beifall auch Vorleſungen Über den Brief an die Roͤmer.) Das Ver: trauen des Volkes zu den evangeliſchen Predigern befeſtigte ſich mit jedem Tage mehr und ebenſo der Einfluß der letztern auf das Volk. Der Hochmeiſter vernahm dieß nicht ohne große Freude und trug dem Biſchofe auf, dieſen Einfluß der Pre⸗ diger beim Volke zu benutzen, um es fuͤr ſeine Geſuche wegen thätigerer Unterſtuͤtzung geneigter zu ſtimmen.) Indeß ging dieſer auch hierin, wie uͤberall mit Maͤßigung und Beſonnen⸗ heit zu Werke.) Wie er ſtrenge Befehle gegen die Pfarrer erließ, welche ihre Kirchſpielsgenoſſen wegen nicht entrichteter Zehnten mit dem Banne belegten oder ihnen die Sacramente verweigerten, und wie er unter Androhung der Amtsentſetzung mit allem Ernſte darauf drang, ſolche Mißbräuche abzuftellen, 5 ſo trug er nicht minder Sorge, daß an den Orten, wo die Moͤnche ihren Kloͤſtern entliefen, die Kloſterſchaͤtze und Klein⸗ odien nicht in unbefugte Haͤnde geriethen, ſondern genau ver⸗ zeichnet und von den Amtleuten in Verwahrung genommen wurden.“) Schon im Februar waren in Königsberg wie in 1) Luthers Schriften B. IV. 62 (Jen. Ausg.) Arnoldt Kir⸗ chengeſch. S. 253. Faber Preuſſ. Archiv B. I. 136. Ueber das Man⸗ dat des Biſchofs vgl. Gebſer Geſch. des Doms zu Koͤnigsb. B. I. 273. Bhesa Programma: vita G. a Polentis p. 14. Nicolovius Die biſchoͤfl. Wuͤrde S. 14 — 15. 2) Gebſer a. a. O. 283. Ahesa Programma: vita Brismanui P- 12. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. 20 Febr. 1524 Fol. N. p. 160. 4) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. 21 April 1524 Fol. N. p. 185. 5) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. Statthalter zu Tapiau, d. 5 April 1524 in Faber Pr. Archiv B. II. 96. 6) Ausſchreiben des Biſchofs an die Aemter vom 20 Mär; 1524 bei Faber a. a. O. S. 95.
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Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) 711 der Kirche der Altſtadt ſo im Dom alle Altaͤre abgedeckt, ein Theil derſelben abgebrochen, das Kirchengeraͤth von den Gilden in Beſchlag genommen, die Heiligenbilder aus den Kirchen hinweggeſchafft u. ſ. w.) Nicht mit der Ruhe und Maͤßigung, wie der Biſchof und Brismann, verfuhr Johann Amandus in der Altſtadt. Im arbeiteten beide zu langſam am Nieder⸗ reißen der alten Kirche; er forderte das Volk wiederholt von der Kanzel zur gewaltthaͤtigen Vernichtung der alten papiſti⸗ ſchen Ueberbleibſel auf und als er um Oſtern dieſes Jahres dem aufgereizten Poͤbel von der Kanzel herab zurief: „die grauen Mönche haben nun lange genug mit uns gegeſſen und getrunken, nun gehet hin und eſſet und trinket auch mit ihnen“, da flirmte das Volk in großen Haufen gegen das graue Moͤn⸗ chen⸗Kloſter, plünderte es aus und vertrieb die Mönche ſaͤmmt⸗ lich aus ihren Zellen. Unter mancherlei Mißhandlungen konn⸗ ten fie ſich kaum unter dem Geleite des Buͤrgermeiſters retten. Aehnliche ſtuͤrmiſche Plünderungen und Vernichtungen der Al⸗ täre, Bilder und Kirchenſchaͤtze erfolgten bald auch an andern Orten. Der Hochmeiſter warnte zwar von Nürnberg aus, „man ſolle von der Kanzel nichts Aufruͤhreriſches, ſondern allein das klare Wort Gottes predigen und beſonders ſich aller Schmaͤh⸗ und Schaͤndworte enthalten“; ) es war indeß nicht möglich, das Volk uͤberall in Zaum und Zuͤgel zu halten, denn nach ſo langem und ſchwerem Druck der Armuth und der Noth mußte unter Jung und Alt jedes Wort von Erloͤſung und Befreiung die gepreßte Bruſt in Bewegung ſetzen und hie und da zu maßloſen Schritten treiben. Selbſt eine mißverſtan⸗ dene Predigt des Biſchofs regte mancherlei Unruhen an. Um fo mehr fand es dieſer nöthig, ſich offen und frei auszusprechen. 1) Bericht des Secretaͤrs Chriſt. Gattenbofer an d. HM. v. 26 Febr 1524 bei Gebfer a. a. O. S. 275. Ebel der Tagesanbruch od. Erinnerungen an die Kirchenverbeſſerung in Preuſſ. S. 35. 2 Darüber die actenmäßige Nachricht im Fol. Allerlei Miſſive u. Haͤndel v. 1520 — 1525, u. bei Faber B. I. 205 u. f. 3) Schr. des HM. an d. Secretaͤr Chriſt. Gattenhofer, d. Nuͤrnb. 22 April 1524 Fol. N. P. 198.
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712 Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) Am Oſter⸗ und Pfingſtfeſte predigte er daher mit aller Kraft und wuͤrdigem Eifer gegen die Irrthuͤmer und Mißbraͤuche der katholiſchen Kirche, gegen Ablaß, Faſten, Seelenmeſſe, Feg⸗ feuer und Moͤnchsweſen und erklaͤrte ſich nun ſchon ohne Scheu fir die große Sache Luthers.) Voll Freude aber ſchrieb die⸗ fer ſchon am erſten Februar an ſeinen Freund Spalatin: „Endlich giebt auch ein Biſchof Chriſto die Ehre und predigt in Preuſſen das Evangelium, naͤmlich der von Samland, den Johannes Brismann belehrt, welchen wir dorthin geſandt ha⸗ ben, um in Preuſſen dem Reiche des Satans ein Ende zu machen.“ 2 Der Hochmeifter, mit dieſen Ereigniſſen in Preuſſen noch wenig bekannt, ſuchte alles wo moͤglich in der Bahn der Ord⸗ nung zu erhalten. Da er im voraus bei des Doctor Amandus feuerigem und ſtuͤrmiſchem Weſen manche Widerwaͤrtigkeiten und unruhige Auſtritte befürchtete, fo unterließ er nicht, um dieſen moͤglichſt vorzubeugen, den in vieler Hinſicht achtungs⸗ werthen Geiſtlichen in zwei Sendſchreiben ſowohl dem Biſchofe von Samland als dem Rathe der Altſtadt Königsberg als einen gelehrten, erfahrenen und in der heil. Schrift ſehr bes wanderten Mann ihrem Schutz und Schirm zu empfehlen. „Wir haben nicht aus gering wichtigen, ſchrieb er, ſondern aus beweglichen Urſachen uns hier außen um tapfere und ver⸗ ſtaͤndige Leute, die das heilige Gotteswort zu verfündigen und dem gemeinen Manne einzubilden geſchickt und erfahren, mit allem Fleiße beworben und erſtlich ſo viel erlangt, daß euch vor andern, auch als den Getreuen, ſo wir mit allen Gnaden geneigt, ein gelehrter, erfahrener und der heil. Schrift verſtaͤn⸗ diger Mann, Doctor Amandus genannt, zu einem Prediger zugefertigt. Nun koͤnnen wir bei uns ermeſſen, daß vielleicht derſelbige nicht jedermann mit ſeiner Lehre, die auch den alten menſchlichen Mißbraͤuchen in allen Artickeln nicht, jedoch der rechten, bewährten Schrift gemäß, gefällig ſeyn möchte.” Er 1) Rhesa Programma: vita Georgii a Polentis p. 11 —12. 2) Luthers Briefe von De Wette B. II. S. 474.
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Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) 713 fordert daher den Biſchof auf, bei der Eile, mit welcher Amandus alles werde ausrotten wollen, ihn gegen etwanige. Unbill, die ihm wohl widerfahren koͤnne, in Schutz zu nehmen und aufrecht zu erhalten „denn wo das nicht geſchehe, wuͤr⸗ den andere ſich daran ſpiegeln und ſich um ſo mehr ſcheuen, fi) nach Preuſſen zu begeben.“ ” Allein dieſe Bemuͤhungen des Hochmeiſters zur feſten Ber gruͤndung und Verbreitung der Lehre Luthers in Preuſſen wa⸗ ren trotz aller Vorſicht dennoch von ſeinen Gegnern belauert worden und auch der Papſt hatte davon bald Nachricht erhal⸗ ten. Durch ihn beauftragt hatte der Erzbiſchof von Kapua dem Bruder des Hochmeiſters Johann Albrecht von Branden⸗ burg, der ſich immer noch in Rom aufhielt, erklären muͤſſen, mit der Weiſung, es auch dem Hochmeiſter ſelbſt zu melden: der Papſt habe aus glaubwürdigen und gegründeten Berichten erfahren, daß etliche Fuͤrſten mit ſtarkem Anhange beſondere Rathſchlaͤge, Conſpirationen und Verſammlungen hielten und wider die chriſtliche Kirche, paͤpſtliche und alle geiſtliche Obrig⸗ keit vornaͤhmen, wobei der Hochmeiſter „als Vorgaͤnger, Haupt⸗ mann und Anfaͤnger aller Handlung“ genannt werde. Dieß muͤſſe ihn an dieſem um fo mehr beſremden und ſchmerzen, da er ſtets zu ihm die größte Zuverſicht gehegt, nicht bloß wegen der Guͤte und Bereitwilligkeit, die er ihm früher ſchon als Kardinal und jetzt auch als Papſt ſtets gerne und mit vaͤterlicher Huͤlfe bewieſen, ſondern auch weil der Hochmeiſter in feiner fuͤrſtlichen Wuͤrde und in feinem Stande im ritter⸗ lichen und geiſtlichen Orden als ein Hauptmann der Kirche zum Schutz und Schirm des chriſtlichen Glaubens aus goͤtt⸗ licher Gnade erwaͤhlt worden ſey. Weil nun aber dieſer ohne 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland u. den Rath der Altſtadt Koͤnigsb. d. Nürnb. 4 u. 24 März; 1524 Fol. N. p. 171. 175 — 176. Faber a. a. O. B. II. 103 — 104. Luther war ſpaͤte mit des Amandus ſtuͤrmiſchem Verfahren unzufrieden; er ſchreibt an Brismann am 11 Jan. 1525: Amandum a vobis discessisse audio, nec multum doleo, quin potius gaudeo: videtnr Carlstadii spiritum spirare. Ebel Tagesanbruch S. 57.
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714 Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) ſolches zu achten und aus ungegruͤndeten Urſachen ſich nicht allein vom Papſte und der Roͤm. chriſtlichen Kirche trennen, ſondern auch oͤffentlich wider ſie rathen, helfen und handeln wolle, ſo werde ſich auch der Papſt veranlaßt und gedrungen fuͤhlen, „ſich an die zu ſchlagen und denen Beiſtand zu lei⸗ ſten, bei welchen er feſte und beharrende Huͤlfe finde, und ſich davon in keiner Weiſe abwenden zu laſſen.“ Die Drohung war leicht verſtaͤndlich; ſie wies offenbar auf den Koͤnig von Polen hin. Der Markgraf gab daher eiligſt ſeinem Bruder von allem Nachricht und rieth ihm: er moͤge nicht ſaͤumen, wenn er ſchuldlos ſey, dem Papſte ſeine Unſchuld an den Tag zu legen, damit aus deſſen Argwohn nicht großer Nachtheil für ihn bervorgehe. D Der Hochmeifter indeß verfchob feine Verantwortung auf dieſe Anklage am paͤpſtlichen Hofe abſichtlich längere Zeit;?) er fand vorerſt Schritte noͤthig, die er zu ſeiner Rechtfertigung benutzen wollte. Er erließ vor allem an den Biſchof von Sam⸗ land die Weiſung: obgleich die Ereigniſſe in Preuſſen, unter denen die aͤußere Ordenskleidung vielleicht wenig mehr geachtet werden moͤchte, die Ordensglieder jetzt um ſo mehr veranlaſſen koͤnnten, ihren Ordenshabit abzuwerfen, ſo ſey dieß doch keines⸗ wegs ſein Wille, denn wiewohl das Kreuz weder fromm noch boͤſe mache, ſo koͤnne er den Orden noch keineswegs verläug⸗ nen, auf welchen er ſich immer noch berufe. Da nun noch niemand wiſſe, welchen Ausgang die Zeitlaͤufte gewinnen wuͤr⸗ den, ſo befehle er, daß die Ordensglieder, wenn ihnen auch wegen der Verachtung und des Spottes des gemeinen Volkes das Tragen der Ordensmaͤntel erlaſſen werde, doch ſtets die Ordenskreuze noch an ſich behalten ſollten, theils damit ſie von andern Leuten dadurch unterſchieden werden koͤnnten, theils „aus vielen andern beweglichen Urſachen, die zu erwaͤhnen 1) Schr des Markgr. Johann Albrecht v. Brandenburg an d. HM. d. Rom Freit. vor Judica 1524 Schr. IV. F. 22. Nro 16. 2) Wir werden ſpaͤter hoͤren, wie ſich der HM. verantwortete.
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Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) 715 unnöthig ſey.“) Offenbar lagen dieſe Urſachen in ſeinen Ver⸗ haͤltniſſen zum Rom. Stuhle. Er fertigte ferner dem Biſchofe von Samland die Verordnung zu: die nenerrichtete Druckerei in Königsberg ſolle, damit nicht Nachtheile daraus hervorgehen möchten, unter guter Aufficht gehalten, alle Bücher und Trac⸗ tate zuvor einer fleißigen Correctur unterworfen, vor dem Aus⸗ geben genau geprüft und durchgeſehen, beſonders Schmaͤh⸗ und Schaͤndworte, aufruͤhreriſches und anderes ungeſchicktes Weſen verhuͤtet werden, (wie dieß auch auf dem Reichstage in glei⸗ cher Weiſe für alle Druckereien berathen und beſchloſſen ſey)? damit ihm, dem Hochmeiſter in dieſer Sache nichts Unbilliges zugemeſſen werden koͤnne. Ein Feind alles theologiſchen Schmaͤhens und Schimpfens und der wilden kirchlichen Stuͤr⸗ merei, wie er ſolches Unweſen vielfach in Deutſchland kennen gelernt, erließ er daruͤber wiederholt die ernſtlichſten Warnun⸗ gen und Verbote nach Preuſſen, darauf vertrauend, daß der bereits ausgeſtreute Saame des reinen Evangeliums aus eige⸗ ner Kraft emporkeimen und zur Frucht reifen werde. Ihn auf dem beſſern Wege chriſtlicher Belehrung zu pflegen, ſandte er um Pfingſten den ſchon verheiratheten Doctor Paul von Spret⸗ tem oder Speratus aus Schwaben, einen ſehr gelehrten, auf⸗ geklaͤrten und befonnenen Mann, der auch bei Luther in hoher Achtung ftand, ? als feinen kuͤnſtigen Schloßprediger nach Kö: nigsberg, mit dem ausdrücklichen Auftrage, durch Predigten auf paffende Weiſe bei dem gemeinen Manne den aufruͤhreri⸗ ſchen Haß gegen die Geiſtlichkeit der alten Kirche ſo viel als 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Nurnb. 22 April 1524 Fol. N. p. 195, Faber Pr. Archiv B. II. 105. 2) Vgl. Voigt über Pasauille, Spottlieder u. fe w. des 16ten Jahrh. in Raumers biſtor. Taſchenbuch Jahrg. IX. S. 351 — 352. Baynald. Annal, eccles. an. 1524 nro 12. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Nuͤrnb. 22 April 1524 Fol. N. p. 195. 4) Rhesa Programma: viia P. Sperati p. 5 — 6.
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716 Fortgang der Reformation in Preuffen. (1524.) möglich zu dämpfen. D Zu gleicher Zeit aber ſprach er, nicht ohne Ruͤckſicht auf fein jetziges bedenkliches Verhaͤltniß zum Roͤm. Hofe, ſein Verwundern daruͤber aus, daß der Biſchof von Samland oͤffentliche Mandate wegen der Lutheriſchen Lehre habe ausgehen laſſen, deren keins von ihm beſchloſſen und ge⸗ nehmigt ſey, fügte jedoch hinzu: „er möge wohl leiden, daß damit gute Chriſten gemacht wuͤrden, denn in den Landen, wo er geweſen, habe er noch wenig fromme und rechtſchaffene Chriſten geſunden.“? Es leitete ihn ohne Zweifel dieſelbe Ruͤckſicht, als er auf die Nachricht, daß die Moͤnche aus den Kloͤſtern zu Heiligenbeil, Wehlau und Heil. Dreifaltigkeit ent: liefen und die Kloſterſchaͤtze unter ſich vertheilten, in denſelbigen Tagen dem Biſchofe von Samland den Befehl ertheilte, dafuͤr zu ſorgen, daß die Kloͤſter auf ſolche Weiſe nicht ihres Eigen⸗ thums beraubt, ſondern dieſes zuſammengehalten und in Ver⸗ wahrung genommen werde; geſchehe es, daß ein Kloſter von feinen Mönchen verlaſſen oder ſonſt in Klöftern zu ihrem Scha⸗ den Haus gehalten werde, ſo ſolle er einen Ordensritter darein ſetzen, der darauf zu ſehen habe, daß man alles Eigenthum genau verzeichne und nichts davon entfremde. ) Er befahl fer: ner, man ſolle den aus den Kloͤſtern entweichenden Moͤnchen fortan nicht mehr wie bisher Geld oder eine ſonſtige Abfertigung geben, damit ihm niemand nachſagen koͤnne, daß er Geiſtliche und Kloſterleute auf ſolche Weiſe verlocken laſſe; ſolchen, die nicht mehr bleiben wollten, duͤrfe man das Weggehen nicht wehren, jedoch auch ſolchen, welche laͤnger noch in einem Klo⸗ 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Pfingſt. 1524 im Fol. Allerlei Miſſive u. Händel v. J. 1520 — 1525; vgl. Nico⸗ lovius die biſchoͤfl. Würde u. ſ. w. S. 7—8. Hes Progranıma: vita P. Sperati p. 14. 21. 2) Schr. des HM. an Georg Klingenbeck, d. Halle am zweiten Pfingſtt. 1524 Fol. M. Faber B. II. 102. Geb ſer a. a. O. S. 277 — 278. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Halle 7 Mai 1524 Fol. N. p. 232.
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Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) 717 ſter leben wollten, keine beſtimmte Zeit ihres Bleibens ſetzen. “ Alles Aufruhrweſen des gemeinen Haufens, namentlich die ſtür⸗ miſche Auspluͤnderung des Moͤnchskloſters zu Koͤnigsberg ſand bei ihm die gerechteſte Mißbilligung. Er warnte daher nicht nur die Prediger, ſich alles deſſen zu enthalten, was das Volk zu Aufruhr und Widerwillen aufteize und nichts anders als nur das reine Evangelium zu predigen, ſondern er trug auch dem Biſchofe von Samland ausdruͤcklich auf, bei dem ungeſtuͤ⸗ men Weſen des Poͤbels ſich insbeſondere der Kloſter-Jungfrauen in Koͤnigsberg zu Schutz und Schirm anzunehmen, damit ihnen nicht irgendwie Schmach und Unehre widerfahre, denn ſolches werde unſehlbar beim Deutſchen Adel nur ihm zur Schuld bei⸗ gemeſſen werden. Er erließ deshalb darüber auch die nöthigen Mandate an die Städte Königsberg. ? Ferner hatte der Hoch⸗ meifter in einer neuen Anordnung feiner Kammer- und Aemter⸗ verwaltung, die er zur Verbeſſerung ſeiner Finanzen fuͤr noth⸗ wendig fand, den Haus⸗Convent zu Koͤnigsberg ſchon ganz aufgeloͤſt, indem die dortigen Ordensbruͤder auf andere Häufer und Aemter vertheilt worden waren; auch ein Theil der Prieſter⸗ bruͤder waren anderswohin verſetzt und nur einige in Koͤnigs⸗ berg zurückgeblieben.) Damit aber auch dieſer fuͤr den Fort⸗ gang der Reformationsſache in der Hauptſtadt ſo wichtige Schritt gewiſſermaßen gerechtfertigt werden konne, ertheilte er dem Bi⸗ ſchofe von Samland die Weiſung: es ſolle durch dieſe Anord⸗ 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Pfingſt. 1524 Fol. Allerlei Miffive u. Händel v. J. 1520 — 1525. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Halle 17 Mai u. Joachimsthal 13 Juni 1524 Fol. Allerlei Miſſive u. ſ. w. u. Fol. N. P. 234. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Halle 17 Mai 1524 Fol. N. p. 234. 4) Schr. des HM. an den Biſchof v. Samland, d. 22 April 1524 u. die Anordnung in Beziehung auf die Kammer- u. Aemter-Ver⸗ waltung im Fol. N. p. 193 — 194. 203 u. f.
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718 Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) nung der Gottesdienſt mit Meſſen und Gezeiten keineswegs abgeſtellt werden, „damit ihm, wie er hinzufuͤgt, vom Papſte oder jemund anderem nicht zugemeſſen werde, daß er ſolches alles auf einmal fallen laſſe und zum Aergerniß reize“; der Biſchof möge daher dafür ſorgen, daß noch alle Tage neben der Predigt eine Meſſe geſungen und die dazu noͤthigen Per⸗ ſonen unterhalten wuͤrden.) Dieß konnte der Hochmeiſter auch unbeſchadet des gluͤcklichen Fortganges der guten Sache erlauben, denn wie der Biſchof ihm gemeldet hatte, „nahm das Evangelium Chriſti und Wort Gottes ſo gewaltiglich uͤber⸗ hand, daß bei Menſchen-Gedenken ſolcher Zulauf zu den Pre⸗ digern nicht geweſen iſt wie jetzt und daß das Volk auch in den allergroͤßten Kirchen nicht wohl Raum hat.“ 2 Auch in den kleinern Staͤdten und auf dem Lande gewann das Evangelium ſchon mehr und mehr Eingang und Verbrei⸗ tung. Der Hochmeiſter trug dem Biſchofe von Samland aus⸗ druͤcklich auf, er moͤge auch aufs Land und in die andern Staͤdte gelehrte und dem Evangelium treuergebene Geiſtliche ausſenden, damit das göftliche Wort allenthalben verkuͤndigt werde und Wurzel faſſen koͤnne.) Der Biſchof kam dem gerne nach; er ſandte ſolche evangeliſche Prediger nach Worm⸗ ditt, Braunsberg, Bartenſtein, Gerdauen, Neidenburg d und andere Orte. Allein fie fanden nicht überall die erfreuliche Auf⸗ nahme wie in Koͤnigsberg. Der Rath und die Gemeine zu Wormditt wollten in Abweſenheit des Hochmeiſters den ihnen zugeſandten Geiſtlichen nicht aufnehmen und es gelang dem dortigen Pfleger Wolfgang von Holda, der ſelbſt ſchon evan⸗ 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Halle 17 Mai 1524 Fol. N. p. 234. Faber Pr. Arch. B. I. 135. 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. HM. d. Fiſchhauſen 1524 im Fol. Allerlei Miſſive u. ſ. w. Faber B. I. 212. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Joachimsthal 13 Juni 1524 Fol. Allerlei Miſſive u. ſ. w. Faber B. I. 135. 4) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. Rath v. Neidenburg, . 29 Juli 1524 bei Faber B. II. 98.
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Fortgang der Reformation in Preuffen. (1524.) 719 geliſch geſinnt war, auf keine Weiſe die Gemeine dazu zu be⸗ wegen, dem Geiſtlichen dort eine Predigt zu geſtatten.) An andern Orten hemmte der Biſchof Moritz von Ermland den Fortgang der guten Sache. Schon im April dieſes Jahres hatte er durch ein allgemeines Landesmandat die Verbreitung „des Lutheriſchen Ungeheuers“, wie er es nannte, in feinem Biſthum aufs allerſtrengſte unterfagt ? und in allen feinen Städten hielt er Agenten, die beim Volke alles aufbieten muß⸗ ten, um es gegen die neue Lehre und deren Verkuͤndiger auf⸗ zuhetzen und am alten Glauben feſtzuhalten. So hatte z. B. der Biſchof von Samland auf Bitten des dortigen Haupt⸗ mannes Peter von Dohna auch einen evangeliſchen Prediger nach Braunsberg geſandt, denn ein großer Theil der Bewoh⸗ ner dieſer Stadt war ſchon entſchieden der Lehre Luthers zu⸗ gethan; ) allein es gelang der ſtaͤrkern katholiſchen Partei, die insbeſondere aus dem gemeinen Volke beſtand, dennoch bald, den Geiſtlichen aus der Stadt wieder zu vertreiben“ und es ging ein ganzes Jahr voruͤber, bis der ganze Rath der Altſtadt Braunsberg ſich von neuem an den Biſchof von Samland mit dem Geſuche wandte, den Buͤrgern Brauns⸗ bergs, die ſeitdem in noch groͤßerer Zahl ſich dem Evangelium zugewendet hatten, einen evangeliſchen Pfarrherrn, namentlich den Prediger Johannes Kuͤcheler aus dem Dorfe Arnau, zu dem ſie alle großes Vertrauen gefaßt, zuzuſenden. Da dieſer indeß die Berufung ablehnte, jo übertrug der Biſchof dem bes redten Prediger Paul Pols, aus Koͤnigsberg, das erſte evan⸗ — 0. 1) Schr. des Pflegers v. Wormditt an d. Biſchof v. Samland, d. Wornditt am T. Viti u. Modeſti 1524 Schbl. A. 209. 2) Daruͤber ein Schr. des Biſchofs Moritz v. Ermland an d. Buͤr⸗ germeiſter u. Rath v. Guttſtadt u. an d. dortigen Statthalter, den Ordenbritter Dieter, v. Babenhauſen, d. Heilsberg Mont. nach Quaſi⸗ modogen. 1524 Schbl. A. 206. Hartknoch Kirchengeſch. S. 1039. 3) Hartknoch a. a. O. S. 1038. 4) Schr. des HM. an Chriſt. Gattenhofer, d. 27 Juni 1524 Fol. N. p. 223.
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720 Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) geliſche Predigtamt in Braunsberg.) Noch weit ſtaͤrkern Widerſtand fand das Evangelium in Bartenſtein. Der dort⸗ hin geſandte evangeliſche Geiſtliche ward ohne weiteres zuruͤck⸗ gewieſen. Der Biſchof von Samland unterließ nun zwar nicht, in einem Sendſchreiben ſowohl dem Rathe der Stadt als dem dortigen Statthalter Heinrich Reuß von Plauen die heilſamen Segnungen des Evangeliums vorzuſtellen und ſie um ihres eigenen Seelenheiles willen zu bitten, den ihnen zugeſandten Geiſtlichen zur Verkuͤndigung des reinen Wortes Gottes in ihrer Stadt zuzulaffen.? Allein gerade der von Plauen war es, der ſich der guten Sache mit aller Kraft widerſetzte.) Es half auch nichts, daß der Biſchof den ebenfalls ſchon evange⸗ liſch geſinnten Oberkompan Wolf von Heideck an den Rath der Stadt ſandte, um dieſen gegen den von Plauen zu ge⸗ winnen und die Aufnahme des Geiſtlichen zu bewirken,“ denn der Statthalter verband ſich jetzt mit dem Biſchofe von Erm⸗ land. Beide erſannen und verbreiteten die unſinnigſten Erdich⸗ tungen und Verleumdungen theils gegen den Biſchof von Sam⸗ land, theils auch gegen den Hochmeiſter, um das Volk irre zu leiten und die Verbreitung der neuen Lehre zu verdaͤchtigen. Bald hieß es: der Hochmeiſter wolle ein Weib mit ins Land bringen und alle Ordens herren wollten heirathen, nur darum befördere man überall den Lutheriſchen Ketzerglauben; bald 1) Darüber das Schr. des Buͤrgermeiſters u. Raths der Aliſtadt Braunsberg an d. Biſchof v. Samland, d. Braunsb. am T. Johannis Bapt. 1525 u. die Antwort des Biſchofs, d. Koͤnigsb. 27 Juni 1525 Schr. I. F. 10 nro 149. Hartknoch a. a. O. S. 1039. 2) Schr. des Biſchofs v. Samland an d. Rath v. Bartenſtein o. D. Schr. IV. F. 22. nro 13 — 17. Fol. Allerlei Miſſive u. ſ. w. Rhesa Programma: vita a Polentis p. 9— 11. 3) Der Biſchof ſagt vom Plauen: es wundere ihn, daß ſich die⸗ ſer jetzt ſo emſig wider Gott u. ſein goͤttliches Wort ſetze, „dieweil er in ſeinen jungen Jahren deſſelben nicht ſonderlich geachtet, denn uns dieß ein wahrhaftes Exempel giebt, daß ein dürrer Baum nicht gute Fruͤchte bringen thut.“ 4) S. Ebel Tagesanbruch S. 39 — 40.
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Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) 721 brachte man das Gerücht in Umlauf, der Biſchof von Sam⸗ land laſſe uͤberall die Kirchen pluͤndern, mit dem geraubten Silber die Kappen ſeiner Diener ſchmuͤcken und aus den Meß⸗ gewanden der Kirchen und Kloͤſter fuͤr feine Leute Kleider ma⸗ chen u. ſ. w. Der Hin- und Hertraͤger dieſer Erdichtungen, der Geiſtliche Georg Mochau aus Bartenſtein, der ſelbſt ſchon Lutheriſch geſinnt war und Luthers Buͤcher las, aber in des von Plauen Brot ſtand, wurde nachmals gefangen geſetzt und bekannte dann alle Umtriebe des Ermlaͤndiſchen Biſchofs und des Statthalters.) Der letztere hatte ſich dadurch ſo allgemein verhaßt gemacht, daß er es nicht mehr wagen durſte, mit dem Ordenskreuze in Kenigsberg zu erſcheinen, ohne befürchten zu muͤſſen, vom gemeinen Volke geſteinigt zu werden, 2 Auch in Koͤnigsberg war das Werk der Glaubensreinigung noch keineswegs ganz durchgekaͤmpft. Es gab auch hier noch viele, die von Eifer fuͤr die alte Kirche oder auch von leiden⸗ ſchaftlichem Widerwillen und Haß gegen die Neuerung getrie⸗ ben, die evangeliſchen Geiſtlichen und die Bekenner der neuen Lehre mit den gemeinſten Schmaͤhungen und Laͤſterungen ver⸗ folgten, ſo daß es der Biſchof fuͤr nothwendig fand, am 15ten Auguſt an die Raͤthe der Städte Königsberg die Ver⸗ ordnung zu erlaſſen, daß jeder, der wider die evangeliſche Lehre oder deren Verkuͤndiger und Zuhoͤrer ſich frevelhafte Schmaͤh⸗ reden, Verunglimpfungen oder ſonſt Ungebuͤhrlichkeiten erlauben werde, die nachdruͤcklichſte Strafe an Leib und Gut zu erwarten haben ſolle; jeder ehrenhafte Buͤrger, der ſich den chriſtlichen Namen beilege, ſolle bei Vermeidung ernſter Strafe verpflichtet ſeyn, jeden Laͤſterer Gottes und des Evangeliums ſogleich auf der That dem Rathe anzuzeigen, damit die Strafe auf der Stelle erfolge. Der Biſchof gebot zugleich auch, es ſolle fortan bei Bierzechen und uͤberhaupt an Orten, wo oft zu viel getrunken werde, uͤber Gotteswort nicht disputirt werden, „denn, ſagt er, 1) Dieſes weitlaͤuftige Bekenntniß Georg Mochau's Schr. IV. F. 22 nro 15 — 17; vgl. Arnoldt Kirchengeſch. S. 254 2) Erläut. Preuſſ. B. III. 189 — 190. IX. 46
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722 Fortgang der Reformation in Preuſſen. (1524.) bei ſolchen Disputationen, wo der Menſch mit Trunkenheit be⸗ laden und ſeiner Sinne und Vernunft entſetzt iſt, herrſcht ſelten der Geiſt Gottes, welcher nichts anders als Liebe und Friede, nicht aber Widerwillen, Ehreverletzung, Fluchen, Hauen, Stechen u. dgl., wie die That etlichemal mit ſich gebracht, gegen den Naͤchſten erwecken thut.“) Auch unter den Ordensgliedern ſelbſt herrſchte in veligiöfer Hinſicht Unfriede und Zerwuͤrfniß. Der groͤßere Theil der vornehmern Ordensritter hatte ſich, wie wir bereits an mehren Beiſpielen geſehen, ebenfalls ſchon der Lehre Luthers zugewandt und befoͤrderte ſelbſt ihre Verbreitung. Die vom Hochmeiſter fruͤher beim Ordensprocurator in Rom in Antrag gebrachte Verordnung wegen ernſter Beſtrafung der Ordensbruͤder, welche ins weltliche Leben zurüdtreten und der Aufforderung Luthers, ſich zu verheirathen, folgen wuͤrden, hatte der Procurator damals am paͤpſtlichen Hofe aus mancherlei Gründen nicht zur Sprache bringen wollen ? und es war ihrer ſeitdem nicht mehr gedacht worden. Ein anderer Theil der Ordensritter und Ordensglieder hielt zwar noch am alten Glau⸗ ben feſt und blieb der alten Kirche getreu; allein es knuͤpſte kein ſeſtes Band fie mehr zuſammen; von einem geſchloſſenen Zuſammenleben im Convente, wie wir es früher kennen gelernt, war kaum jetzt noch eine Spur vorhanden, denn der eigentliche Orden ſtand gewiſſermaßen ſchon faſt völlig aufgeloͤſt da. Nur noch einige alte beobachtete Formen, Gebraͤuche und Satzungen hielten ſein Scheinbild noch einigermaßen aufrecht. Uebrigens hatte ſich auch ſeit des Hochmeiſters Abweſenheit die Zahl der Ordensritter in Preuſſen ſehr bedeutend verringert und wo der Form nach noch eine Art von Conventsleben beſtand, bildeten es nur einige Prieſterbruͤder und einige wenige Ritter.“ 1) Das Mandat des Biſchofs v. Samland, d. Fiſchhauſen 15 Aug. 1524 bei Faber B. II. 99. Nicolovius die biſchoͤfl. Wuͤrde u. ſ. w. S. 15. Resa Programma: vita a Polentis p. 19 — 20. 2) Fol. Roͤm. Handl. 3) Darunter gehoͤrte auch der Herzog Erich von Braunſchweig, Komthur v. Memel. 4) Dieß zeigte ſich z. B. bei der Aufloͤſung des Konvents zu
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Innere Verhaͤltniſſe des Landes. (1524.) 723 So erfreut aber der Hochmeiſter auf den gedeihlichen Fort⸗ gang der Reformation in Preuſſen hinſah, ſo ſchwer kaͤmpfte er in Deutſchland noch fort und fort mit den Hinderniſſen und Schwierigkeiten in ſeinen dortigen Verhaͤltniſſen. Waͤhrend er ſich im Sommer eine Zeitlang in Halle und dortumher aufhielt, fragte er mehrmals durch ſeinen getreuen Rath Sebaſtian Startz Luthern um Rath theils in kirchlichen Angelegenheiten, theils in ſeiner aͤrgerlichen Geldſache mit dem Koͤnige von Daͤnemark, denn obgleich er daruͤber unablaͤſſig theils mit dem Könige ſelbſt, theils mit dem Kurfuͤrſten von Brandenburg unterhandelte,“ ſo kam er bei des erſtern großer Geldnoth doch ſo wenig zum Ziele, daß er ſich endlich genoͤthigt ſah, alles in ſeinem Lande befindliche Daͤniſche Eigenthum laut der vom Koͤnige ihm in deſſen Verſchreibung ertheilten Vollmacht und Erlaubniß mit Beſchlag belegen zu muͤſſen, um auf dieſe Weiſe zur Bezahlung ſeiner Koſten zu gelangen.) Die hoͤchſte Noth hatte ihn zu dieſem Schritte getrieben. Aus Preuſſen hatte ihm ſeit Jahren wenig oder nichts zugeſandt werden koͤnnen.) Gegen Ende des Juli wurden zwar die Staͤnde zu einem Landtage nach Koͤnigsberg berufen, um wegen einer Huͤlſsſteuer fuͤr den Mei⸗ ſter ſich zu berathen; allein es konnte zu keinem Beſchluſſe kommen. Der Adel, den Albrecht immer ſehr beguͤnſtigt, war zwar bereit, zu feiner Unterſtuͤtzung die Hand zu bieten; allein die Staͤdte ließen ſich auf keine Weiſe gewinnen. Der wider⸗ ſtrebende Geiſt zeigte ſich bald in allen Geſtalten; es brachen hie und da allerlei Meutereien aus; es traten oͤfter ſchon un⸗ ruhige Köpfe an die Spitze der Parteien, die mit der langen Abweſenheit des Hochmeiſters unzufrieden ſelbſt mitunter den Königsberg, wo man nur vier Nitterbrüder anderswo unterzubringen hatte; ſ. Fol. N. p. 203 ff. De Wal T. VIII. 181. 1) Schr. des Sebaſtian Startz an d. HM. d. Wittenberg 26 u. 30 Jun. 1524 Schbl. C. 326. 327. 2) Die Bekanntmachung des HM. darüber, d. Torgau 6 Juni 1524 Schbl. E. 333. 3) Schr. des HM. an die Raͤthe der Städte Koͤnigsb. d. Nuͤrnb. 22 April 1524 Fol. N. p. 200. : 46 *
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724 Innere Verhaͤltniſſe des Landes. (1524.) Rath gaben, lieber einen andern auswaͤrtigen Herrn ins Land zu rufen; einige nannten bereits als ſolchen den Meiſter von Livland. Die meiſten Unruhen zeigten ſich im Bürgerflande und unter dem gemeinen Volke der Staͤdte.) Außer der reli⸗ giöſen Aufregung trugen dazu auch die fortwährende Theuerung, die Nahrungsloſigkeit und der Druck aller Gewerbe viel bei. Eine Tonne Salz z. B., die man ſonſt mit drei bis vier Mark bezahlte, koſtete jetzt acht bis neun Mark und ſo im Verhaͤltniß die andern Lebensbeduͤrfniſſe. Die Verhaͤltniſſe des Hochmeiſters zu Daͤnemark, Schweden, Lubeck und den andern Seeſtaͤdten hemmten allen Handelsverkehr; die See war lange Zeit fuͤr das Land gleichſam ganz verſchloſſen, denn die ſ. g. Auslieger dieſer Staaten und Staͤdte fingen auf der See jedes Schiff aus Koͤnigsberg und Memel auf. Die Handelsſtraßen nach Polen und Maſovien ſperrten immer noch die ſtrengen Handels⸗ verbote des Koͤniges von Polen. Um ſo mehr wuͤnſchte man im ganzen Lande endlich einmal einen feſten und dauerhaften Frieden.) Luͤbeck bot zwar zugleich im Auſtrage der Koͤnige von Daͤnemark und Schweden den Staͤdten Koͤnigsberg zur Wiederauflebung und Sicherſtellung des gegenſeitigen Handels⸗ verkehrs eine Ausgleichung ihrer ſtreitigen Verhaͤltniſſe an und for⸗ derte dieſe zu Vorſchlaͤgen auf; allein die Verhandlungen daruͤber wurden ins naͤchſte Jahr hinausgeſtellt und ohne einen ſichern Frieden mit Polen verſprach man ſich auch daraus noch keinen beſondern Erfolg.) „Die Meuterei im Lande iſt ſo groß, ſchrieb endlich der Kanzler an den Hochmeiſter, daß nichts wuͤnſchenswerther iſt als euere Zuruͤckkunft, denn es liegt ein 1) Schr. des Secretaͤrs Chriſt. Gattenhofer an d. HM. d. Koͤnigsb. 30 Juli 1524 Schbl. C. 172. Er ſagt: der HM. muͤſſe nothwendig auf Mittel denken, die Meutereien in den Staͤdten zu erdruͤcken, denn der Adel ſey allenthalben ganz willig und geneigt. 2) Schr. des Kanzlers des HM. an d. HM. d. Koͤnigsb. 4 Septemb. 1524 Schbl. C. 68. 3) Schr. des Rathes v. Luͤbeck an die Bürgermeifter u. Raͤthe v. Koͤnigsb. d. Dienſt. nach Michael. 1524 Schbl. XXXIV. 41.
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Streit des HM. mit dem DM. (1524.) 725 großer, ungetreuer Bauer hinter dem Zaune verborgen, der vom rechten Schultheiß zur rechten Zeit uͤberſchlichen werden muß.“ » Auch der Deutſchmeiſter hatte mittlerweile dem Hochmeiſter unter allerlei Gruͤnden zum Frieden mit Polen gerathen, ſelbſt auch dann wenn er fuͤr den Orden etwas nachtheilig ausfallen werde, denn ein neuer Krieg ſchien ihm den unvermeidlichen Untergang deſſelben herbeiführen zu müflen. ? Er hatte freilich bei dieſem Rathe auch jetzt noch fein eigenes Intereſſe im Auge, denn in ſeinem Streite ſtand er dem Hochmeiſter noch feſt gegenuͤber. Er wies nach einer Berathung mit ſeinen Gebie⸗ tigern zu Winnenden die Forderung von funfzehntaufend Gulden abermals zuruͤck, indem er jetzt auch den Grund geltend machte, daß weil in Folge der Verbreitung der Lutheriſchen Lehre den Ordenspfarrern in Deutſchland an ihren Einkuͤnften und Nutzun⸗ gen ſehr vieles abgehe, er und ſeine Gebietiger ihnen mit Er⸗ ſtattung der Verluſte zu Hülfe kommen muͤßten. An ſein Erbieten zu ſiebentauſend Gulden zur Ausführung des Com⸗ promiſſes knüpfte er auch jetzt noch die Verpflichtung zur Ver⸗ ſchreibung des Hochmeiſters uͤber die erwähnten zehn Artickel. So zog ſich der Streit bis in den Herbſt hinein. Da nun aber die Zeit, wo man die verſprochene Antwort des Koͤniges von Polen erwarten konnte, naͤher heranruͤckte, ſo ſandte der Hochmeiſter den Biſchof Erhard von Pomeſanien, der in den Angelegenheiten Preuſſens zu ihm gekommen war, an den Deutſchmeiſter, um ihn durch die eindringlichſten Vorſtellungen zur Aenderung ſeiner Forderung zu bewegen, zumal da auch der Anſtand mit Polen ſeinem Ende ſchon nahe war. Der Deutſchmeiſter berief eiligſt ſeine Gebietiger zu einem Kapitel nach Mergentheim. Um die Herſtellung des Friedens, die man auch von dort aus dem Hochmeiſter wieder aufs dringendſte 1) Schr. des Kanzlers des HM. a. a. O. 2) Schr. des DW. an d. HM. d. Winnenden Samſt. nach dem Sten T. Frohnleichnam 1524 Schbl. DM. 4. 3) Schr. des DM. an d. HM. d. Winnenden Freit, nach dem sten T. Frohnleichnam 1524 Schbl. DM. 9.
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726 Verhaͤltniß des HM. zum Km, Hofe. (1524.) anrieth, nicht zu hindern, ließ man ſich darin zu einer Aende⸗ rung der bisherigen Forderungen geneigt finden, daß der Hoch⸗ meiſter fuͤr die Huͤlfsleiſtung von ſiebentauſend Gulden (die er jedoch zu keinem andern Zwecke als nur zur Ausfuͤhrung des Compromiſſes verwenden ſollte) die Verſchreibung nicht nur bloß für ſich und nicht für feine Nachfolger ausſtellen, ſondern ſie auch nicht die Confirmation des Kaiſers und des Papſtes erhalten ſolle, weil er dieſe auf keine Weiſe hatte zugeben wollen. Mit dieſem Anerbieten erklaͤrte man ſich aber zugleich von aller Schuld und Verantwortlichkeit frei, wenn die Ordensſache fortan vom Hochmeiſter verwahrloſt, verfäumt oder irgend Nachtheil daraus für den Orden veranlaßt würde. Dabei verlangte man abermals, daß dem Deutſchmeiſter laut der Verſchreibung uͤber die Schadloshaltung für die Soldner die Balleien zu Koblenz und an der Etſch bis zum Erſatz des Schadens zugewieſen werden ſollten.) Da Albrecht indeß jetzt ſeinen Bruder den Markgrafen Kaſimir um Vermittlung in dem Streite erſucht hatte, ſo kam es auch jetzt noch zu keinem Schluſſe. 2 Weil unterdeſſen aber dem Hochmeiſter die Nachricht zu⸗ gekommen war, daß die beiden Meiſter von Deutſchland und Livland beim Roͤmiſchen Hofe nicht nur allerlei Anklagen gegen ihn und den Orden in Preuſſen angebracht, ſondern ſogar auch verſucht haͤtten, durch Auswirkung neuer paͤpſtlicher Beſtimmun⸗ gen ſich der Unterthaͤnigkeit und dem Gehorſam gegen den Hoch⸗ meiſter mehr und mahr zu entziehen, und weil er bei der am paͤpſtlichen Hofe gegen ihn herrſchenden Stimmung jetzt ſehr zu 1) Schr. des DM. an d. HM. d. Mergentheim am T. Matthäi 1524 Schbl. DM. 1. 2) Schr. des DM. an den Markgr. Kafinir v. Brandenb. d. Horneck Sonnt. Dionyſ. 1524 Schbl. DM. 3 (a). 3) Schr. des HM. an Georg Klingenbeck d. Anſpach 23 Novemb. 1524 Schbl. C. 442. Er fagt: er habe vom Ordensprocurator und von ſeinem Bruder Markgr. Johann Albrecht aus Rom Berichte er⸗ halten, „daß beide Meiſter zu Livland und Deutſchland allerlei bei paͤpſtl. Heiligkeit wider uns und unſern Orden und zu Abbrechung und Abziehung des Gehorſams, ſo ſie uns zu leiſten ſchuldig, erlangen und ausbringen.“
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Verhältniß des HM. zum Rem. Hofe. (1523.) 727 befürchten hatte, daß es den beiden Meiſtern leicht gelingen koͤnne, ſich vom Orden in Preuſſen gaͤnzlich zu trennen oder wenigſtens gegen den Hochmeiſter eine ganz andere Stellung zu gewinnen, ſo mußte er nun eilen, den Argwohn und Unwillen des Papſtes ſo viel als moͤglich zu beſchwichtigen. Er ließ zu⸗ naͤchſt eine Schrift abfaſſen und dem paͤpſtlichen Legaten und Kardinal Campeggio auf dem, Reichstage zu Nürnberg uͤber⸗ geben, worin er ſich gegen die vom Papſte ihm wegen ſeiner Untreue gegen den Roͤm. Stuhl gemachten Vorwuͤrfe und Be⸗ ſchuldigungen zu rechtfertigen und fie zu widerlegen ſuchte. Da der Papſt in ſeiner Klage der Lehre Luthers und ihrer An⸗ pflanzung in Preuſſen nicht ausdruͤcklich erwaͤhnt hatte, ſo ließ auch der Hochmeiſter ſie in ſeiner Rechtfertigung ganz aus dem Spiele, was ihm allerdings ſeine Vertheidigung ſehr erleichterte. Er überſandte dann von Schwabach aus dieſe Schrift auch feinem Bruder Johann Albrecht in Rom, mit dem Auftrage, ſie dem Papſte mitzutheilen, dieſem ſeine Schuldloſigkeit in allen ihm gemachten Vorwürfen darzuthun, alles anzuwenden, um die Ungnade und den Unwillen des Papſtes zu beſeitigen und ihn zu überzeugen, daß er nichts Straͤfliches, was weder in weltlichen noch in geiſtlichen Dingen wider Gott, den paͤpſt⸗ lichen Stuhl und den chriſtlichen Glauben ſey, unternommen habe, weshalb er in des Papſtes Ungnade habe fallen koͤnnen, „ſondern daß er ſich allezeit nicht anders befliſſen und gethan, noch thun wolle, als was paͤpſtlicher Heiligkeit zu ſchuldiger Wohlfahrt uns zu thun gebuͤhrt und einem chriſtlichen Fuͤrſten des heil. Roͤm. Reiches eignet und zuſteht.“ Endlich bat der Hochmeiſter ſeinen Bruder, die Anklaͤger und Verleumder, welche ihm des Papſtes Unwillen zugezogen, ſowie das Naͤhere, wor⸗ auf ſich die Anklagen ſtuͤtzten, ſobald als moͤglich zu ermitteln und ihm zu ſeiner weitern Rechtfertigung mitzutheilen. 1) Die Vertheidigungsſchrift an den Legaten Campeggio im Fol. Röm. Handl. p. 205 — 210. Sie iſt in vieler Hinſicht merkwuͤrdig und wichtig. 2) Schr. des HM. an d. Markgr. Johann Albrecht in Rom, d. Schwabach 5 Aug. 1524 Fol. Röm. Handl. P. 201 — 204.
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728 Verhaͤltniß des HM. zum Rom. Hofe. (1524.) Die Quelle dieſer Nachrichten erfuhr der Hochmeiſter bald. Seitdem der paͤpſtliche Legat Campeggio in Deutſchland war, wußte man in Rom alles aufs genauſte, was in den Angelegen⸗ heiten der Kirche an den verſchiedenen Fürſtenhoͤfen vorging. „ Es war dorthin auch ſchon die beſtimmte Nachricht gekommen, daß nicht nur der Markgraf Kaſimir von Brandenburg, ſondern auch der Hochmeiſter lutheriſch geſinnt ſeyen und der letztere ſich zu verheirathen gedenke; man wußte dort ebenfalls ſchon, daß die Unterthanen des Hochmeiſters in Preuſſen in großer Zahl der Lutheriſchen Lehre anhingen und der Biſchof von Samland ſich ſchon oͤffentlich dazu bekannt habe. Der Mark⸗ graf Johann Albrecht wandte alles an, um den Papſt und die Kardinaͤle anders zu belehren, erklaͤrte alles fuͤr ein Gewebe von Verleumdungen und Erdichtungen, die von Feinden des Ordens und des Hochmeiſters überall verbreitet ſeyen. Allein der Papſt war ſo erzuͤrnt, daß in einem von ihm gehaltenen Conſiſtorium bereits die Rede davon geweſen war, den Hoch⸗ meiſter durch einen paͤpſtlichen Machtſpruch ſeines Amtes zu entſetzen. Es war dem genannten Markgrafen kaum noch moͤg⸗ lich geweſen, den heil. Vater einigermaßen wieder zu beſaͤnſtigen. Er rieth daher ſeinem Bruder, zu ſeiner Rechtfertigung ſo ſchleu⸗ nig als moͤglich nach Rom zu kommen, ſich eine Zeitlang in des Papſtes Dienſte zu begeben und dieſen dadurch am beſten von ſeiner treuen Anhaͤnglichkeit gegen den Roͤm. Stuhl zu überzeugen. 2 Unter dieſen bedrängten Verhaͤltniſſen war in Albrechts Geiſt, da er ſeine Pflichten im Orden und ſeine Stellung als 1) Raynald. Annal. eccles, an. 1524 nro 4 ſpricht namentlich auch von einer legatio Prntenica, die dem Legaten Campeggio uͤber⸗ tragen war. 2) Ueber alle dieſe Verhaͤltniſſe giebt noch nähern Aufſchluß ein Schr. des Markgr. Johann Albrecht an den Markgr. Kaſimir v. Bran⸗ denb. u. ein anderes an d. HM. d. Rom 12. 23. 24 Sept. 1524 Schbl. XII. 114. 130. 131. u. Fol. Roͤm. Handl. p. 221. Faber über die Verhaͤltniſſe des D. Ordens zum päpftl. Stuhl unter dem letzten HM. in Schuberts Abhandl. der Deutſch. Geſellſch. B. I. 221.
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Des HM. Entſchluß, abzudanken. (1524.) 729 Hochmeiſter mit ſeiner Ueberzeugung immer mehr in Widerſpruch treten ſah, der Gedanke erwacht, ſein hochmeiſterliches Amt zu Gunſten des Herzogs Erich von Braunſchweig, welcher um dieſe Zeit noch Komthur zu Memel war und ſich meiſt zu Koͤnigsberg aufhielt, bei Erledigung der Ballei Koblenz aber die Anwartſchaft auf die dortige Landkomthurei erhalten hatte, niederzulegen, in das weltliche Leben zuruͤckzutreten und ſich in die Dienſte des Koͤniges Franz von Frankreich zu begeben, mit dem er auch darüber in Unterhandlungen ſtand.) Dieß war dem Könige von Polen durch einen Franzoͤſiſchen Botſchafter, der nach Krakau kam, kaum bekannt geworden, als beim Hoch⸗ meiſter in Nürnberg der Polniſche Hauptmann von Stargard, Achatius von Zemen als geheimer Unterhaͤndler erſchien und im Auftrage des Biſchofs von Poſen, Unterkanzler des Koͤnig⸗ reiches Polen und des Woiwoden von Krakau ihm riethen, das Hochmeiſteramt, wenn er ſolchem entſagen wolle, keinem andern als dem Könige von Polen abzutreten, der ihn dafuͤr reichlich mit Land und Leuten und auch mit einem Dienſtgelde ver⸗ ſorgen werde. Der Hochmeiſter ſprach ſich gegen den Haupt⸗ mann unter dem Verſprechen tiefer Verſchwiegenheit uͤber ſeine religiöfe Geſinnung ziemlich offen aus, nahm den Antrag zu weiterer Berathung und ertheilte jetzt ſeinem Bruder dem Mark⸗ grafen Georg und ſeinem Schwager dem Herzog Friederich von Liegnitz den Auftrag, ſich mit dem Koͤnige von Polen uͤber den Vorſchlag in weitere Unterhandlungen einzulaffen. 2 Albrecht konnte aus dem Anerbieten wenigſtens ſo viel entnehmen, daß er bei Niederlegung des Hochmeiſteramtes beim Koͤnige keine Schwierigkeiten finden werde. Nun hatte aber wenige Monate zuvor auch Luther die Sache von neuem angeregt, indem er 1) Nach einem im Regſtr. betitelt Deutſchmeiſter verzeichneten Schreiben hatte der HM. den Ritter Wolf Dieterich v. Knorringen in dieſen Angelegenheiten an den Koͤnig von Frankreich geſandt. 2) Wir haben hierüber ein eigenhaͤndiges Memorial des HM., worin er ſelbſt die mit Achatius von Zemen gehaltene Unterredung auf⸗ gezeichnet hat, Schbl. C. 253; gedruckt mitgetheilt von Faber in Bei⸗ trägen zur Kunde Preuſſ. B. IV. 81 —85.
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730 Verhandl. des HM. weg. d. in Preuſſ. eingef. Reform. (1524.) in einem Schreiben an Johann Brismann dieſen nicht nur von dem fruͤher ſchon dem Hochmeiſter gegebenen Rath, dem Orden zu entſagen und Preuſſen in ein weltliches Fuͤrſtenthum zu verwandeln, unterrichtete, ſondern ihn zugleich auch auf⸗ forderte, das Volk in Preuſſen auf eine geeignete Weiſe für dieſen Gedanken zu gewinnen, damit dieſes ſelbſt eine ſolche Forderung an den Hochmeiſter richte und dieſer auf ſolche Weiſe Anlaß bekomme, den ihm angerathenen Schritt zu wagen und als weltlicher Herr Preuſſens aufzutreten.) Auch von Albrecht ſelbſt ward dieſer Gedanke jetzt um ſo mehr feſtgehalten und er ging feiner Ausführung nun auch um fo zuverfichtlicher ent⸗ egen. > Indeß durfte der Hochmeiſter dieſes Ziel nur mit vorſich⸗ tigem Schritte verfolgen. Seine Verhaͤltniſſe in Rom wurden für ihn immer bedenklicher. Er hatte ſich im October zu ſchnellerer Foͤrderung ſeiner Angelegenheiten mit Polen nach Wien begeben. Dort erhielt er in Folge einer neuen Mahnung des Papſtes und der Verhandlungen des Grafen Stephan Schlick von Paſſaun und Hans von Pflug Herrn zu Raben⸗ ſtein beim Könige Ludwig von Ungern (dem uͤbrigens der Hoch: meiſter, um ihn zu gewinnen, eine Ausſicht zur Wahl als Roͤm. König blicken ließ )) die Zuſage, daß zur Ausführung des Compromiſſes ein Verhandlungstag zu Preßburg am ſechſten Januar des naͤchſten Jahres Statt finden ſolle. Der Erzherzog Ferdinand lud bald darauf den Hochmeiſter auch ein, auf dem Tage entweder ſelbſt zu erſcheinen oder ſeine Bevollmaͤchtigte zu ſenden.) Voll Freude, daß es ihm endlich gelungen ſey, 1) Dieſes hoͤchſt merkwürdige Schr. Luthers an Joh. Brismann in Luthers Briefen von De Wette B. II. 525 — 528, 2) Darüber die vom HM. dem Grafen Stephan Schlick ertheilte Inſtruction zu feiner Verhandlung mit dem Könige v. Ungern, Schbl. VII. 38. Bericht der beiden obengenannten Unterhaͤndler an d. HM. d. Ofen am Abend Matthaͤi 1524 Schbl. VII. 37. Das Mahn⸗ ſchreiben des Papſtes an d. König v. Ungern bei Raynald. Annal. eccles. an. 1524 nro 69. 3) Schr. des Erzherzogs Ferdinand v. Oeſterreich an d. HM. d. Medlici X Novemb. 1524 Schbl. C. 67.
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Verhandl. des HM. weg. d. in Preuſſ. eingef. Reform. (1524,) 731 die Entſcheidung näher herbeizuführen, erſuchte er mehre Fuͤrſten, z. B. den Herzog Georg von Sachſen, den Herzog Ludwig von Baiern, den Grafen Wilhelm von Henneberg u. a., den Verhandlungstag mit ihrer Gegenwart zu beehren und dort zum Beſten des Ordens mitzuwirken. Er forderte nun auch den Deutſchmeiſter von neuem auf, ihm zur Abhaltung des Tages mit funfzehntauſend Gulden zu Huͤlfe zu kommen, ihm vorſtellend, daß es jetzt, wenn er die Summe verweigere, feine Schuld ſeyn werde, wenn aus Mangel an noͤthigen Mitteln der Tag von ihm nicht beſucht und dann auch nichts Erſprieß⸗ liches für den Orden bewirkt werden koͤnne.) Vor allem aber war er bemüht, die gegen ihn aufgeregte Stimmung in Rom fo viel als möglich zu beſchwichtigen. „Das Geſchrei Über ihn und ſeine Lutheriſche Geſinnung hatte ſich dort, wie ihm der Procurator meldete, von neuem erhoben.“ Es waren aus Danzig, Polen und vom Legaten Campeggio die ungünſtigſten Nachrichten uͤber die Vorgänge in Preuſſen am päpftlihen Hofe eingelaufen; man wollte dort wiſſen, daß auf des Hochmeiſters ausdruͤckliche Erlaubniß drei Kloͤſter in Preuſſen erſtürmt und ausgepluͤndert worden feyen, daß dieſer jetzt feſt entſchloſſen ſey, ein Weib zu nehmen u. ſ. w. Um alles gründlich zu erweiſen, hatte man ſogar eine Predigt des Biſchofs von Samland nach Rom gefandt.? Dieß alles aber konnte jetzt leicht für den Hoch⸗ meiſter höchft nachtheilige Folgen haben, denn wie leicht konnte der Papſt durch ſeinen Zorn ſich ſo weit hinreißen laſſen, den Hochmeiſter, wie er bereits gedroht hatte, durch einen Macht⸗ ſpruch feiner Meiſterwuͤrde für entſetzt zu erklaͤren und dadurch dem Koͤnige von Polen Anlaß geben, alle Verhandlungen mit ihm abzubrechen? Daß aber ein ſolcher Schritt des Papſtes auch bei den beiden Meiſtern von Deutſchland und Livland ſogleich Anklang finden werde, ſtand außer allem Zweifel. 1) Schr. des HM. an d. DM. d. Wien 8 Novemb. 1524 Schbl. C. 449. 2) Schr. des Procurators zu Rom an d. HM. d. Rom 27 Sep⸗ temb. 1524 Fol. Roͤm. Handl. p. 211.
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732 Verhandl. des HM. weg. d. in Preuſſ. eingef. Reform. (1524.) Als daher der paͤpſtliche Legat in Wien dem Hochmeiſter wegen des vom Biſchofe von Samland erlaſſenen Mandats in Beziehung auf die Taufe in Deutſcher Sprache und auf das Leſen der Schriften Luthers, ſo wie auch daruͤber, daß der Bi⸗ ſchof ſich nur allein „aus Gottes Gnaden Biſchof von Sam⸗ land“ nenne, ohne in feinem Titel der paͤpſtlichen Beftätigung zu erwaͤhnen, wodurch er ſich vom paͤpſtlichen Stuhle offenbar losſage, ernſtliche Vorſtellungen machte und darauf drang, den Biſchof entweder zur Abſtellung ſeiner Neuerungen zu bewegen oder ihn feines bifchöflichen Amtes zu entſetzen und dieſes einem rechtglaͤubigen Geiſtlichen anzuvertrauen, erließ Albrecht an den letztern am 8ten Novemb. ein öffentliches Schreiben, welches er auch dem paͤpſtlichen Legaten mittheilte und worin er dem Bis ſchofe nicht nur die Beſchwerden des Legaten und das große Mißfallen des Papſtes zu erkennen gab, ſondern ihm auch ſein Befremden uͤber die ohne ſein Vorwiſſen vorgenommenen Neue⸗ rungen bezeugte und befahl, alle bereits eingefuͤhrten unchriſt⸗ lichen Gebraͤuche von Stund an wieder abzuſtellen und fortan nichts wider den Papſt und die Rom. Kirche zu unternehmen.“ Es war indeß keineswegs ſein Wille, durch dieſen Befehl, den ihm nur ſeine jetzige Stellung zum Roͤm. Hofe und ſeine Ver⸗ haͤltniſſe zu Polen abgedrungen hatten, die herrliche Saat des Evangeliums, die er und Luther mit ſo großer Freude in Preuſſen gedeihlich emporſprießen ſahen, wieder niederzutreten oder auch nur in ihrem Aufwuchſe zu hindern. Er erließ daher an demſelben Tage noch an den Biſchof ein geheimes Schreiben, worin er ihm eroͤffnete: er habe jenen Befehl nur „zum Schein wegen des Legaten und wegen ſeines hitzigen Gemuͤthes und Anzeigens ausſtellen muͤſſen“; der Biſchof moͤge ſich gegen dieſen in der Art verantworten, daß ihm mit Recht keine Be⸗ ſchwerde auferlegt werden koͤnne und feine Antwort dermaßen begründen, daß fie durchs Wort Gottes und die Wahrheit be⸗ 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Wien 8 No⸗ vemb. 1524 Fol. N. p. 255 — 256. Faber a. a. O. B. I. 136. Gebſer a. a. O. S. 278. Resa Programma: vita a Polentis p. 17.
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Benehmen des Deutſchmeiſters. (1524.) 733 ftätigt werde. Dabei wolle er den Biſchof ſo lange ſchuͤtzen, als er von Gott ſelbſt in Gnaden erhalten werde. Von Wien nach Anſpach zurückgekehrt wandte fi) Albrecht auch an ſeinen Bruder Johann Albrecht und an den Ordensprocurator in Rom, beiden betheuernd, daß alle dort bisher wider ihn er⸗ hobenen Anklagen nur Erdichtungen und luͤgenhafte Nachreden feiner Mißgoͤnner ſeyen. „Daß wir Lutheriſch ſeyn ſollen, ſchrieb er, wird uns mit Unwahrheit ausgelegt. Das wiſſen wir aber mit der That anzuzeigen, daß wir unſer Leben lang allen Secten, die dem rechten chriſtlichen Glauben vorgezogen werden wollen, feind und zuwider geweſen und bisher unſeres Wiſſens weder Lutheriſch noch anders, denn wie einem ehr⸗ liebenden, frommen, chriſtlichen Füͤrſten zuſteht, uns gehalten haben. Sobald ſich aber meine und meines Ordens Sachen mit Polen zu gutem Ende richten oder ich es ſonſt mit Fug thun kann, gedenke ich mich aufs foͤrderlichſte zu paͤpſtlicher Heiligkeit zu verfügen und mich allwege als ein christlicher, gottliebender Furſt zu halten und zu erzeigen, davon mich mit der Huͤlfe Gottes weder Luther, noch ſonſt ein Menſch auf Erden abbringen fol.“ ? So beſtimmt ſich aber auch der Hochmeiſter uͤber die in Betreff feines Uebertrittes zum Lutherthum verbreiteten Geruͤchte ausſprach, fo benutzte fie doch jetzt der Deutſchmeiſter als triff⸗ tige Gruͤnde, ihm jede Unterſtuͤtzung zu verweigern. Nachdem namlich die eingeleitete Vermittlung des Markgrafen Kaſimir ohne Erfolg geblieben war und der Hochmeiſter ſchon von Wien aus den Deutſchmeiſter abermals zur Leiſtung der Beiſteuer aufgefordert hatte, trat ihm dieſer jetzt mit der Erklaͤrung ent⸗ gegen: es habe ſich alles geändert, ſeitdem er und feine Ge⸗ 1) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Wien 8 No⸗ venib. 1524 Fol. N. p. 256. Faber a. a. O. B. I. 138. Gebſer a. a. O. S. 279. Riesa Progr. vita a Polentis p. 18. 2) Schr. des HM. an d. Markgr. Johann Albrecht v. Branden⸗ Burg u. an d. Procurator, d. Anſpach 27 u. 30 Nov. 1524 Schr. IV. F. 22 nro 15. Fol. Roͤm. Handl. p. 213 — 225.
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734 Benehmen des Deutſchmeiſters. (1524.) bietiger von mehren Orten her die glaubliche Nachricht erhal⸗ ten: der Hochmeiſter gehe damit um, das Ordenskreuz abzu⸗ legen, ſich zu verheirathen, das Ordensland Preuſſen in ein weltliches Fuͤrſtenthum zu verwandeln und erblich an ſein Haus zu bringen. Eine Beſtaͤtigung dieſer Nachricht fand der Deutſch⸗ meiſter in den kirchlichen Neuerungen in Preuſſen, in Verban⸗ nung der alten Kirchengebraͤuche, in der Verheirathung der Prie⸗ ſter, in der Einführung „der neuen Lutheriſchen Weiſe und Ma⸗ nier“ durch die nach Preuſſen geſandten Prediger und in dem bereits erfolgten und völlig unbeſtraft gelaſſenen Austritte des Ordensritters Veit von Rammingen aus dem Orden, der ſich ſogleich ohne Scheu verheirathet. Bei dieſer Verachtung und Uebertretung aller Geſetze, Statuten und Gewohnheiten des Ordens erklaͤrte es der Deutſchmeiſter für eine Gewiſſensſache, den Hochmeiſter zu feinem Unternehmen mit Geld zu unter⸗ ftüßen, die er allein nicht auf ſich nehmen und verantworten koͤnne. Er wollte zwar gerne die uͤber den Hochmeiſter ver⸗ breiteten Nachrichten fuͤr kaum glaublich halten, mahnte ihn aber ernſtlich von ſolchen Schritten ab, forderte ihn zur Be⸗ ſtrafung der Ungehorſamen in Preuſſen auf, ſtellte ihm den ewigen Schimpf und Spott, den Tadel und den Eintrag vor, welchen er ſich und dem Hauſe Brandenburg beim Kaiſer und dem Papſte, bei den Kurfürften und allen Reichsſtaͤnden zu: ziehen werde, „wenn der ehrliche Orden, der vor etlichen Jahrhunderten fo loͤblich erfunden und erhoben, fo lange Jahre gebluͤht, der ein Ortſchild und Vorwart der Chriſtenheit gegen die Unglaͤubigen geweſen, durch ſeinen Eigenwillen und ſeine Schuld fallen und ausgetilgt werden ſollte.“ Endlich erklaͤrte er, daß er nur in dem Falle, wenn alle dieſe Anſchuldigungen gegen den Hochmeiſter ungegruͤndet ſeyen, ihm die Huͤlfsſumme von ſiebentauſend Gulden gegen Ausſtellung der ofterwaͤhnten Verſchreibung zukommen laſſen werde, womit er ſich auch fuͤg⸗ lich in dem wohlfeilen Preßburg mit vierzig bis funfzig Pferden einige Monate unterhalten koͤnne.) Der Hochmeiſter wider⸗ 1) Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck Sonne. nach Concept.
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Vergebliche Unterhandlungen mit dem DM. (1524.) 735 legte alle dieſe Beſchuldigungen als bloße Erdichtungen ſeiner Widerſacher und Mißgoͤnner; in Betreff der Verheirathung der Prieſter in Preuſſen erwiederte er: er ſey lange nicht in Preuſ⸗ ſen geweſen und es koͤnne ihm darin nichts vorgeworfen wer den; er ſey ja auch nicht Biſchof über weltliche Pfaffen, ſolches zu ahnden, ſey andern Geiſtlichen befohlen. Was die in Preuſ⸗ ſen gehaltenen Predigten anlange, ſo habe er ſolche nicht ſelbſt gehoͤrt; aber der Deutſchmeiſter moͤge doch nur auf das hin⸗ ſehen, was in Deutſchland vorgehe und ſelbſt vom Papſte, vom Kaiſer, von Biſchoͤfen, überhaupt von geiſtlichen und weltlichen Regierungen bei ihrer Anweſenheit in ihren Landen nicht ab⸗ gewendet werden könne. Was man ihm vom Austritte des Ritters Veit von Rammingen und deſſen Verheirathung berichte, ſo wiſſe er davon nichts weiter, als was der Deutſchmeiſter davon erwaͤhnt. Endlich fordert der Hochmeiſter dieſen noch⸗ mals auf, ihn wenigſtens mit einer Summe von zehntaufend Gulden aufs ſchleunigſte zu unterſtuͤtzen.) Waͤhrend man nun aber in Preuſſen, wohin der Hoch⸗ meiſter den Biſchof Erhard von Pomeſanien zuruͤckgeſandt hatte, nach deſſen Anordnung auf einem Landtage bereits die Abgeord⸗ neten der Staͤnde erkor, welche den Verhandlungstag zu Preß⸗ burg beſuchen follten, ? während er ſelbſt noch bis gegen Ende dieſes Jahres mit dem Deutſchmeiſter theils über die Höhe der Unterſtüͤtzungsſumme, theils über Inhalt und Form der ver⸗ Mariä 1524 Schbl. DM, 10. In einem Schr. des HM. an einen Ungenannten d. Anſpach 4 Decemb. 1524 Schbl. C. 443 ſagt der HM. : „Der DM. halt ſich gegen uns, daß er nichts fuͤrzuſtrecken gedenkt, ſtoͤßt ſich jetzt an dem, daß er gehoͤrt, wie ich ſollte ein Weib neh⸗ men, ſtrafe die Deutſchen Herren nicht, ſo die Maͤntel von ſich legen und dergleichen Winkelzuͤge.“ 1) Schr. des HM. an d. DM. d. 16 Detemb. 1524 Schbl. D. 317 (51). C. 443. Die Summe von 5000 Gulden wollte der HM. erlaſſen. 2) Die ausgefertigten Vollmachten, d. Koͤnigsb. Donnerſt. nach Nicolai 1524 Fol. Allerlei Miſſive v. 1520, 1525; gedruckt bei Faber Pr. Archiv B. I. 149. Bock S. 127.
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736 Bemüh. d. HM. zur Entſcheid. d. Streites m. Polen. (1525.) langten Verſchreibung unterhandelte D und beide nicht ohne Bitterkeit ſich uͤber einige geringfuͤgige Worte ſtritten, worin der Hochmeiſter in einem Briefe des Deutſchmeiſters Beweiſe des Hochmuthes und der Verachtung gefunden haben wollte, lief bei jenem die traurige Nachricht ein, daß der Verhandlungs⸗ tag zu Preßburg nicht Statt ſinden werde, weil der Koͤnig von Polen erklaͤrt habe, daß ihm der Tag zu kurz anberaumt ſey und er uͤberdieß zuvor einen Berathungstag uͤber die Streitſache mit ſeinen Reichsgroßen zu halten habe.) So ſchienen wie⸗ derum alle Bemuͤhungen fruchtlos. Johannes Cuſpinianus, der fuͤrſtliche Anwalt zu Wien, hatte ſich bereits tief in alle ſtreitigen Verhaͤltniſſe des ewigen Friedens einſtudirt. Die Be⸗ vollmächtigten mehrer Fuͤrſten, des Kurſuͤrſten bon Branden⸗ burg, des Pfalzgrafen vom Rhein u. a. waren in Preßburg ſchon angelangt.) Der Hochmeifter ſelbſt hatte ſich im Anz fange des Jahres 1525 nach Wien begeben; erſt auf der Reiſe dahin hatte er vom Erzherzoge Ferdinand erfahren, daß dieſer ſeine Raͤthe von Preßburg wieder abberufen habe. Er fuͤhrte nicht nur bei ihm bittere Beſchwerden uͤber die Vereitelung des Tages, die er nur wieder heimlichen Raͤnken des Koͤniges von Polen zuſchrieb, ſondern begab ſich auch ſofort nach Ofen, um eine gleiche Beſchwerde auch beim Koͤnige von Ungern an⸗ zubringen und darauf zu dringen, daß der angeordnete Ver⸗ handlungstag ſeinen Fortgang gewinne. Er ließ daher auch 1) Daruͤber Schr. des DM. an d. HM. d. Horneck Freit. nach Thomaͤ 1524 u. Schr. des HM. an d. DM. d. Anſpach 26 Decemb. 1525 Schbl. DM. 2. 6. 7. 12. 13. 2) Der heftige Streit betraf die Worte in einem Briefe des DM : er bitte „fleißig u. nicht unterthaͤnig“ u. ſ. w. Ueber dieſes „nicht“ hatte der HM. aͤußerſt aufgebracht den DM. zur Rede geſtellt; Schbl. DM. 2. 3) Schr. des Orators v. Schoͤnkirchen an d. HM. d. Ofen 23 De⸗ cemb. 1524 Schbl. C. 69. Schr. des Landkomthurs v. Oeſterreich an d. HM. d. Wien Mont. Stephani 1524 Schbl. 105. 37. 4) Schr. des Pfalzgrafen Ernſt v. Rhein an d. HM. d. Paſſau Mittw. nach Beſchneid. Chr. 1525 Schbl. V. 36.
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Das paͤpſtliche Breve. (1525.) 737 ſaͤmmtliche finftlihe Bevollmaͤchtigte in Preßburg auffordern, ſich ebenfalls nach Ofen zu begeben.“ Kaum dort angelangt, erhielt er durch den paͤpſtlichen Le⸗ gaten Campeggio ein an dieſen gerichtetes Breve des Papſtes vom 1ften Decemb. des Jahres 1524, worin dieſer unter man⸗ chen durch anſcheinende Milde und Güte verlockenden Aeuße⸗ rungen uͤber den Hochmeiſter ſeinen ſchweren Zorn uͤber das erwähnte Mandat des Biſchofs von Samland, uͤber deſſen Beginftigung und Verbreitung der Lutheriſchen Ketzerei in Preuſſen und uͤber das ganze der Kirche und dem wahren Glauben verderbliche Unweſen in der Verwaltung ſeines Am⸗ tes ausſprach, mit dem Auſtrag an den Legaten, den verbreche⸗ riſchen und meineidigen Biſchof vorzuladen, zum Geſtaͤndniß zu zwingen und wenn er ſeiner Anmaßung und Ketzerei uͤberwieſen ſey, ſeines kirchlichen Amtes zu entſetzen und dieſes einem Manne zu übergeben, der durch chriſtliche Geſinnung deſſelben wuͤrdig und zugleich dem Hochmeiſter genehm und wohlgeſaͤllig ſey. Der Legat forderte mit Ernſt und Nachdruck, daß dem paͤpſt⸗ lichen Befehle Genuͤge geleiſtet und vom Hochmeiſter ſelbſt Maaßregeln ergriffen wurden, um die Beſchwerden abzuſtellen. 2) Letzterer entſchuldigte ſich in einem Sendſchreiben an den Le⸗ gaten mit ſeiner langen Abweſenheit aus Preuſſen und mit ſeiner Unkenntniß deſſen, was mittlerweile dort geſchrieben und gelehrt worden, aͤußerte ſeine Unzufriedenheit und Betruͤbniß über die durch einige ſtuͤrmiſche Schreier gegen Prieſter und Mönche, an Kirchen und Heiligenbildern begangenen Frevel, die 1) Schr. des HM. an den Secretaͤr Georg Rudolf in Preßburg, d. Wien 9 Januar 1525 Rgiſtr. v. 1525 p. 1. Schr. des HM. an den Landkomthur an der Etſch u. an ſeinen Bruder Markgr. Kaſimir, d. Wien 11 u. 12 Jan. 1525 ebendaf. P. 2— 3. Bock S. 128. 2) Das Breve des Papſtes an d. Kardinal Legaten Laurent. Cam⸗ peggio, d. Romae primo die Deremb. 1524 u. Schr. des Legaten an d. HM. d. Budae XV Jan. 1525 im Erlaͤut. Preuſſ. B. I. 839 — 848. Rhesa Programma: vita a Polentis p. 15 — 16. Nicolovius die biſchoͤfl. Würde u. ſ. w. S. 18. 5 IX. 47
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738 Entſchuld. d. HM. geg. d. paͤpſtl. Leg. u. Kurf. v. Br. (1525.) durch die Landesregenten beſtraft worden ſeyen, wies aber dabei auf die nothwendige kluge Milde und Nachſicht hin, die man zumal jetzt gegen das gemeine Volk beobachten muͤſſe, um es nicht zu hartnaͤckigem Trotz und Abfall zu reizen; er machte auch aufmerkſam auf die Neuerungen in Deutſchland, wo es nicht einmal den Fuͤrſten durch Gefaͤngniß, Feuer und Schwert moͤglich ſey, den gewaltigen Bewegungen in ihren Landen Schranken zu ſetzen. Er erſuchte daher den Legaten, den Papſt von feiner Schuldloſigkeit in der Sache zu uͤberzeu⸗ gen, und verſprach, bei feiner Rückkehr ins Land ſeine Ver⸗ waltung zu fuͤhren, wie es einem rechtſchaffenen und chriſt⸗ lichen Fuͤrſten gezieme und nichts zuzulaſſen, was ihm des Papſtes Zorn zuziehen koͤnne.) In gleicher Weiſe ſprach er ſich auch gegen den Kurfürften von Brandenburg aus, ihn verſichernd: er habe mit Unwillen vernommen, daß ſich ſeine Unterthanen in Preuſſen Ungebuͤhrlichkeiten gegen die Satzun⸗ gen der Kirche erlaubt haͤtten; alles ſey ohne fein Wiſſen und in ſeiner Abweſenheit geſchehen; ſobald er aber nach Preuſſen zuruͤckkehre, werde er dort alles abſtellen, was wider Gott und die heil. chriſtliche Kirche vorgenommen worden ſey.) Waͤhrend⸗ deß ließ fich jedoch Albrecht fort und fort durch den evange⸗ liſchen Secretaͤr ſeines Bruders Kaſimir Georg Vogler „aller: lei evangeliſche Tractatlein“ zuſenden, die damals in der Sache Luthers in fo großer Zahl erſchienen, ® und gegen ihn, wie gegen andere Vertraute ſprach er ſeine innere volle Ueberzeu⸗ gung aus, daß er dem Evangelium unwandelbar treu bleiben 1) Der HM. druͤckt ſich fo aus: Movit pariter ea indignitas facti Praesides vice nostra fungentes, qui ea causa curarunt, ut paula- tim cum tempore poenas luereut autores mali. 2) Schr. des HM. an den Legaten d. Budae 24 Januar 1525 im Erläut. Preuſſ. B. I. 845 — 848. 3) Inſtruction des HM. für die kurfuͤrſt. Bevollmaͤchtigten bei ihrer Ruͤckkehr zum Kurfürften, d. Ofen 9 Febr. 1525 Rgſtr. 1525 p. 10 — 13. 4) Schr. des HM. an Georg Vogler, d. Ofen 30 Jan. 1525 Agſtr. 1525 p. 8.
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Vergebl. Verſuch d. HM. weg. eines neuen Verhdlgst. (1525.) 739 werde und es als ſeine heiligſte Pflicht erkenne, alles zu thun, was die Verbreitung des reinen Wortes Gottes foͤrdern koͤnne. D Mehre Wochen hatte Albrecht in Ofen zugebracht, ohne auf ſeine dringende Bitte an den Koͤnig Ludwig wegen Anbe⸗ raumung eines neuen Verhandlungstages auch nur eine Ant⸗ wort zu erhalten; mehrmals hatte er ſein Geſuch erneuert, denn er war jetzt entſchloſſen, kein Mittel mehr unverſucht zu laſſen, um die Compromiſſarien zu irgend einem entſcheidenden Schritte zu bewegen.) Da der friedliche Anſtand jetzt nur noch einige Monate dauerte, fo hatte er ſich auch an die Bi- ſchoͤſe von Brixen und Trident, an den Landkomthur an der Etſch Heinrich von Knorringen und mehre andere in der Um⸗ gebung des Erzherzogs Ferdinand gewandt, um dieſen fuͤr eine ſchleunige Förderung der Sache zu gewinnen. Letzterer war indeß aus vielerlei Urſachen und Bedenklichkeiten zu keinem kraͤftigen Einſchreiten zu bewegen. Er hatte ſich endlich zwar mit dem Könige von Ungern dahin verſtaͤndigt, Sigismunden noch zu einer Verlängerung des Anſtandes auf mehre Jahre zu erſuchen und forderte deshalb auch den Hochmeiſter zu einer beſtimmten Erklaͤrung auf. 3) Allein keiner von beiden wuͤnſchte dieß. Des Koͤniges oͤſtliche Reichslande waren im vergangenen Jahre wiederholt durch ſchrecklich verheerende Einfaͤlle der Tuͤr⸗ ken und Tataren aus der Krimm heimgeſucht und große Land⸗ ſtrecken in Einoͤden verwandelt worden. Er mußte auf Mittel bedacht ſeyn, ſeine dortigen Graͤnzen durch eine ſtaͤrkere Kriegs: 1) Schr. des HM. an Georg Vogler, d. Brieg 26 Febr. 1525 Rgſtr. 1525 p. 15. 2) Schr. des HM. an Georg Vogler, d. Ofen 30 Jan. 1523 Köftr, 1525 p. 8— 9. 3) Schr. des Erzherzogs Ferdinand an d. HM. d. Inſpruck 26 Jan. 1525 Schbl. C. 140. Schr. des Biſchofs Bernhard v Trident an d. HM. d. Inſpruck 27 Jan. 1525 Schbl. C. 139. Schr. des Biſchofs Sebaſtian v. Brixen an d. HM. d. Inſpruck 30 Jan. 1525 Schbl. V. 31. Schr. des Landkomthurs an der Etſch an d. HM. d. Inſpruck 28 Jan. 1525 Schbl. B. 222. 47
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740 Stellung d. HM. zum Deutſchm. u. zum Orden. (1525.) macht mehr ſicher zu ſtellen;) deshalb aber mußte er auch einen dauernden Frieden an der Nordgraͤnze ſeines Reiches wuͤnſchen, zumal da er bisher immer ſchon den Argwohn ge⸗ hegt hatte, der Hochmeiſter werde einen laͤngern Anſtand be⸗ nutzen, um durch Verbindungen mit den Fuͤrſten und dem Adel in Deutſchland ſeine Kriegsmacht zu verſtaͤrken und dann zu verſuchen, ganz Preuſſen wieder zu erobern und ſich der Abhaͤngigkeit von Polen gaͤnzlich zu entwinden. Ueberdieß ſehnten ſich jetzt auch die Reichsgroßen endlich nach Ruhe und Friede. Der Hochmeiſter hatte laͤngſt eine Entſcheidung des jahrelangen Streites und eine Errettung aus ſeiner ſchweren Bedraͤngniß herbeigewuͤnſcht. Seine Lage war die traurigſte, die es ſür einen Fuͤrſten nur irgend geben konnte. Wo er hinſah, traten ihm fuͤr die Pflichten, die ihm als Fuͤrſten ob⸗ lagen, Hemmungen und Hinderniſſe entgegen. Es war ihm kaum mehr möglich, feine Stellung als Oberhaupt des Ordens ferner noch mit einiger Wuͤrde zu behaupten. In Preuſſen bewieſen mehre von den Ordensbeamten und Statthaltern ſich gegen den Biſchof von Samland ſo ungehorſam und wider⸗ fpänftig oder in der Verwaltung ihrer Aemter fo eigennuͤtzig und habſuͤchtig, daß ſie der Aemter entſetzt oder auf andere Weiſe beſtraft werden mußten. ? Selbſt der Herzog Erich von Braunſchweig hatte alles darauf angelegt, auch gegen des Hochmeiſters Befehle ſich im Beſitze Memels zu behaupten. 3) Am druͤckendſten aber war dieſem ſein Verhaͤltniß zum Deutſch⸗ meiſter, der endlich trotz alles Widerſpruches ſeinen Willen 1) Bol. Wagner Geſch. Polens S. 388 — 389 2) Schr. des HM. an d. Herzog Erich v. Braunſchweig und an den Biſchof v. Samland, d. Nuͤrnb. 25 April 1524 Fol. N. p 202 — 203. Der Statthalter zu Tapiau Heinrich v. Halsberg mußte des Amtes entſetzt und die Statthalter zu Rhein und Lyck wegen ihres Eigennutzes zu Strafe gezogen werden. Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Halle 7 Mai 1524 Fol. N. 231 — 232. 3) Das Naͤhere hieruͤber in einer Abhandlung v. Faber in den Beitragen zur Kunde Preuſſ. B. IV. S. 381 ff.
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Stellung d. HM. z. Deutſchm. u. Meiſter v. Livland. (1525.) 741 dennoch durchgeſetzt hatte. Albrecht hatte ſich mit ſiebentauſend Gulden, die er ausdruͤcklich nur zur Ausführung des Compromiſſes anwenden ſollte, begnügen und dagegen zur Verſchreibung und Auf⸗ rechthaltung der öfter erwähnten zehn Artikel verpflichten muͤſ⸗ ſen.) Man war dabei zugleich darin uͤbereingekommen, daß dieſe Verſchreibung, weil der Hochmeiſter ſie ohne Berathung und Genehmigung der Praͤlaten und Gebietiger in Preuſſen nicht als gültig und rechtskräftig hatte ausſtellen wollen, vor: erſt nur als Pfand für die Unterſtützungsſumme als Anlehen gelten ſolle und daß der Deutſchmeiſter verpflichtet ſey, ſie dem Hochmeiſter, wenn dieſer binnen einem Jahre die Summe wie⸗ der zurückzahle, ohne Weigerung wieder auszuliefern, jedoch ohne daß es einem der beiden Meiſter dadurch benommen ſeyn ſolle, ſeine Rechte anderweitig zu ſuchen und zu verwahren. Geſchehe aber die Ruͤckzahlung nicht binnen einem Jahre, ſo ſolle die Verſchreibung dann in allen Punkten volle Kraft und Eültigkeit haben.) Demnach war die Lage des Hochmeiſters in dieſer ſeiner Stellung zum Deutſchmeiſter in jeder Hinſicht traurig. Entrichtete er binnen Jahresfriſt die Summe nicht, ſo trug er die beſchraͤnkenden und eben nicht ehrenvollen Feſ⸗ ſeln, die ihm die Verſchreibung angelegt hatte, fo lange er als Hochmeiſter daſtand; loͤſte er dieſe aber durch Ruͤckzahlung der Summe wieder ein, ſo begann der aͤrgerliche Streit unfehlbar von neuem. Auch das Verhaͤltniß des Hochmeiſters zum Meiſter von Livland war keineswegs mehr das freundlichſte; auch dieſer war erſt nach langen Verhandlungen nur durch eine Verſchreibung uͤber die Abtretung der Oberherrſchaft uͤber Harrien und Wierland bewogen worden, den Hochmeiſter mit einer Huͤlfsſumme zu unterftügen, wobei es aber zwiſchen bei⸗ den zu Erklaͤrungen gekommen war, die fuͤr den letztern wenig 1) Das Original der vom HM. ausgeſtellten Urkunde, welche das Zugeſtaͤndniß der zehn Artikel enthält, d. Nuͤrnb. 28 Decemb. 1525 Schbl. 98. 13. 2) Das Original der hierüber vom DM. ausgeſtellten Urkunde, d. Donnerſt. nach d. unſchuld. Kindlein Tag 1525 Schbl. 98. 14.
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742 Finanzverlegenheit des HM. (1525.) Hoffnung zu fernerem Beiſtande oder zu einer gegenſeitigen freundlichen Stellung übrig ließen. D Auf den Orden in Deutſchland konnte fortan der Hoch⸗ meiſter in keiner Beziehung mehr rechnen. Alle ſeine Bitten an die Deutſchen Landkomthure um Unterſtuͤtzung waren ohne Erfolg geblieben; überall waren die Balleien verarmt und tief verſchuldet; nur mit groͤßter Muͤhe hatte einmal Jobſt Truch⸗ ſes, der Landkomthur von Oeſterreich in feiner Ballei für den Hochmeiſter ſiebenhundert Gulden zuſammenbringen koͤnnen, ?) wiewohl auch er ſo verſchuldet war, daß die Gebruͤder Wins, Unterthanen des Kurfürften von Brandenburg, wegen einer Schuld von funfzig Gulden, die er ihnen nicht entrichtete, ſein Bild und einige Schand- und Schmaͤhbriefe auf dem Markte zu Nürnberg an den Schandpfahl anſchlagen ließen.?) Auch auf dem Hochmeiſter ſelbſt lagen noch unmaͤßige Schulden. Die für den König von Daͤnemark angeworben geweſenen Söldner =» Hauptleute waren noch immer nicht befriedigt und drohten dem Verweſer der Ballei Koblenz Grafen Wilhelm von Eiſenberg immer heftiger mit gewaltthaͤtigen Schritten, denn auch durch die Verſprechungen des Hochmeiſters wollten fie ſich nicht mehr beguͤtigen laſſen.) Die aufgehaͤuften An⸗ leihen bei mehren Deutſchen Fuͤrſten und Biſchoͤfen, ſelbſt die alte Schuld bei dem Kurfuͤrſten von Brandenburg waren eben⸗ falls noch nicht entrichtet, die verpfaͤndeten Kleinodien und Silbergeraͤthe noch nicht ausgeloͤſt und uͤberhaupt die finan⸗ ziellen Verhaͤltniſſe des Hochmeiſters in der groͤßten Unord⸗ 1) Schr. des HM. an d. Livlaͤnd. Meiſter, d. Schwabach 1 Aug. 1524 Schbl. D. 595; vgl. die uͤbrigen Quellenangaben im Index corp. histor. diplom. Livoniae T. II. 205 — 207. 2) Schr. des Landkomthurs v. Oeſterreich an d. HM. d. Wien 11 Decemb. 1524 Schbl. 105. 41. 3) Schr. des HM. an d. Kurfürften v. Brandenburg, d. Neuhof 24 Juli 1524 Schl. C. 446. 4) Schr. des Grafen Wilhelm v. Eiſenberg an d. HM. d. Koln am T. Thoma 1524 Schbl E. 305. Schr. des HM. an d. Grafen Wilh. v. Eiſenberg d. Ofen 30 Jan. 1525 Rgſtr. 1525 p. 4 — 6.
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Allgem. Verachtung des Ordens in Preuſſen. (1525.) 743 nung, v fo daß nicht abzufehen war, wohin es damit noch kommen werde, wenn nicht bald ein feſter Friede hergeſtellt und bei baldiger Rückkehr des Meiſters in fein Land eine beſſer geordnete Verwaltung eingeleitet werden wuͤrde. Konnte aber Albrecht ohne einen dauerhaften Frieden und ohne eine voͤllige Umwandlung feiner bisherigen Verhältnifle in ein Land zurückkehren und als Hochmeiſter da auftreten, wo Luthers Lehre ſchon tiefe, unvertilgbare Wurzeln gefaßt und von Tag zu Tag ſtaͤrkern Eingang gewonnen hatte, wo der Orden ſchon uͤberall feindliche Geſinnung, Hohn und Ver⸗ achtung fand, 2 wo kein Ordensritter mehr ohne des Volkes Geſpoͤtt ſich im Ordensmantel zeigen durfte, wo ſchon im vo⸗ rigen Jahre mehre Ordensritter wieder aus dem Verbande des Ordens ausgeſchieden waren, ſich zur evangeliſchen Lehre be⸗ kannt und bereits verheirathet hatten, wie z. B. der Karwans⸗ herr Michael von Drahe, s) wo man ferner im Volke, wie es Luther felbſt gewuͤnſcht und gerathen, den Landesfuͤrſten nicht mehr als Hochmeiſter, ſondern lieber als ſuͤrſtlichen Erbherrn des Landes zuruͤckerwartete und wo zu befürchten ſtand, daß, wenn er als ſolcher nicht zuruͤckkehren werde, man einen andern zum Erbherrn des Landes erwaͤhlen und ihm die Herrſchaſt über Preuſſen entziehen werde, wie ihm wirklich gegen Ende des vorigen Jahres von Koͤnigsberg aus berichtet wurde? 1) De al r. VIII. 183 bat die Nachricht: Albert ſit bean- conp de depenses à Nuremberg, et Pon remarque comme un grand excös, qwil y perdit 600 Florins d'or au jen, ce qui pronve yne cette passion ruineuse n’etoit point alors si commune eic. Die Quelle iſt Pauli B. IV. 402. 2) Den Luher einen abominabilis Principatns nennt, qui berma- phrodita quidam, nee laicus nec religiosns est. Luthers Briefe v. De Wette B. II. 527. 3) ueber den Austritt des Karwansherrn Michael v. Drahe aus dem Orden und ſeine Verbeirathung ein Schr. des Biſchofs v. Sam⸗ land an d. HM. d. Fiſchhauſen 30 März 1524 nebſt einer Recht⸗ fertigung des Ordensritters über ſeinen Schritt, Schbl. LXXI. 7. 4) Schr. des Rentmeiſters Cleophas Breuer an d. HM. d. Koͤnigsb. nach Lucd 1524; ſ. Nicolovius die biſchoͤfl. Würde S. 97.
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744 Einleitungen zum Friedensſchluſſe. (1525.) Konnte es unter ſolchen Verhaͤltniſſen Albrecht wagen, als Ordensoberhaupt nach Preuſſen zuruͤckzukommen? Es kam hinzu, daß ſich fein Verhaͤltniß zum Roͤm. Hofe für die Laͤnge unmoͤglich mehr halten ließ. Der Papſt hatte bereits, um des Koͤniges von Polen Freundſchaſt zu gewinnen, ihm am letzten Weihnachtsfeſte einen in der erſten Meſſe geweihten, mit Perlen geſtickten Hut und ein geweihtes Schwert zugeſandt, waͤhrend der Hochmeiſter noch fort und fort am Roͤm. Hofe als eifriger Befoͤrderer der Lutheriſchen Ketzerei ausgeſchrieen und verwuͤnſcht, der Deutſchmeiſter dagegen vom Kardinal⸗Legaten Campeggio um fo mehr als Beſchirmer des wahren chriſtlichen Glaubens hochgeprieſen wurde.) Kehrte der Hochmeiſter nach Preuſſen zuruͤck, fo fielen alle feine bisherigen Entfhuldigungsgründe in Beziehung auf die Lehre Luthers hinweg; es gab fir ihn dann keine Rechtfertigung mehr und keine andere Wahl, als Alles, was für jene geſchehen war, gut heißen; er ſelbſt mußte dann offen als Anhänger Luthers auftreten, was ihm als Hochmeiſter unmoͤglich war. So war jetzt Albrechts Lage. Er mußte in dieſer — das ſagte ihm immer auch noch die Stimme Luthers — einen Frieden wuͤnſchen, der zugleich auch alle feine bisherigen Or dens⸗Verhaͤltniſſe veränderte. ? Ein ſolcher aber war von den ernannten Schiedsrichtern, dem ſtrengglaͤubigen Könige von Ungern, dem katholiſchgeſinnten Erzherzoge Ferdinand, dem religiöseifrigen Herzoge Georg von Sachſen und von dem Erz⸗ biſchofe von Salzburg unmoͤglich zu erwarten. Nun erneuerte zwar der Kaiſer, als der Hochmeiſter im Herbſt des vorigen Jahres auch in dieſer Angelegenheit ſeinen Rath Georg Klingen⸗ beck nach Madrid gefandt ® und er von dieſem nicht ohne Miß⸗ 1) Schr. des Ordensprocurators Georg Buſch an d. HM. d. Rom 8 April 1525 Schbl. II. 147. 2) Luther ſagt in einem Briefe an Brismann von dem fruͤher dem HM. gegebenen Rathe: Interim video huiusmodi placuisse consilium et optare, ut id quam primum matnraretur. 3) Vollmacht des HM. für Georg Klingenbeck bei ſeiner Sendung an d. Kaiſer, d. Anſpach 25 Sept. 1524 Schbl. 26. 2. XLIII. 52,
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Einleitungen zum Friedensſchluſſe. (1525.) 745 fallen vernommen hatte, daß in der Streitſache des Ordens mit Polen immer noch kein weiterer Schritt geſchehen ſey, an den Koͤnig von Ungern und den Erzherzog Ferdinand das Geſuch, die Sache jetzt aufs foͤrderlichſte vorzunehmen, damit die Zwie⸗ tracht endlich geſtillt und ein ſteter und feſter Friede oder wenn dieſer nicht bewirkt werden koͤnne, wenigſtens ein laͤngerer An⸗ ſtand zu Stande gebracht werden moͤge. Auch gegen den Hoch⸗ meiſter ſelbſt ſprach ſich der Kaiſer aͤußerſt freundlich und wohl⸗ wollend aus, ihn bis zum ſchiedsrichterlichen Spruche der Fuͤrſten zu Ruhe und Friede ermahnend.) Allein auch von dieſer Ein⸗ ſprache des Kaiſers konnte jetzt Albrecht in ſeiner ſchwierigen Lage weiter kein Heil erwarten. Da traten von neuem Herzog Friederich von Liegnitz und des Hochmeiſters Bruder Markgraf Georg von Brandenburg, den Albrecht bei ſeinem Aufenthalt in Ofen in alle ſeine Ver⸗ haͤltniſſe eingeweiht, ins Mittel und knuͤpſten mit dem Könige von Polen neue Unterhandlungen an.) Nachdem ſich der Hochmeiſter im Februar von Ofen nach Brieg und dann nach Kreuzburg in Schleſien begeben,“ theilte er ihnen von dort aus auf ihr Verlangen aus dem ewigen Frieden diejenigen Ar⸗ tickel mit, gegen welche er bisher am meiſten angekaͤmpft hatte und uͤber deren Veraͤnderung oder Abſtellung ſie mit dem Koͤnige unterhandeln wollten.“ Die beiden Fuͤrſten begaben ſich dar auf nach Krakau, der Hochmeister ſelbſt verfügte fi, um den Schr. des HM. an d. Markgr. Johann v. Brandenb. d. Anſpach 25 Sept. 1524. Schbl. C. 440. 1) Schr. der Kaiſers Karl an d. HM. d. Madrid 25 Febr. 1525 Schbl. IV. 144. Mehre Berichte Georg Klingenbecks an d. HM. über feine Geſandtſchaft Schbl. D. 534. 2) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Kreuzburg in Schleſien 6 März 1525 Rgſtr. 1525 p. 29 — 31. 3) Am 9 Febr. befand ſich der HM. noch in Ofen, am 26 Febr. aber ſchon zu Brieg u. am 6 März zu Kreuzburg, nach feinem Schrei⸗ ben im Rgſtr. 1525 p. 17. 35. 4) Schr. des Markgr. Georg v. Brandenb. u. des Herzogs Frie⸗ derich v. Liegnitz an d. HM. d. Krippitz Freit, nach Cinerum 1525 Schbl. B. 617. Schütz p. 491. i
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746 Friedensverhandlungen zu Krakau. (1525.) Verhandlungen naͤher zu ſeyn, nach Beuthen im Gebiete des Herzogs Johann von Oppeln, zehn bis zwoͤlf Meilen von Krakau entfernt, ſo daß er faſt taͤglich Nachricht von dorther erhalten konnte.) Es trafen dort auch bald aus Preuſſen die Abgeordneten des Ordens und der Stände, naͤmlich der Biſchof Erhard von Pomeſanien, Friederich von Heideck, Heinrich von Kitlitz, Georg von Kunheim, der Bürgermeiſter der Altſtadt Königsberg Nicolaus Richau und der Kompan des Bürger: meiſters vom Kneiphof Criſpin Schoͤnberg ein, dieſelbigen, welche früher ſchon zum Verhandlungstage in Preßburg bevollmächtigt waren.) Die Verhandlungen zu Krakau begannen in der zweiten Woche des Maͤrz. Der Hochmeiſter faßte ſogleich im Anfange die beſten Hoffnungen zum Frieden.) Zwar kamen die beiden fuͤrſtlichen Vermittler am 19ten März mit der Er⸗ klaͤrung zum Hochmeifter: der König, nicht geneigt, die vom Hochmeiſter beſchwerlich beſundenen Artickel im ewigen Frieden abzuaͤndern, verlange, daß dieſer Friede unveraͤndert in Kraft und Geltung bleibe. Er lege aber dem Meiſter als Grundlage eines feſten Friedens folgende Bedingungen vor: 1. Sofern der Hochmeiſter ihn als ſeinen Lehnsherrn anerkennen und das Ordensland von ihm als Lehen annehmen wolle, werde er je— nem alle im vorigen Kriege eingenommenen Schloͤſſer, Städte und Flecken wieder einraͤumen. 2. Solle der Hochmeiſter alle im Biſthum Ermland gewonnenen Staͤdte dem Biſchofe wieder abtreten und dieſer ihm jährlich für feine Lebenszeit dreitauſend Mark entrichten. 3. Sollte die Belehnung, wenn der Meiſter ſie annehme, vom Koͤnige erblich ertheilt werden; ſterbe jener ohne maͤnnliche Nachkommenſchaft, ſo ſolle das Lehen auf ſeine Brüder, die Markgrafen Kaſimir, Georg und Johann oder die naͤchſten erbberechtigten Fuͤrſten, woruͤber ſich die Bruͤder 1) Schr. des Markgr. Georg u. des Herzogs v. Liegnitz an d. HM. d. Krakau Donnerſt. nach Invocavit 1525 Schbl. B. 618. 2) Schütz p. 491. Faber Preuſſ. Archiv B. I. 149 — 154. Bock S. 127. 3) Schr. des HM. an d. Biſchof v. Samland, d. Kreuzburg 6 Maͤrz 1525 Rgſtr. 1525 p. 29 — 31.
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Friedensverhandlungen zu Krakau. (1525.) 747 vereinigen wuͤrden, uͤbergehen, doch alſo daß ſie jeder Zeit die Lehens pflicht ebenſo wie der Hochmeiſter über ſich naͤhmen. “ Ueber dieſe Friedensvorſchlaͤge fanden zwiſchen dem Hoch⸗ meiſter, den beiden fuͤrſtlichen Vermittlem und den Abgeordneten der Staͤnde aus Preuſſen lange Verhandlungen Statt, denn die letztern verweigerten Anfangs aufs entſchiedenſte ihre Ein⸗ willigung, weil ihre Vollmacht ſie dazu nicht berechtigte. Sie baten deshalb um laͤngern Anſtand der Sache, um daruͤber erſt von Landen und Staͤdten in Preuſſen Rath und naͤhere Beſchließung einzuholen. Dem widerſprachen aber die Friedens⸗ vermittler. „Ihr habt nur drei Wege zu waͤhlen: Krieg oder den ewigen Frieden oder Annahme der Belehnung“, entgegneten fie den Abgeordneten.?) Albrecht war ſogleich entſchieden für die Annahme der Belehnung; doch ließ er dem Koͤnige das Verlangen vorſtellen, ſortan auch im Beſitze von Neumark, Brathean, Tol⸗ kemit und vor allem Braunsbergs bleiben zu koͤnnen, wozu ihn wichtige Gründe veranlaßten. Er forderte darauf die Abgeord⸗ neten auf, ihr Bedenken gegen die Annahme der Belehnung und ihre Wuͤnſche für das Land, ſofern jene Statt finden werde, naͤher auseinander zu ſetzen, und als dieß geſchehen war, be⸗ ſeitigte er nicht bloß alle obwaltenden Bedenklichkeiten, ſondern gab ihnen zugleich auch die feſte Zuſicherung, daß er als ge⸗ treuer Landesfuͤrſt Lande und Staͤdte gegen allen Schaden, der aus der neuen Ordnung der Dinge fie bedrohen konne, ſchuͤtzn, mit aller Kraft handhaben und in allen gerechten und billigen Anforderungen ſich befohlen ſeyn laſſen wolle, daß er ſie ferner auch bei allen ihren Rechten und Privilegien un⸗ geſchwaͤcht laſſen und beſchirmen und das Land uͤberhaupt in wahrhaſt chriſtlichem Geiſte regieren und erhalten werde. Durch dieſe und mehre andere Zuficherungen ® gewann er endlich auch die Zuſtimmung der Abgeordneten zur Annahme der Belehnung. Die Friedensvermittler kehrten hierauf mit der Genehmigung der 1) Schütz p. 491. Bock S. 130. 2) Schütz p. 491 — 492. 3) Das Nähere darüber bei Schütz p. 493 — 494.
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748 Friedensverhandlungen zu Krakau. (1525.) koͤniglichen Friedensbedingungen und mit des Meifters Geſuchen in Betreff des Beſitzes von Braunsberg, Tolkemit, Brathean und Neumark oder Neumarks, Wormditts und Guttſtadts, oder wenigſtens Neumarks und Tolkemits nebſt einer beſtimmten Geldſumme nach Krakau zuruͤck.) Der Koͤnig indeß konnte in keins dieſer Geſuche einwilligen, weil er bei der Uebernahme der Koͤnigskrone geſchworen hatte, keine zum Koͤnigreiche ge⸗ hoͤrige Stadt, Schloß oder Flecken jemals ihm zu entfremden und insbeſondere auch die in Preuſſen eingenommenen Lande ſtets zu ſchuͤtzen und zu ſchirmen und der Krone zu erhalten. Dagegen erklärte er ſich ber:it, dem Hochmeiſter für die im vo: rigen Kriege im Biſthum Ermland und ſonſt noch eroberten Städte und Flecken gegen Abtretung an die Krone Polens jaͤhrlich fuͤr ſeine ganze Lebenszeit viertauſend Rhein. Gulden zu entrichten und ſicher und feſt zu verſchreiben und dagegen auch alles, was der Meiſter im Kriege verloren, ihm wieder einzuräumen. 2 Man rieth jetzt dem Hochmeiſter, da alle Vorbereitungen zum Friedensſchluſſe getroffen waren, ſich nun zum foͤrmlichen Abſchluſſe nach Krakau zu begeben, um in perſoͤnlicher Ver: handlung mit dem Koͤnige das Naͤhere zu verhandeln. Er langte am zweiten April dort an. Als Hochmeiſter, mit dem ſchwarzen Adlerkreuze geſchmuͤckt, hielt er in Krakau ſeinen Ein⸗ zug, vom Könige ſehr ehrenvoll empfangen.?) Als Herzog von Preuſſen aber ſchloß er, nachdem noch mehre Tage unter mancherlei Verhandlungen uͤber die einzelnen Friedensbeſtim⸗ mungen hingegangen waren, am achten April oder am Vor⸗ abend des Palmſonntags den Frieden — folgenden Bedin⸗ gungen ab. 1) Schütz p 494. 2) Schütz p. 494. 3) Schütz I. c. ſagt: am Freit. nach Lätare ſey der HM. in Krakau angekommen; dieß ſcheint unrichtig, denn nach einem Schr. Georgs v. Brandenburg u. des Herzogs v. Liegnitz an d. HM. d. Krakau Sonnab. nach Laͤtare 1525 Schbl. B. 619 wurde er von ihnen erſt am Tage darauf, am Sonnt. Judica oder 2ten April erwartet.
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Der Friedensſchluß zu Krakau. (1525.) 749 1. Aller Zwiſt zwiſchen dem Koͤnige, dem Herzoge Al⸗ brecht von Preuſſen, den Herzogen von Mafevien und den beiden Biſchoͤſen von Ermland und Kulm und allen ihren Unterthanen iſt fortan beigelegt. 2. Jeder Theil raͤumt dem andern die im letzten Kriege eingenommenen Schlöͤſſer, Staͤdte und Flecken mit dem darin gefundenen ſchweren Geſchuͤtz und den Hakenbüchfen wieder ein. Auch das in dem abgebrochenen Schloſſe zu Preuſſ. Holland gefundene Geſchuͤtz ſoll dem Her: zoge Albrecht wieder überliefert werden. 3. Wegen verfäumter Kriegsdienſte ſoll von beiden Theilen Gnade erlaſſen und die deshalb eingezogenen Güter wieder zuruͤckgegeben, auch den Kindern der Hingerichteten die unbeweglichen Guͤter gelaſſen und wegen der Strafe der Vaͤter ihnen keine Schande und kein Nachtheil weiter zugemeſſen werden. 4. Wegen Abfall der einzelnen Staͤdte ſoll kein Theil irgend eine Rache üben und ihn keiner Stadt zur Unehre oder Nachtheil zurechnen.“ 5. Wurde beſtimmt, wie es fortan mit geiſtlichen Guͤtern und mit der geiſtlichen Gerichtsbarkeit zwiſchen dem Herzoge und den Biſchoͤfen gehalten werden ſolle. 6. Der Herzog ſoll dem Koͤnige als ſeinem Erbherrn einen Eid leiſten und ſich forthin gegen ihn in allem, wie es einem belehnten Fuͤrſten gegen den Erbherrn gebuͤhrt, gehorſam erzeigen. Auch ſoll Markgraf Georg von feiner und feiner Brüder wegen die Lehensfahne mit angreifen und die Markgraſen Kaſimir und Johann binnen Jahresſriſt dieſen Vertrag durch Brief und Siegel genehmigen. 7. Erſt nach dem Ausſterben aller maͤnnlichen Lehenserben der vier Markgrafen ſoll das dem Herzoge mit Namhaftmachung aller Schlöffer und Staͤdte zugewieſene Land an die Krone Polens fallen. 8. Der Koͤnig ſoll den Herzog Albrecht, deſſen Erben und alle Einwohner des Landes bei allen ihren Privilegien, die dieſem Vertrage und des Koͤniges Oberherrlichkeit nicht entgegen find, laſſen und ſonſt gegen ungerechte Gewalt ſchuͤtzen und vertheidigen. 9. Der Herzog von Preuſſen erhaͤlt auf Land⸗ 1) Genannt werden ausdrücklich die Städte Neumark, Hohenſtein u. Gilgenburg. S. oben S. 578.
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750 Der Friedensſchluß zu Krakau. (1525.) tagen und in Rathsverſammlungen die erſte Stelle im Sitze neben dem Koͤnige. 10. Der Herzog und ſeine Erben und Nachfolger in der Regentſchaft ſollen von dem Fuͤrſtenthum Preuſſen nichts verkaufen und wofern die Noth ſie dringt, was ſie verkaufen wollen, dem Koͤnige ein Jahr zuvor anbieten. Erſt wenn dieſer es nicht kauſt, mag es der Herzog verkaufen, jedoch unbeſchadet der Regalien, Lehenſchaften und Dienſte des Koͤniges. Verpfaͤndungen von Schloͤſſern und Staͤdten ſollen nur an des Herzogs Lehensleute geſchehen koͤnnen, damit das Land vereint und ungetheilt bleibe. 11. Der Kriegslehens⸗ dienſt ſoll dem Herzoge auf ſechs Jahre erlaſſen und er nur in dem Fall, daß der Koͤnig dieſes Vertrages oder der Belehnung wegen angegriffen wuͤrde, auch innerhalb dieſer Zeit zum Kriegs⸗ dienſte nach hoͤchſtem Vermoͤgen verpflichtet ſeyn. Sonſt iſt der Herzog fortan gehalten, dem Koͤnige in Kriegsbedraͤngniſſen mit hundert geruͤſteten Reitern zuzuziehen, die bis an die Graͤnze Preuſſens von jenem verpflegt werden ſollen. Erſt wenn ſie außerhalb der Graͤnzen find oder in größerer Anzahl vom Könige verlangt werden, erhalten fie Sold und Unterhalt wie des Kos niges eigene Kriegsleute. 12. Wurde beſtimmt, wie es in Streithaͤndeln, Klagſachen und Anſpruͤchen des Koͤniges und des Herzogs, ſowie ihrer beiderſeitigen Unterthanen fernerhin vor Gericht gehalten werden ſolle. 13. Den beiderſeitigen Unterthanen der Lande Preuſſen wird freier Handel zugeſichert. Maͤrkte, widerrechtlich in Doͤrfern aufgerichtet, ſollen abgeſtellt und in die Staͤdte verlegt werden. Auch fremde Kaufleute ſollen voͤllige Handelsfreiheit genießen. 14. Ohne Genehmi⸗ gung beider Theile ſollen keine neuen Zoͤlle und kein neues Stapelrecht eingefuͤhrt und alle ſeit Kaſimirs Zeit angeordneten Zoͤlle wieder abgeſtellt werden. 15. Kein Theil ſoll forthin Straßenraͤuber, Diebe oder Landbeſchaͤdiger zu des andern Schaden hegen und herbergen. 16. Der Herzog von Preuſſen, ſowie die Staͤdte Elbing, Danzig und Thorn ſollen ſich des Muͤnzſchlages enthalten; doch wolle ſich der Koͤnig binnen be⸗ ſtimmter Friſt über die Münze mit erſterem naͤher verſtaͤndigen. 17. Der Herzog ſoll auf alle von Paͤpſten, Kaiſern oder
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Des Herzogs Albrecht Belehnung mit Preuſſen. (1525.) 751 Königen von Polen dem Orden verliehenen Privilegien auf ewig Verzicht leiſten und ſolche dem Könige einhaͤndigen, der ſich verpflichtet, dem Herzoge und dem Lande über Graͤnzen oder andere Freiheiten und Gerechtigkeiten, welche dieſem Ver⸗ trage nicht widerſtreiten würden, neue Verſchreibungen zu er⸗ theilen. So lautete im Weſentlichen der Friedensſchluß zu Krakau.“ Die Abgeordneten der Staͤnde Preuſſens genehmigten den Friedensvertrag am neunten April in allen ſeinen Beſtim⸗ mungen und mit der ausdrücklichen Erklärung, daß das Land den Herzog Albrecht forthin als ſeinen rechtmaͤßigen Erbherrn und Landesfuͤrſten anerkennen wolle.) Am Tage darauf, am zehnten April, fand die feierliche Belehnung Statt. Neben dem Rathhauſe war eine erhabene Tribüne erbaut, mit gold⸗ geſtickten Tapeten und reichen rothen Gewanden ausgeſchmuͤckt. Dort erſchien der König, die Krone auf dem Haupte, mit dem mit Perlen und Edelſteinen gezierten koͤniglichen Mantel von Goldſtoff angethan, umgeben von neun Biſchoͤfen, dem Ges ſandten des Koͤniges von Ungern, einer großen Zahl von Woiwoden, Kaſtellanen, den Raͤthen aus Thorn und Elbing und vielen Rittern und Edelleuten. Der vierjaͤhrige Thron⸗ folger Sigismund Auguſt ward vom Woiwoden von Sieradz auf dem Arme gehalten. In den Haͤnden mehrer Reichs⸗ 1) Der Friedensſchluß, d. Cracoriae die domin. Palmar. 1525 in einem Transſumt des Biſchofs von Ermland v. J. 1548 Schbl. 71. 7; gedruckt in Dos iel Cod. diplom. Polon. T. IV. p. 225, Baczko B. IV. 441, deutſch bei Schütz p. 495. Runau p. 176, Pauli B. IV. 407. 2) Die Urkunde darüber, d. Cracoviae die nono April 1525 bei Dogiel T. Iv. p. 231, deutſch bei Schütz p. 497 — 488. Außer dieſer Zuſage der Abgeordneten der Stände ſelbſt erließ der Herzog fpäter eine oͤffentliche Erklaͤrung, d. Konigsb. feria secunda post fesinm Ascens. domini, die XXIX Maji 1525 Schbl. LXV. 6, worin er be⸗ kannt macht, daß die auf dem allgemeinen Landtage verſammelten Staͤnde in Gegenwart mehrer Abgeordneten des Koͤniges v. Polen den Friedensvertrag genehmigt und gut geheißen und ihm als Erbherrn und Landesherrn Treue und Gehorſam geſchworen haͤtten.
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752 Des Herzogs Albrecht Belehnung mit Preuffen. (1525.) großen glaͤnzten vor dem Koͤnige die Reichsinſignien, Scepter, Reichsapfel und Schwert. Umſchaart war der koͤnigliche Sitz von zweitauſend Mann Fußvolk im Harniſch, mit Handbuͤchſen, Spieſen und Hellebarden bewaffnet. Als der Koͤnig auf der Tribuͤne ſich niedergelaſſen, erſchienen vor ihm des Herzogs Albrecht ſieben Mathe als Botſchaſter, an ihrer Spitze der Biſchof Erhard von Pomeſanien, auf den Knieen den Koͤnig im Namen ihres Herrn um die Belehnung bittend. Nachdem dieſer durch den Biſchof von Krakau auf ihre Bitte geant⸗ wortet und die Belehnung bewilligt, kam auch Herzog Albrecht herzu, begleitet von ſeinem Bruder, dem Markgrafen Georg, dem Herzoge Friederich von Liegnitz und allen feinen Raͤthen und den Abgeordneten aus Preuſſen. Mit den beiden Fuͤrſten dem Könige ſich nahend, bezeugte ihm der Herzog zuvoͤrderſt ſeinen Dank fuͤr die erzeigte Gunſt und Gnade und erbot ſich dann ihm und der Krone Polens zu feſter, unwandelbarer Treue. Als er ſich hierauf nebſt den beiden Fuͤrſten vor dem Koͤnige auf die Kniee niedergelaſſen, ließ ſich dieſer die Lehens⸗ fahne reichen, ein Panier von weißem Dammaſt, auf welchem ein ſchwarzer Adler mit goldenen Klauen, eine goldene Krone um den Hals, goldene Streifen in den Fluͤgeln und auf der Bruſt den ſilbernen Buchſtaben 8, zur Erinnerung an den erſten Lehensherrn Sigismund. Dieſes Panier haltend ſchwur Albrecht als Herr und Erbfuͤrſt des Herzogthums Preuſſen dem Koͤnige und der Krone Polens den Huldigungseid auf das en welches die Biſchoͤfe von Gneſen und Kra⸗ kau dem Koͤnige in den Schooß gelegt. Dieſer ergriff hierauf das Reichsſchwert. Der Herzog kniete nochmals vor ihm nie⸗ der und ward von ihm mit drei Schlaͤgen von neuem zum Ritter geſchlagen, dann mit einer ſchweren goldenen Kette ge⸗ ſchmuͤckt und das Panier ihm eingehaͤndigt. Darauf wurde der Ritterſchlag auch an ſaͤmmtlichen Raͤthen der drei Fuͤrſten und vielen Edelleuten aus Polen und Preuſſen vollführt. Der Lehenshandlung folgte ein feierlicher Gottesdienſt und ein glaͤn⸗ zendes Gaſtmahl, nach welchem der Herzog vom Koͤnige mit reichen Geſchenken beehrt ward, endigte des Tages Feier.“ Der König ließ hierauf noch ein beſonderes Diplom aus: fertigen, worin er dem neuen Herzoge das Land Preuſſen als 1) Wir haben eine gleichzeitige Beſchreibung dieſer Feier, Schbl. IV, gedruckt in Faber Preuſſ. Archiv B. II. 109 — 113. Sie ſtimmt im Weſentlichen mit der Beſchreibung bei Schlitz p. 500 — 501 über: ein; vgl. Bock S. 135 — 136. Ordens⸗Chron. p. 166.
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Des Herzogs Albrecht Belehnung mit Preuffen. (1525). 753 Lehen feiner Krone übergab und fürmlich zuerkannte, die Erb⸗ lichkeit deſſelben auf Albrechts männliche Erben und nach deren Ausſterben auf feine Brüder Kaſimir, Georg und Johann und deren maͤnnliche Erben in abſteigender Linie auscinander ſetzte und beim Erloͤſchen des geſammten Mannsſtammes dieſer Brüder und ihrer Nachkommen den Ruͤckfall Preuſſens an die Krone Polens dieſer vorbehielt, und endlich auch die bereits erwähnten Lehensdienſte in Betreff der Kriegspflicht, der Ver aͤußerung oder Verpfändung einzelner Staͤdte oder Landes⸗ theile u. ſ. w. urkundlich feſtſtellte.) Er wies alsdann dem Herzoge auf deſſen Lebenszeit ein Jahrgeld von viertauſend Rhein. Gulden an, welches dieſem auch, ſo lange er lebte, von der Krone entrichtet wurde.) Den Ständen Preuffens wurde die Erhaltung aller ihrer Rechte, Privilegien und Frei⸗ heiten, wie ſie ſolche bisher unter des Ordens Herrſchaft ge⸗ noſſen, ſowohl vom Herzoge Albrecht ſelbſt als deſſen Bruder Markgraf Georg in ſeinem und ſeiner Bruͤder Kaſimir und Johann Namen verbuͤrgt und unverbruͤchlich zugefichert. 3) Herzog Albrecht meldete noch von Krakau aus den Kur⸗ fürften von Brandenburg und Sachſen, dem Herzoge Georg von Sachſen und den übrigen Reichsfuͤrſten den Abſchluß ſeines Friedens mit Polen, ſich wegen des Schrittes rechtferti⸗ gend, den er aus Noth und ſchwerer Bedraͤngniß gethan, weil Kaiſer und Reich ihn verlaſſen.)“ Er begab ſich hierauf nach Brieg und beſtellte ſich von dort aus bei einem geſchickten Meiſter zu Nürnberg den Schmuck, den er fortan als Herzog von Preuſſen tragen wollte, eine goldene Kette und einen Adler mit aufgethanen Fluͤgein, mit guten Diamanten beſetzt, um den Hals eine goldene Krone mit aͤchten Edelſteinen und 1) Das Original der Urkunde, d. Cracoviae feria II post domin. Palmar. 1525 Schbl. LXV. 2; ein Vidimus derſelben v. J. 1550 ebendaſ. nro 3, gedruckt bei Dogiel T. IV. p 233. 2) Das Original der Urkunde, d. Cracoviae feria IV post domin. Palmar. 1525 Schbl. LXV. 5; ein Vidimus derſelben v. J. 1548 ebendaſ. nro 4, gedruckt bei Dogrel T. IV. p. 235. In einer Urkunde, d. Wilna 29 Juli 1500 eroͤffnet der Koͤnig v. Polen dem Herzege v. Preuſſen, daß er das ihm bewilligte Jahrgeld von 4000 Gulden fort⸗ hin jaͤhrlich ohne feinen beſondern Befehl erheben koͤnne; Schbl. LXV. 12. 3) Die Urkunde hieruͤber, d. Krakau 11 April 1525 in zwei Trans⸗ ſumten v. J. 1526 und 1563 Schbl. LXXI. 1. 3; gedruckt bei Schlitz p. 501 — 502. 4) Schr. des Herzogs Albrecht an d. Kurfuͤrſten v. Brandenburg u. a. d. Krakau 12 April 1525 Schr. III. F. 1. uro 77. IX. 48
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754 Des Herzogs Albrecht Nückkehr nach Königsberg. (1525.) auf des Adlers Bruſt ein S.) So kehrte er denn endlich nach Königsberg zuruck, wo er nach dreijaͤhriger Abweſenheit am neunten Mai ſeinen glaͤnzenden Einzug hielt, vom Volke mit lauter Freude empfangen.) „Wenn man eins der drei Geluͤbde der Keuſchheit, der Armuth und des Gehorſams bricht, ſo ſind die Regeln alle gebrochen,“ verfündete das alte Ordensgeſetz; aber fie waren laͤngſt auch alle gebrochen und der Orden war lange ſchon des Unterganges wuͤrdig geworden. Dreihundert und vier und dreißig Jahre hatte er, ſeit er vor Akkons Mauern geſtiftet war, jetzt dageſtanden und zweihundert und ſechs und neunzig Jahre, ſeit die erſten Ordensritter bei Herzog Konrad von Ma⸗ fovien erſchienen, im Lande Preuſſen unter Krieg und Frieden regiert. Acht und dreißig Hochmeiſter hatten ſeit ſeinem Da⸗ ſeyn als Oberhäupter über ihn gewaltet und vier und dreißig derſelben die Regentſchaft über Preuſſen geführt. Sechzehn von ihnen hatten ihren Wohnſitz in dem erhabenen Haupthauſe Marienburg und ſieben den ihrigen in Königsberg gehabt. Als Herzog Albrecht jetzt dahin zurückkehrte, war der Orden in Preuſſen bis auf wenige Glieder ſchon untergegangen. Im Dunkel des Mittelalters ins Land verpflanzt, lange in kraͤf⸗ tigem Gedeihen und in hoher Bluͤthe ſtehend, dann durch ſchweres Unglück darniedergeſchlagen, tief gebeugt, verarmt, in ſeiner Kraft entnervt, in ſeinem innern Weſen entartet, ent⸗ fittlicht, in feinem einſt fo ehrwürdigen Geiſte und Character durch Gebrechen und Sünden verwahrloſt, nichtswuͤrdig in Geſinnung und That hatte er ſich laͤngſt den Untergang bereitet. Das Land war eines andern Landesſuͤrſten würdig und er⸗ ſehnte ihn laͤngſt herbei. Luthers Mahnung an Herzog Albrecht war erfüllt und ins Werk geſetzt; das neue Licht des reinen Evangeliums hatte ihn erleuchtet. Hocherſteut ſprach jener nun die Worte:) „Siehe dieß Wunder! In vollem Laufe, mit vollen Segeln eilt jetzt das Evangelium nach Preuſſen!“ 1) Schr. des Herzogs Albrecht an d. Meiſter Arnold Wenk zu Nuͤrnb. d. Brieg 18 April 1525 Roftr. 1525 p. 39 — 40. x 8 1 Bock Leben des Herzogs Albrecht nach Freibergs Chron. . 149. 3) Luther an Georg von Polenz im April 1525: Vide mirabilia, ad Prussiam pleno cursu plenisque velis currit Evangelion! Luthers Briefe v. De Wette B. II. 649. 7 % © Ss . 8 Biblisteka 5 — er 7129
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Allgemeines Regiſter z u ſaͤmmtlichen neun Bänden der Preuſſiſchen Geſchichte. 48%
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Allgemeines Regiſler. A. Abalus 1. 19 fog. 632 fag. Abezier, Joh., Domprobſt, Biſch. v. Ermland VII. 266 fgg. Ablaßgeld, aus Preuſſen und Livland VIII. 23 fgg. ; — in Preuſſen geſammelt IX. 28h fag. Acciſe, im Allgemeinen IV. 284. VII. 642. VIII. 504 fgg. 3 — von den Getränken VII. 533; Land⸗ und Stadt- A. IX. 38 fgg- Adalbert (Woycech), der Heilige, Apoſtel der Preuſſen, Schutzpatron der ſamländiſchen Kirche 1. 244 fgg. III. 43 fgg. IV. 402 fg. — und feine Bio⸗ graphen I. 650 fgg . s Kar pelle 1.279. 661 fg. VIII. 191. 644. Adelmannsfelden, Hans Adelmann v., Kth. z. Pers gentheim, Deutſchmeiſter IX. 89 fag- = Aeſtland, Eftbland, Eſto⸗ nien 1. 196 fag. II. 229. 301 ag. A elt narium J. 20. A. 2). 35. Aeſtyer, Eſten, Oſten, Oſtiäer I. 24 fag. II. 301 fa. KERN. Agaphia, Gemahlin Herzog Courad's v. Maſovien II. 168 Acermaaß, flämiſches VI. Sb. VIII. 331. 335. Ackon, Haupthaus des D. O. zu, IV. 55 f99- Albert, Biſch. v. Livland I. 400 fgg. II. 301 fgg. 667. Albert, Erzbiſch. d. Preuſſen, Livland und Eſthland, päpſtl. Legat II. 323 fgg. III. 4 fg. Albert, Landgraf v. Thüringen III. 251 fgg · Albert, Hzg. v. Braunſchweig III. 254 fg. Albert, Biſch. v. Pomeſanien III. 380. 544 fgg. IV. 120. Albrecht v. Meklenburg, König v. Schweden V. 200 fgg. VI. 32 fgg · Albrecht, Hzg⸗ v. Sachſen, Pfl. z. Raſtenburg, Kth. 3. Branden⸗ burg V. 143. 257. 370. Albrecht, Hzg. v. Oeſterreich, König v. Ungern u. Böhmen, Römiſcher König VII. 694. 704 fgg. Albrecht, Kurfürſt v. Branden⸗ burg IX. 7 108 fgg. Albrecht, Markgraf v. Bran⸗ denburg, Hochmeiſter, Hzg. v. Preuſſen IX. 393 fgg- Aleps, ſamländiſcher Griwe III. 132. 228. Alexander IV, Pabſt II. ASt, 459, III. 104 fag. V. 242. 490. 317. 718. Alexander V, Pabſt VII. 40. Alexander, Großfürſt v. Lit⸗ thauen, König v. Polen IX. 148 fgg. Alexander v, Pabſt IX. 191 799.
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758 nn er, litthauiſcher Fürſt 175. Alle, Fluß I. 487 fgg. II. 403. III. 99. 335. IV. 403. V. 59. VII. 217 fgg. Allenburg, Stadt I. 491. VIII. 695. Allenſtein, Stdt. II. 489. III. 488. V. 106. 305. VI. 158. 191. VII. 247. 253. VIII. 312. 413 fgg. IX. 109. 302. Allode, biſchöfliche II. 554. Almenhauſen, Hugo v., Vogt v. Samland, Kth. 3° Thorn IV. 315. 421. Altenburg, Hermann v., II. 352 fgg. Altenburg, Dieter. v., Kth. v. Ragnit, Balga; Marſchall, Hochmeiſter III. 621. IV. 209. 315 fgg. 408 fgg. 521 fgg. V. 1. 2 fg . VI. 596. N Althaus, Bg. II. 220. 546. III. 331. VI. 188. VIII. 365. fag · IX. 45 fgg Alt⸗Thorn, Bg. VII. 589. Alvensleben, Graf Frieder. und Heinr. v., IV. 264. 285. Alyem, Geb. von, I. 4813 —, Ort oder Dorf II. 280. III. 277. 332. Amalchium T. 44. Amandus, Johannes, IX. 700 fag. Ananalia, Hzgin. v. Dobrin IV. 363. Andreas II, König v. Ungern II. 85 fgg. Angerapp, Fluß I. 490. 499. III. 238. IV. 581. VI. 97. Angerburg, Stdt. u. Bg. IV. 581. V. 175. 180. VII. 44. VIII. 695. IX. 13. Angeteten, Bg. I. 492. u. A. 9). IH. 101. Anna, Gemahlin d. Großfürſten Witowd's von Litthauen V. 373. Vi. 187 fgg. VII. 196. 292. 328. Anfelmus, Biſch. v. Ermland I. 161. 681. II. 485 fgg. III. 21. 137 fgg. V. 236 fgg. Arbeit bäuerliche, ſ. Frohn⸗ dien. Allgemeines Regiſter. Arffberg, Heinr. Duſemer v., Marſchall, Hochmeiſter IV. 523 fgg. V. 25 fg. VI. 508 fgg. Arn au, Bg. IV. 353. Arnold, Biſch. v. Kulm VII. 48. 137 fgg. Arnold, Biſch. v. Pomeſanien V. 80. 271. Arnold, Biſch. v. Lübeck VIII. 654 fgg. Arnſtein, Günth. v., Kth. z. Chriſtburg IV. 281. Artus oder Junker⸗Höfe, A. Brüderſchaften V. 330 fgg. VI. 560. 704. 720. Auctumo, pogeſaniſcher Heer⸗ führer III. 194. 209. 320. Auerochs, der I. 86. 544. Auerswald, Bernh. v., Auf⸗ ſeher über d. Tief bei Balga IX. : Augken (Oukaym), Schlacht bei, V. 692. 695. Auslieger (Seeräuber), die, des Königs Erich v. Dänemark VIII. 117 fgg. Auſteten, Landſch. IV. 191 fgg. * oder Gleſſaria 1. 34. Auſturweg, land, —rike I. 196 fgg. 638. Autume, pomeſaniſcher Heer⸗ führer I. 513. Avalonia, Inſel I. 635. Babenberg, Conr. v., Trap⸗ pier d. Haupthauſes z. Vene⸗ dig, L. M. in Preuſſen IV. 110 fag · Bach, Nicol. v., Hauskth. z. Balga, Großkth. IX. 295 fgg. Baden, Arnold v., Vogt d. Neumark, Kth. v. Schlochau VII. 17 fgg · . Bäckerordnung des Hochmei⸗ ſter C. 3. v. Rotenftein V- 464. Baierburg (Baiern), Bg. IV. 545 fgg. V. 210 fag ·
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Allgemeines Regiſter. Baiern, Erzbisth. in Litthauen IV. 558. Baiſen, Haus der, V. 130. —, Feſtus v., Ritter VI. 189. VII. 363. —, Hans v., Rath des Hochmei⸗ ſters, Gubernator der Lande Preuſſen VII. 182. VIII. 41 fgg · — Albert u. Heinr. v., Lehns⸗ leute d. Biſch. 's v. Erml. VII. 363. Heinemann v., Landesrit⸗ ter VII. 363. —, Peter v., Freund Ulr. v. Jungingen VII. 363. „Heinr. v., Kämmerer Ulr. v. Jungingen VII. 363. —, Sander v., auf Thierberg VIII. 40 fg. -, Gabriel v., VII. 234 fg · — Stibor v., Woiwode des Niederlandes, Gubernator v. Preuſſen, Woiwode zu Marien⸗ burg VIII. 297 fgg. IX. 6 fag. —, Nicol. v., Hauptmann auf Stuhm, Woiwode v. Marien⸗ burg, Gubernator IX. 129 fog« Baldersheim, Xudw, v., L. M. in Preuſſen III. 243 fag. IV. 185. VI. 681. — Hartm. v., Ritter V. 472. —, Lu dw. v., Biſch. v. Pome⸗ ſanien IV. 324. —, Wolfram v., Großkth. V. 151 fag · ] —, Conr. v., Kth. z. Chriſtburg, Elbing, oberſt. Trappier VII. 500 fag- Balga (Honeda), Bg. I. 99 fag. II. 351 fag · III. 26 f99- IV. 283 fag. V. 88. VI. 31 fag. VII. 10 fag. VIII. 345 fag. IX 001 fag. — Tief zu, IV. 578. VIII. 495. 697; —, Convent zu, VII. 753 fg. VIII. 26 fgg · Balk, Hermann, L. M. in Preuſſen II. 138 fag. III. 30 fgg. IV. 22. VI. 610. Balthaſar, Hzg. v. Sagan VIII. 114 fag. IX. II. 30. Valzhofen, Bernh. v. oberſt. Spittler u. Kth. z. Branden⸗ burg IX. 101. 759 Bank, Abhaltung der Pome⸗ ſchen, VIII. 21. Bantſchneider, Gerh., Prior aus Greifswalde VII. 464 fag. Barbara, heilige, II. 437 fag. IV. 316 fgg.; Bild derſelben zu Nuthaus VIII. 94 fgg. Barten, Barterland k. 170 fgg. II. 354 fgg. III. I. 56 fgs. IV. 16 fgg. V. 55 fgg. VI. 681. VII. 107; —, das eigentliche (große) I. 491. III. 56 fgg. Barten, Stdt. VIII. 440. 600. Bartenſtein, Stdt. u. Bg. I. 490. II. 403 fgg. III. 211 fag. IV. 108 fgg. V. 578. VIII. 19 fgg. IX. 13.5935 —, Tagfahrt zu, IX. 138 fgg. Barth, Hermann, dritter Ordensmeiſter II. 58 fgg. Bartholomäus, Bild. v. IV. 599. V. 109 9 . Bartholomäus, Official des kulmiſchen Domkapitels, Biſch. v. Kulm VIII. 525 fgg. Baſel, Concilium zu, VII. 609 fag. VIII. 22 fgg. Bafilia oder Baltia I. 23 fag. Baffenheim, Heinr. Wal⸗ pot v., erſter Ordensmeiſter II. 36 fgg · Sieg fr. Walpot v., Kth. z. Danzig, oberft. Spittler V. 316 fgg. VI. 6 fgg. Bauerhaken, die VI. 374. 576. Beffart, Joh. v., Kth. z. Danzig, oberſt. Trappier V. 5833. VI. 6 fg. Beifriede zwiſchen dem D. O. und dem Biſch. Paul v. Erm⸗ land VIII. 621. 624; — zwi⸗ ſchen Biſch. Paul v. Ermland u. den Verbündeten VIII. 637 ; — zu Neſſau zwiſchen Beruh. v. Zinnenberg u. den Polen VIII. 616 fgg.; — zwiſchen dem D. D. und Maſovien VIII. 575 fgg. Becke, Gerh. v. d., Bürger⸗ ra v. Danzig VII. 280 99.
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760 Belichow, Bg. I. 482. II. 280. III. 291 u. A. 1). Benedict XI, Pabſt IV. 230. Benedict XII, Pabſt IV. 523 fg3. V. 3. 6. Bentheim, Stenzel v., Nits ter III. 204. Vergau, Otto v., Ordensrit⸗ ter IV. 94 fgg. Bergau, Otto v., Ritter IV. 427 fgg. Bergegeld, von den Schiff⸗ brüchigen erhoben IX. I27. 357. Bergfrieden, die I. 537. III. 211 fag. VI. 3. Bergwerksrecht, das VI. 629 f33. Berka, Heinr. v., Ordensrit⸗ ter II. 181 u. A. Y. Berlewin, Ordensmarſchall II. 233 fgg. Bern, Inſel in d. Weichſel I. 183. III. 49. Bernheim, Dieter. v., Mar⸗ ſchall II. 180 fgg. IV. 517. Bernſtein, der I. 14 fgg. IV. 351 fgg. V. 38 fag —⸗Handel I. 26 fgg. II. 288. 567. III. 511 fag. V. 195 fgg. VI. 134 fgg. VII. 418 fgg. VIII. 124 fgg. IX 71 fag · — fiſcher-Zunft in Danzig IV. 280 fag. —⸗Monopol VI. 630 fgg. —⸗Fiſcherei, die III. 542. V. 5. — Schneider VI. 400. — dreher= Gewerke z. Danzig u. Elbing IX. 126 fgg. — 1 I. 663. VI. 459. 631 — 32. —⸗Inſel, über die, im Norden I. 632 fg. Berthold, Biſch. v. Livland 1. 393 fgg. Berthold, Biſch. v. Pomeſa⸗ nien IV. 512 fgg. V. 13 fgg. Beſelede, Bg. I. 490. III. 333. Bethen, Geb. I. 506.529. III. 229. Beute, Beutener, Beute⸗ ner⸗Recht VI. 580 fgg. Bieberfang, der VI. 64. Bienenzucht III. 542 u. A. Y. V. 206 fgg. Allgemeines Regiſter. Bienen, zahme VI. 645 fag. —, Wald⸗, V. 300. 562. A. 2). VI. 395 fgg. Biere, Verbot der Einfuhr Ge 703. icken bach, Phili v. Deutſchmeiſter 1 ACH ; Bildungsanſtalten, ſtädtiſche V. 382 fgg.; — und Schulen in Preuſſen III. 557 fgg. IV. 518 fgg. V. 100 fag. VII. 702 — 703. Birgelau, Bg. III. 296 for. IV. 523. VI. 546. VIII. 368. 409; Aufhebung der Komthu⸗ rei daſelbſt VII. 261. Biſchofsburg, Stdt. I. 590. II. 489. VI. 209. Biſchofsgeldes, Erhebung des, in den Komthureien v. Schlochau u. Tuchel VII. 522. Biſchofsſcheffel, der III. 447. VI. 581 fgg. IX. 189. Biſchofsſtein, Stdt. II. 489. VI. 209. IX. IH, Biſchofstheile, Kirchenthum und Verwaltung der, III. 543 139. Biſchofswerder, Stdt. II. 476 fgg. III. 488. IV. 403 fag. VII. ee 442. VIII. 408. 425. IX. 120. Biſchofszins, der VI. 657 fgg. Biſten, Bg. IV. 12 fgg Blankenfeld, Joh., des D. 9. Procurator IX. 449 fgg- Blume, Bartholom., Bür⸗ germeiſter v. Marienburg VIII. 34 fgg. Blumenau, Dr. Lorenz, des HM.'s Geſchäftsträger, Domherr v. Ermland VIII. 187 fgg Blyden, die V. 153. Bocksheiligung, die I. 616. Bolant, Phil. v., Vogt d. Biſch. v. Samland IV. 205. Boleslav, der Tapfere, Hzg. v. Polen I. 262 fgg. Boleslav III Krzywouſty I. 335 fgg. Boleslav IV, der Krauſe I. 311 f99.
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Allgemeines Regiſter. Boleslav II, König v. Polen IV. 132. Bombarden, die V. 339 fgg. Bonifacius IX, Pabſt V. 389 fag. VI. 7 fag. Bonsdorf, Otto v., Großkth. IV. 474 fog. ae, Kämmerer d. Geb. v. Pobeten II. 347 fgg- Borg, Bernh. v. d., Meiſter v. Livland IX. 58 fgg. Bork, Geſchlecht der v., VI. 239 fg. Botel, Heinr., Ordensmar⸗ ſchall II. 612 fag. III. 34 fag. Boventen, Heinr. v., Groß⸗ kth. V. 2. 33 fgg. Braker, Waaren⸗, in d. Has fenſtädten VI. 319 fgg. Brandeis, Joh. Giskra v., Hauptmann d. Königs v. Un⸗ gern VIII. 306 fag. Brandenburg, Bg. III. 190 gg. IV. 152 fgg. V. 39. VI. 188. 516. VII. 107 fag. VIII. 345 fgg. IX. 600 fgg.; —, Kon⸗ vent zu, VII 753 fgg. VIII. 246 fag.5 —, Komthuramt IX. 244 f99. Brathean, Bg. V. 15. 84. VI. 687. VII. 80. VIII. 408 fgg. IX. 18. Braunsberg, Stdt. u. Bg. I. 280. II. 407 fgg. III. 86 fag. IV. 279. V. 194 fog. VI. 56 fgg. VII. 273 fag. VIII. 65 fag · IX. 40 fag.; —, Tagfahrt zu, VIII. 16. 320. IX. 194 fgg. Bremen, Berathungstag zu, VIII. 164 fag · Brendel, Behemund, oberſt. Treßler, Kth. zu Graudenz VII. 127 fg. Briefpoſt, Brie fjungen, Briefſchweiken VI. 471. Brismann, Joh., IX. 699 fg9. Bro mberg, Stdt. u. Geb. IV. 466. V. 573. VI. 313. 320. VIII. 528 fgg.; —, Tag zu, VIII. 457. Bruderbrief, der VI. 162. 327. 761 N 105 die A armer rieſter V. 3 — der Pfar⸗ rer in Samland VI. — 5 VIII. 6. Brüggenoye, Wennemar v., Meiſter v. Livland V. 614 fgg. VI. 3 fgg. Brühaven, Berthold v., Kth. v. Königsberg I. 642. III. 431 fgg. IV. 30 fag. Brühl, Conr. v., des D. O. Procurator IV. 306 fgg- Bruningsheim, Conr. v., oberſt. Trappier V. 3. 48. 397. Brunner, Heinr., des D. O. Procurator V. 332. Bruno, der Heidenbekehrer 1. 281 f99. Bruno, Meiſter d. Ritterbrü⸗ der v. Dobrin I. 462. Bruno, Landmeiſter v. Livland IV. 124 fgg. Bruteno, Geſchichte u. Sage von; Griwe Griwaito genannt I. 138 fgg. Brzese, ewiger Friede zu, VII. 672 fgg. Bünau, Günth. v., Dom⸗ propſt z. Merſeburg, Biſch v. Samland IX. 322 fgg. Bürgerrecht, das VI. 700 fgg. Bütow, Herrſchaft IV. 437. Buck, Nicol., Biſch. v. Kulm V. 558 fgg. Buckenvorde, Heinr. v., Meiſter v. Livland VII. 687. 705. Bund, preuſſiſcher VII. 390. 748 fgg. VIII. 1— 2. 3 fgg.; Bundesacte VIII. 228 fag.5 Bundesrath, — häupter VIII. 235 f3g.5 Bannſpruch über den Bund VIII. 468 fgg. Burgen, altpreuſſiſche I. 223 fgg. II. 280 fgg. Ordens ⸗ B. V. 100 fgg. VI. 285 fgg. VII. 102 fgg.; Bau u. Entſtehungs⸗ art derſelben II. 235 fgg. Burglehen, Beſitzer von zins⸗ haftem, IV. 601. Burglehen; Burglehen⸗ recht; Burgman nen, Burgleute oder Bürger;
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762 Burgdienſt⸗ oder Ge⸗ leits-Knechte III. 481. VI. 606 fgg . Burza, Land in Siebenbürgen II. 85 fgg. Buſch, Georg, des D. O. Procurator IX. 647 fag. Busweiler, Winrich v., Meiſter v. Deutſchland IV. 174 fg · Buße, die große und kleine VI. 707. Butegeyde, König d. Samai⸗ ten IV. Al fgg. N Byr, Heinr. v., Kth. v. Thorn IV. 91. C. Cabal, der große u. kleine, III. 386. A. 2). Cadina, Hoggo's Tochter J, 171. Caminiswike, Bg. 1, 300 fg. Camſtigal 1, 681. 685. Candeyne, Geſchlecht der, I. 500. 558. Capiſtrano, Joh. v., VIII. 208. Carl V, deutſcher Kaiſer IX. 504 fgg. Chriſtburg, Stdt. I. 181 fgg II. 253. 482; —, die alte I. 482. II. 547 fgg.; —, die neue II. 588 fgg. III. 26. 276 fg. IV. 6 fgg. V. 439. VI. 331 fag. VII. 101 fag. VIII. 408 f3g. IX. 3185 —, Schöppen⸗ ſtuhl zu, VI. 593; —, Tag⸗ fahrt zu, IX. 139 fgg. Chriſtian, Biſch. v. Preuſſen J, 430 fgg. II. 94 fgg. III. ö fgg · Chriſtian (v. Mühlhauſen), Biſch. v. Samland III. 343 fgg. IV. 40 fgg. Chriſtian, Biſch. v. Pomeſa⸗ nien IV. 174. 176. Chriſtmemel, Bg. IV. 299 fag. V. 416. VII. 367. 591; —, Zuſammenkunft zu, VIII. 68. Chronos, Croniſches Meer I. 41. 77 fgg. Allgemeines Regiſter. Ciſtercienſer-Orden VI. 762. 104. Cleen, Dietr. v., Kth. z. Marburg, Landkth. v. Heſſen, Deutſchmeiſter IX. 248. 474 fag. Clemens III, Pabſt 11. 32 fgg. Clemens IV, Pabſt III. 238 fgg. Clemens V, Pabſt IV. 245 fgg. Clemens I, Pabſt V. 3 fgg. Clemens VII, Pabſt IX. 694 99. Codrune, ermländiſcher Heer⸗ führer 1. 513. II. 383. Cöleſtin U, Pabſt II. 13. 421 34 fg · Cöleſtin IV, Pabſt II. 424. Coniezpole, Joh. v., Kanzler d. Königreichs Polen VIII. 384 fg · n Bg. III. 319 u. A. 3) IV. II3 fgg. ** En Maſovien 1. 365 99 1.15 Je III. 32 Ig. Conrad, ae Ba 5ter Ordensmeiſter I. 267 fgg. Conrad der Aeltere, Hzg. v. Oels VII. 53 fgg. Conrad Kanthener, Hzg. v. Schleſien VII. 288 fgg. Conſuln, die ſtädtiſchen, III. 490 fg. Cuba, Dieter. v., des D. O. Procurator u. päbſtlicher Re⸗ ferendar, Biſch. v. Samland IX. 22 fgg. Curche, preuſſiſche Gottheit J. 388 fgg. II. 490. A. 3). 627. IV. 581. Czegenberg, Hans v., kul⸗ miſcher Bannerführer VII. 573 fag. VIII. 10 fgg. Czippelin, Albrecht v., Ei⸗ dechfenritter VIII. 236. 2005. Czirwenka, Ulrich, Söld⸗ nerhäuptling VIII. 411 fgg. D. Dahenfeld, Dieter. v., ober⸗ ſter Marſchall V. 397.
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Allgemeines Regiſter. Dahenfeld, Siegfr. v., ober⸗ ſter Marſchall V. 48 fgg. Dämme, Weichſel⸗ und Nogat⸗, Iv. 33 fgg. VI. 13 fag. VII. 204 fgg. VIII. 90 fgg. Dammarbeit VI. 6723 —pyflichtigkeit der Pfarrer in den Werdern V. 469 fag. der Dörfer VI. 672. n die I. 189 fag. II. 306 99 · Danzig, Stdt. I. 211 fgg. II. 2549. III. 47 fgg. IV. 132 fgg. V. 4.77 fg. VI. 14 fg · VII3 fg. VIII. 9 fgg. ; IX. 6 fgg. 7 —ı Beſtimmung über die Bürger⸗ meiſter⸗Wahl in, VII. 143; Streit über die Rathswahl in, VII. 141; —, Rath der Stadt, VII. 280 fag.5 — St. Marienkirche zu, V. 45 — Schifferzunft zu, VI. 7603 —, Fenſtergeld, Abgabe zu, VIII. 507; —, Artushof und deſſen Satzungen zu, V. 333 fgg. VEIT. 1655 —, Konvent zu, VIII. 3083; —, Zerſtörung der Jung⸗ 2 stadt, VIII. 127. fag. —ı Karthäuſer⸗Kloſter bei, V. 3023 —, Tag zu, VI. 74 fag · VII. 765. 781 fag. VIII. I. Danzig, der V. 147 fgg- Datteln, Arnold, Dompropſt v. Ermland VIII. 568. 5 David, Streit des Ordens mit Hans; VIII. 31 fag. Deime, Fluß I. 500. 502. III. 137. 230. V. 91fgg- VII. 337. VIII. 595; —, die neue, VI. 393. Delau, Günth. v. d., Ei⸗ dechſenritter VII. 146 fgg . Derby, Heinr. Graf v., V. 541 fag. Deutſch⸗Eilau, Stdt. u. Bg. IV. 186 fag. VII. 436 fag. VIII. 408. fgg. IX. 576. Deutſchmeiſters, Streit übe: über die Wahl des, VIII. 12. Diebau, Stdt. u. Bg. VI. 573 fg · Dienſtarbeiten, —verpflih⸗ 763 tungen, bäuerliche Liſtu VI. 373 fog. en Dieterich, Deutſchneiſter II. 522, Dieterich, Kth. z. Lönigsberg, Ordensmarſchall II. 202 fag. Dieterich, Biſch. » Samland V. 348 fgg. Dinghaus, — tag VI. 709. Dirſchau, Stdt u Bg. I. 374. III. 266. IV. 28 fgg. VII. ALL fag. VIII. 371 fgg. Divane (Clekiie), bartiſcher Heerführer I. 5˙3. III. 194 fgg. Divones, Reiebericht des, 1. 32. 623 — 21. Dlugoſch, Ich., Domherr u. Geſchichtsſchreiber VIII. 655 99. Dobeneck, Hans v., Vogt z. Leipe, der Neumark, z. Schie⸗ velbein VII. 177 fgg. Dobeneck, Hiob v., Biſch. v. Pomeſanin IX. 243 fgg. Dobeneck Jacob v., Landes⸗ ritter, Satthalter in Pomeſa⸗ nien IX 331 fgg. Dobiſſa, Werder an der, V. 410 fgg5 —, Verhandlung auf der, VI 68 fgg.; —, Burg an der, M. 356 fgg. VII. 2 fgg. Dobris, Land I. 344. 367. II. 161 fg. una Er u. 15 III. 576. . 36: . V. 602 fgg. VII. Dim. 99 fag. V Dobein, Ritterbrüder v., I. 46 fag. II. 158 fgg. III. 1. 5.5 fag · Dihna, Eberh. v., Kompan „. Landkth v. Kulm IV. 296. —, Frieder, v., Ritter IV. 543 fag. —, Otto Burggraf v., IV. 428. —, Frieder. v., Söldnerhäupt⸗ ling VII. 629 fgg. —, Graf v., VIII. 194. —, Stanislaus v., Söldner⸗ häuptling VIII. 412. IX. 18, —, Hans v., Söldnerhäupt⸗ ling, VIII. 542. IX. 187. —, Balthaſar v., Söldner⸗
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764 s VIII. 621 fgg. IX. Dohna, Abraham v., Burg⸗ graf, Söldnerhäuptling IX. 157 fgg Dominicaner⸗ oder Predi⸗ ger⸗Möiche VI. 758 fgg. Domkazitel, ſämmtliche, Preuſſens III. 521 fgg. V. 105 fgg. I. 234 fgg.; deren Bibliothek IV. 444; —, kul⸗ miſches, IV. 31 fgg. V. I4 fgg. VI. 9 fgg. TU. 278. VIII. 524 fgg.; —, hmländifches, IV. 101 fgg. V. 103 fag. VI. 9 fgg. VII. 26 fgg. VIII. 616 fgg. IX. 513 fg. —, ermlän⸗ diſches, IV. 18 fag. V. 106 fag. VI. 157fgg. VI. 266 fgg. VIII. 13 f; — poneſaniſches IV. 304 fgg. V. 44 fg. VI. 9 fgg VII. 39 fag. VII. 422 fgg.; —, ſamaitiſches, VII. 315 fgg. Domnau, Stdt 1.514. V. 579. IX. 39 fgg. Dorfälteſten, die III. 452.; — namen, Entftehing der, III. 478; — ſchultheißen, die, III. 452 fgg. VI. 352 fgg. — ſchult⸗ heißen⸗Amt, III. 476 fgg.; — ſchultheißen, Huber der, VI. 733 fgg. 3 —, Brot ⸗ 1. Fleiſch⸗ bänke in den, VI. 25 r 2 7 nung, — rechte oder dörfliche Willkühren VI. 62 fgg.; — Feldmark VI. 73. fgg. ; — = Bauern VI. 574 fge ; —, Gründung der, VI. 578 fgg.; —, Gemeinweſen der, VI 732 gg —, preuſſiſche, VI. 604 789. —, deutſche, VI. 679 fg. Dorothea, die heilige, V. 35 fg. VI. 188 fgg. VII. 118 fge. IX. 154. Drahe, Simon v., Kth. z. Preuſſ. Holland, Stellvertreter d. oberſten Marſchalls, Groß⸗ th. IX. 195 fgg. Drauſen⸗-See J. 213. fo II. 253 fgg. III. 279 fgg. IV. 23. 37. VIII. 698. IX. 37. Dreileben, Otto v., oberſter Spittler IV. 604. Allgemeines Regiſter. Burchard v., 22 22 Dreileben, Landmeiſter v. Livland V. 199. Drengfurt, Stdt. I. 490. VIII. 695 Drewenz, Fluß I. 413 fgg. II. 187 fgg. IV. 22 fgg. V. 81 fgg. VII. 73 fgg. Driefen, Stdt., Bg. u. Geb. VI. 258 fgg. VII. 3 fag. VIII. 73 fgg. Dube, Albrecht v. d., Vogt d. Neumark, z. Brathean VII. 115 fgg. Dumpeshagen, Heinr. v., Landmeiſter v. Livland IV. 124. Durbe, Schlacht an der, IM. 182 fgg. Dusburg, Peter v., über den Werth u. d. Glaubwürdigkeit der Chronik des Ordensprie⸗ ſters, III. 603 fgg. IV. 517. E. Eberhard, BViſch. v. Ermland, IV. 186 fgg. V. 234. Eee eee Conr. v., eutſchmeiſter VI. 164 fgg. VII. I. 7 fag- —, Georg v., Vogt d. Neumark, 3. £eıpe VIII. 25 fgg. —, Conr. v., Söldnerhäupt⸗ ling VII. 601. IX. 39 fgg. Hartung v., Söldner⸗ häuptling IX. 39. Ehrentiſch, der V. 278 fgg. VI. 188. Vn. 151 fgg. 5 —, Landesſteuer zum, V. 721 fag. Eiche, Dorf II. 187. III. 576. Eichholz, Jon v., Eidechſen⸗ ritter VIII. 313 fgg. Eichſtätt, Georg v., Meiſter von Livland III. 213 fgg . Eidechſen⸗Geſellſchaft, die VI. 117 fag. VII. 30 fgg. VIII. 234 fgg. Kilau, Stdt. u. Bg. VII. 52. VIII. 371 fgg. Cilenburg, Otto v., oberſler Treßler VII. 278.
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Allgemeines Regiſter. Eilenburg, Both ev., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 431. IX. 327 fag Einſiedel, Hildebr. v., ober⸗ ſter Marſchall VIII. 276. Einſiedel, Tagfahrt zum, bei Braunsberg IX. 215 fgg⸗ Eiſenberg, Graf Wilh. v., Großkth., oberſter Marſchall IX. 206 fgg. Eckersberg, Bg. V. 143 fgg- Elbing (Ilfing), Fluß I. 200 fgg. II. 283 f99- Elbing, Stdt. u. Bg. I. 214 fag. II. 282 fag. III. 20 fgg JV. 23 799. V. 15 fgg. VI. 36 f39. VII. 107 fgg. VIII. 28 fag. IX. 6 fgg - — Generalkapitel zu, III. 527 fgg .:: — . Komthur⸗ amt zu, IV. 295 —, Land⸗ tag zu, V. 5.2; Land⸗ kapitel zu, IV. 30 1 Schule zu, V. 381. —, Bera⸗ thungstag zu, VII. 188 fgg. IX. 5 f99- Elendthier, das I. 86 fgg. Elifabeth, die heilige; Schutz⸗ patronin berfi amländiſchen Kir⸗ che IV. 516. Elner, Rüdiger v., Ordens⸗ vogt in Samland, oberſter Marſchall, Großkth., Kth. 3 Tuchel V. 135. fag. 5 Eltz, Georg v., Kth. 3. Kö⸗ nigsberg, Oſterode, oberſter Marſchall IX. 367 fgg. Endorf, = v., Ordensritter IV. 470 fgg- Engelsberg, Bg. V. 35 fgg · vr. 516. VII. 72 fgg. VIII. 697 —ı Komthurbezirk von, V. 5 fgg - —, Anfhebung der Komthurei, VII. 204. Eppingen, Wilh. v., Kth. 3. Neidenburg, Großkth. IX. 4g. Erbgelder, Beſtimmungen über die rückſtändigen, VIII. 712. Erbrichter, die, III. 490 fag. Erich, Hzg. v. Pommern, Kos nig v. Schweden und Däne⸗ mark VI. 120 fgg · VII. 12 fgg. VIII. 26 fag, a Eridanus, der L. 15 fg. TER 765 Erlichshauſen, Conr. v., Großkth., oberſter Marſchall, Kth. v. Ragnit, Althaus, Thorn, Hochmeiſter VI. 762. A. 2) VII. 565 fgg. VIII. 3 fgg · Erlichshauſen, Lud w. v., Vogt z. Leipe, Kth. z. Mewe, Hochmeiſter VIII. 65 fgg. IX. I. 5. fgg. Ermland, Warmien, War⸗ meland, Landſch. I. 170 fgg. II. 354 fgg. III. 1. 102 fag. IV. 104 fgg. V. 23 fgg. VI. 561 fgg. VII. 107 fgg. VIII. 223 fgg. Ermland, Bisthum II. 7 fgg. III. 61 fgg. IV. 331. 581. V. 106 fag. VII. 152 fg. VIII. 70 fgg. IX. 8 fgg. ; Bauernaufruhr im, VIII. 13 fgg. Ernſt, Biſch. v. Pomeſanien 11. 296 fgg. III. 7 fag. * Geb. IV. 93 fgg. V. 66 99. Eſſen, Joh. v., Kantor des ermländiſchen Kapitels V. 238 fgg Eugenius IV, Papſt I. 279. VII. 581 fgg. VIII. 22 fag. Eulenburg, Wend v., VII. —, Botho v., Ritter VIII. 276. —, Wend v., Söldnerhäuptling VIII. 342. IX. 13 fag. Exdorf, Kilian v., oberfter Marſchall VIII. 35 fgg. F. Fabian (v. Luſianis), Biſch. v. Ermland IX. 448 fgg. Fährzins der Weichſel u. No⸗ gat VI. 602. Fahnenführer, der VI. 511. Fahneninſchrift, altpreuſſi⸗ ſche I. 685 fag- Bene oder Paldonen J. 219. Falkenberg, Joh., M. der Theologie, Schriften des, gegen Polen VII. 301 fgg.
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766 Falkenburg, Stdt. u. Bg. VII. i fg. Falſterbude, Vitts der Preuſſen zu, VII. 420. Familien Gubditi), die III. 423 f39. Feld, heiliges, in Samland I. 271 fgg. II. 230. III. 398. IV. 351. Felde, Joh. v., des D. D. Pro⸗ curator VI. 213 fgg. Feldmarken, ſtaͤdtiſche V. 306 fgg- Felix v, Pabſt VIII. 22 fgg. Femgerichte, weſtphäliſche V. 349. VIII. 30 fgg.; Eingriffe derſelben in die Gerichtsbarkeit des Ordens VII. 338. Ferber, Moritz, Biſch. v. Erm⸗ land IX. 695 fgg. Feuchtwangen, Conr. v., Landmeiſter in Livland und reuſſen, Hochmeiſter III. 369 39. IV. 60 fgg. Feuchtwangen, Siegfr. v., 3 IV. 175 fgg. V. 330. Finkenblock, Jacob, Pre⸗ diger in Danzig IX. 696— 97. Firmarien, die VI. 443 fgg.5 —, Verbeſſerung der, IX. 349. 1 chau, Landesburg III. 277 99. Fiſchereigerechtigkeit, die V. 205. VI. 636 fgg. Fiſchhauſen, Stdt. u. Bg. I. 503 fgg. III. 486. IV. 186 fgg. VIII. 439 fag. IX. 63. Fiſchwerder, das IV. 226. Franciscus, Biſch. v. Erm⸗ land VII. 474 fgg. VIII. 13 fag · Frankenhofen, Baldewin v., oberſter Treßler, Kth. zu Engelsberg V. 397. 517 fgg. Frankfurt a. d. Oder, Tag zu, VIII. 7 fgg. Franziskaner⸗Minoriten⸗ Mönche VI. 759 fgg. Frauenburg, Stdt. u. Bg. 1. 486 fgg. III. 347 fag. IV. 138. Allgemeines Regiſter. V. 238. VI. 181 fgg. VIII. 434 fgg. IX. 46 fgg. ; —, Dom zu, VIII. 15 fgg. Freien, Stand der, (Freilehen⸗ beſitzer, — lehensleute) III. 419 f3g. IV. 596 fgg. V. 43 fgg VI. 568 fgg.; —, Wehrgeld der, IV. 119 fgg.; —, die klei⸗ nen, IX. 259 fgg. Freilehen, Freilehengü⸗ ter, die III 435 fgg. IV. 506. V. 467. VI. 573 fgg.; — recht V. 660. VI. 309 fgg. Friede, ewiger VIII 24 fgg- Friedeburg, Ordensburg in Samaiten VI. 186. VII. 22 790. g Friederich (v. Haufen), Biſch. v. Kulm III. 234 fgg. Friederich, Erzbiſchof v. Riga IV. 230. Friederich, Burggraf v. Nürn⸗ berg, Kurfürſt v. Brandenburg VII. 165 fgg. Friederich U, Kurfürſt von Brandenburg VIII. 24 fgg. Friederich, Markgraf v. Bran⸗ denburg⸗Anſpach IX. 117 fag. Friederich, Hzg. v. Sachſen, Landgraf v. Thüringen, Hoch⸗ meiſter, Coadjutor des Erz⸗ a v. Magdeburg IX. 239 9g · Friedeſchiffe Eiburnen), die V. 313 fgg. VI. 58 fgg. VII. 413. Friedland, Stdt. V. 579. VIII. 445 fgg · Friemersheim, Wilh. v., Meiſter v. Livland V. 188 fgg. Fricke, Ulr. v., Kth. z. Balga, Vogt z. Natangen, oberſter Spittler V. 135 fgg. Friſching, Fluß I. 400. Frodnacher, Martin, Söld⸗ nerhäuptling VIII. 412 fgg. Frohndienſt, Schaarwerk, bäuerliche Arbeit VI. 669 fgg. IX. 362; Verwandlung deſſel⸗ ben in Zins V. 660.
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Allgemeines Regiſter. G. Gaſfenſpiel, das, gehrender Leute VI. 402 fgg. Gailtegarwo, Vg. I. 169 u. A. Y. 505. Galindien, Landſch. 1. 170 fag. II. 247 fgg. 111. 56 fgg. V. 4. 147. VI. 21. VII. 107. Galtgarben, Gailgarben oder Rinau, Berg J. 238 fag. Gans, Herm., Großkth., ober⸗ ſter Spittler, Statthalter d. Hochmeiſters VII. 127 f39- Gärtner ober Bauern, die V. 661. VI. 578 fag. Gatersleben, Dieter. v., Landmeiſter in Preuſſen III. 307 fgg. Gaudentius, Adalbert's Ge⸗ fährte 1. 254 fgg. Gebietiger-Nath, VIII. 199 fgg. Gebſattel, Nicol. v., ober⸗ ſter Marſchall IX. 82 fgg. —, Hieronym. v., oberſter Trappier u. Kth. z. Balga IX. 174 199. Gedete, ſudauiſcher Edle III. 308 fag- Gedimin, König d. Litthauer oberſter, IV. 314 fgg. V. 7 fgg Geldern, Wilh. Hzg. v., V. Gemeindeordnung, ſche IV. 22 Georg, Hzg. v. Sachſen IX. 213 fgg. 478 fgg. l ſtädti⸗ Georgenburg, Bg. VI. 3I. 216 354, IX. 14. 268. Gerichtsbarkeit, hohe IM. 525 u. niedere VI. 564 fgg. ; — des Adels in ſeinen Gütern u. der Städte über ihre Frei⸗ heiten VII. 407; — ſporteln, die VI. 350 fgg 767 Gerichtsſtuhl, VI. 381 fgg. Geſchoß, erſtes allgemeines, VI. 666. Geſindeordnung VII. 506 gg. VIII. 20. 77. 197. IX. magdeburger 138 fgg · Getreideaus fuhr, Verbot der, V. 616. VII. 21 fgg. IX. 134 fgg. Gewerke (vergl. Innungen), die V. 300 fgg.; —, Morgen⸗ ſprachen (Gemeinbier) der, VI. 703 fag.5; —, Wahl der Ael⸗ terleute der, VI. 703 fgg. ; — Bänke V. 337 fgg. — rollen oder Willkühren VI. 703 fgg. VII. 506 fgg. VIII. 20 fgg- Gich, Veit v., oberſter Spitt⸗ ler u. Kth. z. Brandenburg VIII. 692. IX. 4 fgg. Gilgenburg, Stdt. u. Bg. I. 477. III. 317. IV. 409. 481. VII 78 fgg. VIII. 443 fgg. IX. 42 fgg. . Glande, ſamländiſcher Heer⸗ führer I. 513. 11. 193 fgg. Glappo, warmiſcher Heerfüh⸗ rer III. 193 fgg. Gleichen, Graf Adolf v., VIII. 369 fgg. Glottiner, Geſchlecht der, 1. 488 fgg. II. 388 fag. Gold arbeiter-Geſetze VI. 17. 1175 — u. Silberarbeiter des Hochmeiſters VI. 400. Goldbach, Helwig v., Or⸗ densmarſchall, Landmeiſter in Preuſſen IV. 30 fgg Golin, Martin, II. 508. III. 294 fgg. IV. 20 fgg · Golub, Stdt. u. Bg. I. 476. II. 386. IV. 98 fgg. VI. 546. VII. 193 fgg. VIII. 365 fag- Gothland, Inſel I. 208 fgg. II 28 fgg. III. 259. IV. 368 fag. VI. 58 fgg. VII. 2 fag. VIII. 48 fgg. Gotteswerder, Bg. V. 187 fag.. VI. 173 fgg. Gränzwache oder Landwehr; Gräanzwächter, Späher oder
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768 Wartleute IV. 85 fgg. V. 175. 269. VI. 30 fgg. VII. 17 fgg. Graudenz, Stdt. u. Bg. I. 319 fgg. II. 280 fgg. III. 331. fgg. VI. 13 fgg. VII. 125 fag- VIII. 38 fgg.; —, Tagfahrt zu, VIII. 270 fgg. IX. 52. 189. Gregorius IX, Pabſt II. 174 f39- Gregorius XII, Pabſt VII. 21 fag - Grewofe, Berg I. 181 fgg. II. 250. 548. Griwaiten, preuſſiſche Prie⸗ ſter 1. 606 fag- Griwe Griwaito, Oberrich⸗ ter u. Oberprieſter I. 144 fgg. III. 1. 612; —, pomeſaniſcher Landes ⸗, II. 245 fgg. —, ſam⸗ ländiſcher Landes⸗, III. 43. Griwule, die I. 615 fag. Groſſis, Achilles de, päbſt⸗ licher Legat IX. 382 fag. Großkomthur, Vorſteher des Hoſpitals z. Jeruſalem II. 48 288. —⸗Amt V. 3975 — im Morgenlande und zu Venedig IV. 56 fag., in Preuſſen VI. 413 fgg. Großſchäffer, die V. 325 fgg.; — zu Königsberg VI. 135 fgg. 2 418, zu Marienburg VI. 37 fag. Grumbach, Hartmud v., Landmeiſter in Preuſſen III. 117 fag- Grünbach, Andr. v., Deutſchmeiſter IX. 100 fgg. Grüningen, Dieter. v., Meiſter v. Livland II. 342 fgg. II. 4 fag. Gundelfingen, Conr. v., Landkth. v. Franken, Deutſch⸗ meiſter IV. 266 fgg Günther, Biſch. v. Maſovien II. 171 fgg. Günther, Biſch. v. Ploczk III. 118 fgg. e Hochmeiſter III. 10 99. Allgemeines Regiſter. Gutſtadt, Stdt. IV. 186 fgg. V. 131. VII. 247. VIII. 443 fg. IX. 46 fag. Guttalus, Fluß J. 42 fgg. Guttonen, Gotonen, Go⸗ then J. 19. fgg. H. Haalibo l. 169. Hachenberg, Ulr. v., ober⸗ ſter Treßler, V. 397 fag. Hadrian VI, Pabſt IX. 647 99 · Haffe, die I. 12 fgg.; —, fri⸗ ſches I. 211 fgg. II. 281 fag. III. 43 fgg. IV. 113 fgg. V. 190. 248. VI. 14 fg. —, Fi⸗ ſcherei im friſchen, VIII. 61 f. 698; —, kuriſches I. 502 fag- III. 65 fgg. IV. 182. V. 93 fgg. VI 23 fgg. Hagen (Verhaue) IV. 9. fgg. V. 110 fgg. Hammerſtein, Kuno v., oberſter Marſchall V. 720. 723. Handel Preuſſens IV. 579 — S0. VII. 256 fgg. IX. 552 fgg.; — mit Arabien I. 204. 218; —, Binnen⸗, V. 645 fgg. VI. 141 fgg. VII. 24 fag. VIII. 124 fag.; —, Land⸗, V. 646; —, Wein⸗, VI. 3223 —, Salz⸗ Monopol des D. O., VI. 6303 —, Hopfen⸗, auf der Weich⸗ ſel VI. 321 fgg. —, Honig⸗, V. 200. 324. VI. 644; —, Wachs ⸗, V. 300 fgg., des D. O. VI. 359 fgg.; —, Holz⸗, Danzig's VI. 311. VII. 260 f39-5 —, Pelze, V. 325. 651, mit Litthauen VIII. 114 —, Grauwerks⸗, VI. 459; —, Getreide⸗, im Allgemeinen V. 307 fag., VIII. 56 fgg., des D. = VI. 442 fgg., Elbing's V. Handels verhältniſſe Preuſſens, im Allgemeinen V. 74 fgg. VIII. 56 fgg. IX. 96
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Allgemeines Regiſter. 8. — mit England I. 217. V. 219 fgg. VI. 137 fgg. VII. 26 fag. VIII. 112 fgg. IX. 97; — mit Polen V. 250 fgg. VI. 101 fgg. VII. 58 fgg. IX. 310 fag -; — mit den Niederlanden V. 309 fgg.; — mit Skandi⸗ 5 * eu 1 114 5 308 gg. VII. 28 fgg. VIII. g · 3 — mit Frankreich V 316 fgg. VIII. 112; — mit Däuemark V. 378 fgg. VII. 419 fgg. IX. 3283; — mit Holland u. Flan⸗ dern V. 453 fgg. VI. 131 fgg. VII. 416 fgg. VIII. 3 fag.5 — mit Novgorod V. 455 fgg. VI. 141 fgg.; — mit Schweden V. 456 fgg. IX. 323 fgg. 1 — mit Rußland VI. 141 fgg. VII. 422 99. — mit Schottland VI. 287 fg g. VII. 413 fgg.; — mit Friesland VI. 304 fgg. — mit Litthauen VI. 311 fgg. VIII. 34 fgg. IX. 190 fgg.; — mit Stettin VI. 3165 — mit Böhmen u. Schleſien VI. 316 fgg.; — mit Maſovien VII. 421 fgg.; — mit den Han⸗ ſeſtädten VIII. 113. IX. 3283 — mit Lübeck IX. 97. Handelsgericht VI. 146. Handelsgeſetze VI. 134 fgg. Handels vertrag zwi⸗ ſchen England u. Preuſſen V. 527 fgg. VII. 27, zwiſchen Hol⸗ land u. Preuſſen VIII. 164 fgg · zwiſchen England u. der Hanſe 3. Utrecht IX. 97. Harniſchkammer (Zeughaus) VI. 447 fgg. Hattenſtein, Kuno v., Kth. 3. Ragnit, Brandenburg, Got⸗ teswerder, oberſter Marſchall V. 112 fgg . g Hausämter, die VI. 409 fag. Haus- und Hofgeſinde VI, 464 fgg · Hauskomthur, der VI. 464 5 1 7 „Arnold, Bürgermeiſter v. Danzig VII. 2. 142. Hecke, Arnold v., oberſter Treßler VI. 293 fgg. IX. 769 Hedwig, Königin v. Polen VI. 82 fgg. VII. 649. Heerfahrt, Reiſe, Kriegsreiſe VI. 631 fag. Heerſchau, die VI. 557. 679. VII. 337. Heidenreich, Biſch. v. Kulm. II. 296. 470 fgg. III. 7 fgg. Heiligenbeil, Stdt. l. 514 fag. U. 400. IV. 186. 604. VIII. 19 fgg. IX. 14 fgg. —, Auguſtinerkloſter vor, V. 220. 391; —, Landtag zu, IX. 467 fgg. Heilsberg, Stdt. u. Bg. I. 5008. IL. 406 fgg III. 209. IV, 186. 604— 03. VI. 191. 211. VII. 247. VIII. 236 fgg. IN. aß fgg .; —, Verhandlungstag zu, IX. 221 fgg. Heinrich I (v. Strittberg), Biſch. v. Samland I. 682, III. 93 fag. IV. 114. Heinrich II (v. Kuwal), Bis ſchof v. Samland V. 471 fgg. a In. Seefeld), B ein rich III (v. Seefeld i⸗ ſchof v. Samland VI. 98 138. VII. 107 fgg. Heinrich 1 (o. Strateich), Bis er Ermland II. 471 fgg. 7 fgg. Sein II, Biſch. v. Erm⸗ land IV. 36 fgg. V. 235. Heinrich lun (Sor baum), Bis ſchof v. Ermland V. 561 fgg. VI. 68 fl Heinrich IV, Heilsberg v. Vogelſang, Biſch. v. Erm⸗ land VI. 210 fgg. VII. 100 fag. n Biſch. v. Kulm IV. Heinrich, Biſch. v. Pomeſa⸗ nien IV. 101 fgg. VII. 348. Heinrich, Markgraf v. Meißen II. 274 fgg. Heldrungen, Hartm. v., Hochmeiſter II. 332 fgg. III. 328 fgg. IV. 32. Helfenſtein, Wilh. v., Groß⸗ kth. V. 583 fgg. XI. I. 6 fgg⸗ Helfenſtein, Wilh. v., Groß⸗ kth., Kth. z. Althaus, Thorn; 49
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770 oberſter Trappier VII. 755 fgg- VIII. 82 199. Helſingborg, Vertrag zu, VII. 12 fgg, Henneberg, Graf Georg v., Ordensritter VIII. 426 fgg- Herike, Goswin v., Meiſter v. Livland V. 41 fgg. Heringsfang an Preuſſens Küſte IV. 297 fgg. V. 5. 524. VII. 236. Hermann (v. Köln), Biſch. v. Samland III. 344. 345. Hermann, Bild. v. Ermland V. 13 fgg - Hermann, Biſch. v. Kulm IV. 174 fgg. Herrengülte, die VIII. 335. Herzogenſtein, Conr. v., Landmeiſter v. Livland IV. 31 fg. Hinterfaffen, freie III. 437 gg. VI. 577 fgg.; — oder Uns terſaſſen, Leute III. 450 fgg. Hirzberg, Gerh. ve, Vice⸗ Landmeiſter von Preuſſen, Deutſchmeiſter I. 683. III. 115 fgg- berg, Bruno v., Groß⸗ kth. VII. 756 fag. Hochmeiſter, der II. 520 fgg IV. 255 fgg. V. 09 fgg. VI. 412 fgg. VIII. 201 fgg.; — Is, Gebiekiger⸗Rath des, VII. 706. 756. IN. 238 fog 5 —, Um⸗ zug durch das Land VI. 388 fag. —. Stellvertreter des, VI. 413 fag. — . Kaſſe des, VI. 454 f995 — . Hofmaler des, VI. 309; —, Hofnarr des, VI. 401 fgg. Hochzeitsfeſte auf dem Kö⸗ nigsberger Schloſſe IX 269 fgg. Hohenbach, Halt v., Land⸗ meiſter v. Livland IV. 48 fag. Hohenſtein, Stdt. IV. 581. VI. 593. VII. 245. VIII. 408 gg. IX. 578. Hohenſtein, Graf Hans v., VIII. 400 fgg. IX. 249. 311. Hohenlohe, Heinr. v., ſie⸗ benter Hochmeiſter II. 331 fgg III. 9 fag. IV. 135. Allgemeines Regiſter. Hohenlohe, Graf Gottfr. v., Hochmeiſter IV. 135 fgg- Hold, Heinr., Kth. z. Dan⸗ ig, oberſter Spittler, Vogt z. rathean VII. 276 199. Holdenſtäte, Frieder. v., oberſter Marſchall III. 256 fgg. Honeda, Geb. 1.99. 490. I. 354. Honorius III, Pabſt I. 43 fgg. II. 82 fgg. III. 557 far. VI. 417 fag · Hornhauſen, Burch. v., Kth. in Samland III. 62 fog- Huldigung, Verhandlungen mit Polen wegen der, IX. 279 fgg- Hunsbach, Walrabe z, Großkth., oberſter Marſchall VII 378 fgg- Huſſiten, die VII. 362 fgg.; — ſteuer des gemeinen Pfen⸗ nings VII. 510 fgg J. Ibute, Withing III. 91 fgg. Innocenz II, Pabrt 1. 407 fog. 11. 59 fag. ? Pabſt II. 449 Innocenz W, ‚fag. III. 3 fag. Innocenz VI, Pabſt V. 112 feg. Innungen (vergl. Gewerke), die, der Handwerker III. 503, V. 333 fgg. VI. 703 fog 5 —, Bruderbier, der, VI. 725 f39- ; —, Abſtellung der Bierbußen bei den, VIII. 20. IX. 138 fgg. Sufterburg, Stdt. u. Bg. 1. 500 III. 336 IV. 581. V 56 fa: VI. 192 fgg. VIII. 517. 95 Sfarn, Erzbiſch. v. Riga IV. 164 fg9- Iſenburg, Heinr. v., ober⸗ ſter Trappier, Kth. z. Königs⸗ berg IV. 205. 402, Iſenhofen, Ulr. v, ober⸗ ſter Treßler, Großkth. VIII. III fgg. IX. 3 u. A. Y.
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Allgemeines Regiſter. Jod. Jacob v. Lüttich, päbſtlicher Legat II. 591 fgg. Jacob, Biſch. v. Samland IV. 598, V. 102 fag. Jacob, RBiſch. v. Spoleto, päbſt⸗ licher Legat VII. 342 fgg. Jagal, Jagel⸗Wladislaw, Großfürſt v. Litthauen u. König v. Polen V. 214 fgg. VI. 2 fag- VII. 10 fog. N Jagdfalken u. Federſpiel, als Geſchenke an fremde Für⸗ ſten VI. 6 fgg. VIII. 34 fog. 5 IX. 200 fgg.; — ſchulen VI. 404. | Jagdgerechtigkeit (Klopf⸗ 9890 die V. 108. 205. VI. 582 fgg. Jahrbuße, die VI. 520 fgg. Jatzwinger, die II. 183. 497. III. 112 fgg., und ihr Land III. 37 fgg - Jene, John v. d., Eidechſen⸗ ritter, Hauptmann z. Mewe VIII. 293 rag: Jeroschin, Nicol., Ordens⸗ Kapellan III. 621. 626. IV. 517. Jeruſalem in Preuſſen IV. 74 19. 145 Jepnig, Bg. VII. 255 fgg. Joachim 1, Kurfürſt v. Bran⸗ denburg IX. 336 fag. Johann XII, Pabſt IV. 322 fgg. Johann XXIII, Papſt VII. 153 fg9- - = Johann, König v. Böhmen IV. 332 fgg. V. 27 fgg. Johann, Hzg. v. Meklenburg VI. 32 fgg. . 5 Johann, Hzg. v. Maſovien V. 370 fgg- Johann, Dig. v. Sagan IX. 30 fgg. 3 Johann I Albrecht, König v. Polen IX. 148 fg. Johannes 1, Biſch. v. Ermland V. 235. Johannes II, Streifrock, Biſch. v. Ermland V. 168 fgg. Johannes I, Mönch, Bild. 771 5 Pomeſanien V. 263 fgg. VI. 99. Johannes IV, Biſch. v. Po⸗ mefanien IX. 118 fgg. Johannes I, Biſch. v. Sam⸗ land I. 661 fgg IV. 348 fgg. Johannes Senior, Sg. d. Maſovien VII. 41 fgg. Johannes, Hzg. v. Oppeln, Biſch. v. Kujavien, Leſlau, Kulm VI. 155 fgg. Johannes Margenau, Biſch. v. Kulm VIII. 88 fgg. Johannisburg, Stadt. u. Bg. 1.590. V. 40 fog. VII. 174 fog. VIII. 375. Johanniter-Ritter, die J. ——— 7011 = 6 fag. IV. 53 gg. V. II7 fgg. VIII. 251 fog- Jordan, Bil, v. Ermland V. 2.30. Jubeljahr, das VIII. 185 fgg, und Pilgerfahrten IX. 265 fgg Julius II, Pabſt IX. 316 fgg. Jungingen, Ulr. v., Kth. v. Balga, Ordensvogt v. Sam⸗ land, oberſter Marſchall, Hoch⸗ meiſter VI. A fgg. VII. 8 fgg.; ſeine Geſetze IV. 617. Jungingen, Conr. v., oberſter Treßler, Trappier; Hochmeiſter V. 383 fgg. VI. 3 fgg. VII. I. 3 fgg.; ſeine Landesgeſetze VI. 15 fgg. Junigede, Bg. IV. SI fog. Juſte, Empfang der, VI. 517 fgg. K. Kadienen, Bg. I. 486. Kalixtus III, Pabſt VIII. 447 f99- Kalmar, Tag zu, VI. 254 fag. VII. 13. 14. Kamswikus, Berg I. 300. 501 A. 1) III. 336. Kapurnen (Kirchhöfe) I. 570 u. A. I) IV. 593. Kariebut, Fürſt V. 286 fag. VI. 27. 49 ¹
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172 Allgemeines Regiſter. Kaſimir, Hzg. v. Kujavien u. Lancziz II. 171 fgg. III. 30 fg. Kaſimir, Markgraf v. Bran⸗ denburg IX. 393 fgg. Kaſimir III, der Große, Kö⸗ nig v. Polen IV. 40 I. V. 3 fgg. Kafimir IV, Großfürſt v. Lit⸗ thauen, König v. Polen VIII. 24 fgg. IX. 2 fgg. Kaſpar, Biſch. v. Pomeſanien VIII. 39 fgg. Kattena u, heiliger Berg J. 598. Katzenellenbogen, Gerh. v., Vice⸗Landmeiſter in Livland III. 370. 371. Kaufmannsſtand, höhe⸗ rer (adliger) V. 328. fag. Kemnate, Martin v. d., ober⸗ ſter Marſchall, Kth. z. Thorn, Chriſtburg VII. 281 fgg. Kerpen, Otto v., zweiter Or⸗ densmeiſter II. 55 — Kerskorff, Franco, Meiſter v. Livland VII. 646 fgg. Keſſelhut, Conr. v., oberſter Treßler, Großlth. IV. 474 f3g. Keutelbriefe, die VI. 639. VIII. 698. IX. 178 fgg. Kielbaſſa, Vincenz, Dom⸗ herr z. Gneſen, Biſch. z. Kulm VIII. 685 fgg. IX. 9 fgg. Kinsberg, Eberh. v., oberſter Treßler VIII. 381 fgg. Kinsberg, Ulr. v., oberſter Marſchall IX. 3 fgg. Kirsburg, Bg. II. 548. Kirskorp, Walther v., Kth. z. Danzig, Großkth., oberſter Trappier VII. 565 fgg. Klöſter, in Preuſſen V. 4fgg.; — in den Städten, III. 499 fgg : —, Priore der, VI. 7633 —ſchulen III. 560. VI. 764. Klopfrecht, ſ. Jagdgerechtigkeit. Kniprode, Winrich v., ober⸗ ſter Marſchall, Großkth., Hoch⸗ meiſter IV. 599 fag. V. 2 fgg. Königsberg (Twangſte), Stdt. u. Bg. I. 50 fgg. III. 88 fg. IV. 21 fgg. V. 38 fgg. V1. 19 fag. VII. I07fgg. VIII. 20 fgg. IX. 5 fgg.; — Altſtadt IV. 22 fgg.; —, Kathedralkirche zu, IV. 167 fag. —, Domſchule zu, IV. 519 fgg.5 —, Bernhardi⸗ ner⸗Nonnenkloſter zu, V. (5 fgg.; — er Willkühr VI. 631; —Ordens⸗Schäfferei zu, VII. 777. VIII. 36 fgg.; —, Kons vent zu, IV. 24 fgg. VII. 753fgg.; —, alte Polizeiordnung IV. 21— 253 Landtag zu, IX. 527; —, Turnier zu, IX. 528 fgg. — Wahlkapitel zu, IX. 22 fgg. Kogge, Martin, Syndicus der Stdt. Danzig VIII. 506 fgg, Komthurs, Richthof des, VI. 621; — bezirk VI. 546 fag. Konitz, Stöt. u. Bg. IV. 221. V. 488. VII. 218 fgg. VIII. 268 gg. —, Schlacht bei, VIII. 402 fgg. Konventskaſſe, die I. 451 fgg. Kopernicus, Nicol., ermlän⸗ diſcher Domherr IX. 649. Kornre, Alexand. v., oberſter Sr „ sth. z. Engelsburg 2 fag. Koſtnitz, Concilium zu, VII. 253 fgg. Krakau, Friedensverhandlungen u. Friede zu, IX. 745 fgg. Kretzmer, die VI. 057. 743. Kreuder, Nicol., d. Hochmei⸗ ſters Kanzler, des D. O. Pro⸗ curator, Biſch. v. Samland IX. 136 fgg . Kreuzburg, Stdt. u. Bg. J. 487 fag. 11. 402 fgg. III. 211 fgg. IV. 311. VII. 52. 250. VIII. 439. IX. 216 fgg. Kriegsdienſt, gemeſſener u. ungemeſſener VI. 569 fgg.; —, Verpflichtung zum, VI. 674 fgg.5 — geſchrei VI. 676 fgg. Krixen, Ramſchel v., gen. v. Ludwigsdorf, Vogt d. po⸗ meſaniſchen Domſtiftes VIII. 234 fgg. Kudorf, Hermann v., ober⸗ ſter Spittler V. 18 fgg. Kulm, Stdt. u. Bg. I. 17 fgg IT. 217 fag. III. 24 fag. IV. 25 fgg. V. 15 fag. VI 56 fag. VIII. I. 11 fgg. IX. 20 fgg. —, Handfeſte von, II. 236 fgg.
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Allgemeines Regiſter. Iv. 394. 596. VI. 588 fag. VIII. 66 fgg-; —, Plan z. einer Univerſität in, V. 491 fg — Schöppenſtuhl zu, Oberhof für Preuſſen VI. 389 gg. 3 —, Willkühr d. Webers zunft zu, y. 339. Kulm, VBisthum I. 452 fgg. II. 159 fgg. III. 61 fgg. VI 11 gg. Kulm, Erzbisthum II. 667.670. Kulmerland, Landſch. I. 170 fgg. II. 128 fgg. III. 1. 27 fg9. IV. 4 fgg. V. 3fgg. VI. I5 fgg. VII. 4Sfag. VIII. 18 fag. —, Komthur des, oder Landkth. v. Kulm III. 532 fgg- Kulmſee, Stdt. II 476. III. 120, 204. IV. 43 fgg. VIII. 300 fag.5 —, Kathedrale von, IV. 45 J. VI. 25. Kunheim, Daniel v., Land⸗ richter d. Brandenburgiſchen Gebiets IX. 118 fag. Kuren oder Kuronen, die J. 71 fgg. II. 327 fgg. Kyburg, Graf Conrad v., Kth. v. Balga, oberſter Spitt⸗ ler u. Kth. z. Elbing VI 26 fag- Kynſtutte, Gedimins Sohn, V. 16 fgg · L. Labiau, Stdt. u. Bg. III. 157. v. 93 fgg. VI. 23. 393. Lanſanien, Geb. I. 441 fag. II. 600. III. 285. Landding eines Landgerichts⸗ bezirks VI. 152 fag. VII. 21 Landmeiſter (Großkomthur) im Morgenlande 11.656 fgg.; — in Preuſſen III. 27 fgg. Lan drichter und Landſchöppen VI. 152 fgg. IX 269; —ge⸗ richt, jährliches großes, VII. 701 fg · Landsberg, Conr. v., Ordens⸗ ritter II. 108 fag- Landsberg, Stdt. III. 378. VII. 250. 764. VIII. 10. Landſee, Lud w. v., Kty. v. 773 Thorn, Brandenburg, Mewe, Chriſtburg, oberſter Trappier, Landkth. v. Elſaß VII. 326 fgg. Landſtreifen, das ſ.g. IX. 286, Langerak, Joh. v., oberſter Treßler V. 48 fag · Lanſe, Lud w. v, Ordensmar⸗ ſchall I. 663. 665. Lauben, die V. 338. VI. 647. Lauenburg, Stadt. u. Bg. VIII. 427 fgg. Leander, Dr., ein albaniſcher Ketzer V. 721 fg3. Leipe, Stdt. u. Bg. III. 302. 1 IV. 464 1251 . 0 emptenbur „I. 680 fgg. fr e 9 fag Lentersheim, Ulbrich v., Deutſchmeiſter VIII. 373 fag. IX. 2 fgg. Lenzenberg, Bg. III. 100. Leo X, Papſt IX. 449 fgg. Leſſen, Stdt. IV. 186. 311. VIII. 408 fag. Letzkau, Conr., Bürgermeiſter v. Danzig VI. 112. 310. A. I). VII. 110 fag. Leunenburg, Bg. V. 55. 56. Lichtenhagen, Dieter. v., Kth. v. Schwetz IV. 276 fag. Lichtenſtein, Conr. v., ober⸗ fer Spittler, Großkth. VI. 2882 fgg. VII. I. 6 fgg. Liebenzell, Frieder. v., Hausk. v. Bartenſtein, Kth. v. Ragnit, Vogt v. Ermland IV. 108 fgg. Liebmühl, Stdt. IV. 541. VII. 250. VIII. 407 fgg. Liebſtadt, Stdt. VII. 230. Liedelau, Dieter. v., Vogt v. Samland 111.355 fg. IV. 10 fg. Liedſprecher, die VE. 308 fgg. Ligaschonen, preuſſiſche Prie⸗ ſter 1. 564 fgg. II. 621: Linden, Gottfr. v., Kth. v. Balga, oberſter Marſchall V. 257 fag. Lippe oder Lipze, Namen des Pregels u. des Hafens an ſci⸗ ner Mündung 1. 503 fgg. Litthauer, heilige Haine der, V. 496.
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774 Livland's Hanſeſtädte VI. 34. 142 fgg. Löbau, Stdt. u. Bg. III. 295. IV. 462. V. 81. VII. 80 fgg. VIII. 409 fgg.; —, Schlacht bei, III. 240 fgg. Lobegeld, Abgabe vom Ge⸗ treide in Danzig VII. 470 fgg. VIII. 165. Lochſtädt, früher Witlands⸗ ort, Bg. 1. 211 fgg. III. 43 f99. VII. 426. VIII. 370 fgg. IX. 437; —, Tief bei, 1.213 fgg. VI. 14. Logendorf, Dieter. v., Lan⸗ 52 VI. 219 fgg. VII. 35. Logendorf, Hans v., Lan⸗ desritter u. Landrichter des Kul⸗ merlandes VII. 494 fgg. Logendorf, Paul v., Biſch. v. Ermland VIII. 569 fgg. IX. 8. Lötzen, Stdt. I. 497 fgg. IV. 22. 355. VI. 225. VIII. 474 fg9- Lübitſch, Mühle u. Bg. IV. 91. VII. 292 fgg. Luderus (Lutherus), Hzg. v. Braunſchweig, Kth. v. Chriſtburg, Trappier, Hoch⸗ meiſter III. 621. IV. 311 fgg. V 7185 —, Geſetze des, IV. 621fgg. Ludwig I der Große, König v. Ungern u. Polen V. 8 fgg. Ludwig, Biſch. v. Silves in Portugal, päbſtlicher Legat VIII. 220 fgg. Luterberg, Otto v., Lands kth. v. Kulm IV. 403. Luther, Dr, Martin, IX. Lyck, Stdt. I. 408. VIII. 47 1. 475. 687 fau. M. Macho, pomeſaniſcher Edler III. 183 fgg. Machwitz, Otto v., Landes⸗ Allgemeines Regiſter. ritter, Woiwode v. Pomme⸗ rellen VIII. 361 fgg. IX. 91. Macra, Benedict v., Ge ſandter d. Römiſchen Königs Sigismund VII. 185 fgg. Magdeburg, Schöppenſtuhl zu, VIII. 77 fgg. Mahlmetze oder Mahlpfenning VI. 640. VIII. 12 fgg. Mahlberg, Gerh. v., ſechs⸗ ter Ordensmeiſter II. 425. III. 593. fgg. Marburg, Wigand v., preuſ⸗ ſiſcher Chroniſt V. 685. Margaretha, Königin v. Dä⸗ nemark VI. I. 32 fgg. Marienburg, Stdt. u. Bg. J. 481 fag. II. 280. III 277 fg. IV. 33. fgg. V. 36 fgg. VI. I. 3 fgg. VIII. 7 fgg. VIII. 4 fgg. IX. 2 fg. —, das obere, d. mittlere Haus u. die Vorburg VII. 105 fgg.; —, St. Annen ⸗Kapelle u. Gruft zu, IV. 310 fgg. V. 394. 550; —, Marienbild an der St. Annen⸗Kapelle zu, VII. 113; —, Weiſen des Heilig⸗ thums zu, VI. 180 fgg.; —, Heiligthümer des Haupthauſes, VIII. 527 fgg.3 —, Verlegung d. Ordens⸗Haupthauſes v. Ve⸗ nedig nach, III. 606; —, Ges neralkapitel zu, IV. 319 fgg. V. 56 fgg.; —, Kapitel zu, VII. 23 fgg.; —, Rechtsſchule zu, V. 101 fag. —, Büch⸗ ſenamt zu, VI. 693; —, Stück⸗ gießerei zu, VI. 204. VII. 32. 65 —, Ordensſchäfferei zu, VII. 777. VIII. 36. 209. Martienhoſpital, deutſches, u Jeruſalem II. 10 fgg.; —, Brüder des, II. 12 fgg. Marienwerder, Stdt. u. Bg. II. 231 fgg. III. 277 fgg. W. 475. 542. V. 43 fgg. VII. II8 fgg. VIII. 408 fgg.; IX. 112 fgg.; —, Bundestag zu, VIII. Ai fgg. Marienwerder, Joh. v., po⸗ meſaniſcher Domdechant VII. 314 Markttage, die VII. 21. 481;
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Allgemeines Regiſter. —, Wochen⸗ oder Frei⸗, VI. 645 fag. Martin, Biſch. v. Kulm V. 557 fgg· Matzkow, Hans, Bürgermei⸗ ſter v. Kulm VIII. 303 fgg. Maul, Fabian v., Woiwode der Elbingiſchen Gebiete VIII. 710. IX. 27 fgg. Melno⸗See, Friede am, VII. 447 fgg · Melſack, Stdt. I. 597. IT. 489. III. 347. 489. IV. 185 fgg. V. 301. VI. 158. VII. 247. VII. 430 fgg. IX. 581 fg. Memel, Stdt. u. Bg. IV. 208 V. 134 fgg. VI. 3 fg · VII. 22 fgg. VIII. 140 fag. IX. 18 fgg.: —, Ordenskapitel zu, IV. 171 fgg · Memelburg, Stdt. u. Bg. III. 67 fgg · Mengden, Joh. v., gen. Oſt⸗ hof, Meiſter v. Livland VIII. 219 fag. 1X. 2—3. Mentonomon 1. 19 fag. Merheim, Thom. v., ober⸗ ſter Treßler VII. 10 fag. Mewe, Stdt. u. Bg. 1. 374. 467. III. 389. 468. IV. 137. 991. VI. 454. 546. VII. 53 fgg. VIII. 19 fgg. —, (Wanzke), Geb. von, III. 266 fgg. Michael Junge, Biſch. von Samland VII. 479 fag. Mindowe, König der Litthauer 11. 574 fgg. III. 35 fgg. IV. 3 fag. Mirabilis, Walrad, Or⸗ densvogt III. 189 fgg. Miſtwin I, Sohn Sublelar's, Hzg. v. Pommern I 370 fag. Miſtwin U, Sohn des Hzg's Suantepolc, Hzg. v. Pommern oder Schwetz II. 455 fgg. III. 47 fag. IV. 20 fgg. Mittelgerichte oder Mittel⸗ höfe VI. 593. Modena, Wilh. v., päbſtli⸗ cher Legat 111. 6 fag- Mönche, Minoriten⸗, III. 166 fag. IV. 236 fas- Mohrungen, Stdt. u. Bg. 775 IV. 186. V. 578 fgg. VII. 101 250. VIII. 291 fag. IX. 27 f33- Monheim, Eberh. v., Land⸗ meiſter in Livland IV. 384 fgg. V. 19. 22. Monte, Hereus (Heinrich), natangiſcher Heerführer II. 293. III. 193 fag. Mortangen, Lu dw. v., Woi⸗ wode v. Kulm IX. 80 fgg. Mühlenzwang, der VII. 407 fg · Mühlhauſen, Stdt. VII. 250. VIII. 291 fgg . f Münze, preuſſiſche Landes ⸗, V. 78. VIII. 331 fg. — Umſchlag der Landes ⸗, VI. VIII. 301. 318; zu Thorn V. 618. 647. VI. 634 fgg.5 —= Probierer VIII. 7125 — Recht VI. 632 fgg.; — weſen III 514 fgg. IX. 8 fgg :; —, grobe VI. 1460 —, Verbeſſerung der, VII. 253 —, Verſchlechterung der, VII. 217 fgg. —, Veränderung der, VII. 279 fgg.5 — neue, = Ordnung VIII. 608; —, römiſche, in Preuſſen gefunden 1. 85. 87. N. Nachcollationen, die VI. 500 u. A. 5) Nachtamt, das VI. 493 —91. Nachtſchilling, eine Steuer auf d. platten Lande IX. 280. Nadrauen, Landſch. I. 180 fag. II. 467. III. 65 fag. v. 102 fgg. VII. 52. 62. Nalube, Sohn Sclodo's III. 219 fgg. Natangen, Landſch. I. 170 fgg. II. 354 fgg. III. I. 103 fgg. IV. 104 fgg. V. 42 fgg. VI. 562. 681. VII. 107. 111. VIII. 599. 613. IX. 330.
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776 Naturallieferungen an die Landesherrſchaft VI. 638 fgg. Nehringen, die 1. 11 fgg. II. 577 fgg. III. 65 fgg.; —, fri⸗ ſche ill. 383. 388; —, kuriſche IV. 5 fgg. V. 190 fgg.; —, Danziger IV. 352. 354. V. 190. Neidenburg, Stdt. u. Vg. I. 477. 495. II. 406. V. 259. vi. 399, 593. VII. 78 fgg. VIII. 408 fag. IX. 18 fgg. Nellenburg, Wolfram v., e IV. 446 fgg. V. 8 57 fgg. Meffan, Stdt. u. Vg. II. 190 f3g. III. 309. IV. 270 fgg. V. 9. VI. 687. VII. 39 fgg. Neuenburg, Stdt. u. Bg. III. 271 fgg. IV 192 fgg. VII. 53 fag. VIII. 355 fgg. Neuenburg, Peter v., Sohn d. Grafen Swenza, Haupt⸗ mann von Pommern IV. 192 fag. V. 105. Neuhaus, Bg. IV. 3. V. 134. Neumark, Stdt. u. Bg. V. 84. VIII. 87 fgg. IX. 18. Neumark, die IV. 196. 405, V. 428 fgg. VI. 47 fgg. VII. 5 fgg. VIII. 24 fgg. IX. 108 99. nee IV, Pabſt IV. 52 99. Nicolaus V, Pabſt VIII. 127 IV. 345. 370. Nicolaus II, Biſch. v. Kulm VI. 151 fgg. Nicolaus J, Viſch. v. Pome⸗ ſanien V. 189 fgg. Nicolaus II, Biſch. v. Pome⸗ ſanien VIII. 652 fgg. Nicolaus, Biſch. v. Samland VIII. 75 fgg. IX. 22 fgg. Niekeritz, Heinr. v., ober⸗ ſter Treßler, Großkth. VII. 278. Nogat, die 1. 211 fgg. II. 481. 531; — brücke u. der Brücken⸗ kopf bei Marienburg VII. 101. Allgemeines Regiſter. VIII. 387. 400; —, Ableitung der, in d. Weichſel VIII 112, Nonnenklöſter, Pröbſte der, VI. 767 fgg. Nordeck, Walther v., Land⸗ meiſter in Livland III. 361. Nordenburg, Stdt. u. Bg. V. 180. 707. VIII. 703. IX. 14. Nothleben, Heinr. v., Vogt v. Jerwen, Meiſter v. Livland VII. 708 fgg. O. Dettingen, Hermann v., oberſter Spittler u. Kth. zu Elbing IV. 409 fgg. Ofen, Tag zu, VII. 175 fgg. Olgjerd, Sohn Gedimin's, a v. Litthauen V. 16 33. Oliva, Kloſter I. 352 fgg. II. 254 fgg. III. 29 fgg. IV. 193 f3g. V. 82 fgg. VI. 630 fgg. VII. 636. VIII. 431 fag. IX, 126. 357. Opfergeld, das VI. 531. 741. Opizzo, Abt d. Kloſters Me⸗ zano, päpſtlicher Legat II. 540 fgg. III. 48 fag. V. 718. Oporowski, Andreas, Bi⸗ ſchof v. Ermland IX. 40 fgg. Ordens, Tracht des II. 35 fag. —, Streit über den, ⸗Mantel II. 64 fag. , ſchwar⸗ zes, ⸗ Kreuz II. 93 —= Sie⸗ gel II. 575 —, großes, ⸗Ban⸗ ner V. 61 fgg. VII. 80 u. A. 2); — haus z. Jeruſalem I. 211; — Balleien u. Haͤuſer in Deutſchland V. 346 fgg. VI. 456. 519. VIII. 433 fgg. IX. 39 fag. — - Güter u. Bur⸗ gen in Baiern VII. 461, 518; — ⸗Beſitzung in Spanien IX. 390. A. 1); —, die Prieſter⸗ brüder des, III. 125 fgg. V. 297 fgg. VI. 180 fag. 5 —, die⸗ nende Brüder des, VI. 512 fag. —, Halbbruder des, II.
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Allgemeines Regiſter. 104 fgg. IV. 592. V. 70 fgg. VI. 162 fgg.; —, Mitbrüder oder Heimliche des, VI. 524 fg99.5 —, Halbſchweſtern des, VI. 475 fgg.; —, Aufnahme neuer Brüder in den, VI. 410 fgg. VII. 184. 205 fgg. VIII. 1:44 fgg. IX. 160 fgg-3 — Beſtrafung der abtrünnigen, = brüder VI. 215. 408. VII. 181 fgg. VIII. 143 fgg. —. Lebensweiſe und Hausordnung der, = brüder VI. 487 fgg.; —, Disciplin des, VIII. 124 fgg.; —, Geſetze u. Geſetzbuch des, IV. 623. 625. VI. 467. 517. VIII. 49 fa ; Im; a Ger etze des; Fi: 99.3 —5 — — Verhältniſſe des, VIII. 126 fag.; — Finanzverwaltung des, VI. 684. IX. 37 fag.5 —, Finanzbedrängniſſe des, VIII. 110 fgg. IX. 186 fgg.; —, Schatz des, VI. 423 fgg.; —, die oberſten Gebietiger des, VI. I. 3. 282 fgg. VII. I. 2 fgg. VIII. 7 fgg. IX. I. 2. 10 fgg.; —, Umwandlung d. ober⸗ ſten Gebietiger⸗Aemter des, VI. 544, neue Anordnung die⸗ fer und der Komthur⸗Aemter IX. 35 —, Plan zu einer Re⸗ formation des, IX. 121 fag. ; —, Verpflanzung des, an die Donau VII. 502 fgg., nach Podolien IX. 5505 —, Kriegs⸗ wefen u. Kriegsführung des, III. 529 fgg. VI. 413 fgg.; —, Geſchütze des, VI. 26.28, chwere VII. 76. 1013 —, —, Marſchall des, II. 93fgg. III. 530 fgg.; —, oberſter Marſchall des, V. 69 fgg. VI. 437 fgg.; —, päbſtliche und raiſerliche Begünſtigungen des, II. 82 fgg.3 —, Befreiung des, von dem Reichshofgerichte VII. 358 fgg.; —, General⸗ kapitel des, IV. 48 fgg. —, Hauskapitel und Strafgeſetze des, VI. 428 fgg.; —, Kir⸗ chenweſen des, II. 108 fgg.; —, Gottesdienſt in den Haus 777 fern des, VIII. 141 fag. — Myſterien des, VI. 491 u. A. 4); —, Feindſchaft der Geiſt⸗ lichkeit gegen den, II. 102 fgg. III. 3 fgg. IV. 533 — ⸗Con⸗ vente, die, in Preuſſen V. 100. 398 fgg.; —, Vertheilung der Aemter des, nach den drei Landen und Zungen VII. 774 255 a die mg: bes, VI. 2. 349; —, Dienftpflichtige des, VII. 489 fgg.; —, oberſte Gerichtsbarkeit des, VI. 620 fgg.; —, Getreidevorräthe des, VIII. 143; —, die Mühlen⸗ meiſter des, VI. 474; —, Wald⸗ wirthſchaft des, VIII. 142. IX. 3055 —, Rechtsſtreit vor dem Kaiſer zwiſchen dem Bunde u. dem, VIII. 325 fgg. Orſeln, Werner v., Hoch⸗ meiſter III. 605 fgg. IV. 300 99. VI. 527 fgg.; — Geſetze IV. 619 fgg. VI. 424 fgg. VII. 697 fgg. VIII. 6 fgg. IX. 22 99. Ortelsburg, Stdt. u. Bg. V. in fag. VIII. 371 fog. IX. Oferieta I. 45 fgg. Dfiander, Andreas, 686-87. Oſſa, Fluß I. 295 fgg. IT. 194 fa. III. 27 fgg. IV. 403. 421. VII. 195. 627. VIII. 419. Sft, Ulr. v. d., Ritter VI. 258 fgg. VII. 11 fgg. Oſterna, Poppo v., Land⸗ meiſter v. Preuſſen, Hochmei⸗ ſter II. 237 fgg. III. 52 fgg. V. 718. Oſterode, Stdt. u. Bg. I. 477. IX. V. 130 fgg. VI. 4 fgg. VII. 100 fgg. VIII. 371 fgg. IX. 107. Oſtland I. 196 fag. Otto, Biſch. v. Kulm IV. 432 fag. V. 5 fgg. Ottokar, König v. Böhmen III. 63 fgg. Oukaym, Bg. IV. 19 fag.
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778 Overberg, Heidenreich Finke v., Vogt v. Wenden, Meiſter v. Livland VII. 7 fag. VIII. I. 4 fag. P. Pantaleon, Jacob, Archi⸗ diaconus v. Lüttich, Legat in Preuſſen, Polen u. Pommern III. 22 fgg. Papau, Bg. VIII. 310 fgg. Parcham, der V. 155. 172. Parsberg, Leonh. v., ober⸗ ſter Treßler VIII. III fgg. Paſſarge (Serie), Fluß J. 484 fgg. II. 407 fgg. Paſſenheim, Stdt. VIII. 503 fgg . IX 13. Patronatsrecht über die Pfarreien im Ordensgebiet III. 527. VI. 565 fgg. N Paul II, Pabſt IX. 9 fgg. Pazlock, Bg. IV. 23. Peilpeillo (Heiligenbeil) J. 99 ue 2. Pelland, Sweder v., ober⸗ ſter Treßler V. 174 fgg. Pelplin, Kloſter III. 359.388. IV. 193 fgg. V. 3 fgg. VI. 757 fgg. VII. 110 fgg- VIII. 431 fg. Perkunos, prenſſiſche Gott⸗ heit I. 145 fig. Il. 286. 297. Peſt in Preuſſen VI. 153 fgg · VII. 277 fgg. VIII. 219 fag. IX. 73 fgg. Peterspfenning, der V. 69. VIII. 86 fag.; —, Streit we⸗ gen des, IV. 311 fgg. V. 261. Petrikau, Reichstag zu, VIII. 307 fgg. IX. 24 fgg. —, Tag zu, IX. 5 78g · Pfaffendorf, Dr. Andreas, VII. 648 fag · Pfahlgeld, das IV. 578. VI. 6666. Pfannenberg oder Mont⸗ fort, Graf Joh. v., VIII. All fgg. Allgemeines Negifter. Pfarrhuben, die III. 477 133. Pfeilsdorf, Nicol. v., Woi⸗ wode d. danziger Gebiete VIII. 667 fgg. IX. 47 fgg. Pfenningszins, kulmiſcher VI. 399 fgg. Pferdemarſchall, VI. 478 fgg. Pfleger, die VI. 480 fgg. Pflug, Nicol. v., Kth. zu Ragnit, oberſter Spittler IX. 316 fag. Pfluggeld, das VI. 661. Pflugkorn, kulmiſches VI. 581 fgg. VIII. 76 fag. Pikullos, preuſſiſche Gottheit I. 145 fgg. Pillau, Stdt. IV. 589. Pin (Pien), Bg. I. 451 fgg. II. 577 fgg. Pipin, Edler aus Pomeſanien II. 220 fgg. Pius II, Pabſt VIII. 566 fgg. Plate, die VI. 675 fgg.; — die ſchwäbiſche VI. 6103 — dienſt, der VI. 674 fgg. Plauen, Heinr. v., Vogt des Biſch. v. Pomeſanien IV. 497. Plauen, Heinr., v., Kth. z. Schwetz, Hochmeiſter, Kth. z. Engelsburg V. 713. 719. VI. 434 fgg. VII. 53 fgg. Plauen, Graf Heinr. v., der Jüngere, Vetter des Kth. v. Schwetz VII. 103 fag. Plauen, Heinr. v., des Hoch⸗ meiſters Bruder, Kth. z. Dan⸗ zig, Pfleger zu Lochſtädt VI. 128 fgg. Plauen, Heinr. Reuß v., Kth. z. Elbing, oberft. Spittler, Groß⸗ kth., Kth. z. Balga, Hochmei⸗ ſter VII. 597 fgg. VIII. 51fgg. IX. I. 1 fgg. Plauen, Graf Hein r. Reuß v., Kumpan des Hochmeiſters, oberſter Trappier IX. 145 fgg. Plauen, Graf Heinr. Reuß v., Söldnerhäuptling VIII. 381 fgg. IX. 187. der
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Allgemeines Regiſter. Plettenberg, Gotthard v., Landmarſchall v. Livland VIII. 453 fgg. Plettenberg, Walther v., Meiſter v. Livland IX. 198 fgg. Plotzke, Graf Heinr. v., Land⸗ meiſter in Preuſſen, Großkth., Marſchall IV. 206 fgg. Podiebrad, Georg v., Kö⸗ nig v. Böhmen IX. 10 fag. Pogeſanien, Landſch. I. 171 fag. II. 247 fgg. III. 102 fgg. IV. 4 fgg. VI. 561 fag. Pokarwen, Schlacht bei, III. 205 fgg Polen, die in Preuſſen angeſie⸗ delten, III. 481. fgg. Polenz, Georg v., Biſch. v. Samland IX. 542 fgg. Polexianer, ein Zweig ber Jazwinger I. 359 fgg. II. 161. III. 51. 56. Polizei, Geſundheits⸗, VI. 392. 7055 —, Feuer ⸗, VI 705 fg. ; —, Sitten⸗, VI. 705. 714; —, ſtädtiſche VI. 704 fgg.; —-⸗Geſetze Conr. v. Jun⸗ gingen VI. I7. Pomeſanien, Landſch. I. 170 fgg. IT. 234 fgg. III. 20 fgg. IV. 4 fgg. V. 130 fgg. VI. 549 fag. VII. 107 fag. VIII. 446 fag. Pomeſanien, Bisthum V. 44 fag. VII. 40 fgg. VIII. 307 fag. IN. 112 fgg. Pommern oder Wenden, bie in Preuſſen angeſiedelten, III. 481 fgg. Pommerellen, Landſch. IV. 225 fgg. V. 44. 475. VI. 181 fag. VII. 73 fgg. VIII. 86 fag. IX. 106 f3g. Pommersheim, Joh. v., Kth. v. Thorn, Schlochau, Mewe, Rheden, Landkth. v. Oeſterreich VII. 536 fgg. VIII. 232 fgg. onnau, Salzquellen bei, VI. 302 fgg. VII. 32. IX. 321. Poskarski, polniſcher Haupt⸗ mann 3. Schwetz, z. Mewe VIII. 604 fgg. 779 Poſtar, Nicol., Kth. v. Dan⸗ zig VII. 774. VIII. 2 fgg. Potrimpos, preuſſiſche Gott⸗ heit I. 145 fgg. H. 287. Prediger-Orden II. 218 fag. III. 50 fgg. IV. 236. Pregel, Fluß I. 4 fgg. II. 467 fgg. IV. 352. 581. Preuſſens, Sage u. Geſchichte über die Eintheilung, I. 168 f3g.5 — Bisthümer IT 462 fg. II 599 fgg. IV. 238 fgg. VI. 639 fgg. VII. 265 fgg. VIII. 565 fgg.; — Bifchöfe II. 474 fgg. III. 5 fgg. IV. 30 fgg. V. 83 fgg. VI. 109 fgg. VII. 143 fgg. VIII. 86 fgg.; —, die Landesritter, IV. 263 fgg. V. 129fag. VI. 18 fgg. VIII. 3 fgg., ihr Kriegsdienſt u. ihre Burgen VI. 563 fgg.; —, der Bürger: ſtand, V. H fgg. VI. 383 fgg. ; —, Stand der Kölmer in, III. 419 fgg- IV. 596 fag. VI. 568 fag. —, Bauernſtand (Dorfbewoh⸗ ner) in, III. 444 fgg. V. 107 fgg. VI. 678 fgg. —, der deut⸗ ſche Bauernſtand in, III. 474.3 —, Hakenbauern in, III. 4545 —, Volksbildung in, III. 556 fgg.; —, Landſchulweſen in, V 110fgg. VI. 755; —, Mas lerei u. Muſik in, VI. 398 fgg.; —, Baukunſtin, VI. 400 fgg.; —, innere Landesverwaltung VIII. 121 fgg.; —, Landes⸗ ordnung u. Landesſatzung, VI. 538 fgg. VII. 279 fag. VIII. 70 fgg. IX. 6 fgg., verbeſſerte Landesordnung VII. 23. 745; —, Landesrath in, VI. 567 fgg. VII. 187 fgg.; —, Maaß u. Gewicht in, VI. 145 fgg. IX. 1385 —, deutſche Einzoͤg⸗ linge in, II. 292 fag. III. 20 fag. IV. 104 fgg. VI. 568, deutſ. Einz. von Adel VI. 5583 —, Pferdezucht in, VI. 395 fag. und Pferderennen in, IX. 3055 —, Schafzucht u. Rin⸗ derzucht in, V. 43 fgg. VI. 39 1 fgg.; —, Weinbau in, IV. 611 fgg. V. 186 fgg. VI. 305
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780 —, Veredlung der Baumzucht in, VI. 396 —, Kreuzzüge nach, I. 248 fgg. II. 229 fag- III. 21 fgg. IV. 356 fag. —, Kirchenweſen in, III. 2 fgg · u. Kloſterweſen V. 387 fgg. VI. 740 fgg. VII. 487; — erzbiſchöfliche Würde in, II. 666 fgg. III. 5908; —, Bettel⸗ mönche in, IV. 620; —, Ge⸗ richtsverfaſſung IX 362; —, Badſtuben in III. 503. 541; —, böhmiſches Geld in, V. 783 —, Luxus in, V. 648; Luxusgeſetze VII. 5006, Erneue⸗ rung derſelben VIII. 20. 198. Preuſſen, die Stamm⸗, VI. 454 fgg. —, die edeln, II. 433 fgg. III. 56 fgg. 3 —, neu⸗ bekehrte, II. 265 fgg. III. 29 gg. IV. 36 fgg. 3 —, Ueber⸗ reſte d. alten Götzendienſtes unter den alten, VI. 753 fgg; —, die Sprache der alten, 1. 711 fgg. III. 558 fgg. —, Erndtefeſt der alten, 1. 616; —, Frühlingsfeſt der alten, I. 615. Preuſſiſch⸗Eylau, Stdt. u. ne IV. 541. VIII. 613. IX. ie Preuſſiſch⸗Holland, Stdt. u. Bg. III. 486 fag. IV. 23 fgg. VI. 633. VII. 120 fgg. VIII. 291 fgg. IX. 8 fg. —. Hoſpital bei, VII. 1913 —, Tagfahrt zu, VIII. 52. IX. 126 fag · preuſſiſch⸗Mark, Stdt. u. Bg. III. 317. V. 105. VII. 101 gg. VIII 317 fgg. IX. 116 fg. —, Herſtellung des Konvents zu, VIII. 200. Probat ion, die, VI.. 189 fgg. Puſilie, Joh. v. d., Official des pomeſaniſchen Domſtiftes V. 360. 63. ꝓPuſtonen, preuſſiſche Prieſter⸗ klaſſe 1. 609. Putzig, Stöt. VIII. 604 fgg. cpyopſe, ermländiſcher Heer⸗ führer 1. 513. II. 386 fgg Allgemeines Regiſter. ö aus Maſſilien I. 17 99 · Q. Queden, Ludw. v., Landmei⸗ ſter in Preuſſen III. 10 fag. Queis, Erhard v., Bild. v. Pomeſanien IX. 694 fgg. Querfurt, Meinhard v., Landmeiſter in Preuſſen III. 309. IV. 30 fgg · Quidino oder Duidzin, In⸗ ſel I. 483. II. 234 fg · R. Rabe, Engelhard, oberſter Marſchall, Kth. 3. Thorn, Landkth. v. Kulm V. 500 fgg⸗ VI. 6 fog- Rabenſtein, Heinr. v., ober⸗ ſter Marſchall, Vogt d. Neu⸗ mark, Kth. z. Thorn, oberſter a on VII. 591 fog. VIII. 2 fgg· eue zn e Friede zu, VII. 5. Ragnit, Stdt. u. Bg. I. 171 fog. III. 338 fog. IV. 13 fag: V. 38 fgg. VI. 3 fgg. VII. 30 fag. VIII. 336 fgg. Raſtenburg, Stdt. I. 490 fgg. II. 188. IV. 280. V. 35 faq. VI. 225. VII. 44 fgg. VIII. 19 fag. IX. 146 fog- Ratzeburg, Ernſt v., Lands meiſter in Livland III. 361 fgg · IV. 4. Raubweſen, das, in Preuſſen IX. 490 fgg. Raueneck, Fritz v., Söldner⸗ häuptling VIII. 412 fgg. IX. 29 fog- Raunonia J. 15 füg- Rechenberg, Helmerich v., Landmeiſter in Preuſſen III. 203 f99- Rechenberg, Hans v., Rit⸗ ter IX. 609 fgg.
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Allgemeines Regiſter. Recht, kulmiſches Erb⸗, III. 415 fgg. —, preuſſiſche Gü⸗ ter auf unuuterbrochenes Erbz, III. 449 fog.5, —, Erb⸗ V. 661: —, flämiſches Erb⸗, VI. 589 fgg.; —, ununter⸗ brochenes oder preuſſiſches Erb⸗, VI. 603 fag. —, Erb⸗, in Bezug auf die Landgüter VII. 768 fgg.3 —ı verändertes Erb=, der auf Erbrecht verliehenen Güter, VIII. 213 —, deutſches IV. 1875 —, deutſches Weich⸗ bilds⸗, VI. 5905 — kulmi⸗ miſches (alter Kulm) III. 414 fog. IV. 186 fgg . V. 301 fog. VI. 542 fgg.3 — lübeckiſches III. 487 fgg. IV. 138. V. 305. VI. 387 fgg.; —, magdeburgi⸗ ſches iu. 49 fog. IV. 7 fog. V. 504. 660. V1. 542 fgg. IX. 158, zu beiden Kunnen VI. 508 fgg. ; —,magdeburgiſches Weichbilds⸗, VI. 381 fgg.3 — preuſſiſches oder Wehrgelds=, IV. 595 fgg V. 4 fgg. VI. 381 fag. —r flämiſches VI. 588. 589 —, polniſches VI. 587 fgg. polniſches Ritter ⸗, II. 298 fgg. VI. 610; —, das große, der Edlen der ſamländiſchen Kirche III. 421. IV. 116 fgg.; —, Withings⸗„ III. 430 f.. —r Weg⸗ und Steg⸗, VI. 6735 —, das Stadt⸗, VII. 7583 Markt⸗ und Handels ⸗, VI. 646 fgg. —, Strand ⸗, v. 5 —, ſchleſiſches Gold⸗ und freiberger Silber ⸗, VI. 588; — beſtimmungen über die preuſſiſchen Güter VIII. II fgg. Reformation, Vorbereitun⸗ gen zur, in Preuſſen IX. 691 f., ihr Fortgang IX. 709 fgg. Regalien, die, II. 512. Vl. 120 fgg. —, der Forſten VI. 641 fgg. — der Gewäſſer VI- 635 fgg. Regenſtein, Siegfr. v., Biſch. v. Samland I. 661. IV. 114 ul fag. Rehwinkel, M. Joh., des D. O. Procurator u. Kaplan 781 d. Hochmeiſters, Biſch. v. Sams land IX. 77 fgg. Reiks, die, I. 175 fgg. II. 401 fgg. III. 443. Reinecke, Schultheiß von Kulm l. 505 fg. Reiſegericht, das V. 504 fgg. VI. 448. Reithgothland I. 197 fgg. Reitzenſtein, Erasmus v., oberſter Trappier, Marſchall IX. 136 fgg. Remchingen, Joh. v., ober⸗ ſter Treßler, Großkth. VII. 774. VIII. 41 fag. Renſen⸗See, der IM 3533 —, Schlacht am, II. 500 fgg. Rentekauf, der VI. 152. Reſien, Reyſen oder Re⸗ fen, Geb. 1. 481. II. 250 fgg · Reuß, Heinr., Landkth. v. Kulm IV. 523 fgg. Rheden, Stdt. u. Bg. I. 294 fog. 11. 255 fgg. 1II. 204 fgg· IV. 22 fgg. VI. 148 fgg. VII. 51 fgg. VIII. 87 fog. Rhein, Stdt. u. Bg. I. 497 fgg- V. 276 fgg. VIII. 445 fgg. Richtenberg, Heinr. Jolr. v., Großkth. VIII. 199 fgg. Richtenberg, Heinr. Reff⸗ le v., Fiſchmeiſter 3. Putzig, e W VIII. 3 fgg. IX. 3 fgg. Risſenbusg, er u. Bg. II. 280 fgg. III. 380 fgg. V. 283. VII. 251 fgg. IX. 120 fgg. Ritterbank, Rittergericht od. Landbank VI. 564 fag. — zu Graudenz u. zu Marienburg VII. 148. Ritterswerder, Bg. V. 99 fog. VI. 22 fgg·3 , Verhand⸗ lung auf, VI. 272 fag. Roeder, Volkel v., Söldner⸗ häuptling VIII. 412 fog. Rogodzno, Schlacht bei, IV. 133 Rogge, Gottfr. v., Meiſter v. Livland III. 512. IV. 143 fg. Roggenhauſen, Bg. V. 204.
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782 V. 523. VI. 546 fag. VIII. 363 fgg. Rohrbach, Winno v., Meiſter der Schwertbrüder I. 410 fgg. Romehnen, Rummove oder Romayn, Dorf I. 640 fgg. Romowe, I. 46 fgg. II. 286 fgg. III. 43 fgg. IV. 44. V. 162 fag · Roßdienſt oder ſchwerer Dienſt VI. 503 f99- Rößel, Stdt. u. Bg. I. 496. II. 405 fgg. III. 212 fgg. V. 55 fgg. VIII. 445 fgg. IX. 46. Roßiten, Bg. VI. 246. Roßtäuſcher, Pferdehan⸗ del der, VII. 703. VIII. 162. Rotenſtein, Conr. Zölner v., Hochmeiſter V. 379 fgg. VI. 292 fgg. Nuch (Rogowo), Vg. I. 451 fog. II. 173 fag. Rudau, Schlacht bei, V. 215 fag.) —, Denkſäule auf dem Schlachtfelde von, IV. 591. Ruede, Conr., Deutſchmeiſter v. 349 fgg- Rudolf, Graf v. Habsburg, deutſcher Kaiſer III. 77 fgg. Rudolf, Viſch. v. Pomeſanien IV. 370 fgg. VI. 761. Rudolf, Hzg. v. Sagan VIII. 399 fog. Rudolf Biſch. v. Lavant, päbſtlicher Legat VIII. 692 fgg · Rumdorf, Werner v., oberſter Trappier u. Kth. z. Chriſtburg V. 151 fgg · Rumpenheim, Joh. v., Kth. v. Brandenburg, oberſter Spitt⸗ ler, Trappier VI. 98 fgg. Rußdorf, Paul v., Kth. z. Mewe, Großkth. oberfter Trap⸗ pier, Spittler, Hochmeiſter, Pfleger z. Raſtenburg VII. 263 gg. VIII. I. 9 fag - Rutenberg, Cyſſe v., Mei⸗ ſter v. Lioland VII. 520 fgg Rymann, Joh., pomeſaniſcher Dompropſt, Biſch. v. Pome⸗ ſanien V. 560 fog. VII. 39 fag. Allgemeines Regiſter. S. Sachſe, Johannes, Landkth. v. Kulm IV. 89. 90. Sagan, Hans v., königsberger Schuſtergeſelle V. 710 fgg. Sack, Conr., Landkth. v. Kulm, Landmeiſter in Preuſſen, Kth. . Thorn, Golub IV. 110 fag. Saleiden, Otto v., Ordens⸗ ritter II. 168 fgg. Salfeld, Stdt. IV. 311. 515. VIII. 407 fgg. Salfeld, Joh., Biſch. v. Sam⸗ land VII. 278 fgg. Sallinwerder YI. 93 fgg.; —, Friede auf, VI. 98 fag. Salome, Hzgin. v. Cujavien IV. 91 fgg. Salza, Hermann, v., vier⸗ ter Ordensmeiſter IT. 68 fag. III. 328 fgg. IV. 73. 411. Samaiten, Land IV. 4 fgg. V. 16 fgg. VII. 22 fgg. VIII. 683. IX. 309. 333. Sam aiten, Bisthum VII. 315. 325. Sambor, Sohn Miſtwin's, Hg. v. Pommern I. 166 fgg. 11. 243 fgg. III. 28 fgg. Samland, Landſch. I. 169 fgg. IT. 290 fgg. III. . 21 fgg. IV. 5 fgg . V. 28 fgg. VI. 158 fgg. VII. 9 fgg. VIII. II fgg. IX. 6 fgg.; —, däniſche Ko⸗ lonie auf, I. 235 fgg.; — iſches Privilegium VII. 1973 —, die Vornehmſten, II. 526 fgg. II. 62 fag - 5 Samland, Bisthum III. 6I fag. IV. 167 fgg. V. WS fgg. VI. 753. VIII. 70 fgg. IX. 31 fgg . Samo I. 169 fag. jr Albrecht in Preuſſen VII. 903. Sangerhauſen, Anno v., Hochmeiſter III. 107 fgg. IV. 32 Saffen, Land I. 476 fgg. II. 4666. 476. III. 112 fgg. Saunsheim, Eberh. v., Deutſchmeiſter VII. 376 fgg. VIII. I. 4. fag .
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Allgemeines Regiſter. Savoyen, Wilh. v., Biſch. v. Modena I. 450. II. 258 fgg · Sayn, Graf Gottfr. v., zu Witgenſtein VIII. 126. Schabernack, ein Ackertheil VI. 579 A. 1). S os zabel (Schachſpiel) VI. Me Schalauen, Landſch. I. 170 fgg. II. 468. III. 65 fgg IV. 11. 38. v. 134. 175. Schalski, Jon, Hauptmann zu Braunsberg, Frauenburg VIII. 575 fgg Schauen pflug, Cas p., Propſt v. Ermland VII. 250 fg · Schaumburg, Heinr. v., Biſch. v. Samland VII. 40 fgg. Schellendorf, Georg v., 3 VIII. 412. 123. Scheve, Berth. v. d., Lan⸗ desritter VI. 261. Scheve, Auguſtin v. d., Landesritter VIII. 209 fgg. Schiffkinder (Matroſen), die VII. 105 fgg. Schindekopf, Hennig, Kth. v. Ragnit, Balga, Vogt v. Natangen, oberſter Marſchall V. 94 fag · Schippen, Lud w. v., Kth. z. Brandenburg, Elbing, Lands meiſter in Preuſſen IV. 31 gg. Schippenbeil, Stdt. u. Bg. I. 181 fag. II. 403 fgg. V. 78. VIII. 65 fag- Schlangen, Verehrung der, in Preuſſen I. 170 füg., in Lit⸗ thauen V. 496. Schlieben, Georg v., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 309 fgg. IX. 13 fgg · Schlochau, Stdt. u. Bg. I. 374. IV. 221. 287. V. 346. 687. VII. 107 fgg. VIII. 363 fg · Ste oder Fernis VI. 135 — 366. Schmieds-Inſel, die II. 396 fag · 783 Schneckenberg, Bg. II. 390 39. Schönaich, Steph. v., Söld⸗ nerhäuptling III. 630 fag. Schönberg, Sidt. u. Bg. IX. 120. 286. Schönberg, Veit v., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 381 fag. Schönberg, Hans v., Rath u. Kämmerer d. Hochmeiſters IX. 309 fgg. Schönberg, Dieter. v., des Hochmeiſters Albrecht Rath IX. 479 fgg. Schönberg, Wolf v., Ritter IX. 5063 fgg. Schöneck, Bg. VIII. 308. 631. Schönenberg, Hermann v., Landkth. z. Kulm III. 308 fgg. IV. 30. Schön ewik, Bg. III. 218. 549. IV. 186. 605. Schönſee, Stdt. u. Bg. III. 207. 308. IV. 464 fgg. VI. 546 fgg. VII. 193 fgg. VIII. 365 fgg. Scholim, Prozeßſache des Hein⸗ rich, VIII. 90. 108. Schrandenberg, Bg. II. 390. 400. Schumacher, Hauptmann zu Elbing VIII. 612. Schurburg, Wilh. v., Lands meiſter in Livland III. 393 fag- IV. 27 fag. Schwansdorf, Melch. Köch⸗ ler v., oberſter Spittler und Kth. z. Brandenburg, Oſterode IX. 195 fgg. Schwarzburg, Graf Al⸗ brecht zu, Kth. z. Schwetz, Danzig, Thorn, oberſt. Trap⸗ pier u. Kth. z. Chriſtburg VI. 4 fgg. VII. 10 fgg. Schwarzburg, Günther v., (Vice⸗) Landkty. von Kulm, oberſter Trappier u. Kth. zu Chriſtburg, Großkth. IV. 89 gg · Schwarzburg, Sieghard v., Landmeiſter in Preuſſen, oberſter Spittler, Kth. v. Bir⸗
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784 gelau, Graudenz, Chriſtburg IV. 204 fgg. Schwarzburg, Carl v., Or⸗ dens⸗ Statthalter V. 2. A. 1). Schwarzburg, Siegfried Flach v., Hauptmann u. Kth. zu Balga, oberſter Trappier VIII. 599 fgg. IX. 4 fgg. Schwenden, Burchard v., Hochmeiſter III. 394 fgg. IV. 28 f99- Schwertorden oder Orden des Ritterdienſtes Chriſti 1. 407 fag. II. 201 fgg. III. I. 60 fgg Schwetz, Sdt. u. Bg. I. 372. II. 360 fag. IV. 221 fgg. VII. 53 fgg. VIII. 91 fag. Sclode, ſamiſcher Edler III. 83 fgg · Scomande, ſudauiſcher Heer⸗ führer III. 297 fgg. IV. 15. Scoter, halbe V. 314 fgg. . Stdt. u. Bg. IX. RR S e ber, die, auf der Oſt⸗ und Nordſee V. 312 fgg. Seeſten, Stdt. u. Bg. V. 78 fgg. VI. 21. VII. 579. Vu 366 fgg. Seinßheim, Ludw. v., Kth. 3. Oſterode, Königsberg, Kob⸗ lenz IX. 213 fgg. Selbach, Joh. v., Kth. zu Thorn, oberſter Trappier, Kth. v. Mewe, Brandenburg VII. 244 fgg. Sensburg, Stdt. V. 78. VI. 21 fag. 4 Seyn, Eberh. v., Deutſchmei⸗ ſter III. 24 fag. Siggonen, Siggonoten, r Prieſterklaſſe I. 272. 607. Sigismund, Fürſt v. Staro⸗ dub, Großfürft von Litthauen VII. 562 fgg. Sigismund I, König v. Polen IX. 148 fag- Sickingen, Franz v., Ritter IX. 570 fgg. Sinten, Joh. v., Erzbiſch. v. Riga VI. 7 fag- Allgemeines Regiſter. Sirgune (Sorge), Fluß J. 181 fgg. II. 250 fgg.; Wr Schlacht an der, II. 231 fg9. Sitten, Siegfr. v., oberſter Spittler IV. 523. Skandianer oder Skandiſche Gothen 1. 95 fag. Slick, Kaſp., Kaiſer Sigis⸗ mund's Kanzler VII. 502 fgg. VIII 67 fgg. Slotorie, Bg. V. 264 fgg. VI. 197 fgg. VII. 3 fag., des ren Gebiet V. 391 fag. Sodrech, preuſſiſcher Landes⸗ fürft I. 429. 433. Soldau, Stdt. u. Bg. VII. 51 fag. VIII. 408 fgg. IX. 42 fgg. Sonnenborn, Hartung v., oberſter Trappier u. Kth. zu Chriſtburg IV. 523. 541. n die VI. L . Spanheim, Siegfr. Lan⸗ der v., Meiſter von Livland VII. 265 fag. 9 Dr. Paul, IX. 110. Spielgeſetze, die VI. 715. Spira, Frieder. v., oberſter Treßler V. 3. Spitalweſen, das, des Or⸗ dens VI. 450 fgg. VIII. 142. Spitäler, beſſere Einrichtung der, IX. 3365 —, Aerzte in den, VI. 451. Spittenberg, Bg. III. 293. Spittler, die VI. 450 fgg.; —, oberſter VI. 437 fgg · Splittern, Bg. V. 437. Städte, Gemeinweſen der, VI. 699 fag. ; — weſen, das, in Preuſſen V. 97 fgg. — Ma⸗ giſtrate der, V. 329 fag. VI. 18 fag.; —, Schultheiß oder Meiſter der, III. 485 fgg. ; —, Wahl der Nathsmänner der, VII. 407 fgg.3 —, Ges richtsweſen der, V. 45 fg. —, Gerichtsbarkeit der, II. 493 fgg.; — gericht III. 491 fgg oder gehegetes Ding der Stdt. VI. 708 fgg.; — all⸗
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Allgemeines Regiſter. gemeine, Ordnung VI. 205 —, Willkühren der, III. 496 fgg. V. 18 fag.5 — = Gemeine VI. 699 fgg.5 —, Adel in den, V. 328. 329. VI. 151. 559; —, Gemeingärten in den, V. 332. 336; —, Bänke oder Bu⸗ III. 302 fgg. ; Neumark, Strasburg 5 5 St u o, Heinr., Kth. ge N III. 42 fgg. IV. 120. Stapel, M. Arnold, des Hochmeiſters Conr. v. Jungin⸗ gen Kanzler, Biſch. v. Kulm VI. 211 fgg. Stargard, Stdt. u. Bg. III. 356. VII. 637. VIII. 19 fgg. Starkenberg, Bg. III. 292. Stephan, Biſch. v. Kulm IX, 132 f99- Sternberg, Mangold v., Landmeiſter in Preuſſen III. 373 fgg · 8 Sternberg, Mich. Küchmei⸗ ſter v., Vogt in Samaiten, der Neumark, oberſter Mar⸗ ſchall, Kth. v. Danzig, Hoch⸗ meifter VI. 185 fgg. VII. 37 Sie rtz, Joh., Bürgermeiſter zu Kulm VII. 664 fgg. Stetten, Zürich v., Vice⸗ Deutſchmeiſter IV. 446. A. I). IX. 785 Stetten, Eber h. v., Deutſch⸗ meiſter VIII. 127 fgg. Steuer, allgemeine Land⸗, oder Schoß VII. 138 fag. —, all⸗ gemeine, zur Befriedigung der Söldner des D. O. VIII. 431 fgg.5 — Kopf⸗ u. Vermögens⸗, VII. 642 fgg. —, Vermögens⸗ u. Bürgers, VI. 58. 1043 —, Haus⸗ und Vermögens ⸗„ IX. 467; —, Verbrauch⸗ u. Ein⸗ kommens ⸗, VIII. 538; —, Ge⸗ werbe⸗, in Städten u. Dörfern III. 541. VI. 6565 —, Brau⸗, Bier⸗, IX. 289 fgg.; —, Vieh⸗, IX. 153. 467; —, ungewöhn⸗ liche Landesauflagen und, VI. 665 fgg. 8 Stiborziz, Stibor v., Ge⸗ ſandter König Sigismund's v. Ungern VII. 74 fag. Stipendiums, Stiftung eines, zu Leipzig IX. 298 — 99. Stockheim, Hartmann v., Kth. z. Kaffenburg, Deutſch⸗ meiſter IX. 264 fgg. Stolp mann, Gerh., Biſch. v. Pomeſanien VII. 314 fgg. Strasburg, Stdt. u. Bg. III. 295. IV. 22 fgg. V. 39 fgg. VI. 546. VII 66 fgg. VIII. 87 fag. IX. 45 fag. Straßenbettelei, nung gegen, VI. 718. Straßengerichte, bie VI.622 99. Streitberg, Steph. v., Hauskth. z. Königsberg, Groß⸗ kth., Statthalter des Hochmei⸗ ſters IX. 101 fgg⸗ Struperger, Joſt, Vogt d. Neumark, oberſter Marſchall 5 Kth. z. Balga VII. 386 9g. Struterie, die V. 294. All; die Struter III. 365 fag. IV. 20 fgg. V. 173 fag. Stuhm, Stdt. u. Bg. I. 482. 483. II. 280. 433. VI. 130. VII. 106 fag. VIII. 371 fo. 8. 0% Suantepolc, ein Gryphe J. 339. 50 Verord⸗
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786 Suantepolc, Hzg. von Pont mern 1. 457 fgg. II. 183 fgg. UL 1. 19 fgg. IV. 220. Suavabuno, Herr v. Löbau 1. 440 fgg. II. 303. 464. Subislab I, Fürſt v. Hinter⸗ pommern J. 352 fgg. Subislav II, Sohn Sambor's I. 375 fgg. Subsidium caritativum IX, 301. Sudauen, Landſch. I. 170 fgg. III. 99 fgg. IV. 12 fgg. V. 35 fgg.; — iſcher Winkel IN. 398. Suemen, Fiſcherkolonien VI. m ” A. 4). Mi walgonen, preuſſiſche Prie⸗ ſterklaſſe I. 609. 5 Swenten, Jocuſch v., Lan⸗ desritter VIII. 234 fgg. Swenza, Graf, Woiwode v. Danzig IV. 134 fgg. Switrigal, Sohn Olgjerb’s, Fürſt V. 286 fgg. VI. 22 fgg. VII. 20 fgg.; —, Bündniß des D. O. mit, VII. 55 fgg. Swynau, Muſigk v., Söld⸗ nerhäuptling IX. 40 fgg T. Tageszeiten, die, oder das Tag⸗Amt VI. 482. 493 — 91. Tanewetzel, eine ſeuchenar⸗ tige Krankheit VI. 281. Tannenberg, Schlacht bei, VI. 597. 635. 665. VII. 85 fgg.5 —, Kapelle auf dem Schlachtfelde von, IV. 591. VII. 199. 245. Tannenrode, Berthold v., Deutſchmeiſter II. 524. A. J). Tapiau, Stdt. u. Bg. III. 157 fgg. V. 38. 422. VI. 393.390. VIII 441 fgg. IX. 65 fgg Teichgräfen, die VI. 673. Tempelmeiſter, der VI. 174. Tempelorden, der J. 408 fgg. II. 8 fgg. III. 589 fgg. IV. 55 fg. Allgemeines Regiſter. Tergowitz, Nicol. v., Ei⸗ dechſenritter VIII. 369 fag. Terminirens, Verbot des, der Mönche zu Elbing VIII. 192. Tettau, Ans helm v., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 412. 496. IX. 13. 216. Tettau, Hans v., Söldner⸗ häuptling VIII. 542. Tettingen, Wern. v., ober⸗ ſter Trappier, Marſchall, Spitt⸗ ler u. Kth. z. Elbing, Statt⸗ halter des Hochmeiſters W 26 fag. VI. 2 fag. VII. I. 3 fag. Theodorich, Kth. zu Königs⸗ berg, Vice⸗Landmeiſter in Preuſ⸗ ſen III. 197. Thierberg, Conr. v., der Aeltere, Landmeiſter in Preuſ⸗ fen III. 304 fgg. IV. 5. Thierberg, Conr. v., der Jüngere, oberſter Marſchall, Landmeiſter in Preuſſen III. 322 fgg. IV. 7 fgg. Thiergart, Joh., Großſchäf⸗ fer v. Marienburg VI. 54 fog- Thiergart, Joh., von Danzig, des D. O. Procurator, Biſch. v. Kurland VII. 360 fgg- Thorn, Stdt. u. Bg. II. 173 fag. III. 24 fgg. IV. 25 fg. , V. I. 4 fgg. VI. 19 fgg. VII. 4 fgg. VIII. 1 — 2. 19 fgg. IX. 6 fgg.; —, Alt- u. Neu⸗ ſtadt, IV. 185 fgg. —, Kon⸗ vent zu, VII. 769— 70. VIII. 308; —, Rath der Stadt, VII. 559. 768. VIII. 347 fgg. —, die Stadtgeiſtlichen, VII. 5505 —, Jungfrauenkloſter zu, V. 2203 —, Schule zu, VII. 494; — Tuchhandel V. 44 fgg. — Kaufhaus zu, V. 331 fgg.; —, Handelsniederlage zu, VIII. 162. 337. IX. 6 fag. —, Friede zu, VII. 133 fgg. VIII. 697 fgg. IX. 5 fgg.; —, Bei⸗ friede zu, IX. 631 fgg. —, Tagfahrt zu, IX. 419 fag. Thünen, Thiele v., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 412 fgg⸗ Tief, das neue, VII. 489. VIII. 90. IX. 347.
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Allgemeines Regiſter. Tiefen, Hans v., Großkth., oberſter Spittler, Hochmeiſter IX. 101 fgg. Tiefen au, Dieter. v., III. 463 fgg. Tilfit, Bg. VI. 376 fgg. VII. 22 fgg. VIII. 336. 31. Tippelskirch, Rudolf v., oberſter Trappier u. Kth. zu Rhein IX. 275. 435. Dirsko, nadrauiſcher Landes⸗ fürſt 1. 513. III. 90 fag- Tiſchverſchreibungen, die ſ. g., VIII. 192. Tod, ſchwarzer V. SU fag. Tokwyl, Witowd's Bruder V. 113 fgg · Tolkemit, Stdt. I. 214 fag. VIII. 291. 408. Tonna, Albrecht v., ober⸗ ſter Trappier VII. 127. Tork, Dieter., Meiſter von Livland VII. 205 fgg Trappier des Haupthauſes, oberſter Trappier des Ordeus IV. 258 fgg. VI. 437 fgg. Treßler, der, oder Ordens⸗ ſchatzmeiſter IV. 64 fgg . VI. 394 f3g- j Trier, Carl v., Hochmeiſter IV. 274 fgg. VI. 434. 763. Trier, Ortolf v., Kth. von Balga u. Vogt zu Natangen, oberſter Spittler u. Kth. zu Elbing V. 79 fgg. h Trotzler, Auguſtin v., Söld⸗ nerhäuptling, Hauptmann zu Marienburg VIII. 548 fgg. Truch ſes, Georg, Spittler d. Königsberg, Großkth. IX 365 fag. Truchſes, Jobſt, Pfleger zu Neidenburg, Großkth. IX. 297 a o, Handelsſtadt I. 209 fgg. 11 288 fag. Tuchel, Stdt. u. Bg. IV. 224. 290. V. 47. 105. VI. 663. 687. VII. 111. fag. VIII. 363 fgg. Tuch fabrication, die, in Preuſſen III. 503. VI. 318 fgg. VII. 103; —, in Kulm und Preuſſ. Holland VII. 32. 787 Tüngen, Nicol. v., Biſch. v. Ermland IX. 9 fg. Er Tuliſſonen, preuſſiſche Prie⸗ ſter 1. 504 fag. Tumeler, die V. 153 fgg. Turcopele, die (leichte Rei⸗ terei) VI. 419. 531. Turno (Thorn), Bg. I. 451 fgg. II. 221 fgg. Twangſte, Berg I. 99., Wald III. 86. U. ulmigerer oder Ulmerugier, unf J. 31 fag. nſatrapis (Inſterburg), Bg. 1. 401. If. 101 es Urban IV, Pabſt III. 198 fgg. Urban V, Pabſt V. 167 fgg. Urban VI, Pabſt V. 350 fgg. Urenbach, Wilh. v., Hoch⸗ meiſter II. 659. utenho fen, Nicol. v., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 590. utenhofen, Arnold v., Söldnerhäuptling IX. 157. V. Veneder, Wenden, Winider oder Vandalen, die 1 10 fag. Venedig, Ordenshaupthaus zu, IV. 70 fg. — Hochmeiſter⸗ fig zu, II. 657 fgg- Venningen, Siegfr. v., Deutſchmeiſter V. 400 fgg. VI. G. Venningen, Joſt v., Kth. z. Mergentheim, Deutſchmeiſter VIII. 128 fgg Verhandlungstag zu Bres⸗ lau VI. 75. SI. VII. 60 fgg · IX. 342 fgg., und Ausſpruch VII. 367 fgg.; — zu Brzeſe VII. 660 fgg. VIII. 637 199-5 — zu Garthen VI. 93 fgg. VII. 476 fgg.; — zu Grabau VII. 233 gg.; — zu Gnievkowo VII. 285 fgg.; — zu Kaſchau VII. 313 fgg· zu Solecz VI. 433. 434; — zu Preßburg IX. 475 fag ·
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788 Vidivarier (Widi⸗varer), die I. 114 fgg. Vierbrüderfäule, die IV. II3. 589 fgg. Vierchen, preuſſiſche Geldſorte V. 647, Vierdener, die, zu Dirſchau VI. 638 — 39. Vietinghof, Arnold v., Meiſter v. Livland V. 162 fgg. Vietinghof, Conr. v., Land⸗ meiſter v. Livland VI. 217 fgg. VII. I. 7 fyg. Pikinger, die, I. 193 fag. Virneburg, Eberh. v., Kth. v. Königsberg, oberſter Spittler Iv. 183 fgg. Viſitatoren, die III. 534. IV. 572. V. 297 fgg. VI. 407 fgg. VII. 702 fgg. Vitalienbrüder, die, V. 634 fgg. VI. 42 fg. VII. 29 fgg. Vögte, biſchöfliche III. 55 1. 550. VI. 628 fgg.; — des Ordens III. 521 fgg. VI. 480 fgg. Vogelſang, Bg. II. 173. 190. Vogelſchießen, das V. 98. 703. VI. 504. 728. Volpert, Vogt v. Samland III. 94, Volquin, Meiſter des Schwert⸗ ordens I. 418 fgg. II. 301 fgg. W. Wafeler, Ludw., Kth. 3. Thorn, oberſter Treßler V. 501 99. Wahlacte, vorgelegt dem Hoch⸗ meiſter von Seiten der Stdte. VII 406 fgg. Wahlkomthur, der VI. 415.416. Waide, die preuſſiſche VIII. 12. Waidelotten, die I. 147 fgg. II. 412 fgg. In. 1535 —, die Unter ⸗, I. 609. 612. Waiſſelbrodt, Dr. Lucas, Biſch. v. Ermland IX. 175 fgg. Wald, heiliger I. 181 fgg. II. 250 fgg. III. I. 80 fgg. IV. 13 fgg. V. 66 fgg. Waldaͤmter, die VI. 547. Allgemeines Regiſter. Waldeck, Kloſter der heiligen Dreifaltigkeit zu Groß⸗, V. 391. „ l II, König v. Dä⸗ nemark I. 435 . II. 141 fgg. 1 fg fag Waldemar III, König v. Dä⸗ nemark V. 20 fgg. Wallenfels, Eberh. v., Kth. z. Ragnit, Thorn, ober⸗ ſter Marſchall VII 10 fgg. Wallenrod, Conr. v., ober⸗ ſter Marſchall, Großkth., Hoch⸗ meiſter V. 407 fgg. VI. I. 7 fag. VII. 8. 39. Wallenrod, Frieder. v., oberſter Marſchall, Kth. z. Rhein, Straßburg, Mewe V. 582. VI. 26 fgg. VII. 9 fag. Wallewona, ſp. Wiſenburg, Bg. I. 181 fgg. II. 404 fgg. III. 237 fgg. Wandofen, Kaſp., des D. O. Procurator u. Hauptmann = der Engelsburg VII. 322 99. Wargule, Sohn Sclode's IN. 202 fgg. Warmo I. 170 fgg. Warnsdorf, Nicol. v., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 412 fgg. Warnsdorf, Kaſp. v., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 490 fgg. Warpoda, Herr v. Lanſa⸗ nien J. 410 5 Wartenberg, Minoriten-Klo⸗ ſter zu, V. 392. Wartenberg, Bg. III. 295. Wartenberg, Jon. v., Herr 3. Blankenſtein, Söldnerhäupt⸗ ling VIII. 490 fgg. Wartenburg, Stdt. u. Bg. J. 590. II. 489. IV. 403. V. 104 fgg. VIII. 445 fgg. IX. 27 fgg . Wartgeld und ſchalviſches Korn IV. 83 fgg. V. 301 fgg. VI. 386 fgg. VII. 778. VIII. 12 fgg. Wartkorn, das III. 485. Waſſerſcheide, die, Preuſſens 1. 77. Watt, Paul v., Kanzler des Hochmeiſters u. Dompropſt zu Dorpat, Biſch. v. Samland IX. 308 fgg.
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Allgemeines Regiſter. Weberſteten, Heinr. Gans v., oberſter Trappier V. 407. Wege, Thilemann v., Bür⸗ germeiſter v. Thorn VIII. 218 f 9 · Wegeleben, Joh. v., Land⸗ meiſter in Preuſſen UI. 234 fgg. Wehlau, Stdt. u. Bg. I. 500. III. 99 fgg. IV. 3 fgg. V. 59 fgg. VII. 764. VIII. 445 fgg. IX. 324. Wehrgeld, das 1.520. VI. 574 gg · 3 der freien Preuſſen 111. 432; — der Preuſſen IV. 594 fgg. V. 6625 — der Wi⸗ thinge u. der Freilehensleute V. 42 — 3. Weichſelfahrt, Schiffsordnung für die, V. 402 fgg. VI. 145 el, Co nr. v., Erb⸗ kämmerer des Römiſchen Reichs VIII. 23 fgg. Weiſtote⸗Pil, Bg. I. 493 fag. II. 404 fgg. IN. 237. Weitershauſen, Dieter. v., Deutſchmeiſter u. Kth. z. Mainz VII. 375. Weizau, Ludolf König v., oberſter Treßler, Großkth., Hochmeiſter IV. 482. fag. V. Wejonen, preuſſiſche Prieſter⸗ klaſſe 1. 609. Weklitz, Bg. I. 486. III. 281. Wellen, Frieder. v. oberſter Trappier u. Kth. 3 Ehriſtburg VII. 174 fag. Wenden, Frieder, v.; Kth. 3. Golub, Thorn; oberſter Treßler VI. 6 fag - Wendenland (Pommern) I. 134 fgg · — Wenemar, Landmeiſter in Liv⸗ land IV. 244. Werkſtein oder kleiner Stein VI. 135. Werner, Biſch. v. Kulm III. 345. IV. 42. Werterde, Dieter. v., Rath des Hochmeiſters Friederich v. Sachſen IX. 293 fgg. Weſenthau, Eberh. v., ober⸗ 789 ſter Treßler, Trappier, Kth. z. Schwetz u. Thorn VII. 706 199. Weſſenberg, Bot v., Söld⸗ nerhäuptling VIII. 411 fgg. Wetzhauſen, Martin Truch⸗ ſes v., Kth. z. Oſterode, Hoch⸗ meiſter IX. 4 fgg. Wicbold, Bild. v. Kulm V. 189 fgg. Wicbold, Kaplan des Hoch⸗ meiſters Conr. v. Wallenrod V. 700. Wichmann zu Thorn, Unru⸗ hen des Mönches Peter, VII. 556 fgg. Wida, Heinr. v., Landmeiſter in Preuſſen I. 644. II. 382 fgg. III. 11 fag · Widen oder Witen, die I. 174 fgg. Widewud, Sage u. Geſchichte von, 1. 138 fag. Wildenberg, Frieder. v., Kth. v. Königsberg, oberſter Spittler, Landmeiſter in Preuſ⸗ fen, Großkth. IV. 278 fgg. Wildwerk, das VI. 643. Williſas oder Welſas, Bg. III. 352. Wirsberg, Georg v., Kth. 3. Rheden, Großſchäffer z. Kö⸗ nigsberg, Rath des Königs v. Böhmen VII. 124 fgg. Wirsberg, Vicent. v., ober⸗ ſter Marſchall, Kth. z. Thorn VII. 645 fgg. Wiſſegrad, 527 fg. Witgenſtein, Graf Siegfr. v., IV. 543. Withinge, die I. 236 fog. II. 527. III. 90 fgg. IV. 88 fgg. V. 42 fgg. VI. 2 fag. Witland oder Widen⸗Land 1. 116 fgg. II. 525 fgg.; —, das untergegangene, I. 677 fgg- III. 43. 345. A. 2). Witowd, Kynſtutte's Sohn, Großfürſt v. Litthauen V. 165 fgg. VI. 1 — 2 fgg. VII. 2 fgg. Wladimir, Paul, Douherr u. Rektor der Univerſität zu Krakau VII. 296 f99- Friede zu, IV.
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790 Wladislav Loktek, König v. Polen IV. 25 fgg. Wladislav (Nadirspan), Hg. v. Oppeln V. 571 fgg. Wobecke, Burch. v., Kth. v. Chriſtburg u. oberſter Trappier, oberfter Treßler, Kth. z. Engels⸗ burg VI. 98 fgg. VII. 10 fag. Wolfersdorf, Nicol. v., Söldnerhäuptling VII. 433 fg. Wolkenberg, Ludw. v., ober⸗ ſter Trappier V. 48 fgg. Woplauken, Schlacht bei, IV. 281. Wormdith, Peter, des D. O. Procurator VII. 66 fag. Wormditt, Stdt. u. Bg. IV. 180. VII. 247. VII. 439 fag. IX. 115. 5085 —, Landbank zu, VII. 274. 9 f Wulfſtan's Reiſebericht über Preuſſen I. 207 fgg. II 288. Würfelſpiel, das VI. 503 fgg. Wurskaite, preuſſiſche Gott⸗ heit I. 592 fag Wygant (Alexander), Ol⸗ gierd's Sohn V. 286 fgg. 3. Zakenzin, Laurent., kulmi⸗ ſcher Dompropſt VIII. 524 fg. Zackunenſpiel, das VI. 503. Zanthir, Inſel I. 483. II. 467 fgg. III. 28 fgg. Zantir, Bg. II. 534 fgg. III. 49 fgg. VI. 393. Zantoch, Bg. VI. 278 fag. VII. a (Zirme), die, der alten Preuſſen IX. 138. . Zarnowitz, Schlacht im Putzi⸗ ger Winkel oder bei, VIII. 630 fgg. N Zartowitz, Bg. II. 429 fag- IV. 517. Zauberei, Beſtrafung der, VI. 717 fag.5 — Verbot der, VIII. 20 fgg. 3 Zauberer und Zauberinnen IX. 138. 4» © 8 N © * 8 Balls = ) a = . em a Allgemeines Regiſter. Zehente, der, des Ordens III. 541. VI. 572 fgg. Zemen, Achatius v., polni⸗ ſcher Hauptmann v. Stargard IX. 729. Zenger, Ulrich, Kth. z. Me⸗ mel, Brandenburg, Balga, Thorn VII. 40 fgg. Zeno, Dr. Anton, v. Mailand, päbſtlicher Nuntius VII. 397 fgg. Ziegenberg, Bg. I. 622. Zinnenberg, Bernd. v., Söldnerhäuptling VIII. 389 fgg. IX. 29 fgg. — Bernd, v., Ritz ter IV. 428 fgg. Zins, der, der Landgüter III. 541; —, Areal⸗, Grund-, Ruthen⸗ oder Hofſteuer III. 498 fog. VI. 615. 655. 691; — huben⸗ geld VI. 651 fgg ; —, bäuer⸗ lich polniſcher, VI. 652. VIII. 22 fag.; — einkünfte VIII. 430 fgg -; — = und Zehentlieferuu⸗ gen IX. 271. 305. Zinsfuß, der, in Preuſſen V. 467 fgg. Zinten, Stdt. I. 487. 489. V. 97. VII. 250 fgg. VIII. 19 fgg. IX. 216 fgg. Zölle, Durchgangs⸗, VI. 666; —, Pfund⸗, V. 197 fgg. VI. 55 fgg. VII. 29 fgg. VIII. 1.48 fgg. IX. 188 fgg.; —, Ver⸗ handlung wegen des Pfund⸗, VIII. 37 fgg. —, Einnehmer des Pfund⸗, (Pfundmeiſter) VI. 463. VIII. 38 fgg.3 —, kleine, VI. 666; —, Verhand⸗ lung wegen der, VIII. 37 fgg.; — , peränderte=, Ordnung IX. 506. 657. Zollern, Frieder. Graf. v., Kth. z. Oſterode, Balga, Groß⸗ kth. VII. 10 fgg. Zuckſchwert, Heinr., Vogt v. Natangen IV. 47 fgg. Zupane oder Woiwoden, die I. 225 fgg.
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Verbeſſerungen zur Geſchichte Preuſſens. Neunter Band. Seite 14 Zeile 12 v. o. lies Recht „ 44 20 v. o. = Kulm, durch „ 50 8 v. o. = Seeburg „ 62 = 2 v. o. = Luckau „ 66 7 v. u. ⸗ HM. d. Liebmühl „ 106 = 18». o. = für den „ 122 3 v. o. > feinen „134 12 v. u. = naͤhere „ 155 19 v. o. = Den Biſchof - 156 1 v. o. s in die „ 330 s 2 v. u. = den Pfleger zu Barten Wilhelm „ 3435 9 v. u. = Hauskomthur „ 346 7 v. u. = Landkomthur an der Etſch „ 386 = 11 v. o. = als unwahr 460 2 23 v. o. - vornehmen 464 „ 7 v. u. = Schnitzenpainer „ 822 d 0, = Deren „ 736 ⸗ 13 v. o. = von
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Druck und Papier der Hofbuchdruckerei zu Altenburg.